Utilitarismus

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Der Tod

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Ostersonntag, 5.4.2015. Eifel. Wir haben heute Ostersonntag. Für viele ein Grund zu Freude – weil man sich in Deutschland so langsam auch zu Ostern mit Geschenken überschüttet. Das wichtigste Fest der Christenheit wird – wie Halloween, Karneval und Weihnachten – dem „konsumieren-bis-der-Arzt-kommt“-Kult geopfert. Es war lange Zeit die letzte Bastion für Besinnung und Besinnlichkeit, der letzte Ort, an dem wir uns dem realen Leben stellen durften, ohne ausgelacht zu werden – ein Ort, an dem uns klar werden durfte, dass wir alle ein Problem haben: wir werden sterben, und zwar mit tödlicher Sicherheit.

In der Philosophie beschäftigen wir uns viel mit Weisheit und Wahrheit und haben dabei erstaunliche Ergebnisse zu Tage gefördert: wir – als Menschen – sind zu blöde, um die Wahrheit erkennen zu können. Sie hängt viel zu sehr ab von der Beschränktheit unseres Denkens und der Beschränktheit unserer Wahrnehmung – und der Weg der „Wissenschaft“, die sich dieser Erkenntnis zum Trotz aufgemacht hat, Wahrheiten zu produzieren, hat uns erstmal an den Rand der Vernichtung geführt: ökologisch, ökonomisch, atomar und genetisch sind wir nach 200 Jahren ziemlich am Ende, kranke, sieche Völker vegetieren in künstlichen, von Maschinen gestalteten Welten dahin, kaum noch einer fähig, auch nur eine Woche allein im Wald zu überleben. Ja: „Wissenschaft“ macht in Wirklichkeit nicht mehr, als eine Hypothese nach der anderen zu produzieren, eine Theorie nach der anderen zu erstellen, die immer unwahrscheinlicher werden, je mehr davon aufeinander gestülpt werden. Darum sind Dogmen für diese Wissenschaft so wichtig: ohne diese künstlichen Skelette würde das ganze Gebilde schnell in sich zusammenfallen. Das größte Dogma scheint jenes zu sein, welches die Philosophie als einzige Wahrheit akzeptiert: der Tod.

Ja: wir können  hin- und herdenken wie wir wollen: wir sterben alle. Jeder – außer vielleicht der Graf von St. Germain, doch diese Geschichte möchte ich ein andermal erzählen, diese Gestalt, die man noch 142 Jahre nach seiner Geburt quietschfidel und jugendlich wirkend auf Beerdigungen des hessischen Adels gesehen hat, mag hier nur nebenbei als absonderlicher Außenseiter erwähnt werden, der durch seine Existenz versuchte, heilige Lehrsätze der Philosophie zu widerlegen. Was für ein Schuft.

Für uns andere jedoch gilt sicher: wir werden sterben. Alle. So wie wir auch alle geboren worden sind. Ja – das berichtet man sogar von Jesus Christus, dessen Auferstehung von den Toten wir am heutigen Tage feiern sollten, anstatt uns mit teurem Tand zu beschenken. Ja – noch so eine Gestalt aus der Geschichte, die dem Tode getrotzt hat: sie soll sogar andere wieder zum Leben erweckt haben. Doch auch diese Legende wollen wir heute nicht weiter verfolgen, obwohl wir damit rechnen müssen, dass sie uns verfolgt.

Gelegentlich bricht der Tod in unser Leben ein: wir finden das ganz fürchterlich. Erst kürzlich nahm er dutzende von Deutschen mit, die mit einem Flugzeug unterwegs waren: wir haben reagiert wie bei einem Terroranschlag, der ganze Staat verfiel in Trauer, Fernsehprogramme wurden geändert, hochwohlgeborene Kanzlerinnen und Präsidenten mimten eine äußerst entschlossene Betroffenheit … dabei war etwas ganz normales geschehen: Menschen waren gestorben.

Nun gut: es war ein Tod außer der Reihe, öffentlich, nicht wie der übliche, der versteckt und verborgen in Altenheimen und Krankenhäusern stattfindet. Es war ein Tod, der mitten im Leben zuschlug … als gäbe es ein geheimes Versprechen, dass dies niemals geschehen wird. Zudem wagte dieser Tod, einem der modernen Dogmen zu widersprechen: „Fliegen ist sicher“ – ein absurdes Dogma, denn wäre Fliegen wirklich sicher, würde niemand dabei sterben. Aber andererseits … war es nur der Tod, der jeden von uns erwartet. Manchmal – wie beim „plötzlichen Kindestod“ – kommt er sogar sehr früh, manchmal erst wenige Wochen nach Führerscheinerwerb, wenn man stinkbesoffen vor einen Betonpfeiler knallt. 74000 Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen riskanten Alkoholkonsums (siehe: Kenn Dein Limit) – ohne Staatstrauer, ohne Änderung des Fernsehprogramms, ohne, dass die Zahl groß bekannt ist.

Sie werden verdrängt wie der Tod selbst.

Sie persönlich … werden sterben. Vielleicht sogar noch, bevor Sie diesen Text zuende gelesen haben.

Ist Ihnen das bewusst? Oder glauben Sie auch den Versprechen der modernen Medizin, dass Sie nur jeden Monat zum Arzt gehen, viel Gemüse essen, viel Sport treiben, alle Pillen essen und ständig gut drauf sein müssen um den Tod so weit aus Ihrem Leben drängen zu können, dass er eigentlich gar nicht mehr wahr ist?

Nun – Sie sterben ständig, das erzählt Ihnen nur keiner. Ihre einzelnen Körperzellen leben nicht ewig – jedenfalls die meisten. 60-90 Billionen haben Sie davon, 50 Millionen sterben in jeder Sekunde (siehe Apotheken-Umschau) So gesehen sind Sie eine wandelnde Leiche, die jedem Tag mit dem Tode ringt. Meist erfolgreich, aber halt nicht immer – und erst recht nicht ewig.

Es sind auch gerade diese Zellen, die den Tod fürcherlich machen, grausam, schmerzhaft – wenn er durch Alter und Krankheit kommt. Sie wollen auf keinen Fall gehen, senden Botenstoffe aus, die Angst, Panik, Wahnsinnn produzieren. Da sind wir nicht anders als Schweine, die geschlachtet werden … aber das sind nur unsere Zellen.

„Wir“ … sind was anderes.

Ich zumindest – und ich  gehe davon aus, dass ich nichts besonderes bin. Ich bin nun 55 Jahre alt, die Zellen meines Körpers … die sich nicht mehr so schnell erneuern wie früher … sind zehn Jahre alt und damit schon ganz schöner Müll, aber mein Geist ist immer noch der Gleiche … und viel älter als meine Zellen. Gut, er hat mehr Informationen, mehr Ballungen von Schlussfolgerungen, die sich um Laufe der Jahre nach vielen Erprobungen zu Gewissheiten verfestigt haben, verfügt über ein gewaltiges, fast unerschöpfliches Potential an Erinnerungen … aber seine Farbe, sein Geruch, sein Klang ist immer noch derselbe wie im Alter von fünf, seine Art zu Denken, zu Empfinden, zu Sein ebenfalls … weshalb ich den deutlichen Eindruck habe, dass er mit dem Zellenchaos nur sehr wenig zu tun hat. Klar: das ist nur meine persönliche Wahrheit – aber die hilft mir, den Tod von nahen Menschen ohne große Panik zu überstehen.

Ich stehe mit dieser Wahrheit allerdings nicht alleine da: Millionen von Deutschen haben erfahren, dass ihr Geist auch nach dem körperlichen Tode noch äußerst aktiv ist. Es gibt sogar einen Begriff für diese Erlebnisse: „Nahtodeserfahrungen“.

Die Begriffsbildung ist völlig daneben – das kommt eben, wenn Laien in den Bereichen der Geisteswissenschaften ihr Unwesen treiben. Erfahrungen, die Menschen in diesen Zuständen machen, sind Erfahrungen des Todes – doch niemand ist mehr so mutig, sich modernen Dogmen auf diese Art und Weise in den Weg zu stellen. Noch absurder treiben es die Priester der modernen Dogmatik, in dem sie – wie dieser Anästhesist (der wohl seine Pflicht-Philosophieseminare verschlafen hat) – die Erfahrung des Todes als etwas „Paranormales“ klassifizieren, um nachher mit einer großen Menge an Hypothesen eigene Wahrheiten zu erfinden (siehe Heise). Der Mann versucht hier – fast schon verzweifelt – das Nahtoderlebnis von Pam Reynolds in anderen Kategorien zu deuten … was immer möglich ist. Mit seiner Methodik – die voller Annahmen, Hypothesen und Unterstellungen ist – kann man beweisen, dass die Erde eine Scheibe ist. Oder der Mond aus grünem Käse (was im Rahmen der Geschichte der Wissenschaft schon mal geschehen ist).

Das Beste, was man damit erreichen kann, ist: ein Unentschieden in der Wirklichkeitsdeutung zwischen ihm und Pam Reynolds persönlich, es besteht keinerlei Grund anzunehmen, dass seine Interpretation von Erlebnissen einer anderen Person „wahrer“ sind als die Deutung, die die Person selbst vornimmt, nach den Gesetzen der Empirie (die hier willkürlich außer Kraft gesetzt werden) kann ausschließlich der Erlebende den Wahrheitsgehalt seiner Erlebnisse verbürgen.

Nun – dieses Anästhesistenmärchen machte 2005 seine Runde bei den unseriösesten Kreisen der deutschen Gesellschaft, den „Skeptikern“ bzw. der GWUP, die Bildung gerne durch Einbildung ersetzen und in unqualifizierter, fachfremder Art und Weise Dinge beurteilen, die sich ihrem beschränkten Erkenntnisvermögen entziehen … und sich wünschen. alle Menschen hätten solche Grenzen.

2015 sieht die Datenlage anders aus, mit seinem Werk „Blick in die Ewigkeit“ veröffentlichte der Neurochirug Eben Alexander eigene Erfahrungen zum Tod – und widerlegte nebenbei alle „Neuromythen“, die zu diesem Thema je gebildet wurden (siehe Blick in die Ewigkeit, Ansataverlag 2013, Seite 251 ff). Wie nicht anders zu erwarten, kam von entsprechender Seite Gegenwind, das Magazin „Esquire“ (so eine Art „Playboy mit Schwerpunkt Männermoden“, in Deutschland nicht erhältlich) stellt seine medizinische Reputation in Frage – was nicht anders zu erwarten war, denn immerhin ist er als Arzt ein Kronzeuge gegen das herrschende Dogma, das besagt. dass mit dem Tode alles endet – ein im Übrigen auch politisch sehr nützliches Dogma, hält es die Menschen doch von Abenteuern wir Revolution, Demonstration oder selbstbestimmtem Leben fern. Hätten unsere Vorfahren dieses Dogma auch geteilt … wir hätten nie angefangen, unsere Umwelt zu erforschen und wären im Baum sitzen geblieben, ängstlich dem Rauschen der Blätter im Winde lauschend, wie wir heute dem Rauschen des TV dahindämmernd verfallen.

Nun – der Gegenwind gegen Dr. med. Alexander fällt ziemlich mau aus, der Rückenwind jedoch nimmt zu (siehe Grenzwissenschaften):

„Mit der AWARE-Studie haben Mediziner, Psychologen und Neurowissenschaftler seit 2008 nach belastbaren Beweisen für eine Weiterexistenz des menschlichen Bewusstseins nach dem Tode gesucht und erforscht, was mit dem menschlichen Geist und Bewusstsein während des klinisches Todes und bei Herzstillstand passiert. Schließlich berichten 10 bis 20 Prozent jener Patienten, die wiederbelebt werden konnten, von Erlebnissen während dieser Zeit – sogenannte Nahtoderfahrungen. In einigen Fällen berichten diese Menschen davon, in der Lage gewesen zu sein, ihren Körper zu verlassen und die Vorgänge um sich herum gesehen und gehört zu haben. Jetzt liegen die Ergebnisse der AWARE-Studie vor und legen tatsächlich ein zumindest den medizinischen Tod minutenlang überdauerndes Bewusstsein nahe.“

Raymond Moody, Elisabeth Kübler-Ross, Pim van Lommel – Wissenschaftler, die das Dogma praktisch ad absurdum geführt haben und deren Kritiker … sehr seltsame Wege gehen:

„Neurowissenschaftler sehen indes eine Vielzahl anderer Erklärungen dafür, wenn Menschen ungewöhnliche Erlebnisse berichten, nachdem sie fast gestorben wären.“ – so formuliert die Süddeutsche (siehe Süddeutsche) die Kritik an der „Aware“-Studie und versucht, alle Studien zu diesem Thema gezielt durch semantische Tricks zu entkräften:

„Nicht zu unterschätzen in der Beschwörung von Nahtoderlebnissen ist wohl auch das verständliche Bedürfnis vieler Menschen, der Angst und Ungewissheit angesichts des Todes die Hoffnung entgegenzusetzen, dass es so schlimm schon nicht werden wird. Unabhängig von der Stärke ihrer religiösen Überzeugung ist die Aussicht auf ein finales Licht-Wärme-Bad im goldenen Strahlenkranz ja tröstlich. Ob es tatsächlich und endgültig so kommt, wird die Wissenschaft allerdings nie herausfinden können. Studien zum Thema leiden an der unüberwindbaren methodischen Schwäche, dass sie sich nur mit Probanden durchführen lassen, die zwar fast, aber eben noch nicht ganz tot waren.“

Dem möchte ich entgegnen:

„Nicht zu unterschätzen in der Verdammung von Nahtoderlebnissen ist wohl auch das verständliche Bedürfniss von Wirtschaft und Politik, die Angst und Ungewissheit angesichts des Todes bis in alle Ewigkeiten aufrecht zu erhalten“ …

Studien zu dem Thema leiden nicht an einer methodischen Schwäche, lediglich die Definitionserlebnisse von „Tod“ führen in der Folge zu Zweifeln an der Methodik. Hier hilft aber wiederum die Philosophie – die man auch gerne im Sinne der Renditemaximierung von Kapitaleignern abschaffen würde.

Hat man zwei Glaubenssätze (Tod ist endgültig versus Tod ist ein Übergang), die niemals zu endgültigen Wahrheit kommen können, so darf man sich – im Sinne der Philosphie der „Nützlichkeit“ (im weiteren Sinne des Utilitarismus) – frei für eine Wahrheit entscheiden, die einem den meisten Nutzen bringt … das ist dann zwar nicht „wahr“ … aber „weise“.

Wollen wir uns dieser Wahl nicht stellen, bleibt uns noch ein zweiter Weg: den der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Wie wahrscheinlich ist es, dass Menschen, die kein Erlebnis hatten (zum Beispiel Fallschirmspringen, Sex, Tauchen, auf dem Mond landen) dieses Erlebnis besser deuten können als Menschen, die dieses Erlebnis hatten? Sollen wir da eher Menschen glauben, die dem Tod begegnet sind … oder jenen, die ihn nur vom Hörensagen her kennen?

Wer hier seinen Weg noch nicht findet, der mag sich auf seine Zellen besinnen – was im Alter immer leichter fällt: unsere Zellen sterben jeden Tag, ohne dass unser Geist davon berührt wird. Einfach mal drauf achten … wenn zwischen der ganzen „Unterhaltung“ und „Beschäftigung“ für einen selbst und die eigenen Dinge überhaupt noch Zeit ist. Lediglich wenn der Körper (unser Gefährt, unser „Auto“) zu massiv beschädigt ist, können wir uns im Verkehr des Lebens nicht mehr mitbewegen – was aber nicht heißt, dass das Auto das gleiche ist wie sein Fahrer.

Und was machen wir mit jenen, die die Erzählungen vom Tod als „Mythos“ abtun, als „Halluzination“? Nun – ihr Anspruch auf Wahrheit ist in etwas so hoch wie der jener, die behaupten, unser ganzes Leben sei nur ein Traum – mehr nicht. Kann man so sehen, wenn man will (es gibt in der Philosophie einige, die sich einer solchen Realität gestellt haben) … muss man aber nicht.

Und was machen wir jetzt mit dem Tod? Mit unserem Tod?

Vielleicht befragen Sie mal Ihre längst verschütteten aber immer noch vorhanden Instinkte anstatt die ahnungslose „Wissenschaft“. Diese „Wissenschaft“ ist nur Naturwissenschaft, Natur ist aber nur jener Raum, in den wir mit unserer Geburt eintreten und den wir mit unserem Tode verlassen, Ihre Instinkte jedoch wurden ihnen mitgegeben, damit sie nach der Geburt überhaupt lebensfähig sind – und ihre Rolle spielgen können. Wenn danach wirklich unsere völlige Auslöschung droht … glauben Sie wirklich, auch nur ein einziger Wikinger hätte sich auf den Weg über unbekannte, dämonische Meere gemacht, um neues Land zu finden … von dem gar nicht sicher war, dass es das gibt? Glauben Sie, auch nur ein Mensch hätte jemals sein Leben für seine Überzeugungen riskiert, wenn er nicht im Grund seines Herzens überzeugt davon wäre, dass die Art, wie wir leben, viel wichtiger ist, als die Dauer dieses Einzellebens?

99% der Menschen, die bislang gelebt haben, waren andere Werte wichtiger als das bloße Überleben. Sollte das nicht als Anhaltspunkt dafür ausreichen, dass der Tod weit weniger zu fürchten ist als zum Beispiel die Degeneration der eigenen Seele, des eigenen Geistes?

In diesem Sinne wünsche ich: Frohes Ostern!

PS: das „Denken“ die einzige Art für uns wahrhaft erlebbarer Realität ist, ist im Übrigen die Grundlage sämtlicher Naturwissenschaft. Seltsam, welche Blüten die trotzdem treibt, seltsam, wie sie uns verkaufen will, dass das Studium der Bühnenbildnerei wichtiger ist als die Aufführung des Stückes selbst.

 

 

 

 

 

 

Germanwings-Absturz … und Verschwörungstheorien

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Samstag, 28.3.2015. Eifel. Aktuell habe ich was Besseres zu tun, als meine Gedanken auf den Bildschirm zu bringen … doch lassen mich einige Facetten des Alltages nicht los. Verschwörungstheorien, zum Beispiel. Habe gerade heute wieder eine nichtssagende, unlogische, jeder Vernunft spottende Verurteilung von Verschwörungstheorien gelesen, blöd, naiv, voller Vorurteile, Verallgemeinerungen und aussagelosen Füllsätzen, dass man sich spontan fragt: wer hat dem Schulabbrecher schreiben beigebracht? Werden wir nie erfahren – der Autor wollte anonym bleiben.

Im Rahmen der Philosophie haben wir andere Begrifflichkeiten für Verschwörungstheorien: wir nennen sie Wahrheitstheorien … bzw. Anti-Wahrheitstheorien, je nachdem, welche Wahrheitstheorie hier Zugrunde liegt. Wahrheitstheorien? Nun – da  haben Sie sich wahrscheinlich noch gar keine Gedanken drüber gemacht, für sie ist Wahrheit, was FAKT ist. So sollte es auch sein – doch das ist nur eine von vielen Wahrheitstheorien: die Korrespondenztheorie, in der die Sprache die Realität korrekt abbildet. Aristoteles hatte mit solchen Überlegungen angefangen.

An der Tatsache, dass es nur eine von vielen Theorien ist, können Sie erkennen, das selbst diese einfache, plausible Vorstellung von Wahrheit nicht ganz „wahr“ ist. Das Problem ist: um eine wahre Aussage über meine Umwelt zu treffen (z.B. Gras ist grün) muss ich vor der Wahrheitsfindung erstmal Urteile fällen, die subjektiv sind: die Definitionen von „Gras“ und „grün“. Ja, ich weiß: pingelig. Leider sind Philosophen so, und warum zeigt Ihnen ein nächster Satz der deutschen Bundeskanzlerin, der sehr ähnlich dem Satz „das Gras ist grün“ ist: „Deutschland geht es gut!“

Merken Sie, wie auch Ihre Vernunft zu rebellieren beginnt? Dabei ist der Satz im Rahmen der Kohärenztheorie zutreffend – jener Theorie, die sich nur noch um Worte bemüht und alles für wahr hält, was innerhalb eines Aussagesystems ohne logische Widersprüche eingeordnet werden kann. Auch der Utilitarismus oder Pragmatismus (eine US-Variante von Wahrheitstheorien) kann damit leben: wahr ist, was mir nützt. Für Angela Merkel ist der Satz deshalb „wahr“, weil er ihr nützt und innerhalb ihres Aussagesystems problemlos hineinpasst. Wahrheit – wird so zur Wahrheit der Mächtigen, d.h. zu jener Wahrheit, die die Gestalter eines Aussagesystems für sich zurechtgelegt haben … u.a. deshalb, weil das so etablierte System sie finanziell am Meisten bevorzugt, während Menschen mit weniger Zugang und Möglichkeiten zur Gestaltung des Aussagesystems auf der Strecke bleiben und von Hartz IV …“leben“ … müssen.

„Verschwörungstheoretiker“ im modernen Sprachgebrauch sind also lediglich Verfechter der Konsenstheorie (Wahrheit findet die Zustimmung aller Menschen, die der Sprache und dem Denken hinreichend mächtig sind) gegen die Vertreter des Pragmatismus, einer Wahrheitstheorie, die in Deutschland vor allem Konzerne, Medien und Parteien aber auch die Mehrheit der Einwohner teilen: wahr ist, was mir Geld in die Taschen bringt. Tun diese Menschen alles in ihrer Macht stehende dazu, diese Wahrheit als „Wahrheit für alle“ durchzudrücken, haben wir eine Verschwörung vorliegen – erstmal eine Verschwörung gegen die Wahrheit an sich – was den Philosophen sehr stört, hat er doch ein eher libidinöses Verhältnis zu ihr und kann es nur mit großem Herzschmerz dulden, wenn sie wie eine Hure billig für niedere Einzelinteressen missbraucht wird.

Zur Steuerung von Wahrheit sind Pressesprecher erfunden worden – Menschen also, die verkünden, was ab dem 11.9.2001 Wahrheit zu sein hat – und was nicht. Ja: zu diesem Datum hat sogar ein US-Präsident jede alternative Wahrheiten, die sich auf Grund anderer Theorien als seinen eigenen bilden würden, in die Nähe des Terrorismus gerückt und zu Feinden erklärt.

Wir zur Zeiten der Monarchie setzte die Macht Wahrheit mit Gewalt durch: für Philosophen der Zeitpunkt, sich von der realen Welt in die innere Emigration zu verabschieden, weil der nächste Weltenbrand, der nächste Wahnsinn, der nächste Kollaps vor der Tür steht und der demokratische Wahrheitsfindungsprozess durch autoritären Wahrheitssetzungsprozess ersetzt wurde: so macht man aus der Erde eine Scheibe, aus Franzosen Erbfeinde und aus Juden dämonische Wesen. Ja – aus der Sicht der Erkenntnistheorie sind wir wieder so weit: der Staat setzt die Wahrheit – eine Aussage, die allein belegt wird durch den Wahrheitsfindungsprozess, der am 11.9.2001 nicht statt gefunden hat: die Wahrheit wurde „von oben“ gesetzt, wie die Kirche dereinst die Scheibenform der Erde anordnete. Widerspricht jemand, so wird er verbrannt oder … heute üblicher … verbannt und öffentlich bloß gestellt: man kann nur irre sein, wenn man die Erde nicht als Scheibe anerkennt, denn in das Aussagesystem der Kirche passt diese Aussage widerspruchslos hinein – was den Dialog schwierig macht: die Regierung (und damit sind alle Kräfte gemeint, die Macht besitzen, also auch Wirtschaft, Militär und Kirche) „glaubt“ an „ihre“ Wahrheit, weil sie ihr am Meisten nützt, d.h. den tragenden Kräften das höchstmögliche Einkommen bietet.

Man muss in der Tat schon sehr verrückt sein, um gegen sein eigenes Einkommen vorzugehen – verrückt, oder eben Philosoph. Demokrat oder Querulant geht auch.

Aus der Erkenntnis, dass „Wahrheit“ für den Menschen nicht fassbar ist (dafür ist er von den Sinnen und vom Verstand her einfach zu gering bestückt), kam die Überlegung, dass „Urteile“ vorsichtig und umsichtig zu fällen seien, ein Umstand, den wir in der Justiz sehr berücksichtigen, in der Politik und vor allem in der Wirtschaft aber eher zunehmend vernachlässigen. Dort, wo nicht umsichtig und vorsichtig geurteilt wird, ist das Vorurteil die herrschende Wahrheit: Platz für reichlich Manipulation und Propaganda … und politisch gesehen die Vorherrschaft die Diktatur. Demokraten – so lernte man noch in bundesdeutschen Schulen der frühen siebziger Jahre – meiden das Vorurteil wie der Teufel das Weihwasser. Heute wird es als durchaus nützlich angesehen … wir aktuell durchexerziert beim Absturz des German-Wings-Fluges in den Alpen.

Was geschieht aktuell?

Es wird Wahrheit gesetzt: sogar bis tief hinein in den persönlichen Raum. Es wird Trauer angeordnet – und damit sich der Bürger der Anordnung nicht widersetzt, werden fröhliche Sendungen abgesetzt. Es wird reagiert, als hätte sich etwas unglaublich Irreales, Entsetzliches, Grausames zugetragen – innerhalb der Koheränztheorie der Machthaber geschah auch genau das: entgegen der Meinung der Werbeindustrie, die uns verspricht, dass wir ewig jung und schön bleiben können, nie sterben werden, damit wir bis in die fernste Zukunft auch alle neuen Produktreihen erwerben, alle Serien sehen, alle Orte der Erde besuchen können, hat der Tod uns eines besseren belehrt: er macht in der Tat auch vor den heiligen Deutschen nicht halt, die erwarten, dass selbstverständlich ihre Flugzeuge nie abstürzen … gerade ihre Flugzeuge, sind sie doch das beliebteste Transportmittel der wirklichkeitssetzenden Oberschicht. Arbeitslose entsetzen sich da weniger über Flugzeugunglücke, ihre Schrecken sind SUV-Fahrer, die in der Innenstadt – gerne auch altersbedingt – die Kontrolle über ihr Blechmonster verlieren. Ja – für sechzig Nobeltote im Flieger gibt es Staatstrauer, für 4000 Unfalltote im Straßenverkehr eine kleine Meldung im Radio, 13000 Selbstmörder erhalten noch nicht mal das, Meldungen über Hungertote dank Sozialreform werden aktiv bekämpft – dabei sterben sie ganz im Sinne von Franz Müntefering: „wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ – also qualvoll verhungern … oder auf deutschen Straßen erfrieren (siehe Neues Deutschland).

Menschen sterben – das ist einer der wenigen absolut wahren Sätze, die die Menschheit produzieren konnten – und in Momenten wie diesen merken auch jene, die in den Kohärenzwahrheiten der Kanzlerin leben, dass sie dieser Wahrheit nicht enthoben sind. Je mehr wir den Tod aus unserer Wahrnehmung verdrängen, umso entsetzlicher wird er, wenn er wirklich eintritt – und umso hilfloser werden wir, wenn er uns begegnet: was das Leid der Hinterbliebenen deutlich steigert und erklärt, warum wir für 60 Tote Staatstrauer verordnet bekommen, für die täglichen 35 Selbstmörder aber nicht – obwohl zwei davon auch Jugendliche sind.

Bleiben wir aber bei den Verschwörungstheorien … obwohl wir uns damit einer großen Gefahr aussetzen, Opfer von Gewalttaten zu werden. Ja – es gibt zu dem Thema eine Studie, deren Bedeutung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann: Menschen, die zur Bildung von Verschwörungstheorien (also: Wahrheitstheorien!) neigen, sind vernünftiger als Menschen, die sich kritiklos den Kohärenztheorien kleiner, exklusiver Gruppen anschließen, d.h. sie wirtschaften besser, fahren sicherer Auto, arbeiten effektiver bringen sich mehr in das Gemeinwesen ein, engagieren sich für Frieden und Völkerverständigung und verfolgen erfolgreich lösungsorientierte Ansätze in allen Lebensbereichen, d.h. sie sind die „Macher“ einer jeden Kultur – was „Vernunft“ halt einfach so mit sich bringt. Die „Gläubigen“ jedoch … sind dafür aggressiver (siehe Forschung und Wissen):

„Die Gruppe der Menschen, die der offiziellen Version glauben – welche im Internet eine deutliche Minderheit darstellt – reagiert auf die Kommentare anders Denkende oftmals verärgert, angewidert oder gar aggressiv. Die Forscher vermuten dahinter Frust, dass die Aussagen der alteingesessenen Mainstream-Medien unter Verschwörungstheoretikern nicht mehr akzeptiert werden.“

Die Wahrheit hinter diesen Emotionen scheint mit eine ganz andere zu sein: die Überforderung des Dummen durch die Vernunft … was immer negative Gefühle nach sich zieht. Die Erkenntnis und die dauernde Konfrontation mit der eigenen geistigen Beschränktheit ist nie angenehm, bei entsprechend geringem Selbstwertgefühl können da schon mal unangenehme Gefühle hochkochen – das ist menschlich, dient aber nicht der Wahrheitsfindung. Entsprechende Reaktionen kann man übrigens in einschlägigen Foren und Gruppen in Facebook hervorragend studieren – dort fallen sogar die dümmeren der Linken über ihre Genossen her, wenn diese den Koheränzanordnungen der Pressesprecher von Regierung und Konzernen nicht bedingungslos folgen.

Im Rahmen der Diskussion um die Toten des Absturzes der German-Wings-Maschine kam sehr schnell – noch am gleichen Tag – ebenfalls der Wunsch auf, jetzt nicht darüber zu reden, nicht zu spekulieren und die Toten nicht zu entehren (oder die Trauer der Angehörigen zu entwerten), in dem man unpassende Vergleiche zieht: dass 50000 Hungertote täglich durch diesen Bahai um ein einzelnes, abgestürztes Flugzeug ebenfalls entwürdigt, entwertet und deklassiert werden, kommt diesen Leuten gar nicht in den Sinn … wieso auch: das machen sie ja täglich.

Wenn ich mir hier Gedanken über den Absturz der Germanwings-Maschine und die Folgen dieses Absturzes mache, geschieht dies auch nicht in dem Sinne, die Trauer der Angehörigen zu entwerten: sie haben mein Mitgefühl ebenso wie die Mütter der heute wieder verhungerten Kinder … wobei bei einer einstündigen Sondersendung wieder 720 neue Kinder verhungert sind, die keinen wirklich interessieren, weil sie Müllmenschen sind, Untermenschen, überflüssige Restmenschen, die bekommen, was sie verdient haben. Ja – alle fünf Sekunden verhungert ein Kind (siehe Deutschland-Radio): obwohl es eine der grausamsten Todesarten ist, denen Menschen ausgeliefert sein können, kräht kein Hahn danach … noch wird eine lustige Sendung dafür abgesetzt.

Ebenso schnell wie das Denkverbot und die Anordnung jetzt zu demonstrierender Gefühle erreichte uns auch die Wahrheit der Mächtigen: der Co-Pilot war es. Von kritischer Wahrheitssuche keine Spur, die Wahrheit wurde von „etablierten Medien“ angeordnet anstelle eines  – wie üblich, man schaue sich nur mal die Wahrheitsfindung bei Gerichtsprozessen an – langwierigen Erkenntnisprozesses wurde das Urteil – wie auch nach den Attentaten am 11.9.2001 – nahezu im Handumdrehen präsentiert.

Dabei … was haben wir an Fakten? Einen Piloten, der nach dem Toilettengang nicht mehr zurückkam. Einen „ruhig und gleichmäßig“ atmenden Co-Piloten hören wir (siehe z.B. Spiegel). Was wäre geschehen, wenn der Pilot nicht zur Toilette gemusst hätte? Ach – ich vergaß: im Internet kursieren seit dem Absturz auch Anweisungen, anläßlich von „Tragödien“ keine Fragezeichen mehr zu verwenden. Wer sie gegeben hat, ist mir nicht bekannt, sie werden nur massenhaft geteilt. Dabei gäbe es hier einige Fragezeichen, die auch die Pilotenvereinigung Cockpit anzubringen versucht (siehe Spiegel).

„Es sei doch sehr verwunderlich, dass der Staatsanwalt so rasch zu derart weitreichenden Schlussfolgerungen gelangt sei – und das allein anhand einer ersten Auswertung der Stimmenaufzeichnung. Klarheit über das, was sich während des Todesflugs abgespielt habe, könne schlichtweg noch gar nicht vorhanden sein. Andernfalls, so Spaeth leicht sarkastisch, bräuchte man nach der viel wichtigeren Datenbox ja gar nicht mehr zu suchen.

Im Übrigen habe es in der Vergangenheit einige Beispiele gegeben, wie französische Behörden sich sehr bemüht hätten, Schaden vom Ruf des Airbus fernzuhalten.“

Mutig, oder? Präsentiert eine Verschwörungstheorie im öffentlich rechtlichen Fernsehen – doch vergebens. Durfte NTV am Tage des Absturzes noch „Zapfluft“ als Ursache andenken (siehe NTV) – übrigens im Einklang mit Erwägungen des Luftfahrtmagazins Aero aus dem Jahre 2014 – ist schon einen Tag später das Urteil gefällt … weil unbestimmbare „Indizien“ gefunden wurden. Was schrieb Aero damals? (siehe Aero):

„Vor vier Jahren geriet ein A319 der Lufthansa-Tochter im Anflug auf Köln-Bonn in eine Mayday-Luftnotlage – beiden Piloten schwanden unvermittelt die Sinne, dem Kapitän gelang glücklicherweise dennoch eine sichere Landung.“

Das würde hinreichend erklären, warum der vermeintlich suizidale Co-Pilot keinen Abschiedsbrief hinterläßt, sich zuvor noch zwei nagelneue Audis für sich und seine Freundin gekauft hat (siehe Focus) … und ganz ruhig und gelassen atmet. Es ist ein kleiner Kippschalter, der die Tür verriegelt … reicht möglicherweise ein anderer Reflex eines ohnmächtigen Piloten aus, per Tastendruck einen permanenten Sinkflug auszulösen, der unseren ohnmächtigen Piloten natürlich in keiner Art und Weise beunruhigt, weshalb seine Atmung trotz nahenden Todes sich nicht ändert … also der Körper kein Adrenalin ausschüttet, was die Atmung beeinflusst.

Oder war das so ein eiskalter Killertyp? Entschuldigung – ich vergaß: keine Fragezeichen.

Vernunft kann aber nicht anders, erst recht nicht bei solchen Nachrichten (siehe Spiegel):

„Nach dem tragischen Flugzeugabsturz über Südfrankreich mit 150 Toten weigerten sich offenbar mehrere Crews der betroffenen Airline Germanwings, ihre Flüge mit Maschinen des Unglückstyps von Airbus anzutreten. Am Flughafen Düsseldorf, wo der abgestürzte Flieger aus Barcelona landen sollte, seien seit Mittag mehrere Flugzeuge am Boden geblieben, berichten Passagiere. Auch Airbus-Maschinen des Germanwings-Mutterkonzerns Lufthansa sollen davon betroffen gewesen sein.“

Was wußten die, was wir nicht wissen? Berichtet haben das Passagiere, keine Piloten.

Später erfahren wir, dass der Trend anhält: viele Crews weigern sich zu fliegen, andere Airlines helfen aus (siehe Spiegel), als Grund werden psychische Probleme der Crews angegeben … während die Crews der anderen Airlines angesichts der Katastrophe ruhig und gelassen bleiben wie der vermeintliche Kamikaze-Pilot, ebenso gibt es kaum Stornierungen: Passagiere verhalten sich offenbar „professioneller“ als Professionelle.

Wissen Sie eigentlich, woher die Legende der „psychischen Erkrankung“ (die bis heute nicht näher beschrieben wird, also weiter „dämonenhaft“ gehalten wird) stammt? Die „Bildzeitung“ hat sie aus „Lufthansakreisen“ (siehe Spiegel).

Und wer hat zuerst den Absturz erkannt? Eine italienische Militärmaschine – sechs Minuten vor dem Einschlag. Vielleicht war der Pilot sensibilisiert durch die Tatsache, dass es schon mal einen Airbus 320 gab, der sponaten an Höhe verloren hatte (siehe Daily Mail):
„The European Air Safety Agency (EASA) issued an Emergency Airworthiness Directive after an Airbus A321 went into an uncontrollable dive north of Pamplona, Spain before pulling out.

According to the safety warning, the Lufthansa jet, with 109 passengers and crew aboard, was at 31,000 feet when it started to descend without any input from the pilot, at a rate of 4,000 feet per minute, before the flight crew managed to regain control at 28,000 feet.
According to the EASA, a safety system designed to protect the jet reacted to incorrect data due to a faulty sensor.   
The safety warning related to all Airbus A318, A319, A320 and A321 – including the Airbus A320 involved in yesterday’s disaster.“

Na ja – keine weiteren Fragezeichen mehr. Es wahr – wie üblich – der psychisch kranke Einzeltäter: die Lieblingstheorie von Utilitaristen. Andere Wahrheiten, die die Einkommensverhältnisse der Mächtigen gefährden könnten, werden gar nicht erst diskutiert, wie bei den Kennedy-Morden und den Anschlägen vom 11.9.2001 wird Wahrheit angeordnet – zum Wohle aller, denen diese spezielle Wahrheit nützt.

Die Wahrheit an sich … interessiert nur ein paar verworrene Spinner. Perverse, die ein libidinöses Verhältnis zur Wahrheit haben.

Die Masse interessiert sich dafür, dass die Kohle rollt … und keinerlei Verunsicherung eintritt, die das geregelte Abkassieren gefährden könnten.

„Deutschland geht es gut“ … und „Fliegen ist sicher“.

Ich persönlich kann mir kaum vorstellen, dass etwas mehr die Toten verhöhnt als der letzte Satz.

Schwulenhass, Yetispott, die Trümmerwelt der Naturwissenschaft und Swedenborgs „Eigenrealitäten“

Die Chinesen machen ja gerade etwas Ungeheuerliches: sie suchen den Yeti. Ungeheuerliche Ungeheuersuche.  Wie können die nur so etwas machen, weiß doch jeder, das man sich in Europa mit der Suche nach dem Yeti lächerlich macht, gerade bei den großen Nachrichtenagenturen wie dem „Spiegel“:

Man könnte meinen, es sei hinlänglich bekannt, dass es das Wesen nur in der Mythologie gibt. Schließlich gibt es bislang keinen stichhaltigen Beweis für seine Existenz. Nur ein paar Augenzeugenberichte und verwaschene Fotos.

Ein einziger Satz nur … und schon ist man im Herzen der wissenschaftlichen Finsternis und der Manipulation. Es sei … „hinlänglich bekannt“ … ja, wem denn? Was den Yeti betrifft, so ist es wie mit allen Phänomenen, die nicht jederzeit herbeirufbar sind (sich also der menschlichen Kontrolle und Machtausübung aus freiem Willen entziehen können):  entweder, man gehört zu denen, die einen gesehen haben oder aber man gehört zu jenen, die keinen gesehen haben. Nach guter alter naturwissenschaftlicher Tradition der Empirie ist „hinlänglich bekannt“ das ein Zeuge ausreicht. Nach guter alter naturwissenschaftlicher Tradition beugte sich sogar der „Alleszertrümmerer“ Kant (hier aus einem Spiegelartikel von 1974) den Fakten:

Gleichwohl, auch einige Rationalisten blieben im Zweifel. Sogar Immanuel Kant, der „Alleszertrümmerer“, rätselte darüber, wie es dem schwedischen Ingenieur Emanuel Swedenborg an einem Abend des Jahres 1759 gelingen konnte, von Göteborg aus einen in Stockholm stattfindenden Großbrand „fernzusehen“.

Kant lehnte jede Form von „Geisterseherei“ aus guten Gründen ab, in der Welt des Rationalismus hat Empirie aus methodischen Gründen nichts verloren – aber die Welt des Rationalismus ist nicht die Welt selbst, sondern nur das Kategorienraster,  durch das die Menschen „Welt“ betrachten. Über seine Erfahrungen mit Swedenborg schrieb Kant 1766 ein eigenes kleines Werk: Träume eines Geistersehers.

Er beschreibt dort auch die „Modes des Unglaubens“, die zur damaligen Zeit politisch wichtig und deshalb per Vernunft geboten war. In Zeiten, wo die Kirche als Weltmacht hinter den Thronen stand und jede widersprüchliche Glaubenslehre als „Geheimnis des Glaubens“ postulieren konnte, war es unverzichtbar, sich im Widerstand gegen weltliche Mächte ein heiles Reich der Vernunft zu schaffen, um nicht durch „Träume eines Geistersehers“ lenkbar zu werden. „Hellsichtigkeit“ als empirische Beobachtung stand da der Vernunft im Wege.

Heute sind wir weiter … eigentlich. Heute wissen wir über die Einflüsse des Mondes auf Psyche und Natur … und manche Passagen des Seher Swedenborg könnten heute von den neuen Predigern der Metaphysik kommen: den Quantenphysikern (hier bei Kant:)

Ein Hauptbegriff in Schwedenbergs Phantasterei ist dieser: Die körperliche Wesen haben keine eigene Subsistenz, sondern bestehen lediglich durch die Geisterwelt; wiewohl ein jeder Körper nicht durch einen Geist allein, sondern durch alle zusammengenommen. Daher hat die Erkenntnis der materiellen Dinge zweierlei Bedeutung, einen äußerlichen Sinn, in Verhältnis der Materie aufeinander, und einen innern, in so ferne sie als Wirkungen die Kräfte der Geisterwelt bezeichnen, die ihre Ursachen sind. So hat der Körper des Menschen eine Verhältnis der Teile untereinander nach materiellen Gesetzen; aber, in so ferne er durch den Geist, der in ihm lebt, erhalten wird, haben seine verschiedene Gliedmaßen und ihre Funktionen einen bezeichnenden Wert vor diejenige Seelenkräfte, durch deren Wirkung sie ihre Gestalt, Tätigkeit und Beharrlichkeit haben.

Wenn es denn Materie nicht gibt, die Welt der Formen und Farben nur Illusion ist, so werden wir irgendwann zu der Frage stoßen: welche Kraft hält das alles zusammen?

Nun, Swedenborgs Geister- und Höllenvisionen haben mich nie sonderlich interessiert – was vielleicht ein Fehler ist. Die Vorstellung von Wesen (Engeln wie Teufeln) die aufgrund ihrer natürlichen Beschaffenheit in der Lage sind, „Eigenrealitäten“ zu bilden, fand ich jedoch für jemanden in der Mitte des 18.Jahrhunderts sehr fortschrittlich, da „Eigenrealitäten“ ein abstrakter Begriff ist, der wir uns erst durch die Physik der letzten Jahre faßbarer erscheint. Und die Vorstellung, das nur jene in der Hölle landen, die selbst dort hineinwollen, fand ich sehr beruhigend – und irgendwie auch überzeugend.

Wir schreiben aber nun nicht mehr das 18. Jahrhundert in dem sich die Welt von der Kirche emanzipieren mußte, wir schreiben das 21. Jahrhundert, in dem man wissen können müßte, das die Sichtung von „Yetis“ mit der „Mythologie“ nichts zu tun haben. Trotzdem finden sich noch Anhänger der „Mode des Unglaubens“. Die Welt der Mythologie ist die Welt der Schöpfungsgeschichten, der Sagen und Legenden. Die Welt der Yetis ist die Welt der Biologie – bzw. die Frage, ob es noch große Tierarten in der Welt gibt, die in geringen Populationen leben.

Das sind zwei ganz verschiedene  Felder. Mit dem Yeti ist es wie mit dem Riesentintenfisch, der lange Zeit als „Mythos“ verächtlich gemacht wurde, bis er im britischen Museum hing. Es gibt keinen Grund für Spott oder Hohn, was die Yetiforschung betrifft – es sei denn, man hält Mode für Wissenschaft.

In der Waldregion, die nun untersucht werden soll, wurden im Laufe der Zeit 400 Sichtungen des mysteriösen Wesens registriert. Demnach ist die Kreatur größer als ein Mensch, geht aufrecht und ist von Kopf bis Fuß mit Haaren bedeckt.

So berichtet der Spiegel weiterhin. 400 Sichtungen sind eine Menge. Grund genug, mal zu schauen, ob es sich um eine neue Bärenart handelt – oder um eine alte Bärenart und ungenaue Beobachtung. Oder um die Kleinpopulation eines seltenen Großtieres, von denen man heute immer noch einige findet.  Seit dem mit dem Quastenflosser ein angeblich schon vor den Dinosauriern ausgestorbener Urahn alle Landlebewesen fröhlich schwimmend in den Weltmeeren gefunden wurde, würde es mich nicht wundern, wenn jüngere Vertreter seiner Art auch im Loch Ness schwimmen. Es wäre im Prinzip nicht unvernünftig….nur unmodern.

Die Mode des Unglaubens selbst könnte man heutzutage noch tolerant akzeptieren, wenn sie nicht … eine ganz häßliche politische Schattenseite hätten. Ignoranz, Dogmatik, Ideologie, Intoleranz, die im wissenschaftlichen Bereich noch existieren können ohne großen Schaden anzurichten (aber auch keinen großen Nutzen bringen), werden außerhalb der wissenschaftlichen Sphäre ganz schnell ganz häßlich, hier laut Spiegel:

Belgrad im Ausnahmezustand: Tausende rechtsextreme und nationalistische Randalierer lieferten sich in der serbischen Hauptstadt Straßenschlachten mit Polizisten. Diese versuchten den ersten Umzug von Homosexuellen seit neun Jahren zu schützen – Dutzende Menschen wurden verletzt.

In Polen laut Welt:

Der Zug durch Warschau wurde begleitet von rund 2000 Polizisten, die die Teilnehmer vor möglichen Angriffen von Rechtsextremen oder ultrakonservativen Katholiken schützen sollten. Beide Gruppen hatten Gegendemonstrationen angekündigt. Vereinzelt wurden Eier und Flaschen auf Teilnehmer geworfen. Nach Polizeiangaben wurden acht Menschen festgenommen, weil sie Polizeibeamte angegriffen hatten. Beim Marsch durch die polnische Hauptstadt trugen die Gegendemonstranten unter anderem Transparente „Perverse nach Berlin“.

„Es ist hinlänglich bekannt, das Schwule pervers sind und das der natürliche homosexuelle Mann ins Reich der Mythologie gehört“. Homosexualität als Krankheit … das bricht sich wieder Bahn, hier ebenso wie in den USA. Dahinter steckt der gleiche Geist, der Yetiforscher verspottet: der Mensch mit Gier nach Macht.

Im 21. Jahrhundert stehen wir vor einem Trümmerhaufen, den uns das naturwissenschaftliche Weltbild gebracht hat. Umweltkatastrophen (mit einen drohenden Rekordwinter 2010/2011, den viele Hartz IV-Abhängige dann wohl diesmal wirklich nicht überleben werden) ,  Umweltgifte, Atombomben, Artensterben … die Liste der Vernichtungen ist schier unendlich lang. Zeit sich mal Gedanken darüber zu machen, was denn da schief gelaufen ist, wie denn aus der harmlosen und begrüßenswerten vernünftigen Beobachtung und des ruhigen Studiums der Natur eine Vernichtungsmaschinerie derselben werden konnte … oder wollen wir lieber weiter in den sicheren Untergang ein überbevölkerten, waffen- und giftverseuchten Welt marschieren, weil die Mode des Unglaubens es uns befiehlt?

Es ist Zeit, sich zu Fragen, was denn da schief gelaufen ist … in nur 150 Jahren. Zeit, einfach mal die Frage nach dem letztendlichen „Nutzen“ von Naturwissenschaft zu stellen – was man heutzutage auch tun kann, ohne gleichzeitig die Kirche wieder aus dem Sack der Geschichte hervorholen zu müssen.

Was die Herrscher der Welt am Yeti, am UFO, an der Telepathie stört ist … es sind Objekte menschlicher Wahrnehmung, die nicht ihrer Kontrolle unterliegen. Sie stellen die Allmacht ihres Gottes in Frage, mit dessen Hilfe sie über die Menschheit herrschen … und der auch Quell für viele wunderbare renditefreundliche „Sachzwänge“ ist.

Deutet mein Gott „Naturwissenschaft“ den Menschen als Tier, so kann ich die Population in Auschwitz logisch und vernünftig mit Gas reduzieren, das gleiche gedankliche Prinzip gebar im Nachkriegsdeutschland das Sozialmonster Hartz IV: Massentierhaltung in Zeiten (künstlich hervorgerufener) knapper Ressourcen – solche Vergleiche dienen auch nicht der Verharmlosung des Nationalsozialismus, sondern lediglich der Verhinderung seiner (bevorstehenden und laufenden) Wiedergeburt, die in Deutschland mit großen Schritten voranschreitet und die neuen „Juden“ trifft: die Arbeitslosen, denen nicht nur der billige Wohnraum weggenommen wird sondern auch noch (laut Spiegel) der Artzbesuch unmöglich gemacht:

Um die Kosten im Gesundheitssystem zu senken, sollen Patienten laut Gesundheitsminister Rösler ihre Rechnung selbst bezahlen – und das Geld dann von der Krankenkasse erstattet bekommen. Der Chef der Kassenärzte hält das für richtig.

Es ist das gleiche Denkprinzip, das auch Ausschwitz errichtete: Das Kosten/Nutzendenken der Tierhaltung auf den Menschen übertragen. Rationalismus ohne Religion wird schnell gefährlich, das wußte schon Kant. Er findet keinen Halt in der Welt und hat keine eigenen Werte, wähnt sich aber selbst von allem gefährdet, was er sich nicht Kraft seiner Gedanken selbst erschließen kann und was seinen jeweiligen aktuellen Modewerten wiederspricht. Es sind aber nur … Modewerte, keine „ewigen Werte“.

Wie anders würde die Welt aussehen, wenn wir uns  – nur um ein Beispiel zu denken – eher an Swedenborg denn an Kant orientiert hätten … möglicherweise wäre schon jeder Mensch soweit, das er Kraft seine Willens seine eigenen Realitäten schaffen könnte. Wen sollte das schon stören?

Seltsamerweise die gleichen, die auch den Yeti lächerlich machen. Aber vielleicht ist das gerade die Wahrheit, die die Reichen und Mächtigen vor uns verbergen wollen: jene Fähigkeiten, die wir erlangen, wenn wir 100% unsere Gehirnkapazität nutzen können. Dann würde ja niemand mehr Macht über Menschen ausüben können … und das wäre für gewisse Charaktere schlimm.

Es ist weder wünschenswert noch notwendig, das man nun den naturwissenschaftlichen Modeglauben durch esoterischen Modeglauben ersetzt.  Aber ich denke es ist notwendig und wünschenswert, bevor aus verständlichen und vernünftigen Sachzwängen die nächsten Hassorgien angesagt werden und neue Leichenberge zeugen, mal das grundsätzliche Übel anzugehen: den naiven und primitiven Glauben an die Allmacht rationaler Vernunft … denn es ist ebenso unvernünftig an den Yeti zu glauben wie den Schwulen am Leben zu lassen.

Ein Werkzeug ist kein Wert an sich … und es mutet schon fast wie ein Zaubermärchen an, das die Menschen sich aus der Flucht vor der kalten und mitleidlosen Bestialität ihres Werkzeuges wieder in die Arme der Kirche flüchten müssen – und alles wieder von vorn beginnt. Aber vielleicht wählen die Menschen gerade deshalb wundersame Auswege:

Die mächtigste Frau der Welt ist laut „Forbes“ Michelle Obama, in Großbritannien dagegen hat die einflussreichste Dame nichts mit Politik am Hut: Die Rangliste wird von Joanne K. Rowling angeführt, Autorin der Harry-Potter-Saga.

Die Harry-Potter-Saga ist in vielerlei Hinsicht eine Sage von … „Eigenrealitäten“.  Ich schätze sie nicht, weil man (wie auch im „Herrn der Ringe“, in dem „Star Wars Mythos“, der „Matrix-Sage“ oder den vielen Vampirlegenden) sehr vorsichtig auf das Element des „Herrenmenschentums“ in jenen Geschichten achten muß, was bei ihr durch die Einführung des minderen „Muggel“ (unmagische Normalmenschen) schon einen finstereren Beigeschmack hat, aber das eine Zauberbuchautorin als einflußreicher gilt als die Spitzen der Gesellschaft … das hat was freundliches. Was sehr freundliches.


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