Weimar

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Adolf Hitler lebt und erobert die Welt … mit Arbeitslosen.

Montag, 5.November 2012. Kurz vor dem Ende der Welt - wenn man dem Maya-Kalender trauen darf. Bald kommen tausende von UFO´s und klauen unser Gold, die Zeit hört auf zu existieren oder alle Menschen werden weise. Das ist auch gut so. Wir sollten uns beeilen mit dem Weltende, denn wenn wir das nicht tun, werden wir ein Stück Geschichte wiederholen, das zu den widerwärtigsten Kapiteln der Menschheitsgeschichte gehört. Doch zuerst ein Frage: kennt jemand Adolf Hitler? Nein, nicht den größenwahnsinnigen Aktmaler aus Österreich, sondern den edlen Retter der Menschheit, der es wagte, ganz allein gegen das internationale Kapital aufzustehen und von ihm tief in den Dreck zurückgestoßen wurde? Nein - hier in Deutschland kennen wir den nicht. Hier in Deutschland sind wir sowieso Meister der Verdrängung, wie die konservative Welt heute schreibt:

Montag, 5.November 2012. Kurz vor dem Ende der Welt – wenn man dem Maya-Kalender trauen darf. Bald kommen tausende von UFO´s und klauen unser Gold, die Zeit hört auf zu existieren oder alle Menschen werden weise. Das ist auch gut so. Wir sollten uns beeilen mit dem Weltende, denn wenn wir das nicht tun, werden wir ein Stück Geschichte wiederholen, das zu den widerwärtigsten Kapiteln der Menschheitsgeschichte gehört. Doch zuerst ein Frage: kennt jemand Adolf Hitler? Nein, nicht den größenwahnsinnigen Aktmaler aus Österreich, sondern den edlen Retter der Menschheit, der es wagte, ganz allein gegen das internationale Kapital aufzustehen und von ihm tief in den Dreck zurückgestoßen wurde? Nein – hier in Deutschland kennen wir den nicht. Hier in Deutschland sind wir sowieso Meister der Verdrängung, wie die konservative Welt heute schreibt:

Viel erschreckender als die Morde an Migranten selbst ist die Art und Weise, in der deutsche Institutionen beim Kampf gegen Neonazis versagen. Auch die Politik tut nicht das, was sie müsste. 

Verdrängung – der Klassiker. Funktioniert auch bei Politikerkorruption, Staatsschulden, Massenarmut bei Kindern oder Eliminierung der Menschenrechte durch Hartz-Gesetze.  So bleibt Deutschland sauber, der Bürger ruhig und die Börse der Täter prall gefüllt. Wenn aber Linke irgendwo zu orten sind, dann werden wir gleich aktiv – so jedenfalls berichtet der Spiegel heute. „Feine Sahne Fischfilet“ – eine Punkband – ist ins Visier des Verfassungsschutzes geraten. Der Chef der Truppe hat etwas ganz Schreckliches gesagt:

„Wenn irgendwelche Nazis verprügelt werden, werde ich mich nicht hinstellen und in Mitleid für so einen Menschen schwelgen.“

Der Mann hat allen Grund, auf Nazis nicht gut zu sprechen zu sein:

Monchi fühlt sich an die mehr als 1000 Aufkleber erinnert, die Rechtsextreme vor Jahren in Umlauf brachten, mit Monchis Konterfei darauf, der Schädel gespalten, eine Portion Kot auf dem Weg ins Gehirn. Noch immer kursieren sie in der Szene. Das mache Angst, das schüchtere ein, sagt er. „Aber noch mehr treibt es einen an, weiterzumachen.“

So ist Deutschland. Der eine wird vom Verfassungsschutz observiert, weil er für Menschen kein Mitleid empfindet, die ihm den Schädel spalten wollen, die Schädelspalter laufen frei herum und ermorden Menschen in Massen. Wir seien auf dem rechten Auge blind, heißt es dann immer schnell. Dabei stimmt das gar nicht: wir schauen genau hin. Nur die Kategorie ist eine andere: Hitler gehört nicht in die Kategorie POLITIK, sondern in die Kategorie WIRTSCHAFT. Er ist ein deutscher Exportschlager, wohin man schaut, steht er hoch im Kurs. Einfach mal genau nachsehen:

Zum Beispiel in Indonesien, siehe TAZ:

„Hitler war mächtig und entscheidungsfreudig.“ Spricht sie von Adolf Hitler, benutzt sie das Wort „beliau“, das Ehrfurcht ausdrückt.

Auch in Russland erfreut sich der Führer wachsender Beliebtheit. 2007 berichtete der Spiegel von 2000 Teilnehmern des „Russischen Marsches“:

Zu Hakenkreuz tragenden Glatzköpfen in schwarzen Ledermänteln, Springerstiefeln, SS-Uniformen oder Bomber-Jacken gesellen sich alte Frauen, die schlecht kopierte Flugzettel ausgeben, junge geschminkte Studentinnen in hochhackigen Stiefeln und Eltern mit ihren kleinen Kindern in bunten Schneeanzügen. Selbst sie strecken schon den Arm zum Hitlergruß aus.

Interessant die Argumentation der Bürger dieses Landes, das wie kein anderes unter der Nazi-Barbarei gelitten hat:

Die Rentnerin Monika Nikolajewa verteilt eifrig Flugblätter, auf denen Oligarchen wie Boris Beresowskij, Wladimir Gusinskij und Michail Chodorkowski als Volksfeinde abgebildet sind. „Diese Milliardäre schicken ihre Kinder im Ausland auf die Schule“, regt sich die Großmutter einer 15-jährigen Enkelin auf: „Für unsere Kinder reicht das Geld nicht einmal, um sie in Russland auf die Universität gehen zu lassen.“

Wir Deutschen dürften so etwas gar nicht sagen: „Sozialneid“ wäre das Totschlagargument, das in unserer ganzen Medienlandschaft anerkannt und angewandt wird.

Dabei geht es nur um Gerechtigkeit – ein Wort, das im deutschen Sprachgebrauch immer seltener Einlass findet.

2012 beteiligen sich am russischen Marsch schon 20000 Leute (siehe TAZ) – die Kinder von früher sind größer geworden. 2011 berichtete „Russland-aktuell“ über Massenmorde durch Neonazis – besonders gern zu Ehren des Führers an seinem Geburtstag – und darüber, das die Regierung Putin locker darüber hinwegsehe. Kommt einem als Deutscher sehr vertraut vor.

Doch halten wir erstmal weiter nach Fans des Führers Ausschau. Fündig werden wir in Italien, GriechenlandMarokko, Thailand (hier sogar als Ronald McDonald-Ersatz), Pakistan, Südkorea oder Saudi-Arabien, wobei die deutsche Zensur auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gerne mal zuschlägt um Hitlers Kollaborateure aus dem islamischen Dunstkreis zu verdrängen, siehe den aufschlussreichen Artikel von Karl Rössel – hier in ungekürzter Fassung.

Größere Bedeutung hat die Hitler-Verehrung auch in Indien. Schon 2005 berichtete der Spiegel über Israels Kritik an Indischen Schulbüchern, die ihren Schülern interessante Perspektiven vermittelten:

„Hitler verlieh der deutschen Regierung durch den Aufbau einer starken Verwaltung in kurzer Zeit Würde und Ansehen.“

2012 hat sich der Trend endgültig durchgesetzt. Hitler wird Namensgeber von Geschäften und zur nationalen Kultfigur:

Hitler hat in den vergangenen Jahren durch schnelle Popularität, in Indien an Bedeutung gewonnen. Dieses Phänomen ist ein Paradox, weil es in Indien keinen Antisemitismus gibt. Und obwohl das Land nie Antisemitismus gekannt hat, sind die Verkäufe von Hiltlers Mein Kampf in den letzten zehn Jahren um über 15% gestiegen. Der Name “arisch” ist ein beliebter Vorname in Indien und “Hitler” ist der Name des Protagonisten in vielen Bollywood-Produktionen.

Eine Erklärung für diesen Ruhm ähnelt jener Perspektive, die wir schon aus Russland kennen:

Als Teil dieser Fehlinformation glauben viele Inder, dass die Achsenmächte des Zweiten Weltkrieges, teilweise verantwortlich für die Unabhängigkeit Indiens von den Briten im Jahr 1947 waren. Es wird vermutet, dass Hitlers Krieg Großbritannien dazu gezwungen hat, seine Ressourcen in Europa zu konzentrieren. Un das Großbritannien deshalb ein Gebiet so groß wie Indien nicht mehr steuern konnte, so dass Raum für eine indische Unabhängigkeitsbewegung entstand.

Hitler als Widerstandskämpfer gegen das internationale anglo-amerikanisches Imperium: man hätte sich fast denken können, das es so endet.

Wer nun denkt, die Liste der Hitlerfans ist damit am Ende, der irrt. Auch in China kommt der Führer ganz groß in Mode, siehe SZ:

In China ist Adolf Hitler ein großer Mann. Eindeutig größer als er ist nur einer, ein von chinesischen Nietzsche-Interpretationen geprägter Übermensch, Schutzpatron und Halbgott – Mao Zedong.

Die Begeisterung für Übermenschen, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Rezeption des Genie-Begriffs und des Konzepts „große Männer“ begonnen hat, erschüttert jedoch keine Kritik. Selbst in der Modewelt gilt diktatorische Größe als schick. 2003 brachte der chinesische Bekleidungshersteller Izzue in Hongkong eine mit SS-Abzeichen und Hakenkreuzen bedruckte Sommerkollektion für trendbewusste Jugendliche heraus.

China-intern wird da noch deutlicher:

Die Hitlerverehrung ist in China kein verbotenes Thema, „Mein Kampf“ ist so beliebt, dass viele Chinesen das Buch auf dem Nachttisch stellen, es ist quasi Pflichtlektüre. Das Lied „Die Fahne Hoch“, das hierzulande verboten ist, wird in China immer beliebter. Viele Chinesen geben positive Kommentare über Hitler ab. Eine neue Hitlerverehrung entsteht auf diese Weise nicht in Deutschland, aber in China. Kommentare wie „Der Führer lebe ewig“ oder „Dieser großartige Volksführer hat uns schon lange verlassen. Es gibt immer Menschen, die ihn kritisieren, das deutsche Volk hat aber kein Recht dazu, ihn zu kritisieren. Warum? Wir sollen an ihn glauben und ihn verehren, weil er es nach dem WK I geschafft hatte, das Volk zu einen und es zu einem Volk machte, das das Weltenschicksal steuern konnte.“
Warum informiert eigentlich der Verfassungsschutz nicht über die neue Hitlerwelle, die weltweit immer skurrilere Erfolge feiert? Vielleicht … weil man sich dann mit den wirklichen Herren der Welt anlegen müsste? Schauen wir uns zu diesem Zwecke doch einmal an, wer dafür gesorgt hat, das Hitler an die Macht kommt. Dazu gibt es ganze Bücher – wie dieses hier:
Als Adolf Hitler im Herbst 1919 erstmals zur NSDAP stößt, befinden sich in der Parteikasse gerade mal 7 Mark und 50 Pfennig. „Das war ja eine Vereinsmeierei allerärgster Art“, erinnert sich Hitler. „Außer einigen Leitsätzen war nichts vorhanden, kein Programm, kein Flugblatt, überhaupt nichts Gedrucktes, keine Mitgliedskarten, ja nicht einmal ein armseliger Stempel.“

Das ging ja nun mal gar nicht. Wir erfahren deshalb auch im Weiteren, das man schon früher wusste, mit welchen Mitteln man Gesellschaften auf einen anderen Kurs bringt:

Zu Recht kommentiert das Ministerium des Äußeren im Jahre 1923 über die Nazis: „Wie zum Krieg, so gehört zur Revolution erstens Geld, zweitens Geld, drittens Geld. Ohne Geld keine Revolution.“

Und weil das Geld ausblieb, hätte Hitler beinahe wieder zur Aktmalerei zurückkehren müssen. Diese Schicksal blieb ihm jedoch erspart:

Um das Jahr 1928 hätte die NSDAP genau so gut wieder untergehen können – wenn da nicht auf einmal beträchtliche Parteispenden gewesen wären, die Hitler die Mittel für gewaltige Propagandaschlachten lieferten.

Ohne massive Geldspenden hätte also die NSDAP niemals den Lauf der Weltgeschichte dermaßen beeinflussen können, wie sie es später tat. Hitler wäre ein belächelter Eiferer unter vielen geblieben, eine verkrachte Existenz mit Größenwahn.

Das Geld jedoch floss – und nicht nur aus den Reihen der deutschen Industrie.  Dies findet man in Karl-Heinz Deschners „Der Moloch“, hier bei wahrheitssuche:

Schon ein Prozeß im Sommer 1923 wegen der NSDAP-Finanzierung hatte ergeben, daß der Partei drei mal große Geldbeträge aus dem Saargebiet über die Deutsche Bank zugeflossen waren. Nach Überzeugung des Gerichts stammten sie von amerikanischer Seite, dem Großindustriellen Henry Ford, der lebhaft eine deutsche Aufrüstung wünschte. 

Es war aber nicht nur der Herr Ford, der sein Scheckbuch zückte. Es gab eine breite Allianz der Wallstreet-Größen:

Bei Beratungen der Präsidenten der „Federal Reserve“ Banken, des eigentlichen Finanzzentrums der Wallstreet, der fünf unabhängigen Banken, Vertreter der Royal Dutch, der Standard Oil, Rockefeller jun. und anderen im Sommer 1929 wurde Warburg schließlich gebeten zu prüfen, ob Hitler für amerikanisches Geld zugänglich sei. Als Gegenleistung hätte dieser gegenüber Frankreich eine aggressive Außenpolitik einzuleiten, sollte aber in die wirklichen Motive der amerikanischen Unterstützung nicht eingeweiht werden.

Hitler seinerseits habe bei den Verhandlungen in Berlin betont, daß „er mit den Arbeitslosen alles machen könne, wenn er ihnen nur Uniformen und Verpflegung gebe … Alles hinge vom Geld ab … Die USA-Hochfinanz habe doch sicher ein Interesse daran, daß er, Hitler, an die Macht komme, denn sonst hätte sie ihm nicht bereits 10 Millionen Dollar übergeben … Wenn er von der USA-Hochfinanz 500 Millionen Mark erhalte, sei er in „sechs Monaten fertig“. Hitler habe auch die Kommunisten als erledigt bezeichnet und erklärt, er werde nun die Sozialdemokraten ausschalten, durch Wahlen oder mit Gewalt. Eventuell komme noch eine Verhaftung von Hindenburg, Schleicher, Papen, Brüning in Betracht, aber alles koste Geld, und das bisher aus den USA erhaltene sei verbraucht.

Die wussten genau, was sie für ihr Geld bekamen. Der lästige Konkurrent Frankreich wurde ausgeschaltet. Und Hitler wusste genau, was er ihnen geben konnte:

eine gewaltige Heerschar von Arbeitslosen in Uniformen.

Das scheint überzeugt zu haben.

Auch Hitler war von den USA begeistert, dies zeigt vor allem sein zweites Buch, das – seltsamerweise – nur deshalb der Nachwelt erhalten blieb, weil ein jüdischer Historiker es aus den Archiven der USA ausgrub und ein jüdischer Verleger aus Deutschland es veröffentlichte- siehe Wikipedia:

Dagegen beschreibt Hitler im Zweiten Buch die Vereinigten Staaten als eine dynamische, „rassisch erfolgreiche“ Gesellschaft, die Eugenik und Rassentrennung praktiziere und eine vorbildliche Einwanderungspolitik auf Kosten „minderwertiger“ Einwanderer aus Süd und Osteuropa betreibe. Woher dieser Wandel in Hitlers Einstellung zwischen 1924 und 1928 rühren mag, ist unbekannt.

Eugenik und Rassentrennung – das gefiel dem Führer. Und deshalb gefiel der Führer auch seinen Finanziers von der Wallstreet. Es ist wohl nicht zu weit hergeholt, zu vermuten, das das „Missing Link“ in dieser Argumentationskette darin besteht, das „interessierte Kreise“ mit Geld und guten Worten den Führer auf ihre Seite gebracht haben.

Doch kehren wir zurück in das Jahr 2012, jenem Jahr, in dem man den beachtlichen weltweiten Aufstieg Adolf Hitlers beobachten kann, jenem Jahr, in dem im Handelsblatt erstaunliche Worte zu lesen sind:

Wahr ist: die wachsende Spaltung des Landes in Arme und Reiche, die Schwächung von Gewerkschaften und sozialstaatlicher Strukturen durch die neoliberalen Reformen der letzten Regierungen, haben die Gewichte innerhalb des Landes zugunsten einer zunehmend ruchlosen, ja zum Teil asozialen Elite verschoben, die mit ihrer ganzen finanziellen und politischen Macht die Kandidatur Romneys unterstützt. 

Eine ruchlose, asoziale Elite? Die vielleicht sogar langfristige Pläne verfolgt? Jene Elite, die über die WTO und die Weltbank weltweit jene neoliberalen Reformen unterstützt haben, die uns in Deutschland Hartz IV einbrachten? Die Agenda 2010, die in Deutschland ein nie dagewesenes Maß an Armut und sozialer Ungerechtigkeit eingeführt hat … und aktuell ein Heer von 2,5 Millionen Kinder produziert, die unter erbärmlichsten Umständen am Rande der Gesellschaft dahinvegetieren, während Politik und Wirtschaftsführer sich den Wamst vollschlagen, wo immer es geht? 2,5 Millionen Menschen, die – wenn sie erwachsen werden, nur darauf warten, in Uniformen gesteckt und mit Verpflegung versorgt zu werden, um es der asozialen Gesellschaft heimzahlen zu können, die ihre Eltern schikaniert und ihnen ihre Zukunft genommen hat?

Lauschen wir doch nochmal weiter den Worten amerikanischer Führer:

Der ultrakonservative Aktivist und Finanzier Grover Norquist hat dies wie folgt auf den Punkt gebracht: „Wir wissen was wir wollen, wir brauchen keine Anführer, brauchen lediglich jemanden im Weißen Haus, um die Gesetze, die der Kongress macht zu unterschreiben.“

So denken die: die brauchen nur jemanden, der ihre Arbeit macht. Romney, Obama, Hitler – denen ist es egal, wer den Job macht. Und das geben sie offen zu.

Das Szenario erinnert sehr an des Ende der Weimarer Republik – ein Ende, das – wie wir jetzt sehen – von Hitler ganz bewußt mit Hilfe der Arbeitslosen herbeigeführt worden ist, jener Arbeitslosen, die wir nur Dank der intensiven Wühlarbeit amerikanischer Interessengruppen haben, jener Interessengruppen, für die die Zerschlagung der Sozialstaaten sowie die Deregulierung der Finanzmärkte oberste Priorität hatten.

Jetzt haben sie, was sie wollten – diesmal sogar weltweit.

Was sie jetzt nur noch bräuchten, wäre ein geklonter Hitler. Technisch – glaube ich – kein Problem mehr. Der könnte in Deutschland ungeniert herumwandern, das Verfassungschutz würde schon dafür sorgen, das ihm die bösen Linken nichts tun – und in ganz Asien bräche Jubel aus.

Den USA käme das gerade recht: das Imperium zerbricht – und zelebriert Werte, die dem Führer sehr gefallen würden, siehe Spiegel:

Und tatsächlich: die Fanatiker, von denen Mitt Romney sich abhängig gemacht hat, haben alles über Bord geworfen, was den Westen ausgezeichnet hat: Wissenschaft und Logik, Vernunft und Mäßigung oder einfach Anstand. Sie hassen die Schwulen, die Schwachen und den Staat, sie unterdrücken die Frauen und verfolgen die Einwanderer, und ihr Abtreibungsmoralismus macht auch vor den Opfern von Vergewaltigung nicht halt. Sie sind die Taliban des Westens.

Die brauchen wieder dringend ihren Krieg … und Menschenmaterial dazu produzieren sie gerade in großen Massen, sowohl in den USA selbst, als auch in Europa und Asien.

Wir hatten das schon einmal. Wieder wünscht sich die Welt einen großen Führer, wieder sorgt das Kapital für ein günstiges Klima, einen gut gedünkten Boden, ideale Verhältnisse auf dem die neue Brut sprießen kann.

Und wieder tun wir so, als sei das alles nur Zufall. Dabei ist es einfach „Wirtschaft“ – bzw. jene Form, in der „die Wirtschaft“ oder „die Märkte“ gerne Politik machen: mit Uniformen, Aufmärschen und Todesschwadronen.

Darum steht dieser Artikel auch in der Kategorie „Wirtschaft“.

Vielleicht merken wir ja nach dem nächsten Weltkrieg, das man „Wirtschaft“ aus „Politik“ heraushalten muss, weil man sonst nur weitere Hitlereien produziert.

 

Deutschland 2011 und 1931: die Tage vor dem Weltkrieg verbracht in spätrömischer Dekadenz?

Es ist gar nicht so lange her, da hatte China im Zusammenhang mit der Ermordung des Terroristen Bin Laden den USA gedroht, das jeder Angriff auf Pakistan in Zukunft als ein Angriff auf China gedeutet wird. So meldete der Spiegel am 24.5.2011:

Nach dem tödlichen US-Einsatz gegen Osama Bin Laden hat Peking den USA offenbar eine harsche diplomatische Warnung zukommen lassen: Jeder Angriff auf Pakistan werde künftig wie eine Attacke auf China gewertet. Die Rückendeckung kommt Islamabad gerade recht - die Beziehungen zu Washington sind eisig.

Es ist gar nicht so lange her, da hatte China im Zusammenhang mit der Ermordung des Terroristen Bin Laden den USA gedroht, das jeder Angriff auf Pakistan in Zukunft als ein Angriff auf China gedeutet wird. So meldete der Spiegel am 24.5.2011:

Nach dem tödlichen US-Einsatz gegen Osama Bin Laden hat Peking den USA offenbar eine harsche diplomatische Warnung zukommen lassen: Jeder Angriff auf Pakistan werde künftig wie eine Attacke auf China gewertet. Die Rückendeckung kommt Islamabad gerade recht – die Beziehungen zu Washington sind eisig.

Solch eine Art Beistandspakt hat 1939 zum Beginn des Zweiten Weltkrieges geführt. Wer Geschichte als Abiturfach haben durfte, der erinnert sich vielleicht noch daran, das Beistandspakte manchmal einen unaufhaltsamen Flächenbrand auslösen können. Politiker denken sich in ihren Schachspielstrategien ein paar schlaue Züge aus, die irgendwann – alternativlos – im Weltkrieg enden. Ich hatte eigentlich erwartet – weil es dem diplomatische Respekt der Staaten untereinander geschuldet ist – das die USA irgendwie auf diese Warnung Chinas reagieren.

Das tun sie auch, aber nicht so, wie ich dachte. So meldet der Spiegel heute:

Die massiven Proteste der pakistanischen Bevölkerung scheinen die USA nicht zu beeindrucken: Bei einem Drohnenangriff wurden an der Grenze zu Afghanistan mehr als zwanzig Menschen getötet. Ziel der Raketen war ein Ausbildungslager von Extremisten.

Man erfährt nebenbei, das die US-Ausbilder das Land verlassen – angesichts der Drohung Chinas kein Wunder. Jetzt ist die Frage, wie die Diplomaten die Angriffe auf die pakistanische Zivilbevölkerung werten – ist das ein Angriff auf Pakistan oder gehört das Volk schon nicht mehr zum Land? Die Frage ist doch: auf wen wird denn da eigentlich noch geschossen? Osama bin Laden ist tot, jetzt wahrscheinlich endgültig. Das ist so sicher, wie  Massenvernichtungswaffen im Irak oder die Barbarei der alten irakischen Soldateska. Und wenn der Chef da jetzt tot ist und man seit zehn Jahren dort Menschen tötet – hauptsächlich unbeteiligte Zivilisten in immer größerer Zahl – dann sollte man doch meinen, das da langsam kein Kopf mehr auf einem Talibanleib ruht. Wogegen kämpfen die denn da eigentlich noch?

Wir müssen uns diese Fragen stellen, weil wir uns daran gewöhnt haben, belogen zu werden. Kann sich noch an die Aussage erinnern, das die Natojets selbstverständlich keine Jagd auf Gaddafi machen sondern nur

die Universitäten des Landes angreifen – oder was sonst noch so im Wege steht? Was soll ich also mit der Nachricht anfangen, das sein Zelt bombadiert wurde?

Ich meine – wir haben doch die Todesstrafe selbst bei Massenmördern abgeschafft? Dafür sind wir als Demokraten doch bekannt, oder? Wir erschiessen nicht einfach so Leute, das machen die anderen, die „Bösen“. Wir, die „Guten“, tun so etwas nicht. Jedenfalls hatte man mir das während meiner Schulzeit in den siebziger Jahren so beigebracht. Offenbar hat sich seit der Zeit etwas geändert…wir nähern uns wieder den zwanziger Jahren an:

Die Gesellschaft der Weimarer Republik war eine zutiefst gespaltene. Wirtschaftliche Not bestimmte in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg den Alltag eines Großteils der Deutschen. Dem auch während der ”Goldenen Zwanziger” grassierenden Elend der am Rande des Existenzminimums lebenden Arbeiterfamilien stand eineKunst- und Kulturszene mit einem avantgardistischen Lebensstil kaum dagewesener Intensität gegenüber. Ebenso wie der Freizeit- und Vergnügungsbereich immer konkretere Formen annahm, wuchsen in einer durch Technikbegeisterung geprägten Zeit die Möglichkeiten der Kommunikation und der Motorisierung. Mit dem Automobil oder dem Motorrad, dem beliebtesten Verkehrsmittel der Weimarer Republik, unterwegs zu sein, bedeutete Unabhängigkeit und Flexibilität.

Das hört sich doch gar nicht so fern von uns an, oder? Die Kluft zwischen Arm und Reich im Deutschland zu Beginn des 21. Jahrhunderts wächst beständig, die einen amüsieren sich zu Tode, die anderen gucken in die Röhre, weil sie inzwischen für weniger als 15 Euro pro Tag arbeiten und darauf noch stolz sein können, in der Hauptstadt des Kapitalismus können 1,7 Millionen Menschen nur noch mit Lebensmittelmarken überleben.

Während die einen nur noch über die Vermehrung ihres Reichums sinnieren und ständig neue Moden entwerfen, um der Sinnlosigkeit des Mammons zu entkommen, haben 540000 Jugendliche Probleme, die an die Zeit nach dem ersten Weltkrieg erinnern:

Viele Jugendlichen gehörten der sogenannten verlorenen Generation an, die einschneidende Erfahrungen in den Schützengräben des Ersten Weltkrieges sammelte oder ohne Väter aufwachsen musste. Die ihr nachfolgende „überflüssige Generation“ musste ab 1929 zumeist die bittere Erfahrung machen, während der Weltwirtschaftskrise auf einem überfüllten Arbeitsmarkt nicht Fuß fassen zu können. Arbeitslosigkeitund Massenverelendung kennzeichneten in der Wirtschaftskrise die Alltagssituation breiter Bevölkerungsschichten. Resignation und Verzweifelung waren Begleiterscheinungen der Krise, in der Tausende ihr als nutzlos empfundenes Leben freiwillig beendeten.

Weltwirtschaftskrise  hatten wir auch, wir reden aber nicht so deutlich darüber. Was früher Reparationszahlungen waren, erledigt heute der Euro, anstelle der Siegermächte ist ein Netzwerk von systemdestabilisierenden Banken getreten, deren eigene Finanzverfassung katastrophal ist. Auch wenn uns regelmässig neue Statistiken präsentiert werden, die unsere Arbeitslosenzahlen mit allen Tricks unter drei Millionen herunterrechnen, so beunruhigen die Ähnlichkeiten mit Weimar doch sehr:

Anfang 1931 waren in Deutschland bereits fünf Millionen Menschen als arbeitslos registriert. Das soziale System der Weimarer Republik war den Folgen der Wirtschaftskrise nicht gewachsen. Verelendung, Resignation und eine allgemeine Katastrophenstimmung prägten das Alltagsleben von breiten Bevölkerungsschichten.

Fünf Millionen Arbeitslose bekommen wir auch locker hin – kleine Änderungen in der Definition von „Arbeitslosigkeit“ und schon sieht die soziale Lage in Deutschland anders aus … die Stimmungslage dürfte aber mitlerweile ähnlich sich, erst recht, wenn aller merken, was die einbrechenden Exportzahlen für uns alle bedeuten.  Mit diesen Einbrüchen wurde schon länger gerechnet – was nicht weiter überraschen sollte, sieht es doch für die Zahlungsfähigkeit des Motors der Weltwirtschaft und seiner getreuen Verbündeten finster aus.

Und unsere Medien? Spiegeln die geistige Verfassung der zwanziger Jahre wieder. Nehmen wir zum Beispiel das intellektuelle Flaggschiff der Republik: die „Zeit“.

Was wird heute berichtet, was sollte uns am Vorabend des dritten Weltkrieges interessieren?

Das das Koalitionsklima nicht so dolle ist, der Schäuble mehr Geld braucht, was die Kanzlerin gut findet, das die Ehec-Fahnung schleppend läuft , Frauen nicht mit Ehemännern zusammen wohnen müssen und eine rot-grüne Landesregierung Probleme mit einem Bahnhof hat. Wir wenden den Blick gezielt von der internationalen Bühne ab und kümmern uns gezielt nur noch um uns selbst. Das die USA zur Unterstützung ihrer militärischen Abenteuer gezielt deutsche Bomber nachfragen, findet man dort nicht so interessant, berichtenswert sind der Rücktritt einer Schulleiterin, ein ungarischer Film über eine Prostituierte, die das Sorgerecht für ihr Kind will, die Empörung eines Autors über schlechte Kunst in Venedig oder Risiken von Bioweinamphoren.

Warum mir der Terminus „spätrömische Dekadenz“ gerade jetzt durch den Kopf geht, will ich nicht weiter ergründen. Lieber mache ich mir Gedanken darüber, das nicht alles so ist wie früher:

Die rauschenden Partys der „Goldenen Zwanziger“ endeten abrupt mit derWeltwirtschaftskrise. Die Verelendung der Bevölkerung spiegelte sich ungeschminkt in der Kunst wider: Hunger und Arbeitslosigkeit, Tristesse und Hoffnungslosigkeit wurden zu Bildthemen der Milieumalerei und der Photographie. Romane wieAlfred DöblinsBerlin Alexanderplatz“ (1929), Erich KästnersFabian – Die Geschichte eines Moralisten“ (1931) oder Hans Falladas „Kleiner Mann was nun?“ (1932) thematisierten die Not und den alltäglichen Überlebenskampf der Bevölkerung.

Ich denke, das wir mal Kunst über das Elend der verharzten Mitbürger zwischen Jobcenter, Tafel und Hoffnungslosigkeit sehen, wird angesichts der Strategien der Medieneigentümer lange auf sich warten lassen. Wir ignorieren Elend lieber, bleiben in unseren Egotempeln mit Doppelgarage, bewegen uns sicher mit benzinfressenden Geländewagen durch den Alltagsverkehr, die uns ein Gefühl von Unangreifbarkeit vermitteln und ganz nebenbei Beweglichkeit in Zeiten versprechen, in denen die Zivilisation nicht mehr ganz so tolle funktioniert….was darauf hindeutet, das man in manchen – „tonangebenden“ – Kreisen die Zeichen der Zeit schon recht deutlich versteht.

Und die anderen Kreise … werden beschäftigt, bis wieder einmal der Vorhang fällt.

Aber es bleibt ja noch eine Hoffnung. Vielleicht ist die Nachricht über Chinas Drohungen so gelogen wie die Nachricht über die irakischen Massenvernichtungswaffen, einfach die geschickte lancierte Nachricht eines SUV-Produzenten um den Absatz anzukurbeln.

Auch damit darf man heutzutage rechnen.

 

 

 

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