Weltbild

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Wissenschaft und Wirklichkeit

Ein Standpunkt von Rüdiger Rauls

Wirklichkeit belehrt Wissenschaft

Wissenschaft schafft nicht nur Wissen sondern auch Verunsicherung. Neue Erkenntnisse stellen alte Gewissheiten in Frage. Worauf aber ist noch Verlass? Denn die Wissenschaftsgesellschaft verliert den Blick für die Wirklichkeit.

Im Dienst der Interessen

In den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen nimmt die Wissenschaft eine immer bedeutendere Stellung ein. Jeder beruft sich auf sie, der seinen Ansichten Nachdruck verleihen will. Da sie den Ruf der Neutralität hat, gilt sie als unverdächtig. Damit ist sie ein idealer Deckmantel, hinter dem sich die Interessen verstecken können.

Dieses Bild der Neutralität bekommt Risse. Immer häufiger stützen sich die gesellschaftlichen Gruppen mit ihren Interessen auf wissenschaftliche Erkenntnisse, Studien und Theorien als Beweis für die Richtigkeit der eigenen Ansichten. Die Gesellschaft wird überschwemmt mit Wissenschaftlichkeit.

Träume von Sternen und Wichtigkeit

Manchmal darf man ja träumen. Träumen, man säße in einem Flugteil, das aus den tiefen des Universums kommt. Tausende von Galaxien ziehen an einem vorbei, Farben, Formen in wundervoller Harmonie.

Eins dieser gigantischen Wunder ist die spiralförmige Milchstraße. Formvollendet liegt sie in den Weiten des Universums und zieht unbeirrbar ihre Kreise.

Bis zu dreihundert Milliarden Sterne enthält sie … und wahrscheinlich noch viel mehr Planeten.

Je näher wir dieser zuvor winzigen Insel im Sternenmeer kommen, umso mehr glitzern und funkeln ihre Sonnen.

Es gibt wunderbare Sonnen in vielen überwältigenden Farben, glühende Nebel in faszinierenden Formen … und irgendwo, ganz weit draußen, in einer ganz unbedeutenden Ecke der wunderbaren Galaxis einen kleinen blauen Planeten, der um eine gelbe Sonne kreist.

Wie auch Milliarden anderer Planeten ist er voller Leben, das sich beständig ändert und immer neue Perspektiven ausprobiert.

Dort, auf diesem Planeten, lebt vor allem eine Spezies, die sich gerade große Sorgen macht.

„Englische Bischöfe“ nennen sie sich und es ist ihnen ein großes Anliegen im Angesicht des Wunders der Schöpfung im Universum den … richtigen Hedge-Fonds-Manager zu finden.

Wir halten kurz inne in unserem Flug und hören genauer hin, weil wir unseren Ohren nicht trauen.

Während unserer kurzen Rast erzählen Wolkenfelder epische Romane, Sonnenauf- und Untergänge singen Arien der Herrlichkeit, der Wind vollführt erstaunliche Kunststücke, Wellen dichten ein Lied der Ewigkeit …
und Bischöfe sorgen sich um ihre Aktien.

Wir sind irritiert, doch bald werden wir noch mehr irritiert, als wir einen Gymnasiallehrer für Biologie aus Paderborn hören, der seiner katholischen Klasse erzählt, wie einzigartig doch die Menschheit ist und das sie in der Tat – als Geschöpf Gottes – die einzige intelligente Lebensform im Universum darstellt.

Wir verweilen noch ein wenig auf jener kleinen Kugel und beschäftigen uns mit jenen seltsamen Wesen, die vorzugsweise ihre Umwelt durch große Bildschirme betrachten, die sie in ihren künstlich geschaffenen Höhlen minderwertigster Qualität aufgestellt haben, betrachten sie beim täglichen Sammeln unglaublich unnützer Gegenstände, die sie mit gräßlich lärmenden Gefährten in ihre Höhlen tragen um sie dort aufzustapeln.

Bald haben wir genug gesehen.

Beruhigt versetzen wie unser Gefährt wieder in Fahrt auf die Reise durch die Wunderwelten.

Beruhigt weil die Einzigartigkeit dieser Wesen verhindern wird, das sich die Sorge um Hedgefonds – gerade bei heiligen Männern – im übrigen Universum ausbreiten könnte.

Und bald … haben wir die unwichtige (und seltsam riechende) kleine Kugel hinter uns gelassen und wieder vergessen.

Schon seltsam, wie wichtig sich so unwichtige Geschöpfe fühlen können und mit welch´ sonderbaren Dingen sie ihre Zeit vertreiben … eine Zeit, die eigentlich sehr kurz ist, gemessen am universellen Durchschnitt.

Noch seltsamer, das sie in der Tat meinen, eines Besuches von außerhalb ihrer kleinen Welt würdig zu sein.

Als ob sich irgendjemand im Universum sonst noch für Hedgefonds interessieren würde.

Sie hätten sich lieber auf Musik konzentrieren sollen, das könnte Touristen bringen.

Aber Hedgefonds und Automobile?

Wie armseelig.

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