Zukunft

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Illuminaten Kartenspiel

Södom & Gommerkel – Das Ende des Freiluftbordells und was uns nun erwartet

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„Wie können die Götter sowas zulassen?“, hört man vielerorts die Frage. Nachdem sie den Menschen über Jahrmillionen in mühsamem Stückwerk aufgebaut haben, sehen sie nun untätig zu, wie die Krone der Schöpfung in den Gulli marschiert? Bei aufgeklärten Spiegelbildbürgern wird diese Frage zweifellos nur einen weiteren Lachpruster hervorrufen, doch viele Menschen stellen sie gerade allen Ernstes und können ihretwegen nicht schlafen. Versuchen wir sie also zumindest bildhaft zu beantworten.

Dass Wahrheit zur „Schwurbelei“ erklärt und diejenigen, die sich der Lüge unter Einsatz und vielfacher Vernichtung ihrer bürgerlichen Existenz entgegengestellt haben, kurzerhand zu „Aluhüten“ gemacht wurden – natürlich wird das Leben einen solchen Frevel nicht ungestraft lassen. Der Preis dafür, dass wir es stattdessen zugelassen haben, dass sich die Lüge auf den Thron setzt und wir ihr ins Impferno folgen, wird sogar weitaus größer sein als der von bisherigen Irrwegen der Geschichte.

Es steht also jetzt bereits fest: Södom & Gommerkel, dieser marktkonforme Pfuhl, in dem Cum Ex-Gangster und Lobbyisten jeglicher Couleur ihre hemmungslosen Orgien feiern und  in dem sich Groß- und Kleinkriminelle zweifellos wie im besten Deutschland fühlen, das sie je hatten – wird fallen. Sein Fall wird mit der gleichen mathematischen Sicherheit eintreten wie die Tatsache, dass ein Turm aus weichem Kuhdung unweigerlich zusammensackt, wenn man ihn hundert Meter hoch zu  stapeln versucht. Da wird alle technotronische Marmelade, die man gerade auf die Fäkal-Zitadelle schmiert, um sie zu stützen, nichts nützen.

Die Abrissbirne für Gesundheit und Wohlstand

Doch um diese gewaltige, bereits qualmende und zum Himmel stinkende Müllburg zu beseitigen, muss Schwung gesammelt werden. Die Abrissbirne, die gerade nach rechts geschwungen wurde, um die lästige Wahrheit endlich zum Schweigen zu bringen und ungestört weiterfeiern zu können, wird mit voller Wucht zurückschwingen und den Bürgern geradewegs das nehmen, was sie durch ihre „Maßnahmen“ krampfhaft erhalten wollten: Ihren Wohlschand und ihre Gesundheit.

Das gigantische Verschrottungsunterfangen, dem wir gerade beiwohnen, wäre unmöglich zu bewerkstelligen gewesen, wenn man den guten & gernen Bewohnern von Södom & Gommerkel gesagt hätte: „Leute, eure Stadt ist dekadent geworden und daher abrissreif. Ihr habt Goethe und alle sonstigen kulturellen Grundlagen zum Teufel geschickt und seid eine Brutstätte von Arroganz, Heuchelei und Perversion geworden, die inzwischen auf die ganze Welt ansteckend wirkt und die daher rechtzeitig abgewrackt werden muss. Also, bitte seht es ein, gebt eure SUVs ab und haltet die Luft an!“

Alle guten & gernen Bürger, denen man so etwas vorschlüge, hätten sich mit Klauen und Zähnen dagegen gewehrt. Niemals hätten sie eingewilligt, dass man ihnen Gesundheit und Wohlstand von außen einfach so abnimmt. Denn ohne Gesundheit und Wohlstand schließlich kein Oktoberfest und kein Ballermann. Die einzige Möglichkeit war es also, die Bürger von sich aus dazu zu bringen, all das abzugeben. Das geht natürlich nicht auf vollbewusste Weise. Dass das, was sich auf unserer bewussten Ebene abspielt, meist recht unbedeutend ist gegenüber dem Geschehen auf der unbewussten Ebene, haben wir bereits erwähnt („Warum die Impfung nicht bloß schnöder Selbstmord ist – Das unterbewusste Motiv der Massen“).

In Wirklichkeit ist die Abrissbirne bereits auf die Bewohner von Södom & Gommerkel zurückgeschwungen. Sie hat das Dach dieser Burg mit einem großen, relativ schmerzlosen Wumms weggerissen. Die Bewohner der Burg hat das nicht sonderlich erschreckt. Es gab sogar viele offene Münder und frenetischen Applaus dafür, dass das Dach endlich ab ist. Die Luft in der marktkonformen Demokratie war bereits stickig, der Casinobetrieb und die Orgien innerhalb dieser Burgmauern machten keinen rechten Spaß mehr. Nun aber wurde die verrauchte Spelunke plötzlich in ein Freiluftbordell verwandelt, wo man endlich allen Mitbürgern, die man hasst, da sie einem diese schwer erträglichen kognitiven Dissonanzen verursachen, im Stile von Orwells Hasstagen unter Anfeuerung von Regierung und Medien nun so richtig in die Fresse hauen kann (siehe z.B. zuletzt in Berlin). Einige Mitbürger wollten schleunigst eine Rettungsplane über die Stadt spannen und das Dach neu eindecken. Man hat die Spielverderber schleunigst dingfest gemacht.

Dass die Abrissbirne nur das Dach weggerissen hat, ist eine weise Fügung des Schicksals. Denn hätte man sie direkt an die Hausmauern prallen lassen, sodass die Netflix-Bildschirme von den Wohnzimmerwänden gefallen wären, dann wäre das Geschrei groß gewesen und die Bürger hätten sich schnell zur Gegenwehr formiert. So aber braucht man nur die Elemente walten lassen. Mit dem kommenden Herbst wird das Cabrio-Feeling immer mehr zum Verdruss werden. Und mit jedem Regenguss wird der Schwarzschimmelbefall zügig voranschreiten. Es braucht also kein Erdbeben und keinen spektakulären Vulkanausbruch, um Södom & Gommerkel dem Erdboden gleich zu machen. Der Niedergang erfolgt auf viel unscheinbarere, aber gleichermaßen effektive Weise: Durch schrittweise Kompostierung. Und ebenso, wie die stolze Rolf Benz-Wohnzimmereinrichtung mit jedem Regenguss nun mehr verfault, so wissen wir inzwischen, dass auch die Gehirne der fernsehenden Bürger mit jeder Boosterimpfung immer mehr zu Brei werden (siehe „Friendly Fire – Ärztliche Stellungnahme zur „programmierten Selbst-Zerstörung des Körpers“ durch Impfung“).

Das Abkacken der Hofschranzen

Man vergönne den Schergen, Hofschranzen und Sängerknaben dieser Burg, all den Lobos, Jokos, Tilos, Prechtos und sonstigen Böhmermännern also ruhig noch ihr Lachen über „Aluhüte“ und „Schwurbler“, die gerade aus der noch stolzen Stadt gejagt werden. Es ist ein grauseliges Schicksal, das sie sich eingehandelt haben, indem sie sich zu Minnesängern des Mammon gemacht haben. Und auch ihr Ende wird keineswegs so schmerzlos sein, wie sie sich das vorgestellt haben.

Aber man darf es ihnen auch nicht verübeln. Sie haben gedacht, den leichteren Weg gewählt zu haben – also den Weg, den heute jeder vernünftige, „evidenzbasiert“ denkende Bürger wählen würde. Es war in Wirklichkeit der unendlich schwerere. Welchen Weg man wählt, ist jedermann frei gestellt. Und jede Minute, die man dazu aufwendet, um zu beklagen, welche Richtung Lobo & Co. gewählt haben, wäre verschwendete Zeit. Lobo darf das. Er hatte die Wahl. Ebenso wie Sie und ich. Und obwohl in einer Welt, die ein großes Mosaik ist, in dem jeder Mensch einen unersetzbaren Baustein bildet, der Verlust jedes einzelnen Menschen eine Tragödie ist, so sind es nicht die Einzelschicksale der Lobos selbst, die die größte Tragik bilden. Wir könnten sie verschmerzen. Andere Menschen werden nachkommen und die Aufgaben, vor denen sie versagt haben, übernehmen. Was jedoch wirklich schwer wiegt und eine Last bildet, die die derzeit noch überlegen lächelnden Lobos erdrücken wird, ist, dass sie eine Millionenschaft an Followern, die ihnen vertraut hat, achselzuckend ins offene Messer bzw. in die Impfnadel laufen haben lassen. So etwas ist selbst im Laufe der Ewigkeit kaum wieder gut zu machen. Denn DAS wäre jetzt an sich die große Stunde all der Influencer, Satiriker und Intellektuellen gewesen: Die Coronalüge zu entlarven und dieser unsäglichen Shitshow die Hosen runterzuziehen. Alles andere, wofür sie zuvor von uns Applaus kassiert haben, war in Wirklichkeit nur ein relativ unbedeutendes Vorgeplänkel.

Wenn nur eine Handvoll all der Prechte, Pispers etc. das Wort für die Wahrheit ergreifen würden – der gegenwärtige Spuk wäre schnell beendet. Stattdessen ziehen sie es vor, „anerkannt“ zu bleiben und bei den Statthaltern des von Jean Ziegler als „kannibalisch“ bezeichneten Systems nicht in Ungnade zu fallen. In der Tat wäre es für Precht vorübergehend vorbei damit gewesen, als Keynote-Speaker bei den DAX-Konzernen herumgereicht zu werden und mit den Konzernlenkern Champagner zu schlürfen. Der Kampf wäre heftig gewesen und er hätte von seiner gepflegten Mähne zweifellos Federn lassen müssen. Doch damit hätte er sich ein Verdienst für die Ewigkeit errungen. Indem er nun dem kannibalischen System eine Hommage „Von der Pflicht“ des Bürgers abliefert, stilgerecht mit Coronamaske als Titelcover-Motiv, graviert er seinen Namen  stattdessen ins Marmorbuch der Schande, in dem auch die Namen all der anderen Handlanger wie Söder & Co. stehen, die das wohl größte Menschheitsverbrechen aller Zeiten zu verantworten haben.

Fairerweise muss man erwähnen, dass sich Precht immerhin gegen eine Impfpflicht ausspricht. Womöglich wird ihn das einmal als mildernder Umstand vor dem Schwefeltopf retten, wenn seine Seele vor dem Resultat seines intellektuellen CEuvres steht.

Die Zitadelle des Mammon

Und damit sind wir auch beim Kreuzungspunkt der eingangs gestellten Frage angelangt: Der menschlichen Freiheit. Was jetzt passieren wird? Es steht nicht geschrieben. Es hängt von jedermanns individuellem Willen ab. Die Götter werden nicht mehr eingreifen. Sie haben den Menschen in die Freiheit gestellt. Und wenn sie uns nicht machen ließen, was wir wollen bzw. was wir als richtig erkennen, dann wäre es keine richtige Freiheit. Doch indem sie die Sandkiste, in der wir spielen und unsere Burgen bauen, Naturgesetzen unterworfen haben, haben sie vorgesorgt. Die Gravitation ist nur eines dieser Naturgesetze. Diese werden mit unerbittlicher Konsequenz dafür sorgen, dass alles einstürzt und sich von selbst zerstört, was gegen die Natur ist. Ein neuer Turmbau zu Babel wie er nun mit „Corona-The Great Reset“ nach dem gleichnamigen Drehbuch des World Economic Granden Klaus Schwab  angestrebt wird, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt (siehe „Die Frostriesen kommen – Warum Klaus Schwabs Visionen scheitern werden“). Ikarus 4.0 wird abstürzen. Jeder, der sich an diesem Turmbau beteiligt, darf das tun und sich eine Zeitlang am Baufortschritt ergötzen, aber er muss wissen, dass er dann von den Trümmern dieses hybriden Machwerks zermalmt wird.

Ganz ungefährlich ist die Situation diesmal aber nicht, auch wenn sie sich in ähnlicher Weise in der Geschichte schon da und dort aufgebäumt hat. Denn noch nie hatte der Mensch solch tiefgreifende und irreversibel wirkende technologische Mittel an der Hand. Nur weil das, was mit dem neoliberal-transhumanistischen Turmbau angestrebt wird, scheitern wird, ist damit nicht gemeint, dass wir uns deswegen also zurücklehnen können und bloß abwarten brauchen. Weit gefehlt. Um das abzuwenden, was uns und unseren Kindern nun droht – nichts weniger als die Digitalisierung, also die Auslöschung des natürlichen, analogen Menschseins, wie das in den Büchern der Transhumanisten wie Schwab auch relativ unverhohlen angekündigt wird –, muss sich jeder von uns im Rahmen seiner Möglichkeit nach Kräften anstrengen.

Wir können es auch vermasseln. Denn obwohl der in Gang befindliche Abriss von Södom & Gommerkel an sich eine Notwendigkeit und eine Rettung vor dem ansonsten noch viel schlimmeren Schicksal der moralischen Vermorschung darstellt, so befinden sich auch Klaus Schwabs Yachtclubfreunde am Sprung, diesen Abriss für ihre eigenen Ziele zu nützen und aus den Trümmern  der Stadt ein transhumanistisch-nihilistisches, 5G-überwachtes Utopia der Konzernoligarchen zu formen. Wie bereits gesagt: Dieses Utopia wird mit naturgesetzlicher Sicherheit scheitern, das steht fest. Was aber nicht feststeht ist, ob der Mensch inmitten dieses Scheiterns weiter bestehen wird. Je höher wir den Turmbau zu Babel treiben, umso krachender wird sein Einsturz sein und umso mehr Staubwolken werden aufgewirbelt. Und da wir atmende Wesen sind, ist nicht gewiss, ob wir in einer solchen Atmosphäre noch in gesunder Weise unsere Lungen füllen werden können.

Es wird sich daher sehr viel in der relativ kurzen Zeitspanne nach dem unmittelbar bevorstehenden Niedergang des alten Systems entscheiden. Damit meine ich nicht, dass sich dann bereits entscheidet, ob alles schlecht oder alles gut wird, so wie das vielfach angenommen wird. Um demnächst nicht enttäuscht zu sein, sollte man realistisch sein: Die nähere Zukunft hat grundsätzlich dystopischen und technizistischen, also – natürlich wider euphemistisches Fortschrittsbekunden – genuin menschenfeindlichen Charakter. Nach vielen Hochkulturen, die trotz aller Abirrungen das Wahre, Gute und Schöne in den Mittelpunkt ihrer Kulturentfaltung gestellt haben, besitzt die Menschheit der Gegenwart nun den unwiderstehlichen Drang, auch das Gegenteil ausgiebig kennenzulernen: Das Unwahre, Böse und Hässliche. Wie bereits die Rolling Stones gesungen haben, kommt das radikal Böse natürlich nicht sichtbar hässlich, sondern im glänzenden Gewand daher. Unzählige, realistischerweise die breite Mehrheit wird daher darauf hereinfallen:

„Please allow me to introduce myself
I’m a man of wealth and taste
I’ve been around for a long, long years
Stole many a man’s soul and faith

Pleased to meet you
Hope you guess my name
But what’s puzzling you
Is the nature of my game.“ (Rolling Stones, “Sympathy for the devil”)

Auch haben sich die Handlanger des Bösen (des „Guten und Gernen“) perfekt in Stellung gebracht, um mit einer Tausendschaft an „Global Shapers“ sowie willfährigen Regierungen und Medien nach dem Zusammenbruch möglichst viel Terrain zu okkupieren und mit ihrer technizistischen Agenda zu übersäen. Worauf es jedoch ankommt ist, dass es ihnen nicht gelingt, das gesamte Terrain zu erobern, sondern dass es Regionen gibt – und auch in großräumigen Wüsten sind kleinen Oasen möglich – an denen die Saaten für die Zukunft weiterkultiviert werden. Wo wirkliches Menschsein gedeihen kann. Im schlimmsten Falle werden diese Stätten sehr unscheinbar oder womöglich sogar geheim sein müssen. Aber geben muss es sie.

Und damit wir nach der Großen Kaputtung bzw. dem „Great Reset“ zumindest einen Teil des Erdenrundes im Sinne des Wahren, Guten und Schönen kultivieren können, tun wir gut daran, schon jetzt vorzusorgen. – Nicht, indem wir versuchen, die Katastrophe des Einsturzes der Stadt zu verhindern. Dazu ist es wohl bereits zu spät. Vielmehr, indem wir den größeren Teil unserer freien  Ressourcen dazu aufwenden, um jetzt Samen und Pflänzchen zu kultivieren, die wir dann in den Komposthaufen des darniedergegangenen  Södom & Gommerkel einsetzen. Und auf Komposthaufen wachsen neue Pflänzchen bekanntlich am besten.

Bild: Pixabay/CC0

 

DIE NEUE AGENDA – SPARS PANDEMIC 2025-2028

Was die Satanisten mit uns vor haben!

ZEITREISENDER Macht Düstere VORHERSAGEN!

Es gibt einige wirklich mysteriöse Geschichten, die es wert sind, studiert zu werden, weil sie wichtige Daten über die verborgenen Experimente enthüllen können, die zum Thema Zeitreisen durchgeführt wurden.

Dies ist der Fall bei der seltsamen Geschichte von Al Bielek, einem Mann, der behauptete, in das Jahr 2749 gereist zu sein.

Das Milgram Experiment zum Scheitern bringen … (3 Juristen in Video-Konferenz )

(pw:) Eine bereits hoffnungslos gescheiterte medial-politische Entourage versucht nun offensichtlich, alle Pfeiler wegzuholzen, auf denen der Demokratiewolkenkratzer steht. Was die Neuen Normalen in ihrem Zensurwahn nicht ins Kalkül ziehen: Die Statik. – Dass sie dann, falls ihr Kahlschlag erfolgreich sein sollte, die Last des Gebäudes alleine nicht stemmen werden können und selbst zerquetscht werden. Denn Pappmachè wird dem Gewicht nicht lange stand halten.

Noch haben wir die Wahl: Ob wir mit einem blauen Auge davonkommen wollen – dazu müssten wir unseren Irrtum eingestehen, was allerdings auch eine gewaltige Schuld bedeutete, die wir dann schultern müssten (siehe dazu ein lesenswertes Essay von Paul Schreyer: „Die Angst vor dem eigenen Irrtum“). Oder ob wir sehenden Auges in den Abgrund steuern. Jeder einzelne kann sein Scherflein beisteuern, in welche Richtung es gehen soll. So wie die Juristen in dieser Videokonferenz, die die Ansicht vertreten, dass es nicht nur die Möglichkeit, sondern die Pflicht jedes Einzelnen ist, jetzt selbst zu denken.

Jeder Mensch, der damit beginnt, selbst zu denken und nicht mehr den Leitern des Milgram Experiments zu folgen, trägt dazu bei, das Goya’sche Ungeheuer aufzulösen, das sich nun daran macht, alle Grundlagen des Staates zu verschlingen.

 

 

 

https://open.lbry.com/@pankalla:6/ungehorsam:e

Die Zukunft beginnt jetzt

„Wenn wir die neu entstehende Ordnung menschlich gestalten wollen, muss jeder einzelne von uns jetzt klug und entschlossen handeln“, appelliert Rubikon-Herausgeber Jens Wernicke in seinem Aufruf an die Demokratinnen und Demokraten im Land.

Von Jens Wernicke.

Wir befinden uns inmitten einer historischen Auseinandersetzung, deren Hauptfrontlinie zwischen Oben und Unten, zwischen Arm und Reich verläuft. Menschen, die mit immenser Macht ausgestattet sind, deren Freunde Gesetze erlassen und über das staatliche Gewaltmonopol verfügen, stehen Menschen gegenüber, die als Einzelne kaum Einfluss auf Staat und Gesellschaft nehmen können — und die immer häufiger zu Objekten elitären Handelns degradiert werden. Die einen verfügen mehr oder minder über alle Macht, die anderen hingegen stellen die überwältigende Mehrheit der Menschheit dar. Entschlossenheit und strategisches Geschick sind entscheidend, diesen Konflikt zugunsten von Mehrheit, Menschlichkeit und Vernunft zu entscheiden, meint Rubikon-Herausgeber Jens Wernicke.

Die große Umkehrung

In einer sich rasant verändernden Welt müssen wir Orte schaffen, wo wir das Bewährte pflegen und dem Zukunftsschock widerstehen können.

Ein Standpunkt von Gunnar Kaiser.

Das einzig Konstante ist der Wechsel. Doch was geschieht, wenn dieser sich in einer Geschwindigkeit vollzieht, der der Mensch nicht mehr folgen kann? Was sich seit rund einem Jahr beobachten lässt, ist eine weitläufige und tiefgreifende Umkehrung von Werten, Normen und Sitten. Und das in einer Geschwindigkeit, die so atemberaubend ist wie das Symbol der Ächtung, welches wir tagtäglich im Gesicht tragen müssen. All dies wäre nicht möglich ohne die massive Disruption des rationalen Denkens in der Breite der Gesellschaft. In solch beispiellosen Zeiten des Aufruhrs bedarf es vieler Schutzräume — Orte, wo Zeit vielleicht nicht stillsteht, aber zumindest nicht im halsbrecherischen Galopp einer irre gewordenen Büffelherde vorwärts donnert.

Wir müssen einerseits fähig bleiben, Neues aus dem Strom der Zeit anzunehmen — so es dem guten gesellschaftlichen Miteinander zuträglich ist —; andererseits sollten wir uns die Freiheit bewahren, an dem festzuhalten, was sich bewährt hat und bewahrenswert bleibt. Die Balance zwischen beiden muss neu erlernt werden.

Worte zur aktuellen Lage

Ich möchte euch einen Ausblick geben auf die Frage: „Wo zieht es dich hin? Wo zieht es uns hin? Wo zieht es mich hin?“, weil mich in der letzten Zeit viele Nachrichten erreicht haben, die meinten: „Was sollen wir denn tun? Es ist ja gut und schön, dass du uns Bücher vorstellst und pseudointellektuelle Geschwurbel-Gedanken ins Internet stellst, aber was sollen wir denn tun?“
Im Grunde genommen ist alles gesagt. Wir alle sind uns gewahr, dass wir die Menschen nicht mehr aufwecken — zumindest nicht mit Fakten — und dass es, wenn es passiert, sowieso zu spät sein wird.

Der Vierte Weltkrieg und dessen Ende

Ein Kommentar von Anselm Lenz,
(Herausgeber der Wochenzeitung Demokratischer Widerstand)

Zählt man den Kalten Krieg mit, findet mit »Corona« der Vierte Weltkrieg statt. Es ist der Krieg des Finanzkaputtalismus gegen die Freiheit. Der Elitenkollaps ist zugleich eine Chance.

»Macht den Laden zu, ihr Deppen«, ruft der Systemgünstling Jan Böhmermann Anfang Dezember aus. In einem Video instrumentalisiert der ehemalige Satiriker Kinder, um den Corona-Tod glühweintrinkender Großeltern zu beschwören.

Das Fernsehgesicht ist nur eines von vielen Beispielen, wie im ersten Moment, in dem Kritik wirklich einmal gebraucht würde, der Gleichschaltungsimpuls des Imperiums greift. Das Corona-Regime hat insbesondere jene unterworfen, die sich die Abwehr von Faschismus und Krieg einst hochtönend zu Eigen machen wollten. »Ist dies schon Wahnsinn, so hat es doch Methode«, kann dazu nur mit Shakespeare konstatiert werden…

Corona 110 – Keine Panik vor der zweiten Welle – Gab es die Erste?

Corona 110 – Keine Panik vor der zweiten Welle – Gab es die Erste?

Natürlich gibt es die Covid-19 Erkrankung und das SARS-COV-2 Virus, aber wenn man diesen Umstand mal wegläßt und ignoriert – hätten unsere Sterbezahlen und Statistik vermutlich auch nicht anders ausgesehen. Die zweite Welle kommt durch eine massive Ausweitung der Tests zustande und wenn man diese in Relation zu 1000 Test setzt, dann haben wir weiter einen Rückgang der positiven PCR-Tests.

 

Gemeinsam eine neue Zukunft schaffen

Wie sich die Welt durch das Virus verändern wird

Dirk Müller im Gespräch

 

Die Welt wird sich verändern, es ist die Rede von der „neuen Normalität“. Verantwortlich dafür ist das Coronavirus. So spricht das World Economic Forum (WEF) in diesem Zusammenhang sogar von einem „großen Neustart“ (The Great Reset). Doch was genau soll neu gestartet werden? Der Finanzexperte, Buchautor und Börsenmakler Dirk Müller versucht, eine Antwort auf diese Frage zu geben, und verweist auch auf die Agenda 2030, die auf einem Gipfeltreffen der Vereinten Nationen im Jahr 2015 verabschiedet wurde. Müller weist darauf hin, dass die Themen Nachhaltigkeit und Tierschutz auch Teil dieser neuen Agenda sind und die Gesellschaft mittels „nudging“ in die richtige Richtung „geschubst“ wird. Ist das nicht Manipulation? Ja, sagt Müller, aber was war in der Vergangenheit denn keine Manipulation?

WEF „The Great Reset“: https://www.weforum.org/great-reset/

Agenda 2030: https://www.2030agenda.de/de/publicat…

 

Trust the plan? – Franz Hörmann bei SteinZeit

Trotz aller Panik in Öffentlichkeit und Medien sieht der ordentliche Professor für Rechnungswesen an der Wirtschaftsuni in Wien, Franz Hörmann, die Weltlage recht entspannt, denn es seien große Veränderungen im Gang, die sich unbemerkt im Hintergrund der Weltmächte abspielen. Nach Abtreten dieses sich selbst überlebten Wirtschaftssystems böte sich jetzt der Raum für ganz neue gesellschaftliche Konzepte, deren Pläne auch schon lange in den Schubladen liegen würden.

Endzeitpoesie 4.0: Erntezeit – Der Schnitter kommt …

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Der Herbst ist da. Zeit, einmal kurz innezuhalten in einem Überschallkarussell, in dem Pogo der Clown gerade den Maschinisten macht.

Der nackte Wahnsinn, ja, wir hätten ihn so gerne aufgehalten. Aber wie es scheint, rollt er nun mit genauso unbeirrbarer Beharrlichkeit über uns hinweg wie eben auch der Winter kommt, nachdem es eine Phase des Frühlingssprießens und des Sommerblühens gegeben hat. Soll man versuchen, die welk gewordenen Blätter und Blüten festzuhalten, an denen man sich einstmals so erfreut hat? Oder macht es nicht viel mehr Sinn, jetzt die Früchte und Samen einzusammeln, die man inmitten allen dahinwelkenden Laubwerks ebenfalls finden kann? – Die einem manchmal sogar in wunderbar leuchtenden und schimmernden Farben entgegenkommen?

Stattdessen nochmals versuchen, mit Industrie 4.0-Superkleber die allerortens herabfallenden Blätter wieder auf die Bäume zu kleben und „Arbeitsplätze auf der Titanic sichern“ (P. Sloterdijk)?

Jeder mag das halten wie er will und die Zeit, die uns bis zum Ladenschluss der marktkonformen Demokratie, die gerade von der unsichtbaren Hand des Marktes „abgewickelt wird“ (W. Wimmer), noch verbleibt, nach persönlichem Gutdünken nutzen.

Wer sich hingegen auf die Samen konzentriert, die jetzt ebenfalls zu finden sind, der weiß, dass das ganze Werk des Jahres- bzw. Jahrhundertlaufs nicht ganz vergeblich war. Nachdem der Frost alles oberflächliche Leben ertötet und der neoliberale Wintersturm alle Blätter der Vegetation hinwegfegt, hat man dann kostbare Keime zur Verfügung, die man wieder zum Wachsen und zum Blühen bringen kann. Fehlen diese Keime, dann sieht’s natürlich einigermaßen trist aus, insbesondere für unsere Nachkommen. Noch ist ja ein bisschen Zeit, um Samen zu kultivieren. Nicht allzuviel womöglich, aber doch ein bisschen.

Aber ist es in Wirklichkeit nicht ohnehin so, dass ausnahmslos jeder von uns Samen ausbildet, und zwar fortwährend und in üppigem Maß? Mit ganz wenigen Ausnahmen bildet praktisch jede Pflanze und jedes Lebewesen Samen aus, die es an den weiteren Verlauf der Evolution weitergeben wird und auf der also die Zukunft aufbaut. Doch welche Samen habe ich ausgebildet / bilde ich gerade aus? Samen, aus denen später einmal Rosen erblühen werden? … Oder eher Disteln? … Brennesseln? Womöglich werden derzeit sogar viele Grausamen ausgebildet (siehe auch: „Wenn Heidi Klums Grau-Samen aufgehen“). Dann brauchen wir uns allerdings auch nicht zu wundern, wenn wir einigermaßen grausamen Zeiten entgegengehen.

Vorneweg: Alle, die uns gerade erklären wollen, wie die Zukunft aussehen wird, wissen es in Wirklichkeit nicht. Denn es ist schlichtweg nicht vorherbestimmt, sondern liegt ganz in der Freiheit des menschlichen Willens. Nichts ist alternativlos. Alternativlos sind nur die Konsequenzen unserer Wahl, aber in der Wahl selbst sind wir vollkommen frei.

Ob die Zukunft wirklich dystopisch wird, eine Art Terminator-Szenario mit Gemetzel unter verdunkeltem Himmel, in dem frei nach Thomas Hobbes „homo homini lupus“ jeder Mensch des anderen – digital transformierter – Wolf ist oder ob wir eine Zukunft gestalten, in der die klare Sonne scheint und jeder von uns einen duftenden Garten mit wunderbaren Blumen vor seinem Häuschen kultiviert, die menschliche Zivilisation zu einem harmonischen Zusammenklang in gegenseitiger Unterstützung (laut Goethe ist ja die dem Menschen innewohnende „vernünftige Welt als ein großes unsterbliches Individuum zu betrachten, das unaufhaltsam das Notwendige bewirkt und dadurch sich sogar über das Zufällige zum Herrn macht“) und in vereintem Kampf gegen den Wahnsinn findet (der natürlich auch in der Zukunft nicht schlafen wird, sondern der immer auf seine Chance lauert, unsere Städte in Flammen zu legen und die Jungfrauen und Kinder aufzufressen – aber gerade dieser Kampf bzw. die Überwindung des neoliberalen Molochs kann uns stark machen) … das hängt einzig davon ab, welche Samen wir jetzt säen.

Wir können uns schon demnächst in einem Dickicht aus Disteln, Dornengestrüpp, Brennesseln, Stinkmorcheln, Venus-Fliegenfallen und sonstigen fleischfressenden und genmanipulierten Pflanzen wiederfinden, über dem die Drohnen kreisen. Oder eben auch in einem duftenden Garten, in dem Lavendel, Rosen, Lilien und Salbei blühen und in dem sich unsere Kinder am Zauber von Schmetterlingen und Bienen erfreuen. Niemand anderer als wir selbst dürfen das entscheiden … und es auch ausbaden.

Bei aller Tragik ist das eben auch das wunderbar Grandiose am freien Willen des Menschen.


 

Allgemeines zur Kolumne „Endzeitpoesie 4.0 – Brennholz gegen Robotisierung und drohenden Erfrierungstod“:

Da in unserer aus den Fugen geratenden Welt vieles nicht mehr rational verstehbar und auch kaum noch ertragbar ist, brauchen wir dringend ein Gegengewicht aus dem Reich der Poesie … mit diesem geistigen Gegengift in den Adern wird vieles Unverständliche plötzlich wieder verständlich und Unerträgliches wieder ertragbar – oder noch besser: gestaltbar!

Denn die größte Lüge, die uns heute beigebracht wird, ist: dass der Einzelne ohnehin nichts tun kann. – Das genaue Gegenteil davon ist wahr: Es kommt auf jeden einzelnen an und das mehr als jemals zuvor. Und wie uns schon Dostojewskij erklärt hat, ist im Leben auch niemals etwas umsonst, selbst wenn eine Bemühung keinen sichtbaren Erfolg zeigt: „Alles ist wie ein Ozean, alles fließt und berührt sich; rührst du an ein Ende der Welt, so zuckt es am anderen.“

Gerade unsere geistlose Zeit braucht philosophische Gedanken wie eine Wüste das Wasser. Dieses Wasser – die Gedanken der großen Geister der Menschheit – gibt es schon lange. Aber die scheinbar alten – in Wirklichkeit ewig jungen – Gedanken bleiben nicht dieselben: Jeder, der sie aufgreift und verinnerlicht, färbt sie mit seiner individuellen Persönlichkeitsnote ein und bringt dadurch wieder ganz neue Farben in die Welt, die bisher noch nicht existiert haben. Und solche Farben braucht unsere grau gewordene Welt (siehe 1000 Gestalten.de) heute dringend – sie saugt sie auf wie ein trockener Schwamm das Wasser … damit wieder Neues, Kreatives, Menschliches entstehen kann.

In diesem Sinne wollen wir der pseudopragmatischen Alternativlosigkeit (siehe „Der Führer 4.0 – Er ist schon längst da“) die Gefolgschaft in den Grand Canyon verweigern und es lieber mit Ilija Trojanow halten: „Die Welt ist groß und Rettung lauert überall“. – Dann kann die scheinbare Endzeit zu einem neuen Anfang werden.

Der 12-Stunden-Arbeitstag für Deutschland – und das Ende jeder Zukunft

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Montag, 9.7.2018. Eifel. Es ist ja immer schön und einfach, ignorant die großen Strömungen der Zeitgeschichte an sich vorbeirauschen zu lassen. Immerhin gibt es andere, interessante, aufregende Beschäftigungen: Grillen mit Freunden, Bier trinken, Fußball gucken, grölend durch die Innenstadt ziehen. So kommt man ja auch durchs Leben – und, ehrlich gesagt: nirgendwo steht geschrieben, dass nur der ins Himmelreich kommt, der möglichst viel politisch aktiv war. Die Welt da draußen lässt einen ja auch weitgehend in Ruhe – sofern man genug Geld bezahlt. Ja – nun schauen Sie nicht so: Ihre Ruhe müssen Sie bezahlen – durch Steuern. Können Sie die nicht zahlen – wg. Arbeitslosigkeit – dann kommt ganz schnell das Jobcenter und versucht Sie in einen Zustand zu versetzen, in dem Sie wieder Steuern zahlen können. Versuchen Sie doch einfach mal nicht zu zahlen – Sie werden sehen: Ihr Leben wird unruhig. Ich sehe das gerade bei unserer „Madame Che“ – und bin immer wieder verblüfft, wie schnell man hier in diesem Land ruiniert wird, wenn man kein Geld hat. Völlige Idiotie wird hier zum Normalfall – oder ist das etwa ein Zeichen geistiger Gesundheit, dass man jemanden, der eine Rechnung nicht bezahlen kann, noch eine saftige Strafe aufbrummt … die er dann erst recht nicht bezahlen kann?

Mein Rat: zahlen Sie lieber. Sehen Sie die ganzen Beträge, die ständig von Ihrem Konto abgehen, einfach mal als Schutzgeld an, dass Sie zahlen, um von „denen“ nicht in die Mangel genommen werden. Dafür dürfen Sie dann aber auch „deren“ Mode folgen, „deren“ Nachrichten gehorchen und „deren“ Sondermüll in ihrem Haus stapeln.

Viele denken ja: ich zahle mein Schutzgeld – deshalb habe ich Recht auf Ruhe. Ja – zeitweise. Ihnen wird nicht aller Besitz abgenommen wie jenen 14 Millionen Deutschen, die schon mal in der Hartz-Verwurstung waren. Wer zahlt, ist „safe“. Das galt jedenfalls bis gestern. Morgen … wird man noch mehr zahlen müssen, weil … „die“ in ihrer endlosen Gier nie genug bekommen, da geht immer noch mehr.

In Österreich wird ja jetzt der 12-Stunden-Arbeitstag eingeführt. Die haben da eine neue Mitte-Rechts-Regierung (oder ultrarechts, je nach eigenem Standpunkt) unter der Führung eines Herrn Kurz. Herr Kurz – der jetzt das neue Gesetz durchsetzen möchte – ist ein Paradebeispiel für einen modernen Politiker, eines jener Geschöpfe, von denen wir auch in Bundestag und Bundesregierung immer mehr haben: Menschen, die ein hohes Maß an politischer Verantwortung haben, aber außer Schule, einem nicht vollendeten Studium der Rechtswissenschaften und viel Parteikarriere noch nie irgendwo verantwortlich gearbeitet haben. Er wird ja viel gelobt, der Herr Kurz, weil er ziemlich umtriebig ist, gut reden kann, neue Ideen einbringt … aber „Ideen“ sind ja noch keine Lösungen. Herrn Kurz „rechtsextrem“ zu nennen ist nicht unproblematisch, die Financial Times hat ihn mal so genannt und bekam daraufhin gleich Post vom österreichischen Außenministerium (siehe Kurier), eine gewünschte Entschuldigung des Journalisten dieses Artikels erfolgte jedoch nicht (siehe orf), auch wenn man den Artikel selbst modifiziert hatte.

Berührt Sie diese Geschichte nicht auch seltsam? So in Hinsicht des für uns Demokraten wichtigen Wertes „Meinungsfreiheit“? Ich kenne Herrn Kurz zu wenig, um so über ihn urteilen zu können – aber wo kommen wir hin, wenn einzelne Bürger auf einmal mit der gesamten wuchtigen Macht von Ministerien konfrontiert werden, nur weil sie eine – vielleicht extreme – Meinung haben? Demokratie hieße: man diskutiert mal darüber, warum man wohl einen Herrn Kurz für rechtsextrem hält und welche Argumente diese Meinung stützen (und Argumente braucht man da schon – sonst wäre es einfach eine hirnlose Beleidigung).

Doch genug von Herrn Kurz. Immerhin sieht auch er den geplanten „Maulkorberlass“ der öffentlichen Medien in Österreich sehr skeptisch – was ihn gleich wieder sympathischer werden läßt (siehe tt). Andererseits … heißt das auch eigentlich nichts.

Kommen wir zu einem zentralen Thema, das … auch in Deutschland auf Wohlwollen trifft: Österreich führt den 12-Stunden-Tag ein (siehe Wiener Zeitung). Ein Schock fuhr durch die ganze Gemeinde – dabei sind solche Arbeitszeiten doch schon lange Norm für die freie, auf Gleichheit bedachte brüderliche Republik. Kenne persönlich zwei Arbeitnehmer (also: Kostenfaktoren auf zwei Beinen), eine Verkäuferin und einen Architekten – für die sind solche Arbeitszeiten schon lange Norm. Für mich selbst waren in den neunziger Jahren Arbeitszeiten von 80 – 120 Stunden Alltag … nur für die Firma. Darüber hinaus gibt es ja noch andere Arbeit zu leisten: Erziehungsarbeit, Haushaltsarbeit, Gartenarbeit, Vereinsarbeit, Einkaufsarbeit – alles wertvoll und wichtig für das Funktionieren der Wirtschaftseinheit „Familie“.

Auch in Deutschland stoßen diese Vorschläge auf offene Ohren: Union und FDP finden das ganz schick (siehe t-online).  Natürlich gibt es bei all´ diesen Arbeitszeitexzessen auch das Moment der „Freiwilligkeit“. Niemand wird mit vorgehaltener Waffe gezwungen, 12 Stunden am Tag zu arbeiten. Nur … wer nicht ganz so freiwillig ist, nicht superbegeistert, auch den allerletzten Atemzug für die Rendite der Anleger zu opfern, gehört ganz schnell zu jenen, die von Spitzenpolitikern beispielgebend als „Parasiten“ bezeichnet werden, denen man das Essen verweigern sollte.

Sollen wir an dieser Stelle mal über „rechts“ und „links“ reden? Die Debatte über diese Begriffe scheint mir langsam überflüssig zu sein, gibt es doch immer mehr Begriffsverwirrungen, was denn eigentlich so genau „rechts“ oder „links“ sein soll. Sollen wir es uns mal ganz einfach machen? So wie früher schon? „Rechts“ – das sind die Agenten der Herrschaftstreuen, die Großgrundbesitzer, die den König anhimmeln, weil er ihren Besitz mit seiner Armee schützt. „Links“ – das sind die Streiter für die ohne Grundbesitz, für jene, die sich verkaufen müssen, um überleben zu können. Jene, die nicht von den Zinsen leben können, weil sie heimatlos sind, jederzeit vom Jobcenter oder Arbeitgeber in eine andere Stadt geschickt und zum Umzug verpflichtet werden können. Für jene, die ohne Erlaubnis weder Wohnung noch Heimatstadt verlassen dürfen, für jene, die jederzeit amtliche Kontrolle der Privatwohnung zu erwarten haben. Ist doch einfach, diese Unterteilung – und kann eine gute Grundlage für eine politische Sammlungsbewegung sein. Gleichzeitig zeigt sie aber auch ein Strukturproblem der Gegenwartspolitik auf: kommen selbst extrem linke Genossen in den Bundestag, so werden sie im gleichen Moment zu „Höflingen“, abhängig von der Gunst des Königs, der ihnen Diäten zahlt … und von dem Wohlwollen der „Partei“, die als weltfremdes Konstrukt über den ganzen politischen Betrieb herrscht – und natürlich in allererster Linie ihrem eigenen Überleben verpflichtet ist … und nicht den Besitzlosen.

Wir führen ja einen elementaren Kampf gegen „rechts“, auf breiter Front werden in jeden Foren, in jeder Kantine, in jedem Verein die „Nazis“ gesucht – als ob es nicht genug „Rechts“ gäbe, was außerhalb des Gedankengutes des Nationalsozialismus liegt. Im Kern hat die NS-Politik nur sichtbar auf die Spitze getrieben, was den Zeitgeist seit dem 19. Jahrhundert bewegt: Menschenzüchtung nach den Maßgaben der Viehzüchtung, Reduktion des Menschen auf seine Nützlichkeit für die Bilanz, betriebswirtschaftlich effektivste Vernichtung von Minderleistern und Systemkonkurrenten jeder Art. Der Großgrundbesitzer war stolz auf diese Partei, die endlich mal hart gegen das Gesochse durchgriff – und das sind die feuchten Träume aller Großgrundbesitzer weltweit: dass ihre Raubgüter sicher sind vor dem Pöbel. Ob man wohl deshalb so viel in Automatisierung investiert, um den Pöbel endlich völlig los zu werden?

Die Einführung des 12-Stunden-Tages in Deutschland wird allen Grillmeistern zeigen, wo der Hammer hängt – und was sie wirklich wert sind. Zwischen 20 und 40 Lebensjahren hat man die Chance, Millionär zu werden, wer das bis 41 nicht geschafft hat, gehört zum menschlichen Sondermüll, den Versagern, die aussortiert gehören … und oft genug aussortiert werden. Das ist der moderne Zeitgeist der „Elite“. Dagegen wird man sich nur schützen können (und so schützen sich heute auch schon Menschen jenseits der 40 davor), in dem man noch mehr umsonst arbeitet, versucht, noch mehr Rendite für den Herrn zu erwirtschaften, auf dass dieser gnädig sei. Das ist so die Leitlinie unserer modernen demokratischen Gesellschaft.

Zu hart gesprochen? Ist doch schon längst Realität – und eine gezielte und gewollte Folge jener Kultur der Angst, die durch Hartz IV in die Welt gesetzt wurde. Schauen Sie doch einfach mal, wie viele Überstunden die Deutschen so ableisten: 2016 waren es fast eine Milliarde … unbezahlter … Überstunden (siehe Zeit). Was meinen Sie, warum unsere Mitbürger ihre wertvolle Lebenszeit derart verschleudern und verschenken? Nun – wir kommen da wieder in den Bereich „Schutzgeld“: sie schenken ihre unbezahlbare Lebenszeit dem Eigentümer, um vor der nächsten Entlassungswelle geschützt zu sein, biedern sich auf erniedrigendste Weise an, um Gunst zu erhalten. Wie wissen, welche Mentalität so agiert – oder? Sagen wir das böse Wort mal nicht – wir denken sonst alle wieder an Onkel Toms Hütte und die Baumwollfarmen im Süden der USA im 18. Jahrhundert. Zusätzlich zu Ihrem 12-Stunden-Tag sind Ihnen auch Pendelzeiten bis zu 2,5 Stunden täglich zumutbar (siehe Arbeitsrecht.org), so dass Ihr Leben in Zukunft aus Schlafen, Frühstücken, 14,5 Stunden Frondienst, Abendbrot und Schlafen bestehen wird. Vergessen Sie also tunlichst Kinder, Haushalt, Garten und Verein: wenn Sie dabei bleiben wollen, müssen Sie Opfer bringen. Machen alle anderen ja auch.

Natürlich können Sie auch am Schlaf sparen. Die Schäden durch Schlafmangel in deutschen Betrieben wird auf jährlich 57 Milliarden Euro geschätzt (siehe Wiwo) – mal von den gesundheitlichen Risiken für die Menschen ganz abgesehen, denn: „Schlafmangel macht wirklich krank“ (siehe Spektrum). Ich warte da noch auf weitere Analysen zum Thema Schlafmangel und Krebs, denn: ein geschwächtes Immunsystem ist geradezu Voraussetzung für Krebserkrankungen – von denen wir ja jährlich immer mehr haben. Wollen wir mal ausrechnen, wie viele Menschen dem Arbeitswahn zum Opfer fallen – wie viele Todesfälle im Jahr auf das Konto einer menschenverachtenden Verwertungsideologie gehen, die in ihrer Geldgier schon lange keine Grenzen mehr kennt?

Besser nicht. Es würde einem Angst und Bange machen. Können Sie aber mal selbst machen, so als kleine Hausarbeit: machen Sie sich schlau über das menschliche Immunsystem, schauen Sie nach, wie es uns vor Unheil schützt – und welche Krankheiten in ihrer Entstehung durch ein schwächelndes Immunsystem Raum greifen können, ich verspreche Ihnen – Sie werden überrascht sein, wie viele Menschenleben wir jährlich opfern, um dem Arbeitswahn zu dienen. Sie können dann auch ruhig mal eine Prognose erstellen, wie viele Menschenleben so ein „freiwilliger“ 12-Stunden-Tag kosten wird.

Der Rat der Wirtschaft bezüglich jenes Schlafmangels ist ein anderer. Zwar weiß man, dass „der Gang zum Arzt“ die richtige Antwort wäre … aber ob der Arbeitgeber dabei mitspielt? Nun: ein Wirtschaftsmagazin gibt Tips, wie man auch ohne Schlaf seinen Beitrag zur heiligen Rendite leisten kann (siehe Wiwo), obschon man weiß, dass Schlafmangel Leben kostet: „wer weniger schläft, ist früher tot“ (siehe: Wiwo).

Hört sich hart an – ist aber auch so.

Und jetzt – müssen Lösungen her – um Menschenleben zu schützen. Wir brauchen ein Recht auf Schlaf – und zwar jeder so lange, wie es braucht, um wirklich „ausgeschlafen“ zu sein. Wie gesehen, ist das auch im Interesse der Wirtschaft: 57 Milliarden wären nicht mehr als Verlust zu verbuchen. Welche Partei hat dies nochmal im Programm? Gibt es überhaupt eine, die diesen Punkt jemals angesprochen hat – obwohl er nachweislich Leben rettet? Der Zusammenhang  zwischen Schlafmangel und „Zivilisationskrankheiten“ wir Gefäßerkrankungen und Diabetes ist wissenschaftlich erkennbar (siehe Ärzteblatt), d.h.: wir brauchen eine Gesellschaft ohne Wecker!

Ging ja auch 100 000  Jahre ohne gut … und war – soweit ich mich recht erinnere – auch ein Bestreben der Revolutionäre von 1789, die in Uhren große Tyrannen sahen (bei Bedarf kann ich mal nach dem Buch suchen, in dem mir das aufgefallen ist). Der König kam weg – die Uhren blieben.

Können Sie sich das vorstellen: ein Leben ohne Uhren? Jeder kommt zur Arbeit, wann es ihm passt? Leistet dann aber wesentlich mehr als je zuvor? Wir reden hier über eine „Utopie“ – auch eine aussterbende Art, die Welt zu sehen. Ein Blick in die Zukunft, begleitet von der Frage: Wie wollen wir leben? Eine Frage, die zu stellen uns doch gar nicht mehr erlaubt ist, die Mächtigen in Partei und Wirtschaft haben darauf doch längst eine Antwort: immer mehr Arbeit für immer weniger Anteil am Kuchen. Davon profitieren alle … jedenfalls alle Höflinge und Gutsherren.

Meine Antwort wäre: mehr Schlaf für alle – rettet Leben und spart Milliarden ein. Außerdem bin ich strikt für eine maximale Arbeitszeit von 19,5 Stunden die Woche, alldieweil sonst überhaupt keine Zeit für „Leben“ übrigbleibt – für Haushaltsführung, Vereinsarbeit, politische Arbeit, Gartenarbeit oder Kindererziehung … und auch für die Pflege von Freunschaften, Beziehungen und familiären Bindungen. Der Bürger braucht einfach auch wieder zeitliche Ressourcen, um den Anforderungen der Gegenwart gerecht zu werden, die Zeiten, wo er nur Wahl-, Zahl-, Konsum- und Produktionsvieh in den Augen einer begüterten Superklasse war, müssen endlich vorbei sein. Darüber hinaus: 60 Tage Urlaub im Jahr für Eltern. Für beide Eltern – jeweils. Es geht einfach nicht, dass Kinder in den Ferienzeiten ihren Eltern entzogen werden, weil die viel zu wenig Zeit für sie haben.

Und jetzt brauche ich nur noch ein paar Millionen Mitstreiter, die mir beim Umbau der Produktions- und Verwaltungswirtschaft helfen.

Schön wäre, es gäbe schon eine Partei mit derart klaren, messbaren Zielen.

Wahrscheinlich ist aber – das über solche Forderungen gar nicht mehr diskutiert werden kann, weil „Zukunft“ für uns schon längst fest verplant ist – von anderen.

So frei kann „freiheitliche“ Grundordnung sein.

Man kann frei entscheiden, ob man nun 12 Stunden täglich arbeitet … oder lieber in die Hartz-Maschine geht.

Und das ist das Ende jeglicher Zukunft.

 

 

 

 

Was ist der Mensch ohne garantierten Zugang zum Recht oder die Frage: Was kann der Mensch, wenn er diesen Zugang verloren hat, tun, um ihn wieder herzustellen?

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Bild: Justicia/pixabay/CC0

Der „Kampf um das Recht“ ist also nicht nur eine alltägliche Realität, die auch in jedem mehr oder weniger geordneten rechtsstaatlichen Verfahren anzutreffen ist, sondern ein Phänomen, das so alt ist, wie sich Menschen mit unterschiedlichen Rechtsauffassungen im Streit befinden und um die Durchsetzung ihres tatsächlich oder vermeintlich bestehenden Rechtsanspruchs befinden, aus welchem Recht auch immer dieser Anspruch abgeleitet sein mag.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie – aus ihrer ganz persönlichen Sicht – ein „idealer“ Rechtsstaat beschaffen sein müsste, damit der sichere Zugang des Menschen „zum Recht“, d.h. die Anrufung eines unabhängigen und objektiven Gerichts möglich ist, das sich ausschließlich dem Auftrag verpflichtet fühlt, Streitfragen durch gerechte Urteile zu lösen und Rechtsfrieden in der Gesellschaft herzustellen?

Diese Frage kann sich – jenseits rein akademisch motivierter Arbeiten – im Grunde nur der Mensch nicht gestellt haben, dessen Vertrauen in die bundesdeutsche Justiz noch nie erschüttert worden ist. Solche Menschen mag es (noch) geben. Menschen aber, die auf Grund ihrer Erfahrungen mit der Justiz in diesem Vertrauen – oder besser: in ihrem „Glauben“ – an die Justiz fundamental enttäuscht worden sind, dürften stets den Wunsch nach einer Justiz verspürt haben, in der solches „Unrecht“ nicht möglich ist oder doch zumindest zuverlässig revidiert werden kann.

Daher frage ich Sie abermals: Wie sollte aus Ihrer Sicht ein idealer Rechtsstaat konzipiert sein?

Ihnen fällt dazu spontan nichts ein? Das ist verständlich, da mich diese Frage selbst über viele Jahre hinweg beschäftigt hat, einfach weil ich davon ausging, dass das Streben der Menschen und Völker nach möglichst großer Rechtssicherheit immer wieder nach einem solchen Ideal ausgerichtet gewesen sein muss, wie auch immer dieses Ideal – abhängig von der Zeit und dem Raum, in dem es formuliert worden ist – jeweils konkret beschaffen gewesen sein mag.

Welche Früchte dieses Streben der Menschen durch die Zeiten auch immer hervorgebracht haben mag und ob man einen „idealen“ Rechtsstaat bloß für eine nie realisierbare Utopie realitätsferner Philosophen, für eine Einrichtung „von Gottes Gnaden“ (als Hinterlassenschaft Gottes oder der Götter, damit auf Erden unter den Menschen Ordnung herrscht), für das Ergebnis eines gesellschaftsrechtlichen „Vertrags“ freier Bürger oder schlicht für ein im Laufe der Zeit vom Willen der Herrschenden geformtes Konstrukt hält: Die Unerlässlichkeit einer gesellschaftlichen Einrichtung, die den Zugang zum Recht garantiert, wird niemand ernsthaft bestreiten.

Um eine fundamentale „Wahrheit“ vorweg zu nehmen, die keinen Anspruch auf „Objektivität“ begründen kann oder soll: Unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Realitäten in der Welt wäre es – so meine persönliche Überzeugung – absolut unrealistisch auch nur (begründet) darauf hoffen zu dürfen, dass ein solcher idealer Rechtsstaat  in diesem oder einem anderen Land dieser Erde etabliert werden kann. Diese Überzeugung ist keinesfalls Ausdruck einer persönlichen Resignation oder Abkehr von jedem Bemühen, sich möglichst nachhaltig für eine gerechtere Welt einzusetzen.

Aber ich möchte es einfach als Tatsache hinstellen, dass ein wahrer Rechtsstaat, in dem jeder vor dem Gesetz gleich wäre und jeder für sein Verhalten verantwortlich gemacht werden kann, gerade von den Eliten, für das Ziel der stetigen Vermögensmehrung viele oder vielleicht sogar alle (auch ungesetzlichen) Mittel rechtfertigt, als eine massive Bedrohung empfunden werden muss.

In Zeiten, in denen der dunkle Schatten übermächtig erscheinender politischer und militärischer Einflussnahmen den Lebensalltag ganzer Völker – und damit auch deren Einrichtungen der Rechtspflege – überschatten kann, „kann“ diesen Eliten möglicherweise schon die konkret ausgebildete Idee eines idealen Rechtsstaats als bedrohlich erscheinen, so dass alles vermieden wird, was zur Popularisierung solcher Staatsmodelle beitragen könnte. Denn wenn der (vergeblich) um sein Recht bemühte Mensch schon vergessen hat, wonach er sich sehnen sollte, dann wird er nicht in der Lage sein, sich gezielt für Veränderungen einzusetzen, die ihm – und auch seinen Nachkommen – ein Leben in Rechtssicherheit und Würde näher bringen könnten. Dazu möchte ich nachfolgend noch ein Beispiel bringen.

Was müsste nun der kleinste gemeinsame Nenner oder auch die „Grundformel“  für einen Rechtsstaat sein, der den Namen verdient?

Dazu stelle ich folgende Ausgangshypothese auf:

Ein Rechtsstaat ist nur möglich in einem Staat, der eine effektive Kontrolle aller staatlichen Gewalt- und Machtausübung – einschließlich der rechtsprechenden Gewalt – ermöglicht.

Aber wie könnte dieses  Ziel verwirklicht werden, wenn es immer Menschen sein müssen und werden, die letztlich diese effektive Kontrolle –  zum Wohle aller Menschen – ausüben?

Schon an diesem Ausgangspunkt ergeben sich Probleme, die unbedingt gelöst werden müssen, damit das theoretische Modell effektiver Gewaltenkontrolle – wie auch immer sie in einer Verfassung konkret ausgestaltet wird – nicht schon von allem Anfang an ausgerechnet durch die Menschen korrumpiert werden kann, denen die Machtfülle übertragen wird, die mit einer solchen Kontrolle der Macht zwangsläufig einhergehen muss.

Menschen, die diese Kontrolle – ob nun auf Zeit oder gar auf Dauer – ausüben, müssten in menschlicher und fachlicher Hinsicht in einem solchen Maße qualifiziert, d.h. intelligent und weise, integer und unbestechlich, willens- und durchsetzungsstark sein, dass die „Stellenbeschreibung“ für solche Ämter wohl nur noch auf einen „perfekten Menschen“, einen inkarnierten Messias zu passen scheint, der sich von den Versuchungen der Macht nicht mehr persönlich anfechten und vereinnahmen lässt.

Kann es also verwundern, dass in bisherigen Hochkulturen (zu deren Beurteilung man nicht unbedingt immer ihre letzte Dekadenzphase heranziehen muss, so wie dies heute gerne en vogue ist, um unsere vermeintlich „fortschrittliche“ Zeit in einem etwas besseren Licht erscheinen zu lassen) immer auch das Ideal bestanden hat, dass wahres Kaisertum,  Pharaonentum etc. nur von einer Persönlichkeit getragen werden kann, die sich ganz in den Dienst einer überzeitlichen höheren Gerechtigkeit (vgl. die „Not-Wendigkeit“ der griechischen Stoiker, das Not-Wendende in die Tat umzusetzen) gestellt sah und die sich vor Antritt ihrer Aufgabe im Zuge einer ernsthaften philosophischen Schulung vor dem Zugriff subjektiv-persönlicher Ambitionen läutern musste? Ein jeder befrage sich selbst, ob er sein Leben lieber einem Menschen anvertrauen möchte, der sich unbedingt einer höheren Gerechtigkeit verpflichtet fühlt, von der er glaubt, dass er sie nie und schon gar nicht ungestraft hintergehen kann, oder ob er sein Vertrauen lieber auf Menschen setzen möchte, die in Wahrheit an nichts, sondern nur an die Notwendigkeit glauben, ihr wahres Wesen und ihre wahren Überzeugungen hinter einem Vorhang von schön klingenden Texten verbergen zu müssen. Wäre es angemessen, einen solchen Glauben zu verachten in einer Zeit, in der der Glaube an „Wahlen“ und „Demokratie“, oder auch an „Fürsten“ und „Könige“ immer wieder enttäuscht worden ist, mit fatalen Menschen für unzählige Menschen und Völker?

Das verleitet mich zur nächsten Hypothese:

Das Verlangen absoluter, d.h. unanfechtbarer charakterlich-moralischer Integrität schränkt den Kreis tauglicher „Bewerber“ für ein Amt, das der Kontrolle aller staatlichen Gewalt- und Machtausübung dienen soll, von vornherein massiv ein und muss die Grundvoraussetzung für die Wahl in ein solches Amt sein. Ein Volk, dass dieses Verlangen aufgibt und Bewerber akzeptiert, die diesem Verlangen nicht gerecht werden, gefährdet seinen Rechtsfrieden und sein Glück. Dieses Verlangen beinhaltet die Pflicht eines jeden Bewerbers, keiner „geheimen“ Bruderschaft oder einer solchen Gruppierung mit geheim gehaltenen „Einweihungen“ und Bindungen angehören zu dürfen, die ihre Ideale über die Grundsätze einer selbstbestimmten Verfassung und das Ziel effektiver Kontrolle jeglicher staatlicher Machtausübung stellt, denn die Menschen dürfen nur von denen regiert werden, die sie wollen, nicht von „grauen Eminenzen“, die ihre Macht über geheim gehaltene Bünde und Absprachen ausüben wollen.

In diesen wirren Zeiten ist es sogar möglich, dass sich ein Politiker ganz offen – und auch noch ohne Konsequenzen – einem solchen Verlangen verweigern darf. Joschka Fischer wird folgende Aussage zugeschrieben:

„Deutschland ist ein Problem, weil die Deutschen fleißiger, disziplinierter und begabter als der Rest Europas sind. Das wird immer wieder zu ‚Ungleichgewichten‘ führen. Dem kann aber gegengesteuert werden, indem so viel Geld wie nur möglich aus Deutschland herausgeleitet wird. Es ist vollkommen egal, wofür. Es kann auch radikal verschwendet werden – Hauptsache, die Deutschen haben es nicht. Schon ist die Welt gerettet.“

Wenn er wirklich diese Aussage gemacht hat (es gibt von ihm ja auch noch Vergleichbare, weshalb ich sie für echt halte), dann wäre das ein offenes Bekenntnis zum Verrat an allen Menschen, die in diesem Land leben.

Unter der Herrschaft des Staufers Friedrich II. wäre ein solcher „Verwalter“ deutscher Interessen wohl kaum ungestraft davon gekommen, und das Volk hätte es wohl mit großer Genugtuung zur Kenntnis genommen. Meiner Meinung nach wäre es das Mindeste, wenn diesem „Politiker“, der – soweit bekannt – nie eine Ausbildung abgeschlossen hat, keinen Cent mehr aus deutschen Steuermitteln bekäme und alle erhaltenen Diäten und Versorgungsbezüge erstatten müsste.

Aber wie kann ein Mensch, der für die Wahrnehmung höchster Staatsaufgaben für würdig befunden wird, vom Souverän des Volkes geformt oder auch gezielt ausgebildet werden, damit er schließlich diese Integrität erwerben kann? Ist eine solche Ausbildung überhaupt möglich?

Eine lange Ausbildung, die Lektüre vieler Bücher und möglichst viele akademische Grade garantieren – für sich genommen – keine edle Charakter- und Geisteshaltung. Der edle Charakter ist keine Qualifikation, die sich studieren und durch das Zeugnis einer Universität nachweisen lässt. Kein Hochschulstudium dieser Erde wird jemals einem Menschen mit bösartigem Charakter einen edlen Menschen geformt haben. Die Mehrung des Wissens wird einem solchen Menschen lediglich dazu verhelfen, seine wahren Absichten besser verdecken zu können, insbesondere hinter blumigen Sonntagsreden und schönen Abhandlungen darüber, dass das Recht eine rein rationale und intellektuelle Angelegenheit ist, die sich auf das rationale Erfassen von „Sachverhalten“ und möglichst gescheite rechtliche Würdigen solcher Sachverhalte reduzieren lässt.

Wenn die höchsten Ämter also nicht automatisch für die Männer und Frauen reserviert sein dürfen, die ihren ganzen Ehrgeiz auf eine akademische Karriere und möglichst viel Bücherwissen reduziert haben: Was macht die höchsten Diener des Volkes denn dann zu den besten Dienern des Volkes?

Wer diese Fragen vertieft reflektiert, dem kann es vorkommen, als begäbe er sich auf die Suche nach dem heiligen Gral und dem edlen König, der vom Schicksal dazu bestimmt ist, das Schwert Excalibur aus dem Stein zu ziehen und sein Volk einer goldenen Zukunft zuzuführen.

Die letzten 5000 Jahre Menschheitsgeschichte zeigen: Was der Mensch aus „eigener“ Kraft leistet, hat regelmäßig kaum mehr Tiefe und Bedeutung gehabt wie die Sandkastenspiele von Kindern oder Fußabdrücke am Sandstrand, die das nächste Unwetter egalisiert. Die großen Bauten der Vergangenheit wie die Pyramiden, die den Sturm der Zeiten und die Nebel des Vergessens überdauert haben, erscheinen so übermenschlich und großartig, dass ihre Planung und Realisierung eher das Werk von Göttern als von Menschen gewesen zu sein scheint (so dass es auch Stimmen gibt, die genau diese Ansicht vertreten). Die kleinen und großen Herrscher kamen und gingen, und nur selten haben ihre Ideale die Zeit überlebt, in der sie die ihnen verliehene Macht ausgeübt haben.

Wenn wir also danach fragen, welche Beispiele von Herrschaft die Menschen über Jahrhunderte oder Jahrtausende hinweg zutiefst im positiven Sinne beeindruckt und  inspiriert haben, dann fällt auf, dass es sich dabei ausnahmslos um Herrscher handelt, die ihren Völkern Rechtssicherheit, Frieden und damit auch die Grundlagen jeder Hochkultur bringen wollten.

Ich wage damit die nächste Hypothese:

Der gute „Herrscher“ ist der, der die Freiheit und natürlichen Interessen der Menschen und des Volkes schützt, nicht der, der diese Freiheit und Interessen einer Politik wegen, die von den Menschen regelmäßig nicht einmal legitimiert worden ist, nur einschränkt. Eine Verfassung, die die Freiheit der Menschen und den Zugang zum Recht nicht schützt, kann keine Verfassung sein.

Wenn ich alle Hypothesen zusammen führe, dann ist der ideale Rechtsstaat so konzipiert, dass die höchste Kontrolle aller staatlichen Machtausübung nur durch einen Menschen ausgeübt werden kann, der unbestritten absolut integer, in der Unterscheidung von Recht und Unrecht in höchstem Maße qualifiziert und dem der Schutz von Freiheit und Rechtssicherheit der Menschen heilig ist und dessen Machtanspruch nicht durch Vertreter der Wirtschaftswelt angefochten und untergraben werden kann.

Gab es in der Menschheitsgeschichte schon einmal ein Staatsmodell, das diesem Ideal zumindest sehr nahe kam?

Hier dürften viele Leser ihren persönlichen Favoriten haben, und nicht Wenige werden sich auf den Stifter ihres Glaubens beziehen, dessen Herrschaft oft gerade keine weltliche, sondern lediglich eine geistig-spirituelle war: Jesus, Mohammed, Buddha, Krishna, Rama.

Menschen, die jede Form von Theismus ablehnen, werden angesichts dieser Aufzählung aber beruhigt werden können, wenn ich in dem Kontext zu diesem Artikel meinen persönlichen „Favoriten“ vorstelle:

Der letzte glaubhafte Entwurf zu einem Staatsmodell, das den Rechtsstaat in Europa durchsetzen wollte, geht m.E. auf den Stauferkaiser Friedrich II. (* 26. Dezember 1194 in Jesi bei Ancona, Italien; † 13. Dezember 1250 in Castel Fiorentino bei Lucera, Italien) zurück. Es gibt mehrere Biographien über ihn, und die geradezu hymnisch anmutende „wissenschaftliche Heldensage“ von Ernst Hartwig Kantorowicz dürfte in mehreren Punkten zwar längst zu revidieren, aber immer noch die sprachgewaltigste Darstellung des Lebens und Wirkens dieser Lichtgestalt des Mittelalters, des „Staunens der Welt“ sein.

Den reichen Kaufleuten und lokalen Herrschern (Baronen etc.) gefiel es damals gar nicht, dass sie „ihre“ Richter in „ihren“ Städten in seinem Reich nicht mehr selbst bestimmten durften. Friedrich II. wusste genau wohin bzw. zu welcher Gefahr das führt, eben dazu, dass der reiche Kaufmann über „seinen“ Richter dann nur noch seine Raubzüge legalisiert.

Friedrich den II. folge daraus: Alle Richter sollten von ihm eingesetzt werden, alle Richter sollten alle paar Jahre rotieren, niemand durfte dort richten wo er aufgewachsen war, kein Richter durfte sich dort wo er richtete gesellschaftlich verbinden etc., jedermann konnte sich bei Beschwerden über einen Richter direkt an die Kanzlei des Kaisers wenden, alle Fälle von Korruption wurden schwer bestraft etc.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, wenn sie von solchen Eckpfeilern eines Staatsmodells hören, aber mir kam und kommt es so vor, dass ein solches Staatsmodell eine wirklich effektive Kontrolle richterlicher Macht ermöglicht hat.

Nach diesem Modell wäre es also undenkbar, dass ein Richter in einer Partei ist und einem Coup von Bankern und Kaufleuten – wie u.a. die sog. Rettungsschirme für „notleidende“ Banken zeigen – auch noch den Anschein von Rechtsstaatlichkeit verleihen kann. Jeder kann sich selbst ausmalen, was denn von der „Gewaltenteilung“ in der Realität der Rechtspflege noch übrig bleiben würde, wenn sich die (höchsten) Vertreter der einzelnen Gewalten (Verwaltung einschließlich Regierung Rechtsprechung, Gesetzgebung) in ihrer Freizeit gesellschaftlich verbinden und dann auch noch alle privat im gleichen „Club“ treffen. Denn dann wäre es zu einer handfesten Verschwörung, in der private Absprachen die Spielregeln des Rechtstaats suspendieren, nur noch ein sehr kleiner Schritt.

Und es wäre zu Lebzeiten Friedrichs sicherlich undenkbar gewesen, dass nicht ausschließlich der Staat über die Herausgabe staatlichen Geldes entscheidet, sondern eine zinsbasierte Zentralbank die Kontrolle über die Währung seines Staates übernimmt. Er hätte niemals die Akkumulation von privaten Vermögen geduldet, die den Machtanspruch des Kaisers und damit die höchste Priorität von Recht und Ordnung hätten in Frage stellen können.

Das führt mich gleich zu meiner nächsten Hypothese:

In einem Staat darf kein Vermögen und keine Macht (einzelner Privater) stärker sein als die staatliche Kraft, die eine effektive Kontrolle aller staatlichen Machtausübung und damit die Rechtssicherheit des Bürgers garantieren muss und soll. Der Bürger, der durch sein Streben nach Reichtum mächtiger sein will als diese Kraft, will diese Kraft letztlich außer Funktion setzen, damit sein ungehemmtes Streben nach Reichtum und Macht keine rechtsstaatlichen Grenzen mehr kennt. Kein Volk darf zulassen, dass sich ein solcher Reichtum in der Hand Einzelner etablieren kann.

Es ist jedenfalls äußerst bemerkenswert, dass die äußerst beeindruckende Lebensgeschichte des Stauferkaisers Friedrich II. nie in einem abendfüllenden Spielfilm – oder angesichts der Komplexität seines Wirkens und seiner Zeit noch besser: gleich in einer ganzen Serien-Staffel – angemessen verfilmt worden ist. Filmproduzenten und Regisseure aus aller Welt müssten sich eigentlich um diesen unglaublich spannenden Filmstoff regelrecht prügeln, da sie ständig auf der Suche nach großartigen Vorlagen sind, die beste Unterhaltung (und volle Kinos) garantieren. Wie es scheint, könnte das Leben und Wirken dieses Kaisers die Menschen dahingehend inspirieren zu verstehen, was eigentlich ein Herrscher ist, dem das Recht (noch) heilig war und der es mit aller Macht – im Interesse der Menschen – gegen die Intrigen von Kaufleuten und Kurie durchsetzen wollte. Die Idee, was gute Herrschaft und effektive Kontrolle staatlicher Macht und Verantwortlichkeit vor dem Gesetz bedeutet, darf offenbar nicht durch die Verfilmung der Lebensgeschichte dieses Mannes verfilmt werden.

Das Bemühen Friedrichs um ein Staatsmodell, das das Recht über alles – auch über die Privilegien von Kirche  und Papst – stellt, konnte von seinen Erben nur sehr kurze Zeit fortgesetzt werden. Es folgt schon bald die kaiserlose Zeit, und das Mittelalter versank im Chaos.

Wie hat es sich denn – so mein Eindruck – auf die europäische Geschichte ausgewirkt, dass „das Geld“ schon im Mittelalter über die Idee des Rechts – damals im Kaisertum verwirklicht – gesiegt hat und die Idee einer (ob nun von göttlichen Kräften oder menschlichen Bemühungen initiierten) effektiven Kontrolle der Justiz in allen Völkern (weitestgehend) in Vergessenheit geraten ist?

Ein aktuelles Beispiel?

Hören Sie sich bitte einmal die ersten 15 Minuten des nachfolgenden Videos an, was ein – vormaliger – Kollege über höchst geheime Datenbanken von Richtern behauptet hat, die in Freimaurerlogen organisiert sind:

siehe Youtube

Wäre es nicht im vitalen Interesse aller Menschen in diesem Land, dass umgehend umfassend und transparent aufgeklärt wird, ob dieser (vormalige) Anwalt die Wahrheit gesagt hat?

Ein „guter“ Herrscher würde einer solchen Behauptung sofort nachgehen wollen und rückhaltlos und ohne Ansehung der Person aufklären müssen, damit die Glaubwürdigkeit seiner gesamten Justiz nicht ganz schnell zu einem einzigen Trümmerhaufen wird:  Denn wenn die Behauptungen des Herrn Putzhammer zutreffend wären, dann würde das bedeuten, dass es ein Netzwerk aus Vertretern der Justiz und  Bankenwirtschaft gibt, die alle ihnen verfügbaren Informationen über Anwälte für eine Datenbank zur Verfügung stellen, die eine totale (ungesetzliche) Übersicht über alle (anhängigen) Gerichtsverfahren und die wirtschaftliche Situation eines Anwalts ermöglichen (bloß unterstellt, dass es „nur“ diese Informationen sind).

Von solchen Aufklärungsbemühungen kann ich jedenfalls zur Zeit nichts erkennen, und schon das sollte die Menschen in diesem Land beunruhigen, da hier Aussagen in den Raum gestellt werden, die jeden Menschen in diesem Land betreffen, der sich rechtschutzsuchend – ob und über einen Anwalt oder nicht – schließlich an die Gerichte wendet.

Da sich kein Justizminister oder Ministerpräsident oder Kanzler um die Aufklärung dieser Sachverhalte bemüht, bleibt jedem Bürger – auch jedem Anwalt – letztlich nur die Spekulation darüber, ob seine eigenen Erfahrungen es für ihn wahrscheinlich oder unwahrscheinlich erscheinen lassen, ob der Herr Putzhammer die Wahrheit gesagt hat.

Der Ausgangspunkt dieser Spekulation wäre dann konkret folgende Frage:

Haben Sie schon einmal ein Ermittlungs- oder ein (zivil-, strafrechtliches oder verwaltungs- oder sonstiges) Gerichtsverfahren erlebt, bei dem Sie sich gefragt haben, ob das, was Sie erleben, wirklich mit den Grundsätzen eines fairen, rechtsstaatlichen Verfahrens zugeht?

Von meinen eigenen Erfahrungen möchte ich hier nur die Fälle hervorgeheben, in denen ich (u.a.) wegen der – meines Erachtens eindeutig völkerrechts- und grundgesetzwidrigen sowie strafbaren – Einsätze der Bundeswehreinsätze in Serbien und Syrien Strafanzeige erstattet habe. Diese Anzeigen – und die Reaktionen der in diesem Kontext angesprochenen Staatsanwaltschaften – finden Sie auf meiner Homepage unter:

https://www.rechtsanwalt-wilfried-schmitz.de/aktuelles-interviews/

Kurz und (weniger) gut: Diese Anzeigen waren m.E. in jeder Hinsicht begründet, aber ausnahmslos erfolglos.

Dieser Befund begründet die Annahme, dass selbst schwerste Straftaten ungesühnt bleiben („können“), solange sie nur im Rahmen einer politischen Agenda begangen werden. Die Politik würde dann über dem Recht stehen, und Recht ist dann, was politisch gewollt, und Unrecht, was politisch unerwünscht ist.

Offenbar ist nicht jeder vor dem Gesetz „gleich“, und wenn Art. 97 Abs. 1 GG feierlich verkündet (Zitat): „Die Richter sind unabhängig und nur dem Gesetze unterworfen.“, dann ändert sich nichts an der Tatsache, dass z.B. ein Strafrichter nur über das richten kann, was ihm auf Grund einer Anklageerhebung zur Entscheidung durchgereicht wird. Ohne Anklage kein Richter, und dies mit allen Konsequenzen, vor allem mit der, dass es politische Eliten gibt, die keine strafrechtliche Verantwortlichkeit mehr fürchten müssen.

Die Aussage, dass die Richter „nur dem Gesetze“ unterworfen sind, kann schon dadurch ins Wanken geraten, wenn vertieft der Frage nachgegangen wird, ob die Bundesrepublik Deutschland im staats- und völkerrechtlichen Sinne überhaupt ein souveräner „Staat“ ist und – falls dies nicht so ist – welches Recht denn dann für alle Bereiche der Verwaltung der Bundesrepublik Deutschland überhaupt das höchste (verbindliche) Recht darstellt.

Kein Jurist kann und darf die Befassung mit diesen Fragen endlos aufschieben. Als ich mich diesen Fragen – auf Grund wiederholter Bitten von vielen Mandanten – schließlich gestellt habe, bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass die Schlussfolgerungen, die sich bereits bei angemessener Würdigung der Realpolitik – insbesondere der schon bedingungslosen Gefolgschaft der Regierung Merkel gegenüber der Bush- und Obama-Administration – ergeben haben, auch ihre juristische Bestätigung finden.

Eine Kurzversion meiner Erkenntnisse zur Souveränität Deutschlands vermittelt u.a. folgender Aufsatz:

nachrichtenspiegel.de/2018/05/09/ein-meisterstueck-der-propaganda-die-bundesrepublik-deutschland-ist-souveraen/

Angesichts dieses völkerrechtlichen Durcheinanders ist es für den rechtsschutzsuchenden Bürger – so meine Wahrnehmung – letztlich gar nicht mehr nachvollziehbar, welchem Recht und welcher „Dienstaufsicht“ die bundesdeutschen Vertreter von Verwaltung (einschließlich Regierung), Gesetzgebung und letztlich auch Rechtsprechung denn nun in Wahrheit unterstehen. Wer bestimmt denn Politik, Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung, wenn wir nicht souverän sind? BND und Verfassungsschutz im Auftrage von C.I.A. und US-amerikanischer Präsidenten und Administration? In einem durch globalstrategische Interessen mehr oder weniger offensichtlich fremdbestimmten Land kann die Justiz – wie alle anderen Bereiche der Gesellschaft (Medien, Banken, Wirtschaft) – bei realistischer Betrachtung wohl kaum noch eine unberührte Oase der glückseligen Unabhängigkeit sein.

Und wenn Herr Putzhammer in seinem o.g. Interview die Wahrheit gesagt hat, dann stellt sich erst recht die Frage, welches  (dem nicht eingeweihten Bürger vollkommen unbekannten) Gesetz (von Gruppen wie den Freimaurern) denn möglicherweise „über“ dem bundesdeutschen Gesetz steht, auf das sich der Bürger vor Gericht berufen möchte.

Gilt das geschriebene Recht jetzt nur noch, wenn nicht das – seinem Inhalt nach völlig unbekannte – „Gesetz“ von Freimaurern und möglicherweise auch noch anderen Gruppen widerspricht?

Ein redlicher Kanzler / Ministerpräsident / Justizminister müsste dieser Frage nachgehen. Der einzelne Bürger kann diese Aufgabe niemals leisten, weil ihm hierzu schlicht die Mittel und Durchsetzungsmöglichkeiten fehlen.

Aber selbst wenn wir solche möglichen Realitäten der außergesetzlichen Einflussnahme von organisierten „Geheimbünden“ außer Betracht lassen: Wie kann es sein, dass ein zur Unabhängigkeit verpflichteter Richter einer Partei angehören darf? Ist er dann noch unabhängig, vor allem dann, wenn er als Staatsanwalt letztlich der Aufsicht und Weisungsbefugnis eines Politikers – eben eines Justizministers – unterliegt (vgl. §§ 145, 146 GVG)?

Die Frage muss somit schon sein, ob ein Richter in einem „Rechtsstaat“ überhaupt politisch sein darf, da er als Richter grundsätzlich unabhängig sein muss. Politik hat m. E. überhaupt nichts in der Rechtspflege zu suchen, und die Besetzung von höchsten Richterstellen darf m. E. niemals von parteipolitischen Motiven bestimmt werden.

Als Anwalt interessiert mich auch nur, ob ein Richter das Recht achtet, ob er Verfahren fair gestaltet, allen Beteiligten angemessen rechtliches Gehör gewährt und sich wirklich um ein gerechtes Urteil bemüht. Wenn er sich in der täglichen Praxis so verhält, dann ist mir egal, ob er privat Harry Potter schätzt oder – wie Fermat, der ebenfalls Richter war – Generationen von Mathematikern mit mathematischen Problemen wie „Fermats letzter Satz“ in den Wahnsinn treiben kann.

Gegenwärtig sieht es so aus, dass die Befangenheit eines Richters nur mit einem sog. „Befangenheitsantrag“ gerügt werden kann. Aber jeder Anwalt dürfte schon erlebt haben, dass der Rechtsbehelf des „Befangenheitsantrages“ faktisch nie zur Ablösung des abgelehnten Richters führt, auch dann nicht, wenn ein solcher Antrag für einen Außenstehenden („objektiven Dritten“) in jeder Hinsicht begründet erscheinen muss.  Die Richterschaft hat diesen Rechtsbehelf gesetzeswidrig  faktisch weitestgehend abgeschafft, und effektive Gegenwehr gibt es dagegen nicht. Lesenswert ist in diesem Kontext u.a. der Aufsatz „Dokumentationspflicht in der Hauptverhandlung – Warum eigentlich?“ von Prof. Dr. Endrik Wilhelm, online abrufbar unter:

Dresden https://www.hrr-strafrecht.de/hrr/archiv/15-06/index.php?sz=7

Wenn alle Gewalt wirklich vom Volke ausgehen soll, dann darf es seine Macht nicht einfach irgendwelchen Institutionen übertragen und davon ausgehen, dass damit schon alles Notwendige getan ist. Ein Volk darf nicht einfach alle Macht abgeben und glauben, dass das Ausfüllen eines Wahlzettels alle paar Jahre für weitere Kontrolle der Macht schon ausreicht. Diese Macht darf von ausgewählten Volksvertretern nur verwaltet, aber niemals auf Dauer und schon gar nicht ohne oder gegen den Willen des Volkes „besetzt“ werden.

Ein Volk muss – in allen Bereichen der „Staatsverwaltung“ immer die Möglichkeit haben,  Fehlentwicklungen korrigieren zu können und somit muss jeder Repräsentant staatlicher Macht auch immer für Willkür und Machtmissbrauch vom Volk verantwortlich gemacht werden können. Der Bruch von Verfassungs- und Völkerrecht löst zur Zeit ja keine strafrechtlichen Konsequenzen aus (s.o.), und das bewirkt, dass alles nur noch schlimmer wird.

Im Lichte dieser Erkenntnis sollte jeder Bürger ins Grübeln kommen, der sich nicht mit derart ungelösten Problemen abfinden möchte.

Kennen Sie (also ebenfalls) das Gefühl, sich auf Grund ihrer Erfahrungen mit der „Organen der Rechtspflege“ geradezu in kafkaeske Welten begeben zu haben, die in Erzählungen wie „Vor dem Gesetz“ ihre literarische Verarbeitung gefunden haben? Wer diese Erzählung noch nicht kennt, der sollte sie unbedingt lesen:

https://ace.home.xs4all.nl/Literaria/Txt-Kafka.html

Wenn Sie diese Frage, ob sie solche kafkaesken Realitäten schon einmal erlebt haben, bejahen können, dann werden Sie auch die leidvolle Erfahrung gemacht haben, wie sich die Erfahrung, (tatsächlich oder vermeintlich) einen (regelrechten) Entzug des Rechts erlebt zu haben, nicht nur auf Ihr Wohlbefinden, sondern auf ihre gesamte gesundheitliche Situation und sogar auf ihr gesamtes weiteres gesellschaftliches Leben negativ auswirken kann.

Immer wieder wurde und wird Kritik an den Zuständen in der (Nachkriegs-)Justiz laut, und wer nach Büchern dazu sucht, der wird schnell fündig, siehe u.a.:

Jörg Kachelmann, Recht und Gerechtigkeit: Ein Märchen aus der Provinz

Norbert Blüm: Einspruch!: Wider die Willkür an deutschen Gerichten • Eine Polemik

Rolf Bossi: Halbgötter in Schwarz: Deutschlands Justiz am Pranger

Uwe Ritzer / Olaf Przybilla: Die Affäre Mollath: Der Mann, der zu viel wusste

Sascha Pommrenke / Marcus B. Klöckner: Staatsversagen auf höchster Ebene: Was sich nach dem Fall Mollath ändern muss

Mehmet Daimagüler: Empörung reicht nicht!: Unser Staat hat versagt. Jetzt sind wir dran. Mein Plädoyer im NSU-Prozess

Das Interesse, die Realitäten der deutschen Rechtspflege durch die Lektüre eines solchen Buchs ein wenig besser erfassen zu können, wird sicherlich immer wieder durch konkrete Rechtsfälle geweckt, die bundesweit – und gerade auch außerhalb des Kreises der Juristen – für Aufsehen sorgen.

Ein paar herausragende Beispiele (die viele Leser wohl um weitere Fälle  ergänzen möchten) waren:

Der NSU-Prozess und das Versagen des Staates, die Hintergründe dieser Taten aufzuklären (siehe obige Literaturempfehlung)

Der „Fall Görgülü“ (wobei die Begriffswahl „Fall“ nicht meiner Wortwahl entspricht), siehe:

https://de.wikipedia.org/wiki/Fall_Görgülü

Gustl Mollath und der Maßregelvollzug, siehe:

https://www.bayern.landtag.de/fileadmin/images/content/NEU_Drs_16-17741_Mollath_FINAL.pdf

(Anmerkung hierzu: Am 24. November 1933, auf den Tag genau 7 Monate nach der Veröffentlichung der Ermächtigungsgesetze im Reichsgesetzblatt, wurden mit dem Gesetz gegen gefährliche Gewohnheitsverbrecher und über Maßregeln der Sicherung und Besserung (RGBl. Teil I, Seite 995) die Maßregeln der Sicherung und Besserung in das Strafgesetzbuch eingeführt. Die Zweispurigkeit des Strafrechts hat bis heute Bestand (Quelle: Wikipedia. Jeder StGB-Kommentar bestätigt das ebenfalls). Dabei hat bereits das SHAEF-Gesetz Nr. 1 in Art. III Nr. 4 ausdrücklich bestimmt (Zitat): „Die Auslegung oder Anwendung des deutschen Rechtes nach nationalsozialistischen Grundsätzen, gleichgültig wann und wo dieselben kundgemacht wurden, ist verboten.“ M.E. ist also höchst fraglich, ob der Maßregelvollzug angesichts dessen überhaupt gültiges Recht sein kann und darf.)

Sicherlich könnte man an dieser Stelle so viele Beispiele aufführen, dass es den Umfang eines Buches annehmen würde, aber das würde den Rahmen dieses Artikels bei Weitem sprengen.

Natürlich mangelt es auch nicht an Youtube-Videos, die deutliche Kritik an den Zuständen in der Rechtspflege bzw. an der politischen Instrumentalisierung der Justiz erkennen lassen, siehe u.a.:

„Maulkorb für den Staatsanwalt“ (Youtube)
(in schlechter Ton- und Bildqualität, aber dennoch sehenswert)

Vortrag des Strafverteidigers Prof. Dr. Ulrich Sommer: „Ich habe den Glauben an die Justiz verloren“ (Youtube)

Rechtsanwalt Peter Putzhammer – „Rechtsbankrott durch Logen & Seilschaften“ (Youtube)

Sie können – und sollten sich auch – angesichts dieser Fehlentwicklungen empören. Aber damit darf es nicht getan sein.

Was ist nun zu tun?

Meines Erachtens ist es mit Reformen und Reförmchen nicht (mehr) getan. Die Probleme müssen an der Wurzel angepackt werden, und mir fällt dazu nur folgender Weg ein:

Der de jure immer noch bestehende und durch ein Netzwerk finanzökonomisch-informeller Abhängigkeiten perpetuierte Kriegszustand mit den alliierten Siegermächten muss endlich durch Friedensverträge beendet werden.

Dann – und nur dann – kann sich das deutsche Volk (oder auch: können sich die deutschen Völker) wieder in freier Selbstbestimmung eine Verfassung geben, und das heißt: im Rahmen eines Volksentscheids eine Kommission einsetzen, die in seinem Auftrage einen solchen Entwurf ausarbeiten soll, der eine effektive Kontrolle aller staatlichen Machtausübung ermöglicht, und dann im Rahmen eines weiteren Volksentscheids entscheiden, ob es diesen Entwurf annehmen möchte.

Dieser Weg steht immer noch durch Art. 146 GG offen, und er entspricht sicherlich dem Grundbedürfnis aller Menschen, die sich angesichts der erlebten Realitäten politisch entmündigt und entrechtet fühlen (müssen).

Nur ein souveräner Staat kann wirklich ein Rechtsstaat sein, weil nur dann wirklich alle Macht wieder vom deutschen Volk (und nicht nur von einem nebulösen „Volk“) – gemäß dem Willen des deutschen Volkes – ausgeübt werden kann. Dass gerade diese Begrifflichkeiten im Lichte derzeit von europäischen Spitzenpolitikern forcierter – demokratisch nicht legitimierter – Bestrebungen zur Auflösung der Nationalstaatlichkeit gezielt diskreditiert und in eine ausschließlich negative Konnotation gestellt werden, mag einem ebenfalls zu denken geben.

Wenn dieser souveräne Staat dann auch in die Sicherheitsarchitektur einer Friedensallianz im gesamten eurasischen Raum eingebettet ist, in dem die Menschen und Völker – ohne äußere Bedrohungen durch eine jenseits des Kontinents liegende „Supermacht“ befürchten zu müssen – wieder ein Leben in Einfachheit, Wahrheit und Frieden führen könnten, dann wäre das Paradies schon sehr nahe. Denn angesichts des gegenwärtigen Chaos kann ein Leben in Rechtssicherheit und Frieden nur noch als paradiesisch bezeichnet werden.

Der Mensch kann auf Gott und das Kommen des Messias hoffen und untätig bleiben. Aber wenn er untätig bleibt, dann muss er sich nicht wundern, dass die kafkaeske Erosion des Rechts, die gegenwärtig schon apokalyptische Dimensionen erreicht zu haben scheint, so lange bestehen bleibt, dass er ihre Überwindung nicht mehr erlebt.

Jeder steht in der Verantwortung, den künftigen Generationen ein besseres Leben zu ermöglichen und hierfür zumindest an dem Fundament mitzuarbeiten, auf dem eine neue, gerechte, menschliche Ordnung errichtet werden kann.

Niemand sollte sich sicher fühlen, nur weil er sein Vermögen – auf welchen Wegen auch immer – in diesen Zeiten noch mehren konnte. Denn wenn er Grund zu der Annahme hat, dass er in einem Land lebt, in dem (je)der Mensch seine Rechte verloren hat, dann sollte die Geschichte ihn lehren, dass der Mensch, wenn er erst seine Rechte und damit auch sein Recht auf effektive Verteidigung seiner Rechte verloren hat, irgendwann erst Recht seinen Besitz und auch alles Andere verlieren kann und wird, was die Frucht seiner Arbeit und die Basis seines Glücks gewesen ist. In so einem Land gibt es keine Sicherheit, keine „Gewinner“, sondern nur solche, die schon alles verloren haben, und solche, die noch alles verlieren werden, auch wenn sie sich das bis zuletzt nicht vorstellen wollten oder konnten.

Wilfried Schmitz

Rechtsanwalt

Kontaktdaten unter: https://www.rechtsanwalt-wilfried-schmitz.de

Die heilige Angela und der heilige Benedikt!

(Karnevalsbeitrag nach Wilhelm Busch: Der heilige Antonius von Padua)

Johannes Paul der erste kam sogleich
ins wunderschöne Himmelreich,
denn wer sich gegen den Kaiser wendet
dessen Leben wird schnell beendet

Im Buch „Im Namen Gottes“ steht,
dass es da auch um Pädophile geht
Paul hat sich mit den Tätern angelegt

Böse  Menschen gerne auch das Bild von Papst Benedikt zerkratzten
und ihm die weitere Karriere verpatzten
Heimtückische Medien schneiden voller Tücke
in Benedikts Papsttum eine Lücke

Auch Pope Franziskus ihn immer noch verklärt –
machte sein Vorgänger doch wirklich nichts verkehrt!
Der jetzige Papst, er ist ein guter Christ
wenn er auch wieder  Opfer  der Medien ist

Doch Angela wurde schon heilig geboren
ja schon im Voraus zum Engel erkoren
es hätte sie zu Ihrem großen Glück
nur noch der Nobelpreis sehr entzückt
Doch der Sekretär des Nobelpreiskomitees

der schrieb ein Buch was alles bös
in der Vergabe der Trophäe
sie wäre überhaupt nur noch ein Schmäh

Obama für den Nobelpreis? Oh je!
Geplant für Angela! Oh nee!
Da trat Sekretär Lundstad zurück
Für Merkel war das gar kein Glück

im europäischen Süden schafft sie nur noch Gutes
die Griechen lieben sie voll guten Mutes
überall sie Oligarchen schützt
was ihr wirklich sehr viel nützt

überall will sie Frieden schaffen
die Waffenlobby hat darüber viel zu lachen
und die großartigen Waffen
dann die Flüchtlinge schaffen

Die Flüchtlinge die armen,
wer würde sich nicht ihrer erbarmen?

die Medien lieben Angela gar sehr
sie stützen sie immer sehr fair
nennen wir`s dann Würstelpresse,
hauen sie uns dann in die Fresse?

und selbst wenn sie das schlechteste Wahlergebnis
vor kurzem erreicht, so war das ein Erlebnis –
die Medien stempeln sie zur Siegerin
die freie Presse ist dahin

So kann sie die ärmsten deutschen Bürger
ganz erfolgreich gierig würgen
so dass sie geben ihren Sold
den Oligarchen, die ihr hold

Wenn Flüchtlinge müssen zu hunderttausenden emigrieren
dann werden sie die Probleme des Nahen Ostens nun endlich zu uns transportieren
Dem deutschen Ingenieur
ist bekanntlich nichts zu schwör.

Den Ärmsten war sie wirklich offen
die armen Flüchtlinge durften hoffen
Traumatisierte Juden ängstigten sich gar laut:
„Wenn der Feind kommt, dann lauf
und gib alle Hoffnung auf,
das hat die Merkel uns versaut!“

Und wenn dann alle weggelaufen sind
dann schau behände, liebes Kind –
Beginnt dann der Krieg?
Und unser ist der Sieg ?

Und wenn die Flüchtlinge sind gut geraten,
dann kann man sie beim nächsten Mammonskult auch braten
die Erwachsenen eignen sich auch als Soldaten

Sie sind von der Nato gut gedrillt
und auch zum Töten sehr gewillt
sie bekämpfen Mörder und Tyrannen
wehe sie entdecken hier die Satanskult Mannen

Gert Wilders und Herr Strache
sind nicht meine Sache
Doch hält Angela selig still
weil beide an ihrem Busen trinken viel!

Die Wirtschaft fördert die Angela mehr
das freut das Klima gar zu sehr

Auch für die Erderwärmung war Angela offen
die Globalisierung durfte hoffen.
denn im fernen Osten ist Produktion ohne Ökologie
denn weiter kommt man ohne sie

Dann wird alles dort produziert
und unsere Wirtschaft wird ruiniert
die Schlote, die sind ohne Schutz
Halogene entweichen ganz verdutzt

Das Ozonloch das wird größer
und alles wird dann besser
ein paar Tage ohne Wolken weiß
dann wird es wirklich heiß!

Was bedeutet das fürs Klima?
Ohne Geoengineering geht das nimmer?
die Sonn ist weg und auch die Sterne
das Glück der Menschen rückt in die Ferne

Auch der Benedikt ist ihr gewogen
das ist wirklich nicht gelogen

Die beiden waren ein großartig Team
doch sollte es nicht sein, wie es schien
denn Benedikt begann zu beten
um sich zu erwehren seinen Nöten

Der Himmel war ihm gnädig
schickt ein Zeichen
das war nicht schäbig
er sah das Zeichen unter Eichen

Der heilige Benedikt, er war verdutzt
die heilige Angela war futsch

„Und siehe da! – Aus Waldes Mitten
Ein Wildschwein kommt daher geschritten.“

Er denkt in klarer tiefer Meditation
„Wer glaubt das schon!“
„Die Merkel
ist doch kein Ferkel!“

Er übt sich weiter im Gebet
so lang er kräftig war und lebt
Und als er das Leben ausgehaucht
er schnell hinauf in den Himmel saust

„Willkommen! Gehet ein in Frieden!
Hier wird kein Freund vom Freund geschieden
Es kommt so manches Schaf herein,
Warum nicht auch ein braves Schwein!!“

Heißt es da von droben
das Paradies, das wird nicht aufgeschoben

Das Schweinchen spricht: Ich wurd gegrillt
das war ich gar nicht gern gewillt
doch bevor die Schnitzel aus mir machen
muss ich noch sagen wichtige Sachen:

Denkt wirklich stark daran!
Ihr lebenden Menschen, man macht Euch arm!
Deutschland geht es gut
drum saugen sie Euer Blut

Denn wenn wirklich kommt die Not
und ihr seid krank, dann kommt der Tod.
Verlasst Euch nicht auf „Gratis Medizin!“
Die ist in der Krise bald dahin

Esst nicht zu viel Fleisch!
Vor allem wenn ihr seid nicht reich!
Denn zu viel Fleisch ist nicht gesund
da werdet ihr obendrein kugelrund

Denkt an mich Schweinchen BABE
Wie schön wenn ich noch leb‘!
Lasst mich bitte aus dem Stall
Dann schmeckt mein Fleisch nicht schal

Das  teure Auto, das lasst stehen
gesünder ist’s, zu Fuß zu gehen
Wer sich bewegt, bekommt bald Kraft
damit ist die Krise doch geschafft!

Gesunde Menschen leisten Widerstand
bei Krankheit verläuft ja der im Sand
am besten organisieren
da kann man nicht verlieren

Ihr seid ja Millionen,
bildet doch Assoziationen!

und wenn ihr warm geworden seid
dann seid doch wirklich bald gescheit
baut kräftige Gedanken
die auch in der Krise nicht wanken

Schafft leuchtende Ideen
die Euch zutiefst bewegen
arbeitet kräftig daran
dann kommt in der Krise kein Gram

Vergesst nicht das Ziel Eures Lebens
sonst lebt Ihr frustriert und vergebens

Da wurde das weise Schweinchen abtransportiert
und als Grillwürstchen serviert

Doch stopp, das ist nicht
das Ende der Geschicht‘
Denn als sich das Schweinchen entwand,
Folgendes entstand:

Da war der heilige Benedikt
ganz entzückt
und entrückt

Er sprach: “Die eignet sich gar sehr,
für den Geschlechtsverkehr,
doch mit Marmor wird das schwer!“

 


Bilder (creative commons) – von oben nach unten:

Wikimedia/Wikipedie/commons Der heilig Antonius von Padua/Wilhelm Busch
Matthias Kabel .wikimedia.org/wikipedia/commons/Venus_of_Willendorf

wikimedia/wikipedia/commons/Der_heilige_Antonius_von_Padua_59.png 
wikimedia.org/wikipedia/commons/Der_heilige_Antonius_von_Padua
wikimedia./wikipedia/commons/Der_heilige_Antonius_von_Padua_72.png
By unknown Marie-Lan nguyen
commons.wikimedia.org/wiki/Venus_of_Arles_Louvre

 

Karmahof in Eiserfey – wo die Utopie der planetaren Zivilgesellschaft Realität wird.

Sonntag, 19.6.2017. Eifel. Wir müssen mal reden. Über Ihre Zukunft. Über Ihr Leben. Und über die Zukunft des Planeten, auf dem wir alle wohnen. Sie kennen die Versprechungen der Industrie – oder? „Kaufe und Du wirst glücklich!“ … und Sie kauften, bekamen Depressionen und Born-Out und wurden unglücklich. Dauert allerdings ein paar Jahre bis man das merkt. Wissen Sie, was aktuell sterbende Menschen am meisten bedauern? Das sie nicht ihr eigenes Leben gelebt haben, sondern das Leben jemand anderes (siehe Tagesanzeiger). Sie bedauern auch, dass sie soviel gearbeitet haben – was man heute so alles Arbeit nennt. Man stelle sich vor, man hätte nur ein Leben? Wäre grausam, wenn man das so sinn- und freudlos verplempern lassen würde – oder? Und was tun Sie mit Ihrer Arbeit? Teil einer Maschine sein, die den ganzen Planeten verwüstet. Ich gehe mal davon aus, dass das bekannt ist, ja? Sollte jeden Tag in der Tagesschau kommen, aber das würde das Volk ja nur deprimieren – dann doch lieber Fußballergebnisse.

Nun – reden wir erstmal über Ihre Zukunft. Die ist für Sie und den Großteil Ihrer Freunde, mit denen Sie sich heute beim Grillen treffen, düster. Nicht nur, weil Sie sterben werden. Das müssen wir alle mal durchmachen. Da musste bisher jeder durch. In unserer Konsumkultur: das absolute Ende jeglichen „Shoppings“, das absolute Ende aller „Game-Shows“ – und Alkohol, um das alles ertragen zu können, gibt es auch nicht mehr – soviel zumindest ist sicher. Der Tod kann jederzeit kommen – sogar gleich jetzt, während Sie diese Zeilen lesen, kann sich eine Ihrer Zellen entscheiden, Krebszelle zu werden und in Ihrem Körper großen Unfug anrichten, in dem sie sich frei und ohne Zwang ganz willkürlicher Selbstverwirklichung hingibt – also sogar einigen Zielen der Konsumkultur folgt. Nun – „Selbstverwirklichung“ hört sich immer groß an – nur: wer sind Sie selbst eigentlich? Haben Sie sich das schon mal gefragt? Ernsthaft, allein, in stiller Stunde?

Würde ich Sie das fragen: Sie hätten gleich eine Antwort parat: ich bin Schreiner. Ich bin Polizist. Ich bin Lehrer. Ich bin Straßenbauer. Autmechaniker. Bürokraft. Arzt. Oder: ich bin reicher Mann – oder reiche Frau, habe es geschafft, brauche mich nicht mehr mit niedrigen Dienstgraden der Arbeitswelt zu identifizieren, kann den ganzen Tag hemmungslos shoppen. Millionär sein gilt als Beruf – unhinterfragbar.

Nun – ich frage Sie aber nicht. Ich weiß, dass die Zahl jener Menschen, die sich mit Ihrer Stellung in der Welt aktiv auseinandersetzen, beständig schrumpft, da der Konsumgott (siehe Prof. Dr. Tiedemann in der Tagesschau) uns schon als Kinder Selbstdefinitionen frei Haus liefert, die im gesellschaftlichen Umgang zu offenbaren sind: Sie kennen doch diese Frage fremder Menschen, die spätestens nach fünf Minuten Gespräch kommt: „Und – was machen Sie beruflich?“. Wir lassen uns definieren nach Funktionen, die wir in einem kannibalistisch-kapitalistischen System zur Renditevermehrung einnehmen – oder nach Funktionen, die wir in einer globalen Vernichtungsmaschinerie erfüllen. Ja – ich denke, dass brauche ich hier nicht nochmal zu betonen, das sollten Sie schon mal vernommen haben: unsere Art zu leben frisst den Planeten auf, wir müssen dringend etwas ändern um nicht demnächst zu den ausgestorbenen Arten zu gehören. Sie können das einfach selbst mal nachprüfen: machen Sie den Autoscheibentest – und fragen Sie Ihre Eltern, wie früher die Autoscheibe nach einer Fahrt über Land aussah…sie war übersät mit Insektenleichen. Heute – das wissen Sie selbst – haben wir das Problem kaum noch, das Insektensterben hat apokalyptische Ausmaße erreicht, in letzter Zeit folgen die Vögel (siehe Welt). Die globale Wahrheit ist noch viel schlimmer: wir befinden uns in einer Zeit weltweiten Artensterbens, jährlich verschwinden 58000 Tierarten (siehe Spiegel): eine Massenvernichtung, wie sie seit 65 Millionen Jahren nicht mehr vorgekommen ist (siehe wwf).

Zusätzlich gehen uns die Rohstoffe aus: wir vergeuden sie in Massen – so sehr, dass sogar bald der Sand knapp wird (siehe Tagesspiegel) … und das Wasser (siehe Spiegel).

Nun – das geht Sie nichts an, denken Sie? Sand haben Sie im Garten Ihres Einfamilienhauses im Sandkasten, Wasser kommt aus der Leitung – sogar der Pool ist voll?

Nun, dann müssen wir noch etwas ausholen: einige wenige werden in der Maschinerie noch fürstlich entlohnt werden – auch wenn sie keine großartigen Leistungen vollbracht haben. 2 Millionen bekommt zum Beispiel der scheidende Opelchef – dafür, dass die Firma Opel Teil des gigantischen Konzentrationsprozesses in der Wirtschaft geworden ist (siehe FAZ) … wo wir ebenfalls ein „Artensterben“ beobachten können … bei großen und kleinen Firmen. Ebenso gibt es Millionen für die Organisatoren der Rationalisierungsprozesse, die immer weiter fortschreiten: aktuell legt eine Studie dar, dass Facharbeiter vom Aussterben bedroht sind (siehe Spiegel), Zuwächse gibt es bei Bullshitjobs und jenen, die diese Leute ausbeuten helfen – also den Führungskräften. 18 Millionen Jobs werden in den nächsten Jahren in Deutschland wegfallen (siehe Welt). Die Politik reagiert auch darauf – absonderlich: in den SPD-Ministerien steigen die Zahl der befristeten Verträge rasant (siehe FAZ) …. und die Mechanisierung der Arbeitswelt wird mit Hochdruck vorangetrieben (siehe Nachrichtenspiegel), blind, wahnsinnig, idiotisch gar, scheinbar ohne Ziel und Verstand.

Wird die Politik das richten? Nun – die Zahl der psychisch Erkrankten hat sich in Deutschland seit 1995 verdreifacht (siehe wiwo), misst man den Anstieg seit 2011, kommt man auf einen Anstieg von 80 Prozent (siehe Münchener Institut) – und was meint die Bundeskanzlerin dazu?

„Den Menschen in Deutschland ging es noch nie so gut!“ (siehe Tagesspiegel).

Die Immobilienpreise steigen schneller als die Einkommen – was zu einem gravierenden Wohnungsmangel führen wird (siehe Spiegel), Flaschensammler kommen wegen 1,44 Euro vor Gericht (siehe tz) die „Jobcenter“ schicken sogar schwer kranke Menschen unter Zwang zur Arbeit (siehe Berliner Zeitung) – ich frage mich, von welchen Menschen die Kanzlerin redet? Anstatt dass wir unsere Arbeitszeit auf Steinzeitniveau reduzieren (4 Stunden am Tag, inklusive Hausarbeit – siehe Zeit) – wie es einst von den Propheten des Konsumkultes prophezeit wurde – wächst unser Arbeitsvolumen ständig … selbst wenn man sich nur auf die Erwerbsarbeit bezieht (siehe nt-v).

Sieht düster aus, oder? Nun – sage ich doch.

Dabei … wäre es so einfach, dagegen anzugehen. Kostet kein Geld – erspart sogar vieles – wenn man dem bekanntesten Hirnforscher Deutschlands folgt und … die Menschen an ihre Würde erinnert (siehe Utopia). Man kann und darf sich schon vor seinem Tode daran erinnern, dass man eine würdevolle Person ist – und das es besser wäre, wir würden uns gegenseitig nach unseren Wünschen, unseren Träumen, unseren Utopien fragen, nach dem Dienst, den wir gerne der Ökosphäre und unseren Mitgeschöpfen und Mitmenschen leisten möchten als nach unserer Position in einem sterbenden Wirtschaftssystem.

Eine lange Vorrede, ich weiß. Aber ich halte sie für wichtig, damit Sie die Bedeutung des Ortes verstehen, von dem ich Ihnen nun erzählen möchte – wie alles gewinnt er seinen Wert aus der Perspektive, aus dem man ihn betrachtet – und ich möchte da einerseits die globale Perspektive wählen … und jene, die Prof Hüther angedeutet hat, denn: es ist ein Ort, an dem jeder Mensch sein darf, was er ist – und nicht was die Welt aus einem gemacht hat.

Ich fand diesen Ort zufällig, war mit Freunden bei der 1150-Jahr-Feier in Eiserfey – und lernte dort sehr kurz den Karmahof kennen, wo man Musikinstrumente schnitzen konnte (siehe eiserfey). Nun – tausende von Leuten waren unterwegs. meine Begleitung drängte zum Mittagsmahl – ich hatte nur einen kurzen Eindruck von dem Ort, dachte mir: „Oh – die Dorfjugend baut sich einen Abenteuerspielplatz mit Kräuteranbau – wie schön“ – und zog gezwungenermaßen weiter. Später dann – nach einigen Gesprächen mit Einheimischen – schaute ich mal im Internet nach … und fand überraschende Dimensionen des Hofes, dessen Name erwarten lies, dass man dort nur in zauberhaftem Orange gewandete indische Mönche vorfand.

Ich setzte mich mit dem Besitzer des Karmahofes in Verbindung – Andreas Korczak mit Namen, wie ich ein Ruhrgebietsflüchtling – und wir telefonierten erstmal zwei Stunden lang … wofür weder er noch ich Zeit hatten. Ich erfuhr erstaunliches. 800 Menschen haben den Hof schon besucht – und zwar, da ist sich Andreas sicher – aus jedem Land der Erde. Damit ist der Karmahof der internationalste Treffpunkt der Eifel. Und es kommen Menschen mit jedem erdenklichen sozialem Hintergrund … auch aus Kreisen, die man nie vermutet hätte. Ich durfte auch erfahren, woher der Name „Karmahof“ stammt: von einer Kölner Yogagruppe, die dort häufiger zu Gast war, so wie auch der WDR, der einen kleinen Film über den Hof drehte („Leben auf dem Karmahof“).

Die überraschendsten Gäste waren wohl die Schamanen aus Südamerika, die unvermutet aufschlugen, weil … ihre Geister ihnen gesagt hatten, dass sie ihre Botschaft nun an die Welt weitergeben mussten. Erinnerte mich an John Perkins, jenem Insider aus den Kreisen der „Economic hit man“ (siehe Nachrichtenspiegel), der sich nach seinen dunklen Erfahrungen mit der agressiven imperialen Wirtschaftswelt den Schamanen des Amazonasgebiet zuwandte, weil dort die größte Chance auf eine Philosophie sah, die Heilung einer geschändeten Welt versprach – und damit sehr nahe an jenen Entwurf kam, den Gerald Hüther mit seiner Rückbesinnung an die Würde des Menschen erreichen will.

Hat der Karmahof (ein Name, der – wie Andreas meinte – nicht für immer und ewig Bestand haben muss und sich nur zufällig ergab) nun eine Philosophie, ein Leitbild, ein Konzept? Nun – die Antwort ist überraschend: nein. Obwohl im Internet als Selbstversorgerhof angepriesen, gibt es kein Konzept, keine Ideologie, kein Dogma, dem man folgen muss: die Menschen sind willkommen, wie sie sind. Sicher, es wird Gartenbau betrieben – im Sinne der Permakultur, um Alternativen zu unseren ausgelaugten Böden zu entwickeln, doch eher im Fokus steht das gemeinsame Lernen, das gemeinsame Arbeiten, das gemeinsame Entwickeln von Fertigkeiten. Die Besucher können sich dort erfahren, wie sie sind – und haben die Freiheit, sich selbst in Gemeinschaft mit anderen zu erfahren – mit Menschen aus aller Welt. Es wird auch mit Lehmbau experimentiert, Brot backen steht auf dem Programm … und ja: man kann auch Musikinstrumente herstellen (ich denke: die werden nicht wirklich nur geschnitzt).

Wer ist nun dieser Andreas Korczak? Ein Professor für Musik in Belgien. Musiktherapeut. Bildhauer. Vater von drei Kindern. Wohnt auf dem Hof … ganz minimalistisch in einem Bauwagen. Erzählt begeistert vom „Containern“ – jenem Sport, dem immer mehr Menschen ohne Not nachkommen (siehe z.B. Der Westen) um gegen die irrsinnige Lebensmittelverschwendung in unserem Alltag zu demonstrieren (immerhin jedes Jahr 11 Millionen Tonnen – eine LKW-Kette von 440000 Sattelschleppern – siehe Verbraucherzentrale) Er erzählt begeistert von den Erfahrungen, die er mit den Menschen aus aller Welt machte – und wie befriedigend es ist, am Ende des Tages die Ergebnisse der eigenen Arbeit zu sehen … viel befriedigender, als wenn man die Arbeit von Handwerkern ausführen läßt, über deren Rechnung man sich doch nur ärgert.

Hören wir ihn mal selbst:

„Stell dir vor, es gäbe einen Ort, an dem du einfach du selbst sein darfst.

Ein Ort an dem Du Gemeinschaft leben und erleben kannst, dich zusammen mit anderen austauschen, zusammen an kreativen Projekten arbeiten, vielfältigste Tätigkeiten erlernen kannst. Vom alten Handwerk bis hin zum ökologischen Renovieren, dem Gemüse Anbau, der Bildhauerei, gemeinsamem Musizieren, Schwitzhütten bauen oder dem Strohballen Hausbau, ist alles dabei. Der Kreativität und dem freien Ausdruck sind keine Grenzen gesetzt. Ein Platz wo das Kind und der Erwachsene in Dir Freunde und Willkommen sind. Und es geht noch weiter, stell‘ dir vor, an diesem Ort, lebst du für einige Zeit, in einem Bauwagen, einer Yurte, einer Instrumentenbauwerkstatt oder in einem Alten Fachwerkhaus zu Leben. Aus einer klaren Quelle dein Wasser zu trinken, in einem alte Brotbackofen zusammen das Brot zu backen, Nahrung aus dem Garten zu ernten, auszuprobieren wie es ist autark zu leben. Nachts in einer Badewanne unter den Sternen zu baden, morgens die Rehe im eigenen Wald zu sehen, frischen Apfelsaft zu machen oder deine eigene Gitarre, Geige, Ukulele zu bauen. Die Füße im Sommer im kühlen Bach baumeln zu lassen, den Klang des Wassers zu lauschen und dabei Himbeeren zu naschen. Ohne dafür direkt etwas bezahlen zu müssen.“

Stell´ Dir vor, an diesem Ort Menschen aus aller Welt begegnen zu können – wie den beiden Mädchen aus Hongkong, die das erste Mal erlebten, was es heißt, kalt duschen zu müssen – weil es warmes Wasser nur bis März gibt. Manche der Menschen bleiben ein paar Tage, manche … ein paar Monate.

Was Sie dort erleben können? Einen Ort, an dem Sie sich der Frage nach dem Sinn Ihres Lebens stellen können, einen Ort, wo Sie kurze (oder lange) Zeit Gast sein dürfen, um für sich erleben zu können, wer Sie wirklich sind … und was und wie Ihr Leben sein soll. Man muss nicht zwangsläufig auf das Sterbebett warten, um sich diese Frage stellen zu dürfen. Es ist ein Ort – einer von vielen, wie ich hoffe – an dem der Traum der planetaren Zivilgesellschaft schon heute Realität geworden ist.

Es geht mir jedoch nicht darum, Werbung für weitere Besuche des Hofes zu machen. Besucher hat er, so glaube ich, schon genug. Man sollte nicht außer acht lassen, dass dort auch (zumindest zeitweise) eine Familie wohnt – das es … trotz Trennung der Eltern … ein zauberhaftes Heim für Kinder ist, die Zeit mit ihren Eltern brauchen. In den nächsten Wochen wird dort eine Gruppe von 40 Menschen „Ökodorfleben“ erforschen – da ist sowieso geschlossene Gesellschaft. Und dann … schickt man besser mal eine E-Mail – mit viel Geduld. Andreas hat noch ein paar hundert zu beantworten … aus düsterem Anlaß.

Aktuell wohnt er allein auf dem Hof, arbeitet hart, kommt nicht dazu, die vielen Pläne weiter zu entwickeln. Er liebt seinen Beruf – Studenten in den Bau historischer Instrumente einzuführen – doch kostet das viel Zeit, die dem Hof verloren geht, wichtige Projekte müssen verschoben werden, denn: es gibt ein kleines Geldproblem. Hören wir ihn selbst:

„Als ich mit meiner damaligen Partnerin den Hof und das Land erworben habe hat sie 18000 Euro in den Kauf eingebracht und ihre Eltern haben uns 30000 € geliehen. Dieses Geld wird nun juristisch eingeklagt und wenn ich es nicht schaffe, es in kürzester Zeit zurück zu zahlen, steht die Zwangsversteigerung vor der Tür.“

Darum … wohnt außer ihm gerade niemand mehr dort: es ist kein sicheres Heim mehr. Wer glaubt, Professoren in Belgien seien so reich, dass sie alles allein tragen könnten, der irrt. Es geht so knapp, meint Andreas, den Hof halten kann er schon allein … nur fehlt Geld für jede Investition. Und je mehr er arbeiten muss – umso mehr Zeit fehlt für Entwicklungen. Es gibt Konzepte von Freunden zur wirtschaftlichen Vermarkung des 400 Jahre alten Hofes mit 8000 m2 Grundstück – doch es geht Andreas nicht um den bloßen Erhalt einer Immobilie, wie er oft genug betont: es geht um den Erhalt des offenen Platzes und seiner vielen hundert Freunde aus aller Welt … weshalb er auch alle Angebote von Freunden, sich dort einzukaufen und dort zu wohnen, ablehnt: schnell könnte es werden wie in vielen anderen Gemeinschaften, dass sich eine geschlossene Gesellschaft bildet, die sich kaum von den anderen Einfamilienhäusern der Republik unterscheidet, sich isoliert und den Grundgedanken des Ortes so … auslöscht.

Auch die Fernsehberichte beziehen sich auf die Notlage … von 500 000 Zuschauern haben 9 gespendet. 1500 Menschen waren auf Hofseite im Netz, davon haben 150 gespendet. (siehe leetchi). Aktuell werden noch 12000 Euro gebraucht – ein Klacks für viele, die von den Zinsen leben. Warum ich das nun schreibe?

Nun ja – es gibt größere Not auf der Welt, das stimmt. Sicher – mit Geld kann hier geholfen werden … aber vielleicht kennt ja jemand Förderwege für Gelder, die sonst unnütz für Golfplätze eingesetzt werden. Vielleicht hat jemand einen reichen Onkel, der am Ende seines Lebens mal was Gutes tun möchte. Oder ein Lottogewinn liegt nutzlos auf dem Konto. Der Hof kann Hilfe jeder Art gebrauchen: Baumaterialien, Arbeitskraft, Aufmerksamkeit. Was man zurückbekommen kann? Einen Ort, an dem die Zukunft Wirklichkeit wird – und von dem man ein Teil werden kann – so wie viele schon Teil des Ortes geworden sind.

Nochmal Gerald Hüther? Bitte schön (wieder Utopia):

„Bisher haben wir immer gedacht, dass wir Menschen von außen dazu bringen können, ihr Verhalten zu ändern. Doch noch nie sind die Leute mit solchen großen Autos umhergefahren, noch nie waren die landwirtschaftlichen Nutzflächen so ausgebeutet und noch nie ist so viel Plastikmüll in den Meeren geschwommen. Also heißt das doch, dass unsere bisherigen Strategien nicht funktioniert haben.

Wenn es also nicht von außen geht, muss es von innen gehen. Wir müssen uns fragen: Was im Menschen kann man wachrufen und stärken, damit er aufwacht und sich anders verhält?“

Und … so muss man denke ich hinzufügen … glücklicher und mehr er selbst wird.

Ich habe Andreas gestern besucht – und durfte auch erleben, wie offen und herzlich andere zufällige Besucher dort empfangen wurden, die zeitgleich überraschend vorbei kamen. Habe ein paar Aufnahmen gemacht, damit man mal einen Eindruck bekommt – womit ich meine Erläuterungen auch beenden möchte. Man kann dann vielleicht besser für sich entscheiden, ob man noch irgendwo etwas von diesem „Geld“ sinnlos herumliegen hat – und es in „Zukunft für die Menschheit“ investieren möchte. Das geht hier.

 

 

Endzeit-Poesie 4.0: Brennholz gegen Robotisierung und drohenden Erfrierungstod

Foto: cc-by Parkwaechter

Abgesehen von einigen Skeptikern, die die Parole „Weiter so!“ ausgeben, sind sich heute doch die meisten Menschen, die einen Kopf auf ihrem Torso tragen, darüber einig, dass es angesichts des eskalierenden globalen Wahnsinns eines grundlegenden Perspektivenwechsels bedarf. Doch wo sollen wir ansetzen, wo sich doch jede noch so schlaue strukturelle Agenda unserer akademischen Experten samt ihren streng-wissenschaftlichen Analysen als Treibsand erwiesen hat, der uns bei jeder Bewegung nur umso tiefer nach unten zieht? Auf politischem, ökonomischem und ökologischem Gebiet herrscht daher nicht ohne Grund die Parole, sich möglichst wenig zu bewegen und nichts ernsthaft ändern zu wollen, damit wir nicht gar zu schnell im Treibsand versinken, sondern wir noch ein paar Atemzüge machen und uns des abendlichen TV-Programms erfreuen können.

Währenddessen nähert sich uns am Horizont unter dem unscheinbar klingenden Appendix „4.0“ (Industrie 4.0,  Schule 4.0, Medizin 4.0, Gesellschaft 4.0 etc.) ein Hurrikan, dessen Tragweite noch die Wenigsten realisieren, der sich aber auf den Menschen umwerfender auswirken wird als alle bisher gekannten ökologischen, ökonomischen, militärischen, nuklearen, biotechnologischen und sonstigen Abgründe zusammen. Unter der naiv-fröhlich propagierten Agenda „4.0“ bzw. „digitalen Transformation der Gesellschaft“ ist nichts anderes geplant als die Ausklammerung des Menschen – insbesondere seiner Fähigkeiten zum Denken, Fühlen und Handeln – aus den bisherigen Lebenszusammenhängen. Stattdessen wird die Verantwortung an eine „künstliche Intelligenz“, also an eine digitale Elektronik bzw. an ein kaltes Zahlensystem übergeben (siehe dazu auch ein lesenswertes Essay in Peds Ansichten).

Da auch die Doomsday Clock (siehe „Bulletin of the Atomic Scientists„) mit Jahreswechsel zu 2017 um weitere 30 Sekunden vorgestellt wurde und nun auf zweieinhalb Minuten vor Mitternacht – d.h. der symbolischen Apokalypse – steht, werden manche meinen, dass gerade keine Zeit für philosophische Muße ist und man sich lieber „pragmatischen“ Dingen widmen sollte. Aber reißen wir uns einmal kurz von der alternativlosen Rautenperspektive los, und bedenken wir die Worte Fjodor Dostojewskijs:

„Und versucht nach Möglichkeit, den schlimmsten Unsinn zu vermeiden: Fakten, Fakten und nochmals Fakten.“ (Quelle: F.M. Dostojewskij, „Böse Geister“, Fischer Verlag, S.406 )

In diesem Sinne wollen wir unter der neuen Kolumne „Endzeit-Poesie 4.0“ ein bisschen philosophisches Brennholz verteilen. Jeder, der ein Streichholz zur Hand hat, kann dieses Brennholz entzünden und solcherart dem drohenden Erfrierungstod in Dantes Eishölle entgehen. Wenn wir viele sind, die es anzünden, dann können wir mit unserem gerade aus der Kurve fliegenden Zug vielleicht sogar noch die Kurve kriegen. Dann kann die gegenwärtige Endzeit zu einem neuen Anfang werden.

Wir haben genügend solches Brennholz auf Lager. Es ist nur zugeschüttet von einem „wabernden Morast“ (Zit. ORF), in dem wir nach Anusöffnungen suchen, um einen letzten emotionalen Kick zu erheischen (siehe „Kulturtod 4.0“) .

Da sich streng-wissenschaftliche Analysen bisher als weitgehend wirkungslos erwiesen haben, wollen wir also für einige Momente kurz die Blickrichtung ändern und die Poesie sprechen lassen. Sie kann uns so manche unlösbar erscheinende Rätsel der Gegenwart lösen, an denen unser neunmalkluger, aufs Äußerste zugespitzte Intellekt scheitert. Wer sich mit der Poesie anfreundet, der wird auch eines der grundlegenden Phänomene der Philosophie erfahren lernen: Dass unser Denken eigentlich nicht dazu da ist, um solange über etwas nachzubrüten, bis man für eine Fragestellung eine intellektuelle Lösung gefunden hat, sondern dass es ausreicht, die richtigen Fragen aufzustellen und unser Denken bloß dazu zu benützen, Sachverhalte zu charakterisieren und um sie herum zu kreisen. Am besten man schläft dann einfach darüber. Die Fragen werden sich in weiterer Folge schon von selbst lösen, Antworten und konkrete Lösungswege kristallisieren sich vor einem aus – ebenso wie der gesunde Impuls vor einem stehen wird, das Notwendige (das „Not-Wendende“ der griechischen Stoiker) zu tun. Wo zuvor noch lähmende Sachzwänglichkeit und tödliche Alternativlosigkeit geherrscht haben, eröffnet sich plötzlich ein gewaltiges Lebenspanorama mit unzähligen kreativen, humanen Lösungen. Das, was man dem Menschen nach fast zweitausend Jahren kirchlich geprägter Kulturgeschichte und Obrigkeitshörigkeit (‚extra ecclesiam nulla salus‘) abgesprochen hat, nämlich die Fähigkeit zu eigenverantwortlichem Denken und Gestalten der Lebensumstände, belebt sich wieder und gewinnt Schwung.

Ausgestattet mit dieser reanimierten Fähigkeit kann man dem nackten Wahnsinn, der uns heute aus allen Richtungen angrinst, plötzlich wieder die Stirn bieten. Man erkennt dann, dass eine humane, ökologisch nachhaltige und sinnvolle Gestaltung unserer Zukunft möglich ist. „Nicht realistisch“ ist etwas nur deshalb, weil es nicht wirklich gewollt, nicht wirklich gedacht wird. Insofern sind unsere vielgelobten „Pragmatiker“ in Wirklichkeit die denkbar unpraktischsten Menschen – sie sind schlichtweg unfähig, den derzeit herrschenden, inhumanen Zuständen eine Wendung zu geben, da sie keine Ideale denken können, sondern nur gewohnt sind, sich auf vorgegebenen (technokratisch-nihilistisch-szientistischen) Gleisen zu bewegen.

Genug aber der Vorrede, kommen wir zur ersten Portion des versprochenen Brennholzes. Nehmen wir also die Poesie zu Hilfe, um alternativlose Krusten zu sprengen und eingefahrene Gleise zu verlassen. Zwischen den Zeilen echter Poesie lässt sich mehr herauslesen als in einer ganzen Bibliothek mit utilitaristischem Wissen der „herrschenden Lehre“. Lassen wir zum Einstand Fjodor Dostojewskij zu Wort kommen, wo er die Wurzel des gegenwärtigen und kommenden Übels sieht. Dostojewskij gilt ja als einer der herausragendsten Psychologen der Weltliteratur, Hermann Hesse bezeichnete ihn sogar als „Seher und Propheten“ – in der Tat musste ich über Dostojewskijs Fähigkeit, in die Zukunft zu schauen, staunen: Im vorletzten Absatz des nachfolgenden Textes sieht er sogar die Gründung der GWUP-/Skeptikerbewegung voraus!

(aus „Der Traum eines lächerlichen Menschen“, F.M. Dostojewskij:)

„Ich habe es bis jetzt verschwiegen, aber jetzt werde ich noch eine Wahrheit hinzufügen. Die Sache ist die, dass ich sie alle verdarb!

Ja, ja, es endete damit, dass ich sie alle verdarb! Wie das sich ereignen konnte, weiß ich nicht, doch erinnere ich mich deutlich, dass es so kam. Der Traum durchflog Jahrtausende und hinterließ bei mir nur den Gesamteindruck. Ich weiß nur, dass die Ursache des Sündenfalles ich war. Gleich einer scheußlichen Trichine, wie der Keim einer Seuche, die ganze Länder erfasst, so habe auch ich diese Erde angesteckt, die vor meiner Ankunft glücklich und frei von Sünde war. Sie lernten von mir das Lügen, fanden Gefallen am Lügen und erkannten den Reiz der Lüge. Oh, das begann vielleicht unschuldig, nur zum Spaß, aus Koketterie, als ergötzliches Spiel, vielleicht in der Tat aus einem Keim, doch dieser Keim der Lüge drang in ihre Herzen und gefiel ihnen sehr. Darauf entstand bald Wollust, aus Wollust Eifersucht, aus Eifersucht Grausamkeit . . . oh, ich weiß nicht wie, ich kann mich dessen nicht erinnern, genug, dass bald, sehr bald, das erste Blut floss: sie waren verwundert und entsetzt und fingen an, auseinander zu gehen und sich voneinander zu trennen.

Es entstanden Verbindungen, aber solche gegeneinander. Es begannen Vorwürfe und Beschuldigungen. Sie lernten die Scham kennen und erhoben dieselbe zur Tugend. Es entstand das Ehrgefühl; jede Verbindung erhob ihr eigenes Banner. Sie begannen die Tiere zu quälen und diese liefen von ihnen fort in die Wälder und wurden ihnen feind. Es begann ein Kampf um Sonderung und Trennung, um Persönliches, um Mein und Dein. Sie fingen an, in verschiedenen Sprachen zu reden.

Sie lernten das Leid kennen und gewannen es lieb; sie lechzten nach Qualen und behaupteten, dass man zur Wahrheit nur durch Qual gelangen könne. Jetzt erschien bei ihnen die Wissenschaft. Nachdem sie schlecht geworden waren — begannen sie von Brüderlichkeit und Menschlichkeit zu sprechen und erfassten erst diese Ideen. Nachdem sie zu Verbrechern geworden waren, erfanden sie die Gerechtigkeit und schrieben sich ganze Gesetzbücher vor, um sie zu beschützen; und zur Sicherung der Gesetzbücher stellten sie eine Guillotine auf.

Sie erinnerten sich kaum noch dessen, was sie verloren hatten; ja, sie wollten nicht einmal daran glauben, dass sie einstens unschuldig und glücklich gewesen waren. Sie lachten sogar schon über die Möglichkeit eines solchen früheren Glückes und nannten es ein Hirngespinst. Sie konnten sich dasselbe gar nicht vorstellen und in Formen versinnbildlichen, doch etwas war seltsam und wunderlich: wiewohl sie jeden Glauben an ihr gewesenes Glück verloren hatten und es nur ein Märchen nannten, begehrten sie doch so heftig, wieder von neuem unschuldig und glücklich zu sein, dass sie vor den Wünschen ihres Herzens gleich Kindern auf die Knie fielen, diese Wünsche vergötterten, Tempel erbauten und anfingen, ihre eigene Idee, ihren eigenen „Wunsch“ anzubeten; zu gleicher Zeit glaubten sie fest an die Unerfüllbarkeit desselben und beteten ihn dennoch unter Tränen an und sanken vor ihm auf die Knie.

Und trotz alledem, wenn die Möglichkeit bestanden hätte, zu dem Zustande der Unschuld und der Glückseligkeit, den sie verloren hatten, zurückzukehren, und wenn ihnen jemand plötzlich diesen Zustand gezeigt und sie befragt hätte, ob sie zu ihm zurückzukehren wünschten — sie würden es gewiss abgelehnt haben.

Sie sprachen zu mir: „Mögen wir Lügner, böse und ungerechte Menschen sein, wir wissen das und weinen deswegen, wir martern uns dafür, wir strafen uns vielleicht mehr als selbst jener barmherzige Richter, der uns richten wird und dessen Namen wir nicht kennen. Aber wir haben eine Wissenschaft und mit ihrer Hilfe werden wir von neuem die Wahrheit finden; doch werden wir sie dann bewusst aufnehmen: Erkenntnis steht über dem Gefühl, die Erkenntnis des Lebens — steht über dem Leben. Die Wissenschaft wird uns Weisheit bringen, die Weisheit wird uns die Gesetze zeigen; und die Kenntnis der Gesetze des Glückes steht höher als das Glück selbst.“

Das sprachen sie. Und nach solchen Worten gewann jeder sich selbst mehr lieb als alle anderen — ja, sie konnten auch nicht anders handeln. Jeder wurde so sehr auf sein eigenes Ich bedacht, dass er aus allen Kräften bestrebt war, die anderen ja nur zu erniedrigen und zu unterdrücken; und darin sah er den Zweck seines Lebens. So kam Sklaverei, ja, es gab sogar freiwillige Sklaverei; die Schwachen unterwarfen sich gern den Stärkeren, nur mit der Bedingung, dass sie ihnen behilflich seien, die noch Schwächeren zu unterdrücken.

Es traten Gerechte auf, die zu diesen Menschen kamen und ihnen mit Tränen ihren Stolz vorhielten und über den Verlust von Maß und Harmonie und über die Einbuße der Scham sprachen. Sie wurden verlacht und mit Steinen beworfen. Heiliges Blut floss auf den Schwellen der Tempel.

Dafür aber erschienen Leute, die ausfindig zu machen versuchten: wie könnten sich alle wieder vereinigen und wie könnte jeder seine Selbstliebe pflegen, ohne seine Nächsten zu stören? Auf diese Art würden alle wieder gemeinsam wie in einer einträchtigen Gesellschaft leben. Ganze Kriege entstanden wegen dieser Idee. Alle Kriegführenden waren fest davon überzeugt, dass Wissenschaft, Weisheit und Selbsterhaltungstrieb zu guter Letzt die Menschen zwingen würden, sich zu einer einträchtigen vernünftigen Gesellschaft zusammenzufinden; und darum waren alle „Vernünftigen“ bemüht, vorläufig zur Abkürzung des Prozesses rasch alle Nichtvernünftigen, die ihre Ideen nicht verstanden, auszurotten, damit sie dem schließlichen Triumph ihrer Idee nicht im Wege stünden.

Aber der Selbsterhaltungstrieb wurde bald schwächer, es erschienen Stolze und Wollüstige, die geradezu forderten: Alles oder Nichts. Um alles zu erreichen, nahm man Zuflucht zum Verbrechen, und wenn es misslang – zum Selbstmord.

Es kamen Religionen auf mit dem Glauben an das Nichtsein und an die Selbstvernichtung zum Zwecke ewiger Ruhe im Nichts.

Endlich wurden diese Menschen müde in ihrer sinnlosen Arbeit und in ihren Gesichtern machte sich das Leiden bemerkbar. Und sie verkündeten: dass Leiden Schönheit bedeute, denn nur im Leiden sei ein Sinn enthalten. Sie priesen das Leiden in ihren Liedern. Ich ging unter ihnen umher, händeringend und klagend, aber ich liebte sie vielleicht noch mehr als damals, da auf ihren Gesichtern noch nicht das Leiden lag, ab sie noch unschuldig und wunderschön waren. Ich gewann ihre durch sie entweihte Erde noch mehr lieb als früher, da sie noch ein Paradies war, und nur deshalb, weil auf ihr das Leid erschienen war. Ach, ich liebte stets Leid und Gram, aber nur für mich, für mich allein; doch um sie weinte ich, da sie mich dauerten. Ich streckte ihnen meine Arme entgegen und beschuldigte, verachtete und verfluchte mich selbst voller Verzweiflung. Ich sagte ihnen, dass an all dem nur ich, ich allein schuld sei; dass ich ihnen die Verderbnis, Seuche und Lüge gebracht hätte. Ich flehte sie an, mich ans Kreuz zu schlagen; ich lehrte sie ein Kreuz zimmern. Ich vermochte nicht, ich hatte die Kraft nicht, mich selbst zu töten; ich wollte von ihnen Martern empfangen, ich dürstete nach Martern, dürstete danach, dass in diesen Martern mein Blut Tropfen um Tropfen schwinde. Aber sie, sie lachten mich nur aus und hielten mich am Ende für blödsinnig. Sie verteidigten mich: sie sagten, sie hätten nur das bekommen, was sie sich selbst gewünscht hatten und alles hätte gar nicht anders sein können. Endlich aber erklärten sie mir, dass ich ihnen gefährlich werde und dass sie mich ins Narrenhaus stecken würden, wenn ich nicht schwiege. Da drang das Leid mit solcher Heftigkeit in meine Seele ein, dass sich mein Herz zusammenkrampfte und ich fühlte, dass ich sterben müsse, und da …. ja, da erwachte ich.“

Gesamter Text siehe z.B. Archive.org

Kulturtod 4.0 und die Geburt eines neuen Sterns im Zeitalter der Schwarzen Sonne

Bild: Schwarze Sonne / Nigredo (PD)  

War den Griechen die Kunst noch das Götterkind, das den an der „Lebenslüge“ erkrankten Menschen inspiriert, erhebt und gesundet (was besagte Lebenslüge ist, darüber darf jeder mal kurz selbst sinnieren …), so haben sich die Künstler der Postmoderne zwar schon längst von diesem Ideal der Kunst verabschiedet, aber als eines kann Kunst heute immer noch dienen: als äußerst präziser Spiegel des herrschenden Zeitgeistes und als feinfühliger Seismograf für die Zukunft. Schon Viktor Frankl hat daher den Rat gegeben, dass man die uns erwartende Zukunft am besten an der aktuellen Kunstszene ablesen könne. Dies beherzigend, habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, mein Augenmerk nicht nur der Politbühne zu schenken und dort das marktkonforme Treiben der Trumps, Merkels und Gadaffis zu analysieren [Anm. d. Red.: die vorgenannte Auswahl an toten, komatösen und hyperventilierenden Politikern ist spontan und ohne tiefere Assoziation erfolgt], sondern ab und zu auch im Kulturteil unserer Leitmedien zu blättern.

Immerhin haben vor wenigen Tagen die Wiener Festwochen 2017 begonnen, das Stelldichein der internationalen Kunst-Avantgarde. Seit unserem letzten Abstecher in diese Gefilde (siehe „Über multiresistente Keime, Kulturtod und emotionale Vulkanausbrüche in neoliberaler Gletscherlandschaft“) hat sich auf der Kulturbühne nicht allzuviel geändert. Es sind bei den diesjährigen 66. Festspielen eben nicht deutsche und österreichische Akteure, die „kotzen, urinieren, Pornoszenen nachstellen, wild um sich schlagen, kreischen und schluchzen, rohes Fleisch und Eingeweide werfen“, um „das Publikum gemeinsam mit den Darstellern immer weiter bergab zu führen  in die Untiefen des Unbewussten, wo Tagesreste, Ängste und Begierden einen wabernden Morast bilden“ (Quelle: orf.at), sondern zur Abwechslung eben chinesische oder brasilianische Künstlertruppen wie z.B. die Macaquinhos (übersetzt: „Äffchen“), die gemeinsam eine lustige Nackt-Polonaiseschlange bilden und dabei ihre Köpfe in den Allerwertesten des jeweiligen Vordermanns stecken. O-Text aus dem Programm der Festwochen: „Kurzum: Es geht um den Anus. Die demokratischste und tabuisierteste Körperöffnung von allen. Die Performance ist eine Hommage an Schönheit und Freiheit …“ (Quelle+Polonaisefotos: festwochen.at). Im Fußtext des Festwochenprogramms erfährt man indes auch Dramatisches: Durch die aktuelle politische Situation in Brasilien ist die zukünftige Arbeit der Anus-Äffchen gefährdet!

[kleiner Zwischenruf an die soeben in NRW abgestürzten GRÜNEN: Na, da muss man doch schleunigst was unternehmen. Wo seid ihr, wenn man euch braucht? Eure Young Leaders sind doch sonst auch immer an vorderster Front, wenn es um den Kampf für Demokratie und Fortschritt und gegen Tabus geht. Womöglich sterben die Anus-Äffchen demnächst aus, wenn wir uns jetzt nicht für sie einsetzen! Außerdem: Vielleicht entdeckt ihr bei dieser Spezies sogar ein neues Transgender-Geschlecht, das ihr euch dann auf eure Fahnen schreiben könnt.]

Nun, dass wir heute in jeder Hinsicht auf den Arsch gekommen sind, wäre ja noch nichts wirklich Neues. Selbst Menschen, die sich durch harte Drogen oder Dauerfernsehen betäuben, dämmert dies mittlerweile, dazu hätte man nicht Kerosin in die Luft blasen und Macaquinhos aus Brasilien importieren müssen.  Auch Jonathan Meese, das enfant terrible der zeitgenössischen Kunzt, hätte man nicht herankarren müssen, damit er uns mit Richard Wagners Parsifal-Verhunzung jede Vorstellung von Politik und Religion „dekonstruiert“. Diese seien „Kitsch von gestern“. Hingegen gehe es laut dem Regisseur darum, uns auf eine Zukunft vorzubereiten, die seiner Ansicht nach „nicht religiös, nicht politisch und auch nicht demokratisch“ sein werde. – Stelle ich mir wirklich toll vor, so eine Zukunft ohne Politik, also ohne demokratische Willensbildung: Klingt wie ein Mekka, in dem sich die in der Aufzählung des Künztlers nicht vorhandene Wirtschaft endlich vollkommen frei entfalten kann. Auch eine von Meese geforderte Welt ohne Religion passt da dazu: Eine Welt, in der nichts mehr heilig, sondern alles nur geistlose Knetmasse und damit der restlosen Verwertungslogik unterworfen ist, wäre doch der beste Boden für ein letztes Wirtschaftswunder kurz vor Ladenschluss – der Ökonom in mir bekommt bei einer solchen Vorstellung sofort Dollarzeichen in den Augen und ist restlos begeistert. Fortschrittliche Künztler mit solchen Visionen sollte man unbedingt unter Sponsoringvertrag nehmen.

Wie dem auch sei. Eigentlich würde ich es ja gar nicht für wert halten, den Leser mit dem „wabernden Morast“ (orf.at) – pardon, mit der „Kunst der offenen Arme“ (Festivalintendant Tomas Zierhofer-Kin) – zu belästigen, der dieses Jahr wieder neu aufgebrüht vom Stapel gelassen wird, wenn … ja wenn sich inmitten dieses Morasts nicht auch Grund zur Hoffnung abzeichnen würde. Dazu jedoch später. Bevor wir zu besagter Hoffnung bzw. zum Licht kommen, wollen wir uns so wie die klassischen Alchemisten bei ihrer Bereitung des Steins der Weisen zuerst der „Schwarzphase“ (lat. Nigredo, auch: Schwarze Sonne) widmen, jenem Stadium der Fäulnis und des Ausbrennens, in dem auch der Tiefenpsychologe C.G. Jung eine Vorstufe der inneren Reifewerdung bzw. Individuation gesehen hat. Die Schwarzphase, bei der ein Gefäß in Pferdemist eingepackt und im Schlamm vergraben wurde, um dort zu verwesen, dauerte bei den alten Alchemisten 40 Tage. Mit 35 Tagen will der Intendant der Wiener Festwochen zeigen, dass es im digitalen Zeitalter auch eine Spur schneller geht und verspricht „fünf Wochen Ausnahmezustand“. Seiner Ansicht nach solle das Kulturprogramm „nicht geistig, sondern sinnlich“ sein, es gehe ihm „um exzessive, lustvolle Erfahrungen“ (Quelle: tvthek.orf).

In diesem Kontext und im Sinne von Frankls Zukunftskaleidoskop also kurz ein paar Streiflichter durch die Festspiellandschaft und ihre diesjährigen Stars (Kursivtext jeweils im Original übernommen):

“Promised Ends“ – Derrick Mitchell: In seinem „Theater der Grausamkeit“ lässt er assoziativ-mythologische Räume entstehen und erzeugt überbordende Schönheit, die in jedem Moment in Schmerz, Hysterie und extreme Emotionen kippen kann. Mitchell zeigt eine Gesellschaft in einer Grenzsituation, die Tabuschwellen durchbricht, … Angst, Bedrohung, Tod und Kannibalismus. Zum Sprachrohr dieser Gesellschaft wird ein körperlich wie geistig zerstörter König Lear … Auf der erbarmungslosen Reise sind wir mit Saint Genet und der Donner Party im Gebirge gefangen und treffen auf einen ››mad king on the heath saying kill, kill, kill, kill, kill, kill!‹‹ (Quelle: festwochen). Während der Performance zapfen sich Mitchells Schauspieler Blut ab und setzen sich unter Drogen. Im TV-Journal KulturMontag vom 08.05.2017 (Link bereits erloschen) sieht man mit echtem – ihrem eigenen – Blut verschmierte Körper zuerst alleine zittern, dann zu lethargischen Haufen übereinandergestapelt.

„Death Center for the Living“ – Daniel Lie: zeigt die Lust am Auflösen des Individuums und am Verschmelzen mit der dionysischen Emotion einer Masse, egal welcher: „Emotional Fields“ bezeichnet Situationen, in denen ganze Gruppen von Individuen zur selben Zeit und am selben Ort dieselbe Emotion empfinden, z. B. bei einer Trauerfeier, einem Candomblé-Ritual, aber auch bei einer Schlägerei oder einer Demonstration. Erkunden Sie die Zwischenwelt der Transformation, der Auflösung, des Loslassens. In Daniel Lies interaktiver Installation aus Mineralien, Pflanzen und verrottendem Obst entstehen atmosphärisch dichte Szenarien, in denen zeitliche Linearität zugunsten eines prozessualen Verständnisses aufgelöst wird. Ein queerer Raum, in dem alternative Gesetze walten. Eintritt frei (Quelle: festwochen).

„Mondparsifal Alpha 1-8“:  Als einer der Höhepunkte der Festspiele darf hier der bereits genannte Jonathan Meese den Parsifal-Mythos dem Reißwolf und der Kompostierung zuführen. Er selbst findet seine Wagner-Verhunzung als „das Geilste“. Er möchte Richard Wagner und den Weltenretter Parsifal „entheiligen, um ihn zukunftsfähig zu machen“, ihn von Politik und Religion befreien, da es Politik und Religion ja gar nicht gäbe und wir uns stattdessen auf eine Zukunft vorbereiten müssten, die wie schon erwähnt, nicht religiös, nicht politisch und auch nicht demokratisch sein werde. In diesem Sinne will er uns zeigen, wie unsinnig es ist, den heiligen Gral und die Entwicklung innerer Tugenden wie Gerechtigkeit, Weisheit, Milde etc. zu erstreben wie seinerzeit die Gralsritter, wo es doch heute Strom aus der Steckdose, WLAN, auf Mondstationen twerkende Barbarellas, billigen Fusel, Anus-Polonaisen und endloses Entertainment gibt.  Meese „freut sich tierisch“, dass er nun auf der Weltbühne der Wiener Festspiele dasjenige Skandalstück aufführen kann, das bei den Bayreuther Festspielen abgesetzt wurde. Für das spießige Bayreuth, das seine fortschrittlich-entheiligende Kunzt verschmäht hat, schlägt der Regisseur nur noch eine – letzte – Inszenierung vor: „Man holt den Bulldozer raus und macht alles platt.“ (Quelle: orf).

„Hyperreality“: Parallel zu den Kunstinszenierungen wird in einem eigenen Pavillon vier Nächte lang ein „großer Reigen mit theoretischem Überbau und Partycharakter sowie einem politischen Drall“ veranstaltet. Die hierbei zum frenetischen Tanz aufspielende, international gefragte Künstlerin Tomasa Del Reals beweist durch ihre Vita, dass es im Sinne Meeses Mondparsifal auch ganz ohne ritterliche Ideale geht und „neue Realitäten“ ausreichen: „Dem Onlinemagazin The Fader kommunizierte sie eine Selbstbeschreibung, die von neuen Realitäten zeugt: Sie sei lediglich ein Mädchen mit ein paar guten Freunden, einem Mac und Wi-Fi“ (Quelle: orf).

Beim Recherchieren über die Wiener Festwochen habe ich mich auch kurz in ein benachbartes, ebenfalls an der Donau liegendes Kulturfest verirrt, das vermutlich aus dem Sporenflug des Mutterfestivals vom Vorjahr auf der grünen Wiese der Provinz aufgesprossen ist: Das Kremser Donaufestival. Der öffentliche Rundfunk erklärt uns, worum es bei diesem Festival geht (Quelle: orf): „Das Motto: nur keine falsche Scham. Hinschauen und zuschlagen, ganz, wie es die Lust gebietet.“ Im Fließtext erfährt man auch, was besagte Lust gebietet: „Dutzende nackte Menschen, die in einer Kirche ekstatisch zu moderner Musik tanzen und einander betatschen. Die Dominikanerkirche ist keine Kirche mehr, und die Tage, in denen so etwas als Tabubruch galt, sind längst vorbei. Heute ist das Skandalon ein anderes: echte Menschen, manche alt, manche jung, manche dick, manche mager, manche sportlich, manche nicht, mit großen oder flachen Brüsten, kleinen oder großen Penissen.“ Als Kulturverfall will der staatliche Rundfunk die Performance keinesfalls verstanden wissen: „Von wegen „Verfall“: Hier steht ein Mensch, in all seiner Körperlichkeit, all seiner Normalität…“

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk geizt auch nicht mit Ratschlägen und lebenspraktischen Erkenntnissen, die auf dem Kulturfestival zu gewinnen sind: Unter der Überschrift „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ schildert er die Lust, in deren Genuss man bei hemmungslosen Gewaltausbrüchen kommen kann: „Solchermaßen von Komplexen befreit, muss man sich noch seiner Wut über das Body-Shaming, das in der Welt außerhalb des Donaufestivals weit verbreitet ist, entledigen. Da kommt Stephane Roys „The Laboratory of Anger Management“ gerade richtig. In einem Container wird eine Wohnlandschaft aufgebaut. Festivalbesucher dürfen sich jeweils 30 Sekunden lang mit einem Baseballschläger bewaffnet an die Zerstörung machen. Was in den unscheinbarsten Menschen steckt! … Wahren Berserkern gleich dreschen sie auf Glastische, Nachkästchenlampen und Stereoanlagen ein, bis außer ein paar Splittern nichts mehr übrig ist und das improvisierte Wohnzimmer neu aufgebaut werden muss. Interessant ist der Effekt, der sich dabei einstellt: Die Performance macht nicht Angst vor der Gewaltlust einzelner Individuen, sondern man freut sich mit ihnen über die Befreiung, die ganz offensichtlich mit dem brachialen Zerstören von heimeligen Konsumlandschaften einhergeht … Man verlässt das Festivalgelände mit einem inneren Schlachtruf, der die Schädelknochen noch ein letztes Mal zum Schwingen bringt: Freiheit für den Körper!“ (Quelle: orf)

Bevor er das Festivalgelände verlässt, macht der Redakteur noch einen Besuch bei einer Performance, in der ein „posthumanes Wesen“ auf einen schwarzen, mächtigen Thron erhoben wird, umgeben von Nebelschlieren und diffusem Kunstlicht. Wer also gedacht hat, dass in einer Zukunft, die „nicht religiös, nicht politisch und auch nicht demokratisch“ sein wird, auch der Herrscherstuhl leerbleibt, während wir durchspaßt mit Cyberbrillen durch die Gegend surfen, der hat wohl voreilig geschlussfolgert. Passend zur Inthronisation des posthumanen Herrscherwesens wartet das Kulturfestival auch mit entsprechenden „theoretisch-diskursiven Vertiefungen“ auf, in welchen die US Cyborg- und Cyberfeminismus-Vordenkerin Donna Haraway dem Publikum die Idee schmackhaft macht,  die „Grenzziehungen zwischen Mann/Frau, Mensch/Maschine und Physischem/Virtuellem aufzuheben und neu zu denken“.

Zurück aber aus der Provinz in die Hauptstadt zum Mutterfestival: Auftakt und Höhepunkt der Wiener Festwochen war die „zwischen Oper und Orgie“ verortete Inszenierung „Ishvara“ des chinesischen Künztlers Tianzhuo Chen, der sich einen riesigen Bananenmixer zurechtgelegt hat, in den er die Bhagavad Gita (=die heilige Schrift der Hinduisten) und buddhistische Rituale zusammen mit Pop, Hiphop, nackten Männer mit frei schwingenden Pimmeln, Tierkadavern und Dämonen hineinwirft und dann den Mixer einschaltet. Die daraus resultierende, aufgeschäumte Melange wird sodann unter kaltem Neonlicht, Stroboskopscheinwerfern und markdurchdringend sirrendem Sirenenlärm zweieinhalb Stunden lang auf die Bühne ergossen. Aus einer Rezension auf orf news: „Im Vollrausch der Opernorgie — Auf der Bühne herrscht Opulenz, die die erzählerische Ebene ohnehin bald in den Hintergrund rückt. Es wird mit Fleisch geworfen, gekreuzigt, gebadet und vor allem viel getanzt – einmal mehr, oft weniger angezogen. Neon- und Schwarzlicht beleuchten ein großes Kreuz, das auf der Spitze eines Berges im Hintergrund aufgestellt ist…“

Während sich also der Westler Jonathan Meese die Entheiligung des christlichen Parzifal-Mythos vorgenommen hat, so widmet sich der aus dem Osten kommende Chen der Entheiligung der Bhagavad Gita, das ist quasi das orientalische Gegenstück der Bibel und Hauptwerk des Hinduismus. Der Großteil des Publikums war angeblich begeistert. Auch ich beginne langsam zu verstehen: Wenn diese letzten Reminiszenzen menschlicher Kulturgeschichte endlich zerrissen, verschreddert und verheizt sind und dem menschlichen Geist ein Tritt verpasst wurde wie einem Fußball, den man weit über den Horizont hinausschießt, dann werden wir endlich bereit sein für die Zukunft, die der Fortschritt uns verspricht. Das posthumane Wesen auf dem schwarzen Thron wird uns in eine neue, transhumanistische Evolution führen – siehe dazu ein lesenswertes Essay in Peds Ansichten (danke an User Blub für den Link).

Zurück aber zu Chens Orgienoper. Im Publikum spielt sich nämlich etwas ab, was ich als bemerkenswert repräsentativ für das ansehe, was sich m.E. in Zukunft immer stärker herauskristallisieren wird:

„Das Publikum teilt sich in einen kleinen Teil, der sich an mancher Stelle die Ohren zuhält, und den Rest, der von der ohrenbetäubenden Soundkulisse fast in eine Art Trance versetzt wird.“ (Bericht aus news.ORF.at/festwochen)

Und genau hier sind wir am springenden/revolutionären Punkt bzw. am eingangs versprochenen Hoffnungsmoment angelangt: Es wird berichtet, dass nach einer Dreiviertelstunde zuerst einzelne Personen und dann immer mehr Menschen mitten in der Orgienoper aufgestanden sind und unter Buh-Rufen den Raum verlassen haben. – Wer jetzt müde die Augen aufschlägt und meint, das sei nichts Besonderes, der hat keine Ahnung von der zeitgenössischen Kunstzene und den Gesetzen der Avantgarde. Bis vor Kurzem wäre es noch ein absolutes No-Go und reine Häresie gewesen, sich dem zur Normalität erklärten Wahnsinn zu verweigern und andere Wege zu gehen. Als etwa der österreichische Alt-Bundespräsident Thomas Klestil seinerzeit mit dem Satz „Mir gefällt die Kunst Nitschs nicht“ öffentlich bekundete, dass er den Orgienmysterienspielen und Blut-Schüttbildern des Aktionskünstlers Hermann Nitsch ablehnend gegenübersteht, wurde er von der herrschenden Meinung und ihren Leitmedien regelrecht hingerichtet. Ebenso machte sich auch jeder Kleinbürger der Führerbeleidigung schuldig und wurde umgehend als Ketzer aus der Gemeinschaft der fernsehenden Spiegelbildbürger verworfen, wenn er fortschrittliche nackte Tatsachen mit einem Sahnehäubchen reinem Wahnsinn obendrauf serviert bekam und es verschmähte, davon zu essen. Wenn heute also erstmals, wenn auch nur vereinzelt,  Menschen aufstehen, sich gegenüber der Masse emanzipieren und mutig den Häretikerstandpunkt einnehmen, dann ist das absolut revolutionär und in seiner Symbolkraft für die Zukunft nicht zu unterschätzen. Wir sind hier Zeugen absoluter pionierhafter Willensentscheidungen: Menschen, die nicht in C.G. Jungs „Nigredo“(Schwarz-)Phase verharren wollen, sondern die am Nullpunkt der menschlichen Kulturgeschichte realisieren, dass sie im Begriff sind, bei weiterer Fortsetzung dieses Weges in den Bereich sub-zero zu kommen bzw. meier zu werden. Menschen, die sich aus der Phase „Nigredo“(Schwärzung) in Richtung „Albedo“ (Weißung) und „Rubedo“ (Rötung) bewegen, um bei C.G. Jungs Terminologie zu bleiben (was diese tiefenpsychologischen Begriffe bedeuten, würde hier den Rahmen sprengen, kurz gefasst sind damit Stufen innerer Reifewerdung angedeutet, wobei es das Verdienst C.G. Jungs war, herauszuarbeiten, dass es bei diesen der mittelalterlichen Alchemie entlehnten Begriffen keineswegs um die Gewinnung von materiellem, sondern um „philosophisches Gold“ geht; als weiterführende Literatur siehe z.B. Jung, C. G. (1984): Psychologie und Alchemie).

Zurück aber zu denjenigen Pionieren, die sich aus der Orgienoper des 21. Jahrhunderts bereits emanzipiert haben: Nun wird gewiss mancher enttäuscht sein, dass das die ganze Hoffnung sein soll, die ich eingangs versprochen habe. Was sind schon einige wenige Brechbreiverweigerer gegen die große Masse, die sich weiterhin mit dem Brei abfüttern und in ekstatische Begeisterung versetzen lässt? Nun gut, wem diese Willensbekundung einiger Weniger noch nicht Hoffnung genug ist, für den habe ich abschließend noch einen weiteren Trost auf Lager:

Viele werden es schon wissen, aber da es sich zu manchen womöglich noch nicht rumgesprochen hat und zum Thema passend, im Übrigen eine Namensverwandschaft mit dem vorgenannten „Rubedo“ C.G. Jungs hat, möchte ich hier nochmals darauf hinweisen: Vor wenigen Wochen wurde eine neue Plattform eingerichtet, um einen wirkungsvolle Gegenöffentlichkeit gegen den zur Normalität erklärten Wahn-Sinn und gegen die tendenziöse Meinungsmache der Massenmedien zu schaffen. Das Magazin nennt sich „RUBIKON — Magazin für die kritische Masse“ und hat, wie der Name schon sagt, das erklärte Ziel, in der Gesellschaft die notwendige kritische Masse zu schaffen, um den abgründigen Entwicklungen der Gegenwart doch noch eine Wendung zu geben. Jean Ziegler zur Rubikon-Gründung:

„Es gibt eine letzte große Chance, den Beutejägern des Kapitals das Handwerk zu legen, bevor sie mit der neoliberalen Dampfwalze jeder Individualität und humanistischen Solidarität ein Ende setzen.“

Eine erste Sichtung des neuen Magazins hinterlässt einen vielversprechenden Eindruck und macht Mut auf die Zukunft. Neben vielen hochkarätigen Kolumnisten finden sich im Beirat erfrischende Köpfe wie Jean Ziegler, Daniele Ganser und Rainer Mausfeld. Aus der Startseite des Rubikon:

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“ (Erich Kästner) … Trauen Sie sich, aufzustehen. Trauen Sie sich, klar und zuversichtlich zu sein! Lassen Sie uns sicht- und hörbar werden, denn diese Welt und diese Zeit brauchen uns alle, brauchen auch Sie. Überschreiten wir gemeinsam den Rubikon. Denn ob wir es wollen oder nicht: die Würfel sind längst gefallen. Es ist daher an der Zeit, das Spiel selbst in die Hand zu nehmen.“

Was Rubikon ein besonderes Qualitätsgütesiegel verleiht: Nur wenige Atemzüge nachdem die Rubikon-Plattform gegründet wurde, wurde ihr von den Inquisitoren der Skeptikerbewegung bereits ein Eintrag auf Psiram verpasst (über Hintergründe zu dieser Diffamierungsplattform siehe Jens Wernicke: „Die Aufklärer und ihre Fake-News“). Hätte Rubikon diesen Eintrag auf Psiram nicht, dann wäre diese Initiative vermutlich nicht wert, dass man sie erwähnt. Denn wer auf dem Gesinnungspranger Psiram keinen Eintrag besitzt, ist im heutigen gesellschaftlichen Diskurs nur von eher untergeordneter Bedeutung und hat zur Veränderung der herrschenden Verhältnisse nicht viel beizutragen. Nur wer dem, was in der globalen Orgienoper „herrschende Meinung“ und „anerkannte Lehre“ ist, etwas entgegenzusetzen hat, ist dort aufgelistet. Wenn Rubikon also dort sogar binnen Tagesfrist ins Visier der von Roland Düringer als Bluthunde bezeichneten GWUP-/Skeptikerbewegung gerät, dann spricht das absolut für die Integrität und Stoßkraft der Redakteure von Rubikon. Frei nach Noam Chomsky: „Wenn ich mit dem, was ich sage, in den heutigen geisteskorrumpierten Verhältnissen nicht auf vehemente Kritik stoßen würde, dann wüsste ich, dass ich etwas falsch gemacht habe.“

Einer meiner neuen Lieblingskolumnisten auf Rubikon ist übrigens „Herr M.“ – Herrn M. ist angesichts der Entwicklungen des Zeitgeschehens schon seit einiger Zeit nur noch schlecht. Seine Kolumne nennt er daher auch „Die Brechecke“. Trotz allem hat sich Herr M. einen besonderen Galgenhumor bewahrt, fühlt in Seelenruhe am Totenbett den Pulse of Europe, forscht eigenhändig nach, was das neue „SCHULZ“ ist und demaskiert unsere Leitmedien in genüsslicher Weise als „konzertierte Gehirnwaschfront“. Aber auch in den Artikeln der anderen Rubikon-Autoren kann man in Ruhe schmökern, ohne dass man am liebsten ein Glas an die Wand schmeißen möchte so wie beim Lesen unserer DIN-ISO-zertifizierten Leitmedien.

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Nachsatz:

Tja, die Nigredo-Phase, durch die wir momentan durchgehen, ist vermutlich noch lange nicht überwunden und die Sonne, die derzeit am Horizont steht, würde C.G. Jung wohl trotz ihres gleißenden Lichtes eine schwarze nennen („sol niger“, siehe Titelbild). Ein Sonnenschutzmittel, das vor dieser Gegensonne bewahrt, ist bis dato leider noch nicht erfunden und so wird uns das täuschende, pervertierte Licht, das von der schwarzen Sonne ausgeht, wohl noch weiterhin auf unserem Weg begleiten und auf der Haut brennen. Es kann jedoch jeder von uns ein nicht zu unterschätzendes Stück dazu beitragen, dass die wirkliche, gesunde Sonne wieder am menschlichen Horizont erscheint. Sie wird sichtbar, sobald wir den Nebelgeneratoren den Stecker rausziehen. Diesen Stecker ziehen wir raus, indem jeder von uns an seinem Ort der Lüge und Manipulation die Gefolgschaft verweigert und sich auf individuelle Weise um Wahrheit  und Humanität bemüht (siehe auch „Der Mensch am Schlachtfeld zwischen Lüge und Wahrheit“). Damit das bei niemandem Druck erzeugt: Die Wandlung vom Nigredo zu Albedo und Rubedo muss kein äußerlich heldenhafter und spektakulärer Prozess sein, es ist in den meisten Fällen eine ganz leise, innere Wandlung – dabei wäre es jedoch meines Erachtens ein fataler Fehler, wenn man mit dieser inneren Wandlung bei sich stehen bleibt und sich nicht nach außen wendet (die Tendenz zu Selbstrückzug und zum Schaffen von Wellness-Oasen ist angesichts der derzeitigen Großwetterlage bzw. kollektiven Depression zwar durchaus verständlich, aber nicht ratsam). So wie dies die Begründer von Rubikon machen, kann es auch jeder von uns im Kleinen machen: Ins Gespräch gehen, lebendiges Interesse am Weltgeschehen zeigen, mutig Position beziehen für Menschen, die gerade diffamiert und medial durch den Dreck gezogen werden, Respekt zeigen vor der Würde Anderer bzw. Andersdenkender – für die man im Sinne Immanuel Kants auch zu kämpfen bereit ist, denn: “Die Unmenschlichkeit, die einem anderen angetan wird, zerstört die Menschlichkeit in mir.”

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P.P.S:

Falls die vom Orgienopern-Regisseur Tianzhuo Chen in Brand gesetzte und zum Verschreddern freigegebene Bhagavad Gita demnächst aus dem Gedächtnis der Menschheitsgeschichte ausgetilgt werden sollte, dann bleibt aus dem 700-strophigen Gedicht vielleicht zumindest auf dem Nachrichtenspiegel-Server dieser kleine Vers hier erhalten. Er mag als philosophische Gewürzprise dienen, dank derer Ihr Verdauungstrakt die notwendigen Enzyme erhält, um die aus den oben verlinkten Kulturfestimpressionen aufgenommenen Toxine, freien Radikale und Handlungsimperative wieder ausscheiden zu können.  (Der Autor des Gedichts ist unbekannt, zu altindischen Zeiten hat es der Mensch noch als anmaßend empfunden, dem Namen seiner vergänglichen Persönlichkeit besondere Wichtigkeit zuzumessen):

Wenn ein Mensch materielle Dinge betrachtet, entsteht Bindung an diese.

aus Bindung entsteht Begehren,

aus Begehren entsteht Zorn,

aus Zorn entsteht Verblendung,

aus Verblendung erfolgt Verlust der Erinnerung (an den Sinn des Lebens),

aus dem Verlust der Erinnerung erfolgt Zerstörung des Verstandes/ der Unterscheidungsfähigkeit;

ist der Verstand/ die Unterscheidungsfähigkeit zerstört, dann geht der Mensch zugrunde.

 

 

Wir brauch’n kaane Meier mehr – Abgesang auf ein Auslaufmodell (Lied des Wochenendes)

Die Veröffentlichung dieses Songs war vor 20 Jahren noch ein handfester Skandal. Die Zunft der ‚Meiers‘ erwirkte per gerichtlicher Verfügung sogar ein vorläufiges Verbot, das Lied im öffentlichen Rundfunk zu spielen. In der Tat geht der Bluessänger Heli Deinboek in seinem Opus Magnum mit der Spezies der Meiers schonungslos ins Gericht. Im Rhythmus von Randy Newmans „Don’t wanna short people“ plärrt bzw. plädiert er: „Mia brauch’n kaane Meier mehr“. Und setzt gleich noch eine deftige handgreifliche Empfehlung dazu: „Wer Maier heisst, gheat g‘haut am 1. Mai“.

Warum diese ungestüme Empörung über die Meier? Nun, Deinboek muss wissen, wovon er redet. Dank seinem Beruf als Sozialarbeiter hat er ein geschärftes Auge für die Ursache, warum unsere Gesellschaft heute immer mehr in Schieflage gerät und wir womöglich schon demnächst zu kentern drohen. „Wenn wir weiterleben wollen“, so nannte der Architekt Richard Neutra seinerzeit seinen in Buchform erschienenen flammenden Appell an die menschliche Vernunft. Ähnliche, durchaus lesens-/hörenswerte Appelle erklingen auch heute noch (siehe z.B. ein aktuelles Interview mit Noam Chomsky oder mit Stephen Hawking, in welchen uns beide Grandseigneurs bereits mit einem Fuß im Abgrund sehen) und eigentlich wollte ich als Wochenendlektüre auch diese beiden vorgenannten Interviews verlinken, nur irgendwie ist mein Vertrauen in die Resonanzfähigkeit des menschlichen Intellekts momentan im Sinken begriffen. Da ich aber heute trotz Regenwetters und chronisch trüber Tagesnachrichten gut aufgelegt bin, lassen wir die akademischen Analysen von Hawking&Co. ausnahmsweise einmal kurz beiseite und hören wir uns stattdessen an, wo ein bodenständiger Streetworker wie Heli Deinboek die Wurzel unserer gesellschaftlichen Misere verortet.

Alle Meiers/Mayrs/Meyers mögen ihm seine Wortwahl verzeihen. Natürlich ging es Deinboek nicht um die Verunglimpfung des vermutlich gängigsten deutschen Familiennamens. Auch ich zähle zu meinem Bekanntenkreis viele Meiers, die ich als außerordentlich wertvolle und herzliche Menschen schätze und an die Deinboek seinen Song wohl keineswegs adressiert hat. Er hat „Meier“ vielmehr nur als plakatives Synonym gewählt – für jene immer größer werdende Anzahl an Menschen, die der Gefahr der Vermassung zu unterliegen drohen und sich damit nicht nur zu Handlangern des marktradikalen („neoliberalen“) Wahn-Sinns machen, sondern diesen auch zur alternativlosen Normalität erklären und wählen. Menschen, die sich Rückschritt als Fortschritt, Unsinn als Sinn, Krankes als Gesundes, Hässliches als Schönes, Bullshitjobs als Berufe, Grausamkeit als Spaß und Müll als Essen verkaufen lassen. Axolotl-Bürger und GWUP-Nerds, die fast schon ersticken am technisch-kommerziellen Vielzuviel und trotzdem noch mehr wollen.

„Sie verstopfen die U-Bahn meierweis – dann foans haam zu eanara Meierspeis …“

Wenn also bei Heli Deinboeks Refrain das Wort „Meier“ erklingt, dann möge der Leser mit Namen Meier stattdessen Huber oder den Namen seines Lieblingspolitikers einsetzen (siehe auch „Was wir heute brauchen wie ein Loch im Knie: „Bodenständige“ Politiker im Maulwurfspelz und AFX-Parteien“)

Deinboeks Song aus 1995 ist heute aktueller denn je. Man sollte ihn wieder ins Bewusstsein heben, bevor nichts mehr geht und unsere U-Bahnen wirklich komplett mit der Spezies verstopft sind  (hier von Steve Cutts ins Bild gebracht), auf die Heli Deinboek schon seinerzeit einen deftigen Abgesang geleistet hat.

Vielleicht mag auch jemand ein Crowdfunding ins Rollen bringen, um Deinboeks „Meier“ im Werbeblock kurz vor der Tagesschau zu bringen oder in den Adventeinkaufsmeilen anstelle von „Jingle Bells“ oder Whams unsäglichem „Last Christmas“. Man stelle sich nur vor: Die einkaufenden Bürger flanieren in gewohnter Jahresendzeitfest-Stimmung mit Glühwein und Geschenksackbündeln durch die Fußgängerzonen, und auf einmal ertönt es durch die Lautsprecher:

„Wir brauchn kane Meier
Wir brauchn kane Meier
Wir brauchn kane Meier mehr

(…)

Olle Meier san so gierig
Olle Meier san so schmierig
Olle Meier san doch kaum zum ertrogn

(…)

Sie verstopfen die U-Bahn meierweis
dann foans haam zu eanara Meierspeis

(…)

Sie trogn Meier-Jeans und Meier-Koppn
sie haub‘m ziemlich schiache Meier-Gschroppn
kennst an, kennst olle,
s’is wie beim Bauer

ois Meier mocht da kana die Mauer

Den Bergers nehmens jede Hetz
Den Hubers dafür de Arbeitsplätz
A Prohaskas losst da Meier olle hängen
mia wa am liabsten, wenns olle meier gengan

(…)

Wer Maier heisst gheat ghaut am 1. Mai …“

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