Zivilisation

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Das Lügenzeitalter am Ende der Zivilisation

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Sonntag, 5.5.2019. Eifel. Was für ein wunderbares Land, welch´ wunderbare Zeiten. Dass ich das noch erleben darf! Welch´ Traum, welch´ einzigartige Zeiten! Und vor allem: wer hätte das gedacht! Plötzlich, aus heiterem Himmel, ist dieses Land voller Nazis! Ja – es ist wie 1933 – auf einmal waren sie da, wie aus heiterem Himmel, wie von der dunklen Seite des Mondes mit Reichsflugscheiben eingeflogen. Schnell besetzten sie damals das ganze Land – so könnte man meinen – und konnten erst 1945 durch die gemeinsame Anstrengung der vier großen Weltmächte wieder vertrieben werden. Nun, 2019, sind sie wieder da, an allen Ecken und Enden. Überall tauchen sie auf und das Volk steht da wie ein Mann und bietet ihnen die Stirn! Unglaublich, oder? Wahrscheinlich ist einer von denen ihr Nachbar. Die Zeitungen sind voll davon – nur leider ist alles gelogen.

Auf der anderen Seite, wirklich gleichzeitig: der nächste große Feind. Ganz Deutschland, ja, die ganze EU ist besetzt von Marxisten. Kulturmarxisten. Sie sind überall: im Kindergarten, in den Schulen, in den Regierungen, in den Parteien (auch in der CDU), in den Verbänden, den Universitäten. Geschickt haben sie den Untergang des europäischen Kommunismus abgewartet, um zwanzig Jahre später aus dem Nichts aufzutauchen und alle zentralen Positionen einzunehmen. Wahrscheinlich ist einer von denen Ihr Nachbar. Die alternativen Zeitungen sind voll davon – nur leider ist alles gelogen.

Fangen wir mit den Kommunisten an – sie sind für den normalen Menschen am leichtesten zu widerlegen. Zwar sitzen sie überall und haben die Macht über alle politischen, wirtschaftlichen und medialen Zentren übernommen, aber … niemand dieser Marxisten wählt linke Parteien…oder? Und wer in linken Parteien ist, nun: der kriegt noch nicht mal so schnel einen Job, erst recht keinen gut bezahlten. Eine seltsame Machtergreifung, oder? Zudem geht es den Arbeitern und Bauern unter der Herrschaft dieser Marxisten so schlecht wie nie. Schulen zerfallen schon als Gebäude, was dank des Lehrermangels nur selten auffällt, Universitäten haben Personalmangel, die Situation des akademischen Nachwuchses ist dank rot-grüner Gesetze katastrophal – viele wandern nach der Habilitation nicht auf einen Professorensitz, sondern in die Arbeitslosigkeit. Wir haben den größten Niedriglohnsektor Europas, die niedrigsten Renten, sind dafür aber Meister im Waffenexport und in der wirtschaftlichen Ausplünderung anderer Länder.  Millionäre, Milliardäre und Riesenvermögen geheihen allerdings unter den Marxisten in großem Maße. Alles so Sachen, die Marxisten gar nicht mögen – wenn sie denn Marxisten sind. Sind sie aber gar nicht – das wurde nur einer gewissen Schicht so verkauft und wird nun als Scheißhausparole durchs Land getragen, die meisten nehmen sie auf und tragen sie weiter.

Die nächste Scheißhausparole? Alles voller Nazis. Der Führer persönlich scheint wieder auferstanden. Sie sitzen in allen Schaltstellen der Macht, haben schon Todesschwadrone aus Elitesoldaten und warten nur darauf, dass der Gegner Schwäche zeigt. Nur ein kleines Häuflein im Deutschen Bundestag mit einer Hand voll Getreuen im Land leistet ihnen noch Widerstand, wäre dies nicht so: Moslems wären schon längst im KZ in Massen verbrannt worden – obwohl der Führer für Muslime so eine große Begeisterung hatte, dass sie sogar als geschlossener Waffenverband der SS dienen durften, ja, es gab sogar einen Großmufti namens Mohamad-Ami-al-Husseini, der der Meinung war, dass die ganze arabische Welt hinter dem Führer stand – einfach, weil man so viel gemeinsam hatte. Judenfeindlichkeit, Homophobie, Feindschaft gegenüber den alten Kolonialmächten, Angst vor dem Kommunismus, klare Vorstellung vom Gebrauch der Frauen, große Sympathien für die Todesstrafe und ein eindeutiges Bekenntnis zu feudalen Strukturen im politischen und gesellschaftlichen System.

Oh – ich merke: wir gleiten wieder ab. Jetzt wären wir doch fast selber Nazis geworden, in dem wir anfingen nachzuweisen, wie nahe die „Muselgermanen“ dem faschistischen Denken standen, hätten fast gegen das aktuelle Tabu verstoßen, sich in irgendeiner Art und Weise über die politische Orientierung des modernen Islam Gedanken zu machen, dessen Vertreter und Oberhäupter jetzt gerade in Saudi-Arabien einen sechsjährigen Jungen hingerichtet haben – neben mehreren Dutzend anderen, die barbarisch und bestialisch geköpft wurden, als wäre man noch im Mittelalter. Es wird sogar wieder gekreuzigt (siehe Zeit): ja, solche geistigen Strömungen sind ja wirklich nur zu begrüßen in einem aufgeklärten, demokratischen, friedlichen und zivilisierten Staat wie der Bundesrepublik – und genau diese Leute brauchen dringend unsere Waffenhilfe – die sie auch kommentarlos bekommen, wenn nicht von uns dann von der Nato.

Wussten Sie übrigens, worum es bei dem Krieg in Syrien ging? Um eine Pipeline durch Syrien, die Syrien nicht wollte, sonst nichts. Katar hatte überraschend Erdgas gefunden, dass man als Konkurrenz zur Russland in Europa verkaufen wollte, das ganze andere Theater waren nur mal wieder … Lüge. In breiter Front log die ganze Presse … und das findet man in einem renommierten Wirtschaftsmagazin (siehe wiwo), nicht in „verschwörungstheoretischen“ Publikationen. Hundertausende starben, Millionen wurden heimatlos … wegen der Habgier von ein paar Prinzen.

Bleiben wir erstmal bei den Nazis. Anders als die verschollenen Linken werden die Rechten ja noch beobachtet, es gibt Studien dazu – die leider die von den Medien und der Politik inszenierten Lügen überhaupt nicht wiederspiegelt, im Gegenteil: das deutsche Volk entfernt sich immer weiter vom Gedankengut des Führers (siehe Heise):

„Haben Sie in der vergangenen Woche die Schlagzeile gelesen, wonach fremdenfeindliche Einstellungen seit 2002 um 75 Prozent abgenommen haben? Oder die, dass die Abwertung von homosexuellen Menschen in den letzten 16 Jahren kontinuierlich abgenommen hat? Oder jene, wonach weniger Menschen denn je in Deutschland rechtsextrem orientiert sind? Oder dass sich sexistische Einstellungen in Deutschland auf einem historischen Rekordtief befinden?“

Wahnsinn, oder? Lesen Sie ruhig den ganzen Artikel – ist so weit ich sehen kann der einzige dieser Art im deutschen Pressewald. Fabian Goldmann bringt noch viele konkrete Zahlen in seinem Artikel: grob kann man sagen – die letzten Nazis kämen noch nicht mal über die 5-Prozent-Hürde. Um 75 Prozent haben die klassischen Themen des Faschismus an Zuspruch in den letzten Jahren verloren … und trotzdem ist sicher jeder, der dies liest, insgeheim überzeugt davon, dass wir dicht vor der Rückkehr des Führers stehen … der jetzt schon mit seinen Marxisten Europa besetzt hat.

Jeder Mensch mit Bildung wird sich hier die Haare raufen – aber an Bildung wird ja gerne gespart. Wir investieren als ordentliche Demokraten lieber in Rüstung. Klar haben wir jetzt nochmal schöne Bilder von Naziaufmärschen in Plauen gesehen, wo am 1. Mai eine Kostümgruppe durch den Ort marschierte, bin mir sicher, die V-Männer des Verfassungsschutzes mussten Monate lang Vorarbeit leisten, möglicherweise auch die Klamotten selber nähen und die Trommeln in Eigenbau anfertigen, um den Medien dieses Ereignis passend zum 1. Mai im Osten präsentieren zu können, damit die alten rassistischen Vorurteile vom blöden, faulen, bösen Ossi noch ein wenig angefeuert werden. Uns ist ja nicht jede Form von Rassismus unangenehm.

Nun – die Nazis und ihre Ideologie waren natürlich nicht erst seit 1933 da. Ihre massenvernichtenden Phantasien, die sie ausgelebt haben, stammen aus dem 19. Jahrhundert – aus den Kreisen der „Wissenschaft“ – ja, genau jener „Wissenschaft“, die uns auch die anderen tollen Erfindungen geliefert haben, an denen die Welt jetzt zugrundgeht: Terminatorsaatgut, Atombomben, Gifte in allen Farben und Geschmacksrichtungen und … Plastik, als Mikroplastik inzwischen überall in der Nahrung und im Wasser anzutreffen. Nur klagt außer Mohamad-Ami-al-Husseini niemand die Wissenschaft an: sie ist unser großer Gott, der uns ins Heil führen wird.

Jedenfalls die Reichen.

Für die Armen gibt es Euthanasie, man hat das im Dritten Reich ja schon mal ausgetestet um Erfahrungen zu sammeln, die bei einer weltweiten Neuauflage des Themas helfen können, alles noch schneller und effizienter zu organisieren – und das wir das brauchen, ist den Reichen schon mal ganz klar: die Massen an Menschen können so nicht bleiben. Zur Pflege des Gartens, der Bärte und der Schuhe brauchen wir nur noch einen Bruchteil der Menschheit, der Rest muss weg, weil er zuviel Blähungen hat, ja, zuviel atmet. Wie der Hartz-IV-Empfänger ist der Mensch an sich bei den Reichen nur noch Parasit, der der Umwelt schadet.

Keiner spricht es deutlich aus, aber jeder weiß, was nun zu tun ist.

Das hatten wir schon mal: Deutschland, 1933-1945. Selbst in internen Akten finden wir kaum konkrete Aussagen zum Massenmord an Juden, Behinderten, Sinti und Roma, Homosexuellen, Kommunisten, Sozialdemokraten oder unliebsamen Nachbarn, deren Haus man schon immer haben wollte … trotzdem wusste jeder, worum es geht. Der Berufsstand, der vom Nationalsozialismus am meisten fasziniert war, waren: die Ärzte. Endlich konnten sie impfen und forschen wie sie wollten, ihre Vorstellungen völlig ausleben – inhuman zwar, aber immer im Dienste des Gutsherren zur Pflege seines Menschenstalles.

Ganz großes Theater, oder? Und Sie werden immer verwirrter, das sieht man Ihnen schon an. Das ist aber auch kein Wunder in diesem Lügenstadl. Aus vielen Gründen bin ich kein Freund der AfD, aber eins muss man auch klar sagen: ihre Wählerzahlen liegen um ein Vielfaches über dem, was das rechtsradikale Hintergrundrauschen in diesem Land hergibt. Schon seltsam, was für ein Gezetere über diese Partei veranstaltet wird, wobei eine andere, echte rechte Partei völlig in den Hintergrund gerät: für Nazis, die es nicht lassen können, gibt es ja auch noch die NPD … über die aber keiner mehr spricht. Auch deren Verbot ist ganz in Vergessenheit geraten, weil ja die Nazis – neben den Marxisten – die absolute Mehrheit im Lande haben … wie man meinen könnte.

Ja, sie merken: neben den Lügen über Nazis und Marxisten kommen wir am Klima nicht vorbei. Auch da wird gelogen, dass sich die Balken biegen, eine Heuchelei ohne Ende. Nicht, dass ich jetzt wieder den Klimaleugner geben will – das habe ich andernorts schon getan. Ich möchte Ihnen beweisen, das wirklich niemand der „Entscheider“ an diesen Klimawandel glaubt, keiner der Wissenschaftler die offen davon tönen nimmt das wirklich ernst, noch möchte irgend jemand wirklich etwas dagegen tun, denn: wäre es so – wir könnten die Probleme im Handumdrehen lösen:

„RegenVillage“ ist die Lösung aller, wirklich sämtlicher unsere Umweltprobleme, selbst für 10 Milliarden Menschen. Wir könnten sofort anfangen, sie zu bauen – und gleichzeitig die Bausünden der letzten hundert Jahre abreißen. Sofort wäre auch die Arbeitslosigkeit weltweit weg – und das besonders Motivierende dabei ist ja: jeder arbeitet dafür, ein eigenes Designerhaus beziehen zu dürfen – in Traumdörfern, die man sonst nur aus dem Urlaub kennt. Ein ganzer Planet voller regenerativer Dörfer, die Hunger, Energieknappheit, Langeweile, Wohnungsnot, Obdachlosigkeit für immer verbannen. Schauen Sie sich das an: RegenVillage ist ein Urlaubsort für den Alltag, ein Ort, wo Kinder gerne große werden und Erwachsene ihr Glück finden. Die Lösung aller unserer Probleme – zum Greifen nah. Geld genug haben wir dafür, Arbeiter und Maschinen auch. Die Welt könnte schnell in ein Paradies verwandelt werden – auch in Syrien, im Sudan, im Irak, in China, im Kongo, in Brasilien und in Nordrhein-Westfalen … aber arbeitet auch nur ein „Entscheider“ an der Umsetzung dieser Pläne? Nur einer?

Und wenn die „Entscheider“ gar keine Lösung für das Klimaproblem wollen … was wollen sie dann? Steuern, klar. Kosten für den Alltag noch höher treiben, bis wir endlich Massenobdachlosigkeit bei Niedriglöhnern, Arbeitssuchenden und Minirentnern haben, so dass die Kälte selbst uns das Problem der „viel zu vielen“ Menschen abnimmt. Wenn wir schnell genug sind, können wir noch die Organe für die Reichen und ihre Dienerschaft ernten. Nun schauen Sie nicht so pikiert: die Gesetze dafür sind doch schon längst da. Ihre Organe gehören nun dem Staat – falls sich nicht jemand findet, der im OP-Saal ihren Widerspruch ernst nimmt.

Das, was wir Zivilisation nannten: das friedliche aber engagierte Streiten mit Worten um den richtigen Kurs des Landes – das ist vorbei, wie die Zivilisation selbst. Die Ideale der Aufklärung des 19. Jahrhundert wichen den Vorstellungen der Menschenschlächter des 21. Jahrhunderts. Lügengespinste von der unheimlichen fünften Macht des Marxismus, die Europa unbemerkt im Sturm eroberte (dabei bitte mindestens dreimal Habermas sagen) wechseln sich ab mit Lügengeschichten über eine Invasion von neuen Nazis (dabei bitte mindestens dreimal Höcke sagen), die als unaufhaltsame Flut aus dem dunklen Osten hervorbrechen.

Und was macht sich wirklich im Alltag breit? Was geschieht praktisch – ohne das jemand groß die geisteswissenschaftlichen Hintergründe dieser Taten beleuchtet? Der Menschheit wird in tausend kleinen Schritten der Raum zum Leben genommen – auf hundert verschiedenen Wegen. Und gleichzeitig wird ihr erzählt, dass seine „Retter“ – rechts oder links – schon längst regieren. Ist man rechts, weiß man, dass die Linken regieren, ist man links, weiß man, dass die Rechten die Macht haben. Sprach- und Gedankenverwirrung pur – die alle in einen Zustand der Lähmung versetzen.

Und die Frage, wem das nützt … nun, die beantworten Sie sich bitte selber. Denn damit – fängt der wirkliche Widerstand jenseits von Scheißhausparolen an.

 

Die planetare Zivilgesellschaft

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Dienstag, 3.11.2015. Eifel – und Welt. Ich sage es Ihnen gleich zu Beginn: Kritik ist hier nutzlos. Ich weiß, Sie werden sich aufregen, Sie werden versucht sein, sich in der bundesweit gepflegten Kunst des Nörgelns zu versuchen, empört sein, tausend Gefahren sehen, aber ich sage Ihnen: an der planetaren Zivilgesellschaft, der großen Menschheitsfamilie, geht kein Weg vorbei. Das wissen wir schon lange, das ist alles andere als neu. Als sich der Philosoph Immanuel Kant Gedanken über die Funktionsweisen, Chancen und Grenzen der menschlichen Vernunft machte, fiel ihm – quasi als Abfallprodukt – ein Regelwerk für den Frieden in die Hände, er nannte es „Zum ewigen Frieden“ und besagte kurzerhand eines: irgendwann in der Zukunft wird der Krieg für immer ausgemerzt sein, weil der Mensch durch den Gebrauch der reinen Vernunft dies als die sinnvollste Lösung ansehen wird. Dies kann früher oder später geschehen – auf jedem Fall gibt die bekannte Geschichte ihm bislang recht.

Entwickelt hat sich der Mensch zuerst als Familie – einer sozialen Ordnung, der man, sofern man lebendig sein will, kaum entkommen kann. Die Vernunft gebot, aus der Familie ein Dorf zu machen: die Schätze von Mutter Erde waren so vielfältig, dass ein einzelner Arbeiter sie niemals hätte alle gebrauchen können, ihr Nutzen aber versprach einen deutlichen Vorteil gegen Raubtier und Kälte, gegen Langeweile und Missernte, es wäre unvernünftig gewesen, darauf zu verzichten. So konnte sich einer auf das Heilen von Menschen konzentrieren, einer auf das Schmieden von Metall, einer auf den Ausbau der Ernte, einer auf die Jagd nach großer Beute, einer auf den Bau der Behausungen, einer auf Spiel, Gesang und dem Erzählen von Geschichten – die Arbeit wurde geteilt und man merkte: die Summe der gemeinsamen Arbeit war größer als die Arbeit der Einzelnen – Reichtum entstand.

Je mehr man die alten Feinde in den Griff bekam, sich eigene, warme Höhlen in Flussnähe baute, die jagenden Raubtiere zum Ziel der eigenen Jagd machte, mit Waffen und Werkzeugen seine Macht über die Unbillen der Natur stabilisierte, mit Spiel und Gesang für ein frohes Gemüt sorgte, um so mehr bildeten sich neue Feinde heraus: Menschen mit Raubtierbewusstsein, nicht sehr vernünftig, aber verschlagen, hinterlistig und asozial. Sie bildete die unvernünftige, unnatürliche Raubtierklasse, die als Bande ins Land einfiel, es zum Eigentum erklärte, sich eine Burg darin baute und mit Gewalt die Ernte einfuhr, die legitim durch Arbeit entstanden war: so kam der Adel  ins Land, ein Adel, der später den Adel der Seele für sich beanspruchte, um seine Herrschaft zu legitimieren – dabei war jener Adel der Philosophen unter ihnen überhaupt nicht zu finden, im Bauern jedoch allgegenwärtig.

So wurde aus dem Dorf die Stadt, die den Raubrittern Einhalt gebot: Stadtluft machte frei – von Sklaverei. Geleitet durch die Vernunft bauten die Dörfler Städte, die größer waren als die Festungen des Adels und nur schwer zu erobern. Der Adel reagierte, vereinte Raubritterburgen zu Ländereien, zu Fürstentümern, zur Nation, die Städter reagierten, breiteten den Gedanken der Stadt aus und machten aus dem Land einen Staat. Die schweizer Pikeniere zeigten dem Hochadel in ganz Europa, wie leicht man ihn aus dem Sattel stoßen konnte, wenn man nur vernünftig vorging: der Adel verlor Schlacht um Schlacht gegen sie, sie wurden die gefürchtetsten Söldner des Mittelalters und erhielten so die Ehre, die Garde des Papstes stellen zu dürfen: ein revolutionäres Signal der Kirche an den Adel. Der Kampf gegen die Raubtierklasse währte lang, wurde zum Kampf um den Sitz an den Schalthebeln der Macht im Staat: sollte dort ein König sitzen – oder ein Bürger? Die Vernunft setzte sich durch – wie nicht anders zu erwarten. Der Mensch als vernünftiges Wesen kann letztlich  nicht anders. als nach seiner Natur zu handeln: 1789 fegte ein breites Bündnis von Bauern, Städtern, niederen Raubmenschen und Söldnern der Herrschenden den König und seine Diener für kurze Zeit aus dem Amt und hätte fast – unter der Führung eines kleinen korsischen Leutnants – ganz Europa vom Adel befreit.

Das Dorf brachte Frieden zwischen den Familien, die Stadt Frieden zwischen den Dörfern, der Staat Frieden zwischen den Städten, mehr und mehr Ländereien schlossen sich zu Staaten zusammen – und wiederholten ein altes Spiel: manche wurden Raubstaaten und plünderten die Welt aus: Frankreich, Spanien, England sind fürchterliche Beispiele dafür, wie der Raubgedanke die Vernunft beiseite drängte, gleichzeitig wurde klar, wie das Spiel enden wird: letztlich würde die Vernunft alle Staaten zu einem planetaren Staat formen, weil der Mensch als biologisches Wesen vernünftigerweise Werte wie Freiheit, Sicherheit, Frieden, Wohlstand und Gerechtigkeit Unwerten wie Sklaverei, Bedrohung, Krieg, Armut und Rechtslosigkeit vorziehen wird: letztlich … wird eine planetare Zivilisation entstehen und diese wird sich strikt vernünftig gegen die Raubtiere in den eigenen Reihen wenden, kommen sie nun als clevere Geschäftemacher, Anlagebetrüger oder Straßenräuber daher.

So wäre – kurz gesagt (und extrem verkürzt dargestellt) – die Geschichte der Menschheit. Die Charta der Vereinten Nationen bezieht sich im Großen und Ganzen auf diese „Schrift zum Ewigen Frieden“ – womit man mal wieder sehen kann, was Deutsche – neben Luther und Marx – zu leisten vermögen imstande sind. Aktuell ist der Stand folgender: nachdem der Mensch sich vom Jäger und Sammler zum Landwirt entwickelte, durch die Technik zum Dienstleister und Informatiker wurde, geht der Trend jetzt wieder zurück: wir sind aktuell Jobjäger und „Tafel“-Müll-Sammler, gezwungen durch staatliche Gewalt. Die Raubtierklasse hat sich neu formiert und hat zurückgeschlagen, ihre gegenwärtige Offensive gegen den Staat, gegen die Vernunft, gegen die Menschheit und sogar die gesamte natürliche Umwelt läuft enorm erfolgreich, sie beschert uns Klimawandel, Finanzkrisen, Flüchtlingskrisen, Umbau des Sozialstaates zum Zwangsarbeitslager und die Verblödung der Jugend … von denen 98 % bei der Geburt noch hochbegabt sind, bis die Schule dies auf 2 % nach Schulende herunterreguliert  hat. Ungeniert greift sich die Raubtierklasse Funktionsträger demokratischer Strukturen und erzieht sie sich zu Dienstleistern der eigenen Sache (Stichwort: Lobbyismus und „Drehtüreffekt“), rafft mehr und mehr Tauschmittel an sich, die vom Staat nie zum Zwecke des Raffens für einige wenige geschaffen wurden, sondern als Tauschobjekt für alle. Viele der Raubtierklasse entstammen dem „alten Adel“, viele rafften sich empor zu milliardenschweren Halbgöttern, die Staaten kaufen könnten und massiven Einfluss auf die höchsten Steuerungsebenen von Supermächten (genannt: Präsident) haben.

2015 scheint Kant widerlegt zu sein, wir bekommen seit den neunziger Jahren den Begriff des „failed state“: jenes Staates, der seine Aufgaben nicht mehr erfüllen kann, gescheitert ist, aufgelöst und abgewickelt gehört: die Raubtierklasse – die neuen Fürsten – nutzt ihre globale Macht, ihren alten Feind zu zerstören: die Stadt … bzw den Staat. Glauben Sie nun nicht, dass Sie in ihrem Deutschland sicher sind, nachhaltige Staaten gibt es nur eine Hand voll auf der Welt: Schweden, Irland, Finland, Norwegen, Österreich, Kanada, Australien und die Schweiz gehören dazu – Deutschland ist – wie die USA – lediglich momentan stabil, weite Teile Asiens, Afrikas und Südamerikas gleiten ab in Richtung „failed state“. Es wäre leicht zu beweisen, dass dies kein Zufall ist, dass eine globalisierte „Superklasse“ gezielt einen Großangriff auf die Idee des Staates durchführt, der letztlich wieder die alte Ordnung herstellen soll: der Halbgott in seiner Burg umgeben von Tagelöhnern, die im Müll nach Nahrung suchen, wenn seine Gunst sie nicht mehr am Leben erhält.

Beweise dieser Art finden sich in diesem Medium – dem Nachrichtenspiegel – und tausend ähnlichen Formaten zu hauf, dies möchte ich jetzt nicht noch weiter vertiefen, da es mir diesmal um den größeren Rahmen geht – und einen ferneren Ausblick.

Egal wie die aktuellen Turbulenzen aussehen: die planetare Zivilgesellschaft wird kommen. Der Mensch als vernünftiges (und soziales) Wesen kann gar nicht anders, als letztendlich am Ende seines politischen Weges den planetaren Staat auszurufen – der ähnlich vernünftig ist wie dieses „Deutschland“, dass als Staat die Kriege zwischen Preussen und Bayern (der letzte war 1866) undenkbar gemacht hat – wie auch „Europa“ Kriege zwischen Frankreich und Deutschland als völlig absurd erscheinen läßt.

In diesen Zeiten sollten wir uns nicht entmutigen lassen von den Rückschlägen, die die planetare Zivilgesellschaft aktuell erdulden muss – und derer sind es viele: die demokratischen Verwaltungsstrukturen der Staaten werden von einer globalisierten Klasse der Superreichen unterlaufen, korrumpiert und für eigene Ziele eingesetzt … im Prinzip erdulden wir die Wikingerüberfälle erneut, die größere Mobilität (wir reden hier über Menschen, die in New York aufwachen und beschließen können, dank der eigenen Gulf Stream V in Venedig zu frühstücken, in Dubei zum Mittagessen abzusteigen und den Abend am Strand von Rio an Bord der eigenen Yacht zu genießen) bringt hier den entscheidenden Vorteil gegenüber der großen Zahl der Ausgebeuteten, die globalisierte Raubwirtschaft plündert hunderte von Millionen Menschen weltweit aus, produziert immer mehr immer billiger für immer weniger Lohn zum einzigen Vorteil der Profiteure ohne Rücksicht auf die begrenzten Ressourcen dieses wunderbaren Planeten: der Kollaps ist vorprogrammiert, weil immer mehr Menschen immer weniger Geld haben, um die Warenmassen abzunehmen. Jedoch sind das Erfahrungen, die man immer im Laufe einer Offensive macht: der Gegner scheint schier übermächtig: so erging es den Streitkräften der russischen Revolution, als sie sich den Konterrevolutionären gegenüber sahen, die von Tschechen, Briten und Franzosen unterstützt wurden, so erging es der russischen Armee im großen vaterländischen Krieg, als die Wehrmacht in den ersten Tagen des Krieges mit ihren 3600 Panzern 20000 russische Panzer vernichtete: trotzdem gewannen sie letztlich, auch wenn es zwischendurch nicht gut aussah.

Worauf wir den Blick richten sollten, ist die Zukunft – jene Zukunft, auf die wir uns unabänderlich seit 10000 Jahren  hinbewegen: die Gründung der großen, planetaren Zivilisation, die schon jetzt weltweit anwächst. Der Begriff – obwohl in Kant´s Schriften schon immanent vorhanden – wurde 2008 angesichts der Proteste gegen den G 8-Gipfel von dem UN-Kommissar Jean Ziegler (einem führenden Kritiker der Raubtierklasse, wie ich den modernen Adel mal nennen möchte) geprägt (siehe Spiegel):

„Die „planetare Zivilgesellschaft“ wachse überall auf dem Planeten, sagt Ziegler enthusiastisch“, „Der gewaltlose Zug der Aufständischen ist unterwegs“, sagt Ziegler – tosender Beifall.“

Der Raubtierklasse ist klar, dass diese Entwicklung kommen wird – weshalb der Spiegelautor als Mitglied der untersten Dienstklasse der Raubtiere auch eifrigst spöttelt. Sie weiß, dass diese Entwicklung so unaufhaltsam ist wie der Aufgang der Sonne – und dass diese Entwicklung ihr Ende sein wird, weil die demokratische Zivilgesellschaft sich die geraubten „privatisierten“ Ländereien (ja: privare ist lateinisch und steht für „rauben“ – die waren noch weise, die Lateiner) zurückholen werden – ebenso wie sie die Wirtschaftsordnung revidieren werden, die kleingeistigen, dümmlichen Raub der vernünftigen nachhaltigen Lebensweise vorzieht. Sie wissen, dass aktuell 88 (!) Prozent der Deutschen sich – vernünftigerweise – eine neue Wirtschaftsordnung wünschen (siehe Spiegel, hier mit Beispielen, wie die neue Wirtschaftsordnung gerade wächst) , die auch schon längst vielfältig durchdacht wurde (siehe beispielsweise Treeec, wo ein globales, kooperatives Genossenschaftsmodell mit zinsfreiem Geld für die Effektivierung von Lebensqualität für jederman – und nicht nur für eine Superklasse – sorgt und schon viele Elemente der planetaren Zivilgesellschaft vorgedacht wurden).

Ich weiß selbst: es gibt viele Bedenken gegen die planetare Zivilgesellschaft, die unter dem Stichwort „NWO“ gesammelt werden – doch alles, was dort an Kritik geäußert wird, betrifft nur die Bestrebungen der Superklasse, sich schon jetzt (und schon seit vielen Jahrzehnten) führende Plätze in dieser Zivilisation zu kaufen und sie so zu formen, dass sie ein Exekutivorgan der Superklasse wird. Letztlich aber wird die Superklasse wie auch der Adel grandios scheitern: dies kann friedlich durch Gebrauch der Vernunft geschehen (auch der eigenen Vernunft der „Superreichen“ und „Ultramächtigen“, die als Menschen ebenso vernunftbegabt sind wie der künstlich als „aussätzig“ definierte Arbeitslose), oder auch gewaltsam (was seit dem Siegeszug der Vernunft oft geschehen ist und immer wieder geschehen wird, wenn die Vernunft die Raubtiere wieder mal ausrottete, weil ihre Vernichtung betriebswirtschaftlich sinnvoller ist als der ewige Kampf gegen sie).

Gerade Deutschland – das Land in dem die meisten unsere Leser leben (die zweitmeisten leben in den USA – wo es sehr viele, ganz wunderbare planetare Bürger gibt, auch wenn der Staat momentan durch nine-eleven immer mehr zum Instrument der Superklasse umgebaut wird) – kann hier eine ganz besondere, historisch gewachsene Rolle spielen: wir haben die meisten Erfahrungen mit der logischen Entartung der Zivilgesellschaft, wenn der Staat völlig als Instrument der Raubtierklasse umfunktioniert wird (Stichwort: Drittes Reich), wir haben das Potential zweier langjähriger Gegner im Kampf der Systeme (BRD gegen DDR) – und wir haben das geistige Erbe jener Menschen, die die planetare Zivilgesellschaft von oft vorangetrieben haben (wie schon erwähnt: neben Kant auch Luther und Marx … und nur einige zu nennen), sind als Land der Dichter und Denker eigentlich prädestiniert, das Erbe des alten Griechenlands zu übernehmen – und wir haben durch die Flüchtlingskatastrophe (die wir letztendlich nicht bewältigen können, wenn sich 300 Millionen planetare Bürger auf den Weg machen, um hier ihr Glück zu suchen – oder mehr) jene Herausforderung, die wir nur im planetaren Zusammenspiel der Bürger miteinander lösen können und die deshalb der Zündfunke für die Etablierung der planetaren Zivilgesellschaft seien kann.

Die Bedenken gegen die planetare Zivilgesellschaft sind auch 10000 Jahre alt: es sind die Bedenken des Meisters der Schmiedekunst, ob er nicht hungern wird, wenn er den ganzen Tag nur schmiedet aber nichts anbaut, die Bedenken der Bayern, ob sie nicht unterjocht werden, wenn sie mit den Preussen einen Staat gründen, die Bedenken von Minderheiten, ob sie nicht von gesichtslosen Mehrheiten unterdrückt und ausgerottet werden – solange wir Menschen als Raubtiere dulden, anstatt jene unmenschliche (weil unvernünftige) Form der Existenz konsequent einer pathologischen Diagnose zuzuordnen, werden wir auch mit solchen Erscheinungen übergangsweise leben müssen – aber nur übergangsweise.

Die Ausformung der planetaren Zivilgesellschaft kann nun nie das Werk eines Einzelnen oder einer Elite sein: das spräche der Vernunft zuwider, die in allen Menschen zuhause ist – auch in Arbeitslosen, Niedriglöhnern und Hausfrauen – und auch im „Lumpenproletariat“ … jenem Begriff, mit dem Karl Marx aus der kommunistischen Bewegung eine neue Raubtierklasse schuf: das gewählte Raubtier, den (unvernünftigen) Absolutismus der „Macher“ und Kommissare – ein Grund, weshalb heute sich die unterste Dienstklasse der Raubtiere von „bildungsfernen Schichten“ abzugrenzen versucht: als hätte ein Professor für Maschinenbau auch nur ansatzweise einen Anspruch auf das Prädikat „Bildung“, dass eher auf den geisteswissenschaftlichen Bereich, auch den Menschen an sich abzielt und in dem ihm ein ständig lesender Hilfsarbeiter schnell weit überlegen sein kann – eine einfach Nebenwirkung des Buchdrucks, der der Elite den Vorteil der Schnelligkeit des Wissenerwerbs entzog.

Sie wird das Ergebnis von Kommunikation sein, ein dauernder Prozess, dessen Ausformung abhängig ist von den Herausforderungen, die die Zukunft mit sich bringen wird – und die können vielfältig sein.

Was wir aber jetzt machen können – als Menschen, als vernunftbegabte Wesen: wir können uns schon heute dazu bekennen, dass wir uns als Bürger der planetaren Zivilgesellschaft verstehen, diese „Staatsbürgerschaft“ über alle privaten, nationalen, egoistischen Interessen stellen und unsere politische Meinung als planetare Bürger bilden und mit abschätzigem Blick auch die sterbenden Reste der Raubtierkultur blicken, die untergehen wird: in zehn Jahren, in hundert Jahren … nein, tausend Jahre wird es nicht mehr dauern. Wir können – und dürfen – wissen, dass unsere Art letztlich den Sieg davon tragen wird – auch wenn wir auf empfindliche Rückschläge zurückblicken müssen. Unsere „Art“ – das ist die Art von vernunftbegabten Wesen, die immer das Große und Ganze im Blick haben können. So kann die große Evolution (oder Revolution der Evolution der Raubtierklasse) genau HEUTE beginnen – mit einer Hand voll Menschen, die ganz bewusst auf ihr Wesen blicken, auf die unabänderliche Zukunft des Triumphes der reinen Vernunft, die mit absoluter Sicherheit kommen wird – und die (das wird jetzt manche erschrecken) dem Sozialismus viel näher stehen wird als dem Feudalkapitalismus der Moderne. Wir können uns schon heute als Agenten jener Macht begreifen, die seit 10000 Jahren die menschliche Kultur lenkt, schon heute aufstehen und sagen: wir sind schon heute Teil jener Bewegung, die der politischen Welt den ewigen Frieden bringen wird – und eine Welt, die dem sehr nahe kommt, was wir dereinst als Paradies verstanden haben … und wer würde nicht im Paradies leben wollen, vernünftigerweise?

Je mehr das heute schon tun – umso sanfter wird der Weg dahin. Ansonsten werden wir noch ein paar häßliche Apokalypsen erleben dürfen, an denen aktuell die Raubtierklasse feilt (siehe Spiegel):

„Es gebe Kräfte in Europa und in den USA, die kein Interesse an der Beilegung des blutigen Konflikts hätten. „Denen wollen wir keine Chance geben.““ – womit der deutsche Vizekanzler das erste Mal die Existenz kriegstreibender Gewalten innerhalb der Nato gegenüber Wladimir Putin zugab, denen wir hilflos ausgeliefert sein werden, wenn wir weiterhin der Superklasse den Ball überlassen.

Der Vernunft (und diesem Planeten) ist es übrigens egal, wie lange es dauert, bis sie das ihr gemäße kooperative, kommunikive, symbiotische System errichtet hat, um in der Evolution weiter voranschreiten zu können: sie kennt „Zeit“ nur als eine ihr untergeordnete Kategorie, auf die sie keine Rücksicht nehmen braucht.

Das wichtigste Instrument zur vollendeten Etablierung der planetaren Zivilgesellschaft liegt übrigens vor Ihnen: das Internet.

Wenn im Übrigen jemand gerade Lust auf Abenteuer hat: gerne sei zur Disskussionsrunde aufgerufen, die Plattform Facebook gibt uns genug Raum, Millionen Menschen zu erreichen – solange, bis die planetare Zivilgesellschaft sich eigene Räume schaffen kann, bis hinreichend Ressourcen vorhanden sind, nicht mehr auf das sterbende System zurückgreifen zu müssen. Hier kann diskutiert werden, geforscht, geträumt, informiert, beraten und geplant:

https://www.facebook.com/Die-planetare-Zivilgesellschaft-1637060316581470/

Mehr – kann ich dazu kaum leisten. Nun – ist die planetare Zivilgesellschaft gefragt. Es werden viele Antworten gesucht: und die Gegenwart bietet erstklassige Fragen dazu und exzellente Instrumente. Fangen wir also an zu handeln. Das wird spannender als Fernsehen gucken. Versprochen.

 

 

 

 

Wie Werte die Welt verändern … und die Wirtschaft.

eifelphilosoph_200

eifelphilosoph_200Dienstag, 14.10.2014. Eifel. Sieht schlimm aus in der Welt, oder? Schreibe ja oft genug darüber. Über Krieg will ich gar nicht reden, dass habe ich mit Blick auf die Ukraine schon oft genug getan – und inzwischen begreifen ja auch genug Menschen, dass wir da unnötigerweise dicht an einem finsteren Abgrund entlang schrammen. Ich schaue alleine auf die Wirtschaft … und erschaudere ob der Summen, die der Euroraum braucht, um wirtschaftlich wieder in Fahrt zu kommen. „Ein- bis zwei Billionen“ (also 10-20% der Gesamtwirtschaftsleistung des Raumes) braucht die Eurowirtschaft, erläutert Wolfgang Münchau im Spiegel. Ich breche das gleich wieder auf die Bürger herunter und sehe, dass Rentnerinnen mit einem Gesamteinkommen von 400 Euro auf einmal 80 Euro zur Rettung des Wirtschaftsraumes auftreiben sollen. Arbeitslosen geht es ähnlich … allerdings zahlt man denen noch Miete, Heizung und Wasser. Oder der Niedrigöhner mit seinen 800 Euro – zahlt erstmal 160 Euro für die Rettung Europas – zusätzlich zu allen anderen Zahlungen, die er sowieso schon leistet.

Wahnsinn, oder? Das alles entwickelt sich so Aufgrund eines einzigen Wertes: des Ego. Frank Schirrmacher hat darüber vor seinem frühen Tod ein ganz dickes Buch drüber geschrieben – und nein, ich deute jetzt keine Verschwörungstheorie an, die darauf verweist, dass er beseitigt wurde, weil er den zentralen Motor der westlichen Kultur angegriffen hat: den Traum von der hemmungslosen Befriedigung aller von der Industrie künstlich hervorgerufener Bedürfnisse, einen Traum, den wir niemals bezahlen könnten.

Die Konzentration auf das Ego zerstörte letztendlich alles, was über Jahrhunderte aufgebaut wurde … letztlich sogar die Familie: auch wenn die nicht aufgrund der immensen Belastung auseinanderbrach, so rannten doch fortan Papa und Mama in der Arbeitswelt herum (zu immer niedrigeren Löhnen und immer längeren Arbeitszeiten), um noch halbwegs den von der Wirtschaft festgesetzten Bedürfniskanon herunterbeten zu können – zu Lasten der vernachlässigten Kinder.

Ein einziger Werteschwerpunkt zerstört eine ganze Volkswirtschaft auf einem Verbrauchsniveau, für das wir mehrere Planeten bräuchten – die wir leider nicht haben.

Ziemlich doof, oder?

Früher – galten andere Werte. Ja,  ich spreche hier jetzt von einem sehr idealisierten früher, weil ich ganz frech behaupte, dass wir dieses idealisierte „früher“ ganz einfach praktisch in der Zukunft leben können. Ich nehme einfach mal einen Wert heraus:

Vertrauen

Ein ziemlich fremder Wert, oder? Eigentlich schon ein Unwert, denn wer vertraut, ist blöde und wird über´s Ohr gehauen … ein Echo dieser Einstellung vernimmt man bei der Deutung des Begriffes durch Wikipedia – was ich hier mal wegen massiver Verfremdung durch die Ego-Perspektive nicht zitieren möchte. „Vertrauen“ ist das Gegenteil von „Misstrauen“ – jenes Misstrauen, dass durch den überkritischen Verstand in die Welt gekommen ist. Ja – dieser Verstand war (siehe z.B. Descartes) in der Lage, die Existenz der ganzen Welt in Frage zu stellen (was der Buddhismus schon vorher getan hatte) – wie soll man da noch Vertrauen. Und überhaupt: im Geschäftsleben lauern überall Gangster – siehe Lehman-Brothers.

Ja – das ist die Egokultur, da wird jeder zu jedermanns Feind – künstlich hochgezüchtet. Deshalb sitzen die Menschen dann so oft wir möglich hinter ihren verschlossenen Wohnungstüren und wagen sich nur noch via Bildschirm mit der Realität auseinander zu setzen. Man geht nicht mehr aus – es sei denn, im Rudel.

Wissen Sie, wie die Alternative aussah? Ich erinnere daran, wie die Wikinger mit Schiffen in der Größe von Beibooten den Atlantik überquert  haben. Sie stürzten sich in ein gigantisches Nichts … und bewältigten es. Das war „Vertrauen“ – angefüllt mit Misstrauen hätten die sich noch nichtmal zum Bootsbau zusammengefunden. Sie haben auch darauf vertraut, dass am nächsten Tag (trotz der Präsenz der allmächtigen Götter und der fürchterlichen Eisriesen, die sie zusätzlich ängstigten) wieder die Sonne aufging und nicht etwa das allgegenwärtige apokalpytische Ragnarök (der Untergang der Welt durch den Kampf der Götter gegen die Riesen) begann.

Das war Vertrauen – Vertrauen in die Stabilität der Welt, Vertrauen in die eigene Leistunsfähigkeit – und Vertrauen in die Vernunft der Mitmenschen, mit denen man zum Abenteuer aufbrach. Diese Vertrauen entsprang aber nicht einer „Vermutung“, sondern der sicheren Gewissheit, dass alles so läuft, wie es schon immer gelaufen ist. Hierzu bedarf es aber eines weiteren Wertes:

Verantwortung

Damit Vertrauen gelebt werden kann, muss sich jeder an seine eigene Verantwortung erinnern. Das ist schwer heute, denn der Begriff „Verantwortung“ wird in Politik und Wirtschaft leicht missbräuchlich verwendet. Gerne lastet man heute Menschen „Verantwortung“ auf, die sie gar nicht mehr tragen können: viele Arbeitslose können davon ein Lied singen. Mitte fünfzig werden sie auf einmal mit der Tatsache konfrontiert, dass die Firma, der sie dreißig Jahre lang treu gedient haben, sie nicht mehr haben möchte und sie in die „Selbstverantwortung“ entläßt. Angesichts des Bestrebens der Wirtschaft, bald alle Kassen zu automatisieren, dürfen bald sämliche Verkäufer in Deutschland diese Erfahrungen machen. Verantwortung heist, dass jemand in der Lage ist, zu erläutern, warum beim Erfinden der automatisierten Kassen niemand an die Verkäufer und Verkäuferinnen gedacht hat. Verantwortung heist, dass man sein Bestes gibt, dass in einen gesetzte Vertrauen auch zu erfüllen – und nicht beständig nach Möglichkeiten sucht, seinen Partner zu hintergehen: weder als Kapitän des Wikingerbootes, der einfach nur mal Wasserski fahren wollten, noch als Ruderer des Bootes, der sich auf Kosten seines Nachbarn schont.

Da wir gerade auf einem Boot sind … da gibt es noch einen weiteren Wert:

Beständigkeit

Egal, was man nun in Angriff nimmt: die Fahrt in einer Nussschale über den stürmischen Atlantik, die Rodung eines Felds zum Weizenanbau oder die Spezialisierung auf den Beruf des Schäfers – Beständigkeit ist ein wichtiger Wert, um zum Ziel zu kommen. Wir brauchen Vertrauen, um das Ziel realisieren zu können, wir brauchen Verantwortung, um die Genossen auf das gemeinsame Ziel verpflichten zu können – und Beständigkeit, um es erreichen zu können. Zwischendurch auf die Idee zu kommen „ich würde aber jetzt doch lieber nach Afrika“ – ja, das geht dann nicht. Aber was rede ich von Wikingern: jeder Familienvater und jede Mutter (und vor allem: JEDES KIND) schätzt diesen Wert, weshalb viele gerne Beamte werden. Familien brauchen – wie alle anderen Firmen auch – Planungssicherheit und die resuliert aus der Beständigkeit zentraler Umwelfaktoren, in denen das eigene System eingebettet ist – und hier ist nicht nur die Ökologie gemeint, sondern auch die Ökonomie. Beständigkeit ist ein wichtiges Element, damit man seiner Verantwortung nachkommen kann und dem Vertrauen, das in einem gesetzt wurde, gerecht werden kann.

Ach ja – gerecht.

Gleichwertigkeit

Ein Wert, der oft unterschätzt wird. Für uns Demokraten ist das selbstverständlich … aber wie demokratisch sind eigentlich unsere Firmen? Bleiben wir einfach bei unserem Schiff, unsere Nussschale von wahnsinnigen Wikingern. Ja, vorne steht Olaf der Starke auf dem Weg in einen ungewissen Zukunft … doch seine Mitreisenden sind nicht weniger Wert als er. Sie haben andere Funktionen (rudern, während er die Sterne beobachtet, um den Kurs zu bestimmen), aber sind gleichwertig. Ohne dieses Gleichwertigkeit – kein Vertrauen, keine Verantwortung, keine Beständigkeit.  Ohne diese Gleichwertigkeit … könnte Olaf der Starke sich auch schnell auf einer einsamen Insel wiederfinden – oder allein im Atlantik, weil die anderen kurz vergessen haben, dass auch er den gleichen Wert wir alle anderen hat. Nun haben wir vier Werte … und einen ganz wichtigen fast vergessen.

Austausch

Um Vertrauen leben zu können, brauchen wir beständigen Austausch auf allen nur erdenklichen Ebenen. Olaf der Starke ist gehalten, beständig zu erläutern, was er hinter dem Horizont vermutet, zu zeigen, wie beständig der Kurs die letzten Monate war, wie sehr er in die Mannschaft vertraut. Aber – hier verlassen wir mal das isolierte Schiff – Austausch ist ein zentrales Element der ganzen Schöpfung, „Austausch“ läßt den menschlichen Körper überhaupt lebendig werden, Austausch als „Handel“ ist DIE Grundlage allen produktiven Reichtums. Wir lernen zwar regelmäßig alle Kriege der Menschheitsgeschichte auswendig – es waren aber nicht die Kriege, die den Wohlstand gebracht haben, es waren die Händler, die im Austausch der Überschussproduktion der Menschheit einen enormen Reichtum bescherten. Und auch Olaf hat diesen Austausch im Sinn, wenn er ferne Länder aufsucht, um dort mit Gewinn zu handeln (dass Wikinger in erster Linie Händler waren, wird in der profanen Geschichtsschreibung ebenfalls weniger berücksichtigt): um Äxte aus Eisen gegen Gold zu tauschen … Gold, dass nur Sinn macht, wenn es eine Heimat gibt, in die man vertrauensvoll zurückkehren kann, um dort erfolgreich handeln zu können. Haut dort Erik der Grausame den Olaf einfach um und nimmt ihm das Gold weg … wird niemand jemals mehr aufs Meer hinausfahren. Bringt Olaf aber nur Katzengold aus der Eifel zum Tausch, werden die daraus folgenden Turbulenzen ebenfalls den produktiven Schiffsverkehr zum Erliegen bringen.

Wir merken: ein Wert fehlt noch, um den Kanon rund zu machen:

Zusammenarbeit

Ja – ich weiß: wir predigen andere Werte in der modernen Welt. Der heldenhafte Einzelkämpfer (in verschiedenen Versionen immer von einem Herrn Schwarzenegger auf die Leinwand gebracht) ist das momentane Vorbild des selbstverliebten, in omnipotenten Fantasien schwelgenden Egomanen. Aber wie haben wir damals das Mammut erlegt? Durch Zusammenarbeit. Wie haben wir viele Jahrtausende lang alle Probleme der Menschheit aus dem Wege geräumt? Durch Zusammenarbeit – und nicht dadurch, dass alle in ihren eigenen Zelten sitzen und ins Feuer starren (das war die früheste Version von TV – allerdings eine, die das Denken und die Fantasie anregten). Was wäre denn, wenn wir – angesichts der gewaltigen Probleme der Menschheit – mal nicht darauf vertrauen, dass Conan der Barbar alles mit einem Faustschlag löst, sondern wir mal wieder zur Zusammenarbeit finden – politisch, wirtschaftlich, ökologisch und gesellschaftlich?

Anfangen sollten wir mit … Wirtschaft. Das machen wir auch, wenn wir versehentlich auf einer einsamen Insel stranden. Erstmal sorgen wir für Wärme und Obdach, dann für Wasser – und letztlich auch für Nahrung. Dazu brauchen jene, die Wasser holen, dass Vertrauen auf die anderen, die währenddessen für Obdach sorgen – während die beiden wiederum auf jene vertrauen, die für Nahrung sorgen.

Warum tun wir nicht einfach so, als wären wir schon gestrandet? Als wäre die Wirtschaft schon zusammengebrochen?

Wolfgang Münchau will Billionen … und ich prophezeie, dass die auch nicht ausreichen werden. Wir müssen das System hinterfragen, dass den Einsatz dieser Unsummen nötig macht – unser Schiff hat ein Loch. Wir werden es nicht mit immer schnelleren Ruderbewegungen stopfen.

Bevor wir uns jedoch in Bewegung setzen, um der egomanen Weltuntergangsbewegung Widerstand entgegen zu setzen, sollten wir uns an die Werte erinnern, die seit Jahrtausenden für jeden Siedler einer arbeitsteiligen Gesellschaft so selbstverständlich waren, dass kaum drüber geredet werden brauchte (obwohl man diese Werte zur Sicherheit als göttliche Gebote setzte … mehr oder weniger weltweit, doch das ist ein anderes Thema).

Nun wissen Sie, was uns in sichere, blühende Zukünfte führen kann: VVBGAZ. Jedenfalls – wenn wir nur egoman die Zukunft Deutschlands im Auge haben. International hört sich das anders an:

Trust/Vertrauen + Responsibility/Verantwortung + Endurance/Beständigkeit + Equivalence/Gleichwertigkeit + Exchange/Austausch + Cooperation/Zusammenarbeit.

TREEEC.

Hört sich besser an.

Versteht man weltweit … wie man auch die unabänderliche Gültigkeit dieser Werte anerkennen wird, die selbstverständlich für jede Dorfgemeinschaft sind … und jedes Wikingerboot.

Also … bleiben wir nun mit unserer Stammesgemeinschaft in der Höhle sitzen, starren auf die Schatten an der Wand und fürchten das Brüllen des ökonomischen, ökologischen oder politischen Ungeheuers vor der Tür … oder gehen wir zusammen als Team hinaus und erlegen das Vieh?

Und keine Sorge: Menschenleben sind dabei nicht in Gefahr. Vor der Tür lauern nur degenerierte unproduktive Werte, die verschwinden, wenn man nicht mehr an sie glaubt: Misstrauen, Verantwortungslosigkeit, Unbeständigkeit, zunehmende Ungleichheit, Wagenburgmentalität und der „Krieg aller gegen alle“ … der (streng nach Hobbes) uns wieder ganz direkt in die Zeiten der absoluten Monarchie zurückführen wird. Kein vernunftbegabtes Wesen würde sich nach einer Phase der ruhigen Besinnung für diese Unwerte sein Leben riskieren.

Für die anderen schon.

Und jetzt stelle man sich mal vor, wie der Handel die Welt verändern könnte (und die Lebensqualität aller Menschen), wenn diese Werte Grundlage jedes Wirtschaftens werden.

Da würde es nur noch Gewinner geben.

Schön, oder?

Jedenfalls besser als jetzt, wo 99 Prozent auf ganzer Front verlieren – so sehr, dass die ganze Menschheit kaum noch Zukunft sieht.

PS: auch heute gilt: eine abschließende Kontrolle der Rechtschreibung war mir aus zeitlichen Gründen nicht möglich. Wer hier mithelfen möchte – im Sinne von Vertrauen, Verantwortung, Beständigkeit, Gleichwertigkeit, Austausch und Zusammenarbeit ist herzlich eingeladen, sich zu beteiligen.

Band 1 - Die Herrscher der Welt und ihre Widersacher - Reiner Dammann

Deutschland zerbricht. Das schleichende und unnötige Ende einer großen Zivilisation

Donnerstag, 1. November 2012. Eifel.  Der reichste Mensch, den ich persönlich kennengelernt habe, war Mister Akihiko Otsuka. Ein feiner Kerl. Er hätte gerne ein eigenes Leben gehabt, aber wie viele reiche Erben war es ihm nie vergönnt, ein eigenes Leben zu haben. Ein paar Momente als langhaariger Hippie, dann holte der Reichtum ihn ein und das Leben war vorbei. Sein Vater hat einige feine Dinge getan, die nicht so renditeträchtig sind - zum Beispiel eine Luxushotelkette für seine Mitarbeiter gebaut, wo die für ganz wenig Geld einen Spitzenurlaub erleben können.  Mister Otsuka hatte selbst nie Zeit, über sein Leben selbst bestimmen zu können, er lebt das Leben seines Vaters und seines Großvaters sowie seine Kinder und Enkel sein Leben leben werden. Das ist so im goldenen Käfig des Reichtums: Freiheit gibt es da nicht, dafür aber das beständige Gefühl der Bedrohung - nur einmal ohne Unterhose auf dem Balkon gewesen und schon sieht das die ganze Welt. Ähnlich bespitzelt wie die Reichen werden bei uns nur Hartz-IV-Empfänger. Die ärmsten Menschen die ich kennengelernt habe lebten in Wellblechvorstädten von Johannesburg - eine der mordreichsten Städte der Welt. Schon die Mittelständler dort sind superarm, weil sie in kleinen Gefängnissen wohnen - hohe Mauern, Stacheldraht, Suchlichter: so etwas kennen wir nur aus dem Knast, nicht aber aus Wohngegenden der Mittelschicht. Die Armen lebten damals in hastig zusammengebauten Wellblechhütten, die regelmässig von Bulldozern der Regierung niedergewalzt wurden. Manchmal blieb auch einer von ihnen unter den Ketten liegen. Hartz IV wäre für die der Traum: man hätte Wasser, Strom, Milch, Mehl, Eier, Zucker, Obst ... was für ein unglaublicher Reichtum.  Und es passiert in Kreisen von Hartz IV nur höchst selten, das der Nachbar an der Bushaltestelle mal eben kurz aus purer Lust am Morden mit einer Fahrradspeiche erstochen wird - was jener Mensch, der mich durch Johannisburg geführt hat, erst Tags zuvor erleben durfte.

Donnerstag, 1. November 2012. Eifel.  Der reichste Mensch, den ich persönlich kennengelernt habe, war Mister Akihiko Otsuka. Ein feiner Kerl. Er hätte gerne ein eigenes Leben gehabt, aber wie viele reiche Erben war es ihm nie vergönnt, ein eigenes Leben zu haben. Ein paar Momente als langhaariger Hippie, dann holte der Reichtum ihn ein und das Leben war vorbei. Sein Vater hat einige feine Dinge getan, die nicht so renditeträchtig sind – zum Beispiel eine Luxushotelkette für seine Mitarbeiter gebaut, wo die für ganz wenig Geld einen Spitzenurlaub erleben können.  Mister Otsuka hatte selbst nie Zeit, über sein Leben selbst bestimmen zu können, er lebt das Leben seines Vaters und seines Großvaters sowie seine Kinder und Enkel sein Leben leben werden. Das ist so im goldenen Käfig des Reichtums: Freiheit gibt es da nicht, dafür aber das beständige Gefühl der Bedrohung – nur einmal ohne Unterhose auf dem Balkon gewesen und schon sieht das die ganze Welt. Ähnlich bespitzelt wie die Reichen werden bei uns nur Hartz-IV-Empfänger. Die ärmsten Menschen die ich kennengelernt habe lebten in Wellblechvorstädten von Johannesburg – eine der mordreichsten Städte der Welt. Schon die Mittelständler dort sind superarm, weil sie in kleinen Gefängnissen wohnen – hohe Mauern, Stacheldraht, Suchlichter: so etwas kennen wir nur aus dem Knast, nicht aber aus Wohngegenden der Mittelschicht. Die Armen lebten damals in hastig zusammengebauten Wellblechhütten, die regelmässig von Bulldozern der Regierung niedergewalzt wurden. Manchmal blieb auch einer von ihnen unter den Ketten liegen. Hartz IV wäre für die der Traum: man hätte Wasser, Strom, Milch, Mehl, Eier, Zucker, Obst … was für ein unglaublicher Reichtum.  Und es passiert in Kreisen von Hartz IV nur höchst selten, das der Nachbar an der Bushaltestelle mal eben kurz aus purer Lust am Morden mit einer Fahrradspeiche erstochen wird – was jener Mensch, der mich durch Johannisburg geführt hat, erst Tags zuvor erleben durfte.

Solche Erlebnisse gönne ich jedem Menschen. Sie halten einen dazu an, das richtige Maß für sein Leben zu finden, zu schätzen was man hat und etwas weiser im Urteil zu werden – auch im Urteil über das eigene Land. Unter solchen Eindrücken fällt es auch schwer, im bedingungslosen Grundeinkommen die Lösung aller Probleme zu sehen – denn worin unterscheidet sich eigentlich der Anspruch auf immer mehr Geld für sich selbst von dem Anspruch raffgieriger offener Immobilienfonds? Nun – keine Sorge: hier folgt jetzt keine Generalabrechnung mit diesem neuen Traum einer solidarischen Gesellschaft. Der Schritt hin zu einem Grundeinkommen ist alternativlos.  Bei vielen Menschen – wie zum Beispiel der japanischen Familie Otsuka – würde er auf offene Ohren stoßen. Dort gibt es Menschen, die gerne anderen die Freiheit gönnen, die sie selbst für sich nie hatten … deshalb aber sehr wertschätzen. Im Prinzip ist es doch genau das, weshalb wir als Menschheit Zivilisation, Stadt und Staat gegründet haben: damit es uns alle besser geht, damit wir nicht mehr wie Conan der Barbar allein durch die Welt laufen, beständig bedroht von Krankheit, Winter, Hunger oder Raubtieren, sondern geschützt von einer Gemeinschaft, die deutlich stärker ist als alle Conans des Landes zusammen. Mag der Teufel auch als „Herr der Welt“ Legionen von Dämonen ausschicken, um sich beständig neue Plagen auszudenken: wir als Menschheit werden locker damit fertig.

Sicher, es ginge noch besser. Schlimm wird es nämlich, wenn Menschen selbst zur Plage werden. Das wußte schon Aristoteles, der eine Herrschaft von Reichen als deutlich schlimmer empfand als die Herrschaft durch einen Tyrannen. Die Reichen – und das ist gerade ein sehr aktuelles Thema – sind der schlimmste Fluch einer Gemeinschaft, weil sie der Zivilisation, der Stadt und dem Staat alle Lebenskraft aus den Knochen saugen und immer stärker saugen, je fetter sie sind. Mister Akihiko Otsuka würde das verstehen – er ist ja auch Milliardär. Er kann sich solche nüchternen, funktionalen Gedanken leisten, zudem hatte er das Glück, das Vermögen vererbt zu bekommen. Die Armen in den Wellblechhütten verstehen das auch: sie erleben tagtäglich, welchen gesellschaftlichen Zustand wir in Deutschland bekommen, wenn die Reichen keiner aufhält – oder sie selbst nicht zur Vernunft kommen und sich wieder in die soziale Gemeinschaft eingliedern, anstatt sich hemmungslos ständig neue Tricks einfallen zu lassen, wie sie den Reichtum der Gemeinschaft in ihre privaten Schatullen lotsen können.

Dabei wäre Zeit für Vernunft. Nach Ansicht mancher Historiker ist die Geschichte ein beständiger Kampf der reichen Familien gegen den König – mehr nicht. Das funktioniert wie ein Zweitaktmotor: haben die reichen Familien den Staat wieder bis zur Neige ausgeplündert, kommt ein neuer Führer, der dem Volk Würde, Achtung und Respekt verspricht und die Ordnung wieder herstellen will. Indianer nennen das dann den „Kriegshäuptling“ – und weil es um Krieg geht, kann es immer nur eine einzelne Führerpersönlichkeit sein. Hat der seinen Job erledigt und ist gescheitert (was die immer tun, weshalb die Kriegshäuptlinge der Indianer nach Beendigung des Krieges ihre Macht wieder völlig abgaben und ins Privatleben zurückkehrten), kamen die Familien wieder an die Macht: sie versprachen Demokratie, Freiheit, Bürgerlichkeit – jedenfalls solange, wie es nötig war, die neuen Überversorgungsstrukturen wieder aufzubauen, die der König sich selbst angeeignet hatte.

In diesem Zirkus wäre ein Grundeinkommen ein gewaltiger Schritt nach vorn: es würde eine gewisse Menge an Volkseinkommen definieren, das unantastbar ist und sich auch jeglichen Tricks und Schlichen (oder „Geschäften“) der Reichen entzieht. Wir haben auch schon ein Grundeinkommen – deshalb will ich hier auch kein großes Geschrei dagegen hören. Wer sich da entblößt, hat noch nicht verstanden, das Hartz IV Grundeinkommen ist – allerdings momentan nur für Arbeitssklaven und Befehlsempfänger, was überhaupt nicht tolerierbar ist.  Erst recht ist es ein tödliches Machtinstrument in den Händen der Regierung – das ist nun mal mit Menschenrechten und Demokratie überhaupt nicht vereinbar.

Das interessiert jedoch die Reichen nicht. Fünfzig Jahre lang haben sie gezielt an dem großen Geldstaubsauger gebastelt, der ihnen die Milliarden in die Taschen spülen sollte und der läuft jetzt gerade auf Hochtouren. Wir müssen ja auch die Millionäre verstehen, die lange Zeit neidvoll die Tiraden der Milliardäre ertragen mussten, ebenso wie die Besserverdiener die Millionärseskapaden bestaunen durften oder der Mittelstand die SUV´s der Besserverdiener zu tolerieren gezwungen war, der Niedriglohnempfänger die landraubende Häuslebauerkultur des Mittelstands ohnmächtig ertragen sollte, wie die Sozialhilfeempfänger den Reichtum der Niedriglohnempfänger vor Augen geführt bekamen. Und alle wollen auf den Zug aufspringen, ein Wahn wie im Dritten Reich: damals war alles Glück der Welt vom Tod der Juden abhängig, heute soll immer mehr Geld alles richten.

Wer zahlt letztlich? Der Staat. Die Gemeinschaft, die in großem Umfang zerbricht. Finanziell sieht man es an den explosionsartig wachsenden Staatsschulden (was dazu führt, das Staatsdiener unbezahlten Zwangsurlaub nehmen müssen), menschlich an der zunehmenden Degeneration der zwischenmenschlichen Strukturen (was zu Überlegungen führt, kranke Alte ins ferne Ausland abzuschieben – ein sehr häßlicher Skandal, der seltsam wenig Aufmerksamkeit nach sich zieht – oder aber zu ersten Auflösungserscheinungen bei Krankenversicherungen, die sich dem Prinzip verschreiben, das auch die Arbeitslosenversicherung vorgelebt hat: viel kassieren, nichts leisten) und wirtschaftlich an der schlichten Tatsache, das man mit dem Geld auf den Bahamas in Deutschland  den Firmen die Luft abdreht, weil die auf ihren Waren sitzenbleiben. Sogar Mercedes und die sonst so boomende Computerbranche in Deutschland bekommen Probleme … die sie, um ihr Überleben zu sichern, auf die übliche Art lösen:

Der Computerzubehör-Hersteller ringt mit den sinkenden Absatzzahlen klassischer Rechner. Der Umsatz verfehlt die Erwartungen der Analysten. Immerhin klettert dank Sparmaßnahmen und Steuereffekten der Gewinn.

„Steuereffekte“ sind nichts weiter als ein schönes Wort für einen kräftigen Griff in die Gemeinschaftskasse – und „Sparmaßnahmen“ nichts weiter als ein Begriff für Entlassungen. Sogar die vom Steuerzahler mit phantastischen Beträgen geretteten Banken entlassen Zehntausende von Mitarbeitern, weil exorbitante Gewinne nur noch durch die Vernichtung von Leben und Lebensqualität zu erwirtschaften sind. Das Ende des deutschen Jobwunders – das sowieso nur ein Zwangsarbeits- und Niedrigstlohnwunder war – steht vor der Tür.

Schon jetzt erreichen uns die Warnungen der Geldhorter: Deutschland hat ein Problem mit schwachen Staatsfinanzen, unsicheren Börsen und kriselnden Banken. Wir wissen, was das heißt: Reformen müssen her, die kriselnden Immobilienfonds zerstören den Traum vom leistungslosem Einkommen für viele (mit großen finanziellen Verlusten), das darf nicht sein. Gleichzeitig werden aber Immobilien selbst immer unsicherer – eine kleine aber unangenehme Folge der Arbeit vieler dieser Fonds, die Preisblasen ohne Ende entstehen lassen und so die wichtigste Lebensgrundlage von Menschen zerstören: das Heim. Wir stehen dicht vor der Wellblechhütte als einzig bezahlbarer Alternative – und dicht davor, das der Hartz-Bagger die Hütte wegen ihren marktverzerrenden Eigenschaften wieder abreißt.

Wir wissen wo das Enden wird – logischerweise enden muss. Der König wird kommen, der neue Führer, der verspricht, das Volk vor den Wellblechhütten zu beschützen, die Arbeitslosen von der Straße zu holen und Gold vom Himmel regnen zu lassen. Wir wissen auch, aus welcher politischen Ecke der Führer in diesem Land der kleinen Mucker kommen wird – wir haben das alles schon mal durchgemacht. Die Reichen wissen das – und deshalb arbeiten sie mit Hochdruck an dem europäischen Superstaat, damit gezielter Widerstand aufgrund ethnischer Grenzen unmöglich wird … man schaut da einfach mal ´rüber zu den USA und lernt.

Währenddessen offenbart ein Bericht über die NPD, das die alles andere sind als der harmlose „Geschichte-von-Gestern“-Verein, als den man sie gerne darstellt. Im Gegenteil: taktisch und strategisch haben die dazugelernt und zeigen ziemlich intelligente Strukturen:

 „Unsere Kinderfeste bringen die Herrschenden ins Schwitzen und die Kinder und Eltern zum Lachen.“ 

Kinderfeste als Geheimwaffe der NPD – so weit sind wir schon. Das wirft ein schlimmes Bild auf unsere Gemeinschaft.

Je mehr der Staat sich aus der Gesellschaft zurückzieht, umso mehr werden die Anhänger des Führers das Volk übernehmen – Kinderfeste, Altenpflege, Krankenversorgung: die NPD kann schon jetzt mit Selbstverständlichkeiten punkten, während die Linken noch diskutieren, wer der beste, reinste Linke ist. Das einzige, was ihnen noch fehlt, ist ein neuer Führer, ein charismatischer Redner, ein politischer Saubermann, der aufräumen kann und will. Er wird nicht Hitler heißen – aber was heißt das schon. Er wird auch nicht der NPD zum Sieg verhelfen … aber die Massen hinter sich vereinen mit allen Folgen, die so etwas mit sich bringt: Uniformen, Aufmärsche, Fackelzüge, Verfolgung Andersdenkender, Vernichtung von „Staatsfeinden“, Abschaffung der bürgerlichen Gesetze – so ein Kriegshäuptling durfte noch nie zimperlich sein, wenn er die Macht der Reichen zerbrechen wollte. Insgeheim einigt man sich natürlich schnell – die neuen Volkskommissare/Gauleiter kriegen neue Pöstchen, der Geldadel protzt weniger herum und gibt was ab von seinem Reichtum, man einigt sich auf eine reiche Randgruppe als Feindbild, deren Vermögen hemmungslos geplündert werden darf – das letzte Mal waren es Juden, das nächste Mal werden es andere sein. Kann im Prinzip jeden treffen – außer den Superreichen, die wohnen woanders. Immer.

Wie ein Zweitaktmotor.

Und die Mittelschicht zahlt mal wieder die ganze Rechnung. Wie üblich … kommen die um ein paar Jahre in Wellblechhütten einfach nicht herum.

Gerade wir in Deutschland hätten eine Riesenchance gehabt, etwas ganz Neues zu gebären. Wir kennen den Horror des Dritten Reiches, wir kennen die lähmende Tristess des Kommunismus, wir haben die unterschiedlichen Zyklen der Geschichte im Detail erlebt – wahrscheinlich auch ein Grund, weshalb uns Politik immer weniger interessiert, weil wir das Versagen aller großer politischer Systeme am eigenen Leib erlebt haben.

Nur 1749 Wörter waren notwendig, um in groben Zügen den Verlauf der bisherigen und zukünftigen Geschichte zu skizzieren. Das haben viele andere auch schon getan. Noch weniger Worte braucht man, um eine Lösung zu präsentieren, die der gesamten Wirtschaft eine unglaubliche Dynamik verleihen würde: eine weltweite Strafgebühr fürs Geldhorten – inklusive der Einführung von zinslosen Banken ähnlich der schwedischen JAK-Banken, die seit 1965  produktiv mit zinslosen Darlehen wirtschaften. Würde man nicht fünf Prozent Zinsen dafür bekommen, das man wertvolles Tauschmittel auf fernen Inseln sinnlos hortet sondern müsste fünf Prozent Strafe dafür zahlen, das man das Geld dem Wirtschaftskreislauf entzieht – wir bräuchten uns keine Sorgen mehr zu machen. Arbeitsplätze wären in Massen da – denn lieber lasse ich mir drei mal täglich die Nägel maniküren anstatt mein Geld einfach sinnlos aus dem Fenster zu werfen. Geld – wäre auf einmal in Massen da … und jeder wäre froh, es loszuwerden. Dafür ist es aber auch da: zum Ausgeben. Nur so kommen Mercedes und Computer unter´s Volk.

Natürlich gibt es Risiken. Natürlich würde ein ganz neuer Wind durch das Land wehen und manch einem, der bislang auf dem Zinskissen vortrefflich geruht hat, wieder zur Arbeit motivieren. Leider sind dann für Banker, Politiker und Beamte nur Gehälter leicht unter dem Durchschnitt möglich, auch Manager müssten sich mit deutlich weniger zufrieden geben: ohne den Zinszirkus fehlt auch der ganze Druck im System. Wir hätten aber wieder Zeit für die Armen, Alten und Kranken in unserem Land und müssten nicht perverse Gedanken darüber hegen, wie wir sie möglichst preiswert im Ausland entsorgen können.

Warum das trotzdem nicht so kommen wird?

Einfach eine Frage der mangelnden Vernunft und Ethik im Volk. Ganz spannende Zeiten für Philosophen … und außerordentlich traurige Zeiten, denn das Ende dieser Zivilisation ist nicht alternativlos oder unvermeidbar. Faulheit, Dummheit und hemmungslose Egozentrik im Individuum – jahrzehntelang als Werte gepredigt, gewürdigt und gefeiert (einfach mal Programme von RTL anschauen, da geschieht das täglich), sind ursächlich verantwortlich für die Zerrüttung des Gemeinwesens. Wir verstehen das sofort, wenn wir das auf den Straßenverkehr übertragen: wenn es als richtig gelten würde, das für die schnellsten und stärksten Autos keine Regeln gelten und Mercedes immer eingebaute Vorfahrt hat … dann würden wir ganz schnell einen totalen Verkehrsinfarkt haben: die Blechlawine wäre Blechhaufen geworden.

Nur weil alle Individuen vernünftig, aufmerksam und der Situation angemessen reagieren, ist so etwas kompliziertes wie Straßenverkehr überhaupt lebbar.

Aber wir haben gezeigt, das wir es können. Wir tun es jeden Tag.

Das müssen wir jetzt nur noch wieder auf des Gemeinschaftsleben im Staat übertragen.

Oder wir übertragen wieder alle Macht dem Führer, damit der uns aus dem Mist herausholt. Wir können aber wissen, wie das wieder enden wird … wir hatten das schon mal. Mit ihm rechne ich zwei- drei Jahre nachdem die Discounter mangels Rendite die Tore geschlossen haben und man auch mit Geld in Deutschland keine Nahrungsmittel mehr bekommt. Zwanzig- dreissig Jahre später werden wir dann das Land wieder aus den Trümmern aufbauen und die großen „Unternehmerfamilien“ feiern, die uns angeblich den Wohlstand bringen, in Wirklichkeit aber nur erstmal sanftere Strukturen der Unterdrückung aufbauen – erst später werden diese Strukturen so unerträglich, das selbst ein Aristoteles den Schaden durch Tyrannen für geringer hält.

Daran sieht man, wie viele tausend Jahre das Problem schon besteht.

Selbstverständlich könnte man mit den Strafzinsen auch ein bedingungsloses Grundeinkommen erwirtschaften – für all´ jene, für die Aufgrund des Zahlungsmittelentzugs in der Volkswirtschaft kein Geld mehr da ist. Die können immerhin nichts dafür, das andere all das Vermögen der Gemeinschaft auf ihrem Privatkonto haben wollen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Arbeit ist Scheiße.

Arbeit ist Scheiße.

Mittwoch, 26.9.2012. Eifel. Die Verwendung von Kraftausdrücken in der deutschen Sprache ist weitgehend unerwünscht.  Sie widersprechen der natürlichen Vornehmheit des deutschen Menschen, der sich zivilisiert dünkt und dies gerne auch nach außen durch ein kontrolliertes Verhalten kundtut. Immerhin will man ja nicht mit den Plebs, dem Mob oder dem Pöbel gleichgestellt werden.  Letztere bilden die Mehrheit des Volkes. Oh – ich vergaß: der Mensch beginnt in Deutschland erst ab 1.000.000 Euro Barvermögen. Alles darunter ist „sozial schwach“. Es ist natürlich kein korrekter Gebrauch der deutschen Sprache, Menschen, die nur wenig Geld haben, gleich als sozial schwach zu bezeichnen. Sie können ja trotzdem liebevoll mit ihren Kindern umgehen, respektvoll ihre Eltern im Alter pflegen, einen hohen Grad an Hilfsbereitschaft innerhalb ihres sozialen Umfeldes bilden und ein angesehenes Mitglied der Gemeinde sein, wie es so schön heißt. Sie haben halt nur wenig Geld, so, wie es sich für gute Christen, die ins Himmelreich kommen wollen, halt geziemt. Gerade eine christliche Gesellschaft sollte der Armut deshalb einen gewissen Respekt zollen, kann sie doch Ausdruck sein für einen Ausbund an hohen Werten, die vielleicht sogar bewusst auf den Mammon verzichten.  Umso verstörender ist es, wenn eine sich zum Christentum bekennende Nation die zudem als Volk der Dichter und Denker galt im Gebrauch ihrer Worte so unschicklich ist – andererseits aber das gemeine Kraftwort, das ja bekanntermaßen auch den Emotionen Ausdruck verleihen soll,  so gering achten.  Wenden wir uns aber nun dem zentralen Thema zu, dem wir dieses Kraftwort gewidmet haben: der Arbeit.

Um Arbeit ranken sich viele Mythen und Legenden – die christliche Wertegemeinschaft hat sie sogar als Fluch verstanden. Ist halt nicht angenehm, bei Wind und Wetter den ganzen Tag auf dem Feld zu stehen, um die Ernte einzubringen. Nicht angenehm, aber notwendig. Und immerhin: man ist den ganzen Tag an der freien Luft, verbringt ganz viel Zeit mit seinen Kindern, seinen Freunden, seiner Frau, seiner Familie, Zeit, die die Arbeit doch sehr erträglich machen. Ausserdem hat man das Ziel der Arbeit ganz klar vor Augen: Nahrungsmittel gewinnen, die einem helfen, den Winter zu überstehen.  Gut, essen umsonst frei Haus wäre wahrscheinlich angenehmer, ist aber leider gerade nicht im Angebot. Diese Form von Arbeit ist heute für viele schon ein Traum – ein Traum vom guten Leben, denn was uns blüht, war noch um vieles schlimmer als der biblische Fluch.

Im 18. Jahrhundert begann eine Bewegung, die heute den gesamten Planeten in ihrer Gewalt hat: der Mensch emanzipierte sich von der Kirche, wurde sich seiner eigenen Kraft bewusst und fing an, Maschinen zu erschaffen. Die ersten waren noch primitiv, einfach und kamen ohne menschliche Hilfe überhaupt nicht aus. Darum brauchten Fabriken und Banken den Menschen. Viele Werber zogen übers Land, um die ständig unzufriedene Jugend in die Städte zu locken: dort gab es nackte Frauen, scharfen Schnaps, Essen im Überfluss, keine Regeln und keine nervigen Eltern … man musste nur eins werden mit der Maschine, jene Teile durch Fleisch ersetzen, die noch nicht Metall sein konnten. Natürlich hatten die Werber gelogen – zwar boten die Städte Unterhaltung im Übermaß, aber es gab dort auch Preise, die sich nur jene leisten konnten, die uneingeschränkten Zugriff auf das Geld hatten: Banker und Fabrikanten.

Der Rest der Geschichte ist bekannt. Die Maschinen wurden immer perfekter, der Mensch wurde immer überflüssiger.  Manche merkten das früh – die Weberaufstände bezeugen den ersten Widerstand gegen die Maschinen – oder den ersten Widerstand gegen die Folgen der Globalisierung. Später wurden sogar Revolutionen daraus – da die aber eher Kirchen niederrissen als Maschinen, änderte das an der Zerrüttung der menschlichen Gemeinschaft wenig. Gut – Arbeit wurde auf einmal Wert geschätzt, die übliche Einstellung der wirklich sozial Schwachen, das Arbeit Menschen schmutzig mache und ihrer nicht würdig sei, war schon bald veraltet: Arbeit wurde im dritten Reich sogar „geadelt“ – ein Begriff, der jenen Menschen eine besondere Bedeutung verleihen soll, die an sich nichts Besonderes aufweisen können: die ganze europäische Adelsklasse lebte gut von dem Schwindel. Bis ins späte zwanzigste Jahrhundert hinein hielt sich auch noch die Überzeugung, das man für Arbeit auch eine gewissen Entlohnung in Form von Geld bekam, die es auch jenen Menschen, die die ganzen Waren produzierten, erlaubte, ein wenig von der kunterbunten Warenwelt für sich zu behalten. Diese Überzeugung änderte sich jedoch im 21. Jahrhundert vollständig, die Maschinen waren inzwischen so perfekt, das man nur noch einen Bruchteil der Menschheit für die edle Arbeit hatte … und wie war diese Arbeit zu etwas völlig entmenschlichtem verkommen.

„Arbeit ist Scheiße“ – war die Überzeugung der ganzen zivilisierten Menschheit querbeet. Jeder wusste, das es für den Menschen als biologisches Wesen nicht natürlich ist, weit vor Sonnenaufgang aufzustehen, sich täglich einem mechanisch anmutenden Prozess (duschen, ankleiden, frühstücken, Zähne putzen, Bahn – oder Auto fahren) zu unterwerfen, der wider all seiner natürlichen Lebensgewohnheiten war. Im Anschluss an diesen Prozess war Käfighaltung vorgesehen: ein ständig wachsender Teil der Bevölkerung verbrachte einen Großteil des Tages in klimatisierten Räumen, abgeschottet vom natürlichen Licht, gehalten wie Legehennen und auch ausgestattet mit einer ähnlich geringen Bewegungsfreiheit. Selbst das übliche „arrangieren“ mit den Umständen gelang dank McKinsey nicht mehr: harmlos klingende „Zielvereinbarungen“ forderten gegen jede Vernunft eine jährliche Leistungssteigerung um 10 %. Jedem geistig klar denkenden Menschen ist klar, das so etwas bedeutet, das man in zehn Jahren für das gleiche Geld die doppelte Arbeit leisten musste – bei gleicher Arbeitszeit, was auch bedeuten kann, das momentan alle nur mit halber Kraft arbeiten.  Jedem geistig klar denkendem Menschen ist auch klar, das das nicht zu schaffen ist, das er irgendwann an dem mehr und mehr und mehr an Arbeit zerbrechen muss. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf einen weiteren Aspekt des Arbeitsalltages, den Umgang mit den Kollegen. Anders als früher, auf dem Feld, wo man den ganzen Tag im Kreise seiner Lieben verbringen durfte, war man jetzt nur mit Fremden zusammen – Fremden, die Feinde waren, darauf hofften, das der Nebenmann früher als man selbst ins Gras biss, weil das die eigene Zugehörigkeit zur Firma noch verlängerte.

Das führte zu eigenartigen Erscheinungen im Selektionsprozess, der selbst schon durch das firmeninterne Rating und Ranking unterträglich genug war: nun wurden auch Kleidung, Frisur, Körpergeruch und Maniküre beurteilt, was oft genug dazu führt, das Menschen miteinander im Bett landeten, die sich eigentlich „gar nicht riechen konnten“, das aber unter den Parfümwolken nicht erfahrbar war. Geld für das eigenen Leben, für das, was man wirklich für sich selbst brauchte, gab es immer weniger: man musste ja „den Anforderungen genügen“.

Zudem war natürlich allen klar, das Arbeit ein völliger Scheiß war: jeder, der nur ein bisschen Grips im Kopf hatte, investierte den um ihr zu entkommen. Ganz größenwahnsinnige Konstrukte wurden erschaffen, um sich mit Hilfe magisch anmutender mathematischer Formeln einen Reichtum auszurechnen, der einen selbst von der Arbeit befreite und die drei nächsten Generationen gleich mit. Nebenbei bemerkt war dieser Trend auch die Ursache für den Begriff „sozial schwach“ – denn jene Bewegung, die nichts anderes im Sinn hatte, als sich mit Hilfe vieler Tricks und Kniffe (meist: „Zinsen“ genannt – oder „Markt“) selbst unendlich auf Kosten anderer bereichern wollte, war in der Tat an der menschlichen Gemeinschaft überhaupt nicht mehr interessiert und galt zurecht als sozial schwach – clever, wie sie waren, haben sie dann den Begriff dann lieber schnell anderen umgehängt, bevor alle merkten, was gerade geschah.

Natürlich erzeugt ein solcher Zustand ein breites Unbehagen in der Bevölkerung, die Welt klärt aktuell darüber auf:

70 Prozent stimmten dabei sogar der Aussage zu: „Deutschland geht immer mehr den Bach runter.“

Sie kennen die Ursache für dieses Gefühl auch ganz gut:

Mehr als 60 Prozent befürchten, dass Deutschland zur Zwei-Klassen-Gesellschaft wird. Gleichzeitig fordern zwei Drittel, dem „allgemeinen Werteverfall“ den Kampf anzusagen.

Nun – dafür ist es wohl nun zu spät.  Durch die klaglose Akzeptanz eines jeden Arbeitsplatzes – sei er auch noch so gesundheitsgefährdend, nervtötend, lebenszeitraubend, langweilig oder völlig sinnentleert tun wir uns selbst Gewalt an – eine Gewalt, die man mit keinem Geld der Welt aufwiegen könnte – und erst recht nicht mit den aktuellen Mickerlöhnen. Wir vergewaltigen uns selbst, jeden Tag und mehrmals am Tag, um nur jenen heiligen Arbeitsplatz auszufüllen, der letztlich unsere Gesundheit ruiniert, unser Seele deformiert und unsere Psyche drangsaliert. Vergewaltigungsopfer sind aber keine guten Widerständler … sie ziehen sich abends schwer verletzt in ihre Wohnhöhle zurück und lassen sich von den immer dreister die Wirklichkeit verzerrenden Medien eine Welt vorgauckeln, die schon für ihre Eltern nicht mehr real war.  Noch schlimmer ist aber: wir nehmen den Vergewaltiger jeden Tag mit. Wir sind es ja selbst.

Dabei sehen wir wirklich, das Deutschland jeden Tag weiter den Bach heruntergeht. Nicht nur Deutschland – auch die Welt. Ein Blick in Auswüchse der westlichen Lebensgemeinschaft macht das deutlich: in Griechenland fordert die Troika jetzt „Massenentlassungen aus Prinzip“, 50 000 sollen es erstmal sein, die zusehen sollen, wie sie ohne Geld in einer Welt überleben, in der Geld=Essen ist (siehe Heise), da Griechenland aber ständig neuen Geldbedarf meldet (siehe Focus), dürften es bald mehr werden. Zunehmen dürfte auch der Abbau aller gesellschaftlichen Dienste – in Griechenland macht jetzt eine ganze Stadt zu (siehe deutsche Mittelstandsnachrichten), in den USA haben die ersten Städte kein Geld mehr für die Polizei (siehe deutsche Wirtschaftsnachrichten), dafür übertreffen die Selbstmorde dort jetzt die Anzahl der Verkehrstoten (siehe Gegenfrage).

Eine Zeit der Hochkonjunktur für Sozialrevolutionäre, möchte man meinen – aber nicht innerhalb eines Volkes von Vergewaltigern. Hierzu müssen erstmal Grundlagen geschaffen werden – und eine der wichtigsten Grundlagen ist die Erkenntnis, das Arbeit Scheiße ist (für dieses Kraftwort möchte ich mich gern sofort bei sensibleren Lesern entschuldigen, aber es ist hier einfach mal jenseits jeglicher guter Erziehung notwendig, Klartext zu reden).

Arbeit ist Scheiße. Das muss oberste Parole werden. Nicht arbeiten an sich – sondern DIE ARBEIT, die uns heute als solche verkauft wird, denn arbeiten: das tun wir jeden Tag. Spülen, kochen, Wäsche waschen, Betten machen, Eltern pflegen, Kinder erziehen, dem Nachbarn helfen, im Verein aktiv werden – sowas erledigen wir alle nebenbei: ohne Zeitdruck, ohne Leistungsdruck, ohne Anpassungsdruck und ohne Kündigungsdruck, oft sogar mit guter Laune weil begleitet von guter Musik, freundlichen Menschen und strahlendem Sonnenschein.

Arbeit ist Scheiße. Sie ist gesundheitsgefährdend, verhindert den gezielten Aufbau von Vermögen, das man aus Überschüssen der eigenen Arbeitskraft aufbaut (Überschüssen, mit denen andere gerade Kapital aufbauen), zerreißt die Familien, zerstört die ganze Sozialstruktur der menschlichen Gemeinschaft, was letztlich zur Erodierung des gesamten demokratischen Gemeinwesens führt – und zu enormen Kosten im sozialen Bereich.

Um das  zu erkennen, muss man das aber einfach mal mutig formulieren: Arbeit ist Scheiße.

Durch ARBEIT dringt der FEIND ins LEBEN – darum mal ein Hoch auf jene Menschen, die freiwillig in Hartz IV gehen, um dem Feind zu entfliehen. Einen davon habe ich jetzt kennengelernt – und ich möchte ihn nur kurz anonym zitieren (anonym, damit er nicht verfolgt wird wegen seiner Lebensphilosophie – ich denke, dieser Schritt ist in Deutschland 2012 notwendig):

Ich war z.B. freiwillig H4. Das war mir alle male lieber als mich unter Idioten in idiotische Strukturen einzuordnen, da kannst nicht genug Geld bekommen um den Lebensverlust nur andeutend auszugleichen …

Es waren mal schöne Zeiten als Politiker und Gewerkschafter solche Wahrheiten offen aussprechen konnten – lang ist´s her.

Und ein Hoch auf jene Menschen, die die Arbeit fliehen, um arbeiten zu gehen: zwei kann man da gerade auf ihrer mühsamen Reise durch Mexiko begleiten, zwei deutsche Frauen Mitte vierzig (also jenes Alter, wo das Verfallsdatum für den Arbeitssklavenmarkt schon weit überschritten wurde), die einfach ihre Sachen gepackt haben und nach Mexiko gezogen sind: Güeras in Mexiko lautet der Blog, in dem sie regelmäßig über ihre Abenteuer berichten … jedenfalls so lange der Computer nicht geklaut wird. Aktuell sind sie – soweit der Redaktion bekannt ist – in Peru und arbeiten dort: pflanzen für eine bessere, nachhaltigere, gerechtere Welt – Plan Verde genannt. Ich habe mal gefragt, warum sie das gemacht haben. Die Antwort fand ich … beeindruckend:

Wir möchten andere Formen des Zusammenlebens leben, wo nicht ständig nur das „Gesetz des Stärkeren“ regiert. 

Weiß eigentlich noch einer, das diese Form des Zusammenlebens unsere ureigenste menschliche Form ist? Deshalb haben wir Stadt und Staat gegründet, um dem Recht des Stärkeren zu entkommen – und jetzt dulden wir es mitten unter uns, nur weil es durch Arbeitszwang bzw. Geld ausgeübt wird?

Natürlich können nicht alle auswandern – für viele wird das jedoch die einzige Chance auf ein selbstbestimmtes Leben in sozialer Verantwortung sein, die sie in ihrem Leben noch kriegen können, denn in Deutschland – das sehen ja auch die Meisten so – geht es beständig bergab.  Wir könnten uns aber auch einfach erstmal hinsetzen, und die Wurzel des Übels beim Namen nennen:

Arbeit ist Scheiße!

PS: Die Frauen auf der Flucht vor dem Gesetz des Stärkeren kann man im Übrigen untersützen: sie haben viel gearbeitet, um in einem eigens eingerichteten Shop eine Vielzahl von Produkten anzubieten, die ihren besonderen Reiz dadurch bekommen, das sie Teil eines Abenteuers sind. Ist doch bald Weihnachten – da sucht man doch immer etwas ganz besonderes.

Mir fehlt noch das T-Shirt mit dem Aufdruck Arbeit ist Scheiße – aber man kann ja nicht alles haben. Bei dem Wort Arbeit hätte ich gerne das Arbeitsamts-A, damit auch alle wissen, was gemeint ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sozial ist, was Arbeit schafft – und gelb ist, was dick macht. Die Erde als Scheibe.

Dienstag, 24.7.2012. Eifel. Das Leben ist schön, oder? Wie toll ist es doch, in einer Welt zu leben, die einfach perfekt ist. Jedenfalls … wenn man die Gelegenheit hat, einfach leicht bekleidet in freier Natur in der Sonne liegen zu können, fern vom Lärm und Getobe der Zivilisation. Nun ist der Eindruck der Perfektion natürlich relativ: als biologische Einheiten müssen wir perfekt angepasst sein, um überleben zu können – das gilt für uns Menschen wie für alle Lebewesen … und diese Fähigkeit zur Anpassung zeichnet uns aus … im ganz groben gesehen. Wir als Menschen können aber noch mehr – viel mehr. Als soziale Wesen konnten wir unsere Kräfte vereinen und den Spieß einfach mal umdrehen: wir passten uns unsere Umwelt an. Im Prinzip ein guter Schritt, ein mutiger Schritt – und vielleicht sogar der Schritt, den die Natur (also: das perfekte harmonische System, in dem die Menschheit eingebettet ist) mit dem Experiment Mensch einmal ausprobieren wollte. Schnell wäre man geneigt, religiös zu werden und den Menschen als schöpferischen Sohn Gottes zu betrachten, würde dieser Sohnemann nicht Sätze voller vollendeter Idiotie von sie geben wie den Satz: SOZIAL IST, WAS ARBEIT SCHAFFT.

Sicher haben Sie den Satz schon mal gehört? Seit Jahrzehnten gärt er im Deutschen Volk und gilt als Entschuldigung dafür, das man jetzt mal richtig die Sau ´rauslassen kann, so richtig asozial werden kann, Kinder, Arme, Alte und Kranke hungern lassen kann weil sie selbst dann am Sozialen nicht teilhaben können, wenn irgendwer Arbeit geschaffen hat. Insofern wäre Kinderarbeit in diesem System sogar begrüßenswert … und es arbeiten ja auch immer mehr Kinder, gerade aus „verhartzten“ Familien. Auch die Arbeit von Alten wird wieder geschätzt, die Phantasien der Machthaber bei der Verlegung des Renteneintrittsalters finden keine Grenzen mehr. Sieht man den Krankenstand der Deutschen, so weiß man, das die auch krank arbeiten gehen: Grundprinzipien des sozialen Miteinanders, die bei den „Wilden“ in Amerika, Afrika und Australien noch selbstverständlich waren, werden hier handstreichartig ausser Kraft gesetzt.

So verstehen wir schon, das wir uns als „zivilisierte Menschen“ unverhofft in einer historischen Phase unglaublicher Degeneration befinden, die alle Träume von „Fortschritt“ im Handstreich zunichte macht. Deutschland hatte 1933 – 1945 die unglaubliche Ehre, die Vorpremiere der Aufführung eines ganz neuen Stückes vollendeter menschlicher Degeneration zu erleben und man ging mit diesem Zeitabschnitt lange so um, als wäre sie nur ein Ausrutscher gewesen, eine historische Peinlichkeit, über die man gerne den Mantel des betroffenen Schweigens deckt, damit niemand mehr erkennen konnte, wie aus dem Volk der Dichter und Denker das Volk der Richter und Henker gemacht wurde – und woher das Geld dafür kam.

Nachher würde man sehen, das man des Experiment gerade global wiederholen möchte. Gut – mit diesem „man“ bin ich nun bekennender Verschwörungstheoretiker und werde auch nichts anderes sein können, weil ich davon ausgehe, das politische Entscheidungen nicht mit Orakelkugeln, I-Ging und Tarotkarten gefällt werden sondern Ergebnis von gründlicher Überlegung, Berechnung und Kalkül sind. Ebenso gehe ich davon aus, das Kampagnen wie die „Sozial-ist-was-Arbeit-schafft“-Kampagne nicht vom gelangweilten Praktikanten auf dem Klo entdeckt wurden sondern das Ergebnis ausgeklügelter Strategie und Überlegung sind, hinter der Menschen mit Intelligenz und Bildung stecken … und den fiesen Absichten der hemmungslosen Selbstbereicherung, an denen die Demokratie und die Wirtschaft letztlich zugrunde geht, weil wir noch wesentlich mehr nutzlose Luxusesser mit durchziehen müssen als noch zu Zeiten des Feudalismus – und wenn wir nicht endlich anfangen, auch über ein demokratieverträgliches Höchsteinkommen zu reden, dann kriegen wir den Feudalismus komplett wieder – nur mit noch mehr Prinzen.

Doch bleiben wir erstmal bei unserem Satz „Sozial ist, was Arbeit schafft“, bevor ich wieder zu weit aushole. Betrachten wir einfach diesen Satz mal nüchtern und unvoreingenommen – und holen uns bei seiner Betrachtung Hilfe von den Medien, dem Spiegel zum Beispiel.

Um Präsident Baschar al-Assad in Syrien zu stürzen, bekommen die Aufständischen offenbar massive Hilfe aus dem Ausland. Frühere Mitglieder der britischen Spezialeinheit SAS bildeten die Rebellen aus, berichten die „Daily Mail“ und der „Daily Express“. Die beiden Zeitungen berufen sich dabei auf ein ungenanntes britisches Armeemitglied.

Ich weiß, diese Nachricht ist nebenbei die Bestätigung für die Theorie, das die Unruhen in Nordafrika extern gesteuert werden, ich weiß aber auch, das solche Wahrheiten mit dem Bannspruch „Verschwörungstheorie“ als tabu gebrandmarkt worden sind wie ehedem das Wissen darum, das die Erde keine Scheibe ist. Mir geht es auch nur darum, diese Nachricht in Verbindung mit unserem neoliberalen Leitsatz zu bringen und festzustellen: Ja, Krieg ist enorm sozial – einfach mal darüber nachdenken, wieviel da kaputt geht und nachher von deutschen Firmen wieder aufgebaut werden kann. Da wird eine Menge Arbeit geschaffen – also ist es sozial.

Was müssen sich Lybier, Tunesier, Ägypter und Syrier gerade freuen, von den Afghanen, Irakern und (bald) Iranern ganz zu schweigen. Der von Nostradamus prophezeite Krieg gegen den Islam (bei diesem Gedanken lachten politische Gebildete in den siebziger Jahren noch laut los: Krieg von demokratischen Staaten gegen soziale Religionen ist ja auch ein ziemlicher irrer Gedanke) ist in vollem Gang und produzierte Arbeitsplätze ohne Grenzen – auch bei der heimischen Waffenindustrie.

Doch fort vom sozialen Krieg, hin zu einem ganz anderen Thema, gefunden bei der Welt:

Im europäischen Vergleich hat die Qualität des deutschen Gesundheitssystems stark nachgelassen. Krankenhäuser stehen im Verdacht, mit Behandlungen verdienen zu wollen, die auch zu Hause möglich wären.

Deutschland war vor wenigen Wochen beim Euro Health Consumer Index (EHCI) von Rang 6 auf Rang 14 abgerutscht. Die Bundesrepublik liege im Ranking von 34 Gesundheitssystemen nun auf dem gleichen Niveau wie Irland und Tschechien

Für unsere Gesundheit zahlen wir den Preis eines noblen Sportwagens. bekommen dafür einen Trabant und sollen auch noch super dankbar dafür sein.

Wenn alljährlich die Nutzviehmedien aufschreien, das „jeder dritte Euro für Soziales“ draufgeht (was nebenbei fälschlicherweise ganz schnell den Arbeitslosen angehängt wird), so trägt dies der Tatsache Rechnung, das wir uns dieses System ohne Nutzen extrem viel Kosten lassen, siehe Wikipedia:

Im Vergleich der Gesundheitsausgaben in den OECD-Ländern lag Deutschland 2006 mit einem Anteil von 10,6 % des BIP an vierter Stelle. Das deutsche Gesundheitssystem ist damit eines der teuersten der Welt. Die öffentliche Hand trug 77 % dieser Kosten (OECD-Durchschnitt: 73 %). Auch die Personaldichte ist in Deutschland überdurchschnittlich hoch. 2006 kamen auf 1000 Einwohner 3,5 niedergelassene Ärzte und 9,8 Krankenpfleger, verglichen mit 3,1 Ärzten und 9,7 Krankenpflegern im OECD-Durchschnitt.

Im Jahr 2007 arbeiteten 4,4 Millionen Menschen in der Gesundheitswirtschaft. Das waren etwa 10 % aller Beschäftigten in Deutschland. Im Jahr 2008 waren es 76.000 Beschäftigte mehr als im Vorjahr.

Krankheit ist – wie man sieht – sehr sozial, weil sie enorm viel Arbeit schafft. Gesundheit nicht so, weshalb ja auch 10% der deutschen Beschäftigten auf Staatskosten „behandeln“ anstatt heilen. „Heilen“ … ist auch ein aussterbender Begriff. Er gefährdet direkt die Interessen der Krankheitsindustrie, die man bei uns ironischerweise „Gesundheitswesen“ nennt – und zu dem die Süddeutsche letztes Jahr einen passenden Artikel verfasst hat:

Was darf’s sein: Alzheimer, weibliche Unlust, Depression, Prä-Diabetes oder doch nur Cellulite? Diagnosen sind für alle da. Die Medizinwirtschaft ist darauf angewiesen, ständig neue Krankheiten zu erfinden oder bestehende Leiden auszuweiten. Gesund ist das ganz sicher nicht.

Aber erfundene Krankheiten, künstlich verlängerte Krankheiten oder auch beruflich gezüchtete Krankheiten sind bei uns als sehr sozial definiert: sie schaffen Arbeit, weshalb Kritik am deutschen Krankheitsförderwesen ebenso tabu ist wie die Unterstellung, die gesellschaftlichen Machthaber würden mit Intelligenz und Überlegung Entscheidungen treffen.

Sicher würfeln die nur – nun, manchmal wirkt das in der Tat so.

Kommen wir zum letzten Punkt der Betrachtung unseres neoliberalen Leitsatzes, fort von Krieg und Krankheit, hin zur Wirtschaft. Vielleicht macht der Satz wenigstens dort Sinn, das wäre zu hoffen, denn laut Handelsblatt kommen schlimme Zeiten auf Deutschland zu: ein neuer Paukenschlag der ökonomischen Sterndeuter der aktuellen Machthaber weckt Deutschland aus seinem Dornröschenschlaf auf:

Die US-Ratingagentur hat den Ausblick auf die Kreditwürdigkeit Deutschlands am Montagabend nach US-Börsenschluss von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt. Grund: die wachsenden Belastungen des Landes in der Euro-Krise und die Unsicherheit über den weiteren Verlauf.

Für Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble sind düstere Prognosen der drei großen Ratingagenturen nichts Ungewöhnliches. Doch das Moody’s-Urteil stellt eine neue Dimension dar. Es ist eine Warnung, dass auf mittlere Sicht eine Herabstufung der Bonität Deutschlands droht, sollte sich die Lage weiter verschlechtern. Dies könnte dann höhere Zinsen bei der Refinanzierung und einen erheblichen Imageschaden bedeuten.

Das heißt für uns: griechische Verhältnisse. Massenarbeitslosigkeit, Hunger, steigende Kindersterblichkeit – all das, was sich hinter der freundlichen Formulierung „drastische Sparmaßnahmen“ verbirgt.  Ist das nun sozial, fragen wir uns?

Na klar.

Dank der Krise gibt es viele neue zusätzliche Prinzenjobs im finanziellen Halbgottbereich: ESM macht es möglich. Keine Frage, das kollabierende Kinder in Griechenland, Massenarbeitslosigkeit und Obdachlosigkeit im Sinne unseres Leitsatzes als sehr sozial angesehen werden, wenn nur … neue Prinzenjobs damit geschaffen werden. So gibt es immer mehr Armut, immer mehr Krieg, Hunger und Krankheit dank eines einzigen Leitsatzes, der ungefähr so sinnig ist wie der Leitsatz „Gelb ist, was dick macht“ … ein Satz, der wie der neoliberale Leitsatz nur dann wirklich Sinn macht, wenn man ihn in einen ganz eng begrenzten Zusammenhang stellt und mit einer gelben McDonalds-Reklametafel verbindet.

Außerhalb dieses engen Zusammenhanges ist der Satz ein ebensolcher Blödsinn wie die Behauptung das die Erde eine Scheibe ist.

Was aber beiden Sätzen auf jeden Fall innewohnt, ist ein Ausblick auf den geistigen Horizont der Verfasser solcher absurden „Wahrheiten“: sie sind entweder grenzenlos dämlich – oder grenzenlos verschlagen.

Zurück nun zu meinem beschaulichen Liegestuhl in meinem kleinen Eifelparadies, das – noch – meine Heimat ist. Hier erlebe ich Harmonie, Perfektion, Frieden und Ruhe, wo sich –  fern von allem politischem Alltagschrecken und kleingeistigem Tabuterror ein weiterer Gedanke bildet:

wo Krieg sozial ist, Krankheit sozial ist, Hunger sozial ist, da erhebt eine greuliche Kultur ihr grässlich degeneriertes Haupt, die wirklich gar nichts Soziales mehr an sich hat, die aber durch Verherrlichung von Krieg, Hunger und Krankheit als Arbeitsplatzbeschaffer eine neue Religion zelebriert, die ganz alte Wurzeln hat: die Zelebrierung des Kultes der Apokalyptischen Reiter der „Offenbarung des Johannes“.

Und auf einmal ist man wirklich wieder bei den Zeiten angelangt, bei denen die Erde wieder nichts weiter als eine Scheibe sein durfte: im finstersten Mittelalter. Man denke nur, das heute jemand kurz entschlossen die Kugelhaftigkeit der Erde auf den Index setzen würde (das geht leicht, wenn man diese Tatsache mit der Brandmarke „Verschwörungstheorie“ versieht, die jedes nüchterne Nachdenken über Alternativen zur Regierungsmeinung verbietet): schon morgen würde man sich unwohl fühlen, weil im Kinderzimmer noch ein Globus steht.

Und so – aus dem Paradies zwischen grüner Umwelt, blauem Himmel und strahlender Sonne (einem Paradies, das nahezu weltweit kostenfrei zur Verfügung steht, aber zunehmend von der Bauindustrie zubetoniert und von der Urlaubsindustrie zugelärmt wird) betrachtet, wird die „zivilisierte“  Menschheit zu einem kopflosen Haufen Ameisen, die fleissig dran arbeiten, altertümliche Prophezeiungen von apokalyptischen Reitern der Endzeit Wirklichkeit werden zu lassen.

Nicht mehr lange, und die Erde wird wieder zur Scheibe.

Der gebetsartig rituell vorgebrachte idiotische Satz „Sozial ist, was Arbeit schafft“ deutet auf jeden Fall schon darauf hin, das wir hinreichend geistigen Verfall vorzuweisen haben (oder gemeinste Bosheit, wenn man sich den Gedanken an Verschwörungen zum Zwecke der Bonusmehrung nicht verbieten lassen möchte), das solche mittelalterliche Wahrheiten bald wieder per Dekret erlassen werden können.

Wem das noch zu wenig ist, der wende doch einfach den Satz mal auf andere Themengebiete an: Prostitution, Drogenhandel, Menschenhandel, Raub, Mord, Vergewaltigung – er passt immer.

Nur die Welt, die er mit aufbaut, ist das konkrete Gegenteil jenes Paradieses, das der Mensch sich hätte schaffen können – und mein Garten zeigt, das solche Paradiese möglich sind.

Sie wachsen sogar ganz umsonst.

Noch.

 

 

Europa wird Wildnis – meteorologisch, historisch, wirtschaftlich und zivilisatorisch … siehe „Spiegel-Online“.

Sonntag, 15.7.2012. Eifel. Freuen Sie sich auch so über das Wetter? Wir hatten jetzt sieben Tage Regenwetter. Wie es aussieht, kommen noch ein paar Wochen dazu. Man fragt sich, ob der Himmel nicht irgendwann leer sein muss. Wo kommt eigentlich das ganze Wasser her – und wer erfindet eigentlich die Worte, die diese Zustände als „normal“ verkaufen sollen.  Damit meine ich die deutsche „Gewitterzeit“, über die gerade in den Medien gesprochen wird.  Kannte man das früher schon? Gibt es historische Eintragungen über die Regenzeit in Deutschland, die dem indischen Monsun entspricht – oder die deutsche „Gewitterzeit“, wegen der Blitzforscher aus aller Welt anreisen? Warum redet eigentlich in der „Tagesschau“ kein Mensch darüber, das in der Eifel die Kirschbäume schon ihre Blätter verlieren und die Äpfel nur noch einen Durchmesser von zwei Zentimetern erreichen? Normal scheint dieses Wetter nicht – aber es begleitet sehr schön die historischen Verwerfungen, die auch nicht normal sind, aber von den Medien so verkauft werden. Schauen wir uns zum Beispiel mal den aktuellen Stand von tödlichen Verschwörungen an, über den die Medien so berichten, ohne sie zu benennen:

Da schreibt der Spiegel zum Beispiel über einen „geheimen Wüstenkrieg“ der USA.  Wir brauchen den Artikel gar nicht weiter zu lesen, um gleich zu sagen: so etwas darf nicht sein. Bürgerliche Zivilisationen, die sich an Menschenrechten orientieren, führen keine „geheimen Kriege“. Kriege werden – seit über einhundert Jahren schon – offiziell erklärt und nach den eingeübten Regeln der Genfer Konvention geführt. Niemand würde in einer zivilisierten stabilen Demokratie auch nur auf die Idee kommen, geheime Kriege in der Welt zu führen. Das würde allen Regeln demokratischer Bürgerlichkeit wiedersprechen, nur hinterhältige, verlogene brutale Diktatoren würden so etwas machen – wie die in Lybien, Syrien, dem Iran, Irak oder Nordkorea. Ein Land, das geheime Kriege führt, würde man zurecht als völlig dekadente und gemeingefährliche Bedrohung für den Weltfrieden ansehen, als Hort des Terrorismus und Feind der Menschheit.

Darum mag ich solche Artikel auch gar nicht lesen … denn sie dürften eigentlich gar nicht sein.

Sie sind aber doch da … und behaupten Ungeheuerliches, das ich der Sorgfalt zuliebe mal wörtlich zitieren möchte:

Die USA scheinen ihre Bemühungen in Afrika im vergangenen Jahr massiv ausgeweitet zu haben. Sie gehen dabei anders vor als im Irak oder in Afghanistan. In Afrika übt Washington die Kriegsführung der Zukunft: Man könnte das Konzept je nach Sichtweise „regionale Lösungen für regionale Probleme“ nennen – oder „Schattenkrieg per Stellvertreter“.

Glauben Sie das? Wenn ja – sind Sie ein Verschwörungstheoretiker. Schauen Sie sich an, was da weiterhin behauptet wird:

In der Praxis sieht die Arbeitsteilung so aus: An der Front kämpfen Afrikaner. In Somalia etwa macht eine Mission der Afrikanischen Union Jagd auf al-Schabab – die Soldaten werden von Ländern der Region entsandt. Die USA unterstützen die Afrikaner mit Schulungen und mit kleinen Teams von Spezialeinheiten, die als Militärberater fungieren, wie bei der Jagd auf Joseph Kony.

Zudem liefert Washington seinen afrikanischen Partnern Erkenntnisse aus der Luft. 

Da läuft einer kleiner Weltkrieg vor unseren Augen ab – sprachlich verschleiert. „Schattenkrieg per Stellvertreter“ beschreibt die Rückkehr alter Söldnerhorden oder spätrömischer „Hilfstruppen“, mit deren Hilfe man ein scheinbar unbesiegbares Weltreich aufbaute.

Wer nun sagt: das ist alles weit weg und wird uns nie erreichen der schaue bitte nach London. Auch dort manifestiert sich Ungeheuerliches – wie der Weltkrieg in Afrika unter dem Siegel des „Kampfes gegen den Terror“, der inzwischen nichts anderes ist als Terror gegen Zivilisten. Lesen wir doch nochmal den „Spiegel“ zu dem Thema:

Londons Luftraum wird zur „No-Fly-Area“: Ab dem Wochenende gilt eine Sperrzone über der britischen Hauptstadt – zum Schutz vor Anschlägen. Verstöße werden hart geahndet: Kampfjets, Hubschrauber und Scharfschützen stehen bereit. Sie dürfen ausdrücklich „tödliche Gewalt“ einsetzen.

17000 Soldaten werden in London eingesetzt, ein beispielloser Einsatz militärischer Macht … für „Sport“.  Im Falklandkrieg wurden gerade mal 9000 britische Soldaten in den Südatlantik verschifft (siehe Wikipedia) um dort für die Rückeroberung der Inseln von Argentinien zu sorgen (es existieren zu dem Thema auch andere Zahlen, nebenbei bemerkt – die sich aber trotzdem mit dem Londoner Aufgebot messen können).

Welche überlegene Großmacht greift also jetzt London an?

Die Gespensterarmee von Al Kaida, die bislang (offiziell!) nur für einen Bruchteil der Toten verantwortlich ist, die in den letzten Jahren im „Kampf gegen den Terror“ ihr Leben lassen mußten.

Trotzdem wird uns die massive Präsenz des Militärs als „normal“ verkauft – wie auch das Wetter oder die „geheimen Kriege“.  Wie schön und friedlich war doch die Welt noch, als es den „kalten Krieg“ gab und der ganze Planet jederzeit in einem nuklearen Holocaust verdampfen konnte: da konnte man noch zu olympischen Spielen reisen, ohne ständig die Visiere der Scharfschützen im Nacken zu haben.

„Normal“ ist auch die in Südeuropa beginnende Vernichtung der demokratischen sozialen Zivilisation, die bezeichnenderweise zuerst das Mutterland der Demokratie, Griechenland, betrifft. Wir haben Griechenland ja „gerettet“ – und fürchten uns deshalb aktuell selbst vor der Pleite. Weil die Griechen gerettet sind, geht es ihnen auch gerade gut: um 50% ist das durchschnittliche Grundeinkommen gesunken (siehe Spiegel). Das ist den „Rettern“ Griechenlands aber immer noch zu wenig – man will wohl noch mehr Leichen auf den Straßen sehen, bis man überzeugt ist, das sich das griechische Volk seine Rettung auch ordentlich verdient hat.

Vor dem  Hintergrund wird auf einmal verständlich, warum die Nato in London die hermetische Abschirmung eines Ballungsraumes übt. Möglicherweise sind die dort gewonnenen Erkenntnis bald sehr hilfreich, wenn man die Ballungszentren von Schuldnernländern abschirmen will.

Undenkbar?

Ja, das sind „geheime Kriege“ auch – und über das Ausmaß der Pläne, die hinter den „geheimen Kriegen“ stecken, können wir nur spekulieren … dürfen es aber nicht, weil der „Herr der Welt“ – der US-Präsident (damals dargestellt von George W. Bush) – verboten hat, über die geheimen Pläne seiner Regierung zu spekulieren – siehe Gegenstandpunkt:

„Wir müssen die Wahrheit über den Terror aussprechen. Lasst uns niemals frevelhafte Verschwörungstheorien in Zusammenhang mit den Anschlägen des 11. September tolerieren, boshafte Lügen, die bezwecken, die Schuld von den Terroristen selbst abzulenken, weg von den Schuldigen.“(Georg W. Bush, Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen, 10.11. 2001)

Die Wahrheit wird seitdem von der US-Regierung diktiert und weltweit dankbar aufgenommen.

Die Auswirkungen dieser Haltung wird auch vom Spiegel erkannt: Georg Diez zitiert hier einige denkwürdige Momente in einem Artikel über die Tagesschau und fordert Unglaubliches:

Warum dürfen dort nicht all die Praktikanten und die Redakteure, die noch nicht so verbraucht sind vom Alltag in den Sendeanstalten, die eine Sprache verwenden, die noch nicht tetraverpackt ist, warum dürfen die nicht mit ein paar Millionen der GEZ-Milliarden eine Nachrichtensendung machen, die so ist wie die Krise, über die sie berichten: überraschend, krass, verunsichernd, polarisierend, meinungsstark, subjektiv. Mit anderen Stimmen, weniger Katastrophen, mehr echten, bleibenden Veränderungen, gern auch mal aufrüttelnd, positiv, vorwärtsgedacht.

Die Antwort auf die Frage ist einfach: weil der Herr der Welt zur Vertuschung seiner geheimen Kriege (auch seiner geheimen Wirtschaftskriege gegen den Euro) befohlen hat, das so etwas zu unterbleiben hat. Und weil die Journalisten hier versagen, blühen zuhauf Online-Formate wie das unserige, die genau das machen, was Georg Diez fordert … allerdings unentgeldlich und unter großen persönlichen Risiken und Entbehrungen.

Wir treiben die Verunsicherung sogar noch weiter und malen das Ende der Welt wie wir sie kennen an die Wand – und dafür müssen wir nur weiter den Spiegel zitieren – oder aus dem Fenster schauen, wo wir die europäischen Extremwetterlagen (die es auch weltweit gibt – siehe Spiegel) mit eigenen Augen sehen können – aus dem zivilisierten, gemäßigten mitteleuropäischem Klima ist etwas ganz anderes geworden … und geht nur noch ein wenig mehr fehl, dann war es das mit unserer europäischen Zivilisation: siehe Spiegel:

Bei der Agentur Storm Analysis Consultants analysiert John Kappenman die Auswirkungen des Weltraumwetters auf das Stromnetz. Nach seiner Einschätzung würde ein Sonnensturm wie im Mai 1921 – einer der stärksten im 20. Jahrhundert – heute die Lichter in halb Nordamerika ausgehen lassen.

Ein zweites Carrington-Ereignis wie jenes von 1859 könnte das gesamte Netz lahmlegen und viele hundert Millionen Menschen auf Wochen oder gar Monate zurück in eine vorindustrielle Lebensweise katapultieren. Aber wann so ein Sturm ausbricht, kann niemand sagen. Oder, wie Kappenman es formuliert: „Wir spielen russisches Roulette mit der Sonne.“

Wir erleben gerade einen heftigen Sonnensturm, weitere sollen kommen. Vielleicht wird der Zusammenbruch des Euro ja auch von einem Supersturm begleitet, der Europa auch industriell in die Steinzeit katapulitert – nicht nur historisch und zivilisatorisch.

Der einzige Trost der uns dann bleibt stammt von Häuptling Luther Standing Bear von den Oglalla-Sioux:

Für uns waren die großen weiten Prärien, die sanft gewellten Hügel und die sich schlängelnden Flüsse mit wirren Ufergestrüpp nicht „wild“. Nur für den Weißen Mann war die Natur eine „Wildnis“. Er fürchtete sich vor den „wilden“ Tieren und verachtete die „rohen“ Menschen. Uns war das Land vertraut wie ein Freund. Die Erde war freigiebig und wir lebten ohne Sorge von den Segnungen des Großen Geheimnisses. Erst als der beharrte Mann aus dem Osten kam, lernten wir, was Rohheit und Wildheit bedeuteten. Erst durch ihn erfuhren unsere Familien, die wir liebten, Ungerechtigkeit und Gewalt. Als sogar die Tiere des Waldes bei seinem Nahen flohen, da erst begann für uns der „Wilde Westen“. 

(zitiert aus: „Wie der Hauch eines Büffels im Winter“, T.C. McLuhan, Hoffmann und Kampe 1979, Seite 51).

Vielleicht werden wir bald schon die guten Seiten der Wildnis wieder schätzen können … und schätzen lernen müssen. Das Wetter spielt verrückt, die Sonne spielt verrückt, die Politik spielt verrückt, die Wirtschaft war schon immer verrückt und wenn alle so weitermachen, endet unser Experiment „industrielle Zivilisation“ abrupt mit einem Schlag in einem gigantischen Chaos und Europa versinkt wieder in der Wildnis.

Wohl dem, für den diese Wildnis dann „Freund“ ist.

 

 

 

 

2012 – der Kapitalismus frisst seine Kinder

16.12.2011. Eifel. Draussen? Mistwetter. Ein Orkan zieht über die Eifel, starke Regenschauer gehen nieder, Schneechaos droht am Nachmittag. Es sind solche Momente, wo man einmal dankbar sein kann: dankbar darüber, was vorherige Generationen alles aufgebaut haben. Die Tatsache, das man nicht nackt auf der Weide von den Elementen erwischt wird, hat man der "Zivilisation" zu verdanken, der unermüdlichen Arbeit unzähliger Generationen von Menschen, die den Kampf gegen die Natur aufnahmen, sich Häuser und Wärmequellen erdachten, um dem quälenden Kältetod zu entkommen. 

Das war sehr schlau, glaube ich. Und nun sind wir am "Ende der Geschichte". Der Reichtum hat unglaubliche Höhen erreicht. Wir Menschen können fliegen, rasen wie der Blitz über ihre Autobahnen, beherrschen das Atom und können jederzeit per Knopfdruck auf ihrem PC Bilder von jedem Ort der Erde abrufen. Wir hätten es in der Hand, das Paradies auf Erden zu schaffen ... stattdessen erwartet die meisten von uns der quälende Kältetod - wie zum Beispiel Giorgos Barkouis, über den das Handelsblatt jetzt berichtet:

16.12.2011. Eifel. Draussen? Mistwetter. Ein Orkan zieht über die Eifel, starke Regenschauer gehen nieder, Schneechaos droht am Nachmittag. Es sind solche Momente, wo man einmal dankbar sein kann: dankbar darüber, was vorherige Generationen alles aufgebaut haben. Die Tatsache, das man nicht nackt auf der Weide von den Elementen erwischt wird, hat man der „Zivilisation“ zu verdanken, der unermüdlichen Arbeit unzähliger Generationen von Menschen, die den Kampf gegen die Natur aufnahmen, sich Häuser und Wärmequellen erdachten, um dem quälenden Kältetod zu entkommen.

Das war sehr schlau, glaube ich. Und nun sind wir am „Ende der Geschichte„. Der Reichtum hat unglaubliche Höhen erreicht. Wir Menschen können fliegen, rasen wie der Blitz über ihre Autobahnen, beherrschen das Atom und können jederzeit per Knopfdruck auf ihrem PC Bilder von jedem Ort der Erde abrufen. Wir hätten es in der Hand, das Paradies auf Erden zu schaffen … stattdessen erwartet die meisten von uns der quälende Kältetod – wie zum Beispiel Giorgos Barkouis, über den das Handelsblatt jetzt berichtet:

Mitte 2010 hat er seinen Job als Computertechniker bei einer Versicherung verloren – „wegen der Krise“, wie ihm der Chef achselzuckend erklärte. Er suchte nach einem neuen Job. Aber wer stellt einen 59-Jährigen ein? „Ein Jahr später, als die Arbeitslosenhilfe auslief, wurde mir klar, dass ich meine Miete nicht mehr bezahlen konnte und meine Krankenversicherung verlieren würde“, erzählt Giorgos.

Dabei dachte man: „Mensch, Computertechniker braucht doch jeder, oder?“

Nein, braucht man nicht mehr. Überhaupt braucht man keine Griechen mehr – eine „Lawine des Elends“ kommt auf dieses Land zu, meint jedenfalls Gerd Höhler, ein in Griechenland wohnender Deutscher im Handelsblatt:

Die Wirklichkeit kann man in Athen besichtigen. Ich war vergangene Woche in einer Obdachlosenunterkunft. Dort habe ich Menschen angetroffen, die binnen 18 Monaten aus dem Mittelstand in die Armut abgestürzt sind. Die Zahl der Obdachlosen ist in diesem Jahr um 25 Prozent auf über 20.000 gestiegen. In den Suppenküchen der griechischen Hauptstadt werden jeden Tag etwa 13.000 Menschen verköstigt – die Ärmsten der Armen. Wer in Griechenland seinen Job verliert, steht schnell vor dem Aus. Das Arbeitslosengeld, 461,50 Euro, gibt es im günstigsten Fall ein Jahr lang. Danach kommt nichts. In Griechenland gibt es keine Grundsicherung wie Hartz IV, keine Sozialhilfe. Rund 250.000 Griechen haben im zu Ende gehenden Jahr ihre Arbeit verloren. Den meisten von  ihnen droht im Jahr 2012 der Absturz in die Armut. Auf Griechenland kommt eine Lawine des Elends zu.

Gruselig, oder? Wir Deutschen regen uns darüber auf, das Hartz-Abhängige keinen Weihnachtsbaum bekommen, die Griechen wären über Hartz IV froh. Soweit ist es in Europa schon gekommen, das man das Musterwerk zur Deregulierung von Demokratie und Menschenrechten freudig begrüßt, weil es vor dem Wüten des Orkans und dem Kältetod schützt.

Es sind kleine Philosophen wie meine Wenigkeit – oder große wie der Sloterdijk – die äußerst bedenkliche Erscheinungen wahrnehmen, siehe Handelsblatt:

„Die kollektive Demoralisierung ist schlimmer als eine vorübergehende Rezession jemals sein kann“, sagte Sloterdijk. Seit Jahrzehnten lebten wir in einer gespenstischen Atmosphäre, in der ständig  verrücktmacherische Doppelbotschaften auf die Menschen einprasselten: sie sollten zugleich sparen und verschwenden,  sie sollten zugleich riskieren  und  solide wirtschaften, sie sollten hoch spekulieren und mit den Füßen auf dem Boden bleiben. Auf die Dauer führe das zu einer absoluten Zermürbung. „Derselbe demoralisierende Effekt geht auch von der Tatsache aus, dass die leistungslosen Einkommen rasend schnell wachsen. Das vergiftet die jungen Leute, weil sie anfangen, sich in Scheinkarrieren hineinzuträumen.“

Mit den Vorwürfen hat er sicher recht. Sein Lösungsvorschlag jedoch, an die „Vornehmheit der Reichen“ zu appellieren, wirkt ebenfalls wie ein Traum – wo soll in einer demoralisierten Welt die Grundlage für solch eine Vornehmheit herkommen?

Gerne sucht man in solchen Zeiten auch Schuldige. Politiker sind immer dafür gut. Für Sloterdijk sind sie es, die uns ins Unglück stürzen. Geht ja auch nicht anders, wenn die Reichen „vornehm“ sind. Politiker suchen lieber die Schuld bei den Banken, laut Wolfram Weimer eine Hetzjagd mit Tradition:

Am häufigsten aber traf dieser spezielle Verfolgungswahn die Juden. Hitlers Tiraden gegen die „Zinsknechtschaft”, gegen die „gierigen Wucherer”, die „satanische Hochfinanz” und die „Geldratten” unterscheiden sich im Duktus kaum von den rasenden Attacken der heutigen Bankenhasser. Auch sie vergleichen die „Spekulantenbrut” mit Tieren und stigmatisieren sie wahlweise als Haifische oder Raubtiere, unsere Wirtschaftsordnung sei ja schließlich ein „Raubtierkapitalismus”.

Und die SPD hält Arbeitslose für Parasiten. Hat auch so einen „Duktus“. Die Banken selbst merken gerade, das sie auch nicht so voll auf dem Siegertreppchen stehen. Gestern haben sie sich noch die Taschen mit Rettungsgeldern für Griechenland gefüllt (Gelder, die wir nur ungern geben und die in Griechenland auf seltsame Weise für einen rasenden Anstieg der Obdachlosigkeit sorgen – auch so ein zermürbendes Paradoxon), heute werden sie schon herabgestuft, siehe Manager-Magazin:

Die Abstufungsorgie europäischer Banken geht weiter: Die US-Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit von fünf Instituten gesenkt. Unter anderem ist auch die Crédit Agricole betroffen, die gerade erst eine milliardenschwere Abschreibung vornehmen musste.

Und was wäre so eine richtige Orgie schon ohne die Deutsche Bank? Ebenfalls: herabgestuft siehe Welt.

Natürlich fordert das heraus, den Blick auf die nächsten Täter zu nehmen: die USA. Immerhin sind sie das Heimatland des Kapitalismus und die Triebfeder der aktuell wütenden Dauerkrise. Merkt man ja schon, wenn man sieht, wie die mit ihrem Geld umgehen, siehe Manager-Magazin:

Europäische Banken rutschen immer tiefer in die Krise: Sie müssen milliardenschwere Abschreibungen vornehmen, die Kreditwürdigkeit sinkt mehr und mehr und jetzt ziehen offenbar vermehrt verunsicherte US-Kunden ihre Gelder von den Instituten ab.  

In den vergangenen sechs Monaten seien die Einlagen bei US-Töchtern nicht-amerikanischer Institute um ein Viertel auf 879 Milliarden Dollar gesunken, berichtet die „Financial Times“ unter Berufung auf Daten der US-Notenbank Fed. Das sei der stärkste Rückgang, der jemals gemessen wurde.

Die Ratingagenturen werten die Banken ab, woraufhin die Sparer ihr Geld abziehen, woraufhin die Ratingagenturen weiter abwerten, was die Sparer wiederum dazu veranlasst, ihr Geld abzuholen, woraufhin die Ratingagenturen … ach, lassen wir das. Man sieht wo es endet: Ackermann wird auch obdachlos, nur halt etwas später.

Bevor sich jedoch der Zorn über die USA ergießt, sein ein Blick dorthin gestattet – siehe Handelsblatt:

Nach einer Erhebung der Regierung lebten 2010 49,1 Millionen Amerikaner in Armut. Die Zahl jener Haushalte, die Beihilfen für die täglichen Lebensmittel bekommt, die sogenannten food stamps, stieg von 2007 bis 2010 um 16 Prozent auf 13,6 Millionen.

Die Studie des Städtetages nennt Arbeitslosigkeit, Armut, niedrige Löhne und hohe Kosten für Wohnungen als Hauptgründe für den Bedarf nach Lebensmittel-Beihilfen. Rund 71 Prozent der Städte erklärten, dass sie ihr gesamtes Budget für Lebensmittelhilfen aufgebraucht hätten. In den 29 Metropolen hätten 27 Prozent der Menschen, die Lebensmittelnothilfe benötigten, keine erhalten, heißt es in der Studie.

Das es übel aussieht im Heimatland des Kapitalismus sieht auch der Präsident – siehe Handelsblatt:

US-Präsident Barack Obama hat eine Rede zur sozialen Spaltung der Gesellschaft in den USA gehalten. Der Kampf der Mittelklasse gegen den sozialen Abstieg sei die „entscheidende Frage unserer Zeit“.

Man sieht: die Amis brauchen ihr Geld selber. Kein Wunder, das sie es bei uns abziehen. Denen geht es kaum besser als den Griechen.

In Deutschland scheint man vor den Einschlägen der Krise noch sicher zu sein. Die Medien arbeiten mit Hochdruck an dieser trügerischen Illusion, die wertvolle Zeit sinnlos verstreichen lässt, die für Gegenmassnahmen dringend gebraucht würde. Gelegentlich erfährt man zwar, das sogar Gold kein sicherer Hafen mehr ist (siehe Welt) oder das es aktuell die Franzosen ganz dicke mit einer Rezession und steigenden Arbeitslosenzahlen erwischt, das die Parkgebühren in Städten langsam auf 100 Euro täglich ansteigen und sogar Gewerbeimmobilien nicht mehr zu vermieten sind (mit einem Anstieg des Leerstandes um bis zu 1000%), aber generell zeigt sich der Deutsche an und für sich von der Krise unbeeindruckt – wenn man den Medien glauben darf.

Vielleicht rüttelt ihn die IWF-Chefin wach, die aktuell düstere Prognosen abgibt, Prognosen, die heute alle großen Nachrichtenmagazine in Aufruhr versetzen, siehe Welt:

„Der Ausblick auf die Weltwirtschaft ist im Augenblick nicht besonders rosig. Er ist ziemlich düster“, sagte Lagarde am Donnerstag in Washington. Europa könne seine Probleme nicht alleine lösen, alle Länder müssten den Europäern nun mit Hilfe des IWF beistehen.

Würden die Probleme nicht entschieden angegangen, würde die Weltwirtschaft ähnlichen Vorzeichen gegenüberstehen wie vor der Großen Depression in den 1930er-Jahren, sagte Lagarde weiter. Keine Volkswirtschaft der Welt sei vor dem Abwärtstrend immun, sagte die Chefin des Internationalen Währungsfonds. 

Auch die Hoffnung auf die „Schwellenländer“ erweist sich als trügerisch, siehe Manager-Magazin:

Europa nahe der Rezession, die USA dümpeln vor sich hin, jetzt bremsen auch noch die gerühmten Bric-Staaten aus Brasilien, Russland, Indien und China die Konjunktur scharf ab. Für die deutsche Wirtschaft und den hiesigen Jobmarkt kommt die Implosion des Wachstumsbollwerks zur ungünstigsten Zeit.

Nur Hugo Boss blickt noch positiv in die Zukunft – kein Wunder, die haben schon nach der letzten großen Depression an der Produktion von SS-Uniformen gut verdient.

Schon jetzt werfen die „Zeiten nach der Depression“ ihre Schatten voraus, siehe Welt:

Der Kongress hat den Verteidigungshaushalt verabschiedet. Damit stimmte er einer unbegrenzten Haftzeit Terrorverdächtiger zu – auch ohne Prozess.

Es scheint so zu sein, als könnten wir bald erwarten, Zeugen ähnlicher Ereignisse zu werden wie jener, die aktuell in der Welt geschildert werden:

US-Marineinfanteristen waren bei dem Massaker an Zivilisten – unter ihnen Frauen, Kinder und ein Rollstuhlfahrer – vorgegangen, nachdem ihr Militärkonvoi auf einen Sprengsatz gefahren war. Sie erschossen mehrere Männer aus einem Fahrzeug heraus. Später zogen die Soldaten durch den Ort nordwestlich von Bagdad und töteten 19 Bewohner.

Und wieso das alles? Wieso müssen wir das erleben, obwohl die Menschheit so reich geworden ist, es genug zu essen für jeden gibt? Wieso müssen wir Menschen auf den Straßen erfrieren lassen, während die Gewerbeimmobilien leer stehen? Wieso schaffen wir es nicht, das Ende des Kapitalismus als das zu begreifen, was es ist: die größte Naturkatastrophe, die die Menschheit je heimgesucht hat! Könnten wir es endlich so sehen, dann könnte es eine Welle von Hilfsbereitschaft geben, dann könnte sich zeigen, wieviel „Vornehmheit“ sich noch im Zeitalter der Demoralisierung mobilisieren ließe und dann könnten wir vor allem … die Katastrophe noch verhindern.

So jedoch müssen wir hilflos zusehen, wie der Kapitalismus seine Kinder frisst.

Staaten, Banken, Menschen.

Was übrig bleibt?

Ödnis und Leere … und ein wirkliches Ende der Geschichte.

Dabei war es doch gar nicht so schlecht, den Orkan aus einer gemütlichen, geheizten  Wohnung heraus bei Tee und Gebäck zu beobachten, oder?

Leider scheint der Mensch an sich für den Kapitalismus zu teuer zu sein.

Am Ende der Geschichte zeigt sich halt, das der Kapitalismus so wenig Wohlstand bringt wie der Kommunismus soziale Gerechtigkeit. Schade, das wir uns geirrt haben – wieder mal.

 

 

Bundesparteitag Piratenpartei Offenbach – letzte Chance für die Menschheit?

Samstag, 3.12.2011. Eifel. Autor: "ganz dicke Virusgrippe" - laut Arzt. Die erste seit ... vielen vielen Jahren. War schon stolz auf meinen Lebenswandel. Vielleicht - haben aber auch ein paar Naturwissenschaftler wieder nur ein total neues, geiles Grippemodell entwickelt, das sie gerade ausprobieren. Wie jede Grippe bringt auch diese einen gestandenen Mann an den Rand des Todes, den man mit offenen Armen begrüßen würde, wenn er nur den Matsch aus dem Kopf entfernt. An schreiben - war nicht zu denken ... jedenfalls solange nicht, bis der Parteitag der Piraten in Offenbach ins Visier rückte. Es ist kein Geheimnis, das ich die Piratenpartei vor zwei Jahren als braunes U-Boot angesehen habe - der Fall schlägt bis heute Wellen:

Samstag, 3.12.2011. Eifel. Autor: „ganz dicke Virusgrippe“ – laut Arzt. Die erste seit … vielen vielen Jahren. War schon stolz auf meinen Lebenswandel. Vielleicht – haben aber auch ein paar Naturwissenschaftler wieder nur ein total neues, geiles Grippemodell entwickelt, das sie gerade ausprobieren. Wie jede Grippe bringt auch diese einen gestandenen Mann an den Rand des Todes, den man mit offenen Armen begrüßen würde, wenn er nur den Matsch aus dem Kopf entfernt. An schreiben – war nicht zu denken … jedenfalls solange nicht, bis der Parteitag der Piraten in Offenbach ins Visier rückte. Es ist kein Geheimnis, das ich die Piratenpartei vor zwei Jahren als braunes U-Boot angesehen habe – der Fall schlägt bis heute Wellen:

Ein anderes Ausschlussverfahren endete bereits mit einer Schlappe für den Bundesvorstand: Der Pirat Bodo Thiesen soll wiederholt auf Mailing-Listen der Partei Holocaust-Leugner zitiert haben – sein Landesverband verteidigte ihn im Namen der Meinungsfreiheit. Am Donnerstag entschied das Schiedsgericht in Rheinland-Pfalz, dass Thiesen Pirat bleiben darf. Seine Äußerungen würden der Partei keinen Schaden zufügen, hieß es. Der Bundesvorstand will Berufung einlegen. 

Bodo Thiesen soll – so wurde mir versichert – persönlich ein netter Mensch sein, der sich – für Nerds nicht selten – in rechtsradikalen Netzen verfangen hat, ohne es zu merken. Nun – andere braune Flecken der Partei haben gezeigt, das dies kein Einzelfall war, sondern Methode. Heute, nachdem die Morde des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ öffentlich geworden sind (und nicht nur dem Verfassungsschutz und anderen Nachrichtendiensten bekannt), darf man wohl vorsichtig den Verdacht äußern, das hier Strategie hintersteckt: die Unterwanderung liberaler Parteien durch NS-Kräfte war schon früher mal Thema, weil sie „weder rechts noch links“ sein wollen, eignen sie sich sehr gut dafür, rechte und linke Extreme lange Zeit im Sinne der Meinungsfreiheit zu decken.

Man ist ja „gut“ (oder „piratig“), das sollte reichen.

Wie „gut“ man ist, möchte die Piratenpartei nun in Offenbach beweisen – mit interessanten Themen … nochmal Spiegel:

An der Spitze des Top-40-Rankings steht ein Antrag für die Legalisierung von Drogen, gefolgt von einem Antrag über die Trennung von Staat und Religion. Andere wollen die Facebook-Seite der Partei löschen, Firmenspenden verbieten, Nahverkehr gratis anbieten oder die Zeitumstellung abschaffen.

Das sind Forderungen, die einen natürlich völlig umhauen. Zu Zeiten, in der es wieder eine reale Kriegsgefahr mit Russland gibt (ja, das ist eine Überraschung, oder? Russland hat Syrien zugesichert, sie militärisch vor Natointerventionen zu schützen, um ein zweites Libyen zu verhindern. Hält sich die Nato nicht dran, rollt der Russenpanzer bald wieder durch Polen und Berlin), haben wir natürlich keine anderen Probleme als uns hemmungslos zukoksen zu dürfen. Immerhin – der Kokainersatzstoff Ritalin wird regelmässig in viele Kinderhirne gepumpt, warum sollten da die Erwachsenen immer noch krumme Wege gehen müssen, um an ihr Speed zu kommen?

Trennung von Staat und Religion ist natürlich besonders wichtig, erst recht, nachdem der Papst die Deutschen mit Moral ängstigt und aus Abscheu vor der Welt sogar auf die Kirchensteuer verzichten will. Man will ja die Geschäfte nicht durch Anstand und Ethik gefährden.

Ob die Partei eine Facebookseite braucht, interessiert wohl wirklich niemanden … aber mit dem Verbot von Firmenspenden trifft man den Kern des Systems. Wovon sollen denn die Parteien ihre Funktionäre fürs Nichts- und Wichtigtun bezahlen, wenn nicht die Firmen – anstatt den Überschuss des Wirtschaftens als Preisminderung an die Kunden weiterzugeben, damit alle was davon haben – die Gelder großzügig herüberwachsen lassen … für eine kleine Gegenleistung, einen kleinen, unbedeutenden Gefallen, wohlgemerkt – wie zum Beispiel die Deregulierung der Arbeits- und Finanzmärkte.

Gegen dieses System, das nicht nur Deutschland sondern ganz Europa und die USA fest im Griff hat (mit katastrophalen Folgen für die Wirtschaft selbst, für die Bürger des Landes und die Zivilisation selbst) hilft nur noch die Notbremse, sonst rast es mit Schmackes vor die Wand.

In solchen wirtschaftlich kranken Zeiten den Nahverkehr gratis anzubieten, ist schon fast demokratische Pflicht – und könnte bei uns zu libyschen Verhältnissen führen.  Und hier wird es interessant – denn entgegen der Forderungen der Parteispitze und des neoliberalen Blocks in der Piratenpartei (das scheint ja fast schon Tradition zu werden in Deutschland: neoliberal ist man, sobald man im Vorstand ist – egal ob rechts, links oder orange) offenbart uns das Handelsblatt unter dem Titel „Skurriles Programm“ weitere Programmanträge, die sehr nachdenklich machen können – und eigentlich überhaupt nicht skurril sind:

Nacktheit im öffentlichen Raum als Grundrecht für Menschen klingt sicherlich ungeheuerlich – und wäre mit Sicherheit nicht mein Top-Thema – aber es ist als rechtsphilosophischer Aspekt nicht von der Hand zu weisen. Skurril ist da nichts – die Werbung lebt immerhin täglich davon. Ist ja auch Basisoutfit fürs Paradies.

Die Besteuerung von Kapitalerträgen in Höhe von 65% ist sicher ein weiterer Antrag, der im Rahmen der volkswirtschaftlichen Notbremse einfach alternativlos ist. Das hat mit „rechts“ und „links“ im Jahre 2011 nichts mehr zu tun: eher mit Notwehr. Wenn der Fürst das Dorf ansteckt, werden wir doch wohl auch nicht das löschen verbieten wollen, weil man es als „links“ deuten könnte derweil es gegen die Taten des Fürsten gerichtet ist?

Die große Staatsverschuldung der Bundesrepublik hat ein Antragssteller als Problem erkannt und liefert gleich eine Lösung dafür mit, wie man den Schuldenberg wieder loswerden kann. Die Vermögenden sollen bezahlen. Mit einer einmaligen Vermögensabgabe von 20 Prozent sollte sich die Staatsverschuldung laut Antrag erledigt haben.

Das kann man so sehen – und ist ja auch nicht skurriler als die Solidaritätsabgabe Ost. Nur geben diesmal diejenigen, die viel zu viel haben und nicht die, die ohnehin jedes Jahr weniger haben. Mit Klassenkampf hat dies nichts zu tun – aber mit volkswirtschaftlicher Notbremse und praktischer Vernunft viel.

Arbeits- und Unterrichtszeiten müssten generell so gestaltet werden, dass die Menschen nicht gezwungen seien, gegen ihre „innere Uhr“ zu leben.

Das würde natürlich für Staat und Unternehmen viel Arbeit bedeuten … aber welches Recht gibt es eigentlich, Menschen absichtlich krank zu machen, in dem man sie mit Gewalt (oder der Androhung des Hungertodes bei Weigerung via Hartz IV) in Lebensrythmen zwängt, die ihrer Gesundheit nachhaltig schaden? Gut, in einer Welt, in der Menschen nur noch „Kosten auf zwei Beinen“ sind, mag man die Massenvernichtung von Lebenskraft gern billigend in Kauf nehmen … aber das muss einem als Wähler dann doch nicht gefallen.

Wahlrecht schon für Kinder – würde Eltern etwas für ihre Arbeit entlohnen und ihnen die politische Macht geben, die sie dank ihrer Arbeit schon lange verdient haben.

Letztendlich ist es aber ein ganz zentraler Programmpunkt, der zur Debatte steht  siehe Welt:

Das bedingungslose Grundeinkommen wird wahrscheinlich auch in Offenbach eine große Rolle spielen. Es gibt einen Antrag, wonach die Forderung ins Wahlprogramm für die Bundestagswahl aufgenommen werden soll. Zwar werden erst die Mitglieder vor Ort entscheiden, worüber letztlich debattiert und abgestimmt wird. Doch das sozial- und wirtschaftspolitische Reizthema umtreibt viele Piraten.

Der Bundesvorsitzende ist dagegen – das eint ihn mit den Bundesvorsitzenden aller anderen Parteien in Deutschland. Wo kämen wir denn auch hin, wenn man den Vorsitzenden die Peitsche aus der Hand nehmen würde, mit der sie seit Jahrzehnten den Bürger so schön knechten: die ständig steigende Abhängigkeit von Geld.

Das diese Abhängigkeit inzwischen einen Grad erreicht hat, in der die Gleichung GELD = LEBEN herrscht und so bei sinkendem Geldlevel direkt die Allgemeinen Menschenrechte angreift, wird von den gut versorgten Parteioberen gerne übersehen. Da sie von der Industrie aber fleissig umworben werden und ihre politischen Aktivitäten größtenteils nur noch als gelebte Bewerbungsunterlage verstehen, sollte man Verständnis für diese Blindheit haben. Auch hier findet man auf einmal … Weisheit bei den Piraten:

Zudem hört man aus Berliner Piratenkreisen, dass die Partei nur deshalb einen Bundesvorstand habe, weil man ihn laut Parteiengesetz haben müsse.

Das es Weise wäre, auf einen Vorstand zu verzichten, merkt gerade auch die SPD, die sich mit Forderungen nach höheren Steuern für Reiche und mehr Rente für Arme bei der Führung unbeliebt macht: die Spitzenverdiener der Partei sind nicht einverstanden mit höheren Steuern für Spitzenverdiener.

Verständlich.

Umso unerhörter ist das, was bei den Piraten gedacht wird, siehe Welt:

Nur mit dem Unterschied, dass die Piraten ein „Programm“ gar nicht so ernst nehmen, weil sie nicht in Themen, sondern in Verfahren denken. Basisdemokratisch digital soll es zugehen. Der Rest steht zur permanenten Debatte.

Das klingt so liberal, dass die hierzulande sogenannten Liberalen den Schreck schon längst in den Gliedern spüren. Und es klingt so basisdemokratisch, dass der gleiche Schreck, wenn auch auf höherem Niveau, ebenso ins grüne Parteigebein gefahren ist. Nicht ohne Grund.

Denn das Magnetische an der Piratenbewegung ist die Einladung zum freigeistigen Aufbruch ohne allen Ballast. Und ohne die Verpflichtung, für die Ideen anderer etwas zu zahlen.

Manchen gefällt das sehr – wie dem Altkommunarden Rainer Langhans:

Alt-68er Rainer Langhans gibt einen Teil seiner Dschungelcamp-Gage an die Piratenpartei weiter. Er habe große Sympathie für die chaotischen Elemente in der Partei.

Ob man das Geld angenommen hat, weiß ich nicht. Möglicherweise ist es ja von „links“?

Es ist kaum zu glauben – aber im Jahre 2011 hängt das Schicksal des ganzen Landes von einer einzigen kleinen chaotischen Partei ab.

„Bedingungsloses Grundeinkommen“ ist nichts weiter als die allerletzte Notbremse, die – zumindestens übergangsweise – ein ganzes Land vor der kompletten Ausplünderung und wirtschaftlichen Vernichtung bewahren kann. Da diese Notbremse aber die automatische Bereicherung der „Entscheider“ in Politik und Konzernwirtschaft ebenfalls ausbremst, wird sie aus dieser Ecke niemals gezogen werden – einer Kaste der „Elite“, die dem Volk Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Vertauenskrise, Energiekrise, Sozialkrise und ein paar kleine häßliche Kriege (an denen man aber auch gut verdienen konnte) gebracht hat, steht wohl aber auch nicht der Sinn nach einer gut laufenden Volkswirtschaft.

Die Piratenpartei Berlin – zusammen mit dem Grundeinkommensaktivisten Ralph Boes, der die Partei in Berlin unterstützt – hat sich hier deutlich positioniert:

Auf Landesebene gibt es in Berlin einen Beschluss vom Oktober 2010, der in Form eines Positionspapiers ein bedingungsloses Grundeinkommen fordert und dies aus den im Grundgesetz verankerten Menschenrechten ableitet.

Zu einem Bedingungslosen Grundeinkommen gibt es angesichts der momentanen politischen und wirtschaftlichen Katastrophen keine Alternative, wenn diese Gesellschaft noch eine Zukunft haben soll. Von gigantischen Kapitalerträgen in China, den USA und den Konzernkassen kann ich in Bottrop keine Schulwände streichen, in Köln keinen Straße pflastern und in Wismar keine Arbeitsplätze schaffen, noch wüßte ich, wie die steigende Gier nach leistungslosem Einkommen auf Halbgottniveau auf der einen Seite ohne Hungertote in den Dörfern Sachsen-Anhalts und den Straßen Gelsenkirchens befriedigt werden sollte.

Der Geldkreislauf ist ein geschlossenes System – für die Millionenhaufen müssen Millionen leiden.

Will man dieses Leiden nicht, sondern lieber ein Leben in einer lebendigen, offenen, freien Gesellschaft, die dem Individuum größtmöglichen Schutz (!) und damit auch größtmöglichste Entfaltungsmöglichkeiten (inklusive einer gestiegenen Risikobereitschaft) gibt, dann muß man die Prioritäten anders setzen: erst Geld für die Menschen, dann für den Haufen.

Wenn da einer auf zwanzig Haufen Kartoffeln sitzt, die bald verfaulen, und zwanzig andere hungernd in der Ecke sitzen und nichts anpflanzen können, dann ist es nicht „links“ zu sagen: „Gib´ mal was ab, damit Du auch in Zukunft wieder Haufen anhäufen kannst“.

Das ist dann nur vernünftig. Das können auch Rechte.

Wie das finanziert werden soll?

Das zu berechnen, darf man getrost den Experten überlassen. Niemand macht sich ja auch Gedanken darüber, wie wir in Zukunft die jährlich fälligen 100 Milliarden Euro für die Beamtenpensionen aufbringen sollen … oder die Billionen für die Eurorettung.

Das System ist am Ende. „Nehmt bloß nichts eurem Schröder weg!“ – kann in Zukunft kein Ansatz mehr sein – und je länger wir das alte System laufen lassen, um so schneller wird es unsere Volkswirtschaft ausbluten.

Insofern kann es wirklich sein, das der Parteitag einer kleinen, chaotischen, rechtstoleranten Partei die letzte Chance der freien, offenen Bürgergesellschaft im 21. Jahrhundert ist, während sich die SPD darum streitet, wie die Vermögen ihrer Chefs zu sichern sind.

Immerhin, eins muss man den Piraten zugute halten: sie singen auch mal in der U-Bahn. Scheinen bei Rentern aber – siehe Link – nicht gut anzukommen. Rentner mögen keinen Lärm.

Den Gegnern sei nur eins gesagt: unseren „Fortschritt“ haben wir der Tatsache zu verdanken, das wir dem Adel den Besitz weggenommen und ihm dem Mittelstand gegeben haben: die hatten einfach mehr Ideen, mehr Tatkraft und Erfindungsgeist als der dekadente Blaublutmob.

Wieviel „Fortschritt“ brachte uns eigentlich die Superklasse der Superreichen in den letzten zwanzig Jahren?

Die letzte bemannte Mondlandung ist ein halbes Jahrhundert her – wirkt schon wie die übliche zivilisatorische Stagnation aristokratischer Gesellschaftsformen, oder?

Und Dieter Bohlen werdet ihr doch jetzt wirklich nicht als Fortschritt ansehen wollen, oder?

 

Staatsbankrott Griechenland/USA und die Psychopathenwirtschaft

Endlich mal wieder Ruhe an der Nachrichtenfront - dachte ich. Endlich mal Zeit, sich um den Garten zu kümmen, etwas durch die aufblühende Natur zu wandern und das Leben zu genießen. Man braucht ja eigentlich nicht mehr zu Glück: unberührtes Grün, Sonnenschein, ein warmer Frühlingswind - was will man mehr? Für normale, nicht psychopathische Menschen das Paradies. Gut - da durfte man auch nackt herumlaufen, das geht hier nicht, dafür haben wir aber auch keine Schlangen in unserem Paradies, die uns mit Äpfeln locken.

Endlich mal wieder Ruhe an der Nachrichtenfront – dachte ich. Endlich mal Zeit, sich um den Garten zu kümmen, etwas durch die aufblühende Natur zu wandern und das Leben zu genießen. Man braucht ja eigentlich nicht mehr zu Glück: unberührtes Grün, Sonnenschein, ein warmer Frühlingswind – was will man mehr? Für normale, nicht psychopathische Menschen das Paradies. Gut – da durfte man auch nackt herumlaufen, das geht hier nicht, dafür haben wir aber auch keine Schlangen in unserem Paradies, die uns mit Äpfeln locken.

Und da war es wieder: schon werde ich stutzig. Wenn ich wandern gehe, dann dauert das in der Regel viele Stunden. Ich wäre mir dann gerne sicher, das mein Heim noch steht, wenn ich wiederkomme. Kann ich da wirklich sicher sein, wenn ich solche Nachrichten lese, siehe Spiegel:

Hat die Finanzwirtschaft zur Normalität zurückgefunden? Mitnichten. Das System ist genauso anfällig wie vor der großen Krise. Es wird wieder munter gezockt und die Chance für eine Reform verspielt. Ohne eine rigide Umkehr vom bisherigen Kurs droht schon bald ein neues Finanzdesaster.

Das hört sich nicht gut an. Ich habe manchmal den Eindruck, das sich niemand wirklich ernsthaft vorstellen kann, was ein Finanzdesaster wirklich ist. Das ist der Moment, wo man die Klospülung drückt und kein Wasser aus der Leitung kommt, wo die Telefone keinen Ton mehr von sich geben und der Lichtschalter nur noch „klick“ aber nicht mehr hell macht, wo man irgendwann merkt, das man seine CD-Sammlung nicht essen kann. Kaum vorstellbar, das intelligente, verantwortungsbewußte Bürger eines demokratischen Gemeinwesens auf einen solchen Zustand hinarbeiten.

Trotzdem gibt es Menschen, die machen das mit aller Kraft, zum Beispiel in Griechenland, siehe Handelsblatt:

Die Ratingagenturen hegen immer größere Zweifel an der Zahlungsfähigkeit von Griechenland. Standard & Poor’s hat wegen der steigenden Gefahr einer Umschuldung am Montag die Kreditwürdigkeit für das hoch verschuldete Land um zwei weitere Stufen von BB- auf B abgesenkt. Und nun prüft auch noch Moody’s eine Herabstufung von Griechenlands Anleihen. Eine Absenkung um mehrere Stufen sei möglich, teilte die Agentur am Montag mit.

Den Mechanismus kennt man schon, er hat mit normaler Alltagsvernunft wenig zu tun, eher mit dem Verhalten von Raubtieren und Aasgeiern: je schlechter es einem Land geht, umso höher setzt man die Zinsen an, die es zu zahlen hat. Das ist Hartz IV für Länder, wir kennen das Prinzip: je schlechter es einem Menschen geht, umso höher setzen wir die Erwartungen an ihn. Das ist grausam, gemein und eigentlich unmenschlich, aber wir gewöhnen uns dran. Immerhin werden die USA auch nicht verschont, siehe Handelsblatt:

Misstrauensvotum gegen die USA: Der weltgrößte Rentenfonds Pimco verzichtet weiter auf US-Staatsanleihen. Damit nicht genug: Fondsmanager Bill Gross wettet auf fallende Kurse – und hat den Einsatz noch einmal erhöht.

Noch ein Staatsbankrott, der Aasgeier reich macht. Im Managermagazin spekuliert man deshalb schon mal ganz offen mit düsteren Aussichten, die – wenn alle daran glauben – zur Pleite der USA führen:

Beobachtern in Nordamerika will es nicht einleuchten, dass die volle Rückzahlung von Anleihen trotz des für Investoren bekannten Risikos garantiert sein soll. Ein Argument, das den USA als größter Schuldner gegenüber dem Rest der Welt leichter fällt als anderen. Man könnte ja irgendwann selbst in die Verlegenheit kommen, von den Gläubigern einen Verzicht zu verlangen.

Aber es kann doch nicht wirklich wahr sein, das es Menschen gibt, die ihr ganzes Wissen, ihre ganzen Fähigkeiten und ihr Vermögen in den Dienst der Vernichtung von Volkswirtschaften stellen? Jedes ganz normale Gewissen würde in dem Moment aufschreien, weil man weiß, das man den Hungertod von kranken, alten und behinderten Menschen sowie der Kinder billigend in Kauf nimmt – wobei die jungen, gesunden Menschen auch nicht ewig im Chaos überleben werden, immerhin werden auch sie älter. Jeder Mensch, der eine normale politische Sozialisation erfahren hat und weiß, wie schwierig der Aufbau unserer friedlichen Wohlstandskultur war, wieviel Blut, Schweiß und Tränen eine solche Entwicklung über Jahrhunderte gekostet hat, würde den Teufel tun und Hand anlegen an einer solch empfindlichen Struktur.

Was aber … wenn es keine normalen Menschen sind, die dort Unterschlupf gefunden haben? Was, wenn die Konzernzentralen so langsam zum Biotop für Psychopathen werden – und Geisteskrankheit gut bezahlt wird, sofern sie sich nur gegen die Bevölkerung der Länder richtet? Und bezahlt wird recht gut, siehe Manager Magazin:

Die Bosse der großen US-Konzerne haben im vergangenen Jahr prächtig verdient. Nach einer Erhebung des „Wall Street Journal“ (Montagausgabe) stieg der Verdienst im Vergleich zum Krisenjahr 2009 um 11 Prozent auf im Schnitt 9,3 Millionen Dollar. Darin eingerechnet sind das Festgehalt und alle Boni.

Na, bei den Summen könnte ich mir vorstellen, das sogar geistig gesunde Menschen schwach werden und sich an der Ausplünderung der Wirtschaft und des Steuersäckels beteiligen. Diese Ausplünderung kann ja unterschiedliche Formen annehmen, siehe Managermagazin:

Es ist der größte Auftrag in der Geschichte beider Konzerne: Siemens und die Deutsche Bahn haben ihr Abkommen über die Anschaffung von bis zu 300 Hochgeschwindigkeitszügen besiegelt. Der Auftragswert könnte auf  10 Milliarden Euro steigen

Wer wird dieses Luxusprojekt wohl letztendlich bezahlen? Wird das wirklich zu einer Senkung der Kosten im öffentlichen Nahverkehr führen, damit auch ärmere Menschen wieder reisen können? Und ist es nicht letztendlich der deutsche Steuerzahler, der die Investitionen der deutschen Bahn bezahlt – immer noch?

Und bei den Spritpreisen hat der deutsche Steuerzahler was anderes zu tun als noch Vorstandsboni zu finanzieren, die  ja angesichts dieses tollen „Geschäftes“ reichlich fließen werden. Es sind aber auch gerade die Spritpreise, die uns zeigen, in welcher Situation wir uns befinden, siehe Spiegel:

Der Crash des Ölpreises lässt Autofahrer hoffen – viele Spekulanten hat er kalt erwischt. Der weltweit größte Rohstoff-Hedgefonds, Clive Capital, hat binnen vier Tagen rund 400 Millionen Dollar verloren. Auch andere Finanzfirmen machten hohe Verluste.

Wenn es dem Bürger gut geht, dann geht es den Finanzfirmen schlecht – das scheint mir die einfache Gleichung zu sein, auf die wir uns zubewegen. Während aber der Bürger den ganzen Tag damit beschäftigt ist, mit fünf Euro Kapital acht Euro Kosten zu stemmen, haben die Finanzfirmen genug Geld für Lobbyistendivisionen, die ganztätig im Politgeschäft mitmischen.

Und was machen die dort, die Lobbyisten?

Sie sägen vielfältig an dem Ast, auf dem wir alle sitzen, damit kranke, asoziale Staatsfeinde sich noch mehr am Volksvermögen laben können. Ich kann mir vorstellen, das sich das jetzt hart anhört … aber wie sollte ich Menschen nennen, die bestehende Regeln und Gesetze dazu nutzen, ganze Volkswirtschaften in den Ruin zu treiben und billigend in Kauf nehmen, mit dem Ruin der größten Nation der Erde die ganze Welt in ein unvorstellbares Chaos zu stürzen?

Und da fällt es mir gleich schwerer, den seltsamen Hochsommertemperaturmai zu genießen. Schnell bekomme ich das Gefühl, das es eine Riesenschlage ist, die unser Paradies vollständig verschlingen möchte, anstatt nur zum Genuss von Hedgefondäpfeln zu überreden.

Noch mehr wundere ich mich, das ich die Anzeichen für eine solche Entwicklung der ganz normalen, normzensierten öffentlichen Systempresse entnehmen kann und gar nicht mehr Zugriff auf obskure Verschwörungsseiten nehmen muss. Ein Höchstmass erreicht die Verwunderung dann, wenn ich sehe, wie wenig Widerstand der Entwicklung entgegengesetzt wird, obwohl sie so offensichtlich ist.

Würde ich an einem Bach wohnen, an dessen Quelle ein Damm errichtet wird, dann wüsste ich, das ich bald Probleme bekomme.

Aber wir sitzen gemütlich beim Bier in der Dorfkneipe und lassen uns von dem Geschwätz der Dammbauer beruhigen, das momentan mehr Wasser als je zuvor den Bach herunterfließt, während die Dammbaufirma uns sogar noch von einem wandernden Barden unterhalten läßt.

Das dies unser letzter Sommer ist, wird nur wenigen wirklich bewußt … und die will man nicht hören, weil sie den Barden beim Gesang stören, der aktuell so aussieht, siehe Manager Magazin:

Die deutschen Exporteure haben im März so viele Waren ins Ausland verkauft wie noch nie seit Bestehen der Bundesrepublik. Dank der starken Nachfrage aus Europa stieg der Exportumsatz um knapp 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Auch die Importe erreichten eine neue Höchstmarke.

Da jubeln doch alle und lesen deshalb den Artikel nicht zu Ende, was schade ist:

„Die sehr hohen Zuwachsraten, die wir in der Vergangenheit gesehen haben, werden beim Außenhandel nicht so weitergehen“, sagte Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim. „Bei den Auftragseingängen lässt das Tempo bereits nach, ebenso beim Welthandel.“

Das dicke Ende kommt zum Schluss, sagt man. Wetten, dass es sogar so kranke Geister unter uns gibt, die auf dieses Ende wetten?

Kriegszustand! Lumpenelite gegen Volk! Supergau und Kernschmelze der westlichen Kultur …

Krieg ist so ziemlich die hässlichste Sache der Welt. Da ist ein Supergau nichts gegen. Tsunamis, Erdbeben, Vulkanausbrüche  – damit kann man klar kommen. Sicher, man kann daran sterben, es kann sehr schmerzhaft und unansehnlich sein, was da geschieht, offensichtlich ungerecht und gemein … aber es ist nicht zu verhindern und führt die Menschen wieder zusammen. Krieg ist da was anderes. Er wäre verhinderbar, er führt zwar auch Menschen zusammen … aber nur, um sich gegenseitig abzuschlachten. Das verleiht Kriegen eine besondere Note der Grausamkeit gegenüber anderen Katastrophen. Der Krieg hält keine helfende Hand des Mitmenschen bereit, sondern eine würgende Hand, auch hier in Deutschland … hören wir dazu Ines Eck bei Gegen-Hartz.de:

Das Hartz IV-System ist wie ein Offener Strafvollzug ohne Gerichtsurteil und Strafmaßende organisiert. Bürger verlieren Bürgerrechte wie Recht auf Privatsphäre, Datenschutz, Freizügigkeit. Sie werden in Ghetto ähnliche Wohnbedingungen gedrängt. Sie müssen in beständiger Angst vor Schikanen leben, ohne Situationen durch Arbeitsleistungen verändern zu können. Hartz4 wirkt wie tagtägliches Mobbing. Mobbing wirkt wie eine Körperverletzung. Sie macht krank, arbeitsunfähig.

Armut an und für sich ist nicht schlimm. Milliarden Menschen leiden darunter, Mönche suchen sie sogar. Im Vergleich zur vielen Menschen in der Geschichte sind Hartz-IV-Abhängige nicht absolut arm. Was das Leid erzeugt, ist der Kriegszustand, jene brutale, unmenschliche Skrupellosigkeit, die auch vor Kindern nicht halt macht, siehe die Welt:

Armen Kindern in Deutschland fehlt es laut einer Umfrage vor allen an der Möglichkeit, am sozialen und kulturellen Leben teilzunehmen. Die Grundversorgung sei beim Großteil der 1,72 Millionen Kinder in Hartz-IV-Haushalten allerdings gesichert, teilte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mit.

Das lernen jene Kinder: sie sind überflüssig, unerwünscht, wachsen in einer feindlichen Umgebung auf. Was lernen die Erwachsenen? Wenn das Verfassungsgericht das Leid der Kinder anmahnt, hat es … keinerlei Konsequenzen. Man darf dankbar sein, das die Politik darauf nicht mit erneuten Regelsatzkürzungen reagiert hat, so wie Gaddafi mit Luftangriffen auf Aufständische.

Wir Menschen sind soziale Wesen – es sei denn, man befindet sich unter Lumpen. Lumpen haben kein Gerechtigkeitsempfinden, kennen kein Mitleid und auch keine Gnade. Lumpen ist das Schicksal anderer egal, sie sind durch und durch asoziale Wesen, ihre Elite hat mitlerweile die Schalthebel der Macht vollkommen unter Kontrolle.  Wie man sich als Lumpenelite dort so aufführt, kann man jederzeit der Presse entnehmen, siehe freie Presse:

Der frühere Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer muss sich demnächst in einem Strafprozess vor dem Münchner Landgericht verantworten. Wie die Münchner Justizpressestelle mitteilte, ließ das Gericht die bereits im November 2009 erhobene Anklage der Staatsanwaltschaft gegen Breuer wegen versuchten Betruges nun unverändert zur Hauptverhandlung zu.

Die Machenschaften der Lumpenelite erreichen teils Supergaudimensionen, siehe SZ:

Die Ermittler wähnen sich auf den Spuren einer gewaltigen Verschwörung. Mehrere Großbanken, so glauben sie, könnten einen Referenzwert des globalen Finanzsystems manipuliert haben – den sogenannten Libor-Zins. Zum Kreis der Verdächtigen gehört auch die WestLB.

Das Betrugssystem macht auch bei Nahrungsmitteln nicht halt … damit die verharzten Kinder auch ja möglichst wenig haben, siehe rp-online:

Die Lebensmittelkonzerne Dr. Oetker, Kraft und Unilever müssen Geldbußen in Höhe von insgesamt rund 38 Millionen Euro zahlen. Der Grund: Sie sollen sich über ihre Preise für Süßwaren, Speiseeis, Tiefkühlpizza, Tiernahrung und Waschmittel ausgetauscht haben.

Insofern betrifft der Supergau in Japan auch uns: es ist die gleiche Lumpenelite, die dort für den Schaden sorgt und hier für die Armut. Die gleiche Arroganz, die gleiche Ignoranz, die gleiche Verantwortungslosigkeit und der gleiche Tonfall, siehe Tagesanzeiger:

Zum ersten Mal zeigt das japanische Fernsehen seinem Publikum die ganze Arroganz der technokratischen Macht, die sich bis jetzt gegen jede Kritik der wenigen Kernkraftgegner im Land verwahrte, diese sogar als subversiv abtat.

Als gestern Mittwoch im Morgengrauen im Reaktor Nummer 4 dort gelagerte Brennstäbe entflammten, weil sie nicht gekühlt wurden, gab Tepco geradezu zynisch bekannt, die Firma habe die örtliche Feuerwehr benachrichtigt.

Warum schickt man eigentlich nicht die Tepco-Manager in das Kernkraftwerk? Eimer in die Hand gedrückt, Meerwasser ist in der Nähe: da könnten sich die Täter doch auch mal nützlich machen? Aber … das geht ja nicht. Lumpenelite kann deshalb so arrogant und zynisch auftreten, weil sie inzwischen alle systemrelevanten Posten mit asozialen Geistern besetzt hat. Nur deshalb kann sich eine Raubkultur durchsetzen, die Krieg gegen das eigene Volk führt, es verarmen und notfalls auch verstrahlen lässt – in Japan und in Deutschland.

Welche Folgen die Renditegier der Lumpenelite praktisch hat, beschreibt Life-Gen anschaulich:

Welche Ausmaße die Folgen der zu erwartenden Kernschmelze haben, lässt sich anhand der Strahlungskarten nach dem AKW-Unglück in Tschernobyl ablesen. Dort hatte der Fallout – je nach Windrichtung – bis zu 300 Kilometer weit die umliegenden Gebiete verstrahlt. Noch heute lassen sich über 1,5 Millionen Hektar Wald und Land nicht nutzen. Für Japan gilt: Damit wäre im ungünstigsten Fall auf Tokio direkt betroffen. Was die Politik allerdings noch verschweigt: die Verseuchung hielte auch in der Hauptstadt Jahre oder Jahrzehnte an, eine Dekontamination ganzer Millionen-Metropolen gilt als unmöglich.

Das würde bedeuten, das Tokio zur Geisterstadt wird … und Japan im Prinzip weiträumig unbewohnbar, mal abgesehen von den Toten, die jetzt schon zu erwarten sind. Alles im Dienste der Rendite. Verluste werden von den Asozialen billigend in Kauf genommen. Sie wissen ja, das ihnen selbst kein Ungemacht droht: werden sie erwischt, geben sie einen kleinen Bruchteil ihres ergaunerten Vermögens ab … jeder Hartz IV-Abhängige wird schlimmer bestraft, ohne irgendeine Straftat begangen zu haben. Es findet der Supergau moralischer, ethischer, zivilisationstiftender Werte statt, die Kernschmelze der westlichen Kultur – mit Folgen für Andersdenkende, siehe Nrhz:

Warum also hassen wir sie? Weil wir ohne einen Feind kaum eine Identität haben. Wir benötigen nur deshalb Begriffe wie „Leitkultur“, weil wir im kulturellen Niedergang sind und das ahnen. Die Antrittsbemerkung des neuen Innenministers Friedrich, in der er den Islam von Deutschland distanziert, ist in diesem größeren Zusammenhang zu sehen, nicht nur in dem kleinen, in dem er durch gezielte gesellschaftliche Spaltung auf dubiosen Stimmenfang geht. Sie ist Ausdruck des geistigen Niedergangs einer Gesellschaft, die partout nicht aus der Geschichte lernen will. Der Gipfel der Perversion wird erreicht durch das Herbeiphantasieren einer „christlich-jüdischen Tradition“, womit man sich an den früheren Feind, die Juden, anbiedern will, um den nächsten Feind vor die Flinte zu bekommen.

Die neuen Opfer der Lumpenelite: der Islam. Und sein Öl natürlich. So versucht die Minderheit der Lumpenelite sich ständig hinter neuen Fronten zu verstecken, damit sie weiterhin ihren krummen Geschäfte nachgehen und die christliche Tradition in eine antichristliche umbauen kann. Es ist ein Krieg, der hier geführt wird – in erster Linie ein Krieg um Werte und Prioritäten, ein Krieg der Worte. Und hat man den Krieg der Worte gewonnen, können Bomben folgen wie in Lybien laut rian:

Frankreich sowie Großbritannien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate werden möglicherweise in wenigen Stunden Bombenangriffe auf Gaddafis Stellungen in Libyen fliegen.

Das meldete die Nachrichtenagentur AFP am Donnerstagabend unter Berufung auf französische diplomatische Quellen.

Wieder einmal befinden sich Natotruppen in einem „gerechten Krieg“.  Eigentlich weiß momentan niemand, was in den arabischen Ländern gerade los ist, aber wir werfen schon mal ein paar Bomben und stören uns nicht daran, das die Truppen von Katar und den Vereinten Arabischen Emiraten jetzt mit „uns“ gegen Gaddafi und für die Aufständischen marschieren, während sie in Bahrain gegen die „Aufständischen“ eingesetzt werden, siehe Berliner Umschau.

Gewöhnen wir uns doch jetzt schon mal an die Folgen jener Lumpenpolitik, über die uns diesmal RTL unterrichtet:

In Afghanistan hat es im vergangenen Jahr so viele zivile Kriegsopfer gegeben wie seit Jahren nicht mehr. „Im Jahr 2010 haben wir 2.777 Tote registriert, das ist ein trauriger Rekord der vergangenen Jahre“, sagte der UN-Sondergesandte für Afghanistan, Staffan de Mistura, im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen.

Die Zahl der Strahlentoten wird in diesem Jahr einen neuen Rekord erreichen, ebenso die Zahl der künstlich verarmten Kinder in „Wohlstandsnationen“ und die Zahl der getöteten Zivilisten bei „Friedensmissionen“ der Nato. Die ehedem als strahlender Leuchtturm für Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit auftretende westliche Kultur, die einst der Hort von Demokratie und Menschenrechten war, erlebt ihre ideelle Kernschmelze, der die realen Kernschmelzen der kostenminimierend betriebenen Reaktoren der Atomwirtschaft folgen werden.

Und was machen wir Bürger? Wir gewöhnen uns daran. Stecken den Kopf in den Sand und hoffen, das wir dort sicher sind. Aber es geht hier um Krieg. Krieg einer asozialen Lumpenelite gegen das Volk. Ein weltweiter, totaler Krieg, der dort heiß wird, wo der Widerstand der Bürger zu groß ist.

Ich denke, das wissen auch die Bürger hierzulande – deshalb bleiben sie lieber ruhig, obwohl ihre Kultur gerade den Bach ´runtergeht.

 

 

 

 

 

 


Das Ende der Arbeit? Brennende Manager, Hunger und steuerfreie Millionäre.

Wie gerne würde ich was Schönes schreiben – etwas, das zum Wetter passt. Früher habe ich so Menschen motiviert: Geschichten von der Goldenen Zukunft erzählt, einer Zukunft, in der der Mensch die Möglichkeit hat, sein volles kreatives Potential zu entfalten, weil der „Fluch Arbeit“ durch Maschinen von ihm genommen wurde und so Gelegenheit genug war, das Reich des Ewigen Friedens auf Erden zu etablieren.

Nun – für manche scheint es dieses Reich zu geben, in der SZ lese ich heute von ihnen:

Was für ein Leben: viel Geld verdienen, eine Villa am See besitzen – und die Gewissheit haben, dass das Finanzamt nur selten vorbeikommt. Nach Ansicht der Grünen reduzieren viele Bundesländer absichtlich die Zahl der Steuerprüfungen.

Irgendwie sind manche auf der Reise in die Goldene Zukunft falsch abgebogen. Am Ende der Arbeit wartete nicht das Paradies auf uns, sondern die ARGE, eine Institution, die Armut per Gesetz verordnet und sich der hohen Kunst verschrieben hat, zehn reale Arbeitslose mit einem einzigen (oft auch noch fiktiven) Arbeitsplatz zu beschäftigen. Was dabei herauskommt, kann jeder daheim selbst herausfinden: einfach mal zehn Tomaten in eine Tasse quetschen, in die eigentlich nur eine einzige hineinpassen würde.  Ein Tipp: mit Vernunft hat das Ergebnis nur noch wenig zu tun.

Gegen Hartz informiert vorab aber schon mal, welche Pläne noch so angedacht sind, um das Problem der verschwundenen Arbeit zu  lösen:

So wird ersichtlich, dass Union und FDP langfristig das System der Absicherung und Integration von Arbeitslosen umorganisieren wollen, weg von einem Leistungsanspruch, hin zu mehr Subventionen für Arbeitgeber, dem Ersatz von Pflichtleistungen, auf die Arbeitslose einen Rechtsanspruch haben, in Ermessensleistungen und hin zu einer entlohnungsfreien Arbeitspflicht in der freien Wirtschaft für Arbeitslosengeld II Bezieher (ALG II).

Entlohungsfreie Arbeitspflicht … schönes Synonym für Sklavenarbeit. So errichtet man Imperien – einfach mal Babylonier, Römer oder Mongolen fragen, die haben damit schon Erfahrungen gesammelt.

Nun reagieren Arbeitslose auf diesen Prozess der Integration von zehn Personen auf einen Bürostuhl im Prinzip wie Tomaten: sie gehen kaputt – oft, aber nicht immer. Unsere weichen Westtomaten neigen da besonders schnell zum zerplatzen, die Inder sind da laut Welt schon ganz anders drauf:

Sie waren sauer über anstehende Entlassungen: Mehrere Stahlarbeiter haben einen Manager ihres Konzerns mit Benzin übergossen und verbrannt.

So kann es auch gehen – Kampf um den Arbeitsplatz mal ganz anders.  Sollte sich das Einbürgern, würden Tarifverhandlungen in Zukunft wohl andere Ergebnisse zeitigen, aber man könnte dann wohl nicht mehr darauf verzichten, Millionäre zu besteuern. Ob dieses Modell des Arbeitskampfes sich durchsetzt, wird die Zukunft zeigen – erkennbar ist aber jetzt schon, das am Ende der Arbeit nicht das Paradies auf uns wartet – sondern seltsamerweise der Hunger. In den USA hat man da laut „Querschüsse“ schon Erfahrungen gesammelt:

Laut den Daten des US-Landwirtschaftsministerium (United States Department of Agriculture) stieg die Zahl der Food Stamps Bezieher im Dezember 2010, bereits den 26. Monat in Folge, auf 44,082 Millionen an, nach 43,595 Millionen im Vormonat und nach 38,978 Millionen im Vorjahresmonat.

Das riecht verdächtig nach Hunger, kann aber nicht sein, weil es den in den USA nicht mehr gibt. Den haben die USA aber so elegant aus dem Weg geräumt wie die Deutschen ihre Arbeitslosenzahlen, siehe Wikipedia:

Im Jahre 2006 geriet das Ministerium in die Schlagzeilen, weil es in seinem neuesten jährlichen Bericht über die Nahrungsmittelversorgung der US-Bevölkerung den Begriff Hunger entfernte und durch dieeuphemistische Bezeichnung „sehr niedrige Nahrungssicherheit“ (very low food security) ersetzte. Dem Bericht zufolge gehören 12 % der US-Amerikaner, also über 35 Millionen Menschen, zu der durch sehr niedrige Nahrungssicherheit gefährdeten Gruppe.

Super! Einer von acht Amerikanern hungerte schon 2006. Man darf nicht daran denken, was wäre, wenn es heute auch noch Hunger in den USA gäbe, die Zahlen würden wohl sehr unheimlich werden. Wie gut, das die Definitionskünstler unter den wohlversorgten Regierungsbeamten immer erfolgreicher das Sandmändchen für die Bevölkerung spielen, während der Hunger laut Manager Magazin immer weiter vorrückt:

Eskalierende Preise treiben tausende Inder durch die Straßen, in China warnt Premier Wen Jiabao vor Unruhen: Ein Inflations-Tsunami droht das boomende Asien zu überfluten, das Deutschland wie ein Hafenschlepper aus der Rezession ziehen half. Jetzt fürchten Ökonomen Schockwellen bis nach Deutschland.

Auf diese Schockwellen bereiten sich wohl die asozialen Raffgeier und Gierschlünde der Gesellschaft vor – zusammen mit den Verantwortlichen in Regierung und Opposition, alle nach dem Motto: nach mir die Sintflut! Nur so scheint man die steigende Abwesenheit praktischer Vernunft  in Regierungs- und Wirtschaftsgeschäften erklären zu können.

Das haben wir also davon gehabt, das wir uns vor 150 Jahren (eine unglaublich kurze Zeit, wenn man recht bedenkt) mit ein paar glitzernden Perlen von unseren Äckern haben fortlocken lassen. Im Prinzip geht es uns da wie den Indianern, die auch die gleichen Perlen hereingefallen sind. So verlockend, so sicher, geborgen und golden schien die Zukunft in den industrialisierten Städten zu sein, doch am Ende war das alles nur ein Trugschluß und auf Sand gebaut. Am Ende der ganzen Zivilisationsentwicklung zeigt sich, das wir immer noch dem gleichen Urteil unterliegen, dem schon unsere Urväter gehorchen mußten: ohne Arbeit droht der Hunger – nur ist er diesmal künstlich erzeugt, politisch gewollt – oder durch bloße Dummheit in die Welt gekommen.

Diesmal aber haben wir nicht mehr die Kraft, ihn im Notfall zu verbannen. Sollte die Welt uns wirklich mal übel gesonnen sein, so kann dieses Land nur noch einen winzigen Bruchteil seiner Bevölkerung ernähren, die man bei „Freies Wort“ nachlesen kann:

Die regionale Selbstversorgung liegt in Deutschland nur noch bei alarmierenden 10%, in Havanna, Kuba, sind es 70%.

Wer würde also richtig ernste Krisen überleben? Jene Krisen, die unserer Bundeswehr den Ölhahn abdrehen könnten?

Über mangelnden Revolutionswillen in diesem Land sollte man sich anhand dieser Zahlen nicht mehr wundern – hier steht der Hunger schon vor der Tür, obwohl der Tisch noch prall gefüllt scheint. Bricht nur einmal die Lieferkette zusammen – wegen Ölmangel, Krieg, Seuchengefahr … dann haben wir auch kein Problem mehr mit der Arbeitslosigkeit, sondern nur noch eins mit der Leichenentsorgung.

Da müssen die Millionäre und Parteifunktionäre dann aber mal selbst Hand anlegen und zum ersten Mal in ihrem Leben richtig arbeiten. Vielleicht tröstet das ja den einen oder anderen jener Mitbürger, die in ihrem Leben immer nur eins kannten: zuviel Arbeit für zuwenig Geld.

 



 

 

 

 

Apokalypse 2012, Gaia, das Bienensterben und der Weg der Naturwissenschaften ins Konzentrationslager

Der „freie Wille“ ist eine religiöse Erfindung, die aus vorwissenschaftlicher Zeit stammt. Es gibt Krankheiten, die zu bestimmten Handlungen zwingen, z.B. der Tollwuterreger zwingt den Wirt, Wasser und Licht zu meiden und zu beißen. Nix mit „Freier Wille“.

So schreibt der Leser Henkersknecht im Stern.  Das ist die … „naturwissenschaftliche“ Meinung zur Grundlage unserer westlichen demokratischen Wertegemeinschaft.  Seit 150 Jahren versucht die Naturwissenschaft zu beweisen, das wir in einer großen Dampfmaschine leben. Einige Physiker und Biologen sind zwar schon ausgeschert, aber der Mainstream marschiert streng weiter.

Naturwissenschaftler als Menschen durfte ich als Wirt in meiner Studentenkneipe beobachten – danach hatte ich keine weiteren Fragen mehr. Wer mit dem Menschen nichts anfangen kann, der wendet sich dem Atom oder der Kröte zu und verbringt seine Freizeit gerne mit Bier und Kartenspielen, falls er nicht gezwungen ist, infolge eines eingefleischten Hangs zur Unauffälligkeit unbemerkt in einer Ecke zu sitzen. Ich weiß, das ist jetzt ein Vorurteil – mein Vorurteil – gebildet aus einer ganz kleinen Beobachtungsgruppe. Aber mal ehrlich … würde man sich zehn Naturwissenschaftler einladen wenn man  einen aufregenden, unterhaltsamen Abend voller Geist, Witz und Humor erleben möchte … oder würde das eher dröge?

Die naturwissenschaftliche Art zu Denken hat Vor- und Nachteile, wie alle Sichtweisen. Sie ist nicht uneingeschränkt falsch – noch uneingeschränkt wahr. Es ist eine Definitionswirklichkeit, der allerdings langsam aber sicher die Materie ausgeht, von der die Physiker immer weniger finden … noch ein bischen weiterforschen, dann ist alles Geist und wir müssen komplett umdenken.

Immer weniger fällt uns bei der Betrachtung der Welt auf, das es da auf jeden Fall außerhalb der Materie noch etwas anderes gibt, etwas, das uns selbst aber viel mehr ausmacht als unsere Zellen. Wir Menschen sind nicht nur Hardware, wir sind auch Software … und ohne diese Software gäbe es keine Menschen. Jeder Mensch weiß das und merkt es in dem Moment, wo er diese Zeilen liest, ist sich aber wohl nicht der Bedeutung dessen bewußt, was da gerade geschieht – weil es so schrecklich selbstverständlich ist.

Trotz der Bedeutung der Software, für die wir die „Geisteswissenschaften“ überhaupt erst ins Leben gerufen haben,  werden Geisteswissenschaften bei der Beurteilung der gesellschaftlichen Prozesse immer weniger berücksichtigt. Der Bundestag ist voller spitzfindiger Juristen und halbgebildeter Lehrer, während Psychologen, Philosophen und Soziologen mehrheitlich draußen bleiben müssen. Fachkompetenz in menschlichen Fragen würde augenscheinlich beim Regieren sehr stören. Das entspricht dann auch in vollem Umfang dem Ergebnis, das wir tagtäglich präsentiert bekommen.

Konfliktbereiche zwischen Software und Hardware sind tabu … und fast alle ausgeräumt, entsorgt, in Lager gesperrt. Ein Grund, warum auch die „Selbstverwirklichung in sozialer Verantwortung“ sowie die politische Bildung in den Schulen zugunsten einer Verstärkung der technisch-naturwissenschaftlichen Fächer vernachlässigt wurden. So werden wir uns in Zukunft an Amokläufe und Konzentrationslager gewöhnen müssen – sie korrespondieren völlig mit betriebswirtschaftlichem und naturwissenschaftlichem Denken, in dem die freie politische Willensbildung keine Rolle spielen braucht – wir sind ja sowieso alle nur irgendwelche Affen, die man für Tierversuche im Namen der Wissenschaft hemmungslos verbrauchen darf.

Diesen Zusammenhang zwischen einer Denkmode, einem Wirklichkeitsmodell und dem konkreten politischen Alltag würde ich mir täglich an jeder Schule vorgestellt wünschen. Dann könnte ich wieder daran glauben, das westliche Welt eine Zukunft  jenseits von Umweltkatastrophen, Wirtschaftskrisen und Weltkriegen hat.

Stattdessen finde ich folgende Sätze bei Yahoo:

Kartenlegen darf kostenpflichtig sein. Mit dem Urteil gab der Bundesgerichtshof (BGH) am Mittwoch in Karlsruhe einer selbstständigen Lebensberaterin teilweise recht, die ihre Ratschläge anhand von Kartenlesen gewann, wie das Gericht mitteilte.

Der BGH räumte in seinem Urteil zwar ein, dass die von der Klägerin versprochene Leistung objektiv unmöglich sei. Das bedeutet, dass die Leistung nach den Naturgesetzen oder nach dem Stand wissenschaftlicher Erkenntnis und Technik nicht erbracht werden kann. Dies sei laut Gericht der Fall, wenn der Einsatz übernatürlicher, „magischer“ oder parapsychologischer Kräfte und Fähigkeiten versprochen werde.

Selten hat ein Gericht so daneben gegriffen – und selten wird es so deutlich, wie sehr Geisteswissenschaften schon aus der Wirklichkeitsbeschreibung verdrängt wurden.

Wenn Beethoven sich faule Äpfel in den Schreibtisch legt, weil der Geruch ihn zu genialen Kompositionen stimuliert, dann berührt der Prozess in keiner Weise das Aufgabengebiet von Naturwissenschaften. Wenn eine psychologische Beraterin Tarotkarten (die in ihrer psychischen Bilderdimension sämtliche Kernthemen des menschlichen Lebens kritisch berühren) zur Stimulation braucht, berüht das auch nicht den Aufgabenbereich der Naturwissenschaften. Wenn aber Naturwissenschaften über diesen Bereich urteilen (also ihr Aufgabengebiet verlassen) verhalten sie sich wie Militärdiktaturen oder die Inquisition: sie benutzen Macht, um Wahrheit zu schaffen. Ein sehr unwissenschaftliches Prinzip, das infolge fortschreitender Reduzierung der Wirklichkeit und fortschreitender Dogmatik ganz schnell ein ganz enger Denkkäfig wird, in dem der Mensch nur noch Platz als lästiger Kostenfaktor hat. Aber das ist ja vielleicht auch der Grund, warum wir anstelle von Beethoven „Modern Talking“ haben.

Dabei ist es die Naturwissenschaft selbst, die immer wieder an beunruhigende Grenzen stößt … wie an die Grenze, das der Tollwutvirus es schafft, seinem Träger Angst vor Wasser zu vermitteln, woraus sich die Frage ergibt: wie viele unsere Entscheidungen sind eigentlich noch von den drei Kilo Bakterien- und Virenmasse beeinflußt, die jeder Mensch in sich trägt? Da begegnete mir schon mal die Meinung, das der Mensch nur als Transportvehikel für Genmaterial entworfen wurde … alles kleine Bausteine, die seine Vernichtung (im Einzelnen oder in der Masse) als ethisch und moralisch bedeutungslos erscheinen lassen, wie sowieso Ethik und Moral in einer strikt naturwissenschaftlich ausgerichteten Welt keinen Platz haben. Ethik und Moral sind nach dem Stand von Wissenschaft und Technik unrelevant … nur für die Menschheit als solche spielen sie eine Rolle, weil sie nicht beliebig vergast werden möchte. Noch darf sie sich diesen freien Willen erlauben, bevor der alternativlose Sachzwang (eine Sichtweise, die direkt aus den Naturwissenschaften und aus dem Versuch, sie auf das Leben selbst zu übertragen stammt) die Massenvernichtung unwerten Lebens unausweichlich werden lässt – natürlich alles im Namen der Wissenschaft.

Wenn wir allerdings davon ausgehen (und hier stoßen wir auch gleich an das nächste Tabu), das der Mensch möglicherweise nur durch seine kleinen Gen-Gäste gesteuert wird … müßten wir dann nicht davon ausgehen, das so etwas vielleicht auch in größerem Umfang der Fall ist? Wir hätten dann überhaupt keine Probleme, die Merkwürdigkeiten zum Jahresbeginn zu deuten, hier bei Yahoo:

Seit Tagen sorgen Berichte über ein plötzlich auftretendes, weltweites Massensterben bei verschiedenen Tierarten für Schlagzeilen. Zunächst verendeten in den US-Bundesstaaten Arkansas und Louisiana zahlreiche Vögel und Fische. Auch in Schweden entdeckte man mehrere Vogelkadaver auf der Straße. Jetzt wurden an der Südostküste in Großbritannien Zehntausende Krebse und andere Meerestiere leblos an Land gespült. Experten nennen nun erste mögliche Ursachen für das weltweite Massensterben.

Experten nennen nicht Ursachen, sie formulieren Theorien. Das wird sprachlich in den letzten Jahren gerne mal unterschlagen, vor allem seit Theorienbildung selbst ebenfalls zum politischen Tabu geworden ist – siehe „Verschwörungstheorien“.

Wenn schon dem Menschen untergeordnete Biosysteme solche Macht über ihn bekommen können, wäre es dann nicht einfach konsequent, die gleiche Macht auch den übergeordneten Biosystemen zuzugestehen, was folgerichtig zur „Gaia-Hypothese“ führt? Von da aus ist es nur ein kleiner Schritt bis zu der „Erkenntnis der Ursache“, das uns die Gesamtheit der aussterbenden Biosysteme (früher gerne auch mal „Gott“ genannt, insofern eigentlich nichts Neues, könnte man sagen) einen Schuß vor den Bug schickt, bevor sie sich anschickt, unsere Art und Weise zu leben mit Gewalt zu korrigieren.

Darum kriegen Propheten auch Träume von sterbenden Vögeln und Fischen, der Allgegenwart der „unheiligen Zahl“ 666 (die seltsamerweise wirklich auf jedem Apothekenrezept steht … was mir immer noch keiner plausibel erklärt hat) und drohender Apokalypsen.

Die Softwarekünstler der Menschheit hätten kein Problem damit.  Sie wissen, das sie Geist haben, der lachen und leinen, glücklich und traurig sein kann, der geniale Ideen und zukunftsweisende Visionen entwickeln oder einfach nur ästhetische Kompositionen von atemberaubender Schönheit schaffen kann, während die kulturelle Leistung einer rein naturwissenschaftlich ausgerichteten Zivilisation sich in der Konstruktion von Plattenbauten erschöpft, die auch warm und trocken halten. Die naturwissenschaftlichen  Hardwareschrauber jedoch … verstehen das nicht, weil trotz aller „Aufgeklärtheit“ ein weiteres Tabu wirkt: der Mensch, so minderwertig er auch ist, bleibt weiterhin die unantastbare Krone der Schöpfung – oder weil Naturwissenschaftler einfach wirklich keinen Geist haben und sich deshalb am Rest der Welt rächen wollen.

Und so … haben wir doch noch eine Chance auf einen Weltuntergang 2012, der ganz einfach beginnen kann: stirbt die Biene aus, hat die Menschheit noch vier Jahre zum Überleben.  Und der Biene geht es nicht gut, siehe  Wirtschaftsblatt.at:

So hat sich beispielsweise in den USA der Bestand von vier weit verbreiteten Bienenarten in den vergangenen Jahrzehnten um rund 96 Prozent reduziert. Ähnlich alarmierend seien die Zahlen für Großbritannien. Einige Arten sind in den vergangenen 40 Jahren um 70 Prozent zurückgegangen, so die Zeitung „The Guardian“ in einem ­Artikel vergangene Woche.

So einfach könnte der von den Maya ausgerechnete Weltuntergang kommen: am 22.12.1012 stirbt die letzte Biene. Und dann werden uns unsere Techniker auch nicht mehr helfen können, trotz aller Heilsversprechen, die sie seit hundertfünzig Jahren jährlich ausgeben, haben sie uns nur in erster Linie eins gebracht: aus unserem Garten ist ein Parkplatz für einen Supermarkt geworden, wo uns minderwertige Waren neue Gifte für neue Krankheiten liefern.

Vielleicht sollten wir es einfach mal versuchen, doch noch den guten alten freien Willen wiederzubeleben, jenes eigentliche Produkt der Aufklärung und formulieren: wir wissen, das es keine Alternative gibt – aber wir sind in der Lage, etwas Anderes zu wollen … und wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.  Besser als alternativlos auf dem Supermarktparkplatz zu verhungern (was einem bald schon aus einfachem Mangel an Tauschmitteln für Waren – sprich Geld – gelingen kann) ist es auf jeden Fall.

Der kommende Aufstand

Man findet in den Medien ja auch mal klare Worte – wenn man will. Verstörende Worte, die nicht zu den üblichen Aufschwungparolen passen. Zum Beispiel gestern in der WELT:

Schon jetzt steht Deutschland mit einer prognostizierten Gesamtverschuldung von 1,884 Billionen Euro an der Spitze der europäischen Schuldenstaaten. Sollte die Wirtschaft einbrechen, wäre das eine unbezahlbare Hypothek.

Das sind Sätze die man gerne hört. Sie erklären die Aufschwunghysterie: wir können es uns gar nicht mehr erlauben, ohne Aufschwung auszukommen, dürfen uns schon längst nicht mehr erlauben, ihn auch nur im geringsten Maße zu bremsen, obwohl auch das wahrscheinlich nicht mehr ausreichen wird:

Gleichwohl dürfte es unmöglich sein, von diesem Schuldenberg wieder herunterzukommen. „Allein um die deutschen Rettungsmaßnahmen nach der Finanzkrise zu bezahlen, wäre in den kommenden 15 Jahren ein Wachstum von deutlich mehr als sechs Prozent pro Jahr erforderlich“, rechnet Michael Müller vor, früherer SPD-Staatssekretär im Umweltministerium. Solche Erwartungen aber sind geradezu illusorisch. Denn zwischen 1998 und dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 wuchs die deutsche Wirtschaft jährlich im Schnitt um gerade mal 1,5 Prozent. In den sechziger Jahren, also zur Zeit des Wirtschaftswunders, waren es 4,5 Prozent.

Das heißt: wir Deutschen sind pleite. Bankrott. Und hatte noch nicht mal was davon:

In Deutschland gibt es seit bald zwei Jahrzehnten keinen nachhaltigen Konsum, der nennenswert über das existenziell Notwendige hinausgeht. Der Grund hierfür sind Einkommen, die deutlich hinter der konjunkturellen Entwicklung zurückblieben. Obwohl Deutschland Exportweltmeister ist und zu den reichsten Ländern der Erde zählt, wuchs die Kluft zwischen Arm und Reich deutlich. „Seit dem Jahr 2000 haben in Deutschland Einkommensungleichheit und Armut stärker zugenommen als in jedem anderen OECD-Land“, heißt es in einem OECD-Bericht aus dem Jahr 2008.

Wer meint, die Renten sind sicher, der irrt, zumindest, wenn er Beamter ist

Da sind die gewaltigen Pensionslasten für die Beamten, für die bislang kein Cent zurückgelegt wurde, noch gar nicht eingerechnet

Dazu passen zwei weitere Meldungen in der gleichen Zeitung vom gleichen Tage. Die erste hier:

Das Haushaltsdefizit des Bundes ist in den ersten drei Quartalen dieses Jahres auf 49,4 Milliarden Euro gestiegen. Damit war die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben um 16,1 Milliarden Euro größer als im Vorjahreszeitraum. Dies teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden nach vorläufigen Ergebnissen mit.

Die zweite hier:

Immer mehr Menschen gehören zu den Empfängern von Arbeitslosengeld II und Sozialgeld – ein Viertel davon sind Kinder unter 15 Jahren.

Normalerweise wären das Fakten, die man dem Bürger jeden Tag um die Ohren hauen müßte, damit er zu Besinnung kommt und Politik und Wirtschaft in die Pflicht nimmt, nicht nur Beiträge zur Selbstbereicherung einzustreichen sondern ihren Beitrag zur Lösung des Problems zu liefern – am liebsten in Bargeld. Andererseits darf man das nicht zu laut sagen, weil sonst auch noch das letzte Privatgeld ins Ausland geht und sich dort in Luft auflöst.

In diese Zeiten, die – nach nur einer Ausgabe der WELT zu urteilen – mehr als düster und vor allem scheinbar zu Ende sind, fällt eine Schrift, über die ich andernorts schon mal geschrieben habe und die in derselben Ausgabe der WELT zu einem denkwürdigen Kommentar führt.

In Frankreich hat ein „Unsichtbares Komitee“ eine Hetzschrift gegen Metropolen veröffentlicht. Damit treffen die Extremisten offenbar den Nerv der Zeit.

Dieses Pamphlet, getragen von schneidender Verachtung und von der Gewissheit, dass die Städte, in denen wir leben, nichts Besseres verdient haben, als auf der Stelle in Brand gesteckt zu werden, verkündet eine einzige diagnostische Botschaft:

Das Leben ist ganz fürchterlich, und zwar ausnahmslos jedermanns Leben; wer etwas anderes glaubt, macht sich bloß etwas vor. Woran immer die Menschen Spaß haben, es ist in Wahrheit bloß ein Narkotikum, das sie davon abhält, mit der Wahrheit in Kontakt zu treten – jener Wahrheit, dass nichts mehr geht.

Offenbar sollte man die Wahrheit des unsichtbaren Komitees ernster nehmen, denn das bald „nichts mehr geht“ scheint auch die Wahrheit der anderen WELT-Autoren zu sein. Wie es momentan aussieht, werden wir ein Volk von Hartz IV – Beziehern, denen man letztendlich die Leistungen komplett streicht, weil „kein Geld mehr da ist“.

Auch die Unterhaltungselite gerät in die Kritik:

die Milieus der Literaten, Journalisten, Sportler und Künstler „mit ihrem Getratsche und ihren informellen Hierarchien, jedes einzelne von ihnen beauftragt, eine Wahrheit zu neutralisieren“

was dann letztlich den Zorn des Autors aufkommen läßt:

Hin und wieder versucht man, sich die Menschen zu dieser grimmigen Stimme auszumalen, aber diese Vorstellung ähnelt einem Wackelbild, aus dem einem alle möglichen Gesichter entgegenspringen. Spricht da ein muffiger Rentner, der mit all dem neumodischen Teufelszeug nichts anfangen kann?

Ein von seinem Job angeekelter Werbetexter, der endlich für etwas Fundamentaleres Propaganda machen will? Ein gewaltig untervögelter Philosophiestudent, der sich vorgenommen hat, der entfremdeten Welt mal ordentlich die Leviten zu lesen? Ein Kabarettist, ein Taxifahrer?

Die Hilflosigkeit, mit der man versucht, diese Schrift einzusortieren, hat etwas verstörendes an sich, verstörend deshalb, weil doch nicht das unsichtbare Komitee das Problem ist – sondern die Wirklichkeit, die sie beschreiben. Bis gestern hätte ich nicht gedacht, das diese kleine Schrift nochmal in mein Leben tritt – aber sie scheint weite Kreise der medialen Welt zu beunruhigen.

Ob nun Süddeutsche Zeitung, die mit eindeutigen Anweisungen für Ordnung sorgt (Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum es falsch wäre, den „Aufstand“ als antimodernes Pamphlet abzutun), die FAZ, die der linken Revolution ein schnelles Ende voraussag (Eine kollabierende öffentliche Ordnung würde nicht von Deleuze lesenden Kommunarden verbessert, sondern durch eine Mafia regiert. Wenn die Züge nicht mehr fahren, folgt nichts Besseres. Nach dem kommenden Aufstand kommen die schwarzen Geländewagen) oder die TAZ, die sich empört, das das alles nicht richtig links ist (Der kommende Aufstand ist linke Erlösungsfantasy mit rechten Elementen. Das mögen viele immer noch nicht erkennen).

Was man merkt ist: der Journalist sieht seine Deutungshoheit in Gefahr. Was man aber in zweiter Linie merkt ist – die kleine Schrift scheint Angst zu machen. Angst davor, das sie die Wahrheit beschreiben? Eine Wahrheit, die man tagtäglich in den eigenen Magazinen nachlesen könnte und die man gerne so formuliert, das sie möglichst positiv klingt?

Die öffentliche Ordnung wird nicht zusammenbrechen, weil Kommunarden den Strom abstellen, sondern weil Banken die Zahlungen einstellen. Das ist doch die Botschaft der Artikel in der WELT heute: Deutschland ist pleite und daran wird sich auch nichts ändern. Aller künstlicher Jubel über wenige Arbeitslose, steigende Steuereinnahmen und Rekordexporte kann die Wahrheit nicht mehr vertuschen: das Land ist pleite und wird es bleiben.

Noch was aus der TAZ und der dort weltbewegend wichtigen Schlacht über die korrekte Einordnung der Schrift in ein rechts/links Schema?

Noch weiter versteigt sich Alex Rühle in der SZ. Weitgehend kritiklos bestaunt der Internetverweigerer den „düsterrevolutionären Zorn“ des Buches, seine „Aura der Hellsichtigkeit“ und seine „heroische Melancholie“. Gerade die darin vertretene „Partizipationsverweigerung“ sagt ihm zu. Sein Urteil lautet kurz, es handele sich um „ein Weißbuch des Überlebens in stürmischen Zeiten“. Und auch zu weiteren Entgleisungen lässt er sich verleiten: „Das System“, schreibt er, „ist überall, fast wie Gas ist es noch in die letzten Ritzen des Privatlebens gedrungen.“

Ein „Weißbuch des Überlebens in stürmischen Zeiten“ wäre notwendig – wenn die Zeiten stürmisch werden. „Überleben“ als solches ist auch erstmal weder „rechts“ noch „links“. Man beruft sich als „Linker“ gerne auf Werte wie „Freiheit“ „Gleichheit“ „Brüderlichkeit“ – was aber  ist, wenn diese Werte die Abkehr von der Maschinenkultur fordern? Was ist, wenn diese Maschinenkultur, die seit über hundert Jahren Rohstoffe in Müllberge und Landschaften in Betonwüsten verwandelt, als solche nicht überlebensfähig ist? Was, wenn immer mehr junge Menschen „aus bestem Hause“ gerade zu diesem Ergebnis kommen und in der Großstadt das Symbol jener Entwicklung sehen, die ihnen die Zukunft stiehlt … und sich aufmachen, sich einfach selbst eine Zukunft zu sichern?

Wenn der König zum Bauern wird, wird´s für den Höfling ungemütlich, das kam mir in den Sinn, als ich die Kommentare las. Und ich fragte mich: lesen die die anderen Artikel in ihren eigenen Zeitungen nicht – und erwarten die dasselbe von den anderen Lesern? Zeitungskauf wird (Partei)Spende für Meinungsverbreitung – kann man den Prozess dann nicht effektivieren und das Drucken ganz sparen? Ich denke, wären da nicht die Werbeeinnahmen,  würde man darüber schon nachdenken.

Dabei ist die Grundaussage des „unsichtbaren Komitees“ nicht neu, „Nur Stämme können überleben“ war schon in den siebziger Jahren bekannt. Vielleicht merken das jetzt immer mehr, ebenso wie immer mehr merken, das die Fleischtöpfe weniger werden – auch für Journalisten.  Und das macht dann Angst.

Gewalt und Gegengewalt in der sozialen Marktwirtschaft des 21. Jahrhunderts: der kommende Genozid

Es gab Zeiten, da hatten wir mal der Gewalt den Kampf angesagt. „Wir“? – ja, wir. Wir Jugendlichen Ende der siebziger Jahre, die Willy Brandts Aufruf gefolgt sind und mehr Demokratie wagen wollten. Uns habt ihr die „Grünen“ zu verdanken.

Die Lösung der Gewaltfrage schien zu Anfangs einfach. Erstmal selbst auf Gewalt verzichten. Gewalt erzeugt Gegengewalt. Und dann der Gewalt die Nährstoffe entziehen – in einem Klima von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit sollte sie keinen Grund mehr haben, sich zu entfalten. Die „Alten“ von damals erzählten zwar von „Adolfs sicheren Straßen“ und man erfuhr irgendwann, das die Mafia unter Mussolini verschwand, aber man konnte sich beruhigt zurücklehnen und sagen: „damals hatten die Verbrecher halt alle Uniformen“ – und hat es damit auch irgendwie getroffen.

In meiner Kindheit in einer kleinen Stadt im Ruhrgebiet in den sechziger Jahren war die Haustür immer offen, damit die Kinder ein- und ausgehen und die Nachbarn jederzeit hereinkommen konnten. Wo gibt es das heute noch? Nun – hier, vor Ort vielleicht. Aber das ist eine kleine Enklave des Friedens, eines Friedens, der auch wohl irgendwann vergehen wird.

Die Mehrheit der Deutschen ist jetzt für die Pläne von Stuttgart 21. Jedenfalls die Mehrheit jener, die bei Meinungsumfragen befragt werden. Ein toller Erfolg der Protestbewegung, die mit der gleichen Naivität auf die Straße gegangen ist wie wir früher. Aber der Bahnhof wird jetzt grüner – während der Rest des Landes laut der Zeit dem bislang üblichen Muster folgt:

Nach Überwindung der Wirtschaftskrise folgt die Einkommensverteilung hierzulande wieder ihrem langjährigen Muster: Die Schere zwischen den Einkommen aus Löhnen einerseits sowie aus Gewinnen und Kapitalerträgen andererseits geht in Deutschland laut einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung weiter auseinander. Bruttolöhne aus Erwerbsarbeit machten demnach 2010 im ersten Halbjahr 65,5 Prozent aus und damit 2,9 Prozentpunkte weniger als 2009. Bruttogewinne hingegen hatten im ersten Halbjahr einen Anteil von 34,5 Prozent am Volkseinkommen – 2,9 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Wer arbeiten geht, ist der Dumme. Das merken die Dummen auch, regen sich aber eher über die Arbeitslosen mit wenig Geld auf anstatt über die Arbeitslosen mit Yacht, Porsche und Privatflieger. Im 21. Jahrhundert verdient Geld Geld – wer dort mit Arbeit Geld verdienen will, glaubt wohl auch noch an soziale Marktwirtschaft. Wo eine Gesellschaft enden soll, die nur noch darauf aus ist, Geldhaufen künstlich immer schneller aufzuhäufen, kann mir niemand erzählen … zumal es immer irgendwo jemanden geben muß, der den Preis für die Arbeit erbringen muß. Viele der alten Geldhaufen sind laut Wikipedia schon im alten Preußen angelegt worden.

Die Kinderarbeit in dieser massiven, ausbeuterischen Form wurde bald zu einem sozialen Problem in den heutigenIndustrienationen. Die Armee hatte wegen der vielen kranken Kinder zunehmend Schwierigkeiten, genügend gesunde Rekruten zu finden. Preußen erließ deshalb 1839 ein Gesetz (Preußisches Regulativ), das Kindern unter neun Jahren die Arbeit in Fabriken verbot; die 9- bis 16-Jährigen durften nicht mehr als zehn Stunden täglich arbeiten, nicht mehr an Sonntagen und nicht mehr nachts.[4] Im Jahr 1853 wurde das Mindestalter für die Fabrikarbeit auf zwölf Jahre angehoben. Noch 1858 arbeiteten allerdings 12.500 Kinder im Alter von 8 bis 14 Jahren in preußischen Fabriken. Als Folge der Kinderarbeit wurde in Preußen die Gewerbeaufsicht gegründet. Ein am 1. Januar 1904 in Kraft getretenes Kinderschutzgesetz untersagte imDeutschen Reich die Beschäftigung von Kindern unter zwölf Jahren in gewerblichen Unternehmen.

So gründet man Geldhaufen. Irgendwo zu Beginn steht ein großes Verbrechen – und auch wenn die Erben noch so schön Klavier spielen und Gedichte rezitieren: es klebt Blut an diesem Geld. Armee und Kaiser haben die Kinder in Deutschland gerettet, die Industriebarone hätten sie weiter verheizt.

Machen wir heute auch noch – interessiert immer noch nur ein kleines Häuflein ungenierter Kritiker wie hier zum Thema „Wilhelmsplatz“:

Hauptsächlich in Indien und China werden Pflastersteine in vielen Steinbrüchen von Kindern zwischen 9 und 14 Jahren geschlagen und landen dann als Billigangebote auf dem deutschen Markt.

In München, Köln und vielen anderen deutschen Städten wurden solche Pflastersteine aus Entwicklungsländern offenbar ungeniert auf öffentlichen Flächen verlegt.

Vielleicht wird ein Eifelphilosoph des 23. Jahrhunderts ähnlich über unsere Zeit schreiben, wenn er detalliert auf die strukturelle Gewalt der Bundesrepublik schaut … und auf die Gegengewalt, die es auslöst. Hoffentlich stößt er auch auf den Bericht der Zeit-Autorin Susanne Leinemann, „Der Überfall“ heißt er.  Sie wurde fast totgeschlagen von … Aussortierten.

Als ich zu mir komme, liege ich auf dem Bürgersteig in meinem Blut. Ich habe keine Ahnung, was geschehen ist. Bin ich gestürzt? Wo sind die beiden jungen Männer, denke ich vollkommen verwirrt, warum haben sie mir nicht geholfen? Ich gehe auf alle viere, versuche mich zu orientieren – alles ist unscharf, trotzdem erkenne ich die vertraute Umgebung. Meine Handtasche, keine Ahnung, wo die ist. Mein Gesicht ist nass und klebrig. Blut, überall Blut. Ich versuche aufzustehen, taumele, falle, kann mich mit den Armen abfangen. Die Kinder, denke ich. Ist zu Hause alles in Ordnung? Ich muss nach Hause, sofort! Ich fühle keine Schmerzen, wanke wie eine Betrunkene über die Straße. Der Blick nach vorn hält mich aufrecht, es ist nicht weit, eine Ecke noch bis zu unserem Haus. Es ist so dunkel, so furchtbar dunkel. Auf die Idee, nach Hilfe zu schreien, komme ich nicht.

Sechs Tage werde ich auf der Station bleiben. Schädel-Hirn-Trauma zweiten Grades. Schädelbruch über der Augenhöhle. Hirnhautriss. Luftbläschen sind eingedrungen, es besteht Infektionsgefahr. Niemand weiß, wie sich die Blutung am Gehirnaußenrand entwickelt. Sollte ich plötzlich doppelt sehen, schärft man mir ein, muss ich sofort eine Schwester rufen.

Laut Statistik wird das Land immer friedlicher….trotzdem verwandeln sich die Häuser immer mehr in Festungen. Nur Paranoia?

Ich glaube kaum. Frau Leinemann war zum Zeitpunkt des Überfalls (Beute: 35 Euro) 41 Jahre alt. Etwas Jünger ist die Zeit-Redakteurin Cosmia Schmitt, 35, die in einem Essay deutlich macht, was wir zu erwarten haben:

Heute stehen die Babyboomer mitten im Berufsleben. Die nächsten 20 Jahre verstopfen sie die Führungsposten. Dann gehen sie in den Ruhestand – und ein Millionenheer aus Rentnern wird dieses Land bevölkern. Sie werden uns die Luft abschnüren. Sie werden reisen wollen und konsumieren, sie werden in die Hörsäle strömen und Kunstgeschichte studieren und jede Rentenkürzung abwehren. Und die Parteien werden sich ihren Bedürfnissen anpassen, wer kann schon auf so viele Wählerstimmen verzichten?
Unter uns Jungen hört man oft den Satz: »Wir würden ja gern Revolution machen, wir wissen aber nicht, wogegen.« Die Babyboomer werden unser Wogegen sein.

Wenn einem die „Luft abgeschnürt wird“, dann darf man aus Notwehr … was alles tun? Renten massiv kürzen, Wahlrecht und Bildungsmöglichkeiten einschränken?

Von den jugendlichen Tätern OHNE Migrationshintergrund der Frau Leinemann kann man sich noch distanzieren. Ist halt Prekariat, da kann man nichts machen. Dabei stand ihnen Frau Leinemann bei ihren Zielen nur ebenso im Weg wie die Rentner der Frau Schmitt im Wege stehen – auf ihrem Weg nach oben, dorthin, wo Geld sich von selbst vermehrt.

In einer Gesellschaft, in der Geld gleich Leben ist – wieviel Geld braucht man da, um sein Überleben sichern zu können? Wieviel Geld braucht man, um sich einen geschützten Raum aufbauen zu können, von dem aus man sich seinen Platz im Leben erobern kann? Wie „sozial“ ist eine Marktwirtschaft, in der „heile Familie“ ein Gut ist, das sich nur noch gutsituierte Menschen leisten können? Wieviel Gnade, Toleranz, Güte und Menschlichkeit erwartet man von einem Millionenheer von Kindern, die von Politik und Gesellschaft abgestraft wurden, weil ihre Eltern Langzeitarbeitslose waren – Langzeitarbeitslose, die die Industriebarone gezielt geschaffen und an deren Diskriminierung ihre Werbeblättchen gezielt mitgearbeitet haben? Wieviel Gnade kann man erwarten, wenn schon die gutsituierten Mitbürger zum Genozid blasen?

All die gutgemeinte Sozialarbeit wird wenig nützen, wenn Industrie, Werbung, Politik, Schule, Medien andere Werte vermitteln und sogar der Bundespräsident und der Verteidigungsminister sagen, es sei ganz ok, wenn wir unsere wirtschaftlichen Interessen mit militärischer Gewalt im Ausland verteidigen, damit der Zugang zu billigen Pflastersteinen nicht verwehrt wird.

Nichts anderes haben die jugendlichen Schläger auch gemacht: ihre wirtschaftlichen Interessen mit Gewalt verteidigt, sich das Geld geholt, das offensichtlich – angesichts der umgebenden Luxuskultur – in Massen vorhanden ist, das sie aber niemals durch Arbeit bekommen können, weil wir für Arbeit kein Geld mehr geben können – die Selbstvermehrung des Geldes verschlingt alles, was für die Entlohnung der Arbeit notwendig wäre.

Hören wir noch mal Frau Leinemann zu, die über den Täter schreibt:

»Und wenn ich einen umbringen muss, damit ich in den Knast komme – da habe ich meinen Fernseher, meine Zigaretten und meine Ruhe«, droht der Brutalste der drei im Februar 2010 in Gifhorn, nachdem die Polizei zum dortigen Kinderheim gerufen wurde. Er hatte randaliert. Da ist er noch fünfzehn. Zwei Monate später wird er nachts mit der Holzkeule auf mich einschlagen.

Das hört sich nach einem sehr niedrigen Anspruchsniveau an … Fernseher, Zigaretten, Ruhe. Man stelle sich vor, wie es wäre, wenn man den Jugendlichen einfach Fernseher, Zigaretten und Ruhe spendiert hätte – zumal die ja sonst keiner wollte. Dabei haben sie andererseits doch viele Qualitäten, die sie zum Leistungsträger auszeichnen würden:

Er habe ja schon viel gesehen, sagt der Vorsitzende Richter am Ende des Prozesses, aber so etwas »Desolates« sei ihm selten untergekommen. Biografien, vollkommen ohne Halt – keine Familie, keine Religion, keine abgeschlossene Schulausbildung, keine Hobbys. Dabei sind die drei das Produkt von lauter gut gemeinten Absichten – einer weitverzweigten Sozial- und Therapieindustrie, von Sozialpädagogen, Psychotherapeuten, Erziehern, Angestellten der Jugendämter.

Familie, Religion, Hobbys … sowas hat man in Kreisen von Leistungsträgern nicht, weil man all seine Kraft auf den Erfolg des Unternehmens ausrichtet. Gut – Schulausbildung braucht man da schon. Nicht immer – aber schon häufiger. Insofern sind die Täterkinder nicht nur das Produkt der Erziehungsindustrie, sondern eigentlich das Produkt der ganzen Leistungsgesellschaft. Damit wir Geld für aufgeschäumten Milchkaffee haben, müssen in Indien Kinder billig Steine schlagen – sonst würden unsere Innenstädte aussehen wie in der alten DDR und es gäbe auch keinen Kaffee, den Kinder in Guatemala fast umsonst anbauen.

Die Therapieindustrie leisten wir uns, damit wir die Folgen dieses Systems nicht mehr so sehen und um die Frauen der Leistungsträger zu beschäftigen. Würden wir wirklich faire Löhne zahlen, wäre Kaffee nur noch an Feiertagen bezahlbar. Aber vielleicht hätten wir dann wieder mehr Familie, mehr Religion, mehr Hobbys und brauchten unsere Türen nicht mehr abzuschließen.

Ich schätze aber mal, wir werden eher erstmal wieder zu „Adolfs sicheren Straßen“ zurückkehren. Der Bürger ruft nach der „harten Hand“. Vielleicht erlaubt sich die Geschichte eine ironische Wendung und wir bekommen erneut einen Kaiser, der uns erneut einen Sozialstaat schenkt, den die Industriebarone dann wieder abbauen können. Was in Erinnerung an die Demokratie des 21. Jahrhunderts bleiben wird ist Hartz IV, Rente mit 67 (plus noch mehr …), Traumrendite aus Kinderarbeit und unsichere Straßen – das ist keine Bilanz, auf die man stolz sein kann und keine Entwicklung, die einen optimistisch in die Zukunft schauen läßt.

Eine schlimme Kindheit ist kein Freibrief zum Verbrechen, meint Frau Leinemann – und damit hat sie recht. Aber eine schlimme Kindheit ist auch nicht die beste Grundlage für den Erwerb eines verantwortungsbewußten, friedvollen, konstruktiven Charakters.  Und wenn wir als Gemeinschaft der Bürger in diesem Land ein Klima der Gewalt schaffen und uns an der Beute der Gewalt erfreuen, dann werden wir uns irgendwann auch die sichersten Türen nicht mehr schützen … zumal viele von uns als Pflegefall auf die liebevolle Zuwendung dieser Menschen angewiesen sein werden.


Stuttgart 21 wird gebaut – Hurra. Zivilisation gerettet.

In einem Interview mit einem ungenannt bleibenden russischen Informaten – der die offizielle Verschwörungstheorie zum 11.9.2001 massiv (und glaubwürdig) in Frage stellt – enthüllt dieser auch, das man der Drogenmafia wesentlich eher so ein Projekt zutrauen würde, weil sie mitlerweile über eine Größe verfügt, die meisten Länder dieser Erde in den Schatten stellt.

Dazu paßt auch die Nachricht in der Welt, das wieder einmal eine mexikanische Polizeichefin erschossen wurde – obwohl 50000 Soldaten versuchen, gegen die Drogenmafia vorzugehen. Man müßte es eigentlich Krieg nennen …. aber für diese Kriegsform haben wir noch keinen griffigen Begriff. Nicht Länder oder Bürger bekriegen sich, sondern Kriminelle und der Staat. Das oft gebrauchte Wort „Bandenkriege“ füllt das Problem nicht aus, denn die Banden bekriegen den Staat und nicht nur Banden. „Raubkriege“ machen wir selber – dank Guttenberg und Köhler bald ganz offiziell.

In Deutschland, einem der wenigen Länder, in denen ein großer Teil der Bürger noch an den Sinn von Menschenrechten und Demokratie glaubt, ist die Zerrüttung des Staatsgedankens durch brutale Wirtschaftsmacht noch nicht so weit fortgeschritten wie in Mexiko, weshalb viele noch an den Sinn von Demonstrationen als Korrektiv einer außer Rand und Band geratenen Politik glauben. Manche haben sich darüber gewundert, das dies in den klassischen alten CDU-Bundesländern noch so möglich ist – ich nicht. Dort gibt es weniger Arbeitslose, dort ist der Staatsterror der Agenda 2010 noch nicht in aller Breite angekommen … ein Terror, der der Bundesregierung ganz direkt vom IWF diktiert wurde.  Das Konzernwesen sollte durchstarten, der freie Handel ungeahnten Wohlstand für alle bringen – so jedenfalls waren die Versprechungen, mit denen Lobbyisten die Politiker köderten, die wiederum jetzt mittels Statistik dafür sorgen, das die Versprechungen zumindestens in der Theorie eintreffen.

In jenen Ländern dürfte man noch wesentlich mehr auf den demokratischen Geist der alten Bundesrepublik stoßen, der noch nicht vom Terror der Ökonomie zerrüttet wurde.

Spätestens jetzt dürfte man allerdings sehen: der Zug ist abgefahren. Den historischen Moment der Aufkündigung des demokratischen Grundprinzips war für mich der Satz von Helmut Kohl, der 1988 zum Spruch des Jahres erklärt wurde: „Die Hunde bellen, aber die Karawane zieht weiter“.

Das durften die Deutschen 1990 erleben, als aus der kleinen harmlosen BRD durch die feindliche Übernahme der DDR wieder eine Großmacht wurde, die kurz darauf unter rot-grüner Führung wieder Bomben und Soldaten in alle Welt schickte. „Berlin“ war wieder da, unter hämischem Gelächter wurde die DDR verramscht und ihre Bürger in Armut zurückgelassen – ohne das irgendjemand auch nur auf die ernsthafte Idee gekommen wäre, die Bürger zu befragen, ob sie das denn eigentlich alle wünschen.

Die ganze Entwicklung konnte man vorraussehen. Vivianne Forrester hat es vorausgesehen, hier bei inkultura-online beschrieben:

Während sich noch vor 10 Jahren Kapital in Form von Firmen, großen produzierenden Werken und einer Masse von Arbeitnehmern manifestierte, so ist es heut zunehmend schwerer geworden das Kapital sichtbar zu machen.
An seine Stelle tritt unpersönlicher virtueller Handel, minimal vorhandene Arbeitsplätze und Steueroasen in exotischen Ländern. Kapital kann heutzutage in Sekundenschnelle von einem Ort zum anderen transferiert werden und sich der Sichtbarkeit entziehen. Durch Zusammenschlüsse von vielen Konzernen sind die wirtschaftlichen Ströme für den normalen Menschen nicht mehr nachzuvollziehen und für die Politik, die sich schon längst im Würgegriff des international operierenden Kapitals befindet, nicht mehr zu lenken.
Arbeitslosigkeit wird so zu einer ständigen Begleiterscheinung unseres Zeitalters. Eben diese Arbeitslosen werden für die Wirtschaft aber zu einem Ärgernis, weil sie die ihnen zustehenden Rechte wie Arbeitslosenunterstützung vehement einfordern. Dies, so die Wirtschaft, führe zu einem Kollaps des Systems.

Wir finden bei Vivianne Forrester eine Welt vor, in der Widerstand möglich – und sinnlos ist. Es ist eine unmenschliche Welt des Wahnsinns, die sich entfaltet und auf die Linke kaum reagieren können (vor allem französische Linke) weil die Konzerne das zu verteilende staatliche Geld unter sich aufteilen und im politischen Bereich nur noch „zu wenig“ ankommt.  Anstelle der Fabriken, deren Produktionsleistungen sich das Proletariat eineignen sollte, sind Geldströme getreten, die in Sekundenschnell über den Globus huschen, anstelle des unverzichtbaren Faktors ARBEIT ist die BESCHÄFTIGUNG getreten, die als Gnade gewährt wird und zu Bestrafungen führt, wenn die Gnade nicht mit Begeisterung angenommen wird. Es ist – aus der Sicht alter Philosophen – eine besonders grausame Form von Sklaverei, wenn man sich auch noch innerlich selbst versklaven und zum Akt der Sklaverei jubeln muß: Dr. Stefan Oldenburg freut sich auf eine Woche voller Termine!

Man braucht heute nicht mehr zu Versammlungen der kommunistischen Partei zu gehen um fundamentale Gesellschaftskritik zu erhalten … ein Blick in die Bücherrezensionen bei Amazon reicht aus:

Die bei weitem auflagenstärkste Publikation, «Die Globalisierungsfalle» der beiden «Spiegel»-Journalisten Hans-Peter Martin und Harald Schumann, beginnt mit der Schilderung eines Schockerlebnisses. Die beiden hatten 1995 in San Francisco an einem Prominentengipfel zur Zukunft der Menschheit im 21. Jahrhundert teilgenommen und waren mit dem Eindruck nach Hause zurückgekehrt, dass künftig nur noch ein Fünftel der verfügbaren Arbeitskraft benötigt werde. Die Produktivitätssteigerung pro Arbeitskraft werde, so nehmen sie an, in der Industrie und im Dienstleistungssektor die gleichen Folgen haben wie in der Landwirtschaft. In Deutschland beunruhigt sie neben der Wegrationalisierung von Arbeitsplätzen deren Auslagerung in Billiglohnländer. Wir erlebten eine Revolution der Arbeitswelt, seien unterwegs zu einer 20:80-Gesellschaft.

Der Soziologe Ulrich Beck, bekannt geworden mit seiner «Risikogesellschaft», sieht alle nachindustriellen Länder auf dem Weg in einen Kapitalismus ohne Erwerbsarbeit. Er konstatiert eine skandalöse Massenarbeitslosigkeit: «Transnationale Unternehmen überbieten sich mit Rekordgewinnen – und dem massenhaften Abbau von Arbeitsplätzen.» Wenn Arbeit durch Wissen und Kapital ersetzt werde, so verlören die Arbeitskraft und die sie vertretenden Organisationen an Verhandlungsmacht und gesellschaftlichem Einfluss.

Mitte bis Ende der neunziger Jahre war das Elend bekannt, detalliert beschrieben – von vielen. Attac hatte sich nicht ohne Grund gebildet. 2010 – dem Zieljahr der Agenda 2010 – merken es nun auch die verschlafenen Schwaben.  Was auf der Straße geschieht, interessiert in Wirklichkeit keinen Menschen mehr – und erst recht keinen Politiker. Die Illusion der demokratischen Gesellschaft neigt sich dem Ende zu, es beginnt nur noch das Rennen darum, das man selbst nicht unter die Räder kommt – nur 20 von 80 werden letztendlich … vielleicht sogar überleben.

Der von Arno Luik im Stern beschriebene  „Putsch von Oben“ in Deutschland ist nur Ausdruck einer weltweiten Offensive der Unmenschlichkeit, die zu einer ständig steigenden Verdunkelung aller menschlichen Lebensperspektiven führt und staatliche Ordnung nur noch dort aufrecht erhalten wird, wo sie für die Konzerninteressen nützlich ist – zum Beispiel im Bauwesen. Untätige Baumaschinen sind dem Kapital ein Greuel, so kosten Rendite: als marschieren sie weiter, bis die Erde zubetoniert ist – eine einfache Logik, die jeder nachvollziehen kann.

Und eins dieser Projekte – Stuttgart 21 – sollte nun zum Fanal des Widerstandes werden, zu jenem kleinen gallischen Dorf, das dem globalen Terrorimperium der Ökonomie Widerstand entgegensetzt.

Dieser Widerstand wurde nun laut „Spiegel“ in Grund und Boden geschlichtet:

Wer hat bei der Schlichtung durch Heiner Geißler gewonnen? Auftraggeber Stefan Mappus, der das vergiftete Angebot der Grünen, Hilfe von außen zu holen, clever zu seinem Vorteil drehte. Jetzt hat sein umstrittenes Bahnhofsprojekt das Siegel des Edelvermittlers.

Es wurde lang und breit und ressentimentfrei über Fürs und Widers gesprochen und jeder, der daran teilhatte, muss jetzt die beruhigende Wirkung der Schlichtung hinnehmen. Auch wenn dieser Schlichterspruch formal gesehen nicht bindend ist, die Botschaft ist klar: Wer nun immer noch protestiert, stellt sich quasi gegen alle Spielregeln, macht sich selbst zum Außenseiter.

Die Zeit macht aus der Absehbarkeit des Schlichterspruches keinen Hehl:

Der Grundmakel der Schlichtung war von Anfang an, dass der Tunnelbahnhof nie grundlegend infrage gestellt werden konnte. Weil Verträge längst geschlossen waren, musste das Verfahren auf transparente und bürgernahe Weise zu einem vordefinierten Ende gebracht werden: Die Form folgte der Funktion.

Laut Handelsblatt feiern die Grünen den Schlichterspruch als Triumph:

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sagte: „Das alte Stuttgart 21 ist tot.“

Das neue grüne Stuttgart 21 hat halt mehr Bäume. Hurra. Und es wird wohl noch teurer … das heißt, noch mehr Gelder werden in Konzernkassen fließen.  Hurra. Wir haben ja auch genug Geld. Alle haben gewonnen … außer ein paar Immobilienspekulanten – aber für die wird man wohl auch noch Ersatz finden. Es gibt keine Verlierer in einem System, in dem letztlich die EZB und der Staat die Rechnungen bezahlt. Nur zahlt er jetzt anstelle der Rechungen der Alten und Kranken – für deren Schutz er geschaffen wurde – die Rechnungen der Reichen und Mächtigen, die dadurch täglich reicher und mächtiger werden.

Auch die Verlierer der Schlichtung sind laut TAZ glücklich:

Hannes Rockenbauch vom Aktionsbündnis wollte sowieso nicht von einer Niederlage sprechen: „Das ist keine Niederlage, weil wir jetzt endlich wieder demonstrieren können.“ Er wurde von der im Rathausfoyer wartenden Menge der Stuttgart 21-Gegnerinnen bejubelt.

So sind alle froh. Die Bauherren können bauen, die Demonstranten können demonstrieren und die Medien berichten, wie die Bauherren bauen und die Demonstranten demonstrieren. Die Welt ist wieder in Ordnung. Alles wird heil im kleinen gallischen Dorf, in dem die Macht des organisierten Verbrechens Tag für Tag zu- und die Anzahl der Polizisten Tag für Tag abnimmt, weil erstere der Jugend Macht und Zukunft bieten und letztere dem Staat zu teuer werden.

Nun – wenigstens haben wir jetzt mehr Bäume als vorher. Für eine Weile … denn letztlich dürfen die Maschinen nicht ruhen. Das wäre unbezahlbar.

Ein Triumph der Stuttgart 21-Gegner hätte allerdings auch etwas Unheimliches gehabt. Was wäre, wenn „die Straße“  in  Zukunft andere Dinge fordert? Die Abschiebung aller Migrationshintergründler, die Sperrung von weiterführenden Schulen für Kinder von Hartz-Abhängigen oder die Begrenzung der „Stütze“ auf fünf Jahre? Mit Hilfe der Massenmedien – die nur noch von ganz wenigen Menschen kontrolliert werden – ließe sich sowas wohl schnell inszenieren.  Und angesichts der schwachen „Manpower“ bei sozialen Themen wäre es nicht unvorstellbar, das sich der Wind in eine andere Richtung dreht, denn die Botschaft 20:80 haben viele verstanden.

Irrationaler Wahn kann sich auch in anderem äußern als in Großprojekten der Konzerne und ihrer Politiker.  Kein Wunder, das Drogen so einen Siegeszug halten und Drogenbanden eine solche Macht bekommen – nüchtern kann die Botschaft kaum ertragen werden, das ein Baustopp zu teuer wird und man deshalb bauen muß – nur anders, was noch teurer wird, weshalb man hoffen kann, das es dadurch einen Baustopp gibt, der je eigentlich zu teuer war.


Hartz IV, das deutsche Mafialand, Stuttgart 21 und der Verfall der zivilisierten Kultur

Laut Hans-Werner Hamacher hat Deutschland ein Problem. In seinem Buch „Deutschland im Visier“ aus dem Jahre 2000 (erschienen im Militzke Verlag)  schreibt er über die Gefahr, die für Deutschland vom organisierten Verbrechen ausgeht.  Gleichzeitig beschreibt er die Hilflosigkeit der deutschen Kultur mit dem Problem fertig werden zu können. Das Volk der Dichter und Denker hat das Denken verlernt – sofern sich nicht alle Mafiosi öffentlich auf dem Rathausplatz versammeln und sich einhellig zu ihren Straftaten bekennen, glaubt man nicht an sie….und es wäre eine der verpönten Verschwörungstheorien, sich darüber Gedanken zu machen.

Sobald ein Mafiosi die deutsche Staatsgrenze übertritt, wird er Einzeltäter. Alle europäischen Länder ringsum haben ein massives Problem mit organisierter Kriminalität .. nur Deutschland nicht.

Nun – laut Bundeskriminalamt sind die Ermittlungen seit einem Hoch im Jahre 2000 rückläufig, die Zahl der Tatverdächtigen sank von 16000 auf 9000. Man könnte meinen: Entwarnung auf allen Ebenen ist angesagt.  Mafia war mal ein Problem, aber Derrick hat ihr das Handwerk gelegt.

Neun Jahre später erscheint ein ein weiteres Buch, diesmal von Eugen Roth: Mafialand Deutschland (Eichbornverlag). Hierzu die Zeit:

Roth erzürnt, dass viele Politiker, Polizisten und Publizisten verdrängen, wie stark die Mafia Deutschland unterwandert hat, dass Kriminelle aus dem Ausland hier ihr schmutziges Geld mit Immobilienkäufen und Börsengeschäften in ein sauberes Vermögen veredeln. Und dass die unbequeme Wahrheit, die Nähe mancher Entscheider aus Regierungen, Parlamenten und Konzernvorständen von nur wenigen ausgesprochen wird.

Die neuen Mafiosi sind Manager mit Wirtschaftsstudium und Wohltäterhabitus. Ihre Waffen haben keinen Abzug mehr, sie heißen Aktie, Anteil und Anlage. Roth zitiert einen Oberstaatsanwalt aus Palermo: „Vielmehr liegt die tatsächliche Gefahr in den Milliarden Euro mafioser Herkunft, die in den nationalen Volkswirtschaften investiert wurden, weil immer mehr Bereiche des Staates schleichend und unauffällig unterwandert werden.“

Die schießen nicht mehr – das ist schon mal eine gute Nachricht. Dafür treiben sie unsere Immobilienpreise in die Höhe – wem sollte das schon gefallen.

Die Daten des BKA können natürlich verschiedene Ursachen haben, das läßt sich von hier aus nicht beurteilen. Bemerkenswert an der Art und Weise der Auswertung des BKA ist schon, das hier gezielt ethnische Hintergründe aufgearbeitet werden – wieviele Türken, Italiener, Russen im Einzelnen womit auffällig geworden sind – weniger erfährt man über den Einfluß der Organisationen selbst.

Hierzu kann man selbst aktiv werden … begibt sich aber damit in den Bereich, den die deutschen Verschwörungsphobiker (Verschwörungsängstler) lieber meiden, weil es dort sehr schmutzig und unübersichtlich wird. Aber vielleicht … ist es ja die Liebe zum Fußball, die die Deutschen wach werden läßt, hier bei Yahoo gefunden:

Eine brennende Albanien-Flagge, nationalistische Kosovo-Spruchbänder, Brandgeschosse und brutale Randale: Serbische Hooligans haben mit gezielten Krawallen beim abgebrochenen EM- Qualifikationsspiel in Italien die Fußballwelt geschockt. Die Gewalteskalation hat eine neue Dimension erreicht.

Fußball … des Deutschen liebstes Kind.  Und das einzige Kind, das nicht von Hartz IV bedroht wird. Und noch im Schock erfährt der Deutsche: das war alles kein Zufall, das war eine Auftragsarbeit im Dienste der Mafia:

Zwei Drogenbosse sollen die serbischen Randalierer beim abgebrochenen EM-Qualifikationsspiel in Genua zwischen Italien und Serbien finanziert haben. Zwei Drogenbosse hätten an mehr als 60 Hooligans über 200 000 Euro gezahlt, damit sie nach Italien fahren konnten, berichtete die Zeitung „Politika“.

Ziel der Mafiosi sei die Schwächung des serbischen Staates, um weiter ihren kriminellen Geschäften nachgehen zu können.

Sowas machen die also schon? Gezielt für Krawalle bezahlen um den Staat zu schwächen? Nun – die machen noch viel mehr – und deutsche Banken hängen mittendrin, hier bei Nachrichten Heute

Am 23. Oktober 2008 explodiert eine auf einem Motorrad angebrachte Bombe in der Stara Vlaska Strasse der kroatischen Hauptstadt Zagreb. Sie reißt zwei Menschen in den Tod, weitere werden verletzt.

Die Opfer sind der investigative kroatische Journalist und Herausgeber der Wochenzeitung Nacional Ivo Pukanic, und der Marketing – Direktor des Blattes, Niko Franjic.

Nun stehen die angeblichen Mörder in Belgrad vor Gericht. Es sind der serbische Mafiaboss Sreten Jocic alias „Joca Amsterdam“ und zweiweitere Angeklagte. Ihnen wird Auftragsmord und Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen.

Für 1,5 Millionen Euro sollen sie Pukanic verfolgt und schließlich mit einer Bombe getötet haben, nachdem ein erster Mordanschlag im April 2008 fehlgeschlagen war.

Nach den Aussagen von Jocic soll die Ermordung des weit über die Landesgrenzen Kroatiens bekannten Journalisten aber im Zusammenhang mit dem Hypo-Alpe-Adria Bank-Skandal, also Geldwäsche stehen, die angeblich über diese Skandalpe-Bank in den Jahren 1991 bis 2007 gelaufen war.

Zum Zeitpunkt des Mordanschlags befand sich die Hypo-Alpe bereits im Besitz der BayernLB.

Wer will, findet dort noch mehr zum mafiösen Sumpf der österreichischen Bankenwelt – aber das ist ja kein eigenständig österreichisches Problem. Die Schweiz ist bekannt dafür, ein sicherer Hafen für Verbrechensmilliarden aus aller Welt zu sein … und man lebt ganz gut davon. Geld stinkt nicht, ist die neue Devise, nach der das Land lebt – eine Devise, die ich in Deutschland Fuß gefaßt hat.

„Einen typischen Hinweis auf die zunächst unsichtbare Unterwanderung einer Gesellschaft durch verbrecherische Strukturen stellt die Zunahme der Korruption dar. Sie beginnt mit dem Absinken der öffentlichen Moral (etwas Steuerbetrug als Alltagssport oder Verfall der sogenannten Kaufmannsehre, bei der ein Handschlag nichts mehr gilt), erreichen dann Wirtschaft und Industrie (etwas durch Finanzflucht in Steueroasen, Preisabsprachen, geheime Absprache-Kartelle) und mündet in schlichte Bestechung ein, bis in die Vorstandsetagen und politischen Machtzentralen (Hamacher, Seite 17).

Hierzu eine Meldung vom 17.11.2009 von der Deutschen Welle:

Immer mehr Unternehmen und Behörden in Deutschland setzen auf Anti-Korruptionsexperten und strenge Verhaltensregeln. Dennoch nimmt die persönliche Vorteilsnahme zu – und auch die Dreistigkeit, mit der vorgegangen wird.

Private Ferienhäuser werden auf Firmenkosten saniert, Honorare für nie erbrachte Leistungen abgerechnet oder Abteilungsleiter übervorteilt – Korruption in Deutschland findet immer noch überwiegend in der Wirtschaft statt. Spektakuläre Fälle gab es beim Autohersteller Volkswagen, bei dem Betriebsräte Fernreisen und sogar Liebesdienste geschenkt bekamen, um ihre Zustimmung zu neuen Arbeitsverträgen im Konzern zu erhalten. Bei Siemens flossen Millionen aus schwarzen Kassen an Auftraggeber in aller Welt, um Aufträge zu bekommen. Auftragserschleichung ist der „Klassiker“ in der Korruption, die jährlich einen Schaden von über acht Milliarden Euro verursacht, obwohl sie nur 1,7 Prozent aller Delikte umfasst.

Es gibt nichts, was es nicht gibt, berichtet einer der hartnäckigsten Ermittler, der Frankfurter Oberstaatsanwalt Wolfgang Schaupensteiner, der die aufgedeckten Korruptionsfälle in Deutschland auf fast 10.000 im Jahr beziffert. Dazu komme noch die Dunkelziffer von 95 Prozent aller vermuteten Straftaten.

Man kennt diese Fälle … nach einem dieser Verbrecher benennt der Volksmund die „Sozialreform“ Hartz IV. Man kennt auch – ohne das es je Konsequenzen gehabt hätte – die anderen Erscheinungsformen der Degeneration der politischen Kultur:

In der Nähe zur Industrie sehen Ermittlungsbehörden auch bei Politikern ein Problem. Alleine in den letzten zwei Regierungsperioden gingen neun Staatssekretäre nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt direkt in die Wirtschaft. Spitzenbeamte, die früher für Kreditgesetze zuständig waren, finden sich heute in höchsten Ämtern bei Banken. Abgeordnete, die früher Wirtschaftsgesetze erließen, bekleiden jetzt top-dotierte Jobs in Vorstandsetagen mächtiger Energiekonzerne.

Der Rechtsexperte Peter Alexis Albrecht erklärt dazu, dass die Staatsanwaltschaft meist keine Möglichkeit hat, vorherige Absprachen zwischen Trägern öffentlicher Ämter und der Industrie zu beweisen. Die Justiz bezeichnet Albrecht als „entmachtet“.

Dort wo die Justiz entmachtet ist, wo Mafiamilliarden via Konzernetagen Politiker kaufen können, sollte man sich nicht wundern, das Verfahren gegen organisierte Kriminalität ständig zurückgehen.

Man braucht sich in einer solchen Kultur auch nicht wundern, das ein Peter Hartz die Vernichtung des demokratischen Rechtsstaat durch Aushebelung der wirtschaftlichen Sicherheit des Souveräns (des Bürgers) maßgeblich mitbestimmen darf und dann als Krimineller weiterhin frei herumläuft, während die Arbeitslosen für ihre Arbeitslosigkeit durch Hausarrest bestraft werden. Das hat dann schon eine gewisse Logik.

Schäden für die deutsche Wirtschaft? 150 Milliarden Euro, das sind 150 000 Millionen. Auf Hartz IV umgelegt, würde das bedeuten, das alle Arbeitslosen einen Regelsatz von 1400 Euro im Monat bekommen könnten, wenn nicht die Mafiakultur herrschen würde.

Diese Kultur wird aber auch von jedem kleinen Versicherungsbetrüger oder Steuerhinterzieher mitgetragen – das darf man dabei nicht vergessen.

Viele Staatsanwälte werden deutlich: Wer nicht selbst ehrlich sei, dürfe sich auch nicht über Fußballschiedsrichter aufregen, die Spiele „falsch pfeifen“, weil sie bestochen sind. Auch das gab es schon in Deutschland.

Die zivilisierte Kultur zerfällt in breiter Front. Der „Mangel an Geld“ besagt lediglich, das die mafiösen Strukturen inzwischen soviel aufsaugen, das für den Bürger kein Geld mehr vorhanden ist – und genau das ist es doch, was wir auf den Straßen sehen: immer mehr Nobelvillen, immer mehr Luxusautos in einem hochverschuldeten Land, das kein Geld mehr für seine Kinder hat – Szenen, die man aus hochkorrupten Entwicklungsländern kennt.

Fragt man aber nach dem Grund und den Ursachen … so läuft man vor eine Mauer des Schweigens. Theorien über Verschwörungen wären notwendig, um das Lügengespinst, das das Land erstickt, zu zerreißen. Doch leider gelten die gerade als schrecklich unschicklich, ja, bedrohen geradezu die Grundwerte des christlichen Abendlandes.  Das sie das wirklich tun … glaube ich gern. Ich sehe halt nur andere Werte.

Aus dieser Perspektive verwundert die Erscheinungen rund um Stuttgart 21 ebenfalls nicht. Die Bürger dort merken nun langsam, das sie nicht mehr in der Bonner Republik leben. Darum wurde dort noch demonstriert während zur großen Demo gegen Sozialabbau in Berlin gerade mal 1800 – 7000 Leutchen aufliefen. In der Berliner Republik haben Demonstrationen (und auch Wahlen) ihren Sinn verloren, Meinungskundgebungen ebenfalls. Das hatte Kohl schon angekündigt:

„Die Hunde bellen, aber die Karawane zieht weiter“.

Inzwischen darf man die Hunde auch treten … und kündigen, wenn sie Ossis sind, hier im Spiegel:

Statt eines Jobs bekommt sie nun Geld: Eine Frau aus Ostdeutschland hat sich mit einer Firma außergerichtlich geeinigt, bei der sie sich erfolglos beworben hatte. Weil auf ihren Bewerbungsunterlagen der Hinweis „Ossi“ vermerkt wurde, hatte sie geklagt – und in erster Instanz verloren.

Wer sich wundert, das „die Leute den Hintern nicht hochkriegen“ hat einfach nur nicht verstanden, in welcher Welt die Leute leben.  Die wollen keine Revolution mehr (gegen wen auch, ist doch alles in Ordnung …), die wollen nur noch – einen Arbeitsplatz um der Verfolgung zu entgehen. Die Leute … sind halt nicht so blöde, wie man sie gerne hätte.  Für die … ist wieder 1936. Angesichts der Übermacht und Undurchsichtigkeit des Grauens … kümmert man sich lieber um die gekauften Sportergebnisse und hofft, das es einen selber nicht erwischt.

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