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Armut in Deutschland: Unfreiheit, Ungleichheit, Unbrüderlichkeit – ein Unland.

eifelphilosoph_200

eifelphilosoph_200Mittwoch, 24.9.2014. Eifel. Über Armut in Deutschland zu sprechen ist gar nicht so leicht. Klar, alle denken erstmal an Geld – als wäre allein Geld der Maßstab allen Lebens. Schauen Sie sich doch mal die Schwerbehinderten in Deutschland an: schon fast zehn Prozent aller Deutschen haben einen Schwerbehindertenausweis (siehe Spiegel): ich denke, viele von ihnen würden all´ ihr Geld opfern, um wieder gesund zu sein. Genau genommen ist Gesundheit insgesamt ein großes Problem in Deutschland: Ärzte und Industrie werden für Erkrankungen bezahlt: ein Arzt, der nichts findet, ist bald ein armer Arzt. Und ein Mensch, der solange zum Arzt geht, bis der was findet, ist ein armer Mensch – und davon gibt es sehr viele.

Oder denken wir an die zentralen Werte der französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

Wie frei sind Sie eigentlich? Nein – die Frage lautet nicht, wie frei sie sich nach vier Stunden TV-Konsum fühlen (da dürfte das Gefühl positiv ausfallen: immerhin gaukelt man Ihnen hier eine allmächtige Beobachterposition vor, wie man sie früher bei Göttern annahm – oder eine Berichtsposition, wie sie Könige erlebten), sondern wie frei Sie wirklich sind? Frei, um zum Beispiel eine Glühbirne zu verwenden? Ja – die sind schon verboten (angeblich ist Sigmar Gabriel dafür verantwortlich – siehe Deutsche Wirtschaftsnachrichten), an anderen Verboten wird gerade gebastelt (siehe FAZ):

In diesen Wochen trifft die Europäische Kommission eine Vorentscheidung, welche Geräte und Produkte sie zwischen 2015 und 2017 regulieren will. Die Liste der Vorschläge reicht von Fitnessgeräten, Akkuschraubern und Föhn über Rasenmäher, Smartphones und Videoprojektoren bis hin zu Aufzügen, Gewächshäusern und Verstärkern.

Sie wissen, wo das enden wird? In einer Ökodiktatur. Die will ich auch gar nicht anprangern: wir Wohlstandsbürger sind in unserer Vernichtungswut gegenüber unserer Umwelt ansonsten doch gar nicht mehr bremsen: auf Warnungen der Wissenschaftler reagieren wir mit dem Kauf eines überdimensionierten Geländewagens, der pro Kilometer soviel verbracht wie vier Kleinwagen – bei gleichem Effekt: den Transport unserer Wohlstandshintern zum „Aldi“. Und die Warnungen der Wissenschaftler werden immer deutlicher (siehe Sciblogs):

Klimaforscher haben seit den 1970ern davor gewarnt: Jetzt ist der Westantarktische Eisschild instabil geworden und hat seinen unaufhaltsamen Zerfall begonnen. Das wird den Meeresspiegel deutlich steigen lassen. Eine Zäsur der Menschheitsgeschichte.

Gut, dass wir das Leben nur noch über den Bildschirm erleben: so bleibt uns das Gefühl, wir könnten die Apokalypse durch Betätigung der Fernbedienung von unserer Wohnung fern halten.

Aber wir waren bei der Freiheit. Anders als ehedem angedacht ist Freiheit heute ein Gut, dass man sich leisten können muss – finanziell gesehen. Sind Sie chronisch unterfinanziert wie zum Beispiel Thomas Meese von der Universität Hamburg, dann müssen Sie sich staatlich verordneter Zwangsarbeit beugen – auch als hochqualifizierter Wissenschaftler (siehe gegen-Hartz). Kein Wunder, dass der Deutsche lieber seine Wohnung nicht verläßt und nicht mehr auf Demonstrationen zu sehen ist … ein Tatbestand, der deutlicher als alles Andere zeigt, wie „frei“ er sich wirklich fühlt.

Brüderlichkeit? Wie sieht es damit aus? Da fällt mir gerade der Löschzug Rapen aus Oer-Erkenschwick ein (siehe: Der Westen):

Denn bei der Feuerwehr brannte es. Auslöser war ein Aufnahmeritual vom 15. September 2007. An jenem Nachmittag war eine 20-jährige Anwärterin an einen Baum gefesselt worden. Ein im Löschzug Rapen nicht unübliches Verfahren.

Ein seltsamer Geist bricht sich dort Bahn. Nicht nur bei deutschen Feuerwehren, auch bei der Polizei (siehe Der Westen):

Hakenkreuze, rechte Parolen, offener Rassismus – monatelang ist eine Polizeianwärterin (23) mit Migrationshintergrund von Studienkollegen in einem Kurs an der Fachhochschule „XXXXXXXX“* (siehe unten) gemobbt und erniedrigt worden.

Wissen Sie, was daran wirklich rassistisch ist? Was zudem niemandem auffällt? Das man darauf hinweist, dass die Polizeianwärterin einen Migrationshintergrund hat. Vielleicht hieß sie Schimanski (wie ein bekannter „Tatort“-Kommissar aus dem TV) und der Ururgroßvater kam aus Polen?

Zwei Ausnahmebeispiele? Nein, zwei Ausprägungen einer verrrohenden Gesellschaft, für die es jetzt fundamentalere Daten gibt (siehe WDR):

Häusliche Gewalt nimmt nach Angaben der Ärztekammern in NRW immer weiter zu. Die Zahl der Strafanzeigen deswegen habe sich innerhalb der vergangenen zehn Jahre von 16.000 auf 27.000 Fälle pro Jahr erhöht.

Damit daraus keine Gesellschaftskritik wird, wird die Aussage umgehend relativiert mit dem Hinweis darauf, dass Ärzte sensibler auf des Thema reagieren, wodurch mehr Fälle bekannt werden. So einen Humbug liest man selten: Ärzte haben Schweigepflicht – sie dürfen überhaupt keine Straftaten anzeigen. Wir werden also mit der Tatsache leben müssen, dass das Leben in der trauten Ehegemeinschaft rauer wird – sogar dort.

Probleme mit der Brüderlichkeit hat man auch im Geschäftsleben – nach der Finanzkrise sollte das eigentlich jedermann bewusst geworden sein. Trotzdem stößt man immer noch auf erstaunliche Dokumente, die das Geschäftsgebahren der Bankenwelt gut dokumentieren – wie hier zum Beispiel bei den Sparkassen: (siehe Spiegel)

„Man versucht, indem man sich ins Gehirn hineinschleimt, Vertrauen zu finden und den Verbraucher in einer Weise zu beeinflussen, die nicht in seinem Interesse ist.“ – so das Urteil der Verbraucherschützer über die Klassifikationsraster der Sparkassen. Das gilt aber im Kapitalismus für alle Branchen … und führt uns zum nächsten Thema: der Gleichheit.

Darüber traue ich mich gar nicht mehr zu reden – darüber ist schon genug gesagt worden. Es gibt wieder eine Elite, die enscheidet – und ein Prekariat, das folgen muss … bei Zwangsarbeit, Glühbirnenverbot und offenem Rassismus. Das gilt weltweit so, da hat Deutschland kein Alleinstellungsmerkmal (siehe Oxfam):

Die wachsende soziale Ungleichheit untergräbt demokratische Prozesse, sowohl in Industrie- als auch in  Schwellen- und Entwicklungsländern. Das ist das Ergebnis eines Berichtes zur Einkommens- und Vermögensungleichheit, den Oxfam heute kurz vor Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos veröffentlicht. In „Working for the Few“ warnt die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation davor, dass wohlhabende Eliten weltweit die Politik zu ihren Gunsten beeinflussen und wirtschaftliche Spielregeln in ihrem Sinne manipulieren.

Heute besitzt ein Prozent der Weltbevölkerung fast die Hälfte des Weltvermögens. Die 85 reichsten Menschen besitzen ebenso viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung zusammen.

Das ist der Trend, der auch in Deutschland vorherrscht. Den beschreibt der ehemalige Staatsratsvorsitzende der DDR Egon Krenz aus einer interessanten Perspektive (siehe Junge Welt):

Herbert Wehner, der vom Kommunisten zum Sozialdemokraten mutierte, hatte mich schon 1973, damals Fraktionsvorsitzender der SPD im Bundestag, gewarnt: »Wer einmal Kommunist war, den verfolgt die bürgerliche Gesellschaft bis zu seinem Lebensende.« Ich hätte also durchaus wissen können, was nicht nur mich erwartet, sollte die Bundesrepublik einmal Zugriff auf die DDR bekommen. Der Gedanke, daß dies jemals geschehen könnte, lag mir damals fern. Nun rächt sich die neue Macht mit all ihren Institutionen dafür, daß sie über 40 Jahre keinen Zugriff auf den deutschen Osten hatte. Und sie sendet damit das Signal: Sie will nie wieder eine Alternative zur kapitalistischen Gesellschaft zulassen.

Kommunistenverfolgung in einer freien Demokratie? Sind wir etwa auch arm an politischer Freiheit, arm an wissenschaftlicher Wahrheitsfindung, arm an Prozessen zur Meinungsbildung? Hören wir Herrn Krenz:

Das offizielle bundesdeutsche Geschichtsbild über die DDR steht doch fest: »Zweite deutsche Diktatur«, »Unrechtsstaat«, »Mauer« und »Stasi«. Wer diese Klischees nicht bedient, hat keine Chance auf eine sachliche Diskussion.

In der Tat: die Chance, aus den Erfahrungen des sozialistischen Deutschlandes etwas über mögliche Alternativen zum momentan versagenden Kapitalismus zu lernen, wurde vollkommen zugunsten einer blindwütigen Siegerorgie vertan. Die „neue Macht mit all ihren Institutionen“, die bei Oxfam erwähnte „wohlhabende Elite“ rechnet sich auch aktuell den Kapitalismus schön (siehe Spiegel):

Es ist das höchste Wachstum seit zehn Jahren: Das Vermögen privater Haushalte ist 2013 weltweit auf 118 Billionen Euro gestiegen. Das sind rund zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor und 27 Prozent mehr als 2007.

Solche Meldungen gehen eher durch die Systemzensur als die Meinungen des Herrn Krenz. Schauen wir hier ruhig mal genauer hin: immerhin ist der Spiegel das bedeutendste „kritische“ Medium der Bundesrepublik, die Bibel der staatstragenden Kräfte, das Sturmgeschütz der Demokratie:

Fast eine halbe Milliarde Menschen ist demnach in den vergangenen 13 Jahren in die globale Vermögensmittelklasse aufgestiegen. Zwischen 2012 und 2013 waren es 60 Millionen. Zur Mittelklasse zählt in der Allianz-Definition, wer ein Vermögen zwischen 5300 und 31.800 Euro besitzt. Im vergangenen Jahr waren das laut Allianz weltweit 912 Millionen Menschen.

Ja, Sie lesen richtig: mit einem Vermögen von 5300 Euro gehören Sie zur Mittelklasse dieser Welt – sagt die Allianzversicherung, einer der großen Träger des bundesdeutschen Systems. Ach – jetzt sind wir doch beim Geld gelandet … dabei ist diese Debatte dem Lande der Dichter und Denker doch so unangemessen. Aber – was soll´s.

Ja – jeder Deutsche Hartz IV-Abhängige, der noch Schonvermögen von 5300 Euro in Händen hält, gehört schon zu Mittelklasse. So definiert, steigt die Mittelklasse weltweit an, allein schon deshalb, weil Geld wie irre gedruckt wird und an der Börse mit diesem gehaltlosem Geld irrsinnige Gewinne möglich sind. Lesen wir die vom Spiegel zitierte Studie aber nochmal genauer:

Allerdings setzt sich ein Teil der neuen Mittelschicht auch aus Absteigern zusammen. Denn die Zahl der wohlhabenden Menschen ist geschrumpft. Die meisten Absteiger aus der Oberschicht gab es in den USA, Japan, Frankreich und Italien. Seit der Jahrtausendwende sind laut der Studie 65 Millionen Menschen aus der sogenannten Vermögensoberklasse herausgefallen.

„Wohlhabend“ .. das waren mal die mit einem Vermögen von über 31800 Euro. Ein teures Auto, geerbter Schmuck, ein kleines Häuschen – schon gehören sie zur Oberschicht. Schon eine kleine bezahlte Eigentumswohnung macht aus Ihnen den Bill Gates von Oer-Erkenschwick – wenn es nach den Träumen der Allianz geht. Wir hielten das früher mal für untere Mittelschicht – und  schauen wir aus den Augen der alten BRD-Bewohner, dann merken wir, dass uns unser Alltag nicht täuscht: immer mehr Menschen fallen aus dieser Mittelschicht heraus, wandern in die Armut. Genau genommen werden immer weniger Menschen immer reicher und immer mehr Menschen immer ärmer – aber das versucht die „neue Macht mit all´ ihren Institutionen“ zu vertuschen wo immer es geht.

Aber kümmern wir uns jetzt mal um die Armen, geben der Armut ein Gesicht. Der NDR hat dies getan (siehe NDR):

Tanja ist eine von vielen Frauen in Deutschland, die alleinerziehend sind und deshalb keinen Vollzeitjob machen können. Dadurch, dass sie in Teilzeit in einem Café arbeitet, verdient sie nicht genug, um ihren Lebensunterhalt für sich und ihr Kind zu sichern. Trotz eines Stundenlohns von 8,50 Euro kommt sie gerade mal auf 870 Euro.

Kein Hartzer – sondern eine reiche, arbeitende Frau. Zum Überleben mit 320 Euro im Monat (abzüglich der Fixkosten) ausgestattet – für zwei Personen. Macht 160 Euro pro Person, 5,30 Euro am Tag. Eine Schachtel Zigaretten ist teuerer – um mal einen Vergleichsmaßstab zu setzen. Ich will aber auch noch einen anderen Maßstab nehmen: Afrika, jener Kontinent, auf dem die Menschen mit einem Dollar pro Tag auskommen müssen (siehe Johannes Rau in der Zeit). Das gilt als „wirklich arm“ – dagegen ist unser Tanja richtig reich.

Vergleichen wir aber mal die Bruttoinlandsprodukte der Kontinente (ja, da sind wir großzügig – die Griechen, Spanier und Portugiesen kommen sogar mit in die Rechnung – siehe Politik-kompakt). Europa hat demnach ein Bruttoinlandsprodukt von 17580 Milliarden, Afrika von 1960 Milliarden. Europa ist neunmal reicher als Afrika … aber Tanja hat nur fünfmal Geld mehr als ein afrikanischer Armer. Manche deutsche Rentner haben genau so viel wie ein Afrikaner (siehe RTL). Würden wir die BIP´s Deutschlands mit … sagen wir mal: dem Sudan vergleichen, wird es noch doller: Deutschland hatte 2013 ein BIP von 3 600 Milliarden Euro (Platz 4 im Ranking der Nationen), der Sudan 70 Milliarden (Platz 68 von immerhin 188 Ländern). Während der arme Sudanese mit einem Dollar auskommen muss, muss die reiche Tanja in einem Land das über FÜNZIGMAL REICHER als der Sudan ist, mit fünf Euro auskommen – also 6, 5 Dollar. Verglichen mit Uganda, dem Senegal oder dem Kongo ist der Sudan aber noch reich, die drei Länder haben weniger als die Hälfte des BIP des armen Sudan (siehe Wikipedia).

Merken Sie jetzt langsam, wie arm die arbeitende Tanja eigentlich wirklich ist … wenn man ihren Anteil am BIP des Landes als Maßstab zugrunde legt? Würde man ihr Einkommen gemessen am BIP auf Sudan-Niveau umlegen, würden aus den 6,50 Dollar 10 Cent werden. Da sind Leute mit fast einem Dollar pro Tag deutlich reicher.

Das sind Dimensionen der Armut, die wir täglich fühlen – aber kaum mit Zahlen anschaulich machen. Während die Armut in Afrika teils einfach auf lange Dürreperioden zurückzuführen ist, ist sie in Deutschland der Wille der Elite und des von ihr kontrollierten Staates, die – wie überall sonst auch – „die Politik zu ihren Gunsten beeinflusst und die wirtschaftlichen Spielregeln in ihrem Sinne manipuliert“.

Übrigens erwirtschaftet Tanja in diesem Jahr vorraussichtlich 40000 Euro, so jedenfalls ihr Anteil am BIP (siehe Wikipedia), zusammen mit ihrem Kind kommt sie auf 80 000 Euro. Davon erhält sie 10000 Euro und hat am Ende 3840 Euro übrig, von denen sie ein Jahr lang das Überleben ihrer Kleinstfamilie finanzieren muss.

Keine Freiheit. Keine Brüderlichkeit. Keine Gleichheit.

Keine Gerechtigkeit. Kein Mitleid. Keine Nächstenliebe.

Und das tolle ist: verglichen mit dem armen Sudanesen sind wir sogar arm am wichtigsten Gut menschlichen Lebens: der Zeit, siehe Sybille Berg im Spiegel über den modernen Menschen:

Lasst mich endlich, endlich in Ruhe, möchte er schreien, der gehetzte Mensch, der zu nichts mehr kommt. Der immer am Anschlag ist. Weil die Zeit wegrennt, weil der Terminplan voll ist mit der Arbeit, die immer mehr wird, besonders bei denen, die sind wie ich, bei Freiberuflern, Selbstständigen. Eltern, Menschen mit kranken Eltern, kranken Kindern oder depressiven Partnern, mit Verwandten, die Prozesse haben, nicht zu reden von den Prozessen, die man selber führt. Der gehetzte Mensch muss immer mehr arbeiten, irgendwie ist da Inflation, und keiner hat es gesagt, alles wird teurer.

Deutschland: ein armes Land. Ein sehr armes Land.

Ein Unland.


 

 

* Offensichtlich ist die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein Westfahlen Gelsenkirchen, Standort Köln, gemeint. Im Originalartikel ist dies nicht ersichtlich.

Siehe den oben genannten Link und
http://www.rp-online.de/nrw/panorama/nazi-skandal-erschuettert-polizei-in-aachen-mobbing-und-fremdenfeindlichkeit-aid-1.4517648

 

Die Uhr läuft…

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Binisa Die Uhr läuft

© Binisa-Foto

Zeit vergeht…

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NSO wünscht allen unseren Besuchern und Lesern einen guten Rutsch ins Jahr 2011 !

 

Zeit vergeht...

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Begegnung

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Begegnung

© Jotha

Glauben im Focus der Zeit

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Bobby Gloor Glauben im Focus der Zeit 11.10.10

Ufos, Kornkreise, Viehverstümmelungen, Stuttgart und die Religion des „naturwissenschaftlichen Materialismus“ bei Lovecraft

Ufo´s gibt es nicht, was wissen wir. Wenn jemand seine politische, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Karriere gern beenden möchte oder gleich von Anfang an drauf verzichten möchte, eine zu haben, dann bekennt er sich dazu, das er „an Ufos glaubt“.  An „Ufos“ muß man „glauben“ oder nicht. Der Glaube ist frei und deshalb glauben auch manche Menschen an Bielefeld. Ist ja auch in Ordnung.

Was macht man aber mit einer Meldung wie dieser bei „Yahoo“:

In China musste ein großer Flughafen schließen, da am Himmel ein Ufo-ähnliches Objekt gesichtet wurde. Mehrere Flüge wurden umgeleitet, um einen Zusammenprall mit dem unbekannten Flugobjekt zu vermeiden. Es ist bereits der dritte vermeintliche Ufo-Fall in diesem Jahr – und alle spielten sich in China ab.

Ich hatte mal – es ist viele Jahre her, mehr als sechs (solange schaue ich kein Fernsehen mehr) – einen Bericht über einen Herrn Namens „Werner Walter“ gesehen, der betrieb in einer kleinen Wohnung eine UFO-Meldestelle und hatte sich als Hobby gemacht, für alle „Ufos“ eine natürliche Erklärung zu finden. Wetterballons, militärische Testflüge, Einbildung – so in etwa. Welch´ ein Unfug, dachte ich damals. Mit der gleichen wissenschaftlichen Rechtfertigung könnte man Bielefeld wegerklären – was ja dann auch prompt jemand gemacht hat. Benutzt man menschliche Logik als Machtinstrument, können die Ergebnisse verheerend sein.

Was macht Cenap: ersetzt in der Regel einen Begriff durch einen anderen. „Ufo“ durch „Wetterballon“. Ein Wechsel der Etiketten. Was geschieht dadurch? Das herrschende Weltbild wird nicht mehr in Frage gestellt. Wir sehen also:  Ufos sind hochpolitisch, nicht nur, weil man wegen Einbildungen Flughäfen schließen muß, weil die Wetterballons seit mindestens sechzig Jahren Flugmanöver hinlegen, die auch die „militärischen Testobjekte“ sechzig Jahre später nicht schaffen. Ein UFO ist in erster Linie … ein unbekanntes fliegendes Objekt. Mehr nicht. Sogar die Naturwissenschaft kennt viele davon, kann sie jedoch nicht fassen.

Das herrschende Weltbild ist – seit erst einhundertfünfzig Jahren, eine erstaunlich kurze Zeit – das Weltbild des „naturwissenschaftlichen Materialismus“.  Es ist eine exakte Kopie des katholische Weltbildes, arbeitet mit ähnlichen und zum Teil deckungsgleichen Methoden und hat auch weitreichend die gleichen Dogmen wie die Kirche: Der Mensch ist die Krone der Schöpfung im Universum, so sein Credo. Ausser ihm hat es nichts zu geben.

Der Unterschied liegt im Ursprung: dort, wo die Kirche eine intelligente,  liebende, kreative Kraft vermutet (bzw. von ihrer Existenz weiß) vermutet das naturwissenschaftliche Dogma eine dumme, gleichgültige, chaotische Ursuppe: die von Howard Phillip Lovecraft beschworenen Höllengötter werden existent – die Attribute wählte er für Azathot. Bei ihm ist es ein Dämonensultan, bei den Naturwissenschaften ein „Nichts“. Dem würde auch Lovecraft zustimmen.

Das als Folge der Ablösung von JHWH durch AZATOTH die Welt vernichtet wird – Umweltzerstörung, Massenvernichtung und die Ausbreitung menschenfeindlichen Wahns – wäre ihm auch klar: immerhin hat er seine Götter ja erfunden und Auschwitz vorausgesagt: als logische Folge von Entwicklungen im Reich der Ideen.

Lovecraft war sehr belesen, seine „Geistergeschichten“ hat er teilweise als Verhöhnung traditioneller Geschichten geschrieben, andererseits … gibt es heute Menschen, die Bücher schreiben, mit deren Hilfe Azatoth beschworen werden kann. Man sieht: dem Wahnsinn ist mitlerweile wirklich keine Grenze mehr gesetzt.

Kehren wir zurück zu den UFOs, die in anderen Zusammenhängen als Legionen eines der Lovecraft´schen Teufel erwähnt werden. Ihre Existenz ist nur deshalb so bemerkenswert, wenn … ja wenn wir davon ausgehen, das der Mensch die Krone der Schöpfung im Universum und die Naturwissenschaft sein Gott ist. Dann stören diese kleinen Lichtlein. Gerade unsere Eitelkeit hält uns davon ab, eine plausible Erklärung für ihre vornehme Reserviertheit zu finden: wir sind ihnen zu unwichtig.

Sie sind wie Naturforscher, die auf einer Insel voller brutaler Kannibalen treffen: man landet lieber abseits, nimmt ein paar Gewebeproben und macht sich davon.

Seit einem Jahr werden die Viehweiden einer Farmerfamilie im Hall County im US-Bundesstaat Georgia von bizarren Vorfällen heimgesucht. Schon 20 Kühe wurden auf bislang unerklärliche Weise verstümmelt, ohne das an den Tatorten Spuren oder sonstige Hinweise auf die Täter gefunden werden konnten. Auch die Wunden selbst stellen sowohl die Farmer als auch die Behörden vor ein Rätsel.

Die ersten Fälle von Viehverstümmelungen, sogenannter „Animal Mutilations“, die sich deutlich von perfiden menschlichen Angriffen auf Pferde und Vieh unterscheiden, wurden in den 1960er Jahren in den USA entdeckt. Seither hat sich das Phänomen weltweit verbreitet und wird seither in zunehmendem Maße beobachtet und dokumentiert. Bislang wurden weltweit bereits Zehntausende der bizarren Vorfälle registriert.

Ich wußte gar nicht, das es die heute noch gibt. Häßliche Sachen, diese Viehverstümmelungen … erst recht, wenn das Vieh ein Mensch ist – was bislang erst einmal aufgetreten ist. Einmal ist keinmal.

Viehverstümmelungen wurden auch beobachtet, zum Beispiel in England:

Farmer in der Umgebung von Shrewsbury in der englischen Grafschaft Shropshire sind über eine Zunahme mysteriöser Viehverstümmelungen beunruhigt. Untersucher wollen die Ereignisse nun sogar mit eigenen Augen beobachtet haben und machen kugelförmige „UFOs“ für die bizarren Tode der Schafe verantwortlich.

Laut dem Bericht der „Sun“ beobachteten die APFU-Forscher leuchtende Lichtkugeln, welche die Tiere laserartig attackierten: „Die bei diesen Angriffen angewandte Technologie war wirklich erschreckend und war ganz bestimmt nicht von dieser Welt“, so Hoyle. „Für kurze Zeit sah das ganze wie eine Schlacht aus Star Wars aus.“

Alles Spinner, nicht wahr? Weiß man ja. Diese Kugeln kennt man übrigens von den Kornkreisen in England.  In einem älteren Film über dieses Phänomen tauchen sie auch auf. Sie widersprechen den klassischen UFO-Mythen, denn sie sind augenscheinlich sehr klein – kleiner als ein Fußball, würde ich sagen. Da passen noch nicht mal die „kleinen grauen Männchen“ hinein. Da Kornkreise von Menschen gemacht werden, glaube ich, wenn man ähnliche Strukturen ohne Licht in einer Nacht zustande bringt wie die hier.  Ich selbst würde mit Licht und Zeichenbrett länger als eine Nacht brauchen um so etwas zu entwickeln – das dann noch fehlerfrei auf Korn übertragen – ohne Licht – würde mir schwerfallen. Man braucht diese Kreise ja auch nicht zu erklären. Wozu auch? Es sei denn … man ist Naturwissenschaftler und hat den Anspruch: „Ich weiß alles, ich bin wie Gott“. Dann stören UFOs und Kornkreise gewaltig, allein schon die Möglichkeit, das man nicht alles weiß, stellt den göttlichen Anspruch des naturwissenschaftlichen Materialismus in Frage.

Dabei hatten wir doch dereinst ZWEI Wissenschaften geschaffen (nun, eigentlich drei, aber der Theologie möchte ich hier keinen Sonderstatus einräumen). NATUR-Wissenschaften auf der einen Seite, GEISTES-Wissenschaften auf der anderen Seite. Geisteswissenschaften generel scheinen heute aber auch immer mehr den „Spinnerbonus“ zu bekommen, dabei geht es da um uns selbst. Das einzige Objekt dieser Welt das wir von „innen“ kennen sind Menschen und deren Erfahrungen unterscheiden sich sehr von der Realität der Naturwissenschaften.

Menschen sind nicht ewig. Sie kommen von irgendwo her (aus dem Reich der brodelnden Ursuppe) und gehen irgendwo hin (… Ursuppe). Zwischendurch müssen sie schlafen, vor allem ihr Gehirn muß abschalten. Sie müssen Träumen, sonst werden sie wahnsinnig. Auch während des Lebens müssen sie in einen Bereich, der außerhalb naturwissenschaftlicher Beweisführung existiert, gehen sie dort nicht hin, werden sie krank und sterben. Das sind die Realitäten, mit denen Menschen leben.  Kommt die Naturwissenschaft an und bringt uns ihr Dogma bei von „ZEIT“, die einem „Strahl“ gleichen soll, so muß der Mensch sagen: noch nie hatte er eine andere Realität als das „JETZT“ erlebt. Es gibt kein „VORJETZT“ oder kein „NACHJETZT“, es gibt nur ein „JETZT“, das sich verändern läßt. Was wirklich beobachtbar ist, ist ein Zustand der dem eines Fernsehzuschauers gleicht: obwohl die Bilder von unendlichen Weiten und phantastischen Reisen zeugen, sitzt der TV-Konsument doch völlig ungerüht auf seinem Sofa. So sitzen wir in unseren „JETZT“ und das Leben rauscht an uns vorbei. Es wirkt sehr echt und lebendig … aber „Fernsehen“ wird es wohl auch bald werden. Gestern war ich mal eingeladen zu einer dieser Technikmessen, es gab Schampus, Häppchen, viele Leute … und das sichere Wissen, das das Ende von Videowelten eine komplette Simulation der Wirklichkeit sein wird, die vom Subjekt in nichts mehr von der Wirklichkeit unterschieden werden kann, wenn man erstmal in sie eingetaucht ist: darauf arbeitet man mit großer Kraft hin.

Ich schätze mal … so gut 98% aller Menschen sind sich dieser Tatsachen bewußt – also, aller Menschen, die je gelebt haben. Wohin man auch geht, wann man auch Eintritt in die Ideengeschichte der Geisteswelten: die Theorie der „Anderwelt“ ist stets präsent, jener Welt, die unsichtbar neben der unseren existiert, die wir aber auf jeden Fall vor der Geburt, nach dem Tod und im Traum tangieren … oder in der Meditation, in Traumreisen und Visionen.

In dem Film wären Naturwissenschaftler diejenigen Menschen, die völlig am Sinn des Hologramms vorbei die Erscheinungen analysieren, während das eigentliche Leben selbst an ihnen vorbeizieht. Sie würden Menschen gleichen, die im Kino die Beschaffenheit von Sitz und Leinwand analysieren, aber den Film verpassen.

In diesem Film war der Papst jetzt letztlich in England und kaum war er wieder fort, geschah laut Spiegel etwas seltsames:

Sie himmeln die Sonne an und beschwören Geister, die aus Flüssen aufsteigen: Druiden glauben an Naturgötter. In Großbritannien dürfen sie ihr Heidentum jetzt offiziell als Religion leben – mit allen Steuervorteilen.

Sie mögen seltsam wirken, aber Recht haben sie doch:

Das Druidentum spreche Menschen an, die sich von monotheistischen Religionen abwendeten, aber trotzdem Sehnsucht nach einem spirituellen Aspekt in ihrem Leben hätten, erklärt Adrian Rooke, Druide und Rechtsberater. Die alte Tradition „erhebt die Seele“. Angesichts der zunehmenden Knappheit von Ressourcen werde es immer wichtiger, dass die Menschen eine Beziehung mit der Natur gestalten könnten.

Von diesen Menschen gibt es immer mehr, auch in Deutschland. Ich kenne einige von ihnen – und einige wenige nehme ich sogar sehr ernst. Ihre Lebensphilosophie ist nützlicher als die des naturwissenschaftlichen Materialismus, würde eine ausgewogenere Existenz im Gleichgewicht mit der Umwelt schaffen – also ist sie besser weil überlebenstauglicher als die Philosophie des naturwissenschaftlichen Materialismus.

Sie hätten auch keine Probleme damit, Naturwissenschaft und Mystik zu vereinen. Den Menschen würde das helfen, denn dann würden die Forschungen über den „Urzeit-Code“ nicht mehr verboten werden:

Der Pharmakonzern patentierte das revolutionäre Verfahren – und unterband die Forschung. Warum? Weil »Urgetreide« aus dem Elektrofeld im Gegensatz zu modernen Saatgut-Züchtungen kaum Pestizide benötigt – also Pflanzenschutzmittel, wie sie Ciba damals vorrangig vertrieb. Die Elektrofeld-Technologie ist die ökologische Alternative zum umstrittenen Gentech-Saatgut. Im Grossversuch soll sie nun Bauern in Afrika kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Und vielleicht … würden „die“ dann ja auch mal landen. Na ja, landen tun sie ja schon, aber sie wollen sich nicht mit uns unterhalten. Vielleicht weil … wir (hier laut grenzwissenschaft.aktuell nicht die intelligenteste Lebensform auf diesem Planeten sind, sondern nur die wahnsinnigste:

Begegnen sich zwei unterschiedliche Delfinarten, so bemühen sich die Tiere darum, eine gemeinsame Sprache zu finden. Diese erstaunliche Beobachtung haben Wissenschaftler aktuell vor der Küste Costa Rica gemacht.

Vor dreissig Jahren habe ich während des Philosophiestudiums die ersten Arbeiten über die Intelligenz von Delfinen gelesen. Aus philosophischer Sicht sind diese Tiere dem Menschen gleichzusetzen – in allen Bereichen. Seit der Antike helfen Delfine havarierten Seefahrern und bezeugen so ihre artenübergreifendes Sozialverhalten – und wie gehen wir mit ihnen um? Laut Welt so:

Ungeachtet von Protesten internationaler Umweltschutzorganisationen machen japanische Fischer mit Billigung der Regierung derzeit Jagd auf Tausende von Delfinen. Bei der alljährlichen Treibjagd würden im Schnitt 16.000 bis 17.000 Tiere gefangen, teilte Hideki Moronuki, Sprecher der Fischereibehörde in Tokio, mit. Umweltschützer sprechen dagegen von über 20.000 getöteten Delfinen.

Teile der getöteten Delfine sollen zu Haustierfutter und Düngemittel verarbeitet werden.

Also … die „Krone der Schöpfung“ würde anders mit ihren Mitgeschöpfen umgehen. Und das die Ufonauten lieber mit Delfinen anstatt mit Politikern reden, würde mich nicht wundern. Delfine sind nette Leute, wie es scheint. Politiker … na ja.

Warum ich dies schreibe?

Weil sich in Stuttgart Menschen zur Rettung von Bäumen in Lebensgefahr gebracht haben. Ok, sie wußten vielleicht nicht, das sie sich in Lebensgefahr bringen und waren selbst erstaunt ob der Wucht, mit der sie der Schlag getroffen hat, aber: sie kamen wieder, mehr als je zuvor. Zur Rettung von … Bäumen.

Offensichtlich gibt es zwei Arten von Menschen. Von der einen kann ich nur sagen: sie ist beängstigend. Die andere aber … macht Hoffnung.

Ob die Rituale der Druiden allerdings etwas mit den Ritualen im Bohemian Grove zu tun haben, die der Ex-Kanzler Helmut Schmidt als die besten druidischen Rituale bezeichnete, die er je erlebt hat, kann ich nicht sagen. Ich schätze mal: das scheinen da wohl andere Druiden zu sein. Ganz andere, denn ihr Eulensymbol steht für die kinderfressende Lillith (weshalb es nicht verwunderlich ist, das man hier ein symbolisches Menschen/Kinderopfer bringt) , welche von den Anbetern des Lovecraftmythos mit einer jener chaotischen Kräfte in Verbindung gebracht wird, die (einige wenige) freimaurerische Kabbalisten als Qlipoth bezeichnen würden … das Gegenteil des Baumes des Lebens.

Und als eifrige Diener und Schützer des Lebens kann man die Kosmokraten vom Bohemian Grove wohl wahrlich nicht bezeichnen.  Atombomben … sind halt nicht lustig. Aber dort, im Grove, schließt sich halt politisch der Kreis, der vor 150 Jahren als isolationistische „Naturwissenschaft“ ganz harmos begonnen hat, sich aber nie von seiner antigöttlichen Komponente befreien konnte, so wie die Freimaurer nie ihren Kampf gegen die Kirche aufgegeben haben.

Aber solche „geisteswissenschaftlichen“ Realitäten werden öffentlich nicht gerne diskutiert. Diese Sphäre ist den Mächtigen vorbehalten, für das Volk gibt es: Ursuppe mit Delfinfleisch. Mir dünkt, wenn wir nicht aufpassen, ist auch bald ein Rentner drin.

Grab eines namenlosen Knabens

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Grab eines namenlosen Knabens

Die ZEIT ruft zum Putsch auf! Verteidigt Deutschland und seine Verfassung!

Man sollte irgendwie einen medialen Notfallknopf erfinden, der – wie soll ich sagen – auf jedem Bildschirm der Republik blinkt, wenn etwas wirklich Schlimmes geschieht. In der Flut der Nachrichten über den überwältigenden Aufschwung dieses Landes (der leider an Arbeitsmarkt und Einzelhandel spurlos vorübergeht, was uns nicht stört, weil wir gelernt haben, Aktien zu essen) gehen kleinere Terrorakte vollkommen unter, obwohl sie wichtig sind, weil sie gezielt gesetzt werden.

Heute fand ich so ein Exemplar in der ZEIT, einem ehedem mal hochgeschätzten Presseorgan der Republik.  Ich lese dort selten – nicht, weil die wie alle immer mehr Rechtschreibfehler machen (heute allein: Freuen statt Frauen, vermießen statt vermiesen), denn die mache ich auch. Aus Faulheit, Flüchtigkeit und Trotz.  Außerdem habe ich keine Lektoren – und die auch nicht. Nicht mehr, denn daran wurde gespart.  Nein, ich lese selten in der ZEIT weil die ZEIT korrekt ist, ein korrektes Blatt.  Immerhin haben sie Helmut Schmidt als Herausgeber (ja, genau jener Schmidt, der fand, das die druidischen Rituale im Bohemian Grove die Besten sind, die er erlebt hat. Ich weiß, ich nerve mit diesem Grove – aber das werde ich weiter tun, bis mir jemand plausibel erklärt, was ein deutscher Bundeskanzler bei druidischen Ritualen macht) , nebenbei noch die Leiche einer Adeligen:

Herausgeber sind gegenwärtig Altbundeskanzler Helmut Schmidt (seit 1983) und Josef Joffe. Herausgeber bis zum 31. Januar 2010 war ebenfalls Michael Naumann. [7] Darüber hinaus bezeichnet die Zeit auch die 2002 verstorbene Marion Gräfin Dönhoff noch als Herausgeberin.

Es gibt da auch noch mehr Adel in der Zeit. Scheinbar kann man sich dort gut vor der harten Wirklichkeit einer nachrevolutionären Welt verstecken … solange jedenfalls, bis man die Uhren wieder zurückgestellt hat.

Chefredakteur war bis Ende Februar 2008 der frühere Zeit-Redakteur Gero von Randow.

Auf jeden Fall steht die ZEIT unter adeliger Führung, ob die auch druidische Rituale machen, weiß ich nicht:

Mit Wirkung zum 1. Juni 2009 übernahm die von Dieter von Holtzbrinck neu gegründete Dieter von Holtzbrinck Medien GmbH (DvH Medien) 50 % der Anteile am Zeitverlag von der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. Die operative Führung von Seiten der Verlagsgruppe übernimmt ebenfalls Dieter von Holtzbrinck.[6]

Was ich aber weiß ist: das die Zeit schon einmal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland massiv in die Gestaltung der politischen Wirklichkeit eingegriffen hat, ein Eingriff, der uns heute Menschenleben kostet:

Die Zeit war in zahlreichen Artikeln „Vorreiter der Wiederbewaffnung in den fünfziger Jahren“ mit Autoren wie dem ehemaligen Pressechef des Auswärtigen Amtes im Nationalsozialismus Paul Karl Schmidt alias Nachkriegsbestsellerautor Paul Carell, der damals in der Zeit „unter dem Pseudonym P.C. Holm“ schrieb.[4]

Quelle: Wikipedia

Diese Vorreiterrolle maßt sich die ZEIT nun wieder an … aber in einem ganz anderen Zusammenhang.

Die Karlsruher Republik

Gleich mehrfach hat das Bundesverfassungsgericht den Gesetzgeber entmündigt – es maßt sich damit eine Macht an, die ihm nicht zusteht

Die Macht hat das Bundesverfassungsgericht, weil der Souverän (also: wir!) sie ihm gegeben haben, damit es über die Verfassungsmäßigkeit von Politik entscheidet.  Das politische System der BRD – trotz aller Haken und Ösen, aller Macken und Mauscheleien – ist im Entwurf als eines der Besten (bzw. das Beste – in kenne halt nicht alle und bin deshalb vorsichtig) der Welt zu bezeichnen. Es hat immerhin fünfzig Jahre gedauert, bis eine Seilschaft aus „Promis“ es so weit unterlaufen konnte, das sie einen „Putsch von oben“ durchführen konnten, der dazu führte, das nun ganz viel Geld aus den Taschen der Armen in die Taschen derjenigen fließt, die vorher schon viel zu viel hatten.

Das dies System ohne Beispiel ist, weiß auch die ZEIT:

Das Bundesverfassungsgericht ist eine Schutzinstanz, um die Deutschland in ganz Europa beneidet wird. Es ist vor allem die Verfassungsbeschwerde, mit der sich das Gericht Ansehen und Vertrauen erworben hat. Dass es in Karlsruhe Richter gibt, die nicht von vornherein auf die Linie der Regierung eingeschworen sind, ist bei uns mittlerweile allgemeine Überzeugung geworden. Deutschland bildet einen Rechtsstaat nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Realität des Alltags.

Und weil das so ist … fährt die ZEIT auch ganz schweres Geschütz auf:

Dem Gesetzgeber wird die Befugnis abgesprochen, bestimmte Entscheidungen als Repräsentant des Volkes kraft seiner politischen Einsicht und Lebenserfahrung zu treffen. Expertenwissen wird angefordert. Der Gesetzgeber wird aus seiner Eigenverantwortung verdrängt. Wird es künftig notwendig sein, die Höhe von Freiheitsstrafen oder die Höhe von Steuersätzen durch Sachverständigengutachten belegen zu lassen?

Kraft seiner … Lebenserfahrung? Wie ist denn die Lebenserfahrung von Phillip Miesfelder? Guido Westerwelle? Angela Merkel? Lediglich bei Horst Seehofer sehe ich: da wurde mal gelebt, gelitten und gelernt – aber der Rest? Ohne solche politischen Highlights bräuchten wir keine Verfassungsgericht – ohne Politik, die selbstherrlich (oder dumm) an der Verfassung vorbei und über die Verfassung hinweg regieren möchte, bräuchten wir auch kein Verfassungsgericht, das die Tagträumer des vierten Reiches wieder auf den Boden einer demokratischen und sozialstaatlichen Realität zurückholt. Und deshalb kann ich die Frage des Autors einfach nur mit JA beantworten: je dümmer die Politik, je dreister die politische Kaste umso differenzierter und detallierter müssen die Entscheidungen des Bundesverfassungsgericht sein, letztlich wird man wohl sogar über die Höhe der Parkgebühren streiten müssen, um unsere Verfassung vor ihren Vergewaltigern zu retten.

Politik ist halt eher ein Sport wie Schach, nicht wie Fußball. Hier wird Zug um Zug gemacht mit geheimen Plänen im Hintergrund (das nennt man auch „Strategie“, dafür gibt es „Parteistrategen“, die „Felder besetzen“), hier ist Verschwörung Alltag – denn kennt der Gegner die Pläne, ist man selber schnell schachmatt – und das kostet dann richtig viel Geld. Die Klage, das das Verfassungsgericht sich beständig mehr und mehr in die Politik einmischt, kenne ich noch aus Studienzeiten. Je mehr Politiker und ihre Seilschaften eine andere Republik wollen, umso mehr muß sich das Verfassungsgericht mit kleinlichen Fragen auseinandersetzen … und sehen, wohin die kleinen Bauernzüge führen, wenn man sie nicht aufhält.

So kommt es, das sogar die Regelsätze für Hartz IV auf dem Richtertisch landen – und dort gehören sie auch hin, denn die Väter der Agenda 2010 wollte nichts anderes als mit Gewalt eine andere Republik zu schaffen … und wir Bürger leiden alle darunter, die Arbeitslosen direkt und die Arbeitenden indirekt. Erst recht leiden die Kinder unter dem Bürgerkrieg der Regierung gegen Arbeitslose … und Krieg möchte ich das jetzt mal nennen (manche wurden ja auch ohne einen einzigen Schwerthieb gewonnen, in dem man den Feind einfach ausgehungert hat …. auch eine Art Kürzung von Regelleistungen) um den verharmlosenden Formulierungen der ZEIT entgegenzutreten:

Auf den Gipfelpunkt seines Fürsorgedenkens hat sich das Gericht mit seiner Entscheidung zum Arbeitslosengeld II begeben. Danach sichert das Grundrecht auf Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums jedem Hilfebedürftigen diejenigen materiellen Voraussetzungen zu, »die für seine physische Existenz und für ein Mindestmaß an Teilhabe am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben unerlässlich sind«. Als Mitmensch möchte man dieser Aussage nachdrücklich zustimmen. Aber in ihrer Allgemeinheit klingt sie wie ein Fanal, dass bescheidene Lebensverhältnisse verfassungsrechtlich verboten seien. Kann das Gemeinwesen guten Gewissens eine solche Garantie abgeben? Besser hätte man formuliert, dass die staatliche Gemeinschaft bestrebt sein muss, diesen Mindeststandard zu sichern. Auch eine solche Aussage wäre der Ausweisung Deutschlands als Sozialstaat in vollkommener Weise gerecht geworden.

Sicherlich sind nicht „bescheidene Lebensverhältnisse verfassungsrechtlich verboten“, wer das freiwillig macht darf es sicher tun. Wird aber Armut per Gesetz und mit Gewalt erzwungen (und die Drohung der Einstellung der Leistungen ist eine Todesdrohung in einem Land wo Geld gleich Essen ist),  so ist dies angesichts der Verpflichtung unseres Landes zur Einhaltung der allgemeinen Menschenrechte schon ein Fall für das Verfassungsgericht.  Und das Gemeinwesen kann nicht nur so eine Garantie abgeben, das Gemeinwesen MUSS so eine Garantie abgeben …. denn dafür sind wie Sozialstaat.

Das Gericht darf sich nicht als »Praezeptor Germaniae«, als Lehrmeister der Republik, gerieren. Wenn der Gesetzgeber für alles und jedes eine spezielle Rechtfertigung benötigt, wird demokratische durch bürokratische Herrschaft verdrängt. Bundesverfassungsgericht und parlamentarische Körperschaften sind nicht Partner in einem Kooperationsverhältnis. Das Gericht ist und bleibt ein der politischen Gewalt nachgeordnetes Organ der Rechtskontrolle.

Viel zu oft sind mir die beiden Partner in einem Kooperationsverhältnis,  obwohl sie es nicht sein sollen und das Gericht ist in der Tat  ein nachgeordnetes Organ der Rechtskontrolle … gewinnt aber dann Priorität über die Politik, wenn diese mit der Verfassung dieses Landes kollidiert, wenn gewisse Kreise mit Gewalt eine andere Republik wollen … Zug um Zug.  Man könnte normalerweise von der Politik ja auch mal verlangen, das sie sich einfach mal verfassungskonform verhält: schon gäbe es keine Probleme mehr mit dem Verfassungsgericht. Je mehr die Politik aber eine andere Verfassung, eine andere Republik möchte, umso schwieriger wird es für die noch sehr regierungsfreundlichen Verfassungsrichter, wegzuschauen.

Irgendwann geht es gar nicht mehr.

Persönlich beobachte ich seit zwanzig Jahren diese Strömung, Deutschland zu einer anderen Republik zu machen, einer Oligarchie im Sinne der USA, wo eine kleine Schicht viel und der Rest nichts besitzt. Mit der Agenda 2010 ist diese Strömung zum offenen Krieg geworden – zum Wirtschaftsbürgerkrieg. Der Feldzug nimmt nicht ganz den Verlauf, der gewünscht war (obwohl er insgesamt unglaublich erfolgreich ist), weil das Verfassungsgericht ihn (sehr seicht und sanft) ausbremst und so wenigstens die Anzahl der politisch geschaffenen Hungeropfer minimieren möchte.  Darüber hinaus merken mehr und mehr Bürger, was das eigentlich bedeutet, was da vor sich geht, mehr und mehr merken, das die Ökonomisierung der Politik letztlich in Vernichtungslager münden MUSS, wenn keine andere Logik andere Werte vorschaltet, die dies verhindern.  Was geschieht dann mit „Kosten auf zwei Beinen“, wenn die Kosten „alternativlos minimiert“ werden müssen?

Ohne eine politische Kaste, die beständig versucht, die Kernelemente der Verfassung zu unterlaufen, wären die Richter arbeitslos. Und so wird der Angriff auf das Verfassungsgericht zum weiteren Vorstoß in einem Kampf um die Bundesrepublik Deutschland und zu einem direkten Angriff auf die Unabhängigkeit der Justiz … die nämlich NICHT der Politik ungeordnet ist. Das nennt man dann nämlich ganz einfach Diktatur.

Vielleicht sind wir aber auf dem Sektor schon viel weiter, merken es nur nicht. Die ZEIT merkt es schon.

In der Technick, in der Wissenschaft, in der Medizin. Und wir schreiten immer weiter vorwärts. Aber was das Menschliche, die Moral, der Humanismus, die Ethik und Nächstenliebe anbelangt, da gehen wir zurück bis zu den Barbaren.

Wenn in Afrika die Wiege der Menschheit war, so ist das Ende der Menschheit in Europa.

Ach ja, Technik … schreibt man ohne ck. Aber der gnadenlose Aufschwung hat ja in seinem unglaublichen Siegeszug alle Lektoren weggespült, weil man ja soviel Geld hat, das man sie … sich nicht mehr leisten kann.


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