Waffenlieferung

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2022 – Deutschland erklärt Russland den Krieg

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Freitag, 29.4.2022. Eifel. Wer hätte das gedacht, dass es nochmal so eine Schlagzeile gibt: Deutschland erklärt Russland den Krieg – mal wieder. 2022 – die große Konfrontation der Supermächte ist vorbei, die Diktaturen Geschichte, die Welt wächst und gedeiht: da dreht der deutsche Bundestag komplett durch und erklärt der stärksten Nuklearmacht der Welt den Krieg – einfach so. Haben Sie nicht mitbekommen? Nun denn: dann möchte ich das kurz mal in Erinnerung rufen. Unser Hauptnachrichtenorgan, die Tagesschau, informiert uns am 22.4 darüber, dass unser Bundeskanzler einen Atomkrieg befürchtet (siehe Tagesschau):

„Der Kanzler bekräftigte in dem Gespräch eine Warnung, die er schon seit Wochen – quasi seit Kriegsbeginn – immer wieder anführt. Deutschland sei Teil der NATO und zwischen dem Militärbündnis und einer „hochgerüsteten Supermacht wie Russland“ dürfe es nie zu einer „direkten militärischen Konfrontation“ kommen. Dabei gehe es nicht um Angst, „sondern um politische Verantwortung“.“

Man möchte ihm Recht geben. Es geht hier nicht nur um eine Frage der politischen Moral, die in intellektuellen Kreisen bei Latte Machiato im feinen Café debattiert werden, sondern um eine plötzlich eskalierende militärische Auseinandersetzung, die geeignet ist, aus Westeuropa eine glühende Wüste zu machen. Im gleichen Kommentar finden wir auch eine Botschaft des russischen Präsidenten:

„Die Sorge, der Krieg könnte sich ausweiten, ist eines der zentralen Argumente, mit denen die Bundesregierung ihre Entscheidung begründet, keine schweren Waffen in die Ukraine zu liefern. In der Vergangenheit hatte der russische Präsident Wladimir Putin gedroht, ein solcher Schritt mache einen Staat zur direkten Kriegspartei – und damit zur direkten Bedrohung für Russland.“

Klare Ansage, oder? Liefere Waffen an meinen Feind – und Du wirst zum Feind. Keine neue moralische Perspektive: die US-Kavallerie hat gnadenlos jene Händler verfolgt, die den Sioux Winchestergewehre gegen Büffelfelle lieferten – jedes Gewehr bedeutete den Tod für die eigenen Kameraden. Wenn ich also eine solche Ansage habe, eine rote Linie sehe und ich latsche da arrogant und ignorant rüber, liefer den Sioux weiter Waffen: was bedeutet das dann?

Russlands Präsident wird aber noch deutlicher (siehe Tagesschau, 27.4.2022):

„Der russische Präsident Wladimir Putin hat Unterstützern der Ukraine mit schnellen Gegenschlägen gedroht. Wer sich von außen einmischen wolle und eine für Russland unannehmbare strategische Bedrohung schaffe, müsse wissen, dass die Antwort „blitzschnell, rasch“ sein werde, sagte er bei einer Versammlung von Spitzenfunktionären in St. Petersburg“

Klare Worte. Was wäre denn eine strategische Gefahr? Nun – womöglich ein Sieg der Ukraine über Russland, wie ihn derzeit US-Minister prophezeien (siehe FAZ):

„Der erste Schritt zum Sieg ist der Glaube daran, dass man gewinnen kann“, sagte Austin. Davon sei die Ukraine überzeugt. Russland müsse weiter geschwächt werden. Durch den Krieg habe das Land bereits „viele militärische Fähigkeiten eingebüßt“ und viele Soldaten verloren. „Wir wollen, dass Russland so weit geschwächt wird, dass es zu so etwas wie dem Einmarsch in die Ukraine nicht mehr in der Lage ist.“

Das ist natürlich erstmal nur reine Propaganda, Wunschdenken, hirnrissige Phantasien, die sich durch nichts belegen lassen – aber was sich belegen läßt, ist die strategische Bedrohung: die US-Regierung ist bereit, gegen Russland Krieg zu führen bis zum letzten Ukrainer. Und wenn Russland erstmal so weit geschwächt wurde, dass es zu so einer kleinen Leistung wie dem Einmarsch in die Ukraine (der bislang nur sehr punktuell erfolgte, was man immer gerne übersieht) nicht mehr in der Lage ist … dann ist Russlands strategische Situation so schwach geworden, dass beliebige Söldnerbanden im Land die Macht ergreifen können – unter freundlicher „Beratung“ der US-Armee, deren Veteranen insgeheim die ukrainischen Truppen befehligen (siehe hierzu das Interview auf Youtube: French reporter Régis Le Sommier, former deputy director of Paris Match, responded to Zelensky’s call to volunteer for the Ukrainian Foreign Legion, he was shocked by the revelations that Ukrainian forces are „unofficially“ led by American commanders with experience in combat operations in the Middle East.)

Wir haben also eine strategische Bedrohung vorliegen, wenn weiterhin Waffen geliefert werden.

Und was beschließt der deutsche Bundestag? Am 28.4.2022 (siehe Tagesschau): die Lieferung schwerer Waffen in die Ukraine.  Was wird geliefert? Veraltete Militärtechnik, die im Ernstfall die ukrainischen Soldaten mehr gefährdet als ihre Feinde – aber das ist ja erstmal egal. Wird ja bezahlt – vom deutschen Steuerzahler. Flakpanzer Gepard, seit 10 Jahren nicht mehr im Einsatz bei der Bundeswehr, mehrere Dutzend davon. Kampfpanzer Leopard 1 (gebaut von 1964 – 1984 – die Zierde jedes Heimatmuseums) – auch ein paar Dutzend. Moderne Panzerhaubitzen 2000, hundert Stück – genau das, was die Ukraine immer wollte. Ein Wunschkonzert für Potentaten und Oligarchenkasperle, die jede linke Opposition im Land verboten haben und die Gewerkschaften zerschlagen wollen (siehe klassegegenklasse): solche Helden unterstützen die Oligarchen des Westens gern, Helden, die gerne mal das ganze russische Volk zum Feind erklären wie der Botschafter der Ukraine in Deutschland (siehe FAZ) – wobei man sich unwillkürlich fragt: was machen die denn dann mit den Russen, wenn die den Krieg gewonnen und Moskau eingenommen haben – wie es ihnen die USA suggerieren?

Das ist eine offene Kriegserklärung an Russland, getragen von einer breiten Bewegung innerhalb der westlichen Oligarchenmedien (darf man das so nennen – jetzt, wo unsere Oligarchen die Nachrichtendienst Twitter kaufen? Oder bekommen unsere Oligarchen eine andere Bezeichnung?), die seit Monaten Angst verbreitet: Putin will die ukrainische Kultur zerstören (siehe t-online), die Zivilbevölkerung wird „bewusst und systematisch“ ausgelöscht (siehe Spiegel vom 18.3.2022), das russische Volk systmatisch belogen (siehe Zeit) und ein Umsturz in Russland steht im Prinzip kurz bevor (siehe ntv). Es lohnt sich übrigens auch mal zu schauen, welche russischen Oligarchen – achtzig Prozent – von den Sanktionen gar nicht betroffen werden, weil sie mit westlichen Oligarchen hervorragende Geschäftsbeziehungen haben (siehe manager-magazin): da merkt man, dass es eine internationale Allianz von Krähen gibt, die sich gegenseitig nicht  behelligen.

Aber kehren wir zum Thema zurück: reicht das nun, um zu vermuten, dass Russland die von Präsident Putin erwähnte „unannehmbare strategische Bedrohung“ feststellt – und zurückschlägt?

Nun – das werden wir in den nächsten Tagen sehen.

Lange Zeit galt ein Atomkrieg als unführbar, die völlige totale Vernichtung aller Beteiligten galt als sicher, ebenso die absolute Verwüstung der Erde durch radioaktiv verseuchte Stürme und ewige Dunkelheit in Folge großer Mengen von Staub und Asche in der Luft. Dann jedoch mischte sie „die Wissenschaft“ wieder ein und schuf eine neue Generation von atomaren Sprengköpfen, die sogenannten „Mini-Nukes“ (siehe Deutschlandfunk von 2020), kleine, taktische Atomwaffen, die auf dem Gefechtsfeld große gegnerische Einheiten pulverisieren können, ohne gleich ganze Landstriche zu verwüsten. Ihre Sprengkraft läßt sich beliebig verstellen (siehe Atomwaffena-z):

„Die Sprengkraft der Waffen ist unterschiedlich variabel, von 0,3 KT bis zu 45 KT (Modell B-61-4) oder bis zu 170 KT (Modell B-61-3). Letzteres entspricht mehr als der 13-fachen Zerstörungskraft der Hiroshima-Bombe.“

Wollen wir uns nochmal anschauen, was die Hiroshima-Bombe angerichtet hat? Gern (siehe Atomwaffena-z):

„Eine ungeheure Druckwelle, die auch im Umkreis von 40 Kilometern wahrgenommen wurde, zerstörte die Stadt. Es folgten Feuerstürme mit Windgeschwindigkeiten von über 250 km/h und Bodentemperaturen von über 1.000 Grad Celsius. Glas und Eisen schmolzen, der Asphalt brannte. Zu den geschätzt 70.000 Bewohnern, die sofort tot waren, kamen bis Ende des Jahres 1945 weitere 70.000. Fünf Jahre später sollten es 200.000 werden. Die Strahlung tötete auch mit Zeitverzögerung, den bis heute erkranken und sterben Menschen an Krebs infolge der Verstrahlung.“

Mininukes dürften ähnliche Bodentemperaturen erzeugen, eine ähnliche Druckwelle – die aber nicht so weit reicht. 13,4 Kilotonnen entfalteten sich in Hiroshima, 0,3 bei kleinen, taktischen Mininukes, die man gegen Flughäfen (zum Beispiel Nörvenich) oder Atombombendepots (zum Beispiel Büchel) einsetzen kann – oder gegen die Waffenfabriken. Gibt überhaupt nur vier Fliegerhorste und zehn große Rüstungsfirmen (siehe Produktion): das wäre schnell erledigt. Wer glaubt, dass Russland das im Prinzip nie machen würde, vergisst, dass seit 2015 genau davor zunehmend gewarnt wird (siehe Deutschlandfunk).

Was würde dann passieren?

In den feuchten Träumen der Wohnzimmerstrategen würden die USA Russland pulverisieren – so schnell, dass die gar nicht reagieren könnten, nur … würden die USA wirklich New-York als Rache für Büchel in Gefahr bringen … oder nicht lieber doch auf einmal Besonnenheit und Frieden predigen? Hat ja nur die blöden Deutschen getroffen. Die englische Bevölkerung wurde auf jeden Fall schon mal informiert, dass die Nato sich gar keinen Krieg mit Russland leisten kann (siehe independent). Womöglich würde die Zahl der Putin-Versteher auf einmal explodieren. Russland würde das bekommen, was es schon immer wollte: seine Ruhe. Das atomar verseuchte Deutschland würde als Pufferzone zur Nato völlig ausreichen. Hielte ich für das wahrscheinlichste Szenario – die USA dürften nicht vergessen haben, dass sie die meisten Kriege der letzten fünzig Jahre verloren haben – vor allem in Vietnam und Afghanistan. Langsam wird auch klar, dass man Russland nicht „niederschreiben“ kann – und alle Gerüchte über seinen Bankrott nur feuchte Träume einer Koks-und Nuttenjournaille waren: die Kriegskasse ist prall gefüllt (siehe ntv).

Aber womöglich hat die Oberklasse auch Lust auf mehr Unterhaltung, immerhin haben sie reichlich Bunker für den Ernstfall (siehe Stern) und einen Saatguttresor für den Wiederaufbau (siehe br). Und war die Erde nicht sowieso schon zu voll – mit Menschen? Bräuchte es nicht wirklich mal wieder eine gründliche Reinigung, eine Eiszeit, die die Ballastexistenzen entfernt? Was da erinnert werden darf: die sehr einflussreichen Evangelikalen in den USA, die Putin jetzt als Werkzeug Gottes sehen, das die Endzeit einläutet (siehe domradio). Diese „falschen Christen des Westens“ (Alfred Schütze, Das Rätsel des Bösen) haben nicht nur keine Angst vor dem Atomkrieg, sie sehnen ihn geradezu herbei, denn: danach kommt das Reich Gottes auf Erden, Christus persönlich verteilt Einkaufsgutscheine und alles riecht nach Orchideen … und was uns lustig erscheint, meinen die todernst. Und die haben eine enorme politische Macht in den USA, machen noch 19 Prozent der Bevölkerung aus (siehe Deutschlandfunknova) – und ihr politischer Einfluss ist enorm.

Noch Hoffnung, dass sich der nukleare Schagabtausch verhindern läßt.

Ich nicht.

Wirklich nicht.

Es sei denn: Putin ist nicht so böse, irre, gemein wie alle immer sagen.

Wenn doch: nun ja.

Viel Spaß mit kochendem Asphalt.

Und was ist mit denen, die uns jeden Tag predigen, dass wir unsere Freiheit in der Ukraine verteidigen müssen – gegen massenmordende, brutale russische Horden? Die sind uns noch die Antwort auf die Frage schuldig, wie die Welt nach der Niederlage Russlands eigentlich aussehen soll, wie wieder Frieden in die Welt kommt – selbst wenn die Russen die Hände von den Nuklearwaffen lassen.

Aber in diesen Zeiten das Wort Frieden in den Mund zu nehmen, auf Friedens- und Konfliktforschung zu verweisen, Menschenleben in Milliardenhöhe retten zu wollen macht einen ja schon verdächtig, ein „Putin-Versteher“ zu sein. Einer, der auch womöglich Feindsender schaut. Und ungehorsam gegenüber der Regierung ist. Und wie 33-45 ist man damit nicht gut angesehen. So weit sind wir schon wieder.


 

 

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