Wahnsinn

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Reiner Wahnsinn, verdünnt mit einem Schuss Essig …

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Bild: Jacques Prilleau

„Sie zieh’n uns immer tiefer rein, Stück für Stück,
Und seit heute früh um fünf Uhr schießen wir wieder zurück!“
(Reinhard Mey, „Sei Wachsam!“)

Der Konflikt rund um die Affäre Skripal droht gerade zu eskalieren. Obwohl für den Anschlag auf den Doppelagenten kein einziger Beweis für eine Schuld Russlands vorliegt, kündigt gerade eine Serie an NATO-Ländern die diplomatischen Beziehungen zu Russland auf (siehe auch heise.de: „Die Eskalationsstrategie des Westens“). In unseren Leitmedien wird mit bisher ungekannter Leichtfertigkeit über die Möglichkeit eines nuklearen Schlagabtauschs gesprochen, die EU-Kommission hat soeben einen Plan zur Infrastrukturertüchtigung vorgelegt, sodass Panzer, Truppen und Munition zügiger an die russische Front rollen können (siehe Spiegel).

Laut einer jüngsten Pressemeldung will die britische Premierministerin Theresa May die Feinde Großbritanniens mit umfassenden Maßnahmen und allen zur Verfügung stehenden Ressourcen besiegen“. Und setzt auch sogleich hinzu, welche Art von Ressourcen sie da einzusetzen gedenkt: nicht nur „wirtschaftliche Hebel und politischen Einfluss“, sondern auch „Polizei, Geheimdienste, Militär (sic!)“ (Quelle: apa/orf)

Ebenso wie ihre britische Kollegin, will auch von der Leyen „Putin weh tun“ (siehe Interview BILDpolitik). Dabei will sie den atomar bestückten russischen Bären nicht etwa nur mit einer Stecknadel piesaken, sondern „mit allen Mitteln, die angemessen sind“ – sagt die Chefin der deutschen Bundeswehr.

Die hinter der von der Leine gelassenen Bundeswehrchefin stehende Angela Merkel? … – macht die Raute und ist offensichtlich wild entschlossen, als diejenige Bundeskanzlerin in die Geschichte einzugehen, die Deutschland am Anfang des 21. Jhdt. wie ein transatlantisches Senkblei Richtung Meeresgrund gezogen hat.

Grund für all die martialischen Töne gegen Russland, mit denen von unseren Leitpolitikern und ihren Leitmedien derzeit sogar ein nuklearer Holocaust achselzuckend in Kauf genommen wird: Ein bis dato ungeklärter Giftanschlag auf einen russischen Staatsbürger auf britischem Boden, der sich als Doppelagent betätigt hatte.

Dass das eingesetzte Gift vom Typ „Nowitschok“, das angeblich nur aus russischer Manufaktur stammen kann, den gegnerischen Geheimdiensten genauso zugänglich war, kann man sogar im Archiv einer genuin-britischen Nachrichtenagentur, der BBC nachlesen (datiert mit 9.6.1999): Dem BBC-Bericht zufolge hatten die USA nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion bereits 1999 Zugang zu Giften der „Nowitschok-Reihe“, als US-Chemiexperten ein entsprechendes Labor in Usbekistan außer Betrieb setzten und dort „für Sicherheit sorgten“ (Quelle: BBC news).

Es wird jedoch noch wundersamer. Nach Aussage des russischen Laborchefs für chemische und analytische Kontrolle, Igor Rybaltschenko, liegt ein vom National Bureau of Standards der Vereinigten Staaten (NBS) veröffentlichtes Dokument vor, wonach das gegenständliche Gift gar nicht im dunklen Russland entwickelt wurde, sondern im strahlenden Sauberland USA selbst: “Ich bestätige, dass sie genau der Formel entspricht, die von Mirzajanow (Wil Mirzajanow, sowjetischer Chemiker, der in die USA ausgewandert und der Autor eines Buches über das Gas A-234 war) veröffentlicht wurde. Der chemische Name dieser Substanz ist A-234 und wurde von Boris Johnson “Novitschok” genannt — eine Substanz, die im Labor von Porton Down erhältlich ist.“  (Quelle: Sputnik)

2018: Thersa May macht den Colin Powell (Grafik: Markus Gelau/facebook)

Fakten, die einen nachdenklich machen können. Nur: Wer interessiert sich in einem postfaktischen Zeitalter schon noch für Fakten? Für Theresa May und Angela Merkels „verlässliche Freunde“ (falls jemand über diese „verlässlichen Freunde“ und ihre „Dienste“ noch nicht ganz im Bilde sein sollte: Peter Frey hat dazu ein kompaktes historisches Psychogramm erstellt –siehe Rubikon) ist der Fall klar: Putin war’s. Dass kein einziger Beweis vorliegt: Egal. Dass Putin umgehend Mithilfe zur Aufklärung des Falles angeboten hat (immerhin war es ja ein russischer Staatsbürger, der auf NATO-Boden angegriffen wurde): schlichtweg abgelehnt. Wozu auch kriminalistische Aufklärung, wo der Fall doch bereits klar ist und man sich auf Seiten der westlichen Wertegemeinschaft nach zwei Regierungsperioden Obama nunmehr an das Drohnen-Prinzip gewöhnt hat: Verurteilt und auch gleich exekutiert wird anhand von virtuellen Metadaten. Wozu da noch die Arbeit von Kriminologen, Richtern und Staatsanwälten abwarten?

Was ist aber nun der wirkliche Grund dafür, dass man derzeit unser aller Kopf und Kragen aufs Spiel setzt? Sind die furiosen Damen und Herren auf der Atlantikbrücke von einem tollwütigen Fuchs gebissenen worden, sodass sie nicht mehr zwischen echtem Leben und Videospielrealität unterscheiden können? Oder greifen sie einfach mit kühlem Kalkül zum Standardtrick aus der propagandistischen Mottenkiste und erschaffen ein künstliches Feindbild – diesmal, um eine kurz vor dem finanziellen, politischen und moralischen Bankrott stehende westliche Welt zu „einen“? Vielleicht lässt sich angesichts der Gefahr, die durch einen bösen Putin droht, und gegen die wir als verwesende – pardon: als westliche Wertegemeinschaft, zusammenstehen müssen, ja sogar das Zerbröckeln der EU aufhalten und der Brexit rückgängig machen? Wenn zwecks Zähmung dieser russischen Gefahr dann auch noch die Rüstungsindustrie im Vierschichtbetrieb neue Rekordergebnisse feiern kann, haben wir aus neoliberaler Sicht die perfekte win-win-Situation: dann profitiert sogar die Volkswirtschaft davon und unser bereits bis zur Rotglut erhitzter Motor, der eigentlich dringend einen Boxenstopp und ein umfassendes Service bräuchte, kann zumindest noch ein paarhundert Meter weiterrollen.

Es sind allerdings womöglich nicht nur die inzwischen öffentlich gemachten US Thinktank-Pläne betreffend ein mit Russland zerstrittenes, durch kriegerische Konflikte und Terror gezeichnetes Europa (Quelle: Chicago Council on Global Affairs / siehe Kurzfassung via Youtube), die nun in Erfüllung zu gehen scheinen. Solche sogar in der Schreibstube des Spiegel als „bizarr“ und „schockierend“ bezeichnete Pläne der neoliberalen US Falken würden meiner Ansicht nach dann, wenn es wirklich ans Eingemachte geht, durch den schlichten Überlebenstrieb der europäischen Politiker ausgebremst werden. Es hat sich jedoch in jüngster Zeit etwas breit gemacht, was diesen Überlebenstrieb lähmt und was sich des Gemüts unserer Spitzenpolitiker wie eine Art suizidaler Untergangssehnsucht bemächtigt macht (siehe „Die Götterdämmerung 2018 und die kollektive Lust am Untergang“), womöglich  – das ist jetzt eine unsubstanziierte Vermutung und kann auch andere Gründe haben –, weil ihnen die Arbeit, die sich zu verrichten haben und derentwillen sie, kaum dass sie aus dem Bett aufgestanden und vor den Badezimmerspiegel getreten sind, jeden Tag aufs Neue ihr Rückgrat verkrümmen und die Eide brechen müssen, die sie bei Amtsantritt zum Wohle des Volkes geschworen haben. Wie soll man es auf die Dauer auch ertragen, täglich aus seiner Wohnung ausrücken zu müssen und dann als Büttel eines sinnentleerten neoliberalen Systems zu agieren, das Jean Ziegler als „kannibalisch“ bezeichnet hat?

Wie dem auch sei. Ich hätte die Geheimdienste jedenfalls für effizienter gehalten. Anstatt diese mühsame Skripal-Nummer abzuziehen, hätten die „Dienste“ doch genausogut einen der tausenden Alkoholiker, die jährlich in Europa an russischem Wodka sterben, heranziehen können, um Putin verantwortlich zu machen und ihm ein Ultimatum zu stellen.

Aber vielleicht sollte man den derzeit am Horizont heraufziehenden Sturm weniger aus der Perspektive der Menschheitsfamilie heraus sehen, sondern einfach vom neoliberal-egoistischen Standpunkt, der uns ja von Kindesbeinen an beigebracht wurde: Dann kann man die derzeitige Anti-Putin-Propaganda einfach beinhart ausnützen: Wenn einem der Rasenmäher oder das Auto eingeht … oder der Kühlschrank leer wird: – einfach bei der Versicherung einreichen mit der Begründung: Putin war’s. Unter der derzeitigen transatlantischen Großwetterlage wird es kein Versicherungs-Sachbearbeiter wagen, den Antrag auf Schadenersatz abzulehnen. Muss er sich doch tunlichst hüten, als „Russenfreund“ zu gelten und Anschuldigungen gegen Putin durch sachliche Argumente zu rechtfertigen.

 


Nachsatz:

Mal im Ernst: Wenn wir unserer bis zur Rotglut erhitzten, kurz vorm Kolbenreiber stehenden Maschine jetzt nicht einen Boxenstopp und eine umfassende Reparatur vergönnen – und dem aufgrund eines transatlantischen Virus immerzu in Richtung Grand Canyon führenden Navi ein anständiges Softwareupdate verpassen –  dann könnte die Sache womöglich wirklich schon demnächst ins Auge gehen.  

Oft begegnet einem die Antwort: Man könne ja „eh nix machen“. – Es würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen, zu ergründen, wo uns diese nihilistische Suggestion beigebracht wurde. Vorerst nur so viel: Es gibt keine größere Lüge als diese. Inmitten all der globalen Wolken, die uns bedrücken, vergessen wir leicht, wie groß gleichzeitig auch unsere Möglichkeiten sind –  sogar als einzelner Mensch hat man immer Möglichkeiten, die landläufig weit unterschätzt werden. Dabei muss es nicht nur um politischen Aktionismus gehen, obwohl auch dieser dringend angesagt wäre. Bereits der Wille, sich nicht mehr mit dem Einheitsbrei und den Schlaftabletten der Massenmedien abfüttern zu lassen (Medien, die übrigens ihrerseits nur von sage und schreibe drei Tankstellen gefüttert werden), sondern sich selbst Einsicht zu verschaffen, IST bereits eine wirksame demokratische Handlung des mündigen Bürgers. In Wirklichkeit ist dieses Sich-Einsicht-Verschaffen bereits die halbe Miete, alles andere wird sich dann zur rechten Zeit bei rechter Gelegenheit wie selbstredend ergeben. Wir würden damit eine gesamtgesellschaftliche Atmosphäre erschaffen, in der die derzeit bereits fast schon als Normalität akzeptierte Korruption und halsbrecherische neoliberale Agenda gar keinen Bestand mehr hätte. So wie Schwarzschimmel nur in einem sumpfig-feuchten Milieu, am besten unter Ausschluss des Sonnenlichtes wachsen kann. Sorgt man für Trockenheit und lässt man das gleißende Licht der Sonne auf den schwarzen Schimmelpelz scheinen – ist er erledigt.

In diesem Sinne auch ein anregender Appell auf Rubikon, in dem der Autor Karl-Jürgen Müller „dieser verfluchten Merkel-Regierung“ (Florian Kirner) den Vogel zeigt, dass sie sich erdreistet, mit einer eigentlich abgewählten Regierungs-Koalition der Wahlverlierer nun die Kriegstrommeln zu rühren:

„Nicht in unserem Namen!“

Der löchrige Atomare Regenschirm

 

Schon Altvater Bush meinte voll Hirn
Europa brauche einen atomaren Regenschirm

Auch Pence, im Namen Donald Trumps in München brummte,
Das Auditorium dabei schier verstummte:

Ihr braucht für Eure Verteidigung mehr Geld
Zu böse ist doch die schlechte östliche Welt

Und haben wir diesen, dann können wir den russischen Bären necken
wir wollen ihn dabei aus seinem Winterschlaf erwecken

Und wenn er dann trampelt und brüllt,
das unsere maroden Staatskassen füllt

Das sagte der kluge Mann nicht laut,
das hätte er sich doch nicht getraut


Der Bär, ein Tier im Inneren voll Frieden,
deshalb siedelt man ihn ja auch wieder an im Süden

ist gar nicht gerne böse und wild
und denkt sich auch, was gilt das gilt

doch wenn die Herren gerne  trügen
und den Bären vollkommen   belügen

Dann hält der sanfte Bär nicht still
man kann beruhigen was man will

Da braucht man den atomaren Regenschirm zum Schutz
sonst droht der Bär und brummt und trutzt

Doch betrachtet man den atomaren Regenschirm im Licht
So hält die Anlage nicht dicht

Denn unten bei den Muselmanen in Riad
da fand gar folgendes statt:

5 Patriot Raketen wollten eine Scud Rakete treffen
die alte Waffe konnte 5 neue Waffen äffen?

Das Geschoss schlug direkt neben dem Flughafen ein
kann das bei modernster Technik überhaupt sein?

Das heißt so viel: Meister Petz hat keine Mauer!
Er war schlauer, als die transatlantischen Sanktionserbauer!

Drum kommt auch Deutschland, das Land der Dichter und Poeten
durch falschen Rat aus Übersee in Nöten

auch die Waffen des zornig gemachten Bären könnten töten
und A Waffen töten auch Föten

Drum lichtes Europa such den Frieden
Tante Merkel und der Küsserkönig werden nicht siegen

Ein A-Waffen Krieg vernichtet alles
im Falle eines Falles

Und wenn man transatlantisch das nicht will
so sagt doch laut: „Seid still!“

Auch Onkel Donald ist nur eine Marionette
er liegt mit der Rüstungslobby schon lang im Bette

Der Bär will doch nur Frieden
den kann er durch uns ja kriegen

Europa mit Russland ist stark
ja förmlich autark!

Deutschland das Land der Mitte!
So such sie doch bitte!

 


Fotos:

oben: Münchner Pinakothek /Carl Spitzweg / PD / https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=159093

mitte: Angela Monika Arnold, Berlin – Eigenes Werk / CC BY-SA 3.0 / https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6451580

 

Kim und der Imperator


Bild: Wilhelm Busch / Public domain

Zu Donald dem Imperator schlich, Kim
die Atombombe im Gewande.
Die Deeskalationen liefen im Sande
Die Psychologie dabei amüsiert am Rande:

Wenn ein Böser Amok läuft
und nach dem Revolver greift,
da bleibt die Polizei sehr still
weil sie kein Blutbad anrichten will?

Doch er: “Was willst Du mit der Atombombe sprich,
das geht mir vollkommen gegen den Strich,
wenn Du kleiner Raketenmann, nicht hältst still
Dann lösche ich Dein Land ganz aus, so wie  ich will!“

entgegnet ihm wütend Meister Trump,
der keine besseren Worte fand!
Darauf sprach Kim
ist gar nicht so schlimm:

Wenn Du meinem Land machst den Garaus,
Dann blase ich Dir Dein Lichtlein aus!
Die ganze Welt hältst Du in Schach,
da gibt es gar kein Weh und Ach!

Und folgen Dir nicht die Millionen,
Dann gibt es eben Sanktionen.
Und viele Aktionen machst Du versteckt
Heimtückische Attacke , das ist Dein Zweck

Du spähst uns alle hinterhältig aus,
was Du mit dem VW und der DB gemacht hast,
das war ein Graus
Du setzt Deine Interessen durch, ganz ohne Rast!
Alle haben auf Dich Zorn
aber wenn einer aufmuckt, dann blasen alle ins gleiche Horn

Der Greis in Tränen ausbricht
Folg  ich dem CFR nicht,
dann kommt das Gericht
dann hab ich große Not,
dann bin ich nämlich tot.
Außerdem geht mein Staat bankrott

Einst hat Kennedy nicht pariert,
er wurde dann brutal massakriert,
er wollte den Vietnamkrieg beenden
und Asien nicht mehr so schänden!

Auch wollt er dass die FED, die staatliche Bank
kommt auch tatsächlich in staatliche Hand!

OK, ich bin ein Imperator,
aber Du, Du bist ein Diktator!

Da kommt dem Kim das Weinen,
im Weinen konnten Sie sich einen
auch kam noch dazu der XI
der sprach schweizerisch zum Kim
kimm sonst bischt gsi!
Was auf Deutsch so viel heißen mag:
Entweder Du folgst, sonst ist es Dein Grab!

Da wird Kim wieder zum Held:
Ihm geht es gar nicht um viel Geld.
Wenn ich die Welt vom Imperator befrei,
dann gibt es da zunächst nur viel Geschrei

Doch hat das Imperium die ganze Welt drangsaliert,
so dass niemand da wirklich viel verliert!
Trotzdem konnten sie sich einen:
Sollte man doch meinen

Denn einst ein  weiser  Philosoph sprach :
Cogito ergo sum!
Das heißt ohne Weh und Ach,
Wer sich hirnlos selbst richtet ist dumm!

Und einen A-Waffen Krieg überlebt man nicht!
Das ist eben die Geschicht!
Sie spielten dann zusammen:
Gestiefelter Kater ohne zu jammern

Der Xi der war der Kater gleich,
er fand den Weg zum bösen Zauberer sogleich.
Er sprach zu ihm: Oh, mach Dich klein!
Das kann niemand außer Dir, wie fein.

Der Zauberer, er war Satanist ,
wie das heute ja so üblich ist
und die Gedanken zur Weltvernichtung wuchsen auf deren Mist
der machte sich zur Maus.
Xi fraß die Maus
und die Geschicht ist aus!

„Uns geht’s gut“ – Darwins gnadenlose Führungskräfte oder: Die Sendung mit der Maus

Wie uns das Handelsblatt jüngst mitteilte, sind die Spitzen unserer Gesellschaft „in weiten Teilen von Naivität, Dummheit und Bösartigkeit gekennzeichnet“. Wie das möglich ist, hat uns ein findiger Kopf in einem kurzen Cartoon mundgerecht aufbereitet (alle Aussagen, mit denen das Video hintermalt ist, stammen aus sozialwissenschaftlichen Studien):

Unser Kollege Frank Ullrich von der Dresdner Sozialwacht hat sich schon vor einiger Zeit ebenfalls auf die Socken gemacht, um herauszufinden, ob die im obigen Cartoon dargestellten wissenschaftlichen Thesen tatsächlich in der Realität wiederzufinden oder doch nur Satire sind. Das Schleudertrauma, das unser Kollege bei dieser Recherche davongetragen hat, hat er glaube ich immer noch nicht ganz überwunden.

Anmerkung: Damit der Leser die beiden Videos nicht nur passiv konsumiert, eine kleine Denksportaufgabe: Wo finden sich in Video 2 das in Video 1 ersichtliche Krokodil wieder, wo die Katze, wo die Maus und wo die Elefantin? – …dann also viel Spaß beim Suchen!

PPS: Wer kein besonderer Spaßvogel ist, sondern mehr ein philosophischer Geist, der kann die Aussagen unserer Politiker und Wirtschaftskapitäne in Video 2 auch unter dem Gesichtspunkt des legendären UN-Generalsekretärs Dag Hammarskjöld betrachten: „Achtung vor dem Wort ist die erste Forderung in der Disziplin, durch welche der Mensch zur Reife erzogen werden kann (…) Das Wort missbrauchen, heißt die Menschen verachten. Das unterminiert die Brücken und vergiftet die Quellen. So führt es uns rückwärts auf der Menschwerdung langem Weg.“

(aus: Dag Hammarskjöld, „Zeichen am Weg“, Pattloch Verlag S.99 )

4 Träumereien

Träumereien, diesmal nicht von Schubert!

 

4 Träumereien

 

Es gibt ein gutes, aber nicht bindendes Abschlussdokument in Paris für eine Limitierung der Erderwärmung. Dieses Dokument ist, laut Spiegel, nur mit einem diplomatischen Kniff beschlossen worden, damit Obama nicht an der republikanischen Mehrheit scheitert (siehe Spiegel):

Aber eins nach dem anderen: Da waren zunächst einmal die Amerikaner. Sie hatten ein Problem in Artikel 4.4 des geplanten Abkommens. Nur ein einziges Wort. Ein „shall“, so forderten sie, sollte durch ein „should“ ersetzt werden – „sollen“ durch „sollten“. Sechs Buchstaben statt fünf. Das roch nach Haarspalterei. Allerdings ging es um eine Passage des Textes, auf die man vor allem im Kongress in Washington genau schaute – weil sich daraus womöglich eine völkerrechtlich bindende Verpflichtung für CO2-Minderungen hätte ableiten lassen. Die republikanische Parlamentsmehrheit hätte dann mit Sicherheit darauf beharrt, über den Vertrag abzustimmen – und ihn anschließend in der Luft zerrissen. Dieses Risiko konnte die US-Delegation nicht eingehen. Deswegen zeigten sich Außenminister John Kerry und seine Leute hart. Gipfelpräsident Laurent Fabius würde das Problem später in der Sitzung mit einem Kniff aus der ganz hohen Schule der Diplomatie lösen: Das betreffende Wort „shall“ sei an dieser Stelle ganz einfach ein Schreibfehler, erklärte er gewitzt, verursacht von einer übernächtigten Hilfskraft. In früheren Fassungen des Textes habe dort schließlich auch ein „should“ gestanden. So werde man es flugs wieder korrigieren. Problem gelöst – auch weil Staaten wie Indien, China und Brasilien vorher unter der Hand ihre Zustimmung zu diesem Ausweg signalisiert hatten.

Laut Spiegel sind die großen Probleme des Klimas, sowohl Luftverkehr als auch Schiffsverkehr von diesem Dokument ausgenommen. An eine Besteuerung des Treibstoffes für den Flugverkehr ist nicht gedacht (siehe Spiegel).

Doch warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Wenn die Globalisierung der Wirtschaft nun ca. 25% der Erderwärmung ausmacht und sehr viele europäische Firmen diesem Konkurrenzdruck einfach nicht standhalten können, so könnte man doch Öko-Zölle und Menschenrechtszölle einführen, die die heimischen Unternehmen gegen Öko-, Lohn- und Menschenrechtsdumping aus Billigproduktionsländern schützen und dort großartige Anreize für Ökologie und Menschenrechte setzen könnten (siehe orf.at). Ein einfaches zusätzliches Beispiel: Ich fahre fast alle Dienstwege mit dem Elektrofahrrad. Für mich sehr erfreulich, da ich zur Sonne komme, die nicht nur Vitamin D sondern auch viele anderen Hormone bilden hilft, die unser Körper dringend braucht. Weiters bringt die Bewegung sehr viel Freude und letztlich kostet alles wesentlich weniger. Man würde weniger Platz für Riesenparkplätze brauchen und in den großen Städten wäre mehr Platz für Grünraum und für Kinder und andere MENSCHEN! Arbeitszeiten, bei uns von 7h bis 16h und danach einen weiten Weg mit dem Auto zu bewältigen, bedeuten im Winter: keine Sonne und gute Umsätze für die Pharmaindustrie, z.B. Grippe-Präparate und Antidepressiva , da die wichtigsten Hormone zur Infektabwehr fehlen und auch andere, ganz wesentliche Funktionen des Körpers wie etwa das Glückshormon nur durch Sonnenbestrahlung gebildet werden können.

Doch gerade diese Kultur des Fahrrades wurde durch die Globalisierung in Indien und China eigentlich zerstört. Die Rikschas in Indien wurden immer mehr von der Straße verbannt und
in Peking gibt es Smog und Autostau (Mehr Geld-mehr Autos). Doch auch die Entsorgung der so einfachen Fahrradakkus bei uns bringt schon erhebliche Probleme, da man die Akkus nicht recyclen kann. Eine normale Mülldeponie hat wegen der hohen Brennbarkeit, wo man den Akku mit der „Seltenen Erde“ Lithium „verbrennen“ muss, erhebliche Probleme – und wieder entstehen Treibhausgase. Das heißt, die Umstellung auf Elektroautos, bei nach wie vor Privatisierungsplänen der Bahn wird gar nicht so einfach sein. In den USA sind mittlerweile wohl über 30% des Schienennetzes abgebaut worden.

Was viele sehr erfreuliche Ansätze z.B. im Verkehrssystem betrifft, so sind die Staaten Europas, wo der Nationalsozialismus entweder auf großen Widerstand stieß wie in Skandinavien, oder wo er im Wesentlichen gar nicht hinkam wie in der Schweiz, Vorreiter in der Ökologie. Die Radwegesysteme der eiskalten Länder Skandinaviens, wo Dänemark 50 % Radfahranteil in Kopenhagen plant, oder das öffentliche Verkehrssystem der Schweiz sind Vorzeigeobjekte (siehe Badische Zeitung).

Kann es aber sein, dass man die Globalisierung und das damit verbundene neoliberale System, in Paris festschreiben möchte? Es gibt zwar ein paar brüderliche Aspekte, doch ohne Besteuerung der Transporte (Schiff und Flugverkehr) und Entglobalisierung sind wesentliche Fragen ausgeklammert. Ein sehr guter Denkansatz wäre eine Reparaturindustrie an Stelle einer „Sollbruch-Wegwerfindustrie“, da die Produkte ja auch immer entsorgt(verbrannt) werden müssen. Wenn bei Produkten wie z.B. Staubsauger, Kühlschränken oder Kühltruhen, diese so wie bei Miele sehr lange Zeit immer wieder, durch kleine Firmen repariert werden können, so fällt für die Menschen viel Arbeit, aber wenige Treibhausgase an. Unsere Firmen können durch immer mehr  Freihandelsabkommen immer weniger dem Billigproduktions-Druck standhalten und lagern in für sie günstigere Gebiete aus, von wo die Waren dann wieder zu uns kommen, so lange wir uns das leisten können. Meist geschehen solche Firmenauslagerungen ja auch durch sehr egoistische finanzielle Strategien, doch auch ein menschlicher Firmenchef hat Probleme, ohne Schutzzölle einer Ökodumping und Sozialdumping-Welt in Fernost standzuhalten.

Zusätzlich kann man so zusehen, wie Konflikte, ja Revolutionen und Krisen aufgebaut werden und immer steht am Ende ein neoliberales System (siehe Naomi Klein: Kapitalismus versus Klima). Also wenn sozusagen der in Otpor in Serbien aufgebaute nordafrikanische Rebell wenigstens die Info bekommen würde: Ja, du darfst durch uns zwar Revolutionen starten, du darfst auch  dein Leben verlieren, doch auch wenn du es behältst, so steht am Ende jedenfalls immer ein neoliberales System.

Die Ideen der wichtigsten Dissidenten in der früheren DDR z.B. waren nämlich eine Mischung aus Kapitalismus und Kommunismus, also ein wesentlich menschlicheres System, als wir es jetzt haben. Wenn in Südeuropa durch die Wirtschaftskrisen, z.B. Öko-Impulse wie etwa ein attraktives Radwegesystem für E-Bikes in Athen, Rom oder Madrid entstanden wären (die durchaus verbesserten Radwege nehmen sich gegenüber mitteleuropäischen Radwegesystem in Großstädten durchaus dürftig aus, es gibt eher Tourismusradwege), um der Bevölkerung und den Regierungen zu zeigen, wie einfach es wäre, finanzielle Knappheit und Ökologie zu verbinden? Warum in Südeuropa eher ein E-Bike System? Weil die Hitze in den Städten das Radfahren erschwert. Wobei am E-Bike trotz Kopfbedeckung die Hitzeentwicklung eigentlich durch den Fahrtwind durchaus erträglich wäre. Warum schreibe ich nicht einfach Radwegesystem? – Weil E-Bikes rascher fahren könnten als 25 km/h und damit die Hitzeentwicklung durch den stärkeren Fahrtwind für den Radfahrer weniger wird. In Skandinavien wird bei großer Kälte gefahren, im Süden weniger?
Für rascheres Fahren wären aber gerade Wege wesentlich und keine Radwege, die oft sehr gewinkelt geführt werden. Und gerade durch die Bewegung entsteht aber oft ein Gefühl der Freiheit und Unabhängigkeit. Das Radfahren macht uns Menschen aktiv auch gegen äußere deprimierende Einflüsse.

Erlauben Sie mir einen kleinen Tagtraum:
Gerade im Süden Europas wäre die Energiegewinnung z.B. durch Solarenergie sehr effizient. Auch sind die Flächenverhältnisse oft so, dass sich die Bevölkerung meist einen Hausgarten leisten kann. Die traditionelle Bauweise mit Steinhäusern braucht im Sommer keine Klimatisierung. Also eine kleine Familie könnte einen Twizzy (Mopedähnliches Elektroauto) oder einem anderen kleinen Solarauto und Einspeisung der Energie durch Solarkollektoren am Dach des Hauses autark betreiben. Zusätzlich ist die Familie mit E-Bikes ausgestattet. Die Menschen könnten mit einer mediterranen, das heißt fleischarmen, damit treibhausfreundlichen Ernährung aus dem eigenen Hausgarten wesentlich weniger Gesundheitsprobleme haben als mit der traditionellen mitteleuropäischen Kost. Allerdings war auch die Kost unserer Vorfahren wesentlich fleischärmer. Z.B. die vergessenen Forschungen von Prof. Lothar Wendt über die Eiweißspeichererkrankungen wären da sehr wertvoll: Man kann fast alle Volks-Krankheiten durch eine Kost mit viel Obst und Gemüse, etwas Fisch und wenig Fleisch verbessern.

So könnte man durch gute Ernährung und viel Bewegung einige Spitzen der brutalen Finanzschäden wieder wettmachen. Wie gesagt gibt es bei den krisengeschüttelten südeuropäischen Staaten viele, die keine staatliche Versicherung mehr haben, obwohl der Zugang zu einer Krankenversorgung ein Menschenrecht ist, genauso wie freie Medien das wären (die Regierung Samaras in Griechenland hatte den öffentlich rechtlichen Fernsehsender eingestellt). Das heißt, die EU hat die Rechte der Finanzindustrie höher angesetzt als die Menschenrechte.

Am schönsten wäre es, wenn eine menschenfreundliche EU die Produkte, z.B. Olivenöl  oder Biosüdfrüchte, diverse Nüsse, eventuell Datteln aber sicher Feigen, gegen Billigkonkurrenz aus der Ferne schützen würde und damit dem kleinen Bauern eine Überlebensmöglichkeit für sich und seine Familie ermöglichen würde. Kaum jemand hat diesbezüglich z.B. das  Freinhandelsabkommen mit der Ukraine beleuchtet, wo es derzeit auch keine Kleinbauern gibt, da das Land dem Staat gehört.

Ja, Mutti Merkel ist jetzt Frau des Jahres 2015 von New York Times, eine Rolle, die sie sie mit Willi Brand, Konrad Adenauer und Adolf Hitler teilt. Die oben kritisierten Werte des Kapitalismus, eben des wirtschaftsliberalen Systems waren auch die Schablonen der Reformen der Wirtschaftskrisen in Südeuropa. Das heißt für Italien, dass jetzt nur noch jeder zweite eine  Krankenversicherung hat, dass selbst die Rentner 50% Steuer zahlen müssen, doch Fiat genießt in Luxenburg ca. 1 % Steuer, was zu einer Klage der EU Kommission geführt hat, gegen die Luxenburg jetzt Einspruch erhebt. Wenn eine Krise wenigstens zu einer ökonomischen Klarheit
führen würde?

Bis jetzt hätte man meinen können, die EU wäre so etwas wie der Oligarchen-Schutzverband Europas, wo z.B. bei der Sanierung der griechischen Finanzen die Oligarchen unter Naturschutz standen und keinen Cent beigetragen haben. Ähnlich in der Ukraine wo in der EU weiter die Steuern der Oligarchen gewaschen werden und der Staat sehr nahe am Bankrott steht. Man konnte diese Infos zwar sehr lange auch in den ukrainischen Medien lesen, doch haben die Oligarchen jetzt fast alle Medien gekauft und die Journalisten müssen teilweise auch außerhalb der Ukraine diese Informationen auf freien Medien veröffentlichen. Wenn man die Pläne der großen Wirtschaft: Billigproduktion im Osten und den auch hier schon veröffentlichten Plan der Übernahme der ukrainischen Erde durch westliche Konzerne ansieht, so sind diese Pläne sehr ähnlich den Gedanken, die Adolf Hitler bezüglich dem Osten hatte.

Eine Sanierung der griechischen Finanzen über unvorstellbar große Bodenschätze war nicht gewünscht. Die verlängerten Arme der Finanzindustrie wie z.B. Merkel, Schäuble, IWF und Weltbank (siehe Ken-FM Diskussionsrunde) blockierten ein menschliches System zur Schuldensanierung. Um die Rolle Merkels und Schäubles teilweise zu verstehen, so muss man wissen, dass Deutschland nur einen Waffenstillstandsvertrag hat, die Medien  weitgehend angelsächsischen Konzernen gehören (siehe Ken-FM Diskussionsrunde), der Geheimdienst mit dem Geheimdienst unseres großen Bruders verwoben und die Politik alles andere wie frei ist. Das heißt nicht nur Lobby- abhängig sondern eben angelsächsisch –hörig-abhängig.

Man könnte also sagen, sowohl die Politik an der Spitze, Jean Claude Juncker, unter dessen Amtszeit als Finanzminister die größten Unternehmen auch der USA ca. 1% Steuersatz bekommen hatten ,als auch die Bundesregierung hat brav der Finanzindustrie gefolgt. Nebenbei fehlt das Geld dem US-amerikanischen Staat, der dann sein Budget über Rüstungsexporte saniert (ca. 60% des gesamten US-amerikanischen Exportes / siehe ebenfalls die oben genannte Ken-FM Diskussionsrunde).

Somit treibt die EU durch Steueroasen die Kriegsinteressen der USA hurtig voran. An die effektive Sanierung von Brücken, Strassen, Wasserleitungen und Kanalsystemen ist trotz verbessertem Budget nicht zu denken. Warum die USA so wenig tut um die Steueroasen in Europa zu verhindern? Vielleicht wäre das jetzt eine gute Möglichkeit, um der Bevölkerung den guten Willen der US Demokraten zu zeigen Vielleicht glauben dann tatsächlich noch viele Amerikaner, dass sie den Präsidenten der USA bestimmen und nicht 159 Familien, wie vor kurzem in „le monde“ zu lesen war (siehe LeMonde). Allerdings werden in den USA auch viele Straßenbahnen gebaut.

Erlauben Sie mir ein paar Vergleiche: Die wirtschaftlich Übergewichtigen, vielleicht auch als Sumi zu bezeichnen, erwirken die Gesetze so, dass sie noch schwerer werden und andere  verhungern. Also so ab 150kg ist man dabei, aber man möchte noch auf 200kg kommen. Bewegen kann man sich ohnehin nicht mehr viel, Sicherheit für Leib und Leben erfordert große Aufwendungen, aber man möchte doch immer schwerer werden? Jede Krise, Sanktionen, Flüchtlinge, alles wird auf dem Rücken der Bevölkerung ausgetragen.

Vielleicht noch einmal zurück zum Ausdruck „Schutzverband der Oligarchen“ für die EU:
Man kann sich verbinden. Man kann sich auch einen Verband anlegen lassen, wenn man verletzt worden ist. Man kann sich auch die Augen verbinden?

Wenn zu viel Reichtum den Neid und Hass der Verhungernden auslösen, so wäre es gut, sich nicht die Augen zu verbinden. Sonst wird man sich die brachialen Wunden, die eine immer mehr zornige Bevölkerung den Sumis zufügt, verbinden lassen müssen.

Die Politik, die sich weitgehend nach den Bedürfnissen der Wirtschaft richtet, vergisst, dass das beste Geschäft der Krieg ist, wodurch erklärt wäre, warum derzeit so viele Kriegsschauplätze da sind, wobei man keinen dieser Kriege ernsthaft führen kann, da bei der vorhandenen Rüstung die Menschheit keinen Atomkrieg überleben könnte. Trotzdem wird daran gebastelt.

Die Gewässer und Flüsse der großen Städte Europas und der USA sind weiß vor Schnee. Das heißt, man kann viel Kokain darin nachweisen, was die Gewissenlosigkeit erklären könnte, mit der viele Pläne gemacht werden.

Das erklärte auch, warum derzeit so viele konservative „christlich orientierte“ Politiker die EU regieren: Denn wenn wirklich etwas daneben geht, so kommen die natürlich in den Himmel. Als ein Arzt einer berühmte Jüdin nach dem erfolgreichen Maidan mailte, meinte er, wir beide, wir kommen natürlich in den Himmel, wenn da ein Atomkrieg entsteht, aber was machen wir mit den vielen Ungläubigen?

Und bei so vielen guten Nachrichten, da kann man sich gut ins Träumen zurückziehen. Es war wohl ein Traum, wo ich zwei hell strahlende Gestalten erlebt habe: Wer es war? War es Martin Buber, war es Mahatma Ghandi, war es der 30 Tage Papst,war es ein von Phillip dem Schönen hingerichteter Templer (Freimaurer ), war es Buddha, war es Mohammed oder Luther? Keine Ahnung, ich weiß es nicht. Ich weiß auch nicht, wer die zweite Gestalt war, vielleicht ein Engel. Es war ein klarer, heller, schöner, gelb-roter Schein und ich hörte sie miteinander sprechen.

Die eine gelbe Gestalt sprach: “Jetzt haben wir den Menschen Freiheit gegeben, und  schau was die mit dieser Freiheit machen!“

Die rote Gestalt antwortete: “Das eine ist, was die Menschen selber mit dieser Freiheit machen, das andere aber ist, was ihre Führer für merkwürdige Pläne haben.“

Der Gelbe: “Erzähle!“

Der Rote: „Zum Beispiel haben die den Plan, den Westen gegen die Chinesen einen dritten Weltkrieg machen zu lassen. Zunächst verlagern sie die gesamte Produktion in die  Sklavenproduktionsländer, und wenn die nicht mehr folgen wollen, dann gibt es Krieg! Es gibt drei Krisen, die alle einen Atomkrieg zur Folge haben könnten, den Inselstreit im Pazifik mit einer klaren Drohung eines chinesischen Admirals: Wenn die US Amerikaner dort wieder mit ihren Kriegsschiffen aufkreuzten, so gäbe es Krieg. Die US Administration hat angekündigt, dort in etwa alle drei Monate Kriegsschiffe zu hinzuschicken. In Syrien gibt es schon Krieg und auch in der Ostukraine. Sie hatten nicht nur den teilweise erfolgreichen Plan, die Herrscher von Marokko bis Moskau abzulösen.

Auch in Riad sollte das Herrscherhaus abgelöst werden und die Türkei sollte geteilt werden. Umso wenig verständlich ist, dass die Türkei den einzigen ernsthaften Verbündeten in diesen Fragen, nämlich Moskau, so vor den Kopf stößt. Wenn die Türkei nur annähernd daran denken würde, was für Waffen sowohl Amerika und Russland und auch China haben, so wundert einen vieles nicht. Zum Beispiel, dass knapp nach einer missglückten Einigung des Irans mit der UNO plötzlich ein gewaltiges Erdbeben neben dem AKW im Iran stattfand.

Die Westflanke der Türkei ist sehr Erdbeben-anfällig und es könnte dann auch leicht ein Erdbeben entstehen, wenn man einen großen Bruder im Osten reizt. Vielleicht fällt dann dem Papst  sogar seine Kaffee-Tasse aus der Hand und er freut sich, dass es wieder nicht zum 3. Weltkrieg gekommen ist? Ja, wenn die Elite-Gruppen wenigstens ihre Ankündigung, nach den Revolutionen Freiheit entstehen zu lassen, wahr machen würden. Vielleicht verwechseln sie die Freiheit mit der Freiheit der Wirtschaft und machen nur wirtschaftsliberale Systeme bei manchmal nur wenig der Schrift kundigen Menschen (Ägypten ).“

Der Gelbe: “Und wie könnte man die Menschen tatsächlich zur Freiheit führen?“

Der Rote: „ Im Prinzip wären die Gesetze der westlichen Demokratien gar nicht so schlecht, wenn man die Bürgerrechte nicht zunehmend außer Kraft setzen würde. Fast das Wichtigste wäre: Ein Schulsystem das nicht auf Subjekt-Objekt Beziehung, sondern auf Subjekt-Subjekt Dialog System (Prof. Hütter ) aufgebaut ist, könnte eine Erziehung zur Freiheit bedeuten. Also, wenn es dem guten Lehrer möglich gemacht wird, durch Freude am Stoff und durch eine gute menschliche Beziehung zum Kind nicht gute Befehlsempfänger des jeweiligen Systems zu erzeugen, sondern phantasievolle Menschen, die durch Kunst und Sport auch noch genug Ressourcen haben, Schwierigkeiten gut zu bewältigen. Solche Menschen wären auch in Krisen rasch in der Lage,
Änderungen rasch durchzuführen.

Ein ganz ähnliches System ist das jüdische Erziehungssystem, das die mütterliche Wärme und die liebevolle väterliche Strenge dann auch im Erziehungssystem weitergeführt hatte. Nicht umsonst gibt es in Israel sehr viele Alternativschulen.

Und wenn die Menschen dann freier denken können, so sind direkte Demokratie, wo wie in der Verfassung alle Macht vom Volk ausgeht, durchaus möglich. Vertrauensbildende Strukturen von der Basis an, parteiunabhängig mit immer mehr Transparenz und damit letztlich Vertrauen. Gewisse Ansätze findet man in der Schweiz, wobei aber auch mehrere Religionen und Sprachen seit Jahrhunderten zeigen,was möglich ist.“

Der Gelbe: “Und warum tun das die Menschen so wenig?“

Der Rote: “Sie werden das schon tun, gib ihnen Zeit …!“

– Und dann erwachte ich.

Bezüglich dem Krieg gegen China, wäre da nicht gerade die Idee, mit den Öko-und Menschenrechtszöllen, der bei weitem bessere Weg? Aber manchmal kann man auch vom Tierreich lernen: Wir haben zwei Katzen, einen schwarzen europäischen Hauskater und eine Siamkatze ohne Papiere, die wir deshalb angeschafft haben, damit der schwarze Kater nicht so alleine sein sollte. Doch anfangs hat der schwarze Kater den Eindringling aus Fernost so wütend empfangen, dass wir beide durch die Glaswand in unserem Wohnzimmer getrennt haben. Wo sie sich auch wütend bekämpft haben. Ein Katzenexperte riet uns dann, ohne weiteres beide Tiere zusammen zu lassen. Nach einem heftigen Kampf ohne Verletzungen hatte die Siamkatze verstanden, dass sie die Schwächere war und die beiden lieben sich sehr. Wenn der schwarze Kater zu lange weg ist, so jammert die Siamkatze kläglich und sie lecken und schlecken sich gegenseitig.

Warum aber die Konservativen nur so gerne in den Himmel wollen?

Da gibt es doch die Geschichte vom Papst der in den Himmel kam. In der Früh bekam er ein trockenes Brot, zu Mittag eine Wassersuppe und dann abends Zwieback. Am nächsten Tag wieder Wassersuppe, trockene Bohnen und Zwieback. Dann sah er hinab in die Hölle, wo die Menschen in Saus und Braus lebten.

Schließlich fragte er Petrus: „Jetzt haben wir unser ganzes Leben so gut gelebt und dann im Himmel gibt es nur noch schlechtes Essen?“

Petrus antwortete: „Meinst Du, rentiert es sich. für uns zwei zu kochen?“

Aber vielleicht wollen die Konservativen im Himmel tatsächlich abnehmen?

Wir danken dem Autor, der gerne anonym bleiben mag.

Eine würdige Bundeshymne für unser Zeitalter des akademisch akkreditierten Wahn-Sinns

Österreich hat gerade eine hitzige Diskussion hinter sich, ob die Bundeshymne überhaupt noch zeitgemäß sei oder man sie nicht besser ändern sollte.

Wahrlich keine leichte, und vor allem keine sehr appetitliche Aufgabe, einer der jetzigen Zeit entsprechenden Bundeshymne passende Worte zu leihen – einer Zeit, die man in späteren Zeitaltern vermutlich einmal als Epoche des akademisch akkreditierten Wahn-Sinns, als „Zeitalter der mammonistischen Endvertrottelung“ oder so ähnlich bezeichnen wird.

Da Österreich zufolge eines seiner bekanntesten Kabarettisten, Helmut Qualtinger „ein Labyrinth ist, in dem sich jeder auskennt“, ist bei der im Parlament und über alle Medienkanäle ausgetragenen Diskussion natürlich nichts herausgekommen.

Die Deutschen täten sich da wesentlich leichter. Einer ihrer altgedientesten Künstler und Liedermacher, Reinhard Mey, hat bereits eine perfekte, auf den aktuellen Zeitgeist und die soziopolitische Großwetterlage maßgeschneiderte Bundeshymne aufs Papier gebracht.

Da die deutsche Bundesregierung ja kein Problem damit hat, dem Oligarchen Poroschenko Milliardensubventionen zufließen zu lassen, damit der dann mit diesem Geld in der Hosentasche in diesem Supermarkt hier einkaufen gehen und den eigentlich nicht mehr finanzierbaren Bürgerkrieg gegen die eigenen Leute im Osten seines Landes am Dampfen halten kann – na da wären das doch Peanuts, wenn man Reinhard Mey ein paar Tantiemen zahlt und sich zumindest eine neue, zeitgemäße Bundeshymne leistet.

Man stelle sich die andächtigen Gesichter und die hoch schlagenden Herzen unserer Fußballesterer-Nationalgarde vor, und auch die stolz erhobenen Brüste unserer Murkselpolitiker auf den Ehrentribünen der Stadien, wenn sie vor Anpfiff des Spieles mit zur Raute gefalteten Händen in Reih‘ und Glied stehen und dann eine solche Bundeshymne durch die Lautsprecher tönt:

   „Das Narrenschiff“ (von Reinhard Mey)

Das Quecksilber fällt, die Zeichen stehen auf Sturm,
Nur blödes Kichern und Keifen vom Kommandoturm
Und ein dumpfes Mahlen grollt aus der Maschine.
Und rollen und Stampfen und schwere See,
Die Bordkapelle spielt „Humbatäterä“,
Und ein irres Lachen dringt aus der Latrine.
Die Ladung ist faul, die Papiere fingiert,
Die Lenzpumpen leck und die Schotten blockiert,
Die Luken weit offen und alle Alarmglocken läuten.
Die Seen schlagen mannshoch in den Laderaum
Und Elmsfeuer züngeln vom Ladebaum,
Doch keiner an Bord vermag die Zeichen zu deuten!

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf‘s Riff.

Am Horizont wetterleuchten die Zeichen der Zeit:
Niedertracht und Raffsucht und Eitelkeit.
Auf der Brücke tummeln sich Tölpel und Einfaltspinsel.
Im Trüben fischt der scharfgezahnte Hai,
Bringt seinen Fang ins Trockne, an der Steuer vorbei,
Auf die Sandbank, bei der wohlbekannten Schatzinsel.
Die andern Geldwäscher und Zuhälter, die warten schon,
Bordellkönig, Spielautomatenbaron,
Im hellen Licht, niemand muß sich im Dunkeln rumdrücken
In der Bananenrepublik, wo selbst der Präsident
Die Scham verloren hat und keine Skrupel kennt,
Sich mit dem Steuerdieb im Gefolge zu schmücken.

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf‘s Riff.

Man hat sich glatt gemacht, man hat sich arrangiert.
All die hohen Ideale sind havariert,
Und der große Rebell, der nicht müd‘ wurde zu streiten,
Mutiert zu einem servilen, gift‘gen Gnom
Und singt lammfromm vor dem schlimmen alten Mann in Rom
Seine Lieder, fürwahr: Es ändern sich die Zeiten!
Einst junge Wilde sind gefügig, fromm und zahm,
Gekauft, narkotisiert und flügellahm,
Tauschen Samtpfötchen für die einst so scharfen Klauen.
Und eitle Greise präsentier‘n sich keck
Mit immer viel zu jungen Frauen auf dem Oberdeck,
Die ihre schlaffen Glieder wärmen und ihnen das Essen vorkauen.

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf‘s Riff.

Sie rüsten gegen den Feind, doch der Feind ist längst hier.
Er hat die Hand an deiner Gurgel, er steht hinter dir.
Im Schutz der Paragraphen mischt er die gezinkten Karten.
Jeder kann es sehen, aber alle sehen weg,
Und der Dunkelmann kommt aus seinem Versteck
Und dealt unter aller Augen vor dem Kindergarten.
Der Ausguck ruft vom höchsten Mast: Endzeit in Sicht!
Doch sie sind wie versteinert und sie hören ihn nicht.
Sie zieh‘n wie Lemminge in willenlosen Horden.
Es ist, als hätten alle den Verstand verlor‘n,
Sich zum Niedergang und zum Verfall verschwor‘n,
Und ein Irrlicht ist ihr Leuchtfeuer geworden.

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf‘s Riff…

(Quelle: http://www.reinhard-mey.de/start/texte/alben/das-narrenschiff)

***

Hier auch das Live-Musikvideo:

Winfried Schmickler – Ich weiß es doch auch nicht

[Video, bitte Beitrag anklicken]

Teil 1:

Teil 2:

Frauenhass in Deutschland – 2010

:-D

Wir haben ja jetzt wieder Schwulenhass. Ich dachte eigentlich, Westerwelle zeigt, das die Zeiten endlich vorbei sind.

Das war falsch.

Wir haben auch wieder Ausländerhass. Ich dachte eigentlich, Özdemir hätte gezeigt, das dies vorbei ist.

Das war falsch.

Wir haben auch Arbeitslosenhass. Der ist nicht vorbei – auch wenn die Wirtschaftskrise manchen nachdenklich gemacht hat, ob man nicht selbst irgendwann mal … immerhin, das man Ausländer oder schwul wird, kann man steuern. Was man nicht steuern kann ist … ob man eine Frau ist oder nicht.

Auch dort wird gehasst … und zwar gewaltig.  Zum Beispiel … bei Isi

Meine Kinder und ich sollten ja nun schon mehrfach vergewaltigt werden, in mehreren Sitzungen, übermittelt in verschiedenen PLattformen, von mehreren Tätern, auf viele verschiedene Arten und in viele verschiedene Körperöffnungen. Dass wir alle dabei zu Tode kommen, sollte dabei vorallem das erhängt, erschossen oder vergast werden müssen vermeiden. Darüber soll ich mich dann auch noch freuen. Immerhin blieben mir so aber die Schmerzensschreie meiner Kinder erspart.

Es scheint mir kaum glaublich, das wir … „Tatort Internet“ diskutieren und solche Erscheinungen am Rande liegen lassen. Frauenhass ist ein Thema, von dem ich dachte, es sei abgehakt. Wenigstens das … dachte ich … hätten wir hinter uns. Immerhin ist eine Frau Regierungschefin. Gut, die wird auch gehaßt, aber doch eher wegen des Inhalts und nicht wegen der Verpackung, oder.

Frauenhass ist auch ein Thema, dem man als Mann kaum begegnet … wahrscheinlich, weil einem die notwendige Sensibilität fehlt. Mir wird ja eigentlich schon mulmig, wenn nackte Frauen Reklame für Autoreifen  machen – aber ich habe mir abgewöhnt, das zu thematisieren. Auf die Verurteilung von Pornographie, Prostitution und Abtreibung gehe ich schon gar nicht mehr ein … ich wirke dann wie ein alter Konservativer, der auf dem Weg zum Katholikentag ist. Es gibt Gründe für und gegen Abtreibung (gute Gründe und sehr gute Gründe) aber man sollte sich immer darüber im Klaren sein, das man da eine Grenze überschreitet: Leben wird … verhandelbar. Der Schritt zur Elemination anderen unwerten Lebens wird leichter – trotz der guten und sehr guten Gründe.

Es gibt Gründe für Prostitution (weniger gute, wie ich finde), aber auch dort wird eine Grenze überschritten: der Mensch wird Ware – wie auch in der Pornographie. Massenware. Mensch – Entschuldigung, ich sollte „Frau“ sagen.  Andererseits sind beide Erscheinungen Ausdrucksformen der menschlichen Freiheit – so sagt man mir – und als solche zu akzeptieren. Dem kann und muß ich dann zustimmen, wiewohl die die Berieselung von Menschen mit Bildern paarungswilliger Frauen für an sich problematisch halte … es wird ein recht fragwürdiges Frauenbild transportiert, was zu Problemen führt, wenn die reale Partnerin mal … nicht so gut funktioniert wie die Cellophan- und Mietfrauen und zur Begattungsverweigerung tendiert. Aber gut – was weiß ich schon. Außerdem bin ich ein Mann und deshalb befangen, auch ein Grund, sich aus der Debatte herauszuhalten, die 1991 in der Emma noch einen tödlichen Beigeschmack hatte:

Am 6. Oktober 1991 starb Angelika Bayer, vergewaltigt und erwürgt. Sie ist eine von vermutlich Hunderten von Frauen allein in Deutschland, die Tag für Tag vergewaltigt, gefoltert – und getötet werden. Motiv: FRAUENHASS.

In der Dezember-Emma 1991 fragte Alice Schwarzer: „Warum starb Angelika Bayer?“ und gab die Antwort: „Weil sie eine Frau war!“ Sie schloss: Frauenmorde sind keine Kavaliersdelikte und auch kein Zufall, sie haben System. Sie sind die letzte Konsequenz des tiefen und alltäglichen Frauenhasses. Ihr Ziel ist – ganz wie beim Fremdenhass – die Entwürdigung und Einschüchterung einer bestimmten Menschengruppe: nämlich aller weiblichen Menschen. Damals schrieb Emma, dass wir das nicht länger hinnehmen wollen.

Entwürdigung und Einschüchterung … nun, ich dachte, das sei vielleicht einfach auch nur eine Randerscheinung der Piratenpartei (gibt es die eigentlich noch?), die ja auch ansonsten seltsame Blüten getrieben hatte. Dann jedoch stieß ich auf etwas, das mich über mich selbst ärgerte: ich hatte den Aspekt nicht gesehen. Na ja, ich sagte schon: ich bin ein Mann.  So fand ich in der FAZ einen Artikel mit verstörendem Inhalt:

Auf Empörung ist bei einigen Einwohnern Winnendens ein Beitrag der Feministin Alice Schwarzer in der Zeitung „Welt“ gestoßen. Die Autorin hatte behauptet, der Amoklauf von Tim K. sei das erste Massaker mit dem „Motiv Frauenhass“ in Deutschland gewesen. Zwar hat Tim K. acht Mädchen und nur einen Jungen in der Schule erschossen, vermutlich lässt sich dies aber einfach mit der zufälligen Zusammensetzung der Klassen erklären – im Klassenraum waren mehr Mädchen als Jungen anwesend.

Vermutlich … ja.  Vermuten kann man vieles. Aber bei Alice Schwarzer hört sich das plausibel an:

Was eigentlich wäre los, wenn Tim K. in einer gemischten deutsch-türkischen Klasse zu über 90 Prozent Türken erschossen hätte? Die Hölle wäre los! Im ganzen Land gäbe es Proteste und Demonstrationen gegen die Ausländerfeindlichkeit. Doch in diesem Fall hat es sich ja nur um Frauenfeindlichkeit gehandelt.

Ich denke, es wäre plausibel, was los wäre, oder? Das Getöse höre ich bis in die Eifel hinein, was hätten sich wieder alle aufgeregt. Aber so … ach, ein paar Schlampen erschossen … na ja. Werden wohl selbst Schuld sein.  Liegt ja auch laut Emma international im Trend:

In Amerika gab es allein in den letzten drei Jahren 16 Massaker durch Schüler, immer nur Schüler, mit insgesamt 40 Toten und 83 Schwerverletzten, meist Mädchen und Frauen. Es ist keineswegs ausgeschlossen, dass solche Verhältnisse auch auf uns zukommen. Denn die Jungen leben in derselben Welt zwischen Verunsicherung und Aufrüstung, ihre bewaffneten Väter sind in der Bürgerwehr oder im Schützenverein (und notfalls tut’s auch ein Küchenmesser), und sie spielen dieselben Ballerspiele am Computer, verschärft vom amerikanischen Militär.

Na dann ist ja gut. Da können die Einwohner von Winnenden ja zusätzlich beruhigt sein, selbst wenn Alice Recht behält, so sind sie nicht besonders frauenfeindlich sondern nur guter Durchschnitt, da kann man dann ja die Empörung wieder beruhigt zurückfahren. Es stellt sich natürlich die Frage, ob es sich hier nicht nur um isolierte Phänomen handelt – plus „Zufall“.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Gesundheit („Gedöns“, wie das Ex-Kanzler Schröder mal nannte und damit Kinder- Frauen- und Altenfeindlichkeit einen öffentlichen Segen gab) sieht das anders und kommt nebenbei zu Ergebnissen, die eigentlich verblüffen müßten:

Anders als bei Jugend(gruppen)gewalt und elterlicher Misshandlung von Kindern im Kontext der Erziehung konzentriert sich Gewalt von Männern gegenüber Frauen in Paarbeziehungen nicht auf soziale Brennpunkte, sondern wird überwiegend von Angehörigen der mittleren und hohen Bildungs- und Sozialschichten verübt und erlitten. So verfügte mehr als ein Drittel der Frauen und ihrer Partner (37–38 Prozent), die in Mustern schwerer körperlicher,psychischer und sexueller Misshandlungen lebten (Muster 5 und 6), über Abitur/ Fachabitur oder Hochschulabschlüsse, und nur 3–4 Prozent der Betroffenen hatten weder einen qualifizierten Schul-, noch einen qualifizierten Ausbildungsabschluss.

Die Täter schwerer körperlicher, sexueller und psychischer Gewalt in aktuellen Paarbeziehungen waren zudem mehrheitlich beruflich eingebundenund nicht von Sozialleistungen abhängig, und sie lebten mit ihren Partnerinnen zu etwa zwei Dritteln in Haushalten mit mittleren und gehobenen Einkommenslagen. Darüber hinaus hatte die große Mehrheit der Männer und Frauen keinen Migrationshintergrund. Gewalt, auch schwere Gewalt in Paarbeziehungen ist, wie die Untersuchungaufzeigt, nicht als Problem marginalisierter Randgruppen anzusehen, sondern findet tatsächlich – weitgehend unbemerkt – in der Mitte der Gesellschaft statt.

Täter und Opfer sind …. die wohlgelobten  Leistungsträger. Na ja – bei dem Kanzlerwort kein Wunder. Ebenfalls kein Wunder, das dieses Thema medial kaum in Erscheinung tritt – nur am Rande erkennt man manchmal ein leichtes Aufflackern, aber ansonsten … Stille. Kein Wunder: der vielgelobte Leistungsträger, die vielgelobte Leistungsgesellschaft scheint da eine ganz häßliche Seite zu haben – also doch keine weiterer isolierter Akt der Piratenpartei sondern eine ernste Bedrohung der Zivilgesellschaft. Ernste Bedrohung? Nein. Diese Daten zeigen, das diese Gesellschaft für viele Menschen weiblichen Geschlechts schon längst eine unzivilisierte Gesellschaft geworden ist. Die Formen der Gewalt sind vielfältig, hier beim Bundesverband der Frauen gegen Gewalt:

Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter, beispielsweise
– Sexuelle Belästigung
– Demütigung
– Beleidigung
– Prügel
– Bedrohung
– soziale Kontrolle
– sexuelle Nötigung
– Stalking
– Vergewaltigung

Der Frauennotruf Frankfurt bietet da noch mehr Daten:

40% der Frauen in Deutschland haben seit ihrem 16. Lebensjahr körperliche und/oder

sexuelle Gewalt erlebt.

• 25% der in Deutschland lebenden Frauen haben Gewalt durch aktuelle oder frühere

Beziehungspartner erlebt (häusliche Gewalt).

• 13% der in Deutschland lebenden Frauen haben seit dem 16. Lebensjahr strafrechtlich

relevante Formen sexueller Gewalt erlebt.

• 42% der in Deutschland lebenden Frauen haben psychische Gewalt erlebt, z.B.

Einschüchterung, Verleumdungen, Drohungen, Psychoterror.

Es zeigt: wir hassen nicht nur Kinder, Alte und Arbeitslose. Auch Frauen.  Manche scheinen die Jagd auf Frauen, die sich des Problems annehmen, als Sport zu betreiben, hier bei Piratenweib gefunden (wo man, nebenbei bemerkt, auch viele schöne Beispiele für den Umgang der Piratenpartei mit Piratinnen finden kann).

Was habt ihr denn bisher so an Femis erlegt?

Ich habe real eine Frauenbeauftragte abgeschossen (leider nur beruflich) und eine Feministin völlig fertig gemacht – absolut mundtot :-D

Gibt zwei Kerben und zwar nicht am PC 😛

Greets

Gehts noch schlimmer? Immer. Der Mädchenblog hat eine Artikel und eine Sammlung von Links über Frauenhass im Netz veröffentlicht und zeichnet ein düsteres Bild unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit.

Liebe Ladys,

für Frauen ist Bloggen etwas anderes als für Männer. Denn die machen selten die Erfahrung von sexistischen Kommentaren und frauenfeindlichen Angriffen. Für viele Bloggerinnen dagegen sind diese Alltag.

Es gibt Frauenhass im WWW seit es das Internet gibt. Die meisten Frauen nehmen dies hin, meistens sind die Kommentatoren anonym und es damit schwierig, sie zu belangen. Und so wie einem früher die Mutter riet, abends nicht durch dunkle Gassen zu schleichen, verzichten heute viele Frauen darauf, unter ihrem echten Namen zu schreiben – oder sie verzichten gleich ganz, gesellschaftskritische Ansichten im Netz zu veröffentlichen.

Doch immer mehr Bloggerinnen wollen sich mit diesem Tabu nicht mehr abfinden und schreiben ihre Erfahrungen auf. Deswegen schicke ich heute eine kleine, auf jeden Fall unvollständige Liste von Lese-Empfehlungen rum – mit der Bitte, das Thema auch im eigenen Blog aufzugreifen.

Der Artikel ist aus dem Jahre 2010. 19 Jahre nach dem Artikel in der Emma. Früher hatte ich den Eindruck: man wirft ein Problem auf, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft kümmern sich darum und alles wird gut.

Heute habe ich den Eindruck nicht mehr.  Ich merke selbst an mir, das ich dieses … zahlenmäßig größte tödliche Problem unserer Gesellschaft selber kaum wahrnehme und das sich – außer in der öffentlichen Darstellung – am Grundproblem kaum was geändert hat.

Und für die Maskulisten unter uns: der Autor dieser Zeilen ist Opfer lebensbedrohlicher Gewaltausübung durch Frauen. Ich war stärker. Deshalb weiß ich, wie man sich fühlen muß, wenn es nicht so ist.  Ich weiß also auch das es das auch gibt – eine Freundin von mir hat ihren Mann mit einem Schürhaken verdroschen.  Im Unterschied zu diesen persönlichen Entgleisungen hat Gewalt gegen Frauen allerdings eine strukturelle Komponente – einfach mal nach Frauenwitzen googeln. Da kann einem schlecht werden. Ersetzt man dort „Frauen“ z.b. durch „Juden“ … ist man mitten drin im SA-Stammtisch Braunau am Inn. Und die Frage, mit der ich mich seit Monaten auseinandersetze (können Zustände wie in Ruanda auch bei uns auftreten?) stellt sich eigentlich nicht mehr: wir haben sie schon. Wir reden nur nicht drüber und machen es selten auf offener Straße.


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