Völkerwanderung

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Klimafluch und Klimaflucht

Der Tschadsee in der Sahelzone ist seit den 60er Jahren wegen der zunehmenden Hitze bereits um 90 Prozent geschrumpft. Im Laufe dieses Jahrhunderts wird er vermutlich ganz verschwunden sein. Die ca. 40 Millionen Menschen, die noch immer von ihm leben, werden gezwungen sein, weiter in Richtung Süden zu migrieren, dorthin, wo es noch mehr Regen gibt. Eine Katastrophe mit Ansage.

Hartz IV: „Vernichtung durch Lebensverhältnisse“ – Sanktionen bald strafbar?

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Donnerstag, 18.2.2016. Eifel. Wir müssen noch einmal über die dunklen Zeiten reden. Ja – über das Dritte Reich. Ich weiß: viele mögen nicht, wenn darüber gesprochen wird. Man sollte das doch langsam mal vergessen, irgendwann ist genug damit, man muss das doch auch mal ruhen lassen – Sie kennen die Sprüche. Sie könnten auch stimmen – hätte es jemals eine gründliche Aufarbeitung dieser Zeit gegeben. Noch immer haben wir keine Ahnung, was in diesen Jahren eigentlich geschehen ist, welche Prozesse eigentlich das Volk der Dichter und Denker dazu brachte, seine eigene Vernichtung industriell zu organisieren – dabei wäre die Beantwortung der Frage enorm wichtig, warum das geschehen konnte – ohne eine Antwort auf diese Frage können wir nie ausschließen, dass es sich wiederholt.

Zudem ist die Situation heute noch verschärft: gesellschaftliche Kräfte, die sich als „links“ beschreiben, aber eigentlich nur Büttel eines nach nach extrem rechts abdriftenden Systems sind, verhindern ruhige und systematische Reflexion über diese Zeit: sie wollen die Holocaust als einmaligen Unfall der Geschichte in der Vergangenheit für sich konservieren und hängen jedem eine moralische Anklage an, der Parallelen zur momentanen aktuellen Entwicklung der deutschen Gesellschaft sieht, die noch keine Vernichtungslager hat … aber allmählich wieder mehr und mehr „unwertes Leben“ zu definieren beginnt – jenes Leben, das dann im Laufe der Zeit „teuer“ und „lästig“ wird, weshalb man nach einer „Endlösung“ verlangt, die die Ausgaben betriebswirtschaftlich sinnvoll minimiert und die Gemeinschaft von den ganzen Parasiten und Schmarotzern befreit, wie es schon einmal der Fall war.

Es gibt funktionale Erklärungsversuche (siehe zum Beispiel das Experiment „Die Welle“), wie sich solche Systeme nahezu automatisch auch in demokratisch organisierten Gesellschaftsformen etablieren können, wie allein die Definition eines „wir“ und eines „ihr“, gemischt mit einer strammen Disziplin des „wir“, die keinerlei Reflektion oder Widerspruch ermöglicht, Grundlagen für die Entwicklung von Vernichtungslagern für Andersdenkende (die in diesem geschlossenen System schlichtweg keinen Sinn mehr machen, deren Existenz einfach nur überflüssig und … lästig ist) sind – doch selbst diese Erkenntnisse werden heute angezweifelt, im Verborgenen gehalten, kaum noch erinnert, womöglich, weil einem dann sehr unheimlich werden würde.

Wir haben heute wieder dieses gelebte „Wir“ – es hat sich in der geschlossenen Ablehnung von Arbeitslosen (Codebezeichnung: „Hartzer“) gezeigt, oder aber in der Euphorie über eine Million Flüchtlinge, die nach Deutschland strömen: wehe, es übt jemand an dem „Wir“ Kritik – es drohen ihm übelste Beschimpfungen. Überhaupt steigt der Zorn des „Wir“ auf die anderen unglaublich an – wie viele harmlose Friedensdemonstranten erfahren mussten. Gerade jene, die seit Jahrzehnten als die friedlichsten der Friedfertigen gelten, wurden voller Wut, Hass und Zorn als Nazischlächter diffamiert, ohne das jemanden groß der Irrsinn gestört hätte, der sich in diesen hanebüchenen Aktionen offenbarte. Die „Beweise“, die für die Aburteilung der Friedfertigen geliefert wurden, waren oft an den Haaren herbeigezogen: hat auch nur ein Glatzkopf den Reden gelauscht, wurde daraus gleich eine faschistische Demonstration.

Die Methode kennt man aus dem Dritten Reich: es gilt, ein Wort zu finden, das für alles Böse dieser Welt steht, ja, sogar der Grund für die Existenz des Bösen schlechthin ist. Früher war dieses Wort „Jude“, das Volk wälzte sich vor Vergnügen in den Bildern vom heroischen Kampf der edlen, guten Arier (der „Gutmenschen“) gegen die bösen, schlechten Untermenschen (die „Juden“). Noch heute findet dieser Mythos im deutschsprachigen Raum große Anerkennung, in Wien sogar dergestalt, dass jüdische Eltern ihre Kinder zum Schutz vor antisemitischer Aggitation wieder aus den Schulen nehmen müssen (siehe diepresse). Nur heute ist – dank Disney und Hollywood – des Ersatzwort für das „ultimative Böse“ „Nazi“. Sicher zurecht: Auschwitz offenbart eine Dimension der Bösartigkeit, die sich vorherige Generationen noch nicht einmal denken konnten – durch den inflationären Gebrauch dieses Wortes entwerten wir es jedoch Tag für Tag … und machen es so wieder gesellschaftsfähig … ebenso werden die Maßnahmen zur Kostenreduktion wieder gesellschaftsfähig. Doch doch – schauen Sie nur mal nach Griechenland (siehe Spiegel):

„Mehr Totgeburten, HIV-Neuinfektionen, Tuberkulose- und Depressionsfälle sowie Suizide: Der drastische Sparkurs in Griechenland hat einer Studie zufolge verheerende Auswirkungen. Eine Hilfsorganisation spricht von einer vollständigen Verletzung der Menschenwürde.“

„Verheerende Auswirkungen“ … eine schöne Umschreibung für Massenmord. Ja – Massenmord. Schauen Sie sich die in der renomierten Zeitschrift „Lancet“ veröffentlichten Zahlen mal genau an – zum Beispiel für Kinder:

„Die Autoren der Studie heben besonders die Auswirkungen auf Kinder hervor: Die Zahl der Kinder mit niedrigem Geburtsgewicht ist allein zwischen 2008 und 2010 um 19 Prozent gestiegen, die Zahl der Totgeburten um mehr als 20 Prozent. Als möglichen Grund führen die Wissenschaftler den – wegen hoher Kosten und geringem Einkommen – schwierigen Zugang zu Ärzten an, die zu Komplikationen in der Schwangerschaft führten. Auch die Säuglingssterblichkeit ist den Zahlen zufolge um 43 Prozent gestiegen.“

Hat da noch irgendjemand Mitleid mit den Griechen? Kaum, denn die Parole ist klar: der Grieche ist böse und muss vernichtet werden. Was war nochmal genau böse am Griechen? Der kostet Geld – und was Geld kostet, muss schnell entsorgt werden. Wie es so schön in dem Artikel heißt: Diabetiker müssen sich entscheiden, ob sie Insulin kaufen oder etwas zu essen … sie haben also nur noch die Wahl, auf welchem Wege sie ihrem Leben ein Ende setzen dürfen. Federführend in dieser Entwicklung: der Deutsche, und zwar wieder mit voller Begeisterung.

Wem nun langsam mulmig wird, weil die Vernichtungslager wieder denkbar werden – als betriebswirtschaftlich ideale und renditefreundliche Entsorgungsmaßnahme für „Minderleister“ und „Kosten auf zwei Beinen“ – der nähert sich langsam einer Realität, die kaum einer wahr haben will: wir wissen zwar nicht genau, weshalb sich diese Exzesse ereignet haben – aber wir wissen genau, dass dieses Volk seine große Freude daran hatte, das „Andere“ zu definieren, zu jagen und zu vernichten. In Deutschland war Hitler möglich – und wie können wir sicher sein, dass er nicht wieder möglich sein wird … erst Recht, weil wir uns nie gründlich um die Ursachen gekümmert  haben und die Verstrickungen „der Wirtschaft“ mit „dem Regime“ gerne übersehen, weil die folgsamen Mitläufer Hitlers die Gründerväter des deutschen Wirtschaftswunders waren und ihre „Werte“ hemmungslos im Betrieb verbreiten konnten: Disziplin und Gemeinschaftsgeist, Grundlage eines jeden uniformierten Faschismus.

Auch sonst zeigt die Gesellschaft bedenkliche Zeichen der Degeneration: die Unfälle auf den Straßen nehmen wieder zu, weil „die Leute immer aggressiver fahren“ (siehe Spiegel) – vielleicht auch ein Grund, weshalb man sich nur noch in einem überdimensionierten Blechungetüm Marke „SUV“ sicher fühlt. Noch schlimmer jedoch scheint der Hass zu sein, die Lust am Totschießen, die sich in Deutschland wieder breit macht: als Gegenteil zu einer gnadenlos gedankenlosen Willkommenskultur, die sich komplett verantwortungslos keine Gedanken über mögliche Folgen und Auswirkungen einer ungesteuerten Völkerwanderung machen formiert sich in Deutschland einer Front von Menschen, die sich ungerührt zum Massenmord bekennen – natürlich mal wieder nur aus lauter hehren und edlen Motiven heraus (siehe wiwo):

„Mehr als jeder vierte Befragte (29 Prozent) hält es einer Umfrage zufolge für gerechtfertigt, unbewaffnete Flüchtlinge mit Waffengewalt am Grenzübertritt zu hindern.“

Merken Sie, warum wir nochmal über das Dritte Reich reden müssen? Ich weiß: sie warten darauf, dass ich zum Thema der Überschrift komme – wir sollten aber zuerstmal das Problem in seiner Gänze verstehen und nicht in der Parolenbrüllerei des Zeitgeistes stecken bleiben. 29 von 100 Bürgern würden ohne mit der Wimper zu zucken auf unbewaffnete Menschen schießen. Wissen Sie, wie viele Menschen die im Visier haben? Der Oxfordforscher Paul Collier hat diese Zahl kürzlich konkretisiert (siehe FAZ):

„Es gebe eine Masse von mehreren hundert Millionen wanderungsbereiten Menschen. Diese sei, „wenn sie sich erst mal in Bewegung setzt, kaum noch steuerbar“.“

Wenn diese mehreren hundert Millionen Menschen sich nach Deutschland aufmachen, dann wird an den Grenzen geschossen werden. Wir werden Leichenberge bekommen, wie wir sie noch nie gesehen haben. Vielleicht wird man sich aber auch an „gute, alte Traditionen“ erinnern und wieder mal feststellen, dass Kugeln viel zu teuer sind: Zyklon B war schon einmal eine kostengünstige Alternative. Über die Gedankenlosigkeit hinsichtlich der Flüchtlingsproblematik – Folgen, die jeden Tag Menschen das Leben kosten, die sich auf waghalsigste Abenteuer begeben, um in ein Land zu gelangen, das weit von dem Paradies entfernt ist, das man sich ausgemalt hat – werden wir noch gesondert reden müssen: hier muss es reichen, zu erkennen, welche Dimensionen die neuen Vernichtungsorgien erreichen werden, für die wir jetzt schon genug schusswütiges und agressives Potential haben.

Ich weiß: man regt sich über eine Frau Petry auf, die die Schußdebatte angestoßen hatte – doch andere haben da schon wieder ganz andere Perspektiven im Kopf. Es gibt hier eine interessante Diskussion mit dem Chef der Innenministerkonferenz, der ganz offen den Einsatz der Bundeswehr fordert – im Januar diesen Jahres (siehe n-tv):

„Wir brauchen die Bundeswehr schon jetzt. Ohne sie wären viele Landes-Aufnahmestellen nicht funktionsfähig.“

„Wir haben in diesem Jahr schon mehr als 70.000 neue Flüchtlinge gezählt. Dabei ist der Januar ein ruhiger Monat. Wenn man es hochrechnet, wären es am Jahresende wieder eine Million. Das können wir nicht verkraften. Dafür ist gar nicht genügend Wohnraum vorhanden. Wir stehen vor einem schwierigen Jahr.“

Ja – und wie soll die Bundeswehr dann „helfen“? Nun – 13 Prozent der Studenten an Bundeswehrhochschulen befürworten verfassungsfeindliche Ideen aus dem faschistischen Gedankenraum (siehe Süddeutsche Zeitung):

„So sähen sie etwa die „nationale Identität Deutschlands durch die vielen Ausländer bedroht“ und pflichten der Aussage bei, „eine starke Führungselite sollte den Weg Deutschlands“ bestimmen.“

Eine Studie aus dem Jahre 2009 – die Studenten haben nun also alle ihr Kommando. Macht Sinn, sie mit der Lösung der Krise zu beauftragen.

Zudem ist die soziale Lage des deutschen Bürgers von vielen Seiten her bedroht: findige kriminelle Allianzen von Bankern und namhaften Milliardären bereichern sich hemmungslos am Steuervermögen (siehe Süddeutsche), weshalb man jetzt schon von Seiten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie ein Renteneintrittsalter von 85 in Erwägung zieht (siehe Focus) anstatt über eine gerechtere Verteilung der Gewinne aus der Industrialisierung und Globalisierung nachzudenken, gleichzeitig werden die Maßnahmen zur Kontrolle immer perfider (siehe Spiegel)

„Sie können durchaus nützlich sein: Mit Schrittzählern, Geschwindigkeits- und Pulsmessern überprüfen viele Sportler ihre Fitness. Die Daten, die sogenannte Wearables erfassen, könnten aber auch für die Krankenkassen interessant sein: Wie gesund lebt ein Versicherter? Wie viel bewegt er sich? Wie fit ist er? Und in letzter Konsequenz: Soll er weniger Leistungen erhalten als andere?“

Verrückt – angesichts einer Gesellschaft, in der 70 Prozent der Jobs gesellschaftlich überflüssig sind und krank machen (siehe Sein.de) über eine Rente ab 85 nachzudenken – wobei zu bedenken ist, dass Männer erst im Jahre 2060 das Durchschnittsalter von 85 erreichen (Frauen schon 2030 – siehe Statista), die meisten also ihre Rente gar nicht mehr erhalten werden. Wenn die Krankenkassen nun auch noch Kontrolle ins Privatleben bringen, ist die 100-Stunden-Woche im Dienste der „Fit-for-Job“-Bewegung bald Realität – kein Wunder, dass die Menschen hier aus dem Ruder laufen.

Machen wir uns nichts vor: wer auf Flüchtlinge schießen will, weil die kosten und wir keinen Platz mehr für sie haben, der schießt auch auf Arbeitslose, Rentner und Behinderte – wir hatten das schon einmal, wir erinnern uns nur nicht gerne daran.

Umso wichtiger ist es jetzt zu sehen, dass ein entscheidender Schritt gemacht wurde – im Rahmen der Verfolgung von Personal in den Vernichtungslagern. In Detmold findet gerade in Prozess gegen einen SS-Wachmann statt, der ein Alter weit jenseits der 85 erreicht hat – anders als die Opfer der NS-Zeit. Ich weiß, viele denken jetzt: was sollen diese Prozesse gegen diese ganz alten Menschen, wäre nier nicht Gnade angesagt? Wer dieser Meinung ist, hat die Dimension der Bösartigkeit und die akute Gefährlichkeit des Faschismus immer noch nicht begriffen und bereitet gerade das neue Massaker mit vor – außerdem verjähren diese Verbrechen laut Gesetz nicht – womit sich die Diskussion schon erübrigt.

Das Besondere an diesem Prozess ist jedoch die Art der Anklage – nicht Mord oder Beihilfe zum Mord steht – wie üblich – im Vordergrund, sondern etwas anderes (siehe Spiegel):

„Sondern es wird erstmals von einer Staatsanwaltschaft auch die „Vernichtung durch Lebensverhältnisse“ benannt und beschrieben. Selbst wer nicht in eine Gaskammer getrieben wurde, war in Auschwitz ein Todgeweihter. Denn keiner der Deportierten sollte das Lager lebend verlassen. Die Menschen sollten zugrunde gehen an Auszehrung, an Seuchen, sie sollten verhungern oder unter der Last schwerster körperlicher Arbeit zusammenbrechen.“

Die hatten echt griechische Verhältnisse in den Lagern, scheint mir.

Hiermit … hat die kleine Staatsanwaltschaft in Detmold im Rahmen der Verfolgung der Verbrechen des NS-Regimes ein zentral wichtiges Moment ins Spiel gebracht: „Vernichtung durch Lebensverhältnisse“ – noch kostengünstiger als die Kugel oder Zyklon B. Arbeiten bis zum Umfallen (oder bis 85), gejagt durch die Funktionseliten des Systems (die Schrittmacher am Handgelenk), bei Befehlsverweigerung sanktioniert wie die Griechen, an denen gerade exemplarisch eine Massenvernichtung vollzogen wird (bzw. eine kostengünstige Entsorgung der Kostenfaktoren „Alte“, „Kranke“, „Kinder“).

Egal welche Ausbildung sie ehedem hatten: nach einem Jahr Hartz IV werden sie auf das Niveau „Hilfsarbeiter“ herabgestuft und zur schweren körperlichen (vernichtenden) Arbeit verdammt. Nehmen Sie diese Arbeit nicht voller Begeisterung (die vor allem für den „Arbeitgeber“ sichtbar werden muss, damit er ihnen Ihre Existenzberechtigung bescheinigt und erklärt, dass Sie sich wirklich angestrengt haben im Job) an, werden sie sanktioniert – ersten Gerüchten zufolge bald vier Jahre (anstatt wie aktuell drei Monate) lang, Obdachlosigkeit, Hunger und Durst sowie fehlende Krankenversicherung inklusive.

Vernichtung durch Lebensverhältnisse … gilt für die, die Arbeit haben ebenso wie für die, die arbeitslos sind – alles zum Zwecke der Maximierung der Rendite der Milliardäre … also der maximalen Steigerung der Ausbeute durch Ausbeutung.

Vernichtung durch Lebensverhältnisse … ist aber auch (neben den vom „Westen“ gesponserten und im Namen der „Demokratie“ gewünschten Kriegen) die Hauptursache für die Flucht der ärmsten Bewohner dieses Planeten Richtung Europa. Dies strafbar zu machen und als neue Dimemsion eines nicht-uniformierten Faschismus zu begreifen, ist ein großer Schritt nach vorn.

Zu weit gedacht? Wir sind nicht vergleichbar mit dem „Dritten Reich“? Vor allem sind wir ja Gutmenschen und nicht böse?

Eine Gegenfrage: können wir es wirklich riskieren, zu glauben, dass die Kräfte, die Hitler überhaupt erst den Weg zur Macht ebneten, für immer im Nichts verschollen wären? Können wir es wirklich riskieren – angesichts der zunehmenden Verrohung Millionen Deutscher, die schon jetzt gerne auf Unbewaffnete schießen würden und bis dahin erstmal ihre Mitmenschen als Blechnazis mit dem Auto terrorisieren?

Machen wir „Vernichtung durch Lebensverhältnisse“ strafbar … erwartet uns ein ganz neues Deutschland – eines, dass sich wieder auf jenen Weg begibt, den es nach 1968 mutig ausprobiert hat: den Weg, mehr Demokratie zu wagen. Ein Deutschland ohne durch Hartz-IV indirekt eingeführte Zwangsarbeit wäre ein Deutschland, in dem Krankheit durch Arbeitslosigkeit und ausbeutende Bullshitjobs wieder auf dem Rückzug wäre, was die Krankenkassen enorm entlasten würde – und die Leute wieder entspannter mit den Herausforderungen des Lebens umgehen läßt.

Es wäre ein Deutschland, das Menschen, die ihre Mitmenschen per Gesetz in Todenähe bringen sowie jene, die diese „Sanktionen“ vor Ort vollziehen, wieder hemmungslos verfolgt … wie die alten KZ-Wächter.

Wird auch Zeit dafür.

 

Frau Merkel? Post vom Souverän!

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Donnerstag, 14.1.2015, Eifel.

Liebe Frau Merkel, entschuldigen Sie die Störung, aber ich wollte mich angesichts der Zuspitzung der Lage im Land einfach mal bei Ihnen melden. Ich denke, es ist mal wieder Zeit. Wer ich bin? Ach – das wissen Sie gar nicht? Also: ich bin der Souverän dieses Landes. Das Staatsvolk. Also – der Boss. Nein, Frau Merkel – dass sind nicht Sie, dass bin ICH. Sie sind eine Verwaltungsangestellte mit Führungsrang, Sie vertreten mich, weil ich aus 80 Millionen Individuen bestehe, die schlecht alle immer zu allem ihre Meinung sagen können. Ja, ich weiß: dank Internet ändert sich das. Nicht mehr lange, und wir bekommen eine flüssige Form der Demokratie, die ihren Job den den ihrer Minister überflüssig macht, dann kann und darf das Volk wieder selbst über sich bestimmen.

Warum ich mich mal wieder melde? Nun, Frau Merkel: ich war beschäftigt. Es gab wichtige Dinge zu tun: Nahrung musste angebaut werden, Häuser errichtet, Trinkwasserversorgung eingerichtet, wir brauchten Stoffe für Kleidung und Holz für Möbel, Heizung musste organisiert werden, es wurden Kinder gezeugt und erzogen, der Sinn des Lebens gesucht, die Frage nach letzten Wahrheiten erforscht und sich mit der Sterblichkeit auseinandergesetzt: so etwas kostet Zeit, und damit wir dafür Zeit haben, haben wir Sie ja angestellt. Sonst – Frau Merkel, dass können Sie mir glauben – bräuchten wir Sie nicht. Sie sind nur ein Auswuchs der arbeitsteiligen Gesellschaft, beliebig austauschbar, jederzeit ersetzbar und nur für den reibungslosen Ablauf der Alltagsgeschäfte zuständig, damit wir Zeit für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens haben: Zukunftsgestaltung, um nur ein Beispiel zu nennen. Nein, dass meine ich jetzt nicht so drastisch wie es sich vielleicht anhört – ich wollte nur mit Nachdruck bestätigen, dass SIE nicht der CHEF sind – jedenfalls nicht MEINER.

Ich melde mich ja nur selten zu Wort, deshalb kann ich es Ihnen verzeihen, dass Sie mich vergessen haben. Nun ja – Sie haben ja auch eine andere Sozialisation als ich: bei Ihnen hat die Partei bestimmt, wer Volk war und wer nicht. Deshalb sind ja gerade die Leute in Ihrer alten Heimat so nervös: sie haben Angst, dass die Regierung sich jetzt einfach ein neues Volk ins Land holt, weil das alte falsch wählt und denkt. Vielleicht sogar aus Rache für den Mindestlohn, der vielen Ihrer Parteikollegen den Gewinn schmälert: holen wir uns einfach mal Leute aus der Welt, die glücklich für 1 Euro arbeiten und schmeißen die ganzen deutschen Nörgler einfach ´raus. Schaue ich mir die Entwicklung in der deutschen Wirtschaft (denke da gerade an so was wie VW und Deutsche Bank, um nur zwei zu nennen) an, dann muss ich sagen: kriminelle Energie ist inzwischen genug bei denen vorhanden, da kann man nicht mit Sicherheit sagen, ob die überhaupt noch eine Grenze akzeptieren. Na ja, das wird die Zukunft zeigen.

Zuerst muss ich sagen: ich gehöre nicht zu denen, die jetzt große „Merkel muss weg“ skandieren. Bin ja nicht blöd, sondern der Boss. Wie gesagt: Sie sind beliebig austauschbar, deshalb ist es völlige Energieverschwendung, sich jetzt auf Sie als Person zu konzentrieren. Sie sind ja keine Königin, sondern nur eine kleine Angestellte in einer großen, immer unüberschaubarer werdenden Welt – einer Welt, die sich in nächster Zeit gravierend ändern wird. Doch doch, fragen Sie mal ihre Philosophen – ja, ein paar davon haben den Umbau der philosophischen Fakultät zur Dienstmagd der Betriebswirtschaft überlebt. Sie kriegen dort eine passende Antwort – dafür sind die Leute doch da, dafür haben wir sie ausgebildet (siehe Spiegel):

„Wir sind am Ende der zentralen Lebenslüge einer ganzen Generation von Europäern angelangt. Ich bin jetzt 43 Jahre alt. Wie viele andere habe ich mir vorgemacht, das konkrete Leid, das in den Ländern des Nahen Ostens, Asiens und Afrikas den Alltag von Milliarden Menschen prägt, ließe sich für die kommenden Jahrzehnte lebensweltlich auf Distanz halten. Wir hegten die Illusion eines Kerneuropas als mauerloser Paradiesgarten in einer Welt des Elends. Damit ist es vorbei.“

Sehen Sie Frau Merkel: der ist noch lieb mit Ihnen, hat noch nicht darauf hingewiesen, dass wir (und damit vor allem: SIE und IHR AMT) für das konkrete Leid in den Ländern ursächlich mitverantwortlich sind: seit Jahrhunderten schon. Wir stehlen ihre Rohstoffe, wir beuten ihre Kinder und Frauen aus, wir versauen ihre schönsten Strände mit unseren Clubmauern, wie schicken ihnen unseren ganzen Müll, geben ihren Diktatoren dicke Kredite, damit die sich deutsche Luxusautos kaufen können – oder goldene Wasserhähne – und lassen dann die Völker für die Abzahlung knechten. Ja – unverschämt überfallen wir Jahr für Jahr ihre Länder und halten Ihnen unseren überbordenden Wohlstand vor die Nase, den wir nur dank ihrer Sklavenarbeit haben: unser Fleiß wäre nichts wert ohne Abnehmer in aller Welt.

Nein – ich will jetzt keine Moralpredigt halten, zudem schaue ich in die Zukunft: was vorbei ist, ist vorbei – darum melde ich mich ja jetzt mal persönlich. Ich weiß: Bürger, die sich Sorgen machen, sieht man nicht gerne in diesem Land. Hier herrscht die Parole: „Deutschland geht es gut“ – und wer sich Sorgen macht, ist ein Staatsfeind des mauerlosen Paradiesgartens. Ja, diese Philosophen immer: ständig schauen sie über den Tellerrand, doch bleiben in ihrem Elfenbeinturm der staatlichen Subventionierung, den man sicherlich als Paradiesgarten bezeichnen kann. Außerhalb sieht der Garten nicht so schön aus (siehe junge Welt):

„Jugendliche ohne Obdach, ohne Ausbildung, ohne Hilfe, die in Parks und an Großstadtbahnhöfen betteln: Dass mindestens 50.000 unter 27jährige, darunter etwa 21.000 Minderjährige, in Deutschland davon betroffen sind, schätzte im Juni das Deutsche Jugendinstitut in einer Studie.“

Ja, das ist eine linke Zeitung. Aber: eben deshalb dürfen die ja solche Geschichten veröffentlichen. Auch die des Julian K., der vom Jobcenter verurteilt wurde, bei seiner Mutter wohnen zu bleiben, um mit seinem Lehrlingslohn die Reduzierung staatlicher Leistungen für Mutter und Tochter möglich zu machen. Ja – das gibt es in Deutschland. Können Sie aber auch in der Millionärspresse lesen (siehe Spiegel):

„Innerhalb nur eines Jahres ist die Armut insgesamt von 15 auf 15,5 Prozent gestiegen, heißt es in dem Bericht, der sich auf das Jahr 2013 bezieht. Insgesamt gelten 12,5 Millionen Menschen in Deutschland als arm – und das Land zerfällt in wohlhabende und mittellose Regionen.“

Ja, Frau Merkel: so geht es dem Souverän. Deshalb wendet er sich von der Politik ab – die ohne ihn nur noch eine Hülle ohne Sinn und Verstand ist, in der man aber immer noch supergut viel Geld abgreifen kann. Schauen Sie sich die Zahlen mal an: die Wahlbeteiligung sinkt, die Parteien leiden unter massiven Mitgliederschwund und massiver Überalterung (siehe Spiegel) … kurzum: die Parteiendemokratie stirbt gerade aus. Auch hier: das Ende einer Lebenslüge.

Mit dieser Parteiendemokratie sterben auch ihre Netzwerke: d.h., viele Journalisten, die ihre Luxuseinkünfte wegen „guter Kontakte“ haben, stehen vor dem Nichts – und kriegen Panik. Nun – Panik haben die sowieso, weil die Jobs immer knapper werden – auch beim „Spiegel“. Vielleicht dreschen die deshalb wie die Irren auf den Souverän ein, der ihnen irgendwie minderwertig vorkommt – wie alles, was die Preise im Cafe Einstein nicht bezahlen kann. Ja, wir sprechen derzeit so oft von dem bösen Rassismus, der … lange Zeit als sehr schick galt. Nun, das war noch vor Ihrer Zeit, aber ich möchte kurz daran erinnern: aus Bürgern wurden „Parasiten“ und „Schmarotzer“, die „Druck“ brauchten, weil es kein „Recht auf Faulheit“ gab – aber einen Zwang zur abhängigen Lohnarbeit zu jedem Preis. Für „die da unten“ ist das gut genug.

Auch in Ihrer Amtszeit setzte sich dieser Rassismus der Reichen und im Reichtum als schreibendes Dienstpersonal etablierten Mobs fort: die „bildungsfernen Schichten“ wurden erfunden und mit Adjektiven unterlegt: schmutzig, dreckig, verschwitzt, ständig rauchend und saufend, in Lumpen gekleidet (wenn überhaupt), reich an dicken doofen Kindern, völlig hingerissen von niedersten TV-Formaten (die allerdings selbst nicht von bildungsfernen Schichten produziert wurden – seltsamerweise), dementgegen stand das „wir“, der Herrenmensch mit Staatsexamen und staatlicher Festanstellung, der angepasste dienstbare Streber im System, der – dank Finanzkraft – sehr zur Förderung von Drogenhandel und Zwangsprostitution im Lande beitrug.

Ja, Frau Merkel, Sie vermuten richtig: ich vertrete die Meinung, dass der Fisch immer vom Kopf her stinkt – und das unsere gesellschaftliche Elite (genauer gesagt: die Lumpenelite der skrupellosen Absahner) den Rassismus in Deutschland erst eingeführt hat. Wenn Sie noch mehr Belege dazu wollen: nur zu, Material für viele Bücher ist vorhanden. Es ist sehr wichtig, dass Sie verstehen, auf welcher Grundlage die neuen Entwicklungen in Deutschland beruhen – und warum bei so vielen Menschen der Flüchtlingshype als purer Rassismus ´rüberkommt. Ja: die Menschen, die bislang unverblümt als „Minderleister“ in den Untermenschensektor verbannt wurden, weil ja kein Geld da war, schauen sehr verblüfft drein, dass es nun eine große Zahl von Fremden gibt, die mit offenen Armen aufgenommen werden. Sie dürfen sich über ihre Beobachtungen aber noch nicht mal beschweren, weil Sie sonst einfach nur „Nazis“ sind – und Nazis gehören erschossen, hingerichtet, lebenslänglich eingesperrt; sie sind das moderne Pseudonym für den Teufel höchstpersönlich und ersetzen in der Moderne den Begriff „Hexe“ oder „Jude“. Ja, Frau Merkel: das geschieht, wenn eine Kaste zur Sekte wird. Darf ich nochmal den Philosophen zitieren? Der erklärt uns, was eine Sekte ist (siehe Zeit):

„Und zwar mit allen klassischen Attributen: Artikulationsverbote, totale Gemeinschaftssuggestion, unbedingter Erlöserglaube“

Totale Gemeinschaftssuggestion? „Wir schaffen das“. Artikulationsverbote? Wagen Sie es mal, öffentlich Kritik an der Flüchtlingspolitik zu äußern, ihre Hinrichtung wird sofort gefordert („NAZI!!!“). Unbedinger Erlöserglaube? Das ist doch die Grundlage der Flüchtlingslegende: die werden unsere Wirtschaft erlösen, unsere Gesellschaft von Grund auf verändern, uns von unserer eigenen erbärmlichen Mittelmäßigkeit erlösen … Annahmen, die oft formuliert wurden, für die es aber rational gar keine belastbaren Argumente gibt, wie unsere „Experten“ gerade mal wieder zugegeben haben (siehe Spiegel).

Ich möchte Ihnen aber hier gar keine weiteren Vorwürfe machen, sondern mal ein paar Empfehlungen mit auf den Weg geben, die Sie aber durchaus auch als Befehle verstehen dürfen. Kommen wir erstmal zum Kern der Frage: die aktuelle Flüchtlingsdebatte.

Es ist menschlich, human und lobenswert, in einem reichen Land jene aufzunehmen, die von Tod und Folter bedroht werden. Es ist auch menschlich, human und lobenswert, Reichtum vollkommen zum Zwecke der Elendsbekämpfung einzusetzen, dass will ich gar nicht kritisieren. Die Kosten dafür – sollten aber die tragen, die viel zu viel haben, und nicht die, die nicht wissen, wie sie ihre ständig steigenden Rechnungen bezahlen sollen – Rechnungen, die von Reichen geschrieben werden, Rechnungen, deren Beträge im Sinne von Wachstum ja täglich größer werden sollen. Ebenfalls müssen jene zur Begleichung der Kosten herangezogen werden, die für die Ursachen der Völkerwanderung verantwortlich sind: das wird für Sie besonders ungemütlich werden, weil das Ihre großen Freunde im Westen sind.

Dann, Frau Merkel, brauchen Sie aber vor allem einen Plan! Der kann nicht allein darin bestehen, dass Sie die Grenzen weit offen machen, ohne zu wissen, wer da reinkommt. Nein: ich will jetzt nicht das Bild des bösen Moslem an die Wand malen – das  hat die Millionärspresse die letzten Jahre schon genug gemacht – sondern Ihnen klar machen, dass das nicht IHR Land ist, über das Sie gerade bestimmen, sondern MEIN Land. Wenn Sie also aus einem der dicht bevölkertsten Länder der Welt mit einem großen Armutsproblem ein Zuwanderungsland machen wollen, dann müssen Sie zuerst den Souverän fragen. Ist eine ganz einfach Volksabstimmung: soll Deutschland Zuwanderungsland werden: ja/nein. Und ich möchte hier Wert auf eine Zweidrittelmehrheit legen, weil es den Charakter des Landes grundlegend verändern wird. Ob das gut ist, sollten die Bürger selbst entscheiden.

Sie werden sehen: es kann eine große Chance in dieser Herausforderung liegen. Eine Chance, nach all den mittelmäßigen Murkselkanzlern zur Jahrhundertkanzlerin zu werden, die gesehen hat, dass Nationalismus nicht die Lösung sein kann – auch nicht der Nationalismus des „Wir schaffen das“. Es ist die Chance, Lösungen zu erarbeiten, die globalen Charakter haben – und nicht versuchen, das Problem der laufenden Völkerwanderungen national zu lösen – weil am deutschen Wesen wieder mal die Welt genesen soll.

Und ich glaube fest: Sie schaffen das!

 

 

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