Zucker

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Süßer Stoff

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Disco in Sugartown

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st2a © Jotha

Europa: rauchfrei, zuckerfrei, alkoholfrei, autofrei, fernsehfrei, unfrei

Wenn mal so gar nichts mehr geht, dann gehts wieder gegen die Raucher. Schon lange frage ich mich: warum? Warum der Kreuzzug gegen Raucher, die mit ihrer Tabaksteuer doch dem Staat so gut tun? Helmut und Loki Schmidt beweisen in ihrem seit 90 Jahren dauernden Selbsttest, das Aktivrauchen in keiner Art und Weise schädlich sein kann. Kein Krebs, kein Herzinfarkt – alles dummes Zeug möchte man meinen.  Die Wissenschaft gibt einem da Recht, so die Cora-Studie aus der Uniklinik Hamburg:

Wider Erwarten spielt Rauchen allein für Frauen keine entscheidende Rolle für die Entstehung koronarer Herzkrankheit.

Rauchen macht auch keinen Krebs – jedenfalls statistisch gesehen. 25-30% aller Raucher bekommen Krebs … das heißt 70-75% aller Raucher bekommen KEINEN Krebs. Dafür mag es gute Gründe geben, die laut Zeit in den Genen liegen:

Raucher ohne diese erbliche Belastung haben zwar immer noch ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko, doch liegt es weit niedriger als bei den Trägern der Varianten. Darüber hinaus zeigten die Texaner, dass die grundsätzliche Verknüpfung zwischen den betreffenden Genen und Lungenkrebs trotz allem unabhängig vom Rauchen war. Das Team von deCode aus Island konnte wiederum belegen, dass genetische Abweichler weitaus häufiger echte Nikotinabhängigkeiten entwickeln und auch mehr Zigaretten rauchen, als die Kontrollen.

Damit wir uns nicht falsch verstehen – ich rauche nicht.  Ich trage auch keine Burkha, trotzdem läßt mich ein Bekleidungsverbot erschauern – so weit ist es also schon gekommen, das die Kosmokraten den Menschen vorschreiben wollen, was sie wo tragen dürfen und was nicht – die Bikinipflicht für schlanke Frauen steht dicht vor der Einführung.

Ich möchte hier auch kein Plädoyer für das Rauchen halten und kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, das es sonderlich gesund ist. Vor allem aber ist es eine lästige Angewohnheit, die einerseits die Beweglichkeit einschränkt und andererseits dazu führt, das man seinen Mitmenschen sehr lästig werden kann. Das muß ja nicht zwangsläufig sein, erst recht nicht mit den Dingern, die hierzulande als Zigaretten verkauft werden aber selbst kaum noch Tabak enthalten, hier bei Wikipedia gibts mal eine Liste von den Inhaltsstoffen:

Dem Tabak werden viele Stoffe zugesetzt, um die Aufnahme des Nikotins und dessen Wirkung im Körper zu verstärken und somit das Suchtpotenzial zu erhöhen. [2][3]. Einige Stoffe haben die Eigenschaft, den Tabakrauch selbst für Kinder erträglich zu machen.[4]

Eine Großzahl von Zusatzstoffen wird nach Angaben der Tabakkonzerne zur Geschmacksverbesserung, zum Feuchthalten, zum Konservieren, für bessere Verbrennung und zum Binden der Bestandteile eingesetzt.[5]

Das sind schon mal viele Gründe, von den Industriezigaretten die Finger zu lassen. Typische Konzernprodukte zur gezielten Massenvernichtung der Bevölkerung entworfen.

Es gäbe also gute Gründe, die neuen Maßnahmen der EU zu begrüßen, die der Spiegel heute detaliert auflistet:

EU-Kommission strebt rauchfreies Europa an

Abschreckende Bilder auf Verpackungen, Qualmverbot in Eckkneipen: Die Europäische Union plant deutlich schärfere Gesetze gegen das Rauchen. Geht es nach dem zuständigen Kommissar, steht sogar der Inhalt von Zigaretten auf dem Prüfstand.

Das rauchfreie Europa, das burkafreie Europa, das judenfreie Europa – wir werden immer „besser“.

Wahrscheinlich wissen die in Europa wieder mehr als wir. Zum Beispiel, das Gott die Abgabe kerngesunder Körper am Lebensende durch einen besonderen Paradiesbonus belohnt. Hm … nein, das kann ja nicht sein.

Es kann nicht sein, das es um die Gesundheit geht, denn … Autoabgase sind ebenso gesundheitsschädlich, so berichtet die Ärztezeitung von einem höheren Brustkrebsrisiko, beeinträchtigen laut Curado Lungenfunktion von Kindern und … verursachen Lungenkrebs:

GroßstädterInnen haben die doppelte Konzentration des Krebsgiftes Benzol im Blut wie BürgerInnen aus Mittel – und Kleinstädten. AnwohnerInnen verkehrsreicher Straßen sterben zu 34% mehr als der Durchschnitt an bösartigen Lungentumoren. Beim Dickdarmkrebs liegt die Zahl der Todesfälle sogar 68% darüber. „Für Anwohner stark belasteten Straßen mit mehr als 30.000 Kfz/Tag besteht ein erhöhtes Krebsrisiko“ (Auswertung Hamburger Krebsregister).

Kommen jetzt die Warnungen (und künftigen Gruselbilder) auch auf Autos? Besonders auf die Großen mit dem Riesenmotor?

Mit Sicherheit nicht. Wir sind keine tabakproduzierende Nation, sondern eine Autofabrik. Das Auto ist uns heilig und wird nicht angetastet – deshalb jagen wir die Raucher.  Da kann man den Killer Nr. 1 schneller verdrängen: „Ja, ich fahre Porsche, aber ich habe gestern zwei Raucher erschlagen“.

Geht man mal nach Aldi – so wie ich letztens – kommt man nicht umhin zu sehen, das dies eine Aussenstelle menschenfeindlicher Taliban sein muß.  Zwei der größten Gesundheitsvernichter der Menschheit werden dort in verschiedensten auch für Kinder verlockenden Verpackungen angeboten: Zucker und Alkohol.

Grundnahrungsmittel findet man zwischen den Unmengen an Süßkram und Gesöff nur noch zufällig und gäbe es nicht noch den von Kindern produzierten Billigkram an Konsumersatzstoffen (für alle jene, die sich den echten Porsche, die echte Yacht und den echten Flieger nicht leisten können), dann könnte Aldi als kleiner Kiosk fortgeführt werden.

Ich nehme aber mal an, das Schilder mit der Aufschrift „Aldi schadet ihrer Gesundheit und der ihrer Kinder“ nicht so schnell im Laden stehen werden, obwohl Zucker und Alkohol nachgewiesenermaßen nicht unbedingt weniger schädlich als das Rauchen sind.  Ebenso wird man diese Warnungen auf Urlaubsfliegern anbringen, die der Umwelt (pro Verursacherkopf gerechnet) einen noch viel größeren Schaden zufügen als Autos. Für einen Flug in die USA kann man 30000 Km mit dem Auto fahren – nur mal, um einen Vergleich zu ziehen.

Was die Todesrate bei Zucker angeht … sie wird es wohl schlimmer werden, wenn es nach dem Fokus aus dem Jahre 2006 geht:

Die Zahl der Diabetiker nimmt in Deutschland stetig zu. Nach Berechnungen der Deutschen Diabetes-Union wird die Zahl der Zuckerkranken von heute 7,5 Millionen bis 2010 auf zehn Millionen Patienten ansteigen. Grund für die wachsende Menge ist, dass es immer mehr Alte gibt, aber auch dass die Menschen in den Industrienationen immer dicker werden. Die zunehmende Verfettung der Gesellschaft bewirkt, dass immer mehr Menschen zuckerkrank sind. Übergewicht, Bewegungsmangel und falsche Ernährung sind Hauptrisikofaktoren für Diabetes Typ 2.

Sucht man aber jetzt die Mortalitätsrate für Diabetes  so werden einem keine Zahlen entgegengeschleudert wie beim Rauchen. Man muß selber suchen, zum Beispiel im Herzinfarktregister. Die Mortalität im Krankenhaus nach frischem Infarkt (den ja alle irgendwann man kriegen) liegt bei 17,3 %. Das wären … bundesweit mit dem groben Daumen gepeilt: Millionen Tote.  Gezählt wird aber anders, deshalb sterben an Diabetes laut „Netdoktor“  „nur“ 21000 Menschen offiziell.

Ist wie beim Rauchen: stirbt jetzt Helmut Schmidt, so ist er an den Folgen des Rauchens gestorben. Hätte ja sonst 120 Jahre alt werden können.

Prinzipiell müßte man laut Fokus auch einen Kreuzzug gegen das Fernsehen starten, denn das ist auf verschiedene Art und Weise tödlich:

40000 Tote durch Fernsehen und andere Bildschirmmedien – ich weiß, das klingt reißerisch. Doch ich mache nichts weiter, als Daten aus vorliegenden Studien hochzurechnen. Durch Bewegungsmangel und zusätzliches Essen vor der Mattscheibe kommt es zu Übergewicht, was diverse Krankheiten auslöst. Durch Product-Placement wird das Rauchen gefördert. Durch die immer gewalttätigeren Inhalte verstärkt sich die Aggressivität junger Zuschauer.

Außerdem verblödet es elementar und stellt deshalb eine Gefahr für die Demokratie da. Da müßte mal der Verfassungsschutz dran – aber politisch gewollter Demokratiefähigkeitsabbau scheint ja verfassungsgemäß zu sein.

75 000 Menschen sterben in Deutschland jährlich an den Folgen des Alkohols – laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, zitiert bei kyportal.  Gut, dem Rauchen werden 140000 zugeschrieben, die Hälfte davon aber Herz-Kreislauf-Erkrankungen – was laut den Ergebnis der Corastudie nicht ganz so korrekt sein kann.

Also müssen wir im rauchfreien Europa auch den Alkohol verbieten. Zucker ebenso. Autofahren auch, das tötet schon zehntausende ohne Gift, die Abgastoten kommen noch eben drauf. Fernseher auch noch weg (was ich sehr begrüße) oder reduziert auf das Niveau von 1965 (Programm von 15-24Uhr, ansonsten Testbild).

Alle Unsitten aus dem Leben verbannt, macht Europa Un-frei.

Im Prinzip … darf doch jeder selbst entscheiden, wie kaputt er sterben möchte, oder? Und wer jetzt über Krankheitsfolgekosten nörgelt, dem drohe ich mit Sportverbot: laut Niederrheinzeitung kosten Sportunfälle  5 Milliarden Euro im Jahr, außerdem forder ich ein Wohnverbot, denn noch sterben -laut Stuttgarter Zeitung – im Haushalt mehr als im  Straßenverkehr, von den Folgekosten der Haushaltsunfälle mal ganz abgesehen.


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