Widerstand

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Reiner Wahnsinn, verdünnt mit einem Schuss Essig …

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Bild: Jacques Prilleau

„Sie zieh’n uns immer tiefer rein, Stück für Stück,
Und seit heute früh um fünf Uhr schießen wir wieder zurück!“
(Reinhard Mey, „Sei Wachsam!“)

Der Konflikt rund um die Affäre Skripal droht gerade zu eskalieren. Obwohl für den Anschlag auf den Doppelagenten kein einziger Beweis für eine Schuld Russlands vorliegt, kündigt gerade eine Serie an NATO-Ländern die diplomatischen Beziehungen zu Russland auf (siehe auch heise.de: „Die Eskalationsstrategie des Westens“). In unseren Leitmedien wird mit bisher ungekannter Leichtfertigkeit über die Möglichkeit eines nuklearen Schlagabtauschs gesprochen, die EU-Kommission hat soeben einen Plan zur Infrastrukturertüchtigung vorgelegt, sodass Panzer, Truppen und Munition zügiger an die russische Front rollen können (siehe Spiegel).

Laut einer jüngsten Pressemeldung will die britische Premierministerin Theresa May die Feinde Großbritanniens mit umfassenden Maßnahmen und allen zur Verfügung stehenden Ressourcen besiegen“. Und setzt auch sogleich hinzu, welche Art von Ressourcen sie da einzusetzen gedenkt: nicht nur „wirtschaftliche Hebel und politischen Einfluss“, sondern auch „Polizei, Geheimdienste, Militär (sic!)“ (Quelle: apa/orf)

Ebenso wie ihre britische Kollegin, will auch von der Leyen „Putin weh tun“ (siehe Interview BILDpolitik). Dabei will sie den atomar bestückten russischen Bären nicht etwa nur mit einer Stecknadel piesaken, sondern „mit allen Mitteln, die angemessen sind“ – sagt die Chefin der deutschen Bundeswehr.

Die hinter der von der Leine gelassenen Bundeswehrchefin stehende Angela Merkel? … – macht die Raute und ist offensichtlich wild entschlossen, als diejenige Bundeskanzlerin in die Geschichte einzugehen, die Deutschland am Anfang des 21. Jhdt. wie ein transatlantisches Senkblei Richtung Meeresgrund gezogen hat.

Grund für all die martialischen Töne gegen Russland, mit denen von unseren Leitpolitikern und ihren Leitmedien derzeit sogar ein nuklearer Holocaust achselzuckend in Kauf genommen wird: Ein bis dato ungeklärter Giftanschlag auf einen russischen Staatsbürger auf britischem Boden, der sich als Doppelagent betätigt hatte.

Dass das eingesetzte Gift vom Typ „Nowitschok“, das angeblich nur aus russischer Manufaktur stammen kann, den gegnerischen Geheimdiensten genauso zugänglich war, kann man sogar im Archiv einer genuin-britischen Nachrichtenagentur, der BBC nachlesen (datiert mit 9.6.1999): Dem BBC-Bericht zufolge hatten die USA nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion bereits 1999 Zugang zu Giften der „Nowitschok-Reihe“, als US-Chemiexperten ein entsprechendes Labor in Usbekistan außer Betrieb setzten und dort „für Sicherheit sorgten“ (Quelle: BBC news).

Es wird jedoch noch wundersamer. Nach Aussage des russischen Laborchefs für chemische und analytische Kontrolle, Igor Rybaltschenko, liegt ein vom National Bureau of Standards der Vereinigten Staaten (NBS) veröffentlichtes Dokument vor, wonach das gegenständliche Gift gar nicht im dunklen Russland entwickelt wurde, sondern im strahlenden Sauberland USA selbst: “Ich bestätige, dass sie genau der Formel entspricht, die von Mirzajanow (Wil Mirzajanow, sowjetischer Chemiker, der in die USA ausgewandert und der Autor eines Buches über das Gas A-234 war) veröffentlicht wurde. Der chemische Name dieser Substanz ist A-234 und wurde von Boris Johnson “Novitschok” genannt — eine Substanz, die im Labor von Porton Down erhältlich ist.“  (Quelle: Sputnik)

2018: Thersa May macht den Colin Powell (Grafik: Markus Gelau/facebook)

Fakten, die einen nachdenklich machen können. Nur: Wer interessiert sich in einem postfaktischen Zeitalter schon noch für Fakten? Für Theresa May und Angela Merkels „verlässliche Freunde“ (falls jemand über diese „verlässlichen Freunde“ und ihre „Dienste“ noch nicht ganz im Bilde sein sollte: Peter Frey hat dazu ein kompaktes historisches Psychogramm erstellt –siehe Rubikon) ist der Fall klar: Putin war’s. Dass kein einziger Beweis vorliegt: Egal. Dass Putin umgehend Mithilfe zur Aufklärung des Falles angeboten hat (immerhin war es ja ein russischer Staatsbürger, der auf NATO-Boden angegriffen wurde): schlichtweg abgelehnt. Wozu auch kriminalistische Aufklärung, wo der Fall doch bereits klar ist und man sich auf Seiten der westlichen Wertegemeinschaft nach zwei Regierungsperioden Obama nunmehr an das Drohnen-Prinzip gewöhnt hat: Verurteilt und auch gleich exekutiert wird anhand von virtuellen Metadaten. Wozu da noch die Arbeit von Kriminologen, Richtern und Staatsanwälten abwarten?

Was ist aber nun der wirkliche Grund dafür, dass man derzeit unser aller Kopf und Kragen aufs Spiel setzt? Sind die furiosen Damen und Herren auf der Atlantikbrücke von einem tollwütigen Fuchs gebissenen worden, sodass sie nicht mehr zwischen echtem Leben und Videospielrealität unterscheiden können? Oder greifen sie einfach mit kühlem Kalkül zum Standardtrick aus der propagandistischen Mottenkiste und erschaffen ein künstliches Feindbild – diesmal, um eine kurz vor dem finanziellen, politischen und moralischen Bankrott stehende westliche Welt zu „einen“? Vielleicht lässt sich angesichts der Gefahr, die durch einen bösen Putin droht, und gegen die wir als verwesende – pardon: als westliche Wertegemeinschaft, zusammenstehen müssen, ja sogar das Zerbröckeln der EU aufhalten und der Brexit rückgängig machen? Wenn zwecks Zähmung dieser russischen Gefahr dann auch noch die Rüstungsindustrie im Vierschichtbetrieb neue Rekordergebnisse feiern kann, haben wir aus neoliberaler Sicht die perfekte win-win-Situation: dann profitiert sogar die Volkswirtschaft davon und unser bereits bis zur Rotglut erhitzter Motor, der eigentlich dringend einen Boxenstopp und ein umfassendes Service bräuchte, kann zumindest noch ein paarhundert Meter weiterrollen.

Es sind allerdings womöglich nicht nur die inzwischen öffentlich gemachten US Thinktank-Pläne betreffend ein mit Russland zerstrittenes, durch kriegerische Konflikte und Terror gezeichnetes Europa (Quelle: Chicago Council on Global Affairs / siehe Kurzfassung via Youtube), die nun in Erfüllung zu gehen scheinen. Solche sogar in der Schreibstube des Spiegel als „bizarr“ und „schockierend“ bezeichnete Pläne der neoliberalen US Falken würden meiner Ansicht nach dann, wenn es wirklich ans Eingemachte geht, durch den schlichten Überlebenstrieb der europäischen Politiker ausgebremst werden. Es hat sich jedoch in jüngster Zeit etwas breit gemacht, was diesen Überlebenstrieb lähmt und was sich des Gemüts unserer Spitzenpolitiker wie eine Art suizidaler Untergangssehnsucht bemächtigt macht (siehe „Die Götterdämmerung 2018 und die kollektive Lust am Untergang“), womöglich  – das ist jetzt eine unsubstanziierte Vermutung und kann auch andere Gründe haben –, weil ihnen die Arbeit, die sich zu verrichten haben und derentwillen sie, kaum dass sie aus dem Bett aufgestanden und vor den Badezimmerspiegel getreten sind, jeden Tag aufs Neue ihr Rückgrat verkrümmen und die Eide brechen müssen, die sie bei Amtsantritt zum Wohle des Volkes geschworen haben. Wie soll man es auf die Dauer auch ertragen, täglich aus seiner Wohnung ausrücken zu müssen und dann als Büttel eines sinnentleerten neoliberalen Systems zu agieren, das Jean Ziegler als „kannibalisch“ bezeichnet hat?

Wie dem auch sei. Ich hätte die Geheimdienste jedenfalls für effizienter gehalten. Anstatt diese mühsame Skripal-Nummer abzuziehen, hätten die „Dienste“ doch genausogut einen der tausenden Alkoholiker, die jährlich in Europa an russischem Wodka sterben, heranziehen können, um Putin verantwortlich zu machen und ihm ein Ultimatum zu stellen.

Aber vielleicht sollte man den derzeit am Horizont heraufziehenden Sturm weniger aus der Perspektive der Menschheitsfamilie heraus sehen, sondern einfach vom neoliberal-egoistischen Standpunkt, der uns ja von Kindesbeinen an beigebracht wurde: Dann kann man die derzeitige Anti-Putin-Propaganda einfach beinhart ausnützen: Wenn einem der Rasenmäher oder das Auto eingeht … oder der Kühlschrank leer wird: – einfach bei der Versicherung einreichen mit der Begründung: Putin war’s. Unter der derzeitigen transatlantischen Großwetterlage wird es kein Versicherungs-Sachbearbeiter wagen, den Antrag auf Schadenersatz abzulehnen. Muss er sich doch tunlichst hüten, als „Russenfreund“ zu gelten und Anschuldigungen gegen Putin durch sachliche Argumente zu rechtfertigen.

 


Nachsatz:

Mal im Ernst: Wenn wir unserer bis zur Rotglut erhitzten, kurz vorm Kolbenreiber stehenden Maschine jetzt nicht einen Boxenstopp und eine umfassende Reparatur vergönnen – und dem aufgrund eines transatlantischen Virus immerzu in Richtung Grand Canyon führenden Navi ein anständiges Softwareupdate verpassen –  dann könnte die Sache womöglich wirklich schon demnächst ins Auge gehen.  

Oft begegnet einem die Antwort: Man könne ja „eh nix machen“. – Es würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen, zu ergründen, wo uns diese nihilistische Suggestion beigebracht wurde. Vorerst nur so viel: Es gibt keine größere Lüge als diese. Inmitten all der globalen Wolken, die uns bedrücken, vergessen wir leicht, wie groß gleichzeitig auch unsere Möglichkeiten sind –  sogar als einzelner Mensch hat man immer Möglichkeiten, die landläufig weit unterschätzt werden. Dabei muss es nicht nur um politischen Aktionismus gehen, obwohl auch dieser dringend angesagt wäre. Bereits der Wille, sich nicht mehr mit dem Einheitsbrei und den Schlaftabletten der Massenmedien abfüttern zu lassen (Medien, die übrigens ihrerseits nur von sage und schreibe drei Tankstellen gefüttert werden), sondern sich selbst Einsicht zu verschaffen, IST bereits eine wirksame demokratische Handlung des mündigen Bürgers. In Wirklichkeit ist dieses Sich-Einsicht-Verschaffen bereits die halbe Miete, alles andere wird sich dann zur rechten Zeit bei rechter Gelegenheit wie selbstredend ergeben. Wir würden damit eine gesamtgesellschaftliche Atmosphäre erschaffen, in der die derzeit bereits fast schon als Normalität akzeptierte Korruption und halsbrecherische neoliberale Agenda gar keinen Bestand mehr hätte. So wie Schwarzschimmel nur in einem sumpfig-feuchten Milieu, am besten unter Ausschluss des Sonnenlichtes wachsen kann. Sorgt man für Trockenheit und lässt man das gleißende Licht der Sonne auf den schwarzen Schimmelpelz scheinen – ist er erledigt.

In diesem Sinne auch ein anregender Appell auf Rubikon, in dem der Autor Karl-Jürgen Müller „dieser verfluchten Merkel-Regierung“ (Florian Kirner) den Vogel zeigt, dass sie sich erdreistet, mit einer eigentlich abgewählten Regierungs-Koalition der Wahlverlierer nun die Kriegstrommeln zu rühren:

„Nicht in unserem Namen!“

Kapitalismus – Feind der Menschheit und Religion für Idioten

Karfreitag, 14.4.2017. Eifel. Ostern. Endlich mal Zeit für ein paar besinnliche Gedanken jenseits der Belästigungen des Alltags. Wir haben Ostern mit einem Riesenfeuer im Hof gefeiert: zwei alte Autos ohne Batterien gingen zeitgleich in Flammen auf, standen weit auseinander. Auch Polizei und Kripo waren da – um 2 Uhr morgens. Ja – da gibt es einen Verdacht … geht um Eigentum. Das hat mich etwas vor trüben Gedanken abgelenkt: in einem nahen Dorf wird bald ein großes altes Haus abgerissen, eine alte Schule, die momentan fünf armen Familien Obdach gibt – drei behinderte Kinder werden ihr Heim verlieren. Ein großer Baustoffhandel hat das Gebäude erworben, will – mutmaßlich – den alten Konkurrenzkampf zweier Baumärkte hier vor Ort weiterführen, von denen einer extra fort gezogen ist, um den Krieg zu beenden – genau in dieses Dorf. Die armen Familien werden ein Jahr vor Abriss informiert – und müssen sich dann auf dem Mietermarkt beweisen, für den sich ganz schlecht ausgestattet sind. Dank Amt, Regierung und Presse stehen arme Menschen in diesem Land auf einem Level mit den Vogelfreien des Mittelalters, gelten als Staats- und Gesellschaftsfeinde und nutzlose, räuberische Existenzen, die nur vom Geld anderer überleben … als hätte sich auch nur einer die Armut selbst ausgesucht. Nun – sie gilt wohl als Strafe Gottes, wobei wir wieder bei Ostern sind.

Was war eigentlich nochmal der Grund für Ostern? Nun: der Sohn Gottes wurde vom römischen Imperium verhaftet, gefoltert und hingerichtet, so die Legende, die gerade bezweifelt wird: in einem vor ein paar Jahren gefundenen Bibelfragment – dem Evangelium des Barnabas – steht geschrieben, dass Christus gar nicht am Kreuz starb (siehe sott.net). Passt zu den Berichten, dass man sein Grab in Kaschmir (Indien) finden kann – wenn man will. Wäre natürlich ein Riesenschock für die Weltreligionen, sollte das wahr sein: Ostern, das Fest der Auferstehung wäre in Gefahr! Ja: kein Tod, keine Auferstehung. Und: keine Kreuze mit Leichen dran, die zum Sinnbild der christlichen Religion geworden sind. Überall sind sie inzwischen auf der Welt zu finden und vermitteln dem bloßen, theologisch ungeschulten Auge eine deutliche Botschaft:

„Sehet her: so groß ist die Macht der Mächte und Gewalten der Welt, dass sie selbst Gottes Sohn ans Kreuz nageln können! Fürchtet uns!“

Merken Sie die Parallele zu der Geschichte in meinem Nachbardorf? Nun: hätte Jesus gesiegt, würden wir solche Erscheinungen in der Alltagswelt nicht mehr wahrnehmen: Milde, Güte und Barmherzigkeit würden unseren Alltag prägen: jede Not hätte ein Ende. Es wäre aber dann zu wenig Geld für gesellschaftliche Krebswucherungen vorhanden – sprich: für Reichtum. Und unseren Krebs wollen wir ja behalten, wie nennen ihn liebevoll Kapitalismus und kümmern uns gar nicht mehr um seine Wirkungen, die dazu führen, dass wir mehr arbeiten als die Neandertaler – mehr als doppelt soviel, ja, denke, wir kommen sogar auf das Dreifache, wenn wir Einkaufen und Hausarbeit noch dazu rechnen. Ein toller Anstieg der Lebensqualität, oder?

Haben Sie sich schon mal überlegt, wie man unsere Zivilisation der Gegenwart so in 5 Millionen Jahren betrachten wird? Welches Bild man sich von uns machen wird? Ja: es werden wahrscheinlich Bilder sein. Bilder vermitteln in kürzester Zeit mehr Sachverhalte als Worte es können, darum sprechen Religionen so gerne in Bildern – die man nie wörtlich nehmen darf, weil man damit den Sinn des Bildes nicht verstanden hat. Darum verstehen einseitig naturwissenschaftlich gebildete Menschen auch die Religion nicht: sie übersetzen die Welt in Zahlen (im Prinzip: eine eigene Form von Sprache, die die Weltsicht auf Mengen reduziert und für Qualitäten keinen Blick hat) und erhoffen sich davon die Erlösung, gebracht hat uns das Auschwitz, Hiroshima und Monsanto. Ja – diese „Wissenschaftler“: sie sind in ihrer degenerierteren Form die Gesinnungspolizei des Kapitalismus, denn diese Seuche braucht ihre eigenen Dogmen, sonst funktioniert sie nicht. Ganz wichtig ist, dass ihre Religion des dogmatischen Materialismus (aus philosophischer Sicht eine perfekte Kopie des mittelalterlichen Katholizismus) allgemein verbreitet wird: die ist sie so gnadenlos wie alle monotheistischen Religionen – nur ihr Gott ist ein anderer: an Stelle des guten, lieben Schöpfergottes tritt ein wahnsinniger, gnaden- und geistloser Idiotengott, dessen irrwitzige Gelüste aus purem Schlamm lebende Wesen erschafft, um sich an ihrem sinnlosen Leiden mit praller sadistischer Lust bis zu ihrem Tode zu ergötzen: das beste, was man dagegen tun kann, ist: ein Haus kaufen und es nie wieder verlassen, bis das der Tod einen scheidet.

Und mal ehrlich: so leben wir doch alle. Aus lauter Langeweile füllen wir dann die Häuser mit unnützen Dingen auf, die uns eine Zeitlang von der Öde, von der Leere, von der Wüstenei unseres eigenen Lebens abhalten. Ich habe dazu eine interessante Sicht in einem Buch gefunden, dass mutmaßlich die Sicht der Aborigines auf das Leben darstellt:

„Das Leben bedeutet für dieses Volk Bewegung, Fortschritt und Veränderung. Sie sprechen von lebender und nichtlebender Zeit. Die Menschen leben nicht, wenn sie wütend, traurig, voller Selbstmitleid oder Angst sind. Atmen allein bedeutet noch nicht, dass man lebt. Es ist nur ein Zeichen für die anderen, welcher Körper beerdigt werden kann und welcher nicht!“ (aus: Marlo Morgan, Traumfänger, Goldmann 1995, Seite 172-173)

Eine verblüffend ähnliche Sicht fand ich mal bei der Todesforscherin Kübler-Ross: einfach nur Atmen und Konsumieren ist am Ende des Lebens vielen zu wenig gewesen. Leider kann man die Uhr nicht zurückstellen und ein anderes Leben wählen, dass nicht völlig dem blinden Idiotengott Kapitalismus dient.

Seien Sie ehrlich: Sie denken doch jetzt sicher wieder, dass wir uns dem „Opium fürs Volk“ – der Religiösität – nähern, oder? Keine Sorge, wir bleiben beim Kapitalismus: aber wir müssen ihn verstehen, um ihn überwinden zu können und ihn in die finsteren Abgründe zurückzuschicken, aus denen er kroch. Ach ja: „Opium fürs Volk“ … wer mal richtig Schmerzen hatte, der weiß, wie gut und hilfreich jede Form von Opium sein kann: ein Segen für die Menschheit, dieser Stoff. Man braucht aber schon Schmerzen, um ihn schätzen zu können – und die sind vielfältig bei denen, die sich nicht von aller Last freikaufen können.

Wir brauchen dieses kleinen Schlenker auch nur, um die religiöse Dimension des Kapitalismus aufzuzeigen, ein Kult, der – wie alle anderen Kulte auch – seine Päpste, Bischöfe und Priester mit all jenem ausstattet, was man den anderen Menschen gnadenlos nimmt. Es ist ein primitiver, blinder Glaube, der die Welt beherrscht und sie in den Untergang treibt: der glaube, dass der „Markt“ eine unsichtbare Hand hat, die alles gut werden läßt. Würden wir im medizinischen Bereich so denken, wären wir über „dreimal pusten und alles ist wieder gut“ nie hinausgekommen. Und weil er ein religiöser Kult ist, haben seine religösen Eiferer auch solche Probleme mit anderen Religionen: auch für ihn gilt: du sollst keine Götter neben mir haben, nicht Christentum, nicht Islam, nicht Judentum, nicht Hinduismus, Shintoismus oder isländischen Elfenglauben, sondern nur den blinden Idiotengott des Urschlamms und seine nihilisten Priester, die in Auschwitz und Hiroshima ihre größten Triumphe feierten. Ja: der Kapitalismus forderst systematisch Menschenopfer: alle Minderleister, die vom Staat nur noch durchgefüttert werden, müssen irgendwann entsorgt werden, weil der Renditehunger der Kapitalfürsten nie erlöscht, Geld aber endlich ist.

Wissen Sie, dass es bis heute noch nicht eine wirtschaftliche Prognose für die Zukunft gab, die stimmte? Trotzdem plappern die Experten ohne Unterlass: um uns vor Langeweile zu bewahren, schätze ich mal, denn großen Sinn gibt das alles nicht. Schauen Sie doch mal die Meinungen zum Thema „Brexit“ an: kein Mensch kann uns sagen, was denn dort jetzt auf uns und unsere britischen Brüder wartet: die Märkte selbst sind „zerstritten“ (siehe FAZ). Und diese zerstrittenen Märkte mit ihren geistlosen Professoren wollen wir die gerechte Verteilung der Güter dieser Welt anvertrauen? Doch um gerechte Verteilung geht es ja gar nicht: es geht um fressen und gefressen werden: gerade frisst Amazon ganze Einkaufszentren … und überraschend stehen wir schon wieder vor einer neuen Immobilienkrise (siehe Managermagazin):

„Amerikas gigantische Shopping-Malls sind legendär. Doch sie sind immer öfter gähnend leer. Flächendeckend bricht deshalb das Finanzierungsmodell für Einkaufszentren zusammen – Investoren bleiben vielfach auf Schrotthypotheken sitzen.“

Schrotthypotheken: auch so ein Produkt des viel gelobten Kapitalismus. Und wie oft verspekulieren sich die großen Päpste des Kapitalismus, die unfehlbaren Siegelbewahrer: die letzte Fehlspekulation bringt jetzt die Marke Jack Wolfskin in die Hände von Hedgefonds (siehe Handelsblatt), die keine Ahnung davon haben, wie man Kleidung produziert und verkauft. Aber von der Ausschlachtung gut laufender Firmen: da haben sie eine Menge Ahnung von. Mir wird ein wenig schwummerig bei dem Gedanken, was wohl in Europa passieren wird, wenn die Hedgefonds die Nahrungsmittelversorgung nicht mehr als rentabel genug bewerten. Nur fünf große Konzerne haben 90 Prozent der Nahrungsmittelversorgung in der Hand (siehe supermarktmacht): machen die lieber in anderen Geschäften Gewinn (z.B. durch Finanzspekulationen), dann wird Essen in Deutschland ein Luxus, den sich viele nicht mehr leisten können.

Was macht der Kapitalismus eigentlich aus uns Menschen? Nun: eine Ware, die gehandelt werden kann. Stichwort hierzu: Arbeitsmarkt. Für Ihre erfolgreiche Vermarktung sind die selbst verantwortlich, auf den Sklavenmärkten der Vergangenheit konnte man sich wenigstens noch erlauben, ein doofes Gesicht zu machen: heute müssen sich alle aufpudern, um vermarktbar zu sein und ständig das strahlendste Lächeln zu produzieren: die Versklavung des Menschen hat sein Innenleben erreicht. Ja – man kann die Degeneration der humanen Gesellschaft überall beobachten: auch im Liebesleben hat das kapitalistische Prinzip Einzug gehalten (siehe Profil)

„Tinder (zu Deutsch: Zunder) revitalisiert mit der Perfektionierung des zwischengeschlechtlichen Pragmatismus auch das Prinzip eines brutalen Darwinismus. Denn es geht im Grunde nur um Äußerlichkeiten und das Motto „survival of the fittest“.“

Der Kapitalismus hat ein zutiefst faschistisches Element, mit dem es untrennbar verbunden ist: der Sozialdarwinismus, welcher wiederum das Rückgrat des dogmatischen Materialismus ist: der blinde Glaube an lebensunwertes Leben, dass ausgemerzt gehört. Verstehen Sie langsam, weshalb der ans Kreuz genagelte Christus fürs Gemüt genau diese Botschaft verbreitet: wer Nächstenliebe als obersten Wert predigt, wird öffentlich hingerichtet! Das glauben Sie nicht? Was geschieht denn mit Firmen, die sich am Markt nicht behaupten können? Was ist denn überhaupt der Sinn von den modernen Märkten (die sich selbst immer wieder mit den Bildern der alten Märkte der Vorzeit schmücken, mit denen sie gar nichts mehr zu tun haben)? Die Verdrängung der Konkurrenz, der beständige Wirtschaftskrieg aller gegen alle ohne Rücksicht auf Verluste.

Wissen Sie, wie viele Oper der laufende Weltkrieg des Kapitalismus im letzen Jahr gekostet hat? 54 Millionen Menschenleben . Ja: Herr Ziegler spricht von einem laufenden dritten Weltkrieg – und zwar mit deutlichen Worten(siehe Jean Ziegler im businessinsider via yahoo):

„Für Ziegler steht fest: Schuld daran ist eine „Weltdiktatur des globalisierten Finanzkapitals“. Er kritisiert, dass die 500 größten Konzerne der Welt 52,8 Prozent des Weltbruttosozialproduktes kontrollieren würden. Das System der USA sei eine Oligarchie, Milliardäre seien dort direkt an der Macht, erklärt Ziegler.

Nach „200 Jahren Konkurrenz, Marktwillkür und Monopolisierung von Macht“ sieht Ziegler den Kapitalismus nicht als reformierbar. Der Soziologe prangert an, dass die Ungleichheit der Vermögen keine Konsequenzen hätte.“

Ja: so wie Deutschland einst dem Faschismus zum Opfer fiel, hat der dunkle Kult des Kapitalismus sich in den USA die Herrschaft über Atomwaffen und die kampfkräftigsten Streitkräfte der Welt gesichert – und schickt sie seit Jahren aus, die Welt untertan zu machen – ganz offen, ganz ohne Konsequenzen seitens der „zivilisierten Nationen“, die sich auch gerne in den nuklearen Narrrentanz stürzen möchten.

Wir können locker mit Angriffen gegen andere Länder leben, die offen gegen das Völkerrecht verstoßen, wer trotzdem seine Stimme dagegen erhebt, ist antiamerikanisch und antikapitalistisch – und wie man mit solchen Menschen verfährt hat der Kapitalismus mehrfach demonstriert – zum Beispiel in Griechenland:

„Kommunisten, Sozialisten, Künstler, Akademiker, Journalisten, Studenten, politisch aktive Frauen, Priester, einschließlich ihrer Familien und Freunde wurden gefoltert. Ihre Fuß- und Fingernägel wurden herausgerissen, ihre Füße wurden mit Stöcken geschlagen, bis die Haut abfiel und die Knochen gebrochen waren. Scharfe Gegenstände wurden in die Vagina geschoben. Dreckige Lappen, oft in Urin getränkt und manchmal auch in Exkremente, wurden in den Hals gesteckt, bis die Opfer fast erstickten. Rohre wurden in den Anus gesteckt und mit hohem Druck Wasser hineingepumpt, auch wurden Elektroschocks am Kopf verabreicht. „Wir alle hier sind Demokraten“ betonte Inspektor Basil Lambo, der Chef der Geheimpolizei in Athen gegenüber seinen Opfern.“ (aus: Daniele Ganser, Nato Geheimarmeen in Europa, Orell füsssli, 7. Auflage 2014, Seite 344)

Das geschah 1967. Wer sich näher für die Verwicklungen der USA in die Ausrottung der Kapitalismuskritiker interessiert, sollte Ganser selbst lesen. Wer das getan hat, wird sich wundern, warum es keine ernst zu nehmenden Alternativen zum Kapitalismus in Europa mehr gibt: ihre Akteure landen eben oft eher auf Friedhöfen als im Parlament.

Ziegler meint, der Kapitalismus sei nicht mehr reformierbar – was bedeutet, dass wir ihn nur noch mit Gewalt loswerden. Das ist Gott sei Dank sehr einfach geworden: am Wahltag können wir einen Akt der Gewalt ausführen – einfach mal was anderes wählen. Doch vorher muss die gräßliche Fratze des Kapitalismus allen gezeigt werden, es muss verstanden werden, dass es sich hier um einen irrationalen Kult handelt, der nur durch den Glauben der Anhänger am Leben erhalten wird – und durch nichts anderes. Natürlich gibt es Profiteure des Kapitalismus – all jene dienstbaren Geister, die an ihm gut verdienen: sie sammeln sich aktuell hauptsächlich bei der CDU, die sich dadurch verdient macht, dass sie nichts gegen die räuberischen Angriffe der Banken in Europa unternimmt (siehe Oxfam):

„Da ist doch etwas faul: Europäische Banken verbuchen mehr als 25 Milliarden Euro ihres Gewinns in Steueroasen, obwohl sie dort nur einen geringen Teil ihres Umsatzes erwirtschaften. Auf Hunderte Millionen Euro haben sie keinen einzigen Cent Steuern gezahlt. Das sind starke Hinweise darauf, dass europäische Banken massiv Gewinne in Steueroasen verschieben und sich so vor ihrem fairen Steuerbeitrag zum Gemeinwohl drücken.“

Es sind gemeine Kriminelle, denen wir unser Geld anvertrauen – und die von Herrn Draghi jeden Tag 2 Milliarden Euro geschenkt bekommen (siehe manager-magazin). In den USA sind es schon 1600 Milliarden, die den Bürgern des Staates entzogen wurden (siehe Spiegel) … was für viel Armut am unteren Ende der finanziellen Nahrungskette sorgt. Irre, oder? Aber ich sagte ja: es ist ein irrationaler, unmenschlicher Kult – und kein „Wirtschaftssystem“. Wir sollten mal Aufkleber fürs Auto produzieren – und Anstecknadeln für die Kleidung:

„Ich glaube nicht mehr an den Kapitalismus!“

Das könnte schon was bewirken. Und die bekannten Alternativen? Sozialismus und Kommunismus? Ich denke, es macht unten wenig Unterschied, wenn oben anstatt des Unternehmers der Parteifunktionär das Kommando hat. Wir brauchen in der Wirtschaft einfach kein „oben“ mehr, sondern ein Miteinander zum Wohle aller. Vielleicht sollten wir uns mehr an Island orientieren, wo der Kult wenig Freunde hat: dort wurden die kriminellen Banker und ihre Freunde einfach eingesperrt, wie es sich gehört (siehe taz). Nun – die Isländer haben ja auch eine eigene Religion, die sie vor dem Kult des blinden Idiotengottes schützt und so Raum für vernünftige Reflexion schafft: dort besänftigen Bauarbeiter noch Elfen, wenn sie deren Kreise gestört haben (siehe Handelsblatt) … während die Prediger des Kapitalismus die Vermarktung des Menschen immer weiter forttreiben: Sex mit Leichen und Geschwistern wird der neue Renner eines Kultes, der an Düsternis kaum zu übertreffen ist (siehe Stern) und inzwischen seltsamste Ansichten verbreitet (siehe wired):

„Es gibt Gründe, warum Menschen so etwas glauben wollen. Sie möchten sich die Welt erklären, obwohl sie vieles nicht verstehen. Anstatt manchmal zu akzeptieren, dass die Welt scheiße ist und es Kriege und Krankheiten gibt — und es dafür keinen Grund gibt —, werden Verschwörungstheorien erfunden.“

So hochgradig intellektuell gibt sich die Verleiherin des „Goldenen Aluhutes“ – einer Gruppe von Anders-Irren, die gegen die (angeblich) Irren kämpfen und die Funktion des mittelalterlichen Inquisitors begeistert übernehmen. Kriege … „gibt es einfach“. Punkt. Ende der intellektuellen Reflexion, wer weiter kritisiert, nach Ursachen, Entscheidern und Förderern sucht, bekommt einen Goldenen Aluhut und wird so an den sozialen Pranger genagelt. Die griechische Junta wusste schon, warum sie Intellektuelle folterte: die verstehen einfach zuviel. Und Künstler können ihre Worte schön in Bilder umsetzen, die schneller mehr Gehalt transportieren als Worte es können.

Und was ist nun das Bild, dass sich die Menschen der Zukunft von uns machen werden? Wir tanzen wie die Idioten um ein menschenfressendes Götzenbild aus purem Gold – und interessieren uns deshalb auch nicht sonderlich dafür, dass die Diener dieses Götzenbildes Kriege entfachen, Staaten ausplündern, Länder vernichten und die gesamte Ökosphäre bei ihrem dämonischen Treiben bedrohen.

Und mal ehrlich – weil heute Besinnungstag ist: möchten Sie gerne zu diesen Irren gehören, die einem Idiotenkult folgen? Oder trauen Sie sich – am Arbeitsplatz, im Freundeskreis, in der Familie, im Verein – einfach mal zu sagen: „Ich glaube einfach nicht mehr an den Kapitalismus“.

Es reicht ja auch, wenn Sie an Luft, Wasser, Nahrung und Obdach glauben.

Das brauchen sie nämlich wirklich.

Und das wird knapp. wenn sich das kapitalistische Monster weiter ungebremst durch die Welt pflügt.

Das gute Leben – das gelungene Leben

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Freitag, 17.6.2016. Eifel. Gönnen wir uns heute mal eine Pause von der Politik – obwohl die Brisanz der tobenden Degeneration der demokratischen Zivilgesellschaft solche Pausen eigentlich nicht erlaubt. Da werden sozial gesinnte Politiker auf offener Straße erschossen, da werden Massenmorde an Anderslebenden verübt, Kriege von Demokratien vom Zaun gebrochen, in deren Folge Millionen Kinder sterben – alles Taten von Menschen, die sich selbst für bedingunglos „gut“ halten würden, wenn man sie fragen würde. Meine eigene Fragestellung für heute ist jedoch nicht die nach der Moral, nach dem moralischen Leben, sondern eher die Fragen nach dem gelungenen Leben, nach dem vollkommenen Leben, nach dem Leben, wo am am Sterbebett überzeugt sagt: „Na, das hat sich mal richtig gelohnt“.

Eine blöde Frage, ich weiß: aber Philosophen werden speziell an Universitäten zum Stellen blöder Fragen ausgebildet – bis hin zu saublöden Fragen. Wir in Deutschland haben es einfach, hier hat die Regierung angeordnet „Deutschland geht es gut“ – und somit muss sich jeder erstmal rechtfertigen, dem es nicht gut geht (siehe zum Beispiel FAZ). Ja – diesen Terror erleben wir doch alle im Alltag, wagen Sie es doch mal, auf die Frage „Wie geht´s“ nicht – wie vorgeschrieben – mit „gut“ zu antworten, sondern mit „schlecht“: Sie sind gleich ein Abtrünniger, ein Ketzer, ein Ausgestossener … und bald auch ein Arbeitsloser, weil Ihnen der „Teamgeist“ fehlt, womit heute die beständig fortschreitende Maximierung des vorauseilenden Gehorsams gemeint ist. Ach – wir sind jetzt wieder politisch geworden. Wollte ich gar nicht.

Fangen wir ganz von vorne an – mit Diogenes. Dem Diogenes von Sinope natürlich, von dem Peter Sloterdijk meinte, er hätte „die ursprüngliche Verbindung zwischen Glück, Bedürfnislosigkeit und Intelligenz“ in die Philosophie eingebracht (siehe Süddeutsche). Von diesem Diogenes kann man einiges lernen, ist er ja bekannt dadurch, dass er sehr reich war – nicht, weil er viel hatte (im Gegenteil, er suchte die Armut, wo er sie nur fand), sondern weil er Alexander (den Großen, wohlgemerkt), bat, dass er bitte aus der Sonne treten möge – obwohl der ihm gerade Millionen schenken wollte.

Nun – wir wollen uns nicht lange mit Diogenes aufhalten, der masturbierte auch in der Öffentlichkeit und lehnte die Maslow´sche Bedürfsnispyramide schon vor 2500 Jahren ab – jene Pyramdie, die wir heute so inbrünstig anbeten.

Kommen wir zu Epikur, dem wir die „Lustphilosophie“ verdanken. Bevor nun alle aufstöhnen und sagen: „Yeah, der ist cool“ lassen wir ihn lieber selbst zu Wort kommen (siehe Wikipedia)

„Daher ist die Einsicht sogar wertvoller als die Philosophie: ihr entstammen alle übrigen Tugenden, weil sie lehrt, dass es nicht möglich ist, lustvoll zu leben, ohne einsichtsvoll, vollkommen und gerecht zu leben, ebenso wenig, einsichtsvoll, vollkommen und gerecht zu leben, ohne lustvoll zu leben.“

„Einsicht“ … hat wieder etwas mit Intelligenz zu tun. Da wird allen gleich unheimlich. Geht „gutes Leben“ nur mit „Intelligenz“? Lustphilosophie hörte sich doch so gut an – „Bumsen und besoffen sein: des kleinen Mannes Sonnenschein“ – so versuchten mir einst Burschenschaftler ihre Überlegenheit über den „kleinen Mann“ zu demonstrieren, während ich ihnen die „Lust“ des Epikur nahelegte: die ganze Woche trockenes, verschimmeltes Brot essen, und dann am Wochenende ein Stück alten Käse gönnen: das ist der wahre Himmel. „Lust“ – eine lang vergessene Erkenntnis – ist steuerbar wie andere Bedürfnisse. Wirklich frei, wirklich mächtig, wirklich reich werden wir nur dann, wenn wir so stark geworden sind, dass wir die Gier bezwingen können wie Herkules den Löwen bezwang.

Hört sich sehr anstrengend an – „Spaß“ geht da doch leichter, oder? Das führt uns zu den Stoikern, die Spaß absichtlich mieden und Gelassenheit als höchstes Gut priesen. Nun – über die Kosmologie der Stoiker könnte man Romane schreiben, ich mache es lieber kurz: ihnen ging es um die Herrschaft über die „Affekte“ – weil das intensive Erleben von „Spaß“ immer auch das Erleben von „Leid“ mit sich bringt … mit gleicher Intensität. Das Erleben von „Spaß“ wird täglich rund um die Uhr auf allen Kanälen der Gegenwart gepriesen, doch verschweigt man den Preis, den man zahlen muss: Leid in jeder Form wird ebenso intensiv erlebt (das die „Spaßgesellschaft“ auch eine „Burn out“ Gesellschaft mit Schwerpunkt auf „Depressionen“ ist, belegt diese Erkenntnis hinreichend) Stoiker wie Seneca und Mark Aurel fanden das doof und erlebten, dass das Leid verschwand, wenn man sich vom Spaß abwandte, sie zogen die Stille am See dem Jubel beim Metallicakonzert vor und meinten: unterm Strich hätten sie da einen enormen Gewinn eingefahren. Marc Aurel war – nebenbei bemerkt – fast zwanzig Jahre Kaiser des römischen Imperiums (also: Ultra High Neth Worth Individual der Super-Plus-Ultra-Klasse, kurz: reichster und mächtigster Mensch des bekannten Universums) … er hätte ganz andere Möglichkeiten gehabt. Und unserer Kanzlerin – der hätte er ordentlich was erzählt über das „gut gehen“.

Doch da … kommen wir auch langsam in den Bereich der Moral. Den … wollte ich ja meiden, weil er sehr beliebig ist und für jeden Menschen verschieden, abhängig von der Lehre, die über ihn (also: den Menschen) herrscht. Der überzeugte Nationalsozialist führt ein moralisch gutes Leben, wenn er der arischen Rasse die Herrschaft über die Welt besorgt und das unwerte Leben (und vor allem seinen großen, ewigen Widersacher: den Juden) vom Angesicht des Planeten tilgt (neben den Slawen und … später … den roten, schwarzen und gelben Menschen), der überzeugte Islamist sieht das ähnlich (auch das mit den Juden), ihm reicht es aber, die Ungläubigen zu köpfen und ihre Frauen zu verkaufen, er muss nicht gleich den ganzen Planeten entvölkern: sind alle gläubig, reicht es ihm schon. Der amerikanische Geldsack gibt erst dann Ruhe, wenn jeder Dollar, Euro, Rubel, Yen und Renmimbi auf seinem Konto liegt und hält alles für gut, was diesem Ziele dient, der gute Soldat bekommt dann einen Orden und fühlt sich göttlich, wenn er möglichst viele, ihm persönlich völlig unbekannte „Feinde“ getötet hat, was wir – bei leicht geänderten Zusammenhängen – als Mord bezeichnen dürfen.

Wird kompliziert, oder? Aber warten Sie, gehen Sie noch nicht, bleiben Sie noch eine Weile: wir sind fertig mit der Philosophie.

Das Urteil, dass „gutes Leben“ völlig beliebig sei und allein vom Auge des Betrachters abhängig ist, passt zwar in eine Konsumgesellschaft, die Philosophie zum Konsumgut machen will, ist aber nicht haltbar.

Nun – da springen jetzt ganze Scharen von Staatsphilosophen auf und zücken die Degen zum Duell: will da jemand wirklich absolute Werte in unsere wertlose Welt tragen? Will da jemand unsere lange Arbeit zunichte machen, für die wir so fürstlich bezahlt werden?

Ja. Das will er – und ruft dazu nur einfache Menschen an, keine großen Philosophen. Mir geht es ja auch um das gelungene Leben einfacher Menschen, ein gelungenes Leben muss für JEDERMANN lebbar sein: nicht nur für den Zögling der Reichen, der sich in Askese übt, weil er Angst vor dem Leid hat (eine andere Definition stoischer Weltanschauung, die wir auch im Buddhismus finden). Es geht nicht um die Befolgung möglichst vieler moralischer Ansprüche der Umwelt, sondern darum, am Sterbebett sagen zu können: ja, das hat sich voll gelohnt.

Wir wissen genau, was dieses gute Leben ist: ein Eigenheim, einen überdurchschnittlich bezahlten Job, einen SUV „anerkannter“ Marke, zwei Kinder (Gymnasium – minimal als Klassensprecher, Fernziel Kieferchirurg oder Fachanwalt für internationales Vertragsrecht), Markenkleidung, drei Fernreisen im Jahr, ein „curved UHD“ TV (oder einen „Zeus“ von der Firma „Titan“ für eine Millione Pfund). Das jedenfalls … ist die Botschaft der Konzerne für uns, dafür predigen sie Maslows Bedürfnispyramide, die … scheitert, weil sie nicht auf alle Menschen zutrifft: der Wikinger stellte Abenteuerlust über Sicherheit, der Künstler pfeift auf Essen, Schlafen, Trinken, wenn nur das Werk gedeiht, der Mönch meidet Wertschätzung und Anerkennung, weil sie nur die Eitelkeit fördern und einen von Gott entfremden – wie wollen wir eine „Psychologie“ ernst nehmen, die nur auf einen kleinen Teil von künstlich gezüchteten Konsumzombies zutrifft – nicht aber auf den Menschen an sich. Wären wir alle Maslowzombies … wir würden heute noch auf den Bäumen sitzen, weil unser Sicherheitsbedürfnis uns den Boden fürchten läßt, wo der Löwe haust.

Was aber viel schlimmer ist: dieses Leben, das uns die „Werbung“ (und – seit einiger Zeit – sehr raffiniert die unsichtbaren Kohorten der „Unternehmensberater“, die zunehmen am Umbau der Gesellschaft arbeiten) predigt … das ist DEREN Leben – nicht Ihres. Leben Sie dieses Leben – dann haben Sie gar keins. Sicher, Sie können sich im Gefühl (klitzekleiner) Macht baden: jeder Quadratzentimeter ihres Gartens ist IHREM WILLEN unterworfen, alles wächst nur dort, wo Sie es erlauben, ebenso definieren Sie jeden Quadratzentimeter ihres eigenen Heims selber – ihr eigener Tempel soll dies sein, dort, wo Sie sich selbst anbeten und verehren, begeistert sind von dem, was Sie alles an Ansprüchen anderer erfüllt haben … denn, ehrlich gesagt, machen Sie nichts anderes, auch wenn Sie noch so toll konsumieren, ein Haus – innen wie außen rosa gestrichen, voller rosa Blüten im Garten – werden Sie nicht durchsetzen können … um nur mal ein Beispiel zu nennen.

Ja, das ist das „gute Leben“ der Frau Merkel und ihrer reichen Freunde: die Freiheit, allen Ansprüchen zu genügen, die die Wirtschaft durch die Politik an Sie stellt. Leben Sie dieses Leben und ich verspreche Ihnen: die Angst vor dem Tod wird von Jahr zu Jahr panischere, wahnhaftere Züge annehmen … einfach, weil das nicht IHR LEBEN IST!

Jetzt denken Sie sicher: „Pass auf, jetzt kommt der auch noch mit Gott“.

Nein. Damit komme ich nicht. Ein gelungenes Leben sollte auch für Atheisten lebbar sein. Ich komme Ihnen mit etwas ganz anderem: der materialistischen Naturwissenschaft, die wir als Gottersatz anbeten und klaglos als Religionsersatzstoff akzeptiert haben, weil es so vorgeschrieben wurde.

Der Mensch ist demnach … Körper samt Funktion. Richtig? Gut, denn mehr … brauchen wir nicht.

Dieser Körper ist von der Natur speziell geschaffen worden (nein: hier ist „Natur“ noch nicht „Gott“, sondern nur eine Umschreibung für Prozesse, die nicht der menschlichen Steuerung unterliegen), um sich nahtlos in die vorgefertigte Umwelt einfügen zu können. Ebenso sind seine Sinne von der Natur geschaffen worden, um in ihr optimal leben zu können: Klang, Gerüche, Licht, Druck – alles sinnvolle Elemente menschlichen Seins. Kinder benutzen sie optimal, erst später wird unser Geist in der „Matrix“ der Erwachsenen eingefangen – während hingegen Naturvölker noch voller kindlicher Freude sind (Freude – nicht „Spaß“ … der auch sehr dunkel werden kann, wenn er sich an Schmerz und Qual ergötzt).

„Schön“ finden wir das, was natürlich ist: das hatte die Wissenschaft schon vor Jahrzehnten erkannt – deshalb fing man an, die Krankenhäuser bunt anzumalen. Die weißen Flächen waren unnatürlich (es war nie das Weiß der Blüten oder des frisch gefallenen Schnees, durch den das Erlebnis von „Licht“ noch intensiver werden kann) und machten den Geist trübe und krank, die Natur hat unser Auge so geschaffen, dass es den wogenden Blätterwald schön findet, den hellen, gelben Sonnenschein, das tiefe Blau des ruhigen Sees, den frischen Duft des blühenden Mai – weshalb wir diese Orte im „Urlaub“ aufsuchen und nicht etwa in Gelsenkirchen, Bottrop oder Bielefeld zu finden sind.

Was merken wir – ganz ohne Moral, ohne hohe Intelligenz, ohne Verstand – das „Tier“ Mensch ist für den Wald geschaffen – bzw. für das Leben in der Natur. Das ist artgerecht. Also ist der der „Gewinner“, der die größte Zeit seines Lebens in freier Natur verbringen kann, denn für dieses Leben ist der Mensch geschaffen worden. Den Mangel an Fell, Klauen, Muskeln können wir durch „Hirn“ gut ausgleichen, schnell ist eine Hütte gebaut, das Feuer geschürt, der Speer geschärft – das reicht an Sicherheit. Wir brauchen … Wärme, Wasser, Nahrung – in dieser Reihenfolge. Und Gemeinschaft, falls wir uns mal bei der Jagd ein Bein brechen und drei Wochen lang nicht zur Wasserstelle kommen oder Brennholz besorgen können: wir können drei Tage ohne Wasser auskommen … aber nur einen Tag ohne Wärme. Ja, hat mich auch überrascht, habe ich beim Survialtraining gelernt.

Das gelungene Leben der biologischen Entität „Mensch“ ist jenes, welches der Mensch aus freien Stücken seit Jahrtausenden wählt: das Leben mit seinem „Stamm“ unter freiem Himmel, dort finden seine Sinne den meisten Genuss, weil sie dort jene Umwelt finden, an die sie sich optimal angepasst haben. Das Leben mit Anzug und Krawatte im kalten, nüchternen Büro unter dem Neonhimmel der Industrieleuchten … kann nie gelungen sein, egal wie viel Sondermüll wir als Ausgleich dafür erhalten. Sondermüll? Ja – unser Elektroschrott, mit dem wir unseren Selbstherrlichkeitstempel garnieren, ist so hochgiftig wie unser Auto, das an sich nur Sondermüll auf vier Rädern ist (wir berichteten), mal abgesehen davon, dass jede Form von „Eigenheim“ ein Höchstmaß an Energieverbrauch und Landfraß darstellt. Jenes Leben, das unsere Industriepolitiker als „gut“ beschreiben, ist umso besser, je größer der Schaden ist, den es an unsere Umwelt (dem einzigen Aspekt des Universums, den wir gerechterweise als „Gott“ akzeptieren können … und müssen, wenn wir als Art überleben wollen) anrichtet – so lautet die einfache, nüchterne Formel, mit der sich unsere Gegenwart beschreiben läßt. Wir beschreiben das natürlich anders, so wie auch kein Soldat sich selbst als Mörder bezeichnen würde – und kein Faschist sich als Verbrecher.

Kurz gefasst: nackig am sonnigen Strand (damit die Sonne möglichst viel Haut erwärmt und der sanfte Wind möglichst viel Haut streicheln kann), funkelndes Licht auf tanzenden Wellen, eine frische Brise Meeresluft in der Nase, warme Sand oder feuchtes Gras unter den Füßen, das seichte Rauschen der Blätter im Ohr, frische Früchte zur Speise – das ist gelungenes Leben, gutes Leben, echtes Leben. Nicht aus Gründen der Moral, sondern aus Gründen unserer … biologischen Ausstattung. Nennen wir dies „gut“ (weil es uns einfach „gut tut“), so haben wir auch eine Vorstellung von … „böse“.

Wieviel Ressourcen brauchen wir für „gutes Leben“? Ganz ganz wenig. Ist noch genug für fünf weitere Milliarden Menschen da. Und wieviel für das, was die Industriepolitiker für „gut“ erklären? Unendlich viele, aktuell mehr, als der ganze Planet zur Verfügung stellen kann – was, ehrlich gesagt, ziemlich dumm ist, obwohl wir doch angeblich so vernünftige Wesen sind.

Der Gipfel echten menschlichen Reichtums findet sich also … bei den Naturvölkern, die mir ihren von der Natur geschaffenen Körpern in der opitmalen Umgebung und der Fülle des Lebens selbst leben. Wem da gleich schaudert, weil die kein Fernsehen haben: wir sind denen nicht so fremd, wenn wir uns anschauen, welche Ort wir aufsuchen, wenn wir „frei“ haben … was selten genug ist und worüber sich in einer sich als „frei“ verstehenden Gesellschaft viel zu wenige wundern. Und die Natur selbst bietet eine Bild- und Tonqualität, die weit über Ultra-Super-Extra HD liegt und sogar Dolby-Sorround-Sound mit Bassreflexboxen weit übertrifft.

Leben Sie ein solches Leben, so können Sie ein Gefühl erfahren, dass unsere Gesellschaft Ihnen nicht mehr bieten kann (aber zum Beispiel dem alttestamentarischen Menschen noch sehr bewusst war, wie viele Textstellen belegen): Sie können satt am Leben werden – lebenssatt, ein Begriff, der schon unglaublich fremd für uns geworden sind, weil wir nur Ersatzstoffe konsumieren, nicht aber das echte, wahre Leben.  Und wer satt des Lebens ist … kann ruhig sterben.

Wer aber ruhig sterben kann … hat wohl ein gelungenes Leben gelebt.

Oder irre ich da?

Und wieder – sind wir in der Politik … also der Frage danach, welche Entscheidungen wir für unsere Zukunft treffen sollen.

Die Antwort darauf ist einfach: so leben, wie es unseren Körpern gemäß ist. Alles andere … führt zu Ungemach. Bis hin zu Weltkrieg und Völkermord. Schauen wir aber auf das, wo wir leben, wie wir leben, so müssen wir leider eingestehen: die Rahmenbedingungen für ein gutes Leben sind gerade äußerst schlecht. Ob wir hier Adorno folgen wollen, wonach ein „gutes Leben im schlechten“ (oder ein richtiges Leben im falschen) nicht möglich ist?

Wollen wir dem Adorno lieber sagen: „Widerstand ist machbar, Herr Nachbar!“.

Und er kann mit der einfachen Forderung nach einem Leben beginnen, welches unsere sinnlichen Ausstattung angemessen ist – weit ab von Lärm, Gestank, Hässlichkeit und Unmenschlichkeit der modernen Zivilisation – wobei ich vermute, dass der Lärm, der Gestank, die Hässlichkeit und die Hektik viel zur Unmenschlichkeit beitragen … und auch zu dem für die Umwelt tödlichen Wunsch, sich eine eigene kleine, heile Selbstversorgereigenheimwelt mit staatlich subventionierten Sonnenkollektoren und Biogarten zu erschaffen.

Wem dies zu düster ist, dem sei als Trost gesagt: die größte Stärke des Menschen ist, sich allen widrigen Lebensumständen anpassen und selbst in kältesten Eiszeiten Oasen des Lebens schaffen zu können.

Mehr – ist aktuell nicht drin. Aber schon das ist ziemlich viel – und besser als alles, was die Staatsphilosophen der Industrieregierung zu bieten haben.

 

 

 

 

 

Das Ende der „Freien Welt“

eifelphilosoph_200

eifelphilosoph_200Montag, 10.11.2014, Eifel. Kennen Sie noch die „freie Welt? Ja? Erwischt: dann sind sie älteren Datums. Früher kannte jeder diesen Begriff, der heute überhaupt keine Verwendung mehr findet. Warum nicht? Nun – sie ist weg, die „freie Welt“, tot, gestorben, abgeschafft. Kommen wir aber erstmal – für die Jüngeren unter uns – zur freien Welt zurück: was war das eigentlich mal?

Wir müssen zeitlich ein wenig zurückgehen, um zu verstehen, woher der Begriff stammt. Man könnte zurückgehen in die Welt von „Asterix, dem Gallier“, in dem ein Comiczeichner die bunte, vielfältige freie Welt in ein gallisches Dorf verlegt hatte, dass sich nur noch durch Zauberei gegen das mächtige römische Imperium zur Wehr setzen konnte – aber so weit wollen wir nicht zurück: immerhin gilt für uns auch das römische Imperium als Sinnbild der Zivilisation, sie haben die Mietskasernen erfunden, die Autobahnen, die Gleichschaltung und die öffentliche zur Schau Stellung von Systemgegnern – alles Dinge, die heute unseren Alltag prägen. Gut, ihre Autobahnen waren nur befestigte Straßen, die der schnelleren Verlegung von Truppen dienten (wie unsere auch) und unsere öffentlichen Hinrichtungen kosten (noch) nicht das Leben der Systemgegner – aber im Prinzip steht „Rom“ für „Zivilisation“ – der Rest war Barbarei.

Ob die Verträge zur Vereinigung Europas extra deshalb in Rom unterzeichnet wurden, um dem römischen Imperium zu gedenken – und es womöglich unter anderen Vorzeichen wieder aufzubauen – mag sich jeder selbst überlegen.

Wir setzen mit unserer „freien Welt“ nach dem Mittelalter an, zur Beginn der Neuzeit, als Juristen und Ärzte mit systematischen Hexenverbrennungen begannen – einer veränderten Version des Circus in Rom, aber genauso effektiv. Wir diskutieren ein andermal darüber, warum lange Zeit die Kirche für diese Gräuel verantwortlich gemacht wurde, weisen aber darauf hin, dass es der Beginn der so oft gepriesenen Neuzeit war, der die Scheiterhaufen richtig heiß laufen lies. Manche meinen: die neu aufkommende Ärztezunft wollte dadurch lästige Konkurrenz ausschalten – und die Juristen sahen darin eine willkommende Geschäftsidee.

In diesem Europa – deutlich nach dem „finsteren Mittelalter“, dessen Badehäuser eine Freizügigkeit kannten, die heute als skandalös gelten würde – herrschte die absolute Finsternis in Form eines dekadenten Adels, der alle politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Macht in sich vereinte, beständig große Mengen der Bevölkerung zwangsrekrutierte und gegeneinander zur Unterhaltung aufs Schlachtfeld führte – nach Systemen und Strukturen, die heute in jedem Großkonzern noch Anwendung finden. Menschenmassen führt man eben so – wenn man es preiswert haben will und moralisch völlig verdorben ist.

Das Ende dieser Zeit wurde durch die Entdeckung Amerikas möglich: tragisch für die Ureinwohner, aber die kleinen Menschen Europas hatten auf einmal einen Fluchtpunkt, der sie für Jahrhunderte anzog: die große, fast unberührte Natur der USA. „God´s own country“ wurde es gern genannt und die Kunde von ihm verbreitete sich schnell durch ganz Europa. Es gab eine Alternative jenseits des Atlantiks, wo man sich in der Tat durch Arbeit noch eine Existenz aufbauen konnte: was für ein Traum! Heutzutage ist er unerreichbar geworden, „Arbeit“ wird heute notfalls für einen Euro – oder umsonst – durch den Staat zwangsverordnet: gegen den Willen der Bürger. Die Menschen der „Neuzeit“ würden sich darin wiederfinden: „Frondienste“ und „Zwangsarbeit“ waren ihnen wohlbekannt – deshalb flohen sie ja in Massen nach Amerika, ließen ihre Höfe, ihre Verwandten, ihre Heimat zurück, um dem bloßen Grauen zu entkommen – einem Grauen, dass ich nicht nur in endlosen Kriegen, endloser Ausbeutung, endloser Unterdrückung und schwelenden Scheiterhaufen ausdrückte sondern auch in dem Fehlen jeglicher Zukunft … viele unser Mitbürger empfinden heute ähnlich.

Dort wurde der Gedanke der Freiheit geboren, viele – auch europäische – Denker träumten von einem Paradies auf Erden – einem anarchistischen Paradies. In Europa war die „anarchistische“ Idee natürlich verpönt, die Regierenden mochten sie überhaupt nicht – ein Abscheu, der sich bis heute im alltäglichen Sprachgebrauch durchgesetzt hat, dabei ist „Anarchismus“ nur die Abwesenheit von Herrschaft in jeder Form (politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich)… und somit die Bedingung für „Freiheit“. In den USA gibt es heute noch Spuren davon: dort kann der Bürger den Sheriff selber wählen – hier rekrutiert man Freiwillige (wie schon zu Zeiten des Feudalismus) verpflichtet sie auf ewig und setzt sie so in Opposition zum Volk, dass noch für sein Brot arbeiten gehen muss: Europa setzt hier immer noch auf die gute alte Söldnerphilosophie.

In Auseinandersetzung mit dem Feudalismus erfand man „menschliche Werte“: außer dem Begriff „Freiheit“ fanden auch Begriffe wie „Gerechtigkeit“, „Recht“, „Gleichheit“, „Individualität“ und „Toleranz“ den Einlass in die Sprache und formten zunehmend das Denken der Menschen. Letztlich vereinten sich die europäischen Bürger und führten in Frankreich eine Revolution durch – Arbeitslose, Bettler, Soldaten, Adelige, Bauern, Künstler, Handwerker, Männer und Frauen stürmten die Bastille, köpften die Monarchen (und, weil es so schön war und der europäischen Tradition entsprach auch gleich noch ein paar tausend andere unliebsame Mitmenschen) und begründeten so die freie Welt, die bald darauf in den USA ein weiteres Land für sich gewannen, dass dem Feudalismus adieu sagte.

Frankreich und die USA wurden zur Keimzelle der „Freien Welt“, von der aus der Rest der Welt befreit werden sollte … so jedenfalls der Mythos der westlichen Welt, der letztlich zu zwei Weltkriegen führte. Im ersten Weltkrieg ging es – so die Legende – gegen die bösen Monarchien in Mitteleuropa (wobei das kaiserliche Deutschland sozialer war als das britische Königreich), im Zweiten Weltkrieg aber endlich gegen die „unfreien“ Länder, die voller Diktatoren waren: der Mythos der „Freien Welt“ erreichte seinen Höhepunkt: wie im „Herrn der Ringe“ vereinten sich die unterschiedlichsten kleinen Völker gegen ein gigantisches Reich des Bösen … das allerdings genau genommen winzig klein war.

Die „freie Welt“ triumphierte, obsiegte über deutsche Konzentrationslager und japanische Trostfrauen und zog fortan vereint gegen „Unfreiheit“ zu Felde … so zum Beispiel in Korea oder Vietnam. Sie war in aller Munde, die „freie Welt“ – die Menschen in den USA eilten freudig zu den Waffen, um sie zu verteidigen … dabei war sie damals schon tot.

Den Feudalismus hatte man besiegt … nicht jedoch die feudalen Geister. Erinnert auch an den „Herrn der Ringe“. wo man Sauron besiegt hatte, aber sein Geist sich wieder in Dol Guldur festsetzte … und letztlich in Mordor wieder stark wurde. Ja – in Mordor (das kommt in den Filmen so nicht vor) herrschte Ordnung: jeder Ork hatte eine Nummer und eine fest zugewiesene sanktionsfähige Stellung im System … anders als bei den „freien Völkern“ (ja, so nannten die sich), die – nehmen wir das Heldenvolk der Hobbits – eher anarchistisch organisiert waren – also strikt demokratisch, individualistisch und bürgerlich.

Die feudalen Geister siegten im amerikanischen Bürgerkrieg – was wir jedoch nicht lernen. Wir lernen, dass es um die Befreiung der Sklaven ging (was wir zurecht gut fanden), vergessen wird, dass die Menschen der Südstaaten (also: nicht nur die Hand voll Sklavenhalter auf den großen Landgütern) gegen „Banken und Fabriken“ zu Felde zogen, ebenso wird vergessen, dass die Lebensbedingungen in den Fabriken des Nordens schlimmer waren als die Arbeitsbedingungen auf den Farmen: für die Farmer war der Sklave wenigstens noch Kapital – für die Unternehmer im Norden nur ein Kostenfaktor auf zwei Beinen, den man schnellstmöglich wieder loswerden wollte, wenn seine Arbeitskraft nachließ  – wir beoachten im wiedervereinten Neo-Deutschland des 21. Jahrhunderts ähnliche Erscheinungsformen.

So setzte sich der Siegeszug der feudalen Geister weiter fort – und während tapfere Soldaten an den Fronten der Kriege vermeintlich die Freiheit verteidigten, wütete der alte Feind der Freiheit hinter der Front im Heimatland, zog nach und nach allen Besitz an sich (eine Entwicklung, die gerade wieder unglaubliche Ausmaße erreicht) und errichtete seine feudale Macht neu, ja: er trat sogar wieder ganz offen als „Bessermensch“ auf, gemäß jener alten, feudalen Legende, dass der Adel eben Adel war, weil er bessere Gene hatte, bessere Manieren, bessere Bildung – nur nennt man ihn nicht mehr „Adel“ … sondern „Promi“. Ihm entgegengesetzt: das Prekariat, die „Ballastexistenzen“, kurz auch: Volk genannt.

Wir reden im 21. Jahrhundert nicht mehr von der „Freien Welt“ – dieser Mythos würde den Menschen nur den Kopf verdrehen, Sie auf die Gedanken bringen, dass die Freiheit von jeder Art von Herrschaft wirklich ihr von der Natur mitgegebenes Lebensrecht sei, dass sie notfalls – völlig im Einklang mit Recht, Gott und Moral – mit der Waffe in der Hand gegen die Söldner des Feudalstaates durchsetzen dürfen.

Worüber wir reden, ist der „Neoliberalismus“ – ein guter  Begriff eigentlich, dieser „Liberalismus“, stand er doch einst für den freien Hobbit, den freien Bürger mit all´seinen Rechten – die von den feudalen Geistern einfach dadurch unterlaufen wurden, dass sie ihm Land und Produktionsmittel fortnahmen … mit Hilfe von Tricks, die auch die Indiander um ihr Land brachten: bunte Glasperlen (nennt man heute „I-Phone“, glitzern auch noch schöner) und Alkohol. Der Neoliberalismus verstand sich einst auch als Vorbote der Freiheit, als Retter von Rechtsstaat und Demokratie – siehe Zeit:

Hayek argumentierte, dass der Totalitarismus sowohl in seiner sozialistischen wie auch seiner faschistischen Version sich zwangsläufig aus dem Versuch gesellschaftlicher Planung ergebe. Die Güterproduktion und -verteilung zentral zu koordinieren erfordere über kurz oder lang nicht nur die Abschaffung von Rechtsstaat und Demokratie, sondern auch ideologische Indoktrination und die Etablierung eines repressiven Herrschaftsapparates.

„Freiheit“ war das Recht des Individuums zu leben, wie es selbst es wollte, Rechtsstaat und Demokratie schufen den Rahmen dazu: lag aber die Wirtschaft in der Hand weniger (hier als „Staat“ definiert), war es schnell vorbei mit der Freiheit. Das wusste aber auch schon Karl Marx.

Konkret beschwor Hayek die Gefahr, dass Großbritannien zwar den Krieg gegen den Faschismus gewinne, aber etwa durch den Ausbau des Sozialstaats oder Verstaatlichungen von Unternehmen selbst in die unheilvolle Dynamik der Knechtschaft gerate.

Es war der Gedanke, dass der Staat selbst zum Feind der Freiheit werden konnte. Übersehen wurde, dass der „Staat“ wir alle sind, Arbeitgeber und Arbeitnehmer in einem. Hier wurde eine erste Spaltung zementiert, die heute die Welt beherrscht: der sterbende Staat auf der einen Seite, der globalisierte Finanzfeudalismus auf der anderen. Die Methoden, wie die Herrschaft an sich gerissen wurde, sind ganz öffentlich beschrieben worden:

Schon im Weg zur Knechtschaft stand zu lesen, dass gesellschaftliche Konflikte letztlich durch die Macht von Ideen entschieden werden. Hayek war sich sicher, dass die Neoliberalen diese Auseinandersetzung nur durch die gezielte Beeinflussung der öffentlichen Meinung für sich entscheiden könnten. So kam es über die kommenden Jahrzehnte zur Bildung eines immer größeren Netzwerks von Forschungsinstituten, Thinktanks und Gesellschaften, die als Sprachrohre des Neoliberalismus fungierten. Den Auftakt bildete die 1947 auf Hayeks persönliche Initiative hin gegründete Mont Pelerin Society, deren Bedeutung für die Verbreitung neoliberaler Vorstellungen kaum zu überschätzen ist und die bis heute eine Art neoliberale Internationale darstellt.

Steht alles in der Zeit vom 29.9.2014, veröffentlicht um 13.03 Uhr.

Ich möchte das mal umformulieren, jenseits der Sprachfloskeln der Think-Tanks.

Die Freie Welt wurde durch eine internationale Verschwörung von Staatsfeinden vernichtet.

Sie führt die Welt ins Mittelalter zurück: der Starke herrscht wieder über den Schwachen. Aus dem berittenen Mann mit Panzerrüstung und Schwert ist ein Porschefahrer mit Brionianzug und Scheckbuch geworden, Ärzte und Juristen haben ihr Ziel der Allmacht eines Standes in der Gesellschaft erreicht. Aus dem Leibeigenen von früher ist der Leiharbeiter von heute geworden, der durch staatliche Gewalt (dirigiert von einer Herrschar von Lobbyisten) zur Arbeit gezwungen und zur Not bei Widerstand dem Hungertod durch Sanktionen preisgegeben wird: besser kann man das Ende der „Freien Welt“ (zu der im letzten Weltkrieg auch kurz die Sowjetunion gehörte) wohl nicht illustrieren.

Die Güterproduktion und -verteilung wird wieder – wie Hayek es befürchtet hatte – zentral organisiert, nicht jedoch durch die Gemeinschaft der Wähler, Steuerzahler und Souveräne des Landes, sondern durch eine Hand voll beständig wachsender Großkonzerne, die eine gewaltige Umverteilung der Finanzen der Länder von unten nach oben fördern.

Er hatte letztlich Recht behalten …. nur halt nicht politisch genug gedacht. Das Konzernwesen hat die alte Macht des Feudalismus zurückgebracht – mit absurdesten Ergebnissen: gigantische Megabanken müssen von dem – ja eigentlich „bösen“ – Staat auf Kosten aller gerettet werden … mit Summen, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen sollten. Schon längst hätten diese Institute zerschlagen und aufgelöst werden müssen – was man erst dann merken wird, wenn die nächste „Krise“ kommt, die jedoch keine Krise ist sondern die logische Folge der neuen feudalen Strukturen: wieder müssen alle für ein paar wenige „auserwählte“ Bessermenschen ein unglaubliches Luxusleben finanzieren.

Aber Hayek hat uns auch schon die Lösung des Dilemmas aufgezeigt: die Macht von Ideen entscheidet den Kampf.

Die neoliberalen Putschisten haben bei der Vernichtung der freien Welt alle Hebel der Macht gezogen, die jeder Revolutionär kennt: die Besetzung der Medien ist oberstes Gebot, danach folgt die Besetzung des Regierungsgebäudes. So wurde über viele Jahre hinweg ein Presseorgan nach dem anderen gleichgeschaltet, das Ergebnis sehen wir heute in der Berichterstattung über „Putin“ (der im Prinzip im Westen für den starken Staat steht) oder die Eisenbahnergewerkschaft: wo immer neoliberale Positionen gefährdet sind, schlägt das globalisierte imperiale Netzwerk zu. Ebenso wurden die Regierungsgebäude besetzt – wie der Zeit angemessen, mit Porsche fahrenden Scheckbuchträgern im Brioni-Anzug, „Lobbyisten“ genannt. 5000 belagern das Parlament in Berlin, 15000 das in Brüssel: da hat die Freie Welt keine Chance mehr.

Ist sie nun für immer und ewig verloren, diese „freie Welt“?

Nein. Sauron hat zwar den Ring gefunden, die feudalen Geister sind auf Umwegen wieder zur Macht gekommen, aber wir können sie auch wieder vertreiben. Kann ein paar Jahunderte dauern – erstmal müssen wir erkennen, dass sie wieder da sind und an den Schaltstellen der Macht unsere Lebenswelt umbauen. Wir müssen den Geist der Freiheit wiederfinden – dass er noch lebendig ist, hat die Piratenpartei bewiesen …. ebenso, dass man mit ihm 12 Prozent der Wähler im ersten Anlauf erreichen kann.

Wir müssen den Kampf der Ideen aufnehmen, wenn wir bewahren wollen, was lange gut gewachsen ist in der Welt. Wir müssen die Medien besetzen (was ich jetzt gerade hier schon mache … aber das reicht natürlich nicht) und dann die Parlamente: nur so können wir die neofeudalen Geister von den Schaltstellen der Macht vertreiben.

Werden wir das tun? Werden wir es schaffen, die freien Völker zu vereinen, eine Allianz der freien Individuen zu schmieden um die freie Welt neu zu erschaffen?

Diese Fragen kann ein jeder für sich selbst beantworten.

Ich kann nur sagen, was uns und unseren Kindern blühen wird, wenn wir es nicht tun: am Ende des kapitalistischen Modells stehen immer die Vernichtungslager für Minderleister, die eogzentrische Egomanie des neoliberalen Feudalismus steht im direkten Gegensatz zu den christlichen Werten der Nächstenliebe, des Mitleids und Mitempfindens … Werte, die Gemeinschaften stark machen.

Den Gegensatz zur christlichen Moral können wir gerne – zu Zwecken der Illustration – die antichristliche Moral nennen, und das neoliberale Zeitalter somit auch das antichristliche Zeitalter (womit wir schon wieder bei Satan Sauron sind) – mit allen Gräueln, die ein solches Zeitalter in der Phantasie heraubeschwören vermag.

Wer aber will, mag sich die Zukunft auch jenseits christlicher Begrifflichkeit ausmalen: wo endet wohl eine vollkommen verrohte Gesellschaft … und was macht sie mit ihren teuren, komplizierten, hilflosen Alten?

Wo wir anfangen können?

Nun – ganz einfach: HIER – und JETZT.

Unterschreibt diese Rede für die Freiheit, kopiert sie, verbreitet sie, diskutiert sie, gründet Bürgerinitiativen zur Rettung der freien Welt vor ihren Widersachern.

Schon ist der Anfang gemacht – an mir soll es nicht liegen. Ich helfe da gern, wo ich kann: ich habe Kinder, die Zukunft brauchen.

Und außerdem habe ich den begründeten Verdacht, dass ich „alt“ werde.

Eifelphilosoph -Cover Band 2 - Neobooks

 

 

 

Status Quo in diesem unserem Land und Wege aus der Lethargie

von Christian Carls im November 2013 (christian.carls@gmx.de)

Die Bundesrepublik Deutschland im Spätherbst 2013. Der Bundespräsident a.D. steht vor Gericht wegen der lächerlichen Summe von 753,90 €, die er sich auf einem Besuch des Oktoberfestes vor vier Jahren von einem befreundeten Filmproduzenten geliehen hat.

Die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft gewinnt 1:0 in Wembley gegen England, die Koalitionäre in Berlin streiten in immer längeren Verhandlungen über die Einführung einer PKW-Maut für Ausländer bzw. für alle Autofahrer und die Gesellschaft regt sich darüber auf, dass ausländische Geheimdienste ihrer eigentlichen Bestimmung nachgehen…zu spionieren.

Die Stimmung des Bundestagswahlkampfes, sollte es je eine gegeben haben zwischen „Stinkefinger-Peer“, „Grabscher-Brüderle“ und „Allgemein und unverbindlich Merkel“, ist längst verpufft und einer schleichenden aber doch fühlbaren Lethargie gewichen.

Hat dieses Land keine anderen Probleme über die es sich zu streiten, zu debattieren und die es anzugehen lohnt?  Nahezu ein Viertel  der deutschen Bevölkerung lebt in der Nähe, an oder sogar unterhalb der Armutsgrenze. Die Auswirkungen der Agenda 2010 und das menschenverachtende „Forder- und Förder-Instrument“ Hartz IV sind allgegenwärtig und doch wird dieser offensichtliche Missstand schweigend hingenommen. Die Alternative  seitens einer Regierung, ganz gleich aus welcher Koalition oder aus welcher Mehr- oder Minderheit sie bestehen wird, heißt „gesetzlicher Mindestlohn“. Dabei wird noch zwischen einer Anhebung für den Osten und für den Westen unterschieden. In meinen Augen ein untrügliches  Zeichen,  wie es um die Deutsche Einheit und die Chancengleichheit 24 Jahre nach dem Mauerfall bestellt ist. Die Erhöhung beträgt im Maximalfall 1,40 € pro Stunde. Dies wird der Bevölkerung als soziale Gerechtigkeit verkauft und allgemeiner Applaus für die gönnerhaften Politiker wird erwartet. Gleichzeitig soll Hartz IV um im besten Fall 50 € pro Monat erhöht werden. Dafür werden neuerdings die Aktivitäten von Beziehern der Grundsicherung auf dem zweiten bzw. dritten „Arbeitsmarkt“, genauer bei eBay, strengstens überwacht. Natürlich regen sich im selben Atemzug alle Berufenen über Ausspähaktivitäten der Amerikaner und Briten auf, wenn aber Vater Staat bzw. die Arbeitsagentur Big Brother spielt ist das Teil der „sozialen Gerechtigkeit“ und ganz im Sinne des Forderns und Förderns….

Gefördert werden in diesem Land die Wohlhabenden und die Superreichen, die 80-90 % des sich im Umlauf befindlichen Geldes besitzen, dies aber durch Anlagestrategien nicht in den Geldkreislauf zurückgeben. Dort gehen dem Staat Millionen von Geldern verloren bzw. werden ihm bewusst vorenthalten und nicht durch vereinzelte eBay Verkäufe, um sich zusätzlich zur lange nicht ausreichenden Grundsicherung etwas dazuzuverdienen.
Grundsicherung, dieser Begriff ist mehr als irreführend…Wer kann denn im Ernst glauben, dass man mit 382 € im Monat auch nur annähernd ein Leben führen kann, welches in diesem unseren Land als menschlich und gesellschaftlich partizipierend angesehen wird? Sicher muss niemand verhungern oder auf der Straße bei Kälte erfrieren. Niemand? Auch hierüber gibt es Statistiken und die Dunkelziffer derer, die im wahrsten Sinne „nicht gesehen“ werden, ist wie so oft sicher um ein Vielfaches höher. Um es mit einem Zitat des Berliner Liedermachers Reinhard Mey auf den Punkt zu bringen: „Ist das nicht eine Schande…? In diesem unseren Lande…“.

Jedoch ist das Sterben aufgrund Hungerns oder Kälte wohl kaum die Maßgabe eines Systems, welches sich selbst den Titel „Sozialstaat“ verleiht, es erinnert vielmehr an längst vergangene Zeiten. In einem Land der Dichter und Denker sollte niemand unterhalb eines gewissen Standards leben müssen, bei all dem Reichtum, der von einer Minderheit angehäuft wird, muss auch Platz für die Schichten der Gesellschaft sein, die bisher allenfalls als Sündenböcke herhalten und auf die sich nur zu leicht die Ängste und Vorurteile der restlichen Bevölkerung projizieren lassen.
Dies ist nicht nur eine theoretische Beobachtung, es ist längst Realität…Wie viele Menschen sieht man heute im Vergleich zu vor ein paar Jahren, die Flaschen sammeln und dies längst nicht mehr auf Großereignissen sondern in ganz normalen Wohngegenden und das Tag für Tag. Nicht wenige schieben einen Einkaufswagen vor sich her und haben die unterschiedlichsten „Werkzeuge“ um Flaschen aus Glascontainern zu fischen. Dieser Anblick berührt die meisten Menschen, aber entsetzt er sie auch? Führt dieses krasse Beobachten der Armut zu einem Handeln, zu einem Umdenken oder auch nur zu einem Überdenken der Verhältnisse in diesem Land? Nein bisher nicht….
Die Menschen drehen sich um, gehen weiter ihren Weg und sind froh, dass sie nicht im Glascontainer fischen. Ich bin sicher, den meisten Menschen, die beim Flaschen sammeln beobachtet werden, ging es mal genauso.

Die Linke hat im BT-Wahlkampf diesen krassen Umstand zum Thema auf Wahlplakaten gemacht. Dort war der Slogan „Weg mit Hartz IV – Gerechtigkeit statt Flaschen sammeln“  zu lesen. Gebracht hat es freilich wenig. Aber wo liegt der Grund? Ich kann mir das nur mit einer allgemeinen Lethargie erklären und einer immer mehr um sich greifenden Politikverdrossenheit in der deutschen Bevölkerung. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben die Menschen gelehrt, dass die Machteliten in Berlin um sich selbst und höchstens noch um finanz-, das heißt überzeugungsstarke, Lobbyisten kreisen. Sie sind rein selbstreferentiell und haben sich längst von den Bedürfnissen und dem Willen des Souveräns in unserer Demokratie, dem Willen des deutschen Volkes, abgewandt. Diese Haltung führt bei den Menschen zu einer „was kann ich schon ändern“ Einstellung und genau dies ist,  was dieses Land in Lethargie verharren lässt. Vergleichbar mit dem Verhalten von Tieren, die sich bei Bedrohung einfach totstellen und warten bis die Gefahr vorüber ist.
Im Falle der BRD wäre vielleicht die Taktik „Angriff ist die besten Verteidigung“ das Mittel der Wahl. Dies ist nicht als Aufruf zu Revolten zu verstehen, vielmehr zielt es auf die Mobilisierung der Bevölkerung zur Bekämpfung, zu Beeinflussung und schließlich zur Beseitigung der sozialen Missstände ab.

In jedem anderem Land der Europäischen Union geht das Volk für seine eigenen Rechte auf die Straße, wird sich gegen die Entscheidungen der Exekutive mit aller dem Volk zur Verfügung stehenden Macht gewehrt. Dabei kommt es nicht selten zum Schulterschluss sonst sehr unterschiedlicher Gruppen bzw. Verbänden. Im Gegensatz dazu demonstrieren in der BRD wochenlang Menschen gegen die Tieferlegung bzw. gegen den Umbau eines historischen Bahnhofes und den Schutz einer seltenen Käferart. Daher nochmal meine Frage: Gibt es keine anderen Probleme?  Wo ist die Solidarität der Menschen untereinander,  die Zusammenarbeit der Gewerkschaften und sozialen Verbände, der politischen Kräfte in diesem Land, die eine Verbesserung für 20 Millionen Menschen, Tendenz stark steigend, und dadurch eine gesamtgesellschaftliche Veränderung herbeiführen kann? Sie bleibt aus….es bleibt bei Treffen von Netzwerken,  die immer  unter sich bleiben und bei vereinzelten Demonstrationen,  oft ohne jede Wirkung..

Am Beispiel der Netzwerke, die sich  für die Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) einsetzen, ist die Machtlosigkeit und Ohnmacht solcher Initiativen, bei aller Wertschätzung des Engagements, sehr gut zu beschreiben. Letztes Wochenende traf sich in Köln das BGE-Netzwerk der Region West. Das Netzwerk insgesamt  erreicht nach eigenen Angaben über einen E-Mail-Verteiler rund 3000 Personen. Man traf sich in einem kleinen Raum in Köln und es kamen neun Personen, davon einer erst kurz vor Ende.
Darunter waren  zwei Teilnehmer aus dem Raum Köln. Der Rest setzte sich aus Aktivisten aus dem Saarland, dem Kreis Aachen, Wuppertal und Duisburg sowie dem Rhein Main Gebiet zusammen. Der Ablauf einer solchen Veranstaltung trägt sicher zur Information der Anwesenden bei und führt zu manch nachhaltigen Diskussionen und einem schicken  Protokoll, welches über den E-Mail-Verteiler der abwesenden Mehrheit des Netzwerkes zugeführt wird.  Aber die Essenz,  der Spirit solcher Treffen ist gleich null genau wie die Relevanz zur Umsetzung der Idee des BGE. Man bleibt unter sich und unterhält sich mit Menschen, die der Idee zwar wohlgesonnen aber zum Teil nicht zum gemeinschaftlichen Handeln dafür bereit oder in der Lage sind. Dieser Umstand wird aber nur von einer Minderheit der schon wenigen Anwesenden wahrgenommen. Im Gegenteil, es wird sich noch über die bewusste Ignoranz der Medien bzgl. des Themas BGE beschwert. Dieses allgemeine Lamentieren über die Steuerung der öffentlichen  Meinung seitens der Medien ist ein nur zu gern genommenes Argument zur Deckung der eigenen Unfähigkeit, wirklich etwas zu verändern oder wenigstens eine Veränderung anzustoßen. Um die Medien dazu zu bewegen, über etwas zu berichten, muss man die öffentliche Meinung hinter sich bringen, eine Öffentlichkeit schaffen,  die nicht ignoriert werden kann. Dies schafft man nicht durch immer wieder stattfindende interne Treffen,  die sich im Ergebnis fast deckungsgleich überlagern und zwangsläufig zu einem nächsten und übernächsten Treffen der oft sehr überschaubaren Personenkreise führen. Um eine Idee im wahrsten Sinne unter das Volk und in die öffentliche Diskussion zu bringen, muss man die Öffentlichkeit wachrütteln und auf diese Idee aufmerksam machen. Dies hat nichts mit der Verbreitung von radikalen Ideen oder obskuren Theorien zu tun. Wenn es die AfD innerhalb von knapp zwei Jahren schafft,  mit einer sehr fragwürdigen Strategie zur Absetzung des Euro und zur Rückkehr zur D-Mark aus dem Stand bei einer bundesweiten Wahl 4,7% zu erreichen,  dann sollte dies doch mit einer Idee, die mindestens einem Viertel  der Bevölkerung eine maßgebliche Verbesserung der Lebensverhältnisse ermöglicht, genauso zu erreichen sein. Die AfD dient in diesem Zusammenhang lediglich als Beispiel,  was  mit guter Öffentlichkeitsarbeit und der Besetzung von Interessen der Öffentlichkeit innerhalb relativ kurzer Zeit gelingen kann.

Diesen Weg muss auch die Initiative BGE gehen, hin zu einer Ein-Themen-Partei zur Bündelung aller Kräfte für  die Einführung dieses Instruments zur Rückerlangung einer wirklichen sozialen Gerechtigkeit in der BRD. Hinter dieser Partei müssen sämtliche die Interessen der wirtschaftlich Schwächeren schützenden Gruppierungen wie bspw. Attac oder Sozial- und Kirchenverbände inhaltlich stehen.  Vergleichbar mit einer Pyramide, die von einem breiten Unterbau ihre Kraft zieht und so bis in die Spitze vordringt und durch diese öffentlich wie politisch vertreten wird.  Mittelfristiges  Ziel muss die Teilnahme an der Bundestagswahl 2017 sein,  also von heute an knapp vier Jahre Zeit zur Bildung und zum Ausbau einer Basis und eines wirklich funktionierenden Netzwerkes und eines Bündnisses,  das wirklich handlungsfähig ist und auch nicht vor der politischen Auseinandersetzung mit den etablierten Parteien zurückschreckt. Mit der Initiierung eines BGE würde man 80 % der sozialen Probleme in der BRD lösen können. Die Kosten, die eine solche Einführung verursachen würde (ca. 1 Billion € / Jahr) könnten durch eine Erhöhung der Einkommen-, Körperschaft-,  Vermögen-  sowie der Erbschaftsteuer und durch den gleichzeitigen Wegfall der 550 Mrd. Euro/Jahr teuren Leistungen des Sozialbudgets, darunter die Renten-  und  Arbeitslosenversicherung relativ einfach und sicher gegenfinanziert werden.  Dies wäre ein wirklich gerechtes  „umfairteilen“  und würde den Menschen zuallererst helfen , die bis heute aufgrund der Gängelung durch Hartz IV am Rande des Existenzminimums leben müssen.

Natürlich sollen mit der Initiatividee  BGE auch andere politisch bedeutsame Themenbereiche abgedeckt werden. Dazu könnte man sich an den Programmen der Parteien wie der Linken und den Grünen orientieren. Wichtig bleibt eine unmissverständliche Abgrenzung zu den Vorstellungen des Sozialstaates der etablierten Parteien. Dies schärft zum einen das eigene Profil und führt automatisch zur politischen Auseinandersetzung auf diversen Ebenen und damit zu einer Wahrnehmung in der Öffentlichkeit.
Lange genug hat die Mehrheit in diesem Land geschwiegen. Es ist an der Zeit,  die Kräfte, hervorgerufen durch den Wunsch nach der Reform des Sozialstaates, zu bündeln und endlich eine wirkliche demokratische Alternative zur Besserung der Lebensverhältnisse einer großen Mehrheit der Menschen in Deutschland auf den Weg zu bringen.

 

„some men see things as they are and say `why`, I dream of things that never were and say `why not`“

 

John F. Kennedy

Wahre Worte eines Einsiedlers: der Irrsinn des Linken

Donnerstag, 14.11.2013. Eifel. Es gäbe noch viel zu schreiben, aber ich habe mir eine neue Tastatur gekauft, die sehr gewöhnungsbedürftig ist. Das ist aber nicht der Grund, weshalb ich es mir heute ein wenig einfach mache. Mir ist noch ein weiterer Kommentar im Kopf geblieben, den ich mehrmals durchgelesen habe. Mir ist viel daran gelegen, ihn noch einmal größer heraus zu bringen – und das nicht  nur, weil ich den Autor sehr schätze, sondern weil dies ein Thema berührt, das ich seit Wochen mit mir herumtrage.

Der Kommentar kam vom „Einsiedler“ und berührt einen Aspekt meiner Artikel, der ein wenig untergegangen ist. Wollen wir ihn einfach mal lesen:

Zur gesellschaftlich notwendigen Antwort auf all diesen unerträglichen Zynismus:
Eine kopflose Revolte ist zum Scheitern verurteilt. Das zeigt die Geschichte, insbesondere die mit den Spezialdemokraten (Mehrheits-SPD). Es lohnt sich sehr, hier mal zu lesen, was bei einer deutschen Revolution üblicherweise so alles schiefgeht : de.wikipedia.org/wiki/Novemberrevolution und besonders: Wolfram Wette, Professor für Neueste Geschichte in der ZEIT zum gleichen Thema: http://www.zeit.de/2003/24/A_-Milit_8areins_8atze/komplettansicht .

 

Wer es ernst meint und nicht nur Dampf ablassen will, der muss sich konkret fragen, wie eine bessere Gesellschaft aussehen sollte und wie diese herbeigeführt werden kann. Welche Personen, Organisationen und Techniken sind geeignet, diesen Wandel trotz vielfältigstem Widerstand zu bewirken? Welche Zielkonflikte werden zwangsläufig auftreten und wie stehe ich selbst dazu? Was kann ich selbst zum Gelingen beitragen? Wo stehe ich dem Ziel gar selbst im Wege? (Wie) bin ich selbst lern- und entwicklungsfähig?

 

Lauter schwierige und unangenehme Fragen, mit deren Beantwortung wir wohl hoffnungslos überfordert sind. Wir müssten uns ernsthaft damit beschäftigen, geradezu ausbilden und persönlich entwickleln. Aber wer kann das leisten, wie soll das gar eine Mehrheit leisten, um ein korrektes demokratisches Vorgehen zu gewährleisten? Kaum vorstellbar!

 

Stattdessen warten wir anscheinend lieber gemütlich auf den omnipotenten, charismatischen und glückreichen Helden, der uns all diese Fragen erspart und uns einfach an die Hand nimmt und zu dem Ziel führt, das wir zwar konkret noch gar nicht kennen, aber lassen uns gerne voller Vertrauen dorthin führen?

 

Ohje, das wär ja schlimm: ein neuer “Führer”, der uns die schwierige, unangenehme und gefährliche Arbeit abnimmt? Bloss nicht! Aber: diese Arbeit selbst leisten? Noch schlimmer!

 

Also lieber weiter fruchtlos streiten und aneinander vorbeireden. Das gibt uns wenigstens das Gefühl, etwas zu tun…

 

Daher wird es wohl kommen, wie es kommen muss: den fürchterlichen Kollaps werden die alten Eliten nutzen, um ihre Herrschaft noch weiter zu festigen. Denn sie machen nicht nur Sprüche. Das tun sie nur im Vordergrund. Im wesentlichen aber GESTALTEN sie ihre Machtoptionen – jetzt. Sie raufen sich zusammen, um ihre feudalen schönen Lebensstile ganz pragmatisch zu sichern.
Was tut der Widerstand? Er bekämpft sich selbst. Es gibt keine konsensfähigen Ziele oder gar Wege dorthin, und noch nicht einmal den glaubwürdigen Wunsch, dorthin zu gelangen.

 

Aufklärung und Empörung sind gut und wichtig. Aber solange wir nicht auch das Heft zur GEMEINSAMEN Umgestaltung selbst in die Hand nehmen, werden dies andere in IHREM Sinne tun. Wie machen wir es ihnen leicht? Indem wir gerne jeden Anlass zum Vorwand nehmen, nicht zu kooperieren. Der eine ist von der Gewerkschaft, der andere zu radikal, ein Dritter zu gemässigt, eine Vierte gar Feministin, eine Fünfte hat konservative Werte. Und wir wurden ja schon einmal enttäuscht… Tausend Gründe, nicht zu kooperieren!
Ist ja auch viel bequemer als der mühsame Weg, selbst politisch aktiv zu werden. Und vielleicht geschieht ja noch ein Wunder? So wie im Fernsehfilm, wo immer im letzten Moment der glückliche Retter auftaucht? Die Hyperrealität hat uns längst eingeholt! Und darum sollten wir uns auch nicht beschweren, wenn es so kommt, wie es kommen muss.

Wie es kommen wird?

Der Megacrash wird seit 2008 mit immer neuen Geldern aufgehalten. Ewig kann das so keiner finanzieren – und wir werden dankbar sein müssen für diesen Crash. Käme er nicht: die Täter würden die Welt in ein Konzentrationslager verwandeln, um ihrer Entdeckung zu entgehen. Sie sind ja schon dabei – viele merken es täglich (so wie andere sich täglich darüber aufregen, dass man diesen Prozess beim Namen nennt: wie gerne würden wir vergessen, dass es so etwas wie Ausschwitz je gegeben hat! Das Leben wäre wieder so schön einfach.

Ist es aber nicht.

Die Gesetzgebung läuft die ganze Zeit in diese Richtung: Arbeitspflicht für alle – und kostengünstige Entsorgung bei absehender Minderleistung im Falle von Krankheit oder Alter.

Was aber tut der Widerstand? Die außerparlamentarische Opposition?

Pflegt die Wichtigkeit des eigenen ICH – zur Not auf Kosten des Nebenmannes. Erschöpft sich in Diskussionen hinter dem Stacheldraht, um sich gegenseitig zu beweisen, wer denn der bessere Linke ist.

Demnächst mehr zu diesem Thema – jetzt möchte ich die Worte des Einsiedlers lieber unkommentiert zum Lesen empfehlen: darin liegt der ganze Plan zur Rettung vor der Katastrophe begründet.

 

Der Nachrichtenspiegel auf Facebook

 

Ja, nun ist es soweit. Es gibt eine Nachrichtenspiegel-Facebook-Seite. Ein riesengroßer Sprung über meinen datenschutzaffinen Schatten und noch viel mehr Palaver mit dem Interface, den Einstellungen und der sogenannten Usability. Die dadurch neu ergrauten Haare kann ich im Spiegel deutlich sehen. Die Bißspuren in der Tastatur auch.

Egal, die Menge der Verweise, die seid einiger Zeit über Facebook kommen (kann ich an den Referrern sehen) legten den Entschluß nahe, auch hier mal „Hallo“ zu sagen.

Aber, aus zeitlichen Gründen können wir leider kein Extra-Programm für Facebook leisten.

Wir haben dummerweise alle noch Dinge neben der Informationssammlung, Sortierung und Aufbereitung für die Leser zu erledigen. Dinge, die mit Nahrungsmittelbeschaffung, Kindererziehung und -bespaßung,  sauberen Wohnungen, Ämtern, Rechtsanwälten, Hobbys, Geldbeschaffung, Waschmaschinenbestückung, Brautschau (na ja, nicht alle von uns), Trinkgelagen, Tarotkarten, E-Mails, Erdstrahlen, über 300 RSS-Feeds im Reader – die gelesen werden wollen um auf dem Laufenden zu bleiben, das Lesen auf toten Bäumen, Unterhaltungsfilmen, Musik, Musik machen, Computerspiele und anderen, meist furchtbar profanen Dingen zu tun haben – ok, ich schweife ab. Entschuldigung.
Denn wenn man sich nur mit Polititk, Wirtschaft, realen und eingebildeten Verschwörungen und dem, was sonst noch um einen herum passiert beschäftigt, verliert man irgendwann die Bodenhaftung, wird Depressiv und fängt an, abzudrehen. Wir sind auch nur ganz normale Menschen.

Im Großen und Ganzen gibts daher auf Facebook, wie auch auf Twitter, nur Hinweise, daß hier im Nachrichtenspiegel wieder was Neues erschienen ist. Etwas, daß vielleicht jemanden zum Nachdenken anregt – der sich bisher nur gewundert hat was eigentlich so komisch ist oder irgendwie nicht Richtig zu sein scheint. Für denjenigen, der mit anderen Sachen beschäftigt war und gerade aufwacht, ein Artikel der einfach nur die Meinung von jemandem bestärkt oder auch der nur weitere Argumente für die bereits Überzeugten bringt.

So leid es mit tut, dies ist ein „Friss oder Stirb“. Wir wollen euch kein Geld abnehmen für das, was wir hier tun, aber wir haben auch nur begrenzte Ressourcen. Und die meisten von uns stecken mehr Energie, Zeit und Geld hier rein als Gut für sie ist.

Aber wir wollen es genau so und werden genau so weitermachen!

Und dafür maße ich mir jetzt mal an, denjenigen zu Danken, die hier mitspielen und genau das leisten. Ausdrücklich auch unserem Tagesbildbeauftragten, Jotha. Der es geschafft hat, seid Bestehen des Nachrichtenspiegels jeden Tag(!) ein neues Bild des Tages hervorzuzaubern. (Ok, bis auf eine Ausnahme von 2 Tagen, und daran war ich Schuld. Mea Culpa)

Vielen Dank, daß ihr, die Leser, uns über die Zugriffszahlen zeigt, daß wir es nicht umsonst machen.

Und wenn es nur dafür ist daß ihr nicht anfangt zu stottern, wenn Euch mal eure Kinder fragen, was ihr denn dagegen getan habt, daß es so schlimm geworden ist. Viel besser wäre es, wenn sie fragen, was ihr DAFÜR dafür getan habt, daß es NICHT so schlimm geworden ist.

Nicht vergessen, Ignoranz bedingt keine Unverwundbarkeit. Wenn der Kopf erst mal im Sand steckt wird das Atmen schwer. Und es kratzt im Hals.

Ergo – tut bitte etwas dafür, damit sich die schlimmen Dinge ändern.
Ich meine nicht diejenigen, die bereits in Initiativen mitarbeiten und sich „für die gute Sache“ aufreiben. Nein, ihr, die ihr vor dem Monitor sitzt und passiv zwar Einverstanden mit den (meisten) der hier dargelegten Kritiken, den Denkanstößen und den Ideen seid. Die eine Veränderung der Umstände wollen aber sich nicht trauen und deshalb immer noch das kleine Rädchen im Getriebe spielen. Ihr seid diejenigen, weshalb das „System“ immer noch funktioniert und andere auf eurem Rücken mit eurem Geld Feste feiern. Seid der Sand, nicht das Öl. Öl ist schmierig. Ich glaube, Dreckscheuder und der E-Philosoph hecken da was aus.

Aber vergesst nicht, der Weg zur Hölle ist gepflastert mit guten Vorsätzen. Immer Cool bleiben und jeden sein Leben leben lassen.
Nur eben nicht das Leben der wirklichen Sozialschmarotzer unterstützen. Ich meine diejenigen, die andere für sich arbeiten lassen und sich dann auch noch als Leistungsträger feiern lassen obwohl sie nur als Parasiten von genau der besagten Leistung der im allgemeinen fleißigen „normalen“ Menschen schmarotzen. Es ist genug für Alle da. Aber ist ist insgesamt nicht genug da, daß eine einzige Familie zum Beispiel 700 Millionen mit einer Firma, die mal ein eigenen KZ hatte, verdient. Oder daß jemand stirbt (was immer traurig ist, jeder hat jemanden, der ihn vermisst – hoffentlich), der ein Vermögen von ca. 8 Milliarden Euro hat. Das ist Pervers.

Es muß ja nicht viel sein. Ich persönlich mach ja eigentlich auch nur die Technik, gebe launige Kommentare ab, stelle ab und an ein Video ein und kümmer mich um die E-Mails, einen Teil der Kommentare und um das Finanzielle. Warum? – Weil ich gerne Artikel lese die nicht in der Milliardärspresse erscheinen würden. Und weil ich Kinder, habe die mich irgendwann mal fragen werden… – aber das hatten wir ja schon.

Eilmeldung: Ordensburg Vogelsang – der Widerstand hat gewonnen! Ein Hoch auf Sven Kraatz!

Mittwoch, 9.1.2013. Eifel. Es gibt gute Nachrichten, Zeit für eine unsere wenigen Eilmeldungen … und das erste Mal, das wir eine gute Eilmeldung haben.

Über die Hintergründe hatten wir schon berichtet:

http://www.nachrichtenspiegel.de/2011/08/08/ordensburg-vogelsang-helft-den-wutburgern-dem-nationalpark-und-der-geschichte-stuttgart-21-in-der-eifel/

Es ging um ein neues Großprojekt – weitab jeglicher Nachbarschaft, weitab jeglicher Öffentlichkeit.

Ein einziger Mensch hat sich dagegen gewehrt: der Wanderführer Sven Kraatz – durch dessen unermüdlichen Einsatz ich erstmal auf die Vorhaben an jenem historischen Ort aufmerksam geworden bin.

Aber – wie in solchen Fällen üblich: das Imperium schlug zurück. Kurzerhand wurde die Ordensburg Vogelsang als „Privatbesitz“ deklariert – für einen öffentlich problemlos zugänglichen, von öffentlicher Hand finanzierten und im Besitz des Landes befindlichen Ort seltsam: der Mann vom Widerstand bekam Hausverbot, man wollte sich das Geschäft nicht vermasseln lassen, träumte schon von superreichen Investoren, die ein Traumhotel dort bauten und nebenbei Reichtum und Wohlstand für den gesamten Funktionärsapparat brachten.

http://www.nachrichtenspiegel.de/2011/08/18/ordensburg-vogelsang-eine-investorenfalle/

 

Der Widerständler jedoch … der sollte in den Knast.

Völlig überraschend urteilten Gerichte vor Ort: das willkürliche Hausverbot ist gültig, niemand darf sich auf dem vom Steuerzahler finanzierten Gelände aufhalten und gegen die weitere Verschleuderung von Steuergeldern oder die Verschandelung eines einmaligen historischen Lernrtes wehren.

Es gab Knast für Meinung:

http://www.nachrichtenspiegel.de/2011/12/18/ordensburg-vogelsang-knast-fur-meinung/

 

Der Vorteil der Akteure: Vogelsang liegt nicht mitten in Stuttgart, sondern weit abgelegen in der Eifel, umgeben von winzigen Dörfern, Wald, Wiesen, Flüssen und Kühen: da protestiert keiner, noch merkt jemand, wenn da ein großes Ding gedreht wird.

Was folgte war: die nächste Verhandlung.

Wieder: Knast.

Ein deutscher Bürger wird von Angestellten deutscher Verwaltungsbehörden verklagt, weil er öffentlich Meinung gegen die von ihnen angedachten Projekte geäußert hat: eigentlich ein Skandal, der viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

Aber, wie schon gesagt: da wohnt keiner. Außerdem kennt hier jeder jeden, jeder schätzt die Aufträge, die dort winken – und die kleinen Aufmerksamkeiten, die damit verbunden sind.

Wie es schien, konnten Angestellte des Bundes, des Landes und der Gemeinden in der Tat Eigentum der Bundesrepublik für sich privatisieren und selbstherrlich dort Hausverbote erteilen … ganz so, als handele es sich um eine private Party (von denen es ja dort oben, wie man sich erzählt, schon einige geben soll).

Das Oberlandesgericht Köln war jedoch anderer Meinung – die Generalstaatsanwaltschaft forderte eine Aufhebung des bisherigen Urteils, siehe hier:

Insbesondere bedeutsam für die Wirksamkeit des Hausverbots ist der Umstand, dass sich das gegenständliche Grundstück im Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und damit in öffentlicher Hand befindet. Zwar sind Teile der Immobilie, die in dem Urteil nicht näher konkretisiert werden, der privatrechtlichen Standortentwicklungsgesellschaft  Vogelsang  mbH (SEV) überlassen, nach den Urteilsfeststellungen wird das Hausrecht jedoch von der Bundesanstalt für immobilienaufgaben neben der SEV ausgeübt bzw. die SEV vertritt die Bundesanstalt. Von der öffentlichen Hand beherrschte gemischtwirtschaftliche Unternehmen in Privatrechtsform unterliegen ebenso wie im Alleineigentum des Staates stehende öffentliche Unternehmen, die in den Formen des Privatrechts organisiert sind, einer unmittelbaren Grundrechtsbindung (vgl. Urteil des BVerfG vom 22.02.2011, 1BvR 699/06, Rn. 46). Zwar sind durch das Gericht keine Feststellungen zu den Beteiligungsverhältnissen der SEV getroffen worden, aus der in den Urteilsgründen zitierten Hausordnung ist jedoch die beherrschende Stellung der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben für die Nutzung des Geländes zu entnehmen. Durch die insofern bestehende Grundrechtsbindung werden dem Hausrecht Grenzen gezogen. Zwar ist die öffentliche Hand nicht grundsätzlich daran gehindert, die Handlungsinstrumente des Zivilrechts für ihre Aufgaben-wahrnehmung zu nutzen. Jedoch sind einseitig verbindliche Entscheidungen, etwa die Nutzung des Hausrechts, durch legitime Gemeinwohlzwecke am Maßstab der Grundrechte und des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes zu rechtfertigen (BVerG, a.a.O., Rn. 56). Das Landgericht hätte sich daher insoweit damit auseinandersetzen müssen, ob in den vorliegenden Einzelfällen Grundrechte des Angeklagten, insbesondere die Meinungsfreiheit nach Art.5 Abs.1 GG, den Zugang zu den gegenständlichen Geländeteilen garantieren und gegenüber dem Hausrecht überwiegen.

Art. 5 Absatz 1 Satz 1 GG schützt das Äußern einer Meinung nicht nur hinsichtlich ihres Inhalts, sondern auch hinsichtlich der Form ihrer Verbreitung. Hierzu gehört namentlich das Verteilen von Flugblättern, die Meinungsäußerungen enthalten. Geschützt ist darüber hinaus auch die Wahl des Ortes und der Zeit einer Äußerung. Der sich Äußernde hat nicht nur das Recht, überhaupt seine Meinung kundzutun, sondern er darf hierfür auch die Umstände wählen, von denen er sich die größte Verbreitung oder die stärkste Wirkung seiner Meinungskundgabe verspricht (BVerfG, a.a.O.,Rn.97, m.w.N.).

Dieses Urteil ist nicht nur wichtig für den einsamen Kämpfer für die Meinungsfreiheit – es ist wichtig für alle, die in Zukunft den Verschwendern unserer Steuergelder entgegentreten wollen.

Selten findet man Beispiele dieser Art, wo ein einzelner Mann es schafft, gegen eine ganze Front von staatliche subventionierten selbstherrlichen Provinzfürsten anzugehen … aber man sieht, es geht doch.

Was man auch sieht: noch funktionieren Teile des Staates sehr gut und machen ihre steuerfinanzierte Arbeit, um Bürger vor den Machenschaften anderer steuerfinanzierter Staatsdiener zu schützen … was eigentlich Aufgabe des ganzen Staates sein sollte.

Aber in unserer Zeit der selbstverliebten, machtbesessenen Staatsdiener, die in  Zeiten knapper Kassen die Kunst auf Kosten andere zu leben perfektionieren wollen (nein, Steinbrück hat nichts mit Vogelsang zu tun), ist das ein wichtiges Zeichen.

Stuttgart 21 – da haben wir verloren. Sieht man sich die Kostenexplosion an, dann muss man sagen: da haben mal wieder alle verloren. In Berlin wurde gar nicht erst gekämpft, da wird nur noch gezahlt.

Aber hier in der Eifel … da ist die Welt noch in Ordnung.

Von uns allen hier: beste Grüße und vielen Dank an Helden der deutschen Meinungsfreiheit Sven Kraatz – und sendet bitte diese Bundesverdienstkreuze auch an die Jungs von der Generalstaatsanwaltschaft und vom Oberlandesgericht.

Hier wurde eine sehr wichtige Grenze gesetzt … jedenfalls für die Eifel.

Wir dürfen nämlich jetzt alle wieder aufatmen und können beruhigt an öffentlichen Orten unsere Meinung sagen, ohne fürchten zu müssen, uns ein Hausverbot einzuhandeln … oder letztlich gar wieder als Vogelfreie in Höhlen wohnen zu  müssen, weil die staatliche Angestellten das ganze Land zu Privateigentum erklären wollen.

PS: nicht das ein falscher Eindruck entsteht … der Traum vom Steuergrab Vogelsang ist immer noch nicht ausgeträumt:

Vogelsang fordert dazu heraus, einen außergewöhnlichen Ort und eine großartige Idee aktiv mitzugestalten.

Denkbar sind ein Hotel, Gästehäuser und Ferienwohnungen, Akademien und Bildungseinrichtungen, Sport-, Freizeit- und Kulturangebote.

Da ist noch viel Arbeit zu tun. 

 

Arbeit ist Scheiße.

Arbeit ist Scheiße.

Mittwoch, 26.9.2012. Eifel. Die Verwendung von Kraftausdrücken in der deutschen Sprache ist weitgehend unerwünscht.  Sie widersprechen der natürlichen Vornehmheit des deutschen Menschen, der sich zivilisiert dünkt und dies gerne auch nach außen durch ein kontrolliertes Verhalten kundtut. Immerhin will man ja nicht mit den Plebs, dem Mob oder dem Pöbel gleichgestellt werden.  Letztere bilden die Mehrheit des Volkes. Oh – ich vergaß: der Mensch beginnt in Deutschland erst ab 1.000.000 Euro Barvermögen. Alles darunter ist „sozial schwach“. Es ist natürlich kein korrekter Gebrauch der deutschen Sprache, Menschen, die nur wenig Geld haben, gleich als sozial schwach zu bezeichnen. Sie können ja trotzdem liebevoll mit ihren Kindern umgehen, respektvoll ihre Eltern im Alter pflegen, einen hohen Grad an Hilfsbereitschaft innerhalb ihres sozialen Umfeldes bilden und ein angesehenes Mitglied der Gemeinde sein, wie es so schön heißt. Sie haben halt nur wenig Geld, so, wie es sich für gute Christen, die ins Himmelreich kommen wollen, halt geziemt. Gerade eine christliche Gesellschaft sollte der Armut deshalb einen gewissen Respekt zollen, kann sie doch Ausdruck sein für einen Ausbund an hohen Werten, die vielleicht sogar bewusst auf den Mammon verzichten.  Umso verstörender ist es, wenn eine sich zum Christentum bekennende Nation die zudem als Volk der Dichter und Denker galt im Gebrauch ihrer Worte so unschicklich ist – andererseits aber das gemeine Kraftwort, das ja bekanntermaßen auch den Emotionen Ausdruck verleihen soll,  so gering achten.  Wenden wir uns aber nun dem zentralen Thema zu, dem wir dieses Kraftwort gewidmet haben: der Arbeit.

Um Arbeit ranken sich viele Mythen und Legenden – die christliche Wertegemeinschaft hat sie sogar als Fluch verstanden. Ist halt nicht angenehm, bei Wind und Wetter den ganzen Tag auf dem Feld zu stehen, um die Ernte einzubringen. Nicht angenehm, aber notwendig. Und immerhin: man ist den ganzen Tag an der freien Luft, verbringt ganz viel Zeit mit seinen Kindern, seinen Freunden, seiner Frau, seiner Familie, Zeit, die die Arbeit doch sehr erträglich machen. Ausserdem hat man das Ziel der Arbeit ganz klar vor Augen: Nahrungsmittel gewinnen, die einem helfen, den Winter zu überstehen.  Gut, essen umsonst frei Haus wäre wahrscheinlich angenehmer, ist aber leider gerade nicht im Angebot. Diese Form von Arbeit ist heute für viele schon ein Traum – ein Traum vom guten Leben, denn was uns blüht, war noch um vieles schlimmer als der biblische Fluch.

Im 18. Jahrhundert begann eine Bewegung, die heute den gesamten Planeten in ihrer Gewalt hat: der Mensch emanzipierte sich von der Kirche, wurde sich seiner eigenen Kraft bewusst und fing an, Maschinen zu erschaffen. Die ersten waren noch primitiv, einfach und kamen ohne menschliche Hilfe überhaupt nicht aus. Darum brauchten Fabriken und Banken den Menschen. Viele Werber zogen übers Land, um die ständig unzufriedene Jugend in die Städte zu locken: dort gab es nackte Frauen, scharfen Schnaps, Essen im Überfluss, keine Regeln und keine nervigen Eltern … man musste nur eins werden mit der Maschine, jene Teile durch Fleisch ersetzen, die noch nicht Metall sein konnten. Natürlich hatten die Werber gelogen – zwar boten die Städte Unterhaltung im Übermaß, aber es gab dort auch Preise, die sich nur jene leisten konnten, die uneingeschränkten Zugriff auf das Geld hatten: Banker und Fabrikanten.

Der Rest der Geschichte ist bekannt. Die Maschinen wurden immer perfekter, der Mensch wurde immer überflüssiger.  Manche merkten das früh – die Weberaufstände bezeugen den ersten Widerstand gegen die Maschinen – oder den ersten Widerstand gegen die Folgen der Globalisierung. Später wurden sogar Revolutionen daraus – da die aber eher Kirchen niederrissen als Maschinen, änderte das an der Zerrüttung der menschlichen Gemeinschaft wenig. Gut – Arbeit wurde auf einmal Wert geschätzt, die übliche Einstellung der wirklich sozial Schwachen, das Arbeit Menschen schmutzig mache und ihrer nicht würdig sei, war schon bald veraltet: Arbeit wurde im dritten Reich sogar „geadelt“ – ein Begriff, der jenen Menschen eine besondere Bedeutung verleihen soll, die an sich nichts Besonderes aufweisen können: die ganze europäische Adelsklasse lebte gut von dem Schwindel. Bis ins späte zwanzigste Jahrhundert hinein hielt sich auch noch die Überzeugung, das man für Arbeit auch eine gewissen Entlohnung in Form von Geld bekam, die es auch jenen Menschen, die die ganzen Waren produzierten, erlaubte, ein wenig von der kunterbunten Warenwelt für sich zu behalten. Diese Überzeugung änderte sich jedoch im 21. Jahrhundert vollständig, die Maschinen waren inzwischen so perfekt, das man nur noch einen Bruchteil der Menschheit für die edle Arbeit hatte … und wie war diese Arbeit zu etwas völlig entmenschlichtem verkommen.

„Arbeit ist Scheiße“ – war die Überzeugung der ganzen zivilisierten Menschheit querbeet. Jeder wusste, das es für den Menschen als biologisches Wesen nicht natürlich ist, weit vor Sonnenaufgang aufzustehen, sich täglich einem mechanisch anmutenden Prozess (duschen, ankleiden, frühstücken, Zähne putzen, Bahn – oder Auto fahren) zu unterwerfen, der wider all seiner natürlichen Lebensgewohnheiten war. Im Anschluss an diesen Prozess war Käfighaltung vorgesehen: ein ständig wachsender Teil der Bevölkerung verbrachte einen Großteil des Tages in klimatisierten Räumen, abgeschottet vom natürlichen Licht, gehalten wie Legehennen und auch ausgestattet mit einer ähnlich geringen Bewegungsfreiheit. Selbst das übliche „arrangieren“ mit den Umständen gelang dank McKinsey nicht mehr: harmlos klingende „Zielvereinbarungen“ forderten gegen jede Vernunft eine jährliche Leistungssteigerung um 10 %. Jedem geistig klar denkenden Menschen ist klar, das so etwas bedeutet, das man in zehn Jahren für das gleiche Geld die doppelte Arbeit leisten musste – bei gleicher Arbeitszeit, was auch bedeuten kann, das momentan alle nur mit halber Kraft arbeiten.  Jedem geistig klar denkendem Menschen ist auch klar, das das nicht zu schaffen ist, das er irgendwann an dem mehr und mehr und mehr an Arbeit zerbrechen muss. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf einen weiteren Aspekt des Arbeitsalltages, den Umgang mit den Kollegen. Anders als früher, auf dem Feld, wo man den ganzen Tag im Kreise seiner Lieben verbringen durfte, war man jetzt nur mit Fremden zusammen – Fremden, die Feinde waren, darauf hofften, das der Nebenmann früher als man selbst ins Gras biss, weil das die eigene Zugehörigkeit zur Firma noch verlängerte.

Das führte zu eigenartigen Erscheinungen im Selektionsprozess, der selbst schon durch das firmeninterne Rating und Ranking unterträglich genug war: nun wurden auch Kleidung, Frisur, Körpergeruch und Maniküre beurteilt, was oft genug dazu führt, das Menschen miteinander im Bett landeten, die sich eigentlich „gar nicht riechen konnten“, das aber unter den Parfümwolken nicht erfahrbar war. Geld für das eigenen Leben, für das, was man wirklich für sich selbst brauchte, gab es immer weniger: man musste ja „den Anforderungen genügen“.

Zudem war natürlich allen klar, das Arbeit ein völliger Scheiß war: jeder, der nur ein bisschen Grips im Kopf hatte, investierte den um ihr zu entkommen. Ganz größenwahnsinnige Konstrukte wurden erschaffen, um sich mit Hilfe magisch anmutender mathematischer Formeln einen Reichtum auszurechnen, der einen selbst von der Arbeit befreite und die drei nächsten Generationen gleich mit. Nebenbei bemerkt war dieser Trend auch die Ursache für den Begriff „sozial schwach“ – denn jene Bewegung, die nichts anderes im Sinn hatte, als sich mit Hilfe vieler Tricks und Kniffe (meist: „Zinsen“ genannt – oder „Markt“) selbst unendlich auf Kosten anderer bereichern wollte, war in der Tat an der menschlichen Gemeinschaft überhaupt nicht mehr interessiert und galt zurecht als sozial schwach – clever, wie sie waren, haben sie dann den Begriff dann lieber schnell anderen umgehängt, bevor alle merkten, was gerade geschah.

Natürlich erzeugt ein solcher Zustand ein breites Unbehagen in der Bevölkerung, die Welt klärt aktuell darüber auf:

70 Prozent stimmten dabei sogar der Aussage zu: „Deutschland geht immer mehr den Bach runter.“

Sie kennen die Ursache für dieses Gefühl auch ganz gut:

Mehr als 60 Prozent befürchten, dass Deutschland zur Zwei-Klassen-Gesellschaft wird. Gleichzeitig fordern zwei Drittel, dem „allgemeinen Werteverfall“ den Kampf anzusagen.

Nun – dafür ist es wohl nun zu spät.  Durch die klaglose Akzeptanz eines jeden Arbeitsplatzes – sei er auch noch so gesundheitsgefährdend, nervtötend, lebenszeitraubend, langweilig oder völlig sinnentleert tun wir uns selbst Gewalt an – eine Gewalt, die man mit keinem Geld der Welt aufwiegen könnte – und erst recht nicht mit den aktuellen Mickerlöhnen. Wir vergewaltigen uns selbst, jeden Tag und mehrmals am Tag, um nur jenen heiligen Arbeitsplatz auszufüllen, der letztlich unsere Gesundheit ruiniert, unser Seele deformiert und unsere Psyche drangsaliert. Vergewaltigungsopfer sind aber keine guten Widerständler … sie ziehen sich abends schwer verletzt in ihre Wohnhöhle zurück und lassen sich von den immer dreister die Wirklichkeit verzerrenden Medien eine Welt vorgauckeln, die schon für ihre Eltern nicht mehr real war.  Noch schlimmer ist aber: wir nehmen den Vergewaltiger jeden Tag mit. Wir sind es ja selbst.

Dabei sehen wir wirklich, das Deutschland jeden Tag weiter den Bach heruntergeht. Nicht nur Deutschland – auch die Welt. Ein Blick in Auswüchse der westlichen Lebensgemeinschaft macht das deutlich: in Griechenland fordert die Troika jetzt „Massenentlassungen aus Prinzip“, 50 000 sollen es erstmal sein, die zusehen sollen, wie sie ohne Geld in einer Welt überleben, in der Geld=Essen ist (siehe Heise), da Griechenland aber ständig neuen Geldbedarf meldet (siehe Focus), dürften es bald mehr werden. Zunehmen dürfte auch der Abbau aller gesellschaftlichen Dienste – in Griechenland macht jetzt eine ganze Stadt zu (siehe deutsche Mittelstandsnachrichten), in den USA haben die ersten Städte kein Geld mehr für die Polizei (siehe deutsche Wirtschaftsnachrichten), dafür übertreffen die Selbstmorde dort jetzt die Anzahl der Verkehrstoten (siehe Gegenfrage).

Eine Zeit der Hochkonjunktur für Sozialrevolutionäre, möchte man meinen – aber nicht innerhalb eines Volkes von Vergewaltigern. Hierzu müssen erstmal Grundlagen geschaffen werden – und eine der wichtigsten Grundlagen ist die Erkenntnis, das Arbeit Scheiße ist (für dieses Kraftwort möchte ich mich gern sofort bei sensibleren Lesern entschuldigen, aber es ist hier einfach mal jenseits jeglicher guter Erziehung notwendig, Klartext zu reden).

Arbeit ist Scheiße. Das muss oberste Parole werden. Nicht arbeiten an sich – sondern DIE ARBEIT, die uns heute als solche verkauft wird, denn arbeiten: das tun wir jeden Tag. Spülen, kochen, Wäsche waschen, Betten machen, Eltern pflegen, Kinder erziehen, dem Nachbarn helfen, im Verein aktiv werden – sowas erledigen wir alle nebenbei: ohne Zeitdruck, ohne Leistungsdruck, ohne Anpassungsdruck und ohne Kündigungsdruck, oft sogar mit guter Laune weil begleitet von guter Musik, freundlichen Menschen und strahlendem Sonnenschein.

Arbeit ist Scheiße. Sie ist gesundheitsgefährdend, verhindert den gezielten Aufbau von Vermögen, das man aus Überschüssen der eigenen Arbeitskraft aufbaut (Überschüssen, mit denen andere gerade Kapital aufbauen), zerreißt die Familien, zerstört die ganze Sozialstruktur der menschlichen Gemeinschaft, was letztlich zur Erodierung des gesamten demokratischen Gemeinwesens führt – und zu enormen Kosten im sozialen Bereich.

Um das  zu erkennen, muss man das aber einfach mal mutig formulieren: Arbeit ist Scheiße.

Durch ARBEIT dringt der FEIND ins LEBEN – darum mal ein Hoch auf jene Menschen, die freiwillig in Hartz IV gehen, um dem Feind zu entfliehen. Einen davon habe ich jetzt kennengelernt – und ich möchte ihn nur kurz anonym zitieren (anonym, damit er nicht verfolgt wird wegen seiner Lebensphilosophie – ich denke, dieser Schritt ist in Deutschland 2012 notwendig):

Ich war z.B. freiwillig H4. Das war mir alle male lieber als mich unter Idioten in idiotische Strukturen einzuordnen, da kannst nicht genug Geld bekommen um den Lebensverlust nur andeutend auszugleichen …

Es waren mal schöne Zeiten als Politiker und Gewerkschafter solche Wahrheiten offen aussprechen konnten – lang ist´s her.

Und ein Hoch auf jene Menschen, die die Arbeit fliehen, um arbeiten zu gehen: zwei kann man da gerade auf ihrer mühsamen Reise durch Mexiko begleiten, zwei deutsche Frauen Mitte vierzig (also jenes Alter, wo das Verfallsdatum für den Arbeitssklavenmarkt schon weit überschritten wurde), die einfach ihre Sachen gepackt haben und nach Mexiko gezogen sind: Güeras in Mexiko lautet der Blog, in dem sie regelmäßig über ihre Abenteuer berichten … jedenfalls so lange der Computer nicht geklaut wird. Aktuell sind sie – soweit der Redaktion bekannt ist – in Peru und arbeiten dort: pflanzen für eine bessere, nachhaltigere, gerechtere Welt – Plan Verde genannt. Ich habe mal gefragt, warum sie das gemacht haben. Die Antwort fand ich … beeindruckend:

Wir möchten andere Formen des Zusammenlebens leben, wo nicht ständig nur das „Gesetz des Stärkeren“ regiert. 

Weiß eigentlich noch einer, das diese Form des Zusammenlebens unsere ureigenste menschliche Form ist? Deshalb haben wir Stadt und Staat gegründet, um dem Recht des Stärkeren zu entkommen – und jetzt dulden wir es mitten unter uns, nur weil es durch Arbeitszwang bzw. Geld ausgeübt wird?

Natürlich können nicht alle auswandern – für viele wird das jedoch die einzige Chance auf ein selbstbestimmtes Leben in sozialer Verantwortung sein, die sie in ihrem Leben noch kriegen können, denn in Deutschland – das sehen ja auch die Meisten so – geht es beständig bergab.  Wir könnten uns aber auch einfach erstmal hinsetzen, und die Wurzel des Übels beim Namen nennen:

Arbeit ist Scheiße!

PS: Die Frauen auf der Flucht vor dem Gesetz des Stärkeren kann man im Übrigen untersützen: sie haben viel gearbeitet, um in einem eigens eingerichteten Shop eine Vielzahl von Produkten anzubieten, die ihren besonderen Reiz dadurch bekommen, das sie Teil eines Abenteuers sind. Ist doch bald Weihnachten – da sucht man doch immer etwas ganz besonderes.

Mir fehlt noch das T-Shirt mit dem Aufdruck Arbeit ist Scheiße – aber man kann ja nicht alles haben. Bei dem Wort Arbeit hätte ich gerne das Arbeitsamts-A, damit auch alle wissen, was gemeint ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

20.Juli 2012. Widerstand in Deutschland? Island macht es vor … als leise Revolution.

Freitag, 20.7.2012. Eifel. Wieder einmal ein besonderer Tag – historisch gesehen. Vor achtundsechzig Jahren hat ein gewisser Graf von Stauffenberg den Führer in die Luft sprengen wollen. Lange Zeit galt dies als Großtat des deutschen Widerstandes gegen Hitler. Bei Lichte betrachtet, war die Tat nicht so groß. Die Sowjetarmee treib im Osten die Wehrmacht vor sich her, im Westen waren die Alliierten in Frankreich gelandet und vertrieben die Wehrmacht dort, Bomberströme zogen fast täglich ungehindert über Deutschland hinweg – wer noch alle Sinne beisammen hatte (und von den Fakten überhaupt erfuhr) wußte: es war vorbei. Nun – weniger die Motaviation des Widerstandes soll heute im Fokus stehen, sondern eher die Frage: wie sieht es heute bei uns aus? Brauchen wir wieder einen Stauffenberg, der versucht, das Schlimmste zu verhindern? Es geschehen tagtäglich schlimme Dinge in Deutschland, Dinge, die noch kürzlich undenkbar waren:

Zum Beispiel gibt es da einen Goldman-Sachs Banker, der ungeniert über „seinen Ministerpräsidenten“ Geschäfte inszeniert, die dem Land Milliardenverluste beschert haben. Nebenbei bot er als „Bestechungsmasse“ einen schönen Vorstandsposten an – so sieht unsere Bananenrepublik aus. Erinnert an viele andere Politiker, die bei uns „überraschend“ hoch dotierte Positionen in der Wirtschaft bekamen, nachdem sie im Interesse der Märkte den Sozialstaat ruiniert und die Notbremsen gegen Finanzheuschrecken entfernt haben.

Keine schöne Geschichte, aber brutale, politische und wirtschaftliche Realität, unter der in diesem Land Millionen von Menschen  – und erst recht Millionen von Kindern zu leiden haben.

Über den Verfassungsschutz möchte ich erst gar nicht reden – der beobachtet lieber peinlich genau ordentlich gewählte Politiker der Linken, während jahrelang Neonazibanden ungehindert im Land herummorden. Die Polizei gibt auch nicht unbedingt ein besseres Bild ab, wenn man sich den Fall Knobloch genauer anschaut – hier beim Spiegel: aktiv haben die Ermittler einen geistig Behinderten Menschen mit lückenlosem Alibi einen Mord in die Schuhe geschoben, zu dem bis heute die Leiche fehlt. Gedeckt wurde durch diese Tat der Polizei ein roter Mercedes, in dem das Kind offensichtlich entführt wurde. Gruselig, wenn man bedenkt, welche Kreise die Affaire Detroux beispielsweise zog. Gibt es vielleicht auch in Deutschland einen mächtigen Kinderhändlerring – mit Superkontakten zu Polizei und Politik?

Die Liste der äußerst bedrohlichen Erscheinungen am Rande (und in der Mitte) unserer Gesellschaft ließe sich endlos fortsetzen – wer regelmäßig im „Nachrichtenspiegel“ liest, weiß, das man täglich genug finden kann und Grund genug hat, sich um die Zukunft zu sorgen – erst recht jetzt, wo der ESM droht.

Schnell könnte unsere Zukunft wie die Islands aussehen, siehe Wikipedia.

Island war im April 2009 laut dem US-amerikanischen Ökonomen und Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman vor Irland und Österreich das Land mit dem größten Risiko eines Staatsbankrotts. Die drei größten Banken (Kaupthing, Landsbanki und Glitnir) erlebten nach ihren sehr riskanten internationalen Kreditgeschäften einen Absturz und konnten nur durch die Verstaatlichung im Oktober 2008 vor dem Zusammenbruch bewahrt werden. Sie hinterlassen Island einen Schuldenberg vom Zehnfachen der bisherigen jährlichen Wirtschaftsleistung.

320 000 Einwohner mussten mehr als zehn Milliarden Euro aufnehmen.  31250 Euro pro Bürger – ob nun Rentner oder Kind spielt dabei keine Rolle. Die großen Bankenfürsten (die erst unlängst wieder durch Zinsmanipulationen im großen Stil und andere Betrügereien von sich Reden gemacht haben – siehe Standard) rieben sich die Hände … jedenfalls solange, bis die Bürger die Politik selbst in die Hand nahmen, weil ihre Zukunft (siehe Fokus) düster aussieht.

Und auf einmal sah man – es ging auch anders, siehe Presseeu:

In London fälscht Barclays die Zinssätze für Kredite zwischen Banken. In Madrid soll Bankia seine Konten vor dem Börsengang frisiert haben. Wie die betrügerischen Banken zur Rechenschaft ziehen? In Island spüren Sonderermittler die Verantwortlichen auf, um sie der Justiz zu überstellen. 

Da läßt man die Banken einfach pleite gehen – und jagt die kriminellen, auf Kosten anderer grenzenlos experimentierfreudigen „Leistungsträger“ quer durch den ganzen Kontinent. „Die Treibjagd beginnt“ – so beschreibt „wirtschaftsfacts“ die Tatsache, das nun eine Hundertschaft von Ermittlern Jagd auf die Täter macht, die sich unter anderem in Luxemburg verschanzen – ausgestattet mit viel geklautem Kapital und den teuersten Anwälten des Kontinents.

Die Aktion macht viel von sich reden. Manche sehen darin schon die beginnende Abrechnung mit dem Bankenclan der Rothschilds und Rockefellers.

Was nun aber wirklich Sorgen machen sollte: Trotz mehrfachen Nachfragens wollen die Isländer einfach nicht für die verstaatlichten Schulden der Pleitebanken aufkommen … dabei war doch alle so gut geplant: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren – das Motto läuft doch in ganz Europa gut. Griechenland, Spanien, Italien … die Nachrichten sind voll von dem Spektakel, das Politiker veranstalten, damit bloß alle Banker ihre Boni bekommen (und die politischen Entscheider ihre Pöstchen).

Die Isländer aber – sagen nein dazu. Zum Entsetzen der Ministerpräsidentin, siehe Zeit. Man wundert sich nicht über das Entsetzen – muss sie doch der eng verfilzten Mafia von europäischer Politik und Banken erklären, warum der Plan nicht aufgeht … und deshalb möglicherweise in ganz Europa in Gefahr ist. Immerhin … das System kommt einem bekannt vor, siehe Zeit aus dem Jahre 2009:

Auf ausländischen Druck hin verschuldet sich Island bis zur Schmerzgrenze, um britische und niederländische Sparer zu entschädigen. Das Land hätte Besseres verdient

Erinnert irgendwie an … Griechenland, Spanien, Italien, Portugal (und natürlich bald Deutschland). Wir zahlen … doch was machen die Isländer?

Sie gucken, ob man nicht den damals verantwortlichen Staatschef auch gerichtlich verantwortlich machen und einkerkern kann, siehe Frankfurter Rundschau.

Das wäre was, oder? Schröder, Fischer, Clement, Müntefering – die ganze Hartz-Gang einfach mal einsperren – wegen „Deregulierung der Märkte“ – was nichts anderes war als die Abschaffung der Bremsen, die verhindern sollten, das „Märkte“ die Demokratie aushöhlen.  Und dazu noch die ganzen Akteure, die gerade Deutschland „marktkonform“ gestalten wollen, damit die Banken noch schneller abgreifen können: ein Ruck würde durch die deutsche Demokratie gehen – und sie würde den Namen wieder verdienen.

Ach ja – Demokratie. Auch da sind die Isländer dabei, ganz neue Wege zu gehen – siehe Süddeutsche:

Island ist kurz davor, sich eine neue Verfassung zu geben und ging dabei einen besonderen Weg: Keine Politiker, sondern die Bürger selbst entwarfen den Vorschlag für ein Grundgesetz. Ein Modell für Europa?

Ein spannendes Modell – denn es wird von der bankenpolitischen Kaste hart bekämpft:

Aus den 525 Kandidaten hatten die Isländer 25 Ratsmänner und -frauen auserkoren. Seine Arbeit beginnen durfte er aber dennoch nicht sofort. Die alten Machteliten, denen das Projekt ein Dorn im Auge war, reichten Klage beim Obersten Gericht ein – mit Erfolg. Aufgrund technischer Nichtigkeiten wurde die Wahl für ungültig erklärt. Vier der fünf Richter waren noch von der langjährigen konservativen Regierungspartei, jetzt in der Opposition, ernannt worden. Böse Zungen sprechen von einem politischen Urteil.

Nun – es ist ja auch kein Märchen, es ist harte Realität. Nach vielen Jahrzehnten Demokratie ist der demokratische Grundgedanke verrottet, politische Posten von einer durchgehend korrupten „Elite“ besetzt, die eher an die Rendite der Bankenelite denkt denn an das Wohl der eigenen Bürger.

Immerhin: der Bürger lädt nie zum Nobeldinner in exklusiven Restaurants, der Bürger verleiht keine Nobellimousinen, er lädt nicht auf seine Privatyacht ein oder sorgt für gute Geschäftskontakte oder – noch besser – ein lukratives Vorstandspöstchen.  Der Bürger will – nein, wie schlimm – einfach sein Geld behalten und zerschießt so die Wunschträume seiner lange und gezielt von den Parteien und Verbänden herangezüchteten politischen Elite.

Die Isländer tragen dem Rechnung … und lassen einfach 500 normale Bürger eine Verfassung ausarbeiten – abseits von allen korrupten Seilschaften, die dies im Regierungsapparat selbst schnell intern  hätten verhindern können, ohne das wir auch nur ein Sterbenswörtchen davon erfahren hätte.

Vielleicht – so merkt man – wäre es gar nicht so schlecht, wenn es uns so geht wie den Isländern. Mit 25500 Euro Schulden pro Kopf (zusätzlich zum ESM) sind wir auf dem besten Wege, ihnen in den Staatsbankrott zu folgen. Aber vielleicht könnten wir auch ihrem demokratischen Ansinnen folgen und eine leise Revolution durchführt, die nichts weiter tut, als blutlos „mehr Demokratie zu wagen“ und Deutschland eine Führungsrolle in Europa gibt, auf die zukünftige Generationen stolz sein können.

Wer noch zögert, ob das denn wirklich notwendig ist in Deutschland, der sollte sich diesen Artikel im Spiegel gut durchlesen: kaum sind die neuen Organspendegesetze unterwegs, gibt es schon findige Mediziner, die „ihren“ russischen Patienten schnell eine deutsche Leber verpassen.

War sicher kein armer Russe, der da in Göttingen lag.

Der neoliberale Putsch, der auf breiter Front seit über einem Jahrzehnt durch Deutschland fegt und aus seinen Bürgern „Kosten auf zwei Beinen“ gemacht hat, die nichts zu Essen kriegen sollen, wenn die Wirtschaft sie nicht mehr braucht, wird aus uns allen Organspendern machen, die die Bankenschulden mit ihrem eigenen Leib abbezahlen müssen.

Vielleicht kommt es aber auch noch schlimmer.

Noch haben wir eine Chance, das Ruder herumzureißen und wieder eine Gesellschaft von Menschen zu werden, die „für“ die Demokratie leben – anstelle einer neoliberalen Gesellschaft, die parasitär „von“ der Demokratie lebt … und von dem, was ihre Bürger über Jahrhunderte hinweg aufgebaut haben.

Andererseits werden wir vielleicht auch noch erleben, was mit einem Land geschieht, von dessen Substanz viele unersättliche „Leistungsträger“ jahrzehntelang  rücksichtslos gezehrt haben – auf Kosten der Armen, der Kranken, der Alten, der Kinder und der ganzen Zukunft.

Ich möchte allerdings – wenn der Kurs so weitergeht – allen Mitbürgern dann dringend empfehlen, niemals niemals niemals … alt zu werden.

Das wird nämlich im neoliberalen Paradies sehr sehr hässlich werden.

 

 

 

 

 

 

Nationaler Kaufnix-Tag – nur noch vier Wochen! Ein kleines Signal … in einem sterbenden Land.

4.6.2012. Eifel. Wie schnell doch die Zeit vergeht. Nur noch vier Wochen bis zum ersten nationalen Kaufnixtag, dem 4.Juli 2012. War mal so eine Idee von mir. Eine andere war ... der Menschenschutzbund. Nicht, das ich selbst einen gründen wollte (zum Henker: wann denn noch?) - aber mir kam die Idee aufgrund eines Artikels über die Behandlung von Schauspielern bei der Fortsetzung des Filmes "V"... ja, das ist der Film mit der Occupy-Maske. So wie die behandelt wurden, wäre kein Tier behandelt worden. Bei Menschen macht man das - die können sich "freiwillig" selbst Gewalt antun. Leider hat der Mensch an sich zu wenig Freunde - und als es dann Partei werden sollte, war alles endgültig vorbei. OP 100 war auch so eine Idee - animiert durch das beständige Geklage "wir können ja sowieso nichts tun". Klar kann man was tun - dort, wo Politik käuflich wird, kann man zusammenlegen und gute Lobbyisten mit dem Auftrag losschicken, eine Hartz-IV-Erhöhung durchdrücken. Gibt jeder Arbeitslose nur einmal einen Kleckerbetrag, hätte man schon eine ordentliche Kriegskasse beisammen.

4.6.2012. Eifel. Wie schnell doch die Zeit vergeht. Nur noch vier Wochen bis zum ersten nationalen Kaufnixtag, dem 4.Juli 2012. War mal so eine Idee von mir. Eine andere war … der Menschenschutzbund. Nicht, das ich selbst einen gründen wollte (zum Henker: wann denn noch?) – aber mir kam die Idee aufgrund eines Artikels über die Behandlung von Schauspielern bei der Fortsetzung des Filmes „V“… ja, das ist der Film mit der Occupy-Maske. So wie die behandelt wurden, wäre kein Tier behandelt worden. Bei Menschen macht man das – die können sich „freiwillig“ selbst Gewalt antun. Leider hat der Mensch an sich zu wenig Freunde – und als es dann Partei werden sollte, war alles endgültig vorbei. OP 100 war auch so eine Idee – animiert durch das beständige Geklage „wir können ja sowieso nichts tun“. Klar kann man was tun – dort, wo Politik käuflich wird, kann man zusammenlegen und gute Lobbyisten mit dem Auftrag losschicken, eine Hartz-IV-Erhöhung durchzudrücken. Gibt jeder Arbeitslose nur einmal einen Kleckerbetrag, hätte man schon eine ordentliche Kriegskasse beisammen.

Die Resonanz war groß für einen Blog …. aber viel zu klein für eine Bewegung. Gut – das ist auch eigentlich nicht die Aufgabe von Philosophen. Wir sollen Wegweiser sein – und kein Wegweiser geht selbst den Weg, den er weist.

Ich habe dann etwas nachgedacht und gleich gemerkt, woran es hakt.

Erstens will niemand Arbeit investieren. Gut,  nicht wirklich niemand – aber zu wenig um handlungsfähige Strukturen aufzubauen.

Zweitens will niemand Geld investieren. Gut, das sollte man auch eigentlich nie mit einplanen – manche haben wirklich extrem wenig davon.

Da kam dann die Idee des „nationalen Kaufnixtages“. Einen Tag lang nichts zu kaufen kostet nichts (man spart sogar viel) und ist auch keine Arbeit (im Gegenteil – man hat etwas weniger davon).  Die Idee verbreitete sich schon weiter als die vorherigen.

Was war das für eine schöne Vision: am jenem Tag, an dem die nordamerikanische  Kolonie ihre Unabhängigkeit von der übermächtigen Kolonialmacht erklärte, erklärt der Souverän der Bundesrepublik Deutschland seinen eingebildeten Herren einfach mal, was sie ihn können: gern haben.

Die Verkäufer und Verkäuferinnen stehen in den Geschäften und haben viel Zeit, sich auszuruhen. In den Bars, Cafés und Kneipen herrscht gähnende Leere, ebenso bei McDonalds, im Kinopark, im Museum, im Zoo. Schön wäre es, wenn auch der Fernseher ausbliebe: eine garantierte Quote von null Prozent wäre auch für Talkmaster mal ein nachdenkenswerter Moment. Die Straßen wären so still, das man darauf tanzen könnte – und vielleicht sollte man das auch einfach mal tun.

Lieber wäre mir aber Stille. So eine Art High-Noon-Western-Stille, die immer dann eintritt, wenn man weiß, das gleich der weiße Hut auf den schwarzen Hut trifft. Die Krönung wäre natürlich etwas Wüstengras, das der Westwind durchs Regierungsviertel treibt … aber das ist vielleicht nicht machbar.

Die Tankstellen könnten dreimal täglich ihre Preise erhöhen, ohne das auch nur ein einziger Liter aus dem Schlauch kommt: das erleichtert die Abrechnung am Abend. Im Lager von Amazon würden die Packer Zeit für Kartenspiele haben, Prostituierte könnten sich mal um eine Fortbildung kümmern und Regierung und Wirtschaft könnten jenen Zustand erleben, von dem sie schon ewig lange träumen: endlich mal ein Leben ohne das dämliche Volk.

Leere Busse, leere Züge, leere Flugzeuge, leere Schiffe – was spart man da Sprit, wenn die sich gar nicht erst bewegen.

Auch die Arztpraxen wären leer, ebenso die Apotheken. Man sollte fein auf die Statistiken zu diesem Tag achten: es werden plötzlich weniger sterben als sonst.  Wir hatten das schon mal … und zumindest Volker Pispers hatte das bemerkt.

Cool wäre auch, wenn man an dem Tag den Verbrauch an Strom, Gas und Wasser auf Null fahren kann. Wichtig ist nur die Zahl auf dem Schreibtisch der Chefs: die muss NULL sein.

Nun gut – zehn Jahre später wird das dann wieder ein Feiertag, den sich die SPD auf die Fahne schreibt.

Wird das was bringen, werden sich manche fragen.

Klar. Wenn es am 4.7.2012 soweit kommt, werden die Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik merken, das das Volk sich seiner selbst und seiner Kraft bewusst geworden ist.  „Käufer, wenn Dein starker Arm es will, stehen alle Räder still“.

Steht die NULL eine Woche lang da, wird es richtig schmerzhaft: die ersten Geschäfte verzeichnen Verluste bei verderblicher Ware – aber so weit wollen wir ja gar nicht gehen.  Es landet sowieso zuviel auf dem Abfall: ein Drittel der weltweiten Nahrungsmittelproduktion landet auf dem Müll (Quelle: Test.de) – was für uns heißt: wir könnten 10 Milliarden Menschen locker ernähren. Da hätten wir schon was zu tun an dem Tag: einfach mal Gedanken über den disziplinierten Umgang mit Essen machen. Das wäre auch für alle ein Gewinn.

Schön wäre die Null natürlich an den Börsen – aktuell würden die sich über eine Null sogar freuen … wenigstens kein Minus.

Leider ist der Name nicht so schön geworden – es könnte Verwechslungen zum internationalen Kaufnixtag geben, der nur ein konsumkritischer Tag im November ist. Der nationale Kaufnixtag sollte mehr ein politischer Tag sein, ein Signal, das vielen Menschen zeigt, das sie nicht allein sind mit ihrem Frust, ihrer Verbitterung, ihrer Enttäuschung und ihrer Angst, was denn die Zukunft so bringen mag.

Gutes wird sie nicht bringen.

Heute, am 4.6.2012, erlaubt sich die Presse schon ganz wundersames: sie ruft offen das Ende der Bundesrepublik Deutschland aus, ich zitiere aus der Welt:

Begonnen hat der Prozess freilich schon vor Jahren. Als sich Gerhard Schröder im Frühjahr 2005 vor den Bundestag stellte und seine Agenda 2010 verkündete, markierte dies das Ende einer Gewissheit, die vielen Deutschen die wichtigste überhaupt war: Dass der Staat gesellschaftliche Gegensätze ohne Rücksicht auf die Kosten mit sozialen Leistungen zukleistert und einer breiten Mittelschicht steigenden Wohlstand zur Not auf Pump garantiert. Schröder kündigte den Gesellschaftsvertrag der alten BRD (wie sich nun herausstellt mit gutem Grund und enormem Erfolg).

So etwas kann man  heute schreiben – ganz offen. Ich übersetze das gerne mal auf Umgangsdeutsch: die Agenda 2010 hat den ersten offenen deutschen Sezessionskrieg ausgerufen – nicht Nord gegen Süd, sondern Reich gegen Arm.

Und damit es sich richtig lohnt, hat man erstmal Arme herangezüchtet – ein Millionenheer von verhartzen Kindern steht für die Zukunft bereit, Menschen, die Ingenieure, IT-Nerds, Ärzte und Erfinder hätten werden können … genau jene Menschen, die wir ja angeblich so dringend brauchen.

Deutschland stirbt. Wir bewusst und absichtlich zugrunde gerichtet.

Während die Kinder (und auch die Jugend) auf ein Leben mit staatlich subventionierten Minijobs, Praktika und immer wieder neu befristeten Stellen hin trainiert werden, sind für Luxusartikel 19 Milliarden Euro jährlich locker drin: Lippenstifte, Kunst und Designermöbel sind im Aufwind. Weniger als 2 Milliarden investieren wir im Jahr in die Ernährung der Kinder von Arbeitslosen, mit 96,55 Euro im Monat müssen die auskommen, ist am Ende des Geldes noch Monat übrig, steht Hunger ins Haus.

Und wir?

Wir laufen alle mit, jeder, jeden Tag.

Der verharzte Teil der Bevölkerung macht da keine Ausnahme, viele gleichen in ihren Forderungen dem Topmanagement und langweilen so die Republik: MEHR GELD will wirklich jeder, die Forderung als solche hat leider keinerlei revolutionäre Brisanz sondern ist im Grunde erzkapitalistisch … vielleicht der Hauptgrund, warum die Partei „DIE LINKE“ während der Krise des Kapitalismus nicht auf die Beine kommt.

Es wäre angesichts der kommenden Weltwirtschaftskrise (laut Joschka Fischer schlimmer als alles, was wir je erlebt haben – siehe Welt) doch toll, wenn wir einfach mal aufhören würden, mitzulaufen.

Erstmal einen einzigen Tag.

Nur den.

Und wieder hat man etwas zu tun: einfach mal einen Tag im Jahr schauen, was man selbst vom Leben will. Welchen Sinn man dem eigenen Jahren geben will, bevor es vorbei ist – und auf was man wirklich selbst stolz sein würde, wenn man im Alter auf sein Leben zurückschaut. Wir könnten sogar supermutig werden und uns dem absoluten Reichtum  hingeben, dem einzigen sicheren Reichtum, der für Menschen erhältlich ist, ein Reichtum, den uns niemand nehmen kann und der sogar sehr glücklich machen soll … jener Reichtum, der merkt, das er reich ist WEIL ER NICHTS BRAUCHT.

Und wer merkt, das er nichts braucht, wirklich gar nichts von dem, was gerade im Angebot ist, ist der erste Mensch, der hinreichende Qualitäten für einen neuen Bundestag hat: kein Lobbyist könnte ihn steuern. Wer nichts braucht ist so reich, das er sogar für die deutschen Lobbyisten unbezahlbar ist.

Diese Besinnung an jenem Tag ist – wie man sehen kann – sogar mehr als Gold wert. Sie könnte uns sogar jene Politiker bescheren, die wir dringend brauchen, jene wackeren Menschen, die sagen „Diäten – brauch´ ich nicht. Bin ja reich“.

Das wäre der Beginn einer neuen politischen Kultur, die das Land voran bringen könnte.

Viel Zeit, diese Kultur ins Leben zu rufen, scheint nicht mehr zu sein – „Spiegel-Online“ redet aktuell von wieder von Opfern, die Deutschland bringen muss.

Ratet mal, wer dann auf einmal wieder „Deutschland“ ist und die Opfer bringen darf?

Ich schätze mal … 2013 reden wir über eine Kürzung des Hartz-Regelsatzes um 50% (wegen der Märkte und weil das „aus gutem Grund“ und „mit Erfolg“ geschieht), 2015 über eine 50-prozentige Kürzung der Renten und 2022 wird es soviele unfreiwillige Kaufnixtage geben, das man sich gewünscht hätte, zehn Jahre zuvor einfach mal mitgemacht zu haben bei jenem Tag, wo jeder Mensch mal seine eigene persönliche Unabhängigkeitserklärung abgeben konnte.

Ich denke aber … real werden das mal wieder ganz ganz wenig sein, oder?

 

 

Notiz zum Widerstandsrecht gemäß Art. 20 Abs. 4 GG

Autor: Ingmar Wengel (Bundessprecher Grundrechtepartei)

Artikel 20 Abs. 4 GG (Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.) ist als Widerstandsrecht und Widerstandsmittel untauglich, da seine Erfüllung die Erlaubnis der öffentlichen Gewalt bzw. nachträgliche Legitimation durch die Rechtsprechung bedingt. Im Falle, dass es die öffentliche Gewalt selbst ist, welche es unternimmt, die verfassungsmäßige Ordnung zu beseitigen, wird das Dilemma offensichtlich.

Im Grunde ist Art. 20 Abs. 4 GG, als vermeintlich neues Grundrecht für den Bürger im Zuge der Notandsgesetze im Jahre 1968 in das Grundgesetz aufgenommen, ein unzulässiges Grundrecht der öffentlichen Gewalt für den Fall, dass der Protest der Bürger nicht mehr beherrschbar ist, da nur die öffentliche Gewalt entscheidet, ob ihr rechtswidriger Widerstand gegen die Bürger (schein-)legitim ist oder nicht. Das war vor 1945 und ist weiterhin so.

Wirklich effektiver und gleichzeitig legitimer Widerstand ist die Ausübung der Grundrechte durch den Bürger als Grundrechtsträger. Die wenigsten wissen, dass die Grundrechte eigentlich Abwehrrechte des Bürgers gegen den Staat und seine Institutionen sind, weil sie gemäß Art. 1 Abs. 3 GG als unmittelbar geltendes, also erlaubnisfreies Recht die öffentliche Gewalt in ihren Handlungen an die Grundrechte binden.

Es ist also ein Unterschied, ob z.B. Demonstranten ihr Grundrecht der Versammlungsfreiheit gemäß Art. 8 GG mit der (unnötigen) Erlaubnis der Behörden als von der öffentlichen Gewalt gewährtes Gnadenrecht ausüben (dürfen) oder ob sie sich im Sinne des Art. 1 Abs. 3 GG in Verbindung mit Art. 8 GG zum Zwecke der Abwehr der öffentlichen Gewalt friedlich und ohne Waffen versammeln. Versammlungsfreiheit als friedliches Abwehr-Grundrecht gegenüber der rechtswidrigen Anwendung öffentlicher Gewalt. Friedliche bürgerliche gegen rechtswidrige öffentliche Gewalt sozusagen.

Alles das, was Art. 20 Abs. 4 GG zu versprechen scheint.

Und wenn mit diesem Wissen erkannt wird, dass sich die öffentliche Gewalt nicht an die Grundrechte und damit auch nicht an die verfassungsmäßige Ordnung gebunden fühlt, dann kann die verfassunggebende Kraft, die über jedes gesetzte Recht erhabene »pouvoir constitutant«, des Volkes im Sinne des Art. 20 Abs. 2 Satz 1 GG wirken, wonach alle Staatsgewalt vom Volke ausgeht. Auch dazu bedarf es des Art. 20 Abs. 4 GG nicht, denn dann kann der Zustand eintreten, den man als (friedliche aber bestimmte) Revolution bezeichnet.

Mit dem Missbrauch der Grundrechte als Gnadenrecht und persönlicher Bereicherungsanspruch funktioniert das jedoch nicht.

Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Erlaubnis des Autors.

Link zum Original: http://grundrechteforum.de/notiz-zum-widerstandsrecht/1769/

Mit freundlicher Genehmigung von Ingmar Wengel (Bundessprecher Grundrechtepartei)

Das gefährlichste Buch der Bundesrepublik Deutschland – ist das Grundgesetz

Das gefährlichste Buch der Bundesrepublik Deutschland, scheint das Grundgesetz zu sein, jedenfalls für die Politik. Nach der Einführung von Hartz IV wurde das GG für Millionen Menschen in unseren Land, in Teilen außer Kraft gesetzt, und nun wird dies auch auf das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit ausgeweitet.

Der Artikel 8 GG, sichert das uneingeschränkte Grundrecht auf Versammlungsfreiheit!

Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln. In beeindruckender Weise ist dieser Tage zu erleben was Politik und Justiz von den Grundrechten für Bürger so halten. Man könnte meinen, recht wenig. Die teilweise verhängten Demonstrationsverbote in Frankfurt/Main lassen daran keinen Zweifel aufkommen. Die Bedeutung des Grundrechtes auf Versammlungsfreiheit wird anders als die Grundrechte der Berufsfreiheit und des Eigentums nicht gewürdigt.Christine Buchholz von der Linkspartei: „ Es ist ein Skandal, wie die Frankfurter Stadtregierung alle Register zieht, um unseren Protest im Vorfeld zu diskreditieren und kriminalisieren…., Wir fordern (…) endlich unser grundgesetzlich verbrieftes Recht auf Demonstrations- und Versammlungsfreiheit zu respektieren

Wo eigentlich bleibt die Empörung der Politiker, welche immer vorgeben sich um die Freiheit und Grundrechte von Bürgerinnen und Bürger einzusetzen, wie zum Beispiel FDP, Grüne, SPD.

Von der CDU kann man nichts erwarten, warum das so ist, zeigt eine Rede von Merkel am 16.06.2005 zum 60-jährigen Bestehen der CDU, zu diesem Zeitpunkt war sie noch keine Bundeskanzlerin . Merkel: „„Politik ohne Angst, Politik mit Mut – das ist heute erneut gefragt. Denn wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit. Unsere Werte müssen sich im Zeitalter von Globalisierung und Wissensgesellschaft behaupten. Und wenn sie sich behaupten sollen, dann müssen wir bereit sein, die Weichen richtig zu stellen. Auch da sind wieder Widerstände zu überwinden.“

Toll oder, besser kann man das nicht ausdrücken auch wenn man einen Amtseid auf das GG abgelegt hat. Der Amtseid lautet:

Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.

Grundgesetz und Amtseid hin oder her, die Politik kümmert es kaum noch, oder um es mit den Worten des Bundespräsidenten zu sagen, „ist doch unsäglich albern“.

 

 

Demonstrationsverbot in Deutschland? Grundgesetz? Hmm…

Eine Pressemitteilung, die wir von Marcus erhalten habe. Eigentlich ist das ja nicht zu glauben. Aber hier gibts eine Möglichlichkeit, Protest zu zeigen:

Liebe Attacis in NRW,

wie euch vielleicht inzwischen bekannt ist, hat die Stadt Frankfurt alle Protestaktionen im Rahmen der Aktionstage des Bündnis BLOCKUPY Frankfurt verboten.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/frankfurt-will-anti-banken-proteste-verbieten-a-831428.html

Unterstützt bitte durch Mitzeichnung des nachfolgenden Aufrufs, Unterstützung und öffentliche Einmischung, den Protest dagegen. Wir wollen in Frankfurt unser verfassungsrechtlich garantiertes Demonstrationsrecht durchsetzten.

Gruß
Thomas Eberhardt-Köster

Am Geisterberg 9
40629 Düsseldorf
0211 9293710
0172 2488059
thomas.eberhardtkoester@arcor.de

Sofortige Rücknahme des Verbots: Protest muss möglich sein

Die Frankfurter Demonstrationsbehörde hat am Nachmittag des 4. Mai 2012 in einer Presseerklärung mitgeteilt, dass sie alle vom Bündnis Blockupy Frankfurt vom 16. — 19. Mai geplanten Aktionen verbietet. Die demonstrationsrechtlichen Anmelder der insgesamt mehr als fünfzehn Aktionen wurden heute nur in einem Fall darüber direkt informiert, auch
das erheblich verspätet.Damit sollen die Proteste gegen eine Krisenpolitik, die tief in das Leben von Millionen Menschen in Europa eingreift, komplett verhindert werden. Das Bündnis plant während der Aktionstage Proteste gegen die Sparpolitik der europäischen Regierungen und der Troika aus EZB, EU-Kommission und IWF und hatte einen Teil davon als Demonstrationen,
Kundgebungen, Mahnwachen und demonstrative Versammlungen (Asambleas) demonstrationsrechtlich angemeldet.
Dieses Verbot ist ein in der Geschichte der Bundesrepublik einmaliger skandalöser Vorgang und eine offene Verletzung des verfassungsrechtlich garantierten Demonstrationsrechts. Wir bestehen darauf, dass der Protest
gegen die Krisenpolitik auch im Frankfurter Bankenviertel und am Sitz der EZB stattfinden kann, so wie es auch der ständigen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes entspricht.

Alle Demokratinnen und Demokraten können über dieses rechtswidrige und undemokratische Vorgehen nur aufs Äußerste entsetzt sein und eine sofortige Rücknahme dieses Totalverbots fordern. Was auf dem Tahirplatz in Kairo, an der Puerta del Sol in Madrid oder im Central Park von New York möglich war, muss auch in Frankfurt am Main möglich sein!

*Ich/wir schließe/n mich/uns diesem Protest an: *
http://notroika.linksnavigator.de/petition/protest-gegen-das-verbot-von-blockupy-frankfurt

*
*

attac Regionalgruppe Krefeld
Mail: attac-krefeld@gmx.de
www.krefeld-attac.de

2012: Konzern gegen Mensch – 7:0. Erläuterungen zum ersten nationalen Kaufnixtag am 4.Juli

2012: Konzern gegen Mensch - 7:0. Erläuterungen zum ersten nationalen Kaufnixtag am 4.Juli

Mitwoch, 28.3.2012. Eifel. Wir befinden uns mitten in einem Krieg. Dieser Krieg bedroht uns existentiell in allen nur erdenklichen Lebenslagen. Die Fronten verlaufen direkt durch unser Wohnzimmer, durch unsere Küche, durch unser Schlafzimmer – aber wir reden nicht darüber. In diesem Krieg gilt die Genfer Konvention nicht – alle Waffen sind erlaubt, nirgendwo gibt es mehr Sicherheit und Geborgenheit.  Sie werden jetzt sagen: der spinnt, der Eifelphilosoph – hier wird schon lange nicht mehr geschossen. Ich sage: Sie haben keine Ahnung vom Krieg. Ich rede nicht von Amokläufen, sondern von der gewaltsamen Aneignung Ihrer Ressourcen, die bei härterem Widerstand auch mit Waffengewalt durchgesetzt wird … aber auch nur bei härterem Widerstand. Geben Sie alles freiwillig ab, werden Sie auch arm … aber es bleibt leise. Geben Sie es zu: Sie fühlen es doch! Warum diese vielen Sicherheitsschlösser an der Wohnungstür, warum der SUV und die Optimierung ihrer körperlichen Fitness? Weil sie Angst haben. Das ist im Krieg aber auch ganz normal. Unser Gefühl hat die Tatsache schon längst akzeptiert – nur unser Verstand zeigt sich von der modernen Art der Kriegsführung überfordert. Dem kann man aber Abhilfe schaffen. Fangen wir ganz klein an – bei ihrem Hausarzt.

Wenn Sie meinen, das sie krank sind, gehen Sie zu ihrem Arzt und denken, dort ist ein verschwiegener Ort des Vertrauens, wo Ihnen geholfen wird. Nackter können Sie sich kaum irgendwo fühlen – und darum ist es auch wichtig, das Ärzte Vertrauenspersonen sind, die durch heilige Eide verpflichtet sind, Ihnen zu helfen und darüber zu schweigen. Ihr Pech nur: ohne Götter ist nichts heilig. Darum wandern Ihre persönlichsten Daten direkt in die Speicherbänke der Pharmakonzerne:

Interne Dokumente sollen es beweisen: Mitarbeiter von Novartis bringen deutsche Ärzte dazu, ihre Patientendaten zu kopieren und einem Berater zu übergeben, der auf der Honorarliste des Pharmaunternehmens steht.

Nun, die Korruption unter der Ärzteschaft ist weit verbreitet. Als ehemaliger Mitarbeiter einiger der ganz großen Konzerne kann ich Ihnen versichern: ein Arzt von hundert widersetzt sich dem Werben der Industrie. Einer von hundert. Die anderen sind mit ihren persönlichen Vorlieben, ihren dunklen Geheimnissen, ihrem Verordnungsverhalten, ihrer finanziellen Situation und ihren privaten Verstrickungen schon längst in den Speicherbänken der Konzerne registriert und liegen direkt neben Ihren persönlichen Daten, mit denen sie vernetzt sind, damit der zuständige Mitarbeiter genau weiß, wie viele Diabetiker Doktor Lottermoser am 28.3.2012 von 9-12 behandelt und was man ihm besorgen muss, damit er das mit dem jeweils gewünschten Medikament macht.

Natürlich gibt es Versuche, diese Korruption zu verhindern. Die gibt es schon seit dreissig Jahren – nie hatte auch nur einer Ansatzweise Erfolg – kein Wunder in einer Welt, in der man für 250.000 Pfunde das Ohr der Regierenden kaufen kann:

Reportern der „Sunday Times“, die sich als interessierte Parteispender ausgaben, erklärte Co-Schatzmeister Peter Cruddas freimütig, ab 100.000 Pfund sei ein Treffen möglich, besser freilich wären 250.000 Pfund, rund 300.000 Euro.

Und was bekomme man mit diesem „Premier-League-Paket“, wollten die verdeckt arbeitenden Journalisten wissen. Cruddas erläuterte: „Nun, wir bringen sie zu den Abendessen von Cameron und Schatzkanzler George Osborne. Einige der großzügigen Spender waren schon zum Dinner in den Privaträumen des Premiers und seiner Frau Samantha. Sie müssen Teil des Systems werden.“

Merken Sie langsam, was um Sie herum vor sich geht? Merken Sie, wie der Konzern sich einfach in die Spitze der Politik einkaufen kann und dort dann – neben neuen Jobangeboten für den Amtsinhaber nach der Amtszeit – seine politischen Wünsche äußern kann … samt Preis, den er dafür zahlen wird?

Konzerne schwimmen in Geld, die können locker hundert Politiker beschäftigen, ohne das die für ihr Geld arbeiten müssen. Währenddessen drohen Ihnen Methoden, die ich zuerst in der Pharmaindustrie kennenlernte – angeblich die härteste Branche in Deutschland. Jenseits von Kündigungsschutz und Arbeitsrecht weiß man, wie man mit Mitarbeitern umzugehen hat, die nicht parieren:

Der Verkaufsleiter eines Lebensmittel-Discounters hat mir neulich berichtet, er sei angewiesen worden, missliebigen Mitarbeitern einzelne Artikel aus dem Sortiment in die Tasche zu schmuggeln, um sie anschließend wegen Diebstahls entlassen zu können.

Auch wenn Sie jetzt persönlich noch nichts Konkretes von dem Krieg merken – in der Statistik finden sich die Opfer schon, siehe Welt:

Die Gefahr in Armut abzurutschen ist in Deutschland höher als in den meisten Nachbarländern. Hierzulande sind 15,6 Prozent oder 13 Millionen der Menschen armutsgefährdet, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. In den Nachbarstaaten Tschechien, Niederlande und Österreich liegt die Quote teils deutlich niedriger.

Ölkonzerne arbeiten gerade mit Hochdruck daran, diese Quote nach oben zu treiben – während Sie von den durch Korruption maximierten Gesundheitskosten nicht so schnell was merken, dürfen Sie hier Tag für Tag Zeuge werden, wie man Sie ausplündert. Aber wie gesagt: solange sie freiwillig geben, geschieht Ihnen nichts.

Jeder weiß, das das nicht endlos so weitergehen kann:

Langfristig kann das nicht funktionieren, Wachstumszwang und Umverteilung vertiefen den Graben zwischen jenen, deren „Geld für sie arbeiten kann“, und jenen, die „für ihr Geld arbeiten müssen“. Krieg, Crash oder soziale Revolution seien unvermeidlich.

So die Kapitalismuskritikerin Margrit Kennedy im Standard.  Vielleicht merken wir die Vorzeichen dieser Entwicklung schon daran, das man Zahnärzte nicht nur ausraubt, sondern ihnen nebenbei gleich nochmal einen Finger abschneidet. Die Verrohung des Mittelstandes wirkt sich halt irgendwann auch auf andere Schichten der Gesellschaft aus – in einer Welt, in der eine deutsche Hauskatze soviel CO2 verbraucht wie ein Ägypter dürfte das nicht verwundern.

Selbstverständlich ist es nicht nur der Gesundheitsbereich oder die Tankstelle, an der Sie Ihren Tribut an die Herrscher der Welt entrichten müssen. Selbst wenn Sie persönlich super wirtschaften, fleissig sparen und nie auch nur einen Euro Schulden gemacht haben: dann werden eben Euro- und Bankenhilfspakete geschnürt, auch wenn sie völlig nutzlos sind.

In Spanien kann man gerade die Geburt eines neuen Riesenkonzerns beobachten – Konzerne haben den Hang, um jeden Preis zu wachsen, immer größer zu werden und ihre Marktmacht ins Unendliche zu steigern. Mit den kindischen Begriffen von „Markt“, „Leistung“, „Arbeit“, mit denen „moderne“ Ökonomen noch vorspielen wollen, das sie alles im Griff haben, haben Konzerne nichts mehr am Hut. Sie machen den Markt – was sogar dem Ackermann inzwischen Angst macht.

Schauen Sie sich in Ihrer Wohnung um: der Feind steht schon mitten drin. Sie selbst haben ihn hineingelassen – und jetzt müssen Sie dafür zahlen. Sony, Microsoft, Siemens, Deutsche Bank, VW … wie viele Objekte in Ihrem privaten Bereich tragen die Siegel der neuen Herren?  Konzerne haben aus uns die „Kunstfigur des Homo oeconomicus“ gemacht, ein erbärmliches, schwächliches und ekelerregendes Zerrbild jenes Menschen, der sich einst als soziales Wesen gegen eine zutiefst feindliche Umwelt durchgesetzt hatte: Eiszeit, Viren, Säbelzahntiger – das alles haben wir im Geiste des Miteinanders besiegt, nur um jetzt einem wirtschaftlichen Frankensteinmonster zum Opfer zu fallen, das gerade sein weltumspannendes Imperium entfaltet – auf Kosten aller Nationen, die es befällt … sogar auf Kosten ihrer Ursprungsnation, siehe International Business Times:

Die Antwort ist, dass Washingtons Imperium die Ressourcen des amerikanischen Volkes zum Nutzen einiger wenigen mächtigen Interessengruppen, die Amerika beherrschen, extrahiert. Der militärische Sicherheits-Komplex, Wall Street, Agro-Business und die Israel-Lobby benutzen die Regierung, um Ressourcen der Amerikaner zu extrahieren, um damit ihre Gewinne und ihre Macht zu erhöhen. Die US-Verfassung wurde im Interesse des Sicherheitsstaates extrahiert, und die Einkommen der Amerikaner in die Taschen der 1 Prozent umgeleitet. So funktioniert das amerikanische Imperium.

Dieses neue Imperium weist auch dem Krieg eine neue Rolle zu.

Im neuen Imperium spielen Erfolge im Krieg keine Rolle mehr. Die Extraktion erfolgt allein dadurch, dass sich das Imperium im Krieg befindet. Riesige Summen amerikanischer Steuergelder fließen in die Rüstungsindustrie und riesige Mengen an Energie werden von der Homeland Security verbraucht. Das amerikanische Imperium funktioniert dadurch, dass die Amerikaner ihres Wohlstandes und ihrer Freiheit beraubt werden.

Auch wir Deutschen verdienen prächtig an diesem System – solange wir unser Leben einem Konzern opfern oder uns von einem kaufen lassen. Die meisten von uns haben allerdings keine von beiden Optionen.

Es ist eine Ironie, dass im Neuen Reich die Bürger des Imperiums ihres Reichtums und ihrer Freiheit beraubt werden, um Menschenleben der angegriffenen ausländischen Bevölkerungen auszulöschen. Genau wie die bombardierten und ermordeten Muslime, ist das amerikanische Volk Opfer des amerikanischen Imperiums.

Dabei … ist da eigentlich kein amerikanisches Imperium. Die USA werden von dem neuen Imperium genauso ausgeplündert wie die anderen Staaten. Nur für uns Menschen … ist es einfacher, so zu denken. Wir sind dem neuen Krieg allein schon begrifflich nicht gewachsen – wir merken doch gar nicht, das wir mittendrin sind. Wir bemerken die Folgen an den Kassen der Tankstellen, im Arbeitsleben oder am respektlosen Umgang mit unseren Gesundheitsdaten, die privaten Konzernen kostenlos zur Verfügung gestellt werden, aber das man uns ehrlich sagt, das wir uns in einem Krieg befinden, das wird noch lange dauern.

Dabei geht es in dem Krieg um sehr viel – um das Überleben der ganzen Menschheit. Siegt der Konzern, das Frankensteinmonster gewissenloser Renditehaie, bleibt zum Schluss nur ganz wenig übrig, für das es sich zu leben lohnt – im Extremfall ein toter Planet voller Industriemüll, dessen Ressourcen komplett in virtuelle Werte umgewandelt worden sind, die in den virtuellen Speicherbänken des letzten Konzernsatelliten um die Erde kreisen – eines Satelliten großen Superbank, die am Ende aller Tage übrig bleibt.

Noch nie war die Menschheit einer solchen Gefahr ausgesetzt – und nur selten war sie so ahnungslos.

Sie hat kaum noch Zeit, sich zum Widerstand zur organisieren, kaum eine Chance, überhaupt eine Front zu bilden, um den Feind aufzuhalten – er ist schon überall in der Stadt, im Dorf, in der Familie … und sogar – als Homo oeconomicus – in einem selbst.

Aber einen ersten Schritt kann man machen, eine Freiheit haben wir noch, gegen den der Feind momentan noch machtlos ist: wir können uns einfach mal einen Tag aus dem Prozess herausziehen. Vielleicht machen die Bürger anderer Nationen auch mit, bevor auch ihre Ressourcen von ökonomischen Monstren gefressen werden. Darum nicht vergessen: am 4. Juli 2012 ist nationaler Kaufnixtag.

Diese Freiheit haben wir noch, bevor man uns auch irgendetwas in die Tasche steckt, wegen dem man uns verhaften kann.

 

 

 

 

 

 

Deutsche staatliche Mordkommandos

Von Karl Weiss

 

Die Faschisten hatten legale illegale Papiere

Dieser Staat, die Bundesrepublik Deutschland, hält sich staatliche Trupps, die aus Faschisten und Massenmördern bestehen und vom Staat selbst versteckt werden und falsche wirkliche Ausweispapiere erhielten.

Dies sind wohlgemerkt Aussagen der „Welt Online“, also keiner Organisation, die ein Interesse hätte, die Erkenntnisse über Faschisten, die vom „Verfassungsschutz“ promoviert wurden, überzubetonen oder sogar zu fälschen. Im Gegenteil, die „Welt“ hätte sicher alles getan, um solche Informationen zu unterdrücken, wenn das noch möglich gewesen werde.

Es geht im Prinzip darum: Die Faschisten, wie die beiden Uwes, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, hatten falsche, aber wirkliche Ausweispapiere erhalten, die ihnen ermöglichten, unter diesem Schutzschirm von der geheimen Wohnung aus ihre faschistischen Aktivitäten fortzuführen, ohne von der Polizei gefunden zu werden.

Die nun gefundenen falschen, aber wirklichen Ausweispapiere belegen, die Faschisten wurden als Teil einer staatlichen Truppe eingesetzt, welche gegen Demokraten und Sozialisten, aber auch gegen alle Ausländer gerichtet war. Vergessen wir nicht, was sie skandieren, wenn sie einen ihrer Aufmärsche machen: „Gegen Demokraten helfen nur Granaten!“

Noch einmal: Es war eine Staatliche Truppe, nicht eine Gruppe von Faschisten, die sich irgendwo versteckte, wie man uns zunächst weis machen wollte.

Bis jetzt ist niemand deswegen aus dem Staatsdienst entlassen worden. Geben wir ihnen noch ein paar Tage, wenn dann nicht zumindest alle in der Befehlskette entlassen wurden, die das zu verantworten haben, so muss der Staat Bundesrepublik Deutschland als Ganzes ein (in Teilen) faschistischer Staat genannt werden.

Das geht hinauf bis zu Frau Merkel. Sie kann sich persönlich vom Vorwurf, eine Faschistin zu sein, nur befreien, wenn sie sagt, sie habe davon nichts gewusst und jene zur Verantwortung zieht, die ihr das vorenthalten haben.

Die Verquickung des „Verfassungsschutzes“ mit der faschistischen Mörderbande geht nach Angaben der „Welt“ so weit, dass bei einigen der Mordtaten ein Agent des „Verfassungsschutzes“ anwesend war, offenbar um den Rückzug des Mörders zu decken. Damit ist er – und damit der „Verfassungsschutz“ Mittäter. Soweit sind wir gekommen: Staatliche Deutsche Stellen sind Mitmörder bei terroristischen Anschlägen!

Wird nun alles anders werden? Kaum.

Viel wahrscheinlicher ist, man wird all das unter den Teppich kehren, jetzt ein wenig Betroffenheit zeigen, denn die Faschisten mit den falschen echten Ausweispapieren haben immerhin mindestens zehn Menschen ermordet und viele durch Sprengstoffanschläge verletzt. Doch dann wird man warten, bis sich die Aufregung gelegt hat und so weitermachen wie bisher.

Dann wird die nächste Sau durchs Dorf getrieben und der faschistische Staat Bundesrepublik Deutschland ist vergessen.

Darum war es ja auch so wichtig, dass Frau Merkel in ihrer programmmatischen Rede 2006 gesagt hat, wir würden kein Anrecht auf Demokratie für alle Zeiten haben. Siehe auch diesen Artikel.

Damit hat sie ja die offene Diktatur bereits angekündigt und die soll offenbar faschistischen Charakter haben.

Nur: Wir haben ein Recht, uns gegen einen faschistischen Staat zu wehren und zwar mit allen Mitteln. Selbst faschistisch agierend, hat dieser Staat seine Unschuld verloren – so er denn je eine hatte.

Wir haben ein Widerstandsrecht gegen diesen Staat und wir werden zum Widerstand übergehen müssen!

Mit Dank an Karl Weiss

 

Ich beanspruche ein unbedingtes Recht auf ein freies, selbstbestimmtes Leben !

Den gesamten Text kann der geneigte Leser hier (klick)  einsehen und, wenn er ihn Verstanden hat, kann Sie/Er hier (klick) mit seiner Unterschrift seine/ihre Unterstützung bekunden.

Wir leben in einer Zeit weltweit aufflammender Revolutionen. Selbst in Deutschland ist die Lage inzwischen so angespannt, dass man befürchten muss, auch hier eine Revolte auszulösen, nur weil man sich wieder entschieden auf den Boden der grundgesetzlich garantierten Menschenrechte stellt; nur weil man auf die natürlichste Weise ein Recht wieder in Anspruch nimmt, welches einem selbst dann gehören würde, wenn es nicht im Grundgesetz verankert wäre.

Man kann eine solche Inanspruchnahme der Menschenrechte deshalb scheuen. Sie aber zu unterlassen bedeutet, dass sich die Unrechtsverhältnisse immer weiter etablieren.
Ich möchte deshalb folgende praktische Konsequenzen ziehen:

Ab heute widerstehe ich offen jeder staatlichen Zumutung, ein mir unsinnig erscheinendes Arbeitsangebot anzunehmen oder unsinnige, vom Amt mir auferlegte Regeln zu befolgen. Auch die durch die Wirklichkeit längst als illusorisch erwiesene Fixierung auf „Erwerbsarbeit“ lehne ich in jeder Weise ab.

Ich beanspruche ein unbedingtes Recht auf ein freies, selbstbestimmtes Leben, welches ich einer von mir selbst gewählten, mir selbst sinnvoll erscheinenden und mir nicht von außen vorgeschriebenen Tätigkeit widmen darf – auch wenn ich durch die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse gezwungen bin, dafür Hartz IV in Anspruch zu nehmen.

Ich spreche jede Arbeit heilig, die aus einem inneren ernsten Anliegen eines Menschen folgt
– unabhängig davon, ob sie sich äußerlich oder innerlich vollzieht
– und unabhängig davon, ob sie einen „Erwerb“ ermöglicht oder nicht!

Eine Gesellschaft, die nur auf Erwerbsarbeit setzt, schaufelt sich ihr eigenes Grab, weil sie die wesentlich ursprünglicheren und bedeutenderen (!) seelischen und geistigen Antriebe zur Arbeit missachtet und schon das Denken der Mutter über die Erziehung ihrer Kinder, nicht weniger die Arbeit eines Menschen, der in Liebe einen hilfsbedürftigen Freund oder Angehörigen pflegt, noch unter das Produzieren und Verkaufen von Klopapier und Gummibärchen stellt!

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Deutschland weiter einen Weg verfolgen will, der die so mühsam errungenen Menschenrechte außer Kraft setzt und Ängste vor Sanktionen, unwürdiger Arbeit und sozialstaatlicher Totalüberwachung zum Alltag von abermillionen Menschen macht – und fordere deshalb dazu auf:

– alle gegen die Freiheitlichkeit der Gesellschaft und die individuellen Menschenrechte gerichteten Paragraphen im Sozialgesetzbuch II zu löschen, vor allem die Paragraphen 2, 31 und 32, auch Paragraph 36 a, SGB XII

– und den Artikeln 1, 2, 6, 11, 12, 13 und 19 des Grundgesetzes wieder uneingeschränkte Gültigkeit zu verschaffen.

Natürlich rechne ich mit Sanktionen, weil man nach SGB II kaum anders als mit Sanktionen auf eine solche Ankündigung reagieren kann.

Wenn ich Sanktionen erhalte, ist im Sinne der Wiedereinsetzung der Grundrechte der Klageweg zum Bundesverfassungsgericht nach Karlsruhe geöffnet. Es wird darum gehen, ob der Mensch in Deutschland ein bedingungsloses Existenzrecht hat, oder ob er sich ein menschenwürdiges Leben erst verdienen und dafür Zwangsgehorsam, Zwangsarbeit oder unwürdige Niedrigstlohnarbeiten leisten muss. Weiter wird es darum gehen, ob der Staat bestimmen darf, was Sinn im Leben eines einzelnen Bürgers macht, oder ob das Urteil darüber nicht jedem Einzelnen selbst zu überlassen ist, weil anders das Selbstbestimmungsrecht nicht gewährleistet werden kann.

Wenn ich Sanktionen nicht erhalte, erheben wir diese Situation zum Präzedenzfall: Sanktionsfreiheit muss dann für alle gelten!

Sehr geehrte Angeschriebene – ich ahne, wie groß die Fragen und wie hoch die Hürden für ein Umdenken und Umsteuern auf sozialem Felde sind. So möchte ich den Brief nicht enden, ohne Ihnen die volle Mitwirkung meinerseits als auch diejenige einer großen Anzahl von mit mir verbundenen Freunden und Experten (Sozial-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler, Unternehmer, Manager, Banker, Staatsbeamte, Philosophen, Politiker, Kleriker, Künstler, Gewerkschaftler, Betroffener in Hartz IV usw.) zuzusichern. Denn dass Lösungsansätze, die da sind, auch aufgegriffen werden können, darauf kommt es vor allen Dingen an.

Die Würde des Menschen ist unantastbar !

oder

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Staatsbankrott Griechenland/USA und die Psychopathenwirtschaft

Endlich mal wieder Ruhe an der Nachrichtenfront - dachte ich. Endlich mal Zeit, sich um den Garten zu kümmen, etwas durch die aufblühende Natur zu wandern und das Leben zu genießen. Man braucht ja eigentlich nicht mehr zu Glück: unberührtes Grün, Sonnenschein, ein warmer Frühlingswind - was will man mehr? Für normale, nicht psychopathische Menschen das Paradies. Gut - da durfte man auch nackt herumlaufen, das geht hier nicht, dafür haben wir aber auch keine Schlangen in unserem Paradies, die uns mit Äpfeln locken.

Endlich mal wieder Ruhe an der Nachrichtenfront – dachte ich. Endlich mal Zeit, sich um den Garten zu kümmen, etwas durch die aufblühende Natur zu wandern und das Leben zu genießen. Man braucht ja eigentlich nicht mehr zu Glück: unberührtes Grün, Sonnenschein, ein warmer Frühlingswind – was will man mehr? Für normale, nicht psychopathische Menschen das Paradies. Gut – da durfte man auch nackt herumlaufen, das geht hier nicht, dafür haben wir aber auch keine Schlangen in unserem Paradies, die uns mit Äpfeln locken.

Und da war es wieder: schon werde ich stutzig. Wenn ich wandern gehe, dann dauert das in der Regel viele Stunden. Ich wäre mir dann gerne sicher, das mein Heim noch steht, wenn ich wiederkomme. Kann ich da wirklich sicher sein, wenn ich solche Nachrichten lese, siehe Spiegel:

Hat die Finanzwirtschaft zur Normalität zurückgefunden? Mitnichten. Das System ist genauso anfällig wie vor der großen Krise. Es wird wieder munter gezockt und die Chance für eine Reform verspielt. Ohne eine rigide Umkehr vom bisherigen Kurs droht schon bald ein neues Finanzdesaster.

Das hört sich nicht gut an. Ich habe manchmal den Eindruck, das sich niemand wirklich ernsthaft vorstellen kann, was ein Finanzdesaster wirklich ist. Das ist der Moment, wo man die Klospülung drückt und kein Wasser aus der Leitung kommt, wo die Telefone keinen Ton mehr von sich geben und der Lichtschalter nur noch „klick“ aber nicht mehr hell macht, wo man irgendwann merkt, das man seine CD-Sammlung nicht essen kann. Kaum vorstellbar, das intelligente, verantwortungsbewußte Bürger eines demokratischen Gemeinwesens auf einen solchen Zustand hinarbeiten.

Trotzdem gibt es Menschen, die machen das mit aller Kraft, zum Beispiel in Griechenland, siehe Handelsblatt:

Die Ratingagenturen hegen immer größere Zweifel an der Zahlungsfähigkeit von Griechenland. Standard & Poor’s hat wegen der steigenden Gefahr einer Umschuldung am Montag die Kreditwürdigkeit für das hoch verschuldete Land um zwei weitere Stufen von BB- auf B abgesenkt. Und nun prüft auch noch Moody’s eine Herabstufung von Griechenlands Anleihen. Eine Absenkung um mehrere Stufen sei möglich, teilte die Agentur am Montag mit.

Den Mechanismus kennt man schon, er hat mit normaler Alltagsvernunft wenig zu tun, eher mit dem Verhalten von Raubtieren und Aasgeiern: je schlechter es einem Land geht, umso höher setzt man die Zinsen an, die es zu zahlen hat. Das ist Hartz IV für Länder, wir kennen das Prinzip: je schlechter es einem Menschen geht, umso höher setzen wir die Erwartungen an ihn. Das ist grausam, gemein und eigentlich unmenschlich, aber wir gewöhnen uns dran. Immerhin werden die USA auch nicht verschont, siehe Handelsblatt:

Misstrauensvotum gegen die USA: Der weltgrößte Rentenfonds Pimco verzichtet weiter auf US-Staatsanleihen. Damit nicht genug: Fondsmanager Bill Gross wettet auf fallende Kurse – und hat den Einsatz noch einmal erhöht.

Noch ein Staatsbankrott, der Aasgeier reich macht. Im Managermagazin spekuliert man deshalb schon mal ganz offen mit düsteren Aussichten, die – wenn alle daran glauben – zur Pleite der USA führen:

Beobachtern in Nordamerika will es nicht einleuchten, dass die volle Rückzahlung von Anleihen trotz des für Investoren bekannten Risikos garantiert sein soll. Ein Argument, das den USA als größter Schuldner gegenüber dem Rest der Welt leichter fällt als anderen. Man könnte ja irgendwann selbst in die Verlegenheit kommen, von den Gläubigern einen Verzicht zu verlangen.

Aber es kann doch nicht wirklich wahr sein, das es Menschen gibt, die ihr ganzes Wissen, ihre ganzen Fähigkeiten und ihr Vermögen in den Dienst der Vernichtung von Volkswirtschaften stellen? Jedes ganz normale Gewissen würde in dem Moment aufschreien, weil man weiß, das man den Hungertod von kranken, alten und behinderten Menschen sowie der Kinder billigend in Kauf nimmt – wobei die jungen, gesunden Menschen auch nicht ewig im Chaos überleben werden, immerhin werden auch sie älter. Jeder Mensch, der eine normale politische Sozialisation erfahren hat und weiß, wie schwierig der Aufbau unserer friedlichen Wohlstandskultur war, wieviel Blut, Schweiß und Tränen eine solche Entwicklung über Jahrhunderte gekostet hat, würde den Teufel tun und Hand anlegen an einer solch empfindlichen Struktur.

Was aber … wenn es keine normalen Menschen sind, die dort Unterschlupf gefunden haben? Was, wenn die Konzernzentralen so langsam zum Biotop für Psychopathen werden – und Geisteskrankheit gut bezahlt wird, sofern sie sich nur gegen die Bevölkerung der Länder richtet? Und bezahlt wird recht gut, siehe Manager Magazin:

Die Bosse der großen US-Konzerne haben im vergangenen Jahr prächtig verdient. Nach einer Erhebung des „Wall Street Journal“ (Montagausgabe) stieg der Verdienst im Vergleich zum Krisenjahr 2009 um 11 Prozent auf im Schnitt 9,3 Millionen Dollar. Darin eingerechnet sind das Festgehalt und alle Boni.

Na, bei den Summen könnte ich mir vorstellen, das sogar geistig gesunde Menschen schwach werden und sich an der Ausplünderung der Wirtschaft und des Steuersäckels beteiligen. Diese Ausplünderung kann ja unterschiedliche Formen annehmen, siehe Managermagazin:

Es ist der größte Auftrag in der Geschichte beider Konzerne: Siemens und die Deutsche Bahn haben ihr Abkommen über die Anschaffung von bis zu 300 Hochgeschwindigkeitszügen besiegelt. Der Auftragswert könnte auf  10 Milliarden Euro steigen

Wer wird dieses Luxusprojekt wohl letztendlich bezahlen? Wird das wirklich zu einer Senkung der Kosten im öffentlichen Nahverkehr führen, damit auch ärmere Menschen wieder reisen können? Und ist es nicht letztendlich der deutsche Steuerzahler, der die Investitionen der deutschen Bahn bezahlt – immer noch?

Und bei den Spritpreisen hat der deutsche Steuerzahler was anderes zu tun als noch Vorstandsboni zu finanzieren, die  ja angesichts dieses tollen „Geschäftes“ reichlich fließen werden. Es sind aber auch gerade die Spritpreise, die uns zeigen, in welcher Situation wir uns befinden, siehe Spiegel:

Der Crash des Ölpreises lässt Autofahrer hoffen – viele Spekulanten hat er kalt erwischt. Der weltweit größte Rohstoff-Hedgefonds, Clive Capital, hat binnen vier Tagen rund 400 Millionen Dollar verloren. Auch andere Finanzfirmen machten hohe Verluste.

Wenn es dem Bürger gut geht, dann geht es den Finanzfirmen schlecht – das scheint mir die einfache Gleichung zu sein, auf die wir uns zubewegen. Während aber der Bürger den ganzen Tag damit beschäftigt ist, mit fünf Euro Kapital acht Euro Kosten zu stemmen, haben die Finanzfirmen genug Geld für Lobbyistendivisionen, die ganztätig im Politgeschäft mitmischen.

Und was machen die dort, die Lobbyisten?

Sie sägen vielfältig an dem Ast, auf dem wir alle sitzen, damit kranke, asoziale Staatsfeinde sich noch mehr am Volksvermögen laben können. Ich kann mir vorstellen, das sich das jetzt hart anhört … aber wie sollte ich Menschen nennen, die bestehende Regeln und Gesetze dazu nutzen, ganze Volkswirtschaften in den Ruin zu treiben und billigend in Kauf nehmen, mit dem Ruin der größten Nation der Erde die ganze Welt in ein unvorstellbares Chaos zu stürzen?

Und da fällt es mir gleich schwerer, den seltsamen Hochsommertemperaturmai zu genießen. Schnell bekomme ich das Gefühl, das es eine Riesenschlage ist, die unser Paradies vollständig verschlingen möchte, anstatt nur zum Genuss von Hedgefondäpfeln zu überreden.

Noch mehr wundere ich mich, das ich die Anzeichen für eine solche Entwicklung der ganz normalen, normzensierten öffentlichen Systempresse entnehmen kann und gar nicht mehr Zugriff auf obskure Verschwörungsseiten nehmen muss. Ein Höchstmass erreicht die Verwunderung dann, wenn ich sehe, wie wenig Widerstand der Entwicklung entgegengesetzt wird, obwohl sie so offensichtlich ist.

Würde ich an einem Bach wohnen, an dessen Quelle ein Damm errichtet wird, dann wüsste ich, das ich bald Probleme bekomme.

Aber wir sitzen gemütlich beim Bier in der Dorfkneipe und lassen uns von dem Geschwätz der Dammbauer beruhigen, das momentan mehr Wasser als je zuvor den Bach herunterfließt, während die Dammbaufirma uns sogar noch von einem wandernden Barden unterhalten läßt.

Das dies unser letzter Sommer ist, wird nur wenigen wirklich bewußt … und die will man nicht hören, weil sie den Barden beim Gesang stören, der aktuell so aussieht, siehe Manager Magazin:

Die deutschen Exporteure haben im März so viele Waren ins Ausland verkauft wie noch nie seit Bestehen der Bundesrepublik. Dank der starken Nachfrage aus Europa stieg der Exportumsatz um knapp 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Auch die Importe erreichten eine neue Höchstmarke.

Da jubeln doch alle und lesen deshalb den Artikel nicht zu Ende, was schade ist:

„Die sehr hohen Zuwachsraten, die wir in der Vergangenheit gesehen haben, werden beim Außenhandel nicht so weitergehen“, sagte Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim. „Bei den Auftragseingängen lässt das Tempo bereits nach, ebenso beim Welthandel.“

Das dicke Ende kommt zum Schluss, sagt man. Wetten, dass es sogar so kranke Geister unter uns gibt, die auf dieses Ende wetten?

Der kommende Auftstand: Die große Weltverschwörung triumphiert! Und nun?

Man mag mir verzeihen, das ich nicht immer ausführlich auf Kommentare antworten kann. Ich bin zeitlich mehr als ausgelastet und habe eine negative Zeitbilanz – Zeitschulden häufen sich auf, sozusagen. Da muß ich knapp haushalten. Ich kenne einige Einstellungen zur Weltpolitik schon seit Jahren – auch die extremen Verschwörungsanalysen, die ich absichtlich nicht Theorien nenne, da ich davon ausgehe, das es hinreichend Indizien gibt, über bloße haltlose Theorien hinaus- und zur nüchternen Analyse der Verschwörungspraxis überzugehen.

„Even the worst case“ ist ein für mich wichtiger Managementgrundsatz,  der in der Wirtschaft wunderbar funktioniert, aber in der Politik kaum angewendet wird, was zu einer enormen Staatsverschuldung führt, weil alle staatlichen Angestellten davon auszugehen scheinen, das wir Onkel Dagoberts Geldspeicher in Bonn/Berlin frei zugänglich zur Verfügung hätten. Hatten wir leider nicht.

Selbstverständlich gehe ich persönlich nicht davon aus, das die extremsten Verschwörungsphantasien real sind. Ich würde sonst nicht mehr schreiben. Aber – ich mache es mir hier bequem und muß mir selbst vorwerfen, hier zu mangelnder Gründlichkeit zu neigen. Darum hier mal Skizzen für den ganz ganz schlimmen Fall – wobei ich nicht weiß, welcher der schlimmen Fälle es denn jetzt sein soll.

Ist es die Verschwörung altägyptischer Zauberpriester zur Übernahme (oder Weiterführung) der Weltherrschaft?

Ist es die schleichende Übernahme der Welt durch reptiloide Aliens?

Oder sind es nur weitere Ausformungen der normalen Verschwörungen, die sich quer durch die US-amerikanische Geschichte wühlen?

Ist die Welt ein Gefängnis gefallener Seelen oder eine Schule für Götter?

Ist die Welt wie wir sie wahrnehmen, überhaupt real?

Fragen über Fragen … die erkennen lassen, das wir in erster Linie ein philosophisches Problem haben: wir wissen nicht, wo wir eigentlich stehen.

Um die Frage „Was ist nun zu tun“ zu beantworten, muß man sich zuerst entscheiden, wo man stehen möchte. Entscheiden? Ja. Philosophie setzt an das Denken bzw. an Erkenntnis und Wissenschaft strengere Maßstäbe an als es die Naturwissenschaften tun. ABSOLUTE SICHERHEIT gibt es nicht. Dafür ist der menschliche Verstand nicht geeignet. Darum muß man sich irgendwann für eine Wahrheit entscheiden, sonst kommt man nicht ins Handeln. Ohne diese Entscheidung gibt es keine Strategie, die Handeln präzise definieren kann.

Dann haben wir noch eine nächste Wahrheit – eine einzige, die todsicher ist, auch wenn wir nicht wissen, was sie bedeutet: WIR WERDEN ALLE STERBEN! – das steht schon mal fest. Auch wenn wir nicht wissen, was läuft, was gespielt wird, so wissen wir doch eins: wir sind nicht ewig hier. Das kann uns schon mal zu der Entscheidung führen: „Siehe zu, das Du ein möglichst glückliches Leben hast, denn es ist nur von kurzer Dauer“. Glück und Sinn stehen nun in einem engen (leider häufig in der Glücksforschung nicht sonderlich berücksichtigten)  Zusammenhang. Sinnvolles Leben kann einem die Schrecken der Konzentrationslager überstehen helfen – siehe Viktor Frankl.

Somit wäre ein sinnvolles Leben mit Glück gesegnet – unabhängig von der Dauer. Ein kurzes glückliches Leben scheint auch mehr Sinn zu machen als ein langes voller Qual. Das ist der Rahmen, in dem wir uns bewegen. Kommen wir von dem Rahmen nun zum Bild.

Was wäre also zu tun, wenn ich mich für die Alienvariante entscheide?

Hierzu müßte man erstmal die Alienvariante konkret kennen. Im ungünstigsten Falle droht uns das Schicksal der Indianer. Für diesen Fall (riesige Raumschiffflotten von der Venus erobern die Welt) gibt es erstmal keine Anzeichen. Wir würden sterben (wie gehabt) und müssten aufgeben. Das war es dann. Gut das wir sterblich sind, da müssen wir das nicht ewig erdulden. Wer will, könnte noch Widerstandszellen bilden, auf Hilfe von Außen hoffen („gute“ Aliens), aber die Chancen auf Erfolg stehen so schlecht, das sie mathematisch nicht mehr auszudrücken sind.

Und die Unterwanderung durch Reptiloiden? Wäre im Prinzip nichts anderes als die bisherige „Superreichentheorie“, nur sind die dann nicht nur superreich, sondern auch noch schuppig. Strategie? Sich abwenden und an einer neuen, eigenen Zivilisation bauen, bei steigendem militärischen Widerstand die Infrastruktur soweit zerstören, das renditefreundliches Wirtschaften unmöglich ist – wie gehabt: der Generalstreik.

Altägyptische freimaurer-illuminaten-Zauberpriester? Wie Reptiloiden … mit einer Ausnahme. Hier muß man sich ganz sicher sein, das der metaphysische Bereich keine unangenehmen Überraschungen bereithält. Wir haben uns als Gesellschaft für den Atheismus als Weltanschauung entschieden (Freimaurer mal ausgenommen) – was nützlich und in Ordnung ist. Allerdings sollten wir uns nicht darauf verlassen, das unsere Gedanken die Welt formen – auch Bärbel Mohr, die Botschafterin der Bestellungen beim Universum, ist tot – siehe Bunte:

Trauer in der Esoterik-Szene: Bestsellerautorin und Wünsche-Expertin Bärbel Mohr ist tot. Sie starb am 29. Oktober im Alter von 46 Jahren. Am vergangenen Dienstag wurde sie beigesetzt. Sie hinterlässt ihren Mann Manfred und neunjährige Zwillinge.
Vor einem Jahr war bei Bärbel Mohr ein Burn-out festgestellt gestellt worden, fast zeitgleich brach ihre Krebserkrankung aus.

Möglicherweise funktioniert Magie, möglicherweise kann man Wahnsinn künstlich hervorrufen. Unwahrscheinlich … aber nicht undenkbar. Möglicherweise gibt es einen echten Satan, Hexen die Darmkrebs anhexen können und böse Geister, die das Büroklima versauen sowie eine Kaste von Zauberleuten, die das ausnutzen.

Hier wäre die Strategie eine andere: Gott suchen. Gilt der Zauberkram, dann auch … die Gegenseite. Wie man munkelt, ist „Gott“ in allen Kulturen der Stärkere. Wir haben nur seine Nummer verlegt. Die bräuchten wir dann. Im Prinzip aber: die gleiche Strategie wie zuvor, nur mit einer Phalanx von Betern (oder geisterjagenden Schamanen, dann geht auch der Krebs weg) dabei, die für günstige Winde sorgen.

Die Frage, was zu tun ist, ist die konkrete Frage nach dem, wo man eigentlich steht.

Das Risiko ist immer gleich: wir könnten sterben.

Das wäre schlimm … ist aber sowieso unvermeidlich. Wenn wir das akzeptieren (und ich denke, hier hapert es gewaltig in der Kultur: wir wissen alle, das wir sterben werden, aber wir glauben nicht daran), dann werden wir unbesiegbar. Und je aufrichtiger, ehrlicher, liebevoller, wahrhaftiger wir gelebt haben, umso größer kann die Hoffnung sein, das das, was nach dem Tode kommt, eine feine Angelegenheit ist. Damit brauchen wir uns aber erstmal nicht zu beschäftigen, denn zuerst kommt das Leben vor dem Tod – und in dem ist vor allem eins zu tun: eine Mehrheit bilden. So läuft das in Demokratien. Oder kriminell werden – geht auch, ist aber nicht fein.

Um Mehrheiten zu bilden, muß man viele Worte machen, Informationen verbreiten, Gegenpropaganda entlarven – ist halt viel Schreibkram, so eine Revolution, eine komplette Umkehr einer in satanische Werte abdriftenden Gesellschaftsordnung macht halt viel Arbeit …. die einem niemand ersparen kann. Bequem auf der Straße herumstehen, schöne Pappschilder tragen und laut brüllen ist auch ok, verschafft Luft, motiviert, zeigt Präsenz und … ändert nur dann was, wenn sich die Mächtigen auf das Ritual einlassen. Tun sie es nicht … wovon wir gerade ausgehen … dann braucht man absolute Mehrheiten.

Kriegt man die aber nicht … auch gut. Dann kann man immer noch den Ernst Jünger machen und mit einem Glas Rotwein in der Hand die light-show des thermonuklearen Krieges genießen oder mit der Kuchengabel in der Hand noch einen guten Kampf gegen die Gestapo führen … zwar wird man verlieren, aber landet vielleicht bei den mutigsten Kriegern in Walhalla.

Was heißt das nun konkret für morgen?

Entscheidet euch für ein Weltbild – oder verreckt. So kurz und knapp könnte man es in der Tat fassen. Nur wenn man in den (von den Medien gezielt forcierten) wischi-waschi-Bereichen der Erkenntnistheorien bleibt, bleibt man handlungsunfähig. Hat man ein Weltbild, sollte man dabei bleiben. Welches richtig war, wird sich zeigen, wenn man anfängt, seine eigene Welt aufzubauen. Könnte sein, das dann irgendwann die Aliens, die Reptiloiden, die Illuminaten oder der Teufel selbst vor der Tür steht … oder das einfach nichts passiert, weil sie draußen bleiben oder nie existent waren.

Bis dahin aber kann uns niemand daran hindern miteinander zu reden, unsere Kräfte zusammenzulegen und unsere Zukunft wieder selbst in die Hand zu nehmen.

Fernseher, Alkohol und Nikotin aus seinem Leben zu verbannen, kann da schon mal sehr helfen.

Und dann? Straßen blockieren, wenn das Gespräch nicht funktioniert. Den „Besatzungstruppen“ das Leben so unangenehm wie möglich machen, sich empören, ihre Schande aufzudecken (und ihnen die schlimmsten Höllenstrafen vor Augen zu führen, die es für dieses asoziale Pack seit Anbeginn der Menschheit gibt, weshalb sie ja auch ihren Traum vom Atheismus so pflegen, um ihre Geschäfte ruhigen Gewissens weiter führen zu können).

Ghandi hat gezeigt, das man sogar Weltmächte friedlich in die Knie zwingen kann.

Ewiges Leben und Unverwundbarkeit gab es aber auch für ihn nicht.

Ein Beispiel für Strategien – aus der hohlen Hand geschossen?

Zweihunderttausend Menschen, die nichts weiter tun, als ihren Müll auf Autobahnen abzuladen – das Land stünde still. So schnell kommt keine Müllabfuhr hinterher. Das geschieht eigentlich heute schon … nur schmeißen sie den Müll nicht auf die Fahrbahn – aber es sind viel mehr, die ihren Müll so irgendwo entsorgen. Raus mit dem Müll auf die Autobahn, monatelang … und das Land wird sich ändern, weil keiner mehr Spaß am Porsche hat. Da geht nichts kaputt, das bringt keinen um, aber es wird für die Mächtigen unangenehm.

Aber bevor man das macht, braucht man die Legitimation der Mehrheit zur Veränderung  – und dafür muß man viele Worte machen.

Wie gut, das das immer mehr geschieht.

Dank Internet reden die Leute wieder miteinander und bilden sich ihre eigene Meinung – und meiner Meinung nach hat die schon längst einen kleinen gemeinsamen Nenner: „SCHNAUZE VOLL!“ – von Armut, Überstunden, Lügen, Plagiaten, Kriegen, Steuern, Fernsehprogrammen, Gebühren, Benzinpreisen, Gammelfleisch, Lobbyismus … und … und … und … und.

Gefragt ist nun der ganz große Wurf, der nicht aus den Kreisen der abgehobenen weltfremden politischen Lehrer- und Juristenkaste kommen wird, die meinen, man könnte die Arbeitslosigkeit wirklich erfolgreich nach den Prinzipien der „schwarzen Pädagogik“ des frühen Kaiserreiches in den Griff bekommen, eine Einstellung, die aber bei Lehrern nicht verwundert und die Juristen mangels jeglicher Orientierung gerne ungefiltert übernehmen.

Kommt der Wurf nicht … droht auch den Besserverdienenden das Verrotten im renditefreundlichen  Pflegeheim. Wem das gefällt, wer meint, das Risiko für sich persönlich eingehen zu können, der braucht nichts zu tun. Anders als die Konzentrationslager für Langzeitarbeitslose ist allerdings das Pflegeheim etwas, das ganz sicher droht: je reicher man ist, umso unwahrscheinlich ist leider auch der schnelle, früher Tod, der einem das Heim sicher erspart. Im Gegenteil: man hat gute Hoffnung auf zehn Jahre live-Verrottung mit allen Extras.

Also … mich würde das hinreichend motivieren, mich auch als Reicher den Nörglern anzuschließen.

Manchmal denke ich: die Natur hat die Raubtiere erschaffen, um den alten Menschen genau jenes grausame Schicksal zu ersparen, das wir ihnen in Heimen angedeihen lassen. Bei dem, was ich da sehen durfte … das ist der Grizzly schon gnädiger. Aber das denke ich nur manchmal – auch weil ich die Menschen mit satanisch angehauchter Wertebildung nicht auf noch blödere Gedanken bringen möchte.

 

 

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