Wirtschaftskrise

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Sahra Wagenknecht über die aktuelle Krise und wer sie bezahlen muss!

Wir haben uns mit Sahra Wagenknecht (ehemalige Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag) getroffen und über die aktuelle Krise gesprochen. Im Gespräch hat sie erläutert, warum die aktuelle Antwort der Regierung auf die Krise falsch ist und wie eine solidarische Lösung aussehen würde.

Bezahlen, benutzen, wegwerfen: wie uns das Stockhom-Syndrom dazu bringt, unseren Untergang zu lieben.

Bezahlen, benutzen, wegwerfen: wie uns das Stockhom-Syndrom dazu bringt, unseren Untergang zu lieben.

Donnerstag, 21.11.2013. Eifel. Der Tag wird überschattet von einem ernsten Trauerfall: der Kabbarettist Dieter Hildebrandt ist tot. Mehr als alle anderen stand er für energischen Widerstand gegen die zunehmende Dekadenz im Land, die Verblödung, die um sich greifende Sitten- und Gewissenlosigkeit. Was mir an ihm gefiel? Sein Ernst und seine Betroffenheit. Ich könnte es mir nun einfach machen und sagen: denken wir heute mal nichts, trauern wir einfach mal. Da aber täglich viele gute Menschen sterben, käme man bei strickter Befolgung dieser Maxime überhaupt nicht mehr dazu, jene Themen wahr zu nehmen, die auch Dieter Hildebrandt betroffen gemacht haben.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht in der Flut der Nachrichten kleine Kostbarkeiten verborgen sind, die besondere Aufmerksamkeit verdienen. Nehmen wir als Beispiel heute mal die OECD-Studie über die Menschen aus reichen Ländern, über die der Spiegel berichtet: allein in Deutschland gab es von 2000 – 2011 einen Anstieg der Einnahmen von „Glückspillen“ von 150 %. Eine kleine Nebeninformation ist besonders drollig: bei leichten Depressionen kann die Einnahme des Medikamentes zur Suizidneigung führen. Denkt man zuerst daran: „Na, typisch Pharmaindustrie: kostet viel, bringt aber nichts außer einen um“, so ist mit ein wenig Nachdenken über die aktivitätssteigernde Wirkung des Medikamentes die wahre Ursache gefunden: die Schnauze voll vom Leben hatten die Leute schon vorher – nur gibt ihnen das Medikament die Kraft, ihren Frust in die Tat umzusetzen.

Der Spiegel reduziert die Alltagsproblematik der Depression auf die Finanzkrise – wie üblich wird mit aller Gewalt versucht, die Norm als gut und schön darzustellen: ohne Krise ginge es allen blendend. Die Wahrheit ist: die Finanzkrise macht den wenigsten Deutschen Sorgen, sie erleben andere Veränderung drastischer. Nehmen wir zum Beispiel das Wetter, heute lieber „Klima“ genannt. Jeder merkt es: da tut sich was. Ebenso merkt jeder, der sein Leben nicht im Büro verbringt, dass jene seltsamen Kondensstreifen am Himmel sich im Laufe des Tages zu einer geschlossenen Schleierwolkenschicht entwickeln, die den Menschen den letzten Rest Sonnenlicht nimmt: die Winterdepression wird Dauerzustand. Gut – ich weiß nicht, was in diesen Kondensstreifen drin ist: es bleibt nur zu hoffen, dass es sich um „Chemtrails“ handelt, denn die kann man abstellen. Ist das eine natürliche Entwicklung eines ständig wachsenden Flugverkehrs, mit dessen Hilfe die Deutschen wenigstens einmal im Jahr aus ihrem selbst verschuldeten Elend fliehen wollen, dann ist Hilfe weniger schnell in Sicht.

Ich muss jedoch vorsichtig sein: ich bewege mich hier schon wieder am Rande eines Tabus. Über „Klima“ kann man nicht mehr so einfach reden, „Klima“ ist ein außerordentlich politisches Thema geworden. Kann nämlich sein, dass da jemand dran gedreht hat. Jedenfalls behaupten das laut Spiegel jene Länder, die von der stetig wachsenden Anzahl von Naturkatastophen deutlich betroffen sind – und damit meine ich nicht die USA, die erst kürzlich mit 80 nahezu gleichzeitig auftretenden Tornados einen neuen Redkord aufgestellt haben, sondern die heute im Spiegel zitierten Entwicklungsländer, die jetzt auf der Weltklimakonferenz Entschädigungen für die Folgen der Naturkatastrophen fordern. Gerade deshalb gilt es ja als schick und mutig, diese erkennbaren Klimaveränderungen bzw. die Theorie des menschengemachten Klimawandels anzugreifen: wo kein Täter, da keine Entschädigung. Hier missbrauchen Täter ganz offen die Sitten und Gepflogenheiten der offenen Gesellschaft, in dem sie sich selbst als Opfer präsentieren … und damit auch durchkommen. Habe ich jetzt die Theorie des menschengemachten Klimawandels nicht hinten herum anerkannt – ohne wissenschaftliche Ausbildung und umfassender Sichtung aller Argumente und Gegenargumente?

Ja, diesen Fauxpas habe ich begangen. Was soll ich auch anderes tun, wenn die Tagesschau meldet, dass man sich nun an rekordverdächtigen Dauerregen gewöhnen muß:

Nicht nur Sardinien, ein ganzes Land versinkt in diesen Tagen im Dauerregen. Im Herbst ist das in Italien nicht ungewöhnlich. Und auch dass innerhalb weniger Stunden 400 bis 450 Liter pro Quadratmeter fallen, sei keine Ausnahme mehr, sagt Giorgio Zampetti von der Umweltorganisation „Legambiente“.

„Früher gab es solche Niederschläge alle 20 bis 40 Jahre“, sagt der Umweltaktivist. „Wir haben die italienischen Regionen untersucht, vor allem Ligurien und die Toskana, die zuletzt am meisten betroffen waren. Und wir haben festgestellt, dass so etwas nun drei- bis viermal pro Jahr vorkommt. Hier ist also aus der Ausnahme eine Regel geworden.“

Früher: einmal alle zwanzig Jahre. Heute: viermal im Jahr. Macht eine Steigerung von 8000 Prozent. Soll ich da wirklich noch mit Klimaskeptikern diskutieren, wie es unsere Talkshowkultur gerne sieht, die meint, man könne Wirklichkeit mit Parolen bewältigen?

Es ist aber nicht nur das Wetter, das dem Deutschen aufs Gemüt schlägt. Wo er sich umsieht, bemerkt er eine kriminelle Lumpenelite, die mit großer Macht danach trachtet, den Krieg REICH gegen ARM auch in Deutschland erfolgreich durchzuführen – und er bemerkt – wie im Falle des Herrn Hoeneß – das diese Verbrecher eine große Gefolgschaft haben, die voll hinter ihnen steht. Das das eine typische Erscheinung des völlig entarteten Feudalismus ist, wird kaum noch diskutiert, die Zeiten, wo Bürger über das Stockholm-Syndrom aufgeklärt wurden, sind lange vorbei.

Unter dem Stockholm-Syndrom versteht man ein psychologisches Phänomen, bei dem Opfer von Geiselnahmen ein positives emotionales Verhältnis zu ihren Entführern aufbauen. Dies kann dazu führen, dass das Opfer mit den Tätern sympathisiert und mit ihnen kooperiert.

Das ist doch die plausibelste Erklärung für den Merkel-Hype der Gegenwart! Oder für die Sympathiewelle, auf denen unsere Leistungsträger schwimmen, deren größte erkennbare Leistung Steuerhinterziehung ist. Frage mich, wann die Kriminellen von Oppenheim-Esch das Bundesverdienstkreuz bekommen. Immerhin haben wir hier jetzt einen Einblick in ihre Machenschaften, die mal wieder deutlich zeigen, wie man zu dem Reichtum kommt, mit dessen Hilfe man dann erfolgreich Krieg gegen die Armen führt, siehe Manager Magazin:

Wie das manager magazin in seiner am Freitag (23. August) erscheinenden Ausgabe berichtet, vereinbarten die Akteure die Gründung einer Gesellschaft, die eine große Mehrheit der Aktien erwerben und anschließend den verbleibenden Streubesitzaktionären ein Übernahmeangebot machen sollte.

Mit einem Squeeze-out sollte verhindert werden, dass die freien Aktionäre am Gewinn teilhaben würden.

Ein geheimer Plan einer zuvor höchst angesehenen Bank. Mit wie viel geheimen Plänen müssen wir eigentlich noch rechnen? Ach – ich vergaß: über Verschwörungen darf man sich in der westlichen Kultur keine Gedanken mehr machen, weshalb solche Aufdeckungen von existierenden Verschwörungen nur noch zufällig geschehen: so weit ist der Krieg REICH gegen ARM schon erfolgreich gewesen – die Denkverbote werden auf weiter Fläche akzeptiert.

Was dieser Plan noch offenbart? Erstmal merkt man schon an der Sprache, dass die Bevölkerung ausgeschlossen werden soll: nicht umsonst kommt hier ein Denglisch zur Verwendung, das jeden Engländer gruseln läßt, aber seinen Zweck erfüllt: der normale Deutsche ohne Anglistikstudium ist erstmal verblüfft, weil schon die Wortwahl zeigt, dass er gefälligst draußen bleiben soll, weil er sowieso keine Ahnung hat. Das die Regierungen des letzten Jahrzehntes dieses „Ausquetschen“ erstmal durch entsprechende Gesetze möglich gemacht haben, soll möglichst nicht öffentlich diskutiert werden: man würde riskieren, dass es auf einmal weniger Reiche gibt – und auf die kann man in dem momentanen Krieg nicht verzichten.

Ist ist auch eher dieser Krieg, der den Deutschen neben dem Wetter und der Finanzkrise Sorgen bereitet. Mit Krisen jeder Art kommen wir klar – aber einen Krieg führen zu müssen gegen einen Feind, der mehr als nur einen Fuß in der Tür des )Bundeskanzleramtes und aller Abgeordnetenbüros hat, einen Krieg, über den man über öffentlich noch nicht mal reden darf  (es sei denn, man heißt Warren Buffett): dass ist etwas viel verlangt – es erinnert an den Kampf gegen unsichtbare allmächtige Götter.

Dieser Krieg nimmt zum Teil absurde Züge an, wie das Handelsblatt aktuell berichtet: ein kleiner Kaffeestand in Bangkok hat gegen den Megakonzern Starbucks verloren. Der Umsatz belief sich auch unter 700 Dollar im Jahr, Starbucks investierte aber ein Vielfaches dieser Summe, um einen Rechtsstreit gegen diesen Kaffeestand durchzusetzen: „töte einen, diszipliniere hundert“, so die Devise, die im Geschäftsleben immer weiter um sich greift. Die Sünde des Verkäufers: ein grünes Schild mit dem Namen „Starbungs“. Ich hätte es für einen Witz gehalten – Konzerne verstehen aber keinen Humor. Bald wird man nicht mehr über sie reden dürfen, weil sie den Gebrauch ihres Namens gesetzlich geschützt haben.

Nun – momentan dürfen wir das noch. Vieles verbietet aber die bundesweite Kultur des Stockholm-Syndroms schon heute, dass zeigt die aktuell aufgeregte Diskussion um die Forderung eines Prostitutionsverbotes durch Alice Schwarzer. Keiner wundert sich darüber, dass es momentan eher linke Kreise sind, die für die Prostitution sprechen, während die alten Puffgänger von der CDU sich gewandelt zu haben scheinen: immer mehr unterzeichnen den Aufruf von Frau Schwarzer. Hier hat sich im Denken der Linken wohl etwas verändert, was ich verpaßt habe – ich habe allerdings schon die Agenda 2010 nicht verstanden. Prostitution war früher ein Ausdruck des Krieges Reich gegen Arm: die Armut soll die Frauen dazu gezwungen haben, sich an reiche Männer zu verkaufen, um ihre Kinder durchzubringen, darum waren die Linken dagegen und die Rechten dafür. Linke hatten auch gar kein Geld dafür – bis rot/grün durch entsprechende Gesetze die Preise dieser angeblich so wertvollen und hochgeschätzten Dientsleistung auf 30 Euro senkten.

So kam auch der arme Linke in einen besonderen Genuss: sie konnten den Berlusconi machen und endlich auch mal mit minderjährigen Mädchen so verfahren, wie es der Meister vorgemacht hat, siehe Welt:

Viele Kritiker machen dafür auch die Jahre unter der Regierung von Silvio Berlusconi verantwortlich, in denen das Frauenbild in Italien von Medien und Werbung vor allem von jungen aufreizenden Mädchen beherrscht wurde, nicht von selbstbewussten Frauen. Jugendrichterin Martello sagt, viele junge Frauen seien längst überzeugt, „dass ihr Körper wichtiger und wertvoller ist als ihre Person. Und die Männer sind der Meinung, dass sie einen Körper bezahlen, benutzen und wegwerfen können“.

Dieses Prinzip – „bezahlen, benutzen, wegwerfen“ – ist das Prinzip, dass unsere Leitungselite mit allem macht, was ihnen in die Finger kommt – der ganze Planet gerät so aus den Fugen. Hier ist dieses Prinzip mal übel aufgefallen, weil es minderjährige reiche Mädchen waren, die dort benutzt wurden: für die Armen ist es ja schon allgemein akzeptiert, dass sie sich gefälligst verkaufen sollen.

Was einem besonders auffallen sollte: die reichen Eltern dachten sich nichts dabei – für sie ist das Prinzip Alltag, warum also nicht auch für ihre Kinder? Hier bewies einer der führenden Bordellbetreiber Deutschlands mehr Ethik – die hat er sich wahrscheinlich aus seinen armen Zeiten hinübergerettet.

Wo das alles enden soll?

Wollen wir doch gar nicht wissen: brächte uns in Konflikt mit unserem Stockholm-Syndrom.

Lieber nehmen wir unsere Glückspillen und freuen uns über Dieter Hildebrandt, dem die Natur den Suizid ersparte. Viele Deutsche werden ihn wohl beneiden.

 

 

 

 

 

 

 

Staatsgeheimnis Bankenrettung

Im Verlauf der Eurokrise haben zahlreiche Banken gigantische Summen verloren. So sehen sich Staaten wie Griechenland, Spanien und Irland gezwungen, ihre Geldinstitute mit Milliardenbeträgen zu stützen. Aber wohin fließt das Geld wirklich? Wem schulden die maroden Banken das Geld? Diese scheinbar simplen Fragen versucht der Wirtschaftsjournalist und Sachbuchautor Harald Schumann zu beantworten.50 Milliarden Euro in Griechenland, 70 Milliarden Euro in Irland, 40 Milliarden Euro in Spanien – ein Eurostaat nach dem anderen sieht sich gezwungen, seine Banken mit gigantischen Summen zu stützen, um damit die Verluste auszugleichen, die den Geldhäusern aus faulen Krediten entstanden sind.
Aber wohin gehen die Milliarden eigentlich?
Wer sind die Begünstigten?

Mit dieser einfachen Frage reist der preisgekrönte Wirtschaftsjournalist und Sachbuchautor Harald Schumann quer durch Europa und bekommt verblüffende Antworten.

DER VERBRAUCHER: Feind der Menschheit. Über Vernichtung durch Arbeit.

DER VERBRAUCHER: Feind der Menschheit. Über Vernichtung durch Arbeit.

Mittwoch, 29.8.2012. Eifel. Der kurze Sommer ist vorbei, das Thermometer zeigt sieben Grad. Kirschen gab es in diesem Jahr nicht, im näheren Umkreis haben die Kirschbäume schon vor Monaten angefangen, die Blätter abzuwerfen. Weil die Kirschen ausfielen, machten sich die Vögel über die Johannisbeeren her: keine einzige blieb für uns übrig. Natürlich ist das ein ganz normaler Sommer – jedenfalls scheinen die Medien den Auftrag bekommen zu haben, dies zu vermitteln. Im Rolling Stone gibt es aktuell einen Artikel, der das etwas anders sieht: die Temperaturrekorde fallen in den USA tausendfach. Die Folgen der Brände in den USA für die Ernährung der Welt sind noch gar nicht absehbar, ohne Mais sind viele unserer Produkte undenkbar (auch wenn das nicht gerne kommuniziert wird).  Wir merken jeden Tag, das das Wetter verrückt spielt, das die Umwelt die Nase voll hat von uns Menschen – aber wir erfahren nicht viel darüber.

Man braucht wirklich nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, das es zum Thema „Umweltkatastrophe“ ein ähnliches Treffen im Kanzleramt gegeben hat wie zum Thema „Wirtschaftskrise“. Ach – schon vergessen? Am 8.10.2008 wurde unsere freie Presse zu Grabe getragen (siehe Freitag): die Kanzlerin bat die Chefredakteure der großen deutschen Medien zum Gespräch, um sie zu bitten, zurückhaltend über die Krise zu berichten – und die Damen und Herren folgten den Wünschen. Es ist so ziemlich die wichtigste Nachricht, die wir in den letzten zehn Jahren erhalten haben – und ich würde mir wünschen, das sie als Kopie an jeden Haushalt in Deutschland geht. Wer immer auch über „Verschwörungstheorien“ lacht, dem sollte angesichts dieses Treffens das Lachen im Halse stecken bleiben, handelt es sich hierbei im nichts Geringeres als eine Verschwörung von Regierung und Medien.

Gab es solche Treffen vielleicht auch zum Thema 11.9.2001? Zum Thema Irak und Afghanistan? Zum Thema Hartz IV?

Wir werden es nicht erfahren. Das einzige, was wir sicher wissen ist, das seit dem Tag die Möglichkeit besteht, das alle relevanten Nachrichten die wir erhalten von der Regierung gesteuert werden – als Belohnung gibt es dann fürs Ego ein Tänzchen mit der Kanzlerin auf dem Bundespresseball. Damit wäre die Zentralsteuerungshypothese (eine der großen Verschwörungshypothesen) mitten in Deutschland Realität geworden – alles im Dienste der Vernunft und der allgemeinen Abzocke bei Diäten, Arzthonoraren, Preisen und Bonuszahlungen.

Wer ist aber nun Schuld an der ganzen Misere?

Die Antwort auf die Frage ist einfach: DER VERBRAUCHER. Also wir alle. Das hören wir an allen Ecken und Enden, geben uns schuldbewusst und spülen deshalb noch schnell den Yoghurtbecher, bevor wir ihn in die Gelbe Tonne geben.

Jeder Kauf ist ein Produktionsauftrag – und deshalb trägt der Verbraucher selbst zu hundert Prozent die volle Verantwortung für den Untergang der Wirtschaft, der Umwelt und der Demokratie.

Das wirkt logisch und überzeugend.

Setzen wir uns dann aber mal ganz ruhig hin und denken nach, dann … werden wir etwas stutzig.

Wann haben wir eigentlich den Auftrag gegeben, Autobahnen zu bauen? Wann haben wir den Auftrag gegeben, Plastik zu erfinden? Wann gaben wir den Auftrag zur Entwicklung der Atombombe? Hätten wir wirklich den Individualverkehr gegen alle Vernunft so sehr ausgebaut wie heute, wenn wir von den Folgen gewusst oder Alternativen gehabt hätten? Hätten wir wirklich die antisoziale, isolierende und für maximalen Umweltschaden sorgende Einfamilienhauswohnkultur vorangetrieben, wenn man uns die Wahl gelassen hätte? Immerhin – in Zukunftsvisionen der sechziger Jahre gab es noch die Utopie vom Superhochhaus inmitten von wunderschönen naturbelassenen Parks, die über rein unterirdische Schienenwege versorgt wurden und ein Maximum an Lebensqualität bei einem Minimum an Umweltbelastung boten.

Wenn wir wirklich so allein verantwortlich sind für all den Konsum … wozu gibt es dann eigentlich Werbung? Wieso fließt soviel Geld, technisches Geschick und künstlerische Intelligenz in die Werbung, wo wir doch selbst bestimmen, was wir kaufen wollen?

Gehen wir weg von den großen Perspektiven und lieber hin zu den kleinen … den Kindern.

Schon mal gemerkt, wie intensiv die Fabrik um die Kleinsten wirbt, damit die ihren Massenmüll abnehmen? Ich habe aus diesen Gründen den Fernsehempfang komplett abgeschafft – und schauere zutiefst seit diesem Entzug, wenn ich mal wieder Kinderprogramm im Krankenhaus schauen darf: soviel geballte Manipulation mit Bildern, Klängen, Farben, Formen und Geschichten prallt da auf kleine, ungeformte Kinderhirne, die sich gerade mühselig in der Welt orientieren müssen, das man sich wundert, das das nicht verboten ist in einer Welt, die Videospiele verbieten will, weil sie für Amokläufe verantwortlich sein sollen.

Die Werbung ist auf jeden Fall verantwortlich für den Krieg auf den Schulhöfen, dort geht die Saat der Fabriken völlig auf, Abweichler werden mit psychischer und physischer Gewalt in Reih´ und Glied gebracht oder ins völlige soziale Abseits gedrängt, weil ihr Handy nicht trendy genug ist, sie es wagen, als „Takkolord“ am Lernort zu erscheinen oder die neusten Label nicht aufgenäht haben: alles gesteuert von der Werbung.

Die Bruttoinvestition in Werbung beträgt knapp 30 Milliarden Euro jährlich – in Deutschland. Ausgaben für die Grundsicherung (Hartz IV) betragen 33 Milliarden – man sieht: eine Verdoppelung des Regelsatzes wäre bei gleichzeitigem Abbau des Manipulationsetats der Fabriken möglich … und ich bin mir sicher, das dann auch die Ausgaben für unnützen Blödsinn enorm sinken.

Kehren wir aber zurück zum kleinen Mann auf dem Schulhof, der gerade hohes Ansehen genießt, weil er alles hat, was „in“ ist – inklusive Haargel. Der soziale Druck, der mit 30 Milliarden Euro erzeugt (und in vielen Berufen durch Arbeitsverträge flankiert wird), bleibt bestehen, wird durch die Personalbüros der Fabriken fortgesetzt und von einem Heer von Journalisten unterstützt: die Anzahl der modernen Blockwarte, die darauf achten, was man isst, trinkt, anzieht, wie und mit wem man wie schläft, wo man abends hingeht, was man in seiner Freizeit tut (man denke nur an den Leibesertüchtigungshype: „fit for job“) ist unermesslich groß – und mittendrin steht das kleine Individuum, das sich sehr seltsam fühlt … fast wie ein Indianer, der von einer fremden, überwältigenden Macht heimgesucht wird, die ihm sein ganzes Leben nimmt (siehe Eifelphilosoph im Freitag).

Das kleine Individuum kommt nicht auf die Welt mit dem Auftrag sie zu retten – es hat erstmal nur den Auftrag, sich in der Welt zurecht zu finden. Noch bevor er aber auch nur einen einzigen klaren, mündigen Gedanken denken kann, kommt er mit sechs Jahren schon in die Schule – und sieht sich auf den Schulhöfen mit unzivilisierten Zuständen konfrontiert, die denen des dreissigjährigen Krieges gleichen: unkontrollierbare Banden üben dort die Macht aus – gerne auch mit Gewalt. Der Pöbel regiert dort jenseits jeder bürgerlichen Gesetzgebung, jenseits jeder Vernunft oder Herzensgüte.

Danach kommt eine Arbeitswelt, die krank macht, uns per Leiharbeit zu ewiger Armut verurteilt und die notfalls auch per Hartz IV ausführen lässt. Im Alter dürfen wir dann – mühevoll mit Medikamenten am Leben erhalten – weiterhin Akkordarbeit leisten (siehe Spiegel) – wer in seinem Leben nicht genug zusammengerafft hat, dem droht im Alter Vernichtung durch Arbeit … schon immer der spezielle deutsche Weg im Umgang mit Armen, Alten und Schwachen.

Und diese Menschen sollen jetzt auch noch die Verantwortung für den Untergang der Menschheit übernehmen?

Sicher, sie konsumieren viel. Viel zu viel.

Aber warum tun sie das?

Zeigen wir ihnen täglich Bilder von dem Plastikmeer im Pazifik, das mittlerweile die Größe Westeuropas erreicht hat? Erwähnen wir täglich dreissig Mal, das inzwischen sechsmal soviel Plastik im Meer ist wie … Plankton? Wissen Sie, welches Plastik in ihre hormonellen Körperfunktionen eingreift … und wir schon soviel davon produziert haben, das wir sechsmal den Planeten damit umwickeln können? Selbst über diesen alltäglichen und lebensgefährlichen Stoff wissen wir nicht alles, weil die konkrete Zusammensetzung der jeweiligen Kunststoffe Betriebsgeheimnis der Fabrik ist – näheres hierzu siehe Plastik Planet.

Zeigt etwa die Regierung (die ja im Prinzip Ausdruck unseres gemeinsamen Willens sein sollte) die notwendige Entschlossenheit im Kampf gegen die Weltvernichter und verbietet konsequent Plastik, SUV´s und Flugverkehr auf deutschem Boden? Wie sollen wir dann glauben, das diese Klimageschichte wirklich tödlich ernst ist? Den tödlichen Ernst werden wir in den nächsten Jahren erleben, wenn eine Nahrungsmittelknappheit ungeahnten Ausmasses über die Menschheit hereinbricht und über Terrorpreise auch den deutschen Endverbraucher vernichtet.

Jedenfalls den, der sich dem allgemeinen Raffen und Rauben bisher aus ethischen Gründen entzogen hat.

Wenn wir wirklich dem Individuum die Möglichkeit geben wollen, Verantwortung zu übernehmen, dann müssen wir ihm auch die Souveränität übergeben, dies tun zu können – und das heißt: zivilisationskritische Bildung vom Kindergarten an bis hin ins hohe Alter.

Wenn die dann noch einen Plastikjoghurt bei Aldi kaufen, nach Malle zum saufen fliegen oder TV schauen anstatt wandern zu gehen: dann dürfen wir sie verdammen.

Vorher – sind sie so schuldig wie Schafe, die von Hunden gejagt und gelenkt werden.

Und alle die, die mit dem großen Finger auf den Verbraucher zeigen, sollten wissen, das sie vor allem eins sind: Blogwart der Fabrikkultur – den hohen Herren in den Konzernetagen, dort, wo Wissen, Geld, Macht und gesellschaftlicher Einfluss maximiert werden, ist das nur recht.

Was sie wirklich machen würden, wenn die Bürger sich als Konsumenten mal anders entscheiden, sehen wir am Beispiel Atomkraft. Die wollen wir seit dreissig Jahren abschaffen, wir wissen alle, das das Teufelszeug ist (sogar für die Kirche) – die Atomeier stehen aber immer noch herum. Und jetzt denken wir mal, wie die toben werden, wenn alle leben wie ich: kein Fernsehen, kein Urlaub, kein Handy – wir würden die heftigsten Werbungs- und Sozialkontrollaktionen der Bundesgeschichte erleben … und im Kampf gegen die Hippies haben wir das schon erlebt: da wurde dann ganz schnell der Yuppie als Gegenmodell aufgebaut und mit viel Geld durchgesetzt, was allen gelebten gesellschaftlichen Alternativen ein schnelles Ende bereitete.

Wir machen uns sehr viel vor, wenn wir von der Macht der Verbraucher träumen und ignorieren völlig die Macht der Gegenseite. Sicher, man kann Gewissensberuhigungsprodukte kaufen – aber damit hindert man die Fabriken nicht daran, nach den Kindern zu greifen, um eine neue Generation von Konsumzombies zu züchten, die erstmal vierzig Jahre stramm durchlaufen, bis das Alter sie zur Weisheit verführt – allerdings merken wir zu diesem Zeitpunkt auch, das wir mit vierzig in der modernen Leistungsgesellschaft langsam zur „unerwünschten“ Person geworden sind und froh sein müssen, nicht im nächsten Winter nackt im Schnee ausgesetzt zu werden (wiewohl das manchen Hartz-Opfern in der Tat geschieht).

Bis dahin jedoch … sind wir wie Indianer, die begeistert die Glasperlen der Räuber annehmen, ohne wirklich zu ahnen, was das heißt: „das Land verkaufen“.

Und wenn wir das dann merken, geht es uns ähnlich wie den Indianern: es ist zu spät – viel zu spät – das Ruder herumzureißen.

Gott sei dank gibt es aber diese Treffen zwischen Regierung und Medienbossen, in denen beschlossen wird, was wir wissen dürfen und was nicht. Das hält die Zahl der aufmerksamen Menschen dann noch zusätzlich gering.

 

 

Wenn der „Prüfdienst“ zweimal klingelt – die marktkonforme Demokratie im unmenschlichen Detail.

Samstag, 7.7.2007. Eifel. Ein Blick in die Medien offenbart Fürchterliches.  Deutschland ist wieder in der Nazizeit angekommen. Leider dürfen wir im Internet darüber nicht diskutieren, weil dort Gesetze herrschen, die solche Diskussionen verbieten - informelle Gesetze. Irgendwo gibt es sie, diese ungeschriebenen Gesetze, mit denen sich moderne Unmenschen vor der Entdeckung tarnen und sich der Diskussion mit Hinweis auf diese Gesetze entziehen: "Wann immer ein Thread Richtung Nazi läuft, ist er tot." Das habe ich von den Internetmenschen gelernt. Ich werde jetzt bewußt gegen dieses Gesetz verstoßen müssen, weil in Deutschland gerade wieder ein Mensch aufgrund politischer Aktivitäten verfolgt wird - diesmal nicht von der Gestapo sondern von der neudeutschen Arbeitspolizei, dem so freundlich klingenden "Jobcenter".  Der Mensch ist Johannes Ponader, politischer Geschäftsführer der Piratenpartei. Seine Erfahrungen schildert er selbst in einem Artikel der in der FAZ:

Samstag, 7.7.2007. Eifel. Ein Blick in die Medien offenbart Fürchterliches.  Deutschland ist wieder in der Nazizeit angekommen. Leider dürfen wir im Internet darüber nicht diskutieren, weil dort Gesetze herrschen, die solche Diskussionen verbieten – informelle Gesetze. Irgendwo gibt es sie, diese ungeschriebenen Gesetze, mit denen sich moderne Unmenschen vor der Entdeckung tarnen und sich der Diskussion mit Hinweis auf diese Gesetze entziehen: „Wann immer ein Thread Richtung Nazi läuft, ist er tot.“ Das habe ich von den Internetmenschen gelernt. Ich werde jetzt bewußt gegen dieses Gesetz verstoßen müssen, weil in Deutschland gerade wieder ein Mensch aufgrund politischer Aktivitäten verfolgt wird – diesmal nicht von der Gestapo sondern von der neudeutschen Arbeitspolizei, dem so freundlich klingenden „Jobcenter“.  Der Mensch ist Johannes Ponader, politischer Geschäftsführer der Piratenpartei. Seine Erfahrungen schildert er selbst in einem Artikel der in der FAZ:

Wenige Tage nach der Sendung erhält Bernd Schlömer, Parteivorsitzender der Piraten, einen Anruf von Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit. Er fragt, warum die Partei mich nicht bezahlen könne, deutet an, dass das Jobcenter mich härter anpacken müsse, wenn öffentlicher Druck entsteht. Er spricht von Eingliederungsmaßnahmen und Sanktionen. Später, als Journalisten nachfragen, wird Alt leugnen, dass ich der Grund für diesen Anruf war, und statt dessen ein generelles Interesse an der Piratenpartei als Grund angeben.

Welche Sendung? Nun – die neue Talkshow des Multimillionärs Jauch, der seine Millionen unter anderem der GEZ verdankt, eine Art HARTZ IV für Medienleute – aber auf ganz anderem Niveau. Es war einer der hässlichsten Momente deutscher Mediengeschichte: ein durch Beitragszahlungen vollgefütterter mehrfacher Millionär wollte mit verbaler Gewalt einem Arbeitslosen ein Geständnis entlocken … er sollte das böse Wort sagen, den Judenstern öffentlich tragen.

Der „Jude“ … wollte nicht.

Es lohnt sich, das Geschehene zu zitieren, damit es nicht für die Nachwelt verloren geht:

Günther Jauch fragt mich: „Sie bekommen Hartz IV.“ Ich bestätige das, sage: „Ja, ich beziehe auch Sozialleistungen.“ Jauch insistiert: „Also Hartz IV.“ „Ja, ich beziehe Sozialleistungen.“ – „Hartz IV.“ – „Man nennt es ArbeitslosengeldII.“ Jauch: „Also bekommen Sie HartzIV.“

Punkt. Der politische Geschäftsführer der Piratenpartei ist ein Hartz-IV-Empfänger.

Und damit ist klar, „was das für einer ist“: er ist faul, sitzt den ganzen Tag vor der Glotze, säuft wie ein Loch und stinkt aus allen Löchern. Wir kennen dieses Gesochse ja genug.  Vielleicht hätte Johannes Ponader erwähnen sollen, das Jauch´s Politiktalkshow 40 % teurer wurde als das Vorgängerformat: die Frage, „Wer wird Millionär“ (auf Kosten der Gebührenzahler) ist hier schnell beantwortet und hätte für eine gewisse Ausgewogenheit gesorgt.

Sicher, Herr Jauch ist einer der beliebtesten Deutschen. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn als Engel des Herrn verteilte er lange Zeit Millionen unter das Volk – im Dienste seines Senders, der dem Volk viele Jahre lang gezielt Vorstellungen von „gut“ und „böse“ vermittelte: nachmittags sah man „die Bösen“, abends dann „die Guten“. „Die Bösen“ bekamen HARTZ IV (und damit ihre gerechte Strafe), „die Guten“ waren Millionär.

Diese Vorstellung trifft direkt ins Herz eines seit Jahren laufenden gezielten Umbaus der Gesellschaft von einem demokratischen Rechtsstaat in eine marktkonforme „Dienstleistungsgesellschaft“ – ich nehme an, von dieser Gesellschaft, in der wir uns – um es mit Ronald Reagans Worten zu sagen – „alle gegenseitig Hamburger servieren“, hat jeder schon gehört?

Weniger bekannt dürfte sein, das diese Gesellschaft, die auf Dienstleistungen basiert, auch Menschen braucht, die diese bezahlen können. Das ist jener Ansatzpunkt, den man auch von Regierenden gehört hat: „Leistung soll sich wieder lohnen„.

Das Prinzip ist schnell erklärt: man ändert das Verteilungsgleichgewicht des Geldflusses so, das Entertainer, Models, Fussballspieler, konzernfinanzierte Rockstars und ähnliche „Profis“ Millionäre werden und dann selbst das ganze Geld an den Rest des Volkes verteilen, das ihm zu Diensten zu sein hat.

Die Idee war genial – viele Leute, die unter normalen Arbeitsbedingungen schrecklich versagt hätten (und auf einer einsamen Insel mangels Ideen, Tatkraft und Einsatzbereitschaft kläglich verhungern würden) wurden auf einmal Millionär. Den Clown spielen, magersüchtig sein, weiterhin kindlichen Ballspielen hinterherhängen – nichts war zu blöde, um nicht mit vielen Millionen bedacht werden zu können. Eintrittsbedingung? Man musste jemanden kennen, der jemanden kennt, bei Jauch oder im Lotto gewinnen oder ganz einfach gezielt kriminell sein.

Das in einem solchen Tollhaus ein Krimineller dann Sozialgesetze macht, sollte nicht weiter verwundern – ich zitiere nochmal Herrn Ponader:

Später wird man mir auch unterstellen, ich hätte mich bei Jauch geziert, meinen ALG-II-Bezug zuzugeben. Aber Jauch musste aus einem ganz anderen Grund dreimal nachfragen: Ich lehne den Begriff „Hartz IV“ ab und weigere mich, für ein Arbeitslosengeld, das der Existenzsicherung dient, diesen Namen zu benutzen. Peter Hartz, der Namensgeber, ist wegen Untreue in 44 Fällen vorbestraft. Im Namen „Hartz“ schwingt der Verdacht mit, dass da irgendjemand andere hintergeht. Doch wer hintergeht wen? Bei Peter Hartz betrug die veruntreute Summe 2,6 Millionen Euro. Davon könnte man einem Menschen 6948 Monate lang den aktuellen ALG-II-Regelsatz bezahlen, das sind 579 Jahre, oder drei Menschen lebenslang ein Grundeinkommen von knapp 1000 Euro.

Niemand fragt dreimal den Ex-Bundeskanzler Schröder, ob er seine Sozialgesetzgebung von Kriminellen hat inspirieren lassen.

Warum auch?

Man weiß, das es so ist – und das war politisch so gewollt.

Wir wollten eine Dienstleistungsgesellschaft. Dazu brauchten wir Millionäre. Die wiederum musste jemand bezahlen … und das sind all diejenigen, die noch richtig arbeiten und nicht als Lebensideal haben, ein leistungsloses Einkommen auf Halbgottniveau zu erzielen und den lieben langen Tag nichts anderes zu tun, als andere für sich arbeiten zu lassen.

Natürlich macht diese Dienstleistungsgesellschaft den Staat bankrott. Eine breite Schicht von Menschen macht es sich supergemütlich und tut nichts Produktives mehr … ausser Arbeitslosen öffentlich einen Judenstern umzuhängen. Davon kann man reich werden in einer Gesellschaft, die immer mehr Lebenszeit vor dem Fernseher verbringt (siehe Heise) und eine unglaubliche Medienjauche über sich ausgießen lässt.

Die „Dienstleistungsgesellschaft“ ist die Wiederauferstehung des alten feudalistischen Gesellschaftskonzeptes, in dem ein Graf einen ganzen Landstrich „beschäftigte“ – hauptsächlich damit, ihm Reichtümer aufzuhäufen. Grundlage für dieses Konzept waren Herrschaftsansprüche von Räuberbanden, die in die friedlichen Ackerbaugesellschaften einfielen und es sich auf ihre Kosten gut gehen ließen – diese Perspektive wird von der Geschichtsschreibung der Reichen gerne vernachlässigt.

Wir dürfen uns deshalb auch nicht wundern, das der moderne Feudalismus dazu führt, das  auch andere Erscheinungen des Mittelalters wieder zurückkehren: in Niedersachsen sollen sich die Kinder wieder an Wölfe gewöhnen (siehe Welt), im einst so reichen Europa hat man wieder Angst vor der Hungersnot (siehe Spiegel), die Kämmerer der Städte verkaufen ihre Töchter an die Pornoindustrie, um die Bilanzen auszugleichen (siehe Welt), während am Königshofe fürstlich zugegriffen wird: der neue ESM-Adel lässt es sich laut Welt so richtig gut gehen, da wird sogar die reiche deutsche Kanzlerin neidisch angesichts der  Gehältern, die die sich gönnen werden.  Viele Parteien und Verbände werden sich freuen, das jetzt wieder eine neue Selbstbereicherungsquelle erschlossen wurde, an der sich ihre „Profis“ laben können.

Das alles läuft nicht zufällig so. Die Lenkung der Geldströme hin zu einer kleinen Finanzelite, zur gezielten Züchtung einer Millionärskaste, die das Land von innen beherrscht, ist eine politische Entscheidung, deren Folgen wir alle merken. Es sind ganz konkrete, nachweisbare Besoldungsentscheidungen in Wirtschaft (Boni und Gehälter) und Politik (Diäten und Besoldung), nichts davon hat irgendetwas mit Leistung zu tun.  Ein Jauch kriegt wegen ein paar witzig gemeinter Sprüche Millionen – auch wenn er noch nicht mal mittelmäßige Arbeit abliefert, siehe Spiegel:

Jauch polarisiere „unnötig, schürt mit seinen Suggestivfragen teilweise Politikverdrossenheit und kommt damit der Verpflichtung zur journalistischen Sorgfalt nicht nach“. „‚Günther Jauch'“ sei „eher eine Show als ein politischer Talk – eine beunruhigende Entwicklung für ein öffentlich-rechtliches Format!“

Das diese beunruhigende Entwicklung im ganzen Land zu bemerken ist, hat man wohl im ARD-Programmbeirat noch nicht festgestellt – kein Wunder, wenn immer mehr Deutsche Wirklichkeit nur noch als Show im TV erleben – die sind bald auf vier Stunden täglich, was zeigt, das es hauptsächlich Arbeitslose sind, die der Jauch unterhält. Vielleicht sind auch ein paar Millionäre darunter, aber die haben eigentlich andere Hobbys.

Wer richtige Arbeit hat, hat wohl keine Zeit, vier Stunden am Tag diese Jauche zu inhalieren.

Richtige Arbeit hat zum Beispiel Johannes Ponader. Theaterprojekte, Parteiarbeit, Wahlkampf – Millionäre würden für das, was der Mann leistet, zehn Leute einstellen müssen. Der bekommt aber – wie viele andere auch – kein Geld dafür, sondern interessante Besuche, ich zitiere nochmal Herrn Ponader:

Zwei mal war der Prüfdienst der Bundesagentur schon bei mir. Beide Male wurden meine Grundrechte mit Füßen getreten. Eine Prüfung durch den Außendienst darf nur erfolgen, wenn es einen Anfangsverdacht auf Leistungsmissbrauch gibt, und auch dann nur, wenn andere Maßnahmen nicht ausreichen. In meinem Mietvertrag steht eine falsche Angabe bezüglich meiner Warmwasserversorgung. Ich stehe im Verdacht, 8 Euro monatlich zu Unrecht zu beziehen. Eine einfache Nachfrage bei mir und eine Bestätigung des Vermieters könnte den Fehler aufklären. Statt dessen steht der Prüfdienst vor der Tür.

Ich frage nach dem Grund. Mir wird der Boiler genannt. Tatsächlich soll der Prüfdienst auch die Zahnbürsten zählen, feststellen, ob ich tatsächlich alleine in der Wohnung wohne – das geht aus dem schriftlichen Prüfauftrag hervor, den ich mir zeigen lasse. Die Prüfer lügen mich also an. Auch sonst wirkt es, als hätten die Prüfer die entsprechende Durchführungsanordnung der Bundesagentur noch nie zu Gesicht bekommen. 

Viele werden sich fragen: „Wer wird jetzt der Nazi?“.

Etwa der Jauch?

Nun – sein Umgang mit Herrn Ponader zeigt schon ein recht seltsames Verständnis von Bürgerrechten und einen ziemlich respektlosen Umgang mit Menschen, die keine Millionäre sind. Man fühlt sich an Zeiten erinnert, wo der Gauleiter im Wirtshaus residiert. Was früher der Gauleiter war (oder der Politkommissar), ist heute der Millionär. Und noch früher?

Wars der Graf und der Baron.

2012 können wir Deutschen merken, das wir immer noch mitten drin sind in dem, was 1789 angefangen wurde. Der anfangs so erfolgreiche Versuch, Idioten, Sadisten und Kriminelle aus Machtpositionen zu entfernen, ist noch nicht beendet, Parteien und Konzerne geben ihr Bestes, den alten Zustand wieder herzustellen – eine beunruhigende Entwicklung nicht nur für öffentlich-rechtliche Sendeformate.

Ich denke, wenn man nach dem Nazi sucht, braucht man gar nicht weit zu schauen – Herr Ponader offenbart da selbst pikante Details aus dem Alltagsleben des Arbeitsamtes, das sich langsam in einen äußerst bedenklichen Machtapparat verwandelt:

Die Mitarbeiter sind oftmals auf Grund der vielen Änderungen überfordert. Zudem werden sie unter enormen Druck gesetzt. Morgens müssen sie sich erst Videobotschaften aus Nürnberg ansehen, bevor sie sich in ihre Rechner einloggen können – ein Abbruch oder Vorspulen ist nicht möglich. 

„Führeransprachen“, „Prüfdienste“, gezielte Verfolgung – das alles kennen wir schon.

Was wir auch kennen?

Den Preis der Misswirtschaft feudalistischer Systeme: die aktuellen Warnungen des IWF an Deutschland (siehe Spiegel), der scheinbar unaufhaltsame Zusammenbruch der Euro-Märkte (siehe Welt), der Niedergang der Weltwirtschaft (siehe Spiegel) sind Symptome eines Systems, das den Luxus weniger auf Kosten vieler wollte und dessen unaufhaltsames Ende jetzt immer mehr Menschen ins Bewußtsein rückt (Handelsblatt) – nicht nur den Schweizern, die sich schon jetzt auf des Ende des Euro vorbereiten.

Und jene wenige haben nun offensichtlich ein System etabliert, mit dessen Hilfe man zentral gesteuert den anstehenden Massen von Arbeitslosen den „Prüfdienst“ ins Haus schicken kann … jenen Dienst, der ganz real prüft, ob denn der „Lebensberechtigungsschein“ überhaupt noch verlängert werden muss.

Das kann man als „nationalsozialistisch“ empfinden, andere sehen die Auferstehung der „EUdSSR“, wieder andere gehen zu den Wurzeln zurück und sehen eine schlichte Wiederholung der feudalistischen Zeit … und eine bevorstehende Wiederholung ihres blutigen Endes.

Das die Kanzlerin sich große Sorgen macht, verstehe ich da schon. Vielleicht ahnt sie, das wir uns an Bilder von erschossenen Gerichtsvollziehern gewöhnen müssen, wenn die wirtschaftliche Krise auch die bewaffneten Teile der Bürgerschaft in die Obdachlosigkeit treibt – siehe WSWS:

In der Karlsruher Nordstadt kam es am Mittwoch im fünften Stock eines Mehrfamilienhauses zu einem Blutbad. Der arbeitslose 53jährige Bernard K. erschoss bei der Zwangsräumung der Wohnung seiner Lebensgefährtin fünf Menschen: den Gerichtsvollzieher, einen Mitarbeiter des Schlüsseldienstes, den neuen Wohnungseigentümer, sowie seine Freundin und sich selbst.

Alle Einzelheiten des Tathergangs deuten darauf hin, dass es sich hier um die Verzweiflungstat eines Menschen gehandelt hat, der seine Situation als ausweglos empfand. Von der jahrelangen eigenen Arbeitslosigkeit zermürbt, wurde Bernard K. am Mittwoch auf die härteste Weise mit der sozialen Realität in Deutschland konfrontiert.

Der neue Besitzer kam mit Unterstützung der staatlichen Justiz in Form des Gerichtsvollziehers an diesem Tag in die Wohnung und forderte Zugang zu seinem Eigentum. Beide waren weder an persönlichen Umständen, noch an der offenbar schwierigen Lebenssituation der Betroffenen interessiert.

Vor dieser „ausweglosen Situation“ steht inzwischen ganz Europa … wenn nicht sogar die ganze Weltwirtschaft. Zweimal (1914 und 1939) schon durften wir erleben, wo das dann endet.

Könnten wir das nicht endlich mal … anders handhaben?  Bevor es noch mehr Tote gibt?

 

23 Statistiken über die Wirtschaftskrise

Hier hat sich jemand viel Mühe gemacht:

Die Wirtschaftskrise wütet in Europa und es ist keine Besserung in Sicht. Die europäischen Volksvertreter haben Schulden von unvorstellbaren Ausmaß aufgetürmt und bekommen nun die Rechnung präsentiert. Der „Point of no return“ ist längst überschritten. Als einziger Lösungsvorschlag wurde uns das Sparen präsentiert. Doch jene Staaten die damit auch nur ansatzweise begannen schlitterten in eine Rezession. Ein typisches Beispiel ist Griechenland. Trotz Hilfspakete und Beschneidung der Arbeitnehmerrechte sowie des Sozialsystems verschlimmert sich die Lage zusehends. Es folgten Streiks und Ausschreitungen. Doch auch in Spanien, Italien und Portugal herrschen ähnliche Zustände. Hier nun 23 Statistiken über die europäische Wirtschaftskrise, die fast zu verrückt sind, um sie zu glauben:

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Deutschland 2012: 12 Millionen Arbeitslose, drastische Armut – aber geschicktere Trickserei als in Griechenland

Mittwoch, 1.2.2012. Eifel. "Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein" - kennt noch jemand diesen Satz? Nein? Der hat mal für viel Aufregung gesorgt. Man sah ihn zuerst auf Demonstrationen von Neonazis, die damit provozieren wollten. Dann nahmen ihn auch Politiker in den Mund, bis man dann anfing, sie auszubremsen:

"Die verstärkte und undifferenzierte Äußerung von Nationalstolz dürfte dazu beitragen, dass Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit zunehmen." Diese Ansicht vertritt die Arbeitsgruppe Sozialpsychologie an der Philipps-Universität in einer aktuellen Stellungnahme. Der Satz "Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein" sollte nach Meinung der Marburger Sozialpsychologen im Repertoire von Politikern und Medien nicht vorkommen.

Auch einer der Heiligen der deutschen Politik, Johannes Rau, äußerte sich in diesem Zusammenhang:

Bundespräsident Johannes Rau hat in seinen Äußerungen zum Thema zu Differenzierung beigetragen und zwei verschiedene Objekte unterschieden: Es gibt nach Rau einerseits Dinge, über die man froh sein kann, und dazu kann gehören, dass man in Deutschland lebt. Andererseits gibt es Dinge, auf die man stolz sein kann, weil man sie selbst vollbracht hat. Dazu kann nach Rau nicht gehören, dass man stolz ist, ein Deutscher zu sein, weil dies keine Leistung ist, die man mit eigener Anstrengung erbracht hat.

Das Ergebnis der Studie war jedoch eindeutig:

Zusammenfassend stellen wir fest: Die Äußerung "Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein", geht in Meinungsumfragen einher mit stärkerer Fremdenfeindlichkeit. 

Darum war das ein PFUI-SATZ. Das war 2001. Heute haben wir 2012 ... da sieht das etwas anders aus. 

Schon 2009 war der Satz völlig akzeptabel, siehe Welt:

Doch zum Grundverständnis der Deutschen von sich selbst gibt die am Mittwoch vorgestellte Studie einiges her. 59,3 Prozent der Deutschen sagen mittlerweile: "Ich bin stolz, Deutscher zu sein."

Mittwoch, 1.2.2012. Eifel. „Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein“ – kennt noch jemand diesen Satz? Nein? Der hat mal für viel Aufregung gesorgt. Man sah ihn zuerst auf Demonstrationen von Neonazis, die damit provozieren wollten. Dann nahmen ihn auch Politiker in den Mund, bis man dann anfing, sie auszubremsen:

„Die verstärkte und undifferenzierte Äußerung von Nationalstolz dürfte dazu beitragen, dass Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit zunehmen.“ Diese Ansicht vertritt die Arbeitsgruppe Sozialpsychologie an der Philipps-Universität in einer aktuellen Stellungnahme. Der Satz „Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein“ sollte nach Meinung der Marburger Sozialpsychologen im Repertoire von Politikern und Medien nicht vorkommen.

Auch einer der Heiligen der deutschen Politik, Johannes Rau, äußerte sich in diesem Zusammenhang:

Bundespräsident Johannes Rau hat in seinen Äußerungen zum Thema zu Differenzierung beigetragen und zwei verschiedene Objekte unterschieden: Es gibt nach Rau einerseits Dinge, über die man froh sein kann, und dazu kann gehören, dass man in Deutschland lebt. Andererseits gibt es Dinge, auf die man stolz sein kann, weil man sie selbst vollbracht hat. Dazu kann nach Rau nicht gehören, dass man stolz ist, ein Deutscher zu sein, weil dies keine Leistung ist, die man mit eigener Anstrengung erbracht hat.

Das Ergebnis der Studie war jedoch eindeutig:

Zusammenfassend stellen wir fest: Die Äußerung „Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein“, geht in Meinungsumfragen einher mit stärkerer Fremdenfeindlichkeit. 

Darum war das ein PFUI-SATZ. Das war 2001. Heute haben wir 2012 … da sieht das etwas anders aus.

Schon 2009 war der Satz völlig akzeptabel, siehe Welt:

Doch zum Grundverständnis der Deutschen von sich selbst gibt die am Mittwoch vorgestellte Studie einiges her. 59,3 Prozent der Deutschen sagen mittlerweile: „Ich bin stolz, Deutscher zu sein.“

Man sieht: die Umerziehung war erfolgreich. Umerziehung? Ja – Umerziehung. Weg von einem solidarischen, demokratischen Staatsbürger hin zum finanziellen Nutzvieh, das klaglos den Geldbeutel öffnet, in dem immer weniger drin ist. Hauptsache: man bleibt deutsch und ist stolz darauf. Heute zum Beispiel in der Welt:

Ganz Europa klagt über eine grassierende Massenarbeitslosigkeit, nur in Deutschland ist ein Jobwunder angesagt. Das ist eine Lüge, aber wenn man sie nur oft genug wiederholt, glaubt sie jeder. Die Fakten sehen auch in Deutschland anders aus:

Der sta­tis­tisch erfassten Arbeits­lo­sig­keit stehen 7.092.183 Leis­tungs­emp­fänger im Leis­tungs­bezug im Recht­kreis SGB II/​SGB III als (ALG I, ALG II, Sozi­al­geld) gegen­über das sind rund 64,3 % mehr Leis­tungs­emp­fänger als im Dezember 2004. (Ohne Sozi­al­hilfe diese 2004 als auch 2011 rund 1 Mil­lion Per­sonen erhalten haben)

Darüber hinaus haben wir noch über 8 Millionen atypische Beschäftige, die ebenfalls keinen ordentlichen Job haben, von dem man leben und Steuern zahlen kann.

Da auch manche a-typisch Beschäftigten Leistungen empfangen, um  nicht hungernd vom Baugerüst zu fallen, kann man die Zahlen nicht einfach addieren – aber dank Wikipedia mit dem „groben Daumen“ rechnen:

Der Arbeitsagentur zufolge waren 2007 im Bundesschnitt 23,1  % aller Leistungsempfänger „Aufstocker“ (= rund 1,22 Millionen).[4] Bis Juni 2010 hat sich der Anteil auf 28,3  % erhöht (= rund 1,4 Millionen). Den größten Anteil von Aufstockern gab es im Juni 2010 mit 32,6  % in Sachsen-Anhalt.[2]

Von Juni 2008 bis Mai 2009 wurden insgesamt rund 531 Millionen € zur aufstockenden Grundsicherung von unterbezahlten Beschäftigten allein in der Leiharbeitsbranche ausgegeben.

Gehen wir also davon aus, das 30% der Leistungsempfänger als „arbeitend“ gelten und deshalb in beiden Statistiken auftauchen, so kommen wir auf knapp 12 Millionen echte Arbeitslose. Das entspricht meinen Beobachtungen vor Ort – in einer Stadt, die wegen ihrer „Vollbeschäftigung“ beneidet wird:

Die Arbeitslosenquote auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen betrug im Dezember 3,6 Prozent; sie war damit ebenfalls genau so hoch wie im Vorjahresmonat. 

Damit liegt Monschau im Vergleich ganz weit vorn:

„Der Kreis Heinsberg und die Region um Monschau, wo die Arbeitslosenquote bei 3,6 Prozent liegt, sind in den positiven Entwicklungen immer schneller als Aachen und die Städteregion.“

Und weil alle so fleissig arbeiten, gibt es bei uns auch soviel Armut:

Auch in der Eifel gibt es arme Menschen. Und die Armut hier in der Nordeifel nimmt zu. «Da gibt es kinderreiche Familien, die sich schwer tun, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Da gibt es alleinerziehende Mütter, die mit ihren Kindern an der Armutsgrenze leben.» 

Diese Erkenntnis gehören mit zur «Bilanz» des Vereins «Antoniusbrot» in Monschau, der jetzt seine Jahresbilanz zog. 

Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, arme Menschen mit Brot zu versorgen. Mehr noch: Der Verein sorgt dafür, dass alle Kinder in den Ganztags-Grundschulen am gemeinsamen Mittagessen teilnehmen können. 

Die Berichte waren auch für den Wohlstandsbürger erschreckend:

Erika Frank aus Simmerath, Mitbegründerin und Leiterin «Monschauer Tafel», berichtete auf der Versammlung über die Arbeit der «Tafel», sie nannte erschreckende Zahlen, die die Armut in der Nordeifel deutlich machen. Erika Frank ist froh und dankbar, dass die «Monschauer Tafel» kräftig unterstützt werde: vom Rotary-Club Nordeifel, vom Lions-Club, von den Supermärkten, aber vor allem auch von der Bevölkerung der Region.

Eine lange Zeit mussten die Menschen samstags vier bis fünf Stunden draußen (bei Wind und Wetter) anstehen, um ein Paket mit Lebensmitteln zu bekommen

Bei Wind und Wetter heißt bei uns in der Eifel: Regen oder Schnee. Man schämt sich, ein Deutscher zu sein, wenn man an den langen Schlangen vorbeifährt. Und manche äußern auch deutlich, was sie bei dieser Entwicklung fühlen:

Alexander Lenders dankte Erika Frank und der «Monschauer Tafel» für das große Engagement: «Vor Jahren hätte sich wohl niemand träumen lassen, dass Einrichtungen wie Antoniusbrot und Monschauer Tafel auch in der heilen Welt der Nordeifel einmal nötig sein würden. 

In Wirklichkeit jedoch … haben wir eine reale Arbeitslosigkeit, die sich hinter der von Spanien und Griechenland nicht zu verstecken braucht – wir tricksen hierbei nur besser als die Griechen mit ihrem Haushalt. Ohne die Brotspenden, die bei uns in der Nordeifel auch wirklich in einem real verteilten halben Brot bestehen, würde es den Kindern in unseren Schulen wahrscheinlich so ergehen wie den Kindern in Griechenland: hier fallen unterernährte Kinder schon mal während des Unterrichts in Ohnmacht, dank einer funktionierenden Presse erfahren wir aber noch davon.

In Deutschland erfahren wir über Deutschland nicht so viel – es sei denn, wir gehen einmal ins Detail. Wenn die Armut in dieser kleinen Eifelgemeinde schon so schlimm ist, das dort (bei äußerst niedrigen Arbeitslosenzahlen!) schon ein halbes Brot die Woche hilft, echte Not zu lindern … wie schlimm ist sie dann in Gebieten mit hoher Arbeitslosigkeit.

Vielleicht gut, das die Medien uns vor der Wirklichkeit in diesem Lande bewahren und uns vielmehr Gründe liefern, das wir wieder Stolz sein können, ein Deutscher zu sein – ein Deutscher in einem Land, in dem inzwischen jedes dritte Kind Sprachprobleme hat, immer mehr Menschen wegen chronischer Überlastung suizidgefährdet sind und indem inzwischen ein Reperaturstau von 700 Milliarden Euro aufgelaufen ist:

Der Investitionsstau allein bei der kommunalen Infrastruktur Deutschlands – Kanalisationen, Schul- und Verwaltungsgebäude, Frei- und Hallenbäder, Sportstätten, Krankenhäuser, Feuerwachen, Straßen, Brücken – ist enorm: Er beträgt laut Deutschem Institut für Urbanistik über 700 Milliarden Euro – ein Reparatur- und Erneuerungsbedarf, der sich seit vielen Jahren hinzieht und vergrößert.

Insofern wundert es nicht, das Auswanderer nicht wieder zurückwollen. Ein Blick nach Signapur zeigt: wir sind schon längst Dritte-Welt-Land. Hören wir dazu Auswanderer bei „Spiegel-online„:

Alles in allem ist das Leben in Singapur deutlich teurer als in Deutschland. Andererseits hat man auch große Vorteile: Es ist sauber, es ist sicher und es gibt ein tolles öffentliches Nahverkehrssystem.

Bei uns ist es dreckig, unsicher … und wir gehen zu Fuß. Aber: wir sind wieder stolz darauf, stolz darauf, so blöd zu sein, das man uns wirklich alles verkaufen kann.

Wenn dann die Rechnung kommt, schauen wir nicht mehr so genau hin. Kann sich noch jemand an die Berichte über die Superkauflaune in Superdeutschland erinnern? Nein, was waren wir in Kauflaune. Die Umfragewerte waren phantastisch, super und voller Optimismus. Die Realität … sah anders aus, siehe Manager Magazin:

Die deutschen Einzelhändler haben im wichtigen Weihnachtsgeschäft weiter unter der fehlenden Kauffreude gelitten. 

Liegt vielleicht auch daran, das Menschen, die kein Geld für Brot haben, auch keine Blue Ray Discs kaufen?

Eine kleine Meldung am Rande zeigt, wie schlimm es noch werden kann. Russland hat die Erdgaslieferungen an Europa drastisch reduziert, einige Lieferungen nach Italien wurden ganz storniert. Da sieht man deutlich, was man von uns hält – und wohin wir uns unsere ganzen „Euro“ im Ernstfall stecken können.

Und dieses Land soll in Zukunft allen Ernstes jährlich 60 Milliarden Euro zur Rettung des Euro nach Brüssel überweisen?

Ich schätze mal … das wird man mit noch soviel Trickserei und Optimismus nicht bewältigen können.

Aber Hauptsache, wir sind wieder stolz, Deutsche zu sein.

Superdeutsche.

 

 

 

 

 

Der Verfassungsschutz als ausführendes Organ des Bösen? Wie das Kapital hemmungslos den Staat vernichtet.

Der Verfassungsschutz als ausführendes Organ des Bösen? Wie das Kapital hemmungslos den Staat vernichtet.

Mittwoch, 25.1.2012, Eifel. Meine Tochter hat heute Geburtstag. Zeit, sich mal Gedanken um ihre Zukunft zu machen. Gut, das sie hier nicht lesen kann – es gibt halt Nachrichten und Gedanken, die sind für junge Menschen, die glauben, in einer heilen Welt groß zu werden, nicht geeignet. Und schlimm, das es so gekommen ist, das man als Vater so denken muss. Schlimm, das man Wahrheiten vor seinen Kindern verstecken muss, damit die nicht merken, das ihre Zukunft schon heute verkauft worden ist. Noch schlimmer ist es, das wir damit rechnen müssen, auch nicht mehr lange darüber reden zu dürfen, weil wohl bald der Verfassungsschutz auch den Graswurzeljournalismus im Internet als staatsgefährdend ansehen wird. Zu pessimistisch gedacht? Man schaue sich bitte einfach mal an, was der Partei der Linken gerade widerfährt,  siehe Spiegel:

Bei der Überwachung der Linken werden „punktuell auch nachrichtendienstliche Mittel“ eingesetzt. Das hat der Verfassungsschutz in Niedersachsen zugegeben. Die Bundesregierung hatte behauptet, dass Abgeordnete der Partei nur über öffentlich zugängliche Quellen überwacht würden.

So erfährt man nebenbei, das die Bundesregierung lügt. Mal wieder. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht – sagt der Volksmund. Was würde der wohl von den Regierungen der letzten Jahrzehnte halten? Das Amt des Regierungssprechers wäre bei konsequenter Umsetzung der Volksmundphilosophie inzwischen völlig überflüssig. Grüne, SPD und FDP empören sich über diese Vorfall – dafür werden sie ja auch bezahlt. Andererseits würde das bedeuten, das die Mehrheit im Bundestag weder mit den Lügen der Regierung noch mit der Arbeit des Verfassungsschutz einverstanden ist.

Konsequenzen?

Wohl nur neue Lügen.

Der Spiegel veröffentlicht eine Liste der beobachteten Abgeordneten – fast nur Ostdeutsche, unter anderem auch jene, die mit der  Kontrolle des Verfassungsschutzes beauftragt sind.

Welche Dimension muss die ethische Degeneration erreicht haben, um solche Entscheidungen überhaupt nur andenken zu können?

Während Nazi-Todesschwadrone jahrzehntelang unbehelligt bundesweit mordeten, hat der Verfassungschutz nicht besseres zu tun, als Abgeordnete einer demokratisch legitimierten Partei zu beobachten. Darf ich nochmal aus einem älteren Artikel zitieren? Eine Spielerei mit Unwörtern des Jahres?

Durch gezielte Entlassungsproduktivität in betriebsratsverseuchten Unternehmen wurde das Humankapital alternativloszu Wohlstandsmüll, gerade noch tauglich für Ich-AG oder zur Aufblähung der Rentnerschwemme, vor der uns nur das sozialverträgliche Frühableben retten kann.

Es sind Menschen, die diese Entmenschlichungsmaschine in Deutschland in Gang gesetzt haben – gegen wie viele Grundgesetzartikel verstößt diese menschenfeindliche Art des Denkens wohl?

Gegen alle, will ich meinen.

Wo beobachtet der Verfassungsschutz die Täter, die unser Land tagtäglich weiter in eine Kopie des alten Rom verwandeln, in dem sich das Volk daran ergötzt, wie andere vor aller Augen Ekelfraß in sich hineinstopfen müssen, eine Folter, die umso degenerierter ist, weil die Menschen sie sich selbst gegen Geld antun … müssen, um wieder die Gnade der hohen Herren der Medienwelt (also: mal wieder eine Rolle) erhalten zu dürfen?

Wo sind seine Agenten, wenn die Bundeskanzlerin von einer „marktkonformen Demokratie“ faselt – einem staatlichen Konstrukt, das es überhaupt nicht geben dürfte und den Staat zum ausführenden Organ von Geldgebern macht – zu einem willfährigen Mietsklaven?

Es sind ja nicht nur einige wirrköpfige Nordkoreaenthusiasten, die vor einer vollständigen Entgleisung und zunehmender Entmenschlichung der alten westlichen Wertegemeinschaft warnen – diese Befürchtungen werden ja auch von George Soros getragen, siehe International Business Times:

Er meint, es ist Zeit, eine Katastrophe abzuwenden. Nach seiner Ansicht steht die Welt vor einer der gefährlichsten Episoden der modernen Geschichte, eine Periode des, so nennt er es, „Bösen.“

Europa sei mit einem Abstieg in Chaos und Konflikte konfrontiert. In Amerika prognostiziert er Unruhen auf den Straßen, die zu einem brutalen Durchgreifen der Staatsmacht und zu drastischen Einschnitten bei den bürgerlichen Freiheiten führen wird. Dabei könnte sogar das globale Wirtschafts-System völlig zusammenbrechen.

Eine Periode des Bösen … das sind doch keine Kinkerlitzchen mehr, oder? Wenn einer der reichsten Männer der Welt Angst ums nackte Überleben hat … welche Zukunftsaussichten hat denn da meine Tochter?

Und – wo bleibt denn da der Verfassungsschutz?

Das Böse in Deutschland ist doch ebenfalls beobachtbar – und zwar nicht nur bei Netto und Kaufland. Damit meine ich jetzt auch nicht nur die Hartz-IV-Opfer der Gegenwart, denn das Böse, das Soros meint, scheut auch vor Reichen nicht zurück – siehe Manager-Magazin:

In dem Klageentwurf behauptet sie, dass ihre Vermögensverwalter Esch und Sal. Oppenheim sie aus Eigeninteresse immer tiefer in das Arcandor-Engagement getrieben hätten, um über ihre Kundin Schickedanz an die auf sieben bis zehn Milliarden Euro geschätzten, in den Karstadt-Immobilien liegenden stillen Reserven heranzukommen. Esch und das Bankhaus Sal. Oppenheim, das nach einer Beinahepleite heute im Eigentum der Deutschen Bank steht, wiesen die Vorwürfe ebenso zurück wie einige der ehemaligen Bankleiter.

Nachdem die Geldjäger das Geld der deutschen Arbeitslosen an sich gerissen hatten, brauchen sie jetzt neue Opfer. Arbeitnehmer und Mittelstand haben auch nicht mehr viel zu bieten – also zieht man jetzt die Vermögenden über den Tisch. Systematisch wird eine Volkswirtschaft ausgeplündert, mit dem Ergebnis, das sie eigentlich schon heute pleite ist:

Felix W. Zulauf von Zulauf Asset Management sieht die gleiche Thematik konträr. Deutschland sei genauso zahlungsunfähig wie Griechenland. Die einzige Möglichkeit um aus der Schuldenkrise herauszukommen, bestehe darin, Geld zu drucken oder gleich den Staatsbankrott anzumelden. „Womöglich wird Griechenland austreten, was verheerende Folgen nach sich ziehen wird“, so der Fondsmanager und Anlagestratege, der gleichzeitig vor den „weintrinkenden Nationen“ warnte.

 Banken würden in verschiedenen Ländern verstaatlicht werden müssen und die EZB müsse dann trotzdem noch allen unter die Arme greifen: „Unter diesen Bedingungen kann der Euro nicht stärker werden“, so Zulauf. Die 500 Milliarden Euro an Subvention des 1. Quartals können zwar kurzfristig beruhigen, allerdings reiche dies nicht für das gesamte Jahr.

Kein Wunder, das man den Rettungsschirm schon jetzt für eine Nebelkerze hält, die Geschichte vom Krisengewinnler Deutschland nur ein Märchen ist und ein deutscher Bank-Volkswirt vor dem Kollaps des gesamten Geldsystems warnt.

Wer nun meint: ach, das ist doch nur Wirtschaft, das hat doch mit Politik nichts zu tun – und erst recht kann das nicht das Böse sein – der hat aus der Geschichte nicht gelernt. Faszinationmensch hat einen faszinierenden Artikel über die Bedeutung der Finanzkrise für den Untergang des römischen Reiches veröffentlicht:

Egal, ob es sich um die Geschichte der Griechen, Römer, Araber, Spanier usw. handelt, die Ursache des Unterganges war immer in der Ökonomie zu suchen. Dabei spielten die Zinsen die entscheidende Rolle:

Zinsen > Vermögenskonzentration > Verschuldung > Zinssklaverei > Dekadenz – Brot und Spiele > Gesetze/Steuerlast – Unruhen > Zusammenbruch

Merkt man nun, warum ich ganz unruhig werde, wenn ich auf Sendeformate wie „Dschungelcamp“ stoße – und mich über die ausufernde Berichterstattung dieser Ekelorgien entsetze? Welche Warnsignale die steigende Dekadenz im Volk aussendet? Auf jeden Fall kann man merken, das George Soros sich in römischer Geschichte auskennt:

„Aber während die römischen Bauern in fernen Ländern die feindlichen Armeen vernichteten, hatte der Kapitalismus in der Heimat die Alleinherrschaft errungen. Von da ab geht unverkennbar die Entwicklung mit eilenden Schritten abwärts. In wenigen Jahrzehnten ist der altrömische Bauernstand vernichtet.“ Ungeheure Wahlbestechungen lieferten Brot und Spiele für die proletarischen Bürger. Um die hoffnungslosen Massen ruhig zu halten, wurden Gladiatorenspiele eingeführt: „Weil die Masse der Bürger in Rom verarmt war, keine Beschäftigung fand und nichts zu essen hatte, hat man staatliche Getreidelieferungen zu billigsten Preisen eingeführt. Und um eventuell gefährlich werdende Langeweile des Bürgerproletariats zu verscheuchen, wurden „öffentliche Spiele“ gewährt.“

Die Situation verschlimmerte sich und nur durch blutigere Vorführungen, mit beispielsweise einer zunehmenden Zahl von Löwen, konnte das Volk bei Laune gehalten werden. Auf der anderen Seite nahm der Reichtum der oberen Schicht kaum vorstellbare Ausmaße an, was zu Luxus und Genusssucht führte.

Na – erkennt man schon die Paralellen zu Deutschland im Jahre 2012? Gibt noch mehr:

Als dann Sulla im Jahr 84 v. Chr. Kleinasien eine Kriegssteuer von 102 Millionen Mark auferlegte, die von römischen Kapitalisten vorgestreckt wurde, weil das Volk nicht selbst bezahlen konnte, da war binnen 14 Jahren die Schuldsumme auf das Sechsfache gewachsen, sodass die Gemeinden ihre öffentlichen Gebäude, die Eltern ihre Kinder verkaufen mussten, um den unerbittlichen Gläubigern gerecht zu werden.

Wann werden wir unsere Kinder verkaufen müssen, um den „Rettungsschirm“ weiter finanzieren zu können? Wir können auch gerne noch weiter ins Detail gehen:

„Im Jahr 104 v. Chr. konnte der Tribun Phillipus in öffentlicher Rede erklären, dass es in Rom nicht mehr als 2000 Personen gebe, welche ein Vermögen hätten. Diese Verarmung des Volkes durch Bereicherung der oberen Zweitausend hat sich anscheinend in erschreckend kurzer Zeit vollzogen.“ Die Kultur verkam in Dekadenz. Nur noch der Besitzer von Geld wurde geachtet; „Geld gibt Geltung“ hieß die Losung. Dadurch kam es zu einer fortschreitenden Sittenverderbnis mit Erbschleicherei, Erpressung und Bestechlichkeit für Richter. Vetternwirtschaft verhinderte, dass fähige Personen in entscheidende Stellungen gelangen konnten.

Auch im privaten Bereich änderten sich die Gewohnheiten. So wurde die früher heilig gehaltene, unauflösliche Ehe zu einem leicht lösbaren Vertrag. Gleichzeitig war eine starke Zunahme der Prostitution feststellbar.

Das ist Deutschland 2012 – oder? Nein, ich spreche jetzt nicht von der Wulff-Maschmeyer-Schröder-Gang, das Amt des Präsidenten ist mit heilig – aber die oberste Wertmaxime – die haben wir: Geld gibt Geltung.

Geld gibt Geltung – die endgültige Losung zum Untergang des Staatswesens. Wir können das auch gerne „marktkonforme Demokratie“ nennen.

Am Ende konnte das Römische Reich von einigen tausend schlecht bewaffneten Germanen überrannt werden – römische Soldaten, bzw. Geld für Verteidigung gab es schon lange nicht mehr.

Bei uns – könnten das einige tausend schlecht bewaffnete „Lybier“ sein, falls die CIA-Söldner jetzt nicht von der neu aufgeflammten Gegenrevolte wieder im Zaum gehalten werden. Ich denke, das George Soros genau diese Entwicklung vor Augen hat, als er seine Warnungen aussprach. Dann würden die Prophezeiungen des Nostradamus in der Tat – ärgerlicherweise – Wirklichkeit werden.

Einige Paralellen zum römischen Reich ganz aktuell bei uns? Obst und Gemüse in Deutschland werden knapp – unter anderem, weil wir unsere Versorgung gerade von jenen Menschen abhängig gemacht haben, denen wir jetzt per Rettungsschirm einige Ungeheuerlichkeiten zumuten. Da bekommt die Meldung, das ein Steikposten von einer deutschen Fernfahrerin getötet wurde, gleich einen ganz anderen Beigeschmack. Das wir Deutsche also via Nahrungsmittellieferungen von der Wirtschaft der „weintrinkenden Länder“ profitieren, gelangt nebenbei ins Blickfeld.

Mich besorgen auch jene Meldungen, die als medizinischer Erfolg verkauft werden: wo Arme, Beine und Gesicht von Selbstmördern erfolgreich verpflanzt werden, etabliert sich gerade ein unheimlicher Markt, der es Familien ermöglichen könnte, ihrer Schulden außer durch Prostitution auch noch durch ganz andere Gräuel abzuarbeiten. Es haben halt nicht alle die Möglichkeit, sich durch Verspeisen eines Hirschpenis finanziell zu sanieren: selbst dieser Ekel bleibt einer Elite vorbehalten.

Wer sich keine Sorgen macht, sind die deutschen Top-Manager – die sind sehr optimistisch. Kein Wunder, nach dem, was man in Deutschland alles so abziehen kann, ohne aufgehalten zu werden, während normal Arbeit – von der es weltweit 200 Millionen Stellen zu wenig gibt – zunehmend psychisch krank macht.

Europa, die europäische Union – vielleicht sogar die ganze Zivilisation droht in den nächsten Monaten zusammenzubrechen – und was macht der Verfassungsschutz?

Er bespitzelt die Kritiker der Entwicklung.

Die USA sind aktuell bei der Liste der Pressefreiheit um 27 Plätze gefallen, Deutschland belegt noch – mit Zypern und Jamaica – Platz 16.  Grund für das schlechte Abschneiden der USA? Zahlreiche Verhaftungen bei den Protesten gegen die Wallstreet. Dort wie hier geht man gegen die Kritiker des Untergangs gezielt vor.

Vielleicht beobachtet der Verfassungsschutz jetzt auch den Weltwirtschaftsgipfel in Davos. Dort hört man seltsame Töne – siehe Welt:

Man habe es versäumt, die richtigen Lehren aus der Finanzkrise zu ziehen, sagte Schwab im Vorfeld der Konferenz. „Der Kapitalismus in seiner heutigen Form ist nicht länger das Wirtschaftsmodell, das die globalen Probleme lösen kann.“ Ein weltumspannender Geist der sozialen Verantwortung sei daher nötiger als jemals zuvor.

Das ist die Meinung von Klaus Schwab, des Gründers der Davos-Treffen.

Die Linke sieht das wohl auch so.

Nur gut, das meine Tochter das alles nicht lesen kann.

Mir aber bleibt nur die Hoffnung auf weitere Einschränkung der Pressefreiheit. Dann merke ich erstmal nicht, wie das Kapital hemmungslos den Staat vernichtet.

 

 

Wie die Superklasse der USA die Eurokrise steuert – und welche Ziele sie hat.

Mittwoch, 18.1.2012. Eifel. Ich bin ja so froh, das die Krise vorbei ist. Wirklich - nicht mehr lange, und die Ausläufer der Krise hätten die Eifel erreicht. Ich war schon 2009 froh, das die Krise vorbei war - immerhin bin ich mit meinen Kindern auch Teil des Geldkreislaufes ... wenn wir da herausfallen ist das wie die Verbannung aus dem Paradies. 2010 war ich erst recht froh, das der Aufschwung jetzt ganz dicke kam und von Krise keine Spur mehr zu sehen war, aber 2011, als die Krise dann endgültig überwunden war, war ich richtig glücklich. Umso mehr wird man verstehen, das ich mein Glück jetzt gar nicht mehr fassen kann, da die Krise 2012 jetzt vollständig vorbei ist - siehe Welt: 

Die Konjunkturerwartungen von Anlegern und Analysten haben sich im Januar drastisch verbessert. Das ZEW-Barometer kletterte um 32,2 auf minus 21,6 Punkte, teilte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mit. Einen so starken Anstieg hat es seit Beginn der Umfrage 1991 noch nie gegeben.

Mittwoch, 18.1.2012. Eifel. Ich bin ja so froh, das die Krise vorbei ist. Wirklich – nicht mehr lange, und die Ausläufer der Krise hätten die Eifel erreicht. Ich war schon 2009 froh, das die Krise vorbei war – immerhin bin ich mit meinen Kindern auch Teil des Geldkreislaufes … wenn wir da herausfallen ist das wie die Verbannung aus dem Paradies. 2010 war ich erst recht froh, das der Aufschwung jetzt ganz dicke kam und von Krise keine Spur mehr zu sehen war, aber 2011, als die Krise dann endgültig überwunden war, war ich richtig glücklich. Umso mehr wird man verstehen, das ich mein Glück jetzt gar nicht mehr fassen kann, da die Krise 2012 jetzt vollständig vorbei ist – siehe Welt:

Die Konjunkturerwartungen von Anlegern und Analysten haben sich im Januar drastisch verbessert. Das ZEW-Barometer kletterte um 32,2 auf minus 21,6 Punkte, teilte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mit. Einen so starken Anstieg hat es seit Beginn der Umfrage 1991 noch nie gegeben.

Was bin ich froh, das ich mich jetzt ruhig zurücklehen kann: die größte Bedrohung der europäischen Wirtschaft seit Anbeginn der Zeiten ist endgültig Geschichte, ich kann mich endlich den vielen anderen Themen zuwenden, die unser kleines Bürgerjournalismusexperiment noch zu bieten hat.  Es stimmt diesmal wirklich: alle Daten deuten darauf hin, das ein Goldenes Zeitalter für die Menschen anbricht: Osram streicht zehn Prozent seiner Arbeitsplätze, die Landesbank Hessen-Thüringen streicht 450 Stellen, Schlecker macht zusätzlich 600 Filialen dicht und die Weltbank warnt vor drastischen Entwicklungen, hier im Handelsblatt:

Experten der Weltbank rechnen damit, dass die Wirtschaft der Eurozone in diesem Jahr schrumpft. „Eine weitere Eskalation der Krise wird keine Ausnahmen kennen“, warnt Andrew Burns, Makroökonom und Hauptautor des aktuellen Weltbank-Berichts zur Konjunktur 2012. Die Wirtschaft der Euro-Länder soll nach seiner Vorhersage um 0,3 Prozent sinken. In ihrem vorigem Wachstumsausblick im Juni hatten die Ökonomen der globalen Institution noch mit einem Plus von 1,8 Prozent für die Eurozone gerechnet.

Dazu passt die Meldung, das der EZB vor der Zerstörung der Volkswirtschaften Europas warnt, China, die große Hoffnung der Wallstreet, zeigt selbst Wachstumsschwächen. Der Handelsriese Metro hat ebenfalls Probleme: der Kaufrausch der Deutschen zu Weihnachten – in der Presse vielfältig verkündet, führte bei dem Konzern zu Umsatzeinbußen, die erhofften Impulse waren dann doch ausgeblieben, was aktuell dazu führt, das der Verkauf der Kaufhofkette aufgrund der schwierigen Situation an den Finanzmärkten aufgegeben wurde.

Doch es kommen noch mehr Jubelmeldungen:

4000 Milliarden Euro werden für den Eurorettungschirm gebraucht, damit der funktionieren kann,  10000 Milliarden fordert die Credit Suisse zur Bankenrettung – was schwierig wird, da der lang diskutierte und hochgelobte HEBEL nun aufgrund der negativen US-Ratings vor dem Aus steht.

Die Banken schätzen die aktuelle Lage so positiv ein, das sie erstmal 500 Milliarden bei der EZB in Sicherheit gebracht haben – ein winziger Bruchteil angesichts der noch anstehenden Forderungen.

Nun kommen wir – das merke ich auch – so langsam ins Schleudern. Wie kann das eigentlich sein, das Angela Merkel seit vier Jahren Deutschland rettet, die schlechten Nachrichten aber nicht abreissen?

Elmar Brok klärt uns da auf – siehe Welt – wir befinden uns mitten in einem Krieg:

Die Abstufung ist ein gezielter Angriff der US-Ratingagentur gegen Europa. Es gibt doch keinen einzigen plausiblen Grund für die Entscheidung, etwa jetzt Italien abzuwerten. Das Land hat einen neuen Regierungschef, mit dem es wichtige Reformen umsetzt. Das gilt im Übrigen auch für Spanien. Über Frankreich müssen wir gar nicht erst reden.

Die Abstufung durch S&P ist folglich interessengelenkt. Die haben uns den Währungskrieg erklärt. Die Ratingagenturen sind mehr Krisenverstärker als Frühwarner.

Und weiter:

Starke Kräfte in den USA, insbesondere aus der Finanzwirtschaft. Es geht ihnen offenbar einzig und allein darum, auf diese Weise angelsächsische Interessen gegen Europa durchzusetzen.

Sie wollen die Euro-Zone zerschießen, um Geld daran zu verdienen. Dieses Interesse ist im Übrigen leicht zu verifizieren. Schauen wir uns doch nur einmal die Finanzierung der Ratingagenturen an. Die bekommen ihr Geld von der Finanzwirtschaft. Von den Staaten bekommen sie nichts. Sie sind also von der Finanzwirtschaft abhängig.

Folglich bewerten sie die Bonität der Staaten nach den Interessenlagen der Finanzindustrie.

Na, der traut sich ja was. Das ist ja geradezu ungeheuerlich. Das riecht ja schon nach Verschwörungstheorie … wenn es nicht einfach ganz normale Marktwirtschaft wäre, ein ganz normaler Prozess im knallharten Kampf um Marktanteile. Wer sein Geld nicht wie Arbeitslose, Beamte, Rentner und Ärzte vom Staat bekommt, kennt das aus eigener Erfahrung: da landet man schnell beim Stundenlohn von 3,67 Euro.

Herr Brok – laut Welt ein „exzellenter Kenner der USA“ weiß auch, warum die Situation so ist:

Es gibt in den USA keine kontinentaleuropäische Sicht in der Wirtschaftsberichterstattung. Europäische Medien spielen dort keine Rolle. Alle Informationen stammen von CNN, Reuters und dem Imperium des erklärten Anti-Europäers Rupert Murdoch. 

Ungeheuerlich, oder?

Natürlich ist das Unfug. Das Handelsblatt – aktuell im Besitz eines früheren Dow-Jones-Direktors, der ging, als Murdoch kam – widerlegt den Unsinn, ganz schnell springen auch führende deutsche Politiker zur Verteidigung der Ratingagenturen bei wie Sigmar Gabriel im Spiegel:

„Ich glaube nicht an die Verschwörungstheorie, dass die bösen USA Europa ruinieren wollen“, sagte Gabriel SPIEGEL ONLINE. „Die Tatsache, dass Rating-Agenturen auch viel Schaden anrichten, muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass die Bewertung der europäischen Situation durch Standard & Poor’s falsch ist. 

Die Tatsache, das Nazitodesschadrone in Deutschland unbehelligt morden, heißt ja auch nicht, das ihre Bewertung der politischen Situation unbedingt falsch ist – oder?

Auch Jürgen Trittin – der Held der deutschen Dose – springt den armen Ratingagenturen in einem anglo-amerikanischen Blatt bei:

Reflexhaft gefällt sich eine Allianz aus Neoliberalen und Staatssozialisten im Bashing der – amerikanischen(!)- Ratingagentur. Ratingagenturen werden zum Sündenbock für die anhaltende Krise gestempelt. Da macht sich bei Linken, Liberalen und CDU eine Prise Antiamerikanismus gut. Wer hätte gedacht, dass sich Gysi und Westerwelle hier mal einig sind?

Wer hätte gedacht, das die grüne Friedensbewegung mal Bomben auf Serbien schmeißt, ein deutsches Asienkorps ins Leben ruft oder dass die Umweltschützer mal die Autobahnen massiv ausbauen -und wer erinnert sich noch an die Nähe der Agenda-2010-Täter zur Finanzwirtschaft?

Denn bis anhin hat die Öffentlichkeit nur einen Teil dessen wahrgenommen, was Rot-Grün in den Jahren von 1998 bis 2005 angerichtet hat. Sie war ganz auf die sogenannte «Agenda 2010» und ihre Folgen fokussiert: weniger Geld für Arbeitslose, zunehmende Leiharbeit, Hartz IV, prekäre Arbeitsverhältnisse, Lohndumping, Teilprivatisierung der Rente, den wachsenden Niedriglohnsektor. Diese Sicht ist nicht falsch, aber sie erfasst nur einen Teil dessen, was die damalige Regierung initiiert hat. Der andere Teil blieb bisher aussen vor, ist vielen einfach nicht bewusst oder wird gar von interessierter Seite unterschlagen: die Entfesselung des Finanzmarkts Deutschland.

Das kann man gar nicht oft genug lesen:

Dabei haben die Rot-Grünen mit ihrer Politik der Deregulierung dem Finanzkapital einen roten Teppich ausgerollt. «Die gewaltigen Potenziale des deutschen Finanzmarkts müssen als Motor für Wachstum und Beschäftigung der Volkswirtschaft vollständig ausgeschöpft werden», hiess es in einer Dokumentation des Bundes­finanzministeriums. Das klang nach einer Totalmobilmachung des Kapitals, und das war es auch. Es gab einen Finanzmarktförderplan mit dreissig Gesetzesvorhaben, die alle umgesetzt wurden – etwa die Förderung von Verbriefungen, die Zulassung von Derivaten, Hedgefonds und Leerverkäufen, die steuerrechtliche Begünstigung von Zweckgesellschaften ausser­halb der Bank­bilanzen. Alle sahen nur Chancen, nie die Risiken. Noch im Koalitionsvertrag der Grossen Koalition 2005 vereinbarten SPD und Union (federführend: Finanzminister Steinbrück), die Regeln für die Finanzmärkte weiter zu lockern und die Bankenaufsicht abzubauen. Die weltweit niedrigste Regulierungsdichte galt damals als Benchmark.

Viele Deutsche haben so ihr Geld an die Superklasse der  USA verloren – die Täter bekamen Top-Jobs in der Industrie. Kann es wirklich sein, das US-Interessengruppen in Deutschland Politik bestimmen können?

Das kann nicht nur so sein, das ist auch so: ganz offen und unverdeckt im Verein Atlantikbrücke:

Arend Oetker beschrieb diese Lobbytätigkeit im Jahr 2002 folgendermaßen:Die USA wird von 200 Familien regiert und zu denen wollen wir gute Kontakte haben.Die FAZ: Die Atlantik-Brücke e. V. ist einer der in Deutschland seltenen Versuche, von privater Seite in den politischen Raum hineinzuwirken, sympathiebildend, kontaktvermittelnd, katalysatorisch. 

200 Familien der USA – die Superklasse – hat so eine Stimme in Deutschland und wirkt in den politischen Raum hinein.

Ich nenne das eine Verschwörung – und die hatte möglicherweise schon mal dramatische Folgen für Deutschland. Wie gut aber nur, das diese Superklasse so viele Freunde in Deutschland hat. Wie gut, das wir ihr nicht unterstellen wollen, das sie nun an die Ersparnisse der Europäer heranwollen – vor allem an deren Pensionskassen.

Wir wissen, das dort nur Freunde wohnen, die nichts anderes als das Wohl ihrer Mitmenschen im Auge haben: niemals würden die europäische Firmen aus hart umkämpften Märkten drängen, niemals die eigenen Interessen über die der anderen stellen, die würden auch niemals ein neues Pearl Harbour anzetteln, um ihre Macht in der Welt exponentiell wachsen zu lassen – erst recht würden die keinen Krieg anzetteln.

Kapital- und Machtkonzentrationen hatten ja noch nie in der Geschichte schlimme Folgen gehabt, weshalb wir uns auch keine Sorgen machen müssen:

Die Ende des 19.ten Jahrhunderts tatsächlich beobachtbare Monopolisierung und Kartellierung hatte ihre Ursache nicht in einer unvermeidbaren Zwangsläufigkeit, sondern auch in einer Politik, die die Vermachtung der Märkte als Beitrag zu Konjunkturdämpfung und Produktivitätssteigerung förderte

Die „Vermachtung der Märkte“ ist natürlich ein Prozess, der uns völlig fremd ist – wie auch die Tatsache, das Politik solche Prozesse steuern kann. Ebenso wissen wir, das Märkte nicht von Global Players gesteuert werden – noch nehmen wir wahr, das Firmen gerade deshalb zu Konzernen werden, um Märkte beherrschen zu können. Wir glauben auch nicht, das intelligente Wesen hinter diesem Prozess stecken. So ist der Deutsche halt: alt, allein, kinderlos, reich und ziemlich blöde.

Aber vielleicht wird er ja jetzt wach, wo er erfahren darf, das Hitler kein zufällig an die Macht gekommener Idiot war, sondern sich die Macht in Deutschland ganz gezielt und systematisch angeeignet hatte – und das sogar vorher schriftlich ankündigte:

In „Mein Kampf“ erklärt er seine Legalitätstaktik, außerdem, wie durch soziale Maßnahmen das Nationalbewusstsein zu stärken ist (eigentlich hätte die Bewegung „sozialnationalistisch“ heißen müssen), wie der Föderalismus zu beenden ist und die weitere Gleichschaltung zu erfolgen hat. 

Und so paßt es schön ins Bild, das die SPD durch die Agenda 2010 ein Prekariat geschaffen hat, das man in Zukunft durch soziale Maßnahmen für sich gewinnen kann – soziale Maßnahmen, die sich jemand auf die Fahne schreiben kann, der nicht gerade demokratische Ziele verfolgen muss – ganz im Gegenteil: Demokratie heißt auch – Hartz IV.

Verblüffend, wie das ins Bild passt, oder?

Gut, das die Krise jetzt wieder vorbei ist. Wäre das nicht so: ich würde mir in der Tat große Sorgen machen, das der Einfluss der Superklasse der USA – jener 200 Familien, die das Land regieren – in Deutschland inzwischen so groß ist, das sie bestimmen können, was ich zum Frühstück essen soll.

Und das würde mir garantiert nicht schmecken … weil ich den leisen Verdacht habe, das wir Mitmenschen für die „Superklasse“ nur Mietmenschen sind. Und wie man solche Menschen entsorgt, wenn sie nicht mehr rentabel sind, hat dieser Hitler ja schon mal vorgemacht.

Wie gut, das der ein zufällig durch Lotto an die Macht gekommener Einzeltäter war.

 

 

 

Jetzt aktuell: der neue Weltkrieg nach der neuen Weltwirtschaftskrise

Freitag. 18.11.2011. Eifel. Gestern erreichte mich die Nachricht, das ein Urgestein der Bloggerszene - Herr Flegel - die Segel streichen will. Zweckl0s sei das alles, meinte er. Ich lese nicht viel in der deutschen Bloggerszene - dafür fehlt mir die Zeit. Ausserdem nehme ich an, das die meisten freien Geister (ausser bei religiösen Themen wie Israel oder dem Papst) sowieso dasselbe denken: das, was auch der normale Mensch auf der Straße denkt, wenn er mal die Medien aus- und das Gehirn einschaltet. Er macht es sich nun leicht, der Herr Flegel - aber ich verstehe, was er meint. Leider kann ich es mir nicht so leicht machen: ich stehe im Wort. Ich habe Menschen mein Wort gegeben, das es NIE WIEDER einen WELTKRIEG geben würde, NIE WIEDER einen NS-STAAT auf DEUTSCHEM BODEN, NIE WIEDER eine WELTWIRTSCHAFTSKRISE. Diese Menschen haben - wie ich selbst - Kinder bekommen, weil ich - mit viel Wort und Mühe - die Zukunft in den herrlichsten Farben geschildert habe, weil VERNUNFT letztendlich siegen wird. Ich habe ... schrecklich versagt. Unsere Kinder haben keine Zukunft. Einer von sechzehn wird vielleicht in Zukunft Millionär ... die anderen werden überflüssig werden, sobald sie vierzig sind. Das ist die BERLINER REPUBLIK, in der der WAHNSINN herrscht - nicht die Vernunft.

Freitag. 18.11.2011. Eifel. Gestern erreichte mich die Nachricht, das ein Urgestein der Bloggerszene – Herr Flegel – die Segel streichen will. Zweckl0s sei das alles, meinte er. Ich lese nicht viel in der deutschen Bloggerszene – dafür fehlt mir die Zeit. Ausserdem nehme ich an, das die meisten freien Geister (ausser bei religiösen Themen wie Israel oder dem Papst) sowieso dasselbe denken: das, was auch der normale Mensch auf der Straße denkt, wenn er mal die Medien aus- und das Gehirn einschaltet. Er macht es sich nun leicht, der Herr Flegel – aber ich verstehe, was er meint. Leider kann ich es mir nicht so leicht machen: ich stehe im Wort. Ich habe Menschen mein Wort gegeben, das es NIE WIEDER einen WELTKRIEG geben würde, NIE WIEDER einen NS-STAAT auf DEUTSCHEM BODEN, NIE WIEDER eine WELTWIRTSCHAFTSKRISE. Diese Menschen haben – wie ich selbst – Kinder bekommen, weil ich – mit viel Wort und Mühe – die Zukunft in den herrlichsten Farben geschildert habe, weil VERNUNFT letztendlich siegen wird. Ich habe … schrecklich versagt. Unsere Kinder haben keine Zukunft. Einer von sechzehn wird vielleicht in Zukunft Millionär … die anderen werden überflüssig werden, sobald sie vierzig sind. Das ist die BERLINER REPUBLIK, in der der WAHNSINN herrscht – nicht die Vernunft … und es wird noch schlimmer kommen.

Ein Beispiel? Hören wir Wolfgang Münchau im Spiegel über das aktuelle Krisenmanagement:

Welcher Investor, der halbwegs bei Trost ist, kauft in einer solchen Situation dann noch portugiesische, spanische oder italienische Anleihen? Selbst eine Rendite von sieben Prozent kann das Risiko eines italienischen Zahlungsausfalls nicht ausgleichen. Italiens Schulden betragen 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung, das Wachstum liegt bei null, und das Land stürzt gerade in eine tiefe Rezession. Es ist eine Frage mathematischer Unausweichlichkeit, dass Italien seine Schulden nicht bedienen kann, wenn die Zinsen nicht sinken. Reformen müssen sein, aber mit Reformen löst man keine akute Schuldenkrise. Auch das ist eine Lehre aus anderen Krisen.

Übertragen wir dieses Beispiel mal auf unseren Körper. Nehmen wir mal an, er hat irgendwo ein Loch – ein Hochzinsloch – wo Blut (also, unser körpereigenes Tauschmittel) herausfließt. Das tut dem Rest der Organe nicht gut. Was tun die „Ärzte“? Anstatt das Loch zu stopfen, geben sie Transfusionen … und fordern den Körper auf, die Versorgung der Organe stark einzuschränken: „Reformen“ müssen her.

Nun die Preisfrage: was versagt zuerst – Herz, Hirn, Niere, Leber?

Im Falle der langsamen Erdrosselung einer Volkswirtschaft werden wir es bald bei allen europäischen Staaten sehen können. Selbst Menschen, die man nicht dem „linken politischen Spektrum“ zuordnen kann sehen hier inzwischen die komplette Vernichtung des demokratischen Gemeinwesens, wie Olaf Henkel im Handelsblatt:

Inzwischen beschädigt die Euro-Politik nicht nur unsere finanzielle Zukunft, sie sät nicht nur neue Zwietracht innerhalb der Eurozone, sie verbreitert nicht nur den Graben zwischen ihr und den anderen zehn Nichteuroländern in der EU. Sie ist dabei, massiv den Rechtsstaat und die Demokratie auszuhöhlen. 

Es wundert sich ja auch keiner mehr über die Machtballungen von Technokraten in Regierungen: der Goldman-Sachs Berater Mario Monti ist Regierungschef, Wirtschafts- und Finanzminister, siehe Spiegel.  Jetzt noch den Verteidigungs- und Innenminister draufgelegt: wir haben einen neuen König. Das Medienecho in Deutschland auf diese Notregierung aus „Nichtpolitikern“ ist denkbar gering, dabei ist es eigentlich ein Skandal allererster Güte.

Aber wir haben ja unsere eigenen Probleme, denn Deutschlands negatives Rating rückt schneller in den Fokus, als ich dachte. Ich hätte vorgestern noch mit zwei -drei Monaten gerechnet: es wurden zwei bis drei Tage:

„Ich halte die Höhe der deutschen Schulden für besorgniserregend“, sagte Juncker dem Bonner „General-Anzeiger“. Die Bundesrepublik habe „höhere Schulden als Spanien“. „Nur will das hier keiner wissen“, bemängelte der Luxemburger.

Möglicherweise haben wir dann bald auch eine Merkel, die zu den Märkten und Bankern fleht wir jetzt der spanische Regierungschef, der wohl der nächste sein wird, der durch einen „Technokraten“ ersetzt werden wird.

Währenddessen fallen die griechischen Landesverräter in Deutschland ein und treiben hier die Immobilienpreise mit ihren Raubmillionen in die Höhe:

Griechische Käufer stürmen den deutschen Häusermarkt. Immobilienscout24-Chef Marc Stilke schildert im Gespräch mit manager magazin Online, wie die Finanzkrise die Immobilienpreise hierzulande in die Höhe treibt und wie eine Luxusvilla am besten vermarktet wird. 

Das wird in Deutschland auch die Mieten … und damit die Armut erhöhen.

Im Alltag führt die Krise zu seltsamen Erscheinungen, an die wir uns wohl gewöhnen werden müssen, siehe Spiegel:

Auf dem Flug vom indischen Amritsar nach Birmingham sind Passagiere einer österreichischen Fluggesellschaft von den Piloten gezwungen worden, insgesamt 20.000 Pfund (23.400 Euro) Benzingeld für den Heimflug zu zahlen. Sie seien von der Crew bei einem Zwischenstopp in Wien sechs Stunden lang an Bord festgehalten und regelrecht erpresst worden – dies berichteten die betroffenen Comtel-Air-Kunden britischen Medien.

Da wird jeder Urlaubsflug zu einer Spendentour – oder zu einem Hochrisikounternehmen. Das Geld, das wir zur Aufrechterhaltung unseres volkswirtschaftlichen Blutkreislaufs brauchen, ist halt knapp … und wird dank „Reformen“ immer knapper werden, was sich jetzt auch in Deutschland auf die Realwirtschaft auswirkt.

Schon jetzt haben wir in Deutschland Erscheinungen wie nach dem Kriege: Rohstoffdiebe zersägen das Land in Einzelteile, um für fünf Euro das Kilo einen Tag länger Essen auf dem Tisch zu haben. Die Schäden, die so angerichtet werden, sind enorm – auch für das Lebensgefühl in einem Land, das Rüpelrappern Bambis verleiht.

Im Körper ist es übrigens ähnlich: wird er zu schlecht versorgt, fängt er irgendwann an, das Eiweiß im Gehirn abzubauen – er verdaut sich selbst im Kampf gegen die Unterversorgung. „Hartz IV macht das Volk doof“ – könnte man im Übertrag auf die Volkswirtschaft sagen. Es soll ja auch „doof“ gehalten werden – und sich dabei bestens unterhalten fühlen.

Wie im Kino schauen wir zu, wie gerade der letzte Weltkrieg vorbereitet wird.

Wo sind die Demonstrationen, wo die streikenden Gewerkschaften, wo die Studenten, die auf den Barrikaden stehen?

Alle am selben Ort: mit Chips und Bier versorgt vor dem Fernseher, um zu sehen, wie der „gute“ Cowboy den „bösen“ Chinesen in die Schranken weist, siehe Welt:

Präsident Obama stationiert Truppen in Australien und untermauert die US-Präsenz als maritime Weltmacht. Eine klare Warnung an die Adresse Chinas.

China wird mit der Warnung allerdings nichts anfangen können – sie müssen expandieren, um überleben zu können:

Der Zugriff auf Rohstoffe, die China selbst nicht in ausreichendem Maß besitzt, ist für die chinesische Führung aber nicht nur aus Exportgründen unverzichtbar, sondern auch, um die wachsende Mittelklasse zufrieden und die vielen Millionen Wanderarbeiter in Brot und Beschäftigung zu halten.

Das weiß der Chinese. Eine ähnliche Strategie hatte übrigens zum Angriff auf Pearl Harbour geführt, auch dort hatten die USA zuvor den Zugriff auf für die japanische Wirtschaft lebensnotwendige Ressourcen eingeschränkt. Die Japaner reagierten damals wie die Chinesen heute – zornig und empört, siehe Spiegel:

Die Reaktion aus Peking fiel scharf und ablehnend aus: Es wäre nicht angemessen und nicht im Interesse der Länder in der Region, sollte Washington seine militärischen Bündnisse in der Asien-Pazifik-Region ausbauen, warnte Liu Weimin, Sprecher des chinesischen Außenministeriums, laut einem Bericht der „New York Times“.

Nun – und seien wir mal ehrlich: ein Weltkrieg, der mal nicht Europa als Zentrum hat, wäre doch der Höhepunkt des Entertainment. Immerhin füllt uns Hollywood seit Mitte der neunziger Jahre mit heroischen Kriegergeschichten ab, um den Widerstand gegen neue Weltkriege möglichst zu minimieren.

Oh – ich vergaß.

Wir dürfen ja nicht darüber nachdenken, das irgendeine intelligente politische Kraft hinter den wahnhaften, unvernünftigen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte steckt: das wäre ja gleich „Verschwörungstheorie“ … und diesem Denkverbot unterwerfen wir uns ja als aufgeklärte rationale Menschen gerne.

Es ist sicher nur Zufall, das die US-Wirtschaft wieder mal in einer Krise steckt und der Staat kurz vor dem absoluten Bankrott, einer Krise, die man durch einen kleinen Weltkrieg wieder einmal schön bewältigen könnte. Trifft ja auch nur die Armen, was soll´s.

Der Herr Flegel hatte eine ganz wichtige Erfahrung für seinen angedachten Ruhestand angegeben: die Existenz einer „Kanzlerakte“, von der man in der Zeit erfahren konnte:

Brandt war empört, dass man von ihm verlangte, »einen solchen Unterwerfungsbrief« zu unterschreiben. Schließlich sei er zum Bundeskanzler gewählt und seinem Amtseid verpflichtet. Die Botschafter könnten ihn wohl kaum absetzen! Da musste er sich belehren lassen, dass Konrad Adenauer diese Briefe unterschrieben hatte und danach Ludwig Erhard und danach Kurt Georg Kiesinger. Dass aus den Militärgouverneuren inzwischen Hohe Kommissare geworden waren und nach dem sogenannten Deutschlandvertrag nebst Beitritt zur Nato 1955 die deutsche Souveränität verkündet worden war, änderte daran nichts. Er schloss: »Also habe ich auch unterschrieben« – und hat nie wieder davon gesprochen.

Nun – heute – so hat man mir versichert – sei diese Akte nicht mehr gültig. Mir fehlt auch die Zeit, zu recherchieren, ob wirklich alle deutschen Bundeskanzler VOR ihrer Vereidigung in die USA geflogen sind, um sich dort die Erlaubnis zur Amtsausübung abzuholen.

Mich würde es auch nicht wundern, denn ich habe den Zeit-Artikel weiter gelesen:

Als ich die Kanzlerbriefe einmal gegenüber dem ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker erwähnte, reagierte er zu meiner Überraschung erstaunt; er hatte von ihnen nichts gewusst. Es bedurfte keiner besonderen Absprache: Die beteiligten Deutschen wie die Alliierten hatten das gleiche Interesse, diese Manifestierung der begrenzten deutschen Souveränität nicht öffentlich werden zu lassen.

Es bedurfte keiner besonderen Absprache – noch einer besonders geheimen Verschwörung, es bedarf dazu auch keiner „Illuminaten“ oder „Bilderberger“ (obwohl es letztere offensichtlich gibt): alle hatten das gleiche Interesse, die Öffentlichkeit über die politischen Wirklichkeiten nicht zu informieren.

Das ist aber nicht das Kennzeichen einer Demokratie.

Es ist nicht die Existenz einer (in meinen Augen verständlichen) Kanzlerakte, die die politische Bloggerei „zwecklos“ erscheinen läßt, sondern die Tatsache, das es „Interessengemeinschaften“ gibt, die automatisch in die gleiche Richtung laufen, „Interessengemeinschaften“, die sogar den Bundespräsidenten aussen vor lassen.

Damit ist das Modell Demokratie in Deutschland schon lange vor der Wiedervereinigung ausgelaufen – und wir brauchen uns eigentlich nicht mehr über den Wahn zu wundern.

Es ist auch kein Wahn.

Aus der Sicht der „Superklasse“ der USA ist schlicht logisch und vernünftig, was gerade geschieht: immerhin haben Wiedervereinigung und Hartz IV dazu geführt, das die Bundeswehr wieder Freiwillige für den lebensgefährlichen Dienst im Ausland bekommen hat, die künstlich herbeigeführte Wirtschaftskrise sorgt für eine politische Lähmung in Europa, der „Krieg gegen den Terror“ hat zu einer breitflächigen Akzeptanz militärischer Massnahmen in der Bevölkerung geführt, die inzwischen sogar widerspruchslos die Eleminierung fortschrittlicher Volkswirtschaften wie der libyischen kritiklos akzeptiert, im Falle eines großen Krieges im pazifischen Raum stehen Millionen junger europäischer Männer bereit, für die Interessen der Superklasse der USA in Asien zu sterben, junge Männer, die aktuell arbeitslos auf den Straßen herumstehen und den Krieg wohl – dank Hollywood – als willkommene Abwechslung ihres durch Angst, Not und Zukunftslosigkeit geprägten Alltages erfahren werden, bis die brutale Realität sie eines besseren belehrt.

Das es Menschen gibt, die mit nahezu grenzenlosen finanziellen Mitteln ausgestattet ganz gezielt politische Strömungen hervorrufen, dürfen wir ja nicht denken.

Was wir öffentlich denken dürfen, ist, das die Spendengelder für den US-Präsidenten durch Lotto festgelegt werden.

Das stimmt zwar nicht … aber es ist im Interesse aller, das die Tatsache der begrenzten politischen Souveränität der westlichen Demokratien genauso geheim bleibt wie die „Manifestierung der begrenzten politischen Soureränität“ Deutschlands.

Von der Existenz solcher Verschwörungen konnte ich aber als junger Student nichts wissen – ich hoffe, man akzeptiert meine Entschuldigung … und ich hoffe auch, das ich wenigstens Recht mit der Vermutung behalte, das es – außer vielleicht in Thüringen – nie wieder einen NS-Staat auf deutschem Boden geben wird.

Aber … möglicherweise gibt es den ja doch schon – wir erfahren nur nichts das „geheime Deutschland„, weil die Öffentlichkeit eben nicht alles wissen sollte.

 

 

Griechenland, Hartz IV, der böse Geist der Massenvernichtung unwerten Lebens und die neuen Nürnberger Prozesse

Ich habe eine wunderschöne Wohnküche. Bunt, lebendig, mit Schafen und Obstbäumen vor dem Fenster - beides zum Greifen nah. In dieser Küche hängt - unaufdringlich in einem Erker - ein Brief. Er ist handgeschrieben, vom 26.1.1946, mittags. Er stammt von einem Ehepaar, das in den Nachkriegswirren meinen Vater aufgenommen hatte, der von seiner eigenen Mutter vor die Tür gesetzt worden war - das Essen war knapp. Dieses Ehepaar hatte meinen Vater wie einen Sohn behandelt und ihm viel Halt gegeben. Wenige Tag, nachdem sie diesen Brief geschrieben hatten, sind sie einfach verhungert. Mein Vater hatte den Brief nie erhalten, er war versehentlich an seine Mutter gesendet worden, die ihn nicht weitergeleitet hatte: es durfte keine Mutter neben ihr geben. Er starb vor ihr, mich hat der Brief durch meine Mutter erreicht, die den Nachlass ihrer Schwiegermutter nicht verwalten wollte.  Der Brief vergilbte, schmucklose Brief (den ich wegen altdeutscher Schrift kaum lesen kann) hängt in meiner Wunderküche als Mahnung und Warnung, das der hässliche Hungertod jederzeit vor der Tür stehen kann - und  das Menschen zu unglaublichen Gemeinheiten fähig sein können. Lese ich über Griechenland - oder Hartz IV - dann weiß ich, das die Warnungen und Mahnungen dieses Dokumentes der Zeitgeschichte hochaktuell sind.

Ich habe eine wunderschöne Wohnküche. Bunt, lebendig, mit Schafen und Obstbäumen vor dem Fenster – beides zum Greifen nah. In dieser Küche hängt – unaufdringlich in einem Erker – ein Brief. Er ist handgeschrieben, vom 26.1.1946, mittags. Er stammt von einem Ehepaar, das in den Nachkriegswirren meinen Vater aufgenommen hatte, der von seiner eigenen Mutter vor die Tür gesetzt worden war – das Essen war knapp. Dieses Ehepaar hatte meinen Vater wie einen Sohn behandelt und ihm viel Halt gegeben. Wenige Tag, nachdem sie diesen Brief geschrieben hatten, sind sie einfach verhungert. Mein Vater hatte den Brief nie erhalten, er war versehentlich an seine Mutter gesendet worden, die ihn nicht weitergeleitet hatte: es durfte keine Mutter neben ihr geben. Er starb vor ihr, mich hat der Brief durch meine Mutter erreicht, die den Nachlass ihrer Schwiegermutter nicht verwalten wollte.  Der Brief vergilbte, schmucklose Brief (den ich wegen altdeutscher Schrift kaum lesen kann) hängt in meiner Wunderküche als Mahnung und Warnung, das der hässliche Hungertod jederzeit vor der Tür stehen kann – und  das Menschen zu unglaublichen Gemeinheiten fähig sein können. Lese ich über Griechenland – oder Hartz IV – dann weiß ich, das die Warnungen und Mahnungen dieses Dokumentes der Zeitgeschichte hochaktuell sind.

Über Hartz IV gibt es jetzt einen spannenden Selbstversuch. Ein normaler, geistig gesunder Mitbürger hat mal versucht, von diesem Regelsatz ein normales, dem Niveau eines zivilisierten Industriestaates angemessenes Leben davon zu leben. Er ist gescheitert (wie nicht anders zu erwarten), hat aber interessante Bekanntschaften gemacht:

Nachhaltig bleibt ihm das Gespräch mit einer Frau in Erinnerung, die meinte, mit den Hartz IV Empfängern habe man so eine Art Sündenböcke geschaffen, die für jene, die gesellschaftlich besser gestellt sind, ein gutes Feindbild abgeben. Das eigne sich zudem als Drohkulisse, um Lohndumping durchzusetzen. „Früher drohten die Kirchen mit dem Fegefeuer, heute haben wir es vor der Tür“, zitierte Pantel die Frau.

Wer den Hartz-Hungertod stirbt, wird es schon verdient haben, oder? Das ist die bequeme Ansicht jener, die noch jung, gesund und in Arbeit sind. Warum mir da immer dreissigjährige Studienräte mit Hornbrille, Kaschmirpulli und Karottenhose in den Sinn kommen, die als Hobby eine Modelleisenbahn betreiben, weiß ich auch nicht.

Natürlich muss man sein Gewissen beruhigen, angesichts des Elends, das der Staat über seine Bürger bringt. Natürlich glaubt man den Lügengeschichten der Pressesprecher gern (und interessiert sich nicht dafür, das die ihre Geschichten womöglich auf ihren gemeinsamen Pressesprecherkonferenzen auch abstimmen – zum eigenen Vorteil): wer Hartz IV erhält, ist faul, gemein, hinterhältig, ein Untermensch wahrscheinlich – vielleicht sogar JUDE.

Früher wäre er mit Sicherheit auch JUDE gewesen – oder Sympathisant von Juden. Die heutige Wirklichkeit erfährt unser Mann im Selbstversuch:

So hörte er von einem ehemaligen Unternehmer, dass er über 30 Jahre anderen Arbeit und Brot gab und sich heute als Faulenzer beschimpfen lassen muss. 

Vielleicht kommt mir deshalb der Studienrat in den Sinn, weil er als staatlich alimentierter Kostgänger niemals von der Vermarktung seiner Arbeitskraft leben muss und mit fünfzig Jahren in Frührente geht (wegen der Nerven), während der Normalbürger mit fünfzig Jahren bei der ARGE landet – nicht, weil er nichts mehr kann, sondern weil die geschlossene Front der Personalchefs Menschen schon ab vierzig nicht mehr als arbeitsfähig ansieht. Die könnten dann ja mal kaputt gehen, sind beliebt wie Gebrauchtwagen vom Libanesen nebenan.

Man muss neuerdings aufpassen, ob man solches Gesochse nicht auch in seiner Familie hat. Ist der Vater kein Beamter, droht Gefahr, denn: HARTZ-Schulden sind anders als Bankenschulen VERERBBAR.

Erben seien grundsätzlich verpflichtet, die dem Erblasser in den zehn Jahren vor dem Tod gewährten Sozialleistungen aus der Erbmasse zurückzuerstatten, befand das Gericht (Aktenzeichen: S 149 As 21300/08). Daher sei die Forderung des Job-Centers rechtens. Das Schonvermögen komme nur dem Betroffenen selbst zugute und nicht den Erben. Das teilt die Arbeitsgemeinschaft Erbrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) mit.

Das ist wirklich schon schlimmer als Fegefeuer – und vor allem: anders als die Höllenphantasien der Kirchenmänner ist es real.

Nun – mit Armut kann man leben. Viele Kirchenmänner leben freiwillig arm, weil sie die Welt und ihren schönen Schein als teuflische Versuchung verstehen. Da sie aktiv und offensiv mit ihrer Armut umgehen, sind sie für die Hartz-Hölle nicht mehr erreichbar.  Nach dem letzten Weltkrieg waren viele Menschen arm – aber die Menschlichkeit an sich blühte in den Trümmern auf. Armut schweißt zusammen – und der Mensch an sich ist ein soziales Wesen.

Womit man jedoch nicht leben kann, ist die hemmungslose Ausbreitung eines bösen Geistes, eines Geistes, den man zurecht teuflisch nennen kann – manche Indianer Nordamerikas nennen ihn – ihrer Tradition entsprechend – den „Wendigo“ oder „Wertiko“ … sie waren mit die ersten, die mit ihm Bekanntschaft gemacht hatten.

Insofern haben es die Indianer und die Kirchenleute gut – sie verlieren nicht den Glauben an die Menschlichkeit und die Menschheit, wenn sie sehen, das hemmungslos ganze Volksschichten und ganze Völker der Vernichtung preisgegeben werden. Beide wissen auch – oder können es wissen – das es die finstersten Kräfte sind, die das Denken der Menschen je formuliert hat, die nun zu wirken beginnen. Sie halten es für böse Geister (Teufel und „böse Winde“), während wir es als Bestandteil der menschlichen Natur auffassen müssen – was unsere Meinung zum Thema „Mensch“ nachhaltig beeinflußt.

Es macht es aber auch gleichzeitig leichter, diese „Menschen“ der Vernichtung preiszugeben: wer KZ´s baut, gehört doch zweifellos von der Erdoberfläche getilgt, oder?

Da macht man sich dann auch keine Gedanken mehr über die Zusammenhänge von Arbeitslosigkeit und Tod – obwohl man die Zusammenhänge kennt, siehe Spiegel:

Britische Soziologen analysierten 2009 alle Wirtschaftskrisen, die zwischen 1970 und 2007 in 26 EU-Ländern aufgetreten waren. Das Ergebnis: Eine Steigerung der Arbeitslosigkeit erhöht die Suizid- und Mordraten. „Es besteht ein geradezu lineares Verhältnis zwischen der nationalen Suizidrate und dem Bruttoinlandsprodukt“, sagte auch der US-Soziologe Harvey Brenner 2009 dem „New York Magazine“.

In Griechenland ist die Suizidrate um 40% gestiegen.

Wenn ich um diese Zusammenhänge weiß … dann wissen das die EU-Politiker, die Banker und Anlagevernichter auch. Wenn sie um diese Zusammenhänge aber wissen und sie billigend in Kauf nehmen, dann … sind sie Mörder.

Massenmörder.

Hierzu eine Nachricht aus der Tagesschau:

Wenige Tage vor ihrem Urteil über die Spar- und Reformbemühungen Griechenland erhöht die Experten-Troika aus Internationalem Währungsfonds (IWF), EU-Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB) den Druck auf das hochverschuldete Land.

„Es ist offensichtlich, dass das Programm nicht aufgeht, wenn die Behörden nicht den Weg nehmen, der viel strengere Strukturreformen bedeutet als die, die wir bisher gesehen haben“, sagte Poul Mathias Thomsen, der Leiter der IWF-Delegation in Athen, der „Welt am Sonntag“. Das Land gehe „zwei Schritte vor und einen zurück“. 

Was hier mit vielen schönen Worten abstrakt beschrieben wird, heißt konkret: „Wir wollen mehr Leichen auf den Straßen Griechenlands sehen“ – jedenfalls heißt das so für jene, die die Zusammenhänge zwischen Arbeitslosigkeit und Suizidrate kennen, für jene Menschen, die sich noch daran erinnern, das ARMUT auch heißen kann, das man versehentlich VERHUNGERT – oder an Krankheiten stirbt:

Zwischen 2007 und 2009 haben 14 Prozent mehr Griechen ihre Gesundheit als «schlecht» oder «sehr schlecht» beurteilt. Zudem hat sich die Zahl der hospitalisierten Griechen von 2009 bis 2010 um 24 Prozent gesteigert. Im ersten Halbjahr 2011 wurden acht Prozent mehr Menschen ins Spital eingeliefert als noch im Jahr davor.

Wieder muss ich an den deutschen Studienrat denken. Das Anfangsgehalt eines Lehrers in Griechenland beträgt … 575 Euro. In Deutschland bekommt er das Fünffache – und mehr.  Dafür hat der Deutsche auch mehr Freizeit … in Griechenland gibt es Anwesenheitspflicht für Lehrer.

Man mag sich als deutscher Studienrat (verbeamtet, verheiratet, zwei Kinder) ruhig zurücklehnen, wenn man in den Nachrichten von den wirtschaftlichen Nöten der „Anderen“ erfährt … wobei sich nur diejenigen zurücklehnen können, die Informatik, Sport und Mathe oder Chemie und Physik unterrichten. Der Lehrkräfte für Geschichte, Soziologie und Wirtschaft können die Nachrichten noch verstehen.

100 Milliarden Euro brauchen unsere Banken momentan für den Fall, das wir den Griechen kein Geld mehr für die Zinszahlungen geben können. Sie werden das Geld dann auch bekommen – siehe Welt:

Sieben Mal betonte Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy am Sonntagabend im Bundeskanzleramt, mit Kanzlerin Angela Merkel „voll und ganz“ einig zu sein. Merkel selber war weniger auskunftswillig, betonte aber, Paris und Berlin seien „absolut entschlossen“, die Arbeitsfähigkeit der europäischen Banken sicherzustellen. 

Und die Banken sind „absolut entschlossen“, dies hemmungslos auszunutzen – zumal sogar eine Änderung des EU-Vertrages in Aussicht gestellt wurde. Schon jetzt drohen sie zu „Dauerpatienten“ zu werden – siehe Handelsblatt. Da macht es schon mal Sinn, nach den Ursachen der Krisen zu schauen – siehe Freitag:

Die Situation könnte paradoxer kaum sein. Die imposanten Haushaltsdefizite nahezu aller EU-Staaten sind vor allem auch den groß angelegten Bankenrettungen während der Weltfinanzkrise 2008/09 zu verdanken. 

Bei den Tätern hingegen herrscht Hochstimmung, wie die Mittelstandsnachrichten berichten:

Eine heute veröffentlichte Studie der eFinancialCareers zeigt, dass die Zahl der Wall Street Beschäftigten, die für dieses Jahr gleichbleibende oder steigenden Boni erwartet, immer noch enorm hoch ist: 62 Prozent der Befragten sagten, dass sie im Jahr 2011 einen gleich hohen oder höheren Bonus als 2010 bekommen werden. Der Optimismus ist ungebrochen – wenngleich die Euphorie nicht mehr ganz so groß zu sein scheint wie noch im Vorjahr. Da gingen noch 71 Prozent der Befragten davon aus, dass im nächsten Jahr ihre Bonusauszahlungen ansteigen werden bzw. gleich bleiben.

Mit soviel Geld ist natürlich auch die Motivation da, sich noch mehr krumme Geschäfte auszudenken, an deren Ende … der Hundertod für „Andere“ eintritt. Das man das in Deutschland akzeptiert, verdanken wir der gezielten Reklame für das „Hartz-IV-Untermenschenbild“. Da fällt es uns jetzt viel leichter, die krepierenden Griechen zu akzeptieren und den Blick von der Tatsache abzuwenden, das Athens Gegenwart Berlins Zukunft sein wird – mit allen Folgen für uns, die die Griechen jetzt durchleben.

Dank der Hartz-IV-Gesetzgebung hat der deutsche Staat auch die Möglichkeiten (und notwendigen Werkzeuge), dann umfassend auf Privatvermögen zuzugreifen … auch auf das des Studienrates, falls seine Kinder mal keine Anstellung bekommen oder seine Eltern mit der dann gekürzten Rente nicht auskommen. Ob er es dann schafft, das mit seinem gekürzten Lehrergehalt auszugleichen, wird fraglich sein.

Mit Informatik, Sport und Mathe als Ballast im Genick kann man allerdings nicht hinreichend verstehen, was Barroso  gesagt hat – hier zitiert im Handelsblatt:

Die deutschen Steuerzahler forderte Barroso zur Solidarität mit hoch verschuldeten Euro-Staaten auf. Bisher habe Deutschland in der Euro-Krise kein Geld verloren, weil die Bundesrepublik Kredite und Garantien gewährt, aber keine direkten Zahlungen geleistet habe. Jetzt könne es sein, dass Deutschland als größte Volkswirtschaft Europas für andere Staaten einstehen müsse.    

Barroso sagte, Deutschland habe am meisten vom Euro profitiert. Mögliche Belastungen seien am Ende gut für Wachstum und Beschäftigung in Deutschland. „Das ist verkraftbar im Vergleich zu dem, was uns blühen würde, wenn der Euro auseinanderbricht“, sagte er.

Das hört sich sehr sehr … sehr teuer an. Und wir sind jetzt schon hochverschuldet.

Darf ich mal einen Griechen zu dem Thema zitieren? Hier mal … Mikis Theodorakis. Er scheint die Täter zu kennen:

All das Gerede über die europäische Solidarität war nur eine Nebelwand, die dazu diente, die Tatsache zu verheimlichen, dass dies eindeutig eine amerikanische Initiative gewesen ist, mit dem Ziel, uns in einer weitreichende, künstliche finanzielle Krise zu stürzen, so dass unser Volk in Angst leben, ärmer werden, wertvolle Errungenschaften verlieren und schließlich das Knie beugen und einer Herrschaft durch Ausländer zustimmen würde. Aber warum dies alles? Welche Pläne sollen durchgeführt, welche Ziele erreicht werden? 

Daher sollen wir als Volk abgeschafft werden und dies ist genau, was heute geschieht. Ich fordere die Ökonomen, Politiker und Analysten, auf, mir zu beweisen, dass ich falsch liege. Ich glaube, dass es keine andere plausible Erklärung gibt, als dass eine internationale Verschwörung, mit der Teilnahme von pro-amerikanischen Europäern wie Merkel, der Europäische Zentralbank und der internationalen reaktionären Presse, stattfindet, die sich im „großen Plan“ verschworen haben, eine freie Nation zu versklaven. Ich finde jedenfalls keine andere Erklärung.

Ich schon. Griechenland erlebt gerade, das es Hartz IV jetzt auch für Länder gibt – und wir Deutsche erleben, das wir die Erben Griechenlands sind.

Obwohl die Ära 1933 – 1945 eine schlimme Zeit für Deutschland war (und die Jahre danach ebenfalls), haben die Nürnberger Prozesse gezeigt, das man Unrecht nicht untätig dulden muss. „Occupy Wallstreet“ ist sicher ein erster und wichtiger Schritt – aber wir sollten uns jetzt schon Gedanken darüber machen, ob auch wir wie 1945 die Todesstrafe für alle jene aussprechen wollen, die an diesem bald größten Verbrechen der Menschheit mitgewirkt haben. Letztlich geht es nämlich wieder um die Massenvernichtung unwerten Lebens … nur will man jetzt auch das Geld für Gas und Lager sparen.

Die Langzeitarbeitslosen und Pleitegriechen sollen das gefälligst selbst regeln – dafür baut man ja den „Druck“ schließlich auf.

Oder … man streicht ihnen einfach die Regelsätze.

Immerhin brauchen die Banken ihre Boni.

 

 

 

Die gefährlichste Frau Deutschlands

Es ist nicht sinnvoll, dass die Europäische Zentralbank der Deutschen Bank für 1,25 Prozent Milliarden zur Verfügung stellt und die Deutsche Bank diese Milliarden dann für über zehn Prozent an Griechenland weiterreicht. Solange wir diesen Unsinn weitermachen, wird es keine Lösung der Schuldenkrise geben.

(mehr …)

Die Eifel, die Börse, die europäische Existenzkrise und die Wiedereinführung der sanften Todesstrafe in England

Wir Eifelbürger sind ja Armut, Kummer und Sorgen gewöhnt.  Aktuell werden unsere Eifelgemeinden mit Landesgeldern versorgt - allerdings ist der Eifelmensch dem Politiker weniger wichtig als der Städter. Unsere Zuteilungen bemessen sich nach dem Faktor 1,0 während Aachen bei Faktor 1,3 und Köln bei 1,54 liegt, das heißt, ein Kölner Bürger ist dem Staat deutlich messbar wichtiger als ein Landei - 54% wichtiger. Dafür, das wir so arm sind, gibt es einen Grund: unsere Talsperren versorgen die umliegenden Städte mit preisgünstigem und hochwertigem Trinkwasser, weshalb unsere Wassergebühren extrem hoch sind - so hoch, das sich sogar in der Eifel Widerstand regte:

Wir Eifelbürger sind ja Armut, Kummer und Sorgen gewöhnt.  Aktuell werden unsere Eifelgemeinden mit Landesgeldern versorgt – allerdings ist der Eifelmensch dem Politiker weniger wichtig als der Städter. Unsere Zuteilungen bemessen sich nach dem Faktor 1,0 während Aachen bei Faktor 1,3 und Köln bei 1,54 liegt, das heißt, ein Kölner Bürger ist dem Staat deutlich messbar wichtiger als ein Landei – 54% wichtiger. Dafür, das wir so arm sind, gibt es einen Grund: unsere Talsperren versorgen die umliegenden Städte mit preisgünstigem und hochwertigem Trinkwasser, weshalb unsere Wassergebühren extrem hoch sind – so hoch, das sich sogar in der Eifel Widerstand regte:

Ein erheblicher Anteil unseres außergewöhnlich hohen Gebührensatzes liegt ja darin
begründet, dass das aus unseren Eifeler Talsperren auch in Ballungsgebiete gelieferte
Trinkwasser einen herausragenden Qualitätsmaßstab erfüllen muss.
Die hierfür aufzuwendenden Investitionen schlagen sich jedoch mit einem hohen Anteil in 
den Abwassergebühren der Eifel nieder.

Wir armen Landmenschen zahlen den reichen Städtern das Luxustrinkwasser. Das war ungerecht, weshalb die Landesregierung einen Zuschuss zahlte – doch damit ist jetzt Schluß:

Die Landesregierung in NRW beabsichtigt, die Abwassergebührenhilfe für besonders stark
betroffene Städte und Gemeinden wieder schrittweise zurückzunehmen und zwar von
rd. 6,0 Mio. € im Jahre 2010 auf zunächst ca. 4,2 Mio. € im Jahre 2011 und dann weiter auf
rd. 1,8 Mio. € im Jahre 2012.

Das ist für uns viel Geld – aber wir werden zahlen müssen, weil wir wenige sind. Die Gemeinde ist hochverschuldet – zwischen 1998 und 2009 mußten aufgrund neuer gesetzlicher Vorgaben das gesamte Gemeindegebiet kanalisiert werden, Ausgaben von 39,3 Millionen Euro waren zu bewältigen. Das waren unsere guten Jahre, in denen wir in „Saus und Braus“ gelebt haben. Reich geworden ist vor Ort dadurch keiner, aber einige Bauunternehmer haben sich da eine goldene Nase verdient -ob es da Zusammenhänge gibt mit der Vergabe von Vorstandsposten an Politikern kann ich nicht sagen.

Zunehmend drängen nun die reichen Städter in unsere Dörfer und suchen dort Raum für ihre Architekturphantasien, beliebt ist momentan das Landhaus in einem grellen Blau – damit es auch ja auffällt. „Schaut, hier wohnt der Mann, der es geschafft hat, der dank eurer Hilfe, eurem Geld, eurer Bescheidenheit nun eure Aussicht verschandeln kann“!

Hier bekommen jetzt unsere armen Witwen Panik. Ihre Männer haben vierzig Jahre lang geschuftet, um ein kleines Haus mit großem Selbstversorgergarten anzulegen, doch nun bekommen sie die Quittung: im Rahmen der „Anliegerbeitragspflicht“ kommen da schnell viele tausend Euro Kosten im Rahmen der Kanalsanierungen auf die Oma zu, weshalb wir neben den Egotempeln der Neureichen auch viele leerstehende kleine alte Häuschen hier haben mit einem Pappschild im Fenster auf dem „zu verkaufen“ steht.

Solche Ungerechtigkeiten machen sauer. Das die Jugend vor Ort „keinen Bock mehr hat“ wird mir verständlich, erst recht, wenn die gymnasialen Zöglinge verächtlich auf die „Bauernkinder“ herabblicken.

Es ist eine Momentaufnahme der Ungerechtigkeiten vor Ort. Man merkt selbst hier, im konservativen, katholischen Land das der Zorn brodelt. Gerne würde mancher wohl den Kölnern mal den preisgünstigen Wasserhahn zudrehen, damit die Bauern sich die Anzeigen von Anlageberatern ersparen, weil ihre Traktoren die Gemeindestraße verschmutzen. Sollen die  Nörgler doch in Köln bleiben. Hier wird noch gearbeitet, da ist es auch mal schmutzig. Man erntet jedoch wenig Verständnis für solche Sprüche, denn der Schmutz der Kühe macht sich nicht gut auf dem frisch gewachsten Nobelmobil, mit dem man dann in der Stadt angeben möchte. Mit Kuhkacke am Lack bekommt das Wort „Kotflügel“ einen ganz anderen Glanz.

Die Abschaffung der Pendlerpauschale wäre ein Segen gewesen, nebenbei bemerkt. Hier wird Raubbau am Land und der Landschaft subventioniert.

Wir müssen vor Ort mit solchen Zuständen leben. Als jemand, der auch einst die Stadt floh um natürlicher leben zu können, merke ich zunehmend, das die Städter uns hier das Leben verteuern: die Mieten liegen deutlich über dem Niveau des Ruhrgebietes. Die Kanalgebühren fordern halt von allen ihren Preis.

Wir haben diese Preise gerne gezahlt, um in der Natur leben zu können, haben zugesehen, wir zunehmend Äcker von Pferdewiesen für Luxusmenschen verdrängt wurden, wie Großkonzerne die regionale Versorgungsstruktur zerstört  haben und wie sich die Armut bei den Witwen ausbreitete.

Wir wußten immer, das das nicht gut gehen kann.  Kein Volk der Welt kann dadurch überleben, das sich ihre Bürger dauernd gegenseitig mit Geldanlagen und Versicherungen übers Ohr hauen, noch bringt es irgendwelche erkennbare Rendite, auf Pump die Landschaft zu verbauen, auch wenn viele „Elite-Netzwerke“ daran gut verdienen.

Dabei sei die Schuldenkrise im Euro-Raum gefährlicher als die „mittel- und langfristigen“ Probleme der USA, die zur Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur Standard and Poor’s geführt hätten.

So schreibt das Handelsblatt heute. In einem Bericht der Untersuchungskommission zur letzten großen Krise vor drei Jahren heißt es:

„Diese Krise auf menschliche Schwächen wie Gier und Hochmut zu schieben wäre zu einfach“, meint die Untersuchungskommission.

„Nicht Mutter Natur oder Computermodelle sind durchgeknallt – die Krise war das Ergebnis menschlicher Entscheidungen und Tatenlosigkeit.“

„Die wichtigsten Firmen und Investoren vertrauten den Ratingagenturen blind. Ihr Versagen war das Zahnrad im Getriebe der finanziellen Vernichtung. Was anderes hätte man auf einer Autobahn ohne Geschwindigkeitsbegrenzung und Leitplanken erwarten können?“

„Verantwortlich sind vor allem die Politiker, die unser Finanzsystem schützen sollten, die Aufseher, die für unsere Schutzsysteme verwalteten und die Vorstände – ihr Versagen hat uns diese Krise eingebrockt“, urteilt die Kommission.

Ihre Kritik ist deutlich: „Der Ton an der Spitze macht den Unterschied – und in diesem Fall hat niemand ‚Nein‘ gesagt.“

„Erreicht wurde das durch die Rating-Agenturen mit einiger Alchemie und fahrlässig unrealistischen Korrelationsannahmen. Sie haben Investoren überzeugt, dass 80 Prozent einer Mischung von toxischen Subprime-Krediten so sicher sind wie US-Staatsanleihen.“

Das ist die Welt, in der die Menschen zu Hause sind, die in der Eifel nun ihre Egotempel hinbauen – mit Teich und Pool, versteht sich. Ihre SUV´s brauchen zwei Parkplätze … ich schätze mal, die Gemeinde wird bald per Gesetz dazu verpflichtet, größere Parkplätze zu bauen. Danach kommt dann auch zu uns der Notstandsverwalter, der Bürgermeister und Stadtrat entlässt, weil wir mit Geld nicht umgehen können.

Frankreich kündigt aktuell härtere Sparmaßnahmen an- ich schätze mal, den Dörfern dort wird es nicht besser gehen. Die gleichen Ratingagenturen, die die Finanzkrise überhaupt erst möglich gemacht haben, drängen nun die Staaten dazu, uns die Zuschüsse zu streichen, damit wir die Verluste ihrer Kunden ausgleichen und in Supergewinne verwandeln. Wer zu langsam in die Staatskasse greift, wird abgestraft, siehe „Welt„:

„Es war das deutsche Zögern, das die Griechenland-Krise verstärkte und zu der Ansteckung führte, die sie in eine Existenzkrise für Europa verwandelte“, kritisierte der Investor.

Die Börsenwelt blickt finster auf die Staaten, die Gemeinden unterstützen, deren Bürger die Wassergebühren für die reichen Städter nicht mehr bezahlen können. Dafür haben sich die Bürger aus der Börsenwelt weitgehend verabschiedet, siehe Manager Magazin:

Ein Korrektiv wie eine breite Schicht Privatanleger, die einer Aktie auch langfristig die Treue halten, fehlt. Denn sie haben sich von der Börse verabschiedet. Allein im zweiten Halbjahr 2010 kehrten eine halbe Million von ihnen der Börse den Rücken, verzeichnet das Deutsche Aktieninstitut (DAI).

Ihre Superverluste werden halt nicht durch die Regierung aufgefangen – und ohne Politiker mit der Spendierhose macht Börse einfach keinen Spaß mehr.

Die Forderung des englischen Ministerpräsidenten bekommen so einen besonderen Sinn, siehe Welt:

Der britische Premierminister David Cameron hat seine Unterstützung für die Forderung geäußert, Randalierern staatliche Hilfen zu entziehen. Wer „seine eigene Gemeinde ausraube und ausplündere“ solle nicht länger das Recht haben, in Sozialwohnungen zu leben, sagte Cameron am Freitag dem Fernsehsender BBC.

Wer seine eigene Gemeinde, seine Mitbürger, sein Land und sogar die Staatskasse ausplündert, soll selbstverständlich nicht in einer Sozialwohnung leben: er bekommt eine Luxusvilla in der Eifel – wir verstehen den Mann, wir erleben das Tag für Tag.

Am Freitag teilte die Stadtverwaltung des Londoner Bezirks Wandsworth mit, sie habe dem Mieter einer ihrer Sozialwohnungen einen Räumungsbescheid zugestellt, nachdem dessen Sohn wegen der Teilnahme an den Unruhen am Montagabend angeklagt worden war. Sie habe einen Richter gebeten, den Bescheid zu bestätigten.

Das nennt man Sippenhaft – und angesichts des nahenden Winters die Wiedereinführung der … sanften … Todesstrafe. Sippenhaft ist verboten – hier werden Unschuldige aufgrund von Verwandtschaftsverhältnissen kriminalisiert – und sanft hingerichtet. Das ist die Ethik der Ratingagenturen und Anlageberater, irgendwo braucht man halt Leichen, um Druck zu erzeugen, anders geht es nicht. Ein paar verweste Rentner im Pflegeheim und schon laufen die privaten Rentenversicherungen wie verrückt.

Doch es kommt noch besser, wie die Welt beschreibt:

Schon jetzt schält sich heraus, dass die Täter keineswegs nur aus den unteren sozialen Schichten und anderen Gettos der Benachteiligung stammen. Auch Angehörige bürgerlicher Familien, teilweise gut situiert, finden sich unter den Angeklagten. Das macht Kommentatoren stutzig, die bei der Suche nach Gründen für die Gewaltausbrüche bisher den Hauptakzent auf verarmte Gruppen am Rande der Gesellschaft legten, wo die Konsumgesellschaft bestenfalls als Abglanz einer nie erfüllten Hoffnung herein scheint und dunkle Gelüste auf rasche Bereicherung weckt.

„Dunkle Gelüste auf rasche Bereicherung“ treiben doch eher die Ratingagenturen an – und die Banker. Darum ist es doch kein Wunder, das ihre Kinder an vorderster Front mitmischen – es geht hier immerhin um Ethik, und die wird immer seltener, je mehr Geld auf dem Konto liegt. Geld ist des Teufels … das wußte jedenfalls noch Jesus Christus, Sohn Gottes (nach Überzeugung vieler meiner Nachbarn) und Frontmann der ganzen deutschen Religionsszene.

Arme Leute stehlen seltener … sie wissen halt genau, wie unangenehm das ist, wenn andere einem was wegnehmen.

Wenn ich also demnächst wieder die Wasserrechnung bekomme, werde ich an die Ratingagenturen denken. Und wenn im Winter Botschaften von einem starken Anstieg erfrorener Obdachloser in England die Eifel erreichen, werde ich überlegen, ob ich der Gemeinde vorschlage, die Wasserlieferungen nach Aachen und Köln zu stoppen. Wasser soll ja bald kostbarer als Öl werden … wir sollten uns rechtzeitig unseres Reichtums bewußt werden, bevor wir hier im Rahmen der Rechtsangleichung in der EU englische Verhältnisse bekommen.

Vielleicht stifte ich dann auch die Dorfjugend an, den Neureichen Kuhkacke vor die Mahagonihaustür zu kippen, direkt auf die Fliesen aus italienischem Marmor – nicht als Beleidigung, als Geschenk, sozusagen. Ist ja hervorragender Dünger – und im Prinzip viel wertvoller als Optionsscheine auf Orangensaftkonzentrat.

 

Wie Regierung, Medien, Wirtschaft und Mario Barth die Zivilgesellschaft zerstören

Na, auch erleichtert? Worüber? Na, über die Rettung der Welt. Über die vielen positiven Nachrichtenlügen, die nun den DAX soweit gestützt haben, das er wieder langsam nach oben zu klettern beginnt. Lügen? Das sei zu weit gegriffen? Darf ich nochmal etwas in Erinnerung rufen, auch wenn es nervt, das ich mich dauernd wiederhole?

 “Wir wissen doch alle, dass unser System auf Dauer so nicht funktionieren kann”, sagt von Issendorff, Gründer von Tungsten Capital Management.

Was auch Fakt bleibt - im gleichen Artikel erwähnt - ist die Verschönerungsverschwörung der Leitmedien (oder waren es Leidmedien?) in Deutschland:

Na, auch erleichtert? Worüber? Na, über die Rettung der Welt. Über die vielen positiven Nachrichtenlügen, die nun den DAX soweit gestützt haben, das er wieder langsam nach oben zu klettern beginnt. Lügen? Das sei zu weit gegriffen? Darf ich nochmal etwas in Erinnerung rufen, auch wenn es nervt, das ich mich dauernd wiederhole?

 “Wir wissen doch alle, dass unser System auf Dauer so nicht funktionieren kann”, sagt von Issendorff, Gründer von Tungsten Capital Management.

Was auch Fakt bleibt – im gleichen Artikel erwähnt – ist die Verschönerungsverschwörung der Leitmedien (oder waren es Leidmedien?) in Deutschland:

An einer Stelle liest man in dürren Worten, worum es an diesem Abend im Kanzleramt ging: Merkel bat die Journalisten, zurückhaltend über die Krise zu berichten und keine Panik zu schüren. 

Ich denke, ich werde diese Zitate so oft wiederholen, bis sie jeder Bundesbürger gelesen hat, bis sie über jedem Rathauseingang hängen, in jedem Gericht zu beobachten sind, im Bundestag vor jeder Rede Erwähnung finden, in jeder Schule einmal die Woche in einer separaten Stunde auseinandergenommen werden und an jedem Streifenwagen der Polizei als Aufkleber hängen. Man kann diese kleinen Nachrichtenperlen am ansonsten zugemüllten Nachrichtenstrand der Republik gar nicht hoch genug einschätzen, weil sich Politik und Wirtschaft selten so tief in die Karten gucken lassen und man selten einen solch deutlichen Ausblick auf die wirklichen Zustände in diesem Land bekommt.

Das „wir“ des Herrn von Issendorf ist klar und deutlich … aber es schließt nicht alle ein. Neben dem „wir“ – zu dem die führenden Köpfe von Wirtschaft, Politik und ebenauch Medien zählen, wie wir dank des „Freitag“ erfahren durften – gibt es noch ein „die“.  „Die“ wissen nicht so viel. „Die“ kriegen auch nicht so viel – Arbeit, Grundbesitz, Bargeld, Ersparnisse … das alles ist nichts für „die“ – und „Wissen“ erst recht nicht.

Was „wir“ wissen, hat Herr von Issendorf vor zwei Jahren schon mal in der Wiwo erklärt:

Die Gefahr ist groß. Deshalb investieren die meisten vor allem dort, wo sie bei Problemen schnell wieder verkaufen können, also am 
Aktienmarkt. Die Zentralbanken fluten die Märkte mit billigem Geld, es gibt eine Liquiditätsschwemme. Die kann aber nicht ewig weitergehen, sondern wird irgendwann enden. Das ist schon wieder ein heißer Tanz auf dem Vulkan. Es ist schwer, nicht mitzutanzen.

Das ist was, was „wir“ wissen: der ganze „Aufschwung“ lief nur auf Pump – in Griechenland genauso wie hier, in den USA wie in China. Die Zentralbanken geben Geld billig ab (natürlich nicht an jedermann, das ist klar, „die“ kriegen nichts), mit dem Geld überschütten die Banken die Börsen, die Kurse steigen, die Gewinne werden abgeschöpft, das billige Geld zurückgegeben und das funktioniert solange, bis die Blase platzt. „Wir“ wissen, das sie platzt, aber „wir“ sollten „die“ weiterhin im Unklaren lassen.

Man braucht keine verschwörerischen Orden in bunten Kutten zu visionieren, um zu verstehen, wie so etwas läuft – es reicht eine herunterregulierte gesellschaftliche Ethik, eine miserable allgemeine Moral und der Blick auf die eigenen Kreditkarten samt dem Wissen, das hundert andere nebenan das auch gerne hätten, um „an einem Strang“ zu ziehen und das System zu melken, solange es noch geht.

Immerhin: „wir“ wissen, das das alles ein Ende hat.

„Wir“ wissen auch, wozu „wir“ fähig sind. Die gezielte Ausrottung bzw Vertreibung von Indianerstämmen interessiert uns nicht, die Ermordung von 160 Kindern durch Drohnen läßt uns kalt, das eine Pleitenation mit Hochdruck an Killerdrohnen arbeitet, die in einer Stunde auf der anderen Seite der Welt sein können, während die Kriegstreibermaschine inzwischen nahezu ungehindert in aller Öffentlichkeit arbeitet, nehmen wir gar nicht öffentlich zu Kenntnis. Weil „wir“ wissen, wie die Welt läuft, wissen „wir“ auch, dass ein neuer globaler Krieg unverzichtbar ist. Kriege sind eine hervorragende Gelegenheit, das Volk zu beschäftigen und sein Schäflein ins Trockene zu bringen, wo es vor den bösen Mitbürgern in Sicherheit ist.

Was „wir“ von denen denken, sagen „wir“ gerne offen, wenn „wir“ uns überlegen fühlen, wie hier Richard Sennet im „Spiegel“ erwähnt:

Der Londoner Bürgermeister Boris Johnson, ein Konservativer aus der Oberschicht, führt das gerade exemplarisch vor. Johnson hat die Plünderer als Unterschichtsmob bezeichnet. Wenn man Menschen so nennt, will man sie nicht mehr erreichen. Die Sprache, die wir größtenteils für soziale Unruhen benutzen, begegnet den Menschen mit Verachtung – und das heizt das Problem weiter an. 

Andere „wir“ nannten ihre „die“ Juden, Nigger oder Asoziale. Die Sprache ändert sich, die Zielgruppen wandeln sich, aber das Ergebnis bleibt gleich: „wir“ echten lebenden Menschen gegen die unmenschlichen Zombies – wundert man sich da über den Boom eines mythologischen Randthemas zum Kultfilm?

16000 Polizeibeamte mussten in London einmarschieren, um die öffentliche Sicherheit wieder herzustellen, die Bürgerkriege in den dahinsiechenden westlichen Industrienationen richten mitlerweile mehr Schäden in den Metropolen an als die Nazibomben im zweiten Weltkrieg – und die Morde in Norwegen gehören in die gleiche Kategorie.

Nochmal Richard Sennet:

Ich hoffe, man redet bald über die Ursachen. Und die liegen für mich darin, dass diese Regierung die Zivilgesellschaft und die zivilen Institutionen zerstört hat. Ich hoffe, dass das die Diskussion ist, die stattfinden wird.

Diese Diskussion werden wir aber nicht bekommen…es sei denn, in zwei bis drei lauwarmen Talkshows, damit das Volk denkt, das „wir“ das Problem schon in den Griff bekommen, während „wir“ nur unseren Griff um ihr Bargeld stärken möchten, während die Politik immer offener ihre Machtlosigkeit erlebt, wie hier im Spiegel detalliert aufgeführt:

Machtlos, ratlos, kraftlos. Die Führer der Welt wirken überfordert. SPIEGEL ONLINE gibt einen Überblick über die bedrängten Mächtigen.

Wie sollten sie auch anders wirken, denn: „wir wissen doch alle, das unser System auf Dauer nicht funktionieren kann“. Aber „wir“ haben die Medien schon mal auf unsere Seite gebracht, damit sie nicht so dramatisch über die Entwicklung berichten.

„Spekulanten wetten auf den Weltuntergang“, so titelt das Handelsblatt. Man versteht solche Wetten gut vor den Einsichten, die Herr von Issendorf preisgegeben hat. Im schon zitierten Wiwo-Artikel erläutert er noch weiter, wie „wir“ gerade Kasse machen:

Das Gros bei neuen Anleihen verdienen die Banken nicht mit der Emissionsmarge — also der Gebühr, die wenige Prozent des Anleihenennwerts beträgt —, sondern mit anderen Geschäften, die daran gekoppelt sind. Für Swap-Geschäfte zum Beispiel, mit denen Unternehmen Laufzeiten oder Währungen tauschen und absichern, lassen sich die Banken gut bezahlen. Wie hoch ihre Marge ist, weiß meist nicht einmal der Kunde.

Was Swaps sind? Die Kreditausfallversicherungen, die aktuell gerade für Frankreich und Deutschland immer teurer werden, weil die von „denen“ geretteten Banken „uns“ helfen, gegen ihre eigenen Länder zu wetten, dadurch an der Preisschraube zu drehen und die Volkswirtschaft Richtung Hungertod zu treiben.

Gut, das „die“ das nicht alle gleichzeitig merken.

Man nannte das früher auch mal Bürgerkrieg, weshalb die Ausschreitungen in London in Wirklichkeit niemanden verwundern. Dort haben „die“ erfahren, was „wir“ mit ihnen vorhaben – ein klassisches Versagen der Medien …. oder die Blogger waren Schuld, weil sie den Schulterschluss von Regierung, Wirtschaft und Medien unterlaufen haben.

Wann starten eigentlich die Abrüstungsverhandlungen mit China? Wann ziehen wir die Drohnenkiller zur Verantwortung? Wann fangen wir an, Indianer als schützenswerte Menschen zu beachten, wann merken wir, das die Zivilgesellschaft durch Regierungen, Wirtschaft und Medien zerrüttet wird … und durch uns selbst, denn noch … sind ethische Entscheidungen nicht verboten, noch sind ethische Urteile erlaubt, noch darf man ethische Forderungen aufstellen wie die:

Stoppt die Killer der Zivilgesellschaft!“ 

Damit kann man ganz klein anfangen … denn „wir“ lachen gerne über Mario Barth, jenen Menschen, den Dieter Hildebrandt für abgrundtief dumm hält. Wer über diesen albernen Mumpitz lachen kann, lacht im Prinzip … über seine eigene Dummheit – und ist auch noch stolz darauf. Warum die gezielte Förderung von Frauenfeindlichkeit nun dumm ist, und die Zivilgesellschaft zerstört muß ich – so hoffe ich – nicht noch detalliert beschreiben, oder?

Doch?

Man ersetze bei „Barth“ das Wort „Frau“ durch das Wort „Jude“, „Nigger“ oder „Asoziale“ – und werfe einen Blick auf die gesellschaftlichen Realitäten, die den Aufstieg des Herrn Barth begleiten:

Frauen können noch immer nicht gleichberechtigt leben. Ihr Anteil im Top-Management ist 2007 von 7,5 auf 5,7 Prozent zurückgegangen. Nirgendwo in Europa ist der Lohnabstand zwischen Frauen und Männern größer als in Deutschland.

Na, noch lustig?

So lustig wie die Meldung, das der britische Premier David Cameron das Militär im Landesinneren einsetzen will, womit Großbritannien sich ganz offen auf eine Stufe mit den großen Militärdiktaturen der Geschichte stellt.

Das ist der Humor jener Killer der Zivilgesellschaft, die sich gerne vom Unterschichtenmob abgrenzen, von den hirnlosen Zombies (ich glaube, Herr Barth nennt sie „Frauen“), die man nur mit einer Ladung Schrott im Gesicht aufhalten kann. Anders Breivik hat sich an diese Botschaft gehalten:

Fast eineinhalb Stunden schoss der Attentäter mit einem Schnellfeuergewehr gezielt auf die panischen Jugendlichen, die weder von der Insel Utøya fliehen noch auf schnelle Hilfe hoffen konnten. «Es sah aus, als habe er Spaß», sagte Augenzeuge Magnus Stenseth (18).

Wie gut, das die Leitmedien uns mit diesen Perspektiven verschonen … uns könnte das Lachen im Halse stecken bleiben, wenn wir merken, das wir selbst es sind, die unsere eigene Gesellschaft zugrunderichten….und das die Herren des Spiels sich hinter verschlossenen Eichentüren auf feinsten Leder in edlem Marmor- und Mahagonieambiente über uns kaputtlachen, weil sie wissen, das wir bald wieder im Schützengraben verrecken werden, während unsere Frauen danach den Wiederaufbau organisieren … Frauen, die „wir“ dann schnell gefügig kriegen, wenn sie was zu essen haben wollen.

 

 

 

 

Griechenland, Wirtschaftskrise und Verschwörungen

Wir hatten ja jetzt Finanzkrise. Die sollte sehr schlimm werden, ist sie aber nicht geworden. Jedenfalls nicht in Deutschland. Wir haben nämlich so viele neue Schulden gemacht, das im Alltag niemand etwas von der Krise merken konnte ... jedenfalls so lange nicht, bis die Schulden mal fällig werden. Fragt man nun, welche Ursache die Finanzkrise hatte, so bekommt man eine eindeutige Antwort: die Gier war es. Aktuell fällt der Gier gerade Griechenland zum Opfer, Portugal, Spanien, Irland und Italien, England, Frankreich und die USA sind schon im Fadenkreuz gesehen worde.

Wir hatten ja jetzt Finanzkrise. Die sollte sehr schlimm werden, ist sie aber nicht geworden. Jedenfalls nicht in Deutschland. Wir haben nämlich so viele neue Schulden gemacht, das im Alltag niemand etwas von der Krise merken konnte … jedenfalls so lange nicht, bis die Schulden mal fällig werden. Fragt man nun, welche Ursache die Finanzkrise hatte, so bekommt man eine eindeutige Antwort: die Gier war es. Aktuell fällt der Gier gerade Griechenland zum Opfer, Portugal, Spanien, Irland und Italien, England, Frankreich und die USA sind schon im Fadenkreuz gesehen worden.

Es ist immer schön, wenn man einen Täter hat, den man klar benennen kann. So sind die Menschen eben. Hexe identifizieren, Hexe fangen, Hexe verbrennen: Fall gelöst, das Paradies ist nah. Geht auch mit Juden, Kommunisten, Zigeunern oder Arbeitslosen, notfalls kann man auch mal Bayern oder Polen nehmen. Einfach mal drauf achten, das Prinzip klappt auch bei Seuchen so: „DIE GURKE WAR ES!“ – und schon landen Nahrungsmittel, die reale Leben hätten retten können im Müll.

Seitdem wir die Gier als Täter identifiziert haben ist es deshalb auch recht ruhig geworden um die Ursachen der Krise. Leider … kann man die Gier nicht verhaften noch erschiessen, weshalb das Volk irritiert vor dem Fernseher sitzt.

Vielleicht mal Zeit, sich um den Täter zu kümmern – die Gier. Ich denke, das Wort braucht man nicht länger zu beschreiben. Jeder hat schon mal Zustände kennengelernt, wo er gierig auf etwas war – und sei es nur das nächste Level bei dem aktuellen Lieblingsspiel.

Aber halt … wenn es jeder kennt, wenn es jeder empfindet – das wäre ja schlimm! Dann wären ja wir alle schuldig – schuldig an einer Finanzkrise, von der wir vorher noch nicht mal wussten das sie droht. Dann kann man aber auch nichts dagegen tun, das sie nochmal wieder kommt – und kennt vielleicht den Grund, warum die Krise keinerlei Folgen für die Banken hatte. War eben die Gier, da kann man nichts machen.

Ich habe dann man einen Test gemacht. Voller Gier habe ich mich in meinen Nachdenksessel gesetzt und gierig gegrübelt. Ich habe die Gier auf ein Maximum gesteigert – hatte ja auch sonst nichts zu tun. Das Ergebnis?

Hätte ich den Versuch nicht abgebrochen, wäre ich im Sessel verhungert.

Gier ohne Tat führt zu nichts, auch wenn sie noch so gewaltig ist. Den Selbstversuch kann ich nur jedem empfehlen. Damit Gier schädlich wird braucht man noch etwas mehr – ein Ziel zum Beispiel. Essen, Frauen, Landbesitz, Goldmedaillen – Gier kommt von allein nicht richtig in Schwung. Es kann aber auch … die Gier nach Gerechtigkeit geben, nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.

Gier kann sogar etwas Gutes anstreben, auch wenn sie sich … generell etwas unbeherrscht anfühlt.

Das paßt aber gar nicht zu Investmentgeschäften. Unbeherrschtheit ist kein Charakterzug von Bankern – ganz im Gegenteil: die seriöse Beherrschtheit ist doch viel eher ihr Metier. Sonst würde denen doch keiner sein Geld anvertrauen. Gier nach Essen, Frauen, Landbesitz oder Goldmedaillen führt zu Mord, Raub und Vergewaltigungen – oder zu sportlichen Höchstleistungen … also zu Berufen und Taten, wo sie sich austoben kann. Oder man wird eben Revolutionär – aus Gier nach Gerechtigkeit. Staatsanwalt geht auch. Oder Kabarettist. Überall dort kann und darf man unbeherrscht sein.

Schließen wir also erstmal … die Gier an sich – war es nicht. Sie steht zwar am Pranger und sieht da gut aus, ist aber nur ein traditionelles Schlachtopfer – wie der Jude, der Kommunist, der Zigeuner oder der Arbeitslose. Sie erfüllt aber einen wichtigen Zweck: sie lenkt von den wahren Tätern ab.

Täter?

Ja. Selbst wenn in der kühlen, emotionslosen Bankerwelt in der Tat „Gier“ zugelassen worden wäre, so bewirkt Gier alleine noch  nicht, das man Phantasiekredite auf Werkzeugschuppen zum alltäglichen Geschäft machen kann, diese dann bündelt und für viel Geld weiterverkauft. Dafür braucht es – Vorsatz, Plan, Absicht und Tat. Hat man diese Elemente, so kann man auch ganz ohne Gier viel Geld machen. Um auf diese Art und Weise viel Geld zu machen, braucht man einige Regimenter an Kreditverkäufern, Investmentberatern und Mathematikern, die dafür sorgen, das das Geschäft läuft und … sich rechnet.

Das Geschäft selbst können sie auch ganz ungierig erledigen – trotzdem haben sie einen Charakterzug, der sie vereint.

Es ist ihr erklärtes Ziel, auf Kosten anderer reich zu werden – zur Not vernichten sie eben auch die komplette wirtschaftliche Existenz einer ganzen Familie. Ohne ihre wirtschaftliche Grundlage (essen, trinken, schlafen, warm und trocken haben) leben die allerdings auch nicht lange. Ein- bis drei Tage … wenn niemand hilft. Kinder erziehen ist in dem Klima erst recht unmöglich, das ist ein psychisches Klima wie in einer belagerten Burg.

Wir sehen also: ohne Täter funktioniert das System nicht. Kredite laufen nicht von selbst durch die Welt. Sie landen vielleicht mal in der Post, aber hinter dem kleinen unverbindlichen Angebot steckt eine ganze Maschine, viele nüchterne, rationale Überlegungen, deren Gewinnträchtigkeit abgesichert wurde von den besten Mathematikern des Landes.

Wer nun seinen Hauptschulabschluss nicht gerade im Kongo gemacht hat oder dafür bezahlt wird, absichtlich und boshaft Informationsnebel zu erzeugen, der die Täter weiterhin verschleiert, wird diese Zusammenhänge schnell einsehen und in Folge verstehen, warum die Griechen sich so ihre Gedanken machen. Die dürfen das noch – hier in Deutschland tritt sofort und umgehend aus irgendeiner bezahlten Ecke die Gedankenpolizei auf den Plan, wie aktuell in der Welt, die uns darüber aufklärt, das in Griechenland nur Verschwörungstheorien blühen. Es lohnt sich, den Artikel zu lesen, steigert den Blutdruck und die Gier nach Wahrheit und Gerechtigkeit.

Man merkt auch, das man den gemeinen Normalbürger für ziemlich blöde hält, wenn man erfährt, das es da die reichen Unternehmertypen gibt, die sich ihr Geld im Bauwesen verdient haben und sich darüber aufregen, das der Staat sein Geld für unnütze Bauarbeiten ausgegeben hat. Zusammenhänge zwischen der Staatsverschuldung und dem Reichtum einzelner Bürger werden da erst gar nicht wahrgenommen – das ist dann schon Verschwörungstheorie.

Die Verschuldung Griechenlands kam nämlich vom Himmel oder ist … wie es einer der besonders dämliche Kommentatoren des Artikels betont … unser aller Schuld. Da sieht man, was geschieht, wenn Konzernpropaganda auf reformierte gymnasiale Oberstufe mit technisch-naturwissenschaftlichem Schwerpunkt trifft: es wird geist- und sinnlos, aber man bekommt eine gute Note für sonstige Mitarbeit. Da merkt man, welche Folgen die Informationsnebel im Gehirn der Menschen anrichten – gerade jener Menschen, die ihre Bildung aus dem Fernseher beziehen und es selten unterlassen können, über das Internet herzuziehen, das als Quelle des Bösen abgeschafft gehört.

Wer aber nun Menschen dieser Art gerne folgen möchte, dem möchte ich als „Realitätscheck“ einen weiteren Selbstversuch empfehlen. Geht auch mit Gier, besser ist aber, man tritt möglichst beherrscht auf, das gilt in unseren gesellschaftlichen Kreisen als extrem seriös. Einfach mal zur nächsten Bank gehen und sagen: „Ich möchte einen Kredit über 65 Milliarden Euro!“. Soviel kostet uns Deutschen die Griechenlandkrise.

Im Phantasieunviersum der Giertheoretiker bekommt man sein Geld selbstverständlich sofort. In der normalen Welt jedoch … wird erstmal die Bonität geprüft. Das geschieht bei Banken schon bei Summen von hundert Euro – einfach mal einen kleinen Konsumkredit beantragen: schnell wird man merken, das die kein Geld verschenken. Wie kommt es also, das Griechenland solche enormen Schulden hat? Wer hat denen denn die Kredite verkauft? Wieso haben wir jetzt bei Griechenland, Portugal, Irland, Island, Italien, Frankreich, England und den USA die gleichen Erscheinungen wir bei dem Immobiliencrash in den USA?

Geht man diesen Fragen nach, kommt man in eine Welt, wo nüchtern kalkuliert worden ist. Da wurden Riesensummen an ein Land gezahlt, von dem bekannt ist, das es außer Oliven nichts zu bieten hat – und jetzt wundert man sich ernsthaft, das die ihre Kredite nicht bezahlen können? Dachte man etwa, die Oliven würden sich über Nacht in Diamanten und Rohöl verwandeln?

Wer hat denn da die Bonität geprüft, wessen Unterschrift steht unter den Verträgen? Das ist doch wohl leicht zu überprüfen, oder?

Es ist garantiert nicht meine Unterschrift.

Es gibt aber ganz klar MENSCHEN, die dies zu VERANTWORTEN haben. Keine Gier, keine Götter, keine unsichtbaren Hände des Marktes, sondern Manager und Banker, die in Zusammenarbeit mit Politikern Kreditzusagen gegeben haben, für die nur sie alleine verantwortlich sind – UND NICHT WIR!.

Wäre dann doch auch schön, wenn man dann eben genau jene zur Verantwortung zieht und zur Kasse bittet, die den Schlamassel verursacht haben, in dem sie Milliarden für Oliven geboten haben. Ein Rückzahlung der Kredite in Olivenform kann man aber gnädigerweise ebenfalls erwägen. Sollen dann die Täter sehen, das sie die Oliven gewinnbringend verkaufen können.

KEIN EINZIGER EURO des deutschen Steuerzahlers sollte zur Rettung dieser Kredite verwendet werden. Es wäre etwas anderes, wenn die 65 Milliarden den Griechen selbst zu Verfügung stehen würden, um Obdachlosigkeit und Hunger zu verhindern – immerhin, bei 11 Millionen Bürgern wäre allein der Anteil aus Deutschland 6000 Euro pro Bürger. Davon könnte man schon wieder eine Wirtschaft am Laufen halten. Ich bin mir aber sicher, das die Bürger selbst keinen einzigen Euro erhalten werden: die müssen nämlich sparen.

Das Geld landet bei denen, die die unmöglichen Kredite vergeben haben, Kredite, an deren Rückzahlung – wegen den Oliven – niemand glauben konnte, der ohne Taschenrechner bis drei zählen kann.

Und das ist der einfache, überschaubare und überhaupt nicht phantastische Nährboden für Verschwörungen, die nur deshalb blühen, weil die Medien in ihrer Aufgabe der Aufklärung und Mobilisierung der Bevölkerung so sehr versagt haben wie die Parteien bei der Aufgabe, den Willen des Volkes zum Ausdruck zu bringen oder die Wirtschaft, für den Wohlstand des Landes zu sorgen.

Bedauerlicherweise ist – eher zufällig als geplant – aus dem Internet eine gigantische Kommunikations- und Wissensmaschine geworden. Sicherlich enthält sie auch viel Müll, im Gegensatz um Privatfernsehen findet man hier aber auch alles, was man braucht, um sich eine eigene Meinung bilden zu können – und es ist genau diese eigene Meinung, die stört. Sie könnte dazu führen, das wir sehr zornig werden, wenn wir in unser Portemonai schauen und dort nur Ebbe finden, mit der wir die aktuellen Preisanstiege nicht mehr bewältigen können.

So jedoch zucken wir mit den Schultern, denken uns „Ach so, ja, die GIER!“ … und schnallen den Gürtel noch enger.

 

Spanische Protestbewegung: Voraussetzungen und Perspektiven (1)

Mit der Übersetzung von drei kurzen Essays spanischer Intellektueller zu den Protesten möchte ich auch deutschsprachigen LeserInnen ermöglichen, einen erhellenden Blick auf die Voraussetzungen, den Charakter und die Perspektiven der spanischen Bürgerbewegung zu werfen. Der erste Text stellt die Ereignisse in einen historischen Kontext. (mehr …)

Einführung der Todesstrafe für Arbeitslose und Juden? Gute Zeiten für Spekulanten!

Warum macht man sich eigentlich Gedanken über Politik? Ich meine – man könnte doch auch neue Kochrezepte austauschen, über die Possen der Haustiere sinnieren, das eigenen Liebesleben im Detail veröffentlichen oder sich in Reflektionen der Überflußwarenwelt vertiefen. Auch das hält die Finger gelenkig und verschafft dem Rücken Ruhe.

Die Antwort ist einfach – aber unangenehm. Man macht sich Gedanken über Politik, damit nicht die Politik anfängt, sich über einen Gedanken zu machen … wenn es so weit ist, ist es zu spät. Dann ist die Zeit der Worte vorbei.

In Spanien merken das jetzt schon die Arbeitslosen, von denen die ja viel zu viele haben, sieh spanienleben:

Ab dem heutigen Tag können Langzeitarbeitslose, die ihre Leistungen von (426€) verloren haben, eine neue Beihilfe von 400 Euro auf maximal sechs Monate neu beantragen. Jedoch wird der Gang zum Arbeitsamt für viele ein „Gang der Enttäuschung“ sein. Viele werden mit den neuen Bestimmungen nichts mehr bekommen und durch die Maschen des Netzes fallen (ca. 800.000). Die jetzt festgelegten 400 € werden sowieso nur an eine Weiterbildungsmaßnahme gekoppelt, das heißt „Umschulung“ und „Integration in das Arbeitsleben“. Im Grunde genommen wurde das Geld, das die Arbeitslosen erhielten zwecks einer Festigung der Lebensgrundlage, umgeschichtet (Summe 400.000.000 €), an die Firmen gegeben, die zur Umschulung der Arbeitslosen beitragen. Die Frage bleibt nur, ob das hilft? Ausbildung hin oder her, wenn keine Arbeitsplätze da sind, kann die beste Umschulungsmaßnahme nicht helfen. Mit andere Worten, die Summe von 400.000.000 €, die vom Staat getragen wird, fließt nicht in die Taschen der Arbeitslosen, sondern in die Taschen der Firmen.

Da werden offenbar deutsche Erfahrungen umgesetzt – aber zeitlich begrenzt. Wie immer verdienen sich die verantwortlichen Kreise dumm und dämlich bei der Staatspleite. Das ist ja in Deutschland nicht anders, wo führende Politiker sich in Folge der Wirtschaftskrise enorm die Taschen füllen, wie die TAZ berichtet:

Den Steuerzahler und die Sparkassen wird die Rettung der WestLB Milliarden kosten. Das hindert Friedrich Merz nicht, für seine Dienste Millionen in Rechnung zu stellen.

Der ehemalige Vorsitzende der CDU-Bundestagsfraktion stellte für seine bisher erfolglosen Versuche, die einstige Landesbank Nordrhein-Westfalens als Ganzes zu verkaufen, bereits 1,2 Millionen Euro in Rechnung, erfuhr die taz aus dem Haushalts- und Finanzausschuss des Düsseldorfer Landtags. Außerdem versuche Merz, der heute als Rechtsanwalt für die internationale Wirtschaftskanzlei Mayer Brown arbeitet, die Honorare durch Vergabe immer neuer Unteraufträge noch zu treiben.

So muß man leben, wenn Arbeitslosigkeit keine Bedrohung mehr darstellen soll. Das ist richtig männlich und vorbildlich für die jüngere Generation: das Schiff Deutschland bekommt Schieflage, also muß man soviel Schinken und Schnaps wie möglich in sein Rettungsboot bekommen, die Zeiten der christlichen Seefahrt, wo der Kapitän mit seinem Schiff untergegangen ist, sind vorbei. Heute sind die Kapitäne von Wirtschaft und Politik die Ersten, die mit dem Rettungsboot auf der Trauminsel anlegen – lange bevor der Eisberg überhaupt in Sicht gewesen ist. Sie arbeiten inzwischen präventiv. Damit das auch so bleiben kann, wird der Bürger jetzt genauer observiert, wie man bei Telepolis erfährt:

Nach endgültiger Anschaffung in Sachsen ist die fliegende Kamera in den Alltagsbetrieb der Polizei übergegangen. Auch in Berlin wurden Polizisten jetzt mit einer Drohne gesichtet – ausgerechnet an einem stadtpolitisch umkämpften Ort.

Ob das dann auch mal live bei RTL übertragen wird? Ich habe eigentlich keine Zweifel. So eine Chance auf Quote darf man sich doch nicht entgehen lassen, zudem die Niedergeknüppelten bald auch keine medizinische Hilfe mehr bekommen werden, was sie jetzt allerdings noch nicht wissen dürfen. Laut Verdi ist der Umbau unseres Gesundheitssystems in ein Drei-Klassen-System in vollem Gange – nur merkt es noch keiner:

Das bedeutet nicht nur das Ende der paritätischen Finanzierung der Gesundheitskosten zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitergeberseite, sondern hat auch zur Folge, dass diejenigen, die am wenigsten verdienen, künftig proportional am meisten bezahlen müssen. Schon bei einer Pauschale von 16 Euro monatlich, wie sie das Bundesversicherungsamt für 2014 zugrunde legt, schlagen Arbeitnehmeranteil plus Zusatzbeitrag für Menschen mit einem monatlichen Einkommen von 800 Euro mit 10,2 Prozent zu Buche. Wer dagegen 8000 Euro verdient, zahlt dieselbe Pauschale – und insgesamt nur vier Prozent seines Einkommens an die Krankenkasse.

Man kann sich vorstellen, das Hartz IV-Abhängige dann auch schnell aus der medizinischen Versorgung komplett herausgenommen werden, so wie sie ja jetzt auch schon aus der Rentenversicherung herausgenommen wurden – seit Januar zahlen die Jobcenter (wie sie jetzt so schön heißen) keine Beiträge mehr für Arbeitslose an die Rentenversicherung. Immerhin wird schon jetzt gesundheitlich bedingte kostenaufwendige Ernährung nur für arbeitsfähige Arbeitslose bezahlt – aber nicht für Kinder. Auch so ein Skandal,  für den sich eigentlich niemand interessiert, der aber ein lebensbedrohliches Prinzip etabliert:  „LEBEN“ gibt es nur noch gegen „ARBEIT“ – Arbeit macht frei, sozusagen.

Kein Wunder, das es nach diesen Erfahrungen der Börse gut geht, sie nach dem Handelsblatt sogar zur Sorglosigkeit neigt:

Die Stimmung an den Börsen wird immer besser. So teuer wie jetzt waren deutsche Aktien seit mehr als drei Jahren nicht mehr. Aber es macht sich Sorglosigkeit breit.

Kein Wunder, das die Stimmung gut ist, hat die Krise doch bewiesen, das „das System“ inzwischen so bombenfest etabliert ist, das selbst haarsträubende Ungerechtigkeiten mit einem Schulterzucken durchgewunken werden können und man sich selbst bei größter wirtschaftlicher Not als Täter bequem die Taschen bis zum Abwinken mit Euro füllen kann.

Alle wollen Schröder, Koch und Merz folgen und den Traum vom leistungslosen Einkommen verwirklichen, um dem Verrotten im Armenhaus zu entkommen. Leider wird das für viele ein Traum bleiben – das Boot ist voll. Man nimmt zwar gerne noch die Vorräte der Nachzügler, aber mitgenommen werden nur noch ganz wenige, auch hierzu das Handelsblatt:

Millionen Deutsche setzen auf Investmentfonds. Doch viele Produkte enttäuschen die Anleger. Kein Wunder: Häufig sind die Gebühren so hoch, dass hohe Renditen fast unmöglich sind.

Ein Geschäft mit der Angst. Alle scheinen zu wissen, das die Zukunft rabenschwarz werden wird, alle rennen und raffen, um ihr möglichst noch zu entkommen. Nicht mehr lange und Arbeitslosigkeit wird in der Festung Europa mit dem Tode bestraft – mit dem Hungertod in Einzelhaft bei Hausarrest.

Im Prinzip ist es schon so.

Da wundert es nicht, das alte Häßlichkeiten auch nochmal aufgewärmt werden, hier Töne, die von der ZEIT aus dem jüdisch-christlichem Abendland aufgefangen wurden:

»Bewusste Juden«, so wurde am 5. Dezember der liberale Politiker Frits Bolkestein in der Zeitung De Pers zitiert, »müssen sich darüber klar werden, dass sie in den Niederlanden keine Zukunft haben.« Sie sollten mit ihren Kindern lieber nach Israel oder in die USA emigrieren.

Wenn die Nachricht die Börse erreicht, dann machen die dort ein Riesenfass auf: wieder einmal gibt es jüdische Immobilien zu Hauf, Arbeitsplätze werden frei und Vermögen verschleudert. Da ist wieder gut Reibach zu machen.

Gute Zeiten für Spekulanten.  Und wenn dann noch die Todesstrafe für Arbeitslosigkeit eingeführt wird und jeder gezwungen ist, seine Haut für 170 Euro im Monat zu Markte zu tragen, dann wird sich der Aktienkurs sicher nochmal verdoppeln.

Also: ´rauf auf den Zug, bevor er euch überrollt … oder?

Wer Frits Bolkestein in seinem Büro mit Amstel-Blick aufsucht, findet einen weißhaarigen Herrn vor, der einen sehr klaren, wenn auch bedrückten Eindruck macht. »Wenn Orthodoxe hier in Amsterdam eine Bar-Mizwa feiern, brauchen sie Wachleute. Die jüdischen Gemeinden müssen bei uns für ihre Sicherheit selbst bezahlen, die Regierung und die Stadtverwaltung schauen weg. Und die Politik hat Angst, das Problem anzugehen.«

Und es geht sogar noch weiter mit der „Verrohung des öffentlichen Raumes“:

Weil Ajax Amsterdam als »jüdischer Club« gilt (im Vorstand und auch im Team gab es gelegentlich Juden), rufen die Fans des Konkurrenten Feyenoord Rotterdam von den Stadionrängen »Hamas, Hamas, Juden ins Gas!«.

Und während die Opfer sich gegenseitig ausrotten, schaffen die Täter eine Million nach der anderen aus dem Land, damit das Geld auch ja schön knapp bleibt und alle noch mehr leiden.

Irgendwie … sollte es da doch Alternativen geben. Noch haben wir nicht 1933 – auch wenn der Kurs zielgenau dorthin führt.


Bankenterror: Taliban … ker nehmen Deutschland als Geisel

Wir wissen ja, wo der Feind steht. Gott sei Dank recht fern von hier. Früher war er näher dran, Frankreich im Westen, Russland im Osten. Gegen Frankreich haben wir 1914-1918 ganz ordentlich verloren, gegen Russland 1941 – 1945 ordentlich aufs Maul bekommen. Daraus hat die Bundeswehr gelernt. Wer nicht gerade als Frau auf der Gorch Fock Dienst tut, riskiert sein Leben sonst nur noch im fernen Hindukusch gegen Feinde ohne Panzer, Luftwaffe und Artillerie. Der Partisanenabwehrkampf gegen einen technisch weit unterlegenen Feind scheint das Metier des deutschen Soldaten, allerdings hatte man in Jugoslawien gegen Tito auch schon mal schlimm einstecken müssen … und ich sage nicht, das SPD und Grüne deshalb Bomben auf Serben geworfen haben.

Dabei ist der Feind der dort steht nichts gegen den Feind im Inneren. Dort sind es Taliban, hier sind es Talibanker, die in beispielloser Unverfrorenheit ihren Herrschaftsanspruch durchsetzen, wie der Spiegel berichtet:

Es geht um Hunderttausende Euro Schadensersatz – da wird mit harten Bandagen gekämpft: Im Prozess zwischen einem Mittelständler und derDeutschen Bank um den Verkauf von riskanten Zinswetten hat der Rechtsvertreter des Kreditinstituts mit einer harschen Aussage für Aufsehen gesorgt. Im Falle einer Niederlage für die Deutsche Bank vor dem Bundesgerichtshof (BGH) warnte Anwalt Reiner Hall vor einer „zweiten Finanzkrise“.

Dieser kleine Prozess am Rande der Aufmerksamkeit der Medien versinnbildlicht ein brandgefährliches Prinzip: den Kampf der Finanzwirtschaft mit ihren Schummelprodukten gegen die Realwirtschaft, die keine Löhne mehr zahlen kann, weil sie die Gelüste der Anlageberater befriedigen muß.

Im Kampf gegen die Banker, ihrem Finanzterror und ihrer Renditediktatur haben schon etliche Menschen Haus und Hof verloren, viele Kommunen sind nahe an der Pleite – und nun klagt erstmal ein Unternehmer:

Im konkreten Fall verlangt der hessische Hygienebedarfs-Hersteller Ille von der Deutschen Bank Schadenersatz nebst Zinsen für Einbußen von rund 540.000 Euro. Der Mittelständler hatte im Jahr 2005 ein Swap-Geschäft abgeschlossen – und war damit reingefallen, weil sich die Zinsen anders entwickelten als erhofft. Das Unternehmen fühlt sich falsch beraten und arglistig über Chancen und Risiken getäuscht. Der Seniorchef der Firma Ille, Willi Blatz, sagte dem SPIEGEL, er sei davon ausgegangen, sein Risiko bei dem Geschäft betrage höchstens 15.000 Euro. Er fühle sich „eiskalt über den Tisch gezogen“.

Man sollte mal eine Umfrage unter deutschen privaten Anlegern starten, wer sich von seinem Anlageberater nicht eiskalt über den Tisch gezogen fühlt. Vielleicht fangen wir bei denen an, die heute noch ihre Lehmanbrothersanteile als Hygieneartikel verbrauchen, um  nicht ganz leer auszugehen.

Nun scheint das Gericht eher dem Opfer zu folgen. Das veranlaßt den Vertreter der Bank zu deutlichen Warnungen:

Der Rechtsvertreter der Deutschen Bank, Reiner Hall, griff zu drastischen Worten, als er vor der Tragweite eines für das Institut negativen Urteils warnte. „Dann lösen Sie eine zweite Finanzkrise aus“, sagte Hall an das Gericht gewandt. Seine Begründung: Damit schaffe der BGH eine neue Pflicht für die Banken zur Aufklärung über ihre Renditen, auf die sich alle Kunden berufen könnten, deren Spekulationen schiefgegangen seien. „Da kämen Milliardenforderungen auf die Banken zu“, sagte Hall.

Auf Deutsch: Wenn wir die Kunden nicht mehr eiskalt über den Tisch ziehen dürfen, machen wir Euch alle platt!

„Deutsche Bank gegen Mittelstand“ – so lautet deshalb auch der Titel der Printausgabe des heutigen Handelsblattes.

Auch die Welt übt sich in Kritik:

Die Fundamentalkritik des BGH an dieser Vertriebspraxis ist nur zu berechtigt. Die Banker versprachen den Kämmerern eine „Optimierung“ ihrer Zinszahlungen – in Wirklichkeit verkauften sie Wetten auf die Entwicklung des Zinsmarktes, die mit den Kreditverpflichtungen der Städte nichts zu tun hatten. Zockerprodukte Kommunen anzubieten ist dreist und trägt zum Bild des gierigen Bankers bei.

Nun weist der Autor auch auf die Verantwortung der kommunalen Mitarbeiter hin, vergißt jedoch zu erwähnen, das dieser Mitarbeiter den in allen Manipulationspraktiken geschulten Verkäufern der Banken erstmal hilflos ausgeliefert ist – und eigentlich keinen Grund hatte, zu vermuten, das ihn seriöse Bankangestellte brutal hinters Licht führen. „Arglistige Täuschung“ – so nannte man das früher. Heute ist das „business“, das skrupellosen, verantwortungsscheuen asozialen Charakteren aller Branchen die Chance gibt, auf Kosten anderer gigantische Vermögen anzuhäufen – und das bislang ganz legal.

Da der Geldkreislauf ein geschlossenes System ist, muß der „Stoff“ für die großen Haufen oben irgendwo herkommen. Gigantische Vermögen auf der einen Seite haben „Nebenwirkungen“ für andere Seiten, Nebenwirkungen, die gerne billigend in Kauf genommen werden. Von einer Nebenwirkung berichtet aktuell die „Welt“:

Der Anstieg der privaten Insolvenzen liegt in Deutschland über dem europäischen Schnitt. Schuld sind Experten zufolge niedrige Löhne.

Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs mussten im vergangenen Jahr mehr Privatpersonen Insolvenz anmelden als im Vorjahr. Ihre Zahl stieg hierzulande um 7,6 Prozent auf fast 140.000 Personen. Das sind 19.000 mehr als 2009. In ganz Westeuropa stieg die Zahl der Privatinsolvenzen um 5,2 Prozent. „Wir beobachten seit 2005 einen permanenten Anstieg der Privatinsolvenzen“, sagt Helmut Rödl, Vorstandsvorsitzender des Inkassounternehmens Creditreform, das diese Zahlen zusammengetragen hat.

Der deutsche Bürger geht Pleite, während professionell geschulte Anlagebetrüger Berge von Geld anhäufen, das als Schmiermittel für den Betrieb der Wirtschaft dringend gebraucht würde. Und wenn man sich mit rechtsstaatlichen Mitteln dagegen wehrt … droht der Talibanker mit Totalkollaps.

Um so etwas äußern zu dürfen, muß man sich seiner Macht im Staate schon sehr sicher sein, fürchte ich.

Dabei sollte die Meinung des Gerichtes nicht verwundern. Im letzten Jahr gab es schon mal Urteile, die die Qualität der „Beratung“ berücksichtigten, hier zitiert bei daily paragraph:

Das Landgericht Bonn hat Bankkunden beim Streit um Verluste mit Lehman-Zertifikaten den Rücken gestärkt. Die in Targobank umgetaufte Citibank muss einer Kundin den Totalverlust mit Lehman-Zertifikaten ersetzen und zusätzlich Zinsen zahlen (Aktenzeichen: 2 O 221/09). “Der Fall zeigt, dass die Citibank Kunden für das eigene Gewinnstreben missbraucht hat”, erklärt Hartmut Göddecke, Fachanwalt für Bank und Kapitalmarktrecht in Siegburg. Die Kanzlei Göddecke hat im Urteilsfall die Anlegerin erfolgreich gegen die Citibank vertreten. Vor Gericht wurde deutlich, dass die Citibank ihre Anlageberater angewiesen hatte, die Anlageziele von Kunden zu ignorieren, um provisionsträchtige Produkte in den Markt zu drücken. Die Citibank heißt seit Anfang 2010 Targobank.

Schaue ich mir die Geschäfte der Deutschen Bank an, scheint mir das Ignorieren der Anlageziele der Kunden System zu haben, es sei denn, der Kunde wünscht ausdrücklich ein „Glücksspiel“. Aber dafür könnte man ihn doch auch an den Roulettetisch setzen, dann wäre ihm auch ganz deutlich klar, wofür er gerade sein Vermögen aufs Spiel setzt. Um alles auf rot zu setzen, braucht er nicht noch zusätzlich hohe Provisionen an die Bank zu zahlen.

Das Bild des „dreisten und gierigen Bankers“ ändert sich auch nicht dadurch, das man den „dummen Kunden“ auf die andere Seite setzt. Der Fehler des Kunden war nur, nicht zu sehen, das in dem teuren Anzug ein … Talibanker sitzt und kein vertrauenswürdiger Geschäftspartner. Ein Feind der demokratischen Wertegemeinschaft und zivilisierter Geschäftspraktiken im Nadelstreifenanzug, ohne Bart und Turban.

Aber bekämpft werden andere: Arbeitslose und ihre Kinder, siehe Spiegel:

Ursula von der Leyen und Manuela Schwesig haben es nicht geschafft: Die Verhandlungen über die Neuberechnung des Hartv-IV-Regelsatzes sind in der Nacht gescheitert.

Genau vor einem Jahr, am 9. Februar 2010, hatte das Bundesverfassungsgericht eine transparente Neuberechnung der Hartz-Sätze verlangt. Von der Leyen will eine Erhöhung des Regelsatzes für Erwachsene um 5 auf 364 Euro und ein Bildungspaket für bedürftige Kinder mit Zuschüssen für Schulmaterial, Freizeitaktivitäten und warmes Mittagessen in Schule und Kita.

Über Bonuszahlungen für Pleitebanker möchte ich in diesem Zusammenhang jetzt nicht reden – ich habe gerade gefrühstückt. Die Investition möchte ich nicht umsonst getätigt haben.


Chemtrails, künstliche Erdbeben, die Krise der USA und der unglaubliche deutsche Aufschwung

Chemtrails gibt es nicht. Das habe ich gelernt. Viele Piloten kommentieren engagiert im Internet, das es sie nicht geben kann. Piloten haben ja in der Regel auch sonst nichts Besseres zu tun. Ich bin ja nun etwas älter und gesundheitlich ein wenig angeschlagen, weshalb man mir verzeihen sollte, das ich immer wieder verwundert darüber bin, Himmelsbilder zu sehen, die es in meiner Jugend so nicht gab. Gestern war es wieder soweit. Ich habe erst überlegt, das mal zu photographieren, dachte mir aber dann selbst: lasse das mal lieber sein, es kommen ja sowieso nur die Fachleute, die mir detalliert erklären, wieso das alles normal ist. Heute jedoch mache ich die Erfahrung, das We Are Change dieselbe Erfahrung in Zürich gemacht haben:

Heute gab es in vielen Orten der Schweiz wunderschönes Wetter mit einen Vorgeschmack auf den Frühling. In Zürich wurde der stahlblaue Himmel allerdings schon gegen Mittag stark in mittleidenschaft gezogen.

Genauso sah es bei uns auch aus. Potthäßlich. Und wie üblich bildete sich im Laufe der Zeit ein häßlich-schmieriger Schleier von … Wasweißich. Nun ja – vielleicht fliegen ja wirklich einfach nur zu Viele der steuersubventionierten Billigflieger durch die Luft. Warum ich allerdings deren Sprit subentionieren soll, damit die dem häßlichen Dunstschleier entkommen und in der Türkei ausspannen können, erschließt sich mir nicht ganz.

Ebensowenig wie die Tatsache, das manche „gefühlte“ Wirklichkeiten keinen Widerhall in den Nachrichten finden, wie zum Beispiel die hier bei BND:

Die Erdbebenrate rund um den Planeten nimmt drastisch zu. Auch was die Intensität der Eruptionen angeht steigt der Seismogarphenausschlag vielerorts rapide an. Woran liegt dies? Man liest davon, dass die magnetischen Pole pro Jahr um ca 10 Km wandern und auch, dass ein genereller Pol-Shift (Polsprung) bevor steht. Wenn dem so sein sollte und sich die Rotation der Erde an den neuen magnetischen Polpositionen orientiert und anpasst erklärt das die Zunahme an Erdbeben.

Warum berichten die Massenmedien nur vereinzelt darüber und stellen keine Zusammenhänge dar?

Eine interessante Frage. Die Antwort ist einfach: sie berichten nicht darüber, um Panikkäufe zu vermeiden. Die werden momentan dann auch eher von Staaten vorgenommen, wie Wirtschaftsfacts berichtet:

Rohstoffhändler warnen vor ersten Anzeichen für Panikkäufe durch Staatsregierungen, die große Bedenken über die politischen Auswirkungen der steigenden Preise für Lebensmittel sowie bestimmte Gemüse- und Fruchtsorten hegten.

Vielleicht gibt es da ja auch noch andere Hintergründe. Auch bei den Erdbeben gab es ja Gerüchte, manche Hobbyforscher entdeckten merkwürdige Synchronizitäten, andere sprachen gar davon, das Erdbeben auch von Menschen ausgelöst werden könnten. Das das nicht geht, ist uns ja allen klar … allen, außer den Schweizern, wie die Welt berichtet:

Am 8. Dezember hatte ein Beben der Stärke 3,4 viele Menschen in Basel und Umgebung erschreckt. Es war von Arbeiten am Geothermie-Projekt ausgelöst worden, in mehreren Kilometer Tiefe wurde Wasser mit hohem Druck ins Gestein gepresst. Das Gestein sollte so stärker zerklüftet werden, um später Wasser zur Wärmegewinnung hindurch leiten zu können. Eine Woche nach dem Erdstoß wurde Basel von einem Nachbeben der Stärke 2,5 erschüttert. Das dritte schwere Nachbeben wurde dann am vergangenen Wochenende registriert.

Nach dem ersten Beben war das Erdwärme-Projekt vorläufig gestoppt worden. Die Basler Regierung wird voraussichtlich Ende Januar über die Zukunft der Pionierarbeiten entscheiden.

Es geht also doch … nur nicht in Haiti.

Das etwa zeitgleich mit dem Auftreten der Chemtrails das Ozonloch verschwunden ist, das uns fast alle zu Asche verbrannt hätte, begrüße ich. Seitdem habe ich auch keinen „Ozonalarm“ mehr in den Nachrichten vernommen. Ob jetzt alle Erdbeben künstlich ausgelöst werden, weiß ich nicht, ich denke aber schon, das man prinzipiell fragen darf, was denn in den Geheimkammern der Militärs weltweit so herumliegt, vor allem da es jetzt eine Nation gibt, die mir große Sorgen bereitet und deren offizielle Waffensysteme schon bedrohlich genug sind. Bei „das-bewegt-die-Welt“ gibt es Zahlen zu diesem Land:

Die US-Regierung hat 2010 alleine fast genau so viel Schulden angehäuft wie alle anderen Regierungen weltweit zusammen – nämlich

fast 2 Billionen US-$. Bei den Militärausgaben das gleiche Bild – hierfür wenden die USA alleine in etwa soviel Geld auf, wie der Rest der Welt zusammen! Und der Militärhaushalt ist in den USA als einzelner Posten fast so groß, wie alle anderen Ausgabenbereiche ( Soziales, Infrastruktur, Gesundheit, Forschung, Bildung usw… ) zusammen genommen.

Die unteren 40% der US-Einkommensbezieher besitzen zusammen weniger als 1%des nationalen Reichtums.

32 US-Staaten sind nicht mehr in der Lage, ihren Verpflichtungen nachzukommen, Arbeitslosengelder auszuzahlen. Nun muss die US-Regierung für die Staaten einspringen. Alleine Kalifornien musste sich von dort über 7 Milliarden Dollar ausborgen.

40 % der Amerikaner arbeiten in Billigjobs, 40 Millionen überleben nur noch mit Essensmarken … da steht einem Land aber das Wasser bis zum Hals. Und die Entwicklung geht immer so weiter, wenn man der FTD trauen kann:

Für das vergangene Jahr entlohnen die US-Banken ihre Mitarbeiter so großzügig wie noch nie: 135 Mrd. Dollar schütten die 25 größten Finanzunternehmen insgesamt aus. Dabei gelten die umstrittenen Prämien als eine Ursache der Finanzkrise.

Das ist mehr als das Bruttosozialprodukt von Neuseeland, Marokko, Kuweit … oder vieler anderer Länder dieser Welt, die am Hungertuch nagen, wie man bei Index mundi nachlesen kann.

Ob Hillary Clinton deshalb 180 US-Botschafter in die USA zurückbeordert hat, vermag ich nicht zu sagen – noch, ob da Pläne besprochen worden sind, wo bald welches Wetter herrscht und welche Beben zu erwarten sind. Aber ich weiß, das ich nichts darüber erfahren werde, welche Pläne dort zur Sprache kamen, und ohne the Intelligenz hätte ich das auch nicht wahrgenommen:

Es handelt sich um ein historisches Ereignis. Die US-Botschafter aus 180 verschiedenen Ländern wurden vergangene Woche nach Washington einberufen. Als Anlass für dieses seltene, wenn nicht überhaupt beispiellose, Treffen können die politischen Spannungen in Tunesien und Ägypten nur teilweise angenommen werden, nachdem es angeblich schon seit längerer Zeit geplant war. Seit den Veröffentlichungen diplomatischer Nachrichten durch Wikileaks, dürfte den üblichen Kanälen zur Übermittlung von Informationen nicht mehr ausreichendes Vertrauen geschenkt werden. US-Außenministerin Hillary Clinton sprach von „kritischen Zeiten für die amerikanische Weltherrschaft“.

Ich kann mich nicht des Eindrucks erwehren, das hinter den Kulissen der Weltpolitik neue „Erdbeben“ geplant werden, verborgen hinter neuen den Himmel verdunkelnden Schleierwolken.

Wie gut das wir in Deutschland leben und mit all dem Treiben nichts zu tun haben. Wir machen uns eher Gedanken über das Privatleben unserer Promis, den Tabellenstand unseres Fußballvereins oder das unglaubliche Glück, mitten in der Krise in einem Aufschwungland zu leben, wie Querschüsse darstellt:

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWI) berichtete heute von einem gesunkenen preis-, arbeitstäglich- und saisonbereinigten (X-12 ARIMA) Auftragseingang der deutschen Industrie im Dezember 2010 von -3,4%, im Vergleich zum Vormonat (+5,2% im November). Die Inlandsaufträge sanken saisonbereinigt um -2,4%, während die Auslandsaufträge um -4,2% sanken.

Wären nicht diese Minuszeichen, so würde man die Zahlen ganz dick und breit von jedem Massenmedium um die Ohren gehauen kommen, ebenso wie die Wahrheit, das es keine Absprachen und Pläne  hinter den Kulissen der Weltpolitik gibt, das die Tagesschau uns immer und überall beständig über alles informiert, was wirklich in der Welt los ist und wir alle glücklich und zufrieden bis an unser Lebensende im bundesdeutschen Paradies leben, tagtäglich versorgt mit ständig neuen Talkshows, damit wir nicht mehr selber reden brauchen – selber denken ist ja sowieso schon out, weil das unter „Verschwörungstheorie“ läuft.

Wahrscheinlich ist der Zweifel am deutschen Megaaufschwung selbst auch schon … Verschwörungstheorie, die nicht gern gesehen ist. In Wirklichkeit ist die Welt ja in guten Händen, wie das Handelsblatt berichtet:

Jahrelang verkaufte die Deutsche Bank an Hunderte Firmen und Kommunen hochkomplexe Zinswetten. Am Dienstag entscheidet erstmals der Bundesgerichtshof über die Schadenersatzklage eines Mittelständlers – und womöglich darüber, ob die Bank ihre Kunden mit den Derivaten hinters Licht geführt hat. Das Urteil könnte für die Bank weitreichende Folgen haben.

Auch im Manager Magazin gibt es da beruhigende Perspektiven:

Die Finanzaufsicht in Südkorea untersucht die Rolle der Deutschen Bank bei einem ungewöhnlich starken Kursverfall an der Börse im November. Die Behörden prüften, ob Abteilungen der Bank in Hongkong und in Südkorea durch Marktmanipulationen oder unfaire Handelspraktiken den Kurssturz ausgelöst hätten, sagte ein Sprecher der Finanzaufsicht am Montag in Seoul.

An den aufschwunghemmenden Praktiken der Staatsanwaltschaften muß noch etwas gefeilt werden, denke ich. Aber sonst … ist doch bis zum ganz großen Beben alles in Ordnung, mal abgesehen von Rekordwintern, Rekordstürmen, Rekordfluten …


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