Wikileaks

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The Prosecution is Politically Motivated + Die USA gegen Julian Assange + Julian’s Trial Begins In Kangaroo Court

Assange Update: The Prosecution is Politically Motivated says Defense Witness

In this video, we provide an update on the third day of Julian Assange’s extradition hearings. Defense witness Professor Paul Rogers testifies on the political nature of the case and cites statements from prominent United States officials. In the afternoon, Trevor Timm of Freedom of the Press Foundation is called to the stand for the defense to speak about this attack on journalism. Statements from journalist and filmmaker Juan Passarelli and Julian Assange’s father John Shipton are included.

Wikileaks – Die USA gegen Julian Assange

Ausgestrahlt wurde diese Sendung am 07.09.2020 in der ARD
Die Story im Ersten. Verbrecher oder Revolutionär?
Die Dokumentation beleuchtet Aufstieg und Fall von Julian Assange – vom gefeierten Publizisten zum als Spion und Vergewaltiger verrufenen Sonderling. Anhand vertraulicher Akten rekonstruieren die Autoren die Zeit in der ecuadorianischen Botschaft: Sie gleicht teilweise einem Spionage Thriller – denn jeder Schritt von Assange wird überwacht, dokumentiert und mutmaßlich US-amerikanischen Behörden zugeliefert. Keine Privatsphäre und trotzdem verliebt sich Assange in dieser Zeit in eine seiner juristischen Beraterinnen und bekommt mit ihr zwei Kinder.

Julian’s Trial Begins In Kangaroo Court

Deutschland im Krieg. Vielleicht sogar im Weltkrieg.

Freitag, 5. Oktober 2012. Eifel. Wie passend: zum Tag der deutschen Einheit wiederholt sich ein deutsches Schicksal: wieder befindet sich Deutschland im Krieg. Damals war es der 1. September 1939. Angehörige der Waffen-SS (die Special Forces der Nationalsozialisten) hatten sich polnische Uniformen angezogen und den Sender Gleiwitz angegriffen.  Fies, oder? Die Polen selbst hatten gar nichts getan - aber das interessierte keinen mehr, als die Propagandamaschine erstmal rollte. Wir kennen diese Maschine - wir haben sie in Deutschland kennengelernt beim Krieg gegen die Arbeitslosen, der den Kampf gegen Arbeitslosigkeit übergangslos ersetzte. Oder beim Krieg gegen Serbien. Da gibt es sogar ein Buch über die Medienlügen: Serbien muß sterbien: Wahrheit und Lüge im jugoslawischen Bürgerkrieg, so heißt es, mit Klaus Bittermann als Herausgeber.  Ob es auch mal ein Buch über Wahrheit und Lügen im deutschen Arbeitslosenkrieg gibt? Nun - um diese Krieg geht es aber nicht. Auch nicht um die Bundeswehreinsätze vor der Küste Libanons oder Somalias, in Uganda, Afghanistan, dem Kosovo, dem Kongo oder dem Sudan (siehe Onlinetagebücher Bundeswehr), sondern um den Krieg der Nato gegen Syrien. Am 3.10.2012 wurde ein türkisches Dorf von fremden Streitkräften beschossen, ein Natoland wurde angegriffen, der Bündnisfall verpflichtet uns zum Beistand - dabei dachten wir gestern noch: Mensch, tolles Land, dieses Deutschland, alles so schön friedlich hier ... und plötzlich sind wie in einem Krieg.

Freitag, 5. Oktober 2012. Eifel. Wie passend: zum Tag der deutschen Einheit wiederholt sich ein deutsches Schicksal: wieder befindet sich Deutschland im Krieg. Damals war es der 1. September 1939. Angehörige der Waffen-SS (die Special Forces der Nationalsozialisten) hatten sich polnische Uniformen angezogen und den Sender Gleiwitz angegriffen.  Fies, oder? Die Polen selbst hatten gar nichts getan – aber das interessierte keinen mehr, als die Propagandamaschine erstmal rollte. Wir kennen diese Maschine – wir haben sie in Deutschland kennengelernt beim Krieg gegen die Arbeitslosen, der den Kampf gegen Arbeitslosigkeit übergangslos ersetzte. Oder beim Krieg gegen Serbien. Da gibt es sogar ein Buch über die Medienlügen: Serbien muß sterbien: Wahrheit und Lüge im jugoslawischen Bürgerkrieg, so heißt es, mit Klaus Bittermann als Herausgeber.  Ob es auch mal ein Buch über Wahrheit und Lügen im deutschen Arbeitslosenkrieg gibt? Nun – um diese Krieg geht es aber nicht. Auch nicht um die Bundeswehreinsätze vor der Küste Libanons oder Somalias, in Uganda, Afghanistan, dem Kosovo, dem Kongo oder dem Sudan (siehe Onlinetagebücher Bundeswehr), sondern um den Krieg der Nato gegen Syrien. Am 3.10.2012 wurde ein türkisches Dorf von fremden Streitkräften beschossen, ein Natoland wurde angegriffen, der Bündnisfall verpflichtet uns zum Beistand – dabei dachten wir gestern noch: Mensch, tolles Land, dieses Deutschland, alles so schön friedlich hier … und plötzlich sind wir in einem Krieg.

Aussenminister Westerwelle hat das Eintreten des Bündnisfalles bestätigt. Laut Spiegel hat er der Türkei offiziell die Solidarität des Bündnisses zugesichert – was bleibt ihm auch anderes übrig.

Er hätte auch etwas anders tun können – zum Beispiel eine Untersuchung verlangen. Das wäre doch sinnvoll – angesichts der deutschen Erfahrungen um den Sender Gleiwitz. Ich möchte ihn auch dabei unterstützen. Das fällt mir leicht, denn ich kann lesen. Zum Beispiel die Welt:

Ob es nun Regierungstruppen waren, die im Grenzgebiet auf syrische Rebellen zielten, oder Rebellen, die vielleicht einen politischen Eklat provozieren und die Türkei so in einen Krieg hineinziehen wollten, das ist bislang unklar. Mörser haben beide Seiten.

Nur wenige Tage zuvor hatten die Türkei und Qatar beschlossen, ihre Unterstützung für die sehr heterogenen syrischen Rebellen zu halbieren, bis diese sich zur Bildung einer zentralen politischen und militärischen Führung durchringen. Freilich weiß außer den betroffenen Regierungen und diversen Geheimdiensten niemand genau, woraus diese Hilfe genau besteht.

Eine der wichtigsten Textpassagen der deutschen Vorkriegsgeschichte. Da unterstützt die Türkei also Rebellen in Syrien. Darf man eigentlich nicht, ist eine Einmischung in innere Angelegenheiten – und wäre schon Grund genug für das syrische Militär, sich gegen die Türkei zu wehren. Die USA haben doch auch Afghanistan angegriffen, weil sich von dort aus am 11.9.2001 Menschen in die inneren Angelegenheiten der USA eingemischt haben, oder? Die haben dann auch gleich den Irak mit überrollt, weil es gerade so schön passte – ist also inzwischen allgemein akzeptierte Gangart.

Dann halbieren die Türkei und Qatar die Unterstützung für die unbekannten heterogenen Gruppen.  Qatar? Ja, dort liegt das Hauptquartier der US-Streitkräfte für die im Nahen Osten aktiven US-Truppen, dort gibt es eine absolute Monarchie und eine ganze Reihe von Menschenrechtsverletzungen (siehe Wikipedia).  Auch das Auswärtige Amt empfiehlt Reisenden, vorsichtig zu sein, nicht an Demonstrationen teilzunehmen … und als Frau ganz besonders zurückhaltend zu sein. Wen dieser Schurkenstaat zusammen mit der Türkei wie und womit unterstützt … bleibt eines jener Geheimnisse, über die wir uns keine Gedanken machen dürfen, weil wir uns sonst gegen das in unserer Kultur gültige Verbot über die Formulierung von Verschwörungstheorien hinwegsetzen würden.

Nach der Einstellung der streng geheimen Unterstützung landen auf einmal Granaten in türkischen Dörfern. Normale Bürger würden jetzt erstmal stutzig werden und fragen: wem nützt das? Könnte es sich hier nicht um einen ganz normalen Racheakt der „heterogenen syrischen Rebellen“ handeln, die einfach mal die Türkei und den Rest der Welt in einen Krieg stürzen wollen, um wieder Unterstützung zu bekommen? Ach ja – hier greift wieder das Verbot über die Formulierung von Verschwörungstheorien, deshalb kann das so schon mal nicht gewesen sein.

Schauen wir uns also doch nochmal den neuen türkischen „Füher“ genauer an. Wir erinnern uns: wir Deutschen hatten auch schon mal so einen Führer. Ein putziges Kerlchen, das Kinder und Hunde gerne hatte – vor allem, wenn sie ihre Eltern denunzierten oder Juden bissen. Das Prinzip „Führer“ ist in manchen Kulturen so beliebt, das die Türkei jetzt einen eigenen hat … und zwar laut Welt den „größten Führer der Welt“. Gut, das reicht nicht ganz an den „größten Führer aller Zeiten“ heran, aber der Herr Erdogan gibt sich alle Mühe:

in seiner „Krönungsrede“ droht er Russland und China wegen ihrer Unterstützung Syriens und auch Israel bekommt sein Fett weg. Wer überhaupt keine Rolle mehr spielt: die EU (und damit auch die NATO).  Deshalb war auch nur ein einziger Europäer bei dieser denkwürdigen Rede dabei: der Hartzkanzler und Rothschildangestellte Gerhard Schröder.  Was macht der eigentlich bei einem Kongress, der unter dem Motte „große Türkei, große Macht“ abgehalten wird? Kriegt der nicht Ärger mit Putin, wenn er sich so demonstrativ auf die Seite der Feinde Russlands stellt … ja sogar auf die Seite der Feinde der ganzen freien christlichen Welt?

Feinde der freien christlichen Welt?

Einfach nur im Artikel der Welt weiterlesen – man glaubt, man wäre in einem Historiendrama:

So machte Erdogan zumindest in Symbolen klar, als wen er sich selbst sieht: Als einen neuen Atatük, der das Land modernisiert, und als neuen Sultan, der die Türken und den Islam siegreich gen Westen führt.

Er gibt auch genau an, in welchem Jahr er den Islam Siegreich gegen den Westen führen will:

„Wenn es Gottes Wille ist, werden wir 2023 aufbauen, und ihr werdet 2071 errichten“, sagte er zum Jubel besonders der Jüngeren unter seinen Zuhörern.

Steht alles offiziell in deutschen Medien. Sogar in Qualitätsmedien. Der Führer der Welt sieht sich als Triumphator über die Christenheit: 2071 jährt sich der Sieg der Türken über Byzanz von 1071. Eine offene Kriegserklärung an das Abendland – und Westerwelle sichert ihm unsere volle Solidarität zu. Ob der Hartzkanzler da auch geklatscht hat, ist leider nicht überliefert.

Na, Scherz beiseite, so ist halt die Welt der großen Geheimpolitik, von der wir schon lange nichts mehr wissen dürfen.

Zwei Tage nach dem Kongress des Führers fliegen die Granaten Richtung Syrien – um fünf Uhr Morgens. Hitler hatte 1939 bis 5.45 gewartet. Eine Kriegserklärung der Türkei gegen Syrien soll das nicht sein … aber die hatte Hitler auch nicht vorgenommen.

Darf man in diesem Zusammenhang – wo wir gerade über Gleiwitz, Hitler und Weltkriege reden – auch nochmal an den 29. Februar 2012 erinnern? Damals erschien ein Artikel (schon wieder die Welt), der heute schon vergessen ist: Wikileaks hatte mal wieder US-Post veröffentlicht. Diesmal war es sehr brisant – einige Sätze von Henry Kissinger deuteten darauf hin, das Erdogan Israel mithilfe seiner radikalen Organisation Milli Görüs Israel eine fiese Falle gestellt hatte:

Das Ziel: Entweder bis zum Gazastreifen vorzustoßen und einen politischen Triumph zu feiern oder einen blutigen Eklat herbeizuführen, um Israel als Bösewicht darzustellen. So oder so wäre das Ergebnis eine dramatische Änderung der politischen Dynamik im Nahen Osten und rund um den Gazakonflikt.

Nun – wir wissen, wie es ausging: Israel ist voll reingelatscht.

Und jetzt Syrien?

Wenn der Herr Erdogan in Syrien Rebellen unterstützt und Unbekannte so ein bisschen auf türkische Dörfer schießen … darf man da fragen, ob diese Unbekannten vielleicht auch von der Türkei oder Katar bezahlt worden sind? Sicher Syrien hat sich entschuldigt, heißt es – aber der Zeit kann man entnehmen, das diese Entschuldigung als solche gar nicht im türkischen Aussenministerium angekommen ist.

Nein, natürlich darf man das nicht fragen: siehe das Verbot über die Formulierung von Verschwörungstheorien. Was Geheimdienste wann, wie und wo mauscheln, geht uns Normalbürger nun mal wirklich überhaupt nichts an. Aber der Türkei unsere ganze Solidarität zusprechen das dürfen wir – auch wenn das letztlich dazu führt, das wir aufgrund von fiesen Manipulationen in einen Krieg mit Russland geraten.

Krieg mit Russland? Da hört sich doch wohl alles auf, wird der brave Deutsche jetzt sagen (immerhin hatten wir das schon zweimal im letzten Jahrhundert) … dabei braucht er nur die Welt zu lesen und schon wüsste er, das wir da (wie 1939) auf einem vollen Konfrontationskurs sind – und nicht nur, weil der „Führer der Welt“ (der unsere volle Solidarität hat) schon Russland und China gedroht hat (einem China, das aktuell direkt auf einen Konflikt mit Japan zusteuert).

Doch hören wir erstmal, was die Welt zu diesem Thema zu sagen hat:

In der Sache des abgeschossenen Flugzeugs meldete sich jetzt ein Sprecher der Freien Syrischen Armee im arabischen TV-Sender al-Arabija zu Wort. Nicht Syrien habe das Flugzeug abgeschossen, sondern Einheiten eines dort befindlichen russischen Stützpunktes. Ausdrücklich nahm der FSA-„General“ namens Abdülhamit Ömer die syrischen Truppen in Schutz, „obwohl ich zur Opposition gehöre“.

Es ist bereits der zweite „Enthüllungsbericht“ des Senders zum umstrittenen Flugzeugabschuss, der Russland belastet – in einem ersten Beitrag vor einigen Tagen hatte es geheißen, die beiden türkischen Piloten seien lebend geborgen, aber auf russische Anweisung von den Syrern umgebracht worden.

Nebenbei ist auch interessant, was der Artikel über die Praktiken der türkischen Armee im Kampf gegen die Kurden aussagt, der jetzt schon zu vielen Angriffen auf den wehrlosen Irak geführt hat – und nahelegt, das man mit ähnlichen Offensiven jetzt auch in Syrien zu rechnen hat. Dem „Führer der Welt“ sind die Juden als Feinde wohl zu wenig.

Wenn die Türkei jetzt in Syrien einfällt (in Form eines „gerechten Krieges“ zur „Wiederherstellung der Ordnung“ – so heißt es doch immer, oder?), dann könnte es sein, das sich die Russen nicht mehr nur damit begnügen, türkische Flugzeuge abzuschießen. Hier verlassen wir kurz die Welt der offiziellen staatstragenden Medien und holen uns eine Information aus der wachsenden Alternative zu öffentlichen Wohlfühlmedien, hier aus The Intelligence:

Während Politik und Presse in Europa, USA und im arabischen Raum sich uniform gegen die syrische Regierung unter Assad aussprechen, wird die Unterstützung durch Russland und China immer deutlicher. Einer iranischen Pressemeldung zufolge seien schon innerhalb der kommenden Wochen großangelegte Manöver in Syrien geplant, an denen sich Russland, China und Iran beteiligen werden.

Der Artikel stammt vom 20.6.2012. Darf ich auch mal die Schlussfolgerungen zitieren, die sich für den Autor damals ergaben? Bitte, hier:

Das diesbezügliche Kräfteverhältnis betrachtend, USA, NATO und einige arabische Staaten auf der einen Seite, China, Russland, Iran und Syrien auf der anderen, scheint die Situation für die Westmächte ziemlich aussichtslos, sofern ausschließlich konventionelle Waffen eingesetzt werden.

Auch wenn es natürlich keineswegs wünschenswert wäre, so könnte sowohl Iran als auch Syrien als Zündfunke für einen Wahnsinnskrieg gereichen. Erinnern wir uns an die beiden vorangegangenen Weltkriege, so war der Auslöser in einem Fall Serbien, im anderen Polen, jeweils Staaten von international begrenzter Bedeutung.

Und wer hätte am 1.9.1939 schon wissen können, das auf der anderen Seite des Ozeans gerade der Eintritt Japans in das große Gemetzel vorbereitet wurde?  Wer hätte ahnen können, das die Ermordung des serbischen Thronfolgers zum bis dahin größten Gemetzel der Menschheitsgeschichte wird?

Zitieren wir doch aktuell nochmal den Herrn Westerwelle – hier in einem anderen Artikel aus dem Spiegel:

„Jetzt geht es um Deeskalation“, sagte Westerwelle am Donnerstag in Berlin. Er äußerte die Sorge, dass der Grenzkonflikt zu einem „Flächenbrand“ in der ganzen Region führen könne. Daher habe er die Türkei zur Besonnenheit aufgerufen. Zugleich stellte der Außenminister klar, Deutschland stehe an der Seite des Nato-Partners Türkei. Die Frage, ob der Konflikt mit Syrien zu einem Bündnisfall der Nato werden könne, wollte Westerwelle nicht beantworten.

Dabei hätte er sich doch klar äußern können: nach Darstellung des Spiegels hatte die Nato schon am 4.10.2012 beschlossen, das der Bündnisfall nicht eintritt, die entsprechende Sitzung stand unter dem Artikel 4, nicht unter Artikel 5 – was den offiziellen Eintritt des Bündnisfalles bedeutet hätte. Man hätte also klar sagen können: NEIN, das ist kein Bündnisfall. Stattdessen gab es … Solidaritätsbekundungen für den „Führer der Welt“.  Aber vielleicht erfährt der deutsche Außenminister auch nicht immer, ob man jetzt Deutschland in den Krieg schicken möchte oder nicht.

Und wenn nun der „Führer der Welt“ noch ganz andere Pläne hat? Kann man einem Mann, der für 2071 einen neuen politischen Triumph des Islam gegen das Christentum prophezeit, unterstellen, das er vielleicht jetzt schon Pläne entwickelt, um die Welt so umzuformen, das es für die Großmacht Türkei wieder ordentlich Raum gibt? So ein Krieg Russland und China gegen die USA wäre da doch ganz nützlich – jedenfalls für skrupellose Einfaltspinsel, die den Tod von Menschen billigend in Kauf nehmen. Im Anschluss an einen großen Krieg wären die Machtverhältnisse auf der Welt auf jeden Fall ordentlich durcheinander: eine Riesenchance für Leute, die selber Großreiche gründen wollen – die USA haben selbst demonstriert, wie das geht.

„Große Türkei, große Macht“.

Was aber für uns Fakt bleibt, ist: Deutschland ist gerade jetzt (wieder einmal) im Krieg. Gut – politisch wird gerade noch an Sprachformeln herumgeschraubt – aber das kenne wir ja zur Genüge.  Noch ein paar „unglückliche Zufälle“ mehr – und ein deutsches Arabienkorps braust durch Syrien Richtung Iran,  um seinen Bündnisverpflichtungen nachzukommen: dazu braucht es nur noch eine Sitzung gemäß Artikel 5.

Wie immer ist natürlich keine Seite an einem Krieg interessiert – das war aber bei den anderen Weltkriegen aber genauso. Die sind auch nur durch eine unglückliche Verkettung von Umständen sozusagen vom Himmel gefallen.

Jedenfalls sagt man uns das, weil wir mal wieder über die Aktionen „diverser Geheimdienste“ nichts erfahren dürfen – siehe Verbot zur Formulierung von Verschwörungstheorien.

 

 

 

 

 

 

Julien Assange, der Tod und die Wiedergeburt der Demokratie

Ich bin gerne mal ein Freund deftiger Worte – erst recht in dem Fall Wikileaks, in dem kaum eine Woche vergeht, in dem mir nicht irgendein Medienapostel erklärt, das „Wikileaks“ ganz schlecht ist und der Bürger auf keinen Fall ungefärbte Wahrheiten verträgt. So etwas kann man inzwischen ganz offen in Nachrichtensendungen hören. Schamlos und ohne jede Bedenken entmündigen Pressefürsten die Bevölkerung, der man nur „aufbereitete“ Wahrheiten zumuten möchte. Das eine „aufbereitete“ Nachricht eine deutlich und absichtlich manipulierte Nachricht ist, scheint inzwischen schon selbstverständlich zu sein.

Eine Weltmacht jagt öffentlich einen einzelnen Menschen. Offen diskutieren Journalisten darüber, das es eigentlich gar kein Gesetz gibt, das Julien Assange übertreten hat, offen wird geantwortet, das man schon irgendetwas finden wird – oder man erschießt ihn eigentlich einfach so. Das ist das brutale, arrogante Antlitz einer Diktatur, die sich vor Öffentlichkeit nicht fürchten muß und Konfrontationen der Öffentlichkeit mit Wahrheit mit Gewalt unterdrücken möchte, damit die Fratze der Menschenfeindlichkeit nicht all zu offen zu Tage tritt – und wo bleibt der Aufschrei der Journalisten und Politiker bei dieser Menschenjagd, die inzwischen Wellen schlägt, die bald an Staatsfeind Nr. 1 Osama bin Laden erinnern?

Warum sollten sie auch aufschreien … sie werden von dem System bezahlt und dienen dafür seiner Stabilität, ordnen Tag für Tag Nachrichten so ein, das sie in das öffentlich gewünschte Bild passen – lediglich ein Altkanzler traut sich laut Welt aus der Deckung:

Altkanzler Helmut Schmidt (SPD) hat die Verfolgung des WikiLeaks-Gründers Julian Assange durch amerikanische Firmen und Politiker als „unklug“ verurteilt. „Das wirkt wie Rache, und das ist es auch“, sagte Schmidt im „Zeit“-Magazin.

Natürlich ist der Rachefeldzug gegen einen Journalisten unklug, denn es zeigt, was man von Pressefreiheit hält. Vielleicht muß man  Scharfschütze sein, um die Sicherheit zu haben, sich dem System öfffentlich entgegen zu stellen, so wie jener Mensch, der laut Süddeutscher Zeitung Julien Assange jetzt Obdach gewährt:

Smith betrachtet sich selbst als einen radikalen Liberalen, der konsequent für Bürgerrechte und Meinungsfreiheit eintritt. Politische Parteien sind ihm suspekt. Diese gehören für ihn zum politischen Establishment, und das entfernt sich nach Meinung von Vaughan Smith in den westlichen Staaten immer weiter von den Idealen der Demokratie.

Schön, so etwas auch mal von einem etablierten, mutigen und risikofreudigen Journalisten zu hören. Aber mit einem eigenen Landsitz im Rücken und einer Ausbildung als Scharfschütze lebt es sich schon anders als als alleinerziehende Mutter mit befristetem Angestelltenvertrag und notorischer Dauerflucht vor den Fängen der ARGE, wo man möglicherweise der Willkür gerade jener Menschen ausgesetzt ist, die man durch seine journalistische Arbeit verärgert hat.

„Journalismus“ ist kein Selbstzweck. Informiert er nicht mehr, dann braucht ihn keiner.  Vor drei Jahren gab es einen Artikel in der Welt zum Tag der Pressefreiheit:

Die klassische Bedrohung der Pressefreiheit durch totalitäre Regime ist zurückgegangen. Doch es wächst, auch in Deutschland, eine verdeckte Bedrohung durch fragwürdige Rechtsprechung und politische Maßnahmen. Viele Beispiele mahnen am heutigen Unesco-Tag der Pressefreiheit zu erhöhter Wachsamkeit.

Berührt ein Thema die Machtstellung der Regierenden, endet die Freiheit auf eine Weise, die Leser nicht zwingend als Zensur erkennen. Auf der Seite 1 stehen dann Texte, die Informationen täuschend ähneln. Es sind aber keine. Ihnen fehlen, kaum merklich, verbotene Details, oder verbotene Zusammenhänge. Die Seite 1 sähe vollgeschrieben aus. In Wahrheit aber wäre sie leer.

Es ist, wie Torsten Kraul in der Welt schreibt, eine subtile Bedrohung der Pressefreiheit, die sich nun 2010 ganz offen auslebt. Wer wann was erfährt, das bestimmen anonyme „Mächtige“.  Karl-Hinrich Renner vom „Hamburger Abendblatt“ zeigt auf, worum es wirklich geht:

Denkt man es zu Ende, könnten die Enthüllungen von WikiLeaks der Anfang vom Ende des Herrschaftswissens sein, so wie wir es bisher kennen.

Schön, das es mal jemand ausspricht: „Herrschaftswissen“ ist jener Machtfaktor, den Wikileaks zentral angreift. Mithilfe von Herrschaftswissen können Massen dirigiert werden – und an dieser Diktatur verdienen so viele so gut, das sich kaum ein Widerstand entfalten kann. „Wissen ist Macht“ – und diese Macht des Journalismus, an dem gut verdient wurde, ist in Gefahr, weshalb – nochmal aus dem Abendblatt – Verleger Zeter und Mordio schreien:

Die Rede war rhetorisch brillant, mehr aber auch nicht. Als der Schweizer Verleger Michael Ringier am 18. November auf den Zeitschriftentagen in Berlin über die neue Stärke von Print sprach, arbeitete er sich vor allem am Internet ab. Dort gebe es „den digitalen Mob“. Mit Journalismus hätten die Hervorbringungen des Netzes nichts zu tun, mit preisgekröntem schon mal gar nicht. „Wir brauchen Edelmetall“, sprach der Verleger, „den Schrott finden Sie im Internet.“

„Wir brauchen Edelmetall“ … das stimmt. Darum geht es Verlegern – um Gold, am Besten im eigenen Tresor. Wir Bürger brauchen Wissen, Informationen, Fakten – und gerne auch sehr unterschiedliche Meinungen zum Thema, das erleichtert das Finden der eigenen Position, die wir im Prinzip nicht gerne vom Kommentator der Tagesschau kritiklos übernehmen möchten. Den gesellschaftlichen Sinn reicher Verleger an sich können wir als Bürger nicht auf Anhieb erkennen.

Wird Information Ware und Mittel zum Zweck der Machterhaltung und persönlichen Bereicherung, ist die Pressefreiheit nur noch ein Witz. Es scheint bald sowieso nur noch die Freiheit einiger weniger Reicher zu sein, ihre Meinung auf vielen Kanälen gleichzeitig zu verbreiten, während der gemeine Bürger andächtig lauschen darf.

Wir brauchen deshalb Qualität in Journalismus und Berichterstattung mehr denn je. Aber wer kann das gewährleisten? Es gibt angestellte Journalisten, die ihr Tagewerk verrichten, indem sie Agenturmeldungen verwerten und die eigene Stellungnahme so weit wie möglich ausfallen lassen. Es gibt freie Journalisten, die darauf angewiesen sind, dass jemand ihre Artikel kauft. Gekauft wird oft nur, was stromlinienförmig ist. Und es gibt Blogger, die oft nicht über die Informationen und Mittel verfügen, welche den klassischen Medien zur Verfügung stehen. Genau an dieser Stelle offenbart sich des Pudels Kern: Das klassische Verständnis von Journalismus und Pressefreiheit taugt nicht mehr, um den Bedürfnissen der Informationsgesellschaft zu genügen.

Das schreibt Tobias Kläner in einem Kommentar auf Telemedicus und es bringt unsere Problematik auf den Punkt:  Journalismus alleine reicht nicht mehr – und wehrt sich dagegen mit Gewalt.

Die internationale Hetzjagd auf Julien Assange ist nichts weiter als der endlich öffentlich erfolgende Angriff auf die Pressefreiheit. Hier sieht man, welche heimlichen Allianzen sich in den letzten Jahrzehnten gebildet haben und wer alles gezielt an der Zerstörung der demokratischen Ideale arbeitet. Doch darin liegen ungeahnte Möglichkeiten einer Wiedergeburt des demokratischen Ideals. Klar erkennbar werden auch  notwendige Voraussetzungen, die die Widergeburt des demokratischen Ideals sicherstellen: die absolute Freiheit des Internet, um unbeeinflußte Informationsströme sicherzustellen – und ein bedingungsloses Grundeinkommen, das die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Bürger sicherstellt. Damit endet dann das Zeitalter der Diktatur des Herrschaftswissens und wir können uns aufmachen, wieder mal mehr Demokratie zu wagen. War doch das letzte mal auch ganz ok, oder?

Wutbürger und die Aufgabe des Journalismus in Fassadendemokratien während des „Systemcrashs“

Heute ist mal wieder beten angesagt, jene letzte menschliche Tätigkeit, die immer dann mit Begeisterung ausgeführt wird, wenn die menschliche  Vernunft die Seele und den Leib wieder gezielt in einen bleiverseuchten  Schützengraben geführt hat, wo einem Granatsplitter und Leichenteile nur so um die Ohren fliegen. Soll ja auch oft helfen, dieses beten – wenn ich an die ganzen Dankschildchen denke, die unsere Eifelkapellen verzieren, scheint das manchmal gut zu funktionieren.

Zwei Großmächte steuern nach sechzig Jahren UNO und Friedensdiplomatie offen und mit Plan frontal aufeinander zu – aber nur den Autoren des Handelsblattes ist dies eine Nachricht wert:

Die Spannungen zwischen beiden koreanischen Staaten nehmen weiter zu. Wegen geplanter südkoreanischer Schießübungen nahe der umstrittenen Seegrenze im Gelben Meer drohte Nordkorea dem Nachbarn. Nordkoreas Militär werde „gnadenlos“ zurückschlagen, sollte die Grenze zu seinem Hoheitsgewässer verletzt werden, warnte das Außenministerium in Pjöngjang am Samstag. Trotz der Warnungen will Südkorea an seinem Manöverplan festhalten. China und Russland wollten sich bei einer Sondersitzung des UN- Sicherheitsrats noch am Sonntag um Entspannung bemühen.

Die Nachricht, das Südkorea aktuell ein chinesisches Fischerboot versenkt hat, finde ich gar nur in der Blogosphäre bei „Alles-Schall-und-Rauch„:

Die Mannschaft eines chinesischen Fischtrawler wurde von einem südkoreanischen Patrouillenboot angegriffen und das Schiff versenkt, dabei wurde der Kapitän getötet und zwei Fischer werden noch vermisst. Der Zusammenstoss ereignete sich beim Versuch chinesische Fischerboote am angeblich illegalen Fischen ab der Südwestküste von Südkorea zu hindern. Das Ereignis fand 72 Meilen ab der Insel Eocheong statt.

Hier weiterlesen: Alles Schall und Rauch: Südkorea greift chinesisches Fischerboot an http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2010/12/sudkorea-greift-chinesisches.html#ixzz18dPq4BcM

Vielleicht erklärt das den Konsumrausch der Bürger zu Weihnachten: man weiß, das sparen und wirtschaften keinen Sinn mehr macht, also haut man lieber heute als morgen alles auf den Kopf. Ist ja auch ein Erfolgt der Agenda 2010: wer fleissig gespart hat und dann einer Übernahme zum Opfer fiel, der durfte ja erstmal sein mühselig Erspartes verbrauchen, bevor die ARGE unterstützend eingriff. Wer alles vorher versoffen hatte, war eindeutig der Gewinner. Dabei sieht die Prognose für den deutschen Arbeitsmarkt nicht rosig aus, eine riesige Kapitalmenge sucht laut Spiegel kurz vor der Geldentwertung noch reale Werte zu ergaunern:

Drei Billionen Dollar – diese gigantische Summe geben Firmen weltweit für Übernahmen aus, schätzen Experten. Auch in Deutschland wird jetzt spekuliert: Ist Hochtief erst der Anfang? Welches Unternehmen könnte noch attackiert werden? Erste Namen kursieren bereits, darunter große Dax-Konzerne.

Das sind exakt jene Dollar, die die FED in den USA permanent druckt, damit die US-Wirtschaft wieder auf die Beine kommt. Irgendeinen realen Wert haben diese Scheine schon lange nicht mehr, also gilt es, sie zu Gold zu machen, bevor das jeder merkt.

Eigentlich hätten wir Bürger niemals wieder in eine solche Situation kommen dürfen: immerhin ist Demokratie weltweit der angesagte Renner. Demokratien stehen für Frieden, Wohlstand und Fortschritt – das habe ich in der Schule gelernt. Nur Diktaturen greifen andere Länder an, das habe ich in der Schule gelernt. Wie ich das der Bevölkerung von Vietnam, Kambodscha, Panama, Grenada, Jugoslawien, Irak oder Afghanistan verkaufen sollte, weiß ich nicht. Entweder stimmt der Satz nicht – dann stimmt aber das positive Menschenbild nicht.  Oder aber … es gibt nur noch Fassadendemokratien, die im Kern schon längst ganz anders regiert werden.

Den Eindruck könnte man bekommen, wenn man sich die Politik der Länder anschaut – oder die Auswüchse journalistischen Arbeitens, die Karl Weiss beschreibt:

Was heute offizieller Journalismus ist, das erfüllt nicht die geringsten Anforderungen an wirklichen Journalismus, es werden nur ungeprüft Agenturmeldungen herausgehauen und die Agenturmeldungen selbst sind hauptsächlich „Entertainment“ oder Bestätigungen von vorherrschenden Vorurteilen oder so verkürzte Darstellungen, dass von Information nicht die Rede sein kann. Wirklich investigativer Journalismus, wie ihn Michael Moore bringt oder wie es die Veröffentlichungen von Wiki Leaks darstellen, ist sowieso so selten, dass Sie alle diese Journalisten an den Fingern einer Hand abzählen können.

Hintergrund seines Urteils ist: die Aufdeckung einer gezielten Verleumdungskampagne gegen Michale Moore, die selbst nach ihrer Aufdeckung durch Wikileaks in breiter Front fortgeführt wurde. Die leise Tyrannei des monatlichen Gehaltschecks macht es möglich – und es würde auch zu dem Anfangsverdacht passen, das wir uns langsam aber sicher in eine Fassadendemokratie verwandeln, die mitlerweile mittels Lobbyisten in den inneren Kern jeder staatlichen Machtausübung gelangt sind.

Es fragt sich nun, welchen Sinn es eigentlich macht, tagtäglich den Wahn wahrzunehmen, zu beschreiben und die Beschreibung zu verbreiten. Sinnvoller wäre es doch, sich ein gemütliches Leben zu machen und genau dieses Leben so lange zu genießen, bis es eben nicht mehr geht: das Modell Epikur.

Dort, wo Journalismus nur noch Agenturmeldungen nachplappert und mit aller Gewalt den Fassadenputzer erodierender Demokratien darstellt, ist es wichtig, das die Bürger selbst Informationen verbreiten. Früher waren solche Ort die Eckkneipe, der Tante-Emma-Laden, der Sportverein – oder man nagelte einfach Thesen an Kirchtüren. Seitdem hat sich einiges verändert. Es gibt das Internet, das die Eckkneipe und den Tante-Emma-Laden mehr als ersetzen kann – jedenfalls in dieser Hinsicht. Auch die klassische Methode der Flugblätter hat hier eine sinnvolle Ergänzung gefunden, ebenso die Möglichkeit, schnell und problemlos Bürgerversammlungen einberufen zu  können.

Während der Fassadenjournalismus – von seinen eigenen Versorgungsängsten geplagt – sich überall dort als Verputzer der Fassade andient, wo gutes Geld geboten wird, wird es wieder Zeit für die Bürger, die Aufgabe der Information selbst in die Hand zu nehmen um für Aufklärung zu sorgen. Das fällt uns schwerer als hauptamtlichen Meinungsbildnern, weil wir nebenbei noch ein eigenes Vollzeitleben zu führen haben – aber wenn wir als Bürger noch eine Chance haben wollen, geht kein Weg daran vorbei.

Es gibt eine Mehrheit in jedem Volk für Frieden und Wohlstand – und mit etwas Mühe auch für Gerechtigkeit. Friede und Wohlstand sind die Grundlagen menschlichen Zusammenlebens, wo Krieg und Mangel herrschen, kann nichts gedeihen. Das sind Wahrheiten, die von rechts außen bis links außen eine gemeinsame Grundlage bilden (mal von der Sondermeinung psychopathischer Individuen, die sich in Krisenzeiten immer gerne als Führungspersönlichkeiten in den Vordergrund spielen, mal abgesehen). Schützengräben sind für alle Bürger – gleich welcher politischen Richtung oder religiösen Ausprägung sie auch sein mögen – äußerst ungesunde Orte. Bürger meiden sie normalerweise von sich aus – niemand macht gerne Urlaub in Krisengebieten.

Man kann und darf deshalb darauf vertrauen, das der Mensch als solcher eine andere Zukunft will als jene, in die er gerade hineingetrieben wird – um aber zu merken, das er nicht völlig machtlos einem blinden Schicksal ausgeliefert ist, muß er erkennen, das es ganz viele Menschen gibt, die auch nur im Kreise ihrer Lieben in Ruhe alt werden wollen – und das diese Menschen weltweit die absolute Mehrheit bilden.  Doch dazu ist es notwendig, hinauszugehen und sich mitzuteilen – in die Eckkneipe, den Tante-Emma-Laden, auf dem Marktplatz oder eben in sein modernes Äquivalent: dem Internet, dem größten Marktplatz der Welt.

Ebenso ist es notwenig, an der Fassade zu kratzen, denn was hinter der Fassade lauert, kann Hoffnung geben, wie hier bei sein.de:

Der renommierte Wiener Wirtschaftsprofessor Franz Hörmann ­kritisiert die Wirtschaftswissenschaften als politische Propaganda, hält das aktuelle System für gescheitert und erwartet einen fundamentalen Systemwechsel. Der Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien ist fachlich allgemein akzeptiert und beispielsweise Mitglied im Prüfungsausschuss für Wirtschaftsprüfer. Allerdings hat er es gewagt, in einem „Standard“-Interview unser derzeitiges Finanz- und Wirtschaftssystem als ausgedient zu qualifizieren, die Wirtschaftswissenschaften als unwissenschaftlich bzw. als „politische Propaganda“ und die Banken als Betrugssystem zu bezeichnen. Nicht zuletzt steht für Hörmann der finale Systemcrash unmittelbar bevor, vielleicht schon im kommenden Jahr.

Franz Hörmann: Die zurzeit im globalen Wirtschaftssystem beobachtbare Entwicklung stellt meiner Meinung nach keine singuläre, unvorhersehbare Katastrophe dar, die in absehbarer Zeit überwunden werden kann, wobei dann wieder die alten Spielregeln der sogenannten freien Marktwirtschaften gelten. Vielmehr kann die seit Jahrtausenden geübte Praxis der monetären Steuerung einzelner Menschen ebenso wie ganzer Gesellschaften nicht mehr länger aufrechterhalten werden. Ich denke, es handelt sich bereits um die finale Systemkrise und nicht nur um ein vorübergehendes, von Politik und Finanzelite zu lösendes Problem. Wir benötigen daher dringend andere Grundlagen für ein globales, nachhaltiges Gesellschaftssystem.

Die wichtigste Voraussetzung dafür ist zunächst eine ehrliche und tabulose Information sowohl der Finanzeliten als auch der breiten Bevölkerung. Einerseits müssen die Verlust­ängste an der Spitze der Gesellschaftspyramide verstanden und gedämpft werden, andererseits müssen wir verhindern, dass die einfachen Menschen in ihren bisherigen Eliten plötzlich nur noch Gauner und Betrüger sehen und offene Feindseligkeiten ausbrechen.

Aufgabe des Journalismus wäre, die Bürger auf diese Möglichkeit vorzubereiten und Plattformen für Gemeinschaften zu bilden, damit uns das Ende des Systems nicht unvorbereitet trifft. Was geschieht allerdings? Die Fassadenjournalisten rufen offen zur Tötung jener aus, die sich einfach der ehrlichen und tabulosen Information verschrieben haben, wie der Standard berichtet:

In der Sendung „Follow the money“ sprach sich Beckel offen für die Beseitigung Assanges aus. „Wem schadet das: den amerikanischen Bürgern. Die Art und Weise, wie man mit dieser Situation umgehen sollte, ist simpel: Wir haben Spezialeinsatzkräfte – ein toter Mann kann keine Sachen veröffentlichen. Dieser Typ ist ein Verräter, ein Verräter, hat jedes Gesetz der USA gebrochen. Der Typ sollte… – und ich bin nicht für die Todesstrafe – ..so ich würde den Hurensohn (illegal) erschießen.“ Zuspruch erhielt Beckel von Analyst Bo Dietl und Kolummnist Joel Mowbray. „Dieser Typ muss weg“, so Dietl.

Er hat zu sehr an der Fassade gekratzt, die allerdings laut Wirtschaftsfacts sowieso nicht mehr lange aufrecht erhalten werden kann:

Auf Basis eines beständig steigenden Armutsniveaus blicken Millionen von Briten dem Risiko eines Zahlungsausfalls auf ihre Schulden entgegen. Die Regierung wird deshalb bereits seit geraumer Zeit durch verschiedene Organisationen dazu aufgerufen, lokale Banken und Kreditgeber unter Kontrolle zu bringen, die riesige Profite auf dem Rücken der ärmsten Gesellschaftsschichten erwirtschaften. Ab Januar 2011 wird die Regierung überdies mit der Ausgabe von Gutscheinen bzw. Lebensmittelmarken beginnen, um die wachsende Anzahl an Notdürftigen mit einem Minimum an Lebensmitteln zu versorgen.

Gelingt es, die tabulose Aufklärung so weit wie möglich zu verbreiten, gibt es eine gute Chance, dem Wahn auch ohne Kriege ein Ende zu setzen. Geht keiner mehr hin, macht keiner mehr mit, ist der Wahnsinn schnell zu Ende … lauschen wir dazu nochmal Professor Hörmann:

Das hängt davon ab, wie die Bevölkerungsmehrheit diesen Zusammenbruch erlebt und ob er von diesen Menschen tatsächlich als „Zusammenbruch“ (also Crash im negativen Sinne) oder vielleicht sogar eher als positive Entwicklung im Sinne einer Befreiung der Individualität, Kreativität und Spiritualität erfahren werden kann. Wenn wir den einfachen Menschen zeigen, dass Kooperation bessere Resultate zeitigt als Konkurrenz, und ihnen zugleich mehr Entscheidungsfreiheiten (z.B. im Bereich der Zeiteinteilung, Beschäftigungsinhalte, Gestaltung des sozialen und technischen Umfeldes etc.) zugestehen, dann können wir tatsächlich die Chance in der Krise sehen und die längst überfällige Transformation der westlichen Gesellschaft vollziehen.

Gelingt es nicht, in kurzer Zeit möglichst viele Bürger wachzurütteln und zu Wutbürgern werden zu lassen, die gemeinsam konstruktiv an einer lebenswerten Zukunft arbeiten möchten … bleibt halt – wieder mal –  nur noch das Gebet.




Weltkrieg 3: Made in USA

Man macht sich ja als Vater so seine Gedanken. Zum Beispiel über die Zukunft. Früher war es üblich, sich sogar schon vor der Geburt Gedanken über die Zukunft zu machen, eine Einstellung, die sich als ganz nützlich bewies. Manche waren in den Siebzigern der Meinung, das es unverantwortlich sei, „in diese Welt“ Kinder zu setzen. Ich war anderer Meinung. Ohne Kinder gibt es keine Zukunft, das ist schon mal sicher. Doch selbst wenn man die Perspektive ausschließen möchte, selbst in irgendeiner Weise am Elend seiner eigenen Kinder beteiligt zu sein, das ihnen in dieser Welt wiederfährt, so gibt es doch außerhalb der Dimension der Politik ein unendlich reiches Leben, welches lediglich durch Kriege in Gefahr geraten könnte – und Kriege hielt ich für ausgeschlossen.

Ende des zwanzigsten Jahrhunderts konnte doch wirklich niemand mehr ernsthaft daran denken, die Grauen von 1914 oder 1939 zu wiederholen. Immerhin gab es Fernsehen – eine, wie ich meinte, wunderbare Erfindung, die es Menschen erlaubte, sich einen lebhaften Eindruck von der Vergangenheit zu machen, realistische Bilder von Kriegen zu sehen, die ihnen die Lust an dieser Veranstaltung für immer und ewig nehmen würden. Kriege – erst recht in großem Ausmaß – hielt ich für unmöglich.

Heute sehe ich das anders – heute muß ich es anders sehen. Ich hatte mich vertan, mich verrechnet. Zum einen wiederholt sich etwas, was schon 1914 zu beobachten war: junge Leute, die den Krieg nicht kannten, deuten ihn als heroisches Abenteuer, das – selbstverständlich – alternativlos im Dienste höherer Ziele anzustreben ist.

Zum anderen gibt es doch noch eine verbliebene Macht, die mit Gewalt Weltherrschaft ausübt und in diesem Zusammenhang auch jederzeit bereit ist, große Kriege vom Zaun zu brechen – und das ist gerade die Macht, die öffentlich als Garant für Menschenrechte und Demokratie verkauft wurde: die USA.

Sie sind in ihrer Agressivität wohl bald durchaus zu vergleichen mit dem Dritten Reich Hitlers – jedenfalls wenn ich die neuen Enthüllungen von Wikileaks ernst nehmen soll, die man zum Beispiel bei wsws findet:

Depeschen des US-Außenministeriums, die WikiLeaks veröffentlicht hat, haben Geheimpläne der Nato für einen Krieg gegen Russland wegen der baltischen Staaten unter der Führung der USA aufgedeckt.

Die Geheimpläne sprechen klar und deutlich von den Vorbereitungen auf einen umfassenden Krieg mit Russland. Sie sahen für den Fall eines russischen Einmarschs in eine der ehemaligen baltischen Sowjetrepubliken die sofortige Entsendung von neun amerikanischen, englischen und deutschen Divisionen sowie polnischen Truppen vor.

Das westliche Demokratien ernsthaft daran gedacht haben, einen dritten umfassenden Krieg gegen Russland zu führen, würde ich unter normalen Umständen nicht glauben. Es widerspricht allem, wofür diese Länder stehen…..bzw. mal gestanden haben. Die Zeiten, wo man drauf vertrauen konnte, das Vernunft und Demokratie sich von ganz alleine durchsetzen werden, sind wohl spätestens seit der Einführung der Agenda 2010 vorbei. Hier konnte jeder auf einmal in aller Deutlichkeit vor der eigenen Tür sehen, das man Menschenrechte mitten in einem „demokratischen Staat“ einschränken kann, das der Souverän – sofern er der staatliche verordneten Arbeitspflicht nicht nachkommt – mit Hausarrest und sozialer Ausgrenzung seiner Kinder bestraft wird … Umgangsformen wurden etabliert, wie sie in totalitären Staaten üblich sind.

Wo so ein Geist herrscht, da wirft man auch gern Bomben auf die Nachbarn.

Am 5. Dezember gelangte Material an die Öffentlichkeit, das den zerrütteten Zustand der internationalen Beziehungen angesichts der sich verschärfenden globalen Wirtschaftskrise deutlich werden lässt. Insbesondere die sich im Niedergang befindliche Weltmacht USA setzt alles daran, ihre Vorherrschaft gegenüber aufkommenden Rivalen, wie z.B. China, zu retten. Dieser Konflikt ist Kern einer Meldung des Außenministeriums vom 24. März 2009, die über ein Treffen des damaligen australischen Premiers Kevin Rudd mit der amerikanischen Außenministerin Hillary Clinton bei einem Besuch in Washington berichtet.

Rudds Antwort beseitigt alle Illusionen: Er bezeichnete sich als “brutalen Realisten hinsichtlich Chinas.” Wie er ausführte, widmeten die australischen Geheimdienste der zunehmenden militärischen Stärke Chinas ihre volle Aufmerksamkeit und Australien werde „als Reaktion auf Chinas zunehmende Gewaltoptionen“ seine Seestreitkräfte im Südpazifik ausbauen. Er sagte, die USA und ihre Verbündeten müssten sich bemühen, China in eine von Amerika dominierte Struktur zwischenstaatlicher Beziehungen in der asiatisch-pazifischen Region einzubinden, und „sich gleichzeitig auf die Anwendung von Gewalt vorbereiten, falls das alles schief geht.“

So reden dort gewählte demokratische Politiker. Vom Ton her kein Unterschied zum Denken nazi-deutscher Panzergeneräle.

„Wenn es dem Esel zu gut geht, dann geht er aufs Eis“, sagt der Volksmund. Jetzt wundert es mich auch nicht mehr, das der Konflikt mit Nordkorea nicht zur Ruhe kommt: da es schon Pläne für ein „Korea der Widervereinigung“ gibt (Pläne, die von Peking energisch abgelehnt werden).

Der Autor des Artikels bei wsws sagt es deutlich:

Dieses Gespräch erinnert an die geheimen Diskussionen zwischen Großmächten in den Jahrzehnten vor dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, als diese um Machtpositionen und Einflusssphären rangen und gleichzeitig ihre Streitkräfte auf den ultimativen Kampf um die Vorherrschaft in Stellung brachten. In beiden Perioden wurden lokale und regionale Spannungen – auf dem Balkan, im Mittleren Osten und in Nordafrika – zum Zünder für einen weltweiten Konflikt.

Hier ringen schon längst nicht mehr Demokratien um ein friedliches Miteinander, hier positionieren sich Armeen zum Schlagabtausch, hier laufen Großmächte frontal aufeinander zu.

Der Kampf um Macht und Einfluß wird dabei mit einer unglaublichen Skrupellosigkeit geführt, bei der Menschenleben – hier bei „Zentrum der Gesundheit“ keine Rolle spielen:

Informationen, die einigen WikiLeaks-Berichten zu entnehmen sind, enthüllen eine mögliche Verschwörung der US-amerikanischen Regierung mit dem Ziel, gentechnisch veränderte Nahrungsmittel (GMO, engl.: genetically-modified organisms) auf dem afrikanischen Kontinent zu verbreiten und sich gleichzeitig die Bodenschätze Afrikas zu sichern.

Auch wenn die Dokumente bei Wikileaks keine Aussagen zu dem Thema machen: Geist und Denken der US-Politik würden erlauben, sich vorzustellen, das nine-eleven hausgemacht war, inszeniert von einflußreichen und finanzstarken Kreisen mit Weltherrschaftsphantasien. Immerhin war es genau dieses Ereignis, das es erlaubte, hemmunglos „zurückzuschießen“ – genauso wie Hitler nach einem fingierten Angriff zurückschießen konnte. Selbst so ein Superverbrecher bemühte sich noch um eine Legitimation seiner Kriege gegenüber dem eigenen Volk, umso mehr muß man erwarten, das kriegsinteressierte Kreise in den USA eine Legitimation benötigen.

Je größer der wirtschaftliche Druck in den USA wird, umso größer wird auch der Hunger nach einem Krieg, der die wirtschaftlichen Sorgen fortbläst und an dessen Ende reiche Beute steht: gewonnene Rohstoffe und zerbombte Konkurrenten.

Der einzige Trost: beim nächsten Krieg hat Deutschland eine Chance, nicht mehr Frontgebiet zu sein. Womit wir vor Ort rechnen müssen, ist einfach nur eine wohlwollende Militärdiktatur, die uns unsere Kinder nimmt, um sie in Russland oder China zu verheizen. Zu weit gegriffen? Ich denke nicht. In Spanien ist das laut wsws schon Realität:

Die Entscheidung der spanischen Regierung, der Armee zu befehlen, die Kontrolltürme der Flughäfen zu besetzen, um einen spontanen Streik der Fluglotsen zu brechen, ist eine Warnung für die gesamte Arbeiterklasse.

Die Regierung von Ministerpräsident José Zapatero von der Spanischen Sozialistischen Partei (PSOE) hat dem Militär durch die Ausrufung des Notstands umfassende Befugnisse übertragen, durch den grundlegende demokratische Rechte ausgesetzt werden. Diese Maßnahme zeigt den durch und rechten Charakter dieser „sozialistischen“ Regierung. Sie ist entschlossen, den Willen der Finanzaristokratie durchzusetzen und ergreift Maßnahmen, wie es sie seit 1975, dem Ende des faschistischen Regimes von General Franco, nicht mehr gab.

Die Fluglotsen versehen weiterhin ihren Dienst unter vorgehaltener Waffe … und dürfen – wie der Spiegel heute berichtet – dankbar sein, nicht verhaftet zu werden:

Aufgrund der Sonderrechte hätten die streikenden Fluglotsen wegen Befehlsverweigerung vor Militärgerichten angeklagt und zu Freiheitsstrafen verurteilt werden können.

Sieht zwar politisch schlecht aus für die Sozialisten, die das angeordnet haben, aber das ist ihren Geldgebern egal. Sie stört es nicht, wer ihre Befehle ausführt, Hauptsache ist: sie werden ausgeführt. In der Konzernwirklichkeit ist jeder austauschbar, der nicht macht, was dem Konzern dient. Was dieser Mensch privat so macht, ob er Kommunist, Faschist, Christ, Moslem oder Demokrat ist, ist dem Konzern völlig egal – solange er seinen Job macht.

Und wir Bürger? Wir dürfen freiwillig bei dem Theater mitmachen – als Kommunisten, Faschisten, Christen, Moslems oder Demokraten. Solange wir mitmachen und gute Renditen abwerfen, werden wir auch noch gefüttert. Werden wir aber alt, krank und nutzlos, dann schmeißt man uns weg. Gut, das unsere „Fit for Job“-Kultur uns hilft, so lange wie möglich nützlich zu bleiben, gut, das unsere Medienkultur allzuschlimme Wahrheiten von uns fern hält und uns mit Tittytainment beruhigt, gut, das dieser Assange bald wegen Wehrkraftzersetzung eingesperrt wird, dann können wir weiterhin im alltäglichen Trott vor uns hinmarschieren, bis … ja bis die Bomben fallen.

Aber vielleicht treffen sie ja diesmal nicht unser Haus …

Wenn man so aus dem Fenster schaut, die Ruhe und den Frieden der Eifeler Winterlandschaft betrachtet, dann ist es kaum zu glauben, das ein paar kleine falsche Entscheidungen genügt hätten – und wir hätten wieder Krieg mit Russland.

Aber vielleicht kriegen wir den ja doch noch … vor oder nach dem Krieg mit China um die amerikanische Vorherrschaft in Asien.

Was aber noch weniger zu glauben ist, ist die Tatsache, das alle unsere Politiker von diesen Plänen wissen bzw. gewußt haben müssen. Das ist die Welt, in der sie sich tagtäglich bewegen – und vielleicht auch die Erklärung dafür, warum es egal ist, wen man wählt.  Egal wer es ist: er macht nur seinen Job.


Wikileaks und seine Ursachen – die inszenierte Wirklichkeit

Auf der Seite Satundkabel findet man derzeit eine spannende Studie:

Die Hauptnachrichtensendungen im deutschen Fernsehen neigen laut einer Studie dazu, Terrorismus zu inszenieren. „Zugleich gibt es kaum Berichte über die Ursachen des Terrorismus“, sagte der Jenaer Kommunikationspsychologe Wolfgang Frindte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Ich muß denen mal glauben, ich schaue seit sechs Jahren kein TV mehr.  Zurecht, wie ich letztens merkte, als ich meinen „zappenden“ Sohn im Krankenhaus besuchte. Die Manipulationen, die dort offen und klar erkennbar laufen und noch vor dreissig Jahren von jedem Deutsch- Soziologie- oder Politiklehrer im Unterricht als Beispiel für völlig verblödete Propaganda hätten herhalte müssen, sind inzwischen gesellschaftsfähig. Vielleicht wollen die Leute das, vielleicht kennen sie auch nichts anderes mehr.

Sicherlich hat das Privatfernsehen viel verändert. Auf einmal war nicht mehr die Nachricht wichtig, sondern „wie sie ankommt“. Singende Puffväter retten inzwischen das Programm – auch ganz ohne Nachricht. Damit man als Nachrichtensprecher auch noch nächste Woche seine Rechnung bezahlen kann, braucht man ein Gegengewicht, das mit pupsenden Bodybuilderinnen mithalten kann. TERROR!!!! … ist da ein gewichtiges Argument.

Für Nachrichtensendungen ist es sicherlich entwürdigend, sich der Quote stellen zu müssen. „Heute war nichts los“ ist zwar an manchen Tagen Wirklichkeit, läßt sich aber mit dem modernen Nachrichtengeschäft nicht vereinbaren.

Eine Autobombe auf dem Weihnachtsmarkt ist da ein gefundenes Fressen findet auch viel weitere Verbreitung und mehr Kommentar als der schwedische Heckenschütze, der Jagd auf Ausländer macht. Das „Jagd auf Ausländer“ inzwischen weltweit ein immer beliebterer Sport ist, kommt auch nicht zur Sprache, noch fragt man sich, warum das eigentlich auf einmal so ist. So berichtet die Welt:

Tagelang wütete in Buenos Aires der Mob gegen obdachlose Ausländer. Vier Menschen starben. Nun werden die Einwanderer von Polizisten geschützt.

Die Täter – keine Taliban, sondern der vielgelobte Mittelstand. Dazu paßt auch eine andere Nachricht aus der Welt:

Der in Russland bekannte dunkelhäutige Schauspieler Tito Romario ist in St. Petersburg an seinen schweren Prügel-Verletzungen gestorben. Der gebürtige Brasilianer war schon häufiger Opfer rassistischer Übergriffe. Seit dem Ende der Sowjetunion hat die Ausländerfeindlichkeit in Russland stark zugenommen.

Im deutschen Mittelstand sieht es nach einer aktuellen Studie ähnlich aus, man sollte denken, das wäre wichtiger als Terrorismus – aber: es läßt sich nicht gut inszenieren. „Mittelschicht jagt Weltweit Minderheiten“  wäre eine gute Schlagzeile, entspricht der Wirklichkeit, aber paßt nicht ins aktuelle offizielle Bedrohungskonzept. Man merkt: nicht nur die Nachricht wird wichtig, sondern auch, was man mit ihrer Veröffentlichung bezweckt. Ein Nebenzweck: Machtzuwachs für die vierte Macht. Die Möglichkeit zur Inszenierung der Wirklichkeit gibt reale politische Macht. Eine Nebenwirkung: stärkeres Umwerben und Einbinden der vierten Macht durch die anderen gesellschaftlichen Mächte, wodurch sie eigentlich schon fast wieder sinnlos geworden ist.

In eine solche Situation manifestiert sich nun „Wikileaks“, das diese Woche mit „Openleaks“ eine Ergänzung („Konkurrenz“ würde ich da nicht sagen wollen) bekommt.

Schon ist die Empörung groß – unzensierte Fakten strömen durch das Land und verwirren den Wähler, noch schlimmer: aktuell erfährt er, welches „Klima“ innerhalb der US-Administration herrscht, wie arrogant eine Supermacht über ihre Mitmenschen urteilen. Schlimmer ist, das diese Supermacht unschuldige Menschen erschießt, aber da drückt man – weil es ins Konzept paßt – gerne mal ein Auge zu. Selbst wenn man belogen wird und die Tochter des kuweitischen Botschafters vor der UN ein billiges Theaterstück aufführt, um die Länder in einen Krieg zu treiben, nimmt man das relativ gelassen hin.

Das die gleiche Macht wegen Wikileaks laut Spiegel völlig aus ihrer pseudodemokratischen Rolle fällt, stört auch kaum.

In Großbritannien wartet Julian Assange auf seine Auslieferung an Schweden, US-Justizminister Eric Holder will ihn am liebsten selbst vor Gericht bringen.  Es gibt dabei nur ein Problem: Es existiert kein passendes Gesetz, gegen das der WikiLeaks-Gründer verstoßen hätte – noch nicht.

Das ist die Einstellung einer Autokratie. So herrscht ein Diktator über sein Volk – mit Willkür. Deshalb wollten wir keine Autokraten mehr.

Was ist die eigentliche Sünde von Julien Assange?

Er stört massiv die Inszenierung der Wirklichkeit durch die Medien, dabei haben Politik und Wirtschaft viel Zeit und Geld aufgewendet, um die lästigen Medien endlich auf Kurs zu bringen, damit die endlich viel über die Gefahr durch den Terror berichten und nichts über die Wirkungen des Terrors der Globalisierung.

Allein die bloße Möglichkeit, das es da noch ein unkontrolliertes Medium gibt, das eventuell die fein vertuschten kriminellen Machenschaften von Mächtigen einfach so entblößen kann (und jedesmal gleichzeitig demonstriert, wie zahnlos und harmlos die etablierten Medien geworden sind),  jagt weltweit den Tätern schon eine enorme Angst ein. Niemand kommt auf die Idee, dem diplomatischen Korps der USA nahezulegen, das sie vielleicht mal etwas an ihrer grundsätzlichen Einstellung gegenüber ihren Freunden, Verbündeten und Partnern ändern sollten – die abwertende, zynische Haltung dieser Leute scheint in Medienkreisen weithin akzeptiert zu sein, den gleichen Kreisen, die kein Problem damit haben, die internationalen Beziehungen weiterhin als globale Veranstaltung mit dem ethischen Niveau eines protestantischen Kirchentages abzubilden.

Diese Lüge zu leben wird aber dank Julien Assange nicht mehr länger möglich sein. Wen man sich aber nun überlegt, wer an dieser Inszenierung, die dank ihm an Glaubwürdigkeit deutlich verloren hat, alles mitwirkte und dran verdient hat, dann wundert man sich nicht mehr, wie viele ihn jetzt hassen und verurteilen.

Lieber wäre allen ein Volk, das mit offenem Mund Dieter Bohlens pupsenden Busenwundern zuschaut … oder was da alles aufgefahren wird um die Leute mit Klamauk von Bildung abzuhalten.

Demokratie … ein Auslaufmodell der Geschichte

Man macht ja Politik gerne in kleinen Dosierungen. Selten holt man zu einem großen Rundumschlag aus. Lieber viele kleine Schritte, die Fakten schaffen, welche letztlich wiederum auf einmal Sachzwänge hervorrufen, die dann alternativlose Handlungen verlangen. So hat keiner die Verantwortung, niemand zieht sich den Zorn des Volkes zu.

Demokratie war mal notwendig, auch für die Mächtigen. Man brauchte die Arbeitskraft der Menschen in den neu wachsenden Industrien, auf einmal konnte „Streik“ zu verlorenen Kriegen führen – insofern er nicht auf den Kriegsgegner übergriff. Die Industrialisierung brachte die gesamten westlichen Gesellschaften durcheinander, alle gewachsenen sozialen Strukturen wurden durcheinandergewirbelt auf dem Weg in ein neues Paradies.

Es war notwendig geworden, den Arbeitern Macht zu geben, denn dank der Abhängigkeit der Staaten von purer Arbeitskraft hatten sie schon längst Macht – so wie heute die Öl-Staaten.  Zudem drängten auch die reichen Industriebarone die alten, verarmten Adeligen vom Thron während von der anderen Seite her die intellektuelle Elite die Saat für unveräußerliche Menschenrechte auslegte. Demokratie war – alternativlos geworden.

Nun sind wir im 21. Jahrhundert angekommen. Von einer Abhängigkeit von Arbeitskraft kann keine Rede mehr sein, 80% der Bevölkerung (Kinder, Arbeitslose, Rentner, Kranke) leben in erbärmlichen Abhängigkeitsverhältnissen, der Rest schuftet zu Dumpinglöhnen, weil Maschinen Arbeit wertlos gemacht haben. Eine neue Feudalkaste hat sich etabliert und wird von den Medien als „Promis“ fleißig umschwärmt. Von da her war es nur noch eine Frage der Zeit, bis das erste Medium eine fundamentale Diskussion um den Sinn von Demokratie entfesselt – in diesem Fall ist es das Magazin Geo.

Bevor wir nun zum dem Inhalt des Artikels kommen, erstmal was über GEO selbst, bzw. über die Leserschaft dieses Magazins in Auszügen aus dem Selbstporträt des Magazins bei Gujmedia 2009:

Die GEO-Leser sind hochgebildet, einkommensstark und stehen in der Mitte des Lebens.

GEO-Leser wissen Qualität zu schätzen und haben Entscheidungskompetenz.

Als Basismedium der sich herausbildenden Wissensgesellschaft erreicht GEO eine Top-Zielgruppe: Leser mit überdurchschnittlicher Kaufkraft, die sich Qualität und Luxus nicht nur wünschen, sondern auch leisten können. Aus der Wissenselite rekrutieren sich zudem die wichtigsten Meinungsbildner und Entscheider in Wirtschaft und Gesellschaft.

GEO-Leser sind innovativ und setzen Trends.

GEO-Leser haben großen Einfluss auf ihr soziales Umfeld.

Wir sehen also: es ist nicht irgendein Goldenes Blatt sondern ein Medium mit großer Reichweite bei den „Leistungsträgern“ – also jenen Menschen, die von anderen gerne auch mal „Lumpenelite“ genannt wird. In einer aktuellen Ausgabe findet sich der Artikel „Allheilmittel Demokratie?“:

Für den Zeitraum von 1975 bis 2004 haben wir Daten aus 155 Ländern verglichen; haben Wahlergebnisse, Parteiensysteme, die Kriterien für eine Wahlberechtigung und andere Freiheitsindikatoren mit der Entwicklung des Pro-Kopf-Einkommens in Beziehung gesetzt. Das Ergebnis stellt die bisherigen Annahmen nicht auf den Kopf, zwingt aber zur Differenzierung: Denn ja, natürlich gibt es Tyranneien, die ihre Bürger ausplündern. Aber es gibt auch autokratische Regime, die einer breiten Bevölkerung Wohlstand verschaffen. Und ja, selbstverständlich gibt es demokratische Staaten, deren Regierungen eine gute Entwicklung voranbringen. Aber es gibt auch Demokratien, die sich in Populismus und Vetternwirtschaft verstricken. Die Unterscheidung „Demokratie = gut, Autokratie = schlecht“ ist nicht fein genug.

Dieses Zitat ist – wie alle Zitate – aus dem Zusammenhang gerissen.  Professor Collier beschäftigt sich in erster Linie mit der Frage, ob Demokratie ein idealer Zustand für Dritte-Welt-Länder ist, noch wird die Demokratie des Westens nicht in Frage gestellt …. jedenfalls nicht direkt.

Südkorea etwa hat eine autokratische Phase durchgemacht, mit schlimmen Menschenrechtsverletzungen. Und mit fundamentalen Wirtschaftsreformen, die wiederum zu schnellem Wachstum führten – und zu einem Wohlstand, der automatisch den Druck erhöhte, den Übergang zu einem demokratischen Rechtsstaat zu vollziehen.

Wenn also am Ende schnelles Wachstum steht, wäre eine Diktatur zu tolerieren?  Nicht nur dann …

Denn während gewählte Finanzminister oft erfolglos gegen alte Eliten anregieren, haben es Autokraten einfacher, deren Widerstand zu überwinden.

Ganz nebenbei haben wir jetzt allgemeine Maßstäbe für die – alternativlose – Etablierung einer Autokratie erhalten. Jetzt brauchen wir für Deutschland nur noch eins: den Nachweis, das unsere Demokratie in Populismus und Vetternwirtschaft abgleitet  (was auf uns zukommen wird, wenn die Rentner einen Großteil der Bevölkerung stellen und bei Wahlen ärgerlicherweise ständig berücksichtigt werden müssen) und im Wachstum schwächelt – schon kann man den Gedanken weiterführen.

Demokratie wird zum Abfallprodukt von Wirtschaftswachstum, was andererseits schon die offene Bekenntnis zum Terror der Ökonomie und der Diktatur des Profits ist (vor deren Übermacht wieder nur ein Diktator schützen kann). Im eigentlichen Sinne sind Demokratie und Menschenrechte aber selbst Werte. Sinn von Demokratie ist nicht bestmöglichstes Wirtschaftswachstum sondern größtmögliche Freiheit des Individuums – egal, was das kostet.  So etwas sollte ein Professor eigentlich wissen. Es gibt schlichtweg keinen Grund, Pro-Kopf-Einkommen in Verbindung mit der Staatsverfassung zu setzen, da man hier Äpfel mit Birnen vergleicht – so könnte man auch, wenn man den Vergleich geschichtlich weiter ausdehnt – die Wirtschaftsentwicklung des Dritten Reiches als Beleg für den Sinn des Führerkultes nehmen … in Deutschland war mal eine Star-Trek-Folge verboten, weil ein Mr. Spock sich über diesen Tatbestand positiv äußerte, diese Zeiten scheinen jetzt im Dunstkreis der Leistungsträger vorbei zu sein.

Wenn man aber solche Gedankenspiele macht, dann hat man vor allem eins im Kopf: das das demokratische Zusammenleben der Völker nicht mehr den höchsten Wert im menschlichen Leben hat, sondern dem Renditewahn der Leistungselite bedingungslos unterzuordnen ist.

Der Ex-Wikileaks Sprecher Daniel Domscheit-Berg erklärt  im Handelsblatt:

Regierungen und Unternehmen halten mehr geheim, als für unsere Gesellschaft gut ist, zumal die Entscheidungen des Einzelnen Einfluss auf immer weitere Teile der Welt haben. Wenn ich Turnschuhe kaufe, ist auch der betroffen, der sie zusammenklebt. Gerade die Geheimnisse der Wirtschaft müssen aufgedeckt werden, damit ich mich richtig verhalten kann. Nehmen Sie die Bankenkrise. Da passierte so viel hinter verschlossenen Türen, das vielleicht verhindert worden wäre, wenn ein paar Sekretärinnen als „Whistleblower“ agiert hätten.

Schaut man sich nun an, mit welcher Wucht und Macht der Initiator von Wikileaks weltweit gejagt wird, so braucht man sich über die Akzeptanz antidemokratischer Gedanken keine Illusionen mehr machen: das ist schon längst mehrheitsfähig – jedenfalls bei Entscheidungsträgern. Nicht das Verbrechen ist das Übel, sondern seine Aufdeckung. Darum sind Verschwörungstheorien tabu, Verschwörungen hingegen akzeptabel – nur so läßt sich erklären, das die USA in Folge des Angriffskrieges auf den Irak noch nicht aus der Völkergemeinschaft ausgeschlossen wurden.  Je mehr man allerdings vor dem Volk geheim hält, je mehr Lüge in der Politik um sich greift, umso mehr hat man sich schon längst vom demokratischen Grundgedanken verabschiedet und sich eher einem mafiösen Terrorsystem als Idealbild verschrieben.

Wie gut, das uns in Deutschland als deutschen Bürgern von unseren Politikern immer nur die Wahrheit gesagt wird.

Deutsche Medien als Pressesprecher der Korporatokratie und die Moral des Jugendmedienschutzstaatsvertrages

Krieg ist Mist. Das wissen die Ältesten unter uns sehr gut. In Wirklichkeit gibt es bei Kriegen keinen Gewinner – jedenfalls nicht unter den Teilnehmern. Je nach Definition gewinnt der eine oder andere Politiker, König oder General, die Mitarbeiter jedoch … sehen am Ende eines Kriegs überhaupt nicht mehr gut aus. Einen Krieg vom Zaun zu brechen ist leicht – sehr leicht. Einfach ein paar Menschen, besser noch Kinder erschiessen, schon tobt der Zorn hoch und die Maschine rollt – die Kriegsmaschine.

Ist sie erstmal in Gang gesetzt, läßt sie sich kaum noch stoppen. Ähnlich wie Konzerne: haben die erstmal ihre Wurzeln weltweit, werden sie allmächtig und können durch niemanden mehr aufgehalten werden – es sei denn, man ändert die komplette Wirtschaftsordnung, entzieht dem Gewächs seine Lebensgrundlage. Darum ist es so unglaublich wichtig, die Entwicklung von Kriegen im Vorfeld zu stoppen – all unsere Diplomatie, all unsere Verhandlungskunst, unsere Großzügigkeit haben nur einen Sinn: das Verstümmeln von Menschen durch Maschinen zu vermeiden. Den Kriegslüsternen kann man gar nicht oft genug die Bilder der Kriegsversehrten zeigen, damit sie wissen, auf welches Abenteuer sie sich da genau einlassen.

Vom Krieg gibt es verschiedene Definitionen. Ich gebrauche das Wort gerne im Sinne von „Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“ – wobei ich diese Mittel strikt ablehne. Man könnte auch sagen: „Fortschreitender Gebrauch von Gewalt als Mittel zur Problemlösung„. Alles feine Worte, an dessen Ende ein abgeschossener Unterkiefer, amputierte Gliebmassen oder Blindheit steht, vom Tod mal ganz abgesehen.

Ist der Krieg erstmal entfesselt, Gewalt als Lösung aller Probleme im Prinzip akzeptiert (eine Philosophie, die viele Videospiele verfolgen), ist er wie ein Feuer im Sägewerk – wobei das Sägewerk kaum räumliche Grenzen hat. Bald hat jeder einen Toten zu beklagen, den es zu rächen gilt, jeder einen Täter, der ausgemerzt gehört.

Ähnlich geht es momentan mit Wikileaks vor sich. Es folgt Schlag auf Schlag … dabei ist eigentlich gar nichts weiter geschehen. Orientiert man sich nach dem im Management gültigen Sicherheitsprinzip „even the worsest case“, mußte man mit der Möglichkeit rechnen, das die politische Welt eine interne Seite hat, die sehr unfreundlich ist. So ein Irakkrieg fällt doch nicht vom Himmel – da sind viele bewußte Entscheidungen getroffen, die den Mord an Zivilisten billigend in Kauf genommen haben. Wer so etwas tut, redet auch nicht freundlich über Westerwelle – darauf kann man sich verlassen.

Der „Spiegel“, ganz vorne mit dabei bei den Enthüllungen, mischt jetzt ganz vorne bei der Verurteilung der Enthüllungssympathisanten mit, verdient aber an den Enthüllungen selbst weiterhin sehr gut.

Die Hackerangriffe von WikiLeaks-Gegnern und -Sympathisanten eskalieren. Das Netz erlebt eine Welle digitaler Selbstjustiz, die der Meinungsfreiheit schadet – denn die Logik dahinter ist so simpel wie gefährlich: Wer die stärkste Technik hat, dominiert den Diskurs.

Der Einsatz von Gewalt im politischen oder gesellschaftlichen Diskurs ist immer abzulehnen. Selbst verbale Entgleisungen sind hier schon kritisch zu betrachten.

Als Bürger eines demokratischen Staates haben wir das Recht auf Gewaltanwendung abgegeben – an den Staat, der den Einsatz von Gewalt streng beaufsichtigen sollte. Jede Form von Selbstjustiz ist also ebenso abzulehnen … doch haben wir mit der von den Sozialdemokraten und den Grünen (die nebenbei auch gerne Bomben auf andere Länder schmeißen) etablierten Agenda 2010 genau dieses Prinzip etabliert: die Selbstjustiz der Konzerne, ihre Waffe im Kampf gegen den „faulen Bürger“.

Dann haben wir eine arrogante und korrupte Medienwelt, bei der die Konzernwelt dank der Abhängigkeit der Medien von Werbeeinnahmen (immerhin 75 % des Einkommens eines jeden Spiegelmitarbeiters) mit übergroßer Rücksicht – und Parteinahme rechnen darf.

Und hier nähern wir uns jetzt der brisanten Mischung, die gerade durch die geistige Welt tobt. Es gab eine Lücke in dem Schulterschluß von Politik und Wirtschaft, eine Medien- und Informationslücke. Die Technik hat Räume geschaffen, die durch die Staatsmacht nicht mehr zu kontrollieren sind. Freiräume … eigentlich etwas Schönes und Erstrebenswertes, denn Freiräume zu schaffen ist ja Sinn einer jeden Demokratie.

Jetzt aber merken wir gerade, das eben diese Demokratie mehr und mehr zum schönen Schein wird – dort, wo der Bürger selbst lesen, denken und entscheiden will, wird er lästig. Dort, wo nicht irgendwo irgendein Wirtschaftsvertreter irgendwie die Finger auf Informationen hat und bestimmen kann, was man dem Volk zumuten darf und was nicht, wird man unruhige …. weil man weiß, das man was zu verstecken hat. Das wäre jedenfalls mein Verdacht: even the worsest case bewehrt sich bei der Lenkung von Konzernen sehr gut, während das „even the nicest case“ der deutschen Politik aus den Bürgern faule Hunde macht – jedenfalls wenn man der Welt glauben darf:

Die Deutschen sind gutgläubige Staatsbürger und lieben die Ruhe. Zufrieden blicken sie auf Reförmchen und den Sozialstaat. Das wird für kommende Herausforderungen nicht reichen.

So schnell werden Medien beleidigend, wenn die Bürger bei der Abschaffung des Sozialstaates nicht sofort „Hurra!!!“ brüllen und Gewehr bei Fuß stehen … und so sehr ist die vierte Macht insgesamt als globale multimediale Pressestelle dem Bundesverband der Deutschen Industrie einverleibt worden.

Auf einmal findet man auch die Notwendigkeit von Moral wieder, eine Moral, die international agierende Superkonzerne (die größer und wirtschaftlich machtvoller sind als die meisten Staaten) vor 16-jährigen Internetnutzern schützen sollen, die einen Freiraum verteidigen. Hier werden moralische Urteile verbrochen, die an Unbildung und Ignoranz frisch aus der Welt der faschistischen Erziehungsanstalten kommen, auf einmal ist es schlimm, das der Mensch weniger Wert ist als die Technik, auf einmal ist es schlimm, das Drohnen Demonstranten ersetzen oder das „nur die Schädigung des Opfers Aufmerksamkeit bringt, wie der Spiegelautor anklagend formuliert. Das die gleichen Anklagen auch gegen den Straßenverkehr, die Agenda 2010, den Afghanistankrieg oder die Bankenkrise vorgebracht werden können kommt keinem in den Sinn: wer zahlt, befiehlt – scheint der Leitsatz des deutschen Journalismus im 21. Jahrhundert zu sein.

Steht man im Krieg um die Freiräume des Internet auf einmal möglicherweise auf der Verliererseite, erinnert man sich – ganz selbstlos – auf einmal daran, das es ja auch noch „Moral“ gibt … eine Moral, die man zuvor im Interesse der Werbeeinnahmen großzügig verkauft hat?

Ich hoffe nur, man bleibt bei der Moral auch bei den Themen, wo man auf der Gewinnerseite steht, merkt, das es nicht gut ist, wenn der Mensch weniger Wert ist als die Rendite, das Drohnen in Afghanistan ebenso wie der Straßenverkehr Menschen tötet und das Krieg nicht nur dann schlecht ist, wenn man als Verlierer dasteht und möglichweise damit rechnen muß, von Jugendlichen ohne journalistische Ausbildung aus dem Netz geschossen zu werden.

Vielleicht macht man sich dann mal Gedanken darüber, ob es nicht eine durch nichts gerechtfertigte internationale Menschenjagd gegen einen kleinen Internetapostel ist, der den Kriegsfall überhaupt erst ausgelöst hat … aber diese Menschenjagd im Sinne der Konzernherren ist ja in Ordnung – solange die Werbeeinnahmen fließen.

Noch ein abschließendes Wort aus der Feder des Spiegel-Autors Konrad Lischka?

Wer die bessere Technik nutzt, wer mit einfachen Botschaften und klaren Angriffszielen möglichst viele Demo-Drohnen für seine Sache gewinnt, der erlangt mehr Aufmerksamkeit als andere. Doch wenn einfach die stärkere Technik gewinnt, wird die Meinungsvielfalt verlieren.

Ein wahres Wort gelassen ausgesprochen … aber das Prinzip gilt selbstverständlich nicht für die Blogs, deren Existenz jetzt durch den konzernfreundlichen Jugendmedienschutzstaatsvertrag gefährdet wird. Meinungsvielfalt ist nicht im Sinne des Gesetzgebers – und damit ist auch Demokratie nicht mehr im Interesse des Gesetzgebers. Welche Meinung man sich bilden soll, wird von den Pressesprechern des Konzernunwesens tagtäglich auf allen Kanälen verkündet, Gegenmeinungen werden gejagt. Gegenmeinungen? Mit der Jagd auf Julien Assange jagt man einfach nur … die Wahrheit. Allerdings eine Wahrheit, die beim ruhigen Abkassieren stört, an dem alle Entscheidungsträger und Medienapostel gut mitverdienen.

Wikileaks wird Wikikrieg? Operation Payback in der Kritik

Was war geschehen? Eine Internetplattform hat – wie für Medien eigentlich üblich – Informationen aus Quellen veröffentlicht. Bei den Informationen war eigentlich bislang nichts überragend Neues dabei – jedenfalls für mich nicht. Bräuchte keinen Artikel der letzten Jahre umschreiben, weil ich meine politische Bildung eher aus Büchern denn aus Wikipedia beziehe. Ganz neu hat man erfahren, das die USA Westerwelle für eine Flasche halten – ganz Deutschland war erstaunt, das der Mann, der die FDP auf vier Prozent heruntergewirtschaftet hat und immer noch auf jede staatsmännische Kontur verzichtet, in den USA nicht als das Genie anerkannt wird, für das er sich selber hält.

Man hätte diese Affäre also einfach mit einem Schulterzucken abtun können – zumal es ja – wie wir seit Jahren fleissig lernen – überhaupt keine Verschwörungen gibt und die privaten und öffentlichen Medien immer über alles umfassend und ausführlich informieren, sogar über die Massenvernichtungswaffen des Irak oder die drohende Vernichtung Europas durch die Taliban oder die Schweinegrippe … war ja nur noch eine Frage, wer von den beiden  zuerst in Berlin ankommt.

In dieser offenen, herzlichen Atmosphäre der internationalen Politik, wo sich nur reinweg edle und gutmeinende Charaktere zur Rettung der Welt, des Friedens und der ständigen Erweiterung des Wohlstandes der Gesamtbevölkerung treffen hat es nun ein paar Mißklänge gegeben die immer deutlicher wahrgenommen werden, je öfter man über sie spricht.

Die Meinung der USA zu Westerwelle wiegt offenbar schwerer als der Angriffskrieg gegen den Irak mit einer Million toter Menschen – auf jeden Fall scheint es irgendwen zu stören, das es da die Möglichkeit gibt, einfach vertrauliche Dokumente veröffentlichen zu können, denn … hinter den Kulissen der Weltpolitik geht doch mehr ab, als man uns gerne glauben machen möchte.

Natürlich verzichtete man auf der internationalen Bühne nicht darauf, möglichst viel Kapital aus den Vorgängen zu schlagen, weil es darum im Prinzip in Wirklichkeit geht: Kapital aus allem schlagen – vor allem aus der Arbeitskraft der Bürger – aber letztendlich hätte wohl kein Hahn mehr danach gekräht, wenn nicht – ja wenn nicht die internationalen Konzerne sich eingemischt hätten. Amazon, Visa, Paypal … auf einmal mischten sich Gemischtwarenhändler in die Politik ein.

„Wir verkaufen nicht an Juden!“ verdeutlicht vielleicht, welches Prinzip hier wieder zu wirken beginnt: Wirtschaftskraft wird Waffe gegen mißliebige Menschen.

Nun habe ich noch Stimmen von bezahlten Qualitätsjournalisten im Ohr, die mir versichern, das der Bürger niemals mit der Wahrheit „einfach so“ konfrontiert werden dürfe.  Das ginge ja gar nicht.  Das müsse ja „aufbereitet“ und „einsortiert“ werden, „vorgekaut“  sozusagen. Das der „Qualitätsjournalist“ de fakto damit der Entmündigung des Bürgers das Wort redet, fällt ihm im eiferenden Kampf um die Fleischtöpfe  kaum noch ein. So etwas gefällt wohl den Konzernherren und den von ihnen gesponserten Politikern, den die großen, staatstragenden Medien werden ja nicht in dieser Weise von Konzernen angegangen.

Würden Tankstellen kein Benzin mehr an Autos mit „Anti-AKW“-Aufklebern verkaufen, würde man vielleicht deutlicher verstehen, welches Prinzip hier gerade versucht, politische Realitäten zu schaffen.

Das alles jedoch bringt den „Spiegel“ nicht in Rage. Was ihn jedoch stört, ist die „Operation Payback“.

Dass sie dabei die falschen Zeichen setzen, fällt anscheinend niemandem auf. Letztlich sind die Aktionen virtuelle Steinwürfe, Molotows, Akte des Vandalismus. Was sie vermeintlich adelt, ist das vorgeblich hehre Ziel: Kämen sie aus „falscher“ Richtung (Staat, Behörden, Unternehmen), wäre das Geschrei groß.

Insofern sind die Aktionen vor allem der Ausdruck eines Herrschaftsanspruchs. „Wir sind das Web!“, sollen die Attacken auf Mastercard und Co. zeigen. Und wer sich nicht nach „unseren“ Regeln verhält, wird bestraft.

„Wer sich nicht nach unseren Regeln verhält, wird bestraft“ …. ist in der Tat das Prinzip der Konzerngewalten. Das jedoch scheint die Herren des „Spiegel“ nicht zu stören – immerhin kauft man selber bei Amazon, hat die Mastercard und wird auch gerne mal zu diversen Events der Konzerne eingeladen. Wenn es aber der „Pöbel“ ist, der „Mob“, der „Untertan“, der sich selbst wie ein Konzern gebärdet, dann ist das Ausdruck eines Herrschaftsanspruches, den es zu bannen gilt?

Terror ist nur dann Terror, wenn er von der falschen Seite kommt? Konzernterror ist guter Terror, weil Konzerne viel Geld in die Kassen des „Spiegel“ spülen?

Sollte man bei all dem nicht mal dran erinnern, das der Skandal im Wikileaks gar keiner wäre, wenn die „Tagesschau“ und andere Formate nicht täglich ein Bild von einer Welt zeichnen würden, das zwar schön rosig aber in Wirklichkeit ziemlich weltfremd ist? Außerhalb der  Medien habe ich noch keinen Menschen getroffen, der von dem Inhalt und dem Tonfall der Veröffentlichungen überrascht war.

Es wäre eine Frage der Moral zu beurteilen, ab wann man die Aktionen der „Hacker“ gut oder böse nennen kann. Das Urteil fällt schwer, weil Hacker sich auf „Notwehr“ berufen werden und auch der Anspruch des bezahlten Journalismus, dem Bürger nur vorgekautes Material zumuten zu wollen, einen Akt der Notwehr wie Wikileaks selber herausfordert. Letztlich verhalten sich Hacker unmoralisch wie ihre Vorbilder in Wirtschaft und Politik: wer die Macht hat, kann sie einsetzen.

Und hier scheint die Quelle des „Spiegel“-Geschrei: man merkt, das es eine Nische gibt, über die man keine Macht hat. Was wäre nur mit den von Werbeeinnahmen gut bezahlten Stellen bei „Spiegel-Online“, wenn man unaufbereitete Informationen einfach so aus dem Internet beziehen und sich selber Gedanken darüber machen kann, darf und muß, wie man die jetzt einsortiert? Es gäbe bald keine gut bezahlten Stellen mehr – dafür ein mündiges Volk voller Journalisten.

Für manche … eine grauenvolle Vorstellung. Da ist es besser, man organisiert deren Verwaltung so, das sie den ganzen Tag mit irgendetwas beschäftigt sind und gut unterhalten werden. Und in dem Geschäft mischt das ehemalige Nachrichtenmagazin ja kräftig mit.

Wahrscheinlich wird es die Herren vom Spiegel freuen, das jetzt die ersten Täter gefaßt sind: ein 16-jähriger Junge in Holland.

Pisa, Klima und Fachkräftemangel – alles Schwindel, aber die Wahrheit wird verhaftet

Ich gebe mir ja Mühe, auf dem Laufenden zu bleiben. In unserem kleinen Eifeltal würde man ja sonst auch nichts mitkriegen von der Welt – außer eben das Handwerksmeister keine Arbeit mehr bekommen, wenn sie erstmal vierzig sind, das Ingenieure 60 Stunden die Woche arbeiten müssen – bei sinkendem Einkommen, das die Schulwelt immer brutaler und sinnloser wird und auch sonst das Klima immer kälter.

Erst durch die Nachrichten habe ich erfahren, das das alles falsch ist. Nachrichten und Zeitungen haben mich darüber aufgeklärt, das alte Leute superprima Arbeit kriegen – überall, für ganz viel Geld. Manche erhalten sogar einen ganzen Euro – für nur eine Stunde Arbeit! Gut, Schüler werden immer blöder (das konnte man aber auch vor Ort merken), besonders die Unterschichtsschüler, die man in vornehmen SPD-Deutsch Prekariat nennt, taugen für nichts, erst recht nicht, wenn da irgendwo ein Opa keinen Ariernachweis hat. Na, und dann habe ich auch mühevoll gelernt, das wir Klimakatastrophe haben, die wir den Rindern und den Autos zu verdanken haben (schlimmer sind zwar Flugzeuge und Kreuzfahrtschiffe, aber über diese Kategorien wird selten geredet, weil dem Deutschen Urlaub wichtiger als als das Überleben).

Ich fand, ich war auf der Höhe der Zeit – obwohl hier vor Ort die Winter wieder schlimmer werden und ich mit Nachbarn schlecht über die Klimakatastrophe reden kann. Die Flüche, die früh morgens durchs Tal hallen und ungebremste Freude über neu gefallene Schneemassen zum Ausdruck bringen, sprechen eine eigene Sprache und die Aktzeptanz für amtliche Nachrichtenwahrheiten sinkt in diesen Momenten stark.

Heute morgen habe ich – nach dem üblichen Schneeschaufeln – wieder mal in die Nachrichtenwelt geschaut. Die „Welt“ erregt da immer meine erste Aufmerksamkeit, weil ich bei diesem konservativen Blatt oft interessante Dinge finde – wie auch heute.

Dass Deutschland heute besser dasteht als vor zehn Jahren, verdankt es vor allem den eigentlich schwächeren Schülern und den Kindern von Migranten. Die Abstände im Kompetenzniveau zwischen Angehörigen höherer und niedrigerer sozialer Schichten haben sich reduziert. Und zwar nicht, weil die Kinder aus Akademikerhaushalten schlechter geworden wären, sondern weil die übrigen besser geworden sind. Der Abstand ist zwar nach wie vor eklatant, Chancengerechtigkeit bleibt die vorderdringlichste Aufgabe. Doch stimmt die Tendenz hoffnungsvoll.

Da haben die Aussortierten ja mal richtig zugelegt….und damit die Sarrazinaden des Sommers widerlegt. Das ließe natürlich große Hoffnung aufkeimen – der besser gebildete Nachwuchs könnte uns ja bei einem sehr gravierenden gesellschaftlichen Problem helfen: dem Fachkräftemangel.

Der jedoch löst sich – jedenfalls in der Welt – pünktlich zur Pisa-Studie in Luft auf:

Deutschland fehlen angeblich Tausende Fachkräfte. Dabei suchen viele verzweifelt einen Job – und scheitern am Perfektionismus der Firmen.

Die Firmen suchen die eierlegende Wollmilchsau, die schon immer der Liebling der Personalchefs war. Aber so langsam kommen Nachrichten und Wirklichkeit wieder zusammen – jedenfalls in meinem kleinen Eifeltal. Nach wie vor kann man die Behauptung nicht widerlegen,  das die Grundschule im Nachbarort nach Einkommen aussortiert (was zum Ende des vierten Schuljahres zu steigendem Umsatz in der Luxusklamottenbranche führt, um das Kind gymnasialfähig zu halten), nach wie vor ist es in Ordnung, das fünfzigjähre Ingenieure keine Arbeit finden – liegt am System, nicht an der Person, da braucht man nicht zu verzweifeln.

Nun warte ich nur noch auf die Nachricht, das die Klimakatastrophe auch offiziell im Papierkorb gelandet ist – was Schade wäre. So ein bischen Erderwärmung täte uns hier vor Ort gerade ganz gut. Plus zwei Grad wäre schon ganz Klasse.  Wenn ich mir allerdings die Dynamik in Cancun anschaue (soll ja einen schönen Badestrand haben, das Dorf), dann gehe ich nicht davon aus, das die Regierungsvertreter das Problem „Klimawandel“ sonderlich ernst nehmen. Man traut sich wohl nur noch nicht so ganz, zuzugeben, das das auch ein großer Joke war, weil man mit diesem Mythos gerade wieder viel Geld machen kann. Und ohne diesen Mythos wäre man jetzt im eingeschneiten Deutschland anstatt in Cancun am Strand, wo man mit Temperaturen bis 28 Grad rechnen kann. Kein Wunder, das die nicht in der Eifel tagen … wäre gerade eine ganz schlechte Kulisse für Mythen über die globale Erwärmung.

Nun – wenigstens hat man jetzt diesen Wikileaks-Hauptquerulanten gefaßt. Das ist schon mal ein Fortschritt. Der hat mit seinen Veröffentlichungen ja die ganze fein staatsbürgerliche verantwortlich handelnde Medienwelt durcheinandergebracht, in dem er Notizen aus der politischen Wirklichkeit veröffentlichte. Wenn der erstmal weg ist, dann können sich die honorierten Medien wieder voll und ganz darauf konzentrieren, endlich wieder eine gemeinsame Wahrheit zu formulieren, die allen – und vor allem der Wirtschaft – nützt und Freude bereitet.

Wikileaks und Journalisten als geistige Führer der Menschheit

Am 3. November 2009 erschien im österreichischen Standard ein Artikel über die Zukunft des „Qualitätsjournalismus“.  Der „Journalist“ macht sich Sorgen über seine Konkurrenz aus dem Internet, das sich frecherweise erlaubt, ohne Rücksicht auf Chefredakteur, Werbepartner und Befindlichkeiten der Regierungspartei einfach so Informationen zu verbreiten.

Die Konsequenzen, die aus dieser Tatsache gezogen werden, werfen ein interessantes Licht auf die Sichtweise der bezahlten schreibenden Zunft.

Vielmehr müsse die journalistische Qualität als professionelles Handwerk betrachtet werden: „Wir wollen auch nicht von ‚Bürgerpiloten‘ nach Mallorca geflogen werden oder von ‚Bürgerchirurgen‘ operiert werden“

Das meint jedenfalls Christoph Fasel, Professor für Medien- und Kommunikationswissenschaft der Hochschule Calw, bei einer Tagung der US-Botschaft und des Kuratoriums für Journalistenausbildung in Wien. Dazu müsste die Zeitungen jedoch auch angemessen auf die aktuelle Medienkrise reagieren, die Qualitätszeitungen müssten deutlich teurer werden.

Qualitätsnachrichten werden also nur noch für Besserverdienende? Oder denken Professoren, die wie Arbeitslose von „öffentlichen Almosen“ leben, nicht mehr über die eigene Brieftasche hinaus? Politische Bildung und Information ist ja vielleicht auch nichts für den arbeitslosen Bürger, das sollte er besser den Experten überlassen – wie auch die Politik, die Wirtschaft, die Erziehung, Bildung und das Gesundheitswesen. Nur … bezahlen, das soll er schon. Am Besten in Form von GEZ- gebühren, damit es überhaupt keinen Zusammenhang mehr zwischen Leistung (Gebühren) und Ware („Wetten dass“) gibt.

Das es Tagungen  einer US-Botschaft und des Kuratoriums für Journalistenausbildung gibt, wirkt scheinbar bei niemanden der Anwesenden anstößig. Wir sind halt aller locker, freundlich und gut drauf.

Der Journalist von heute solle mehr auf die Ängste und Sorgen der Leser eingehen, meinte auch Christoph Fasel. Da die Welt so komplex geworden sei, sei die „Lotsenfunktion“ der Medien wichtiger geworden. Nutzwertberichte, wie praxisnahe Erklärungen zum komplizierten Sozialsystem zum Beispiel, brächten auch hohe Leserquoten.

Schade nur das heutzutage arbeitslose Sozialwissenschaftler praxisnahe Erklärungen des Sozialsystems anhand eigener Erfahrungen liefern können, da haben sie den etablierten Kollegen einiges voraus – werden sozusagen selber zur Nachricht.

Das Journalisten nicht nur Nachrichten bringen,  sondern dem Volk auch erzählen sollen, was man von diesen Nachrichten zu halten hat, das auch nicht alle Nachrichten für das Volk geeignet sind, erfährt man schon bei Pressekonferenzen, wenn an die „staatsbürgerliche Verantwortung“ der Medienvertreter appelliert wird … und den Rest der Freiheit entsorgt die Abhängigkeit von den Nachrichtenquellen … zum Beispiel sichert der gesicherte Zugang zum US-Botschafter inklusive der Möglichkeit der Exklusivberichterstattung aus seinem Hause die Festanstellung im eigenen Hause – und schon gehört man mit zu jenem überversorgtem Wohlstandsklientel, das seit neuestem seinen Ausländer- Schwulen- und Arbeitslosenhass ganz offen zeigen darf, weil man die Chance auf eine Mehrheit im Lande hat – zumindest auf eine Mehrheit in den Printmedien.

Das der so etablierte „Lotse“ dann nichts mehr mit einem klassischen Journalisten zu tun hat, sondern sich in einem Netzwerk von Abhängigkeiten bewegt (einem Netzwerk, das ihn trägt, befördert und ernährt) stört den klassischen Untertangeist nicht sonderlich, so wenig wie die Tatsachte, das es Monopole in der Journalistenausbildung gibt, die eine unheimliche Nähe zur amerikanischen Botschaft haben, so bietet das Kuratorium für Journalistenausbildung auch den Österreichischen Journalisten-Kolleg an, der das Monopol über den „Redakteur“ ausübt:

Wer sich in Österreich Redakteurin oder Redakteur nennen will, muss das Österreichische Journalisten-Kolleg oder eine vergleichbare Ausbildung besucht haben.

Ob man wohl der iranischen oder chinesischen Botschaft ähnlich nahe steht? Ist das jetzt die Definition von „Qualitätsjournalismus“? „Made in USA?“.

Es ist vielleicht nur ein kleines österreichisches Narrenspiel, aber der Feiztanz um den Bundespresseball in Deutschland läßt mich erahnen, das es hier nicht besser aussieht – als Bürger, der nur Informationen will und sich dann darüber –  bitte schön –  selber Gedanken machen möchte, verlange ich eigentlich von Journalisten und Redakteuren, das sie sich von diesem Ereignis fern halten. Tun sie dies nicht, suche ich mir zu den etablierten Medien Alternativen, die keine Rücksicht auf Tanz- oder Interviewpartner nehmen müssen. So heil ist die Welt im moment nicht, das man so leichtfertig derartige Kontakte tolerieren könnte.

Aus diesem Blickwinkel heraus verstehe ich auch, warum Julien Assange sich nicht mehr zum Thema „Journalismus“ äußern möchte … die Debatte ist schlichtweg unnütz und erbärmlich. Journalisten, die vom Geld, vom Wohlwollen oder von Netzwerken abhängig sind, sind ihr Geld nicht wert – und das wissen sie. Wir brauchen sie nur noch eine Weile, weil sie ein Monopol auf Kommunikation haben, ein Monopol, das durch das Internet und seine Möglichkeiten langsam beseitigt wird, was auch gut so ist.

Die Diskussion um Wikileaks zeigt, wie weit die Degeneration im Journalistenberuf schon fortgeschritten ist – möglicherweise sogar soweit, das diese Rolle an sich eine Gefahr für die Demokratie darstellt, weil sie (ähnliche wie die Kirchen) eine Ware anbieten, die sich nicht mehr besitzen: die Wahrheit.

Dafür erlauben sie sich einen kühnen frechen und ängstlichen Griff zur Macht … den Griff zur Lufthoheit über die Felder der Meinungsbildung aus Angst vor dem, was da kommt.

Im Übrigen traue ich  Bürgerpiloten und Bürgerchirugen mehr als Leuten, die den Job für Geld machen um ihre Spielschulden abzuzahlen.  Bei Bürgerpiloten gehe ich davon aus, das sie aus Leidenschaft das Fliegen gelernt haben, bei Bürgerchirugen sehe ich die Liebe zur medizinischen Praxis und zum Menschen im Vordergrund – und wenn ich bei Bürgerjournalisten die Liebe zur Wahrheit finde, dann bin ich als kleiner Eifelphilosoph gar nicht mehr zu halten.

Und insofern … sind für mich Julien Assange und Wikileaks Helden. Echte Helden – und echte Journalisten. Nicht die Tatsache, das da was veröffentlicht wurde, ist der Skandal, sondern was in den Veröffentlichungen enthalten war … auch wenn sich für Menschen, die schon länger jenseits der abhängigen Medien nach Informationen suchten, keine grundsätzlichen Änderungen im Weltbild ergeben dürfte.

In einer Welt, die so wäre wie die, die der staatstragende Journalismus uns tagtäglich verkaufen möchte, hätte es einen Irakkrieg nie geben dürfen.  Da es ihn aber gab, sehe ich schon, das gewissen Kreise so langsam die Notwendigkeit einer „Lotsenfunktion“ für das Volk sehen – denn für den Normalbürger kommen Angriffskrieger nur aus Schurkenstaaten. Das haben wir gelernt – wir waren selbst mal einer.

Da bedarf es schon besonderer Lotsen und geistiger Führer, denen wir völlig vertrauen müssen, da sie uns verkaufen wollen, das zwei und zwei irgendetwas so um fünf herum ist, aber näher an drei als an sieben.

Offene Schlacht gegen Wikileaks

Na Freunde, zur Zeit können wir uns tatsächlich das Imperium schlägt zurück im Original angucken. Allerdings habe ich das Gefühl, das es eher mal wieder „das Imperium führt einen Präventivkrieg“ heißen sollte.

Was haben wir nicht im Vorfeld für tolle Sachen lesen dürfen. Die neusten Veröffentlichungen würden einen Teil der Geschichtsschreibung verändern und was weiß ich nicht noch. Unsere großartigen Medien haben dann doch eher Klatsch und Tratsch aus dem US-Botschaftsklo draus gemacht. Schon traurig wenn der Spiegel mehrere Wochen vorher das Material zur Verfügung hat und dann nur blöde Geschichten von Teflon Merkel, dem blöden Horst aus Bayern und Scheißguido der nichts kann und zu nichts zu gebrauchen ist macht. Zum Einen ist das überhaupt nichts Neues und zum Anderen wird so ein Ausschnitt aus der Realsatire die sich deutsche Politikelite nennt wohl kaum die Geschichtsschreibung verändern. Das der Gelprinz ein ganz großer U S A rschkriecher ist, dürfte wohl auch keinen gewundert haben. Geiler fand ich da schon den Maulwurf in der FDP, Der den Amis brühwarm jeden Mist aus den Koalitionsverhandlungen erzählt hat. Ich habe noch meine Zweifel ob Gödis Bürohengst wirklich der Verräter war. Die Idee das es der Rösler Phillip sein könnte war mir viel sympathischer, aber Dem Traue ich im Prinzip eh alles zu. Ach ja, die Idee ist übrigens nicht aus der Heute Show, sondern stand Anfang der Woche schon bei Duckhome:  http://www.duckhome.de/tb/archives/8641-Philipp-Roesler-Der-Spion-der-die-soziale-Kaelte-brachte.html .

Das die Arabs im Allgemeinen und da Saudi Arabien im Besonderen gerne den Iran wegblasen wollen und die Amis sich ein kacken, weil Pakistan so eine Scheißregierung hat, fand ich da schon interessanter. Auch das der Mossad sich befleißigt gefühlt hat die Grüne Revolution im Iran zu befeuern hat mich gefreut, auch wenn ich schon damals gesagt habe das ich mich wundere, wenn Iraner mit Demoschildern in der Sprache des Erzfeindes auf die Straße gehen. Jedenfalls habe ich bisher noch nichts gesehen, was die Ankündigung einer neuen Geschichtsschreibung gerechtfertigt hätte.

Nichts über Interventionen der Amis während der deutschen Vereinigung, nichts zum 11.September, kein zünftiger politischer Mord; im großen und Ganzen nicht viel Aufregender als die Stuttgard21 Schlichtung.

Nun hat Assange allerdings einen entscheidenden Fehler gemacht, bei dem es mich nicht wundern würde, wenn sich irgendein bescheuerter amerikanischer Patriot findet, der Ihm das Licht ausbläst. Immerhin hat sich sogar schon ein Mensch der sich Politikwissenschaftler schimpft hin gestellt und Assanges Kopf gefordert.

Ich würde behaupten, das ein Großteil der US-Politik von der Wall Street aus bestimmt wird, also ist es wohl kaum verwunderlich, das der Feldzug der USA gegen Wikileaks mit der Ankündigung des Dossiers gegen 2 US Großbanken begonnen hat. Plötzlich war der schwedische Haftbefehl wieder aktuell, dann schmiss Amazon die Leute von Ihrem Server, danach wurden die Denic Domains gesperrt, nun hat PayPal das Konto von Wikileaks eingefroren. Das Die bei Paypal total Scheiße sind konnten wir neulich ja auch in Plusminus auf der ARD sehen.

Über die Motivation von Assange will ich mich hier nicht auslassen. Ich habe keine Ahnung ob Er wirklich der Idealist ist, für den Er sich ausgibt, oder ob Er einfach nur ein geltungssüchtiger Spinner ist, Der mit dem Feuer spielt. Von der Theorie, das Er für die US-Regierung arbeitet halte ich persönlich für abwegig, jetzt noch mehr, da wir sehen können, wie der Feldzug des Imperiums läuft und die Luft für Wikileaks dünner zu werden scheint. Allerdings bin ich der Meinung das, gerade weil fast alle linientreuen Regierungen und alle Systemschreiberlinge gegen Ihn zu sein scheinen Er alle Unterstützung bekommen muß Die wir geben können. Wer kann sollte Spenden, wer Webspace hat sollte Diesen zur Verfügung stellen und wer hat sollte selbstverständlich sein Amazon und Paypal Konto kündigen und sämtliche Amazon Werbung von seinen Seiten nehmen. Oder wollt Ihr Euch etwa nachsagen lassen, das Ihr mit den Scheißläden sogar noch Geschäfte gemacht und Euer Gewissen für ein paar elende Cents verkauft habt?

Dirk Niebel und der Verlust jeglichen Realitätssinnes…

…wobei: Niebel ist FDP-Spitzenpolitiker, demnach ist das eigentlich nicht verwunderlich.

Niebel, wir erinnern uns, ist der FDP-Fuzzi, der u.a. das Entwicklungshilfeministerium abschaffen wollte, um Steuergelder einzusparen.

Niebel, wir erinnern uns, ist aktuell Entwicklungshilfeminister.

Nun machten die WikiLeaks-Veröffentlichungen ja recht hohe Wellen, erst verspätet, weil eine der Quellen ein junger, aufstrebender FDP-Politiker gewesen war, der geradezu live, in Farbe & 3-D aus den Koalitionsverhandlungen an den US-Botschafter berichtete.

Als Öffentlichkeit und Medien dies dann doch noch bemerkten, fiel der Verdacht naheliegenderweise auf Phillip Rösler und Christian Lindner.

Und noch während der verdacht fiel, ließ uns Niebel wissen:

„Ich halte den Vorwurf für geradezu lächerlich. Ich bestreite, dass es einen Informanten gibt.“

Heute, nachdem sich Helmut Metzner, ehemaliger Büroleiter von Westerwelle als Bauernopfer zur Verfügung gestellt hat, klingt Niebel ganz anders:

Niebel verteidigte das Vorgehen von Helmut Metzner, der die US-Botschaft im Herbst 2009 mit Informationen aus den schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen versorgt hatte, als „ganz normales tägliches Geschäft“ in der Politik. „Das war kein Maulwurf“, sagte der frühere FDP-Generalsekretär der „Rhein-Neckar-Zeitung“ (Freitag). (…) Metzner habe nur seine Arbeit getan

Und als ob das nicht schon…nennen wir es dämlich genug wäre, legt Niebel nach, denn er erklärt uns gleich auch noch, warum ein Unschuldiger, der nur seinen Job macht, dafür gefeuert wird:

„Vielleicht wollte man so die Pressekampagne beenden und einen verdienten Mitarbeiter schützen und aus dem Fokus der öffentlichen Berichterstattung herausnehmen“, sagte er. „Schließlich ist er mit solchen Dingen nicht so vertraut wie wir Politiker.“

(Zitatquelle)

USA und Kanada fordern Hinrichtung von Wiki-Leaks-Verantwortlichen – und das Ende der freien Welt

Es wird der Moment kommen, wo man erkennen muß, das es zu spät ist, die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft in eine neue Barbarei zu stoppen. Es mag sein, das der Moment schon jetzt da ist – wenn man die WELT ernst nehmen darf:

„Es gab sogar Rufe nach einer Ermordung von Julian Assange.“ Deshalb fürchte Assange zurecht um seine Sicherheit, sagte Hrafnsson. Der Wikileaks-Gründer werde sich deshalb weiter versteckt halten. Hrafnsson reagierte offensichtlich auf Aussagen aus Nordamerika. In den USA hatte der frühere republikanische Gouverneur von Arkansas, Mike Huckabee, Medienberichten zufolge gefordert, dass der Verantwortliche für die Wikileaks-Enthüllungen wegen Verrats angeklagt und hingerichtet werden solle.

In Kanada sagte ein Berater von Regierungschef Stephen Harper – offensichtlich ironisch – im Fernsehen, Assange sollte „getötet werden“ und US-Präsident Barack Obama könnte „eine Drohne nutzen“.

Man fragt sich, warum es diese Aufregung gibt.  Selbst wenn man bislang der Meinung war, das die herrschende Kaste in den USA respektvoll und voller Hochachtung über den Rest der Welt gesprochen hat, so ist es doch weniger der Tatbestand der Veröffentlichung, der Zorn erregen sollte, sondern die Arroganz und Verachtung, mit denen diese Kommentare formuliert werden.

Geht man nur mit Gewalt gegen den Boten vor … so zeigt man vor allem eins: man möchte an der eigenen Einstellung nichts ändern.

Was ist so fürchterlich an der Einschätzung der Demokratie in Russland? Ständige Ermordungen von kritischen Journalisten zeigen, das man dort wache informierte Bürger genauso wenig schätzt wie in den USA. Und die Macht mafiöser Strukturen in Russland ist doch kein Geheimnis, erst kürzlich konnte man im Spiegel darüber lesen:

Sie morden, brandschatzen, vergewaltigen: In russischen Provinznestern herrschen schwerkriminelle Banden, denen die Staatsmacht kampflos das Feld überlassen hat. Die verzweifelten Bürger flehen um Hilfe, aber wer soll ihnen beistehen?

Es sind Bilder aus einer Zukunft, die auch in Deutschland möglich geworden ist, einer Zukunft, auf die wir gezielt hinarbeiten. In den Idealvorstellungen der Konzernwelten brauchen wir zur Leistungsoptimierung in unteren gesellschaftlichen Schichten eine dicke Portion realer Grausamkeit – nichts anderes ist der Hintergedanke zu Hartz IV.

Diese Entwicklung bedroht die gesamte menschliche Zivilisation, deren mächtigere Bewohner überwiegend ihre Zeit vor dem Fernseher verbringen – in früheren Zeiten hätte man gesagt: in der Arena den Gladiatorenkämpfen und Christenverfolgungen zuschauen.

Meldungen wie die in der heutigen Ausgabe des „Spiegel“ sind doch wirklich nicht so umwerfend neu … noch kommt es unerwartet:

Etliche US-Depeschen aus dem WikiLeaks-Fundus erschüttern den Glauben an den Rechtsstaat Russland. Argwöhnisch beobachten die Diplomaten die wachsende Macht mafiöser Clans und Großkrimineller – und deren angebliche Kontakte in die Moskauer Staatsspitze.

Je größer die Herrschaft der Konzerne umso schwächer wird der Staat. Je schwächer der Staat wird, umso größer wird die Gefahr, das kriminelle Banden sich in Nischen festsetzen. So hat sich der Adel vor Jahrtausenden etabliert. Um Mao zu zitieren: Macht kommt aus den Läufen der Gewehre – und je ohnmächtiger das Volk (der SOUVERÄN) ist, umso größer wird der Wunsch nach Macht, um sich schützen zu können.

Es ist die Zukunftsvision einer Vivianne Forrester, auf die die neoliberale Wirtschaftspolitik mit großen Schritten zumarschiert:  sichere Konzernnetzwerke, in deren Machtbereich sicheres Leben möglich ist – Disney hat es mit Celebration laut archinform schon mal vorgemacht:

Cele­brated, also g efeiert, verherrlicht wird hier die heile Welt, wie sie Disney vor schwebt, denn der Kon zern hat sich vor ge nom­men, nach der perfekt illusionierten Traumwelt nun auch die Wirklickeit in Ordnung zu bringen ‒ wenigstens auf dem eige­nen claim. Wie die synthetische Kleinstadt Celebration also sieht die amerikanische Idealwelt aus, proper, clean und ohne soziale Probleme, ein »Prototyp für das kommende Jahrtausend«, so Disney-Chef Michael Eisner.

Alle kritisieren die Schaffung von „Parallelwelten“ durch Immigranten – kaum jemand fällt auf, das Konzerne mit ihrer unglaublichen Macht beginnen, ihre eigene Realität und Wirklichkeit zu bauen, in der Demokratie keinen Platz mehr hat. „Soziale Probleme“ bleiben draußen, und damit die auch wirklich draußen bleiben und sich nicht Widerstand organisieren, ist es gut, wenn die Gesellschaft in hohem Maße kriminalisiert wird. „Herrenmenschen“ leben sicher in den Siedlungszentren während der Rest im verwüsteten, ausgeplünderten Niemandsland vor sich hin vegetiert, wo Banden dafür sorgen, das es keinerlei sinnstiftende Organisation mehr gibt.

Eine Horrorversion der Zukunft – für die meisten von uns. Und doch ist sie unaufhaltsam, sofern man nicht die Wurzeln der Entwicklung erkennt. Eine außer Rand und Band geratene Wirtschaftsordnung ist so gefährlich für die Demokratie wie eine außer Rand und Band geratene Militärmaschine. Letztere haben wir gezähmt, das kann uns mit ersterer auch gelingen – aber nur dann, wenn wir bereit sind, über den Tellerrand hinaus zu schauen und das wahrzunehmen, was in den inneren Zirkeln der Macht gedacht und geplant wird.

Einen Ausblick darauf haben wir durch Wikileaks erhalten. Russland zeigt, wie schwach Staaten werden können, wenn sie unvorbereitet der Korporatokratie vor die Füße fallen – sie werden einfach aufgekauft, wer dagegen ist, wird erschossen.

Schon lange reden wir nicht mehr von der freien Welt, die uns früher Tag für Tag gepredigt wurde. An die glaubt auch kaum noch einer, sie hat ihre Bedeutung verloren, war nur im Kampf gegen die Sowjetunion eine Zeit lang nützlich. Jetzt, wo dieser Garant für die Machtbegrenzung der Korporatokratie gefallen ist, zeigt der Westen, das nicht die Demokratie sein Hauptantriebsmotor war, sondern der Wille der Konzerne zur grenzenlosen Machtentfaltung.

Das Ende der freien Welt kam mit dem Ende der Sowjetunion, deren Bürger die blutigen Folgen dieses Endes am eigenen Leib erleben. Die Korporatokratie freut sich, denn in der Sowjetunion sind einige neue Geldpressmaschinen geboren worden, die noch mehr Arbeitskraft in Finanztitel auf Konten einfrieren und das Volk in Folge im Elend verrotten lassen.

In Deutschland können Millionen Menschen das Ende der Freiheit und die Macht der Konzerne am eigenen Leib erleben … aber kaum jemand stört sich darum, weil es von breiten Bevölkerungsschichten als „gerecht“ empfunden wird: Agenda 2010 ist ein reines Konzernprodukt. Ein weiterer Endpunkt der Freiheit – im Prinzip (aber nicht von der Qualität her) gleich mit den Morddrohungen gegenüber Wikileaks – ist der Jugendmedienstaatsvertrag, der momentan die Freiheit der politischen Meinungsbildung im Internet anzugreifen droht.

Hier … hat man zwei Felder, wo man selber vor Ort etwas zur Rettung der freien Welt tun kann….wenn man möchte. Ich schätze mal, die Mehrheit hofft lieber auf einen Platz in den Luxusarchen der Konzerneigner – allerdings brauchen die nur noch 20% der Bevölkerung, Tendenz sinkend. Kann sich ja jeder selbst ausrechnen, wie groß seine Chancen sind, in den „Celebration“-Ablegern aufgenommen zu werden.

Ansonsten … sollte man sich gut überlegen, ob man diesen Konzern (Artikel im Spiegel) noch unterstützen möchte:

WikiLeaks verliert seine US-Heimat im Internet. Dienstleister Amazon untersagte dem Enthüllungsportal die Nutzung seiner Server – offenbar hatte Washington auf diesen Schritt gedrängt. Die WikiLeaks-Webseite ist nun über einen schwedischen Anbieter zu erreichen.


Wikileaks Cablegate – eine Charm-Offensive der CIA?

cialeaks

Nun hat Wikileaks trotz DDoS Angriffen und Drohungen aus den USA heldenhaft die angekündigten 3 Millionen geheime Dokumente aus Amerikanien veröffentlicht. Ach nee, nur knapp über eine viertel Million. Na ja, das reicht ja auch erst einmal.

Und was können wir da alles an interessanten Dingen lesen – bzw. was nicht.
9/11 und die Folgen? Oh, da war gerade Sendepause. Der Kossovo Krieg? Hat die Amerikaner wohl nicht interessiert. Die Wiedervereinigung? Nö, das können die auf dem Kontinent auch ohne die USA.

Aber das, was veröffentlicht wurde, ist recht geschickt ausgewählt.
Da lesen wir nun – gerne auch mit Schadenfreude, daß die Botschaftsangehörigen unsere Meinung bezüglich Westerwelle, Merkel, Steinbrück und so weiter im Großen und Ganzen teilen. Fefe schreibt, (daß man ihm schrieb..) daß Cablegate sich wie eine englische Version seines Blogs liest. Stimmt auffallend. Und unsere Vorurteile, daß sich die arabischen Staaten am liebsten sofort an die Gurgel gehen würden wenn Amerika da nicht lenkend eingreift, werden auch bestätigt. Ok, manchmal lenken sie in die für die Bevölkerung falsche Richtung, aber sie meinen es doch nur Gut und verhindern Nachbarschaftskriege. Der islamische Mensch ist halt Böse, wenn er an die Macht will – spätestens dann, wenn er an der Macht ist. Kennen wir ja schon. Oha, die Chinesen helfen dem Iran mit Chemikalien und Bauteilen zur Urananreicherung aus – via Nord Korea. Kommt gerade richtig.
Glaubt das eigentlich jemand?

Ok, vielleicht ist Rösler ein Spion der Amerikaner.
Wem ist der denn auf die Füße getreten. Aber haben wir was von dieser Information? Ermittelt die Spionageabwehr? Macht er seine Entscheidungen rückgängig? Pustekuchen.
Brand ist (wurde?) noch zurückgetreten weil er einen – ziemlich unfähigen – Spion beschäftigte. Das Merkel klebt viel zu fest am Kanzlersitz als das sie solch eine Alternative ernsthaft in Erwägung ziehen würde. Und Rössler selbst..  wird weitermachen wie bisher. Und dementieren muß man das auch nicht, würde ja eh keiner glauben. Ein Spion ist doch eine viel zu schöne Ausrede für verhandlungstechnische Unfähigkeit. Und wer das Bauernopfer sind wird, ist auch noch nicht klar.

Was gibt es noch… Informationen über irgendwelche aufsehenerregenden Aktionen der Amerikaner? Fehlanzeige.

Und im Hinterkopf behalten wir nun am besten, daß die Amerikaner gar nicht so böse Buben sind sondern einfach nur kritische und genaue Beobachter mit spitzer Zunge. Alles gar nicht so schlimm. Gehen Sie weiter. Hier gibt es nichts zu sehen.

Cui Bono?

Update 30.09.2010:

Für den iranischen Präsidenten Ahmadinedschad steht fest, woher die wahre Lüge rührt: Das WikiLeaks-Material sei nicht einem Leck, also einer unerwünschten Datenweitergabe, zuzuschreiben, sondern „in einer organisierten Weise weitergegeben worden“ – von der US-Regierung selbst. Damit antwortete Ahmadinedschad laut dem iranischen Fernsehsender Press.TV auf Fragen zu Cablegate, die ihm während einer Pressekonferenz gestellt wurden.

Siehe in der Telepolis: Obskure Verschwörungstheorie um Wikileaks

Wikileaks-Veröffentlichungen, Irlandhilfe und Schweigen in Korea

Nun ist es geschehen: Wikileaks hat wieder Dokumente veröffentlicht – so viele, das man hundert dicke Bücher damit füllen könnte. Wer große Sensationen erwartet hat, dürfte enttäuscht sein, von dem, was bei den Veröffentlichungen herauskam – oder war wirklich noch jemand der Meinung, das Guido Westerwelle im Ausland nicht auch als Knallcharge wahrgenommen wird? Die sind doch nicht blind oder taub.

Die Veröffentlichungen sind natürlich ein fulminantes Medienereignis. Für dieses Ereignis geht jetzt jemand laut FAZ bis zu 52 Jahre ins Gefängnis:

Bradley Manning war im Irak, er war einsam und frustriert. Er soll hinter den Veröffentlichungen der Website Wikileaks stecken, die Amerika und die Welt nun umtreiben. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 52 Jahre Haft.

Ich gehe mal davon aus, das die Medienimperien ihm von dem Gewinn, den sie mit dieser Aktion machen, etwas zukommen lassen. Dabei fällt mir ein, das die Verantwortlichen für das irakische Foltergefängnis Abu Ghuraib mit einem „Verweis“ davongekommen sind, die Täter zehn bzw. drei Jahre Haft bekamen. Da merkt man, wo die Prioritäten liegen.

Auffällig ist, das das zentrale Thema Wirtschaft laut Zeit scheinbar nicht vorkommt.

Interessant ist auch, was fehlt. Keine der genannten Zeitungen berichtete bislang über ökonomische Zusammenhänge. Mitten in der schwersten Wirtschaftskrise ihres Landes, nach einer weltweiten Bankenkrise und noch nicht ausgestandenen Schuldenkrisen von Ländern wie Irland oder Griechenland haben Amerikas Diplomaten dazu nichts zu sagen. Oder die entsprechenden Dokumente sind noch nicht öffentlich. Es könnte aber auch sein, dass die Daten nicht vollständig sind und wichtige Themenfelder deshalb fehlen.

Dabei ist Wirtschaft doch das zentrale Thema in den USA – und immerhin kann man davon ausgehen, das einige unserer Euro, die jetzt nach Irland fließen, in den USA landen werden … was hierzulande nicht jedem gefällt. Auf diese Weise bekommen sie indirekt den deutschen Sozialetat, was unsere Aussortierten Hartz IV-Abhängigen persönlich zu spüren bekommen. Jeder Bürger ist (mal nur auf Deutschland umgerechnet, dafür lassen wir Griechenland aussen vor) mit 1000 Euro an der Rettung der irischen Banken (bzw. der Renditen ihrer amerikanischen Kunden) beteiligt.  Das heißt für den Hartz-IV-Abhängigen, das er seine 5-Euro Erhöhung 16 Jahre ansparen müßte, um seinen Beitrag zu leisten … wobei nicht berücksichtig ist, das sein Beitrag bei einem Rettungsschirm von nun angedachten 1, 5 Billionen Euro und 500 Millionen Bürger, auf die das verteilt wird, dreimal so hoch wäre und er 48 Jahre lang sparen müßte.

Da kann schon mal Zorn aufkommen – und das wäre ja nicht uninteressant für den Botschafter.

Ist man kein Verschwörungsphobiker, hat keine Heile-Welt-Neurosen, dann hätte man sich viele Kommentare schon denken können. Da sprechen immerhin die Vertreter einer Nation, die zwei freie Nationen angegriffen und vernichtet hat. Das sind nicht mehr die USA, die als Leuchtturm der Freiheit und Vorkämpfer der Menschenrechte Gerechtigkeit in die Welt bringen – das ist ein aggressives mafiöses Imperium … zutreffender wäre allerdings: eine aggressive imperiale Mafia … weshalb es nicht wundern sollte, der der Tonfall, die Perspektive der Enthüllungen immer gleich ist: wir super, die doof.

Momentan sucht man vergeblich nach ganz aktuellen Meldungen aus Korea. Während zumindest die Welt gestern noch die Entwicklung im Minutentakt beschrieb, herrscht heute Ruhe. Dabei heißt es in der Zeit weiter:

Spannender angesichts des aktuellen Konflikts auf der koreanischen Halbinsel ist da schon, wie sich die USA ein Korea nach einem Sturz des Regimes in Pjönjang vorstellen. Vor allem solle das Land nach einer Wiedervereinigung weiterhin eng mit Amerika verbündet bleiben. Chinas Zustimmung würde man durch finanzielle und wirtschaftliche Kooperation erreichen wollen.

Wenn man von einer Zeit nach dem Sturz des Regimes spricht … dann hat man sich doch wohl auch schon konkrete Vorstellungen über sein Ende gemacht, einem Ende, dessen Anfang wir möglicherweise jetzt gerade erleben.

Gar nicht vorzustellen, was man als Feind der USA ertragen muß (obwohl … Saddam Hussein wird da wohl keiner so schnell vergessen), wenn schon – laut Welt – Freunde wie Deutschland mit offenen Drohungen überzogen werden:

Der Amerikaner erinnerte Nikel, den stellvertretenden Abteilungsleiter für Außen- und Sicherheitspolitik, an ähnliche Erschütterungen des amerikanisch-italienischen Verhältnisses im Jahr zuvor in einem ähnlichen Fall, heißt es in der Depesche. Schließlich versicherte er dem deutschen Ministerialdirigenten noch, es gehe ihm nicht darum, der Bundesregierung „zu drohen“, sondern ihr nur dringlich zu empfehlen, „jeden Schritt auf dem Weg hinsichtlich der Auswirkungen auf das Verhältnis zu den USA vorsichtig abzuwägen“.

Nikel wies seinen zudringlichen Gesprächspartner auf die Unabhängigkeit der deutschen Justiz hin. Die Kanzlerin sei sich aber der „politischen Implikationen des Falles“ bewusst. Sie versuche deshalb „so konstruktiv wie möglich“ zu agieren. Wegen des Drucks des Parlaments und der Presse werde dies aber nicht einfach, und er, Nikel, könne daher nicht versprechen, „dass sich alles zum Guten wenden“ werde.

Paßt zu dem mafiösen Geschäftsgebaren, das hinreichend in vielen Büchern beschrieben worden ist. Wie in dem Mafiafilm „Der Pate“ … man macht Angebote, die das Gegenüber nicht ablehnen kann….es dürfte dann auch überraschen, das man dem amerikanischen Gast umständlich erklären muß, das man in Deutschland Gerichte noch nicht kaufen kann. Das wird für den eine ganz neue Erfahrung sein.

Das hier eine Supermacht offen die Weltherrschaft anstrebt und in Anspruch nimmt, die Welt nach ihren Vorstellungen zu ordnen, scheint keinen sonderlich zu stören. Was von unseren „Freunden“ zu halten ist, bemerkt die TAZ deutlich:

„Die geheimen Dokumente zeichnen (…) das Bild einer politischen Landschaft in Deutschland, die überzogen ist von einem Informantennetz der amerikanischen Botschaft, das bis hinein in die Bundesländer reicht“, schreibt das Magazin. In den Dokumenten geht es nicht nur darum, was US-Diplomaten von deutschen Politikern halten. Das Magazin berichtet unter anderem auch, wie Interna der schwarz-gelben Koalitionsabsprachen 2009 an die Amerikaner gingen.

Wenn …. der Iran, Russland oder China ein solches Netz in Deutschland aufgebaut hätte, dann wären wir – zurecht – etwas verstimmt. Vor allem würden wir viel unternehmen, dieses Netz trocken zu legen, denke ich mir. Wie reagiert man aber wenn … „Freunde“ ein so umfangreiches Denunziantennetz über einen ausspannen.

Wie würden wir reagieren, wenn wir … sagen wir mal …  die Mutter einer befreundeten Familie dabei ertappen würden, wie sie aus unseren Kindern sensible Informationen über uns herausholen will – über unseren Kontostand, Streitereien zwischen Mutti und Vati, Freizeitverhalten, Essgewohnheiten und was sonst noch alles so interessant sein könnte um es später mal verwenden zu können.

Ich denke, so schnell würden wir solche komischen Typen nicht mehr einladen – und als Freunde würden wir sie sicher nicht bezeichnen. Mal sehen, wie die UN darauf reagiert, das ihre Mitarbeiter laut Zeit systematisch ausspioniert wurden:

Den Vereinten Nationen wird die US-Regierung allerhand erklären müssen. Angeblich hat Außenministerin Hillary Clinton eine Direktive abgezeichnet, die dreißig Botschaften in aller Welt anweist, Informationen über Mitarbeiter und Diplomaten der UN zu sammeln. Offenbar geht es um biometrische Daten, Passwörter, Kreditkarteninformationen.

Und vielleicht macht man sich auch mal Gedanken darüber, was unsere Freunde genau wann und wo mit diesen Informationen bewirken wollen …. und wieviel deutsche Politik inzwischen von Geheimdiensten und ihren Informaten gesteuert wird.

Das man in einem solchen Klima auf die Idee kommt, das „die“ „nine-eleven“ selbst gebaut haben, verwundert mich nicht. Der Grad an Hinterhältigkeit in dem politischen Gebaren gibt einem hinreichend Grund für eine solche Vermutung … dabei kratzen die Dokumente allesamt nur seicht an der Oberfläche.  Man will glaube ich gar nicht wissen, was in den „Top Secret“ – Dokumenten drinsteht – könnte einem die Verdauung durcheinanderbringen.

Wikileaks watscht Westerwelle

Schon vor der Veröffentlichung der “Diplomatenpost” durch Wikileaks gehts rund in Diplomatenkreisen. Oder in diesem Fall eher nicht rund, sondern eckig. 😉

Besonders schlecht kommt Guido Westerwelle weg.

http://www.sueddeutsche.de/politik/wikil…izont-1.1029368

http://www.handelsblatt.com/politik/inte…ruefung;2701445

http://www.morgenpost.de/politik/article1464827/Wikileaks-US-Botschafter-warnt-Westerwelle-vor.html

http://www.zeit.de/politik/ausland/2010-11/wikileaks-veroeffentlichung-westerwelle

Wikileaks! Panik! Alle nervös! Bürger wird informiert!

Die Botschaft unserer Medien ist einfach zu verstehen in den letzten Tagen: bleiben Sie zu Hause, trinken sie Kaffee und warten Sie weitere Anweisungen ab. Draußen warten nur irre Mörder voller „Mordlust“, verrückte Attentäter und zunehmend lästig werdende Arbeitslose. Zur Rettung der Welt kann man nun bei REWE nun „eins mehr für die Tafeln“ kaufen … womit wir den Bürger, den Souverän des Landes, endgültig zum gedemütigten Almosenempfänger machen – wer Pech hat, findet seine Spende direkt neben der Tierfutterbox und weiß, was dieses Land wirklich von ihm hält. Ich weiß, die Aktion ist gut gemeint … „gut gemeint“ ist aber oft das Gegenteil von „gut“.  Zu Hause jedoch, wo man seinen Einkauf wohlgelaunt genießen kann, kann man bei der Beantwortung der richtigen Fragen EINE GANZE MILLION einsacken – bei einem Herrn namens Jauch, der offenbar noch viele davon hat – das ist doch besser als sich beim „heißen Herbst der Gewerkschaften“ die Nase abzufrieren.

Die Realität außerhalb der Wohnzimmer wird auch wirklich immer düsterer – wenn man den Medien trauen darf … und nicht nur die schäbige Behandlung des Herrschers dieses Landes, des Bürgers, durch seine Verwaltungsangestellten deutet darauf hin, das einiges im ARGEN liegt.

Irgendetwas scheinen diese Angestellten zu wissen, das die Bürger nicht wissen, sonst wären die nicht so frech.

Dort, in der heilen Welt des Fernsehen, wo Millionen einfach so verschenkt werden, gibt es keine Tafeln, keine Rockerbanden, die mit Frauenhandel immer mehr Geld machen, keine Weltkriegsphantasien amerikanischer Multis – dort ist die Welt gut, heil und gerecht, nur draußen (weit draußen), jenseits der Grenzen von Mutter Merkel haust das Böse, das aber manchmal (häufig mit Migrationshintergrund oder Tafel-Geruch an den Kleidern, oft sogar mit beidem) doch noch ins Land eindringen kann.

Dann aber kommt auf einmal so ein kleiner Stinker daher und mißbraucht das Internet, jenes Geschenk des CIA an die Welt, zur Veröffentlichung von Dokumenten, die dazu geeignet sind, das „heile -Welt -Bild“ unserer Nachrichtenallesfresser in Gefahr zu bringen: Wikileaks heist diese Kloake der Unaufrichtigkeit.

Schlimme Dinge könnte man da laut Welt erfahren:

In Deutschland werden wir wohl erfahren, was die ehemalige und die derzeitige US-Außeninisterin, Condoleeza Rice und Hillary Clinton, wirklich von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), vom SPD-Fraktionsvorsitzenden Frank-Walter-Steinmeier oder von Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hielten und halten.

Wie die US-amerikanische Regierung die Welt wirklich sieht, sollte nie ein Bürger erfahren. Man würde merken, das wir jenseits des Atlantiks keine Freunde haben.

Wie bescheiden die US-Amerikaner deutsche Bundeswehrsoldaten in Afghanistan behandeln, kann man bei Peter Scholl-Latour nachlesen, wenn man will – „Kampf gegen den Terror, Kampf gegen den Islam“ heißt das schon ältere Werk.  Die Vernichtungsoffensive amerikanischer Renditeinteressen in Europa trägt gerade große Früchte, 1500 Milliarden Euro wollen wir jetzt für die Banken bereitstellen, um den Zinsdurst der amerikanischen Anleger zu befriedigen – da können die Boni in den USA wieder reichlich fließen.

Es wäre doch schlimm, wenn der Bürger erfährt, das die USA so groß geworden sind weil sie strategisch Denken und nicht nur – wie uns die Medien gerne weis und unsere Politiker uns vormachen wollen – einfach so in den Tag hineinleben. In den achtziger Jahren haben sich die Konzernstrategen überlegt, wie sie an die Gelder unseres Sozialstaates herankommen … und jetzt haben sie sie, dank „Wirtschaftkrise“. In den neunziger Jahren haben sie sich überlegt, wie sie die Bundeswehr zum Kampf für ihr mafiöses Imperium einspannen könnten – jetzt stehen wir weltweit im Einsatz.

Wäre es so schlimm, wenn der Bürger erfahren würde, das nine-eleven unmöglich von Taliban, el-Qaida oder Osama Bin-Laden von Afghanistan aus organisiert worden sein kann (so jedenfalls die Meinung des langjährigen Auslandskorrespondenten des ARD … und die Meinung des russischen Geheimdienstes und der gesamten islamischen Welt)? Wäre es so schlimm, wenn er erfährt, das die Machtelite der USA aufgrund ihrer wirtschaftlichen Basis Zukunft  20 – 30 Jahre im Voraus planen und auf die Gestaltung in ihrem Sinne mit Erfolg hinarbeiten kann?

Natürlich wäre das schlimm, denn die Aktion „Bürgereinschläferung“ war ja bisland extrem erfolgreich.  Was früher noch „enttarnte Geheimdienstoperationen“ waren, sind heute „Verschwörungstheorien“. „Die Welt ist ROSA“, so die deutliche Botschaft der Medien für Deutschland.  Schon in der Schweiz sieht es anders aus.

In Deutschland jedoch stehen die kritischen Medien schon jetzt „Gewehr bei Fuß“, um im Interesse der „Nationalen Sicherheit“ dem Bürger allzu gräßliche Details zu ersparen. Es wäre doch schlimm, wenn der Bürger merken würde, das er noch Macht hat, das System von Grund auf zu erschüttern. Das kann er jedoch erst dann tun, wenn er das System verstanden hat und die Säulen kennt, auf denen dieses System seine Macht gründet. Damit das nicht geschieht, bilden die Kriegsgewinnler der Medien eine geschlossene Front … immerhin geht es auch um ihren Arbeitsplatz, der komplett durch Konzerngelder finanziert wird – Wer zahlt, befiehlt wird dort jedem Redakteur als Plakette auf die Hand genagelt.

Die britische Regierung bittet jetzt laut Zeit die Medien ganz offen um Selbstzensur – und der Spiegel gehorcht umgehend:

Das deutsche Nachrichtenmagazin Der Spiegel ist, wie auch die vergangenen Male, an der Veröffentlichung der Akten beteiligt. Wie das Blatt in einem Vorabartikel dazu schreibt, wird es nicht die kompletten Daten zugänglich machen, die Wikileaks erhielt.

Dabei braucht man eigentlich kein „wikileaks“ um zu wissen, was gerade vor sich geht. Bücher dazu gibt es reichlich. Hinter jedem Buch steht ein Mensch, der seine Erfahrungen mit einem teilt – aber wer beherrscht heutzutage noch die Kunst, anderen zuzuhören … möglicherweise über tausende von Seiten.

Anstelle von FREIHEIT, GLEICHHEIT, BRÜDERLICHKEIT, anstelle von WAHRHEIT, GERECHTIGKEIT, WOHLSTAND haben wir BESCHÄFTIGUNG als Sinn unseres Lebens angenommen. Wer keine BESCHÄFTIGUNG  hat, hat deshalb nur Unsinn im Kopf.

Wenn wir wüßten, was hinter der Bühne der Medienpolitik alles läuft, könnten wir möglicherweise sehr zornig werden und unserem Leben einen anderen Sinn geben, weil wir von Unfreiheit, Ungleichheit, elitärer Arroganz, von Lügen, Ungerechtigkeit und Armut die Nase voll haben.

Oder wir lernen noch mehr Unsinn, damit wir bei Jauch ins Fernsehen kommen. Wir sehr gut bezahlt, wie man hört.

Wikileaks meint es nicht gut mit uns.

soldiers

Kriegführende Mächte leben grundsätzlich immer in einem Dilemma. Spätestens Vietnam brachte die Erkenntnis, dass wahrhaftige Bilder echten Tötens in Kriegen meist bei denen nicht so gut ankommen, die die zukünftigen Toten aus ihren Familien stellen müssen.

Die, die körperlich und/oder geistig schwer beschädigt oder sogar zerstört aus Kriegen heimkehren, haben diese Bilder alle mit eigenen Augen gesehen. Viele, wir wissen dies von Bundeswehrsoldaten, leiden an diesen Bildern bis an ihr Lebensende.

Deshalb werden uns Bilder vorenthalten – und nicht nur die fotografischen bzw. filmischen, sondern auch die in Worte gefassten zeigt man uns nicht. Das Sterben soll unsichtbar werden, selbst an den Zahlen wird so lange „gearbeitet“, bis sie weniger furchtbar klingen.

Oft wird uns die Wahrheit zusammen mit den Bildern vorenthalten, weil viele, viel zu viele der Geschichten hinter dem Sterben einfach zu entsetzlich sind und uns nahetreten; viel näher, als es eine abstrakte Zahl jemals vermag. Wer mag vom Gefühl her schon unterscheiden, ob ich von „10.000“ Toten spreche oder von „12.000“. Fass- und fühlbar wird das Entsetzen erst, wenn ich jedem der Toten ein Gesicht und eine Geschichte gebe.

(Quelle: Qantara.de)

Stets bemühen sich die, die einen Krieg führen, gewisse Geschehnisse vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Nichts anderes heißt es, ein Dokument als „streng geheim“ zu klassifizieren. Denn auch der moderne Krieg und sogar der, für den es gute, humanitäre Gründe geben mag, ist ein Krieg. Und das bedeutet, Menschen zu töten, die man als Feinde identifiziert hat. Menschen zu töten, setzt voraus sie zu entmenschlichen und dieser Vorgang entmenschlicht auch die Täter.

Menschen, die ja alle Töchter und Söhne und allzu oft auch Väter und Mütter sind, muss das genommen werden, was sie zu Menschen macht: ihre menschliche Empfindung, ihr Mitgefühl. Und den Opfern muss alles genommen werden, was sie zu Menschen macht, denn sonst hätten sie nie zu Opfern gemacht werden können. Man nimmt ihnen ihr Gesicht. Man nimmt ihnen die Vater-, die Mutter-, die Tochter- und die Sohnesschaft. Man nimmt ihnen ihre Geschichte.

In unserer intellektuell immer weiter absinkenden, völlig desinteressierten und zunehmend ungebildeten Gesellschaft sind uns die Geschichten hinter den Kriegen, in denen unsere Soldaten ebenso sterben und töten wie die „gegnerischen“ Kämpfer, ist der Schrecken des Krieges unbeliebt. Er wird verdrängt, vergessen und mit Konsum ersäuft; wir stehen fassungslos und menschlich unfähig vor dem Leid der Familien, die durch die Rücksendung ihres Soldaten in Plastikfolie plötzlich aufwachen und lernen mussten, was Krieg eigentlich wirklich ist.

Sie sollen weggehen, die Betroffenen, die Leidenden, die Angeschossenen und die Toten und wir wollen sie nicht sehen, die bizarr verrenkten und zerrissenen, „gegnerischen“ Kämpfer. Uns interessiert ihre Geschichte und ihre Existenz nicht, weil wir sie nicht ertragen wollen – obschon wir es könnten und natürlich auch müssten.
Wir sehen weg.
Wir vergessen.
Wir WOLLEN vergessen.

„Wikileaks entreißt die schmutzige Wahrheit des Krieges dem bewussten Vergessen. Ich sage Vergessen, denn man kann nur vergessen, was man bereits weiß. Wir wissen natürlich alle, was Krieg bedeutet, aber wir wollen es nicht wahrnehmen, wenn wir die täglichen Agentur-Meldungen über zivile Opfer der Nato-Truppen und Selbstmordanschläge auf Moscheen oder ISAF-Konvois lesen. Auf jeden Fall nicht die dahinter liegenden Geschichten.“

Wir kennen sie alle, diese Geschichten und wir wissen, dass es noch sehr viel mehr davon gibt, geben muss, als wir kennen. Weil wir häufig rechtzeitig genug abwinken, wegsehen, nachschütten und trinken, feiern und ganz bewusst in Bewusstlosigkeit versinken mit psychologischen Turboschnaps: „ICH kann doch GAR NICHTS dafür!“
Aber natürlich können wir alle etwas dafür, niemand ist schuldlos daran.

„Die Geschichte von der Hochzeitsfeier in Nangarhar, die bombardiert wird und eine ganze Familie auslöscht, die Geschichte von dem Soldaten, der in Urusgan ein Bein verliert, schwer traumatisiert nach Hause zurückkehrt und bis heute auf Anerkennung wartet.

Die Geschichte von der Frauenbeauftragten in Kandahar, die vor ihrer Haustür niedergeschossen wird, die Geschichte des Gouverneurs von Ghazni, den einen Bombe zerreißt als er in einer Moschee für einen Verstorbenen betet und die Geschichte des Taxifahrers, der an einer Straßensperre in Kabul festgenommen, ins Militärgefängnis von Bagram gesteckt wird und erst Jahre später unschuldig aber von der Folter zerbrochen entlassen wird.“

Nein nein nein nein ….. das WOLLEN wir nicht!
Und deshalb frequentiert auch kaum jemand die neuerliche Dokumentenfülle von Wikileaks.

All die Gesichter dieser Toten, sie stören uns in unseren endlosen Tagträumen, beim Shoppen und beim Urlauben. Wir mögen sie nicht. Die, die töten und sterben sollen, die mögen dies in unserem Namen aber unsichtbar tun; springt etwas für uns dabei heraus, so sollen sie es auch weiterhin tun, unseren Segen haben sie.
Aber nein nein nein – frage uns niemals jemand nach unserer Verantwortung für die vielen tausend Geschichten, die nie ein Happy End haben werden oder können. Die in unwürdigen Schlammlöchern enden, in dreckigen Schützengräben und die uns schmerzzerrissene Angehörige zeigen, die vor ihren zerbombten Häusern und Angehörigen um Hilfe und Erklärung weinen.

Die wollen wir alle nicht.

© 2010 Echsenwut.

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