Wirtschaftskriege

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Sozialstaatsabbau ist teuer, forciert Wirtschaftskrise und Wirtschaftskriege

Lange Zeit hieß es ja auch bei uns:  „Von den USA lernen heißt siegen lernen“ – und wenn man sich die aktuelle staatliche Wirtschaftspolitik in Deutschland so anschaut, dann kann man sich des Eindruck nicht erwehren, als ob hier ein neues Bundesland der USA entstehen soll. Rente bald mit 69 (man sollte aber besser privat vorsorgen, um überhaupt noch Geld zu bekommen), Arbeitslosenunterstützung nur noch für fünf Jahre (wenn überhaupt), Abbau der Leistungen im Gesundheitswesen (ausgenommen der Arzthonorare) … alles schon angedacht und in Planung.

Nun haben die USA ja gerade Krise – möglicherweise die größte Krise ihrer Geschichte, eine Krise, die auch Fed-Chef Bernanke laut Manager-Magazin beunruhigt.

Sollte die Arbeitslosigkeit auf dem aktuellen Niveau bleiben, werde dies zu „sehr ernsthaften ökonomischen und sozialen Konsequenzen“ führen, sagte Bernanke am Dienstag (Ortszeit) auf einer Veranstaltung der Universität von Ohio. Betriebe und private Haushalte zögerten mit Investitionen und Konsum, weil sie über ihre künftigen Einkommen unsicher seien. „Neue Arbeitsplätze zu schaffen, die Arbeitslosigkeit zu reduzieren, ist daher von unglaublicher Bedeutung“, mahnte Bernanke.

Offiziell haben die USA gerade eine Arbeitslosenquote von 10%. Real dürfte sie höher liegen … so bei einem Artikel bei Telepolis Anfang diesen Jahres:

US-Arbeitsmarktexperten gehen davon aus, dass die Arbeitslosenquote tatsächlich eher bei 17 % als bei 10 % liegt.

Einer der Statistik-Tricks der USA ist die Integration des Strafvollzuges in den Arbeitsmarkt, wie das Petra Willaredt im Netzwerk-Regenbogen schon 2003 berichtet:

Zuletzt in der Rezension über das Buch von Barbara Ehrenreich über die US-amerikanischen „working poor“1, hatten wir auf das Buch von Bruce Western und Katherine Beckett hingewiesen, das faktenreich den Mythos vom US-amerikanischen „Job-Wunder“ widerlegt. In ihrer Studie ‚Das Strafrecht als Institution des US-amerikanischen Arbeitsmarktes‘ wiesen Western und Benett nach, daß die Arbeitslosenzahlen in der USA „bereinigt“ werden, indem die Justiz dort Menschen (darunter überproportional viele Schwarze) massenhaft wegsperrt. Rechnet mensch die Zahl der Inhaftierten heraus, liegt die Arbeitslosenquote auf demselben Niveau wie in Deutschland. Da außerdem entlassene Häftlinge weitaus schlechtere Chancen auf einen Job haben und demzufolge die Rückfallquote in den USA mit 70 Prozent sehr hoch ist, „verschwinden genau jene, deren Arbeitslosigkeits-Risiko hoch ist, aus der Statistik“, so Western und Beckett.

Genau dieses Job-Wunder der USA hatte damals aber mit zum Sozialabbau in Deutschland geführt, war von etablierten Medien in breiter Front als beispielhaft bejubelt worden: Jobwunder gibt es nur durch Sozialabbau.

Nun haben wir das Jahr 2010, der Herr Bernanke von der FED druckt Geld in unbegrenzten Mengen, das die Aktienmärkte beflügelt, neue Blasen ermöglicht. Mit Geld war er schon immer sehr großzügig gewesen, auch vor der Krise, wie das Handelsblatt berichtet:

Der bekannte Ex-Investmentbanker, Uni-Professor und Wall-Street-Kritiker Frank Partnoy weist in einem Gastbeitrag in der „Financial Times“ außerdem darauf hin, dass die Daten der Aussage von Fed-Chef Ben Bernanke widersprechen, es sei der Fed unmöglich gewesen, Lehman Brothers zu retten, ohne das Gesetz zu brechen. Die Daten zeigen Partnoy zufolge, dass andere Investmentbanken und in geringerem Umfang auch Lehman bereits deutlich vor dem Lehman Kollaps Fed-Kredite bekommen hätten. So habe etwa die später an JP Morgan verkaufte und dadurch gerettete Investmentbank Bear Stearns im März einen Kredit von 28 Milliarden Dollar von der Fed erhalten.

Kein Wunder, das da viele die Krise mit Gewinn überstanden haben. Da die Herren des Geldes aber lieber virtuelle anstatt reale Werte schaffen, bleibt ein Problem: keiner will mehr Geld für Arbeitskraft ausgeben, weil der Prozeß der Umwandlung von Arbeitskraft in Rendite viel anstrengender ist, als der Prozeß, mithilfe von Börsentricks und Anlagespielereien in wenigen Tagen zum Millionär zu werden. Da lebt halt die Spitze der Wirtschaft genau jene Faulheit vor, die sie den Verlierern des Systems gern unterstellt.

Was macht nun Bernanke? Nachdem er vor der Krise Geld gab, damit man sie herbeispekulieren konnte, während der Krise Geld gab, damit die Reichen bloß keinen Cent verlieren gibt er nun nochmehr Geld in der Hoffnung, das irgendwann schon irgendwer irgendwo einen Arbeitsplatz damit schaffen wird. Aber die Arbeitsplätze bleiben aus, dafür drohen Wirtschaftskriege:

Doch, kurzfristig könnten die US-Unternehmen von den Wechselkurskapriolen der US-Notenbank profitieren und ihre Exporte ausbauen. Doch selbst das wird nicht lange für Gutes aus Sicht der Amerikaner sorgen. Denn viele Volkswirtschaften weltweit könnten so destabilisiert werden, dass deren Nachfrage nach US-Waren bald sinkt.

Die neue US-Notenbank-Expansion könnte selbst unter befreundeten Staaten – Europa, Japan und Schwellenländer, deren Währungen mit freien Wechselkursen gebildet werden – als Akt der Aggression angesehen werden.

So der Ökonom Aslund im Manager Magazin.  Merkel und Brüderle werden die „AUFSCHWUNG“-Parolen im Hals stecken bleiben, wenn sie merken, das US-Firmen sich wieder mehr Marktanteile sichern und so die Pläne deutscher Konzerne torpedieren. Immer mehr Dollar zu drucken macht den Dollar immer wertloser aber US-Waren im Ausland billiger. Eine bequeme Methode, sich Konkurrenz vom Hals zu schaffen.  Gibt es jetzt noch mehr Geld zum Abbau der Arbeitslosigkeit, dreht sich die Spirale noch schneller. Spannend ist jedoch, was der Ökonom des Manager Magazins den USA als Lösung empfiehlt:

Die Jobsucher in Europa können sich auf ein verlässliches soziales Netz verlassen und eine universelle Krankenversicherung. Das brauchen die USA auch. Dann würden auch die Vereinigten Staaten über einen automatischen Stabilisierungsmechanismus verfügen – und die US-Regierung könnte sich ihre Holzhammermethoden sparen.

Eigentlich eine Sensation, die auf die Titelseiten aller Zeitungen gehört und nicht nur versteckt in einem Fachmagazin, das kaum jemand liest. Möglicherweise würde ja der deutsche Wohlstandsbürger wieder freundlicher über den Sozialstaat denken, wenn er sehen würde, das als letzte Lösung – nach jahrzehntelangem Abbau – letztlich nur das lückenlose soziale Netz die USA vor dem endlosen Gelddrucken und seinen häßlichen Folgen schützt. Und – wie toll – nebenbei haben auch echte Menschen was davon und nicht nur virtuelle Bilanzen.

Selbst das Wegsperren von Arbeitslosen hat sich als wirtschaftlich uneffektiv erwiesen (allerdings nicht für die Firmen, die das privat erledigen, die Gewinne in dem Sektor waren recht ordentlich) – Gott sei dank, bevor wir auch in diesem Land in großem Maßstab damit angefangen haben. Eigentlich auch logisch: die Nutzung von Arbeitskraft ist immer billiger als ihre Vernichtung – so wird rein wirtschaftlich betrachtet auch ein Konzentrationslager ein Verlustgeschäft, das nur Geld (und Menschen) verbrennt.

Insofern wäre die Hoffnung, das wir vielleicht doch noch die Kurve kriegen und mit dem Sozialstaatsabbau aufhören, bevor wir merken, das das auch sehr teuer wird, selbst wenn wir von Hartz IV auf Hartz NULL übergehen und alle Arbeitslosen als Strafe für ihre unverschämte Weigerung an der Teilnahme des neuen deutschen Traums mitzuwirken einsperren.


Koreakrieg 2.0, Weltkrieg 3.1 und unbequeme Wahrheiten über deutsche Soldaten in China

Es ist jetzt über fünzig Jahre her, da hatten wir eigentlich schon den dritten Weltkrieg. Nach dem Sieg über Nationalismus und Nationalsozialismus führten Kapitalismus und Kommunismus Krieg in Korea. Der Krieg breitete sich zwar nicht weltweit aus, dafür war aber die Welt beteiligt. Auf der einen Seite: China, Russland und Nordkorea, auf der anderen Seite Südkorea und die UN.

Der Krieg dauert bis heute an, es gibt im Prinzip – wie auch bei den Feinden des zweiten Weltkrieges – nur einen Waffenstillstand. Wird der Waffenstillstand durch Waffengewalt gebrochen, kann man also zu Recht wieder davon sprechen, das Krieg ist.

Die vor kurzem versenkte Fregatte war noch mit Mühe und Not als Unfall, als Irrtum oder als einzelgängerischer Akt eines verwirrten U-Boot-Kapitäns durchgegangen. Zu groß wäre der Schaden für die Börse, wenn man sich der Wahrheit stellen würde, das dort unten wieder ein Krieg ausbricht. Dabei waren Kriege für die Wirtschaft der USA immer ein großer Gewinn, ja, man kann sagen: dieses Land ist durch seine Kriege überhaupt erst zur Weltmacht geworden. Ist ja auch eine Eroberernation, da liegt das kriegerische Element schon im Blut.

Kein Wunder also, das Obama laut Tagesschau gleich an die Seite seiner Verbündeten eilt:

US-Präsident Obama ist empört über den nordkoreanischen Artilleriebeschuss der Insel Yeonpyeong. Er will den Konflikt aber offenbar nicht anheizen und beordert vorerst keine weiteren Truppen in die Region. Doch er sicherte Südkorea vollen Rückhalt zu.

Nun – er hat ja auch keine Truppen mehr.  So oft, wie erwähnt wurde, das die USA neben Afghanistan und Irak keinen weiteren Einsatz mehr aushalten, dürfte das auch in Nordkorea angekommen sein. Man schießt ja auch nicht umsonst auf Spaß auf ein anderes Land, mit dem man sich noch im Krieg befindet.

Die FAZ blickt deshalb voller Hoffnung nach Peking – was man von Deutschland aus ja immer gerne tut.

Die militärische Provokation Nordkoreas könnte Ergebnis ungeklärter Machtverhältnisse im kommunistischen Regime sein. Die Führung scheint in deutlich kriegerischerer Stimmung zu sein als in der jüngeren Vergangenheit. Die Lösung für den Konflikt liegt in Peking.

Da schlägt die ZEIT schon ganz andere Töne an

Es ist die wohl gefährlichste Krisensituation seit dem Ende des Koreakrieges 1953: Nordkorea hat mindestens 200 Granaten auf die grenznahe südkoreanische Insel Yeonpyeong im Gelben Meer gefeuert. Zwei südkoreanische Soldaten starben, mehrere wurden verletzt, zahlreiche Häuser gerieten in Brand. Unmittelbarer Auslöser für den nordkoreanischen Beschuss dürfte ein Manöver Südkoreas vor der Westküste gewesen sein. Dabei seien laut einem südkoreanischen Militärvertreter Dutzende Geschosse getestet worden, diese hätte man jedoch in Richtung Westen und nicht in Richtung Norden abgefeuert. Pjöngjang soll mehrere Protestnoten gegen die Übung der Kriegsmarine an Seoul geschickt haben.

Das südkoreanische Manöver begann am Montag, nur drei Kilometer von der Seegrenze zum Norden entfernt. Diese sogenannte Northern Limit Lineist umstritten zwischen den beiden Staaten, die offiziell immer noch im Kriegszustand sind. Sie wurde nach dem Ende des Koreakrieges 1953 von den UN festgelegt, da es keinen Friedensvertrag gab. Allerdings hat Nordkorea die Grenze nie akzeptiert. Mit dem Beschuss Yeonpyeongs erhofft sich das Regime möglicherweise, seine Position für spätere Verhandlungen um einen Friedensvertrag zu stärken.

Ein paar hundert Granaten abzuschießen dient nicht immer dem Frieden, denke ich. Man hat normalerweise was anderes im Sinn, wenn man Granaten auf ein verfeindetes Land schießt.

Natürlich denkt man: keiner wird doch so blöde sein, einen Krieg zu wollen – mitten in der Wirtschaftskrise. Nun – der Nutzen für die USA liegt klar auf der Hand: das gibt wieder Aufschwung. Und die USA sind seit einigen Jahren eine Nation, die schon mal gerne grundlos in andere Länder einmarschiert, einfach … weil manes kann und weil gewisse wahlkampffinanzierende Kreise sich eine goldene Nase daran verdienen können.

Zudem wird China frech. Das deutsche Bild vom freundlich konsumierenden, ewig lächelnden Chinesen ist da etwas einseitig. China hat als Nation eine lange, imperiale Tradition. China ist eine der ältesten Kulturnationen der Menschheit … eigentlich DIE älteste Kulturnation der Menschheit. Aus der Sicht vieler chinesischer Gelehrter sind wir … schlichtweg Barbaren. Wir waren früher Barbaren, wir sind heute Barbaren und werden es immer bleiben.  Allein schon, wie wir Akupunktur betreiben … einfach barbarisch.

Selbst wenn die kommunistische Partei Chinas ihr kommunistisches Sendungsbewußtsein verkauft haben sollte (wovon ich persönlich erstmal nicht ausgehen würde), so hat man es immer noch mit einem gestiegenem Nationalbewußtsein zu tun … und einer Nation, die (hier bei OpenPr) auf sanfte Weise sehr aggressiv ist:

Nun, wo China in großem Umfang seine Staudämme baut und Wasserkraftwerke betreibt und seine Autorität geltend macht, wird dies, so Solomon, größere Auswirkungen auf das jahreszeitlich bedingte Wasservolumen, die Wasserqualität und das Ökosystem der Flüsse weiter abwärts haben, und damit auf die Nahrungsmittelsicherheit, die Energiegewinnung und die politische Stabilität ihrer Anrainerstaaten.

Insbesondere beobachtet Indien mit großem Argwohn, wie China riesige Staudämme am Brahmaputra (2) baut, und ist – all den gegenteiligen Behauptungen und Beschwichtigungen Pekings zum Trotz (3) – sehr besorgt, daß China Wasser aus diesem Fluß ableiten könnte, um sein gigantisches Nord-Süd-Wasser-Umleitungsprojekt zu speisen.

Welch´ Zufall, das man sich das tibetische Hochland früh genug gesichert hat, in dem man diese Projekte jetzt durchführen kann. Da hat man den Satz, das zukünftige Kriege um Wasser geführt werden,  sehr ernst genommen. Es geht aber noch nicht um Wasser. Es geht erstmal noch und wieder  (AG Friedensforschung) ums Öl … und Saddam Hussein könnte ein Lied davon singen, was geschieht, wenn man zwischen die Amerikaner und ihr Öl gerät – wenn er denn noch singen könnte.

In seiner Konferenzrede bezeichnete der US-amerikanische Verteidigungsminister das Südchinesische Meer als »Gebiet wachsender Besorgnis«. Seine Regierung sei gegen »Aktionen, die die Freiheit der Schiffahrt behindern«. Außerdem widersetze sie sich »jedem Versuch, auf Unternehmen der USA oder irgendeiner anderen Nation, die legitime wirtschaftliche Aktivitäten betreiben, Druck auszuüben«. Gates spielte damit auf ein Problem an, das im Juli 2009 zu Spannungen zwischen Washington und Peking geführt hatte. Die chinesische Regierung hatte damals US-Firmen verwarnt, die in einem gleichermaßen von China wie Vietnam beanspruchten Seegebiet mit vietnamesischer Genehmigung Ölbohrungen durchführen wollten. Der »Druck« bestand lediglich in der Ankündigung, daß diese Unternehmen bei Fortsetzung ihrer Tätigkeit mit Nachteilen auf dem chinesischen Markt rechnen müßten. Der US-Regierung, die selbst in großem Maßstab mit Sanktionen gegen ausländische Firmen agiert, scheint diese Reaktion bis heute unerträglich.

Sowas geht in der bundesdeutschen Öffentlichkeit schnell unter – weil es ja auch die schöne deutsche Handelswelt gefährden könnte. Dabei ist die Situation aus der Sicht der Chinesen sehr ernst … und ist sicher seit dem Irak-Krieg, der zeigte, das die USA mitlerweile auch aggressiv militärisch agieren, nicht beruhigender geworden, siehe AG Friedensforschung:

Die New York Times nahm die Ereignisse am 23.April zum Anlaß für einen großangelegten Alarmruf unter dem Titel »Die chinesische Seemacht dehnt sich auf von den USA beherrschte Gewässer aus«. Zwar enthält dieser Artikel mittendrin auch die sachlich schwer zu bestreitende Feststellung: »Die Ausdehnung auf den Meeren wird China in naher Zukunft nicht zu einem ernsthaften Konkurrenten der amerikanischen Seeherrschaft machen. Es gibt wenig Anzeichen, daß China aggressive Absichten gegen die USA oder andere Staaten hat.« Ansonsten war der Artikel aber eher auf das Produzieren von Aufgeregtheit angelegt.

In diesem Zusammenhang wurde Robert F. Willard, der Chef der US-Marine im Pazifik, zitiert. Der Admiral hatte während eines Ausschuß-Hearings im Abgeordnetenhaus am 23. März die Entwicklung der chinesischen Streitkräfte als »ganz schön dramatisch« bezeichnet. Insbesondere hatte Willard den für das US-Denken bezeichnenden Vorwurf erhoben, China entwickle militärische Kapazitäten, die offenbar darauf gerichtet seien, »die Handlungsfreiheit der USA in der Region in Frage zu stellen«. Das Militär der Vereinigten Staaten spricht von »anti-access and area denial strategies«, also von Strategien, deren Ziel es sei, den US-Streitkräften den »Zugang« zu bestimmten Gebieten – wohlgemerkt in unmittelbarer Nähe des chinesischen Festlands – streitig zu machen. Das gilt aus vorherrschender amerikanischer Sicht als unzulässig und nicht hinnehmbar.

Der Anspruch der US-Marine, ständig und überall jederzeit landen zu können wie es ihnen gefällt, ist für die USA selbstverständlich. Selbstverständlich wird damit auch den Chinesen das Recht abgesprochen, ihre Küsten verteidigen zu dürfen – was schon ziemlich nerven kann, wenn man Chinese ist. Denkt man aber noch weiter, wird es richtig windig:

Indessen haben die herrschenden Kreise der USA auf Chinas »Kernfragen« niemals viel Rücksicht genommen. Sie beliefern Taiwan massiv mit Waffen und unterhalten regelmäßige gute Beziehungen zu den tibetischen Separatisten. Auch die explizite Drohung von US-Präsident Barack Obama vor einigen Wochen, Atomwaffen gegen Nordkorea, also in unmittelbarer Nähe des chinesischen Festlands, einzusetzen, demonstriert den völligen Mangel an Respekt gegenüber China. Trotzdem hat die chinesische Regierung gegen diese Äußerung nicht einmal protestiert.

Auch zu den Raketenabwehrplänen der USA hält Peking sich mit Kritik zurück, obwohl diese für China weitaus gefährlicher sind als für Rußland. Denn da die chinesischen Streitkräfte nur über sehr wenige Raketen verfügen, die Atomsprengköpfe bis in die USA tragen könnten – vermutlich deutlich weniger als 100 –, droht eine funktionierende amerikanische Raketenabwehr, Chinas ohnehin nur geringe nukleare Zweitschlagskapazität mehr oder weniger vollständig auszuschalten. Das könnten die USA als Einladung zu einem massiven Atomangriff gegen das chinesische Festland verstehen. China hat als einzige der Atommächte von Anfang an unmißverständlich erklärt, daß es niemals und unter keinen Umständen als erste Nuklearwaffen einsetzen wird.

Selbst wenn man an ein friedliches Krämerseelenchina glaubt, wird es langsam klar, das es manchen chinesischen Politiker das Gefühl beschleichen kann, das einem das Wasser bis zum Hals steht, erst recht, wenn man mal weiter in die US-Politik schaut:

Trotz der chinesischen Zurückhaltung verstärken sich in den USA einflußreiche Stimmen, die für einen aggressiven Konfrontationskurs plädieren. Im Kongreß könnte sich dafür wahrscheinlich eine bequeme Mehrheit finden lassen. Jeder feindselige Antrag gegen China wird dort von mindestens 95 Prozent der Abgeordneten und Senatoren beider großen Parteien durchgewinkt. An der Spitze der propagandistischen Scharfmacherei stehen schon seit Jahren Politiker wie der demokratische Senator Charles Schumer und die republikanische Abgeordnete Ileana Ros-Lehtinen, die zugleich auch führende Vertreter der Pro-Israel-Lobby sind.

Dieser Artikel (ursprünglich von Knut Mellenthin in der jungen Welt veröffentlicht) stammt vom Mai 2010. Am 7.November meldete unter anderem der Standard, das die USA in Zusammenarbeit mit ihren Verbündeten vor Ort ihre Militärpräsenz in Asien ausbauen wollen.

Die Berliner Zeitung zeigt vielleicht deutlicher, wie es in Peking gerade aussieht … und warum die vielleicht gar nicht so friedlich gestimmt sind, wie BMW und DaimlerBenz es gerne hätten:

Viel deutlicher hätte Washington nicht machen können, dass die Terrorismusbekämpfung in Asien eng mit einem anderen strategischen Interesse verknüpft ist – der Einkreisung Chinas. Seit dem Tag der Attentate in den USA am 11. September 2002 glückte den USA ein Unterfangen, das als schier unmöglich galt: die Etablierung von Militärbasen beziehungsweise Militärberatergruppen von Zentralasien über Afghanistan bis hin nach Indonesien und die Philippinen. Im Osten Asiens setzt sich der Bogen um China mit den schon im Kalten Krieg geschaffenen US-Basen im Pazifik, in Südkorea und Japan fort.

Und je besser man sich mit Russland versteht umso enger wird der Ring um China.

„Die Lösung für den Konflikt liegt in Peking“, sagt die FAZ. Vielleicht teilt man aber angesichts der geostrategischen Offensive der USA nicht die Friedenssehnsucht der Deutschen Industrie- und Handelskammer, sondern bekommt schlichtweg gerade Panik, was erst geschieht, wenn der Raketenschutzschirm steht …. und die USA ihre Wirtschaftsinteressen (dann wohl – dank Guttenberg – mit deutscher Hilfe) in China und Asien mit ganz anderen Mitteln durchsetzen können.

Aus der chinesischen Perspektive ist es vielleicht ganz nützlich, mal wieder den kleinen nordkoreanischen Kampfhund von der Leine zu lassen. Dann können sich amerikanische und chinesische Truppen wieder direkt bekämpfen, ohne das sich der verdeckte Krieg der USA gegen China in einen offenen Krieg verwandelt.  Ach – und wie schön, das da ja eigentlich auch noch offiziell Krieg ist, da muß man nicht noch umständlich diplomatische Noten austauschen.

Für Deutschland wäre natürlich die Wahrheit angenehmer, das man es  mit Wahnsinnigen in Korea zu tun hat – wie es auch die Welt formuliert:

Die irrlichternde Führung um Diktator Kim Jong-il zeigt schon lange keine rationalen Züge mehr.

Dabei … was haben die schon zu verlieren? Was kann ein hungerndes Volk mit Atombomben schon groß in einem Krieg gegen ein reiches Volk ohne Atombomben verlieren? Und welches Interesse sollte China schon groß an einer unbegrenzten Ausweitung der US-amerikanischen Militärbasen haben?

Seltsam übrigens, das die Installierung chinesischer Militärbasen in Südamerika nicht so groß ins Gewicht fällt … die gibt es einfach nicht.  Aber einen immer unangenehmeren Wirtschaftskonkurrenten der USA auf den Weltmärkten. Aber das die USA zur Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen Militär einsetzen, ist in einem demokratischen Rechtsstaat undenkbar, an so etwas denkt nur ein Adeliger wie zum Beispiel der Herr Guttenberg. Ups … moment … sie haben ja schon zur Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen Militär eingesetzt. Was heißt denn das jetzt eigentlich für die Qualität der Demokratie in den USA … und die Qualität jener Demokratie, die Guttenberg für Deutschland will?

Ich schreibe mal lieber nicht weiter, sonst bin ich noch wegen „Wehrkraftzersetzung“ dran. Und ich sage auch nichts mehr zu dem Thema „Barbaren“.

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