Wohlstand

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Die Zukunft Deutschlands? Der Sklavenhalterstaat des Monetenadels … im günstigsten Fall

eifelphilosoph_200

eifelphilosoph_200Freitag, 21.11.2014. Eifel. Immer mal wieder treffen sich die „Entscheider“ dieses Landes aufgrund der Einladung von Unternehmensberatern (wer hat die eigentlich erfunden, wann und zu welchem Zweck?) und debattieren über unsere Zukunft, aktuell läuft irgendwo in Deutschland ein Projekt, dass sich dem Jahr 2064 widmet: ein Wahnsinn, denn wir können noch nicht mal voraussehen, was nächstes Jahr passiert – ja, noch nicht mal das laufende Jahr läßt sich sicher vorhersagen. Bekommen wir die aktuellen (und im Prinzip völlig irrationalen) Verwerfungen auf dem politischen Parkett nicht hin, ist Deutschland 2064 eine von taktischen Nuklearraketen verwüstete Sonderzone: die russischen Panzerarmeen werden von den taktischen Nuklearraketen der US-Armee völlig nach Plan am rechten Rheinufer vernichtet, während russische Nuklearsprengköpfe die Abfangstellungen jenseits des Rheins auslöschen. Deutschland wird als Staat aufhören zu existieren, unser Gesellschaftsmodell wird dem der Sahelzone gleichen. Kein Gejammer bitte, dass ist alles nicht neu: schon während der letzten Jahrtausende war Deutschland Schlachtfeld der Großmächte, das hat allen (außer den Deutschen) gut gefallen: es ist weise, Kriege weit weg zu veranstalten, da hat man selber mehr davon.

Schaffen wir es, die Kriegsgefahr zu umschiffen, wartet noch ein weiterer Hammer auf uns: wir haben eine auf Öl aufgebaute Industrie – und Öl ist bald alle. Wissen wir auch. Da der Euro immer wertloser wird, werden wir schon recht bald aus dem Kreis der potentiellen Ölkäufer ausscheiden müssen, in 50 Jahren jedoch dürfte der letzte Tropfen durch das SUV gejagt worden sein. Haben wir uns dann auf Fracking verlassen, ist unser Wasser knapp: die Felder verrotten, Hunger droht. Im günstigsten Falle haben wir Verhältnisse wie in Griechenland, Portugal oder Spanien – möglich sind aber auch Szenen wie im Sudan. Schnee wird es nicht  mehr geben – dafür sorgt der Klimawandel. Oder aber die andere Seite hatte recht und eine kleine Eiszeit versenkt Europa unter einer dicken Eisdecke.

Über Seuchen wollen wir gar nicht reden, die kommen als Bonbon oben drauf – wir brauchen sie aber auch nicht, denn wir haben noch eine dritte Schockwelle, die unsere Gesellschaft überstehen muss: den Neofeudalismus der monetären Gesellschaft, in der das Konto über die Stellung in der Gesellschaft entscheidet. Aktuelle Nachrichten illustrieren den Trend (siehe Spiegel)

Deutschland hat nach den USA weltweit die zweitmeisten Multimillionäre – im Fachjargon der Banker „Ultra High Net Worth Individuals“ genannt. Die Zahl stieg im Vergleich zum Vorjahr um 7,2 Prozent auf rund 19.000. Zusammen verfügen diese besonders reichen Deutschen über ein Vermögen von gut 2,5 Billionen Dollar – zehn Prozent mehr als im Vorjahr.

Nur die besonders reichen Menschen (über 30 Millionen Euro Vermögen braucht man schon dafür) allein haben mehr Geld als Deutschland Schulden hat. Woher stammt das Geld? Nun – direkt vom deutschen Steuerzahler (siehe Christoph Butterwege bei Wiwo):

Inzwischen gibt es konstant 1,3 Millionen Aufstocker. Dafür gab die Bundesregierung seit 2005 allein 75 Milliarden Euro aus. Das sind Subventionen vom Staat, die Unternehmer belohnen, die Lohndumping betreiben und Löhne zahlen, die nicht existenzsichernd sind.

Ja: die Ursache für die drastische Massenproduktion von Neureichen liegt in der „Sklavenhalterideologie“ (so Butterwege) des Neofeudalismus, den man heute fein Neoliberalismus nennt, was aber im Prinzip das Gleiche ist: der Staat soll einer kleinen, wachsenden Oberschicht die Gewinnung enormer Renditen auf Kosten immer ärmer werdender Massen garantieren: die Starken wollen bei der Ausplünderung der Armen keine gesetzlichen Schranken mehr sehen.

Die Schattenseiten der Umverteilung sieht man auf der anderen Seite der Straße (siehe Junge Welt):

Flüchtlinge, Obdachlose, Hartz-IV-Bezieher, aufstockende Rentner, arme Kinder: Die Schlangen an den Lebensmittelausgabestellen der Tafeln in Deutschland werden immer länger. Angebot und Nachfrage driften auseinander, der Kampf um die Reste der Wegwerfgesellschaft tobt längst. Die Mangelverwalter reagieren auf die wachsenden Probleme mit strengerer Zuteilung, Aufnahmestopps oder gar Sperren.

Ja – die künstlich per Gesetz zwecks Motivation Armut ist inzwischen so groß, dass auch um die Reste der Wegwerfgesellschaft erbittert gekämpft wird.

Die Sogwirkung des Neufeudalismus ist gigantisch: aufgrund der räuberischen Kraft des Zinseszinses werden Besitzende von Kapitalhaufen ohne Arbeit oder Leistung immer reicher. Ja, machen Sie sich das mal ruhig klar: wenn man ein Weltsuperreichenvermögen von 30 Billionen Dollar (2007 betrug des Weltbruttosozialprodukt 54 Billionen Euro – mal zum Vergleich, siehe BpB) mit nur 7,2 Prozent Rendite versehen möchte (Ackermann versprach derzeit 25 %), dann muss man denen jedes Jahr über 2 Billionen dazu buttern … und im nächsten Jahr sind es dann schon 32 Billionen, die nach Zinsen schreien.

Das wird niemals jemand bezahlen können. Zwar könnte man sich jetzt als Mitglied des Monetenadels eine schöne Zukunft erträumen, eine Welt, in der die Armen in den häßlichen, toten Industriebrachen verbannt werden und man selber mitten in Deutschland in teuersten Luxusressorts haust, aber leider macht das die Weltwirtschaft nicht mit: soviel Geld, die die Ultra High Net Worth Individuals für sich brauchen, kann man gar nicht drucken. Darum kann man man heute schon nachlesen, dass das „UHNWI“-System völlig gescheitert ist (siehe Nobelpreisträger Stieglitz in der Handelszeitung):

Egal, wie stark das BIP wächst: Ein Wirtschaftssystem, das es nicht schafft, dass Wohlstandsgewinne der Mehrheit seiner Bürger zugutekommen, und in dem ein wachsender Anteil der Bevölkerung steigender Unsicherheit ausgesetzt ist, ist in einem grundlegenden Sinne ein gescheitertes Wirtschaftssystem.

Die Luxusverzinsung toter Kapitalhaufen produziert Armut in Massen – schon seit einem Vierteljahrhundert:

Inflationsbereinigt verharrt das mittlere Haushaltseinkommen unter seinem Stand von vor 25 Jahren.

Das von Stieglitz so genannte „Zeitalter der Unsicherheit“ betrifft nicht nur den Mittelstand und kleine Familienunternehmen, sondern das gesamte Wirtschaftssystem – das wird auch ganz offen zugegeben: der IWF hat keinerlei Ideen mehr, wie man der grassierenden Wirtschaftskrise begegnen kann (siehe Focus) – und diese Krise ist an den Finanzmärkten wieder sehr aktuell (siehe Welt).

Es ist klar: wenn eine kleine, monetäre Oberschicht sich zum Ziel setzt, 30 Billionen Dollar jährlich um 25 % zu vermehren, dann wird überall woanders das Geld knapp, dann braucht man Niedriglohnsektoren in Massen und eine völlig Auflösung des Staates als Solidargemeinschaft: das Geld für Renten, soziale Hilfen, Infrastruktur wird gebraucht, um die feuchten Träume von Kapitalhaufen zu befriedigen. Deutschland hat da eine traurige Vorreiterrolle, wir sind quasi das Experimentierfeld der neuen Sklavenhalterideologie (siehe C. Butterwege im Deutschlandradio):

In keinem anderen Industriestaat wucherte der Niedriglohnsektor so krebszellenartig wie hierzulande. Viele Berufstätige haben kein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis mehr, das ihnen Schutz vor elementaren Lebensrisiken bieten würde. Wenn dieser jedoch gegeben ist, leisten sie vielfach Leiharbeit oder Zwangsteilzeit.

Um ihre Zinseszinsen erwirtschaften zu können, erwarten uns völlig neue Abgreifmethoden: wer spart, wird bestraft, das kündigte ein führender Mitarbeiter der Vermögensverwaltung der Deuschen Bank an (siehe Spiegel): Strafzinsen für Sparguthaben werden eingeführt, „die Wirtschaft“ (die im Prinip weltweit nur noch aus 147 Konzernen besteht) braucht jeden Cent (nicht nur die Erlöse aus den Enteignungen von Millionen von Arbeitslosen und der Entwertung der Arbeit von noch mehr Millionen Beschäftigten) für die Millionärsmast an der Spitze … zu denen sämtliche führenden „Entscheider“ ganz schnell gehören.

Ja, das war der entscheidende Trick des gesellschaftlichen Umbaus: man versichert sich die Gefolgschaft der gesamten Führungsmannschaft der Bundesrepublik (inklusive der Funktionäre der Kirchen und Parteien), in denen man sie zu reichen Menschen macht: eine Krähe hackt bekanntlich der anderen kein Auge aus.

Keinen Monat nach der Ankündigung der Negativzinsen schreitet die große Commerzbank zur Tat: wer zuviel Geld auf dem Konto hat, wird bestraft (siehe Wall Street Journal) – erstmal nur Großkunden, aber der „kleine Mann“ ist auch schon im Visier. Immerhin wird da ein neues Geschäftsmodell gesellschaftsfähig – warum sollten sich nicht alle daran beteiligen?

Was hier geschieht, geschah zuvor mit den Arbeitslosen: wer nicht mehr schnell genug rennen kann, wird enteignet. Wessen Kapitalhaufen zu klein ist. um für die Banken interessant zu sein (ja: die Strafzinsen für die Großanleger werden individuell ausgehandelt … d.h. klugerweise werden die jetzt dazu animiert, in Aktien zu investieren) wird einfach enteignet. Der Monetenadel braucht das Geld für seine Zinseszinsen – und dafür gehen er und seine Büttel über Leichen – nicht nur bei Spekulationen mit Lebensmitteln, auch durch die Implementierung einer „Kultur der Angst“, die Deutschland fest im Griff hat und für den einen oder anderen suizidalen Abgang sorgt: 40 % der enteigneten Arbeitslosen, die erlebt haben, wie der Staat mit gnadenloser Härte ihr Eigentum verramscht und ihre Lebensarbeitsleistung verhönt, sind psychisch krank – das fällt sogar den Jobcentern auf (siehe n-tv): der Grund für die Erkrankung liegt – euphemistisch gesprochen – in der geringen Wertschätzung, die den Menschen von ihrer Umwelt zum Ausdruck gebracht wird.

Man kann es aber auch anders ausdrücken wie der Philosoph Byung-Chul Han (siehe Zeit):

Ich kenne viele Hartzer, sie werden wie Müll behandelt. In einem der reichsten Länder der Welt, in Deutschland, werden Menschen wie Abschaum behandelt. Ihnen wird die Würde genommen. Diese Menschen protestieren natürlich nicht, weil sie sich schämen. Sie beschuldigen sich selbst, anstatt die Gesellschaft verantwortlich zu machen, anzuklagen. Von dieser Klasse kann man keine politische Handlung erwarten.

Ja: der Neofeudalismus beruft sich wie der alte Adel auf Gott selbst (man nennt das aber „die unsichtbare Hand des Marktes“ – oder einfach „positiv Denken“): wo soviel Kapital auf einem Haufen liegt (in Deutschland oft durch Erbe), da muss schon Gott selbst seinen Segen dazu gegeben haben. Wer also arm ist, darf sich sicher sein, bei Gott selbst in  Ungnade gefallen zu sein. Ganz olle Kamellen, werden aber immer noch gern verteilt, weil sie die Widerstandskraft breitester Schichten der Bevölkerung gegen sich selbst richten, für die Arbeitszeiten vn 80 – 100 Wochenstunden wieder zur Norm werden sollen … die man aber gefälligst zu lieben hat (siehe Zeit über die Vorzüge der Selbstausbeutung).

Und da wundert sich die Bundesregierung über den Nachfrageboom bei der Rente mit 63 (siehe Spiegel), dabei sollte allen klar sein: das sind hauptsächlich jene Sklaven, die der Kultur der Angst so schnell als möglich entkommen wollen. Äußerst bedenklich (aber inzwischen schon leider sprachliche Norm): es wird von „explodierenden Kosten“ gesprochen – als sei ein Staat und seine Sozialpolitik jemals unter betriebswirtschaftlichen Kategorien sinnvoll bewertbar … das „Durchfüttern“ alter Menschen ist immer betriebswirtschaftlicher Unsinn, aber ein Staat ist eine Solidargemeinschaft und keine Firma zur Produktion von kostenintensiven Werbegeschenken für Neureiche, die sich ihre Profite zur Not einklagen wie der schwedische Konzern Vattenfall, der für die Stilllegung lebensgefährlicher Atommeiler die Bundesrepublik Deutschland mit großer Aufsicht auf Erfolg zu einer Strafzahlung von 4,7 Milliarden Euro verklagt (siehe Spiegel) während der deutsche Steuerzahler die nächsten Jahrtausende die sichere Verwahrung des von Vattenfall produzierten Atommülles gefälligst kostenfrei zu übernehmen hat … wir sollten uns da mal Gesetze schaffen nach denen wir hier auch mal Entsorgungsgebühren in angemessener Höhe gönnen.

Diese Gesetze jedoch werden wir  nicht bekommen: die Anwärter auf die Aufnahme in den Monetenadel verkaufen ihre politische Macht gerne an den Meistbietenden (siehe z.B. der Fall Mißfelder bei Lobby-control), selbst niederste Büttelposten motivieren die auf Kosten der Steuerzahler in Saus und Braus lebenden Funktionäre des Staates zu äußerst devoten Bücklingen, wie sie in Zeiten des Feudalismus ebenfalls schon Alltag waren.

Wie sieht es derweil beim Volk aus? Schon jetzt – und nicht erst in fünfzig Jahren – ist die normale Familie eine Minderheit in Deutschland (siehe Spiegel), deren Kinder von staatlichen Behörden auch gerne als Druckmittel benutzt werden: da arbeiten neuerdings Jobcenter und Jugendamt Hand in Hand, die Enteignung in einer Sklavenhaltergesellschaft erreicht auch hier wieder die Feudalnorm: das Kind gehört dem Lehnsherren (siehe junge Welt):

Alles zum Wohl des Kindes? Für den Nachwuchs von unbequemen Hartz-IV-Beziehern gilt das offenbar nicht. Die Linke-Fraktion im Kreistag Rhein-Sieg (Nordrhein-Westfalen) hat Hinweise darauf, dass das Jobcenter Kontakte zum Jugendamt augenscheinlich dafür nutzt, Eltern unter Druck zu setzen.

Währenddessen arbeiten die juristischen Büttel des Monetenadels gezielt an der Enteignung von Arbeitsplätzen, wodurch jede Familienplanung mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem desaströsen Fiasko endet (weshalb man sie auch zunehmend unterläßt) – siehe Spiegel:

„Aus rein strategischen Gründen empfiehlt es sich manchmal auch bei nicht so erheblichen Pflichtverletzungen im Verhaltensbereich eine fristlose Kündigung, hilfsweise ordentliche Kündigung auszusprechen.“ Übersetzt heißt das: Man kündigt einfach einmal drauf los, hofft, dass der Mitarbeiter verschreckt einer Abfindungszahlung zustimmt und das Gericht damit nicht weiter prüft.

So werden die Müllmenschen beliebig in Serie produziert: man kann sich als Jungmanager gut für die Beförderung profilieren, in dem man es schafft, massenhaft ältere, teuere Familienväter zu entsorgen und sie durch williges und billiges Jungvolk zu ersetzen.: das spart Kosten, maximiert die Rendite und die jungen Mädels sehen zu dem auch besser aus als die alten Säcke.

Wir sehen: wirtschaftlich ist schon die Gegenwart äußert desolat – nur hören wir das nicht so konzentriert, weil die Medien (wie immer bei einem gewaltsamen Putsch) völlig in den Händen der Nutznießer des Neofeudalismus sind … und die berichten über sich selbst selbstverständlich nur Gutes, alles andere ist Verschwörungstheorie (deren Methodik in der Philosophie noch ganz normal „Wahrheitstheorie“ genannt wird) oder Sozialromantik (was früher als christlicher Grundwert der Nächstenliebe der Grundpfeiler unserer modernen Kultur war, der sich erst nach vielen Jahrhunderten mühevoll über die egomanen Werte des Feudalismus erheben konnte).

Auch wenn man mich nun eine rechte Unke nennen wird: in fünfzig Jahren werden es keine Deutschen mehr sein, die über Deutschland entscheiden. Der im Vergleich zum Neofeudalismus soziale Islam wird – trotz drakonischer Strafen und vorsintflutlicher Sitten – als Gegenkraft Jahr für Jahr für immer breitere Schichten attraktiver (nicht nur für Ausländer) und allein schon dank des aussterbenden Sklavenvolkes zahlenmäßig den leer werdenden Raum ausfüllen – und wir brauchen diese Menschen auch, um allein unseren aktuellen Pflegenotstand (siehe Deutschlandfunk) in den Griff zu bekommen ( Bevor nun jemand Panik bekommt: das war in Deutschland auch schon die letzten Jahrtausende so, wir liegen halt recht zentral am Weg – und viele machen auf dem Weg hier Pause und bleiben).

Normal ist auch, dass es wieder einen starken Führer geben wird, einen Monarchen, der dem Neofeudalismus Schranken setzt, weil die Demokratie mal wieder zu schwach war, sich gegen die Finanzbarone zur Wehr zu setzen: das ist nicht „rechts“ sondern das Ergebnis historischer Forschung – oder philosophischer Erkenntnis, Hobbes hat dazu ein ganze Buch geschrieben: den Leviathan: dort, wo der Mensch des Menschen Wolf ist, kann nur ein absoluter Herrscher (nennt man heute „Diktator“) für Frieden sorgen und dem Chaos ein Ende setzen: die christliche Urbestie „Leviathan“ wird so Sinnbild des absoluten Weltherrschers, der mit eiserner Gewalt den Neofeudalismus im Zaum hält .. und für den wird Deutschland nur eine Müllkolonnie sein, sozusagen das Gelsenkirchen Europas.

Jetzt haben wir doch einen Ausblick auf die Zukunft.

Sagte ich nicht, es sei Wahnsinn, einen solchen Ausblick zu versuchen – in einer Welt, in 421 Millionen Vögel weniger leben als in den letzten 30 Jahren (siehe Spiegel)? Mir kam es sogar so vor, als seien es dieses Jahr – trotz des zuvor milden Winters – auch besonders wenig Insekten gewesen: die Fliegenfänger in unserer Wohnung erzählen davon eine ganz besondere Geschichte: aber das ist eine weitere Front, der wir uns gegenüber sehen – die Umwelt wird zunehmends bedrohlicher.

Könnte es auch anders gehen?

Klar. Wir müssen nur das asoziale Menschenbild des Neofeudalismus zum Teufel jagen („der Mensch ist schlecht und von Natur aus böse“) und wieder zum Miteinander finden – jenem Miteinander, das einst wehrhafte Städte gründete, die den Söldnerhaufen der Feudalherren die Stirn bieten konnten. In Wirklichkeit – ist der Deutsche an sich ein sehr soziales Wesen, auch wenn die Bücklinge des Neofeudalismus hier gern ein anderes Bild zeichnen (siehe Spiegel):

Zwar hat nicht einmal ein Viertel der Befragten jemals eine digitale Tauschbörse oder eine Mitfahrgelegenheit genutzt, doch die Versprechungen der Share Economy kommen gut an. Mehr als 77 Prozent aller Befragten finden, dass „Leihen statt kaufen“ ein nachhaltiger Ansatz ist. Bei den Jüngeren ist die Zustimmung sogar noch höher.

Anders als die Überschrift des Artikels suggeriert, ist die Bereitschaft zu einer konstruktiven Solidargemeinschaft sehr hoch. Kriegen wir hier die Kurve, dann droht uns eine andere Zukunft – voller Freude, Kreativität, Glück und Zufriedenheit … und ohne große anonyme Kapitalhaufen, die sich automatisch selbst vermehren und immer mehr Parasiten anziehen, die sich an ihnen ohne jede Leistung bereichern wollen.

Die Zukunft Deutschlands … liegt also in unseren Händen.

Nur werden wir was tun müssen, um sie zu gestalten.

Wenn wir es nicht tun – machen es andere für uns und das Recht der ersten Nacht wird wieder Standard für den ortsnahen Feudalpöbel, der gerne die frisch vermählten Mädels des Landkreises „beglückt“.

 

 

 

 

 

Das verlorene Glück der Deutschen

Jetzt geht ja ein Ruck der Hoffnung durch das Land: Der Bundestag hat den Bürger entdeckt. Das war besonders für Regierungsmitglieder schwer, die durch die getönten Scheiben der Nobellimousinen generell kaum noch Kontakt zur Wirklichkeit bekommen und ohne Zuarbeitung diverser Fachreferenten schon allein die Nachrichten kaum noch verstehen würden.

Das man wach geworden ist, hat einen Grund. Trotz der staatlich verordneten Aufschwungeuphorie bleibt der Bürger grimmig. Um das zu erkennen, braucht man eigentlich keine Studien, dazu reicht ein Spaziergang durch die nächstgelegene Einkaufspassage oder ein Blick in vorbeisausende Automobile.  Solche Erfahrungen macht man nicht durch getönte Scheiben … und um sich solche Erfahrungen zu ersparen, tönt man die Scheiben ja gerade und läßt sich die Welt lieber durch den Fachreferenten erklären. Was dieser jedoch von der Welt zu berichten hat, findet sich unter anderem in der Welt:

Es ist schon ein Kreuz mit den Deutschen. Ihre Wirtschaft boomt, die Regierung erhöht ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr von 1,8 auf 2,1 Prozent, und doch sind nur noch 48 Prozent der Bürger von den Vorzügen der sozialen Marktwirtschaft überzeugt, ergibt eine Studie des Bankenverbandes.

Mitte der 90er-Jahre waren es fast doppelt so viele. Heute wollen 90 Prozent sogar eine neue Wirtschaftsordnung, in der Umweltschutz einen höheren hat als bisher und die den sozialen Ausgleich in der Gesellschaft anstrebt, ist das Ergebnis einer Umfrage der Bertelsmann-Stiftung.

90 % wollen eine neue Wirtschaftsordnung? Das heißt … 10 % sind schon Millionäre? Nun, das könnte man ja noch hinnehmen, das hat man ja gewollt: eine superreiche Kaste von Leistungsträgern schaffen, die dann den gesetzgebenden Politikern so richtig dankbar sind, weshalb es mitlerweile zwischen Politik und Wirtschaft einen fliegenden Personalwechsel ohne Rücksicht auf Fachkompetenz gibt. Nun – die hatte man vorher auch nicht, dafür gab es ja Fachreferenten.

Das Grummeln des Deutschen geht deshalb auch weiter:

Das Volk hadert sogar mit der Demokratie. Eine Mehrheit von 65 Prozent traut der Politik die Lösung dringender Probleme nicht mehr zu. Und 60 Prozent sind der Ansicht, Politik werde zu häufig gegen die Wünsche der Menschen gemacht, ergab eine Emnid-Umfrage im Dezember 2010.

Na, das muß man mal positiv sehen: immerhin trauen 35 % der Bevölkerung die Lösung dringender Probleme zu – der Rest hat Hör- und Sehhilfen im Einsatz. Immerhin 40 % meinen, Politik werde ab und zu auch zum Nutzen der Bürger gemacht – hier wirkt wohl noch das katholische Prinzip von „Glauben und Vertrauen“ stark nach.

Natürlich sieht man die Gefahr: die liebgewonnenen Seilbahnen zu den Aufsichtsratssesseln sind bedroht. Da drohte Ungemach – obwohl man es geschafft hat, das die Deutschen 2010 noch länger vor dem Fernseher saßen als die Jahre zuvor. Das Volksverblödungsprogramm „Brot und Spiele“ läuft rund um die Uhr auf allen Kanälen und trotzdem haben die Deutschen noch eine eigene Meinung und nach dieser geht es ihnen schlecht.

Liegt ja vielleicht daran, das der Lohn von dreissig Jahren harter Arbeit darin bestehen kann, das man im Krankheitsfalle seine Ersparnisse aufbrauchen darf, um die Sozialkassen zu schonen. Oder das es immer mehr Kranke gibt, obwohl die Ärzte immer mehr verdienen. Oder das die auch sonst beispielhaften Chinesen mit 60 in Rente gehen, während wir momentan schon bis 67 schuften dürfen und somit noch mehr Chancen haben, vor Erreichen des Rentenalters bei der ARGE zu landen.

Es liegt vielleicht daran, das Familienglück heutzutage bestraft wird – man nennt Familie modern „Bedarfsgemeinschaft“ und erfährt nebenbei, das die ARGE auch eine Trennungsprämie in Form von Alleinerziehendenzuschlägen zahlt.  Vielleicht liegt es daran, das Vater und Mutter sich in 50-Stundenwochen zu Tode schuften und sich von Lehrern als Dank dafür anhören dürfen, das sie keine Zeit mehr für ihre Kinder haben und die zu schlecht auf den Unterricht vorbereitet sind. Möglicherweise liegt es auch daran, das die Medien voll von strahlenden Märchen vom schnellen Geld als Superstar sind, während man selbst seine Kinder für eine Ausbildung als Automechaniker oder Krankenschwester motivieren soll oder viel Geld erwirtschaften muß, um sie nach dem Studium durchs Praktikum zu bringen.

Es mag auch daran liegen, das auch die Berufstätigen langsam merken, das die Jagd nach Wachstum ihnen keine Zeit zum Leben mehr läßt, wie ein berufstätiger Leser in einem Kommentar zu dem Artikel anschaulich beschreibt:

Natürlich bin ich sehr glücklich, weil ich gesund bin und in einer harmonischen Ehe lebe. Das ist auch das Allerwichtigste.
Ich bin aber voll berufstätig und fühle mich ständig überlastet. Die Anforderungen werden immer höher, ich kann nachts oft schlecht schlafen, habe Angst zu versagen und habe keine Freizeit. Ich würde gern etwas kürzertreten, das geht aber nicht bei dem Arbeitgeber. Entweder ganz oder gar nicht, deshalb bestimmt die Arbeit mein ganzes Dasein. Deshalb wäre ich glücklicher, wenn ich alles ein wenig „entschleunigen“ und mal eine Auszeit nehmen könnte. Viele suchen Arbeit, ich habe eine und schaffe es nicht mehr. Man kann es sich nicht aussuchen, aber weniger wäre manchmal wirklich mehr. Man kann nicht immer nur im Turbo funktionieren.

Das sind Erfahrungen, vor denen auch „Führungskräfte“ nicht gefeit sind, wo es sich doch eingebürgert hat, für 50 % mehr Gehalt 100 % mehr Leistung zu fordern, weil es genug Menschen gibt, die diesen Kuhhandel gerne mitmachen, bis sie merken, das sie doch keine Maschine sind und vor allem: altern.

Eigentlich hatten wir das mal so geplant, dass man in der Jugend richtig ´reinhaut, um im Alter dann kürzer treten zu können. Stattdessen gibt es für die Jugend Praktikum und für das Alter Hartz IV.

Kann es sein, das es da Zusammenhänge zum Glücksempfinden gibt?

Kann es sein, das man … nicht zu schnell über die Armen lachen sollte?

Übrigens gelten die Bürger von Bhutan, einem der ärmsten Länder als die zufriedensten der Welt. Bhutan war das erste Land, das das „Bruttoglücksprodukt“ eingeführt hat. Gemessen wird es, indem die Regierung die Zufriedenheit der Bürger mit der Entwicklung von Bildung, Umwelt, Kultur und Sozialem feststellt.

„Man benötigt nicht viel Intelligenz, um einzusehen, dass das endlose Streben nach materiellem Wohlstand in einer Welt mit begrenzten Ressourcen nicht nachhaltig ist“, sagte der bhutanische Ministerpräsident Jigme Thinley einst auf dem UN-Millenniumsgipfel in New York.

Ich fürchte, ich weiß jetzt schon, was uns in Deutschland  in zwei Jahren präsentiert wird: Hartz IV wird umbenannt in Glück 7 – und auf einmal sind alle Deutschen glücklich … oder eben reich.


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