Zeitgeist

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„Mensch des Jahres“ (Blinddarm-Durchbruch auf der Black Rock Party)

"Mensch des Jahres" (Blinddarm-Durchbruch auf der Black Rock Party)

Zeitgeist im Rampenlicht

Das „Time“-Magazin hat also wieder eine „Person des Jahres“ gekürt, beim Magazin „Profil“ ist die Wahl des „Menschen des Jahres“ ebenso eindeutig ausgefallen. Nachdem sie bereits den Alternativen Nobelpreis und vor wenigen Wochen als Spitzenkandidatin beinahe auch den Friedensnobelpreis erhalten hat, so ist sich nun auch die Medienwelt einig, wer DER MENSCH ist, der diesem Jahr die Signatur gegeben hat bzw. in unserer gegenwärtigen Zeit aufs Podest zu heben ist: Die Fridays-for-Future-Gründerin Greta Thunberg.

Um die Absurdität solcher Leitmedien-Ikonisierungen vors Auge zu führen, will ich gar nicht erst politisch unkorrekte Vergleiche mit anderen Führern wie Hitler und Stalin heranziehen, wie sie in der Geschichte ebenfalls schon als Time-Personen des Jahres gekürt wurden. Damals haben eben noch viele Menschen den Verheißungen von Fortschritt und volkswirtschaftlicher Effizienz Glauben geschenkt. Ich bin aber doch der Meinung, dass der allergrößte Teil der Menschen seine Lehren aus diesen Erfahrungen gezogen hat und solche Führer bzw. solche Ideologien keinesfalls wieder haben möchte. Viel interessanter finde ich hingegen die Frage, für welche spezielle Art von Ideologien bzw. für welche Art von Menschenbild die Massen heute empfänglich sind. Und zur Ergründung einer solchen Frage ist es ausgesprochen aufschlussreich, auf welche Art von Person die Wahl des „Time“-Magazine alljährlich fällt. Denn wie die etymologische Bedeutung des Wortes Person (von lat. personare – „widerhallen, hindurchtönen“) bereits andeutet, tönt durch solch eine als repräsentativ für eine jeweilige Zeitspanne angesehene Person etwas hindurch. Man könnte auch sagen: Der Zeitgeist tönt hier hindurch bzw. kondensiert sich in einer besonders charakteristischen Form.

Was kann man also von diesem aktuell waltenden Zeitgeist ablesen?

Nun, ich möchte natürlich niemandem gerne seine Illusionen und seine gerade erst wieder aufgeflammten Hoffnungen rauben, aber wer das Ganze nüchtern beobachtet, kann dabei eine ausgesprochen ambivalente und für unsere Zukunft leider alles andere als ungefährliche Motivlage erkennen:

Auf der einen Seite bekommt heute jeder Mensch, der es wagt, sein Denken zu betätigen und zum aktuellen Weltgeschehen Stellung zu nehmen, umgehend massive bis hin zu existenzbedrohliche Probleme. Er wird dann durch eine mittlerweile gut eingespielte Maschinerie aus Presse, Rundfunk und Social Media Netzwerken diffamiert, gebrandmarkt, kriminalisiert, oder wenn das nicht gelingt, dann zumindest ins Abseits gedrängt, in eine Art virtuelle Gummizelle, in welcher er nicht mehr wirksam am öffentlichen Diskurs teilnehmen kann. Während also jede kleine ernsthafte Bemühung (z.B. der Friedensbewegung, der Montagsmahnwachen, Assange etc.) sofort medial niedergeknüppelt und mit einem politisch correctiven Shitstorm überzogen wird, springt man im Gegenzug gut und gerne auf jeden infantilen Faschingszug von Greta, Rezo & Co. auf, wo in Wirklichkeit NULL gedankliche Substanz gegeben ist, auf der man aufbauen könnte, sondern wo lediglich Emotionen zum Besten gegeben werden, die verpfuffen, noch bevor man sich umgedreht hat.

Und leider nicht nur verpuffen – sie werden auch gleich als willkommenes Vehikel für eine Massenmanipulation genutzt, die sich womöglich verheerender auswirken wird, als so manches was wir aus der Geschichte bisher kennen.

Black Rock Party

Wer das für übertrieben hält, der hat die Sektkorken nicht gehört, die in den oberen Etagen von Black Rock & Co. gerade knallen. Bereits im September dieses Jahres haben 515 Finanzkonzerne vor dem UN-Klimagipfel in New York dem angeblich systemkritischen Anliegen der Fridays-for-Future-Bewegung maximalen Nachdruck verliehen: Indem diese Finanzkonzerne, die gemeinsam ca. das Zehnfache  des deutschen BIP verwalten, die rasche Einführung einer CO2-Steuer gefordert haben.

Die Gunst der Stunde blieb auch nicht ungenutzt, nachdem Greta und Rezo nicht nur einer ganzen Generation an Kindern und Jugendlichen, sondern ebenso einer großen Anzahl an „erwachsenen“ Leitmedienbürgern ebenso wie einer erstaunlich großen Anzahl an alternativen Journalisten und Intellektuellen weisgemacht hatte: „The science is settled.“ Alles, was Jung und Alt nun bloß tun müssten, sei: sich dieser Wissenschaft bzw. den „Experten“ anzuschließen. „UNITE BEHIND THE SCIENCE!“ lautet die Losung. Warum sind wir da nicht bloß schon früher draufgekommen?

Ja, also wenn ich mir diesen Bonbon so auf der Zunge zergehen lasse, dann muss ich zugeben: „UNITE BEHIND THE SCIENCE“ schmeckt zweifellos besser als „UNITE BEHIND THE ECONOMY“ oder „UNITE BEHIND THE POWER“. Nachdem ich die Schokoglasur des Drops abgelutscht habe, und das geht sehr schnell, komme ich allerdings auf genau diese Schnapsfüllungen.

Ich kann es dann plötzlich auch nachvollziehen, warum sich weite Teile des politischen Establishments und ihrer medialen Claqueure, die ansonsten jede Person, welche die herrschenden systemischen Strukturen infrage stellt, entweder eisern totschweigen oder umgehend niederknüppeln, dermaßen für Greta und die FFF-Bewegung begeistern.

(Blinddarm-) Durchbruch

Indes wurde heute der ersehnte Durchbruch bei den Verhandlungen zum Klimapaket vermeldet: Gemäß einer Einigung von Bund und Ländern soll also der CO2-Preis mehr als verdoppelt werden. Der br fasst die Reaktionen auf diesen Beschluss zusammen: „Von Politik und Wissenschaft kommt viel Lob.“ (siehe br.de/nachrichten). Die Erhöhung war eine zentrale Forderung der Grünen, die sich ja derzeit nicht zuletzt dank Greta und Rezo in einem ungeahnten Höhenflug befinden, bereits in mehreren Länderparlamenten maßgeblich mitregieren und sich dem Vernehmen nach schon anschicken, den nächsten Kanzler zu stellen. Doch nicht nur die Grünen jubeln, auch CSU-Chef Markus Söder ist ganz aus dem Häuschen: „Die drohende Klima-Blockade ist abgewendet. Jetzt kann der Klimaschutz in Deutschland durchstarten.“

Das Wirtschaftsforschungsinstitut IW Köln formuliert sehr charmant, was die kommende Klima-Steuer nach sich ziehen werde: „spürbare Verteilungswirkungen“ seien nun „unvermeidbar“. Dass derartige Verteilungswirkungen von bestimmter Klientel begrüßt werden, braucht uns ja in keiner Weise zu verwundern. Was dann doch erstaunlich war, ist allerdings, dass sogar viele unserer scharfsinnigsten und ansonsten kritischsten Intellektuellen emotionalen Massenphänomenen wie rund um Greta, Rezo, Porno-Katja & den 90 Supertoubern weitgehend unkritisch gegenübergetreten sind. Obwohl diese Superyoutuber bzw. Pornoyoutuber*Innen ganz offen fordern, dass wir uns nun bedingungslos hinter die Büttel und Lobbyisten desjenigen Establishments stellen sollen, gegen das besagte Intellektuelle zeitlebens immer gekämpft haben.

Wer genügend (Galgen-)Humor hat, der könnte ja wirklich herzlich lachen, wie sich hier die Katze nun in den Schwanz beißt und die neoliberale Polit-/Wirtschafts-/Medienmaschinerie nun sogar ihre bislang schärfsten Kritiker unter das Diktat der herrschenden Lehre bringt und für ihre Agenda dienstbar macht. Namhafte Intellektuelle finden Greta nicht nur „gut“, sondern sogar „nur gut“ und meinen, dass es „viele Gretas“ bräuchte.

Niemand wird Dich retten – Sei Dein eigener Held!

Wie auch immer. So wie immer, kann man aus der derzeitigen Situation, so trostlos sie einem auch erscheinen mag, dennoch eine wichtige Lehre ziehen: Jeder muss jetzt selbst mündig werden und eigenständig denken lernen. Die Hoffnung, dass das ein paar andere kluge Köpfe für uns regeln und der neoliberalen Misere ein Ende bereiten, müssen wir uns nun endgültig abschminken. Wir dürfen erkennen, dass es so ist, wie das Edward Snowden schon vor einiger Zeit festgestellt hat: „Niemand wird Dich retten – Sei Dein eigener Held!“

Insofern haben die Enttäuschungen, die gerade eine große Anzahl an systemkritischen Bürgern erleben, auch etwas Heilsames: Die Erwartung, dass irgendjemand anderes dasjenige für uns denkt und tut, was jeder nur auf individuelle Weise selbst bewerkstelligen kann, muss man nun notgedrungen aufgeben. Aber wenn jeder an seinem Platz eben das machte und gemäß dem, was er unabhängig von allen anerkannten oder alternativen Meinungsführern erkannt hat, mutig Position bezieht: Wäre dann nicht auch alles getan und die Merkapolypse abgesagt?

 

Titelfoto: Stencil Greta Thunberg/Flickr/Ersteller: Carsten Smithby (CC BY-NC-ND 2.0)

 

Die grausame Wahrheit: Das Outing des Parkwächters


(Foto: cc by Parkwaechter)

Vor Kurzem erhielt ich als Antwort auf meinen Artikel „Warum überhaupt noch denken?“ eine empörte Zuschrift, in der mir Technik- und Wissenschaftsfeindlichkeit vorgeworfen wird. Als Draufgabe wird mir sogar geistige Nähe zum Unabomber unterstellt.

Den Unabomber kann ich ja gerade noch wegstecken, aber Technik- und Wissenschaftsfeindlichkeit … puh. – Nun, da Wehrmachtzersetzung seit Horst Seehofers jüngstem Polizeiermächtigungsgesetz jetzt wieder unter Ausschluss des Rechtsweges standrechtlich geahndet werden kann und ich keine Lust habe, auf offener Straße gelyncht zu werden, ist es höchste Zeit, um mich von diesen Vorwürfen rein zu waschen und mich selbst zu outen.

Wer ist also der Parkwaechter, der laut Leserzuschrift schöngeistiges „philosophisches Geschwurbel“ betreibt, der so ketzerisch gegen die digitale Transformation / Industrie 4.0 wettert und der die Szientisten und Transhumanisten kritisiert, obwohl uns diese Freunde des Fortschritts doch nur „von der tierischen Natur des Menschen befreien“ wollen?

Nun, wie immer ist die Wahrheit auch diesmal schrecklich. Wenn nach meinem Outing jemand kein Wort mehr mit mir reden will, dann habe ich dafür vollstes Verständnis. Also, dann lassen wir die Katze mal aus dem Sack und enthüllen die nackte Wahrheit, die sich wohl keiner hätte ausmalen können und die dem Parkwaechter womöglich auch keiner glauben wird (aber welchen digital reproduzierten Buchstaben soll man in postfaktischen Zeiten denn auch noch glauben?): Der Parkwaechter ist gar kein Ökophilosoph in Jute-Latzhose und Birkenstock-Patschen, sondern ein knallharter Industrieanwalt und Lobbyist mit Fachgebiet Automatisierungstechnik, der internationale Konzerne berät und in feinem Zwirn und schwarzen Lackschuhen selbst an vorderster Front bei der Umsetzung von „Industrie 4.0“ und damit einhergehender neuer Produkte und Technologien mit das Rad dreht. Seine Spezialität: Amtlichen oder bürgerlichen Widerstand, der gegen neue Produkte und Technologien geleistet wird, durch fachkundige wissenschaftliche Expertisen und anwaltliche Erwiderungen zu entkräften.

Der Parkwaechter ist also keineswegs ein Feind der akademischen Wissenschaft, ganz im Gegenteil: Er hat diese Art von Wissenschaft und szientistischer Denkweise im Zuge dieser Tätigkeit als sein wertvollstes Klemptnerwerkzeug schätzen gelernt. Konnte er doch im Laufe seiner Berufspraxis sehr schnell feststellen, dass man mit szientistischer Argumentation alles – und mit „Alles“ meine ich wirklich: Alles – entweder durchsetzen oder aber entkräften kann. Was übrigens auch der schlichte Grund ist, warum die Herren dieser Welt alles daransetzen, alle sonstigen Kategorien menschlichen Denkens aus der Welt zu schaffen und nur noch die szientistische Weltanschauung gelten lassen wollen.

Sogar Fälle, die von Seiten von Konzernkunden bereits aufgegeben waren, da sie nach Aktenlage und Stand des amtlichen Prüfungsverfahrens de facto aussichtslos waren, konnte die Kanzlei des Parkwaechters erfolgreich für sich entscheiden und die Behörden und NGOs zu einem Umdenken bewegen, wenn die Mandantschaft nur  genügend Jetons auf den Spieltisch legte, auf dem der Croupier bereits „rien ne va plus!“ verlauten ließ.

Da ich wie gesagt selbst beim Club der toten Dichter in der Küche stehe, den digitalen Suppentopf rühre und den Menüplan der Chefköche kenne, kann ich an dieser Stelle allen Technikfreaks versichern: Was uns in den Medien, sogar in den futuristischen Schilderungen der Techie-Fachmagazine, über die umwerfenden Segnungen von Industrie 4.0, Smart Living und der kommenden digitalen Transformation erzählt wird, ist noch gar nichts. – Das, was  Kybernetik, Nano- und Biotechnologie derzeit im Ofenrohr haben und was demnächst ausgebacken sein wird, ist noch sehr viel toller!

Keine Sorge also, meine kritischen Kommentare sollen den Götzen, dem wir derzeit folgen (siehe „Der Führer 4.0 – Er ist schon längst da“), nicht etwa aus dem Fenster stürzen und köpfen, sondern ihn lediglich auf einen etwas bescheideneren Platz zurechtrücken, sonst wird er nämlich UNS demnächst aus dem Fenster stürzen und köpfen (siehe auch ARTE-Doku „Welt ohne Menschen“), auch wenn uns in den Smart Home Hochglanzprospekten, den Techie-Magazinen und in den vollmundigen Reden der Politiker anderes versprochen und Dantes Eishölle als das Paradies verkauft wird (siehe auch „Pig Business Monkey Events, Global Playboys und bezaubernde Jeannies – Auf dem Weg zur digitalen Transformation und zum Final Handshake“). Wenn wir diesen Füher jedoch von seinem überhöhten Podest herunterholen und so in etwa auf unsere Kniehöhe stellen, dann kann er uns in dieser Position nützliche Dienste leisten, ohne dass er uns allzugefährlich wird.

Hier also nochmals die Antwort, die ich dem Leser „Kalle“ geschrieben habe. Ich kann seine Kritik übrigens zu 100% nachvollziehen. Wenn man als digital native in einer Zeit aufwächst, wo einem von Kindesbeinen an über Schule und Uni sowie über alle medialen Kanäle gepredigt wird, wie großartig doch der Fortschritt sein wird, den uns unser Führer bringt, und dann kommt jemand daher und sagt: „Der Führer ist doof“ – nun, … ich glaube, ich brauche hier nicht weiter ausführen, welche Gefühle dann innerlich aufsteigen und was man mit einem solchen Querulanten am liebsten zu tun gedenkt.

„@Kalle:
Vorneweg: Keine Sorge, ich bin nicht gegen Technik. Wie sollte ich auch, wo ich doch selbst Automatisierungstechniker bin und in der Industrie 4.0-Branche mein Brot verdiene? Die Technisierung, über die ich schreibe, habe ich also selbst am Kerbholz und mitzuverantworten. Bei meiner Arbeit folge ich jedoch einer Devise: Technik soll dem Menschen dienen und nicht der Mensch einer eigenläufig gewordenen Technik. Wenn man das beherzigt, dann kann Technik im Leben des Menschen einen nützlichen Platz einnehmen, ohne dass sie ihn erstickt. Dazu müssen allerdings die Positionen fundamental zurechtgerückt werden: Man muss dann die Technik, die derzeit über uns thront und vor der wir andächtig knien, nach unten rücken und den Menschen wieder nach oben bzw. in die Mitte.

Die Technik wächst sich ja nur deshalb zu einem solch utopischen Mammon aus – sie würde augenblicklich auf eine gesunde Größe zurechtschrumpfen, wenn man wieder den Menschen in die Mitte der Blickrichtung stellte. Dazu muss man aber auch bereit sein, den Menschen als das zu erkennen, was er philosophisch-existenziell ist und wozu er sich entwickeln möchte, und nicht als das was ihn die Szientisten und Transhumanisten sehen: ein geistloses Stück Gammelfleisch.

Ich weiß, das ist Häresie, aber glaub mir: Die Technik wird uns nicht „von der tierischen Natur emanzipieren“, wie Du schreibst, sie wird uns, wenn wir sie nicht in eine humane Richtung lenken, sogar UNTER eine solche tierische Natur zurückwerfen (siehe dazu auch ein ganz nettes Essay von Egon Kreutzer: https://www.rubikon.news/artikel/der-mensch-bleibt-analog )

Und zum Unabomber, den Du erwähnst: Ja, das wäre wirklich vollkommen sinnlos, zu versuchen, den Technikwahn auszubomben. Da müsste der Unabomber heute ja für jeden einzelnen Haushalt eine Bombe basteln, wo ja jeder Bürger heute mit leistungsfähigerem Technikkram umgeben ist als die US Techzentrale, die der Unabomber seinerzeit eliminieren wollte.

Überhaupt halte ich es im Prinzip lediglich wie beim Segeln auf hoher See: Man ist gut beraten, sich entgegen die Seite des Bootes zu lehnen, aus der der Wind bläst, sonst kommt es ganz schnell zum Kentern und man findet sich am Meeresgrund wieder. Hätten wir heute ein Übergewicht an Back-to-the-roots/back to nature und Humanismus, nun, dann würde ich mir womöglich den Spaß machen, mich dagegen lehnen und für unsere Gesellschaft mehr Terminator-Faktor fordern. So aber … kann ich leider nicht anders, als gegenzusteuern. – Nicht für mich, ich bin fein raus, ich steh‘ ja mitten im Epizentrum des Hurricans und treibe die Technisierung selbst mit voran – und im Auge des Hurricans herrscht bekanntlich Windstille … alle anderen, über die unser Ding drüberziehen wird, wird es allerdings umreißen. Hab‘ also eher an die Zukunft von Leuten wie Dich gedacht, wenn ich in meiner knappen Freizeit solche Artikel schreibe, die Dich so sehr aufregen …“

Eine würdige Bundeshymne für unser Zeitalter des akademisch akkreditierten Wahn-Sinns

Österreich hat gerade eine hitzige Diskussion hinter sich, ob die Bundeshymne überhaupt noch zeitgemäß sei oder man sie nicht besser ändern sollte.

Wahrlich keine leichte, und vor allem keine sehr appetitliche Aufgabe, einer der jetzigen Zeit entsprechenden Bundeshymne passende Worte zu leihen – einer Zeit, die man in späteren Zeitaltern vermutlich einmal als Epoche des akademisch akkreditierten Wahn-Sinns, als „Zeitalter der mammonistischen Endvertrottelung“ oder so ähnlich bezeichnen wird.

Da Österreich zufolge eines seiner bekanntesten Kabarettisten, Helmut Qualtinger „ein Labyrinth ist, in dem sich jeder auskennt“, ist bei der im Parlament und über alle Medienkanäle ausgetragenen Diskussion natürlich nichts herausgekommen.

Die Deutschen täten sich da wesentlich leichter. Einer ihrer altgedientesten Künstler und Liedermacher, Reinhard Mey, hat bereits eine perfekte, auf den aktuellen Zeitgeist und die soziopolitische Großwetterlage maßgeschneiderte Bundeshymne aufs Papier gebracht.

Da die deutsche Bundesregierung ja kein Problem damit hat, dem Oligarchen Poroschenko Milliardensubventionen zufließen zu lassen, damit der dann mit diesem Geld in der Hosentasche in diesem Supermarkt hier einkaufen gehen und den eigentlich nicht mehr finanzierbaren Bürgerkrieg gegen die eigenen Leute im Osten seines Landes am Dampfen halten kann – na da wären das doch Peanuts, wenn man Reinhard Mey ein paar Tantiemen zahlt und sich zumindest eine neue, zeitgemäße Bundeshymne leistet.

Man stelle sich die andächtigen Gesichter und die hoch schlagenden Herzen unserer Fußballesterer-Nationalgarde vor, und auch die stolz erhobenen Brüste unserer Murkselpolitiker auf den Ehrentribünen der Stadien, wenn sie vor Anpfiff des Spieles mit zur Raute gefalteten Händen in Reih‘ und Glied stehen und dann eine solche Bundeshymne durch die Lautsprecher tönt:

   „Das Narrenschiff“ (von Reinhard Mey)

Das Quecksilber fällt, die Zeichen stehen auf Sturm,
Nur blödes Kichern und Keifen vom Kommandoturm
Und ein dumpfes Mahlen grollt aus der Maschine.
Und rollen und Stampfen und schwere See,
Die Bordkapelle spielt „Humbatäterä“,
Und ein irres Lachen dringt aus der Latrine.
Die Ladung ist faul, die Papiere fingiert,
Die Lenzpumpen leck und die Schotten blockiert,
Die Luken weit offen und alle Alarmglocken läuten.
Die Seen schlagen mannshoch in den Laderaum
Und Elmsfeuer züngeln vom Ladebaum,
Doch keiner an Bord vermag die Zeichen zu deuten!

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf‘s Riff.

Am Horizont wetterleuchten die Zeichen der Zeit:
Niedertracht und Raffsucht und Eitelkeit.
Auf der Brücke tummeln sich Tölpel und Einfaltspinsel.
Im Trüben fischt der scharfgezahnte Hai,
Bringt seinen Fang ins Trockne, an der Steuer vorbei,
Auf die Sandbank, bei der wohlbekannten Schatzinsel.
Die andern Geldwäscher und Zuhälter, die warten schon,
Bordellkönig, Spielautomatenbaron,
Im hellen Licht, niemand muß sich im Dunkeln rumdrücken
In der Bananenrepublik, wo selbst der Präsident
Die Scham verloren hat und keine Skrupel kennt,
Sich mit dem Steuerdieb im Gefolge zu schmücken.

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf‘s Riff.

Man hat sich glatt gemacht, man hat sich arrangiert.
All die hohen Ideale sind havariert,
Und der große Rebell, der nicht müd‘ wurde zu streiten,
Mutiert zu einem servilen, gift‘gen Gnom
Und singt lammfromm vor dem schlimmen alten Mann in Rom
Seine Lieder, fürwahr: Es ändern sich die Zeiten!
Einst junge Wilde sind gefügig, fromm und zahm,
Gekauft, narkotisiert und flügellahm,
Tauschen Samtpfötchen für die einst so scharfen Klauen.
Und eitle Greise präsentier‘n sich keck
Mit immer viel zu jungen Frauen auf dem Oberdeck,
Die ihre schlaffen Glieder wärmen und ihnen das Essen vorkauen.

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf‘s Riff.

Sie rüsten gegen den Feind, doch der Feind ist längst hier.
Er hat die Hand an deiner Gurgel, er steht hinter dir.
Im Schutz der Paragraphen mischt er die gezinkten Karten.
Jeder kann es sehen, aber alle sehen weg,
Und der Dunkelmann kommt aus seinem Versteck
Und dealt unter aller Augen vor dem Kindergarten.
Der Ausguck ruft vom höchsten Mast: Endzeit in Sicht!
Doch sie sind wie versteinert und sie hören ihn nicht.
Sie zieh‘n wie Lemminge in willenlosen Horden.
Es ist, als hätten alle den Verstand verlor‘n,
Sich zum Niedergang und zum Verfall verschwor‘n,
Und ein Irrlicht ist ihr Leuchtfeuer geworden.

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf‘s Riff…

(Quelle: http://www.reinhard-mey.de/start/texte/alben/das-narrenschiff)

***

Hier auch das Live-Musikvideo:

Kultur und Ethik

Über unseren Geist, unsere Seele, echte Meinungsfreiheit und ein wahrhaftiges Leben in echter Verantwortungsbereitschaft

(Aufsatz von W. Oesters; – am 27. Juni 2015 erstmals erschienen auf der zeitkritischen Website „achtgegeben.de“)

 

Seit mehr als einhundert Jahren tritt auf allen möglichen Gebieten etwas in Erscheinung, was ich nur als eine immer wieder aufs Neue kollektiv organisierte Engstirnigkeit bezeichnen kann, nämlich eine auf die inzwischen unzähligen technischen Erfindungen (manche sind zweifellos genial und auch sehr nützlich) immer wieder geradezu fanatisch reagierende Hysterie, die andererseits aber auch – eine kollektive Blindheit für die zahllosen Gefahren in sich birgt, denen die Menschheit seither in zunehmendem Maße ausgesetzt ist bzw. sich nahezu widerspruchslos aussetzen läßt. Nicht nur meine Website, sondern auch viele andere Websites, Fernsehsendungen, Radioessays, Bücher usw. sind längst voll und werden immer doch immer voller von den Beschreibungen der vielfältig zunehmenden Gefahren, die inzwischen längst nicht nur unsere Zivilisation selbst, sondern auch unseren gesamten Lebensraum betreffen, aber kaum etwas ändert, kaum etwas bessert sich bisher. Nein, Vieles droht sich auch derzeit noch weiter zu verschlechtern, zunehmend mehr Menschen sind längst nun auch hier in den reichen westlichen Ländern vom Abrutschen in buchstäbliche Armut bedroht, die Umweltverschmutzung nimmt trotz vieler technischer Verbesserungen weiter drastisch zu, auch der Krieg soll nun auch wieder einmal in Europas Osten der Ukraine geradezu unausweichlich sein und wird daher von vielen Medien auch schon wieder als „geradezu unausweichlich diskutiert“; die Liste von eigentlich haarsträubenden Ungeheuerlichkeit ließe sich noch lange fortsetzen, und all dies wird der Öffentlichkeit offensichtlich mit einer fatalistisch begründeten Selbstverständlichkeit hingenommen, als handelte es sich dabei um unabweisbare Naturgesetze, die sich immer wieder und wieder ereignen müssen. So zivililisiert sind die heutigen Zivilisationen also, daß alle möglichen Barbareien und auch die fortschreitende Selbstzerstörung in Sachen Umwelt bereits als „unabwendbar“ und somit „alternativlos“ gelten, um hier einmal das berühmte Wort der ebenfalls entsetzlich engstirnigen Maggie Thatcher zu gebrauchen!!! – Warnende Stimmen gab es dabei im vergangenen Jahrhundert wahrlich oft genug und es gibt sie auch bis heute, und bis heute finden sie noch immer nur bei Wenigen Gehör; aber – warum ist das so, warum verhält sich die Weltbevölkerung insgesamt bis heute so uneinsichtig, daß man als klar denkender Mensch längst völlig zurecht von einer partiellen Massenverblödung sprechen kann?

Zwei Männer haben innerhalb der letzten hundert Jahre ganz deutlich aufgezeigt, wie es bis heute zu einem solchen Verhängnis kommen konnte; der eine war Herbert Marcuse, der dies freilich zumeist auf solch‘ abgehoben-intellektuelle Art und Weise tat, daß selbst viele Intellektuelle ihre Mühe hatten/haben, ihm auf seinen abstrakten Gedankengängen zu folgen (und das sogenannte gemeine Volk daher weit außen vor blieb), der andere war Albert Schweitzer, vom Volk zwar als großer Humanist und Friedensnobelpreisträger gefeiert, aber offenbar kaum je richtig verstanden wurde. Seine Ideen vom Leben, auch in seinen Büchern immer wieder auf auch für einfache Menschen ganz klar und gut verständlich ausgedrückt, hätten – wenn diese von vielen Menschen auch gelesen worden wären – schon längst sehr sehr Vieles an Leid mit verhindern können. So Vieles an gutem und somit auch äußerst wertvollem Samen hat Schweitzer zum Beispiel in seinem Buch „Kultur & Ethik“ verstreut, daß ich im Folgenden Einiges davon zitieren will, damit endlich einmal klar wird, warum so viele gute Bemühungen um Frieden, um Freiheit, um Gerechtigkeit und nicht zuletzt auch um echten Umweltschutz im weitesten Sinne in unserer Weltgemeinschaft bis heute so oft – auf taube Ohren und – verschlossene Herzen stoßen:

„Politische, religiöse und wirtschaftliche Gemeinschaften sind heute bestrebt, sich so zu gestalten, daß sie größtmöglichste innere Geschlossenheit und damit den höchsten Grad von Wirksamkeit erlangen. Verfassung, Disziplin und was sonst noch zum Technischen gehört, werden auf eine früher unbekannte Vollkommenheit gebracht. Das Ziel wird erreicht. Aber in dem selben Maße hören alle diese Kollektivitäten auf, sich als lebendige Organismen zu betätigen und treten immer mehr in Analogie zu vervollkommneten Maschinen. Ihr inneres Leben verliert an Reichtum und Vielgestaltigkeit, weil die Persönlichkeiten in ihnen notwendig verkümmern.
Unser ganzes geistiges Leben verläuft innerhalb von Organisationen. Von Jugend auf wird der moderne Mensch so mit dem Gedanken der Disziplin erfüllt, daß er sein Eigendasein verliert und nur noch im Geiste einer Kollektivität zu denken vermag…“

Einige Zeilen weiter schreibt er dann: „Für sich und die Anderen setzt der Einzelne voraus, daß mit der Nationalität, der Konfession, der politischen Partei, dem Stande und der sonstigen Zugehörigkeit jedesmal so und so viele Anschauungen in Voraus und und unbeeinflußbar feststehen. Sie gelten als Tabu und sind nicht nur von aller Kritik, sondern auch von der Unterhaltung ausgeschlossen. Dieses Verfahren, in dem wir uns gegenseitig die Qualität als denkende Wesen absprechen, wird euphemistisch als Respekt vor der Überzeugung bezeichnet, als ob es ohne Denken eine Überzeugung geben könnte.
In einzigartiger Weise geht der moderne Mensch so in der Gesamtheit auf. Dies ist vielleicht der charakteristischste Zug an seinem Wesen. Die herabgesetzt Beschäftigung mit sich selbst macht ihn ohnehin schon in einer krankhaften Weise für die Ansichten empfänglich, die durch die Gesellschaft und ihre Organe (bereits) fertig in Umlauf gesetzt werden.“

Wieder ein paar Zeilen weiter schreibt Schweitzer dann noch etwas deutlicher Folgendes über den modernen Menschen: “Die Gesamtheit verfügt über ihn. Von ihr bezieht er als fertige Ware die Meinungen, von denen er lebt, ob es sich nun um die nationalen und die politischen Gemeinschaften oder die des Glaubens oder Unglaubens handelt. Seine abnorme Beeinflußbarkeit kommt ihm nicht als Schwäche zu Bewußtsein. Er empfindet sie als Leistung. In der unbegrenzten Hingabe an die Kollektivität meint er die Größe des modernen Menschen zu bewähren. Mit Absicht steigert er die natürliche Geselligkeit ins Gewaltsame.Weil wir so auf die Urrechte der Individualität verzichten, kann unser Geschlecht keine neuen Gedanken hervorbringen oder vorhandene in zweckmäßiger Weise erneuern, sondern es erlebt nur, wie die bereits geltenden immer größere Autorität erlangen, sich immer einseitiger ausgestalten und sich bis in die letzten und gefährlichsten Konsequenzen ausleben.“

Wieder ein paar Zeilen weiter schreibt Schweitzer schließlich: „Die Überorganisierung unserer öffentlichen Zustände läuft auf ein Organisieren der Gedankenlosigkeit hinaus … – … Mit der eigenen Meinung gibt der Mensch auch das sittliche Urteil auf. Um gut zu finden, was die Kollektivität in Wort und Tat dafür ausgibt, und zu verurteilen, was sie für schlecht erklärt, unterdrückt er die Bedenken, die in ihm aufsteigen … – … Unbewußt schränken die meisten Angehörigen unserer kulturlosen Kulturstaaten ihr Überlegen als sittliche Persönlichkeit ein, um mit dem Gemeinwesen nicht fortwährend in innere Konflikte zu geraten und über immer neuer Anstöße hinwegkommen zu müssen.
Die Gesamtmeinung ist ihnen dabei behilflich, insofern sie ausstreut, die Handlungen des Gemeinwesens seien nicht so sehr nach den Maßstäben der Sittlichkeit, als nach denen der Opportunität zu messen. Aber sie leiden Schaden an ihrer Seele …“ (Zitatende)

Schweitzer liefert in diesem Buch noch so viele weitere äußerst wertvolle Hinweise, daß ich hier nun nicht weiter auf all das eingehen will, was er dort niedergeschrieben hat, sondern allen interessierten Lesern einfach nur empfehlen will, sein Buch doch selbst im Ganzen zu lesen. – Hier an dieser Stelle will ich nur noch Folgendes sagen:

Schweitzer liefert gegen Ende seines Buches aber auch – die Lösung für all die Probleme, die aus den oben geschilderten verhängnisvollen Gesellschafts-Mechanismen (Sie lesen richtig: Mechanismen!!!) für die heute so maschinell-mechanisch orientierte Menschheit resultieren, denn er sagt mit einem ganz leicht verständlichen Satz: „Ich bin Leben, das leben will; inmitten  von Leben, das (auch) leben will.“  Würde diese eigentlich ganz einfache aber unendlich tief bzw. weit reichende Lebensweisheit von uns allen auch wirklich gewürdigt und daher dann auch immer wieder aufs Neue im Alltagsleben angewandt werden, gegenseitiger Respekt würde dann auf einmal wieder zu seiner alles umfassenden und damit wahren Bedeutung gelangen und unzählige Probleme würden ohne viele Umstände bald der Vergangenheit angehören!

Aber, – wir können „natürlich“ auch noch einige Zeit länger so weitermachen wie bisher, und uns nur als die Angehörigen von irgendwelchen gesellschaftlichen Machtapparaten verstehen, die sich – seien sie nun groß oder klein, staatlich oder privatgesellschaftlich organisiert gegenseitig immer erbitterter, ja womöglich auch noch bis hin zur buchstäblichen Vernichtung bekämpfen. Für diesen Fall wünsche ich dann allen daran Beteiligten ein „fröhliches“ gegenseitiges Abschlachten, – ich selbst werde mich auch in Zukunft an solch‘ barbarischem und letztlich schwachsinnig-verantwortungslosem Handeln – nicht beteiligen.

Ein wichtiger Nachtrag:
Vielleicht wird durch diesen Aufsatz hier nun einmal auch ganz deutlich, daß es nicht Egomanie ist, die mich meine Aufsätze immer wieder in Ich-Form schreiben läßt, sondern vielmehr meine persönliche Betroffenheit von all dem zeigen soll, sowie auch meine persönliche Überzeugung für die ich immer auch geradestehe, und dies steht ganz im Gegensatz zu den heute vielfach gebrauchten Redewendungen wie „man tut das nicht“ oder „wir haben uns darauf geeinigt, daß …“, die für mich oft als Leerformeln gelten, weil das jeweilige Gegenüber dabei für mich nur allzu oft – gar nicht mehr als eigenverantwortliches weil selbständig denkendes und handelndes Individuum erkennbar ist, sondern sich vielmehr hinter einer anonymen Masse zu verstecken scheint. – „Corporated identity“ nennt man dieses Massenphänomen heute auf neudeutsch-beschönigende Weise; ich aber meine, daß dieser neumodische bullshit und sein fortwährend gedankenloses Nachplappern letzten Endes wohl eher auch schon den Anfang von Ende der Menschheit bedeuten würde. – Ich mag solche Versteck-“Spiele“ überhaupt nicht; sie sind für mich nur deutliche Anzeichen von gesellschaftspolitischer (und somit nicht zuletzt auch demokratischer) Drückerbergerei, was meines Erachtens somit ganz offensichtlich sowohl menschlicher wie auch politischer Unreife gleichkommt.
Die in unserer Gesellschaft nun so weitverbreitete „Corporated-Identity“-Sichtweise scheint mir dabei längst schon wie ein regelrechtes Gift zu wirken, daß nun auch in mich selbst schon soweit eingedrungen ist, daß auch ich nun mitunter schon den Impuls verspüre, mich vor der Öffentlichkeit dafür „rechtfertigen zu müssen“, daß ich es „wage“, entgegen den allgemeinen Gepflogenheiten ganz offen meine eigene persönliche Meinung zu äußern; – es soll daher das letzte Mal gewesen sein, daß ich zu meinem immer wieder bewußt ganz persönlichen Auftreten hier noch einmal sehr deutlich – meine Meinung sage!
Schluß also mit der „corporated identity“  in ihren heute inzwischen geradezu unendlichen Variationen, diesem insgesamt schon längst immer verlogener werdenden Versteck-„Spiel“ und seinen spätestens am Ende auf deutlichste Weise so mörderisch zusammenwirkenden Befehls-Ketten (!&!&!&!&!) in den nun längst immer mehr hochgerüsteten Armeen dieser Welt; – zeigen wir uns stattdessen lieber als das, was wir in Wirklichkeit sind, nämlich als ganze und somit allerorts und jederzeit uneingeschränkt auf ihre unversehrte Vollständigkeit beharrende FREIE & FRIEDLIEBENDE MENSCHEN!

Ich rufe somit auch nicht etwa zur Gewalt auf, sondern sage im Gegenteil vielmehr:
Zerbrechen wir endlich diese vielfachen, letztlich längst so oft immer wieder nur zu neuer Barbarei führenden Befehls-Ketten der Unmenschlichkeit, vor allem immer wieder gerade auch da, wo wir sie – an uns selbst entdecken, denn – ein persönliches Gewissen und persönliche Urteilskraft sind kein Luxus, den „man sich (angeblich) auch leisten können muß“, sondern Beide bilden zusammen einen außerordentlich wesentlichen, wichtigen (und in Wahrheit obendrein auch unveräußerlichen!!!) Teil des grundsätzlich freien Daseinsrechts eines jeden Menschen auf dieser Welt!!!
Ich meine, es wäre gut, wenn alle Menschen – hierzulande wie auch auf der gesamten Welt hierüber einmal – etwas gründlicher nachdenken und dann auch selbst – womöglich erstmals völlig frei – darüber entscheiden würden.

Post Skriptum vom 30. Juni 2015:

Damit durch meinen Aufsatz oben keine Mißverständnisse entstehen: Es gibt heute auch eine ganze Reihe von „Befehls“-Ketten die selbstverständlich Sinn machen und somit auch ihre Berechtigung haben; bei der Feuerwehr beispielsweise, bei der medizinischen Versorgung im Krankenhaus und auch sonst in allen möglichen Bereichen der Arbeitswelt ist ein gewisser Grad von Organisation nicht nur „durchaus“, sondern sogar sehr sinnvoll (und beispielsweise ein Bäckerlehrling ist auch gut beraten, wenn er auf seinen Gesellen oder den Bäckermeister hört). Wogegen ich mich in meinem Aufsatz oben wende, ist das blinde Befolgen jeglicher Anordnungen, sowie jegliche Art von Bandenbildung (darüber habe ich auch schon in einem anderen Aufsatz geschrieben), bei der sich heute inzwischen oft auch im gewöhnlichen Berufsleben Menschen nur des kurzsichtigen eigenen Gewinns wegen (gerade auch Karrierechancen zählen hierzu) auf mehr oder weniger konspirative Weise gegen Andere zusammenschließen. – Solche Arten von Befehlsketten haben, spätestens wenn sie immer mehr Mitglieder oder gar Nachahmer finden und die Bevölkerung immer mehr schädigen auf Dauer einen geradezu mörderischen Charakter und solche Ketten zu sprengen ist daher auch ein Gebot sowohl von Mitmenschlichkeit als auch von Klugheit.

(Dieser Aufsatz darf, ja soll möglichst viel Verbreitung in möglichst allen Teilen der Welt finden!)

 

 

Der Kirche rennen die Schäflein davon

Die Schweizer befürchten ein Land von Ungläubigen zu werden. So stand es jedenfalls in einem Artikel. Da stellt sich sofort die Frage, wer denn diese Befürchtung hat. Die Muslimische Glaubensgemeinschaft kann es nicht sein. Die haben regen Zulauf. Sie können sogar bei Überbelegung die Mitgliederzahlen „kürzen“. Sekten und Freikirchen, im Artikel grosszügig als Esoterik bezeichnet, verbuchen ebenfalls wachsende Zahlen. Die einzigen, welche über entlaufene Schafe jammern ist die staatliche Kirche.

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Sie will nun mit neuzeitlichen Methoden ihre Attraktivität steigern. Schauen wir uns mal diese Institution genauer an, und wo man modernisieren könnte. Angefangen beim sonntäglichen Gottesdienst. Die Uhrzeit ist nicht mehr zeitgemäss. Die jüngeren Kirchengänger kommen bei den ersten morgendlichen Sonnenstrahlen aus der Disco und erholen sich anschliessend bei einer After-Party. Der Gottesdienst wäre besser am Abend, kurz nach dem Frühstück der Nachtschwärmer.

Eine weitere Unart, die eigentlich sofort abgeschafft werden sollte ist das Planschbecken am Eingang der Kirche. Jeder, der reinkommt taucht seine ungewaschenen Finger in das Wasser und schmiert sich Millionen Bakterien der Vorgänger ins Gesicht. Im Mittelalter verhalfen sie so der Pest zu ihrem Siegeszug und heute kann man zwischen verschiedenen Grippevarianten wählen. Anschliessend sucht man sich einen Platz. Um während der immer wiederkehrenden Einschlafphasen etwas Abwechslung zu haben, nimmt man sich ein Gesangsbuch mit. Dann hat man wenigstens etwas zum Lesen. Es kann aber vorkommen, dass die Büchlein ebenfalls zum kulturellen Austausch der Mikroorganismen beitragen. Unzählige Vorgänger haben ihre Hinterlassenschaften mit Hilfe von Popeln und fettigen Fingern dem Büchlein übertragen und der Nachwelt als biodiversives Nachschlagewerk der letzten Jahrzehnte zur Verfügung gestellt. Deshalb werden sie auch immer schwerer.

Im Verlauf eines Gottesdienstes, Huldigung würde besser passen, muss man mehrmals die Position wechseln. Zur Auswahl stehen knien, stehen und sitzen. Das mit dem Knien ist so eine Sache. Die meisten Kirchenbesucher sind so alt wie die Bestuhlung und beim hin knien knacksen nicht nur die Sitzbänke. Einige schauen verunsichert auf den Boden, als suchen sie ihre Kniescheiben zwischen den Sitzreihen. Beim Aufstehen wiederholt sich die akustische Kulisse. Eigentlich ein kleines Wunder, wie die Bänke jahrzehntelang den Turnübungen Stand hielten. Ein tastender Griff unter die Bänke klärt das Mysterium. Durchschnittlich wird ein Laufmeter Sitzbank durch ein Kilo Kaugummi zusammengehalten.

Zwischendurch bekommt man sogar etwas zu futtern. Die Ausgabestelle faselt andauernd etwas vom „Leib Christi“. Das versteht heute keine Mensch mehr und wenn, dann erinnert es an Kannibalismus. Der Küchenchef würde besser „Soylent-Green“ rufen, wäre zeitgemässer. Zudem sind die Arbeiter der Ausgabestelle ziemlich egoistisch. Während sich die Gäste den Mund mit diesem Bisquit verkleben lassen, saufen der Küchenchef und seine Angestellten den Wein alleine. Die Gäste müssen sich mit der evolutionären Ursuppe am Kircheneingang begnügen. Das könnte man attraktiver gestalten. Ein Lunch-Paket wie im Flugzeug oder ein Buffet. Wenn schon der Leib Christi verspeist werden soll, dann je nach Geschmack. Was darf’s denn sein? Etwas Filet oder ein Stück Leber? Wäre besser als das eingetrocknete, geschmacklose Stück Presskarton, wo man eh nicht satt wird.

Dann wird in einer Kirche gesungen. Falsch, laut und unartikuliert. Es ist manchmal schwierig, zwischen den Popeln noch etwas Text zu erkennen. Entsprechend tönen die gesungenen Lieder. Hier sollte sich die Kirche ein Beispiel an der Schlagermusik nehmen. Die Kirchengänger können in der Regel die Schlagertexte auswendig, brauchen kein Gesangsbuch, welches das Immunsystem herausfordert und verfallen beim hypnotischen Grundtakt in eine euphorische Trance.

Am effektivsten kann man die Kirchengänger mit Drogen besäuseln. Bisher wurden die Besucher mit Weihrauch eingenebelt, was bei einigen schon ekstatische Gefühle auslöste. Aber wenn der Prediger dafür Hanfblüten nehmen würde, würde die Kirche wirklich zum Mittepunkt des Friedens werden. Alle hätten sich lieb, man würde stundenlang den Erzählungen des Märchenonkels lauschen und zu den Bewegungsabläufen könnte man noch „liegen“ und „rumhängen“ dazu nehmen, was einige Knie- und Bandscheiben sicher begrüssten.

Dann stehen in einer Kirche Unmengen an Möbeln rum. Die meisten dienen als Staubfänger. Den Beichtstuhl könnte man stundenweise vermieten, die Orgel durch einen DJ ersetzen und die ganzen Dekorationen verschiedenen Fasnachts-Gilden zur Verfügung stellen. Einzelne Kirchen haben eine Modernisierung durchgeführt, jedoch mit fraglichem Erfolg. Nackte Frauenkörper sind zu klein für ganze Liedertexte, auch wenn sie auf dem Altar stehen und ihre Buchstaben der Menge entgegenstrecken. Andere haben es mit Punk-Musik versucht, was aber auch nicht funktionierte.

Laut Medienberichten ist die neueste, kirchliche Integrationsmethode das Singen von Liedern, die aus einer anderen Religion stammen. Grundsätzlich eine gute Idee um Verständnis für andere Glaubensrichtungen zu entwickeln, aber auch frustrierend für die christlichen Goldkehlchen, die hoffnungslos vor einem virtuosen Imam stehen. Tante Klara mit ihren 80 Jahren ist halt nicht mehr so schnell mit ihren Stimmbändern und das daraus resultierende Stimmengewirr erinnert mehr an eine voll besetzte Bahnhofshalle. Hier ist man, glaube ich, über das Ziel hinausgeschossen.

Die Kirche sollte sich einen erfahrenen Event-Manager besorgen. Zudem ist die Jahrhunderte alte Marketingstrategie ausgelutscht. Der Reiseprospekt für Lebensmüde bietet noch immer nur zwei Destinationen an. Himmel oder Hölle. Ziemlich einfältig, dieses Angebot. Sie könnten als Draufgabe noch 72 Jungfrauen dazu packen oder wenigstens die zu sammelnden Flugmeilen erwähnen. Aber hier verpennt die Kirche den Zeitgeist. Einzig der himmlische Parzellenverkauf läuft nach wie vor auf Hochtouren. Man erwirbt ein wolkiges Sonnenplätzchen und es spielt keine Rolle mehr, wie viele Sünden man auf Erden angehäuft hat oder nicht. Scheinheiligkeit wird einfach umformuliert und heisst Heiligenschein, für was auch immer.

Generell muss die Kirche ihre verstaubten Ansichten revidieren. Die Erde ist nicht flach und sie wurde auch nicht in sechs Tagen erschaffen. Ich will die Rohrleitung sehen, mit der die Ozeane gefüllt wurden, in sechs Tagen. Und wenn nur Adam und Eva am Anfang die Welt besiedelten, dann sind wir ein einziger Inzesthaufen. Dasselbe mit den Tierpärchen auf Noah’s Arche. Hier müsste die Kirche mit alten Werten aufräumen und neue integrieren. Die Kirchengänger wanken im GangMan-Style in den Bet- Tempel, anstatt Bakterien schmieren sie sich eine Gesichtsmaske um die Augen und McDonalds beliefert das kirchliche Buffet. Möglichkeiten gibt es viele, um etwas Attraktivität in den Gebetsalltag zu bringen. Lassen wir uns überraschen.

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