uramerikanisch

This tag is associated with 1 posts

March against Monsanto – hier: Krefeld. Mal ein bischen uramerikanisch sein …

march_against_monsanto2

Donnerstag, 22.5.2014. Eifel. Demonstrationen bringen nichts – so die vielfältige Meinung der Bevölkerung. Ich schätze mal: einige gezielte Entwertungen des Rechtes auf Meinungsäußerung (zum Beispiel durch den Altkanzler Helmut Kohl, von dem ich immer noch gerne wüßte, wer seine geheimen Spender waren … und was genau die zur Spende veranlasst hat) haben da speziell in Deutschland ihre Wirkung getan: Demonstrationen als Mittel der politischen Meinungsäußerung wurde von der Politik die Bedeutung völlig aberkannt … also geht man auch nicht mehr hin. Nun – ich selbst gehe ja auch kaum noch hin, aber bei mir hat das rein gesundheitliche Gründe: ich wäre schon nach der Anreise nicht mehr in der Lage, zu stehen – und erst Recht nicht, stundenlang durch die Stadt zu latschen. Habe ich früher immer gerne gemacht … aber irgendwann muss ich halt die Karte „Alter“ hochhalten, auf der bei mir kleingedruckt „durch Verschleiß“ steht. Aber dank moderner Technik stehen mir ja andere Möglichkeiten zur Verfügung, meine Teilnahme an der Demonstration sicher zu stellen – diesmal den Marsch gegen Monsanto: eine äußerst wirkungsvolle Art und Weise, Politik zu machen, ohne auf die Wahlurne warten zu müssen.

Erstmal stellt sich natürlich die Frage: warum Demonstration? Warum sollen wir auf die Straße, während der Eifelphilosoph gemütlich am Rechner sitzt? Nun – erstmal sitze ich nicht gemütlich. Sitzen verursacht mir Schmerzen, wenn es länger als 15 Minuten dauert. Was ich hier mache, ist NICHT gemütlich, es ist NOTWENDIG. Der Aufbau einer Gegenöffentlichkeit ist momentan dringend geboten, weil eine Hand voll Konzerne die Ausbildung, Schulung und Einstellung von Journalisten kontrollieren – ein einst freier Beruf wird so zum herangezüchteten Mietmaul. Nur: was ich hier mache, erreicht nur jene Leute, die danach suchen, die einen PC haben, die sich trauen, außerhalb der Informationsvorgaben der Tagesschau selber zu denken. Wäre ich besser zu Fuß: ich würde eine Demo auf der Straße vorziehen, selbst wenn ich allein mit meinem Schild dort stünde (oder mit meiner Rede – Schild halten steht mir nicht so gut, habe ich oft ausprobiert): nur dort erreicht man Menschen, deren politische Informationsaufnahme sich bislang auf die Sportschau beschränkte. Da wir in einer Demokratie leben und selbst für lebenswichtigste Entscheidungen Mehrheiten brauchen, geht an die Schaffung solcher Mehrheiten kein Weg dran vorbei.

Und gerade beim Thema Monsanto ist es geboten, zu erkennen, wie sehr wir von der Regierung allein gelassen worden sind – auch als CDU-Wähler und SPD-Sympathisant: selten – wenn nicht gar noch nie – hat eine Regierung so unverantwortlich arrogant öffentlich und offensichtlich gegen den bewusst wahrgenommenen Willen des Volkes agiert, den man sogar im Koalitionsvertrag festgeschrieben hat. In der Denkkategorien der politischen Philosophie ist das KEINE KLEINIGKEIT – sondern brutaler Vertragsbruch der Regierung gegen das Volk. Früher hätte es dafür die Guillontine gegeben – in einer Demokratie sind wir da begrüßenswerterweise aufs Wort angewiesen. Damit dieses Wort aber seinen Adressaten erreicht, muss es laut und öffentlich ans Ziel gebracht werden: die Regierung wird es nicht freiwillig im Internet suchen.

Bei Monsanto und dem Thema genveränderte Nahrungsmittel geht es noch um vielmehr. Wir greifen hier in ein biologisches System ein, das wir noch nicht mal zur Hälfte verstanden haben. Gut – das machen wir dauernd. So ist halt unsere „Wissenschaft“: sie ist noch jung, den Kinderschuhen noch nicht entwachsen, experimentiert sie erstmal herum: machen nicht denken ist ihr Motto. So kamen wir zur Möglichkeit der nuklearen Apokalypse – und machten die Erfüllung biblischer Prophezeiungen so überhaupt erstmal möglich. So kamen wir zum Klimawandel, zur Verseuchung und Verwüstung der Böden durch Chemikalien und Raubbau, zum Waldsterben – ja: auch der Volkskiller Krebs scheint durch die moderne Wissenschaft überhaupt erstmal in Mode gekommen zu sein.

Genug Erfahrungen, die einem zu denken geben sollten. Genug, um den infantilen kleinen Frankensteinen erstmal die Reagenzgläser aus den Händen zu schlagen und sie zur reinen Denkarbeit zu verpflichten – doch leider haben sich während der Evolution Wesen entwickelt, die die Arbeit dieser kleinen Teufel gerne sofort umsetzen: aus den USA erreichte uns das Geschäftsmodell „Konzern“. Und JA: das ist ein Wesen. Jedenfalls juristisch – und nur das zählt. Es hat auch einen eigenen, vom Gesetz klar vorgegebenen Willen: Gewinn machen um jeden Preis, egal wie. Jeder CEO, der sich aus ethischen oder moralischen Gründen gegen diese Maxime verhält, kann vor ordentlichen Gerichten verklagt werden … und ist so gezwungen, jeden Blödsinn in die Tat umzusetzen: konzerninterne Mechanismen führen nebenher dazu, dass größtmöglicher Blödsinn geschieht … zum Beispiel, das Bonuszahlungen an Mitarbeiter den Gewinn des Unternehmens um ein vielfaches übersteigen (ein aktueller Fall: die Deutsche Bank, siehe Spiegel).

Solche Zahlungen sind jedoch innerhalb der Konzerne jedoch absolut überlebensnotwendig … weil kaum ein normal denkender Mensch den praktizierten Wahnsinn dort freiwillig mitmachen würde. Da muss man schon viel Geld locker machen, damit das Gewissen der Führungskräfte mit Konsumgütern erschlagen werden kann.

Beim Konzern Monsanto ist es nun der Genmais, der weltweit durchgedrückt wird. Ein gigantischer Freilandversuch am lebenden Menschen mit dem Risiko des totalen Kollaps des Ökosystems … wie allein schon die tödlichen Auswirkungen von Neonikotinoiden Pestiziden auf Bienenvölker zeigen. Ohne Bienen jedoch … bricht die Natur zusammen. Da kommt dann ein Frühling, an dem … überhaupt nichts mehr blüht. Manchmal frage ich mich, ob Bill Gates – Großaktionär von Monsanto – das vielleicht schon in seine Überlegungen hat mit einfließen lassen, als er Gelder für den Saatguttresor in Spitzbergen gespendet hat: Aktionäre werden ja manchmal über mögliche geschäftliche Risiken informiert.

Kein vernünftig denkendes soziales Wesen würde solche Gedanken auch nur im Ansatz gutheißen – aber Konzerne sind nicht vernünftig, sie ähneln als Wesen eher Krebszellen – und haben auch eine ähnliche Funktion in der Volkswirtschaft. Als reine Zusammenballungen wirtschaftlicher Macht – alles finanziert durch Bankkredite … also: unsere Spareinlagen …. verfügen sie auch über enorme politischer Macht – eine Macht, die so groß ist, dass es Pharmakonzernen in Deutschland immer wieder gelingt, tödliche Medikamente zu vermarkten … oder in den USA ein spezielles Gesetz zum Schutz für Monsanto-Geschäftsinteressen durchzusetzen, so geschehen im März 2013 mit dem Gesetz US H.R. 933 (siehe international business times).

Ein tödlicher Schlag gegen jeden Verbraucherschutz, geschrieben von Konzernmitarbeitern für den Konzern aus den Geschäfststellen der Regierung heraus: deutlicher kann man nicht klar machen, dass der Demokratie und sogar dem Verständnis von „Staat“ generell hier tödlicher Schaden droht … mal ganz abgesehen von den Produkten, mit denen die infantilen Frankensteine dann den Markt überschwemmen würden. Ja – wir dürfen hier die Wissenschaft NICHT außen vor lassen: ohne ihre Versprechungen könnte Monsanto auch in Bioprodukte investieren: Konzernen ist es grundsätzlich EGAL, wie sie ihr geliehenes Geld vermehren – in den allermeisten Fällen ist es jedoch was Übles, weil schlecht gemacht immer noch den meisten Gewinn verspricht – und Folgeaufträge nach sich ziehen kann.

Wer also meint, es ginge bei dem Marsch gegen Monsanto nur um das Anliegen von ein paar Oberschichts-Ökotanten … der irrt. Hier haben viele Menschen begriffen, dass es DIE Demonstration gegen die Verwerfungen der Kultur selber sind, die angeprangert werden, gegen die man Mehrheiten organisieren muss, denn einst sollte klar sein: wenn wir es auch unter Umständen schaffen, dem nuklearen Holocaust zu entkommen (was gerade wieder unwahrscheinlicher wird – aller menschlichen Vernunft zum trotz): dem genetischen Holocaust werden wir nicht entkommen. Genmanipuliertes Saatgut interessiert sich nicht für Grenzen, es verhält sich in der Natur wie ein Konzern: vernichtet natürlich gewachsene Strukturen zum Zwecke des eigenen Wachstums.

Ein paar Beispiele für das Wirken eines Konzerns? Findet man zum Beispiel bei Greenpeace – direkt über Monsanto:

Um Strafbares zu finden, muss man nicht lange suchen. Zwischen 1990 und 2001 setzte Monsanto 44-mal Gen-Pflanzen ohne Genehmigung frei und kontaminierte auch umliegende Felder. In Indonesien ist der Konzern wegen Bestechung zu einer Geldstrafe von 1,5 Millionen Dollar verurteilt worden. Monsanto hatte 50.000 Dollar Schmiergeld an Beamte bezahlt, um eine Umweltstudie für Gen-Saatgut zu umgehen. Die Geschichte des Konzerns liest sich wie eine Skandalchronik: Jahrzehntelang leugnete er die Gefahren von PCB, Dioxin und Agent Orange. Dieses Entlaubungsgift aus dem Hause Monsanto wurde im Vietnamkrieg eingesetzt und machte viele Millionen Menschen krank, und noch immer werden Kinder mit schwersten Behinderungen geboren. Eine neue Studie zeigt, dass Monsantos Roundup, das meistverkaufte Pestizid der Welt, Kaulquappen und Frösche gefährdet. Möglicherweise ist es für das globale Amphibiensterben verantwortlich – der Konzern streitet einen Zusammenhang natürlich ab.

Das ist keine Firma mehr … das ist eine verbrecherische Vereinigung. Im Prinzip ist das allerdings jeder Konzern – da darf man sich nichts vormachen.

Gründe genug, am 24.5.2014 in Krefeld auf die Straße zu gehen … aber natürlich nicht nur dort. Warum schaue ich eigentlich so konkret auf Krefeld? Nun – wir gehören zu den Unterstützern des Marsches dort, dass soll kein Geheimnis sein. Es gibt aber noch andere Gründe, dort genauer hinzuschauen …. immerhin ist bald Europawahl. Wer unterstützt den Marsch dort (siehe mam-Krefeld)? Greenpeace, eine Bürgerinitiative für Grundeinkommen, der BUND, die Arbeitsgemeinschaft für bäuerliche Landwirtschaft und eine ganze Reihe lokaler Initiativen. Keine – ich wiederhole: KEINE politische Partei.

Grüne und Linke haben ihre Teilnahme abgesagt.

Kaum zu fassen, oder? Es geht um nicht mehr und nicht weniger als das Überleben der Menschheit … und die Oppositionsparteien im deutschen Bundestag verabschieden sich. Der Grund? Es tritt eine Band auf, die schon mal in Zusammenhang mit „antiamerikanischen Verschwörungstheorien“ gebracht wurde – auch für die Jusos ein Grund, sich zu distanzieren (siehe Wikipedia).

Demonstrationen gegen Monsanto sind Demokratie pur … und die politischen Parteien halten sich fein heraus. Muss man verstehen: wer sich mit amerikanischen Konzernen gut stellt, profitiert. Die kennen nämlich keine Politik, es ist ihnen völlig egal, wer neben ihren Mitarbeitern in den Regierungsgebäuden sitzt: Hauptsache, die stören nicht bei der Arbeit. Politiker werden aus Konzernsicht eher als Entertainment-Einlage angesehen … und für Politiker sind Konzerne die große Hoffnung für ein Leben außerhalb der Partei: da riskiert man keinen Streit. Außerdem akzeptiert man – siehe NSA-Affäre – vollständig die Narrenfreiheit der USA in der Welt  … und gehorcht selbstverständlich wiederspruchslos der Anweisung des US-Präsidenten (hier: George W. Bush), keine Alternativen zur Regierungserklärung zu den Vorkommnissen vom 11.9.2001 zu formulieren.

Es ist unglaublich, wie sehr sich dieser Befehl in der westlichen Medien- und Parteienwelt durchsetzt … so unglaublich übrigens, wie die Macht von Monsanto … deren Geschäftsgebahren gerade der Beweis dafür sind, dass politsche Entscheidungen infolge von mächtigen Verschwörungen gefällt werden, die sogar einen Präsidenten wie Obama dazu bringen, sich bedingungslos für einen Konzern einzusetzen … von dem sich die Partei auch Spenden für den Wahlkampf erhofft. Gut – „die Linke“ wird nicht gerade auf Spenden hoffen … aber es reicht schon die Angst, in den Verdacht zu geraten, man würde die Regierungserklärung zum 11.9.2001 in Frage stellen, um in Deutschland erschrocken zurückzuweichen – was kein Wunder ist: die NSA verfügt bei Befehlsverweigerung jederzeit über genug Informationen über jedermann, um jede politische Karriere jederzeit beenden zu können.

Parteien werden uns Bürger beim Kampf gegen die Konzerne also nicht helfen. Aber: das haben wir ja schon durch Frau Merkel bestätigt bekommen. Grund genug, sich auf nach Krefeld zu machen … und gerade nach Krefeld – denn gerade dort kann man den politischen Parteien zeigen, dass ihre Wähler keine Angst vor der Macht von Monsanto bzw. die durch sie korrumpierte Regierung haben. Das macht denen vielleicht Mut, sich mal selber nicht nur aus ausführende Organe des Lobbyismus zu begreifen, sondern wieder als bezahlte Angestellte der Bürgergemeinschaft.

Und: „antiamerikanisch“ ist das überhaupt nicht, das ist sogar „uramerikanisch“ … denn der oben erwähnte „Monsanto Protection Act“ wurde auch und gerade durch den Druck durch die Märsche gegen Monsanto in den USA selbst wieder zurückgenommen (siehe international business time). Zeit also auch für uns, wieder etwas amerikanischer zu werden.

Immerhin: was Filme, Musik, Literatur und Kleidung angeht … sind wir doch eigentlich schon längst alle Amerikaner … und das hat auch was Gutes.

Und deshalb: Samstag mal bitte keine Sportschau, sondern ab 12 Uhr in Krefeld am Hansazentrum sein, Kundgebung ist um 13 Uhr, von 14 – 16 Uhr gibt es gratis Live-Musik auf dem Theaterplatz: ein Riesenhappening (siehe mam-Krefeld). Sicher auch cool für Leute aus Köln, Aachen und Mönchengladbach, die … soweit ich ermitteln konnte … nichts eigenes in dieser Hinsicht haben.

Wäre Krefeld in der Eifel  – also: ich wäre da. Trotz Rücken. Gibt manchmal wichtigere Dinge als die eigene Befindlichkeit.

Und – für die ganz Ängstlichen unter Euch: die Veranstalterin in Krefeld ist die Jazz-Sängerin Karin Mast. Jazz … ist auch amerikanisch.

 

 

 

 

 

 

 

Die letzten 100 Artikel