Weihnachten

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184 worte zum sonntag (weihnachtsedit)

frohe_weihnachten_ihr_weihlöcher

sieht momentan so aus, als bekämen wir doch noch weiße weihnachten. ich fürchte fast, das wäre dann zuviel der klischees für mich. auf rtl gewinnt der panflötenspieler aus ecuador die 100 mille und baut nun für seine mama ein häuschen. gottschalk (ich dachte der wollte aufhören) sammelt 20 millionen für ein herz für kinder ein und der lauf durch die städtische fussgängerzone hat irgendwas von sammelbüchsen-pogo.

 

frohe_weihnachten_ihr_weihlöcher

ich glaube, ich habe endlich was gefunden, was mir an weihnachten so richtig auf die nerven geht! das ganze jahr über dürfen wir arschloch sein, aber mit dem einwerfen der pressschokolade die hinter dem ersten kalendertürchen lauert, da werden wir alle zu richtig guten menschen – und spenden, was der geldbeutel hergibt. das ganze wird natürlich medial kräftigst unterstützt und untergemauert – und die protagonisten mit den 250 tausend euro schecks entsprechend inszeniert.

tja, so ist das halt… geben ist seeliger denn nehmen. aber wenn man fürs geben auch noch was bekommt – nämlich medienpräsenz zur besten sendezeit; wie unsere liebe deutschen post ag – dann wird der keks doch gerne gelutscht. auch wenn´s spekulatius ist.

in diesem sinne
ihr weihlöcher
ruft das proll mitglied

Weihnachtsansprache 2010

Weihnachten ist ja ein besonderes Fest. Schon lange vor den ersten Christen feierten die Bewohner dieser finsteren kalten Wälder jenen Tag, an dem das Licht wieder zu wachsen begann und der unerbittliche Vormarsch der Dunkelheit gestoppt wurde.  Als Symbol für dieses Fest holte man einen jener Zauberbäume hinein, die auch in der lebensfeindlichen Winterwelt ihr grünes Kleid nicht verloren – das begeisterte die Waldbewohner, davon wollten sie einen Teil abhaben, von diesem Segen wollten sie auf profitieren. Dann wurde – in Hoffnung auf bessere Zeiten – das Hausschwein geschlachtet. Letzte Reserven wurden angezapft, um die dunkle Zeit lebendig zu überstehen.

Wir sind recht fern von diesen Zeiten. Unsere Häuser gleichen kleinen Burgen, den Winter und seine Nöte haben wir überwunden. Im Vergleich zu jenen fernen Vorfahren sind wir unermeßlich reiche Zauberer. Kälte, Dunkelheit, Hunger, Freßfeinde – all das spielt für uns keine Rolle mehr. Eine Handbewegung von uns (an der richtigen Stelle) und es wird hell und warm in unseren Höhlen, durchsichtige Wände erlauben uns, das Toben der Winterstürme in aller Gemütlichkeit zu betrachten, andere Fenster in die Welt schicken uns Bilder von fernsten Orten und wildesten Phantasien. Obst, Brot, Gemüse, Fleisch – alles ist im Überfluss vorhanden, von dem was wir wegwerfen könnten andernorts ganze Familien vor dem Hungertod gerettet werden.

Wir feiern immer noch dieses Fest, doch hat es längst einen anderen Hintergrund. Irgendwann kam das römische Imperium in die Wälder unserer Vorfahren – diesmal nicht harmlos in Form von Soldaten sondern in Form von Mönchen. Die Geschichten, die sie erzählten,  faszinierten uns,  sie waren neu und ungewohnt.

Unsere Götter, so sagten sie, seien blinde Phantasien oder böse Dämonen, aber macht- und kraftlos. Es gibt aber einen mächtigen liebevollen Urgrund des Seins, der nun seinen Sohn auf die Welt geschickt hat, um dem Spuk ein Ende zu bereiten  – und wenn wir in Zukunft für ihn Kirchensteuer zahlen würden, dürften wir sogar unser Fest weiterfeiern – es würde dann eben sein Geburtstag sein.  Es gab ein paar weitere Bedingungen, die zu erfüllen waren – keinen umbringen, nichts klauen, die Eltern ehren … alles Dinge, die im Dorf sowieso schon üblich waren.  Das war nicht so das Problem. Und diese alten Götter waren sowieso nicht gerade der Hit – klauen unser Frauen, zürnen ständig herum, machen Blitz, Donner und derbe Späße: da kam das neue Angebot gerade recht.  Geärgert haben sich nur die alten Priester, deren Opfergaben nun in einen neuen Opferstock landeten.

Fast zweitausend Jahre später sitzen wir immer noch unter unserem Tannenbaum. Viel hat sich verändert seitdem. Vor allem – sind die alten Götter zurück. Finstere, undurchschaubare Mächte bedrohen unseren Alltag und trotz unserer ganzen Macht scheinen wir ihnen hilflos ausgeliefert.  Sie heißen anders als früher und wirken auch viel unmenschlicher. „Der Markt“ ist ein ganz fieser von ihnen. Er taucht ganz überraschend auf, stiehlt uns unsere Schätze, entführt sie in weite Ferne und läßt uns als mittellose Bettler zurück. Es werden auch wieder Menschenopfer gefordert, so wie die ganz alten Priester ihre Götter mit jungen Frauen besänftigen wollten, so muß der Markt mit dem Leid der Armen, Alten und Kranken besänftigt werden. Geht es ihnen zu gut, leben die fern von Kälte und Hunger, dann grollt der Markt und schickt seine unsichtbare Hand strafend durch das Land und zwingt uns, unsere eigene Ernte zu vernichten, in dem wir sie ins Meer schmeißen.

„Das Kapital“ ist ein weiterer Finsterling der üblen Sorte. Es saugt wie ein Vampir alle Lebenskraft, alle Freude und Daseinslust aus den Menschen und macht aus ihnen kleine leblose Maschinen, die nichts weiter tun, als an der Vermehrung seiner Macht zu arbeiten.

„Der Staat“ – der nächste Titan, der uns im Leben quält, auch das kälteste aller Ungeheuer genannt. Manchmal schützt er uns vor Markt und Kapital, doch nur, um uns wie Ameisen zu organisieren und durchzunummerieren, damit auch ja niemand seinem Schlachter entkommt. Während „Markt“ und „Kapital“ das göttliche Herrscherpaar sind, ist „Staat“ der Kriegsgott, der weltvernichtenden Gewalten entfesseln kann, wenn ihm gerade danach ist. Wenn er will, dann sperrt er Menschen sinnlos in Lager und macht aus ihnen Seife, läßt ganze Generationen von Menschen durch  Maschinen auf Schlachtfeldern zerfetzen.

„Stadt“, „Mode“, „Arbeit“, „Verkehr“, „Partei“  sind einige weitere Kinder von „Markt“ und „Kapital“. Sie alle fordern unsere Opfer – und auch Menschenleben. Sie bestimmen was wir denken, wie wir wohnen, wie wir uns kleiden, wie wir uns bewegen, wie wir das Haupthaar tragen, wie wir sprechen, singen, tanzen. Keiner der alten Götter hat je so in unser Leben eingegriffen, noch mußte auch nur eins unserer Menschenopfer so leiden wie jene, die der „Verkehr“ jeden Tag in Stücke reißt.

Und so langsam merken wir, das auch die Kälte wieder zurückkommt, der Hunger, die Dunkelheit. Vorbei sind die Zeiten, wo der Wald uns Essen und Wärme gab, die Jagd uns Nahrung und Kleidung, wo der Stamm für alle da war und die Gemeinschaft jedem Feind standhielt. Die neuen Götter halten uns in Einzelzellen und mästen uns gut, wenn wir brav sind. Sie sind mächtiger als die alten Götter … und unermeßlich viel grausamer. Doch seitdem der Gott der Christen tot ist, haben sich andere in die Lücke gestürzt. Die Natur mag halt kein Vakuum.

Niemals in ihrer ganzen leidvollen Geschichte war die Menschheit so hilflos den tobenden Gewalten der Umwelt ausgesetzt wie heutzutage, niemals lauerte die völlige Vernichtung der Menschheit – ja vielleicht sogar allen Lebens auf der Erde – so deutlich wie heute vor der Tür.  Vielen geht es trotz all der Gifte noch sehr gut dabei – immer noch sind Hunger, Kälte, Dunkelheit verbannt in diesen Jahreszeiten, doch hinter diesem schönen Schein bauen sich Gewalten und Gefahren auf, vor denen sich selbst die alten  Götter fürchten würden.

Und das … ist die Chance dieses Festes, das ständig daran erinnert, das auch die Dunkelheit ein Ende hat – und das man sie gesund und munter überleben kann. Es ist die Chance der Besinnlichkeit, die nicht umsonst jedes Jahr mit noch mehr Waren totgeschmissen wird, denn wenn wir zur Besinnung kommen würden, würden wir merken, das all die Götter, die unser Leben tyrannisieren, nichtig sind. Keiner von ihnen könnte widerstehen, wenn sich die Menschheit gegen ihn erheben würde. Nie war die Chance größer, das die Menschheit sich gegen ihre neuen Herren erheben konnte, nie war es einfacher, denn … die neuen Götter sind nur Gespenster in Köpfen, Gespenster allerdings, die uns soweit domestiziert haben, das wir eher jenen Hausschweinen gleichen, die wir selbst früher zu Weihnachten geschlachtet haben.

Das braucht uns aber nicht gefallen.

Der Ausbruch aus dem Gefängnis der Gedanken kann sehr leicht sein – und kann schon damit anfangen, das man sich morgen mal traut, etwas völlig unmodernes anzuziehen. Wollen wir jenem Geschlecht, das einst gegen Wolf und Bär in den Wäldern rang, zutrauen, das es sich wagt, einen Hut zu tragen, der nicht zum Kostüm paßt? Was, wenn wir zu Weihnachten nur aufbauende Worte anstatt aufzubauende Waren verschenken?

Die Botschaft des jüdischen Gottes (mit dem unser Fest ja auch viel zu tun hat) wird im Deutschen gerne streng übersetzt. Alternativ darf man „du sollst“ auch durch „du brauchst nicht“ übersetzen, was angesichts der damaligen gesellschaftlichen Gepflogenheiten einen viel größeren Sinn machen würde.

Du brauchst nicht morden, du brauchst nicht stehlen, du brauchst nicht ehebrechen … und am Samstag brauchst du auch nicht arbeiten.  Man tut dem jüdischen Gott in Wirklichkeit mit diesen Tätigkeiten keinen Gefallen, heißt es – und das war der neue Gedanke, der uns damals so fasziniert hat. All die häßlichen Dinge, die unseren Alltag so erschweren, braucht man nicht wirklich zu tun….es geht auch anders.

Wollen wir hoffen, das irgendwann ein neuer Moses von den Bergen kommt und neue Tafeln aufstellt:

Du brauchst nicht Socken tragen, die zur Unterwäsche passen. Du brauchst über die letzte DSDS-Sendung nicht mitreden zu können. Du brauchst nicht Dein Leben vergeuden, um den Ansprüchen von Markt und Kapital zu genügen, brauchst Deine Familie nicht vernachlässigen, um der Firma zu dienen, brauchst keine Sonderschichten fahren, um Staat und Partei reich zu machen.

Aber hoffentlich brauchen wir dazu nicht wieder einen Moses und einen neuen allmächtigen Gott – vielleicht schaffen wir das ja diesmal alleine.

Oder wir besinnen uns darauf, was wir in Wirklichkeit in diesen Tagen feiern, warum wir uns mit Gütern beschmeißen: um einem Märchen zu Gedenken, wonach der Urgrund des Universums (schon ein ziemlich großes Ding, wenn man genau bedenkt) Mensch geworden ist um in all dem Rauben und Morden kurz mal zu sagen, wie er sich das Miteinander vorstellt. „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“.

Eigentlich mal Zeit, das wir die Christen um uns herum daran erinnern – oder sie auffordern, ihre Religion konsequenterweise aufzugeben, offen zuzugeben, das sie lieber „Markt“, „Kapital“ und anderen widergöttlichen Mächten dienen als jenem unerschließbaren Urgrund allen Seins und aller Lebendigkeit, jenem höchsten denkbaren sittlichen Gedanken des Guten.

Vielleicht hilft uns die Besinnlichkeit, uns zu erinnern, das die Mächtigen dieser Erde keinesfalls jenseitigen Wirklichkeiten ablehnend gegenüberstehen – magische Rituale sind Bestandteil jeder Freimaurerei, der Wunsch, die Gunst des Schicksals durch geschickte Kombination von Farbe, Klang und Form zu gelangen hat zu vielen architektonischen Merkwürdigkeiten geführt – es sind nur Wirklichkeiten, die als „Herrschaftswissen“ nur wirklich eingeweihten Kreisen vorbehalten sind, für die Hausschweine gilt: „Gott ist tot“ und „Religion ist Opium fürs Volk“.  Das hindert das Schwein daran, aufzustehen und sich der Macht der neuen Götter zu entziehen: „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben“.

Und wenn demnächst wieder ein Asozialer fordert, am Sozialstaat zu rütteln, sollten wir vielleicht einfach entschuldigend achselzuckend antworten: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“.  Sollen sich dann die Asozialen mit dem Papst streiten …. und sich offen dazu bekennen, das sie (wie er auch) antichristlichen Werten huldigen.

Dann haben wir Hausschweine endlich klare Fronten.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern vor allem ein … besinnliches Weihnachtsfest.

Leuchtende Gedanken

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NSO wünscht allen Lesern FROHE WEIHNACHTEN !

Leuchtende Gedanken © Jotha

Erschöpfungssyndrom

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Erschöpfungssyndrom

© Jotha

Weihnachtsflash

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Weihnachtsflash © Jotha

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