Urlaub

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Deutschland first – Urlaubs-Nationalismus in Corona-Zeiten

Deutschland first – Urlaubs-Nationalismus in Corona-Zeiten | Jens Berger |

Wer kurzentschlossen seinen Sommerurlaub an der Ostsee oder in Bayern buchen will, braucht viel Glück und sollte sich auf happige Preisaufschläge einstellen. Im türkischen Antalya sind Hotels und Strände menschenleer. Das Auswärtige Amt warnt immer noch vor Reisen in die Türkei. Angeblich wegen Corona. Die Reisewarnung für das viel stärker betroffene Großbritannien wurde jedoch aufgehoben und auch in den bayerischen Urlaubsregionen sind die Infektionszahlen höher als in den türkischen Urlaubsregionen. Für Länder wie die Türkei ist der Einbruch des Tourismus eine einzige Katastrophe. Und nicht nur die Türkei muss sich wegen der fortbleibenden Touristen auf eine schwere wirtschaftliche Krise einstellen. Die Folgen werden tiefgreifend sein – auch für Deutschland.

Grenzenloses Lachen … (Farin Urlaub zurück im Hamsterrad)

165 Kroko1 pixabay

So, back to reality. Gerade wieder zurück aus einem kleinen Fleckchen Urlaubsparadies in der Adria, wo man meinen könnte, dass jedermannfrau/diverser ja eh gut und gerne leben. Nicht nur aus den dicken Yachten, auch aus kleinen verrosteten Campingbussen und aus den zahllosen Bars, Cafes und Pissbuden, die sich mittlerweile bis in die letzten Winkel von Nationalparks und Vogelschutzgebieten vorgefressen haben: von überall her schallt Lachen, Lachen, Lachen … müssen sich die Menschen den Bauch halten vor lauter Vergnügen.

Lachen, das ebenso wie Ebbe und Flut im täglichen Rhythmus anschwillt und wieder verebbt: Nach einer Kulmination des Lachens in rausch-, rauch- und feuerwerkserfüllter Nacht … schließlich nach Überwindung des morgendlichen Katzenjammers durch mehrere Cafè Lattes und Red Bulls holprig beginnt, gegen Mittag hin wieder an Fahrt aufnimmt, gepusht von Hard Style Technobeats oder nicht enden wollenden Rick Astley Covers dann am Nachmittag sukzessive beschleunigt, man am Strand mit Budget-Bier vom Supermarkt vordieselt, Abends schließlich mit hochprozentigem Treibstoff den Afterburner zündet, um mit Mach 3 die Schallmauer des Hamsterraddaseins zu durchbrechen und befreit von jeglicher Schwerkraft bei Mondenlicht bzw. unterm LED-Stroboskop schließlich vollkommen abzuhängen und in die Gefilde von Major Tom vorzustoßen, wo Lucy in the sky with diamonds and dildos jongliert.

Was nimmt man in der Maloche für den Rest des Jahres nicht alles in Kauf, wenn man dann zumindest zwei Wochen lang an der Strandmeile einen auf Farin Urlaub machen kann? Wo man zeigen darf, was für eine dicke Badehose man anhat, bevor dann nach mehrstündigem Stau auf der Heimreise  Montag morgens wieder gnadenlos der Wecker läutet und das marktkonforme Murmeltier grüßt.

Was gibt es also groß zu klagen? Das Maul des Krokodils, in dem wir sitzen, ist ja noch offen und spendet in der brütenden Hitze angenehmen Schatten … und das Kroko gibt sogar noch ein paar Lokalrunden aus und lädt umherstreunende Passanten ein, sich zur großen Party hinzuzugesellen …


Fotos: pixabay CC0 (1 / 2)

Der 12-Stunden-Arbeitstag für Deutschland – und das Ende jeder Zukunft

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Montag, 9.7.2018. Eifel. Es ist ja immer schön und einfach, ignorant die großen Strömungen der Zeitgeschichte an sich vorbeirauschen zu lassen. Immerhin gibt es andere, interessante, aufregende Beschäftigungen: Grillen mit Freunden, Bier trinken, Fußball gucken, grölend durch die Innenstadt ziehen. So kommt man ja auch durchs Leben – und, ehrlich gesagt: nirgendwo steht geschrieben, dass nur der ins Himmelreich kommt, der möglichst viel politisch aktiv war. Die Welt da draußen lässt einen ja auch weitgehend in Ruhe – sofern man genug Geld bezahlt. Ja – nun schauen Sie nicht so: Ihre Ruhe müssen Sie bezahlen – durch Steuern. Können Sie die nicht zahlen – wg. Arbeitslosigkeit – dann kommt ganz schnell das Jobcenter und versucht Sie in einen Zustand zu versetzen, in dem Sie wieder Steuern zahlen können. Versuchen Sie doch einfach mal nicht zu zahlen – Sie werden sehen: Ihr Leben wird unruhig. Ich sehe das gerade bei unserer „Madame Che“ – und bin immer wieder verblüfft, wie schnell man hier in diesem Land ruiniert wird, wenn man kein Geld hat. Völlige Idiotie wird hier zum Normalfall – oder ist das etwa ein Zeichen geistiger Gesundheit, dass man jemanden, der eine Rechnung nicht bezahlen kann, noch eine saftige Strafe aufbrummt … die er dann erst recht nicht bezahlen kann?

Mein Rat: zahlen Sie lieber. Sehen Sie die ganzen Beträge, die ständig von Ihrem Konto abgehen, einfach mal als Schutzgeld an, dass Sie zahlen, um von „denen“ nicht in die Mangel genommen werden. Dafür dürfen Sie dann aber auch „deren“ Mode folgen, „deren“ Nachrichten gehorchen und „deren“ Sondermüll in ihrem Haus stapeln.

Viele denken ja: ich zahle mein Schutzgeld – deshalb habe ich Recht auf Ruhe. Ja – zeitweise. Ihnen wird nicht aller Besitz abgenommen wie jenen 14 Millionen Deutschen, die schon mal in der Hartz-Verwurstung waren. Wer zahlt, ist „safe“. Das galt jedenfalls bis gestern. Morgen … wird man noch mehr zahlen müssen, weil … „die“ in ihrer endlosen Gier nie genug bekommen, da geht immer noch mehr.

In Österreich wird ja jetzt der 12-Stunden-Arbeitstag eingeführt. Die haben da eine neue Mitte-Rechts-Regierung (oder ultrarechts, je nach eigenem Standpunkt) unter der Führung eines Herrn Kurz. Herr Kurz – der jetzt das neue Gesetz durchsetzen möchte – ist ein Paradebeispiel für einen modernen Politiker, eines jener Geschöpfe, von denen wir auch in Bundestag und Bundesregierung immer mehr haben: Menschen, die ein hohes Maß an politischer Verantwortung haben, aber außer Schule, einem nicht vollendeten Studium der Rechtswissenschaften und viel Parteikarriere noch nie irgendwo verantwortlich gearbeitet haben. Er wird ja viel gelobt, der Herr Kurz, weil er ziemlich umtriebig ist, gut reden kann, neue Ideen einbringt … aber „Ideen“ sind ja noch keine Lösungen. Herrn Kurz „rechtsextrem“ zu nennen ist nicht unproblematisch, die Financial Times hat ihn mal so genannt und bekam daraufhin gleich Post vom österreichischen Außenministerium (siehe Kurier), eine gewünschte Entschuldigung des Journalisten dieses Artikels erfolgte jedoch nicht (siehe orf), auch wenn man den Artikel selbst modifiziert hatte.

Berührt Sie diese Geschichte nicht auch seltsam? So in Hinsicht des für uns Demokraten wichtigen Wertes „Meinungsfreiheit“? Ich kenne Herrn Kurz zu wenig, um so über ihn urteilen zu können – aber wo kommen wir hin, wenn einzelne Bürger auf einmal mit der gesamten wuchtigen Macht von Ministerien konfrontiert werden, nur weil sie eine – vielleicht extreme – Meinung haben? Demokratie hieße: man diskutiert mal darüber, warum man wohl einen Herrn Kurz für rechtsextrem hält und welche Argumente diese Meinung stützen (und Argumente braucht man da schon – sonst wäre es einfach eine hirnlose Beleidigung).

Doch genug von Herrn Kurz. Immerhin sieht auch er den geplanten „Maulkorberlass“ der öffentlichen Medien in Österreich sehr skeptisch – was ihn gleich wieder sympathischer werden läßt (siehe tt). Andererseits … heißt das auch eigentlich nichts.

Kommen wir zu einem zentralen Thema, das … auch in Deutschland auf Wohlwollen trifft: Österreich führt den 12-Stunden-Tag ein (siehe Wiener Zeitung). Ein Schock fuhr durch die ganze Gemeinde – dabei sind solche Arbeitszeiten doch schon lange Norm für die freie, auf Gleichheit bedachte brüderliche Republik. Kenne persönlich zwei Arbeitnehmer (also: Kostenfaktoren auf zwei Beinen), eine Verkäuferin und einen Architekten – für die sind solche Arbeitszeiten schon lange Norm. Für mich selbst waren in den neunziger Jahren Arbeitszeiten von 80 – 120 Stunden Alltag … nur für die Firma. Darüber hinaus gibt es ja noch andere Arbeit zu leisten: Erziehungsarbeit, Haushaltsarbeit, Gartenarbeit, Vereinsarbeit, Einkaufsarbeit – alles wertvoll und wichtig für das Funktionieren der Wirtschaftseinheit „Familie“.

Auch in Deutschland stoßen diese Vorschläge auf offene Ohren: Union und FDP finden das ganz schick (siehe t-online).  Natürlich gibt es bei all´ diesen Arbeitszeitexzessen auch das Moment der „Freiwilligkeit“. Niemand wird mit vorgehaltener Waffe gezwungen, 12 Stunden am Tag zu arbeiten. Nur … wer nicht ganz so freiwillig ist, nicht superbegeistert, auch den allerletzten Atemzug für die Rendite der Anleger zu opfern, gehört ganz schnell zu jenen, die von Spitzenpolitikern beispielgebend als „Parasiten“ bezeichnet werden, denen man das Essen verweigern sollte.

Sollen wir an dieser Stelle mal über „rechts“ und „links“ reden? Die Debatte über diese Begriffe scheint mir langsam überflüssig zu sein, gibt es doch immer mehr Begriffsverwirrungen, was denn eigentlich so genau „rechts“ oder „links“ sein soll. Sollen wir es uns mal ganz einfach machen? So wie früher schon? „Rechts“ – das sind die Agenten der Herrschaftstreuen, die Großgrundbesitzer, die den König anhimmeln, weil er ihren Besitz mit seiner Armee schützt. „Links“ – das sind die Streiter für die ohne Grundbesitz, für jene, die sich verkaufen müssen, um überleben zu können. Jene, die nicht von den Zinsen leben können, weil sie heimatlos sind, jederzeit vom Jobcenter oder Arbeitgeber in eine andere Stadt geschickt und zum Umzug verpflichtet werden können. Für jene, die ohne Erlaubnis weder Wohnung noch Heimatstadt verlassen dürfen, für jene, die jederzeit amtliche Kontrolle der Privatwohnung zu erwarten haben. Ist doch einfach, diese Unterteilung – und kann eine gute Grundlage für eine politische Sammlungsbewegung sein. Gleichzeitig zeigt sie aber auch ein Strukturproblem der Gegenwartspolitik auf: kommen selbst extrem linke Genossen in den Bundestag, so werden sie im gleichen Moment zu „Höflingen“, abhängig von der Gunst des Königs, der ihnen Diäten zahlt … und von dem Wohlwollen der „Partei“, die als weltfremdes Konstrukt über den ganzen politischen Betrieb herrscht – und natürlich in allererster Linie ihrem eigenen Überleben verpflichtet ist … und nicht den Besitzlosen.

Wir führen ja einen elementaren Kampf gegen „rechts“, auf breiter Front werden in jeden Foren, in jeder Kantine, in jedem Verein die „Nazis“ gesucht – als ob es nicht genug „Rechts“ gäbe, was außerhalb des Gedankengutes des Nationalsozialismus liegt. Im Kern hat die NS-Politik nur sichtbar auf die Spitze getrieben, was den Zeitgeist seit dem 19. Jahrhundert bewegt: Menschenzüchtung nach den Maßgaben der Viehzüchtung, Reduktion des Menschen auf seine Nützlichkeit für die Bilanz, betriebswirtschaftlich effektivste Vernichtung von Minderleistern und Systemkonkurrenten jeder Art. Der Großgrundbesitzer war stolz auf diese Partei, die endlich mal hart gegen das Gesochse durchgriff – und das sind die feuchten Träume aller Großgrundbesitzer weltweit: dass ihre Raubgüter sicher sind vor dem Pöbel. Ob man wohl deshalb so viel in Automatisierung investiert, um den Pöbel endlich völlig los zu werden?

Die Einführung des 12-Stunden-Tages in Deutschland wird allen Grillmeistern zeigen, wo der Hammer hängt – und was sie wirklich wert sind. Zwischen 20 und 40 Lebensjahren hat man die Chance, Millionär zu werden, wer das bis 41 nicht geschafft hat, gehört zum menschlichen Sondermüll, den Versagern, die aussortiert gehören … und oft genug aussortiert werden. Das ist der moderne Zeitgeist der „Elite“. Dagegen wird man sich nur schützen können (und so schützen sich heute auch schon Menschen jenseits der 40 davor), in dem man noch mehr umsonst arbeitet, versucht, noch mehr Rendite für den Herrn zu erwirtschaften, auf dass dieser gnädig sei. Das ist so die Leitlinie unserer modernen demokratischen Gesellschaft.

Zu hart gesprochen? Ist doch schon längst Realität – und eine gezielte und gewollte Folge jener Kultur der Angst, die durch Hartz IV in die Welt gesetzt wurde. Schauen Sie doch einfach mal, wie viele Überstunden die Deutschen so ableisten: 2016 waren es fast eine Milliarde … unbezahlter … Überstunden (siehe Zeit). Was meinen Sie, warum unsere Mitbürger ihre wertvolle Lebenszeit derart verschleudern und verschenken? Nun – wir kommen da wieder in den Bereich „Schutzgeld“: sie schenken ihre unbezahlbare Lebenszeit dem Eigentümer, um vor der nächsten Entlassungswelle geschützt zu sein, biedern sich auf erniedrigendste Weise an, um Gunst zu erhalten. Wie wissen, welche Mentalität so agiert – oder? Sagen wir das böse Wort mal nicht – wir denken sonst alle wieder an Onkel Toms Hütte und die Baumwollfarmen im Süden der USA im 18. Jahrhundert. Zusätzlich zu Ihrem 12-Stunden-Tag sind Ihnen auch Pendelzeiten bis zu 2,5 Stunden täglich zumutbar (siehe Arbeitsrecht.org), so dass Ihr Leben in Zukunft aus Schlafen, Frühstücken, 14,5 Stunden Frondienst, Abendbrot und Schlafen bestehen wird. Vergessen Sie also tunlichst Kinder, Haushalt, Garten und Verein: wenn Sie dabei bleiben wollen, müssen Sie Opfer bringen. Machen alle anderen ja auch.

Natürlich können Sie auch am Schlaf sparen. Die Schäden durch Schlafmangel in deutschen Betrieben wird auf jährlich 57 Milliarden Euro geschätzt (siehe Wiwo) – mal von den gesundheitlichen Risiken für die Menschen ganz abgesehen, denn: „Schlafmangel macht wirklich krank“ (siehe Spektrum). Ich warte da noch auf weitere Analysen zum Thema Schlafmangel und Krebs, denn: ein geschwächtes Immunsystem ist geradezu Voraussetzung für Krebserkrankungen – von denen wir ja jährlich immer mehr haben. Wollen wir mal ausrechnen, wie viele Menschen dem Arbeitswahn zum Opfer fallen – wie viele Todesfälle im Jahr auf das Konto einer menschenverachtenden Verwertungsideologie gehen, die in ihrer Geldgier schon lange keine Grenzen mehr kennt?

Besser nicht. Es würde einem Angst und Bange machen. Können Sie aber mal selbst machen, so als kleine Hausarbeit: machen Sie sich schlau über das menschliche Immunsystem, schauen Sie nach, wie es uns vor Unheil schützt – und welche Krankheiten in ihrer Entstehung durch ein schwächelndes Immunsystem Raum greifen können, ich verspreche Ihnen – Sie werden überrascht sein, wie viele Menschenleben wir jährlich opfern, um dem Arbeitswahn zu dienen. Sie können dann auch ruhig mal eine Prognose erstellen, wie viele Menschenleben so ein „freiwilliger“ 12-Stunden-Tag kosten wird.

Der Rat der Wirtschaft bezüglich jenes Schlafmangels ist ein anderer. Zwar weiß man, dass „der Gang zum Arzt“ die richtige Antwort wäre … aber ob der Arbeitgeber dabei mitspielt? Nun: ein Wirtschaftsmagazin gibt Tips, wie man auch ohne Schlaf seinen Beitrag zur heiligen Rendite leisten kann (siehe Wiwo), obschon man weiß, dass Schlafmangel Leben kostet: „wer weniger schläft, ist früher tot“ (siehe: Wiwo).

Hört sich hart an – ist aber auch so.

Und jetzt – müssen Lösungen her – um Menschenleben zu schützen. Wir brauchen ein Recht auf Schlaf – und zwar jeder so lange, wie es braucht, um wirklich „ausgeschlafen“ zu sein. Wie gesehen, ist das auch im Interesse der Wirtschaft: 57 Milliarden wären nicht mehr als Verlust zu verbuchen. Welche Partei hat dies nochmal im Programm? Gibt es überhaupt eine, die diesen Punkt jemals angesprochen hat – obwohl er nachweislich Leben rettet? Der Zusammenhang  zwischen Schlafmangel und „Zivilisationskrankheiten“ wir Gefäßerkrankungen und Diabetes ist wissenschaftlich erkennbar (siehe Ärzteblatt), d.h.: wir brauchen eine Gesellschaft ohne Wecker!

Ging ja auch 100 000  Jahre ohne gut … und war – soweit ich mich recht erinnere – auch ein Bestreben der Revolutionäre von 1789, die in Uhren große Tyrannen sahen (bei Bedarf kann ich mal nach dem Buch suchen, in dem mir das aufgefallen ist). Der König kam weg – die Uhren blieben.

Können Sie sich das vorstellen: ein Leben ohne Uhren? Jeder kommt zur Arbeit, wann es ihm passt? Leistet dann aber wesentlich mehr als je zuvor? Wir reden hier über eine „Utopie“ – auch eine aussterbende Art, die Welt zu sehen. Ein Blick in die Zukunft, begleitet von der Frage: Wie wollen wir leben? Eine Frage, die zu stellen uns doch gar nicht mehr erlaubt ist, die Mächtigen in Partei und Wirtschaft haben darauf doch längst eine Antwort: immer mehr Arbeit für immer weniger Anteil am Kuchen. Davon profitieren alle … jedenfalls alle Höflinge und Gutsherren.

Meine Antwort wäre: mehr Schlaf für alle – rettet Leben und spart Milliarden ein. Außerdem bin ich strikt für eine maximale Arbeitszeit von 19,5 Stunden die Woche, alldieweil sonst überhaupt keine Zeit für „Leben“ übrigbleibt – für Haushaltsführung, Vereinsarbeit, politische Arbeit, Gartenarbeit oder Kindererziehung … und auch für die Pflege von Freunschaften, Beziehungen und familiären Bindungen. Der Bürger braucht einfach auch wieder zeitliche Ressourcen, um den Anforderungen der Gegenwart gerecht zu werden, die Zeiten, wo er nur Wahl-, Zahl-, Konsum- und Produktionsvieh in den Augen einer begüterten Superklasse war, müssen endlich vorbei sein. Darüber hinaus: 60 Tage Urlaub im Jahr für Eltern. Für beide Eltern – jeweils. Es geht einfach nicht, dass Kinder in den Ferienzeiten ihren Eltern entzogen werden, weil die viel zu wenig Zeit für sie haben.

Und jetzt brauche ich nur noch ein paar Millionen Mitstreiter, die mir beim Umbau der Produktions- und Verwaltungswirtschaft helfen.

Schön wäre, es gäbe schon eine Partei mit derart klaren, messbaren Zielen.

Wahrscheinlich ist aber – das über solche Forderungen gar nicht mehr diskutiert werden kann, weil „Zukunft“ für uns schon längst fest verplant ist – von anderen.

So frei kann „freiheitliche“ Grundordnung sein.

Man kann frei entscheiden, ob man nun 12 Stunden täglich arbeitet … oder lieber in die Hartz-Maschine geht.

Und das ist das Ende jeglicher Zukunft.

 

 

 

 

Hurra, der Faschismus ist da! Eine Antwort an Jakob Augstein

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Montag, 21.11.2016. Eifel. Das liest jetzt wahrscheinlich kaum jemand. „Faschismus“ – was für ein durchgekautes, langweiliges Thema. So langweilig, dass ja schon davor gewarnt wird. Ja – die Krönung der Blödheit in dieser Hinsicht stammt von der Garde der IT-Schrauber, die versuchen, sich im politischen Urteilen zu üben – und dabei zeigen, wie wichtig doch Geisteswissenschaft ist. Ich habe vergessen, welchen Namen sie ihrem Leitsatz gegeben hatten, er er lautete sinngemäß so: „immer, wenn die Begriffe Hitler oder Faschismus in einem Thread auftauchen, ist dieser zu Ende“. Dieser Satz wird einem dann auch kontinuierlich um die Ohren gehauen, wenn man Paralellen zum Dritten Reich erkennt – obwohl ein kleines Experiment, das jeder selbst durchführen kann, jederzeit belegt, dass dieser Lehrsatz grober Unfug ist: starten Sie doch einfach irgendwo mal einen „Thread“ (also: eine Diskussion im Internet), sagen „Faschismus“ … und schreiben einfach weiter! Sie werden sehen: nichts ist zu Ende.

Nur eine kleine Anekdote, die vor allem eins zeigt: den Siegeszug der Dummheit in der westlichen Gesellschaft. Sicher: „Dummheit“ ist auch so ein großes Wort, ich möchte es jedoch gleich definieren: das fehlende Vermögen, in einem Meer von Informationen vernetzt denken zu können und die Zusammenhänge folgerichtig zu erkennen, ohne sich in endlosen Hypothesenketten zu verlieren. Ja – mit dieser Definition stehe ich auch nicht allein da, aktuell echauffieren sich ja Dutzende von „Wissenschaftlern“ über die dummen Wähler, die einfach nicht das wählen, was man ihnen vorgeschrieben hat. Dabei leben wir doch in einer Demokratie, können einen von zwei Führern selber wählen, da sollte es schon – aus reiner Dankbarkeit über das große Geschenk der Wahlmöglichkeit – der richtige Kandidat sein.

Ebenso wichtig ist natürlich die Definition von Faschismus, mit der ich selber lange gerungen habe. Unser aktuelles Faschismusbild ist ja – jedenfalls in Deutschland – fein zurecht gestutzt. Ein Faschist ist ein böser Mensch mit Hakenkreuzarmbinde, alle Faschisten wurden im Rahmen der Nürnberger Prozesse beseitigt (oder vom Mossad erledigt), so dass wir in Ruhe uns in Selbstmitleid suhlen können – Selbstmitleid über die Tatsache, dass wir Deutschen doch ach so gute Bessermenschen sind, das aber wegen dem blöden Dritten Reich nicht ausleben dürfen – jedenfalls nicht so wie früher. Ansonsten … holzen wir immer noch weltweit herum, nach alter, reichsdeutscher Art – so wie Thyssen-Krupp in Afrika, die dort 1000 Menschen umsiedelten und der Mangelernährung preis gaben (siehe Sumos) – und das ist nur einer von 87 deutschen Unternehmen, die im Namen des Profits Menschenrechtsverletzungen im Ausland billigend in Kauf nehmen (siehe Spiegel). Doch wir brauchen gar nicht wieder auf die böse Industrie zu schimpfen – die im aktuellen gewünschten Rahmen gar keine andere Möglichkeiten hat, als Menschenrechte und Umwelt hinten an zu stellen, will sie jene Renditen erwirtschaften müssen, die Sie für Ihre kapitalgedeckte Altersvorsorge brauchen. Es reicht, wenn wir uns anschauen, mit welchem Anspruch sich der Deutsche in der Welt bewegt: Reiseweltmeister sind sie, wie die alten Vandalenhorden, nehmen sich das Recht heraus, jederzeit in alle Länder der Welt einzufallen, dort Betonburgen zu erreichten – gerade an den schönsten Ecken – und massiv in das Leben der einheimischen Bevölkerung einzugreifen und ihnen einen Reichtum vor die Nase zu halten, den diese nie erreichen können: schon eine Form von Sadismus … aber wir nennen das Urlaub, die schönste Zeit im Jahr.

Meine Definition von Faschismus ist einfacher, hat wenig zu tun mit Hakenkreuzen und Konzentrationslagern (sowas braucht man nur, wenn die Pest sich hinreichend weit ausgebreitet hat und sich ihrer Macht völlig sicher ist), sondern mit der Stellung des Menschen in der Gesellschaft: überall dort, wo Betriebswirtschaft über Menschenrechte und Menschlichkeit dominiert, hat der Faschismus den Geist der Mächtigen schon verseucht, es ist immer nur noch ein kleiner Schritt bis zu dem logischen Ende, dass man sich die Minderleister, die Ballastexistenzen, die „Juden, Polen und Russen“ nicht mehr leisten kann, weil sie nachhaltig Rendite schmälern. Meine Definition von Faschismus ist nachhaltig beeinflusst von den Werken von Götz Aly, der darlegte, dass die Wurzeln des faschistischen Imperialismus schon in den zwanziger Jahren von deutschen Unternehmern definiert und dann letztlich von den „Nazis“ nur noch ausgeführt wurden – die komplette Umgestaltung Europas zu einem von Deutschland dominiertem, einheitlichen Wirtschaftsraum; schon damals wurde angedacht, Südosteuropa (also: unter anderem Griechenland) gigantischen, unmenschlichen Umstrukturierungsmaßnahmen zu unterwerfen – was dann später dank der Wehrmacht möglich war und durchgezogen wurde … und heute – Überraschung – politische Realität in Europa ist.

Nun – wer bin ich schon, dass ich mir erlauben darf, eine eigene Definition von Faschismus zu entwerfen? Nun – nicht mehr als ein akademisch ausgebildetes Arbeiterkind, das mangels Antworten auf die Frage nach dem Kern faschistischen Denkens ganz auf sich selbst zurückgeworfen wurde, weil von „der Wissenschaft“ nur unzureichende Antworten kamen – von Götz Aly mal abgesehen. Berücksichtigt man jedoch seine Forschungsergebnisse, so wird schnell klar: Deutschland unter Merkel ist schon längst wieder da, wo es 1938 war – ein mächtiger Staat, der – nach aktuellen, noch nicht verifizierten Meldungen sogar die USA als Weltpolizei ersetzen will und dafür seinen Rüstungsetat massiv erhöht … trotz grassierender Armut im Land. Wir entwickeln uns mit atemberaubender Geschwindigkeit zu einer Kopie des Dritten Reiches (allerdings deutlich judenfreundlicher, wir haben bei der Definition der Untermenschenmenge deutlich dazu gelernt, sind da sehr tolerant geworden und kaum noch rassistisch … wenn man mal davon absieht, dass schon die Mär durchs Land zog, dass „Leistungsträger“ besondere, vererbbare Gene haben).

Umso mehr freut es natürlich, wenn aus den Reihen der Mächtigen dieses Landes Stimmen laut werden, die genau das endlich mal laut aussprechen, was Millionen Verfolgte in diesem Land Tag für Tag am eigenen Leib erleben: der Faschismus ist wieder da! Man möchte Hurra schreien – denn um ihn zu bekämpfen, muss man ihn erst mal erkennen … sonst gelingt es nie, seine Machtbasis zu beschreiben und zu zerschlagen.

Jakob Augstein ist es, Mitbesitzer der „Bildzeitung für Abiturienten“ (so nennt Volker Pispers das degenerierte Schmierblatt), der jetzt den großen Schritt gewagt hat (siehe Spiegel):

„Ein Gespenst geht um in Europa.“ Es ist lange her, dass Marx das geschrieben hat: „Das Gespenst des Kommunismus. Alle Mächte des alten Europa haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verbündet.“ Heute taugt der Kommunismus nicht mal zum Gespenst. Aber ein anderer Wiedergänger aus der Gruft der Geschichte ist zurück – noch nennt man ihn nicht beim Namen, aber schon macht er nicht nur Europa unsicher, sondern die ganze Welt, und für einen Kampf gegen ihn mag es bereits zu spät sein: der Faschismus.

Man möchte ja stehend Applaus spenden für diese mutigen Worte – auch wenn man ihnen Recht geben muss. Der Faschismus kam über Nacht in Deutschland an die Macht – aus einer Ecke, von der man es nie erwartet hätte: rot-grün hat ihn mit einigen wenigen entscheidenden Schlägen zurück an die Macht gebracht – inklusive des ersten Bombereinsatzes von deutschen Streitkräften im Ausland seit 1945. Es waren ein paar Maßnahmen, die dazu führten, dass das Volk in höherwertige und minderwertige Menschen aufgeteilt wurde – und dass nur noch ein Maßstab für die Erteilung des Lebensberechtigungsscheins zählte: die Rendite, die man durch eigene Arbeit für die „Leistungsträger“ erbrachte, die fortan mit deutlich geringerem Steuersatz leben durften, gleichzeitig wurde auch die Vermögenssteuer abgeschafft. Wie sonst sollte der Reiche reich werden, wenn man ihn nicht reich beschenkt und gleichzeitig die Hedgefonds ins Land läßt, die Arbeits- und Lebensqualität vernichten, aber für „Anleger“ enorme Gewinne abgreifen?

Leider sieht der Herr Augstein den unaufhaltsamen Aufstieg des Faschismus anderswo: kurzerhand erklärt er alle „rechts gerichteten“ Bewegungen in Europa und den USA als „Faschisten“ – obwohl sie ja erst als Gegenreaktion auf die neoliberale Neuordnung der Gesellschaft entstanden, als Gegenreaktion auf die Entmündigung der Bürger, die Irrationalität der Politik (für Mussolini DAS entscheidende Kriterium für Faschismus) und der fortlaufenden Kriegstreiberei. Ja – nicht Le Pen bombadiert Syrien, Trump schickt keine Morddrohnen durch die Welt, die AfD verlegt keine Truppen in Steinwurfweite an die russische Grenze – und niemand von denen verdient fürstlich am Leid des griechischen Volkes, dem wir Geld für 5 Prozent leihen, das wir von der Zentralbank der EU umsonst bekommen.

Doch schauen wir mal hin, was Herr Augstein genau meint. Immerhin ist er ein gebildeter Intellektueller – und oft der einzige, der noch ein wenig „links“ tut, während der Rest der Partei- und Millionärsmedien eine geschlossene ultrarechte Front aufgebaut hat (…nach meiner Definition).

Der Hass auf das Fremde, die Furcht vor Veränderung, die Erniedrigung von Frauen, die Verachtung der Schwachen, die Verherrlichung der Starken, die Wut auf die Eliten, die man angeblich hinwegfegen will, denen man sich aber in Wahrheit andient – all das ist Faschismus, die Drohung nach Washington, nach Brüssel, nach Berlin, den Sumpf trocken zu legen

Hass auf das Fremde?

Hmm … vielleicht auf jene Mitbürger, die das „Karibik-Modell“ dem Modell „Baumwollsklave“ vorziehen, lieber leicht bekleidet (Unterhemd) mit leichten Rauschmitteln versehen (Bier) auf weichem Sande (Couch) dem Rauschen der Meeresbrandung lauschen (…den Bilderfluten des TV), anstatt in einengender Fremdkleidung (Anzug, Krawatte) in häßlicher Umgebung (Großraumbüro) und schädlicher Umwelt (Lärm und Gifte) unter harten Drogen (Kokain) ihr Leben für die Rendite des Plantagenbesitzers (Anleger) geben? Muss ich die seit Jahrzehnten laufende Hasswelle der Bezahlmedien noch mit mehr Beispielen unterlegen? Ach – einfach mal selbst „Florida-Rolf“ googeln … da weiß man, was man hat. Oder aktuell einen CSU-Werbespot schauen, der Erwerbslose pauschal als „Hartz IV-Schmarotzer“ bezeichnet (siehe z.B. Erwerbslosenforum) und so die Vorstufe zu ihrer logischen, alternativlosen Massenvernichtung erreicht.

Furcht vor Veränderung?

Bis 2030 verdoppelt sich das Passagieraufkommen des jetzt schon überfüllten Luftraumes, jährlich haben wir 500000 Kilometer Stau auf deutschen Autobahnen (siehe Zeit), unsere Sklavenmotto „höher, weiter, schneller“ frisst die Arbeitnehmer auf, „Führen mir Zielen“ definiert jedes Quartal neue zu erreichende Steigerungen, schneller den Kranken das Essen bringen, flotter die Alten versorgen, immer früher immer mehr Bildung in kleine, noch im Wachstum begriffende Kinderhirne pressen, während immer mehr Geld zu einer kleinen Kaste ewig reicher Menschen fließt, das wir für Veränderung dringend bräuchten; wir wissen, dass wir für unseren Lebensstil mehrere Planeten bräuchten … und ändert sich etwas? Irgendwo, irgendwie – außer lautem Trompetenschall aus den Reihen der Höflingsmedien? Wir wissen von grassierender Rentenarmut, untragbaren (und völlig unnötigen) Kosten unseres Medizinmolochs, von der tödlichen Wirkung unserer stetig steigenden Waffenexporte (mit deren Hilfe viele ihr Eigenheim abbezahlen), von der Schädlichkeit und Nutzlosigkeit unseres veralteten Bildungssystems, von unserer maroden Infrastruktur und von der Vernichtung der Gemeinden, wenn sie der Schuldenbremse unterworfen werden – die wenigen immer reicheren Menschen klinken sich halt aus der Finanzierung von Gemeinschaftsausgaben immer weiter aus, während immer mehr Eigenheimbesitzer durch gigantische „Beiträge zur Straßensanierung“ in den Bankrott getrieben werden: und ruft da irgendwer zur Veränderung auf? Zu einer Neugestaltung der Gesellschaft – im Sinne eines demokratischen Sozialismus? Ich spüre schon jetzt, wie 99 Prozent der Deutschen allein schon bei dem Begriff zusammen zucken und sich ängstlich umschauen – dabei sind 90 Prozent der Deutschen auf der Verliererseite … was die Verteilung von Ressourcen (Geld!) angeht, während 10 Prozent automatisch mit Billionen überschüttet werden.

Erniedrigung der Frauen?

Sicher: die Medientrompeten versorgen uns hier regelmäßig mit Wunschbildern … doch hundertfach schägt die Realität zurück, wenn wir allein in die „Werbung“ schauen, wo Frauen vor allem eine Rolle haben: Objekt für den Mann zu sein, Mittel zum Zwecke der Konsumsteigerung. Nur selten ausgesprochen, aber immer im Bewusstsein von „Frau“ vorhanden: man muss „fickbar“ bleiben (siehe Wienerin.at). Sie müssen sich auch billiger auf dem Sklavenmarkt verkaufen (siehe Zeit) und sich mit kleineren Autos zufrieden geben – googeln Sie einfach mal den Begriff „klassisches Frauenauto“, Sie werden sehen, was ich meine. Davon, dass Männer immer noch erwarten, dass sich jedes Jahr hunderttausende von Frauen für die Befriedigung ihrer Triebe gegen Geld bereithalten, wollen wir gar nicht erst reden, es reicht schon, wenn man erkennt, welche Rolle Frauen (von ein paar Alibi-Frauen mal abgesehen, die man besonders hoch hält) in Werbung und Spielfilm haben: das brave, optisch perfekte Beistellweibchen, das sofort Norm wird für alle die Frauen, die man – aufgrund „optischer Mängel“ – niemals im Fernsehen sehen würde.

Die Verachtung der Schwachen?

Ja – da sind wir wieder bei Florida Rolf und jenen 14 Millionen Menschen, die schon mal verhartzt wurden: die „Fremden“, die, die nicht in die feine, reiche Großstadtgesellschaft passen und sich weigern, für den Kaviar des Chefredakteurs für drei Euro die Stunde zu arbeiten. Wie gehen wir um mit unseren Schwachen – von den Finanzschwachen mal abgesehen? Wie mit unseren Kindern – im kinderfeindlichsten Land Europas? Mit unseren Alten – die wir nicht schnell genug ins Heim stecken können, so wie wir auch unsere Kranken gerne aus der Gesellschaft ausgliedern und sie in möglichst großen Häusern lagern? Den Obdachlosen, die ihre Körper für Wärme, eine Dusche und eine kleine Mahlzeit verkaufen müssen, wenn sie nicht erfrieren wollen, den Kindern, die immer früher in die Fänge einer schlecht ausgebildeten Massenkinderhaltung kommen, dort auf Höchstleistung getrimmt werden, um ganz sicher mit Anfang vierzig völlig ausgebrannt zu sein – während sie in unzähligen Gratispraktika fleißig Personalkosten sparen halfen? Jene Kinder, die wir in einem völlig veralteten, hochselektiven Schulsystem aus der Kaiserzeit festhalten, in maroden Gebäuden unterrichten von Lehrern, die oft kaum über die menschliche Qualifikation von Henkern hinauskommen. Wer Verachtung von Schwachen in der Gegenwart nachspüren möchte, googele einfach mal den Begriff „sozial schwach“, der an sich schon eine faschistoide Monstrosität ist: wer arm an Geld ist, kann ohne weiteres Mutter Theresa, Albert Schweitzer oder Martin Luther King sein; wirklich sozial schwach ist da eher unsere „Elite“.

Die Verherrlichung der Starken?

Nun – nichts leichter zu beweisen als das – einfach mal schauen, wer als Gegenpol für die Verachtung der Schwachen herausgearbeitet wird: all´ jene, die auf großem Fuße auf Kosten anderer leben, werden angepriesen als seien sie Moses selbst, der mit coolen Anlageoptionen vom Berge herab steigt. Wer Millionen oder gar Milliarden sein eigen nennt, ist gut – egal wie der das Geld gemacht hat. Fussballspieler, die nur aufgrund von seltsamen Verträgen mehr Geld bekommen, als eine Krankenschwester jemals in ihrem Leben verdienen könnte, Fernsehstars, die in Schlössern wohnen, die selbst die gesamte Belegschaft eines Betriebes nicht finanzieren könnte, Politiker, die sich permanent laufend selbst die Diäten erhöhen und in einem Monat soviel Steuergeld davon tragen wie ein Arbeitsloser in sieben Jahren, Manager, die nichts anderes machen als beständig immer mehr Arbeit auf immer weniger Schultern zu verteilen – zu Löhnen, von denen man in der Großstadt keine Familie ernähren kann: all´ das sind unsere Helden, unsere Träger des Bundesverdientskreuzes und vielfältiger „Preise“, die man unter sich verteilt, um sich noch mehr zu erhöhen. Wer mehr hören will: einfach mal den Begriff „Leistungsträger“ im Sprachgebrauch der aktuellen Politik betrachten – schon hat man genug Material.

Die Wut auf die Eliten, die man angeblich hinwegfegen will?

Oh – hier wird es schon kompliziert, denn: auf die echten Eliten dieses Landes ist niemand wütend. „Elite“ stammt von den „auserlesenen“, den „besonderen“, den Menschen, die aus der „Masse“ herausragen, früher nannten wir sie die „Edlen“, für sie wurde dieser Begriff gebildet, der später zum „Adel“ degenierte; mit dem Begriff zollte man jenen Wesen bzw. Seelen Respekt, die sich selbstlos für Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit einsetzten, die unablässig die Botschaft der Menschlichkeit predigten und lebten, jene Seelen, die fern der Dogmatik beständig mit einer unfassbaren Wahrheit rangen um weise Urteile zum Wohle aller zu fällen, ohne dass irgendjemand dabei irgendwo herunterfiel: ihnen sollte – so die griechische Philosophie – die Königswürde als Philosophenkönig gereicht werden; wir finden sie heute allerdings nicht im Regierungsamt, sondern in den Altenheimen, Krankenhäusern, in der Obdachlosenbetreuung, der Kinderhilfe und an allen anderen karitativen Orten – oder einfach als Hausfrau in der Familie, während wir aktuell auf „Eliten“ stoßen, die sich sebst so definieren, weil sie wirtschaftliche oder politische Macht haben – als würde ein Charakter dadurch edel werden, dass er sich eine Machtposition erschlichen oder Geld geeerbt hat. Wer hätte nicht das Recht auf „gerechte Wut“ oder zumindest ausufernden Ekel vor jenen „Eliten“? Doch das „Wegfegen“ … ist nicht die Methode der Wahl echter Eliten. Zu unglaubhaft? Wer hat Wut auf unsere Musiker, unsere Denker, unsere Bildhauer, unsere Literaten, Dichter, Maler oder Modeschöpfer, deren elitäre Funktion in der Gesellschaft es ist, das Bewusstsein selbst zu schulen und ständig zu erhöhen? Sehe niemanden, der sie hinwegfegen will, aber genug, die sie durch Geldmacht formen und normen wollen. Oder ist jemand wütend auf Schreiner, Maurer, Dachdecker, Kanalarbeiter, die Müllabfuhr, die Feuerwehr, den Rettungssanitäter, den Elektriker oder den Heizungsmonteur, deren Arbeit garantiert, dass wir überhaupt unsere Art von Zivilisation leben können – und die allein deshalb schon zur Elite gehören?

All das ist Faschismus, sagt Herr Augstein – und ich gebe ihm Recht. Doch jener Faschismus regiert in Washington, Brüssel und Berlin – ganz ohne Trump … und schon zu Zeiten, als der noch pleite war. Und die Reaktion auf diesen Faschismus folgt nach den gleichen Mustern, die wir im Dritten Reich beobachten durften: es bedarf eines starken Mannes, der schnell und entschlossen handeln kann, um den Filz des Faschismus zu beseitigen … nur erfüllt nicht jeder dahergelaufene österreichische Aktmaler die Bedingungen, die so ein starker Mann erfüllen müsste, um erfolgreich zu sein und nicht nur als Marinotte der Erbfaschisten in Wirtschaft und Adel herum zu zappeln. Das ist die logische Konsequenz aus der gestellten Aufgabe: selbst die demokratischen Indianervölker wählten einen Kriegshäuptling, weil der Krieg effektive, kurze und schnelle Kommunikation erfordert, wenn man ihn gewinnen will: das sind Forderungen an Kriegsführung, die wir seit Jahrtausenden kennen – und in der Geschichte regelmäßig beobachten können: es ist die Geschichte König Artus´, der dem Land Frieden brachte, weil der die mächtigen Familien bezwang, die das Land ausbluten ließen.

Leider ist der gerechte König nur ein Traum – wie auch der Philosophenkönig – weil wir inzwischen wissen, dass Macht Menschen defomiert … weshalb wir unsere selbsternannte Elite ja nicht „hinwegfegen“ wollen … sondern nur therapieren und auf ein menschliches Maß zurückführen, ein Maß mit deutlich mäßigerem Verbrauch als jetzt. Und deshalb … kann ich Herrn Augstein auch nur Recht geben: der Faschismus ist nicht mehr aufzuhalten, denn die „Eliten“ werden uns schnell einen „Kriegshäuptling“ präsentieren, der verführerisch die alten Versprechungen von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit wahr zu machen verspricht – uns aber nur schneller in den Untergang führen wird. Die Zeit ist reif für einen neuen „Führer“ – am besten natürlich einen „Milliardär“ – der allein aufgrund seiner Finanzmacht Stärke demonstriert und verspricht, alles wieder „heil“ zu machen – doch letztlich wird man nur wieder sehen, dass er sich versprochen hat bei seinen Versprechungen.

Was helfen würde?

Ein neuer Gandhi. Kenne persönlich Abiturienten, die noch nie von ihm gehört haben. Jemand, der sexuelle Energie in spirituelle umwandelt, um sich ganz politischer Arbeit widmen zu können, ohne von der Macht korrumpiert zu werden.

Undenkbar?

Es gibt genug davon. Einem jener wahrhaft Edlen habe ich persönlich mehrmals erleben dürfen: Eugen Drewermann. Andere finde ich im Alltag zu Dutzenden, gleich hier im Dorf – in all jenen Berufsgruppen, die im Parlament kaum auftauchen. Auf Facebook – jenem „Hassmedium“ – fand ich schon hunderte von ihnen, viele davon gehörten zur „Kaste der Unberührbaren“, den Hartz IV-abhängigen, die – gestählt durch Not – ein erstaunlich hohes, unkorrumpierbares ethisches Niveau erreicht haben.

Denkbar – wäre es schon. Nur: in der Flut der medialen Dauerbeschallung, die rund um die Uhr Dummheit als höchstes Gut predigt und absoluten Gehorsam gegenüber den „Intellektuellen-Idioten“ (hierzu siehe NZZ) als erste Bürgerpflicht bewirbt, werden sie keine Chance haben, Mehrheiten zu bilden – obwohl die Mehrheiten durch sie gewinnen würden: exakt jene 99 Prozent, denen der herrschende Faschismus gerade das Leben stiehlt (…ja, da sind auch 9 Prozent jener Funktionselite drunter, die kaum noch Leben haben, weil sie perfekt im Dienste ihrer Herren funktionieren müssen, um dabei bleiben zu können).

Doch lieber – werden wir Faschismus in neuer Gestalt und Form erleben, einen Faschismus, der schon jetzt millionenfach Leben stiehlt – hier und heute in Deutschland – und den Tod in kleinen Raten bringt: als Tod der Hoffnung, Tod der Menschenwürde, Tod der Gestaltungsfreiheit, Tod der Freude, der Güte und der Lebenslust, Tod der Gesundheit, der Gleichheit, der Brüderlichkeit, der Reisefreiheit, der Menschenliebe, der Sicherheit und Geborgenheit.

Habe ich da noch was vergessen?

Theologen wie Drewermann haben da einen deutlichen Vorteil, dies erkennen zu können: der Todesbegriff des alten Testamentes ist differenzierter als unsere moderne Definition – er kennt „Todesnähe“ als alarmierende Vorform des echten Todes in vielfältiger Gestalt in Form von Mangel jeder Art … und unser modernes Leben ist voll davon. Wir wissen das alle – und fliehen deshalb im Urlaub in Scharen aus dem Totenland, dorthin, wo noch mehr echtes Leben ist.

Oder irre ich da?

 

 

 

 

Flüchtlingsterror in und aus Deutschland

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Montag, 17.8.2015. Eifel. Letztens habe ich noch ein langes Telefonat mit einem Bloggerkollegen geführt. Angst kam dabei zur Sprache – die Angst davor, sich bedenklich und nachdenklich zum Thema „Asyl“ zu äußern. Stimmt, dachte ich: da hat er Recht. Die politische Diskurs in Deutschland kennt seit Jahrzehnten nur  noch zwei Positionen: Schwarz und Weiß, Verschwörungstheorien und Regierungserklärungen. Verordnet wurde diese Position von „Oben“, was in diesem Zusammenhang heißt: von den Gästen der Bertelsmannparty, die aktuell wieder einmal eine gezielte Attacke gegen den Sozialstaat führt, der ja nach Ansicht führender Goldman-Sachs-Banker wir Mario Draghi der Vergangenheit angehören soll. Sie haben von dieser Attacke noch nichts gehört? Nun – lesen Sie doch einfach mal nach, wer Deutschland in den Ruin führt: die Arbeitslosen sind es, deren Wohnkosten (bzw. „Sozialleistungen“) in den letzten zehn Jahren um 53 % gestiegen sind (siehe Bertelsmannstiftung). Sie wissen wahrscheinlich, was das für die deutschen ausgesteuerten Arbeitnehmer bedeutet? Obachlosigkeit. Doch darüber müssen wir ein andermal reden. Nun – die Bertelsmannstiftung war die letzten Jahrzehnte an vielen Häßlichkeiten beteiligt, gibt ja auch Bücher darüber, wie sie schrittweise die Demokratie in eine Oligarchie umbaut (siehe Handelsblatt), doch auch das muss ein anderes Thema bleiben.

Schwarz und Weiß gibt es in diesem Land: entweder, man ist für die Aufnahme von Flüchtlingen, oder man ist ein Nazi. Da fällt die Entscheidung leicht, man  hat ja die freie Wahl für das Richtige: für das, was die Regierung vorgibt. Es ist auch nicht schwer, diese Entscheidung zu treffen: Menschlichkeit und Grundgesetz verlangen sie sowieso. Aus guten Grund haben die Väter des Grundgesetzes die Bundesrepublik in eine Hilfestation für Verfolgte aus aller Welt verwandelt: man konnte sich noch gut daran erinnern, dass Deutsche mal selbst dringend vor Mordschwadronen im eigenen Land flüchten mussten, dass wollte man allen anderen Verfolgten auch gönnen.

Schwarz und Weiß – die Huffingtonpost hatte das kürzlich drastisch demonstriert: nachdem sie einen Artikel über 200 prominente Deutsche schrieb, die Flüchtlinge in Deutschland begrüßen (aber nicht persönlich mit Handschlag, sondern nur mal so als rein verbale, zu nichts verpflichtende Ansage) stellte sie 200 „Hassfratzen“ an den Pranger, die sich nicht allzu positiv über Asylbewerber geäußert hatten (siehe Huffingtonpost). Die gute Oberschicht gegen die böse Unterschicht: die Traumphantasien alle neofeudaler Strukturen seit dem Mittelalter, als der Adel die mühselige Pflicht übernahm, über den leibeigenen Pöbel zu herrschen, den bildungsfernen Schichten, die nur fressen, saufen und poppen wollten … und somit die Alltagsbeschäftigungen des Adels auf unverschämte Weise nachäfften.

Ich hatte mir die Mühe gemacht, mich durch die Hassartikel zu lesen, wollte auch in die Fratze des Hasses starren, doch was ich fand war: Angst. Eine Angst, die gezielt durch das Fernsehen geschürt wird – jedenfalls kam es mir heute morgen so vor, als ich zum Frühstücksfernsehen eingeladen wurde und auf Sat 1 rührende Bilder von Partypromis fand, die große Mengen von Asylbewerbern mühsam versorgen mussten, Mangel überall, die Bilder symbolisierten eine wahre Flut von Zuwanderern, derer man auch mit großer Mühe nicht mehr Herr wird. Wer denkt sich eine solche Show eigentlich aus? Und warum wundert man sich, dass „der Pöbel“ auf solche Bilder folgerichtig mit Versorgungsängsten reagiert? Und warum führt man diesen Pöbel dann vor, als hätte er Aussatz?

Noch mehr fiel mir heute auf, als ich die Bilder sah. Wohlgenährte, kräftige junge Männer waren da zu sehen, kerngesunde Kinder, junge Frauen … und ich fragte mich: wo bleiben eigentlich die wirklich Armen? Warum sehe ich die eigentlich gar nicht in Deutschland: die, die es wirklich nötig haben? Schauen Sie mal auf die Seite „Gemeinsam für Afrika„, eine Seite, die weniger als ein viertel der Leser des Nachrichtenspiegels hat – was deutlich zeigt, wie sehr man sich in Deutschland für wirkliche Not interessiert. Dort erfahren Sie, dass dort 240 Millionen Menschen erbärmlichen Hunger leiden … und deshalb niemals bis nach Europa kommen würden. 18 Millionen Menschen verhungern im Jahr – wer interessiert sich für sie? Warum holen wir nicht erstmal mit aller Kraft die hungernden Menschen nach Europa – das wäre eine humanitäre Superleistung, auf die man sehr stolz sein könnte.

Die Angst vor den Flüchtlingen wird nicht gerade nur von den rechtsnationalen Kräften in Deutschland geschürt, auch die Zeit glänzt mit beunruhigenden Momentaufnahmen (siehe Zeit):

„5700 Flüchtlinge kamen im Juli nach Hamburg, ein neuer Rekord. Jetzt rücken Soldaten aus, die Messe öffnet ihre größte Halle, pensionierte Ärzte müssen helfen. Szenen aus einer Stadt, die an ihre Reserven geht.“

Erkennen Sie die unterschwellige Botschaft aus einer der reichsten Städte Deutschlands? „Das Boot ist voll“. Die offizielle Botschaft ist jedoch eine andere – doch sind alle Leser so gut ausgebildet, dass sie das schnell und eindeutig im Alltagsstress erkennen können? Terror pur.

Wieder einmal kommt Bertelsmann zum Einsatz, reitet eine Attacke gegen das Asylrecht – ohne dass das jemand merkt. Eine perverse, unmenschliche, inhumane Attacke im Mäntelchen der Sorge. Ach – lesen Sie selbst (siehe Zeit):

„Laut einer Umfrage sprechen sich 84 Prozent der Bundesbürger für eine zügige Eingliederung von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt aus. Die Verfahren aber dauern sehr lange.“

Der Chef des Arbeitsamtes, Oberst Weise, meldet sich in der Zeitung „Super Sonntag“ ebenfalls zu Wort (siehe SuperSonntag)

„Längst nicht alle gelten als politisch verfolgt. Viele Asylbewerber kommen in der Hoffnung auf einen gut bezahlten Job nach Deutschland – bisher aber nur mit geringen Chancen. Das sollte sich ändern, findet Bundesagentur-Chef Weise. Der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Frank Jürgen Weise, hat sich dafür ausgesprochen, die Jobhürden für Asylbewerber und Flüchtlinge weiter zu senken.“

Was für eine Sauerei ist das denn? Da kommen schwer traumatisierte Menschen in unser Land, geplagt von Krieg, Hunger und Zerstörung – und unsere „Elite“ schaut erstmal nach, ob man die nicht an die Arbeit kriegen kann … und das ganze Volk jubelt mit? Oder soll es nur jubeln und Bertelsmann hat einfach mal nur professionelle Ausbeuter für die Studie gefragt? Traumatisierte Kriegsopfer brauchen Betreuung, Behandlung und Ruhe – keine Arbeit. Handelt es sich jedoch um Einwanderer … dann sollten wir an andere Lehren aus der Geschichte denken.

Zuvor jedoch – ein kleiner Exkurs in einem der wichtigsten Werte der demokratischen Zivilgesellschaft, ein Wert, der aktuell von Promis in der Flüchtlingsdebatte akut vorgeheuchelt aber nie konsequent gelebt wird: die Empathie. Hören wir dazu Arno Gruen (siehe srf):

„Ohne Empathie keine Demokratie, sagt Arno Gruen. Der grosse, alte Mann der Psychoanalyse aus Zürich rückt mit seinem neuen Buch «Dem Leben entfremdet. Warum wir wieder lernen müssen zu empfinden» die Gefühle ins Zentrum unseres Bewusstseins. Und stellt unsere Denkmuster komplett in Frage.“

Liebe und Mitgefühl sind die tragenden Säulen des Menschseins, sie sind angeborene Qualitäten des Menschseins, die uns zu Originalen machen … und im Laufe der nächsten 18 Jahre der „Erziehung“ ausgemerzt werden zugunsten einer Philosophie des „Kampfes aller gegen alle“, einer Philosophie, die logisch folgerichtig im zugewanderten „Anderen“ nur den Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt erkennen kann, den Konkurrenten um Futter und Lebensraum. Fragen Sie mal die 500 vernichteten indianischen Zivilisationen auf dem amerikanischen Kontinent, welche Folgen solche Völkerwanderungen für die Eingeborenen haben, für ihr eigenes Recht auf Leben. 500 Zivilisationen wurden dort vernichtet – kulturell hochstehende Zivilisationen, Zivilisationen, denen die Gründungsvätern die USA die Werte der Unabhängigkeitserklärung verdanken, Zivilisationen, die im Frieden mit ihrer Umwelt lebten, anstatt sie durch Ausbeutung zu vernichten. Völkerwanderungen – so lehrt die Geschichte – haben für die Eingeborenen katastrophale Folgen. Wer Karl May gelesen hat, kann sich daran erinnern, was mit dem „roten Mann“ geschah … und durfte sich bislang vielleicht auch ein wenig Sympathie für den „roten Mann“ leisten, bis definiert wurde, dass man bei akutem Anflug von Empathie für verachtete Eingeborene als Nazi zu gelten hat.

Liebe und Mitgefühl gehören auch den Eingeborenen, nicht nur ausschließlich jenen Asylbewerbern, die in dem Artikel in SuperSonntag schon erstaunlich offen als brutale Konkurrenten auf dem deutschen Arbeitsmarkt angepriesen werden, die nun mit Staatsgewalt ins Land gedrückt werden sollen. Wie soll der deutsche Niedriglöhner, der mit irrsinniger Selbstaufopferung versucht, der „Verhartzung“, der öffentlichen Ächtung und Verachtung zu entkommen, mit der Botschaft umgehen, dass die Konkurrenz für ihn in Zukunft härter wird, er zum „Indianer“ wird, dessen Lebensraum bedroht wird?

Erinnern wir uns kurz daran, wie es den Armen in Deutschland geht, jenem Land, dass plötzlich und überraschend sein Herz für Asylbewerber entdeckt hat. Schauen Sie sich mal den Beitrag des bayrischen Rundfunks an (siehe BR): „Warum unsere Gesellschaft die Armen verachtet“. „Prolls, Asis und Schmarotzer“ werden sie von den“Leistungsträgern“ dieser Gesellschaft genannt – unter anderem von karnevalistisch motivierten Stimmungskanonen wie Harald Schmidt. Bemerkenswert: in der Sendung kommen auch „Hassbürger“ zu Wort, die den „Schmarotzer“ eindeutig im Bereich der Asylbewerber verorten, ihnen vorwerfen, sie würden hier Urlaub machen.

Urlaub? Zur Erinnerung: genau das ist es, was wir für Asylbewerber einrichten wollen und sollen. Die sollen hier Sicherheit, Schutz und Geborgenheit bekommen und sich von traumatischen Erfahrungen einer apokalyptischen Welt erholen können – darum gibt es Asyl. Noch mal zur Erinnerung: woher kommen eigentlich die Asylbewerber? Ein Blick in die Statistik hilft (siehe Statista): die ersten sechs Plätze werden belegt von Syrien, dem Kosovo, Albanien, Serbien, Irak und Afghanistan. Da ist Krieg das Hauptübel – mal abgesehen von dem Nato-Staat Albanien. Den Kosovo hat die Nato bombadiert, Serbien wurde durch die Nato bombadiert, Irak hat die Nato-Führungsnation (mit Natofreunden) besetzt, Afghanistan wurde auch von Deutschland mitbesetzt … was uns gleich den Gedanken mitgibt, dass wir die Kosten für die Unterkunft von Kriegsflüchtlingen aus dem Verteidigungsetat bezahlen sollten: weniger Bomben, mehr Mitleid wäre die Devise für die Luftwaffe.

Wer ist übrigens Asylweltmeister? Die Frage sollten wir nicht vergessen, wir übersehen sie oft: das ist Deutschland. Nein, nicht bei der Aufnahmen von Flüchtlingen, sondern in der Klasse der Länder, deren Einwohner am häufigsten flüchten. 77 Prozent der deutschen Bevölkerung suchen regelmäßig jedes Jahr Asyl in anderen Ländern. Sie flüchten nicht vor Krieg, sondern vor schlechtem Wetter – und freuen sich, wenn sie freundlich im Ausland empfangen werden. Wir nennen das „Urlaub“ – und wir wissen selbst, wie dringend wir den brauchen (siehe FUR). Für viele Kinder jedoch gilt diese Fluchtmöglichkeit nicht, obwohl ihnen eine kleine Flucht aus dem Alltag, aus dem Leben in Armut und Verachtung sicher gut tun würde – für drei Millionen von ihnen ist dies jedoch ein Traum, der sich nie erfüllen wird (siehe FR).

Klar: der deutsche Asylant bringt Geld mit, damit auch der Grieche, der Italiener, der Spanier wie wir zum EU-Müllweltmeistern werden können (siehe Spiegel). Obwohl: dazu brauchen sie gar nicht das Geld des deutschen Wetterasylanten, das besorgt der Urlauber schon selbst – das Goetheinstitut in Russland klärt uns darüber auf, wie vernichtend die Flut der deutschen Wetterasylanten für die Umwelt und die so überfluteten Gesellschaften ist (siehe Goetheinstitut):

„„Das Abfallaufkommen, aber auch der Wasser- und der Energiekonsum durch den Massentourismus in den Urlaubsparadiesen ist immens und bringt die lokale Bevölkerung in große Bedrängnis“, erläutert Petra Bollich vom WWF Deutschland. Vor allem im Mittelmeerraum ist Wasserknappheit ein großes Problem. Täglich werden dort im Sommer zwischen 300 und 850 Liter Süßwasser pro Tourist verbraucht (in Deutschland sind es nur 150 Liter pro Kopf).“

Eine irrsinnige Zahl von 55 Millionen deutschen Wetterasylanten überfluten jährlich Gegenden mit besserem Wetter – und vernichten sie nachhaltig:

„Umweltbelastungen durch Tourismus entstehen also vor allem in Ländern, die ein sensibles Ökosystem und mangelnde Infrastruktur aufweisen. Dort werden oft rücksichtslos Hotelanlagen und Straßen ausgebaut. Ein Beispiel dafür ist die Küstenlandschaft der Iberischen Halbinsel. Auch besonders sensible Ökosysteme wie Korallenriffe werden durch zu viele tauchende Touristen oft irreparabel beschädigt.“

Diese Schäden können durch alles Geld der Welt nicht ausgeglichen werden.

Merken Sie, warum die Diskusssion über Asyl in Deutschland ein Terrorinstrument ist – eine verlogene Diskussion, die an Tiefe und Umfang der Gedanken schon durch die Betriebsanleitung für Wasserkocher überboten wird?

Doch welche Lehren sollten wir daraus ziehen?

Jenseits jeglicher politischen Vermarktung der Gedanken muss man die vernichtende Kraft von Völkerwanderungen erkennen, Völkerwanderungen, die in den letzten Jahrhunderten erstmal das Vorrecht des „weißen Mannes“ waren und Völkervernichtungen nach sich zogen und aktuell noch durch neokolonialistischen „Urlaubsterror“ fortleben – eine Terrorart, die von den so oft verachteten „Prolls, Asis und Schmarotzern“ mangels Geld am seltensten ausgeübt wird.

Ebenso darf man klar erkennen, wo die Ursachen der an sich Unfrieden stiftenden Völkerwanderungen liegen: aktuell in den Kriegen des Westens, im Feldzug der USA gegen ihre „Terrorstaaten“ – so wissen wir, wie wir die Völkerwanderung kontrollieren können und die Energien, die zu ihrer Verwaltung aufbebraucht werden, sinnvollerweise jenen Menschen zukommen lassen können, die vor lauter Hunger nicht mehr klar denken können.

Ein Beispiel, wie man´s richtig macht, liefern die Kobane-Solidaritätsbrigaden der Marxisten (siehe Kobane-Brigade), die das machen, was dringend Not tut: in den Heimatländern der Flüchtlinge die Städte wieder aufbauen. Ich denke: dafür haben die mal bei der nächsten Wahl ordentlich Stimmen verdient – jedenfalls mehr als jene Parteien, die durch immer neue Rekorde an Waffenlieferungen massenhaft für Unfrieden in der Welt sorgen und so jene Völkerwanderungen lostreten, vor denen gerade die Ärmsten der Armen in Deutschland Angst haben, weil sie fürchten, noch weiter aus ihrer Heimat verdrängt und selbst zu Flüchtlingen zu werden.

Doch noch ein weiterer Gedanke darf nicht fehlen. Das, was hier ausgeführt wurde, dürfte jedem informierten, gebildeten Menschen aus den bildungsfreudigen Schichten bekannt sein – doch wenn das so ist: warum entwickelt sich dann alles so chaotisch und ohne Plan? Jeder Dummkopf kann sich an drei Fingern abzählen, dass die Bombadierung von Ländern, die Vernichtung staatlicher Strukturen (wie exzessiv in Libyen, dem Irak, Afghanistan und Syrien geschehen) riesige Flüchtlingswellen produziert. Wenn dem so ist, kann man eigentlich nur Schlußfolgern, dass diese Entwicklung billigend in Kauf genommen wurde – wenn nicht sogar geplant war um die Fabriken des reichen Nordens mit noch billigeren Arbeitskräften zu versorgen … in einem Land, in dem 42 % aller Arbeitsverträge nur noch befristet sind (siehe Süddeutsche) das sich ständig neue Rekorde in der Teilzeitarbeit leistet (siehe Zeit) und ständig mehr Minijobs auswirft (siehe Statista), eine Entwicklung, die wohl zurecht die Frage aufwirft: wo soll das alles noch enden – außer bei Meldungen, dass Jobcenter inzwischen von privaten Sicherheitsdiensten geschützt werden (siehe DerWesten), was den eingeborenen Arbeitslosen zum Feind des Staates erklärt?

Wir sehen: der Terror in der Flüchtlingsfrage resultiert in erster Linie aus dem Faktum, dass es nur noch Schwarz und Weiß gibt. Raten Sie mal, wer gerade beständig auf allen Kanälen daran arbeitet, dass der Terror vertieft, wird, dass Ängste bewusst durch Text und Bild erzeugt werden … über deren Existenz man sich andererseits dann fürchterlich aufregt. Der Flüchtlingsterror als solcher trifft die Flüchtlinge und die „Hassfratzen“ gleichermaßen, vergebens sucht man Vernunft und Empathie in den Medien. Die Welt wird aufgeteilt in Bessermensch und Hassfratze – ein Sozialrassismus, der niemandem mehr auffällt noch irgendwen stört – so wenig, wie es stört, dass wieder deutsche Behörden von deutschen Bürgern als Parasiten reden … und diese Parasiten durch Zuwanderer zu verdrängen gedenkt.

Ein pikantes Detail am Rande: bei der Organisation „Fluchthelfer“ treffen Urlauber auf Asylbewerber, sollen ihnen helfen, ins Land zu kommen. Eine wunderbare Aktion, will man meinen – denkt man an die 240 Millionen hungernden Afrikaner, von denen einer in einem Werbevideo nach mühsamer Flucht über Sahara und Mittelmeer an Land kam, um dort von deutschen Rentnern gerettet zu werden. Eine schöne Geschichte … die ein wenig daran krankt, dass sie wohl aus den USA finanziert wird (siehe Neopresse) … aber nicht für Mexikaner gilt, die in die USA wollen. Wer in den USA wohl Interesse daran hat, den europäischen Arbeitsmarkt mit Arbeitskräften zu fluten und so den verhassten Sozialstaat mehr und mehr an seine Grenzen zu führen?

Anstrengend, das Leben jenseits der einfachen Welt von „Schwarz“ und „Weiß“, oder? Und doch muss man dadurch, um Lösungen anstelle von Parolen bieten zu können.

Um Frieden zu stiften … anstatt fortlaufend weiter Unfrieden durch Terror, Waffen und intellektuelle Dekadenz zu säen und die Verfolgten dieser Erde gegeneinander auszuspielen.

 

 

 

 

 

 

Deutschlands Krieg … gegen die Armen. Kassieren JA, liefern: nein.

 

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Montag, 9.2.2015. Eifel. Lesen Sie eigentlich noch Zeitung? Schauen Sie noch Nachrichten? Und vor allem: glauben Sie, was da verkündet wird? Bei mir ist langsam der Geduldsfaden zu Ende, wenn ich lese, dass das atomare Schreckgespenst zurückgekehrt ist … und wir 1995 – lange nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes – am Rande einer nuklearen Katastrophe standen (siehe Spiegel). Kaum zu glauben: hätte der oft besoffene Jelzin innerhalb von 10 Minuten eine falsche Entscheidung getroffen – wir wären jetzt alle Asche … schon zwanzig Jahre lang. Sehr beruhigend übrigens, dass uns damals niemand Bescheid gesagt hatte – mir kommt gleich der Gedanke, was die uns heute alles nicht erzählen – Ihnen nicht?

Es ist auch in höchstem Maße verwunderlich, dass solche Nachrichten heute in breiter Front die Öffentlichkeit erreichen, galt doch sonst immer die Devise „bloß nicht das Volk beunruhigen“ … also, auf deutsch gesagt: bloß nicht das Volk über die Wirklichkeit informieren. Es könnte beunruhigt werden, dieses arme, kleine, dumme Volk – und das will man ja unter allen Umständen vermeiden, weil sonst die Panik ausbricht, der Mob auf den Straßen tobt und das Land unregierbar wird. Eine schreckliche Vorstellung, dieses unregierbar werden – wer sorgt denn dann noch für die pünktliche Auszahlung der Diäten?

Kaum zu glauben, dass nun am Rande der Münchener Sicherheitskonferenz ein amerikanischer General von „militärischen Optionen“ gegen Russland faselt (siehe Spiegel), kaum zu verstehen, dass niemand mehr sich einfach hinsetzt und bloße Zahlen sprechen läßt: von den einstigen 70000 russischen Panzern der Sowjetunion sind nur noch 6500 aktiv, die Mehrzahl davon veraltete T-72 und T 64, die schon einen Sadam Hussein keinerlei Schutz mehr boten – allein die USA haben 7500 modernste Kampfpanzer im Betrieb, die gerne von militärischer Propaganda im Irakkrieg als faktisch unzerstörbar dargestellt wurden: ein gigantisches Militärbündnis mit knapp einer Milliarde Menschen steht einem einzigen Land mit 140 Millionen Einwohnern gegenüber: militärische Bedrohungen sehen anders aus.

Natürlich wird ein entsprechender Wind aufgebaut, der die Meinung in eine gewissen Richtung treiben soll, wie üblich wird die Bedrohung in dem neuen Maßstab „Hitler“ gemessen – und auch der Putin ist ein Hitler (wenn nicht sogar 1,2774 Hitler: ein neuer Rekord auf der Hitler-Skala) wie man aus den Aussagen John McCains schließen kann, der jüngst die mächtige Madam Merkel wegen ihrer „Appeasement-Politik“ kritisierte – ein Begriff aus der Zeit im Kampf gegen den echten Hitler (siehe t-online).

Dabei darf man sich doch jenseits des Atlantiks nicht über mangelndes Säbelrasseln aus Deutschland beschweren: Deutschland ist wieder bereit, Führung zu übernehmen – so verkündete eine stolze deutsche Verteidungsministerin auf der aktuellen Münchener Sicherheitskonferenz – Führung, eng verzahnt mit anderen europäischen Nationen (siehe Handelsblatt). Ob jemand diesen neuen Führer überhaupt will, wird gar nicht erst gefragt – wir haben in der Politik neue Maßstäbe der Wahrheitsfindung und Verurteilung gesetzt, die zu verblüffenden Ergebnissen kommen (siehe Spiegel):

„Die Nato hat öffentlich nachgewiesen, dass russische Waffen eingesetzt werden, die Russen sind erkennbar stark engagiert.“ – so Madam Albright, die große Gönnerin unseres Ex-Außenministers Joschka Fischer  in einem Interview. Ich selbst habe amerikanische Waffen im Einsatz bei der ukrainischen Armee ausgemacht – einfach selbst man recherchieren, auf fast jedem Video der ukrainischen Armee findet man „Hummer“-Geländewagen aus US-Produktion. Ja – die selbe Madam Albright, die eine halbe Million toter Kinder als einen akzeptablen Preis im Kampf gegen den Irak bezeichnete (siehe Fembio) – eine Aussage, die in meinen Augen auf ein Potential von mindestens 1,7443 Hitler in der nach oben offenen Hitlerskala hinweist. Offen werden weitere Waffenlieferungen gefordert, dass die Nato (und sogar die Konrad-Adenauer-Stiftung) in der Ukraine „erkennbar stark“ engagiert sind, stört scheinbar niemanden: gleiches Recht für alle scheint eine Maxime längst abgeschaffter Zeiten zu sein.

Unglaublich, wie sehr ein atomarer Krieg in Europa wieder eine reale Option geworden ist – und unglaublich, wie still die einstige Friedensbewegung geworden ist. Wahrscheinlich wollen die keinen neuen grünen Außenminister und rotten das Übel gleich an der Wurzel aus.

Ja – wir haben auch einen neuen Wind in Deutschland, wir sind wieder bereit (bzw. werden von der Politik dazu genötigt) „Verantwortung“ zu übernehmen – wie es so beschönigend heißt. Verantwortung jedoch … hat man nur in Folge von TATEN, was in diesem Zusammenhang eindeutig bedeutet: wir wollen beim Krieg führen wieder mitmachen … und zwar ganz vorne, als Führer.

Das wird zur Not auch am Gesetz vorbei in die Tat umgesetzt – wie der Einsatz deutscher Fallschirmjäger in Lybien – ein Einsatz, der mutmaßlich illegal war (siehe Welt). Ja, da wurden Deutsche im Ausland gerettet, es war ein genialer Sieg … der einen kleinen, nicht unbedeutenden Schatten wirft. Das Prinzip ist bekannt: so wurde das deutsche Kolonialreich aufgebaut. Erst kamen die Missionare – und wenn die nicht mit offenen Armen und größtmöglichem Gehorsam und eifrigster Dienstbereitschaft empfangen wurden … kamen die Soldaten. Nur zum Schutz der Missionare, die das Wort Gottes brachten, versteht sich: so konnte man das dem Volk besser verkaufen, es war keine brutale Kolonialisierung fremder Völker, sondern nur der Schutz des einen, wahren Glaubens.

Unsere modernen Missionare?

Geschäftsleute und Touristen, die den „american way of live“ offensiv und aggressiv in alle Welt tragen. Stört das jemanden … kommen die Marines. Tja – das hätten Sie jetzt auch nicht gedacht, dass ihr Afrika-Urlaub Sie zur Speerspitze des neoliberalen Imperialismus macht, oder? Ist aber wirklich kein Unterschied zu den alten Missionaren – aus der Sicht der Eingeborenen, die wenig von den Schönrednereien westlicher Propaganda wissen.

Ja – da saß damals der Feind: in den finsteren Winkeln der Welt, in die der Deutsche Licht brachte. Der böse Eingeborene: nackt, kannibalistisch, geistergläubig und von unermesslicher Boshaftigkeit – einige sollen sogar die Beichte abgelehnt haben, weil sie sich keiner Sünde bewusst waren: das durfte man auf keinen Fall durchgehen lassen, wäre ja noch schöner.

Jenseits dieses Kriegsgetöses, in Sphären, wo Besinnung noch Asyl erhält und nicht als „Verschwörungstheorie“ gebrandmarkt wird, bleibt nur noch wenig Platz für eigene Gedanken: man hat ja auch seine Alltagssorgen.

Lassen Sie uns aber mal kurz eine Pause machen  – und überlegen, wer denn die eigentlichen Feinde der Menschheit sind.

Nein – nicht die Franzosen, die waren mal Erbfeind, weil sie Deutschland überfallen hatten – zu diesem Titel hatte es Russland nie gebracht, weil es meistens aus dem Westen überfallen wird und selber meistens friedlich vor sich hin schlummert.

Auch nicht der Islam, der Neoliberalismus, der Kapitalismus, die Roten oder die kleinen grünen Männchen von der Wega –  unsere wirklichen Feinde sind gut bekannt.

Hunger zum Beispiel. Jedes Jahr sterben 2,9 Millionen Kinder unter fünf Jahren weltweit am Hunger (siehe wfp) – zusammen mit der Anzahl der Erwachsenen produziert der Hunger ein ähnliche Anzahl von Toten wie der ganze zweite Weltkrieg samt Holocaust. DAS ist ein FEIND.

Doch es ist nicht der einzige. Krankheit ist der nächste. 38 Millionen Menschen sterben jedes Jahr allein an völlig unnötigen Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes (siehe Deutsche Welle), d.h. jene Zivilisation, deren Missionare durch die Welt streifen, bringen eine Kultur des Massensterbens – die Menschen, die aufgrund von Mangelernährung sterben, sind gar nicht eingerechnet. Damit kommt der „american way of life“ als Killer auf Platz Nummer 2 – und die Krebstoten haben wir da noch gar nicht mitgerechnet.

Vermeidbare Krankheit tötet JÄHRLICH fast so viel Menschen wie ein GANZER WELTKRIEG – das scheint mir ein echter Feind zu sein. Schlimmer als jeder Putin.

Wenn Sie mir nicht glauben: machen Sie einen Selbsttest: essen Sie mal ein paar Monate gar nichts – sie werden merken, was es heißt, dem Hunger zu begegnen. Oder machen Sie eine Cola-Diät.

Es gibt nun noch einen schlimmeren Feind als Krankheit und Hunger, einen Feind, an den wir uns kaum noch erinnern können, weil er sich lange Zeit fernab unserer Wahrnehmung verbarg, ja – er galt fast schon als besiegt.

Auch hier empfehle ich den Selbsttest – allerdings ist der Feind so schlimm und tödlich, dass Sie keine vierundzwanzig Stunden überleben werden. Mir war er – wie Ihnen wahrscheinlich auch – völlig unbekannt, bis ich ein Überlebenstraining in der Wildnis absolvierte. Man muss dazu allerdings nicht zum Amazonas reisen – Sauerland reicht schon völlig aus … oder die Innenstadt von München im Winter.

Ja – die KÄLTE ist der schlimmste Feind der Menschheit, ihr schutzlos ausgeliefert so sein, bringt schneller den Tod als Krankheit, Hunger und selbst Durst. Darum – bei weitem nicht so dumm wie uns Regierungen gerne sehen – haben wir mächtige Allianzen geschmiedet, die all´ jene Feinde in die Schranken gewiesen haben: wir gründeten arbeitsteilige Gemeinschaften und wurden so stärker als die mächtigsten Feinde der Gesellschaft.

Das Wissen um „Feinde“ haben allerdings einige geschicke Geschäftemacher erfolgreich ausgenutzt – und das Wissen um die echten Feinde auf die Franzosen (Iraker, Juden, Arbeitslose, Russen oder Investmentbanker) übertragen und so einen ganz neuen Feind geschaffen: den KRIEG. Er ist nun jener Feind, der alles Leben auf Erden auszulöschen trachtet, in jedem den Feind sieht, wenn er nur zwei Beine hat und sich in eine Uniform zwängen läßt. Er hat einen Partner, der genauso zuverlässig tötet, weil er Hunger, Krankheit und Kälte mit sich bringt: die ARMUT. Beide Feinde sind künstlich geschaffen, richten die Kräfte der Gemeinschaft gegen sich selbst um die Tore der sicheren Stadt den alten Feinden der Menschheit zu öffnen, gleich düsteren Vorboten der Vernichtung und des Verderbens.

Merken Sie nun, wobei die deutsche Verteidungunsministerin „Führung“ übernehmen möchte? Merken Sie, woran die Missionare der Moderne arbeiten? Die TAZ weist aktuell darauf hin (siehe TAZ):

„Deutsche Finanzinstitute legen laut einer Studie  Milliarden in die Herstellung von atomaren Massenvernichtungswaffen an. Darunter sind die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Allianz-Versicherung.“

Konzerne: seelen- und geistlose Götzen der Moderne, die keinerlei Skrupel daran haben, durch die Vorbereitung von Massenvernichtungskriegen bzw. des „atomaren Holocaust“ Millonen zu verdienen.

Jetzt haben wir wieder einen großen Bogen geschlagen, um zum eigentlichen, kaum bemerkten Skandal der letzten Tage zu kommen, der im Auftrag des deutschen Gesetzgebers mit höchstrichterlichem Segen zum Krieg der deutschen Regierung gegen seine eigene Bevölkerung geschieht (siehe gegen Hartz):

„Urteil: Wohnungskündigung wegen Zahlungsverzug ist auch dann rechtmäßig, wenn das Sozialamt schuld an den ausbleibenden Mietzahlungen ist“

Ja – Sie lesen richtig: den Ärmsten der Armen droht jetzt systematisch erschaffene Obdachlosigkeit – sie werden gnadenlos tödlicher KÄLTE ausgesetzt … nicht nur der Kälte mangelnden menschlichen Mitgefühls, sondern der echten, vernichtenden Kälte des Betons viel befahrener Straßen. Das macht der Staat, der bislang höchste Organisationsgrad menschlicher Gemeinschaften. Macht das Amt nicht seine Arbeit … trägt der Arme die Verantwortung.

Von wegen: Deutschland ist wieder bereit, Verantwortung zu übernehmen!

Es ist nur ein kleines Urteil des Bundessozialgerichtes – und läßt tief auf den Grad der Degenerierung unsere Kultur blicken. Jegliche Fürsorgepflicht des Staates wird ignoriert – ja, die Grundlage eines jeden Gemeinschaftsgedankens wird angegriffen … was natürlich niemanden auf die Idee kommen läßt, dann auf sämtliche Steuer- und Beitragszahlungen für diesen Staat und seine Funktionsorgane zu verzichten.

Kassieren: JA, liefern: NEIN – die Erfolgsparole modernen Brutalokapitalismus hat die höchsten Ebenen des Staates erreicht.

Wo sind da die Demonstrationen?

Wohnung – ist Obdach. Fehlt dieses, ist man Kälte schutzlos ausgeliefert. Der Tod kommt schnell.

Zahlt das Amt nicht, kündigt der Vermieter (oft auch auch zur Vermeidung eigener finanzieller Not – sprich: Armut), trägt das Opfer (der Arme) die Verantwortung. Arme sind bereit Verantwortung zu übernehmen – ob sie wollen oder nicht.

Darf ich hier von einem Krieg Deutschlands gegen die Armen sprechen, jenen Armen, die in Griechenland nun für überraschende politische Verhältnisse gesorgt haben, weil dort die staatlich verordnete Armut Massen von Menschen in den Tod getrieben hat?

Es kommt noch schlimmer, keine Sorge – davon berichten msn-Nachrichten

Wer sein eigenes Vermögen zu schnell aufbraucht, kann von Leistungen der Grundsicherung im Alter ausgeschlossen werden. Das entschied das Landessozialgericht Stuttgart in einem Urteil im Fall einer 83-jährigen Rentnerin, die vor dem Antrag beim Sozialamt innerhalb von vier Jahren ein sechsstelliges Vermögen verbraucht hatte.

Wer wann wieviel Vermögen im Alter aufbraucht, sollte den Staat nicht interessieren. Ich nehme an, die gute Frau hat nicht damit gerechnet, noch so lange zu leben – oder wollte einfach mal noch was vom Leben haben. Wir nötigen ja auch keine Bundestagsabgeordneten zum Zwangssparen, damit sie am Ende der Legislaturperiode im Falle einer verlorenen Wahl nicht dem Jobcenter zur Last fallen … was in der Tat vorkommt.

Mit diesem Urteil greift der Staat nach jedem Cent, der sich in Privatbesitz befindet – früher nannte man das Wegelagerei. 19 Prozent des Geldes hat der Staat doch sowieso schon als Mehrwertsteuer erhalten – wahrscheinlich kommt noch einiges an Luxussteuern obendrauf. Von dem Geld sind Arbeitsplätze gesichert worden, anstatt das es sich sinnlos durch Investitionen in den atomaren Holocaust vermehrt: weise scheint mir diese Sicht nicht zu sein.

Eher scheint es mir ein weiterer Zug im Krieg Deutschlands gegen die Armen zu sein, indem man sich die Hoheitsgewalt über ihre Vermögen erschafft, bevor die von Leistungen der Gemeinschaft – für die sie BEZAHT habe, zurückgreifen können.

Kassieren: JA.

Liefern: Nein.

Ob die Richter berücksichtigt  haben, dass allein Leistungen für Zahnersatz schon mal 15000 Euro erreichen können? Ja – so einen Fall bei einer Rentnerin kenne ich persönlich – und ich frage mich, warum da keiner mal den Arzt fragt, warum er keine Rücksicht auf die finanzielle Leistungsfähigkeit der Frau nimmt.

Will der Staat nun auch die Dimensionen privaten Konsums regulieren – zur Verbesserung der eigenen Finanzen?

Seinen Auftrag, die Menschen vor ihren wahren Feinden zu schützen, scheint er völlig vergessen zu haben … dabei brauchen wir den Staat nur dazu. Liefert er nicht mehr, wofür er bezahlt wird: wird sollten ihn am Besten schon gestern abschaffen – samt der Millionen von Menschen, die an ihm gut verdienen.

Dafür aber wird er mehr und mehr zum Instrument im Krieg gegen die Armen … anstatt zum Werkzug im Krieg gegen die Armut.

Wahrscheinlich haut man uns deshalb das Kriegsgetöse lautstarkt um die Ohren, macht aus Putin einen neuen Hitler (wenn nicht sogar ein doppelter, mindestens aber 1,2774), damit niemand den echten, vernichtenden Krieg bemerkt, der seinen Höhepunkt noch lange nicht erreicht hat.

Aber die neuesten Urteile deuten darauf hin, dass dieser Höhepunkt noch kommen wird, wenn die 15 Millionen Menschen, die um die Jobcenter zirkulieren, mangels Zahlungen auf den Straßen liegen.

Aber dann haben wir ja endlich einen Grund, die alten, in Deutschland so gut erprobten Lager wieder in Betrieb zu nehmen, während wir immer noch vor Angst zitternd auf den Putin starren.

Und die wahren, uralten Feinde der Menschheit erheben wieder ihr gräßliches Haupt … und verdrängen das heilige Sozialstaatsprinzip.

 

 

Hängeblume

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© Werner Menne

Urlaubsterror

Dienstag, 23.7.2013. Eifel. Es ist Urlaubszeit! Hurra! Was freue ich mich darauf. Urlaub - die wertvollste Zeit im Jahr. Die Zeit, wo wir endlich einmal so richtig seien können, wie wir wirklich sind. Wo wir frei sind, ungebunden, voller Glück und guter Laune - jedenfalls: wenn der Flieger keine Verspätung hatten, das Auto nicht um Stau steht oder das heiß ersehnte Hotel sich in eine verwanzte Touristenfalle mit Großbaustelle nebenan verwandelt hat. Worauf freuen wir uns da eigentlich?

Dienstag, 23.7.2013. Eifel. Es ist Urlaubszeit! Hurra! Was freue ich mich darauf. Urlaub – die wertvollste Zeit im Jahr. Die Zeit, wo wir endlich einmal so richtig seien können, wie wir wirklich sind. Wo wir frei sind, ungebunden, voller Glück und guter Laune – jedenfalls: wenn der Flieger keine Verspätung hatten, das Auto nicht um Stau steht oder das heiß ersehnte Hotel sich in eine verwanzte Touristenfalle mit Großbaustelle nebenan verwandelt hat. Worauf freuen wir uns da eigentlich?

In einem Beitrag über nachhaltiges Reisen beim SWR fand ich eine Erklärung:

Reisen kann in der Tat nachhaltig sein, aber nur sehr eingeschränkt, sagt Prof. Jörn Mundt, Tourismusexperte der Dualen Hochschule in Ravensburg: „Wenn sie zum Beispiel aus dem Haus gehen, sich aufs Fahrrad setzen, damit zu ihrem Segelboot fahren, dann benutzen sie nur diese drei Verkehrsmittel.“ Zu Fuß und mit dem Fahrrad von zuhause aus reisen, das wäre wirklich nachhaltig, aber leider wenig realistisch, denn der Mensch ist neugierig und will in die Welt hinaus.

Ja – deshalb zieht es uns in die Welt hinaus: der Mensch ist neugierig. Sagt jedenfalls der Professor. Im Alltag erlebe ich denselben Menschen nicht als sonderlich neugierig – wäre ja schön, wenn er mal was anderes wählen würde als CDU oder SPD – einfach aus purer Neugier, wie der Alltag sich verändern würde, wenn verantwortungsbewusste Parteien an der Macht sind.

Vielleicht ist es ja auch nicht der Mensch, der neugierig ist, sondern der Deutsche? Immerhin: die geben besonders viel Geld aus, siehe Spektrum.de:

2011 machten immerhin drei Viertel der Bevölkerung mindestens eine Reise von fünf Tagen Dauer und länger. Pro Person und Reise ließen sich das die Bundesbürger durchschnittlich 868 Euro kosten – insgesamt gaben sie für Urlaube knapp 80 Milliarden Euro aus.

Zum Vergleich dazu vielleicht mal die Entwicklungshilfe? Die gibt´s im Handelsblatt:

6,3 Milliarden Euro, um die Armut zu bekämpfen. Um hungernde Kindern zu ernähren, um Kranke zu behandeln, um Menschen Zugang zu Wasser zu ermöglichen. 6,3 Milliarden Euro – das ist das Budget des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) für 2012.

Um hungernde Kinder zu retten, zahlen wir einen Euro. Um sie uns anzugucken, zahlen wir 13 Euro. Cool, oder? Wir lassen uns unsere Neugier richtig was kosten.

Natürlich fahren wir nicht nur in Hungergebiete. Wir fahren überall hin. Was das für unsere geliebte Umwelt bedeutet – vom Landfraß und Landschaftsverschandelung durch kreditfinanzierte Bettenburgen in Naturschutzgebieten (in Spanien weitläufig zu bewundern – als eine weitere Ursache für die Eurokrise) einmal völlig abgesehen – hat der WWF ausgerechnet:

Erstes Beispiel: eine Reise nach Südtirol, fünf Tage von Berlin mit dem Reisebus.

Touristischer Klima-Fußabdruck 216 kg CO2

Oder eine Reise nach Mallorca, typischer Pauschalurlaub.

Bei der An- und Abreise werden pro Person 925 Kilogramm CO2
-Äquivalente freigesetzt, 916 Kilogramm davon entfallen auf den Flug.

Drei Millionen Deutsche tummeln sich jährlich auf dieser Insel. Gut, dass Chinesen und Inder nicht so reisefreudig sind.

Natürlich geben wir uns nicht mit solchen Billigangeboten zufrieden. Wir wollen auch gerne mal weiter weg. Mexiko ist sehr angesagt, habe ich mir sagen lassen – natürlich nur im klimatisierten Hotel. Hier die Daten für eine dreizehn-Tages-Reise:

Touristischer Fußabdruck 7.218 kg CO2 pro Person
Der Flug nach Cancún setzt Treibhausgase in Höhe von 6.356 Kilogramm frei. Da fallen die Fahrt zum Flughafen und der
Transfer zum Hotel kaum noch ins Gewicht (insgesamt sechs Kilogramm). 13 Übernachtungen in der Fünf-SterneAll-Inclusive-Anlage um so mehr – der extrem hohe Stromverbrauch führt zu 487 Kilogramm CO2-Äquivalenten. 2

Nehmen wir den Aral-Rechner zur Hilfe und schauen mal, wie viel Tonnen CO2 wir bei 6 Litern auf 100 Kilometer erzeugen: 1,4 Tonnen ist das Ergebnis. Für einen Flug nach Mexiko könnte wir mit dem Auto mehr als einmal um die ganz Erde fahren.

Wäre schön, wenn wir nachhaltig zu Fuß, mit dem Rad oder dem Segelboot reisen würden … aber das kommt ja unserem Bedürfnis nicht entgegen. Dabei: gehen sie mal zu Fuß in die nächste Stadt. Schlafsack nicht vergessen, wenn´s zu weit ist. Und Barfuß gehen: ich garantiere, sie erleben ihre Umwelt ganz anders als sonst. So neugierig ist jedoch keiner, nehme ich an, weshalb ich „Neugier“ nicht als Grund aktzeptieren kann.

Natürlich möchte ich jetzt nicht auf der Klimawelle mitschwimmen – die ist mir zu instabil. Aber wir können auch einfach mal von Ressourcen reden, die dort sinnlos vergeudet werden und unseren Nachkommen bei der Erzeugung von Nahrungsmitteln fehlen werden. Einmal nach Mexiko fliegen – oder fünf Jahre umsonst Auto fahren? Na, die Rechnung klappt nicht ganz: das umweltschädliche Fliegen wird stark subventioniert. Der Staat möchte, dass wir reisen.

Was richten wir dort an – wo immer wir gerade einfallen oder aufschlagen? Lesen wir dazu ein Standardwerk des modernen Tourismus, Grundlagen des Tourismus:

Unter günstigen Rahmenbedingungen kann der Tourismus einen Beitrag zum Aufbau von Bewusstsein und Verständnis für die kulturelle Andersartigkeit leisten und eine Erweiterung des diesbezüglichen persönlichen Horizontes fördern. Im Gegensatz dazu steht jedoch die in der Realität häufig geringe Vorbereitung auf die in der Destination vorliegenden kulturellen Gegebenheiten. Die gravierendste Folge kann ein Kulturschock sein, der Hilflosigkeit, Angst oder gar Feindseligkeit auslöst. Auch die häufig kurze Dauer des Aufenthaltes im Zielgebiet und die Konzentration des Tourismus sowie die damit einhergehende Trennung der Kulturen durch im Zielgebiet abgeschottete Ferienanlagen („Ghettoisierung“) lassen nur noch bedingt einen Austausch der Kulturen im Sinne der Völkerverständigung zu.

Schlimm, oder? Wir reisen ins Ausland, um andere neidisch zu machen, ihnen unsere „überlegene“ Kultur unter die Nase zu reiben, ihre Umwelt zu vergasen, ihre Landschaft zu zersiedeln – und dann düsen wir wieder ab und lassen den Müll zurück.

Warum kommt mir nur der Begriff „Vandalen“ in den Sinn – eine Form von reisenden Barbaren – wobei wir mal außer Acht lassen wollen, dass die wirklichen germanischen Vandalenstämme besser als ihr Ruf waren. Erinnert an Vandalismus, den Wikipedia wie folgt definiert:

Vandalismus im Sinne destruktiven Zeitvertreibs aus Mangel an wirklich lustvollem Handeln, aus aggressiver Abreaktion von Wut oder aber von Imponiergehabe(einer Kraftmeierei) ohne darüber hinausgehenden Sinn.

Ist es wirklich Neugier, die uns in die Ferne treibt? Oder ein uralter Stammesinstinkt? Das wir vandalisches Imponiergehabe schätzen, zeigt die abnorme Zunahme der SUV auf deutschen Straßen: Kraftmeierei in Blech gegossen.

Und im Urlaub? Kraftmeiern wir dann in aller Welt herum, zeigen denen so richtig, wo der Hammer hängt, siehe Bund:

Die rasant steigende Reiselust bis in die entferntesten Regionen der Welt geht zunehmend auf Kosten von Umwelt und Natur. Durch den Klimawandel und das Aussterben vieler Tier- und Pflanzenarten aufgeschreckt versucht die Tourismusindustrie zwar, neue Konzepte für einen umweltfreundlichen Fremdenverkehr zu entwickeln.

So müssen Reisende auf den Malediven ihren Müll mit nach Hause nehmen und auf Mallorca wird eine Öko-Steuer für Touristen erhoben. Trotzdem zeigt beispielsweise die Zunahme von Steinschlag und Lawinenabgängen in den Alpen, dass die globalen Klimaschäden nicht mehr aufzuhalten sind.

Das schädlichste Reisemittel? Das Flugzeug – wird von Vandalen immer lieber benutzt, siehe Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz:

Das starke Wachstum, das der Flugverkehr in der Vergangenheit zeigte, wird auch
für die Zukunft prognostiziert. So erwartet Airbus in seinen aktuellen Vorhersagen1
bis 2015 eine weitere Zunahme der Verkehrsleistung um 5,3 % und bis 2025 um
4,4 %. Dies entspricht einer jährlichen Zunahme von knapp 5 % für die nächsten 20
Jahre. Für 2025 ist demnach eine Passagierleistung von über 10.500 Milliarden
Passagierkilometern zu erwarten.

Und das wird – vom Klima mal ganz abgesehen – sehr teuer für uns alle, siehe VCD:

Der Flugverkehr belastet aber nicht nur das Klima, er verursacht auch erheblichen Lärm, unter dem über 10 Millionen Menschen in Europa leiden. Ab einer bestimmten Alltagsbelastung drohen gesundheitliche Schäden durch Lärm, darüber hinaus wird die Lebensqualität Betroffener stark beeinträchtigt. Fluglärm verursacht außerdem enorme volkswirtschaftliche Schäden: Wertverfall von Häusern und Grundstücken fällt darunter ebenso wie die Belastung des allgemeinen Gesundheitssystems durch die Behandlung von fluglärmbedingten Krankheiten.

Alles wegen Neugier? Seit wann hat Neugier was mit Dummheit zu tun?

Nun – wir sehen: auch ohne Klimadebatte bedeutet Urlaub Vandalismus … und doch ist das Thema weitläufig tabu, wird gerne auf die Klimadebatte reduziert, der wir natürlich skeptisch gegenüberstehen … und dabei so tun als ob das, was aus Düse und Auspuff herauskommt, nur feinstes Wasser wäre.

Ich kenne ältere Studien zum Urlaubsverhalten von Lehrern, die ich leider im Netz nicht finde: das Netz ist halt jünger als viele Informationen – und die unnützen werden hier nicht hineingestellt. Diesen Studien zufolge fühlten sich jene Lehrer, die ihren Urlaub daheim verbrachten, noch Wochen nach Ferienende frisch und erholt, während die neugierigen Vandalen nach wenigen Tagen wieder völlig fertig waren.

Der Apothekenumschau ist dies bekannt:

Aus der Erholungsforschung ist bekannt, dass der Erholungseffekt von Urlaub recht schnell wieder verfliegt – dies wird auch als „fading out“ bezeichnet. Bereits nach wenigen Tagen zurück in der Arbeit ist bei vielen subjektiv der Erholungseffekt wieder weg.

Wen interessiert aber schon die Erholungsforschung. Sie soll jene Daten produzieren, die unseren Reisewahn vor unserer Vernunft rechtfertigen soll, immerhin reisen wir ja nur, um unsere Ausnutzbarkeit durch den Arbeitgeber zu maximieren. Dafür geben wir immer gerne Geld aus.

Kritik ist hier völlig unerwünscht, nachdenken ebenfalls – aus gutem Grund. Unser Vandalismus hat wirtschaftliche inzwischen enorme Bedeutung erlangt, siehe Deutscher Reiseverband:

Unter Berücksichtigung indirekter und induzierter Effekte ergibt sich insgesamt eine dem Tourismus zurechenbare Bruttowertschöpfung von 214,1 Milliarden Euro. Dies entspricht 9,7 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung der deutschen Volkswirtschaft.Damit trägt der Tourismus in Deutschland mehr zur Wertschöpfung bei als etwa die Fahrzeugindustrie.

Zudem auch noch eine Wachstumsbranche, die schöne Zahlen für die Statistik produziert: Regierungen lieben so etwas. Darum wird Flugbenzin auch nicht besteuert – und darum predigen uns die Lobbyisten der Airlines, der Automobilindustrie und der Tourismusbranche, dass es ja so etwas wie Klimawandel überhaupt nicht gibt.

Und wenn: Scheiß drauf!

Niemand wird uns bei unserem „destruktivem Zeitvertreib aus Mangel an wirklich lustvollem Handeln“ im Wege stehen.

Und so reisen wir weiter, bis wir wirklich die letzten Naturparadiese vergast und zubetoniert haben – nur um nachher im Büro mit unseren Kilometerleistungen imponieren  zu können: „Ich habe mehr CO2 produziert als ein Supertanker!“ – das wird der Spruch des Jahres.

Und warum machen wir das?

Weil wir uns nicht trauen, zu sagen, dass wir lieber zu Hause bleiben.

Super Möbel, beste Verpflegung, bequemes Bett, garantiert kein Ungeziefer und alle sprechen unsere Sprache,  nebenbei ist es kostengünstig, klimaneutral und erholungsintensiv.

Aber da war halt die Werbeindustrie mal wieder deutlich stärker als unsere Vernunft oder unsere Liebe zur Natur: 75 % der Deutschen hat sie so fest im Griff – so fest, dass wir die wertvollste Zeit im Jahr damit verbringen, den Rest das Planeten in etwas zu verwandeln, das letztlich wie Duisburg, Gelsenkirchen oder Berlin aussehen wird.

 

 

Der Tod und das gelungene Leben in Geschichte und Gegenwart – und die wahre Sünde

Mittwoch, 12.6.2013. Eifel. Der Tod eines für mich wichtigen Menschen führte mich in den letzten Tagen wieder einmal zu den Ursprüngen philosophischer Arbeit zurück, zu den elementaren Fragen des Lebens. Drei lebensgefährdende Autopannen hintereinander haben mir auch wieder einmal vor Augen geführt, dass auch ich nicht ewig leben werde, obwohl ich - wie die meisten meiner Mitmenschen - das deutliche Gefühl habe, dass dies so ist. Diese Erfahrungen kommen gerade zur rechten Zeit, denn gerade jetzt habe ich gemerkt, wie falsch ich doch gelegen habe mit meiner Annahme, es gäbe in der politischen, sozialen oder gesellschaftlichen Dimension des Lebens etwas zu tun, weil einiges aus dem Ruder läuft. Eine im Spiegel veröffentlichte Studie hat mich aber von dem Irrglauben befreit:

Mittwoch, 12.6.2013. Eifel. Der Tod eines für mich wichtigen Menschen führte mich in den letzten Tagen wieder einmal zu den Ursprüngen philosophischer Arbeit zurück, zu den elementaren Fragen des Lebens. Drei lebensgefährdende Autopannen hintereinander haben mir auch wieder einmal vor Augen geführt, dass auch ich nicht ewig leben werde, obwohl ich – wie die meisten meiner Mitmenschen – das deutliche Gefühl habe, dass dies so ist. Diese Erfahrungen kommen gerade zur rechten Zeit, denn gerade jetzt habe ich gemerkt, wie falsch ich doch gelegen habe mit meiner Annahme, es gäbe in der politischen, sozialen oder gesellschaftlichen Dimension des Lebens etwas zu tun, weil einiges aus dem Ruder läuft. Eine im Spiegel veröffentlichte Studie hat mich aber von dem Irrglauben befreit:

In Deutschland wächst die Zustimmung zum politischen System. Gleichzeitig schwindet die Bereitschaft abzustimmen. Eine Studie sagt deshalb eine sinkende Beteiligung an der nächsten Bundestagswahl voraus.

Es ist natürlich nicht der deutsche Leistungsträger, der sich von der Demokratie verabschiedet – es sind die Parasiten und Schmarotzer, die sogar zu faul sind, zur Wahl zu gehen:

Vor allem einkommensschwache und bildungsferne Menschen verabschieden sich demnach aus der aktiven Teilhabe an Demokratie. „Je geringer der Sozialstatus und je größer das politische Desinteresse im Freundeskreis, desto weniger wahrscheinlich wird der Gang zur Wahlurne“

Immerhin wurden für diese Studie über 1500 Menschen befragt, zehn mal soviel wie in unserem Dorf leben. Jetzt weiß man auch, warum jeglicher Widerstand gegen die Hartz-Gesetze im Sande verläuft: die, die es angeht, sind wohl wirklich so, wie die Regierung es schon vor zehn Jahren erkannt hat.

Zudem erkennen die Bundesbürger zunehmend große Unterschiede zwischen den im Bundestag vertretenen Parteien und sind begeistert von unserer Art, Demokratie zu versuchen: man sieht, es besteht wirklich überhaupt kein Handlungsbedarf – außer bei den faulen Hartzern, denen man nach dieser Studie zurecht das Wahlrecht wird absprechen können.

Zeit genug also, sich wieder den wirklich wichtigen Themen zuzuwenden, jenen Themen, die früher oder später jeden von uns berühren werden: beispielsweise dem Tod.

Was hat der Tod nun mit Hartz IV und der Politik zu tun? Nun – in der Tat: sehr viel, doch dazu muss man – wie so oft – weiter ausholen., vor allem muss man sich klar sein, was denn das überhaupt sein soll: der Tod. Christentum und Materialismus predigen uns seit Jahrhunderten ganz genau, was wir uns darunter vorzustellen haben: den Übergang in ein absolutes, finsteres, lebloses Nichts, einen Zustand, den Buddhisten aus unserer Sicht geradezu anzustreben scheinen: im vollen Bewusstsein unserer kulturellen und intellektuellen Überlegenheit bereitet uns dieser Umstand jedoch keine weiteren Probleme.

Ebensowenig bereitet uns Probleme, das unsere Angst vor dem Tod direkt aus alten biblischen Überzeugungen resultiert, die wir doch als moderne, aufgeklärte Menschen weit hinter und unter uns wähnen: der Tod ist jener Zustand, der den Menschen weit von „Gott“ entfernt (siehe Psalm 88). Mit nüchternen Sprüchen wie: „wo ich bin, da ist der Tod nicht und wo der Tod ist, da bin ich nicht“ (Epikur) lassen sich solche existenziellen Ängste nicht bewältigen.

Bleiben wir kurz bei diesen Ängsten. Sowie das Alte Testament nie einen systematischen Gottesbegriff entworfen hat (was Antitheisten nicht davon abhält, davon auszugehen, dass es so etwa gäbe und dieses dann zu verwerfen), hat es sich nie um den Tod und die Hölle gekümmert (was Priester nie davon abgehalten hat, zwecks Steigerung der Kollektenrendite genaue Kenntnis von der Hölle zu vermitteln, in die all´ jene kommen, die ihnen nicht zu Willen sind). Man fürchtet nicht den Tod – erst recht nicht den friedlichen Tod im Alter – sondern die Ferne von Gott … ein für uns völlig fremdes Denken, das freilich noch weitere Konsequenzen nach sich zieht: „fern von Gott“ kann man auch mitten im Leben sein.

Was heißt nun „fern von Gott sein“ in einer Religion, die gar keinen Begriff von „Gott“ hat … außer dass er der „lebendige“ Gott ist, die „schöpferische Lebensmacht schlechthin, die Mensch, Erde und Kosmos erfasst“ (siehe Praktisches Bibellexikon, Herder 1985, Seite 441)?

Erstmal: fern vom Leben sein, fern jeglicher Lebendigkeit und jeglicher Erfahrung von Lebendigkeit existieren.

Und auf einmal ist der Tod mitten in unserem Leben. Jener Tod, den wir so schrecklich fürchten – oder blind ignorieren – kann uns bei lebendigem Leibe ereilen. Faszinierend ist: das wissen wir schon lange. Jeder weiß das, das ist der Grund, warum Urlaub für uns so unverzichtbar ist.

„Ach ja, wenigstens für einige Zeit wollen diese Leute die freie Natur erleben, ihre Sorgen und Nöte vergessen und vor allen Dingen ihre eintönige Stadt einmal hinter sich lassen;  diese steinerne und graue Zementwüste hatte sie lange genug verschlungen und wird sei sowieso später wieder verschlingen“ – so Albino Luciani, bekannt als 33-Tage-Papst Johannes Paul I., in seinen fiktiven Schriften „Briefe an Persönlichkeiten“ (Verlag neue Stadt 1979, Seite 87).

In der Wüste finden wir erschreckend wenig Leben – so jedenfalls ist das Sinnbild der Wüste.

Für immer mehr Menschen findet das Leben genau in jenen Städten statt – und so wird für immer mehr Menschen der „Tod im Leben“ erfahrbar in Form eines Lebens, das nur ein absolutes Minimum an Erfahrungen von „Lebendigkeit“ erlaubt. Während das Leben auf dem Lande einem Bad in allen Ausdrucksformen des Lebens gleicht, führt das Leben in der hektischen „Leistungsgesellschaft“ zu einem Tode im Leben, der seinen Gipfel dort erreicht, wo Menschen durch finanzielle Armut dazu verdammt werden, auch den städtischen Ausdrucksformen menschlicher Lebendigkeit wie Theater, Musik, Malerei, Dichtkunst und sogar der Liebe fern zu bleiben. Sie werden zum Ausschuss einer unmenschlichen Gesellschaft, die systematisch den Tod im Leben produziert … und zwar massenhaft.

Von diesem System hin zu einem System der Massenvernichtung unwerten Lebens ist es – kulturell gesehen – nur noch ein ganz kleiner Schritt, weshalb wir modernen Experimenten mit dem Problem der Arbeitslosigkeit zurecht sehr kritisch und ängstlich gegenüberstehen, bringen sie doch den Tod  – als Einschränkung der Erfahrung der Lebendigkeit – tagtäglich in das Leben von Millionen von Menschen.

Wie weit sind diese Experimente mit nicht mehr industriell verwertbaren Menschen von der Achtung vor dem Leben und all seinen Ausdrucksformen entfernt, wie wir sie zum Beispiel im Sonnengedicht des Franz von Assisi finden (siehe Franziskaner) … welches sein Pendant vielleicht in einem einfachen Zitat von Samuel Butler findet (siehe Zitate.de):

„Alle Lebewesen außer dem Menschen wissen, dass der Hauptzweck des Lebens darin besteht, es zu genießen“

Wieviel Genuss bleibt eigentlich für Arbeitslose in Zementwüsten? Oder für Niedriglöhner in Großraumbüros? Für Berufskraftfahrer in Blechsärgen? Wie fern von Gott werden sie von Regierung und Wirtschaft gehalten – wenn wir nur für eine Augenblick die Perspektive des heiligen Franz von Assisi einnehmen, jenes Menschen, für den Sonne und Mond, Feuer und Tod Brüder und Schwestern waren?

Seltsame Wege, auf die uns die Reflexion ein paar alltäglicher Begriffe gebracht haben, Reflexionen die wir nun ein wenig wissenschaftlicher angehen wollen, in dem wir ein paar Fakten über den Tod nennen, die nicht materialistischen oder kirchlichen Vorstellungen (eigentlich nur zwei Seiten derselben dogmatischen Medaille) entsprechen. 

„Der Meinungsforscher George Gallup fand heraus, dass in den USA acht Millionen Erwachsene ein Todesnäheerlebnis, kurz TNE, gehabt haben, kurz: jeder Zwanzigste“

(Siehe Moody, Das Licht von drüben, Rowohl 2004, Seite 19).

Die moderne Medizin schafft es immer häufiger, Menschen wiederzubeleben, die früher nie zurückgekommen wären. Ihre Berichte ähneln sich verblüffend:

Gefühl von Frieden und Schmerzfreiheit: 32 %

Lebensrückblick: 32 %

Eintritt in eine andere Welt: 32 %

Verlassen des Körpers: 26%

Genaue visuelle Wahrnehmung: 23 %

Begegnung mit anderen Wesenheiten: 23 %

(siehe Moody, a.a.O.)

Der oft zitierte „Tunnel“ wird nur von 9 % berichtet.

Für die Kirche sind diese Berichte „oft ein Reiz- und Tabuthema„, obwohl gerade junge Menschen sehr positiv auf die Thematik reagieren:

Es ist beeindruckend, wenn Jugendliche mir berichten, Angst vor bevorstehenden schweren Operationen, Todesfurcht und Lebensangst überhaupt hätten sich nach der Unterrichtseinheit deutlich verringert oder seien sogar ganz vergangen.  (siehe Deutsches Pfarrerblatt, Heft 5, 2012).

Nun – die Dogmatik der Kirche erlaubt es nicht, sich mit diesem Thema zu beschäftigen, ebenso wenig wie der Materialismus diese Perspektive zulassen darf. Wo  Dogmatik das Leben bis ins kleinste Detail jenseits jeglicher Ideale von Freiheit regeln möchte, ist kein Platz für die Erfahrungen und Erlebnisse von Menschen und erst recht kein Platz für eine Lebendigkeit, die über das Leben hinausreicht.

Wo wir gerade dabei waren, uns das Sonnengedicht des heiligen Franz von Assisi anzuhören, jenes Menschen, der – allen Werten der modernen Leistungsgesellschaft zum Trotz – sein Glück in der Ablehnung des Reichtums und dem Genuss der Lebendigkeit der Welt fand: hier finden wir einen Passus, der uns aufhören lassen sollte:

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;
ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.
Wehe jenen, die in schwerer Sünde sterben.
Selig jene, die sich in deinem heiligsten Willen finden,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.

„Sünde“ – das böse Wort. Jenseits von Kirche: das Gegenteil von Leben (siehe Praktisches Bibellexikona.a.O. Seite 670). Nicht der Tod ist der Feind des Lebens, sondern die Sünde. Und wie sieht diese Sünde nun aus, die ein unbekannter „Gott“ ausmerzen will? Sind es die Mörder, die Diebe, die Ehebrecher, die Homosexuellen oder die Atheisten, die ausgemerzt werden?

Weit gefehlt.

Schauen wir bei Wikipedia nach, wem der „Zweite Tod“ droht, jener Tod, der auch nach dem Verständnis der Tibetaner, Ägypter und Tolteken das denkende, empfindende Ich auslöschen wird:

  • die „Feigen“ – Menschen, die aus Angst Götzen oder das Tier angebetet haben;
  • Ungläubige – alle, die nach außen hin einen Glauben vertreten, ihn aber insgeheim ablehnen;
  • Frevler – Menschen, die das Idol der Unterdrücker anbeten;
  • Mörder – alle, die durch Unterdrückung das Leben Anderer vernichten;
  • Unzüchtige – Menschen, die andere durch Geld zum Objekt ihrer Begierde machen;
  • Zauberer (oder: Giftmischer) – alle, die magische Praktiken als Herrschaftsmittel benutzen;
  • Götzendiener – im biblischen Sinne jeder, der an die Stelle Gottes andere Mächte (Geld, Macht, Markt) setzt;

Seltsame Definitionen, oder? Aber Definitionen, die erstaunlich Präzise den Begriff des Lebens alttestamentarischer Menschen beschreiben und uns ganz erstaunliche Aussichten auf jene „schweren Sünden“ geben, die Franz von Assisi erwähnt.

Wer endgültig vernichtet wird, sind die, die lebensfremde, lebensbedrängende und lebensvernichtende Werte leben und anbeten. Schlimme Botschaft für den Vatikan – und die deutsche Bundesregierung, die beispielsweise durch Unterdrückung mittels Hartz IV das Leben Anderer vernichtet. Schlimme Nachrichten für alle Machtmenschen, ob sie nun Bankiers, Generäle, Bundeskanzler, Kardinäle, CEO´s, Parteivorsitzende oder esoterische Budenzauberer sind.

Alles, was dem Leben Feind und in dem Sinne lebensuntüchtig ist, wird selektiert. Gnadenlos. Kennen wir ja aus der Natur – warum sollte es im größeren Rahmen anders sein?

Und das heißt, dass man den Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit, die Distanz zu einem lebensvernichtenden (und die Lebendigkeit der natürlichen Umwelt beständig weiter minimierenden) System aus reinem Eigennutz weiter aufrecht erhalten sollte – auch wenn der „Spiegel“ jetzt meint, alles sei wunderbar in Ordnung und sich überraschend viele Menschen dieser Meinung anschließen.

Es stellt jetzt wahrscheinlich für viele die Frage: gibt es jetzt doch wirklich einen Gott?

Diese Frage werde ich leider erst dann beantworten können, wenn auch ich erfolgreich unter Überwindung aller Hindernisse in jenseitigen Gefilden weile – was schon bald der Fall sein kann. Aller Erfahrung nach werde ich dann allerdings ganz schnell das Interesse verlieren, meine Erfahrungen mitzuteilen.

Was ich aber jetzt schon sagen kann, ist, dass die Frage nach der Existenz eines Gottes völlig bedeutungslos ist.

Was zweifellos existiert, ist der Tod und das Leben. Was existiert, sind die Feigen, die Ungläubigen, die Frevler, die Mörder, die Unzüchtigen, die Zauberer und Götzendiener, die das Leben schon vor dem Tode auf vielfältige Art vergewaltigen. Was existiert – mit ständig wachsender Wahrscheinlichkeit – ist ein Leben nach dem Tod … und Ausrucksformen des Todes  mitten im Leben.

Was existiert, ist die Frage, ob es uns gelingt, ein gelungenes Leben zu leben – ein Leben mitten zwischen Bruder Feuer, Mutter Erde, Schwester Wasser und Bruder Wind … Dimensionen der Erfahrung von Lebendigkeit, weswegen wir im Urlaub lieber die Malediven aufsuchen als Gelsenkirchen.

Und was wäre das für eine Politik, die nicht Politik der Sünde sondern Politik des Lebens wäre?

Und was wird das für ein Himmel werden, in dem wir Atheisten wiederfinden aber keine Bischöfe, Kommunisten aber keine Anlageberater, Revolutionäre aber keine Mitläufer, Söldner aber keine Sachbearbeiter von Jobcentern, Prostituierte aber keine Verleiher von Arbeitskräften, christliche Mönche aber keine Tarotkarten legenden Astrologen und Leiharbeiter anstelle von Leistungsträgern…

Ein Himmel erstmal ohne Gott – und ganz anders, als kirchliche Leistungsträger uns verkaufen wollen.

Ist ja auch nicht weiter erstaunlich: das Wissen um die Priorität des Lebens vor der Religion ist Jahrtausende älter als alle Kirchen zusammen – und wenn wir dem Herrn Butler folgen wollen, sind wir Menschen die einzigen Geschöpfe, die dies zeitweise vergessen.

Sonderlich schwer wird ein gelungenes Leben nicht sein, denn wenn man genau hinschaut, so bedarf es schon einiger Mühe, bis man im Kreise der Feigen, Ungläubigen, Frevler, Mörder, Unzüchtigen, Zauberer und Götzendiener angekommen ist.

Wahrscheinlich haben schon viele Milliarden Menschen dieses gelungene Leben im Laufe der Jahrtausende erfolgreich bewältigt – nur momentan bekommen wir damit einige Schwierigkeiten.

Das muss aber nicht so bleiben. Den Genuss von Wind, Sonne, Mond und Sternen sowie der (schrumpfenden) Vielfalt der Natur braucht man sich durch Politik und Wirtschaft nicht verbieten zu lassen – Spatzen und Eichhörnchen sollen dies mit Leichtigkeit bewältigen können.

Und dann … wird wahrscheinlich auch wundersamerweise die Demokratie wieder viel lebendiger.

Oder besser: logischerweise.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vom natürlichen Lebensglück und seiner gezielten Vernichtung durch Wirtschaft und Politik

Mittwoch, 25.10.2012. Eifel. Kürzlich bekam ich einen Film empfohlen: Conspiritus remake hieß er. Ich habe ihn gestern angesehen bzw. im  Hintergrund laufen lassen. Er beschreibt die dunkelste Verschwörungstheorie, die seit Jahrzehnten (in verschiedenen Versionen) in der Welt kursiert: satanische Geheimbünde planen eine dämonische Welt - und arbeiten deshalb auch mit Dämonen zusammen. Reflexhaft zucken wir natürlich gleich zurück, wenn wir diese Worte lesen: pflichtschuldigst verneigen wir uns innerlich vor den bundesdeutschen Wahrheitsgebern (Medien, Regierungs- und Firmensprechern) und weisen solche Überlegungen weit von uns. Dabei - mal ehrlich - entwickelt sich doch die Welt zunehmend in ein kaum mehr rational verständliches Irrenhaus. In Deutschland zum Beispiel wird der Mangel an Arbeit durch Druck auf Arbeitslose bekämpft - als ob gerade die das notwendige Kapital bereitstehen haben, sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze aus dem Nichts zu erschaffen. Oder international - fast jeden Monat wächst ein neuer Konfliktherd, der die Welt in einen fürchterlichen Abgrund stürzen kann - aktuell sind da Syrien/Türkei zu nennen, China/Japan, Nordkorea/USA oder Iran/USA. Bedenkt man, das Politik das Ergebnis von Strategie, Taktik und nüchternem Kalkül ist und nicht durch die Ziehung der Lottozahlen beeinflußt wird, dann braucht der vernünftige Geist eine plausible Erklärung für die Ereignisse.  Oder nehmen wir nur mal die Wirtschaft: wir brauchen schon eine Erklärung, warum sich der Staat - einst soziale Schutzgemeinschaft gegen solche Räuberbanden - hemmungslos ausplündern läßt, wie zum Beispiel von den Vodafone-Gangstern, die ihre krummen Geschäfte mit 50 Milliarden Euro vom deutschen Steuerzahler bezahlen lassen. Haben wir was gelernt aus dem Mannesmann-Deal? Ja - das die Banken noch viel teuere Deals einfädeln können, die auch der Steuerzahler bezahlt.  Ackermann gegen Bundesrepublik Deutschland ging halt 7:0 aus - und deshalb dürfen wir jetzt zahlen.

Mittwoch, 25.10.2012. Eifel. Kürzlich bekam ich einen Film empfohlen: Conspiritus remake hieß er. Ich habe ihn gestern angesehen bzw. im  Hintergrund laufen lassen. Er beschreibt die dunkelste Verschwörungstheorie, die seit Jahrzehnten (in verschiedenen Versionen) in der Welt kursiert: satanische Geheimbünde planen eine dämonische Welt – und arbeiten deshalb auch mit Dämonen zusammen. Reflexhaft zucken wir natürlich gleich zurück, wenn wir diese Worte lesen: pflichtschuldigst verneigen wir uns innerlich vor den bundesdeutschen Wahrheitsgebern (Medien, Regierungs- und Firmensprechern) und weisen solche Überlegungen weit von uns. Dabei – mal ehrlich – entwickelt sich doch die Welt zunehmend in ein kaum mehr rational verständliches Irrenhaus. In Deutschland zum Beispiel wird der Mangel an Arbeit durch Druck auf Arbeitslose bekämpft – als ob gerade die das notwendige Kapital bereitstehen haben, sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze aus dem Nichts zu erschaffen. Oder international – fast jeden Monat wächst ein neuer Konfliktherd, der die Welt in einen fürchterlichen Abgrund stürzen kann – aktuell sind da Syrien/Türkei zu nennen, China/Japan, Nordkorea/USA oder Iran/USA. Bedenkt man, das Politik das Ergebnis von Strategie, Taktik und nüchternem Kalkül ist und nicht durch die Ziehung der Lottozahlen beeinflußt wird, dann braucht der vernünftige Geist eine plausible Erklärung für die Ereignisse.  Oder nehmen wir nur mal die Wirtschaft: wir brauchen schon eine Erklärung, warum sich der Staat – einst soziale Schutzgemeinschaft gegen solche Räuberbanden – hemmungslos ausplündern läßt, wie zum Beispiel von den Vodafone-Gangstern, die sich ihre krummen Geschäfte mit 50 Milliarden Euro vom deutschen Steuerzahler bezahlen lassen. Haben wir was gelernt aus dem Mannesmann-Deal? Ja – das die Banken noch viel teuere Deals einfädeln können, die auch der Steuerzahler bezahlt.  Ackermann gegen Bundesrepublik Deutschland ging halt 7:0 aus – und deshalb dürfen wir jetzt für den ESM zahlen.

Das ganze läuft inzwischen auf allen Ebenen: die Energiewende lassen wir uns bald komplett von Arbeitslosen bezahlen, weil sich immer mehr reiche Unternehmen aus der Gemeinschaft der Zahler verabschieden, Kostenexplosionen bei öffentlichen Bauvorhaben sind inzwischen Standard, an den wir uns gewöhnt haben, korrespondieren aber – wie zufällig – mit Rekordgewinnen der beteiligten Unternehmen. 16 Millionen Menschen sind in dem superreichen Deutschland inzwischen schon sozial ausgegrenzt, die Tendenz ist steigend. Alte, Kranke und Kinder verlieren zunehmend den Anschluss im Dauerleistungskarussell, während es zwischen Wirtschaft und Politik zu einem unüberschaubarem Ausmaß von Verflechtungen gekommen ist, an deren Fortentwicklung sage und schreibe 5000 Lobbyisten in Berlin arbeiten. Währenddessen werden dem Volk mit großem Geldaufwand „hohle Idole“ präsentiert, die jedem Jugendlichen zeigen, das man in dieser Gesellschaft auch ganz ohne Schulabschluss und Ausbildung, ohne Intelligenz und Talent zum Multimillionär werden kann – eigentlich eine tödliche Botschaft für die Jugend einer Leistungsgesellschaft, die aber trotzdem Tag für Tag und Woche für Woche auf allen Kanälen verbreitet wird.

International kommen wir erst recht aus dem Staunen nicht mehr heraus – wie kann es eigentlich sein, das die vom „bösen“ Bush eingeleitete Politik vom „guten“ Obama uneingeschränkt fortgesetzt wird? Im Jahre 2020 werden 30000 Flugroboter die USA aus der Luft beobachten, Pläne für ihre Bewaffnung werden gerade in die Tat umgesetzt, ohne das auch nur ein normaler Bürger befragt wurde, ob er gerne möchte, das ihn fliegende Miniroboter bei allen Lebensäußerungen begleiten.

Beobachtet der Philosoph die Entwicklung und die Thesen, die diese Entwicklung beschreiben, so muss er sagen: diese extreme Satanistenthese ist auf jeden Fall hinreichend plausibel: ohne eine treibende dunkle Kraft hinter den Erscheinungen der politischen Welt ließe sich kaum erklären, wie die positiven Impulse, die dereinst bei der Gründung der UNO in den Köpfen der Kriegsopfer herumschwirrten sich ins totale Gegenteil verwandeln. Das heißt nun nicht, das diese These wahr ist – es heißt nur, das sie – in meinen Augen – plausibler ist als die offiziell verbreitete These, das alles politische Geschehen eher auf Zufall basiert und in keinem Fall irgendeinem Plan oder irgendeiner Absicht entspricht. Sie erklärt hinreichend die Degenerationserscheinungen im öffentlichen Leben – sowohl in der Wirtschaft als auch in der Politik – inklusive des weitgehenden Verfalls jeglicher Ethik oder Moral. Alles wird dem Gelde untergeordnet, dem Mammon – wobei wir aus religiöser Sicht schon wieder (ganz ohne Verschwörungen) bei einem menschenfeindlichen Dämon angekommen sind.

Was wir gerne übersehen: all das wird ohne den Bürger geplant. Angeblich geht ja alle Macht von ihm aus – die ganze Industrie dient ja nur dem Verbraucher, der mit seinen Konsumentscheidungen jene Maschine betreibt, die die Ökosphäre des ganzen Planeten aus dem Gleichgewicht bringt. Was gerne verschwiegen wird: allein in Deutschland werden Jahr für Jahr knapp 30 Milliarden Euro (knapp 4 % des Bruttosozialproduktes) für Werbung ausgegeben – also für die Erzeugung von Bedürfnissen, die ohne die Werbung keiner hätte. Das entspricht in etwa dem, was ALLE HARTZ-ABHÄNGIGEN IM JAHR VERBRAUCHEN. Wer also eine Verdoppelung des Regelsatzes möchte, der hat hier einen Fundus, aus dem er sich reichhaltig bedienen kann. Im Anschluss an die Einstellung jeglicher industriellen Propagandatätigkeit kann man dann auch erstmal wirklich ermessen, was der Verbraucher wirklich will, wenn er mal nicht rund um die Uhr dem Werbegetöse ausgesetzt ist.

Wir würden erstaunliche Ergebnisse erwarten können. Kleine Wunder – wie etwa im Straßenverkehr. Dort zeigt sich, das die Mehrheit der Menschen ohne Weiteres kooperativ zum Wohle des Ganzen arbeiten kann – nur wenige rempeln sich mit Rammstößen durch den Alltagsverkehr. Es ist ein kleines Wunder, das man täglich im Stadtverkehr bestaunen kann: soviel Blech ist da unterwegs – und so wenig Schaden gibt es, weil jedes der Blechspielzeuge einen intelligenten Fahrer hat. Wären wir im Lande des Fressens und Gefressen-werdens: wir hätten hundert mal mehr Tote auf den Straßen. Wir Normalbürger führen dieses Wunder jeden Tag auf – und zeigen damit, wie eine herrschaftsfreie Gesellschaft funktionieren könnte, sofern man peinlich genau darauf achtet, keine Verbrecher mit wirtschaftlicher oder politischer Macht auszustatten. Eher erstaunlich ist es, das die Gesamtgesellschaft einen so desaströsen Kurs nimmt, wo doch ihre einzelnen Zellen beweisen, das sie jederzeit zum Wohle aller kooperativ zusammenarbeiten können. Man denkt dann eher an Krebs, an „entartete“ sprich asoziale Zellen, wenn man den Vergleich auf den menschlichen Körper überträgt.

Die können in der Tat mit erstaunlich wenig Einsatz an Zellmasse den gesamten Körper vernichten – nichts anderes erleben wir gerade.

Natürlich könnten wir uns wehren: nichts leichter als das. Analog zur OP 100  wäre die Aufstellung einer Bürgerwehr denkbar, einer Bürgerfront, die sich gegen die Zunahme der aoszialen Beutezüge einer aus dem Ruder gelaufenen Privatwirtschaft und ihrer politischen Agenten wehrt. Das
Ganze braucht auch nicht viel kosten: mit nur 15 Euro pro Bürger pro Jahr hätte man einen Werbeetat von 1,2 Milliarden. 375 Euro pro Jahr bezahlt man immerhin für normale Werbung, GEZ-Gebühren nicht eingerechnet. Für das Geld könnte man JEDEM Lobbyisten der Industrie einen Bürgerlobbyisten an die Seite stellen – das wären 5000 NEUE JOBS mit einem Grundgehalt von 100 000 Euro. Die Bürgerfront könnte somit sogar Fördergelder für die Schaffung neuer sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze beantragen. Weitere 700 Millionen könnte man dann in Werbung stecken – das entspricht dem Werbeetat des VW-Konzerns. Obwohl es nur 1,25 Euro im Monat sind, hätte man ein Werkzeug, mit dem die Masse der sozialen Wesen erfolgreich Einfluss auf die Politik und die Meinungsbildung im Volke nehmen könnte: so billig war Revolution selten.

Die Masse wird das aber nicht tun – obwohl es so einfach und so billig ist, äußerst preiswert sogar, vergleicht man den Einsatz mit den Milliardenverlusten (oder sind es schon Billionen?), die die Volkswirtschaft durch die folgenlose Raubwirtschaft der „Managerkaste“ hat.

Der Grund, warum die Masse dies nicht tun wird, ist einfach, ein Artikel von Karl Kollmann in „le Bohémian“ klärt darüber auf: „Die erfolgreiche Nötigung zur totalen Marktteilnahme“ durch „Arbeitszwang und Konsum“ wird seit über zweihundert Jahren durch eine konzertierte Aktion von Wirtschaft und Politik praktiziert, ein Adolf Hitler reiht sich hier nahtlos in die Front der antibürgerlichen Koalition ein – was über die moralische Qualität der Befürworter jener Gesellschaftsform, die im Nachkriegsdeutschland durch die Agenda 2010 erstaunliche Triumphe feiert, genügend aussagt. Spannend hier der Hinweis auf „Urlaub“ als vom Faschismus gezielt geförderte Freizeitgestaltung: hier wird er imperialistische Geist auf den kleinen Mann übertragen, der sich auf einmal selbst fremde Länder untertan machen kann und so die Illusion großer Macht erleben darf. Wenn eine solche Bewegung international solche Triumphe feiert, dann darf man – nebenbei bemerkt – zurecht fragen, ob es da nicht jemanden gibt, der sie gezielt zum eigenen Vorteil steuert – und angesichts der Folgen für die soziale Gemeinschaft und die natürliche Umwelt ist der Verdacht, das dies irgendwie eine „satanische“ dämonische Bewegung ist, nicht von der Hand zu weisen: sonderlich vernünftig oder menschlich wirkt sie nicht gerade:

Erfolgversprechender waren die in das gesellschaftliche Freizeitregime schließlich hereingeholten Gewerkschaften und sozialdemokratischen Parteien mit Freizeitsport, Naturerleben (Wandern und Bergsteigen), sowie mit Kleingärten als Freizeitbeschäftigung. Der Nationalsozialismus führte später zusätzlich »Reisen« als Freizeit-Konsumform ein, die rasch sehr beliebt wurde und die sich bis heute ja ganz dominant erhalten hat. Übrigens: Reisen ist eine hoch konsumtive Form von Freizeitgestaltung, Wandern dagegen nicht; der Kleingarten war überhaupt ein Stück Haushaltsproduktion von Obst und Gemüse.

Was mit den Werbemilliarden völlig fortgespült wird, ist die jahrtausendealte Erkenntnis von den Bedingungen für ein glückliches Leben, wie wir sie unter anderem bei Epikur finden, jenem Philosophen, der gerne als „Philosoph der Lust“ verschrien wird, obwohl er praktisch etwas ganz anderes predigt. Glück, so finden wir dort, korrespondiert hervorragend mit Armut. Jemand, der sich die ganze Woche von trockenem Brot ernährt, erfährt durch den Genuss eines Stückes alten Käses am Wochenende einen enormen Lustgewinn – einen Gewinn, der höher ist als jener, den man durch Völlerei erzielt:

Wenn wir also sagen, daß die Lust das Lebensziel sei, so meinen wir nicht die Lüste der Wüstlinge und das bloße Genießen, … sondern wir verstehen darunter, weder Schmerz im Körper noch Beunruhigung in der Seele zu empfinden. Denn nicht Trinkgelage und ununterbrochenes Schwärmen und nicht Genuß von Knaben und Frauen und von Fischen und allem anderen, was ein reichbesetzter Tisch bietet, erzeugt das lustvolle Leben, sondern die nüchterne Überlegung, die die Ursachen für alles Wählen und Meiden erforscht …

Das steht für nichts anderes als für die völlige Souveränität über die eigenen Bedürfnisse – und diese wirklichen Bedürfnisse des Menschen sind ungleich geringer als jene, die die Wirtschaft uns mit dem Einsatz von 30 Milliarden Euro jährlich Tag für Tag einredet. Diese künstlichen Bedürfnisse aber sind es, die uns als politische Personen lähmen: immerhin gilt es schon geradezu als Sünde, irgendwelche Bedürfnisse nicht zu befriedigen, die die Wirtschaft kunstvoll in uns erzeugt hat, es gilt als unwertes, misslungenes Leben, wenn man sich dem zu entziehen versucht. Das wir uns dadurch in eine künstliche Sklaverei begeben und die Notwendigkeit des Arbeitszwangs selbst herbeiführen, spricht für eine große Idiotie der Marktteilnehmer, einer Idiotie, die durch „hohle Idole“ perfektioniert wird.

Was wäre das für eine bürgerliche Gesellschaft, die den 375 Euro, die pro Person und Jahr für Werbung ausgegeben werden, 750 Euro pro Jahr entgegensetzt, die man in die Gestaltung einer sozialen bürgerlichen und äußerst glücksbetonten Gesellschaft investiert. Zum Vergleich: 80 Millionen Bürger geben pro Jahr 280 Milliarden Euro für die Dienstleistung „Tourismus“ aus, jener gesellschaftlichen Einrichtung, mit deren Hilfe Adolf Hitler aus jedem Deutschen einen kleinen welterobernden  Führer gemacht hat – das sind 3500 Euro pro Bürger für … Umweltvernichtung im ganz ganz großen Stil ohne jeden Gewinn für ein glückbringendes Leben, Geld, das hauptsächlich investiert wird, weil man einem unerträglichem Alltag wenigstens eine Zeit lang entkommen möchte.

Würden wir dieses Geld in die Gestaltung einer glückverheißenden Gesellschaft investieren (und nebenbei die Umwelt in ganz großem Stil entlasten), hätten wir im Nu das Paradies auf Erden – fernab jeglichen Arbeitszwangs, denn: glücklich sein ist erstaunlich billig – und wer glücklich ist, braucht erstaunlich wenig Konsumgüter.

Der Mensch selbst – jenes soziale, intelligente Wesen, das tagtäglich beweist, welche großen Leistungen durch Kooperation und Arbeitsteilung entstehen können – kann durch diese Bewegung nur gewinnen, während viele asoziale Wesen, die dem Mammon dienen, mangels Möglichkeiten zur arbeitsfreien Abschöpfung von Volksvermögen nur verlieren können.

Wie sollen wir uns also sonst erklären, das es nicht schon längst eine Bewegung im Volke gibt, die sich vom Mammon ab- und dem Glücke zuwendet, als das wir Kräfte vermuten, die gezielt genau diese Bewegung verhindern wollen?

Andererseits zeigt sich hier schon die Lösung des Problems: mit nur 15 Euro im Jahr könnte eine Bürgerfront dem herrschenden Wahn gezielt entgegentreten – mit den gleichen Mitteln, mit denen die Industrie das große Unglück am Leben erhält. Das dürfte auch auf der „anderen Seite“ bekannt sein, weshalb man uns gezielt „hohle Idole“ präsentiert, deren einzige Qualität darin besteht, das sie von den Medien gezielt als Vorbilder gesetzt und von interessierten Stellen ebenfalls gezielt mit vielen Millionen belohnt werden. Praktisch gesehen, haben wir Epikur (oder Jesus und Buddha – um nur zwei weitere Vertreter jenes glückseligen Typus Mensch zu nennen) durch Dieter Bohlen ersetzt.

Das sagt eigentlich alles über die Qualität unserer Kultur aus – spricht aber dafür, das jene Bewegung der Vernichtung des natürlichen Lebensglückes durch Wirtschaft und Politik nicht zufällig vom Himmel gefallen ist.

Aber selbst wenn es diese dämonische Weltverschwörung gäbe – mit nur 1,25 Euro pro Monat pro Bürger könnten wir sie effektiv aus den Angeln heben – mit fünf Euro würden wir sogar die Meinungsherrschaft im Lande übernehmen können und hätten zudem wieder die Aussicht und begründete Hoffnung auf ein selbstbestimmtes, freies und glückliches Leben.

Nur – sofern wir im Denken nicht frei werden und uns sklavisch den Werten des Dämons Mammon unterwerfen – fernab der Bedürfnisse für menschliche Glückseligkeit – wird jener Dämon die Welt völlig unterjochen … auch dann, wenn es ihn und seine Anbeter überhaupt nicht gibt.

Im Endergebnis wird kein Unterschied zu erkennen sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weite

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Weite© Jotha

Strand

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Strand

© Jotha

ohne worte: mallorca – immer wieder geil!

maschmeyer

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Merkel! Zeugnis. Sommerferien? Nachsitzen!

Liebe Frau Merkel,

gleich kommt für Ihre Bürgerschaft ein sehr schöner Moment: die Kinder bekommen Zeugnisse – und frei.  Kinderfreuen sich über Letzteres, wir über Ersteres, immerhin wollen wir in einer Leistungsgesellschaft gerne sehen, was sich unser Nachwuchs so geleistet hat. Naivere unter den Bürgern glauben, an der Spitze des Staates sollten die „Besten“ stehen, wobei man in aller Regel vergeßt, das hohle Phrasen keine Qualitäten beschreiben. Sie und ich wissen, das das leider nicht immer so ist, weshalb wir uns nicht wundern, das  ihr Zeugnis etwas negativer ausfällt.

Ich möchte auch gar nicht auf die Detailnoten eingehen, obwohl auch hier Interessantes zu bemerken ist.  Eine große Leistung war sicherlich, das sie dem Herrn Westerwelle erfolgreich zu verstehen gegeben haben, das 15% weniger als 50% sind. Das hat er zwar noch nicht ganz verstanden, aber immerhin ist es ruhiger um ihn geworden. Dabei wollte er das Land doch ganz groß monopolymäßig umbauen,  jeder Bürger baut in jeder Straße ein Hotel und wir alle wohnen dann täglich woanders und profitieren von seinen großzügigen Steuergeschenken.  Leider scheiterte dieser Plan an der Realität, an der nackten Tatsache, das viele Deutsche dann doch lieber zu Hause wohnen.

Gerne würde ich mich auch gar nicht um Ihr Zeugnis kümmern, immerhin habe ich gerade genug zu tun, da ich aber mehr und mehr nebenbei erfahre, wie erbärmlich die vierte Macht ihrer Kontrollfunktion nachkommt, möchte ich mir später nicht vorwerfen lassen, selbst auch untätig gewesen zu sein.

Wir müssen uns natürlich auch erstmal damit auseinandersetzen, woran wir sie messen müssen. Schreiben, Lesen und Rechnen sind Qualitäten, die man in ihrem Alter eigentlich vorraussetzen müßte, ein Diktat als Leistungsmaßstab fällt also aus, doch ihr Amt sollte uns Maßstab genug sein

(Quelle: Wikipedia)

Der Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland ist der deutsche Regierungschef. Er bestimmt die Bundesminister und die Richtlinien der Politik der Bundesregierung. Der Bundeskanzler ist faktisch der mächtigste deutsche Amtsträger, steht jedoch in der deutschen protokollarischen Rangfolge unter dem Bundespräsidenten als Staatsoberhaupt und dem Bundestagspräsidenten als Repräsentanten des einzig direkt vom Volk gewählten Bundesorgans[1] nur an dritthöchster Stelle. Der Bundeskanzler wird vom Bundestag gewählt und kann vor Ablauf der Legislaturperiode des Bundestages nur durch ein konstruktives Misstrauensvotum abgelöst werden. Derzeitige Bundeskanzlerin ist die CDU-Politikerin Angela Merkel.

Somit haben wir schonmal den äußeren Rahmen. Fein ausgeklügelt sind Sie die Nummer drei im Staate und sollen zeigen, wo es langgeht. Nach den Erfahrungen mit ihren Amtsvorgängern möchte ich ihnen hier die Note „Befriedigend“ geben. Während viele andere für ein „Mangelhaft“ plädieren, denke ich primär an die beiden Amtsvorgänger  – und im Vergleich zu denen setzt ich hinter die Drei noch gleich ein „Plus“. Bei dem, was wir aus dem Kanzleramt gewöhnt waren, sind keine Nachrichten gute Nachrichten. Insofern haben Sie meine Erwartungen nicht enttäuscht: im Bereich Arbeits- und Sozialverhalten zeigt sich der ostdeutsche Bürger dem Westdeutschen in aller Regel überlegen. Vielleicht ist das ein Resultat der offenen Diktatur, das die Menschen enger zusammenrücken, während sie sich in einer verdeckten Dikatur eher selber für die Könige der Welt halten, während sie Monat für Monat ärmer werden und gar nicht wissen, wie das kommt.

Somit haben wir neben der Note „Drei“ bezüglich des Führungsverhaltens und der Note „Zwei“ bezüglich des Arbeits- und Sozialverhaltens schon einmal ganz gute Ergebnisse vorliegen. Wir sollten uns an ihnen erfreuen, denn: es sind die letzten guten Noten, die vergeben werden können.

Völlig versagt haben Sie in dem Bereich Äußere Sicherheit. Obwohl wir uns mit Afghanistan in einem Krieg befinden, weigern Sie sich standhaft, das Kommando über die Streitkräfte zu übernehmen, wie es die Verfassung vorsieht:

Seit 1956 sieht das Grundgesetz vor, dass während des Verteidigungsfalls die Befehls- und Kommandogewalt über die Streitkräfte vom Bundesminister der Verteidigung an den Bundeskanzler übergeht. Diese auch als „lex Churchill“ bezeichnete Vorschrift ist in Artikel 115 b des Grundgesetzes (bis 1968 in Artikel 65 a Absatz 2) enthalten und soll dafür sorgen, dass in Zeiten außerordentlicher Krisen der Bundeskanzler als „starker Mann“ alle Fäden in der Hand hält.

Korrekterweise leisten wir in Afghanistan unsere Bündnispflichten. Der Bündnisfall ist durch den 11.9.2001 eingetreten, womit wir uns in einem Krieg befinden. Das ist auch für Sie nicht uninteressant, solange der Krieg läuft, kann man Sie nur ganz schlecht abhwählen.

Aufgrund der Verlängerung der Wahlperiode des Bundestages im Verteidigungsfall verlängert sich auch die Amtszeit des Bundeskanzlers entsprechend (Artikel 115 h Absatz 1 in Verbindung mit Artikel 69 Absatz 2 des Grundgesetzes). Jedoch kann auch im Verteidigungsfall der Bundeskanzler durch ein konstruktives Misstrauensvotum nach Artikel 67 (durch den Bundestag) oder 115 h (durch den Gemeinsamen Ausschuss mit Zweidrittelmehrheit) abgelöst werden.

Trotz dieser persönlichen Vorteile lassen Sie durch Ihr Verhalten erkennen, das Sie den Bündnisfall nicht anerkennen – somit also widerrechtlich deutsche Soldaten im Ausland sterben lassen. Ohne Eintreten des Bündnisfalles haben die in Afghanistan nichts zu suchen. Tritt er aber ein, ist ihr Vorzeigeadeligersofort  arbeitslos.  Weder das eine noch das andere wird akzeptiert, darum hier eine klare Note „Sechs“ wegen Leitungsverweigerung.

Nun sind Sie ja auch durch Eid gebunden:

Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“ (Art. 56 GG). Er kann den Eid auch ohne religiöse Beteuerung ableisten; Gerhard Schröder war der bisher einzige Bundeskanzler, der von dieser Möglichkeit Gebrauch machte.

Ich möchte nicht in Abrede stellen, das Sie sich dem Wohle des Volkes mehr als ihr Vorgänger gewidmet haben, der bei dem Eid wohl mehr an den Satz dachte: DAS VOLK BIN ICH! Ich persönlich rechne Ihnen auch hoch an, das Sie – obwohl es Ihrer Klientel gefallen hätte – die Arbeitslosenhatz Ihres gottlosen Vorgängers nicht fortgeführt haben.

Allerdings sollten Sie auch Schaden vom Deutschen Volk abwenden. Haben Sie, Frau Merkel, heute schon mal in die Kasse geschaut? Welche Rechenkünste muß man beherrschen um aus diesem wachsenden schwarzen Loch, dessen Zinsen uns allein schon auffressen könnten, eine Wohltat für das Volk zu sehen? Ursprünglich wollten wir mal Wohlstand für alle – das Unterschied uns vom real existierenden Sozialismus.  Wir wollten, das alle alles haben, die wollten, das alle nichts haben. Wir kriegen jetzt den Kompromis: einige wenige kriegen immer mehr, immer mehr kriegen immer weniger.  Im echten Leben funktioniert die mathematische Regel „Minus mal Minus gibt Plus“ leider nicht. Krankheit mal Arbeitslosigkeit gibt Hartz IV … und nicht etwas Frührente wie früher, als die Firmen ihre Mitarbeiter gar nicht schnell genug vor die Tür setzen konnten – am liebsten schon mit vierzig, damit man wieder die jungen hübschen Dinger einstellen kann, die so zuckersüß aussehen.

Insofern können wir hier nur die Note „Mangelhaft“ vergeben, obwohl wir auch die mit einem Plus versehen, weil die den größten Mist von Ihrem Vorgänger geerbt haben.

Die Achtung der Gesetze werden wir mal mit einem „Ausreichend“ versehen, weil auch in Ihrer Amtszeit am Grundgesetz herumgeschraubt wurde um Politikmängel zu beseitigen. Die Mängel bestehen immer noch, sie sind jetzt nur nicht mehr illegal.

Kommen wir nun zum nächsten Punkt: Gerechtigkeit gegenüber jedermann üben. Dort hatte ihr Vorgänger eine klare „Sechs“ eingefahren. Bürger und Mitmenschen waren ihm egal, Hauptsache, er konnte viel Gas geben und feine Kutte tragen.  Trotzdem kommen wir hier um ein klares „Mangelhaft“ nicht herum. Wenn man positiv denkt, ist das schon eine große Verbesserung gegenüber dem Amtsvorgänger und wir könnten die Hoffnung haben, das wir in vier- fünf Kanzlerperioden wieder Gerechtigkeit als Ziel haben, doch unsere Kinder haben nicht soviel Zeit um das Aussitzen zu können.  Nach wie vor ist „Gerechtigkeit“ eine aussterbende Qualität in diesem Land, in dem – wie das Magazin „FAKT“ berichtet, jetzt sogar der Hunger Einzug hält, während die Pharmafirmen ihre Dienstwagenflotten dank der neuen Beitragssteigerungen auf ein ganz neues Niveau bringen:

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/absatzzahlen-autobranche-faehrt-mit-dienstwagen-aus-der-krise;2617763;3

Laut CAMA könnten die kommenden Monate ein paar Prozentpunkte besser ausfallen – Dienstwagen sei Dank. Gewerbliche Neuzulassungen würden den deutschen Automarkt stützen. Deren Marktanteil könne im dritten Quartal bei 57,5 Prozent liegen. Damit ist Deutschland ein Dienstwagen-Markt.

Liebe Frau Merkel – parken Sie doch einfach mal vor einer x-beliebigen Landarztpraxis und schauen, mit welchen Luxusgefährten der deutsche Pharmareferent vor die Praxis fährt, die die alte Oma meidet, weil sie die Praxisgebühren sparen muß. Und der Pharmareferent fährt noch die kleinsten Wagen in der Firmenflotte….aber BMW, AUDI und MERCEDES werden Sie da häufiger finden, Ford Fiesta gar nicht.

Nur ein Beispiel unter vielen, aber ein Wichtiges … die Ausplünderung des Sozialbudgets durch Pillenfirmen ist seit Horst Seehofers Zeiten bekannt. Auch er ist schon dran gescheitert….und noch heute zornig. Zurecht.

http://www.gkv-spitzenverband.de/Fehlverhalten_im_Gesundheitswesen.gkvnet

Betrug und Korruption fügen der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung große finanzielle Schäden zu. Der Gesetzgeber hat mit den §§ 197a SGB V, 47a SGB XI eine wichtige Voraussetzung geschaffen, dass Betrug, Untreue, Korruption und weitere Formen von Fehlverhalten im Gesundheitswesen effektiver verfolgt und bekämpft werden können.

Das ist wohl so … aber der Nutzen für die Lumpenelite ist größer als der Schaden im Geldbeutel der Versicherten … und deshalb machen alle weiter mit.  Das führt zu wundersamen Erscheinungen:

http://www.gkv-spitzenverband.de/Statement_Lanz_Homoeopathie_20100712.gkvnet

Es kann doch nicht sein, dass in der vergangenen Woche die nächste Honorarerhöhung für die Ärzte und Mehreinnahmen für Krankenhäuser diskutiert wurden und in dieser Woche darauf Leistungskürzungen für die Versicherten das Thema sind.
Sie sehen: das Volk versteht die Welt nicht mehr. Sie zahlen immer mehr für immer weniger … und das ist nur der Bereich „Gesundheit“, der zweitwichtigste Posten im „Sozialbudget“, das eigentlich primär Leid von Kranken, Alten und Behinderten, Witwen, Waisen und neuerdings auch Arbeitslosen fernhalten sollte. Stattdessen wird es zur unerschöpflichen Goldgrube für viele:
http://www.stern.de/gesundheit/gesundheitsnews/hintergrund-die-entwicklung-der-gesundheitskosten-1580387.html
Jahr Krankenhausbehandlung Arzneimittel Arzthonorare
2007 50,9 27,8 27,4
2008 52,6 29,2 28,8
2009 56,1 30,7 30,9
2010 59,6* 32,3* 32,1*
2011 61,6* 33,2*

* Schätzungen / Angaben in Milliarden Euro (Quelle: GKV-Spitzenverband)

Steigerund der Honorare von 27,4 auf 32,1 Milliarden Euro – in vier Jahren.  Gemäß Ihres Eides hätte ich erwartet, das Sie mal Nachforschen, welche konkrete Leistungssteigerung diese Ausgabensteigerung zugrunde liegt. Die Antwort auf diese Frage würde Sie überraschen.

Stellen Sie sich nur mal vor, Sie hätten die Versorgungsansprüche von Hartz IV-Abhängigen ähnlich berücksichtigt wie die von Ärzten, Pharmafirmen und Krankenhäusern und einfach mal 20 Milliarden draufgelegt. Das würde eine Steigerung um KNAPP 50 % bedeuten! Und was das wiederrum für die Binnenkonjunktur (sprich: Mittelschicht!) bedeuten würde, brauche ich ihnen nicht weiter zu erläutern.  Regelsatzerhöhung auf 500 Euro pro Kind wäre locker drin und die Leute müßten nicht mehr in den Mülltonnen wühlen….wie diese Verkäuferin uns berichtet:

http://www.mdr.de/fakt/7485917.html

Selbst wenn wir nur die Arzthonorare eingefroren hätten (und – mal ehrlich – die leiden doch wohl wirklich keine Not, oder?) hätte wir die Versorgung der nächsten Generation von Wählern und Entscheidungsträgern deutlich verbessern können.

Liebe Frau Merkel – ich habe das jetzt extra so differenziert ausgeführt, um Ihre Regierungsleistung nicht pauschal zu verurteilen. Im Notendurchschnitt überragen sie Kohl und Schröder bei Weitem, doch es sollte wohl verständlich sein, das wir angesichts dieser Leistungsbilanz nicht über Sommerferien nachdenken können.

Darum das Urteil der Zeugniskommision: die Kanzlerin wird versetzt … soll aber in der Ferienzeit zusätzliche Stunden nehmen, um bestehende Mängel zu beseitigen.

Ergo: NACHSITZEN im Hauptfach „EIDERFÜLLUNG“.

Wir verbleiben mit freundlichem deutschen neudeutschem Gruß: „AUFSCHWUNG!!!“

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