Wasser

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Die Weltbank will Slumbewohnern das Wasser abstellen lassen

Ein Kommentar von Norbert Häring.

Entwicklungsländer versuchen unter widrigsten Bedingungen, die Corona-Pandemie einzudämmen. Da propagiert die Weltbank, den Bewohnern von Slums, wo die hygienischen Bedingungen am schwierigsten sind, das Wasser abzustellen, wenn ihre Vermieter die Wasserrechnung nicht bezahlen. Dahinter steckt eine menschenverachtende Grundphilosophie von Entwicklungsarbeit.

Die Philosophie der Weltbank heißt seit etwa zwei Jahrzehnten “nachhaltige Entwicklung”; “nachhaltig” im Sinne von auf Dauer gewinnträchtig. Die Entwicklungsarbeit soll, wo immer möglich, in Partnerschaft mit privaten Unternehmen und ihren Stiftungen geschehen, denn nur wenn jemand an Entwicklungspolitik nachhaltig Geld verdienen könne, fließe genug Geld hinein, um nachhaltig etwas zu bewirken. Die Ableitung davon lautet, so viel wie möglich zu privatisieren und zu kommodifizieren, also zur handelbaren Ware zu machen.

Und so ist es durchaus folgerichtig, dass die Weltbank im Juli 2020, mitten in der Corona-Pandemie, den wissenschaftlichen Aufsatz mit dem Titel veröffentlicht: „Enforcing Payment for Water and Sanitation Services in Nairobi’s Slums“, zu Deutsch: „Zahlung für Wasser und Abwasserdienste in Nairobis Slums erzwingen“.

Deutschland 2018: mit Volldampf immer irrer.

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Mittwoch, 1. August 2018. Eifel. Verstehen Sie die Welt noch? Ich selbst: kaum. Da hatte ich ja mal gelernt, dass der böse Islam der letzte Gegner der freien Menschheit ist. Doch doch – haben die USA gesagt. Die führen ja auch gegen den bösen Islam Krieg – auf der ganzen Welt. Unter anderem mit Drohnen. Da es da keine Kriegserklärung gab, kein Gerichtsurteil, das die Hinrichtungen durch diesse Drohnen legitimiert, darf man wohl ruhig von Mord reden. Von … Massenmord. Dafür gab es dann für den zuständigen Präsidenten einen Friedensnobelpreis. Das verstehen wir kleinen Bürger nicht, wir Untertanen sind einfach zu niedrig, um die Höhen der Politik zu begreifen. Der Islam ist böse – deshalb bekämpfen wir ihn ja auch mit in Afghanistan. Haben wir so gelernt. Kommt der Islam aber nach Deutschland – dann ist er gut. Unzweifelhaft gut. Dann gehört er zu Deutschland – und jeder, der anderer Meinung ist, ist ein sadistischer, eiskalter, massenmordender Killer … also: ein Nazi. Eine ganz dicke Keule für eine kleine Meinung – aber das ist gerade Alltag im Land.

Fährt aber ein Trump nach Nordkorea, beendet dort im Alleingang einen Konflikt, der atomar hätte werden können … dann kriegt der keinen Preis, sondern Gemecker. Er soll auch nicht sonderlich devot gegenüber der Queen gewesen sein, hat sie sogar warten lassen: welch´ Ungeheuerlichkeit gegenüber unserer allseits geliebten Monarchin! Dabei … ist das doch eigentlich normal für einen Cowboy aus dem Westen, dessen Vorfahren gerade vor den Vorfahren der Queen geflohen waren. Darf man nicht auch denken, dass so eine „Queen“ im 21. Jahrhundert überhaupt froh sein darf, noch von der politischen und wirtschaftlichen Welt wahrgenommen zu werden? Wir sind doch Demokraten, haben gegen Monarchien rebelliert – was soll also dieses Relikt aus den Vorzeiten der Zivilisation überhaupt noch in unseren Medien?

Oder nehmen wir China. Die haben ja jetzt ein Sozialpunktesystem eingeführt, dass in der westlichen Welt für große Empörung sorgt. Lesen Sie mal im Handelsblatt, was dort alles auf die Bürger zukommt: die Behörden wollen die Vertrauenswürdigkeit der Bürger ermitteln – und die Bürger finden das gut. „Modellbürger“ kann man dann an der Straßenbahnhaltestelle als Poster finden. Außerdem messen große Internetkonzerne – chinesische, wohlgemerkt – die Kreditwürdigkeit ihrer Mitmenschen! Wir grausam und gemein doch diese Chinesen sind.

Präsentiert uns McDonalds den Mitarbeiter des Monats, kaufen wir dort trotzdem Burger und finden das noch gut, wenn gute Leistungen lobend erwähnt werden, bewertet aber China seine Bürger nach … sozialen Kriterien, dann kann das nur der Teufel eingefädelt haben. Und die Kreditwürdigkeit? Nun: suchen Sie mal im Internet nach Scoring, Sie treffen sofort auf die Schufa, die Ihre eigene Kreditwürdigkeit nach einem bislang völlig geheimen Scoring-Modell entwickelt. Negative Auskünfte können schnell dazu führen, dass sie beim Wettstreit um eine Mietwohnung unterliegen, weil sie zum Beispiel aktuell in einem ganz falschen Viertel wohnen oder die falschen Nachbarn haben. Schauen Sie mal, was Vermieter Ihnen heute an „Mieterselbstauskünften“ abverlangen, bevor Sie in die engere Wahl für eine Mietwohnung kommen – die Fragen gehen bis tief in den privaten Bereich hinein und übertreffen noch die peinliche Befragung bei bundesdeutschen „Jobcentern“.

Große Klagen dagegen in den Reihen der Medien? Nein. Ein, zwei Artikel im Jahr, die das Thema anreißen, ansonsten ist klar: wer in Deutschland kein Millionär ist, ist halt eben Untermensch. Aber der Islam, China, der Trump und der Russe: das sind die Feinde. Der Islam aber nur im Ausland, innerhalb der Grenzen der Bundesrepublik Deutschland wird er schlagartig supergut. Kaum jemand, der noch anmerkt, dass wir als säkularer – also: weltlicher – Staat noch mit den Überresten einer alten Religion zu tun haben und deshalb nicht unbedingt gleich eine neue Religionsform brauchen, die Dominanz über unsere Alltagsgestaltung anstrebt. Ich denke: das merkt auch keiner, noch wäre es erlaubt, darüber zu diskutieren.

Wir sind weit entfernt von der ehemaligen Kultur des konstruktiven Dialoges, in dem sorgfältig, fein und mit Bedacht abgewogen wird, bevor man Urteile fällt: zivilisatorisch sind wir auf dem Niveau des Volksgerichtshofes, wo ein Herr Freissler nach Gutsherrenart willkürlich bewertet, was gerade gut und was schlecht zu sein hat, je nach Tageslage, Wetter und dem Zustand der eigenen Verdauungsprobleme.

Nehmen wir doch mal diesen „Trump“, über den ja wohl niemand mehr öffentlich was Gutes zu sagen wagt, weil die soziale Eliminierung umgehend folgt. Was hat der bisher real schlimmes gemacht – außer Frieden mit Nordkorea gesichert und damit eine nukleare Katastrophe abgewendet? Ja – der war bei Putin! Putin – das wissen wir – ist böse, hinterhältig und gemein, bald werden wir die Bibel umschreiben und dann lesen, wie Jesus in der Wüste den Putin traf, der ihm alle Reiche dieser Erde zu Füßen legen wollte. Ja – ich weiß, dass ist sarkastisch, nur: ich kann auf den medialen Propagandamüll bald gar nicht mehr anders reagieren als durch Zynismus und Sarkasmus, das wird so realitätsfern, dass es meine Phantasie weit übersteigt … und die halte ich für wirklich schon recht groß.

Vorbei die Zeiten, wo man sagte: Russland brauchte nach dem Säufer Jelzin mal einen nüchternen Menschen, der die russische Mafia im Zaum hält und wieder Ordnung ins Land bringt. Seien Sie doch mal ehrlich: was genau hat dieser Putin denn so wirklich richtig schlimmes getan? Können Sie da irgendwas benennen? Ja – möglicherweise hat er die Ostukraine aufgerüstet, damit sie sich gegen real faschistische Mörderbanden wehren können – und er hat verhindert, dass noch weitere ehemalige Ländereien des ehemaligen „Ostblocks“ in den Einflussbereich transatlantischer Oligarchen fallen – aber sonst? Er ist auch erst nach den USA in Syrien einmarschiert – und einmarschieren in Afghanistan, Pakistan, Syrien, Panama, Grenada, Mali, Irak, Lybien usw. scheint doch gut zu sein – die transatlantische Oligarchie macht doch seit Jahrzehnten nichts anderes. Marschieren wir ein, nennt man das „gut“, marschiert der Putin ein, nennt man das „schlecht“. So urteilen nur Menschen, die sich noch nie in ihrem Leben mit den Grundlagen moralischer Urteile auseinandergesetzt haben, sie missbrauchen Sprache, um unmenschliche Wertigkeiten ins Denken zu bringen – mit Erfolg.

Und jetzt trifft sich doch dieser böse Trump mit dem bösen Putin – wobei bei Trump das Gleiche gilt wie für den Islam: weilt er innerhalb der bundesdeutschen Grenzen, dann ist er … nun, vielleicht nicht gut aber zumindest nicht mehr ganz so böse. Und jetzt lädt dieser Trump noch den Putin nach sich zu Hause ein – ohne die Edelfedern der deutschen Journaille zu fragen. Und vielleicht tritt er einfach so aus der Nato aus – welch´ Horrorvorstellung! Dabei – was kann uns besseres passieren?

Ich sehe da aktuell  nur wenig Konflikte zwischen den Bürgern der der Bundesrepublik Deutschland und den Bürgern des Iraks, des Irans, Chinas oder Russland – um nur ein paar Länder zu nennen. Und überlegen Sie mal, welches Sparpotential wir hätten, wenn die USA unsere Waffenbrüderschaft verläßt! Peter May, ein Facebook-Freund von mir, hat das mal ausgerechnet, was wir allein sparen, wenn wir den Forderungen der USA nicht mehr ausgeliefert sind:

Bruttoinlandsprodukt = 3.260 Milliarden

Geplant Verteidigung 2% = 65 Milliarden

Haushalt 2017 = 329 Milliarden Verteidigung 2%

65 Milliarden entspricht fast 20% des Bundeshaushalts!

Ja -hören sich wenig an diese zwei Prozent, die wir zukünftig für Verteidigung gegen wen auch immer aufwenden müssen. Aber es sind zwei Prozent vom Bruttoinlandsprodukt! In Zeiten großen Friedens – der längsten Friedensperiode in Europa – wollen wir wieder rüsten wie die Irren? Wie wäre es, wir schaffen die Bundeswehr ganz ab und investieren dafür in Friedensarbeit? Wüsste da schon was, wo man investieren könnte: in sozialen Frieden. Das würde auch Präsident Trump friedlicher stimmen.

Nehmen wir mal den Hartz IV-Satz. 416 Euro beträgt er gerade – aber 571 Euro müssten es sein, wenn korrekt gerechnet wird (siehe WDR). Lauschen Sie den Fachleuten in dieser Sendung: 10 Milliarden kassiert der Fiskus durch falsche Berechnung zuviel, zusätzlich zockt er aber noch 15 Milliarden von den Arbeitnehmern ab, deren Freibetrag am Hartz IV-Satz gekoppelt ist. Nicht nur, dass die Politiker so eine immer größere Verfügungsmasse für Unfug aller Art haben, so wird auch der Niedriglohnsektor Deutschlands geschützt, der wiederum für die gigantischen Profite sorgt, weil wir so unsere Waren viel billiger im Ausland anbieten können als zuvor. Das Ergebnis: ein brisant wachsendes Handelsbilanzdefizit mit den USA (siehe Spiegel), das die amerikanische Industrie schwächt und die deutschen Reichen noch reicher macht. Und den Trump sauer.

Dafür hat man dann Geld für andere Extras. Die FDP zum Beispiel: die hatte Millionenschulden. Zahlen aber einfach nicht – und kommen damit durch (siehe Spiegel). Offenbar sind die „gut“.  Sie beherrschen gute Tricks – die sie einfach ausnutzen. Aber Putin ist böse.

Geld braucht man auch für die EU. Die Fonds für die Renten der EU-Abgeordneten stehen nach ersten Berichten kurz vor dem Ende. Es ist ein älterer Fond, weil es früher noch keine direkten EU-Renten gab (siehe Spiegel). Fragen Sie mich nicht, wieso Menschen mit fünfstelligen Monatseinkünften noch eine Extrarente brauchen, während jeder zweite deutsche Rentner – der mit seiner Arbeitsleistung den ganzen EU-Wahn finanziert – unter 800 Euro monatlich landet (siehe Tagesschau). Es fehlen auf jeden Fall ein paar hundert Millionen Euro – für die jetzt der Steuerzahler aufkommen soll. Fonds sind übrigens Geldanlagen. Also: wenn man gut wirtschaftet, kommt da Gewinn rein. Wirtschaftet man schlecht, zahlt der Hartz IV-Empfänger durch seinen niedrigen Regelsatz. Aber Putin und Trump – die sind böse. Schon klar.

Noch mal ein Beispiel aus „dem Land, in dem „wir“ gut und gerne leben“? Wobei Sie wahrscheinlich gerade merken, dass dieses ominöse „wir“ nur einen kleinen, exqusiten Kreis von Superabzockern betrifft, die jenseits jeglicher Moral und jeglichem Verantwortungsbewusstseins leben.

Schauen wir mal nach Zweibrücken. Dort lebt eine junge Mutter allein mit ihrem 8-jährigen Sohn. Keine Besonderheit in diesem Land, sowas erleben wir öfter. Sex bestimmt – oft auch sehr subtil eingestreut – unser gesamtes 45-Milliarden-Euro-Werbebudget, mit dem die Köpfe der weniger aufmerksamen Bürger täglich durchgepustet werden, dass Sexualität aber auch – trotz Verhütung – am Anfang eines jeden Menschenlebens steht, wird weniger oft publiziert. Wie üblich lassen wir Nebenwirkungen völlig außer acht – das machen wir ja auch bei Impfungen, Kriegen, Medikamenten, Nahrungsmitteln, Arbeitsbelastungen und Wohnverhältnissen. Wie üblich hat diese Frau wenig Geld. Wir wissen nicht, ob sie zu den verharzten Bürgern dieses Landes gehört, die nicht mehr als ausbeutbar genug angesehen werden, um noch eine Anstellung zu erhalten. Was wir aber wissen, ist: ihr und ihrem Sohn wurde das Wasser abgestellt – in einem der heißesten Sommer der Geschichte des Landes (siehe Pfaelzischer Merkur).

Lesen Sie den Artikel ruhig durch – gruseliger geht es kaum noch, wenn man sieht, wo hoch dotierte Funktionsträger Verantwortlichkeiten von sich weisen, auf Prinzipien beharren, Worthülsen um sich schleudern während das Kind sich nicht mehr waschen kann, nicht mehr zur Toilette gehen kann … und auch nicht mehr trinken kann. Nebenbei erfährt man, dass diese Wasserabsperrungen jetzt immer häufiger vorkommen – trotz des UN-Rechts auf Wasser. Aber Putin und Trump, ja: die sind unser großes Problem. Und China. Und – der Islam. Die sind auch böse.

Wie – die faulen Arbeitslosen.

Kein Problem ist, dass die Polizei für einen Fahnungserfolg einen Mord geschehen läßt (siehe Spiegel), denn: wir sind die Guten.

Einbildung aber … ist in Wirklichkeit keine Form von Bildung.

 

 

 

 

Der Schulz(d)effekt und der schleichende Genozid in Deutschland

Freitag, 7.4.2017. Eifel. Na, sind Sie auch so begeistert? Von Martin Schulz? Dem Heilsbringer? Der sich vor allem um die „hart arbeitenden Menschen“ kümmern will? Klar, hört sich erstmal gut an. „Hart arbeitende Menschen“ sollten ja wirklich auch besonders gewürdigt werden. Kennen Sie eigentlich einen, der wirklich „hart“ arbeitet? Ich finde, das hört sich im ersten Moment immer nach Masochismus an: Härte gegen sich selbst, Härte gegen die Mitmenschen, Härte gegen die Umwelt, gegen Kinder, Arme, Alte und Kranke – Härte ist cool. Alle finden Härte toll: die Masochisten, weil Härte so richtig schön weh tut, die Sadisten, weil Härte so richtig schön weh tut – aber den anderen. Bestimmen geistig Kranke nun unsere Werte? Was ist mit den Normalen, die lieber schmerzvermeidend leben und arbeiten wollen – wie alle biologischen Lebewesen auf diesem Planeten? Gibt es für die keinen Platz mehr?

Haben Sie schon mal einen Baum gefällt? Vielleicht, mit den modernen Motorsägen ist das ja auch kein Problem – es sei denn, man ist blöd und steht völlig falsch … oder hat nicht auf die Reichweite der Äste geachtet, wenn der Baum fällt. Sie merken: ich habe Erfahrung in diesem Bereich. Ich wollte aber gar nicht über das Baumfällen reden, sondern über das Ausgraben der Wurzeln. Baumfällen – ist was für Weicheier, die richtig harten Typen graben Wurzeln aus. Ja: das ist knallharte Arbeit in oft ungünstiger Haltung, wer da dann abends nach Hause kommt, der sollte nicht auch noch selber kochen müssen: kann der auch gar nicht, dafür ist er zu kaputt. Insofern verstehe ich schon die Forderung von diesem Schulz: um diese Menschen muss man sich kümmern. Nur: Baumwurzelausgraber ist kein Hauptjob, das macht man, wenn man ein Feld braucht und den Wald roden will: die wirklich richtig fruchtbare Arbeit – das säen – kommt viel später und ist auch nicht hart: leise und sanft rieseln die Körner aus weicher Hand in kleiner Menge zu Boden: keine harte Arbeit, sondern sehr soft. Mit einer ausgegrabenen Wurzel können Sie – trotz aller Härte der Arbeit – nichts anfangen … außer vielleicht als Deko neben dem Haus.

Man fragt sich also: was will dieser Schulz also mit diesen hart arbeitenden Menschen, die er in den Mittelpunkt stellen will? Eine Sammlung von Wurzeln fürs Kanzleramt? Scherz beiseite: harte Arbeit machen heute Maschinen, fast überall. Die Gruppe der Menschen, die wirklich noch substantielle Bedingungen für das Prädikat „harte Arbeit“ erfüllen, ist winzig klein. Steinbruch, zum Beispiel: früher noch als Strafarbeit für Kriminelle angedacht, wird heute von dicken Menschen erledigt, die in dicken Maschinen sitzen und die Steine in dicke LKW´s laden, mit denen andere dicke Männer sie dann fortschaffen – ohne selbst auch nur einen Handschlag zu tun. Natürlich wollen alle harte Typen sein, weshalb jeder heute „harte Arbeit“ macht – wenn man ihn selbst fragt. Sie haben völlig Recht, wenn Sie jetzt meinen, dass die Psyche ja auch eine Rolle spielt, nur: da werden wir kein Ende finden, denn Psyche ist schon belastet und überfordert durch einen normalen Einkauf in einer großen Stadt: unser ganzer Lebensstil überfordert sie, nicht nur die Arbeit. Ich kenne auch genug Männer, die vor dem normalen Familienleben ins Büro flüchten – weil es ihnen psychisch zu hart ist. Büro ist leise, still, ruhig dagegen. Und erzählen Sie mir jetzt nicht, dass Sie für das hin- und herräumen von kleinen Handouts jetzt auch das Prädikat „harte Arbeit“ wollen.

Nun – der Schulzeffekt ist ja jetzt schnell zum Schulzdeffekt geworden: obwohl 100 % der SPD-Deligierten ihn gewählt haben – ein Traum wie in Nordkorea. Aber noch so viel Eigenlob und grundlose Euphorie kommt halt nicht gegen die Realität an, „positives Denken“ ist immer sehr weich und angenehm, bis die Wirklichkeit an die Tür klopft – und die klopfte mit minus einem Prozent für die SPD an. Vielen blieb ich „Schulz“ im Halse stecken. Auch hart – jedenfalls für eine Partei, die dort 1990 noch 54 Prozent hatte und nun unter dreißig Prozent liegt. Damit ist dann ja auch die Bundestagswahl schon gelaufen, wir werden uns aufs Dauermerkeln einrichten müssen.

Dabei hätte der Schulz doch viel erreichen können. Das meinte auch Jakob Augstein, der auf den urigen Gedanken kam, Schulz sollte – neben sozialer Gerechtigkeit – den Deutschen wieder eine Heimat bieten (siehe Spiegel), eine Heimat, die es bei zuviel Migration nicht mehr geben könnte. Erwartet man eigentlich eher bei anderen politischen Gruppen, solche Argumente – aber die deutsche Wirklichkeit ändert sich ja gerade wieder, kehrt zurück zu alten Wurzlen, bei denen mit Minderleistern einfach mal kurzer Prozess gemacht wurde – was alle Sadisten zutiefst erfreut. Auch ich würde sagen, dass wir ernsthafte Probleme haben – die allerdings nichts mit Migranten oder Weicharbeitern zu tun haben, sondern mit einem Genozid – einem Völkermord. Nicht schnell, hart und brutal … sondern langsam, schleichend, fast schon sanft und kaum merklich, wenn man nur kurze Zeiträume betrachtet. Ich weiß: Genozid ist ein hartes Wort. Aber was lernen wir in der Schule? Überschriften sollen Aufmerksamkeit erzeugen. Mehr nicht.

Gut, blicken wir nach … Delmenhorst. Dort ist etwas geschehen, was eine neue Qualität im Spiel zwischen Staatsgewalt und Bürger einbringt: die Massenabschaltung von Wasserversorgung. 350 Menschen müssen nun vor den Toren ihres Wohnblocks Wasser in Eimern in ihre Wohnungen schleppen: besonders cool ist das für die „hart arbeitenden Menschen“ (zu denen sich wahrscheinlich jeder zählt, aber die Delmenhorster nun zurecht: zehn-Liter-Eimer in den fünften Stock zu schleppen ist schon hart), die eine Stunde früher aufstehen müssen, um zehn Eimer für die Morgendusche, zwei für die Toilette und einen fürs Frühstück (Kaffee!) bereit gestellt zu haben. Auch Familien mit Kindern dürfen endlos schleppen, die ganz Alten müssen beten, dass noch einer im Block sozial denkt und ihnen was mitbringt. Der Grund für diese Strafmaßnahme, die ja auch Mieter trifft, die brav ihre Wasserrechnungen zahlen: die Eigentümergesellschaft hat den Wasserwerken die Wasserrechnung nicht bezahlt (siehe Spiegel). Anstatt dass man diese Gesellschaft umgehend enteignet und das Eigentum den brav zahlenden Mietern (oder der Gemeinde) überträgt, läßt man lieber die Mieter dursten. Wissen Sie eigentlich, was Wasser in der Produktion kostet? Richtig: gar nichts. Das fällt umsonst vom Himmel. Klar, die Leitungen, die Wasserwerke, die Kläranlagen: die kosten was. Und wer hat die bezahlt? Richtig: auch Sie. Schon lange. Trotzdem haben Sie – wie der Fall Delmenhorst jetzt zeigt – kein Grundrecht auf Wasser, das die Natur Ihnen schenkt.

Ähnlich ist es mit der Autobahnmaut. Sie haben die Autobahn gebaut, zahlen enorme Steuern (Benzinsteuern – bitte nicht vergessen: 64 Cent von jedem Euro gehen an den Staat … auch bei Geringverdienern, Arbeitslosen oder Rentnern) für Ihren Unterhalt und bekommen letztlich von Ihrem Minister eine Rechnung über 50 Milliarden, die nun für Reparaturen fehlen … obwohl die Groko die irrsinnige Summe von 265 Milliarden Euro unter anderem in Neubau von Autobahnen stecken möchte (siehe Spiegel), die nachher wieder Reparaturkosten verursachen. Würde ich so wirtschaften – ich wäre schon längst bankrott. Würde mein Finanzverwalter so wirtschaften – er wäre schon längst gefeuert. Wirtschaftet unsere Regierung so – erhöhen sich Abgeordnete die Diäten … inzwischen automatisch, weil das so angenehmer ist. Die Maut wird einer Betreibergesellschaft zugeführt, wodurch die Hoheit über die Autobahnen zentralisiert wird (oder soll ich: stalinisiert sagen?), die Länder bekommen dafür großzügige Geldgeschenke (siehe Berliner Zeitung) und wir saftige Rechnungen, denn: stetig steigende Maut ist eingeplant. Das ist vor allem schlimm für 40 Prozent der Bevölkerung, jenen Menschen, deren Nettoeinkommen real niedriger liegt als Mitte der neunziger Jahre (siehe Spiegel). Ist Ihnen klar, was das heißt – in einem Land, wo die Grundbedürfnisse … sogar das Wasser … nur gegen Geld zu haben ist? Nahrung, Wärme, Strom: alles nur gegen Bares. Essen wächst zwar nach wie vor umsonst, Sonne und Wind spenden Gratisenergie ohne Unterlass – aber einige wenige Räuber haben sich das Geschäft unter den Nagel gerissen.

Können Sie sich vorstellen, was mit diesen 40 Prozent geschieht (vor kurzem -also 2016 – waren es übrigens noch 33 Prozent: das „untere Drittel“, siehe Deutschlandradio), wenn der Trend so weitergeht? Ständig steigende Preise, Kosten, Steuern, Beiträge bei sinkendem Lohn – in einer Umwelt in der – ganz widernatürlich – nur noch Geld und nicht mehr Arbeit Zugang zu überlebenswichtigen Ressourcen sichert? Wie lange meinen Sie könnten Sie ohne Essen, Trinken und Wärme in den Straßen von Hannover überleben – nackt? Und zunehmend wird das ihre Realität, denn: sozialer Wohnungsbau ist eine aussterbende Angelegenheit. Vor allem die Begründung ist interessant: es gibt zu wenig Rendite und man kann die Mieten nicht schnell genug steigen lassen (siehe Spiegel). Wissen Sie, was das für eine Argumentation ist? Die von Feudalherren – oder von Sklaventreibern. Ja – Kapitalismus ist immer und überall die Reinkarnation der alten Sklavenhalterstaaten: viele arbeiten für fast nichts, damit wenige in Eselsmilch baden können: an diesem Prinzip hat sich nicht viel geändert, außer dass wir inzwischen ein paar Hofnarren des großen Geldes selbst mitbestimmen dürfen … also die Wahl zwischen Merkel und Schulz haben.

Irre, oder? „In vielen Unternehmen sind Mitarbeiter nur moderne Sklaven“ konnte ich kürzlich erst lesen (Magazin Bilanz auf Xing): und ich denke, Sie können das aus eigener Erfahrung bestätigen – oder? Ach, wollen wir mal nicht persönlich werden. Es ginge auch anders. Nehmen wir ruhig mal ein Wasserwerk. Was ist Sinn und Zweck dieser „Firma“? Wasser zur Verfügung stellen. Kommt das Wasser sauber aus dem Hahn, ist die Firma erfolgreich, die Investition sinnvoll und die Rendite gerecht. Wozu da noch irgendwelche hohen Tiere dazwischenschalten, die man zusätzlich noch auf hohem Niveau durchfüttern muss? Das kann man auch auf alle anderen Firmen übertragen, die Schuhe, Benzin, Äpfel oder Teppiche liefern. Das wäre eine gesunde Wirtschaft, doch unsere funktioniert zu einem anderen Zweck: um immer mehr Sklavenhalter auf hohem, arbeitsfreien Niveau durchzufüttern, damit die mit noch mehr luxuriösem Unfug die Umwelt noch weiter vernichten können. Hören Sie dazu mal den Soziologen Oliver Nachtwey (siehe Frankfurter Rundschau).

„Was gilt als Leistung in unserer Gesellschaft? Der Aufwand ist es offensichtlich nicht: Viele Menschen arbeiten hart, bekommen dafür aber wenig Anerkennung und insbesondere wenig Gehalt. Denken sie nur an Krankenschwestern oder Kindergärtnerinnen. Andere gelten als Leistungsträger, zum Beispiel Manager, vor allem weil sie viel verdienen. Und selbst bei objektiv schlechten Leistungen erhalten sie einen hohen Bonus, schließlich sind sie ja per Definition Leistungsträger. Der Begriff der Leistung hat heutzutage wenig mit Aufwand und viel mit Status und Macht zu tun. Zuweilen dient er dazu, andere gesellschaftliche Gruppen abzuwerten.“

Nehmen Sie ein aktuelles Beispiel – eins von vielen, in denen die dekadenten Sklavenhalter erfolgreiche Firmen ruinieren, um selbst dick abkassieren zu können: unser gutes, altes Langneseeis fällt dem gerade zum Opfer (siehe Spiegel):

„Die feindliche Übernahme hat Unilever abgewehrt, jetzt baut sich der Hersteller von Langnese-Eis komplett um. Sparten werden zusammengelegt, Jobs gestrichen, die Werbung gekürzt – profitieren sollen die Aktionäre.“

Aktionäre sind Leute die Geld in Firmen investieren. In der Werbung ist das der hart arbeitende Rentner, in der Realität sind das Banken und Versicherungen, die das künstlich neu gedruckte Geld in Billionnhöhe von dem Herrn Draghi zur Verwaltung fast geschenkt bekommen (da wurde nirgends hart gearbeitet, aber überall dick kassiert) und nun damit auf den Markt drängen, um damit noch mehr leistungslose Gewinne zu machen – auf Kosten der Warenqualität, der Arbeitsqualität und der Lebensqualität aller Bürger dieses Planeten. Solche Schmarotzer hätte man früher auf dem Dorf einfach enteignet … weshalb die auch diese dicken Burgen bauten, um sich vor den zornigen Bauern zu schützen und ihr Madenleben weiter genießen zu können.

Nur noch mal eine Zahl: der Schuldenstand der Welt stieg noch auf 215 Billionen Dollar – in Zahlen wären das 215 000 000 000 000. (siehe Handelsblatt auf Xing). Bei sieben Millarden Menschen wären das        31 000 Dollar pro Kopf – ein großer Teil davon entstand in den Industriestaaten durch die Rettung jener Banken, die nun unser Wirtschaftssystem wieder zu großen Raubangriffen einiger weniger auf das Vermögen der Mehrheit missbrauchen. Jene Banken, die schon mal fünf Milliarden irrtümlich falsch überweisen (hier mal die Staatsbank KfW, siehe Spiegel).

Da gäbe es für einen Schulz doch viel zu tun: den beständigen, rücksichtslosen Raubzug des Geldes durch die Wirtschaft hält eine Volkswirtschaft nicht ewig aus, wenn innerhalb eines Jahres aus dem unteren Drittel untere 40 Prozent werden, weiß man, wohin der Zug fährt: in den Abgrund.

Genozid ist Ihnen trotzdem noch ein zu hartes Wort?

Hinsetzen! Lesen Sie mal den Artikel aus der FAZ über die kollabierende Arbeiterklasse in den USA (siehe FAZ) und die neue Todesursache, die dort auftaucht:

„Die Weißen sterben demzufolge überproportional häufig an Ursachen, die Experten unter der Rubrik „Tod aus Hoffnungslosigkeit“ zusammenfassen. Zu dieser Kategorie gehören Selbstmord, Drogentod nach Überdosis oder an Krankheiten, die Alkoholmissbrauch folgen. Case und Deaton zufolge sinkt die Lebenserwartung der Gruppe seit dem Jahr 1999. Das ist eine dramatische Entwicklung angesichts der Tatsache, dass in nahezu allen Industrieländern über fast alle Bevölkerungsgruppen hinweg die Lebenserwartung stetig steigt.“

Und das ist unser wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Vorreiter. Verstehe auch, dass so viele Trump gewählt haben: alles ist besser als der Tod. Ist Ihnen das erstmal Tod genug?

Nun – in zehn Jahren werden wir uns wiedersprechen. Dann werden aus den unteren dreißig die unteren sechzig geworden sein – wenn „die Wirtschaft“ 18 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland durch Automaten ersetzt hat. Und wenn die Menschen ohne Arbeit dann keine Rendite mehr bringen – stellen wir denen das Wasser ab, verbieten ihnen den Zugang zu Straßen, schneiden sie komplett von der Geldversorgung ab… den Rest erledigt dann die Natur.

Ich bleibe mal dabei: ich nenne das einen schleichenden Genozid – auch wenn manch einem bei diesem Begriff die Stricknadel aus der Hand fällt.

Der Konsumzombie

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Sonntag, 30. 8. 2015. Eifel. Oft begegnen uns Begriffe, die regelmäßig Verwendung finden, doch nie näher erläutert werden. Einem dieser Begriffe wollen wir uns heute nähern, weil das Objekt, das mit ihm beschrieben wird, überaus gefährlich für den ganzen Planeten geworden ist. Gemeint ist der Konsumzombie, ein Geschöpf, das seit 65 Jahren zu beobachten ist und amerikanischen Labors der späten dreißiger und frühen vierziger Jahre entsprang. Doch wollen wir hier mal nicht vorgreifen und uns zuerst der Geschichte des Begriffs Zombie widmen.

Der Zombie – historisch

Zuerst trat der Zombie  in der Karibik auf – jedenfalls haben wir dorther die ersten Sichtungsberichte. Es handelte sich um tumbe Arbeitssklaven, um tote Menschen, durch hinterhältigen Zauber wieder zum Leben erweckt, die für ihren Meister zum Nulltarif auf den Feldern arbeiteten. Sie waren nicht sonderlich gefährlich, aßen eigentlich nichts, brauchten kaum Platz und waren auch sonst sehr genügsam. Sie neigten nie zu Aufständen noch griffen sie ihre Meister an, ihre intellektuelle Leistungsfähigkeit glich der eines gemeinen Kohlkopfes – und so wie er verbrachten sie auch den Tag, mit dem einen Unterschied, dass sie es noch schafften, die Felder umzugraben und andere einfach Aufgaben zu erfüllen. Geschaffen wurden sie durch Magie oder eine gefährliche Pilzmischung – da ist sich die Wissenschaft noch uneins.

1969 war dann das Geburtsjahr einer neuen Genertion von Zombies, die sich von den älteren Modellen vollständig unterschied. Äußerlich sahen viele von ihnen aus wie Leprakranke im Endstadium, viele befanden sich in Zuständen, die für einen normalen Menschen den sofortigen Tod bedeutet hätten – und doch bewegten sie sich weiter fort. Doch nicht nur um Aussehen unterschieden sie sich von dem älteren Modell, das höchsten mal unter Haltungsschwäche oder gebleichten Augen litt, auch ihr Verhalten war komplett anders. Sie waren zu keinerlei sinnvollen Tätigkeit mehr zu gebrauchen, gebaren sich dafür aber gegen Menschen außerordentlich aggressiv – in Form gezielter, andauernder kannibalistischer Angriffe. Gut, dass es sie nur in Filmen gab … obwohl uns einzelne Berichte aus den USA erreichten, dass gewisse Drogen zu ähnlichem Verhalten führte, doch hier ist die Datenlage noch äußerst gering. Wie so oft scheint es hier, dass die Visionsindustrie der Wirklichkeit ein wenig voraus war.

Wir mussten uns mit den historischen Bildern des Zombies beschäftigen, um uns dem letzten Zombie, der aktuellsten Variante, dem Konumzombie, verständlich zuwenden zu können, der – anders als die anderen – alles andere als harmlos ist.

Der Konsumzombie trat zuerst in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts auf,  jedoch erstmal nur – wie der kannibalische Zombie – auf den Leinwänden, gezielt in sogenannten „Werbespots“. Dort wurde er als ein Wesen dargestellt, dessen einziger beglückender Lebenssinn der Kauf von Produkten war. Anders als bei seinen Vorgängern können wir bei ihm deutlich sagen, wie er geschaffen wurde – nicht durch Magie, Pilze, einen Virus, dämonische Besessenheit oder außerirdische Genmanipulation, sondern durch ein Bündnis von Politikern, Militärs und Wissenschaftlern – Bündnissen, denen man schon immer zurecht das Schlimmste zutraute. Frank Schirrmacher beschrieb dies in seinem Buch Ego, auf das wir hier zum Zwecke des Nachlesens verweisen wollen. In der Tat dauerte es vierzig Jahre, bis die permanente Bestrahlung durch einfache Werbespots den erwünschten Erfolg hatte – weshalb wir den Konsumzombie auch zeitlich hinter den kannibalistischen Zombie verorten wollen, zu dessen Zeiten der Bürger noch zu Studentenrevolten in der Lage war. Anfang der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts jedoch folgte – wie bekannt – die weltweit um sich greifende Epedemie – der Konsumzombie eroberte Städte, Länder Kontinente. Verlassen wir nun den historischen Umriss des Themas und wenden uns der konkreten Beschreibung des Studienobjektes zu, dass von allen bekannten Zombiearten die Gefährlichste ist und in ihrem Verhalten apokalyptische Zukunftsvisionen denkbar werden läßt.

Der Konsumzombie – Aussehen und Verhalten

Wenn sich eins positiv über den Konsumzombie sagen läßt, dann ist es: er sieht von allen am Besten aus, unterscheidet sich nur gering von dem Auftreten natürlicher Menschen, viele Exemplare neigen sogar zu einer übertriebenen Pflege ihres Äußeren, um der inneren Verrottung entgegen zu wirken. Auch seine Leistungsfähigkeit ist für einen Zombie überdurchschnittlich: der Konsumzombie kann Maschinen bedienen, Dinge gezielt von A nach B befördern und verfügt über rudimentäre Reste der menschlichen Sprache, die er allerdings kaum noch zur Kommunikation gebraucht. Eher werden bei Begegnungen stereotype Laute ausgestauscht, so als ob sich der Konsumzombie noch daran erinnert, wozu früher die Begegnung von Menschen diente und dies instinktiv nachäfft.

Es gibt jedoch Ähnlichkeiten mit dem karibischen und dem kannibalischen Zombie, so dass der Kosumzombie seine eigentliche Herkunft nicht ganz verleugnen kann. Im Arbeitsverhalten gleicht er dem karibischen Modell, widerspruchslos erledigt er jede Art von stumpfsinniger Arbeit – auch schriftliche, ist also zu höherem Arbeitsniveau fähig. Immer braucht er einen „Chef“, einen Rudelführer, ohne den er völlig handlungsunfähig zu sein scheint. Das stumpfe Glotzen des karibischen Modells erscheint unter anderm, wenn höhere, nicht mehr vorhanden Denkkategorien gefordert sind, er zum Beispiel mit Begriffen wie „Freiheit“, „Frieden“, „Gerechtigkeit“, „Sicherheit“ oder „Mitleid“ konfrontiert wird. Darauf angesprochen, hört man oft keine Antworten oder es folgt eine unsinnige, sinnlose Aneinanderreihung von Worten, die oft mit großer Erregung ausgestoßen werden.

In seinem Verhalten gleicht der Konsumzombie jedoch mehr dem kannibalistischen Modell: er ist außerordentlich aggressiv gegen menschliche Wesen und auch – eine weitere erstaunliche Besonderheit – gegen die eigene Art. Auch der Begriff „Kannibalismus“ kann hier zum Tragen kommen, da der Kosumzombie keinerlei Hemmungen hat, seine Mitmenschen sämtlicher Lebensenergie zu berauben, die sich in seinem natürlichem Umfeld fast vollständig in „Geld“ ausdrückt. Anders als der kannibalistische Zombie findet er jedoch kein Ende, kein Halten. In der Verzehrung der Welt, in ihrem hemmungslosem Verbrauch schreitet er während seines ganzen Lebens immer weiter fort – und ist so die gefräßigste Art von allen.

Sein natürliches Lebensumfeld ist die Stadt, möglichst große, möglichst leblose Betonmassen finden seine Zustimmung, dort, im Gewimmel der Massen fühlt er sich wohl. Bekommt er viel Beute, zieht er sich im Laufe der Zeit gerne an den Rand der Stadt zurück, wo er sich einen künstlichen Hügel baut, in dem er alles verstaut, was er an sinnlosen Dingen angehäuft hat. Dort hat er auch gerne Rasen um sich herum, fein zurechtgestutzt, möglichst monoton in der Gestaltung, die regelmäßige Züchtigung des Rasens mittels lautstarkem brutalem Gerät ist ihm eine große Freude – doch nicht nur dort.

Um von A nach B zu gelangen hat er eine ganze Reihe lautstarker Maschinen angeschafft, die jegliche nachdenklich machende Stille aus seiner Existenz verbannt. Hier wird ein Überleben rudimentärer Hirnfunktionen zum Fluch: die schreckliche Stille im Inneren wird als unerträglich wahrgenommen und beständig übertönt durch Lärm im Außen, der in jeder Form – aber besonders gerne im Verkehr – zum Einsatz kommt. Der Traum des Konsumzombies ist eine von Rennstrecken durchzogene Welt, auf der er nach Herzenslust hin- und herfahren kann.

Die Aggressivität gegen menschliche Wesen äußerst sich nur selten in direkten Angriffen, der Konsumzombie ist eher Sammler als Jäger, eher Fallensteller als Krieger: erkennt er Wesen als feindlich an – also so ziemlich alles, was sein gedankliches Fassungsvermögen übersteigt – so verwehrt er ihnen lieber den Zugang zur Wasserstelle als sie im Kampf zu überwältigen. In seinem Willen jedoch ist er völlig vernichtend – der Tod einer halben Million unschuldiger Kinder zur Rettung seiner Lebensweise kommt ihm sehr gelegen … bzw. läßt ihn völlig kalt.

Während der Zerfall des kannibalistischen Zombies äußerlich deutlich zu erkennen ist, findet der Zerfall des Konsumzombies vor allem innerlich statt. Gleicht er äußerlich dem normalen Menschen sehr, ist er innerlich völlig verroht und verrottet, sämtliche menschlichen Wesenszüge sind erloschen zugunsten einer unermesslichen und nie zu befriedigenden Gier nach dem Verbrauch (dem Konsum) der Welt, einer Gier, die letztlich die vollständige Vernichtung der natürlichen Lebensräume aller irdischen Arten zur Folge haben wird … und zwar schon in siebenhundert Jahren, wenn zum Beispiel in Deutschland unter Beibehaltung der momentanen Landschaftsvernichtungsgeschwindigkeit jeglicher Boden zubetoniert wurde, um Platz für Höhlen und Maschinen der Konsumzombies zu schaffen. Der Konsumzombie ist die gefährlichste, vernichtendste Art, die je auf der Erde wandelte, selbst gefrässigste Raubtiere kommen seinem Vernichtungswahn nicht annähernd nahe – noch erreichen sie auch nur annähernd die Dimensionen der Vernichtung, in denen der Konsumzombie Jahr für Jahr neue Rekorde aufstellt.

Der Konsumzombie im Alltag

Zum besseren Verständnis des Forschungsobjekt wollen wir mal einen Blick auf den normalen Tagesablauf des Konsumzombies werfen. Der Tag beginnt für ihn nicht wie für normale menschliche Wesen, er liebt es, von seinen Maschinen aus dem Schaf gerissen zu werden. Er steht auf aus einem Bett, das ihm die Werbung vorschrieb, vollzieht Rituale im Bad, die ihm die Werbung vorschrieb, geht in die Küche, die ihm von der Werbung gestaltet wurde um dort denaturierte, von der Werbung befohlene Nahrung zu sich zu nehmen, die diejenigen Funktionen seines Körpers funktionieren lassen, die noch nicht abgestorben sind. Während des Morgenrituals empfängt der Konsumzombie beständig weitere Befehle aus Radio und/oder TV-Empfangsgeräten, ein kommunikative Chaos, das in ihm das Gefühl von Lebendigkeit entstehen läßt. Im Anschluß an dieses – jahrzehntelang gleiches – Ritual begibt sich das Objekt in seine Transportmaschine, um mit viel Krach und Gestank den Weg zum Platz des Arbeitsrituals zurück zu legen. Das Arbeitsritual wird ebenfalls von Maschinen geprägt, mehr als acht Stunden lang täglich (also doppelt soviel, wie für normale, geistig aktive Menschen im schöpferischen Lebensplan der Natur vorgesehen) läßt sich der Konsumzombie von seinen Maschinen beschäftigen, bis er gegen Abend wieder in sein trautes Heim zurückkehrt.

Dort verbringt er dann die restlichen Stunden des Tages vor einer Informationsmaschine, die ihm kontinuierlich weitere Konsumbefehle eingibt, die unser Objekt speichert und am Wochenende – seltener auch mal am Ende eines Arbeitstages – ausführt. Manchmal – wenn auch immer seltener – hat das Zombiemännchen auch ein Zombieweibchen, dass den Konsum für ihn erledigt, während er das stupide Arbeitsritual durchführt.

Geistig gesehen ist der Konsumzombie so inaktiv wie seine Vorgänger. Zwar ist er in der Lage, grobe Entscheidungen zu fällen, doch ist er schnell von jeder Art komplexerer Problemstellung überfordert, die mehr verlangt als ein „dafür“ oder „dagegen“. Jede Form des Diskurses, der produktiven Diskussion ist ihm unmöglich, Formen konstruktiver Problemlösung völlig fremd. Schwarz und weiß, gut und böse, an und aus – das sind Kategorien, die er bewältigen kann – wird es schwieriger, treten verschiedene Symptome der Überforderung auf – bis hin zu Gewaltausbrüchen, psychotischen Schüben oder völliger Stagnation.

Der Konsumzombie in Staat und Gesellschaft

Auch wenn der Konsumzombie im Alltag ein stupider Einzelgänger ist, der mit anderen lediglich in Form von standardisierten Ritualen über Wetter, Urlaub, Fussball und Allgemeinbefinden kommuniziert, so ist er in der Gruppe ein Herdentier, dass weitgehend standartisierte Kleidung und einheitliches Freizeitverhalten bevorzugt. Er ist sogar in demokratischen Gesellschaftsformen überlebensfähig – allerdings nur sehr unwillig, da er zur politischen Willensbildung nicht in der Lage ist. So erscheint sein Verhalten oft äußert paradox: hungern viele Millionen Menschen im Inland, so trachtet er, ihnen den lebensnotwendigen Rest an Versorgung ebenfalls abzuschneiden, weil sie ihm viel zu teuer sind. Strömen jedoch aus dem Ausland – aus den von seiner Kultur verheerten Ländern – Millionen von Flüchtlinge zu, so begrüßt er sie – so lange es vom Chef angeordnet wird – mit großer Freude und Begeisterung, ohne an die Kosten zu denken, die diese genauso wie seine notleidenden Mitmenschen im Inland verursachen. Verrecken jedoch noch mehr Millionen in ihren Heimatländern, so interessiert es ihn überhaupt nicht, eben so wenig ist er in der Lage, zu begreifen, dass es seine Maschinen sind, die das Elend überhaupt erst verursacht haben.

Politisch gesehen funktioniert er wie eine Maschine, kreuzt bei jeder Wahl das Gleiche an und hebelt so die Demokratie an ihren Grundfesten aus – sehr zur Freude seiner Meister, ohne die er – wie der karibische Zombie – völlig unfähig zur Gestaltung seines Lebens wäre. Zentrale soziale Grundwerte menschlichen Lebens gelten ihm als „Sozialromantik“, da er sie überhaupt nicht mehr begreifen oder verstehen kann, natürliche Werte wie Solidarität, Nächstenliebe, Mitleid sind ihm fremd wie die Fähigkeit zur Empathie – und hier gleicht er im Sozialverhalen völlig dem kannibalistischen Zombie.

Der Konsumzombie und die natürliche Umwelt

Während der karibische Zombie sich problemlos in die natürliche Umwelt einfügen läßt, der kannibalistische Zombie ausschließlich für menschliche Lebenswelten eine Gefahr darstellt ist der Konsumzombie die apokalyptische Bedrohung des 21. Jahrhunderts. Er entpuppt sich als wahrer Müllweltmeister und findet großen Gefallen daran, drei mal im Jahr in den „Urlaub“ zu fliegen um auch in fremden Ländern die gleichen Verheerungen wie in seinem natürlichen Lebensumfeld zu hinterlassen. Seine Maschinen sind Sondermüll auf vier Rädern, Sondermüll mit Flügeln oder Sondermüll mit großem Energieverbrauch, er frißt sich zwar nicht durch die Menschheit aber dafür durch sämtliche Arten seines natürlichen Lebensumfeldes. Seit seinem Auftritt sind ein großer Teil der Arten – sei es Tier oder Pflanze – ausgestorben oder akut vom Aussterben bedroht, die schier endlos erscheinenden Meere hoffnungslos verseucht, weite Flächen fruchtbaren Ackerlandes mit Müll zubetoniert, verödet oder ganz vergiftet, einst blühende Landschaften durch Trassen für Reisemaschinen sinnlos filetiert und zerschnitten, um die ständig wachsenen Megastädte, die sein natürliches Lebensumfeld bilden, miteinander zu verbinden. Seiner unermesslichen Verbrauchs – bzw. Vernichtungsgier sind inzwischen so viel Rohstoffe zum Opfer gefallen, dass sogar der Sand knapp wird.

Wir wissen, was aus der Erde wird, wenn es der Menschheit nicht gelingt, der Plage Herr zu werden: die Erde wird ein Spiegelbild des Mars werden, eine endlose, verdorrte, lebensfeindliche Wüste. Schon jetzt sind 35 Prozent der Landoberfläche Wüste – und jedes Jahr wird Fläche in der Größenordnung von Irland zusätzlich in Wüste verwandelt – von jenen Flächen, die zusätzlich zubetoniert werden, einmal ganz abgesehen. Die Ursachen der Verwüstung der natürlichen Lebensumwelt liegen einzig und allein in der Gier des Konsumzombies begründet: seine Verschwendung von Wasser, Wald, Pflanzen und Ackerboden vernichtet die Lebensgrundlage aller Lebewesen dieses Planeten.

Der Konsumzombie und die Zukunft

Die Zukunft sieht düster aus, auch wenn der Konsumzombie aufgrund seiner passiven Lebensweise kaum in der Lage ist, sich adäquat fortzupflanzen, also kaum Nachkommen zeugt, so werden durch gezielte Bestrahlung der Bevölkerung auch in Schwellen- und Entwicklungsländern stets neue Generationen erschaffen, die die ausgelöschten älteren Exemplare ersetzen. Wird er nicht aufgehalten, so ist die endgültige Verwüstung des Planeten innerhalb weniger Jahrzehnte nicht mehr aufzuhalten. Die einzige Hoffnung, die besteht, sind in Versuchen zu erkennen, die so degenerierten Lebensformen durch andersartige Bestrahlung zurück zu verwandeln, durch Werbespotts, die Lustgewinn durch aktives Mitleid, durch Empathie, Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft gegenüber den armen, alten, kranken und einsamen Menschen predigen anstatt Lustgewinn durch weitere Verwandlung natürlicher Ressourcen in hochgiftigen Sondermüll zu propagieren. Hier jedoch ist die Mitarbeit der Meister der Konsumzombies gefordert, jener hochkarätigen Köpfe in Militär und Wissenschaft, die ihn in den fünfziger Jahren geschaffen haben.

Von deren Kooperationsbereitschaft ist aktuell nichts wahr zu nehmen. Nicht auszuschließen ist, dass die Meister der Maschinen inzwischen selbst infiziert und somit zu eigenmächtigen Entscheidungen aufgrund differenzierten Denkens nicht mehr in der Lage sind.

Das wäre dann fatal.

 

 

 

 

 

 

 

 

Platsch

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Vogelkneipe

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© Werner Menne

Gorch Fock von hinten

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© Karsten Jaenecke

Eingefroren

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© Werner Menne

Wasserdingens

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© Werner Menne

Nasses Autot mit Blatt

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© Werner Menne

Armageddon am Sonntag: der Weltkrieg der Seelenlosen

Armageddon am Sonntag: der Weltkrieg der Seelenlosen

Sonntag. 16.3.2014. Eifel. Schöner Sonntag, oder? Man kann ausschlafen, in Ruhe frühstücken, bevor eine Zeitspanne unsäglicher Langeweile beginnt – jedenfalls für vielen, wenn wir Sybille Berg folgen wollen, die sich im Spiegel ausführlich über die Nöte der Wohlstandsbarbaren am Sonntag ausgelassen hat. Wäre früher undenkbar gewesen: man war heilfroh, dass die Kirche Adel und Wirtschaft den Sonntag als Feiertag abgetrotzt hatte: endlich ein Tag ohne Arbeit!

Warum wir ihn heute nicht mehr so genießen können? Nun – das ist einfach zu beantworten: wir arbeiten gar nicht mehr. Jedenfalls erledigen wir keine Arbeiten mehr, wie wir seit Anbeginn der Menschheit erledigt hatten: wir kultivierten Umweld, sorgten uns um das Gemeinwesen, schufen im Sinne eines ewigen Friedens Gerechtigkeit – so gut es uns möglich war und planten weise und langfristig unsere Zukunft.

Heute leben wir anders: die Quartalszahlen der Konzerne bestimmen unser Wohlbefinden, täglich mahnt die Börse und ruft zur Pflege des Kapitalismus auf, stündlich berichten Nachrichten über den großen Erfolgszug des Kapitalismus gegen eine böse, dumme, hinterhältige und gemeine Umwelt, die überall … von Ägypten über Syrien bis zur Ukraine … Scharfschützen auf dem Dach hat.

Wissen Sie, was der große General Douglas Mac Arthur am 2.9.1945 gesagt hat?

„Wir hatten unsere letzte Chance. Wenn wir kein besseres oder gerechteres System schaffen können, wie das Armageddon vor unserer Tür stehen“.

Nun – die Chance haben wir verpasst. Gründlich. Geht nur ein wenig fehl, stehen wir – trotz „Demokratie“ und aller angeblichen Bemühungen um „Frieden“ – wieder vor einem Weltenbrand … dem mutmaßlich letzten der Menschheitsgeschichte. Sicher, es wäre sehr unvernünftig, einen Krieg mit Russland vom Zaun zu brechen, wenn China sich Russland anschließt … aber wo regiert im Reich der Politik und Wirtschaft, im Reich von Macht und Gier, schon Vernunft?

Während sich andere blasiert über ihre unglaublichen Leiden am Sonntag echauffieren, geht das Armageddon Tag für Tag weiter. Wir werden nur nicht beständig darüber informiert – das könnte die Geschäfte stören.

In den letzten vierundzwanzig Stunden sind auf unserem Planeten 80000 Hektar Regenwald zerstört worden. Volle 13000 Tonnen giftiger Chemikalien wurden in unsere Umwelt entlassen. Mehr als 45 000 Menschen sind verhungert, davon 38000 Kinder. Und mehr als 130 Pflanzen- oder Tierarten sind durch menschliches Handeln ausgelöscht worden. (Ein Artensterben von diesen Ausmaßen fand zuletzt beim Untergang der Dinosaurier statt).

(Aus: Thom Hartmann, Unser ausgebrannter Planet, Riemann Verlag, 2000, Seite 23 – dort findet sich auch des Zitat des erfolgreichen Pazifikkriegers).

Ein ganz normaler Sonntag.

Nun, das Buch ist ja alt. Sicher haben Politik und Wirtschaft seitdem viel getan, denkt man sich: dafür werden die ja auch fürstlich bezahlt. Außerdem ist das ja auch alles weit weg – wir haben in Deutschland keinen Regenwald.

Nun – schauen wir einfach mal nach. Direkt vor Ort: Umweltbericht der Landesregierung NRW von 2013 … direkt vor meiner Tür:

Das Artensterben schreitet auch in NRW voran. Nach dem jüngsten Umweltbericht der Landesregierung ist die Zahl der ausgestorbenen oder verschollenen Arten in Nordrhein-Westfalen so hoch wie nie und liegt inzwischen bei über neun Prozent. 1979 waren es bereits fünf Prozent. Insgesamt sind nach der jüngsten Roten Liste etwa 45 Prozent der beobachteten Arten gefährdet, vom Aussterben bedroht oder ausgestorben.

Wer Zahlen mag: das ist ein Anstieg der Vernichtungsquote von 900 % in nur 35 Jahren.

Geht aber nicht nur um Tiere. Es geht auch um Wasser:

In NRW verschwinden täglich rund zehn Hektar Natur durch Bebauung. Der Trend zum Flächenverbrauch ist zwar rückläufig, trotzdem ist der Verlust von Freiflächen zu Gunsten von Siedlungs- und Verkehrsflächen weiterhin zu hoch.

Klar, das wissen wir schon lange. Sofortiger weltweiter Baustopp wäre angesagt – erst recht dort, wo noch wertvolle Ackerfläche liegt … oder wertvolles Grundwasser.

Die Fließgewässer in Nordrhein-Westfalen sind zum Großteil weiterhin nicht in einem ökologisch guten Zustand. Demnach verfügen lediglich acht Prozent der untersuchten 13.750 Gewässerkilometer in NRW über ein intaktes Ökosystem. 92 Prozent sind in einem mäßigen bis schlechten ökologischen Zustand.

Beim Grundwasser gibt es auch keine Entwarnung.

Nach der aktuellen Bestandsanalyse sind rund 40 Prozent der Grundwasserkörper in NRW wegen hoher Nitratbelastungen derzeit nicht in einem guten chemischen Zustand. Seit 1990 gibt es keine nennenswerten Verbesserungen.

Klar, es gibt auch Erfolgsmeldungen – aber die stehen in keinem Vergleich zum laufenden Armageddon. Nur 8 Prozent der Fließgewässer sind noch intakt.

Eigentlich müßte das Volk Amok laufen: es ist dem Untergang geweiht.

Was gab es gestern in der Tagesschau? Sandstürme in Deutschland:

Sandstürme haben am Sonnabend in Mecklenburg-Vorpommern örtlich den Verkehr behindert. Nach der langen Trockenheit trugen starke Windböen infolge eines Wetterumschwungs an mehreren Stellen im Land Boden und Sand von den ausgedörrten Äckern und Feldern auf die Fahrbahnen.

So fängt es an. Stürme fegen die hauchdünne fruchtbare Oberfläche fort – dann folgt die Wüste. Mitten in Deutschland.

Die Frage ist: warum ist das so? Darüber wird viel diskutiert.

Eigentlich ist jede Diskusstion überflüssig – auch wenn das jetzt den normalen Akademikern zuwider ist: es wäre Zeit, Taten folgen zu lassen. Dafür bezahlen wir ja Regierungen – eigentlich.

In Wirklichkeit bezahlen wir die für nichts. Man sollte eine Institution schaffen, die „Eingliederungsvereinbarungen“ für Regierungen schafft: bekommt ihr Hungertote, Kriegsgefahr und Umweltapokalypse nicht in einem Jahr in den Griff, werden die Diäten und Alimente gekürzt. Pro Jahr um 30%. Oder pro Quartal? Bei Arbeitslosen soll diese Methode wahre Wunder wirken, sagt die Regierung.

Die Ursache der Misere?

Ghandi hat da mal einen Tip gegeben: Die Natur hat genug, um uns alle zu ernähren, aber nicht genug, um die Gier weniger zu stillen. (Jugendrotkreuz.at).

Ja – Gier. Gier nach MEHR, IMMER MEHR UND NOCHMAL: MEHR.

Die Philosophie des weißen Mannes … nicht, wie oft von weißen Umweltschützern so gern erwähnt, die Gier des Menschen an sich. Überhaupt: wir reden nicht gerne über diese Täter. Wer ist schon gegen Sklaverei, wenn er zu den Haltern gehört. Die Tatsache, dass unsere Armen nicht nackt und hungernd auf der Straße liegen, hat nur damit zu tun, dass wir unsere Preise auf dem Rücken farbiger Untermenschen (momentan: hauptsächlich gelbe) niedrig halten. T-Shirt, Jeans, Turnschuhe – sogar unnötiger Nippes wird mit viel Arbeitsaufwand zu ganz ganz wenig Geld weit weg von hier gefertigt. Toller Trick: so machen wir unsere Armen auch zu Tätern, auf die wir immer wieder fein mit dem Finger zeigen können: „Huch, seht mal: die kaufen bei Kik. Nein, was für Unterdrücker!“.

Die Kritiker selbst sieht man häufiger auf der Kö in Düsseldorf.

Schön blöd, oder?

Das ist Absicht, meint jedenfalls Peter Scholl-Latour, ein Mensch, der in den Folterkellern der Gestapo die Abgründe menschlichen Seins erleben durfte, siehe Heise:

Wir leben in einem Zeitalter der Massenverblödung, besonders der medialen Massenverblödung.

Wenn Sie sich einmal anschauen, wie einseitig die hiesigen Medien, von TAZ bis Welt, über die Ereignisse in der Ukraine berichten, dann kann man wirklich von einer Desinformation im großen Stil berichten, flankiert von den technischen Möglichkeiten des digitalen Zeitalters, dann kann man nur feststellen, die Globalisierung hat in der Medienwelt zu einer betrüblichen Provinzialisierung geführt. Ähnliches fand und findet ja bezüglich Syrien und anderen Krisenherden statt.

Nur – gerade diese Massenverblödung schützt uns vor dem kollektiven Amoklauf, der folgen würde, wenn wir merken würden, dass unser Schiff mit rasender Geschwindigkeit sinkt.

Die Kultur des weißen Mannes ist eine Kultur der Gier – vom Milliardär bis zu Hartz IV: überall hört man das gleiche Geschrei nach MEHR, IMMER MEHR UND NOCHMAL MEHR.

Wir verhalten uns wie kranke Psychpathen, die im Rausche der Völlerei im Oktober den Kornspeicher leerfressen, der sie über den Winter bringen sollte – und währenddessen lassen wir uns dazu verführen, ein absurdes Spiel „Gut“ gegen „Böse“ zu spielen, so als ob gerade wir die weiße Weste hätten. Dafür reicht ein Blick in den Spiegel von heute: Krim – alles Mafiosi (Spiegel), Venezuela – alles Mörder (Spiegel), Paris, London, Peking – tödlich verseucht (Spiegel) … nur der Deutsche, der ist weise und gut und hat den vollen Durchblick (ebenfalls: Spiegel):

Das umstrittene Referendum auf der Krim findet offenbar regen Zulauf, viele der 1,5 Millionen Wahlberechtigten sollen bereits abgestimmt haben. Außenminister Steinmeier spricht in einem Zeitungsinterview von einer „brandgefährlichen Lage“.

In der Tat: eine gefährliche Lage. Die Hälfte der Wahlberechtigten hatte ihre Stimme schon im ersten Drittel des Tages abgegeben: sowiel Demokratie ist für Sozialdemokraten wirklich brandgefährlich. Hier ist dringend ein Anschluß an die Massenverblödung der EU erforderlich, damit auch deren Sonntage unerträglich öde werden.

Lauschen wir nochmal Sybille Berg, die uns ausführlich über ihren Sonntag berichtet hatte:

Wo bist du am Sonntag, wenn die Welt um dich mit sich beschäftigt ist, die Geräte schlafen, keiner dich treibt, dich braucht und du allein bist. Mit dir. Etwas Unbekanntem.

 

So läufst du herum, sprichst mit dem Gestühl, alle schweigen, keiner mag dich. Und du denkst an damals, als du zum ersten Mal erkanntest, dass du keine Seele hast.

Ja – das ist es doch! Das erkärt alles!

Der weiße Mann hat keine Seele mehr.

Darum wirkt Verblödungsfunk so gut – und darum ändert sich auch nichts am laufenden Armageddon. Im Gegenteil: die Seelenlosen, die schon Pflanzen, Wasser, Tier und Luft vernichten, wollen genau das! Wenn kein Leben in ihnen ist – dann soll es auch nirgendwo anders sein.

Und wenn ihr eigenes Land voller Morde, Mafia und Seuchen ist, dann darf es den anderen auch nicht besser gehen.

Wir hatten unsere letzte Chance.

Jetzt haben wir Armageddon – übrigens auch symbolisch, wie der Papst selbst kürzlich erfahren musste, siehe Süddeutsche vom 27.1.2014:

Als Papst Franziskus zwei weiße Tauben aus dem Fenster des Apostolischen Palastes fliegen ließ, war das als Zeichen des Friedens gedacht. Doch die Tiere kamen nur wenige Meter weit, bevor sie von zwei anderen Vögeln heftig attackiert wurden.

Der Frieden komme dieses Jahr nur ein paar Meter weit.

Einen Monat später … wäre fast Weltkrieg gewesen.

Aber den brauchen wir eigentlich nicht mehr, der läuft auch schon so – seit vielen Jahren: der Weltkrieg der Seelelosen gegen alles Lebendige.

Wird der jetzt auch noch zum heißen Krieg um die Krim oder die Ukraine, dann bekommt der seelenlose weiße Mann nur mal wieder eine Portion seiner eigenen Medizin zu spüren, die jetzt gerade die Welt verzehrt.

 

 

Vom Vizepräsident der Citibank zum geläuterten Mann

„Thinking Vegan“-Interview mit Philip Wollen und anschließendem Video (Unterhalb vom Text)

 

(Übersetzung: Heike Maria Struwe)

„Philip Wollen“ war der Vizepräsident der Citibank. Heute ist er Philantrop, steht zu allen Lebewesen und setzt sich für die Erde ein.

 

Wie bist Du zum Veganismus gekommen, was hat Dich aufgeweckt?

 

Ich kam in die vegane Welt aus der fleischessenden Welt der beendeten Ignoranz. Wer hätte gedacht, dass der Blitz einschlagen würde? Ich war Investmentbanker, spezialisiert auf Unternehmensfinanzierung, Fusionen und Übernahmen. Ich erhielt einen Auftrag von einem Großkonzern und besuchte dessen verschiedene Betriebe, von denen sich einer als ein Schlachthof herausstellte. Es war die schockierendste, schrecklichste und gewaltsamste Erfahrung meines Lebens. Es war der handfeste Beweis für das erbärmliche Versagen des Menschen, Empathie für das Leiden anderer Lebewesen zu entwickeln. Ich glaube, ich verstehe jetzt, was Hannah Arendt in ihrem Werk „Eichmann in Jerusalem“ meinte, wo sie den Begriff „die Banalität des Bösen“ ins Leben rief.

Der schiere Horror an diesem Morgen berührte mich tief. Ich begann, jeden alltäglichen Teil des Alltagslebens durch das Prisma der Grausamkeit gegen Tiere zu sehen. An einem gut besuchten Restaurant vorbeizugehen, und zu wissen, dass es eine Ansammlung von mörderischen Kaufgelegenheiten verbarg. Eine attraktive Frau in einem Ballettheater zu sehen und abgestoßen zu sein beim Anblick ihres Pelzmantels. Zu wissen, dass jede Metzgerei eine Verkaufsstelle für Körperteile von Mordopfern ist; jede Fast-Food-Kette wurde in meinem Geist zu einem gastronomischen Tabakhändler mit dem gleichen tödlichen Resultat.

Ich denke also, der Schlachthof meines Kunden machte mich vom Fleck weg zum Vegetarier. Der Gedanke, dass Milchbetriebe ein genauso elender Gulag für Tiere sind, kam mir nicht. Erst als ich das Gemetzel bei Kälbern sah, die künstliche Befruchtung von Kühen, das Wegnehmen winziger Kälber von ihren Müttern, das gewaltsame Töten ‚unrentabler‘ Kälber, wurden Milchprodukte zu einer weiteren Grausamkeit auf der Liste.

 

Wie lange dauerte es von diesem Moment der Erkenntnis bis zur Veränderung?

 

Eine Nanosekunde. Sobald der Groschen gefallen war, gab es kein Zurück mehr. Es war ein so blendender Blick auf das Offensichtliche.

 

Was hat sich seit dieser Entscheidung in Deinem Leben geändert?

 

Die wichtigste Veränderung ist, wie ich mich selbst sehe; morgens mit einem reinen Gewissen in den Spiegel schauen zu können. Ich fühle mich involvierter, mehr mit allem verbunden, geerdeter, sensitiver, und lebendiger. Auf einer weiteren Ebene fühle ich mich gesünder, faszinierter von der Welt der Natur, und verantwortlicher für den Schutz machtloser, kostbarer Wesen.

 

Wie bist Du vom vegan-sein dazu gekommen, im Namen der Tiere zu sprechen?

 

Paradoxerweise war ich immer ein sehr zurückhaltender Mensch. Ich schätzte immer den preußischen Genaral Moltke, ein Mann, der angeblich das Denken dem Sprechen vorzog, ein Mann, der in 7 Sprachen still sein konnte. Rupert Murdochs Zeitung beschrieb mich einmal als scheu. Und in gewisser Weise ist das wahr. Ich nahm die Einladung zu einer Debatte über die Tierprodukte-Industrie an, weil die Grausamkeit, die sie den Machtlosen zufügen, so ungeheuerlich ist, dass ich sie nicht unbeantwortet lassen konnte. Fast alles, was die Fleischindustrie uns ins kollektive Bewusstsein eingehämmert hat, ist eine Lüge. Schlicht und einfach. Reine Lügen. Die Welt schreit nach nur zwei Dingen. Führung. Und die Wahrheit. Ich habe nicht den Wunsch, irgend jemanden zu führen. Aber ich bin bereit, die Wahrheit auszusprechen.

 

Bitte erzähle uns vom Kindness Trust [Philips Organisation]. Wie begann es und was ist seine Mission?

 

Nach meiner Erfahrung im Schlachthof steckte ich all meine Energie hinein, so viel wie möglich über die Not der Tiere zu lernen. Fleisch, Milchprodukte, Jagd, Tierversuche, Mode, Welpenfabriken, Fischerei, Haustiere, Shark Finning [das Abschneiden der Flossen vom Körper eines Hais, um zB Haifischflossensuppe daraus zu machen; die Haie werden anschließend zum Sterben ins Meer zurückgeworfen], eingesperrte Vögel, Aquakultur, Leder, Zirkusse, Hundekampf, Pferderennen, um ein paar zu nennen. Die abscheuliche Grausamkeit des Menschen betraf das gesamte Reich der Tiere. Genau genommen konnte ich keine einzige Spezies finden, die nicht durch den Menschen missbraucht worden war. Nicht eine einzige. Auch konnte ich keinen einzigen Lebensraum finden, der nicht von menschlichen Eingriffen betroffen war.

Als ich den Horror erst einmal begriffen hatte, war meine Entscheidung unausweichlich. Ich würde ein Aktivist für soziale Gerechtigkeit werden. Ich entschloss mich, alles was ich besaß, mit noch warmen Händen [also: noch zu Lebzeiten] wegzugeben. Und bankrott zu sterben. Und ich gebe zu, bis jetzt bin ich absolut im Budget!

Ich wollte anonym sein. Deshalb kreierte ich den Namen „Kindness“, um meine Identität zu verbergen. Als die Veranstaltungen stattfanden, war meine Deckung aufgeflogen, und nun bin ich sichtbarer, als ich wollte. Wir werden als „Unternehmens-Anleger für wohltätige Dinge“ gesehen. Gerade im Moment unterstützen wir Hunderte von Projekten für Kinder, Tiere, die Umwelt, aufstrebende Jugendliche und für unheilbar Kranke. Die Projekte sind im allgemeinen in Ländern, in denen ich das größte Resultat erhalte. In gewisser Weise messe ich unbewusst, wieviel ich zurückerhalte von den investierten Mitteln, indem ich die Zahl der geretteten Leben in Vergleich setze zu dem eingesetzten Kapital. Darüber hinaus haben Tierrechte in den meisten Entwicklungsländern eine niedrige Priorität. Selbst dort, wo es eine gut etablierte Tradition des Mitgefühls Tieren gegenüber und einen gut gebildeten Kader von Tierrechtsaktivisten gibt wie zB in Indien, ist es innenpolitisch eine riesige Herausforderung [für die dortigen Aktivisten], dort finanzielle Mittel zu beschaffen.

 

Kannst Du die beiden Bestimmungen mit uns teilen, die in Deinen Finanzierungsvereinbarungen enthalten sind?

 

Eines meiner ‚ungewöhnlichen‘ Projekte ist das Kindness House [Bürohaus der Stiftung]. Es begann als Experiment, als ‚Inkubator‘ [Brutkasten] für gemeinnützige Organisationen. Der ‚Kindness Campus‘ ist ein Gebäude, das etwa 40.000 Fuß bedeckt. Es steht in einem belebten, bunten, gedeihenden Einzelhandelsbezirk, mitten zwischen Hunderten von peppigen Restaurants, Clubs, Cafés und Geschäften, in gut erreichbarer Nähe des Parlaments und des Finanzzentrums. Etwa 300 sehr gut gebildete, tatkräftige und engagierte junge Aktivisten arbeiten in unserem Gebäude – einschließlich Dutzender wundervoller Gruppen wie Greenpeace, Sea Shepherd, Wilderness Society, Beyond Zero Emmissions, Lawyers for Animals, Wildlife Victoria, National Multicultural Broadcasting Commission, und Vegetarian Victoria, um einige zu nennen. 85 Prozent der Gruppen bezahlen nichts im Gebäude. Alles ist kostenlos für sie. Wir zahlen alle Arbeitskosten wie Gemeindegebühren, Steuern, Wasser, Strom, Klimaanlage, Heizung, Reinigung, Sicherheitsdienste, Reparaturen, Wartung, und Internet. Der ‚Inkubator‘ stellt Büros, Sitzungszimmer, Meeting-Räume, Internet, Küchen, Duschen, Post, Sprechanlagen, Fahrradräume, Kino, eine Meditationsgalerie und einen Kindergarten zur Verfügung.

Wir haben zwei sonderbare Punkte in den Bestimmungen. Erstens, wenn Du in meinem Gebäude Tiere ißt, schmeiße ich Dich raus. Zweitens, wenn Du einen Hund hast, und Du bringst ihn nicht mit ins Büro, schmeiße ich Dich raus. Jeder Hund hat ein Körbchen, eine Matte, Kauspielzeug und einen Napf.

 

Wie siehst Du die Tierrechtsbewegung? Wo siehst Du uns erfolgreich und was würdest Du uns gern tun sehen, um eine größere Veränderung zu bewirken?

 

Tierrechte sind die größte Angelegenheit in sozialer Gerechtigkeit seit der Abschaffung der Sklaverei. Sie (die “Sache“ der Tierrechte) wächst, aber noch hat sie nicht die Schallgeschwindigkeit erreicht. Sobald es soweit ist, wird es kein Halten mehr geben.

Unglücklicherweise sind unsere moralisch bankrotten Politiker unter der Kontrolle der industriellen Fleisch- und Milchprodukte-Drogenkartelle. Der Begriff, den ich seit vielen Jahren verwende, ist „der Tierprodukte-Industriekomplex“. Aber dieses kranke Paradigma wird nicht ewig dauern. Ignoranz ist keine unheilbare Krankheit.

 

Die Tierrechtsbewegung ist größtenteils eine führerlose Bewegung. Glaubst Du, wir brauchen Anführer, und würdest Du zur Verfügung stehen?

 

Ich sehe es nicht so, dass es der Bewegung an Anführern mangelt. Wenn überhaupt, haben wir eine große Zahl an Anführern, die unterschiedliche Uniformen tragen, jeder verantwortlich für Kolonnen, Divisionen und Brigaden, alle in verschiedenen Einsatzgebieten des Krieges kämpfend. Aber wir haben keine einzelne, einheitliche Armee unter der Führung eines einzelnen Generals. In gewisser Weise ist das die Kraft einer vielköpfigen Hydra. Man kann uns nicht so leicht umbringen – und, gut für uns, es gibt nicht allzuviele Herakles, die es tun könnten.

Aber vielleicht brauchen wir neue Arten von Anführern, damit man sich zu der Bewegung hingezogen fühlt. Ich wünschte, sie alle bemühten sich, ‚mitzusingen‘, wenn nicht die gleiche Hymne, dann vielleicht zumindest im gleichen Notenschlüssel… der gleichen Tonart. Leider sind so viele Gruppen so auf ihren eigenen Kampagnen konzentriert, dass sie dazu neigen, sich von Kampagnen zu isolieren, die von anderen Aktivisten gemacht werden. Wie oft beispielsweise siehst Du einen Wald-Aktivisten bei einer Zusammenkunft gegen Walfang, Milchindustrie, Hundefleisch, Jagd, Nutztierhaltung, Welpenfabriken, Hunde- und Hahnenkampf, Bärenjagd, Zirkus oder Tierversuche? Die Wald- und Ozean-Aktivisten sind auch Interessenvertreter im Kampf gegen die Fleisch-, Milch-, Geflügel- und Jagd-Industrie.

Wir sind alle Mitglieder einer großen Gemeinde. Jeder ist willkommen. Wir müssen miteinander kooperieren und die gemeinschaftliche Botschaft der Solidarität überall hörbar machen. Trix und ich ermutigen Gruppen, andere nicht als Konkurrenten für knappe Spendenmittel zu sehen, sondern als Reisekameraden auf dem gleichen Zug der Güte; den Zug miteinander zu teilen, die Lokomotive, die Gleise und die letzliche Richtung. Das ist zum Teil der Grund, warum wir uns nicht so sehr an den Details der Gruppen, die wir unterstützen, beteiligen. Wir versuchen, ruhig etwas abseits zu stehen, nur aufzutauchen, wenn wir auf handfeste Art helfen können.

Eine der erfreulichen Erfahrungen im Kindness House ist, zu sehen, wie die verschiedenen Gruppen einander ohne großes Aufhebens helfen – selbst mit einfachen Dingen wie dem Teilen von Computerkenntnissen oder dem Talent, Filme zu erstellen, dem Sammeln von Lieferungen von Kurieren, der Teilnahme an Kinoabenden zur Spendenbeschaffung in unserem Kino, oder bei gemeinsamen Mahlzeiten an Freitagabenden. Natürlich gab es auch einige Romanzen zwischen Menschen aus verschiedenen Gruppen im Kindness House, ich denke, das ist unvermeidbar! Es ist sehr erfreulich, zu sehen, wie viele junge Anführer aus dem Kindness Campus hervorgehen.

 

Wie definierst Du Deine Tierrechts-Philosophie?

 

Da wir alle Tiere sind, sehe ich Tierrechte als untrennbar verbunden mit Menschenrechten. Dostojewski fragt in „Die Brüder Karamazov“, „Ist das Leiden eine Kindes all den Wohlstand in der Welt wert?“ Und er antwortet mit einem empathischen „Nein“. Aber, was wenn das Kind das Kind eines Affen ist? Für mein Gefühl würde das überhaupt keinen Unterschied machen. Tatsächlich sehe ich es noch absoluter: Von einem Mitglied Deiner eigenen Spezies gefoltert zu werden ist schon schlimm genug. Aber von einem Mitglied einer mächtigeren Spezies gefoltert zu werden, zu einem Zweck, den Du nicht ergründen kannst, ist entsetzlich. Für mich geht es um mehr, als zugunsten der Rechte von „Tieren“ zu sprechen. Es geht auch darum, sich gegen das Falsche, das Menschen tun, auszusprechen.

 

Wie siehst Du Wohltätigkeit oder zurückhaltende Reformen? Glaubst Du, das hilft der Befreiung der Tiere oder behindert sie? Glaubst Du, dass die Abschaffung dieser Sklaverei durch Wohltätigkeit erreicht wird?

 

Die Tierrechts-/Tierschutz-Bewegung ist sehr gespalten. Und diese Schwäche wurde durch die Tierprodukte-Industrie ausgenutzt. Unglücklicherweise gibt es eine Anzahl von Gruppen, die von der Industrie verführt wurden. Sie haben ihren „Schritt-für-Schritt“-Zugwagen an das Geschäftsmodell der Industrie angehängt, und in diesem Prozess wurden die Tierrechtsgruppen beiseite gedrängt. Um einen technischen Begriff zu verwenden, die Tierrechtsaktivisten wurden verdrängt von den größeren, besser finanzierten Gruppen, die behaupten, dass größere Käfige dazu führen, dass es eines Tages keine Käfige mehr geben wird, und dass schnellere Tötungen dazu führen, dass es eines Tages keine Tötungen mehr geben wird. Wir alle wissen, das ist eine lächerliche, unlogische Schlussfolgerung. Jeder, der sagt, es gebe so etwas wie „humane Schlachtung“, sollte mich kontaktieren – ich sehe eine wundervolle Gelegenheit, ihm aufgrund seiner Leichtgläubigkeit auch die Hafenbrücke von Sydney zu verkaufen. Ich frage mich ernsthaft, wie sie das Wort „human“ definieren. Es ist ein zuckersüßes Wohlfühlwort, geschaffen um bequemerweise einen entsetzlichen Akt der Barbarei zu verdecken. Und es gibt Konsumenten das selbstzufriedene Gefühl, dass es im Grunde doch ethisch ok ist, Tiere zu essen. Ein entsetzlicher Betrug – ein Betrug der schlimmsten Sorte.

In Australien hat die Fleischindustrie schon begonnen darüber zu sprechen, ihre eigenen „Tierschutz“-Organisationen zu gründen, um „ihre Seite der Geschichte“ zu erzählen. Zweifellos werden sie Mitglieder aus der Gruppe der Tierschützer anwerben. Die Nutztier-Industrie hier ist schon so weit gegangen, dass sie die Domain-Namen sehr angesehener Tierschutzgruppen gestohlen haben, indem sie andere unregistrierte Domains wie .org oder .edu beanspruchen.

Andererseits bin ich dafür, das Wohlergehen der Tiere im derzeitigen System zu verbessern. Aber lasst uns ganz deutlich feststellen, dass dies ein Zwischenschritt ist im schnellen Marsch auf das Ziel, die Ausbeutung der Tiere komplett zu beenden. Wie Palliativpflege [lindernde Pflege] in einer Krebsstation; den Leidenden helfen, während man hart daran arbeitet, ein Heilmittel zu finden, das diese Krankheit überall beseitigt. Keine Illusionen. Keine Täuschungen. Mein Haupt-Anliegen ist, dass die Tierprodukte-Industrie aufhört, überhaupt zu existieren. Meine Vorstellung vom Himmel. Ein bisschen wie die alte Sowjet-Union: Wir wachen eines Morgens auf, und weg ist es.

 

Was denkst Du über direkte Aktionen?

 

Ich frage mich umgekehrt, was ist mit indirekter Aktion gemeint? Einen Brief an einen Politiker zu schreiben, an die Zeitung, oder einen Radiosender anzurufen? Klar, tut das, auf jeden Fall! Ich bin für jede ‚indirekte‘ Aktion, solange sie auch eine effektive Aktion ist. Aber es gibt Zeiten, da genügt das einfach nicht. Wir scheinen uns selektiv die Angelegenheiten herauszupicken, wo direkte Aktion akzeptabel ist. Ein Eingreifen, um einen Akt der Grausamkeit an einem Welpen oder einem Kätzchen zu beenden, wird Beifall finden. Vielleicht sogar, wenn jemand eingreift, um einen kommerziellen Hundekampf zu beenden? Aber wie ist es mit der Grausamkeit, wenn ein Tier für ein religiöses Festival auf der Straße getötet wird? Oder wie sieht es mit dem Eingreifen aus, wenn ein Jäger ein Reh mit Pfeil und Bogen tötet? Oder wenn weibliche Kängurus für Haustierfutter getötet werden und winzige Kängurukinder sterbend zurückgelassen werden? Und, ich wage es zu sagen, was ist mit der allgegenwärtigen Massentierhaltung? Sich in diese ‚heiligen‘ Dinge einzumischen kommt ja fast der Verbrennung der Landesflagge gleich. Ich folge dem AHIMSA-Prinzip der Gewaltlosigkeit so sehr ich nur kann, aber Gandhi hat uns gelehrt, dass passiver Widerstand, Gewaltlosigkeit und ziviler Ungehorsam erfolgreich sein kann für einen moralischen Fortschritt.

 

In Interviews sprichst Du darüber, wie das Wort ‚vegan‘ von der Industrie geraubt wurde. Kannst Du darüber etwas sagen, und ich frage mich auch, wie Du über diejenigen aus der Tierrechtsgemeinde denkst, die, um der Öffentlichkeit nicht auf den Schlips zu treten, nicht das Wort ‚vegan‘ benutzen, sondern lieber das Wort ‚vegetarisch‘. Glaubst Du, dass es wichtig ist, auch in der Sprache ehrlich zu sein?

 

Ich finde, ‚vegan‘ ist ein wunderschönes Wort. Es ist mehr als eine Beschreibung unserer Ernährungsweise. Ich sehe es als sichtbare Leitlinie für ein ethisches, gesundes, mündiges und vernünftiges Leben. Denn es beschreibt unseren Charakter. Es besagt, wir nehmen nicht einem anderen Lebewesen das Leben, um unsere Wünsche zu befriedigen.

Sprache wird oft ‚geraubt‘ für die abscheulichen Zwecke der Missbraucher. Das Wort ’schwarz‘ (negro) kommt aus dem dichterischen Latein, ’niger‘. Bald schon wurde daraus der beleidigende Ausdruck ‚Nigger‘. Das Wort ‚human‘ wurde gepaart mit ‚Schlachtung“ und wurde zu ‚humaner Schlachtung‘. ‚Genozid‘ (Völkermord) wurde bereinigt in ‚ethnische Säuberung‘. Die Japaner töten Wale, die sie nicht brauchen, in Gewässern, die ihnen nicht gehören, für Fleisch, das sie nicht verkaufen können, für einen Geschmack, den sie gar nicht mögen, und sie nennen es ‚Forschung‘. Das Zeichen des Kreuzes wurde 1.000 Jahre vor Christus in Asien und Europa verwendet und bedeutete Gutes tun oder Segen. Jetzt ist es an öffentlichen Plätzen verbannt, weil Hitler es raubte und es Hakenkreuz nannte. Ebenso wird die vegane Philosophie nun als höhnischer Ausdruck missbraucht.

Ich weiß nicht, warum ethische Menschen das Etikett ‚vegan‘ fürchten sollten. Letztlich ist es der Fleischesser, der beschämt sein sollte. Ohne überhaupt danach zu suchen, ist der Veganer moralisch im Recht. Es ist der Veganer, der sich auf der rechten Seite der Geschichte befindet. Ich möchte eine simple Frage stellen. Stell Dir zwei Menschen vor, die in jeder denkbaren Hinsicht identisch sind – außer in einem. Einer ist Veganer und der andere ist Fleischesser. Alles sonst ist gleich. Welches Individuum ist ethischer? Der Veganer oder der Fleischesser? Die Antwort ist blendend klar für jeden. Daher, um Deine Frage zu beantworten, glaube ich selbstverständlich, dass wir in unserer Sprache ehrlich sein sollten. Es ist moralisch feige, zu beschönigen. Die armen Tiere in diesen Höllenlöchern verdienen wenigstens unsere Ehrlichkeit, findest Du nicht?

 

Wie findest Du Kampagnen, die sich nur auf eine Sache konzentrieren? Glaubst Du, dass Kampagnen, die z.B. gegen Pelz kämpfen, gegen Stopfleber, für das Verbot von Wildtieren in Zirkussen, effektive Kampagnen sind in unserem Wunsch, die Tiere zu befreien?

 

Sicher. Jede Grausamkeit, die beendet wird, ist eine Zerstörung weniger auf dieser Erde. Außerdem habe ich festgestellt, dass Erfolg … Erfolg hervorbringt. Wenn Aktivisten in einer Arena ihr Ziel erreichen, ziehen sie sich nicht in einen Kokon zurück und verschließen ihre Augen und Ohren vor dem Leiden anderer Spezies. Ein Aktivist, der erfolgreich gegen die Jagd kämpfte, wendet seinen Blick nun vielleicht auf den Walfang, die Fischerei oder Springrennen, oder allgemeine Bildung in Tierrechten. Wir haben sich auf eine Sache konzentrierende Aktivisten im Kindness House, die für die Wälder arbeiten, gegen Klimaerwärmung, für Flüchtlinge aus Kriegsregionen oder für kranke Menschen – und die aber auch auftauchen, um Spenden für Sea Shepherd, die Wilderness Society, Edgar’s Mission und Beyond Zero Emissions zu sammeln. Und umgekehrt. Ich finde es beruhigend, und vollkommen vorhersagbar, dass ein Mensch, der Tierrechte unterstützt, auch Amnesty International unterstützt oder Kampagnen gegen häusliche Gewalt oder gegen Plastik auf den Straßen.

 

Wie gehst Du mit Verzweiflung um? Wie schaffst Du es, nicht von dem ungeheuerlichen Ausmaß der Ausbeutung von Tieren überwältigt zu werden?

 

Ich glaube, jeder in der Tierrechtsbewegung leidet mehr oder weniger an einer „Mitgefühlsüberlastung“. Im meinem Fall zB sind die meisten meiner Gruppen in anderen Ländern und anderen Zeitzonen. Wenn es also Notsituationen gibt, die kritisch für das Projekt werden könnten, klingelt das Telefon in Australien zu seltsamen Zeiten, was ununterbrochenen Schlaf zu einem Luxus macht. Selbst wenn das Telefon nicht klingelt, rast der überaktive Geist durch die Nacht und man wacht mit den Geistern vergangener Alpträume auf. Ich habe das Glück, eine außergewöhnliche Frau zu haben, Trix. Ohne sie wäre ich verloren. Es ist ein großer Trost, zu wissen, dass ich immer einen sicheren Ort habe, wenn ich emotional abgleite.

 

Hast Du einen Rat für Aktivisten? Wie man nicht ausbrennt?

 

Immer wenn die Dinge für uns schlimm werden, denke ich daran, wie schlimm es für die machtlosen, unschuldigen Tiere in diesen entsetzlichen Gulags der Verzweiflung ist. Das rückt meinen Schmerz in die richtige Perspektive. Und ich erinnere mich selbst daran, dass ich aus freiem Entschluss an diesem Platz bin. Die Tiere nicht.

Ich bitte Aktivisten dringend darum, auf ihre Gesundheit zu achten. Ihren Familien und denen, die sie lieben, nahe zu sein. Seid sanft miteinander. Und habt etwas Humor. In letzter Zeit habe ich begonnen zu meditieren und das war mir eine große Hilfe. Ich empfehle außerdem, viel Wasser zu trinken, Sport zu machen, wenigstens eine Sportart, Musik zu hören, viel zu lesen und mindestens einmal am Tag herzlich zu lachen.

Stress gehört einfach dazu. Aktivisten leben intensivere, sensitivere und aufmerksamere Leben als andere. Sie sind per definitionem verletzlicher gegenüber der allgegenwärtigen Grausamkeit. Aber, müsste ich zwischen beidem wählen, ich würde lieber ausbrennen, indem ich ein mitfühlendes, authentisches Leben lebe, als vor mich hin zu rosten, während ich ein brutales, nicht-hinsehendes Leben lebe. Ich bereue nichts.

Es gibt kein Zurück.

 

Danke für das schöne Interview…

Liebe Grüße, die PHO

Vorsicht Wasservergiftung

Das scheint kein Scherz zu sein:

[Video, bitte Beitrag anklicken]

Tödliche Wasservergiftungen: Viel trinken ohne Durst und natriumarme Ernährung können gefährlich werden. Es spricht der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer, wissenschaftlicher Leiter des Europäischen Instituts für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften EU.L.E. e.V.

(via)

Wasser

Aguas del Tunari, eine Tochterfirma von International Water Ltd., einem Firmenkonsortium mit Beteiligung der US-Baufirma Bechtel und des Energieunternehmens Edison aus Italien, handelte ohne öffentliche Beteiligung und hinter verschlossenen Türen mit der bolivianischen Regierung einen 40-jährige Monopolvertrag der Wasserver- und -entsorgung aus. Die Konzession beinhaltete die Konfiszierung und damit Enteignung gemeinschaftlich errichteter und genutzter Brunnen. Kurz darauf erfolgten Preiserhöhungen für die Konsumenten, deren Wasserrechnungen zwischen 50 und 250 Prozent anstiegen. Auf Proteste wurde mit äusserte Gewalt geantwortet.

Video, bitte Beitrag anklicken]

 

Dosenpost

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Dosenpost© Jotha

Am Wasser

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Am Wasser

© Jotha

Abend über dem See

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Abend über dem See

© Jotha

Vernichtung durch Arbeit: über Söldner, Huren, Leichen und dem Griff nach unserem Wasser

Letztlich haben die Reichen für die Normbevölkerung des Planeten nur drei Verwendungen, nur drei Jobs, die sie dauernd nachfragen. Gebraucht werden wir als Huren, als Söldner oder als Leichen, wobei die Huren vor allem die Söldner bei der Produktion von Leichen bei Laune halten sollen. Einfach mal in die Geschichtsbücher schauen: wo Reichtum herrscht, produziert er automatisch diese drei Berufsgruppen durch Forcierung der Armut, was wiederum geistig weniger stabile Menschen dazu bringt, sich für einen der ersten beiden Jobs zu bewerben - man muss ja essen.

Letztlich haben die Reichen für die Normbevölkerung des Planeten nur drei Verwendungen, nur drei Jobs, die sie dauernd nachfragen. Gebraucht werden wir als Huren, als Söldner oder als Leichen, wobei die Huren vor allem die Söldner bei der Produktion von Leichen bei Laune halten sollen. Einfach mal in die Geschichtsbücher schauen: wo Reichtum herrscht, produziert er automatisch diese drei Berufsgruppen durch Forcierung der Armut, was wiederum geistig weniger stabile Menschen dazu bringt, sich für einen der ersten beiden Jobs zu bewerben – man muss ja essen.

Wer jetzt meint: nein, ich diene dem System nur als Techniker, dem sei gesagt: Technik ist auch nur eine Form von Massenvernichtung. Das wird gerade  in Fukushima demonstriert, wo jetzt noch mehr Brennstäbe vor sich hinschmelzen während die Medien die Hoffnung verbreiten, das man alles im Griff hat, oder in Libyen, wo jetzt Kampfhubschrauber den Einsatz von Bodentruppen vorbereiten.

Wer jetzt meint: ich diene dem System nur als Anlageberater, Verkäufer und Vertreter, dem sei gesagt, das ihn im Prinzip von einer Hure nichts unterscheidet: auch er macht mit seinem Aussehen Geld. Einfach mal in den Spiegel schauen und dabei überlegen, wie das Geschäft in Papas alter Cordhose laufen würde – oder einfach mal drüber nachdenken, was uns zum Burn-Out treibt. Ist ja kein Geheimnis:

Kaum ein Commerzbanker, der das nicht gespürt hätte. 72 Prozent, das ergab eine Umfrage, waren trotz einer Erkrankung zur Arbeit erschienen. Ein Drittel aller Arbeitnehmer in Deutschland ging krank arbeiten, weil „sonst zu viel liegenbleibt“. Das ergab der jüngste AOK-Fehlzeitenreport. Mediziner nennen dieses Verhalten Präsentismus: Wer immer kommt und lange bleibt, fliegt vielleicht nicht raus. Das ist der Gedanke.

Man verkauft seinen Körper, sein Aussehen, seine Gesundheit – eigentlich sein ganzes Leben … und weil das so ist, muss man schon mal ungewöhnliche Wege gehen, um sich davon zu überzeugen, das noch alles im Lot ist, obwohl man sich beschissen fühlt:

Nichts anderes empfiehlt er ausbrennenden Managern, wenn sie nicht mehr weiterwissen: Sie werben bei sich für sich selbst.

Das dies der letzte Schritt vor dem „Jobcenter“ ist, ist vielen positiv denkenden Unternehmensberatern nicht bekannt. Sie teilen ja auch nicht das persönliche Risiko, noch helfen sie dabei, die eigentlichen Probleme zu beseitigen, obwohl sie bekannt sind:

„Meine Klienten sind Menschen unter starker Anspannung, mit hoher Verantwortung und mit hohen Gehältern. Auch sie müssen seit einigen Jahren mit immer weniger Zeit, weniger Mitteln und weniger Mitarbeitern klarkommen“

Das ist das Prinzip, das seit dreissig Jahren in diesem Land herrscht und seit den neunziger Jahren als Folge der neoliberalen Offensive von Unternehmensberatern auch in den letzten Winkel der Wirtschaftswelt vorgedrungen ist: Vernichtung am Arbeitsplatz. Die gleiche Kaste der Arbeitsprozessschleifer bietet nun Hilfe an, um das von ihnen selbst mit geschaffene Problem ein wenig abzumildern, aber verändern können sie es nicht mehr.

Am Ende des Vernichtungskrieges der Unternehmen gegen ihre Mitarbeiter im Namen der Sachzwänge der Globalisierung steht für den Mitarbeiter das „Jobcenter“ – oder die Frührente, einmal ganz davon abgesehen, das sein Privatleben dann völlig im Eimer ist. „Glück statt Karriere“ können sich nur Menschen erlauben, die einen Platz in einer kleinen Nische gefunden haben:

Scharfsinnig und polemisch analysieren Kitz und Tusch, woran die moderne Arbeitsgesellschaft krankt und untermauern ihre Thesen mit den neuesten Studienergebnissen. Normale Arbeitnehmer, die einfach nur ihre Arbeit verrichten, so die Autoren, sind auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr gefragt. Stattdessen verlangen Unternehmen überambitionierte High-Potentials, die ständig über sich hinauswachsen und so die Spirale der Leistungszwänge immer noch weiter drehen. „Wer nur kontinuierlich 100 Prozent Leistung bringt, gilt als Low Performer“, schreiben die Autoren.

„Überambitionierte High-Potentials“ – Menschen, die nur für die Firma denken, für die Firma leben, ja, die letztendlich „Firma sind“ und am liebsten ihren Arbeitsplatz heiraten würden … bis sie letztlich, nach vielen „Coachings“ ausgebrannt in der Gosse landen, weil sie keinen Weg gefunden haben, der Schwäche durch „Altern“ aus dem Wege zu gehen.

Wir kennen diese Entwicklung seit dreissig Jahren. Wir wissen, wo es endet. Und doch – unternehmen wir nichts dagegen. Wie üblich lauschen wir den Jubelgesängen der hochbezahlten Experten:

IW-Direktor Michael Hüther sprach von einem breit angelegten Aufschwung. 61 Prozent der vom IW Köln befragten 2340 Unternehmen wollen ihre Produktion in diesem Jahr hochfahren, 41 Prozent erwarten steigende Exporte und 46 Prozent wollen mehr investieren. „Von alledem profitiert der Arbeitsmarkt. Knapp die Hälfte der Firmen sucht neues Personal, allenfalls 8 Prozent erwägen Kündigungen.“

Dabei wissen wir genau, was das für uns bedeutet: immer mehr Firmen bauen sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze ab, um sie durch Minijobs oder Leiharbeiter zu ersetzen – für viel weniger Geld. So erfüllt der Söldner in der Firma seinen Job, der darin besteht, die Personalkosten zu senken und die Arbeitseffektivität zu erhöhen. So verbrennt er sein Personal. „Burn Out“ kommt nicht von innen, das erzählt man nur nicht gern. Verbrannt wird man von aussen.

Wir wissen ganz genau, das dieser Aufschwung an uns vorübergehen wird – vor allem an unserem Konto, siehe Wiwo:

Zwar steigen die Tariflöhne in diesem Jahr zwischen zwei und zweieinhalb Prozent, doch liegen die Zuwächse damit unter der erwarteten Inflationsrate von 2,4 bis 3,0 Prozent. Das berichtet die WirtschaftsWoche. Das Magazin zitiert den Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Ferdinand Fichtner: „Die realen Nettostundenlöhne werden, wenn überhaupt, 2011 nur sehr wenig steigen.“ Nach den Worten von Frank Hechtner, Steuerexperte an der Freien Universität Berlin, „dürften die Nettostundenlöhne bei vielen im XXL-Jahr real sogar sinken“.

Letztlich gibt es bemerkbares Gehalt nur für Söldner und Huren, die den Prozess der Vernichtung durch Arbeit begleiten … und Leichen produzieren. Man schau sich mal die Entwicklung der Politikergehälter in den letzten Jahren an – und ihre Zuwendungen durch Lobbyisten. Wir landen wieder … in der Kategorie Huren, was gerade bei diesem Berufsstand besonders weh tut, weil er vom Idealismus getragen werden sollte und nicht vom Honorar.

Und was erwartet uns am Ende des Prozesses?

Da werden wir erleben, das für Länder im Prinzip das Gleiche gilt wie für Menschen: wer ausgebrannt ist, kommt auf den Müll. Aktuell trifft es Griechenland, das jetzt seine Häfen und Versorgungsunternehmen verkauft … möglicherweise sogar seine Wasserversorgung, jedenfalls wenn es sich bei „Athens Water“ um die „Athens Water Supply and Sewerage Company“ handelt, die Athens Versorgung mit Trinkwasser garantiert:

Die Athens Water Supply and Sewerage Company – EYDAP SA ist ein griechisches Wasserversorgungsunternehmen. Die Geschäftsfelder umfassen die flächendeckende Versorgung mit Leitungs- und Grundwasser, die Abwasserentsorgung sowie die Installation, Konstruktion, Instandsetzung, Wartung und Erneuerung von Wasserversorgungs- und Abwassersystemen. Eydap versorgt die rund vier Millionen Einwohner Athens über ein Kanalnetz mit einer Gesamtlänge von 7. 940 Kilometern mit Trinkwasser. Die Abwasserentsorgung erreicht rund 3.300.000 Einwohner und umfasst ein Abwassernetz mit einer Gesamtlänge von 5.800 Kilometern.

Damit wäre der Konzernwirtschaft ein großer Coup geglückt, der in Bolivien zu Volksaufständen und dem „Wasserkrieg“ führte: die Privatisierung der Wasserversorgung. Damit hat man die renitente Bevölkerung Athens völlig in der Hand. Wasser braucht jeder.  Huren und Söldner produzieren Leichen – sagte ich ja.  Darum steht Griechenland kurz davor, seine Angestellten, Beamten, Rentner und Arbeitslosen nicht mehr bezahlen zu können.

Solche Entwicklungen fallen nicht vom Himmel. Sie sind seit langem bekannt – oder glaubt jemand wirklich, das in den Chefetagen der Unternehmerverbände nur Idioten sitzen? Jeder weiß, das bei der grassierenden Umverteilung von Vermögen von unten nach oben unten nichts mehr übrig bleibt und dort dann auch irgendwann kräftig gestorben wird. Griechenland macht das schon mal vor, wenn die Rentner kein Geld mehr bekommen.

Während sich aber der Deutsche unglücklich und unzufrieden an seinem Arbeitsplatz selbst vernichtet und sich wenigstens noch der Hoffnung hingibt, das sein Trinkwasser ihm gehört und Griechenland weit weg ist, fliegt der Pleitegeier schon über die ersten deutschen Bundesländer.

Wie früher schon merken wir, das Söldner effektiver arbeiten, wenn sie keine Kugeln benutzen. Früher wichen wir deshalb letztlich aufs Gas aus, das wird wohl auch für unsere Rentner in Zukunft die humane Endlösung sein – man kann die ja nicht auf der Straße verhungern lassen, sie zu füttern geht aber nicht aufgrund von Sachzwängen wie dem „Lohnabstandsgebot“.

„Vernichtung durch Arbeit“ war aber früher schon das Leitprinzip. Man hat jedoch dazu gelernt und gemerkt, das seine offene Durchführung in Lagern und Uniform nur schnellen und entschlossenen Widerstand hervorruft. Es geht auch leiser … und viel billiger.

Und wir Normbürger?

Können uns entscheiden: entweder als Söldner an der Exekution unsere Staatsstrukturen mitwirken oder als Huren die Söldner bei Laune halten … oder eben als Leichen eine gute Figur machen.

Immerhin: dies ist ein freies Land, wir haben noch die Wahl – solange wir „High Performer“ sind und 300 Prozent bringen.

 


Die Schöne

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die schöne

© Jotha

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