Tod

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Liebe, Tod und Gwup

Freitag, 9. Dezember. Eifel. Heute, lieber Leser, muss ich Ihnen viel zumuten. Nein – es geht nicht anders: manchmal müssen wir uns einen Moment Zeit nehmen, eine kleine Auszeit aus dem Hamsterrad, um von den kleinen Themen dieser Welt (Krieg, Ausbeutung, Ungerechtigkeit, Ökozid, atomarer Holocaust, Hungersnöte – um nur einige zu nennen) auf die großen Themen dieser Welt zu blicken, Themen, die das ganze politische Leben steuern und Ihnen persönlich im eigenen Leben enge Grenzen setzen, Sie deprimieren, hoffnungslos und kraftlos machen und manchmal sogar – ob eines Anflugs massiver Sinnlosigkeit – in den Suizid treiben, Themen, die letztlich dafür verantwortlich sind, dass Sie sich gegen massives Unrecht gar nicht mehr angemessen zur Wehr setzen können – ja sogar noch nicht mal gegen ihre schlechte Bezahlung, ihre unbezahlten Überstunden oder gegen die Arroganz ihres Chefs vorgehen können und sich weit zurückziehen in ihre kleine Privathöhle, in der sie allein oder in nerviger Zweisamkeit vor sich hinvegetieren, bis das endgültige Ende kommt.

Ich muss heute einmal einen weiten Bogen spannen und sie einführen in die höchsten Künste der Wissenschaft – auch wenn sie gerade mal einen Hauptschulabschluss geschafft haben: Sie können ohne diesen Bogen kein mündiger, demokratischer Bürger werden – oder auch nur ein glückliches, liebevolles, lebendiges Wesen, das jedem Unbill von Außen gelassen trotzen kann … wie es Eigenschaft und Vorrecht allen Lebendigen ist.

Fangen wir an mit einer ganz zentralen Frage: was ist Wahrheit? Nein, die müssen Sie jetzt nicht selbst beantworten, dafür gibt es ja die Philosophie, die Königin der Wissenschaften – die hat das schon lange für Sie erledigt, damit Sie weiter vernünftigen, sinnvollen Arbeiten nachgehen können: Häuser bauen, Brot backen, Wasser schöpfen, Obst sammeln. Die Antworten sind auch seit knapp 2500 Jahren dieselben, einen Fortschritt hat es seitdem nicht gegeben.

Wir haben nur zwei Möglichkeiten, Wahrheiten zu gestalten (ja, wichtige Nebenerkenntnis: wir erschaffen die selbst, die liegen nicht draußen irgendwo herum und warten nur darauf, gefunden zu werden); die eine Möglichkeit ist: wir nehmen nur das als wahr an, was unsere Sinne uns mitteilen. Das ist soweit ganz ok – wenn man im Hinterkopf behält, dass unsere Sinne beschränkt sind und nicht zur Wahrheitsfindung gedacht: sie sollen uns nur dazu befähigen, unseren Körper ungeschadet durch die Natur zu führen, dafür wurden sie entwickelt. Biologische Wesen haben wohl mehr davon, als uns klar ist: manche können Wärmesignaturen ausmachen, andere feinste Geruchsspuren nachfolgen, andere orientieren sich an Magnetfeldern, haben einen „Magnetsinn“, der ein völlig anderes Weltbild hervorrufen würde, als jenes, das wir uns als Menschen basteln.

Die andere Möglichkeit ist ebenso einfach wie bestechend: wir erkennen nur das als „wahr“ an, was unserer Vernunft als wahr erscheint, ganz einfach deshalb, weil wir wissen, wie beschränkt unsere Sinne sind, wie trügerisch und leicht anfällig für Fieberphantasien.

Die erste Methode zur Wahrheitsfindung nennt man Empirismus, die zweite Rationalismus. Merken Sie sich diese Begriffe bitte – sie ersparen Ihnen ein ganzes Philosophiestudium.

Und jetzt kommt das Problem: der Empirismus in reinster Form akzeptiert alle ungewöhnlichen Beobachtungen als wahr. Geister, Ufos, Marienerscheinungen: wenn es  genug Menschen gibt (also: zwei bis drei), die diese Wahrheiten beobachtet haben, gelten sie uneingeschränkt als wahr. Ja, uneingeschränkt, denn: wenn wir erstmal anfangen, unsere sinnlichen Wahrnehmungen zu hinterfragen, landen wir ganz schnell in seltsamen Gefilden der Beliebigkeit, die Wahrheitssuche und Wissenschaft unmöglich machen. Für den Empirismus sind Geister (um mal nur ein Beispiel zu nennen) normaler Bestandteil der wissenschaftlichen Welt; Sie müssen sich also nicht als „verrückt“ beschimpfen lassen, wenn Sie – wie der berühmte Psychologe Carl Gustav Jung – mal Erfahrungen hatten, die mit dem gerade offiziell gewünschten Weltbild nicht mehr vereinbar sind: sie hatten nur das Pech, mit Wahrheiten konfrontiert zu werden, die selten sind – aber trotzdem „wirklich“ (allein schon deshalb, weil sie auf Sie „gewirkt“ haben).

Der Rationalismus – als Skeptizismus verstanden – kann mit diesen Wahrheiten nichts anfangen. Zu sehr leidet er unter den Scharlatanen, hat gesehen, was „fromme“ Geisterseher anrichten konnten, wie sie nach Macht über Menschen gierten und hat deshalb den Verstand als oberste Autorität an Stelle der Sinne gesetzt, um allen Unfug auszumerzen. Die Sinne liefern nur groben Unfug, der mühsam sortiert werden muss und durch das Gehirn zusätzlich verfälscht wird, zudem leiden wir darunter, dass unser Verstand nur eine begrenzte Anzahl von Kategorien überhaupt erfassen kann (Farbe, Form, Zahl – und nur einige zu nennen), so dass Welt hinter der sinnlichen Wahrnehmung für uns  immer ein unerklärliches Geheimnis bleibt, das wir nie ergründen können. Auch das ist ein – sehr bescheidener, aber funktionierender – Ansatz zur Wahrheitsfindung – und doch führt er uns zu einer Wahrheit, mit der wir uns schwer tun: der Verstand lebt nicht ohne Gott, er kann sich das Universum ohne Gott nicht vorstellen, darauf laufen alle „Gottesbeweise“ hin. Gottesbeweise? Ich stelle Ihnen mal einen vor. Alle Bewegung im bekannten Universum wird von einer anderen Bewegung angestoßen (ja, einfach mal selber ausprobieren – das stimmt schon), ganz am Anfang müssen wir uns deshalb ein Wunder vorstellen: ein Etwas, dass sich rein aus eigenem Willen heraus von selbst bewegen kann, also über dem natürlichen Kreislauf abhängiger Bewegungen steht: so was nennen wir dann „Gott“.

Wir haben also die Wahl zwischen einer Welt voller Geister – und einer Welt voller Götter. Beide sind wahr – soweit wir das beurteilen können. Beides sind wissenschaftlich korrekte Wahrheiten, die allen relevanten Bedingungen von Wissenschaft entsprechen. Und Sie wundern sich jetzt, warum wir trotzdem Menschen in die Klappsmühle stecken, die Geister und Götter in ihr Weltbild integrieren.

Das hat – immer und überall – rein politische Gründe. Hier geht es um Macht und Herrschaft und um das Instrument „Inquisition“, um „angeordnete Wahrheiten“, die die Wahrheiten der Sinne oder des Verstandes dominieren sollen, um Ihren Geist in ein Gefängnis zu sperren: dem besten Gefängnis das es gibt, weil Sie es selbst bewachen. Ja – Inquisition: hier im düstersten Wortsinne – es geht um Folter, Hexenverbrennungen, Waterboarding und alle anderen Instrumente des Grauens, die psychopathische Menschen sich ausdenken können, um andere zu quälen – und man kann sie mit gutem Recht als „krank“ bezeichnen, weil gesunde Menschen an solchen Abscheulichkeiten gar keinen Spaß entwickeln – dafür aber eine zauberhafte Fähigkeit besitzen, die ebenfalls der Wahrheitsfindung dient: die Liebe.

Ja, jetzt denken Sie: jetzt redet der wieder über Sex. Nein, das tue ich nicht, das überlasse ich gerne Wilhelm Reich, dessen Bücher von der Inquisition verbrannt wurden. Ich rede über Arthur Schopenhauer, jenen Denker, der – in meinen Augen – bis heute viel zu wenig geschätzt wird, obwohl er Wunder verbrachte … bei der Betrachtung seines Hundes. Pudel, glaube ich.

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie sehen, wie ein Hund (nicht Ihr Hund – der ist schon längst ein verlängerter Teil von Ihnen, das gilt nicht!) vor Ihren Augen mit kochendem Wasser überschüttet wird (über die Menschen, die so etwas tun, reden wir später noch). Stellen Sie sich das bitte bildlich vor (oder suchen bei Facebook ein entsprechendes Video, braucht auch kein kochendes Wasser zu sein, da gibt es alle Arten von Abscheulichkeiten) und achten Sie genau darauf, was diese Beobachtung mit Ihnen anstellt, achten Sie auf die Gefühle, die dort hochkommen. Verharren Sie ruhig einen Moment und schauen Sie sie sich an, bitte ruhig und unaufgeregt, denn Sie haben gerade ein Wunder erlebt: in dem Moment, wo Sie das Leid des Tieres wahr nehmen, haben Sie in sich eine Empfindung, die genau dem entspricht, was das Tier empfindet: sie teilen eine Wahrheit, werden in dem Moment „gleichgeschaltet“ mit der inneren Welt des Tieres. Hier tritt die Welt des Empirismus und des Rationalismus in eine größere Welt: in die Welt der Liebe, die eine höhere Kategorie der Wahrheit darstellt und eine wunderbare Botschaft in sich trägt: das Liebe die Schranke zwischen uns und der Welt überwinden kann … und zu „Mitleid“ führt.

Denken Sie ruhig nach: das Leid des Tieres ist nur „in ihm“, unsere Sinne nehmen nur nüchterne Fakten wahr, unser Verstand nur ein „Reiz-Reaktions-Schema“, unsere liebende Seele jedoch: Schmerz und Leid, worauf sie angemessen reagiert: mit Mitleid … und konkreten Taten gegen die Täter.

Was ist nun Liebe? Die höchste Form von Verständnis. Ältere Kulturen als wir sprachen deshalb vom Geschlechtsakt als Akt des „Erkennens“. Die kannten auch noch keine Pornofilme, die in erster Linie unsere Anschauung abstumpfen lassen und unser Gefühl der Liebe vergewaltigen und entwürdigen – ja, soviel tut man sich selber an beim Konsum entsprechender Machwerke.

Liebe kann dazu führen, dass man sein eigenes Leben für das geliebte Objekt gibt: dass kann eine Frau sein, ein Kind, eine Idee, eine Landschaft, ein Tier (wie bei dem Düsterdenke Nietzsche) oder ein Baum – um nur ein paar Objekte für Liebe zu nennen, die durch „Sex“ nicht erreichbar sind. Die Welt der Liebe – von der gelebtes Mitleid nur ein Ausdruck ist – offenbart uns eine um vieles reichere, liebenswertere, lebendigere Welt, vor allem eine Welt, der wir aufs Innerste verbunden sind, wo wir den „Großen Geist“ bis ins tiefste innerste unseres Seins erfahren können und zu die beglückendsten Erfahrungen sammeln, zu denen Menschen überhaupt in der Lage sind: darum nennt man ja „Religion“ zurecht „Opium fürs Volk“ … was aber nur der kritisiert, der Volk als Kanonenfutter zur Durchsetzung eigener Revolutionen braucht und sie deshalb möglichst hungrig und unglücklich halten möchte.

Sie merken: wir kommen zum nächsten Thema – dem Tod. Ja – da kommen wir nicht drum herum, wir waren ja gerade schon da, bei Menschen, die mutig ihr Leben riskieren, um die Objekte ihrer Liebe zu schützen … oder das mitempfundene Leid anderer Wesen (bei Steinen funktioniert das nicht, einfach mal ausprobieren) zu lindern, ja, sogar Revolutionen anzetteln, weil der Liebe selbst Leid zugefügt, das Mitleid mit Füßen getreten wird. Ja – nur „Hunger“ reicht dazu nicht aus: oder werden Sie zornig und wütend, wenn der lange Winter Ihre Ernte vernichtet? Demonstrationen gegen schlechtes Wetter sind mir momentan nicht bekannt, gegen lieblose, deshalb grausame Menschen sind sie im Handumdrehen organisiert.

Tod – ist eine endgültige Wahrheit, womöglich die einzige, die wir haben. Es gibt viele Definitionen zu ihm – empirische oder rationale – doch zu einem letzten Verständnis kommen wir nicht, wir wissen nur eins: er kommt für alle und jeden. Die Reichen fürchten ihn, ist der doch das endgültige absolute Ende ihres Reichtums, die Armen jedoch: begrüßen ihn, ist er doch das letztlich endgültige Ende ihres vielfältigen Leidens, viele der Armen (vor allem jene, die arm an Liebe sind) suchen ihn direkt auf, setzen ihr Ende souverän selbst – souverän und nutzlos, da der Suizid das Leid der Angehörigen deutlich vermehrt, sogar bis ins Unerträgliche steigern kann … wie bei den Eltern des 16-jährigen Mädchens, das sich kürzlich in meinem Umfeld erhängte.

Was ist nun der Tod? Hören wir eine Stimme aus der Wissenschaft (siehe livenet)

„Ganz genau wisse man nicht, was die Bewusstheit ist, berichtet die britische «Sun». Der Physiker Sir Roger Penrose erklärt, dass es sich dabei um ein Informationspaket handelt, das in einem Quant oder auf subatomischem Level gespeichert ist. Der britische Wissenschaftler geht davon aus, dass die Menschen Seelen haben, die nicht mit dem Körper sterben.

Nun sagt Sir Roger von der Oxford Universität, er habe Hinweise gefunden, dass diese Informationen, die in Mikrotubuli in den menschlichen Zellen gelagert sind, den Körper verlasse, wenn dieser stirbt.“

Das ist nur eine von vielen Theorien über die absolute Wahrheit „Tod“. Sie entspricht dem Empirismus (d.h. den in die hunderttausende gehenden Beobachtungen zum Thema „Nahtoderfahrungen“) und dem Rationalismus (der den Menschen letztendlich – wegen der „Vernunft“ als „Kind Gottes“ begreift, dessen göttlicher … „selbst bewegender“ … Funke natürlich nie vergehen kann), wir dürfen diese Theorie deshalb als „wahr“ erachten.

Aber – huch – wo sind wir denn jetzt hier gelandet?

In der Politik.

Und im Herzen der Finsternis: der mittelalterlichen Inquisition, die Wahrheit nicht durch Empirie oder Rationalismus suchte, sondern sie mit Feuer und Folter erzwang. Wir sind direkt bei jenen hochpolitischen Erscheinungen wie „Gwup“ oder „Psiram“ oder „Esowatch“, Inqusitoren einer kleinen beschränkten Sekte, die vor allem einen Meister hat: die Gier nach unendlicher Macht. Ja – sie sind hochpolitisch … aber mangels geisteswissenschaftlicher Bildung wohl ohne Hilfe von Wikipedia nicht in der Lage, den Begriff „Politik“ von sich aus zu definieren.

Der Mensch, der durch ein sehr eingeengtes, durch ein stringent „katholisches“ Weltbild mit absoluter Vernichtung bedroht werden kann, ist leicht zu dirigieren und neigt auch weniger zum Widerstand, darum ist es Aufgabe der „Inquisition“, alles zu bekämpfen, was dem modernen „Katholizismus“ bedrohlich werden kann – hierzu gehört ein mit großer verbaler Gewalt vorgetragenes enges Weltbild (das zwar mit physikalischen Schlagworten argumentiert, aber noch nicht mal im Ansatz die logische Begrenztheit dieser Schlagworte verstanden hat: nur weil wir den Begriff „Magnetfeld“ haben, heißt das nicht, das wir verstehen, was das ist – noch formt dieser Begriff eine Wahrheit: wir haben auch die Begriffe „Troll“, „Odin“ oder „Sumpfhexe“ – verlangen aber von diesen Worten nicht, dass sie aus sich heraus Wahrheiten abbilden, die für alle Menschen gleich gültig sind).

Was ebenso dazu gehört: methodische Schlampigkeit, die nach Belieben zwischen Empirismus und Rationalismus hin- und her springt: Geister ablehnt, weil sie irrational sind, Gott ablehnt, weil er nicht beobachtbar ist. Mit diesern Methodik kann ich die Nichtexistenz der Farbe „Rot“ „beweisen“: alle, die Rot sehen, sind entweder einem Sinnesirrtum unterlegen – oder aber neigen zu einer Geistesschwäche, die ihnen den Glauben an die Existenz von „Rot“ vorgaukelt … jenen, die nicht zu übermenschlich sind wie wir, die wir ja wissen, dass es „Rot“ nicht gibt und deshalb mit guten Recht alle „Rotgläubigen“ verfolgen dürfen.

Ich will auch gar keine detallierte Auseinandersetzung mit den Gwupies starten – dazu fehlt es denen an erkenntnistheoretischem Niveau, sie bewegen sich da eher in den engen Grenzen einer Sekte (und damit im Reich des willkürlichen „Glaubens“ – was ja „Aussteiger“ dieser Kampforganisation schon beschrieben haben (siehe Zeit), außerdem wird das mein geschätzter Kollege Parkwächter schon in angemessener Schärfe erledigen- ich will hier keine Themen klauen.

Mir liegen mehr die Opfer am Herzen, die in den Käfigen moderner Inquisition harren.

Wir haben dazu jetzt einen Grundkurs Erkenntnistheorie absolviert: jener wissenschaftlichen Disziplin, die beschreibt, dass wir uns „Wahrheiten“ mit unseren beschränkten biologischen Möglichkeiten nur annähern können, sie aber nie völlig zu erfassen vermögen.

Wir stehen da jetzt ziemlich blöde da – so ganz ohne Wahrheit.

Dafür haben wir allerdings in der Philosophie auch eine Perspektive, die seit Jahrtausenden oft auch zerredet wird: den „Utiliarismus“ … bzw. den Aspekt der „Nützlichkeit“. Ich mache es einfach: da wir keine absoluten Wahrheiten formulieren können, sollten wir uns jene frei wählen können, die uns – also der Menschheit insgesamt – am Nützlichsten ist. Wir müssen hier konsequent die ganze Menschheit als Wahrheitsschaffer ins Auge fassen – nicht einzelne Sekten wie den Materialismus, den Faschismus oder den Kapitalismus … um mal drei dunkle, inquisitorisch arbeitende Sekten zu nennen.

Was ist also nützlicher? Die Annahme der Existenz einer ewigen Seele, die all´ ihre Erfahrungen in ein unbekanntes Land mit sich nimmt … oder aber die Botschaft von Materialismus, Faschismus und Kapitalismus, dass Sie eigentlich nur ein Haufen geistloser Dreck sind, der – außer einem Nutzen für die Arbeitsfaulheit der aristokratischen Gauleiterkaste – keine Existenzberechtigung hat und nach Belieben ausgelöscht werden darf?

Merken Sie nun, welche revolutionären Dimensionen der Begriff „freie Wahl“ wirklich hat? Und welche – im düstersten Sinne katholische bzw. diabolische – Dimension wir bei den lustigen Kasperlen von Gwup beobachten können, die durch ihre unsozialen (besser gesagt: schmutzigen politischen) Methoden der politischen Auseinandersetzung billigend in Kauf nehmen, dass Menschen sich vor lauter Verzweiflung in den Tod stürzen – Methoden, die eben weit von dem entfernt sind, was wir als „Liebe“ kennen und als verständnisgenerierendes Moment schätzen und eher im Gegenteil – im Hass – verortbar sind, wo man viele Menschen findet, die in ihrem Leben nie Liebe erfahren durften. Nun – es heißt nicht umsonst seit Jahrtausenden: „an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“.

Wenn Sie es wollen: ja, dann lebt Ihre Seele ewig und führt sie in ein Universum der Liebe. Und – in der Tat sieht es so aus (würde jetzt zu weit führen) – dass der Besitz einer liebevollen Seele den Übergang in andere Seinsformate („Leben“ würde ich das erstmal nicht nennen) deutlich erleichtert – und vielleicht (momentan noch reine Spekulation auf geringer Datenbasis) sogar Bedingung ist, dass die Existenzberechtigung dieser Seele verlängert wird. Auch diese Wahrheit können Sie bis zum Beweis des Gegenteils ganz wissenschaftlich fundiert für sich in Anspruch nehmen: irren Sie, werden Sie keine Sekunde Zeit haben, sich zu ärgern. Aber das Leben vorher – wird intensiver, gelassener, angstfreier … und vielleicht sogar revolutionärer.

Sie dürfen natürlich auch in dem engen Gwup-Käfig bleiben, einer Welt ohne Liebe, Wunder, Zauber und Ewigkeit: auch das ist Ihre freie Wahl: aber eben auch ihre eigene Verantwortung: wenn Sie gerne ein Haufen toter, lieb- und lebloser Dreck sind – nur zu. Das dürfen Sie!

Allerdings möchte ich Sie gleich vorwarnen: Sie sind dann auch weit entfernt von dem, was Menschen Glück nennen – und wahrscheinlich anfällig für Masochismus und Sadismus. In diesen beschränkten Räumen können Sie auch eine – schmerzhafte – Unterform von Glück erfahren: für einen kurzen Moment eine gewisse Entlastung erfahren, die als solche schon etwas fröhlicher macht: so als würde ein Verdurstender einen Schluck Urin zu sich nehmen dürfen.

Ihre Kokurrenz hingegen … schwimmt in klaren Gebirgsseen.

Auf ewig … getrübt nur durch einen kurzen, winzig kleinen Moment irdischer Existenz. Ich wüßte wohl, was ich da wählen würde.

Dass die dunklen Kulte mit ihren dunklen Matschgöttern momentan viel Macht haben, sollte uns nicht irritieren: es gehört zur Welt dazu, dass das Wetter manchmal schlecht ist und Eiswinde uns herausfordern. Diese Kulte stören jene nicht, die empirisch mit Geistern tanzen … oder rational mit Göttern singen.

Nur jene, die sich ihren Geist von den schmutzigen, unwissenschaftlichen Kultisten besudeln lassen: jenen verhagelt die Dunkelheit das Gemüt, macht sie zu passivem Wahl- und Konsumvieh … das so viele brauchen, um ihrer Gier frönen zu können. Jene sollten aber wissen dürfen …. dass es auch anders geht … und dass es einen guten Grund gibt, weshalb sich hochpolitische Menschen wie John Perkins (Bekenntnisse eines Economic hit man) den schamanischen Traditionen als Gegenmacht zum Imperialismus zuwandten. Sein Handeln – ist hier hochgradig konsequent, anders kann man den dunklen Kulten kaum entkommen, kaum effektives „Refraiming“ betreiben.

Aber genug der Worte: beginnen wir mit dem Denken – und das ist jetzt IHR Job.

 

 

 

Das gute Leben – das gelungene Leben

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Freitag, 17.6.2016. Eifel. Gönnen wir uns heute mal eine Pause von der Politik – obwohl die Brisanz der tobenden Degeneration der demokratischen Zivilgesellschaft solche Pausen eigentlich nicht erlaubt. Da werden sozial gesinnte Politiker auf offener Straße erschossen, da werden Massenmorde an Anderslebenden verübt, Kriege von Demokratien vom Zaun gebrochen, in deren Folge Millionen Kinder sterben – alles Taten von Menschen, die sich selbst für bedingunglos „gut“ halten würden, wenn man sie fragen würde. Meine eigene Fragestellung für heute ist jedoch nicht die nach der Moral, nach dem moralischen Leben, sondern eher die Fragen nach dem gelungenen Leben, nach dem vollkommenen Leben, nach dem Leben, wo am am Sterbebett überzeugt sagt: „Na, das hat sich mal richtig gelohnt“.

Eine blöde Frage, ich weiß: aber Philosophen werden speziell an Universitäten zum Stellen blöder Fragen ausgebildet – bis hin zu saublöden Fragen. Wir in Deutschland haben es einfach, hier hat die Regierung angeordnet „Deutschland geht es gut“ – und somit muss sich jeder erstmal rechtfertigen, dem es nicht gut geht (siehe zum Beispiel FAZ). Ja – diesen Terror erleben wir doch alle im Alltag, wagen Sie es doch mal, auf die Frage „Wie geht´s“ nicht – wie vorgeschrieben – mit „gut“ zu antworten, sondern mit „schlecht“: Sie sind gleich ein Abtrünniger, ein Ketzer, ein Ausgestossener … und bald auch ein Arbeitsloser, weil Ihnen der „Teamgeist“ fehlt, womit heute die beständig fortschreitende Maximierung des vorauseilenden Gehorsams gemeint ist. Ach – wir sind jetzt wieder politisch geworden. Wollte ich gar nicht.

Fangen wir ganz von vorne an – mit Diogenes. Dem Diogenes von Sinope natürlich, von dem Peter Sloterdijk meinte, er hätte „die ursprüngliche Verbindung zwischen Glück, Bedürfnislosigkeit und Intelligenz“ in die Philosophie eingebracht (siehe Süddeutsche). Von diesem Diogenes kann man einiges lernen, ist er ja bekannt dadurch, dass er sehr reich war – nicht, weil er viel hatte (im Gegenteil, er suchte die Armut, wo er sie nur fand), sondern weil er Alexander (den Großen, wohlgemerkt), bat, dass er bitte aus der Sonne treten möge – obwohl der ihm gerade Millionen schenken wollte.

Nun – wir wollen uns nicht lange mit Diogenes aufhalten, der masturbierte auch in der Öffentlichkeit und lehnte die Maslow´sche Bedürfsnispyramide schon vor 2500 Jahren ab – jene Pyramdie, die wir heute so inbrünstig anbeten.

Kommen wir zu Epikur, dem wir die „Lustphilosophie“ verdanken. Bevor nun alle aufstöhnen und sagen: „Yeah, der ist cool“ lassen wir ihn lieber selbst zu Wort kommen (siehe Wikipedia)

„Daher ist die Einsicht sogar wertvoller als die Philosophie: ihr entstammen alle übrigen Tugenden, weil sie lehrt, dass es nicht möglich ist, lustvoll zu leben, ohne einsichtsvoll, vollkommen und gerecht zu leben, ebenso wenig, einsichtsvoll, vollkommen und gerecht zu leben, ohne lustvoll zu leben.“

„Einsicht“ … hat wieder etwas mit Intelligenz zu tun. Da wird allen gleich unheimlich. Geht „gutes Leben“ nur mit „Intelligenz“? Lustphilosophie hörte sich doch so gut an – „Bumsen und besoffen sein: des kleinen Mannes Sonnenschein“ – so versuchten mir einst Burschenschaftler ihre Überlegenheit über den „kleinen Mann“ zu demonstrieren, während ich ihnen die „Lust“ des Epikur nahelegte: die ganze Woche trockenes, verschimmeltes Brot essen, und dann am Wochenende ein Stück alten Käse gönnen: das ist der wahre Himmel. „Lust“ – eine lang vergessene Erkenntnis – ist steuerbar wie andere Bedürfnisse. Wirklich frei, wirklich mächtig, wirklich reich werden wir nur dann, wenn wir so stark geworden sind, dass wir die Gier bezwingen können wie Herkules den Löwen bezwang.

Hört sich sehr anstrengend an – „Spaß“ geht da doch leichter, oder? Das führt uns zu den Stoikern, die Spaß absichtlich mieden und Gelassenheit als höchstes Gut priesen. Nun – über die Kosmologie der Stoiker könnte man Romane schreiben, ich mache es lieber kurz: ihnen ging es um die Herrschaft über die „Affekte“ – weil das intensive Erleben von „Spaß“ immer auch das Erleben von „Leid“ mit sich bringt … mit gleicher Intensität. Das Erleben von „Spaß“ wird täglich rund um die Uhr auf allen Kanälen der Gegenwart gepriesen, doch verschweigt man den Preis, den man zahlen muss: Leid in jeder Form wird ebenso intensiv erlebt (das die „Spaßgesellschaft“ auch eine „Burn out“ Gesellschaft mit Schwerpunkt auf „Depressionen“ ist, belegt diese Erkenntnis hinreichend) Stoiker wie Seneca und Mark Aurel fanden das doof und erlebten, dass das Leid verschwand, wenn man sich vom Spaß abwandte, sie zogen die Stille am See dem Jubel beim Metallicakonzert vor und meinten: unterm Strich hätten sie da einen enormen Gewinn eingefahren. Marc Aurel war – nebenbei bemerkt – fast zwanzig Jahre Kaiser des römischen Imperiums (also: Ultra High Neth Worth Individual der Super-Plus-Ultra-Klasse, kurz: reichster und mächtigster Mensch des bekannten Universums) … er hätte ganz andere Möglichkeiten gehabt. Und unserer Kanzlerin – der hätte er ordentlich was erzählt über das „gut gehen“.

Doch da … kommen wir auch langsam in den Bereich der Moral. Den … wollte ich ja meiden, weil er sehr beliebig ist und für jeden Menschen verschieden, abhängig von der Lehre, die über ihn (also: den Menschen) herrscht. Der überzeugte Nationalsozialist führt ein moralisch gutes Leben, wenn er der arischen Rasse die Herrschaft über die Welt besorgt und das unwerte Leben (und vor allem seinen großen, ewigen Widersacher: den Juden) vom Angesicht des Planeten tilgt (neben den Slawen und … später … den roten, schwarzen und gelben Menschen), der überzeugte Islamist sieht das ähnlich (auch das mit den Juden), ihm reicht es aber, die Ungläubigen zu köpfen und ihre Frauen zu verkaufen, er muss nicht gleich den ganzen Planeten entvölkern: sind alle gläubig, reicht es ihm schon. Der amerikanische Geldsack gibt erst dann Ruhe, wenn jeder Dollar, Euro, Rubel, Yen und Renmimbi auf seinem Konto liegt und hält alles für gut, was diesem Ziele dient, der gute Soldat bekommt dann einen Orden und fühlt sich göttlich, wenn er möglichst viele, ihm persönlich völlig unbekannte „Feinde“ getötet hat, was wir – bei leicht geänderten Zusammenhängen – als Mord bezeichnen dürfen.

Wird kompliziert, oder? Aber warten Sie, gehen Sie noch nicht, bleiben Sie noch eine Weile: wir sind fertig mit der Philosophie.

Das Urteil, dass „gutes Leben“ völlig beliebig sei und allein vom Auge des Betrachters abhängig ist, passt zwar in eine Konsumgesellschaft, die Philosophie zum Konsumgut machen will, ist aber nicht haltbar.

Nun – da springen jetzt ganze Scharen von Staatsphilosophen auf und zücken die Degen zum Duell: will da jemand wirklich absolute Werte in unsere wertlose Welt tragen? Will da jemand unsere lange Arbeit zunichte machen, für die wir so fürstlich bezahlt werden?

Ja. Das will er – und ruft dazu nur einfache Menschen an, keine großen Philosophen. Mir geht es ja auch um das gelungene Leben einfacher Menschen, ein gelungenes Leben muss für JEDERMANN lebbar sein: nicht nur für den Zögling der Reichen, der sich in Askese übt, weil er Angst vor dem Leid hat (eine andere Definition stoischer Weltanschauung, die wir auch im Buddhismus finden). Es geht nicht um die Befolgung möglichst vieler moralischer Ansprüche der Umwelt, sondern darum, am Sterbebett sagen zu können: ja, das hat sich voll gelohnt.

Wir wissen genau, was dieses gute Leben ist: ein Eigenheim, einen überdurchschnittlich bezahlten Job, einen SUV „anerkannter“ Marke, zwei Kinder (Gymnasium – minimal als Klassensprecher, Fernziel Kieferchirurg oder Fachanwalt für internationales Vertragsrecht), Markenkleidung, drei Fernreisen im Jahr, ein „curved UHD“ TV (oder einen „Zeus“ von der Firma „Titan“ für eine Millione Pfund). Das jedenfalls … ist die Botschaft der Konzerne für uns, dafür predigen sie Maslows Bedürfnispyramide, die … scheitert, weil sie nicht auf alle Menschen zutrifft: der Wikinger stellte Abenteuerlust über Sicherheit, der Künstler pfeift auf Essen, Schlafen, Trinken, wenn nur das Werk gedeiht, der Mönch meidet Wertschätzung und Anerkennung, weil sie nur die Eitelkeit fördern und einen von Gott entfremden – wie wollen wir eine „Psychologie“ ernst nehmen, die nur auf einen kleinen Teil von künstlich gezüchteten Konsumzombies zutrifft – nicht aber auf den Menschen an sich. Wären wir alle Maslowzombies … wir würden heute noch auf den Bäumen sitzen, weil unser Sicherheitsbedürfnis uns den Boden fürchten läßt, wo der Löwe haust.

Was aber viel schlimmer ist: dieses Leben, das uns die „Werbung“ (und – seit einiger Zeit – sehr raffiniert die unsichtbaren Kohorten der „Unternehmensberater“, die zunehmen am Umbau der Gesellschaft arbeiten) predigt … das ist DEREN Leben – nicht Ihres. Leben Sie dieses Leben – dann haben Sie gar keins. Sicher, Sie können sich im Gefühl (klitzekleiner) Macht baden: jeder Quadratzentimeter ihres Gartens ist IHREM WILLEN unterworfen, alles wächst nur dort, wo Sie es erlauben, ebenso definieren Sie jeden Quadratzentimeter ihres eigenen Heims selber – ihr eigener Tempel soll dies sein, dort, wo Sie sich selbst anbeten und verehren, begeistert sind von dem, was Sie alles an Ansprüchen anderer erfüllt haben … denn, ehrlich gesagt, machen Sie nichts anderes, auch wenn Sie noch so toll konsumieren, ein Haus – innen wie außen rosa gestrichen, voller rosa Blüten im Garten – werden Sie nicht durchsetzen können … um nur mal ein Beispiel zu nennen.

Ja, das ist das „gute Leben“ der Frau Merkel und ihrer reichen Freunde: die Freiheit, allen Ansprüchen zu genügen, die die Wirtschaft durch die Politik an Sie stellt. Leben Sie dieses Leben und ich verspreche Ihnen: die Angst vor dem Tod wird von Jahr zu Jahr panischere, wahnhaftere Züge annehmen … einfach, weil das nicht IHR LEBEN IST!

Jetzt denken Sie sicher: „Pass auf, jetzt kommt der auch noch mit Gott“.

Nein. Damit komme ich nicht. Ein gelungenes Leben sollte auch für Atheisten lebbar sein. Ich komme Ihnen mit etwas ganz anderem: der materialistischen Naturwissenschaft, die wir als Gottersatz anbeten und klaglos als Religionsersatzstoff akzeptiert haben, weil es so vorgeschrieben wurde.

Der Mensch ist demnach … Körper samt Funktion. Richtig? Gut, denn mehr … brauchen wir nicht.

Dieser Körper ist von der Natur speziell geschaffen worden (nein: hier ist „Natur“ noch nicht „Gott“, sondern nur eine Umschreibung für Prozesse, die nicht der menschlichen Steuerung unterliegen), um sich nahtlos in die vorgefertigte Umwelt einfügen zu können. Ebenso sind seine Sinne von der Natur geschaffen worden, um in ihr optimal leben zu können: Klang, Gerüche, Licht, Druck – alles sinnvolle Elemente menschlichen Seins. Kinder benutzen sie optimal, erst später wird unser Geist in der „Matrix“ der Erwachsenen eingefangen – während hingegen Naturvölker noch voller kindlicher Freude sind (Freude – nicht „Spaß“ … der auch sehr dunkel werden kann, wenn er sich an Schmerz und Qual ergötzt).

„Schön“ finden wir das, was natürlich ist: das hatte die Wissenschaft schon vor Jahrzehnten erkannt – deshalb fing man an, die Krankenhäuser bunt anzumalen. Die weißen Flächen waren unnatürlich (es war nie das Weiß der Blüten oder des frisch gefallenen Schnees, durch den das Erlebnis von „Licht“ noch intensiver werden kann) und machten den Geist trübe und krank, die Natur hat unser Auge so geschaffen, dass es den wogenden Blätterwald schön findet, den hellen, gelben Sonnenschein, das tiefe Blau des ruhigen Sees, den frischen Duft des blühenden Mai – weshalb wir diese Orte im „Urlaub“ aufsuchen und nicht etwa in Gelsenkirchen, Bottrop oder Bielefeld zu finden sind.

Was merken wir – ganz ohne Moral, ohne hohe Intelligenz, ohne Verstand – das „Tier“ Mensch ist für den Wald geschaffen – bzw. für das Leben in der Natur. Das ist artgerecht. Also ist der der „Gewinner“, der die größte Zeit seines Lebens in freier Natur verbringen kann, denn für dieses Leben ist der Mensch geschaffen worden. Den Mangel an Fell, Klauen, Muskeln können wir durch „Hirn“ gut ausgleichen, schnell ist eine Hütte gebaut, das Feuer geschürt, der Speer geschärft – das reicht an Sicherheit. Wir brauchen … Wärme, Wasser, Nahrung – in dieser Reihenfolge. Und Gemeinschaft, falls wir uns mal bei der Jagd ein Bein brechen und drei Wochen lang nicht zur Wasserstelle kommen oder Brennholz besorgen können: wir können drei Tage ohne Wasser auskommen … aber nur einen Tag ohne Wärme. Ja, hat mich auch überrascht, habe ich beim Survialtraining gelernt.

Das gelungene Leben der biologischen Entität „Mensch“ ist jenes, welches der Mensch aus freien Stücken seit Jahrtausenden wählt: das Leben mit seinem „Stamm“ unter freiem Himmel, dort finden seine Sinne den meisten Genuss, weil sie dort jene Umwelt finden, an die sie sich optimal angepasst haben. Das Leben mit Anzug und Krawatte im kalten, nüchternen Büro unter dem Neonhimmel der Industrieleuchten … kann nie gelungen sein, egal wie viel Sondermüll wir als Ausgleich dafür erhalten. Sondermüll? Ja – unser Elektroschrott, mit dem wir unseren Selbstherrlichkeitstempel garnieren, ist so hochgiftig wie unser Auto, das an sich nur Sondermüll auf vier Rädern ist (wir berichteten), mal abgesehen davon, dass jede Form von „Eigenheim“ ein Höchstmaß an Energieverbrauch und Landfraß darstellt. Jenes Leben, das unsere Industriepolitiker als „gut“ beschreiben, ist umso besser, je größer der Schaden ist, den es an unsere Umwelt (dem einzigen Aspekt des Universums, den wir gerechterweise als „Gott“ akzeptieren können … und müssen, wenn wir als Art überleben wollen) anrichtet – so lautet die einfache, nüchterne Formel, mit der sich unsere Gegenwart beschreiben läßt. Wir beschreiben das natürlich anders, so wie auch kein Soldat sich selbst als Mörder bezeichnen würde – und kein Faschist sich als Verbrecher.

Kurz gefasst: nackig am sonnigen Strand (damit die Sonne möglichst viel Haut erwärmt und der sanfte Wind möglichst viel Haut streicheln kann), funkelndes Licht auf tanzenden Wellen, eine frische Brise Meeresluft in der Nase, warme Sand oder feuchtes Gras unter den Füßen, das seichte Rauschen der Blätter im Ohr, frische Früchte zur Speise – das ist gelungenes Leben, gutes Leben, echtes Leben. Nicht aus Gründen der Moral, sondern aus Gründen unserer … biologischen Ausstattung. Nennen wir dies „gut“ (weil es uns einfach „gut tut“), so haben wir auch eine Vorstellung von … „böse“.

Wieviel Ressourcen brauchen wir für „gutes Leben“? Ganz ganz wenig. Ist noch genug für fünf weitere Milliarden Menschen da. Und wieviel für das, was die Industriepolitiker für „gut“ erklären? Unendlich viele, aktuell mehr, als der ganze Planet zur Verfügung stellen kann – was, ehrlich gesagt, ziemlich dumm ist, obwohl wir doch angeblich so vernünftige Wesen sind.

Der Gipfel echten menschlichen Reichtums findet sich also … bei den Naturvölkern, die mir ihren von der Natur geschaffenen Körpern in der opitmalen Umgebung und der Fülle des Lebens selbst leben. Wem da gleich schaudert, weil die kein Fernsehen haben: wir sind denen nicht so fremd, wenn wir uns anschauen, welche Ort wir aufsuchen, wenn wir „frei“ haben … was selten genug ist und worüber sich in einer sich als „frei“ verstehenden Gesellschaft viel zu wenige wundern. Und die Natur selbst bietet eine Bild- und Tonqualität, die weit über Ultra-Super-Extra HD liegt und sogar Dolby-Sorround-Sound mit Bassreflexboxen weit übertrifft.

Leben Sie ein solches Leben, so können Sie ein Gefühl erfahren, dass unsere Gesellschaft Ihnen nicht mehr bieten kann (aber zum Beispiel dem alttestamentarischen Menschen noch sehr bewusst war, wie viele Textstellen belegen): Sie können satt am Leben werden – lebenssatt, ein Begriff, der schon unglaublich fremd für uns geworden sind, weil wir nur Ersatzstoffe konsumieren, nicht aber das echte, wahre Leben.  Und wer satt des Lebens ist … kann ruhig sterben.

Wer aber ruhig sterben kann … hat wohl ein gelungenes Leben gelebt.

Oder irre ich da?

Und wieder – sind wir in der Politik … also der Frage danach, welche Entscheidungen wir für unsere Zukunft treffen sollen.

Die Antwort darauf ist einfach: so leben, wie es unseren Körpern gemäß ist. Alles andere … führt zu Ungemach. Bis hin zu Weltkrieg und Völkermord. Schauen wir aber auf das, wo wir leben, wie wir leben, so müssen wir leider eingestehen: die Rahmenbedingungen für ein gutes Leben sind gerade äußerst schlecht. Ob wir hier Adorno folgen wollen, wonach ein „gutes Leben im schlechten“ (oder ein richtiges Leben im falschen) nicht möglich ist?

Wollen wir dem Adorno lieber sagen: „Widerstand ist machbar, Herr Nachbar!“.

Und er kann mit der einfachen Forderung nach einem Leben beginnen, welches unsere sinnlichen Ausstattung angemessen ist – weit ab von Lärm, Gestank, Hässlichkeit und Unmenschlichkeit der modernen Zivilisation – wobei ich vermute, dass der Lärm, der Gestank, die Hässlichkeit und die Hektik viel zur Unmenschlichkeit beitragen … und auch zu dem für die Umwelt tödlichen Wunsch, sich eine eigene kleine, heile Selbstversorgereigenheimwelt mit staatlich subventionierten Sonnenkollektoren und Biogarten zu erschaffen.

Wem dies zu düster ist, dem sei als Trost gesagt: die größte Stärke des Menschen ist, sich allen widrigen Lebensumständen anpassen und selbst in kältesten Eiszeiten Oasen des Lebens schaffen zu können.

Mehr – ist aktuell nicht drin. Aber schon das ist ziemlich viel – und besser als alles, was die Staatsphilosophen der Industrieregierung zu bieten haben.

 

 

 

 

 

Steve Geshwister – ein Nachruf. Für Millionen. Und Künstler in Deutschland

SteveGeshwister Hinschmeissfliege

SteveGeshwister Hinschmeissfliege

Montag, 6.6.2016. Eifel. Es gilt wieder, einen Nachruf zu verfassen. Ob jemand gestorben ist? Das weiß ich nicht. Kann es auch nicht ausschließen. In meinen Augen jedoch: ja. Bleiben wir doch mal beim Thema: Tod. Eins der Tabuthemen unserer Gesellschaft, eins, zu dem ich keine Lust mehr habe, etwas zu schreiben: zu dicht sind im Jahre 2016 die Informationen über „Nahtodeserlebnisse“, zu übereinstimmend und mit hochkarätigen Zeugen besetzt, als dass ich noch Laune hätte, mir dieses „danach kommt ganz sicher nichts“ noch länger anzuhören – es wäre so, als würde man mir verkaufen wollen, dass die Erde eine Scheibe ist. Natürlich ist dies ein politisches Tabu: wer die Überzeugung hat, dass seine Seele ewig währt (und Verantwortung für ihre Taten übernehmen muss – wenn auch nur vor sich selbst, aber nach Maßstäben, die man selbst nicht setzt), kann schnell dazu führen, dass man seinen Leib auch mal für „Widerstand“ einsetzt anstatt dem üblichen „friss Steaks und Hummer, solange du noch kannst“ zu folgen.

Diese Überzeugungen sind so alt wie die Menschheit selbst (so gut wie wir das heute eben nur sagen können) und oft missbraucht für totale Herrschaftsausübung (wie so viele andere Anschauungen auch: wie viele Verbrechen werden allein gerade im Namen der „Freiheit“ durchgeführt – wodurch jedoch die Freiheit als solche nicht schlecht wird und Zwang nicht gut), es ist nur eine winzige Minderheit im Kosmos des Menschseins, die der aktuell modernen Religion des Nichts folgt – die gleiche Minderheit behauptet auch, dass wir – auf einem sehr, sehr jungen Planeten weit ab vom lichtvollen Zentrum der Galaxis lebend – die einzige mit Intelligenz begabte Art des Universums seien, ohne zu realisieren, dass eine Art, die ihren eigenen Planeten vergiftet, genug Atombomben hat, um ihn 200 Mal zu verwüsten und den ganzen Tag damit beschäftigt ist, sich selbst das Leben schwer zu machen, auf der Skala galaktischer Intelligenz weit unter dem Komodowaran steht – und deshalb nicht mit intergalaktischem Botschafteraustausch rechnen darf.

Obwohl die Fortexistenz von „Bewusstsein“ (aber nicht im Sinne des kleinlichen „Ich“ verstanden, das sich so gut auf Börsenoperationen, Steuervermeidung, Sanktionen und andere Angriffskriege versteht) in nahezu allen Kulturen vorhanden war – auch in den allerältesten, die noch mehr dem Instinkt als der Verführung folgten – mochten alle den Tod nicht sehr. Einerseits ist der Prozess des „Sterbens“ nicht angenehm: Millionen von Zellen schütten Botenstoffe aus, die den Geist betrüben – ihr Ende ist gewiss und sie erfüllen ihr Programm, den Geist zu warnen, dass Gefahr droht. Ihnen fehlt das Bewusstsein der Sterblichkeit, sie machen ihren normalen Job bis zum Ende und senden häßliche Impulse, wenn das Überleben in Gefahr ist. Es gibt aber noch mehr, was die Altvorderen stört – obwohl sie in dem Bewusstsein lebten, ewig zu sein – und in dem Bewusstsein, dass dort die „Ewigen Jagdgründe“ auf einen warten – erstmal, als Kur, zur Erhohlung.

Was sie noch störte: die Abwesenheit eines geliebten Menschen, mit dem man nicht mehr interagieren kann – es sei denn, gewitzte Schamanen durchbrechen die Mauer zwischen den Welten, um ein paar Worte auszutauschen (wovor oft gewarnt wurde … wegen „Nebenwirkungen“) … was aber für das Erleben einfach nicht dassselbe ist. Es ist der kleine Tod – den ich selbst jedesmal empfand, wenn ich zu meinen Geschäftsreisen aufbrach und die Kinderschar im Rückspiegel kleiner werden sah: das Jahrtausende alte Recht eines Vaters, seine Kinder groß werden zu sehen, wurde mir genommen, für ein paar Tage waren wieder eiskalte Gesellen meine Gefährten, anstatt meine eigenen Kinder. Da war Trauer – auch wenn ich wusste, dass sie noch lebten … aber es fand kein Austausch mehr statt, kein Miteinander.

Das gleiche gilt für Steve Geshwister, der jetzt von uns gegangen ist. Er hat – sozusagen – die „Hinschmeißfliege“ (siehe oben) gemacht. Ob er tot ist? Nun – Steve hies nicht wirklich Steve, er hieß Jürgen (da verrate ich nichts Neues, nur ein bischen lesen und schon hat man seinen echten Namen). Und für einen solchen Jürgen, geboren 1966, fand ich eine aktuelle Todesanzeige. Der ist aber zu alt für Steve. Hoffe ich. Jürgen lebt also vielleicht noch – auch wenn er selbst genau weiß, dass „leben“ nicht die Bezeichnung ist, die man dieser Existenzform geben würde. Genau das machte ihn ja aus: den klaren Blick hinter den Lügenphrasen, einem Blick, den er in Bilder fassen konnte, Bildern wie diesem hier:

Sternbild der Hoffnung

Ja: immer noch aktuell. Die deutsche „Willkommenskultur“ läßt immer noch Menschen im Mittelmeer ertrinken – unter dem Zeichen der Flüchtlingsrettung. Gelebter Wahnsinn, unter dem ein gesunder Geist zerbrechen muss, weil großer Beifall für den Status Quo gefordert wird. „Wir helfen denen, die nicht ersaufen – und Geld genug für die Überfahrt hatten“. „Hungergames live“ – und niemanden störts – außer Steve.

Ja – Steve ist nun tot. Was Jürgen macht, weiß ich nicht. Vielleicht wieder in der Halbzeugfabrik arbeiten (siehe Nachrichtenspiegel). Er hat sich auf jeden Fall offiziell verabschiedet, wie immer in ganz feiner, liebevoller, vornehm zurückhaltender Sprache, die den feinen Geist auszeichnet, der sich selbst in aller Bescheidenheit nicht all zu sehr in den Vordergrund spielen möchte (siehe Nachrichtenspiegel):

„Oben schreibe ich von einem Auszug, doch das stimmt nicht ganz. Ich gehe einfach weg.
Eigentlich hatte ich geplant mein Konto bis zur Dispogrenze abzuräumen, bevor ich mich aus dem Staub mache. Da ist aber nichts mehr, weil mir der Kontostand immer egal war. Er ist mir egal und er wird mir egal sein. Probleme haben komischerweise immer die anderen damit. Der Vermieter zum Beispiel. Es ist die Sozialwohnungsbaugesellschaft der Stadt. Von mir aus könnte es auch irgendein Privatkapitalist sein. Es ist mir egal. Ich wende keine Lebenszeit mehr für das Verfassen einer ordentlichen Kündigung auf, es erscheint mir schlicht nicht sinnvoll. Ich verlasse einfach diesen Ort. Im Rucksack befinden sich eineinhalb Schachteln Kippen und zwölf Dosen Bier, mehr war finanziell nicht drin. Ich trage das gefälschte „England“-T-Shirt vom Vietnamesenmarkt, das vorgibt von Motörhead zu sein und dunkelbraune Cargo-Shorts, deren rechte Tasche ungewohnterweise keine Schlüssel ausbeulen, werde sie nicht brauchen. Der Sommer beginnt gerade, ich werde so schnell nicht erfrieren. Ich weiß nicht, wohin mich mein Weg führt, was mir widerfahren wird und trotzdem habe ich keine Angst. Alles was ich verlieren könnte, lasse ich zurück.
Ich überlege kurz, ob ich das Skizzenbuch und das Bündel Bleistifte, die ich bereitgelegt hatte, in den Rucksack packen soll, entscheide mich dagegen. Mir ist, wenn man es so ausdrücken möchte, die Sinnhaftigkeit bestimmter Arten menschlichen Tuns nicht mehr sehr geläufig. In einigen Augenblicken werde ich den Rechner herunterfahren, den Rucksack schultern, die knarzende Treppe heruntergehen und das Backsteinhaus, die Straße, das Viertel, die Stadt, verlassen.“

Ich selbst – hatte das viel zu spät gelesen. Bevor es darüber Gemecker gibt: ich lese ALLES. IMMER. Aber nicht alles immer sofort. Um eine Bekannte zu zitieren: „bei dem, was Du leisten musst, ist es ein Wunder, dass Du noch nicht in der Anstalt gelandet bist“. Ja: ich habe noch viele andere Baustellen als diese hier. Rechnungen, zum Beispiel. Kinder. Nachbarn. Krankheit, Ämter, Schulen. Bücher würde ich auch gerne weiterschreiben – das hat Spaß gemacht – aber ich kann nicht immer alles auf einmal machen. Und brauche viel mehr Ruhephasen als gesunde Menschen, habe trotz allem einen Textmengenausstoß, den man nur noch selten findet. Was soll ich auch machen – ich kann nichts anderes … mehr.  So kam es, dass in all´ dem Trubel (zu dem auch die Obdachlosigkeit eines mir sehr nahe stehenden Menschen gehörte) Steves Abschied erst Tage später bemerkt werden konnte … und wie er es so erzäht – brilliant geschildert wie immer – wirkt es ja auch sehr unterhaltsam, man ist geneigt, die Botschaft dahinter zu überhören … wie ernst dieser Abschied war, merkt man erst viel später, wenn man feststellt, dass alle Kommunikationskanäle gelöscht worden sind. Kein „linophil“ mehr, kein Facebook – und Mails kommen als „Error“ zurück.

Steve Geshwister ist … erloschen, samt vieler unvergleichlicher Kunstwerke.

Mich persönlich hat das sehr überrascht – trotz der mahnenden Worte, die schon lange in seinen Schriften zu finden sind. Eine seiner letzten Arbeiten war: ein Logo für den Menschenschutzbund. Ja – eine ganz alte Baustelle von mir, ein Verein, der endlich Menschenrechte mit Tierrechten gleichstellt, dem Tierschutzverein einen Menschenschutzverein an die Seite stellt. Ich weiß nicht, ob ich es verwenden darf, tue es aber einfach mal ganz frech und schiebe die Gründung des Menschenschutzbundes gedanklich wieder etwas höher auf meine „to do“-Liste – notwendig wäre er schon, sinnvoll auch – in Zeiten, wo Arbeitslose von reichen Bundestagsabgeordneten als „fauler Krüppel“ bezeichnet werden (siehe Theeuropean), wo offen über die Deportation von Arbeitslosen gesprochen wird (siehe gegenHartz), wo die „Alternative für Deutschland“ nach ersten Wahlerfolgen zeigt, dass sie gar keine Alternative ist – außer, dass sie asoziale Politik der neoliberalen Altparteien (hier – brutal viel länger arbeiten für brutal noch weniger Rente – siehe N24) mit neuem Personal durchführen möchte … um nur ein paar „Schmankerl“ zu nennen:

msbev_logo.jpg

Meine Antwort an Steve – der hier, wie so oft, sehr engagiert war – war leider nicht so schön: ich kann gerade nicht. Mir fehlt aktuell Zeit für alles. Ungern erinnere ich mich auch an meinen Vorschlag, seine Bilder mit meinen Texten zu versehen … steht auch auf der viel zu langen to do Liste, die ich jetzt wohl um ein paar Positionen streichen kann – wie die, zu überlegen, wie man den Verkauf seiner Bilder forcieren kann, denn: jetzt ist er – allen Pläne zum Trotz – völlig verschwunden. Tot – jedenfalls als Kommunikationspartner für Menschen. Vielleicht – ist er ja auch arbeiten. Ein paar Überlegungen dazu hatte er mal angestellt, hier in einem Kommentar (siehe Nachrichtenspiegel):

Bis noch vor wenigen Jahren konnte ich mit dem Begriff „innere Emigration“ nicht besonders viel anfangen. In der Auseinandersetzung mit Künstlerpersönlichkeiten, die jeweils in den Kriegsvorbereitungsjahren des ersten und zweiten Weltkriegs tätig waren, stieß ich auf diesen Ausdruck und konnte ihn für mich nicht so recht fassen. Mittlerweile weiß ich zumindest, wie sich das Bedürfnis nach eben jener inneren Emigration anfühlt.
Auch wenn von ihr besonders im Zusammenhang mit Künstlern gesprochen wird, ist sie möglicherweise ein Abwehrmechanismus größerer Bevölkerungsteile und wieder hochaktuell. Ich denke ernsthaft daran, mich auf mich selbst und meine kleine Miniwelt zurückziehen, acht bis zehn Stunden täglich zur besten Lebenszeit einem Markt anzubiedern, dessen Produkte mich einen Scheiß interessieren (und den ich sogar insgeheim verachte) und der Dinge harre, die da noch kommen mögen.
Ich fühle mich schlicht überfordert. Die Lüge hat das Ruder übernommen, machen wir uns nicht vor. Warum sollte ich dann nicht auch mitlügen? Ich hätte kein Problem damit, die einfältigen Arschgeigen anzulügen, die mithilfe der verlogenen Werbegrafik, die ich ihnen verkaufe, hoffen, auf noch dickere Hose machen zu können. Aber noch schaffe ich es nicht, mich selbst anzulügen. Große Teile der Medien- und Politiklandschaft schaffen das aber schon ganz hervorragend.

„Sich nicht selbst anzulügen“ – ist eine wichtige Voraussetzung dafür, in den „ewigen Jagdgründen“ keine großen Probleme mit sich selbst zu bekommen – ein Wissen, dass uralt ist … und als Gebot unserer ältesten Instinkte (die kann man auch „Gewissen“ nennen) jederzeit abrufbar. Untolerierbar für eine kapitalistische Leistungsgesellschaft, in der der Mensch diese innere Stimme zuerst töten muss, um eine Zeit lang erfolgreich das Geld andere Leute vermehren zu dürfen (was ziemlich idiotisch wirkt, wenn man es so formuliert).

Viele werden sich dies genau einreden: der Jürgen ist vernünftig geworden, er hat den Steve vom Markt genommen und macht wieder den Job des freien Werbezeichners, der sich gut anhört und die Seele auffrisst, so, wie wir unser aller Seele auffressen lassen im Dienste der Rendite unserer neuen Herren.

Ich sehe das nicht ganz so – denn ich sehe seine Entschlossenheit, sich nicht auffressen zu lassen, schon länger, kann sie gut nachempfinden, denn bevor mich der Segen der Krankheit ereilte (ja – ist das nicht eine kranke Welt, in der man für chronische Schmerzen dankbar sein muss, weil sie die Seele davor schützen, von „Bullshitjobs“ zerfressen zu werden, die ein sechsstelliges Jahresgehalt mit sich bringen – und den Tod der Seele vor Eintritt des Rentenalters garantieren), fühlte ich genauso. Lesen Sie es mal bitte in aller Ruhe durch: zum Beispiel den „Autostrich“ (siehe Nachrichtenspiegel), das Smaland-Syndrom (siehe Nachrichtenspiegel), das Gedicht über den Gaukler (siehe Nachrichtenspiegel) – hier findet man einen großen Geist, der sich nicht nur durch Bilder auszudrücken vermag, sondern auch die Kunst der Worte beherrscht, was man besonders in seinem Gedicht über „heilige Abende“ erfahren kann (siehe Nachrichtenspiegel), ein Gedicht, das von Christoph Holzhöfer vertont wurde.

Was ist – wenn „Steve“ nun wirklich mit zwölf Dosen Bier und anderthalb Schachteln Kippen in die weite Welt hinausgezogen ist? Er hat es so schön erzählt, so fein gesponnen, dass man die grausame Wahrheit dahinter einfach überhört: er ist obdachlos. Manche mögen das mutig finden – für mich hört sich das gefährlich an. Da draußen gibt es „Kälte“, der man nicht entkommen kann. Eine Weile vielleicht – dann droht – wenn man Glück hat – das Obdachlosenasyl. Was ist mit seiner Frau, seinem Traum von Familie? Schwer, so etwas unter der nächsten Brücke der A 8 zu leben. Wie weit kommt man eigentlich mit zwölf Dosen Bier? Einen Tag, denke ich. Vielleicht zwei. Dann sind auch die Kippen alle. Und dann … kommt auch langsam der Hunger. Schnell kann sich dann jede Abenteuerromantik in Luft auflösen.

Und doch kann es den Preis Wert sein.

Was fehlt noch an dem Nachruf? Die Wertschätzung seiner Arbeit. Ich mochte sie – so einfach ist das. Die Farben haben mich immer begeistert. Mehr braucht es nicht, um ein Künstler zu sein – Menschen, denen die Kunst gefällt. Einer reicht völlig – er hatte aber tausende. Das „Kritiker“ in erster Linie ein Abwehrreflex des Establishment sind, deren Aufgabe darin besteht, „Fremde“ von den für sie reservierten Schweinefleischtöpfen der Gesellschaft fern zu halten, dürfte Künstlern aller Fachrichtungen bekannt sein. Neu war für mich, dass „Künstler“ aktuell auf „Arbeitgeber“ abstoßend wirkt – das erfuhr ich von einem Berufsbegleiter des Arbeitsamtes, der meinen Kindern bei Bewerbungen hilft und dringend davon abriet, die aktuellen Tätigkeiten des Vaters in der Bewerbung zu erwähnen. „Lehrer“ – wurde da als besser kategorisiert, signalisiert auch einen festen Arbeitsvertrag – den ich gar nicht habe. Hätte nicht gedacht, dass ich als harmloser Blogger schon in die böse Kategorie falle.

An was erinnern wir uns als „Menschheit“ eigentlich wirklich, wenn wir an frühere Zeiten denken? Nun: Kriege. Das wird uns aber nur in der Schule beigebracht. Was überdauert aber ohne Hilfe der Staatsbeamten und Konzernbüttel?

Kunst.

Bildhauerei, Architektur, Gemälde, Lieder, Geschichten, Zeichnungen: noch heute lesen Menschen die Weisheiten der germanischen „Edda“ – während man die preisgekrönten Künstler des letzten Jahres schon nicht mehr kennt – es sei denn, ein Geldmächtiger hält ihre Botschaft auch dieses Jahr für nützlich.

Hier zermalmt der moderne Kapitalfaschismus die edelste Leistungskategorie der Menschheit, treibt sie unter die Brücke.

So wie Millionen andere auch – die einfach nur Lebenskünstler sind – oder sein müssen.

Wieso sich tausende seine Bilder angeschaut haben, aber zu wenig welche kauften, dass er in seiner bescheidenen Sozialwohnung hätte weiter existieren können, weiß ich nicht. Ich kann nur für mich sprechen – Investitionen in Kunst sind gerade in meinem Budget nicht abbildbar, hier nagen Essen, Kleidung und Strom an der Substanz … wie bei Millionen anderer auch.

Und wenn wir uns fragen, warum unsere gewaltigen Geschichtenerzähler aus Hollywood größtenteils auf uralte Geschichten zurückgreifen und schon ihre eigenen Filme von vorgestern wieder neu drehen, so haben wir hier eine Antwort: unser Goethe, unser Shakespeare, unser Beethoven, unser van Gogh, unser Schopenhauer und unser Dali – lebt von Hartz IV oder … wie Steve … auf der Straße. Dort kann man nur schwer Werke leisten, die von Dauer sind, der „soziale Tod“ ist nicht förderlich für die Kreativität.

Das gleiche gilt auch … für „Brotjobs“, die gerade jenen Geist fressen, zu dessen Entfaltung wir auf die Welt gekommen sind.

PS: eine aktuelle Übersetzung des Wortes „Grippel“ kann auch ich nicht liefern, habe mich deshalb – wie andere auch – für das naheligende lautähnliche Wort „Krüppel“ entschieden, weil es der Intention der Rede entspricht. Nur, falls es dazu Fragen gibt.

Star Wars … das Ende der Macht

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Montag, 11.1.2016. Eifel. Lang ist´s her, dass ein junger Eifelphilosoph ins Kino ging – nur um Zeit zu überbrücken – und sich einem seltsamen Machwerk gegenüber sah: „Star Wars“ hies der Film. Um Gottes Willen, dachte ich – damals noch strenger Atheist – was ist das für ein Schund. Dabei war ich doch gerade so begeistert von der Entfaltung der demokratischen Zivilgesellschaft, die ich erleben durfte: wohin man schaute bildeten sich Bürgerinitiativen zu allen erdenkbaren Zwecken: die Republik hatte endlich das dunkle Imperium und seine Diener hinter sich gelassen, erprobte neue Arten des Zusammenlebens, neue Arten der Gestaltung der politischen Mitwirkung und neue Perpektiven der Lebensqualität … und dann das. Ein Märchen. Dann auch noch eins mit sehr bekannten, altehrwürdigen Schauspielern – aber sonst? Was hatte das mit Science Fiction zu tun? Sicher – positiv zu bemerken war: endlich sah auch in der Zukunft alles gebraucht aus – in der Zukunft, oder in einer längst vergangenen Zeit weit weit weg, was im Prinzip noch phantastischer war. Aber sonst? Die Raumschiffe machten lauten Krach im luftleeren Universum – man war erinnert an Filme aus den dreißiger Jahren, wo Realitäten noch jenseits der Physik spielten. Und dann die faschistische Symbolik: manche „Sturmtruppen“ trugen schlechte Kopien des Nazi-deutschen Mg 34, Darth Vader trug einen modifizierten deutschen Stahlhelm, seine Offiziere Uniformen, für die die Uniformen der Wehrmacht Pate gestanden hatten – oder die von Hugo Boss entworfenen SS-Trachten. Ansonsten: eine Prinzessin, ein alter Zauberer, ein Strahlemannheld, als böser Drache ein fieser Kunstmond – nach Jahrzehnten der Aufklärung waren Grimms Märchen wiedererstanden.

Ein Film, den man schnell vergessen sollte. War peinlich, in ihm gesehen zu werden.

Nur … er berührte die Herzen der Menschen. Ich verstand nicht, warum. Was ist eigentlich an einem blöden Märchen dran, dass die Menschen so faszinierte, dass man sogar Fortsetzungen drehte? Drehten alle wieder durch?

Nun – ich wurde älter, lernte dazu: vor allem jene Erkenntnis, dass Atheismus Urteile fällt, zu denen der Mensch gar nicht in der Lage ist – was prinzipiell auf ein Dogma hinweist … welches sich mit der Liebe zur Weisheit, der Philosophie, nicht vereinbaren läßt. Ich fing an, das Phänomen „Religion“ zu studieren, weil ich es nicht verstand … und näherte mich ihm von einer Seite mit großer Bodenhaftung: durch Märchen. Jung und Naiv wie ich war, dachte ich: ich fange mit den kleinen Göttern an, mit Elfen, Gnomen und Zwergen – und geriet prompt in eine wissenschaftlich abgesicherte Welt, in der diese Gestalten erlebbare Realität waren …. jedenfalls für ethnologische Feldforscher in Afrika. Es war die Zeit, als sich die Philosophie mit dem „Irrationalen“ auseinandersetzte – etwas, dass vom Imperium heute verboten wird, obwohl seine Führer und Trainer gerne darauf zurückgreifen.

Es war ein Hinweis darauf, dass sich unsere Gesellschaft ebenfalls ihre Mythen und Märchen schafft (bezog sich speziell auf die Beatles), der mich zurück zu George Lukas und seinen Märchen brachte … und zu der Erkenntnis, dass dieses Märchen aus einer gewissen Perspektive brandaktuell war. Während der Beschäftigung mit den „kleinen Geistern“ – auf dem Weg zum „Großen Geist“ – hatte ich mich in die „kleinen Religionen“ verliebt: die Religionen der einfachen Menschen, der Indianer, Schamanen und alten Tibetaner, der Griechen und Germanen, der Ägypter und Sumerer – kurzum in die Welt der Mythologie, jenen Geschichten, die so viel älter waren als die modernen Weltreligionen, die sich hemmungslos ihrer Erfahrungen und Weisheit bedienten. Ich merkte, dass unsere Art die Welt zu sehen – die moderne, angeblich aufgeklärte – eine sehr isolierte und in der Menschheitsgeschichte erstmalig vorgekommene Theorie war, eine, die aus der Sicht des Mythenforschers finsterste Mythen wahr werden ließ – als ob alle die Werke des Horrorautors Howard Phillip Lovecraft gelesen hätten und aus seinen finstersten Gottheiten den großen Urschlamm samt dem wahnsinnigen Zufall schufen, Begriffe, die im System des Atheismus die Position und Wirkung von Göttern eingenommen hatten. Es waren aber häßliche Götter – so häßlich und vernichtend wie das, was sie in der Welt anrichteten.

Auf einmal war ich wieder mitten drin in Star Wars, denn die Welt des Imperiums war unsere Welt, die Welt der Hierarchien und angeordenten Wahrheiten, der Einförmigkeit und Uniformität, die alle Herrschenden anstrebten, um den Überblick bewahren zu können. Es war das Geheimnis hinter allen Mythen und Märchen, dass sie große Geschichten durch die Zeiten transportierten – manchmal auch große Geschichten aus der Politik, die man aus Angst vor Verfolgung anders nicht erzählen konnte. Als Umweltaktivist nahm ich auch schon wahr, dass das Imperium (wir würden heute – im Sinne von Podemos – „die Kaste“ sagen) seine Versprechungen nicht wahr machte – im Gegenteil: die Umwelt wurde großflächig im Dienste der Technik vernichtet, wir sägten massiv an dem Baum, auf dem wir saßen.

Ich nahm wahr, dass die „Jedi-Ritter“ Vorfahren in der Welt der Sagen und Legenden hatten – und in der realen Welt des Schamanismus. Sie – diese keuschen Kriegermönche – erinnerten an die Dorfschamanen, die es weltweit gab – in verschiedenster Ausprägung. Ich denke: die Menschen … besser gesagt: ihr Instinkt … wurde von diesen Bildern angesprochen und man erinnerte sich an Zeiten, in denen die Welt für das Gemüt noch Heil war, in der „böse Geister“ für alles Unheil verantwortlich war …. und nicht der schlechte Mensch oder die böse Welt. Und gegen die bösen Geister, die Krankheit, Streitsucht, Krieg, Drogenmissbrauch und Lügen in die Welt brachten, gab es von der Natur selbst auserwählte Menschen, die als Heiler, Seher, Lehrer oder Geistkrieger mit den bösen Geistern rangen, sie vertrieben und so Heilung brachten – Jesus Christus war auch so einer. Star Wars – die Erinnerung an eine heile Welt, an eine Welt, die noch nicht aus den Fugen geraten war.

Warum heil? Nun – das Böse lag damals außerhalb des Menschen. War der böse Geist fort, der zu Missetaten anstiftete, konnte der Mensch wieder in der Gemeinschaft leben – man führte Krieg gegen böse Geister, nicht gegen böse Menschen. Heute ist das anders – und wir sehen an unseren Kriegen, welchen Preis wir dafür zahlen müssen. Und noch ein alter Traum steckte dahinter: der Traum vom guten König, der Traum von König Artus, der Traum der alten griechischen Philosophie, dass weltliche Macht mit Weisheit ausgeführt werden sollte – und nicht nur mit Effizienz und Gewalt.

Die Star Wars Saga wurde weiter erzählt, der böse Lord überwand die bösen Geister in sich selbst, rettete seinen Sohn und vernichtete den Imperator, die Republik konnte wieder erstarken, alles war gut.

Und dann änderte sich die Geschichte, ging weit in die Vergangenheit … und politisch präziser an die Gegenwart. Drei Spielfilme und gut hundert Zeichentrickfolgen lang wurde die Geschichte erzählt, wie die alte Republik durch böse Kräfte verändert wurde, wie aus einem kleinen, lieben Jungen ein böser, finsterer Lord wurde – durch Leid, Schmerz und Demütigungen. Ein kleines, menschliches Lehrstück, wie Menschen böse werden können – ohne ursächlich böse zu sein. Doch die Hintergrundgeschichte … entsprach der Zeit.

Die Republik – ein Bild der Gesellschaft des ewigen Friedens, der planetaren Zivilgesellschaft, die keine stehenden Heere kennt – wird von Konzernen zerstört. Bankenclan, Technologieunion, Handelsgilde haben sich verschworen, den demokratischen Zirkus zu beenden, der Kunden einfach zu viel Macht gab: große Geschäfte wurden versprochen … von dem, der später Imperator werden sollte. „Machtergreifung“ ist das Thema, ohne große Zaubertricks – aber durch viele Intrigen, Hinterhältigkeiten und ausgeklügelten Winkelzüge erobert sich eine einzelne Gestalt – unbemerkt von allen – die absolute Macht im Staate und rottet durch eine finstere Verschwörung mit einem Schlag alle Jedi-Schamanen aus, die so lange über den Frieden wachten. Doch nicht nur das: das Wissen um „die Macht“ (wir würden modern sagen: die Transzendenz … oder die Heiligkeit der Welt) wird ebenfalls ausgerottet. Die Welt … wird Maschine.

Wir kennen das – es ist unser Alltag. Auch unsere Schamanen wurden ausgerottet – bzw. ihre Kultur, weltweit. Wer von ihnen spricht – wie ich derzeit von den aktiven „Gesundbetern“ in der Eifel – wird massiv angegangen, weil er gegen die Ordnung verstößt. Anstelle einer kunterbunten, lebendigen Tradition des ewigen Lebens ist eine einförmige Kultur des ewigen Todes getreten, ein dunkler Kult. „Ewiger Tod“? Ja: das ist die Quintessenz des modernen Materialismus: auf ein kurzes Leben folgt ein ewiger Tod – die düsterste Vorstellung der Menschheitsgeschichte, durchgeboxt mit großer verbaler Gewalt … unter Ignoranz so mancher Fakten aus dem medizinischen Bereich.

Das war nun eine lange Vorrede, eine (viel zu kurze) Einführung in die mythischen Dimensionen eines modernen Märchens, das gar nicht so künstlich war, wie es erst erschien (siehe Star Wars):

„Genauso wie sich George Lucas bei der Entwicklung seines modernen Märchens bei einer Vielzahl antiker Quellen bedient hat, weist sein Einsatz gleich mehrerer Arten von Parallelismus darauf hin, dass er sich auch für die Struktur (oder Form) seiner Saga bei den Urahnen umgesehen hat.“

Doch jener George Lukas, der uns ein modernes Märchen erzählt hat, das uns half, uns als lebendige Wesen in einer modernen aber recht toten Welt zurecht zu finden, einem Märchen, das unserem Gemüt eine neue Hoffnung geben sollte, hat sein eigenes Imperium verkauft …. und es Disney gegeben, einem jener Konzerne, die … sagen wir mal: in Verdacht stehen, der Republik nicht wohlgesonnen zu sein – wie alle Konzerne. Was macht also der Konzern mit jenem Mythos, der über vier Jahrzehnte viele Menschen auf einen Pfad führte, der sie träumen ließ, dass es in der Wirklichkeit mehr Realitäten gibt als die Schulweisheit sich träumen läßt?

Als Teil des Imperiums verhält er sich auftragsgemäß und zerstört den Mythos.

Es hätte viele Möglichkeiten gegeben – und diese wurden von vielen freien Autoren auch genutzt – die Geschichte weiter zu erzählen: spannend, abenteuerlich, motivierend. Doch Disney wählte einen anderen Weg, der sich eher im Hintergrund abspielt … und jede Hoffnung vernichtet.

Der Film heißt „Das Erwachen der Macht“ – doch erzählt er eher das Ende der Macht. Nachdem man sechs Spielfilme lang mit dem Bösen gerungen und es niedergeworfen hat, ist es auf einmal wieder da: als unmenschliche Horrorgestalt auf einem riesigen Thron. „Widerstand ist zwecklos“ – so die Botschaft. Das Böse kommt immer wieder, es ist sinnlos, es zu bekämpfen – besser man arrangiert sich. Das erfährt auch der alte Held „Han Solo“, dessen Sohn ein Bösewicht geworden ist, der seinen rebellischen Vater ermordet. Das hat er nun davon, der alte Rebell. Es fehlt jede innere Logik – die zuvor so fein bedacht worden war – wo denn das Böse jetzt wieder herkommt. Musste es sich zuvor mühsam entwickeln, ist es jetzt einfach wieder da – ausgestattet mit einem ganzen Todesplaneten (wo vorher ein kleiner Mond reichte), der zwar auch zerstört wird, aber zuvor mit einem einzigen Schuss die ganze lästige Idee von einer Republik des ewigen Friedens zerstört. Ebenso schleichend die Botschaft, dass es gerade die mythischen Spinner sind, die das Böse lebendig halten: der neue böse Schüler der dunklen Seite wurde vom Helden der ersten Filme ausgebildet – einem Helden, der sich enttäuscht von der Welt und sich selbst zurückgezogen hat. Das hat er nun davon, der alte Rebell, dessen Schwester (bzw. „magischer“ Zwilling) immer noch in leitender Position für den Widerstand arbeitet (so, als wäre nichts geschehen) aber Mutter des neuen bösen Stahlhelmträgers, der „Exekutive“ der unbekannten Horrorgestalt ist.

Politische Paralellen zu unsere Welt? Gar keine mehr. Der erfolgreichste Film aller Zeiten vernichtet den Zauber der alten Filme, wird von einem sinngebenden Mythos zu albernem Klamauk und kunterbuntem Spektakel, das … „die Marke pflegt“. Das ist ganz im Sinne der „allgemeinen Kritik“, die beschlossen hatte, dass „Star-Wars-Fans“ geistig krank seien (bzw. einer Gehirnwäsche unterzogen wurden … siehe „Welt“): „gut aussehen und coole Dinge tun“ (so eine US-Moderatorin im zitierten Welt-Artikel) ist angesagt anstatt sich über die Machtergreifung der Konzerne, die Transzendenz der menschlichen Existenz oder „das Gute“, den Frieden und politische Intrigen Gedanken zu machen (dass dieses Subjekt der „Generation Doof“ Morddrohungen für ihre Aussagen bekam, kann ich nicht gut heißen – aber nachvollziehen: da sind Menschen sehr verletzt worden, die nach dem Guten streben – und einer besseren Welt; sowas ist aber nicht gern gesehen heutzutage).

Nun – George Lukas gefiel es auch nicht … war es doch auch einfach ein billiger Abklatsch einer zuvor schon billigen Geschichte (siehe Spiegel), doch nur einen Tag später entschuldigte er sich beim Imperium (siehe Spiegel): vielleicht war ihm klar geworden, mit wem er sich da gerade anlegte.

Auch wenn man die alten Geschichten nochmal erzählt, hat man viel Energie darauf verwendet, „die Macht“ zu Grabe zu tragen – und alle Hoffnung im Keim zu ersticken. Das passt zur Zeit … die ebenfalls alle Hoffnung auf Demokratie und einer Gesellschaft des ewigen Friedens aufgegeben hat, stattdessen „coole Dinge tut“ (was immer das sein mag – riecht nach Leibesübungen) oder „gut aussieht“.

Und währenddessen … wird die reale Welt immer dunkler, verläßt den Pfad der historischen Entwicklung, die die reine und praktische Vernunft vorgab, entfernt sich immer weiter von einer Gesellschaft des ewigen Friedens, die sie schon längst hätte sein sollen – immerhin hatten wir dafür vor 70 Jahren die Vereinten Nationen gegründet, unsere Form der „galaktischen Republik“. Es scheint, als ob eine böse Macht hinter den Kulissen wirkt, die den natürlichen Verlauf der Geschichte manipuliert, sie zurückdreht zu finsteren feudalen Zeiten, wo der Gutsherr noch allmächtig war … doch wir wollen mal nicht zu weit gehen mit unseren Gedanken, das gäbe Ärger mit dem Imperium und brächte uns auch den Verdacht ein, dass man uns einer Gehirnwäsche unterzogen hat.

Es reicht schon der rebellische Akt, diese Streitschrift unter die Rubrik „Politik“ zu stellen … das sei erstmal Widerstand genug.

 

 

 

 

Die böse Welt – der gute Mensch

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Freitag, 11.12.2015. Eifel. Wir werden heute mal über etwas anderes sprechen müssen, fort von den ständig übler werdenden Niederträchtigkeiten der Menschenwelt, fort von ihrem andauernden Vernichtungsfeldzug gegen die natürliche Welt, fort von der drohenden Vernichtung allen menschlichen Lebens auf diesem Planeten durch atomare Kriege, völligen Kollaps der lebenserhaltenden Natursysteme oder dem totalen Zusammenbruch des Welthandels und der Nahrungsmittelversorgung durch absolut unverantwortliche Spielereien mit Tauschmitteln, die diesen friedlichen Handel fördern und nicht ausbeuten sollen. Stattdessen werden wir uns einmal radikalen Perspektiven zuwenden, die für unser geistiges und seelisches Wohlbefinden einige Bedeutung haben.

Ich meine jetzt nicht die akademischen Spielereien mit willkürlichen Wertungen. Die sind intellektuell ganz spaßig, aber real völlig bedeutungslos, weil sie keine Bezugsrahmen haben. Ein Beispiel kennt jeder von Ihnen: das Glas ist halb voll – oder halb leer, je nach dem Auge des Betrachters. Der Spruch wirkt so gut, weil er twittertauglich ist, schnell über die Lippen kommt und die Verantwortung für den Zustand der gesammten Welt in das betrachtende Subjekt, das Individuum verlagert. Gehen wir über Twitterdimensionen hinaus, wird es schnell unruhig im Glas. Nehmen wir an, sie sind durstig, bräuchten ein Glas Wasser, um zu überleben – da bringt Ihnen das halbe Glas den sicheren Tod. Wasser trinken ist für uns absolut lebensnotwendig, noch schneller als bei Nahrungsmangel hören wir auf zu funktionieren: das volle Glas ist also absolutes Sicherheitsminimum, mit leeren Gläsern – und seien sie auch nur halb leer – können wir in Wirklichkeit nicht viel anfangen, ihr Nutzen ist generell mangelhaft. Wir haben – wollen wir weiterhin in der Welt die Kunst des Denkens üben – gar keine Freiheit, über den Gebrauch von Wasser zu entscheiden, ein halb leeres Glas ist IMMER ein Warnsignal für den ganzen Körper. Der Verstand weiß genau: ist auch der letzte Rest Wasser aus dem Glas – das schon jetzt beängstigend leer ist – wird es schnell unlustig … und lebensgefährlich, deshalb ist ihm ein volles Glas lieber.

Ja, wir werten hier auch – aber haben auch einen Bezugsrahmen: einen Körper, der hauptsächlich aus Wasser besteht und beständige Wasserzufuhr braucht. Das volle Glas ist gut, das leere Glas böse, das halbleere Glas befindet sich auf dem Weg zum Tode – sofern es nicht bald wieder jemand füllt.

Bitte bedenken Sie: Sprüche wie diese sollen uns in Ruhe wiegen und vor allem dazu erziehen, mit allem zufrieden zu sein, was man uns noch übrig läßt, ohne direkt danach zu fragen: „Hey, welcher Sack hat aus meinem Glas getrunken!?!“

Nehmen wir einen anderen Rahmen: die „Welt“.

Unsere modernste Weltdeutung ist: sie ist chaotisch und zufällig aus dem Urschlamm entstanden, kann aufgrund dieser wirren Grundbedingungen jederzeit völlig unberechenbar aus den Fugen geraten.

Merken Sie, dass was nicht stimmt?

Ersteres wird Ihnen jeder Naturwissenschaftler bestätigen. Doch die Konsequenz daraus … hören Sie so gut wie nie. Wir sind hier mitten in der religiöse Weltdeutung – obwohl wir noch gar nicht den Bereich der Religion berührt haben, wir sind mitten im „Glauben“ angelangt – der, wie wir wissen, nicht viel wissenschaftliches an sich hat. Diese chaotische und zufällig entstandene Welt kennen wir seit Jahrtausenden – in allen Religionen, auch in unserer christlich-jüdischen Weltdeutung. „Gottes Geist schwebte über den Wassern“ – so fängt unsere Welt an. Die Wasser – sind finster, wild, chaotisch, mit dem Leben nicht zu vereinbaren. Sie erinnern an Tiamat, die babylonische Salzwassergöttin und ihren schrecklichen Sohn Quingu, die mit ihrer Armee aus Dämonen die Menschheit vernichten wollte. Die Schöpfungsgeschichten der Menschheit ähneln sich da sehr – es ist aber nicht ausgeschlossen, dass sie man voneinander abgeschrieben hat. Die Bibel enthält viel, was in anderen Kulturkreisen Vorläufer hatte – zum Beispiel die Sintflutsage oder die zehn Gebote, die für unsere Rechtsprechung so wichtig sind und das chaotische Faustrecht abgelöst haben.

Die Wasser sind auch dämonisch, sie sind nicht wertneutral. Der Leviathan – ein finsterstes, riesiges Meeresungeheuer, das Luther (bewusst?) falsch als „Wal“ übersetzte – ist ein Überbleibsel jener Mächte, die Gott „bei der Schöpfung überging“, Mächte, die heutzutage jederzeit an den Grenzen der Schöpfung lauern und zum chaotischen, leeren Nichts zurückkehren wollen, einer lebenfeindlichen Existenz jenseits unserer Vorstellungskraft, atomare Wüsten kämen ihren Vorstellungen eines gelungenen Urlaubs schon etwas nahe (oder unsere „Agrarsteppen“) – doch wären selbst sie noch viel zu voll und geordnet.

Es ist eine faszinierende Perspektive, die unsere Naturwissenschaft dort auftut: obwohl sie sich antireligiös geben, mit vielen Geschenken kommen (früher mit Glasperlen, heute mit Kraftfahrzeugen, Zentralheizungen, Flachbildschirmen, Laptops und Smartphones), erfüllen sie aus dem Blickwinkel eines babylonischen Bürgers doch die Funktion von Priestern der gräßlichen Tiamat mit ihrer Armee von Ungeheuern, die die Welt vernichten wollen. Ist sicher nur ein Zufall, dass die Ungeheuer der „Wissenschaft“ ebenfalls gerade die Welt vernichten … bzw. WIR die Welt vernichten, weil die „Glasperlen“, mit denen man uns verführte, außerordentlich giftige Nebenwirkungen haben.

Andererseits … vermitteln sie jedoch jetzt den Eindruck, die Welt sei ein stabiler, für die Ewigkeit geschaffener Ort, ein Ort, perfekt dafür geschaffen, das für sich einzigartige und fehlerfrei auf den eigenen Leib zugeschnittene individuelle Shampoo käuflich zu erwerben (als ob Haare waschen der Gipfel des Lebenssinns wäre) – oder irre ich da? Also – ich habe die letzten Monate ein paar mal Werbung sehen können … jenen Ort, wo „Wissenschaft“ ihre Produkte an den Mann und die Frau bringt: die Welt die ich dort sehe ist durch und durch gut, ohne Mangel, ohne Leid, ohne Not, ohne Tod und Krankheit – nur strahlende Menschen in wunderschöner Natur, fernab aller Trübnisse – zu ihrem vollendeten Glück fehlt nur noch die Krönung: der richtige Joghurt, der passende Lippenstift und der politisch korrekte Blockbusterfilm, den „alle gucken müssen“.

Es gab eine Zeit, da habe ich diese Welt geglaubt. Ich war jung, gesund, erfolgreich, gern bereit zu glauben, dass die Welt ein wunderschöner Ort sei, nur für mein Wohlfühlen geschaffen – kein Wunder, wohne ja auch in der „Ersten Welt“ – dem Riesenpalast der Moderne. Dann begegnete ich im Rahmen der psychologischen Ausbildung in der Pharmaindustrie (nach langen Jahren im akademischen Elfenbeinturm, in dem es bei bester Versorgung kein echtes Leid gab) einem Mann, dessen Körper verkrüppelt war und der uns einige Grundlagen über Psychologie vermittelte. Er kam nebenbei auf diese Illusion einer „guten“ Welt zu sprechen, auf jene Religion der Fantasterei und Einbildung, die uns beständig einreden will, dass alles wunderbar ist … und es „Deutschland gut gehe“ (eine krasse Lüge angesichts der realen Wirtschaftsdaten – dazu ein andermal mehr) und wir nur noch eins zu tun haben: den richtigen Ort für unser Lieblingsurlaubsbild an der idealen Wand unseres überteuerten heimischen Konsumtempels zu finden. Wie kann eine Welt gut sein, so fragte er uns, in der kleine Kinder wie er von Kinderlähmung verkrüppelt werden, noch bevor sie die Chance hatten, auch nur einen einzigen klaren Gedanken zu fassen?

Es ist eine alte Frage der Menschheit – allerdings keine ganz alte. Für die ältesten Kulturen war klar: die Welt ist ein finsterer, bösartiger, gemeiner Ort, der eine ganze Büchse der Pandora enthielt, aus der sich alle Übel der Welt ergossen: Tod, Krankheit und ARBEIT (darüber … werden wir noch gesondert reden müssen, wir können aber schon jetzt sagen, dass eine Kultur, in der Arbeit zum Inbegriff alles Guten und zur ersten Bürgerpflicht wurde, eine Kultur des Bösen ist – jedenfalls für die überwiegende Mehrheit der jemals lebenden Menschen, die diese Arbeit zur Belustigung und Bereicherung einiger weniger Banker und Politiker leisten mussten). Das Böse – kam von außen in die Welt, die vorher ein paradiesischer Ort war. Auch Buddhismus und Hinduismus kennen diese Sichtweise, ebenso die archaischeren Glaubensformen eher schamanistischer Ausprägungen. Erst die christlichen Theologen bekamen damit ein Problem – allerding lediglich ein Problem der theologischen Systematik: wie kann das Böse in einer Welt existieren, die von einem guten, gerechten, liebevollen Gott geschaffen und regiert wurde? Die Antworten auf diese Fragen sind vielfältig – und laufen auf diese Geschichte mit dem leeren oder vollen Glas heraus, die der Hinduismus mit der Antwort gerecht zu werden versucht, dass das Glas generell eine finstere Illusion ist, während der Buddhismus das Glas (bzw. den damit verbundenen Durst) als Schrecken gebietendes Hindernis auf dem Weg ins Nirvana betrachtet.

Wir aber: bleiben erstmal im Hier und Jetzt – und bei dem kleinen Menschen mit der Kinderlähmung, dessen Leid begann, noch bevor sein Bewusstsein reif genug war, jene Dummheiten zu begehen, die ihn an der Erlösung hinderten, wir bleiben bei jenen Menschen, die (nach Sartre) in die Welt geworfen wurden und sich darin zurecht finden müssen, fernab des Luxus einer theologischen Ausbildung und ihrer akademischen Feinheiten (über die tausend Bücher zu schreiben wären). Jenem Menschen zu sagen, die Welt sei gut, nur er habe etwas falsch gemacht, ist ebenfalls eine moderne Interpretation, die 18000 Kindern, die täglich an Hunger sterben (ein äußerst qualvoller Tod, wie jeder weiß, der schon mal wirklichen Hunger erlitten hat)(siehe Zeit) auch noch die volle Verantwortung für ihr Leid übertragen: sie haben wahrscheinlich falsch visioniert, falsch gefühlt, falsche Affirmationen gebildet, falsche Gebete falsch gesprochen, haben ein mangelndes Selbstwertgefühl gepflegt, haben es sich in der Opferrolle bequem gemacht oder haben einfach falsch gedacht: in Wirklicheit war ihr Glas ja halb voll. Nur aufgrund ihrer existentiellen Minderwertigkeit sind sie jetzt … tot.

Es ist eine große, weltweite (politische, philosophische, religiöse und wirtschaftliche) Bewegung, Kern des „Amerikanismus“ (den wir als solchen nicht kennen, aber „Antiamerikanismus“ kennen wir sehr gut): die Welt ist gut und perfekt, und wer nicht faul ist (oder sonstwie minderwertig wie das hungernde Kind) und fleißig arbeitet kommt ins Paradies der Konsumgötter, kann sich seinen irdenen Käfig mit edelsten Materialien schmücken … anstatt ihm zu entfliehen. Diese Kultur, dessen Leitspruch „The winner takes all“ aus Milliarden Menschen automatisch Verlierer macht – egal, wie fleißig sie für den zweiten, dritten und vierten Platz gearbeitet haben … oder für den letzten – legt alle Verantwortung für den Zustand der Welt bequemerweise in das Individuum, in … das Opfer, „Opfer sein“ wird als bewusst freiwillig gewählte Qualität minderwertigen Menschenmaterials (das falsch fühlt, falsch glaubt, falsch denkt – siehe oben) definiert.

Ich jedoch … denke an das kleine Kind mit der Kinderlähmung. Sicher: dieses Kind hatte es weit gebracht, konnte jedes Wochenende nach London fliegen um dort Saxophon zu spielen – doch lieber wäre es gesund gewesen, anstatt täglich aufs Neue mit den Qualen seiner Behinderung leben zu müssen.

Nun – Wertungen sind immer problematisch, darüber kann man mit Buddhisten und Hinduisten lange diskutieren – auch sie haben ihre Kasten, die ihre Privilegien durch unausgegorene Philosophien schützen müssen, weshalb sie leicht sagen können: „In Wirklichkeit gibt es nichts schlechtes“ (siehe Deutschlandradio):

Das Böse in der Welt ist Menschenwerk. Darin besteht Einigkeit zwischen einem Muslim, einem Hindu und einer Buddhistin. Sowohl Allah als auch „Brahman“, so nennen die Hindus das Göttliche, und auch der universelle Geist, von dem die Buddhisten sprechen, werden frei von aller Bosheit vorgestellt. Woher kommt dann aber der menschliche Hang zum Bösen?

Nun – für jene, für die das Böse kein Menschenwerk ist, ist das gar keine Frage – für die Katharer zum Beispiel, für die die Welt ein böser, misratener Ort war, regiert von einem finsteren Gott, der jene wilden Wasser befehligte über der der Geist des wahren Gottes schwebte und danach trachtete, den Menschen soviel Erleichterung wie möglich zu schaffen. Die Kirche rottet die Katharer aus (die Gründe sind vielfältig, einer ist rein logischer Natur: sie hatten einen zweiten, weniger mächtigen düsteren Gott neben dem Allmächtigen geschaffen) und damit jene, die einen wunden Punkt in der christliche Lehre herausgearbeitet hatten: auch Christus lebte in einer bösen Welt, in der finstere Dämonen Menschen krank machten und ein wild gewordener Satan alle Menschenreiche befehligte (doch: gehen Sie mal nicht in die Kirche und lesen Sie die Evangelien selbst – am besten in verschiedenen Übersetzungen – sie werden sich wundern, in welcher Welt sich der Sohn Gottes … mit großer Macht … bewegte).

Das Böse in der Welt ins Menschenwerk – ohne Weiteres. Das Gute – aber auch. Für den Reichen in seinem Palast ist es außerordentlich nützlich zu sagen: ihr könntet alle einen Palast haben, wenn ihr nur nicht so falsch und minderwertig währet. Der Arme arbeitet fortan nicht nur weniger murrend weiter für den Reichtum des Palastes, er arbeitet auch fleissig an sich selbst, womit er völlig aus dem Handeln kommt und nur noch um sich selbst kreist: noch so viel Denken beschert keine einzige Gurke zusätzlich. Doch schaut man den Armen an, so sehen wir erstaunliches: er ist wahrlich in der Lage, das Leid eines verletzten Tieres zu erkennen, es bei sich aufzunehmen, zu hegen und zu pflegen und nach der Genesung in die Freiheit zu entlassen. Selbst bei jenen Wesen, die ihn jagen und fressen könnten, kann er Mitleid und Mitgefühl walten lassen … ähnliches gibt es aber auch für Tiere (da gibt es Berichte von Wölfen, Affen und Delphinen, die sich um Menschen in Not kümmerten). Er ist in der Lage, sich „die Welt untertan zu machen“ und aktiv gegen das Leid, dass sie enthält, vorzugehen. Sicher – er kann von den bösen Mächten der Welt verführt werden (wollte man sogar mit dem Sohn Gottes selbst machen)… aber sich auch gegen die böse Welt stellen, weil in ihm auch Bilder einer besseren Welt existieren.

Was wäre das für ein Leben, in der wir die Welt als „böse“ definieren (ja: frecherweise machen wir absichtlich von unsere Soueränität in der Weltdeutung Gebrauch, einem Recht, das uns von Geburt an zusteht – wir brauchen hier keine Schützenhilfe von Theologen, Akademikern oder Priestern, noch brauchen wir irgendeine Legitimierung … könnten aber leicht auf Erfahrungen unserer Vorfahren verweisen, die erlebt  haben, wie „gut“ die Welt war, als das ewige Eis Europa verschlang-  was es in Zukunft wieder tun wird). Ja – sie mag chaotisch, sinnlos und widerwärtig sein, wie die Naturwissenschaft predigt: aber wir haben die Freiheit, die Kraft und die Macht, die unserem Geist entspringt, jenem außerweltlichem Guten, das einen Funken des wahren Gottes in uns darstellt, der … „über den Wassern“ schwebte, die heute die Bretter sind, die die Welt bedeuten.

Das Böse – dass sind Kälte, Hunger, Durst, feindliche Bakterien (Leben, das unser Körper jeden Tag ohne uns zu fragen mit tödlicher Gewalt bekämpft, um der Vernichtung zu entgehen), Viren (die nach unsere Definiton kein Leben sind und eher wie biologische Kampfstoffe des Altertums wirken) und Menschen, die (an sich nicht böse, sondern geistig und sozial schwach und deshalb leicht verführbar) dem finsteren Herrscher der Welt ehrfurchtsvoll als Priester und Handlanger dienen. Wären wir in unserer eingeschränkten Wohlstandsblasenrealität nicht so unendlich weit vom natürlichen Leben entfernt, würden wir auch noch wissen, dass Raubtiere ebenso furchtbar werden können (erst recht, wenn sie sich die wehrlosen Kinder als Beute erwählen) wie Pflanzenfresser, die – wenn es zu viele werden – ganze Landstriche in totes Ödland verwandeln können. Gilt auch für süße Kaninchen.

Was wäre das für ein Weltbild, dass aus dem Menschen ein ursprünglich gutes, edles, gerechtes und außerordentlich soziales Wesen macht, geschaffen, den feindlichen Mächten der Welt zu trotzen, ausgestattet mit unveräußerlichen Rechten, die der Große Geist ihm verliehen hat und die ihm kein Wesen dieser Welt gerechterweise nehmen kann. Sie wären alle Helden, die ein kräftiges Selbstbewusstsein entwickeln könnten – auch Brillenträger, die sich sonst endlos quälen müssen, wieso sie die Verantwortung für ihre schlechten Augen haben. Sozial – ist der Mensch auf jeden Fall. Wird oft vergessen – aber unsere eigentlichen Stärken sind nicht die kräftigen Klauen, die übermächtigen Beine, das stachelige Fell, die mächtigen Hörner oder das kräftige Gebiss, sondern die wunderbare Fähigkeit, sich mit anderen Menschen (und Tieren) verbünden zu können, um gemeinsam mit Ihnen aktiv und kraftvoll lebenswerten Raum in der wilden, wirren, bösen Welt zu erschaffen.

Entscheiden Sie also selbst, wie Sie sich sehen wollen: als missratenes Unwesen in einer perfekt von der Wissenschaft gestalteten Welt … oder als Pionier in einer lebensfeindlichen Umwelt, in der jede Abweichung des Körpers oder des Charakters nur eine Wirkung der bösartigen Welt ist. Überlegen Sie doch einfach, welches Weltbild ihr eigenes Wohlbefinden mehr fördert und der planetaren Lebensgemeinschaft (zu der auch Pflanzen gehören) den größten Nutzen bringt, welches Weltbild sie eher zur aktiven Umgestaltung ihrer (feindlichen) Umwelt bringt – und welches eher dem Frieden der Paläste dient. Diese Entscheidung … dürfen Sie selbst frei treffen – und sie wird Ihr gesamtes Wohlbefinden beeinflussen, ihre Handlungsmacht … und ihre politische Einstellung.

Darum stehen diese Worte in der Rubrik „Politik“ … denn diese erste Entscheidung bedingt alle folgenden.

Man muss aber erstmal an den Anfang der Entscheidungskette zurückgehen, was ich heute für Sie – so kurz wie nur irgend möglich – getan habe. Ob Sie mir folgen wollen – ist ihre freie Wahl. Wenn Sie sich als voll verantwortliches minderwertiges Wesen in einer an sich völlig verantwortungslosen perfekten Welt wohl fühlen, ist das Ihre Sache. Ich kann Ihnen nur sagen: in Wahrheit sind Sie für die meisten Erscheinungen der Welt in ihrem Leben nicht verantwortlich, dafür haben Sie viel zu wenig Macht – und jeder Gedanke, was sie bloß nur wieder falsch gemacht haben, weil ihre Firma ihren Arbeitsplatz wegrationalisiert hat oder Banker die gesamte Zivilgesellschaft betrügen und mit Hilfe der Politik ausplündern oder weil ihr Rücken schmerzt, es gerade heute regnet oder gerade Sie nie im Lotto gewinnen oder ihre Tochter gestern an Leukämie gestorben ist, ist vergeudete Lebenszeit.

Ich persönlich habe meine Entscheidung getroffen und kann sagen: ich fühle mich außerordentlich wohl damit, habe daraus eine wissenschaftlich attestierte „extrem soziale Einstellung“ entwickelt und kreise lieber um die Täter als um mich. Das ich arm, krank, einsam und sterblich bin (dem Fluch der fremdbestimmten Arbeit bin ich krankheitsbedingt ein wenig entkommen – dafür nimmt das Kreisen um die Täter, die Diener des Bösen, sehr viel Raum in meinem Leben ein, was auch Arbeit ist), ficht mich nicht weiter an noch kratzt es an meinem Selbstwertgefühl.

Ich selbst – bin schon völlig in Ordnung, wie die meisten (99 Prozent, um genau zu sein) meiner Mitmenschen auch, die nicht mehr wollen, als den Übeln der Welt zu entfliehen. Und gäbe es dieses „draußen“ nicht – ich wäre überglücklich, könnte meinen Seelenfrieden bis ans Ende meiner Tage genießen.

Doch da draußen … da stimmt was gewaltig nicht.

Und das ist auf keinen Fall Ihre Schuld – wäre jedenfalls meine Meinung.

Es ist die Welt als solche, an der es hakt. Aber gewaltig.

Der Tod von Phillip Mißfelder – ein Grund zur Freude?

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Mittwoch, 15.7.2015. Eifel. Nun gut – Gestern habe ich ja schon was zu dem Fall Mißfelder geschrieben. Eine Lungenembolie zu diagnostizieren ist nicht leicht (siehe Omneda). Sicher – seine Frau war Herzspezialistin und war bei seinem Tod anwesend (siehe Focus) – doch ohne Röntgenblick am nächsten Tag schon eine endgültige Diagnose zu stellen, ist auch für Spezialisten mutig. Überblick darüber kann eine Autopsie geben, doch die wird in Deutschland in den seltensten Fällen durchgeführt – weshalb viele Verbrechen unerkannt bleiben (siehe Stern). Mir geht es heute nicht darum, die Verschwörungstheorie auszuweiten – das können andere viel besser als ich. Ich wurde heute gefragt, ob der Tod von Phillip Mißfelder ein Grund zur Freude sei – angeblich kommen die Löscher in den öffentlich-rechtlichen Medien ihrer Aufgabe kaum noch nach, gehässige Kommentare zu entfernen, weil Phillip Mißfelder – als Bekämpfer des Sozialstaates – nicht sonderlich beliebt war.

Sicherlich müssen wir uns zur Beantwortung der Frage zuerst einmal dem Tod zuwenden. Wie sicher schon bemerkt, hat man als Philosoph keine Scheu, sich mit dem Thema nüchtern distanziert auseinanderzusetzen – jedenfalls sollte man da keine Scheu haben, da es sich um eine von drei zentralen Fragen der Philosophie handelt: wo gehen wir hin?

Wir als Kultur der Maschinenmenschen haben ein sehr gebrochenes Verhältnis zum Tod – wir haben ihn aus dem Leben desintregriert, er ist für uns kein Bestandteil eines gelungenen Lebens – weshalb unsere Lebensentwürfe grundsätzlich mißlingen: wir leben zwar als Maschinenmenschen (d.h. haben schon einen hohen Grad an Symbiose mit unseren Lebenskrücken: Autos, Radio, Fernsehen, Heizung, Herd, Lampen etc, ohne die wir gar nicht mehr überlebensfähig sind), sind aber doch grundsätzlich für immer und ewig natürliche Geschöpfe, die durch Geburt in eine Welt kommen, die man durch den Tod wieder verläßt.

Blendet man den Tod aus – wie es bei uns weitläufig aus Gründen der Konsummaximierung und der Widerstandsminimierung geschieht – so gibt es keine naturgemäßen Lebensphilosophien, denn der Tod gehört zu unserer Existenz unverbrüchlich dazu  – und es wäre schlimm … im Sinne von „unnatürlich“ … wenn dies nicht zu wäre. Stirbt also ein Mensch, so ist es nicht unbedingt ein Grund zur Trauer (außer für die Kultur der Maschinenmenschen, die den Vorgang gar nicht mehr verstehen) – einmal abgesehen davon, dass der Vorgang des Sterbens nicht angenehm ist und für uns selbst eine Quelle von Liebe, Freude und Kommunikation aus dem Leben entfernt wird – ein Vorgang, der „Todesangst“ mehr als erschöpfend erklären kann.

Todesangst nun – ist nicht unbedingt natürlich … was Maschinenmenschen schwer verstehen. Manche halten sie verrückterweise für die größte aller Ängste, auf die alle anderen zurückzuführen sind – und blenden dabei die Lebensphilosophien aller Krieger- und Abenteurerkulturen völlig aus – Kulturen, die älter und bislang langlebiger waren als unsere eigene. „Lever düd üs slav“ stand als Wappenspruch unserer Familie auf einem Wandteller – lieber tot als versklavt: Jahrtausendelang ein Wahlspruch von wahrhaft freien Menschen, die Wichtigeres kannten als Todesangst, Menschen, die lieber ihr Leben gaben als morgen wieder ihren Platz in der Kundenbetreuung der Allianz, im Riskmanagement der Deutschen Bank oder an der Kasse bei Aldi einzunehmen. Andere blickten dem Tod aus reiner Neugier kühl ins Auge – um Amerika zu entdecken oder Handelsrouten nach China zu erforschen … oder um der schnellste Rennfahrer der Welt zu werden.

Je länger man das Thema „Tod“ dreht und wendet, es aus anderen Kulturen und Lebensphilosophien betrachtet, je mehr verliert es seinen Schrecken, den er vor allem massiv im Reich der Maschinenmenschen hat. Natürlich darf es Trauer geben – aber ich gebe auch einen Satz zu bedenken, der dem Spartakus zugeschrieben wird: der Reiche muss den Tod fürchten, denn er verliert dort mit Sicherheit seinen Reichtum – der Arme aber verliert dort sein Leid, seine Schmerzen, seine Ohnmacht: im Prinzip ein Grund zur Freude. Doch auch dort darf es Trauer geben – weil ein Mensch aus dem eigenen Lebensbereich verschwindet. Je größer die Liebe ist, umso größer die Trauer, je länger der Geliebte fort geht, umso schlimmer der Schmerz – geht er für ewig, ist die Trauer deutlich größer als würde er nur für drei Jahre in die USA ziehen – doch das macht den Tod an sich nicht schlimm – sondern nur für die Hinterbliebenen, was eine recht subjektive Betrachtungsweise ist.

Natürlich kann man sich auch über den Tod freuen: „er hat es hinter sich“ – hört man in der eher armen Eifel häufiger. Erbschleicher freuen sich regelmäßig über den Tod – oder Menschen, die so viel Hass in sich tragen, soviel Zorn, soviel Wut, soviel gelebte und erlebte Ohnmacht, dass sie den Tod eines Tyrannen als Glückstag erleben – dort, wo der Liebende trauert, freut sich der Hassende.

Doch – das möchte ich zu bedenken geben – was braucht die Welt eher? Liebende – oder Hassende?

Was die Hassenden anrichten, erleben wir tagtäglich. Mord, Raub, Vergewaltigung, Kriege und Bürgerkriege, Betrug, Verrat, Erniedrigungen, Demütigungen – Zustände des Bösen (wie ich es jetzt mal nennen möchte), die als Agenda 2010 sogar Gesetz in diesem Land werden konnten – und Herr Mißfelder galt als einer der Hauptträger dieser Welle der Kälte und Unmenschlichkeit, eine Symbolfigur des Bösen für manche, die unter dem Joch einer erkaltenden und entmenschlichenden Gesellschaft leiden.

Aber … brauchen wir wirklich viel mehr Hassende? Menschen, die hämisch lachen, wenn Kindern ihr Papa brutal genommen wird und sie als Halbwaisen aufwachsen müssen – was nicht leichter wird, nur weil die Ehefrau Phillips aus der Kanzlerfamilie Brüning stammt.

Zu Zeiten, als es noch kein Internet gab, durfte ich kurz einem französischen Philosophen zuhören – er kommentierte im Fernsehen seine Abneigung gegen Linke. Damals dachte ich, dass ich selber einer wäre – doch damit war es schnell vorbei. „Linke“ – so sagte er – „sind in keiner Art und Weise besser als Rechte. Sie unterscheidet nur eins: die Linken wollen das haben, was die Rechten schon längst besitzen. Erreichen sie ihr Ziel, werden sie schnell zu Rechten – oder sind von ihnen nur noch durch die Art der Wortwahl zu unterscheiden“. Das hätte man den Grünen tausend mal vorspielen sollen, bevor sie zur Rechtspartei wurden.

Ich merkte: das konnte nicht mein politisches Ziel sein – Baron zu werden anstelle des Barons. Darum scheitern auch linke Bewegungen in Deutschland recht schnell – die schaffen es nicht, die pseudolinken Elemente zu erkennen und aus der Gemeinschaft zu entfernen. Es sind aber gerade diese Elemente, die jede im Herzen gut gemeinte Bewegung im Keim ersticken und vernichten bzw. in ihr Gegenteil verwandeln: sind sie erstmal „Kommissar“, sind sie vom handelsüblichen Feudalarsch kaum zu unterscheiden.

Doch kommen wir – nach der Betrachtung des Todes an sich zur Kernfrage: darf man sich über den Tod von Phillip Mißfelder freuen?

Nun – auch hier müssen wir erstmal sagen: dies ist ein freies Land – jeder darf sich darüber freuen, worüber er sich gerade mal nur irgendwie freuen kann … es sei denn, er schadet dadurch sich und anderen – womit die Frage eigentlich schon beantwortet wäre.

Woher stammt der Hass auf Phillip? Nun – er war vermeintlich ein Unterdrücker, ein Menschenhasser, ein asoziales Objekt.

Was aber macht es aus mir, wenn ich mich darüber freue, dass er vor der Zeit aus dem Leben entfernt wurde – wie auch immer? Werde ich nicht in dem Moment, in dem der Hass meinen Triumph über den Tod des Papas von Phillips Kindern hinausbrüllt, selber zu einer Hassfigur … die selber in dem Moment Menschen ins Gas schicken würde, wenn sie es nur „verdient“ hätten? Was unterscheidet „uns“ dann eigentlich noch von „denen“, die mit nüchterner Sachlichkeit und sadistischem Humor Millionen ins Gas schicken konnten? Eigentlich nur eins: wir haben NOCH nicht die Macht, unsererseits Millionen ins Gas zu schicken.

Unangenehm, oder? Ja – so leicht, verlockend und verführerisch ist die dunkle Seite der Macht (um mal einen modernen Mythos zu zitieren), so schnell stößt man seine eigene Seele in die Finsternis.

Natürlich darf man sich über den Tod von Phillip freuen – es gibt kein Gesetz (außer das „sozialromantische“ Gesetz des Anstandes), dass uns Freude verbieten kann – und sei sie auch noch so dunkel. Empfehlenswert jedoch – ist das nicht. Zum einen nicht für die Gesellschaft: Freude über den frühzeitigen Tod eines Menschen ist die Grundlage jeden Mordes – das sollte einem klar sein. Mag sein, dass der Mord sogar manchmal aus humanen Gründen geschieht, um einer leidvollen Existenz ein Ende zu bereiten: doch sind wir hier auf dem ersten Schritt zur Gaskammer, wo z.B. Menschen die von ihnen so verachteten oder mitleidig betrachteten Armen per Genickschuss von ihrem Elend erlösen – und sich noch freuen, eine gute Tat getan zu haben. Wir übertreten hier eine Grenze, die schon hunderte von Millionen Menschen das Leben gekostet hat – erst Recht im Reich der Maschinenmenschen, in dem das menschliche Leben so wenig Wert hat wie nie zuvor (auch wenn täglich anderes gepredigt wird – bevor man aus politischen Gründen wieder mal eine Million Iraker umbringt).

Zum anderen tut man sich selbst damit nichts Gutes – man füttert durch solche Freude genau jene dunkle Seite in sich, die man beim anderen zu Recht kritisierte – und man tötet im gleichen Moment den menschlichsten und heiligsten aller Wesenszüge in uns: das Mitleid.

Sicher freut man sich, wenn einer der Unterdrücker weniger unterdrücken kann – daran ist im Reich der Armen und Geknechteten erstmal nichts Übles … doch sich über seinen frühen Tod freuen, macht uns zu neuen Mißfeldern (wenn er denn wirklich je so übel gewesen ist, wie er – auch von mir – dargestellt wurde).

Brauchen wir davon wirklich mehr?

Nun – ein Nützliches hat es schon: man kann sofort erkennen, welchem Menschen man nie Macht geben sollte – auch wenn er noch so schön links tut. Anderen aber – möge dieser Text einmal zum Nachdenken anregen, ob wir eine bessere Welt wollen … oder nur eine andersrum schlechte.

Ich selbst … habe mich keine Sekunde gefreut. Aber auch nicht getrauert – weil er mir nicht fehlen wird.

 

 

Sterben empfohlen – eine Echttoderfahrung. Wissenschaft ist Herrschaftsmacht

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Samstag, 6.6.2015. Eifel. Haben Sie schon mal über den Tod nachgedacht? Ach – das habe ich Sie schon oft gefragt, nicht wahr? Ja – ich mag es, an Tabus zu kratzen, Dinge, über die man nicht reden darf, über die man nicht nachdenken darf noch über die man gründlich nachforschen darf sind der Tod einer jeden Demokratie – und wenn die Demokratie stirbt, folgen Armut, Folter, Einsamkeit und Furcht auf dem Fuße. Wer will das schon wirklich – als: für sich.

Der Tod ist – dass denke ich, kann man so sagen – ein Tabuthema, dabei wären gerade wir aufgeklärte Menschen des Westens mit unserer perfektionierten Reanimationstechnik die ersten, die das Mysterium des Todes entzauben könnten – doch das geschieht nicht, allenfalls durch Einzelkämpfer, die abseits des „Mainstream“ wundersame Berichte sammeln von Menschen, die alles andere als „Nichts“ nach dem Moment des Sterbens erlebt haben. Was wäre es für ein Wunder, wenn wir durch wissenschaftlich solide Arbeit aufarbeiten könnten, dass der Tod – wie seit anbeginn der Menschheit vermutet – nur eine Transformation darstellt, ähnlich der Verwandlung von Eis in Wasser oder Wasser in Dampf, eine Transformation, die das belebende Element in der Materie aus dem Zustand des „eingefroren seins“ befreit und es auf eine weitere Reise schickt.

Eingefroren? Ja, da habe ich so eine Erinnerung an Physiker, die meinten, Materie sei nur eingefrorene Energie – doch viel weiter gedacht haben die da nicht. Erinnert mich wieder an die Katharer, jene christliche Gemeinschaft, die von ihrer Umwelt den Namen „die Reinen“ mitbekommen hatten, weil sie den Versuch gestartet hatten, die christliche Lehre in reinster Form zu leben – meistens zogen sie paarweise, als Mann und Frau predigend durch die Lande, jedenfalls so lange, bis die weltlichen Mächte – damals Kirche und Staat – sie vollkommen ausrotteten: mit Feuer und Schwert. Ein kompletter Völkermord – aber wir reden heute kaum noch drüber.

„Die Reinen“ hatten die Mächtigen sehr gestört – und Sie merken schon: ohne Politik geht gar nichts, auch nicht das Tabu, über den Tod nicht zu reden. Ja – es macht Sinn, jegliche Spiritualität und Mystik aus dem Leben der Menschen zu verbannen, wenn man sie zu reinen, profitbringenden Arbeitsameisen dressieren will, die nichts anderes tun, als den ganzen Tag die ihnen zugewiesene Arbeit im Ameisenstaat perfekt zu erledigen – ein Grund, warum man auch Arbeitszeiten seit der Steinzeit endlos ausdehnt. Kaum zu glauben: die Primitiven haben 3-4 Stunden am Tag gearbeitet – inklusive Hausarbeit. Wir – die „Fortschrittlichen“ – kommen auf ein Vielfaches von denen, fürchten uns aber davor, wieder in der Steinzeit zu leben, wo uns die vielen Lebenskrücken (Auto, Fernseher, Stereoanlagen, Handy, krankmachende Vielfresserei) nicht mehr zur Verfügung stehen – Krücken, die wir eigentlich nur brauchen, um unseren Horroralltag zu bewältigen … bzw. um uns vor der Degeneration unsere sozialen und natürlichen Umwelt zu verstecken.

Jemand, der sein Sein auf bloßen Materialismus reduzieren läßt, wird schon aus purer Angst vor dem „schwarzen Mann“ jeglichen Gedanken an Widerstand gegen die Mächtigen sein lassen, er ist reduziert auf die einzige Wahrheit, die man ihm erlaubt: er ist eine plumpe, zufällig entstandene Materieballung, die täglich mehr der absoluten Vernichtung entgegentaumelt. Solche Menschen sind leicht zu führen – und sie riskieren auch nichts. Hätten wir diese Lebensphilosophie schon früher gehabt: wir wären nie von den Bäumen herunter gestiegen, noch hätten wir unsere Höhle verlassen. Heutzutage … wären wir einfach erloschen – wegen mangelndem Wagemut.

Denken Sie z.B. an die Wikinger, rauhe, materiell orientierte Menschen, ein Händlervolk, dass sich mit billigen kleinen Nussschalen auf den wilden Atlantik gewagt hat – oder in die noch viel gefährlichere Nordsee – um ein Abenteuer zu wagen. Niemand konnte ihnen garantieren, dass sie nicht einfach auf hoher See verhungern, von Ungeheuern verschlungen, von Stürmen zerschlagen werden – oder vom Rand der Welt fallen. Die Wikinger hatten aber einen anderen Rahmen – einen Jenseitsrahmen. Wer mutig in der Schlacht stirbt – oder bei einem großen Abenteuer – der wird mit den Göttern zusammen in den ewigen Jagdgründen schmausen. Ach nein – „ewige Jagdgründe“ – das waren die Indianer. Egal – man findet Jenseitsvorstellungen überall, auch heute im Islam, weshalb „der Westen“ ihn für so gefährlich hält. Religöse Menschen sind ziemlich schlecht steuerbar, ja, sogar den Fluch der Arbeitslosigkeit, den Hass ihrer Mitmenschen, die Verachtung der Gesellschaft ertragen sie ohne Verlust an Lebensqualität und Glücksempfinden: womit will man solchen Menschen noch drohen?

Gut – die „Nussschalen“ der Wikinger waren geniale Konstruktionen, wie wir sie heute kaum besser hinbekommen könnten, doch im Vergleich zu einem „Traumschiff“ schon sehr abenteuerlich.

Oder – nehmen wir etwas anderes: Liebeskummer. „Herzschmerz“ – sozusagen. Wird auch nur noch wenig drüber gesprochen, aber wenn sie mal das Glück hatten, große Liebe zu erfahren und dann das Ende erfahren müssen, werden Sie wissen, was ich meine: jene scheinbar unerträgliche Qual, die real Schmerzen im Herz verursacht – doch das Herz schmerzt gar nicht (hat gar keine Schmerzrezeptoren, meint mein Arzt): die Seele hat Qual. Jene Seele, deren Existenz wir schon völlig vergessen hatten.

Wir sind schon wieder vom Thema abgekommen, meinen Sie? Nein, überhaupt nicht. Wir müssen schon ein wenig auf die Realität der Existenz feinerer Strukturen im menschlichen Sein hinweisen, um plausibel darzustellen, dass der plumpe Materialismus große Schwächen hat – mal davon abgesehen, dass er dem einzelnen Menschen wenig nützt.

Natürlich kennen Sie die Todesangst – jenes Vernichtungsgefühl, dass mit einem Herzinfarkt einhergeht. Ja – das gibt es wirklich, doch auch hier müssen wir genauer hinschauen. Wir bewegen uns – behalten wir mal kurz dieses Bild bei – in einem Zustand „eingefrorener Materie“ – und unterliegen somit den Gesetzen des Eises, d.h.: natürlich merkt der Geist aufgrund seiner Verzahnung mit dem Eis (der gefrorenen Materie), wenn seine Zellen verrückt spielen: für die bedeutet der Tod in der Tat absolute Vernichtung – allerdings nur die Vernichtung ihrer Form, nicht ihrer Essens: hier geht nichts verloren, die Atome bleiben im Sarg liegen … und wandern durch gefräßige Würmer weiter, um das Leben weiter zu tragen. Das ist nur ein zu großer Horizont für eine kleine Zelle, die nur ihrer Programmierung folgt und bei Bedrohung ihres Auftrages häßliche Botenstoffe ausschickt, um den „Fahrer“ (also: uns) zu warnen. Ihr Auftrag? Weiterverbreitung ihres DNA-Strangs. Es gab sogar mal Wissenschaftler, die meinten: nur darum gibt es den Menschen – er ist eine geniale Konstruktion der Zellen, um ihren Auftrag besser zu erfüllen als andere Zellen dies vermögen … beispielsweise der Brontosaurus.

Was wäre das für eine Welt, in der so etwas direkt in der Schule gelehrt wird, in der Schüler sich diese Erkenntnisse selbst erarbeiten dürfte, um ihre eigene Welt zu gestalten … anstatt nur Füllmasse für die Maschinenwelt zu werden, die eine kleine Weile noch Menschen braucht, bis sie endlich völlig aus eigener Kraft existieren kann – doch das ist ein anderes Thema. Ach was – wo wir schon mal dabei sind: das ist kein anderes Thema: die Maschinenkultur ist Quelle jener „Wissenschaft“, die seit 300 Jahren den Planeten verarbeitet. Angeblich kamen sie, um uns das Leben zu erleichtern – doch im Jahre 2015 finden wir uns in Zuständen wieder, dass uns jeder Kleinbauernhof wie ein Paradies vorkommt: unsere Welt ist so „reizvoll“ geworden, dass sogar Kinder lieber den Tod durch Selbstmord suchen, als sich dieser Realität zu stellen: soziologisch ein einzigartiges Phänomen der Maschinenkultur.

Dieses Thema bewegt auch die Seelen der Menschen, Filme, die sich diesem Thema nähern, sind erstaundlich erfolgreich: „Terminator“ zeigt eine Welt, in der die Maschinen den Menschen den Krieg erklärt haben, „Star Trek“ zeigt uns „Borg“, Maschinenwesen, die alles Leben vernichten wollen, „Star Wars“ zeigt uns eine Republik, die durch Banken, Konzerne und Maschinen (und einer Prise purem Bösem) vernichtet wird – unsere Kinos sind voll dieser Geschichten, wie untotes, seelenloses Leben (das wären Maschinen aus der Sicht der Religion) die Menschheit verdrängt und vernichtet … doch auch das ist ein anderes Thema.

Einen Himmel für Maschinen gibt es nicht – im Sinne der sechsdimensionalen Mathematik des Burghard Heim werden sie nie die Qualität des Menschen erreichen, der erkennbar im fünf- und sechsdimensionalen Bereich arbeiten kann – was wären das für wunderbare Geschichten für den Schulunterricht, für unglaubliche Perspektiven für die Menschheit, gäbe es nicht auch noch die gute alte Politik.

Ja – wir glauben an die „Wissenschaft“ – was auch völlig in Ordnung ist. „Wissen ist Macht“ … dass haben wir in vielen tausend Jahren erleben dürfen. Was wir leicht verdrängen: „Wissenschaft“ ist dadurch auch „Herrschaftsmacht“ – und da schließt sich plötzlich der Kreis, der uns direkt zum Tabu des Todes führt: in einer Zivilisation mit „reiner“ Wissenschaft hätten wir nach einer kurzen Phase der Besinnung herausgefunden, dass die Beobachtungen, die weltweit in den Intensivstationen der Unikliniken gemacht werden, nur einen Schluß zulassen: das materielle Weltbild funktioniert, ist aber nicht erschöpfend – das menschliche Bewusstsein ist eine eigenständige Realität, nicht zwingend ewig an die Materie gebunden.

Nun- Sie merken vielleicht, dass ich diesmal gar keine Links gesetzt habe, um meine Hypothesen plausibel darzulegen, denn: ich wollte Ihnen nur ein Buch ans Herz legen: Sterben empfohlen! Eine Echttoderfahrung, geschrieben von Leander Moss (ein Pseudonym), veröffentlicht 2015, ISBN 978-3-7375-4149-7.

Ich kenne den Autor persönlich (nein, das ist jetzt keine geschickte Schleichwerbung für ein neues Buch von mir), habe das Buch gelesen und dachte: wow, was für eine spielerische Leichtigkeit, sich dem Thema Tod durch einen humorvollen, unterhaltsamen und wendungsreichen Abenteuerroman zu widmen, der ganz nebenbei viele Beobachtungen aus der Literatur und den älteren religiösen Schriften der Menschheit zu einer Geschichte vereint, die einem klar macht, wie es nach dem Tod weitergehen könnte. Nebenbei begegnet man auch Kermit, dem Frosch und einem bekannten, riesenhaften Wildhüter aus „Harry Potter“ – doch ich möchte da nicht vorgreifen.

Natürlich könnte ich auch die klassischen Werke der Thanatologie empfehlen – das ägyptische Totenbuch, das tibetanische Totenbuch, ja auch die Bibel – jene Werke, deren Inhalt so vielfältig die Beschreibungen der Todeserfahrungen der Menschheit wiedergeben, die wir uns langsam durch unerwartete Folgen moderner Reanimationstechnik erschließen müssen: aber wem wird durch die Maschinenkultur schon noch genug Muße gelassen, einmal soviel Zeit für sich selbst opfern zu dürfen, dass er dicke alte Bücher lesen könnte.

Und wer mag, darf sich nach der Lektüre dieses Buches auch ein ganz klein wenig mutig fühlen: es ist schon ein Akt des Widerstandes, sich um Wissen zu bemühen, dass die gegenwärtige Wissenschaft und Herrschaftsmacht für unerwünscht hält, weil es die Produktivität stören – oder, auf Deutsch gesagt: die Ausbeutbarkeit vermindern kann.

Jetzt werden Sie sagen: schön und gut – aber ich bin nunmal traurig, wenn ein Mensch stirbt: ist das nicht der Beweis dafür, dass der Tod zu fürchten ist und sterben nicht zu empfehlen sei? Nun – ordnen Sie diese Gefühle einfach mal der Kategorie „Liebeskummer“ zu – anstatt der Kategorie „endgültige Vernichtung allen Seins“, dort sind sie besser angesiedelt. Es ist die Abwesenheit eines geliebten und geschätzten Menschen, die uns traurig macht – und der etwas egozentrische Kummer, dass er uns nicht mehr zur Verfügung steht.

Außerdem: bedenken Sie eins – auch noch so viele Furcht vor dem Tod wird sein Kommen nicht verhindern, auch wenn uns die bunte Werbewelt täglich stundenlang suggeriert, dass wir ewig leben und ewig konsumieren werden und mit jedem Konsum noch viel glücklicher werden als gestern. Warum soll man sich eigentlich sein Leben lang davor fürchten, was man sowieso nicht verhindern kann? Wenn Sie sich sehr vor dem Tod fürchten – haben Sie sich schon jemals vor der Zeit vor ihrer Geburt gefürchtet? Nein? Wie auch immer: das ist der gleiche Zustand gewesen.

Also: viel Spaß mit „Sterben empfohlen“!

 

 

 

 

Leben … und Glück.

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Mittwoch, 6.5.2015. Eifel. Gestern wären fast einige Kinder im See am Dorf ertrunken. Ist ein großer See, fahren Ausflugsdampfer drauf. Es war Orkan, der Wind blies stark – so stark, dass die Betreuer der Kinder lieber in einem Café Zuflucht suchten als ihren Job zu machen. Die Kinder durften natürlich mit den Kanus auf den See – klarer Fall. Kinder zählen in Deutschland nicht viel, sind Minderleister, kosten nur viel Geld und stören die Erwachsenen beim Lebensgenuss. Gut – sie sind gerettet worden: Hubschrauber, Schnellboote, Rettungswagen, Notärzte … alles war schnell vor Ort, sonst wären jetzt wieder ein paar Leben ausgelöscht. Zeit, sich mal wieder ein paar Gedanken über „Leben“ zu machen.

Leben lässt Ihre Haut altern.

In der Tat hat Leben einen Pferdefuß: man wird jeden Tag ein wenig häßlicher und kann immer weniger mit den auf Hochglanz polierten Werbefotos mithalten. Man sollte diese Aufnahmen eigentlich verbieten, denn: für einen superschönen Menschen fühlen sich neunhundertneunundneunzig minderwertig, wenn er tagtäglich groß in allen Formaten als lebenswerter „Standard“ gepriesen wird.

Leben enthält Benzol, Nitrosamine, Formaldehyd und Blausäure

Leben enthält sogar noch viel mehr solcher schwer verständlichen Stoffe. Erinnert mich an eine aufschlussreiche Diskussion, die ich mit einem Mitarbeiter hatte – Diplombiologe mit Hang zu Greenpeace und deren Studien. Ich bat ihn, nicht im Auto zu rauchen, weil das eine ziemliche Schadstoffkonzentration hervorrief. Was folgte, war ein Vortrag über Studien von Greenpeace zur Qualität der Luft in Innenstädten, die aufgrund der Autoabgase derart verseucht war, dass zusätzliche Belastung durch Zigarettenrauch kaum noch ins Gewicht fiel. Schade, dass Autos nicht die gleichen Aufkleber wie Zigarettenpackungen haben.

Leben kann die Spermatozoen schädigen und schränkt die Fruchtbarkeit ein

Ja, das kann es. Und noch viel mehr.

Leben kann zu Durchblutungsstörungen führen und verursacht Impotenz

Nun – Leben verursacht auf jeden Fall Durchblutungsstörungen. Schon in der frühen Kindheit wachsen die kleinen Äderchen zu – und irgendwann im Alter sind die kleinen Äderchen dann dicht. Kann auch impotent machen, so ein Mist.

Leben verursacht Lungenkrebs

Ja, das tut es. Verstärkt seit den Atombombenversuchen der „Großmächte“. Die winzig kleinen strahlenden Teilchen fliegen seitdem durch die Welt, suchen sich Lungengewebe, in das sie sich ennisten können und bringen die Programme in den Zellen durcheinander. Gut, dass geschieht jeden Tag, Krebs hat jeder – doch Plutonium sorgt dafür, dass die Immunabwehr nicht mehr dagegen ankommt.

Leben führt zur Verstopfung der Arterien u. verursacht Herzinfarkte und Schlaganfälle

Wie erwähnt – das geschieht von Anfang an. Das ärgert viele. Da glaubt man den Prophezeiungen der Konsumindustrie, dass man ewig jung und gesund bleiben wird, wenn man nur alles richtig macht: 80 Stundenwoche, Eigenheim mit großem Garten, dreimal im Jahr ab in den Urlaub, 4 Stunden täglich vor dem Fernsehr, um „auf dem Laufenden zu bleiben“ – und gerade, wenn man das Programm abgearbeitet hat, fällt man einfach tot um. Geschieht übrigens auch bei Sportlern – bei denen (das haben mir Kardiologen der Uniklinik Hamburg versprochen) geschieht das sogar noch früher, weil die Ladung der biologischen Baterie des Herzens begrenzt ist. Groß – aber begrenzt. Wer früh viel davon abruft … fällt mit Ende vierzig einfach um.

Leben in der Schwangerschaft schadet Ihrem Kind

Ist klar: wenn etwas so viel Schaden verursacht, dann kann das auch in der Schwangerschaft nicht gut sein. Streß schädigt das Kind übrigens auch: Straßenlärm (scheußliche Geräusche für so empfindliche Ohren), Umweltgifte (über die Schadstoffbelastung in Städten haben wir ja schon gesprochen) und Ängste der Mutter um ihren Arbeitsplatz sowie die kaum bezahlbaren Rechnungen: dass alles kriegt das Kind ab. Stört keinen.

 Lebende sterben früher

… oder später. Wir haben nur einen sehr geringen Einfluss drauf. Mein Vater – schwer geschädigt durch „Arbeit“ (eine unangenehme und im Prinip sehr schädigende Form von „Leben“, weshalb man dafür früher extra Entschädigungen in Form von „Lohn“ bekam – war fanatischer Nichtraucher. Starb mit 69. Sein Widersacher – Kettenraucher, mutmaßlich Alkoholiker – wurde 80.

Leben macht sehr schnell abhängig: Fangen Sie gar nicht erst an!

Wem muss man das noch sagen? Leben ist etwas, was man ausgesprochen gerne tun kann. Nun – eingepfercht in den verseuchten Städten (beliebter Wohnraum übrigens für „unwertes Leben“: Arme, Alte, Kranke, Arbeitslose – einfach mal die Mietstufenkategorien der Wohngeldstelle durchforsten, man findet dort Hinweise auf akzeptable Unterbringung von Arbeitslosen – die kriegen Mietstufe 1 …oft verbunden mit starker Belastung durch Industrieabgase) merkt man das nicht so – aber in freier Natur kann schon Begeisterung für „Leben“ aufkommen. Es ist schön bunt, riecht gut, klingt schön – insgesamt ein Gewinn.

Ihr Arzt oder Apotheker kann Ihnen dabei helfen, das Leben aufzugeben

Ja – das machen die in der Tat häufiger als einem lieb ist. In Deutschland erheben wir die Zahl der iatrogenen (von griech. Iatros: der Heiler, der Arzt) Todefällt nicht, dafür ist die Ärztelobby zu stark: aber jedes Jahr löschen die mindestens eine Stadt wie Aachen aus. Warnhinweise auf Arztkittel werden sie jedoch nicht finden.

Hier finden Sie Hilfe, wenn Sie das Leben aufgeben möchten:
(Telefonnummer/Postanschrift/Internetadresse/Befragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker)

Ja, in der Tat. Wie ich erst heute las, haben Ärzte die Aktion T4 (Vernichtung unwerten Lebens, hier: geistig eingeschränkte Menschen) noch weit über 1945 hinaus praktiziert, ich warte gerade noch auf konkrete Quellenangaben dazu. Dabei brauche ich gar keine Ärzte, um das Leben aufzugeben … es endet ganz von allein, immer und für jeden.

Leben kann zu einem langsamen und schmerzhaften Tod führen

Ja – das kann es. Das kann es nicht nur: das macht es sogar immer. Kein Tod ist lustig. Der Tod steht an dem Ende jedes Lebens – und je mehr man sein Leben geliebt hat, umso schwerer fällt der Abschied. Auch wenn die Seele sonstwo hinreisen mag: die Zellen folgen ihrem Programm und kämpfen ums Überleben – mit aller Macht. Da wird der Körper mit Botenstoffen überschüttet, die äußerst unangenehme Gefühle hervorrufen: darauf sollte man sich einstellen. Oder man macht es wie mein Vater: er stand mitten in der Nacht auf, irrte durch die Wohnung und murmelte „ich muss jetzt gehen“. Meine Mutter brachte ihn zurück ins Bett … am nächsten Morgen bekam ist erst eine Nierenkolik – und bei der eilligen Rückkehr nach Hause einen äußerst unangenehmen Anruf, während ich auf den Notarzt wartete – einen Tag vor dem Geburtstag meiner Tochter.

Schützen Sie Kinder – lassen Sie sie nicht den Hauch des Lebens einatmen

Ja – das macht Leben aus – seit 3000 Jahren. Gott haucht Lehm und Matsch an – und schon wandert der Haufen Unrat begeistert durch die Welt. Das macht Angst – weshalb sich immer mehr Menschen vor dem Leben verstecken: Tagsüber in Bürotürmen, zwischen durch in möglichst dicke Blechkisten, Nachts in eingezäunten Ego-Tempeln und vor dem sprechenden Bild, das ihnen die ganze Zeit ihr Leben stiehlt. Man sollte Kinder wirklich davor schützen.

Wer das Leben aufgibt, verringert das Risiko tödlicher Herz- und Lungenerkrankungen

Das ist in der Tat die Konsequenz davon: wer gar nicht mehr lebt … oder die Lebendigkeit seines Geiste wo weit wie nur irgend möglich reduziert … geht auch kein Risiko mehr ein. Kinder – sind da noch ziemlich lebendig.

Nun, lieber Leser, sie haben es vielleicht erkannt: das habe ich mir ein paar Sprüche von Zigarettenpackungen geklaut (Quelle: rauchfrei.de) In der Tat war ich ein wenig angefressen: letztes Wochenende hatte ich Familienbesuch, wir haben Fotos aus fast einem Jahrhundert Familiengeschichte durchgeschaut und ich war verblüfft, wie alt man trotz Rauchen und Übergewicht werden kann, wenn man nur genug Freude im Leben hat. Und natürlich war ich verärgert, dass mein Vater so früh gehen musste: seine Enkel hätten mehr von ihm verdient. Er hatte wenig Freude, war Handwerker – im Alter sind deren Knochen kaputt. Sagt man einem nicht während der Ausbildung.

Sicherlich:  niemand wird mir verkaufen können, dass das dauerhafte Einatmen von Qualm gesund – oder auch nur unschädlich ist. Normalerweise würden wir davon kotzen, wenn der Tabak nicht mit großen Mengen Lakritz vermengt wäre, die den Würgereflex bzw. den Hustenreiz unterdrücken. Es wäre einfach, dass Rauchen unattraktiv zu machen, in dem man einfach mal die Lakritze ´rausläßt – aber Verantwortung hat halt in diesem Land nur der Konsument. Das mit den Lakritzen … weiß ich von meinem schon lange und recht früh gestorbenen Freund Hugo (starb an Liebeskummer), der für die Zigarettenindustrie an der Automatisierung gearbeitet hat … er war als Raucher sehr überrascht, was wirklich alles in dem Tabak ist. Seiner Meinung nach bestand der Inhalt von Zigaretten nur noch zu 10 % als Tabak, der Rest war Müll. Eigentlich schade, dass ich ihn da nicht noch mal fragen kann.

Deshalb sind die Warnhinweise auf Zigarettenpackungen sinnvoll – aber sie gehören auch auf Apotheken, Arztkittel bzw. Arztpraxen, auf Autos, auf Flugzeuge, auf Jobcenter (ja: Hartz IV macht zusätzlich sogar noch psychisch krank, während Rauchen für einen gewissen entspannten Zustand sorgen soll, in der Psychiatrie – da habe ich mehrere Praktika gemacht, aus beruflichen Gründen – rauchen die Patienten deshalb stark, um die Nebenwirkungen der Medikamente zu kompensieren), auf Bürogebäude, auf industriell gefertigte Nahrungsmittel, auf Stadtschilder, Schiffe, Fernseher, Handys, Panzer (und Waffen jeder Art) und … Arbeitsplätze.

Aber um die ganzen Dinge … kümmern wir uns nicht. Wir konzentrieren uns auf den Kampf gegen das Rauchen … und sind damit so abgelenkt, dass wir nicht merken, wie uns der Rest des Lebens durch die Finger rinnt.

Die Kinder auf dem See … waren in Lebensgefahr. Das Wasser ist noch eisig kalt – was ich bestätigen kann … habe mal einen Fuß ´reingehalten. Nee … das dauert noch, bis man dem See einen Eifelphilosophen anvertrauen kann. Das dauert noch sehr lange.

Aber … sie waren sehr lebendig. Ich hatte sie während meiner Arbeit vom Fenster aus gesehen. Kleine bunte Kanus tanzten mutig auf den Wellen, kämpften tapfer gemeinsam gegen den Sturm.

Wären wir doch auch so solidarisch, so tapfer, mutig und kämpferisch … man würde uns nicht so sehr unser ganzes Leben an der Nase herumführen können – oder unsere Arbeitslosen in Mietstufen der Kategorie 1 langsam vergasen lassen.

Stattdessen … lassen wir uns von Warnschildern durchs Leben jagen, bis es urplötzlich ein Ende hat … ein Ende, über das wir nur ungern sprechen.

Ach – jetzt habe ich Ihnen den Tag versaut, nicht wahr?

Als Entschädigung: eine kleine Erkenntnis über Glück:

Glück ist reines Sein.

Wer sich vergisst,

wer ganz in dem ist, was er tut,

der ist glücklich.

(Quelle: Anselm Grün, 365 Tagesimpulse, Herder 2012, Seite 63).

Soll  ich mal ganz fies sein? Gespeist durch die Enttäuschung über die ganzen uralten Raucher in meiner Familie und im Zorn über die durch „Arbeit“ vernichteten Menschen, die mit Ende dreissig schon wie uralte Menschen aussahen, ohne dass ein Warnhinweis während der Ausbildung sie über die Folgen der Arbeit aufgeklärt hätte, möchte ich gerne einen Satz bilden:

Rauchen … ist reines Sein.

Stimmt auch. Eine Kurzzeitmeditation (so nannte es – glaube ich – der Herr Fromm) … die tödlich sein kann. Tödlich – wie das Leben selbst. Doch Rauchen … kann manchmal zum Tode führen.

Das Leben schafft dies IMMER! Zu jeder Zeit. Auch vor dem Fernseher, selbst dann, wenn man noch so nach der Fortsetzung seiner Lieblingsserie giert.

Das wird nur super verdrängt.

 

 

 

Der Tod

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Ostersonntag, 5.4.2015. Eifel. Wir haben heute Ostersonntag. Für viele ein Grund zu Freude – weil man sich in Deutschland so langsam auch zu Ostern mit Geschenken überschüttet. Das wichtigste Fest der Christenheit wird – wie Halloween, Karneval und Weihnachten – dem „konsumieren-bis-der-Arzt-kommt“-Kult geopfert. Es war lange Zeit die letzte Bastion für Besinnung und Besinnlichkeit, der letzte Ort, an dem wir uns dem realen Leben stellen durften, ohne ausgelacht zu werden – ein Ort, an dem uns klar werden durfte, dass wir alle ein Problem haben: wir werden sterben, und zwar mit tödlicher Sicherheit.

In der Philosophie beschäftigen wir uns viel mit Weisheit und Wahrheit und haben dabei erstaunliche Ergebnisse zu Tage gefördert: wir – als Menschen – sind zu blöde, um die Wahrheit erkennen zu können. Sie hängt viel zu sehr ab von der Beschränktheit unseres Denkens und der Beschränktheit unserer Wahrnehmung – und der Weg der „Wissenschaft“, die sich dieser Erkenntnis zum Trotz aufgemacht hat, Wahrheiten zu produzieren, hat uns erstmal an den Rand der Vernichtung geführt: ökologisch, ökonomisch, atomar und genetisch sind wir nach 200 Jahren ziemlich am Ende, kranke, sieche Völker vegetieren in künstlichen, von Maschinen gestalteten Welten dahin, kaum noch einer fähig, auch nur eine Woche allein im Wald zu überleben. Ja: „Wissenschaft“ macht in Wirklichkeit nicht mehr, als eine Hypothese nach der anderen zu produzieren, eine Theorie nach der anderen zu erstellen, die immer unwahrscheinlicher werden, je mehr davon aufeinander gestülpt werden. Darum sind Dogmen für diese Wissenschaft so wichtig: ohne diese künstlichen Skelette würde das ganze Gebilde schnell in sich zusammenfallen. Das größte Dogma scheint jenes zu sein, welches die Philosophie als einzige Wahrheit akzeptiert: der Tod.

Ja: wir können  hin- und herdenken wie wir wollen: wir sterben alle. Jeder – außer vielleicht der Graf von St. Germain, doch diese Geschichte möchte ich ein andermal erzählen, diese Gestalt, die man noch 142 Jahre nach seiner Geburt quietschfidel und jugendlich wirkend auf Beerdigungen des hessischen Adels gesehen hat, mag hier nur nebenbei als absonderlicher Außenseiter erwähnt werden, der durch seine Existenz versuchte, heilige Lehrsätze der Philosophie zu widerlegen. Was für ein Schuft.

Für uns andere jedoch gilt sicher: wir werden sterben. Alle. So wie wir auch alle geboren worden sind. Ja – das berichtet man sogar von Jesus Christus, dessen Auferstehung von den Toten wir am heutigen Tage feiern sollten, anstatt uns mit teurem Tand zu beschenken. Ja – noch so eine Gestalt aus der Geschichte, die dem Tode getrotzt hat: sie soll sogar andere wieder zum Leben erweckt haben. Doch auch diese Legende wollen wir heute nicht weiter verfolgen, obwohl wir damit rechnen müssen, dass sie uns verfolgt.

Gelegentlich bricht der Tod in unser Leben ein: wir finden das ganz fürchterlich. Erst kürzlich nahm er dutzende von Deutschen mit, die mit einem Flugzeug unterwegs waren: wir haben reagiert wie bei einem Terroranschlag, der ganze Staat verfiel in Trauer, Fernsehprogramme wurden geändert, hochwohlgeborene Kanzlerinnen und Präsidenten mimten eine äußerst entschlossene Betroffenheit … dabei war etwas ganz normales geschehen: Menschen waren gestorben.

Nun gut: es war ein Tod außer der Reihe, öffentlich, nicht wie der übliche, der versteckt und verborgen in Altenheimen und Krankenhäusern stattfindet. Es war ein Tod, der mitten im Leben zuschlug … als gäbe es ein geheimes Versprechen, dass dies niemals geschehen wird. Zudem wagte dieser Tod, einem der modernen Dogmen zu widersprechen: „Fliegen ist sicher“ – ein absurdes Dogma, denn wäre Fliegen wirklich sicher, würde niemand dabei sterben. Aber andererseits … war es nur der Tod, der jeden von uns erwartet. Manchmal – wie beim „plötzlichen Kindestod“ – kommt er sogar sehr früh, manchmal erst wenige Wochen nach Führerscheinerwerb, wenn man stinkbesoffen vor einen Betonpfeiler knallt. 74000 Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen riskanten Alkoholkonsums (siehe: Kenn Dein Limit) – ohne Staatstrauer, ohne Änderung des Fernsehprogramms, ohne, dass die Zahl groß bekannt ist.

Sie werden verdrängt wie der Tod selbst.

Sie persönlich … werden sterben. Vielleicht sogar noch, bevor Sie diesen Text zuende gelesen haben.

Ist Ihnen das bewusst? Oder glauben Sie auch den Versprechen der modernen Medizin, dass Sie nur jeden Monat zum Arzt gehen, viel Gemüse essen, viel Sport treiben, alle Pillen essen und ständig gut drauf sein müssen um den Tod so weit aus Ihrem Leben drängen zu können, dass er eigentlich gar nicht mehr wahr ist?

Nun – Sie sterben ständig, das erzählt Ihnen nur keiner. Ihre einzelnen Körperzellen leben nicht ewig – jedenfalls die meisten. 60-90 Billionen haben Sie davon, 50 Millionen sterben in jeder Sekunde (siehe Apotheken-Umschau) So gesehen sind Sie eine wandelnde Leiche, die jedem Tag mit dem Tode ringt. Meist erfolgreich, aber halt nicht immer – und erst recht nicht ewig.

Es sind auch gerade diese Zellen, die den Tod fürcherlich machen, grausam, schmerzhaft – wenn er durch Alter und Krankheit kommt. Sie wollen auf keinen Fall gehen, senden Botenstoffe aus, die Angst, Panik, Wahnsinnn produzieren. Da sind wir nicht anders als Schweine, die geschlachtet werden … aber das sind nur unsere Zellen.

„Wir“ … sind was anderes.

Ich zumindest – und ich  gehe davon aus, dass ich nichts besonderes bin. Ich bin nun 55 Jahre alt, die Zellen meines Körpers … die sich nicht mehr so schnell erneuern wie früher … sind zehn Jahre alt und damit schon ganz schöner Müll, aber mein Geist ist immer noch der Gleiche … und viel älter als meine Zellen. Gut, er hat mehr Informationen, mehr Ballungen von Schlussfolgerungen, die sich um Laufe der Jahre nach vielen Erprobungen zu Gewissheiten verfestigt haben, verfügt über ein gewaltiges, fast unerschöpfliches Potential an Erinnerungen … aber seine Farbe, sein Geruch, sein Klang ist immer noch derselbe wie im Alter von fünf, seine Art zu Denken, zu Empfinden, zu Sein ebenfalls … weshalb ich den deutlichen Eindruck habe, dass er mit dem Zellenchaos nur sehr wenig zu tun hat. Klar: das ist nur meine persönliche Wahrheit – aber die hilft mir, den Tod von nahen Menschen ohne große Panik zu überstehen.

Ich stehe mit dieser Wahrheit allerdings nicht alleine da: Millionen von Deutschen haben erfahren, dass ihr Geist auch nach dem körperlichen Tode noch äußerst aktiv ist. Es gibt sogar einen Begriff für diese Erlebnisse: „Nahtodeserfahrungen“.

Die Begriffsbildung ist völlig daneben – das kommt eben, wenn Laien in den Bereichen der Geisteswissenschaften ihr Unwesen treiben. Erfahrungen, die Menschen in diesen Zuständen machen, sind Erfahrungen des Todes – doch niemand ist mehr so mutig, sich modernen Dogmen auf diese Art und Weise in den Weg zu stellen. Noch absurder treiben es die Priester der modernen Dogmatik, in dem sie – wie dieser Anästhesist (der wohl seine Pflicht-Philosophieseminare verschlafen hat) – die Erfahrung des Todes als etwas „Paranormales“ klassifizieren, um nachher mit einer großen Menge an Hypothesen eigene Wahrheiten zu erfinden (siehe Heise). Der Mann versucht hier – fast schon verzweifelt – das Nahtoderlebnis von Pam Reynolds in anderen Kategorien zu deuten … was immer möglich ist. Mit seiner Methodik – die voller Annahmen, Hypothesen und Unterstellungen ist – kann man beweisen, dass die Erde eine Scheibe ist. Oder der Mond aus grünem Käse (was im Rahmen der Geschichte der Wissenschaft schon mal geschehen ist).

Das Beste, was man damit erreichen kann, ist: ein Unentschieden in der Wirklichkeitsdeutung zwischen ihm und Pam Reynolds persönlich, es besteht keinerlei Grund anzunehmen, dass seine Interpretation von Erlebnissen einer anderen Person „wahrer“ sind als die Deutung, die die Person selbst vornimmt, nach den Gesetzen der Empirie (die hier willkürlich außer Kraft gesetzt werden) kann ausschließlich der Erlebende den Wahrheitsgehalt seiner Erlebnisse verbürgen.

Nun – dieses Anästhesistenmärchen machte 2005 seine Runde bei den unseriösesten Kreisen der deutschen Gesellschaft, den „Skeptikern“ bzw. der GWUP, die Bildung gerne durch Einbildung ersetzen und in unqualifizierter, fachfremder Art und Weise Dinge beurteilen, die sich ihrem beschränkten Erkenntnisvermögen entziehen … und sich wünschen. alle Menschen hätten solche Grenzen.

2015 sieht die Datenlage anders aus, mit seinem Werk „Blick in die Ewigkeit“ veröffentlichte der Neurochirug Eben Alexander eigene Erfahrungen zum Tod – und widerlegte nebenbei alle „Neuromythen“, die zu diesem Thema je gebildet wurden (siehe Blick in die Ewigkeit, Ansataverlag 2013, Seite 251 ff). Wie nicht anders zu erwarten, kam von entsprechender Seite Gegenwind, das Magazin „Esquire“ (so eine Art „Playboy mit Schwerpunkt Männermoden“, in Deutschland nicht erhältlich) stellt seine medizinische Reputation in Frage – was nicht anders zu erwarten war, denn immerhin ist er als Arzt ein Kronzeuge gegen das herrschende Dogma, das besagt. dass mit dem Tode alles endet – ein im Übrigen auch politisch sehr nützliches Dogma, hält es die Menschen doch von Abenteuern wir Revolution, Demonstration oder selbstbestimmtem Leben fern. Hätten unsere Vorfahren dieses Dogma auch geteilt … wir hätten nie angefangen, unsere Umwelt zu erforschen und wären im Baum sitzen geblieben, ängstlich dem Rauschen der Blätter im Winde lauschend, wie wir heute dem Rauschen des TV dahindämmernd verfallen.

Nun – der Gegenwind gegen Dr. med. Alexander fällt ziemlich mau aus, der Rückenwind jedoch nimmt zu (siehe Grenzwissenschaften):

„Mit der AWARE-Studie haben Mediziner, Psychologen und Neurowissenschaftler seit 2008 nach belastbaren Beweisen für eine Weiterexistenz des menschlichen Bewusstseins nach dem Tode gesucht und erforscht, was mit dem menschlichen Geist und Bewusstsein während des klinisches Todes und bei Herzstillstand passiert. Schließlich berichten 10 bis 20 Prozent jener Patienten, die wiederbelebt werden konnten, von Erlebnissen während dieser Zeit – sogenannte Nahtoderfahrungen. In einigen Fällen berichten diese Menschen davon, in der Lage gewesen zu sein, ihren Körper zu verlassen und die Vorgänge um sich herum gesehen und gehört zu haben. Jetzt liegen die Ergebnisse der AWARE-Studie vor und legen tatsächlich ein zumindest den medizinischen Tod minutenlang überdauerndes Bewusstsein nahe.“

Raymond Moody, Elisabeth Kübler-Ross, Pim van Lommel – Wissenschaftler, die das Dogma praktisch ad absurdum geführt haben und deren Kritiker … sehr seltsame Wege gehen:

„Neurowissenschaftler sehen indes eine Vielzahl anderer Erklärungen dafür, wenn Menschen ungewöhnliche Erlebnisse berichten, nachdem sie fast gestorben wären.“ – so formuliert die Süddeutsche (siehe Süddeutsche) die Kritik an der „Aware“-Studie und versucht, alle Studien zu diesem Thema gezielt durch semantische Tricks zu entkräften:

„Nicht zu unterschätzen in der Beschwörung von Nahtoderlebnissen ist wohl auch das verständliche Bedürfnis vieler Menschen, der Angst und Ungewissheit angesichts des Todes die Hoffnung entgegenzusetzen, dass es so schlimm schon nicht werden wird. Unabhängig von der Stärke ihrer religiösen Überzeugung ist die Aussicht auf ein finales Licht-Wärme-Bad im goldenen Strahlenkranz ja tröstlich. Ob es tatsächlich und endgültig so kommt, wird die Wissenschaft allerdings nie herausfinden können. Studien zum Thema leiden an der unüberwindbaren methodischen Schwäche, dass sie sich nur mit Probanden durchführen lassen, die zwar fast, aber eben noch nicht ganz tot waren.“

Dem möchte ich entgegnen:

„Nicht zu unterschätzen in der Verdammung von Nahtoderlebnissen ist wohl auch das verständliche Bedürfniss von Wirtschaft und Politik, die Angst und Ungewissheit angesichts des Todes bis in alle Ewigkeiten aufrecht zu erhalten“ …

Studien zu dem Thema leiden nicht an einer methodischen Schwäche, lediglich die Definitionserlebnisse von „Tod“ führen in der Folge zu Zweifeln an der Methodik. Hier hilft aber wiederum die Philosophie – die man auch gerne im Sinne der Renditemaximierung von Kapitaleignern abschaffen würde.

Hat man zwei Glaubenssätze (Tod ist endgültig versus Tod ist ein Übergang), die niemals zu endgültigen Wahrheit kommen können, so darf man sich – im Sinne der Philosphie der „Nützlichkeit“ (im weiteren Sinne des Utilitarismus) – frei für eine Wahrheit entscheiden, die einem den meisten Nutzen bringt … das ist dann zwar nicht „wahr“ … aber „weise“.

Wollen wir uns dieser Wahl nicht stellen, bleibt uns noch ein zweiter Weg: den der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Wie wahrscheinlich ist es, dass Menschen, die kein Erlebnis hatten (zum Beispiel Fallschirmspringen, Sex, Tauchen, auf dem Mond landen) dieses Erlebnis besser deuten können als Menschen, die dieses Erlebnis hatten? Sollen wir da eher Menschen glauben, die dem Tod begegnet sind … oder jenen, die ihn nur vom Hörensagen her kennen?

Wer hier seinen Weg noch nicht findet, der mag sich auf seine Zellen besinnen – was im Alter immer leichter fällt: unsere Zellen sterben jeden Tag, ohne dass unser Geist davon berührt wird. Einfach mal drauf achten … wenn zwischen der ganzen „Unterhaltung“ und „Beschäftigung“ für einen selbst und die eigenen Dinge überhaupt noch Zeit ist. Lediglich wenn der Körper (unser Gefährt, unser „Auto“) zu massiv beschädigt ist, können wir uns im Verkehr des Lebens nicht mehr mitbewegen – was aber nicht heißt, dass das Auto das gleiche ist wie sein Fahrer.

Und was machen wir mit jenen, die die Erzählungen vom Tod als „Mythos“ abtun, als „Halluzination“? Nun – ihr Anspruch auf Wahrheit ist in etwas so hoch wie der jener, die behaupten, unser ganzes Leben sei nur ein Traum – mehr nicht. Kann man so sehen, wenn man will (es gibt in der Philosophie einige, die sich einer solchen Realität gestellt haben) … muss man aber nicht.

Und was machen wir jetzt mit dem Tod? Mit unserem Tod?

Vielleicht befragen Sie mal Ihre längst verschütteten aber immer noch vorhanden Instinkte anstatt die ahnungslose „Wissenschaft“. Diese „Wissenschaft“ ist nur Naturwissenschaft, Natur ist aber nur jener Raum, in den wir mit unserer Geburt eintreten und den wir mit unserem Tode verlassen, Ihre Instinkte jedoch wurden ihnen mitgegeben, damit sie nach der Geburt überhaupt lebensfähig sind – und ihre Rolle spielgen können. Wenn danach wirklich unsere völlige Auslöschung droht … glauben Sie wirklich, auch nur ein einziger Wikinger hätte sich auf den Weg über unbekannte, dämonische Meere gemacht, um neues Land zu finden … von dem gar nicht sicher war, dass es das gibt? Glauben Sie, auch nur ein Mensch hätte jemals sein Leben für seine Überzeugungen riskiert, wenn er nicht im Grund seines Herzens überzeugt davon wäre, dass die Art, wie wir leben, viel wichtiger ist, als die Dauer dieses Einzellebens?

99% der Menschen, die bislang gelebt haben, waren andere Werte wichtiger als das bloße Überleben. Sollte das nicht als Anhaltspunkt dafür ausreichen, dass der Tod weit weniger zu fürchten ist als zum Beispiel die Degeneration der eigenen Seele, des eigenen Geistes?

In diesem Sinne wünsche ich: Frohes Ostern!

PS: das „Denken“ die einzige Art für uns wahrhaft erlebbarer Realität ist, ist im Übrigen die Grundlage sämtlicher Naturwissenschaft. Seltsam, welche Blüten die trotzdem treibt, seltsam, wie sie uns verkaufen will, dass das Studium der Bühnenbildnerei wichtiger ist als die Aufführung des Stückes selbst.

 

 

 

 

 

 

Germanwings-Absturz … und Verschwörungstheorien

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Samstag, 28.3.2015. Eifel. Aktuell habe ich was Besseres zu tun, als meine Gedanken auf den Bildschirm zu bringen … doch lassen mich einige Facetten des Alltages nicht los. Verschwörungstheorien, zum Beispiel. Habe gerade heute wieder eine nichtssagende, unlogische, jeder Vernunft spottende Verurteilung von Verschwörungstheorien gelesen, blöd, naiv, voller Vorurteile, Verallgemeinerungen und aussagelosen Füllsätzen, dass man sich spontan fragt: wer hat dem Schulabbrecher schreiben beigebracht? Werden wir nie erfahren – der Autor wollte anonym bleiben.

Im Rahmen der Philosophie haben wir andere Begrifflichkeiten für Verschwörungstheorien: wir nennen sie Wahrheitstheorien … bzw. Anti-Wahrheitstheorien, je nachdem, welche Wahrheitstheorie hier Zugrunde liegt. Wahrheitstheorien? Nun – da  haben Sie sich wahrscheinlich noch gar keine Gedanken drüber gemacht, für sie ist Wahrheit, was FAKT ist. So sollte es auch sein – doch das ist nur eine von vielen Wahrheitstheorien: die Korrespondenztheorie, in der die Sprache die Realität korrekt abbildet. Aristoteles hatte mit solchen Überlegungen angefangen.

An der Tatsache, dass es nur eine von vielen Theorien ist, können Sie erkennen, das selbst diese einfache, plausible Vorstellung von Wahrheit nicht ganz „wahr“ ist. Das Problem ist: um eine wahre Aussage über meine Umwelt zu treffen (z.B. Gras ist grün) muss ich vor der Wahrheitsfindung erstmal Urteile fällen, die subjektiv sind: die Definitionen von „Gras“ und „grün“. Ja, ich weiß: pingelig. Leider sind Philosophen so, und warum zeigt Ihnen ein nächster Satz der deutschen Bundeskanzlerin, der sehr ähnlich dem Satz „das Gras ist grün“ ist: „Deutschland geht es gut!“

Merken Sie, wie auch Ihre Vernunft zu rebellieren beginnt? Dabei ist der Satz im Rahmen der Kohärenztheorie zutreffend – jener Theorie, die sich nur noch um Worte bemüht und alles für wahr hält, was innerhalb eines Aussagesystems ohne logische Widersprüche eingeordnet werden kann. Auch der Utilitarismus oder Pragmatismus (eine US-Variante von Wahrheitstheorien) kann damit leben: wahr ist, was mir nützt. Für Angela Merkel ist der Satz deshalb „wahr“, weil er ihr nützt und innerhalb ihres Aussagesystems problemlos hineinpasst. Wahrheit – wird so zur Wahrheit der Mächtigen, d.h. zu jener Wahrheit, die die Gestalter eines Aussagesystems für sich zurechtgelegt haben … u.a. deshalb, weil das so etablierte System sie finanziell am Meisten bevorzugt, während Menschen mit weniger Zugang und Möglichkeiten zur Gestaltung des Aussagesystems auf der Strecke bleiben und von Hartz IV …“leben“ … müssen.

„Verschwörungstheoretiker“ im modernen Sprachgebrauch sind also lediglich Verfechter der Konsenstheorie (Wahrheit findet die Zustimmung aller Menschen, die der Sprache und dem Denken hinreichend mächtig sind) gegen die Vertreter des Pragmatismus, einer Wahrheitstheorie, die in Deutschland vor allem Konzerne, Medien und Parteien aber auch die Mehrheit der Einwohner teilen: wahr ist, was mir Geld in die Taschen bringt. Tun diese Menschen alles in ihrer Macht stehende dazu, diese Wahrheit als „Wahrheit für alle“ durchzudrücken, haben wir eine Verschwörung vorliegen – erstmal eine Verschwörung gegen die Wahrheit an sich – was den Philosophen sehr stört, hat er doch ein eher libidinöses Verhältnis zu ihr und kann es nur mit großem Herzschmerz dulden, wenn sie wie eine Hure billig für niedere Einzelinteressen missbraucht wird.

Zur Steuerung von Wahrheit sind Pressesprecher erfunden worden – Menschen also, die verkünden, was ab dem 11.9.2001 Wahrheit zu sein hat – und was nicht. Ja: zu diesem Datum hat sogar ein US-Präsident jede alternative Wahrheiten, die sich auf Grund anderer Theorien als seinen eigenen bilden würden, in die Nähe des Terrorismus gerückt und zu Feinden erklärt.

Wir zur Zeiten der Monarchie setzte die Macht Wahrheit mit Gewalt durch: für Philosophen der Zeitpunkt, sich von der realen Welt in die innere Emigration zu verabschieden, weil der nächste Weltenbrand, der nächste Wahnsinn, der nächste Kollaps vor der Tür steht und der demokratische Wahrheitsfindungsprozess durch autoritären Wahrheitssetzungsprozess ersetzt wurde: so macht man aus der Erde eine Scheibe, aus Franzosen Erbfeinde und aus Juden dämonische Wesen. Ja – aus der Sicht der Erkenntnistheorie sind wir wieder so weit: der Staat setzt die Wahrheit – eine Aussage, die allein belegt wird durch den Wahrheitsfindungsprozess, der am 11.9.2001 nicht statt gefunden hat: die Wahrheit wurde „von oben“ gesetzt, wie die Kirche dereinst die Scheibenform der Erde anordnete. Widerspricht jemand, so wird er verbrannt oder … heute üblicher … verbannt und öffentlich bloß gestellt: man kann nur irre sein, wenn man die Erde nicht als Scheibe anerkennt, denn in das Aussagesystem der Kirche passt diese Aussage widerspruchslos hinein – was den Dialog schwierig macht: die Regierung (und damit sind alle Kräfte gemeint, die Macht besitzen, also auch Wirtschaft, Militär und Kirche) „glaubt“ an „ihre“ Wahrheit, weil sie ihr am Meisten nützt, d.h. den tragenden Kräften das höchstmögliche Einkommen bietet.

Man muss in der Tat schon sehr verrückt sein, um gegen sein eigenes Einkommen vorzugehen – verrückt, oder eben Philosoph. Demokrat oder Querulant geht auch.

Aus der Erkenntnis, dass „Wahrheit“ für den Menschen nicht fassbar ist (dafür ist er von den Sinnen und vom Verstand her einfach zu gering bestückt), kam die Überlegung, dass „Urteile“ vorsichtig und umsichtig zu fällen seien, ein Umstand, den wir in der Justiz sehr berücksichtigen, in der Politik und vor allem in der Wirtschaft aber eher zunehmend vernachlässigen. Dort, wo nicht umsichtig und vorsichtig geurteilt wird, ist das Vorurteil die herrschende Wahrheit: Platz für reichlich Manipulation und Propaganda … und politisch gesehen die Vorherrschaft die Diktatur. Demokraten – so lernte man noch in bundesdeutschen Schulen der frühen siebziger Jahre – meiden das Vorurteil wie der Teufel das Weihwasser. Heute wird es als durchaus nützlich angesehen … wir aktuell durchexerziert beim Absturz des German-Wings-Fluges in den Alpen.

Was geschieht aktuell?

Es wird Wahrheit gesetzt: sogar bis tief hinein in den persönlichen Raum. Es wird Trauer angeordnet – und damit sich der Bürger der Anordnung nicht widersetzt, werden fröhliche Sendungen abgesetzt. Es wird reagiert, als hätte sich etwas unglaublich Irreales, Entsetzliches, Grausames zugetragen – innerhalb der Koheränztheorie der Machthaber geschah auch genau das: entgegen der Meinung der Werbeindustrie, die uns verspricht, dass wir ewig jung und schön bleiben können, nie sterben werden, damit wir bis in die fernste Zukunft auch alle neuen Produktreihen erwerben, alle Serien sehen, alle Orte der Erde besuchen können, hat der Tod uns eines besseren belehrt: er macht in der Tat auch vor den heiligen Deutschen nicht halt, die erwarten, dass selbstverständlich ihre Flugzeuge nie abstürzen … gerade ihre Flugzeuge, sind sie doch das beliebteste Transportmittel der wirklichkeitssetzenden Oberschicht. Arbeitslose entsetzen sich da weniger über Flugzeugunglücke, ihre Schrecken sind SUV-Fahrer, die in der Innenstadt – gerne auch altersbedingt – die Kontrolle über ihr Blechmonster verlieren. Ja – für sechzig Nobeltote im Flieger gibt es Staatstrauer, für 4000 Unfalltote im Straßenverkehr eine kleine Meldung im Radio, 13000 Selbstmörder erhalten noch nicht mal das, Meldungen über Hungertote dank Sozialreform werden aktiv bekämpft – dabei sterben sie ganz im Sinne von Franz Müntefering: „wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ – also qualvoll verhungern … oder auf deutschen Straßen erfrieren (siehe Neues Deutschland).

Menschen sterben – das ist einer der wenigen absolut wahren Sätze, die die Menschheit produzieren konnten – und in Momenten wie diesen merken auch jene, die in den Kohärenzwahrheiten der Kanzlerin leben, dass sie dieser Wahrheit nicht enthoben sind. Je mehr wir den Tod aus unserer Wahrnehmung verdrängen, umso entsetzlicher wird er, wenn er wirklich eintritt – und umso hilfloser werden wir, wenn er uns begegnet: was das Leid der Hinterbliebenen deutlich steigert und erklärt, warum wir für 60 Tote Staatstrauer verordnet bekommen, für die täglichen 35 Selbstmörder aber nicht – obwohl zwei davon auch Jugendliche sind.

Bleiben wir aber bei den Verschwörungstheorien … obwohl wir uns damit einer großen Gefahr aussetzen, Opfer von Gewalttaten zu werden. Ja – es gibt zu dem Thema eine Studie, deren Bedeutung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann: Menschen, die zur Bildung von Verschwörungstheorien (also: Wahrheitstheorien!) neigen, sind vernünftiger als Menschen, die sich kritiklos den Kohärenztheorien kleiner, exklusiver Gruppen anschließen, d.h. sie wirtschaften besser, fahren sicherer Auto, arbeiten effektiver bringen sich mehr in das Gemeinwesen ein, engagieren sich für Frieden und Völkerverständigung und verfolgen erfolgreich lösungsorientierte Ansätze in allen Lebensbereichen, d.h. sie sind die „Macher“ einer jeden Kultur – was „Vernunft“ halt einfach so mit sich bringt. Die „Gläubigen“ jedoch … sind dafür aggressiver (siehe Forschung und Wissen):

„Die Gruppe der Menschen, die der offiziellen Version glauben – welche im Internet eine deutliche Minderheit darstellt – reagiert auf die Kommentare anders Denkende oftmals verärgert, angewidert oder gar aggressiv. Die Forscher vermuten dahinter Frust, dass die Aussagen der alteingesessenen Mainstream-Medien unter Verschwörungstheoretikern nicht mehr akzeptiert werden.“

Die Wahrheit hinter diesen Emotionen scheint mit eine ganz andere zu sein: die Überforderung des Dummen durch die Vernunft … was immer negative Gefühle nach sich zieht. Die Erkenntnis und die dauernde Konfrontation mit der eigenen geistigen Beschränktheit ist nie angenehm, bei entsprechend geringem Selbstwertgefühl können da schon mal unangenehme Gefühle hochkochen – das ist menschlich, dient aber nicht der Wahrheitsfindung. Entsprechende Reaktionen kann man übrigens in einschlägigen Foren und Gruppen in Facebook hervorragend studieren – dort fallen sogar die dümmeren der Linken über ihre Genossen her, wenn diese den Koheränzanordnungen der Pressesprecher von Regierung und Konzernen nicht bedingungslos folgen.

Im Rahmen der Diskussion um die Toten des Absturzes der German-Wings-Maschine kam sehr schnell – noch am gleichen Tag – ebenfalls der Wunsch auf, jetzt nicht darüber zu reden, nicht zu spekulieren und die Toten nicht zu entehren (oder die Trauer der Angehörigen zu entwerten), in dem man unpassende Vergleiche zieht: dass 50000 Hungertote täglich durch diesen Bahai um ein einzelnes, abgestürztes Flugzeug ebenfalls entwürdigt, entwertet und deklassiert werden, kommt diesen Leuten gar nicht in den Sinn … wieso auch: das machen sie ja täglich.

Wenn ich mir hier Gedanken über den Absturz der Germanwings-Maschine und die Folgen dieses Absturzes mache, geschieht dies auch nicht in dem Sinne, die Trauer der Angehörigen zu entwerten: sie haben mein Mitgefühl ebenso wie die Mütter der heute wieder verhungerten Kinder … wobei bei einer einstündigen Sondersendung wieder 720 neue Kinder verhungert sind, die keinen wirklich interessieren, weil sie Müllmenschen sind, Untermenschen, überflüssige Restmenschen, die bekommen, was sie verdient haben. Ja – alle fünf Sekunden verhungert ein Kind (siehe Deutschland-Radio): obwohl es eine der grausamsten Todesarten ist, denen Menschen ausgeliefert sein können, kräht kein Hahn danach … noch wird eine lustige Sendung dafür abgesetzt.

Ebenso schnell wie das Denkverbot und die Anordnung jetzt zu demonstrierender Gefühle erreichte uns auch die Wahrheit der Mächtigen: der Co-Pilot war es. Von kritischer Wahrheitssuche keine Spur, die Wahrheit wurde von „etablierten Medien“ angeordnet anstelle eines  – wie üblich, man schaue sich nur mal die Wahrheitsfindung bei Gerichtsprozessen an – langwierigen Erkenntnisprozesses wurde das Urteil – wie auch nach den Attentaten am 11.9.2001 – nahezu im Handumdrehen präsentiert.

Dabei … was haben wir an Fakten? Einen Piloten, der nach dem Toilettengang nicht mehr zurückkam. Einen „ruhig und gleichmäßig“ atmenden Co-Piloten hören wir (siehe z.B. Spiegel). Was wäre geschehen, wenn der Pilot nicht zur Toilette gemusst hätte? Ach – ich vergaß: im Internet kursieren seit dem Absturz auch Anweisungen, anläßlich von „Tragödien“ keine Fragezeichen mehr zu verwenden. Wer sie gegeben hat, ist mir nicht bekannt, sie werden nur massenhaft geteilt. Dabei gäbe es hier einige Fragezeichen, die auch die Pilotenvereinigung Cockpit anzubringen versucht (siehe Spiegel).

„Es sei doch sehr verwunderlich, dass der Staatsanwalt so rasch zu derart weitreichenden Schlussfolgerungen gelangt sei – und das allein anhand einer ersten Auswertung der Stimmenaufzeichnung. Klarheit über das, was sich während des Todesflugs abgespielt habe, könne schlichtweg noch gar nicht vorhanden sein. Andernfalls, so Spaeth leicht sarkastisch, bräuchte man nach der viel wichtigeren Datenbox ja gar nicht mehr zu suchen.

Im Übrigen habe es in der Vergangenheit einige Beispiele gegeben, wie französische Behörden sich sehr bemüht hätten, Schaden vom Ruf des Airbus fernzuhalten.“

Mutig, oder? Präsentiert eine Verschwörungstheorie im öffentlich rechtlichen Fernsehen – doch vergebens. Durfte NTV am Tage des Absturzes noch „Zapfluft“ als Ursache andenken (siehe NTV) – übrigens im Einklang mit Erwägungen des Luftfahrtmagazins Aero aus dem Jahre 2014 – ist schon einen Tag später das Urteil gefällt … weil unbestimmbare „Indizien“ gefunden wurden. Was schrieb Aero damals? (siehe Aero):

„Vor vier Jahren geriet ein A319 der Lufthansa-Tochter im Anflug auf Köln-Bonn in eine Mayday-Luftnotlage – beiden Piloten schwanden unvermittelt die Sinne, dem Kapitän gelang glücklicherweise dennoch eine sichere Landung.“

Das würde hinreichend erklären, warum der vermeintlich suizidale Co-Pilot keinen Abschiedsbrief hinterläßt, sich zuvor noch zwei nagelneue Audis für sich und seine Freundin gekauft hat (siehe Focus) … und ganz ruhig und gelassen atmet. Es ist ein kleiner Kippschalter, der die Tür verriegelt … reicht möglicherweise ein anderer Reflex eines ohnmächtigen Piloten aus, per Tastendruck einen permanenten Sinkflug auszulösen, der unseren ohnmächtigen Piloten natürlich in keiner Art und Weise beunruhigt, weshalb seine Atmung trotz nahenden Todes sich nicht ändert … also der Körper kein Adrenalin ausschüttet, was die Atmung beeinflusst.

Oder war das so ein eiskalter Killertyp? Entschuldigung – ich vergaß: keine Fragezeichen.

Vernunft kann aber nicht anders, erst recht nicht bei solchen Nachrichten (siehe Spiegel):

„Nach dem tragischen Flugzeugabsturz über Südfrankreich mit 150 Toten weigerten sich offenbar mehrere Crews der betroffenen Airline Germanwings, ihre Flüge mit Maschinen des Unglückstyps von Airbus anzutreten. Am Flughafen Düsseldorf, wo der abgestürzte Flieger aus Barcelona landen sollte, seien seit Mittag mehrere Flugzeuge am Boden geblieben, berichten Passagiere. Auch Airbus-Maschinen des Germanwings-Mutterkonzerns Lufthansa sollen davon betroffen gewesen sein.“

Was wußten die, was wir nicht wissen? Berichtet haben das Passagiere, keine Piloten.

Später erfahren wir, dass der Trend anhält: viele Crews weigern sich zu fliegen, andere Airlines helfen aus (siehe Spiegel), als Grund werden psychische Probleme der Crews angegeben … während die Crews der anderen Airlines angesichts der Katastrophe ruhig und gelassen bleiben wie der vermeintliche Kamikaze-Pilot, ebenso gibt es kaum Stornierungen: Passagiere verhalten sich offenbar „professioneller“ als Professionelle.

Wissen Sie eigentlich, woher die Legende der „psychischen Erkrankung“ (die bis heute nicht näher beschrieben wird, also weiter „dämonenhaft“ gehalten wird) stammt? Die „Bildzeitung“ hat sie aus „Lufthansakreisen“ (siehe Spiegel).

Und wer hat zuerst den Absturz erkannt? Eine italienische Militärmaschine – sechs Minuten vor dem Einschlag. Vielleicht war der Pilot sensibilisiert durch die Tatsache, dass es schon mal einen Airbus 320 gab, der sponaten an Höhe verloren hatte (siehe Daily Mail):
„The European Air Safety Agency (EASA) issued an Emergency Airworthiness Directive after an Airbus A321 went into an uncontrollable dive north of Pamplona, Spain before pulling out.

According to the safety warning, the Lufthansa jet, with 109 passengers and crew aboard, was at 31,000 feet when it started to descend without any input from the pilot, at a rate of 4,000 feet per minute, before the flight crew managed to regain control at 28,000 feet.
According to the EASA, a safety system designed to protect the jet reacted to incorrect data due to a faulty sensor.   
The safety warning related to all Airbus A318, A319, A320 and A321 – including the Airbus A320 involved in yesterday’s disaster.“

Na ja – keine weiteren Fragezeichen mehr. Es wahr – wie üblich – der psychisch kranke Einzeltäter: die Lieblingstheorie von Utilitaristen. Andere Wahrheiten, die die Einkommensverhältnisse der Mächtigen gefährden könnten, werden gar nicht erst diskutiert, wie bei den Kennedy-Morden und den Anschlägen vom 11.9.2001 wird Wahrheit angeordnet – zum Wohle aller, denen diese spezielle Wahrheit nützt.

Die Wahrheit an sich … interessiert nur ein paar verworrene Spinner. Perverse, die ein libidinöses Verhältnis zur Wahrheit haben.

Die Masse interessiert sich dafür, dass die Kohle rollt … und keinerlei Verunsicherung eintritt, die das geregelte Abkassieren gefährden könnten.

„Deutschland geht es gut“ … und „Fliegen ist sicher“.

Ich persönlich kann mir kaum vorstellen, dass etwas mehr die Toten verhöhnt als der letzte Satz.

Der Tod als Lehrmeister

Letzthin fand ich einen Artikel in unserem Lokalblättchen, dessen Thema schon zig Mal diskutiert, beschrieben, bewertet und verurteilt wurde. Je nach dem zu welcher Fraktion man sich zählt. Gemeint ist das Thema „Sterbehilfe“ und der eigene Tod. Hier gehen die Meinungen Lichtjahre auseinander, wobei das Tragische nicht die die verschiedenen Ansichten sind, sondern mit welchen Argumenten die Verteidiger der einzelnen Meinungen ihre Ansichten vertreten. Den Wenigstens ist dabei bewusst, dass sie irgendeine Ideologie nachplappern, deren Sinn sie für ihr Weltbild zurechtgebogen haben und es bequem ist, die Verantwortung über den eigenen Tod irgendjemanden zu übertragen.

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Man erkennt die unmündige Haltung gegenüber dem Tod aufgrund der Tatsache, wie in der Gesellschaft damit umgegangen wird. Darüber reden ist unangenehm, darüber zu schreiben noch mehr. Wenn man in der Öffentlichkeit über den Tod spricht, passen sich die physiognomischen Gesichtszüge automatisch dem Inhalt an. Die Mundwinkel ergeben sich der Erdanziehung, die Stimme wird leiser, der Augenkontakt selten. Warum eigentlich? Das haben wir diversen Ideologien, Besserwissern und kollektiven Angsthasen zu verdanken.

 

Ideologie

Darunter verstehe ich die verschiedensten Formen von Religion. Bei uns ist das Christentum vorherrschend. Die Masse huldigt einen gekreuzigten, gefolterten und leblosen Körper an, der überall in der Landschaft steht oder irgendwelche Räume optisch in Folterkeller verwandelt. Das Christentum und seine Anhänger haben während hunderten von Jahren ihr mörderisches Handwerk perfektionieren können. Eigentlich die besten Voraussetzungen für einen konstruktiven Umgang mit dem Tod. Den haben sie auch, aber nur den Tod von anderen, nicht den eigenen. Diese Religion ist derart mit Scheinheiligkeit durchzogen , dass die eigentliche Philosophie des Christentums unter einem Berg von Lügen, Machtgeilheit, Hormonen und Raffgier begraben liegt. Da ist ein aufklärender Dialog unmöglich, egal welches Thema man anschneidet. Beim Tod sülzen die Pfaffen irgendwas von Auferstehung, Himmel und Hölle. Aber kein einziges Wort, wie man sich auf seinen Tod vorbereitet, damit man ihn mit einem Lächeln begrüssen kann. Aber eben, schon Lächeln ist bei den Christen verpönt. Und das noch im Zusammenhang mit dem eigenen Tod, da kommt jeder Christ an seine Grenzen.

 

Besserwisser

Das sind die in Weiss. Sie nennen sich Ärzte und kommen oft mit dem Tod in Begleitung. Manchmal ist es nicht ganz klar, wer denn nun der Sensenmann ist. Man könnte meinen, die zwei sind in einen Wettkampf verwickelt. Wer ist schneller, wer ist effizienter. In machen Spitälern kommt der Tod nicht mal auf einen Podestplatz. Die Ärzte machen ihm schlicht den Rang streitig, die meisten Menschen um die Ecke gebracht zu haben. Unterstützt werden sie noch von den Pharma-Giftmischern, die eine Unzahl an Mittelchen bereitstellen, um die Kundschaft gewinnbringend abserbeln zu lassen. Kein Wunder hat Gevatter Tod in den Human-Metzgereien keine Chance. Er ist Einzelkämpfer und muss sich gegen eine Überzahl Weisskittel behaupten, das ist unfair.

 

Angsthasen

Da ist der Rest der menschlichen Unmündigeiten gemeint. Respektive diejenigen, welche bei diesem Thema ins Stottern kommen oder krampfhaft einen rhetorischen Richtungswechsel erreichen möchten. Sie haben immer noch das Gefühl, wenn man etwas nicht anspricht, erledigt sich das von selber. Das stimmt. Der Tod braucht keine Worte, er macht einfach seine Arbeit. Für die meisten Menschen kommt er aber unverhofft und sie erschrecken bis ins Mark. Es können sich diejenigen glücklich schätzen, bei denen der Tod blitzartig zuschlägt und man nicht mal Zeit hat, den eigenen Tod zu realisieren. Oder die, welche am Abend einschlafen und einfach am anderen Morgen nicht mehr aufwachen. Die Meisten wünschen sich die Einschlaf-Methode. Ist bequem, verantwortungslos und zum Glück eher selten. Da sind die tödlichen Blitzaktionen noch häufiger anzutreffen. Auch die sind sehr luxuriös für den Sterbenden und entbinden ihn vor jeglicher Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod. Zack und fertig.

Das sind die Sterbe-Jack-Pots. Wer unvorbereitet und gedankenlos ins Nirwana wandern darf, hat einfach nur Glück gehabt. Für den Rest wird es weit unangenehmer. Sie wollen mehr über den Tod wissen und trauen sich nicht darüber zu sprechen. Und wenn sie den Mut aufgebracht haben, dann geraten sie entweder an einen, der gleich angezogen ist wie Gevatter Tod und die ganze Zeit das Blaue vom Himmel lügt oder die andere Fraktion, die Heilung verspricht aber den Tod bringt. Aber es gibt auch noch eine Alternative.

 

Sterbehilfe

Es gibt mittlerweile einzelne Organisationen, die sterbebereiten Menschen keinen heuchlerischen Schmus erzählen, sondern sie in ihrem Wunsch selbstbestimmt und in Würde zu sterben unterstützen. Es ist ein Armutszeugnis der menschlichen Gesellschaft. Da braucht es eine Institution um den Menschen ein respektvolles Sterben zu ermöglichen. Seit Jahrhunderten verhindern Ärzte, Religionsfanatiker und Politiker ein menschengerechtes Dahinscheiden. Nur mit dem Ziel Macht auszuüben, Geld zu verdienen und einfach gesagt die Sterbenden für dumm zu verkaufen. Noch nie war es den Besagten wichtig, den Menschen über seinen Tod aufzuklären, ihn in der Vorbereitung zu begleiten und ihn in seinem Wunsch zu unterstützen. Eine verachtenswerte Bande .
Die Mitarbeiter von Sterbe-Organisationen machen eine der wichtigsten Aufgaben auf der Welt. Ein würdevolles Ableben ermöglichen. Dabei stehen sie oft mit einem Bein schon im Gefängnis. Sie müssen enorm aufpassen, nicht eine Handlung zu begehen, welche gegen sie verwendet werden kann. Die drei Vasallengruppen von Ärzten, Pfaffen und Ignoranten warten nur darauf, bis sie was finden. Deshalb sind die Sterbehelfer in ihren Aktionen derart eingeschränkt. Sie können nur bedingt auf die Wünsche des Todeskandidaten eingehen. Das Gesetz schmeisst ihnen hier baumdicke Knüppel zwischen die Beine. Ich kann nur jedem raten, solche Organisationen zu unterstützen. Denn ausnahmslos jeder wird eines Tages davon profitieren können, wenn er nach seinen Wünschen sterben darf.

 

Ein würdevolles Sterben

Ich durfte selber miterleben, wie ein totkranker Mensch von den Vasallengruppen behandelt wird. Es war das nackte Grauen. Mir wurde die Ehre zu Teil, diesen Menschen in seinen letzten Monaten seines Lebens begleiten zu dürfen. Es war sein Wunsch. Wir verbrachten viele gemeinsame Stunden mit Gesprächen über den Tod und über das Leben. Ich erzählte mein Wissen darüber, reflektierten zusammen die Sterbekulturen verschiedener Völker, bis die totkranke Person ihr Sterberitual gefunden hatte. Wir spielten zusammen dieses Ritual durch, passten es an, bis auf den Lippen des Sterbenden ein Lächeln lag, wenn er über den eigenen Tod sinnierte. Wir hatten gemeinsam einen Weg gefunden, Gevatter Tod willkommen zu heissen. Die Einzigen welche sich dem Weg widersetzten waren die Ärzte und Pfaffen.
Ein Wunsch war es, zu Hause in der vertrauten Umgebung zu sterben. Das war das erste Problem. Die Ärzte versuchten mit allen Mitteln ihre Verdienstquelle zu behalten. Und der Spitalpfaff wollte mir unbedingt ein schlechtes Gewissen einreden. Nach seiner Ansicht war ich das Böse, was den Sterbenden von Gott wegführte. Ich erinnerte ihn an seine pädophilen Verpflichtungen und von da an hatten wir vor ihm Ruhe. In einer „Nacht und Nebel Aktion“ holten die Angehörigen und ich den Patienten aus dem Spital, ignorierten die vielen Zettelchen, welche wir unterschreiben sollten. Uns wurde sogar mit der Polizei gedroht und ich drohte mit meinem schon öfters beschriebenen Diktiergerät. Einzelne Aussagen von behandelnden Ärzten hatte ich auf Band und waren derart unter der Gürtellinie, dass sie ihre Drohungen in frustrierte Beschimpfungen umwandelten.

Die nächsten Tage verbrachte ich am Sterbebett des Totkranken bei ihm zuhause und begleitete ihn zusammen mit den Angehörigen auf seinem letzten Weg. Am dritten Tag schloss er friedlich die Augen. Gevatter Tod hatte seinen Schrecken verloren und wurde herzlich begrüsst. Alle Angehörigen waren zutiefst berührt über den glücklichen Gesichtsausdruck des Verstorbenen. Kein Zeichen mehr von Angst, Ungewissheit und Festklammern. Entgegen der abendländischen Gewohnheit , die Toten noch warm unter die Erde zu bringen, vereinbarten wir mit dem Bestattungsinstitut, dass der Leichnam elf Tage aufgebahrt wird, bevor man ihn in den Ofen schiebt. Die Körperenergien brauchen eine gewisse Zeit, bis sie den Körper verlassen haben, was spätestens nach elf Tagen passiert ist. Erst dann ist der Tote eine leere Hülle und darf kremiert werden.

 

Eigene Vorbereitung auf den Tod

Da gibt es einige Möglichkeiten. Es kommt ganz darauf an, wie man zu diesem Thema steht. Grundsätzlich sollten jegliche himmlische Gedanken hinterfragt werden. Ohne Gott stirbt sich’s einfacher. Man muss sich nicht an sinnlose Regeln halten oder Frömmigkeit heucheln, die man noch nie besessen hat. Der Tod verliert seinen Schrecken, wenn man ihn gedanklich in diversesten Varianten durchgespielt hat. Stellen Sie sich mal vor zu ertrinken, zu verbrennen, erschossen zu werden, zu verbluten und sonstige Möglichkeiten, wie man dem Leben Adieu sagen kann. Je detailreicher umso besser. Machen Sie das auch mit ihren Liebsten. Stellen Sie sich den Verlust vor, wenn jemand geht, den sie lieben. Lernen Sie die aufkommenden Gefühle kennen und schauen Sie, wie Sie sich in so einer Situation verhalten. Sie können schon zu Lebzeiten lernen mit dem Tod umzugehen. Nicht erst wenn er da ist. Dafür ist dann die verbliebene Zeit zu kurz.

 

Der Tod als Lehrer

Mein Lebensweg hat sich dafür entschieden, dass ich mehr mit Toten, respektive ihren Angehörigen zu tun habe, wie mit Neugeborenen. Meine Erlebnisse und Erfahrungen während und nach dem Tsunami in Asien haben mir eine andere Sicht über den Tod gegeben. Der Anblick von tausenden Opfern und deren Angehörige, welche in den Leichenbergen nach ihren Liebsten suchten, waren traumatisch. Ich kämpfe heute noch mit den Bildern, den Gerüchen und Klängen dieser Tragödie. Aber es zeigte mir auch, wie wichtig ein respektvoller Umgang mit dem Tod ist.

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Ein Jahr später kamen sehr viele Touristen wieder, welche jemanden verloren hatten und beendeten bewusst ihre Trauerarbeit. Ich arbeitete auf einem Tauchboot und am 25. Dezember durfte ich eine Familie begleiten, die ihre Mutter/Ehefrau verloren hatte. Der Vater sagte zu mir:

„Wir haben ein Jahr getrauert und nun gehen wir zusammen tauchen, weil es das schönste Hobby seiner Frau war und sie sicher nicht wollte, dass die Familie dieses Hobby aufgrund der Tragödie aufgibt.“

Es war einer der bewegensten Tauchgänge für mich und ich flutete die Maske mehrmals mit meinem eigenen Salzwasser. Es erweckte sogar den Eindruck als begleite uns Tierwelt unter Wasser in diesem Ritual. Wir hatten wunderbare Begegnungen, als wolle sich die Fischwelt ebenfalls verabschieden. Nach dem Tauchgang lagen wir uns weinend in den Armen.

Am Abend wurde der Abschiedsprozess von tausenden von Himmelsfackeln begleitet. Ein paar hundert Meter vom Strand entfernt bildeten alle Tauchboote eine Lichterkette und für jedes Opfer wurde eine Himmelsfackel entzünde. Allein in Khao Lak stiegen 5500 Lichter in den Himmel. Der Anblick war atemberaubend und sehr bewegend. Die Erinnerung daran ergreifen mich noch heute und ich muss auch jetzt wieder zum Taschentuch greifen.

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Der Tod als Geschäft

Wenn ich dann die propagierte Sterbekultur hier in Europa anschaue, sehe ich nur Lug und Trug. Dieses Denken brachten nach dem Tsunami die lieben Christen in Scharen nach Khao Lak. Vor der Welle hatte es in dem kleinen Dorf zwei Freikirchen. Nach der Katastrophe über 150. Es waren schneller irgendwelche Pfaffen vor Ort als schweres Aufräumgerät. Die dazugehörenden, übergewichtigen Volontäre halfen nicht den Opfern, sondern sammelten bei den übrig gebliebenen Touristen Geld. Ich hätte jedem Einzelnen ins Gesicht schlagen können. Sie nutzten diese Katastrophe für ihren finanziellen Vorteil. Perversion in Reinkultur. Zum Glück sind die Thais nicht auf den Kopf gefallen. Die Freikirchen verteilten einen Teil des gesammelten Geldes, aber nur an die, welche den Kirchen beitraten. Herr und Frau Thai sagten schnell ja, holten sich das Geld ab und beim Rausgehen war der kollektive Gruss ein Zeichen mit dem Mittelfinger. Sie haben sehr schnell geschnallt, was die „fürsorglichen“ Kirchen wollten.

Die wahren Helfer

Die einzigen selbstlosen Helfer waren die Mönche aus den buddhistischen Klöstern, die einheimische Bevölkerung, welche selber gebeutelt war und die übrig gebliebenen Tauchbasen mit ihren Angestellten. Diese leisteten wirkliche Arbeit und halfen den Angehörigen ihre Vermissten zu finden. Es war eine grausame Arbeit. Aber immens wichtig. Jeder Vermisste, egal ob tot oder nicht, den man seinen Angehörigen zuführen konnte, schloss einen Kreis. Ich hörte unzählige Male den Satz:

„Es tut weh, wenn die Hoffnung auf ein Überleben zerstört wird, aber es ist immer noch besser als über das Schicksal im Ungewissen zu sein.“

Der Tod als Recht

Der Tod gehört zum Leben wie die Geburt. Keiner kann ohne den anderen existieren. Deshalb finde ich es wichtig, dass wir uns von verhindernden Dogmen befreien und selbstbestimmend unseren Abgang planen. Im Leben wollen wir auch über uns selber bestimmen, wieso nicht auch bei unserem Ableben? Nur weil es unangenehm ist, man an seine Vergänglichkeit erinnert wird und sich zig falscher Doktrinen erwehren muss? Es wird Zeit, dass wir auch bei diesem Thema erwachsen werden und uns nicht wie unerfahrene Kleinkinder verhalten, die jeden gepredigten Blödsinn vorbehaltslos glauben. Wir haben diverse Kulturen auf unserem Planeten, die eine würdige Sichtweise über den Tod haben. Orientieren wir uns an denen, dann verliert der Sensenmann seinen Schrecken. Zudem ermöglicht es das Bewusstsein, über seinen eigenen Tod entscheiden zu können.
Es ist ein Grundrecht des Menschen, sein eigenes Ableben bestimmen zu können. Da darf kein Arzt, Politiker oder Kuttenträger dreinreden. Mein Leben gehört mir alleine und ich sehe nicht ein, wieso irgendein dahergelaufener Weissichwas mir vorschreiben will, wie und wann ich zu sterben habe. Die können mir alle den Buckel runterrutschen. Wenn ich meine Zeit kommen sehe, dann verschwinde ich in die tiefsten Wälder, habe mich vorher von meinen Liebsten verabschiedet und gebe meinen Körper der Natur zurück. Sollte ich mich nicht mehr selber frei bewegen können, lasse ich die Wälder weg. Aber eines ist für mich klar: bevor jemand anders über mein Leben entscheidet, mache ich das. Ich hoffe, dass ich dann dazu physisch und psychisch noch in der Lage bin. Wenn nicht, habe ich eine Patientenverfügung wo genau drin steht, was mit mir passiert, wenn ich selber nicht mehr fähig bin darüber zu entscheiden.

Die Zeit nutzen

Machen Sie eine Checkliste, was Ihnen alles wichtig ist und was Sie noch erledigen müssen, damit Sie friedlich sterben können. Arbeiten Sie diese Liste ab. Suchen Sie sich eine Vertrauensperson, mit der Sie ungeniert und frei über ihren Tod sprechen können. Machen Sie ein Testament. Erkundigen Sie sich vorher, wie eines juristisch einwandfrei verfasst wird. Sollte es Ihnen egal sein, was mit ihren Habseligkeiten passiert, dann lassen Sie es. Andernfalls ermöglicht ein Testament einen reibungslosen Ablauf der Vollstreckung und gibt etwas Sicherheit, dass nach ihrem Tod nicht eine verwandtschaftliche Schlammschlacht beginnt. Man hat ein Leben lang Zeit, sich mit dem eigenen Tod auseinander zu setzen. Es ist schade, wenn diese Zeit entweder ungenutzt verstrichen ist, oder man sich irgendwelchen Phrasen hingibt, die noch nie zu Gunsten des Sterbenden waren, sondern einzig die Taschen von Heuchlern füllt. Unterstützen Sie bitte Sterbehilfe-Organisationen. Sie sind die Einzigen hier in Europa, welche sich für ein humanes Sterben einsetzen. Verfügen Sie, dass ihr Leichnam 11 Tage aufgebahrt wird. Danach kann er kremiert werden. Wenn Sie sich einlesen wollen, dann empfehle ich „Das tibetische Buch vom Leben und Sterben“ von Sogyal Rinpoche. Ich hoffe mit diesen Zeilen etwas Licht in dieses „düstere“ Thema gebracht zu haben. Im optimalen Fall verschwindet die Angst davor. Das wäre das eigentliche Ziel und ist eine der wichtigsten Lebensaufgaben, für mich jedenfalls. Zur Prüfung muss jeder antreten, ob er will oder nicht. Daher ist es nur logisch, so gut vorbereitet wie möglich bei Gevatter Tod zum Prüfungstermin zu erscheinen. Zeigen Sie ihm ihr ehrliches, wohlwollendes Lächeln und Sie haben das Examen bestanden.

Wozu Philosophie? Vom Sinn des Lebens.

Wozu Philosophie? Vom Sinn des Lebens.

Donnerstag, 12.12.2013. Eifel. Es gibt Fragen, denen man sich im Leben immer wieder stellen muss – jedenfalls wenn man die Wissenschaft der Philosophie erfolgreich studiert hat. Niemand fragt einen Lehrer, warum er Lehrer werden wollte (Ferien) oder einen Arzt, warum er Arzt werden wollte (Geld), niemand fragt einen Rechtsanwalt (Geld) oder einen Betriebswirt (Geld). Bei Philosophie jedoch – der brotlosesten aller brotlosen Künste – steht man schnell am Pranger … jedenfalls heute, wo die Anhäufung von Geld in endlos großen Massen einziger akzeptierter Lebensinhalt geworden ist, obwohl man Geld noch nicht mal essen kann. Die Antwort ist einfach: besserer Sex. Ich sehe, ich habe jetzt ihre Aufmerksamkeit – und genau diejenige ist es, die automatisch wächst, je mehr Sie sich mit der Kunst des Denkens beschäftigen.

Aufmerksamkeit ist das allerwichtigste Element in unserem Leben, wenn es um Genuss des Lebens geht. Ein grober Klotz braucht Weltreisen, bis sein auf Minimallevel arbeitendes Gehirn auch nur Ansätze von Eindrücken empfängt, notfalls muss er sich mit glühenden Schürhaken peinigen lassen, um überhaupt noch etwas zu empfinden: ich denke hier liegt die Hauptursache des boomenden Sado-Maso-Kultes in Berlin – jedenfalls haben mir Eingeweihte nach dem Umzug der Regierung von diesem Boom erzählt. Mit der Regierung kamen auch die Sado-Maso-Buden, so geht die Rede – und schaue ich mir die Politik so generell an, kann ich eine gewisse Lust an der Qual nicht fortreden.

Ein geschulter Geist jedoch vermag allein im Blumentopf auf seiner eigenen Fensterbank noch völlig unerforschte, wunderbare Welten zu entdecken, deren Erlebnisvielfalt jeden Asientrip in den Schatten stellt. Wie schult man diesen Geist?

Durch Denken, durch den Aufbau immer komplexer werdender Denkstrukturen und umfassender werdenden Denkoperationen. Je größer und umfassender diese Strukturen, je komplexer ihre Muster, umso größer wird auch die Erlebnistiefe in allen Lebensbereichen. Nein – ein grober Klotz kann das nicht beurteilen, dazu muss man den Weg erstmal zu Ende gegangen sein. Ein grober Klotz braucht immer härtere, stärkere Reize, um überhaupt noch zu merken, dass er lebendig ist, schnell werden Sexualität und Gewalt vermischt, schnell verwischen sich die Grenzen von Kinderliebe und Sexualität, von Ernährung und Menschenfleisch; war es anfangs noch ein Softerotikfilm, der Freude machte, mußte später schon die Frau vor laufender Kamera zerstückelt werden, nachdem sie es mit Tieren getrieben hat, damit das sterbende Gehirn des Täters noch am Leben teilnehmen kann.

Dankenswerterweise sind wir Menschen alle von Geburt an Philosophen – erst später wird uns das Denken mit Gewalt abtrainiert, wenn „Schule“ auf lebendige Fragen tote, vorgefertigte Antworten gib, wenn Denken bestraft anstatt befördert wird – es sei denn, es bewegt sich in Bahnen, die der Maximierung von Kapitalrendite dienen. Wer erlebt, wie Kinder auf wundersame Weise überglücklich werden, wenn sie ihre eigenen kleinen Welten kreiren (und sich so auf dem Weg machen, ganz automatisch souveräne Lebenskünstler zu werden), wird erinnert an jene Beobachtungen, die der Wissenschaftler Emanuel Swedenborg über Engel gemacht hat: sie sind in der Lage, um sich herum ein kleines Feld von Eigenrealität aufzubauen, einen kleinen Raum, in dem sie selbst die Naturgesetze bestimmen.

Hier stoßen wir auf eine der zentralen Fragen der Philosophie: die Frage nach der eigenen Herkunft.

Die Kapitalrendite- und Militärwissenschaft (den edlen Titel „Naturwissenschaft“ verdient die aktuell so bezeichnete Zunft schon lange nicht mehr) hat hierzu eigene, vorgefertigte Antworten, die der Verbesserung der Leidenschaft beim Wehrmittelverbrauch (auch „Krieg“ genannt) und der Steigerung der Eigenkapitalrendite dienen sollen: wir existieren gar nicht, sind nur eine Illusion.

Noch vor zweihundert Jahren hätte man über diese Anmaßung noch herzhaft gelacht, weiß man doch, dass das phantasierende Subjekt sich niemals als phantasierendes Objekt beobachten kann – auch wenn es das noch so entschieden behauptet.

Im Zeitalter der groben Klötze jedoch werden solche Überlegungen anstandslos bei festlichem Akte der gesellschaftlichen Lumpenelite vorgestellt, um jede weiteren Regungen des Gewissens auszuschließen.

Wo kommen wir nun wirklich her?

Das ist eine Frage nach einer Wahrheit. In der Kunst des Denkens merkt man schnell, wie begrenzt die Sinne des menschlichen Körpers sind, wie mangelhaft seine Ausstattung – noch nicht mal fliegen kann er. Wir können mit diesem Instrument keine Wahrheiten schaffen – wir haben das ja auch aufgegeben zugunsten beständig verschrobener werdender Theorien, mit denen man Philosophen zu Arbeitstieren (und groben Klötzen) umformen kann. Darum sucht die Philosophie keine Wahrheit, sondern Weisheit, einer Weisheit, zu der sie ein sehr liebevolles Verhältnis hat – und kein vernünftiges, obschon doch Vernunft eines der Werkzeuge ist, derer sie sich gerne bedient.

Weisheit nun hat sich über Jahrtausende hinweg Bahn gebrochen und die Frage beantwortet: ein Jenseits ist es, aus dem wir stammen. Je nach geformter Eigenrealität des denkenden Menschen unterscheiden sich die Bilder des Jenseits, doch das Prinzip bleibt gleich.

Haben wir diese Entscheidung getroffen, ist der Rest ziemlich einfach. Entscheidung? Ja, zu der Erkenntnis von Weisheit gehört die Erkenntnis, dass man sich Wahrheiten aussuchen kann, man kann (und MUSS) sich für sie ENTSCHEIDEN. Das macht im tieferen Sinne die Bedeutung des religiösen Wortes „Glauben“ aus: durch aktive, kräftige, bewusste Entscheidung Wahrheiten schaffen. Das gehört zu den Erkenntnissen, die der philosophische Geist in seiner Jugend in sich trägt – und die „Schule“ mit brutaler Gewalt austreibt, wer sich nicht biegen und brechen läßt, findet gerade mal in der Kunst noch einen akzeptierten Lebensbereich.

Haben wir die Frage geklärt, wo wir herkommen (geklärt in dem Sinne, dass es NUR UNS SELBST klar sein muss und niemand anderem), sind wir uns sicher, den Ursprung unseres Selbst erkannt zu haben, haben wir auch die Frage beantwortet, wo wir hingehen, wenn wir die Zusammensetzung der Materieballungen verändern oder von der Teilchenexistenz wieder auf Wellenexistenz umschalten (auf deutsch: „sterben“): wir gehen nach Hause.

Ist das Leben gut gelungen, bringen wir einen großen Schatz an Erfahrungen mit Heim, eine wertvolle Beute an Eindrücken, Gefühlen, Erkenntnissen, Erfahrungen und Erlebnissen, die uns niemand nehmen kann. Ist das Leben schief gegangen, tragen wir zu diesem Zeitpunkt nur noch das Potential in uns, funktionierendes Rädchen in einem Großraumbüro zu sein. Der Moment, wo wir erkennen, das wir trotz sechs- siebenstelligem Jahresgehalt bitter arm geblieben sind, wird von jenen, die ihn erleben, als sehr grausam beschrieben, andere berichten sogar, dass einem so unterentwickeltem Denkapparat noch nicht mal der Übergang ins Jenseits gelingt und man mit seinem Wesen, seiner Seele im Bereich der Teilchen hängen bleibt und untergeht, weil man nie gelernt hat, in den Wellen der Realitäten zu schwimmen.

Natürlich kann man sich auch entscheiden, ein Materialist zu werden und das Leben als solcher zu verbringen – JEDES Leben ist gut, jede Erfahrung wertvoll, sofern es aus bewusster, konsequent durchdachter Entscheidung besteht. Lebt man es, um dem Priester aus der Klosterschule bis zum Lebensende eins auszuwischen, hat gerade der Priester Macht über mich, den ich doch für immer aus meinen Anschauungen verbannen sollte … wenn ich weise wäre.

Hier stoßen wir direkt zum Nutzen der Philosophie: das geschulte Denken hilft uns sehr, jene Momente zu erkennen, wo andere Menschen Macht über uns ausüben wollen – und es auch tun. Der moderne Mensch liefert sich seinen Machthabern täglich für viele Stunden aus und läßt täglich vielen Stunden Werbung ungefiltert in sein Hirn – dabei geböte es die Weisheit, das Gerät ganz auszuschalten, weil der Schaden, der durch fremde und verfremdete Wirklichkeitsabbildungen in den Werbebildern angerichtet wird, um einiges größer ist, als der Nutzen, der durch Information und Aufklärung gewonnen werden könnte. Nur wenige Menschen sind so gefestigt, dass sie den sublim ausgestalteten Werbebotschaften widerstehen geschweige denn sie erkennen können, es ist ein endloser Spiegel des Mangels, der einem vorgehalten wird – und eine endlose Predigt der Wertlosigkeit der eigenen Existenz, weil man das falsche Automodell fährt und deshalb vor Gott selbst in Ungnade gefallen ist.

Beherrschen Sie die Kunst der Philosophie – die auch die Kunst ist, jederzeit in unsere „Software“ bewusst eingreifen und sie beliebig steuern zu können – haben sie den Gipfelpunkt menschlichen Reichtums erreicht, eine Form der Ruhe, Zufriedenheit und des Glücks, die ihnen niemand mehr nehmen kann. Beherrschen sie sie nicht, werden sie von anderen durchs Leben getrieben – was oft sehr unerquicklich ist.

Natürlich muss man Nebenwirkungen erwähnen, die sich automatisch einstellen, je gewandter der Umgang mit Gedanken wird.

Sie verlieren jede Lust an Gewaltausübung gegen Frauen, Vergewaltigung wird ihnen fremd wie Stacheldraht auf Toastbrot, eine urmännliche Überzeugung, dass Frauen bestraft gehören und dies durch Sexualität zu geschehen hat, erlischt folgenlos – weil sie zu den Botschaften der Außenwelt gehört, die einen steuern sollten. (Einschub: diese Überzeugung habe ich bei vielen – ja, den meisten – Führungskräften der Pharmaindustrie bemerkt, es war ihre Motivation, ins Bordell zu gehen und dort ihre Strafphantasien gegen Bezahlung straffrei ausleben zu können – mit Handlungen, die sie normalerweise direkt ins Gefängnis gebracht hätten). Ebenso verlieren sie die Lust am Konsum – vollständig. Zwar steigert sich die Freude an Dingen ungemein – aber hierzu reicht schon ein besonderer Stein, eine außergewöhnliche Wolkenformation oder ein seltener Duft. Sie brauchen gar nicht erst den Versuch starten, mangels hinreichender Erlebnistiefe immer gröbere Keile in die Welt zu schlagen – sie besitzen diese Erlebnistiefe.

Und bald auch die sichere Überzeugung, das diese Gedankenwelten groß und stabil genug geworden sind, um die Reise sicher fort zu setzen – in andere Welten oder einfach nach Hause. Keine Sorge: das merken sie einfach wie Regen auf der Haut, Sand unter den Füßen oder Wind im Haar: so genau wie diese Erlebnisse wird dann ihr Wissen davon sein, dass sie stabil und sicher jenseits der Materie existieren werden, weil sie kraftvoller als diese geworden sind, den Sprung vom Teichen zur stabilen Welle erfolgreich hinter sich gebracht haben.

Diese Überzeugung muss nicht bewusst geschehen – das Denken kann andere, perfekte Kreise bilden, fast in jeder Zusammensetzung – sie kann sich einfach in einer völligen Ignoranz der eigenen Sterblichkeit manifestieren … immerhin ist sie ein Produkt der Erfahrung und des Erlebens und nicht ein Produkt gedanklicher Akrobatik (wie leider viele neuere esoterische Leben).

Folgen Sie dem Denken der alten Griechen, wird es noch dramatischer: dann haben Sie sich sogar genau dieses Leben, in dem sie jetzt stecken, ausgesucht um genau jene Erfahrung zu machen. Das ist denkbar – aber oft schlecht erträglich. Zwar mag man aus einer Laune heraus die Erfahrung professionellen Stumpfsinns machen wollen – doch zeigt sich oft, dass man inmitten der Erfahrung gerne mal den Kurs ändern möchte. Außerdem lehrt uns die Weisheit nach den schrecklichen Erfahrungen des 21. Jahrhunderts, das die bösartigen menschenfressenden Dämonen nicht aus unserem Leben verschwunden sind: anstatt Menschen auf dem Dorfplatz zu verbrennen, organisieren sie ihre Vernichtung mit den Mitteln der industriellen Produktion – oder bauen Bomben, die gleich mit einem Schlag ganze Großstädte ausradieren … das erspart einem den mühevollen Prozess der Selektion. Diese Erfahrungen zeigen, dass wir gut beraten sind, nicht jede Form von Erfahrung heilig zu sprechen, wir wären sonst kaum in der Lage, unserem Gewissen gemäß zu handeln.

Man kann diese Aspekte im Übrigen gut mit Prostituierten besprechen – auch wenn man für ihre „Dienstleistung“ keinerlei Bedarf mehr ins ich spürt, weil man orgiastische Zustände nach Belieben durch Veränderung der Software hervorrufen kann. Sie sind es gewöhnt, Körper und Geist zu trennen (auch wenn sie dafür bezahlt werden, so zu tun, als täten sie es nicht) – sie könnten ihren Job nicht lange durchhalten, täten sie das nicht. Gleiches gilt im Übrigen auch für Ärzte und Manager – soweit ich das beobachten konnte, schaue ich mir die aktuelle Politik an, so sehe ich auch Anzeichen dafür, dass Politiker ebenfalls ihre Seele schlafen schicken, um im Sinne der Maximierung von Kapitalrendite folgerichtig entscheiden zu können.

Eine weitere Nebenwirkung ist eine ausgesprochene Menschenliebe, die weit jenseits jeglicher Sexualität steht. Damit muss man erstmal klar kommen: Menschen ohne Nutzen einfach zu mögen.

Die bloße Masse der Gedanken erreicht irgendwann einen kritischen Punkt, ab dem man neue Qualitäten bemerken kann – die Vorstellung, das eine Existenz, die nur einen einzigen Zeitzustand erleben kann („jetzt“ – alles andere ist künstliche Interpretation und wilde Theorie … so schön man einen Zeitstrahl auch graphisch darstellen kann), irgendwann aus diesem Zustand herausfallen soll, weil die nieder schwingende organische Struktur umorganisiert wird, hat schon etwas außerordentlich Absurdes an sich. Kein Wunder, dass solche Menschen sich auch vorstellen können, in einem Nährlösungstank zu liegen und sich den Rest der Welt nur zu träumen.

Leider merkt man auch, wie das Leben sein könnte, wenn die Kunst der Philosophie gefördert würde – wir hätten eine Vielzahl unendlich reicher Menschen, die sehr angenehme Zeitgenossen sein können (auch wenn die Lust an groben Vergnügungsersatzstoffen wie Alkohol, Nikotin und Karneval schnell vergeht), die ihre natürliche Umwelt hegen und pflegen – anstatt Tresore hinter Stahl, Glas und Beton die leb- und lieblose Geldhaufen vor den Augen der Welt verbergen.

Eine gewisse Trauer ob der realen Entwicklung der Welt wird sich nicht verhindern lassen, eine gewisse Veranlagung, eine boshafte Intelligenz hinter der unnatürlichen Entwicklung der doch so reizvoll angelegten Menschheit zu vermuten, kann ebenfalls auftreten, gleichfalls eine konsistente Neigung, liebgewonnene Wahrheiten der selbstverliebten politischen Elite regelmäßig in Frage zu stellen – erst Recht, wenn diese Wahrheiten dazu geeignet sind, das natürliche Lebensglück zu verdunkeln.

Wie man den Weg geht?

Falls man Fragen hat: einfach Kindern zuschauen. Die sind noch nahe dran an „drüben“, aber nicht so gezeichnet vom Leben sie. Stellen Sie Fragen – und vor allem: trauen Sie sich zu, die Antworten selbst zu finden.

Wenn Sie es gerne religiös haben wollen – bitte schön: Christus sprach in Gleichnissen, die so komplex aber auch ansprechend waren, dass Denker seit zweitausend Jahren nach ihrem Sinn suchen … Gott will Denker, keine Schafe, auch wenn er seinen Sohn als Lamm geopfert hat, um diese Botschaft unter die Menschheit zu bringen, als sich der Geist des dunklen Imperiums über die Menschheit ausbreteite … so, wie er es auch heute wieder tut, diemal mit der ganzen Welt im Blick.

Das Internet verlangt nun Kürze, weshalb ich die Ausführungen hier schließen muss – in der Hoffnung, wenigstens grob umrissen zu haben, dass die Kunst des Denkens mehr Gewinn bringt, als alles Geld der Welt zu vermitteln mag.

Kürzer könnte ich nur mit Schopenhauer reden: Philosophie bringt nichts, erspart einem aber Vieles. Das allein – wäre auch schon sehr viel wert.

Andererseits kann sie jeden Tag in Weihnachten verwandeln, wo unter golden glitzernden Lichtern im grünen Lebensmeer erfreuhliche Wunder auf einen warten … jeden Tag ein wenig mehr.

Und nun – viel Spaß beim Denken und der Beantwortung jener Fragen, die uns Menschen ausmachen: vom komme ich her? Wo gehe ich hin? Was will ich hier?

Vielleicht fangen Sie einfach mit der Arbeit an der Frage an, warum wir eigentlich alle einen Strahl als Darstellung von „Zeit“ kritiklos aktzeptieren, obwohl jeder bis heute lebende Mensch die Dimension „Zeit“ (sofern es überhaut eine ist) nur als Punkt erlebt: als ewig sich veränderndes JETZT. Aber Vorsicht: die Antworten auf diese Fragen werden politisch schnell hoch brisant … ein endloses Jetzt hat nämlich kein Ende, mit dem man ihm drohen kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

Earthlings – Der Film fürs Wochenende

So, ich denke, ein Eimer neben dem Monitor für das bereits gegessene könnte Hilfreich sein

Mit deutschen Untertiteln, die Downloadlinks in der Videobeschreibung funktionieren nicht mehr. Wer weiß, wo es den Film in HD gibt, sagt bitte Bescheid.

„Earthlings“ ist eine Dokumentation in Spielfilmlänge über die absolute Abhängigkeit der Menschheit von Tieren (als Haustiere, Nahrung, Kleidung, zur Unterhaltung und in der wissenschaftlichen Forschung), veranschaulicht aber auch unsere Geringschätzung gegenüber diesen sog. „nicht-menschlichen Versorgern“. Sprecher des Films ist der Oscar-nominierte Joaquin Phoenix („Gladiator“), die Filmmusik schrieb der mit Platin ausgezeichnete Künstler Moby. Der Film bietet detaillierte Einblicke in Tierhandlungen, Welpen-Fabriken und Tierheime sowie Massentierhaltungen, den Leder- und Pelzhandel, die Sport- und Unterhaltungsindustrie und schließlich den medizinischen und wissenschaftlichen Beruf. „Earthlings“ verwendet versteckte Kameras und vorher nicht gezeigtes Filmmaterial, um die täglichen Praktiken einiger der größten Industrien der Welt aufzuzeichnen, deren aller Profit vollständig auf Tieren beruht.

Sternbild der Hoffnung

Sternbild der Hoffnung

Gott und Tod: die besten Freunde der Menschheit

Gott und Tod: die besten Freunde der Menschheit

Mittwoch, 8.Oktober 2013. Eifel. Als wir dieses Nachdenkmagazin konzipiert hatten, war eine etwas andere Dimension angedacht. Ich selbst habe einen Schwerpunkt in politischer Philosophie, Erkenntnistheorie und Religionsphilosophie. Letzterer ergab sich aus meiner absoluten Unfähigkeit, religiöse Dinge zu verstehen. Ich denke, man wird dann Philosoph (auch außerhalb jeder universitären Bildung), wenn man versucht, Dinge zu verstehen, die man nicht versteht. Geschieht dann ganz automatisch. Inzwischen sind wir eher ein politisches Nachdenkmagazin – was aber eher der Politik geschuldet ist: sie entwickelt sich in eine düstere. lebensbedrohende Richtung, die aller Aufmerksamkeit bedarf, um den Kindern noch eine Zukunft bieten zu können, die nicht nur aus Trümmern und Wüste besteht. Dabei geraten die ersten und letzten Dinge im Leben leider völlig aus dem Gesichtsfeld, ebenso die vielen unglaublichen Wunder, die das Leben zu bieten hat. Gestern nun habe ich eine sehr ernste Frage bekommen, die ich zuerst gar nicht beantworten wollte: die Frage, wie es kommt, dass ich den Bereich „Religion“ so verteidige, ja, selbst zu den religiösen Menschen zu gehören scheine. Die Antwort auf diese Frage hat mehrere Ebenen. Da ich denke, dass diese Gedanken vielleicht für andere auch von Interesse sind, möchte ich sie  öffentlich machen.

Zuerst einmal die Antwort aus der persönlichen Erfahrung heraus. Sie ist einfach. Nach Carlos Castaneda liegt die Stärke des weißen Mannes darin, dass er von einem undurchdringlichen Panzer umgeben ist, der ihn vor jeglicher Erfahrung, die über das rein materielle hinausgeht, schützt. Das ist seine Besonderheit – und seine Schwäche, wie John Perkins in seinem Erfahrungsbericht mit den Schamanen Ecuadors beschreibt. Wo Chinesen, Indianer, Maya, Griechen und Araber innehielten, entschied er anders: er wollte die absolute Macht über die Materie. Die hat er innerhalb von 500 Jahren erhalten – mit erschreckenden Nebenwirkungen, die die gesamte Menschheit an den Rand des Abgrundes gebracht haben. Begleitet wurde dieser Griff zur Macht durch eine Vernichtungsoffensive gegen jene Menschen, die weiterhin Erfahrungen über den materiellen Bereich der Existenz hinaus machten: die Hexenverbrennungen waren nicht der Kirche geschuldet, sondern dem neuen wissenschaftlichem Denken. Der Vernichtungsfeldzug gegen magisches Denken setzte sich fort, als die US-Armee die Medizinmänner der Indianer in den Lagern ermordete – aber nicht die gefährlichen Kriegshäuptlinge. Er setzt sich auch heute in breiter Front fort, erreicht inzwischen die Kirchen und Religionen und wird nicht eher ruhen, bis alle Menschen ausgerottet sind, die über Erfahrungen verfügen, die über das, was Kapitalismus und Kommunismus erlauben hinausgeht. Ich gehöre zu diesen Menschen. Über die Erfahrungen kann man nicht mit Menschen reden, weil die Wahrnehmungen jenseits der sprachlichen Dimension stattfindet.

Eben Alexander – der atheistische Neurologe mit der Nahtodeserfahrung – beschrieb diesen für ihn überraschenden Zustand deutlich: in der jenseitigen Welt (wie wir sie jetzt mal der Not halber nennen wollen) gibt es keine Sprache, aber trotzdem perfekte Kommunikation. Künstler wird das jetzt nicht überraschen, sie verfügen über die Fähigkeit, Kommunikation außerhalb der sprachlichen Welt zu gestalten. Es ist mir deshalb unmöglich, über diese Erfahrungen zu reden (weshalb ich es auch unterlasse), weil es der Versuch wäre, einem Farbenblinden die Farbe Rot zu erklären. Ich kann nur versichern, dass ich sie ohne Drogeneinfluss gemacht habe, bei klarem Bewusstein – und dass sie alle Bedingungen eines wissenschaftlichen Experimentes entsprachen und wiederholbar sind.

Ich schätze einmal, dass es einer von hundert ist, der mit solchen Erfahrungen leben muss. Da sie eindrucksvoller, beglückender und intensiver sind als alle Empfindungsqualitäten im visuellen, auditiven, kinästhetischem, gustatorischem oder olfaktorischem Bereich, haben sie ein höheres Anrecht darauf, „Wirklichkeit“ genannt zu werden als die sinnlichen Eindrücke, die aus materiellen Erfahrungen resultieren. Nur jemand, der sie nicht kennt, kann sie als „Wahnvorstellungen“ kategorisieren – die so Wahrnehmenden erfahren eine Welt, deren Eindrücke qualitativ hochwertiger sind. Vielleicht funktioniert ein Vergleich mit dem Fernseher: die Alltagserfahrungen gleichen einem schwarz-weiß-Bild, das von starkem Rauschen begleitet wird und ziemlich unscharf ist. Die Jenseitserfahrung hingegen sind ein Blick aus dem Fenster – nur von der rein sinnlichen Qualität her. Mit welchem Recht also sollte ich den schwächeren Eindruck „wahr“ nennen und den stärkeren Eindruck „falsch“?

Es ist der Bereich der Empirie, den ich hier für mich in Anspruch nehme: einen Bereich, der ebenso wissenschaftlich ist wie der der Ratio. Nur endet hier die Diskussion. Um noch einmal ein Beispiel anzuführen: wenn jemand mal ein UFO gesehen bzw. erlebt hat (ein echtes, unterstellen wir mal), kann er nie wieder theoretisch darüber diskutieren, ob es das gibt oder nicht.

Schaut man sich nun die Religionsgeschichte an – vom primitiven Schamanismus (der mir am Liebsten ist, weil er der „Wahrheit“ am respektvollsten begegnet) bis hin zur hochgradig differenzierten Schriftreligion, so zeigt sich durchgängig: über Erfahrung lässt sich nicht diskutieren. Man kann nicht einfach die Bibel lesen und die christliche Religion verstehen. Hat man Erfahrungen („Gottes Antlitz geschaut“) so findet man in der Bibel viele „Kollegen“. Hat man keine Erfahrungen, findet man – erst recht nach den diversen komplizierten Übersetzungen – ein unverständliches Kauderwelsch vor, das sich dem normalen Verstand entzieht.

Nehmen wir Jesus als Beispiel. Ich selbst habe das Reden über ihn erst Ostern 2011 begriffen, vorher konnte ich die Welt auch gut ohne ihn verstehen. Lesen Sie mal das Neue Testament unter Berücksichtigung der Kategorien der Aussagelogik – sie verstehen gar nichts, erst recht nicht, wenn Sie nicht wenigstens den Text im Altgriechischen lesen können und auf die vielen holprigen deutschen Übersetzungen angewiesen sind.

Zum Vergleich: Lesen Sie einmal das Vaterunser in der Übersetzung aus dem aramäischen (z.B bei Bunkahle). Oder die Übersetzungsfehler, die Pinchas Lapide beschreibt: da wird schnell aus einem „prüfenden“ ein „heimsuchender“ Gott, weil man das Zeitwort pakad zuungunsten der jüdischen Religion ausgelegt hat (siehe Pinchas Lapide, Ist die Bibel richtig übersetzt, Bd. 1 u. 2. Bechtermünz 1999, Seite 62-63) – ein Fehler, der gerade im deutschen Sprachraum gerne gemacht wird, weil wir ja wissen, wie der „Jude“ ist.

Hier betreten wir jetzt aber den weiten Bereich der Religion, in dem wir vor allem eins finden: den Hunger nach Macht.

Das ist nun ein eher hässliches Thema. Leider sind die Mitglieder organisierter Religionen keine Heiligen. Zumeist sind es Händler, Halsabschneider und Betrüger, die etwas ganz besonders Tolles gefunden haben: eine Ware, die unsichtbar ist, leicht zu transportieren und nicht zu kritisieren. Im Mittelalter hat der Adel seine Zweitgeborenen in die Kirche geschickt, um dort mit ihrer Hilfe Macht ausüben zu können: „Halt Du sie dumm, ich halt sie arm“ ist ein Spruch, der sich auf eine Familie bezieht – was heute gerne vergessen wird. Findige Geschäftsleute können halt überall alles verkaufen – sie machen vor Kirchentüren so wenig halt wie vor Parlamenten oder Sterbezimmern. Der Griff zur Macht wurde auch dort konsequent durchgeführt, die Kirche wurde zum Instrument des Adels, das gegen alle ethischen Maximen des Christentums verstieß. Mit Religion hat das alles nicht mehr viel zu tun – es sei denn, man hat ein politisches Interesse daran, diese Tatsachen zu verschleiern.

Das hat man – und hier betreten wir eine neue Ebene der Betrachtung.

Zuerst jedoch: ein Blick in die Welt der Physik.

Wie Sie wissen, bestehen sie aus Atomen. Ich hoffe jedenfalls, dass Sie das schon mal gehört haben. Schauen Sie sich Atome näher an, so zerfallen sie in ihre Einzelteile, vor allem aber wird eins deutlich: überwiegend bestehen Sie als Mensch aus der Leere zwischen den Elementen der Atome, wo sich vielleicht noch „Felder“ befinden, die verhindern, dass sie einfach so durch den Boden rutschen. Es liegen enorme Distanzen zwischen Atomen, Elektronen und Neutronen – und diese Elemente selbst sind nach neueren Theorien selbst weniger materiell. Das Universum des Materialismus hat erstaunlich wenig Substanz, aber die enorme Frechheit, den menschlichen Geist als Illusion zu beschreiben, als spukhafte Nebenwirkung, die das Gehirn zum Schutze der DNS erzeugt.

Das ein illusionäres Subjekt niemals die Erkenntnis treffen kann, dass es selbst nur eine Illusion ist, haben schon ältere Denker erkannt: die Propagandisten des Materialismus scheinen dies zu können – was nur geht, wenn man für sich beansprucht, eine höhere Erkenntnis zu haben, als Menschen sie erlangen können: quasi Übermensch zu sein.

Bringen wir uns dies zu Bewußtsein, so ist eher der Schritt naheliegend zu sagen: dass Bewußtsein ist an sich das Realste, was wir als Menschen erkennen können. Illusionär ist eher die Welt der Materie – nur leider können wir das als Normalbürger nicht nachvollziehen, weil die Physik sich hier schnell in der Sprache der Mathematik verliert – wie die Kirche im Mittelalter sich hinter dem Latein verschanzte, verschanzen sich die Naturwissenschaften hinter der Sprache „Mathematik“ – die schnell zu kompliziert für die Mitmenschen wird, die deshalb die bahnbrechenden Veränderungen, die das Doppelspaltexperiment mit sich bringt, erst in hundert Jahren zum Tragen kommen werden. Kurz und frech gesagt (als ungläubiger Laie): Materie scheint nur dann fest zu sein, wenn sie jemand wahr nimmt. „Information“ scheint womöglich die einzige Form von Realität zu sein, die wir definitiv beobachten können.

Schön blöd, oder? Dabei haben wir uns auf der Scheibe so wohl gefühlt, die Erde als Kugel ist schon gedanklich schwer zu begreifen, weil man ja auf der anderen Seite herunterfallen müsste: jahrhundertelang DAS Argument gegen die Kugelform der Erde, dass jeder wissenschaftlich denkende Mensch sofort verstanden hat.

Was hat das nun mit Gott zu tun? Hier verlassen wir endgültig die persönliche Ebene und wenden uns der Wissenschaft zu. Gibt es ein Bewußtsein von Gott, eine Information vom höchsten Buddhageist oder dem Großen Geist der Indianer, dann ist dieses Element Teil der menschlichen Realität – erst recht, wenn wir dieses Bewußtsein rund um den Globus in sämtlichen Kulturen wiederfinden.

Streng abgrenzen muss man hier jedoch das eher instinktive Wissen um die Realität einer geistigen Welt (zu welcher wir als Bewußtsein primär gehören) von den Ausformungen, die Menschen aus unterschiedlichen Gründen (unter anderem zum Zwecke der Machtgewinnung) daraus gemacht haben. Erkenntnistheoretisch können wir – nach bestem Wissen und Gewissen – hier nur die Existenz einer jenseitigen Welt (auch dieser Begriff ist aus sprachlicher Not geboren), einer „Anderwelt“ oder „geistigen Welt“ formulieren, müssen uns jedoch dem Faktum beugen, dass wir über sie kaum Aussagen machen können.

Auch hier muss gelten: die Vielfalt der Beobachtungen ist womöglich nur der Vielfalt der beobachtenden Bewußtseine geschuldet, hieraus ein Lehrsystem gleich einer Religion zu machen, ist im Prinzip immer zu weit gegriffen – und es ist auch gar nicht notwendig. Die christliche Religion akzeptiert dies, siehe Bibel-online:

Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler, die da gerne stehen und beten in den Schulen und an den Ecken auf den Gassen, auf daß sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin.Wenn aber du betest, so gehe in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater im Verborgenen; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten öffentlich. 

(der Vater – das sei in Erinnerung gerufen – löst sich auf, wenn man aramäisch denkt … wie Jesus es getan haben muss. Dort wird aus „Vater unser im Himmel“ Oh Du, atmendes Leben in allem, Ursprung des schimmernden Klanges. Du scheinst in uns und um uns, selbst die Dunkelheit leuchtet, wenn wir uns erinnern – siehe Omkara, eine Formulierung, die an die Beobachtungen gemahnt, die Eben Alexander nach seinem Tode gemacht hatte: „Gott“ als reiner Klang, als „Omm“).

Wieso wir nun Kirchen haben, öffentlich beten, hüpfen und singen, hat mit der Geschichte zu tun. Notwendig ist das nicht, Begegnungen mit dem „Jenseitigen“ hat man grundsätzlich NUR in der Stille – womit wir den kurzen Ausflug in den Bereich der Ratio verlassen und wieder im Bereich der Empirie sind, wo ein dritter Punkt auf uns wartet: der Tod.

Gott (den Begriff mag ich gar nicht, er ist schon falsch, wenn man ihn niederschreibt) und der Tod (als personifizierter Prozess auch eine Lüge) gehören eng zusammen. Kurz gefasst ist das indianische Mythologie: nach dem Tode betreten wir die ewigen Jagdgründe und sind nahe beim Großen Geist. Mehr an Religion braucht im Übrigen kein Mensch, das ist so der kleinste, gemeinsame Nenner, den das Erleben des jenseitigen Bereiches aufzeigt. Alle Beschreibungen, die darüber hinaus gehen, kann man getrost ignorieren – meist geht es dann sowieso schon um Geld: Ablassbriefe, Kirchensteuern, Rechnungen für Heilungen oder besonders kräftige Gebete … schauderhaft.

Bei aller Relativierung der Erlebnisse unserer Umwelt, die uns unser Verstand erlaubt (wie die Rationalisten Descartes und Kant aufgezeigt haben, deren Erkenntnisse von den Priestern des Materialismus gerne großräumig ignoriert werden), ist dies eine Tatsache, die auch mit noch so vielen Worten nicht ungeschehen gemacht werden kann: wir sterben.

Die Alternative zum religiösen Denken (das an sich erstmal keine andere Hölle kennt, als die, die man sich selbst bereitet – doch das ist eine andere und ebenfalls sehr lange Geschichte) bietet hier (unter völliger Ignoranz des Energieerhaltungssatzes) die Version „völlig Auslöschung einer Illlusion, die zufällig aus dem Blumenkohl entsprangen, den wir Gehirn nennen“.

Das könnte man als Theorie stehen lassen (ungeachtet der Sünden, die wir dann gegen die Vernunft bzw. die Erkenntnistheorie begehen), gäbe es nicht Menschen, die von „drüben“ zurückgekehrt sind. Da gibt es nicht einen, sondern tausende. Ein einziger hätte ausgereicht.

Diese tausenden von Zeugen berichten im Prinzip alle dasselbe – und belegen mit ihren Erfahrungen jene, die ihrerseits in der Geschichte des religiösen Denkens ähnliche Erfahrungen geschildert haben. Es läßt sich hier eine durchgängige Linie gleichartiger Erfahrungen in allen menschlichen Kulturen zeichnen – immer dadurch eingeschränkt, dass es sich hier um Wahrheiten handelt, die sich in allen Sprachen des sprachlichen Ausdrucks entziehen (und deshalb im Laufe der Tradition zu ganz unterschiedlichen Dogmen führen können), aber gleich erlebt werden – die gleiche emotionale Resonanz erzeugen.

Ist man nun ein emotional eingeschränkter Mensch (was nicht unnormal ist und in der Regel durch andere Fähigkeiten ausgeglichen wird) hat man wenig Zugang zu diesen Themen, hat man keine eigenen Erlebnisse, wird es noch schwieriger, das Sprechen von Religion zu verstehen – es bleibt wenig anderes übrig, als die anderen für verrückt zu halten – im Prinzip hat man gar keine andere Wahl.

Man bräuchte diese Diskussion auch gar  nicht führen, wenn es nicht noch eine handfeste politische Dimension geben würde, die gerade heute deutlich zu Tage tritt.

Das sichere, instinktive Wissen um die Realität des Jenseitigen führt zu einer großen Sicherheit im Umgang mit den Mächten dieser Welt: weil man eine andere (nicht kontrollierbare) Heimat hat, kann man nur sehr schwer im Sinne der Mächtigen manipuliert werden: hier droht katastrophaler Umsatzverlust durch Konsumverzicht, hier droht unkontrollierbare Bewusstseinsbildung gegen die herrschende Klasse. Gegen alles Ungemach, das die Welt gegen die Menschheit auffahren kann (und auffährt), ist hier eine sichere Zuflucht vorhanden, die Widerstand erlaubt: das „Opium für das Volk“ entzieht Kapitalismus und Kommunismus radikal die Deutungshoheit über die Wirklichkeit – und ist deshalb so verhasst.

Darum werden jene, die über Erfahrungen verfügen, gejagt, gefoltert, verbrannt, ausgelöscht oder auf ewig mit Drogen vollgestopft und weggesperrt: das Kapital fordert Allmacht – in letzter Konsequenz will es selber Gott werden … und gerade in den heutigen Tagen erleben wir, wie das Kapital die Regierungen vorführt, als wären es Tagelöhner und Leibeigene.

Doch gehen wir weiter: selbst wenn es Gott und Tod nicht „gäbe“, täten wir gut daran, sie als gedankliche Konstruktionen lebendig zu erhalten, Gott in Form des Großen Geistes, der alles durchdringt (das war im Prinzip die Lehre des Giordano Bruno, den heute viele Atheisten als Helden feiern – wobei sie gar nicht verstehen, was sie da eigentlich tun) und des Jenseits in Form der ewigen Jagdgründe. Diese Konstruktionen können uns effektiv helfen, frei zu werden von den Indoktrinationen des Kapitals – selbst wenn es nur Hilfskonstruktionen sein sollten.

Dafür jedoch dies anzunehmen, gibt es keinen Grund. Weder Empirie noch Ratio legen nahe, dass wir hier unserem Urteil (und dem Urteil der absoluten Mehrheit der Menschheit) nicht trauen dürfen. Natürlich behalten auch die Reflexionen des Atheismus seine Gültigkeit, sie sind sogar ein wesentlicher Bestandteil des Bewußtwerdens und hemmen gut jene schädliche Einflüsse, die von den Händlern in den Kirchen und Religionen kommen.

Wo jedoch Urteile über Wahrheit und Wirklichkeit gefordert sind, versagt die Philosophie des Atheismus (die nie dazu entworfen wurde, hierüber Aussagen zu machen: sie ist eine gezielt antiklerikale Erfindung mit gezielt antiklerikaler Ausrichtung und völlig bedeutungslos für Menschen, die mit Kirche überhaupt nichts am Hut haben – wie z.B. die Schamanen der Vorzeit).

Gott und Tod sind aktuell die besten Freunde der Menschheit, deren erster Ausbruchsversuch aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit fürchterlich in die Hose gegangen ist: umgeben von künstlichen Umweltgiften, regiert von unsichtbaren Märkten (deren Tyrannei der Regentschaft übelster Schurken nahekommt), bedroht von atomarer Vernichtung oder der Auslöschung durch aus ganz vernünftigen Gründen erschaffenen Konzentrationslagern (was „die Märkte“ als effektivste Lösung des Problems der „Kosten auf zwei Beinen“ täglich fordern – nur merken das viel zu wenige) hat er es innerhalb weniger Jahre geschafft, das ganze mühevoll ausbalancierte Gleichgewicht der Natur aus dem Takt zu bringen … mit Folgen, die ganz fürchterliche Auswirkungen haben könnten und schon jetzt dafür sorgen, dass wir das schlimmste Artensterben in der bekannten Geschichte der Menschheit erleben.

Gut, dass es den Tod gibt, der uns sicher aus dieser selbst geschaffenen Hölle herausholt.

Gut, dass es Gott gibt, der vielleicht noch einiges gerade biegen kann – oder die Täter jenseits der Kreise dieser Welt zur Rechenschaft zieht. Wie es aussieht, geschieht genau dies – aber unglaublich freundlich und liebevoll.

Kommen wir zum Schluss.

Ohne empirische Erfahrungen in dem Bereich (und ohne sicheren Zugriff auf die Instinkte, die uns zu allererst in dieser Welt überlebensfähig machen) hat man keine andere Chance, als das Gegenüber für geistig krank zu  halten. Man kann aber akzeptieren und respektieren, dass manche Menschen anders sind – sogar die absolute Mehrheit der Menschen, die je gelebt haben. Sie haben auch rational gute Gründe, ihre geistige Heimat nicht im Materialismus zu suchen, der die Menschheit als Solche an den Rand ihrer Existenz gebracht hat – und deshalb schon gelegentlich von den nachfolgenden Arten phantasiert, die den Menschen ersetzen werden (insgeheim halten sich wohl die Prediger dieser Antireligion selbst für diese auserlesenen, überlegenen Wesen: auch Hitler hat gerne davon schwadroniert – doch das ist ein anderes Thema).

Man merkt vielleicht, dass ich die Trostfunktion der Religion (die zentrale Wirkung des Opiums im Sinne von Marx) gar nicht erwähnt habe.

Sie ist auch irrelevant. Für diejenigen, die auf der Basis ihrer Erfahrungen „glauben müssen“ (aber nicht das, was „die Religion“ ihnen erzählt), tritt im Trauer- oder Notfall gar kein Notfall ein, ihr  Lebensschwerpunkt liegt auf einer Metaebene.  Für dienigen, die keine Erfahrung haben, aber aus ihren Instinkten heraus am Wissen vom „Jenseitigen“ festhalten, gibt es keine Trost, weil es kein Wissen und kein Bewußtsein gibt, das Trost vermitteln könnte – die Metaebene wird nur erahnt, aber nicht wahrgenommen, was wenig Trost spenden dürfte.

Was der Kapitalismus (und der Kommunismus) an der „Religion“ wirklich fürchten?

Das sie Erfolg hat und Menschen wie den Mönch Anselm Grün hervorbringt: seine Lebensart beglückt ihn derart, dass er nur fünfzig Euro im Monat für sich selbst ausgibt, während er die Millionen, die er mit seinen Büchern macht, der Gemeinschaft zur Verfügung stellt.

Wo kämen wir nur hin, wenn alle so wären?

Und weil mich das sehr interessiert, wenn wir dann hin kämen, verteidige ich die freie Entfaltung von Religion in einer Gesellschaft – und zwar aller Religionen, nicht der der des dogmatischen Materialismus (auch, wenn die im ersten Moment so schön antireligiös daherkommt).

Darüber hinaus habe ich in meinem Leben genug Erfahrungen gesammelt, die darauf hinweisen, dass sich in jenem Bereich mehr Wahrheit befindet, als  uns lieb ist. Die jedoch spielen im großen Rahmen keine Rolle – ich wäre auch Verteidiger der Religionen (und zwar ALLER), wenn ich keine eigenen Erlebnisse hätte: die generelle Relativität menschlicher Erkenntnis und die begrenzte Fähigkeit menschlicher Wahrnehmung läßt demokratischen und humanen Gesellschaftsformen keine andere Möglichkeit, als so zu verfahren.

Das die aktuelle Entwicklung aber nur eine Religion übrig läßt, nur ein dogmatisches Deutungssystem als „wahr“ anerkennen will, zeigt, wohin die Reise politisch gehen soll – und bei dem, was sich dort anbahnt, sind halt Gott und Tod die besten Freunde der Menschheit, egal, welche Religion nun das Wissen über sie transportiert.

Bevor nun aber alle freiwillig vor den Zug springen, sei erwähnt, dass Selbstmord von vielen Kulturen abgelehnt wird – es sei denn, als letzter Ausweg, um seine Ehre zu behalten. Und selbst dann gibt es Berichte von „zurückgeholten“, die ratsam erscheinen lassen, die Kreise des Lebens nicht freiwillig zu verlassen – der selbst geschaffenen Hölle kann man so scheinbar nicht entkommen.

Aber wer will das schon?

Ich könnte nun noch über gesellschaftliche und zivilisatorische Nützlichkeit eines für die Gültigkeit der Moralgesetze garantierenden Gottes reden, doch das wirkt leicht, als wäre Religion nur ein Trick der Vernunft, das Tier im Menschen zu bändigen. Das mag sein – entspräche aber nicht meinen Erfahrungen, die ich mit vielen anderen Menschen teile.

Außerdem … ist das jetzt hier sowieso schon wieder viel zu lang fürs Internet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Tod und das gelungene Leben in Geschichte und Gegenwart – und die wahre Sünde

Mittwoch, 12.6.2013. Eifel. Der Tod eines für mich wichtigen Menschen führte mich in den letzten Tagen wieder einmal zu den Ursprüngen philosophischer Arbeit zurück, zu den elementaren Fragen des Lebens. Drei lebensgefährdende Autopannen hintereinander haben mir auch wieder einmal vor Augen geführt, dass auch ich nicht ewig leben werde, obwohl ich - wie die meisten meiner Mitmenschen - das deutliche Gefühl habe, dass dies so ist. Diese Erfahrungen kommen gerade zur rechten Zeit, denn gerade jetzt habe ich gemerkt, wie falsch ich doch gelegen habe mit meiner Annahme, es gäbe in der politischen, sozialen oder gesellschaftlichen Dimension des Lebens etwas zu tun, weil einiges aus dem Ruder läuft. Eine im Spiegel veröffentlichte Studie hat mich aber von dem Irrglauben befreit:

Mittwoch, 12.6.2013. Eifel. Der Tod eines für mich wichtigen Menschen führte mich in den letzten Tagen wieder einmal zu den Ursprüngen philosophischer Arbeit zurück, zu den elementaren Fragen des Lebens. Drei lebensgefährdende Autopannen hintereinander haben mir auch wieder einmal vor Augen geführt, dass auch ich nicht ewig leben werde, obwohl ich – wie die meisten meiner Mitmenschen – das deutliche Gefühl habe, dass dies so ist. Diese Erfahrungen kommen gerade zur rechten Zeit, denn gerade jetzt habe ich gemerkt, wie falsch ich doch gelegen habe mit meiner Annahme, es gäbe in der politischen, sozialen oder gesellschaftlichen Dimension des Lebens etwas zu tun, weil einiges aus dem Ruder läuft. Eine im Spiegel veröffentlichte Studie hat mich aber von dem Irrglauben befreit:

In Deutschland wächst die Zustimmung zum politischen System. Gleichzeitig schwindet die Bereitschaft abzustimmen. Eine Studie sagt deshalb eine sinkende Beteiligung an der nächsten Bundestagswahl voraus.

Es ist natürlich nicht der deutsche Leistungsträger, der sich von der Demokratie verabschiedet – es sind die Parasiten und Schmarotzer, die sogar zu faul sind, zur Wahl zu gehen:

Vor allem einkommensschwache und bildungsferne Menschen verabschieden sich demnach aus der aktiven Teilhabe an Demokratie. „Je geringer der Sozialstatus und je größer das politische Desinteresse im Freundeskreis, desto weniger wahrscheinlich wird der Gang zur Wahlurne“

Immerhin wurden für diese Studie über 1500 Menschen befragt, zehn mal soviel wie in unserem Dorf leben. Jetzt weiß man auch, warum jeglicher Widerstand gegen die Hartz-Gesetze im Sande verläuft: die, die es angeht, sind wohl wirklich so, wie die Regierung es schon vor zehn Jahren erkannt hat.

Zudem erkennen die Bundesbürger zunehmend große Unterschiede zwischen den im Bundestag vertretenen Parteien und sind begeistert von unserer Art, Demokratie zu versuchen: man sieht, es besteht wirklich überhaupt kein Handlungsbedarf – außer bei den faulen Hartzern, denen man nach dieser Studie zurecht das Wahlrecht wird absprechen können.

Zeit genug also, sich wieder den wirklich wichtigen Themen zuzuwenden, jenen Themen, die früher oder später jeden von uns berühren werden: beispielsweise dem Tod.

Was hat der Tod nun mit Hartz IV und der Politik zu tun? Nun – in der Tat: sehr viel, doch dazu muss man – wie so oft – weiter ausholen., vor allem muss man sich klar sein, was denn das überhaupt sein soll: der Tod. Christentum und Materialismus predigen uns seit Jahrhunderten ganz genau, was wir uns darunter vorzustellen haben: den Übergang in ein absolutes, finsteres, lebloses Nichts, einen Zustand, den Buddhisten aus unserer Sicht geradezu anzustreben scheinen: im vollen Bewusstsein unserer kulturellen und intellektuellen Überlegenheit bereitet uns dieser Umstand jedoch keine weiteren Probleme.

Ebensowenig bereitet uns Probleme, das unsere Angst vor dem Tod direkt aus alten biblischen Überzeugungen resultiert, die wir doch als moderne, aufgeklärte Menschen weit hinter und unter uns wähnen: der Tod ist jener Zustand, der den Menschen weit von „Gott“ entfernt (siehe Psalm 88). Mit nüchternen Sprüchen wie: „wo ich bin, da ist der Tod nicht und wo der Tod ist, da bin ich nicht“ (Epikur) lassen sich solche existenziellen Ängste nicht bewältigen.

Bleiben wir kurz bei diesen Ängsten. Sowie das Alte Testament nie einen systematischen Gottesbegriff entworfen hat (was Antitheisten nicht davon abhält, davon auszugehen, dass es so etwa gäbe und dieses dann zu verwerfen), hat es sich nie um den Tod und die Hölle gekümmert (was Priester nie davon abgehalten hat, zwecks Steigerung der Kollektenrendite genaue Kenntnis von der Hölle zu vermitteln, in die all´ jene kommen, die ihnen nicht zu Willen sind). Man fürchtet nicht den Tod – erst recht nicht den friedlichen Tod im Alter – sondern die Ferne von Gott … ein für uns völlig fremdes Denken, das freilich noch weitere Konsequenzen nach sich zieht: „fern von Gott“ kann man auch mitten im Leben sein.

Was heißt nun „fern von Gott sein“ in einer Religion, die gar keinen Begriff von „Gott“ hat … außer dass er der „lebendige“ Gott ist, die „schöpferische Lebensmacht schlechthin, die Mensch, Erde und Kosmos erfasst“ (siehe Praktisches Bibellexikon, Herder 1985, Seite 441)?

Erstmal: fern vom Leben sein, fern jeglicher Lebendigkeit und jeglicher Erfahrung von Lebendigkeit existieren.

Und auf einmal ist der Tod mitten in unserem Leben. Jener Tod, den wir so schrecklich fürchten – oder blind ignorieren – kann uns bei lebendigem Leibe ereilen. Faszinierend ist: das wissen wir schon lange. Jeder weiß das, das ist der Grund, warum Urlaub für uns so unverzichtbar ist.

„Ach ja, wenigstens für einige Zeit wollen diese Leute die freie Natur erleben, ihre Sorgen und Nöte vergessen und vor allen Dingen ihre eintönige Stadt einmal hinter sich lassen;  diese steinerne und graue Zementwüste hatte sie lange genug verschlungen und wird sei sowieso später wieder verschlingen“ – so Albino Luciani, bekannt als 33-Tage-Papst Johannes Paul I., in seinen fiktiven Schriften „Briefe an Persönlichkeiten“ (Verlag neue Stadt 1979, Seite 87).

In der Wüste finden wir erschreckend wenig Leben – so jedenfalls ist das Sinnbild der Wüste.

Für immer mehr Menschen findet das Leben genau in jenen Städten statt – und so wird für immer mehr Menschen der „Tod im Leben“ erfahrbar in Form eines Lebens, das nur ein absolutes Minimum an Erfahrungen von „Lebendigkeit“ erlaubt. Während das Leben auf dem Lande einem Bad in allen Ausdrucksformen des Lebens gleicht, führt das Leben in der hektischen „Leistungsgesellschaft“ zu einem Tode im Leben, der seinen Gipfel dort erreicht, wo Menschen durch finanzielle Armut dazu verdammt werden, auch den städtischen Ausdrucksformen menschlicher Lebendigkeit wie Theater, Musik, Malerei, Dichtkunst und sogar der Liebe fern zu bleiben. Sie werden zum Ausschuss einer unmenschlichen Gesellschaft, die systematisch den Tod im Leben produziert … und zwar massenhaft.

Von diesem System hin zu einem System der Massenvernichtung unwerten Lebens ist es – kulturell gesehen – nur noch ein ganz kleiner Schritt, weshalb wir modernen Experimenten mit dem Problem der Arbeitslosigkeit zurecht sehr kritisch und ängstlich gegenüberstehen, bringen sie doch den Tod  – als Einschränkung der Erfahrung der Lebendigkeit – tagtäglich in das Leben von Millionen von Menschen.

Wie weit sind diese Experimente mit nicht mehr industriell verwertbaren Menschen von der Achtung vor dem Leben und all seinen Ausdrucksformen entfernt, wie wir sie zum Beispiel im Sonnengedicht des Franz von Assisi finden (siehe Franziskaner) … welches sein Pendant vielleicht in einem einfachen Zitat von Samuel Butler findet (siehe Zitate.de):

„Alle Lebewesen außer dem Menschen wissen, dass der Hauptzweck des Lebens darin besteht, es zu genießen“

Wieviel Genuss bleibt eigentlich für Arbeitslose in Zementwüsten? Oder für Niedriglöhner in Großraumbüros? Für Berufskraftfahrer in Blechsärgen? Wie fern von Gott werden sie von Regierung und Wirtschaft gehalten – wenn wir nur für eine Augenblick die Perspektive des heiligen Franz von Assisi einnehmen, jenes Menschen, für den Sonne und Mond, Feuer und Tod Brüder und Schwestern waren?

Seltsame Wege, auf die uns die Reflexion ein paar alltäglicher Begriffe gebracht haben, Reflexionen die wir nun ein wenig wissenschaftlicher angehen wollen, in dem wir ein paar Fakten über den Tod nennen, die nicht materialistischen oder kirchlichen Vorstellungen (eigentlich nur zwei Seiten derselben dogmatischen Medaille) entsprechen. 

„Der Meinungsforscher George Gallup fand heraus, dass in den USA acht Millionen Erwachsene ein Todesnäheerlebnis, kurz TNE, gehabt haben, kurz: jeder Zwanzigste“

(Siehe Moody, Das Licht von drüben, Rowohl 2004, Seite 19).

Die moderne Medizin schafft es immer häufiger, Menschen wiederzubeleben, die früher nie zurückgekommen wären. Ihre Berichte ähneln sich verblüffend:

Gefühl von Frieden und Schmerzfreiheit: 32 %

Lebensrückblick: 32 %

Eintritt in eine andere Welt: 32 %

Verlassen des Körpers: 26%

Genaue visuelle Wahrnehmung: 23 %

Begegnung mit anderen Wesenheiten: 23 %

(siehe Moody, a.a.O.)

Der oft zitierte „Tunnel“ wird nur von 9 % berichtet.

Für die Kirche sind diese Berichte „oft ein Reiz- und Tabuthema„, obwohl gerade junge Menschen sehr positiv auf die Thematik reagieren:

Es ist beeindruckend, wenn Jugendliche mir berichten, Angst vor bevorstehenden schweren Operationen, Todesfurcht und Lebensangst überhaupt hätten sich nach der Unterrichtseinheit deutlich verringert oder seien sogar ganz vergangen.  (siehe Deutsches Pfarrerblatt, Heft 5, 2012).

Nun – die Dogmatik der Kirche erlaubt es nicht, sich mit diesem Thema zu beschäftigen, ebenso wenig wie der Materialismus diese Perspektive zulassen darf. Wo  Dogmatik das Leben bis ins kleinste Detail jenseits jeglicher Ideale von Freiheit regeln möchte, ist kein Platz für die Erfahrungen und Erlebnisse von Menschen und erst recht kein Platz für eine Lebendigkeit, die über das Leben hinausreicht.

Wo wir gerade dabei waren, uns das Sonnengedicht des heiligen Franz von Assisi anzuhören, jenes Menschen, der – allen Werten der modernen Leistungsgesellschaft zum Trotz – sein Glück in der Ablehnung des Reichtums und dem Genuss der Lebendigkeit der Welt fand: hier finden wir einen Passus, der uns aufhören lassen sollte:

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;
ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.
Wehe jenen, die in schwerer Sünde sterben.
Selig jene, die sich in deinem heiligsten Willen finden,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.

„Sünde“ – das böse Wort. Jenseits von Kirche: das Gegenteil von Leben (siehe Praktisches Bibellexikona.a.O. Seite 670). Nicht der Tod ist der Feind des Lebens, sondern die Sünde. Und wie sieht diese Sünde nun aus, die ein unbekannter „Gott“ ausmerzen will? Sind es die Mörder, die Diebe, die Ehebrecher, die Homosexuellen oder die Atheisten, die ausgemerzt werden?

Weit gefehlt.

Schauen wir bei Wikipedia nach, wem der „Zweite Tod“ droht, jener Tod, der auch nach dem Verständnis der Tibetaner, Ägypter und Tolteken das denkende, empfindende Ich auslöschen wird:

  • die „Feigen“ – Menschen, die aus Angst Götzen oder das Tier angebetet haben;
  • Ungläubige – alle, die nach außen hin einen Glauben vertreten, ihn aber insgeheim ablehnen;
  • Frevler – Menschen, die das Idol der Unterdrücker anbeten;
  • Mörder – alle, die durch Unterdrückung das Leben Anderer vernichten;
  • Unzüchtige – Menschen, die andere durch Geld zum Objekt ihrer Begierde machen;
  • Zauberer (oder: Giftmischer) – alle, die magische Praktiken als Herrschaftsmittel benutzen;
  • Götzendiener – im biblischen Sinne jeder, der an die Stelle Gottes andere Mächte (Geld, Macht, Markt) setzt;

Seltsame Definitionen, oder? Aber Definitionen, die erstaunlich Präzise den Begriff des Lebens alttestamentarischer Menschen beschreiben und uns ganz erstaunliche Aussichten auf jene „schweren Sünden“ geben, die Franz von Assisi erwähnt.

Wer endgültig vernichtet wird, sind die, die lebensfremde, lebensbedrängende und lebensvernichtende Werte leben und anbeten. Schlimme Botschaft für den Vatikan – und die deutsche Bundesregierung, die beispielsweise durch Unterdrückung mittels Hartz IV das Leben Anderer vernichtet. Schlimme Nachrichten für alle Machtmenschen, ob sie nun Bankiers, Generäle, Bundeskanzler, Kardinäle, CEO´s, Parteivorsitzende oder esoterische Budenzauberer sind.

Alles, was dem Leben Feind und in dem Sinne lebensuntüchtig ist, wird selektiert. Gnadenlos. Kennen wir ja aus der Natur – warum sollte es im größeren Rahmen anders sein?

Und das heißt, dass man den Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit, die Distanz zu einem lebensvernichtenden (und die Lebendigkeit der natürlichen Umwelt beständig weiter minimierenden) System aus reinem Eigennutz weiter aufrecht erhalten sollte – auch wenn der „Spiegel“ jetzt meint, alles sei wunderbar in Ordnung und sich überraschend viele Menschen dieser Meinung anschließen.

Es stellt jetzt wahrscheinlich für viele die Frage: gibt es jetzt doch wirklich einen Gott?

Diese Frage werde ich leider erst dann beantworten können, wenn auch ich erfolgreich unter Überwindung aller Hindernisse in jenseitigen Gefilden weile – was schon bald der Fall sein kann. Aller Erfahrung nach werde ich dann allerdings ganz schnell das Interesse verlieren, meine Erfahrungen mitzuteilen.

Was ich aber jetzt schon sagen kann, ist, dass die Frage nach der Existenz eines Gottes völlig bedeutungslos ist.

Was zweifellos existiert, ist der Tod und das Leben. Was existiert, sind die Feigen, die Ungläubigen, die Frevler, die Mörder, die Unzüchtigen, die Zauberer und Götzendiener, die das Leben schon vor dem Tode auf vielfältige Art vergewaltigen. Was existiert – mit ständig wachsender Wahrscheinlichkeit – ist ein Leben nach dem Tod … und Ausrucksformen des Todes  mitten im Leben.

Was existiert, ist die Frage, ob es uns gelingt, ein gelungenes Leben zu leben – ein Leben mitten zwischen Bruder Feuer, Mutter Erde, Schwester Wasser und Bruder Wind … Dimensionen der Erfahrung von Lebendigkeit, weswegen wir im Urlaub lieber die Malediven aufsuchen als Gelsenkirchen.

Und was wäre das für eine Politik, die nicht Politik der Sünde sondern Politik des Lebens wäre?

Und was wird das für ein Himmel werden, in dem wir Atheisten wiederfinden aber keine Bischöfe, Kommunisten aber keine Anlageberater, Revolutionäre aber keine Mitläufer, Söldner aber keine Sachbearbeiter von Jobcentern, Prostituierte aber keine Verleiher von Arbeitskräften, christliche Mönche aber keine Tarotkarten legenden Astrologen und Leiharbeiter anstelle von Leistungsträgern…

Ein Himmel erstmal ohne Gott – und ganz anders, als kirchliche Leistungsträger uns verkaufen wollen.

Ist ja auch nicht weiter erstaunlich: das Wissen um die Priorität des Lebens vor der Religion ist Jahrtausende älter als alle Kirchen zusammen – und wenn wir dem Herrn Butler folgen wollen, sind wir Menschen die einzigen Geschöpfe, die dies zeitweise vergessen.

Sonderlich schwer wird ein gelungenes Leben nicht sein, denn wenn man genau hinschaut, so bedarf es schon einiger Mühe, bis man im Kreise der Feigen, Ungläubigen, Frevler, Mörder, Unzüchtigen, Zauberer und Götzendiener angekommen ist.

Wahrscheinlich haben schon viele Milliarden Menschen dieses gelungene Leben im Laufe der Jahrtausende erfolgreich bewältigt – nur momentan bekommen wir damit einige Schwierigkeiten.

Das muss aber nicht so bleiben. Den Genuss von Wind, Sonne, Mond und Sternen sowie der (schrumpfenden) Vielfalt der Natur braucht man sich durch Politik und Wirtschaft nicht verbieten zu lassen – Spatzen und Eichhörnchen sollen dies mit Leichtigkeit bewältigen können.

Und dann … wird wahrscheinlich auch wundersamerweise die Demokratie wieder viel lebendiger.

Oder besser: logischerweise.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Tod und seine Rolle in der modernen Politik – Überlegungen zu einem Buhmann

Sonntag, 3.6.2012. Eifel. Ein Blick nach Spiegel-online offenbart momentan ein Plädoyer gegen die Sterblichkeit. Das mutet seltsam an in einem politischen Magazin, das gerade wieder von sich behauptet, gefürchtet zu werden: "meist gelesen, meist zitiert, meist gefürchtet" - behaupten die von sich selbst. Ob nicht die Bildzeitung häufiger zitiert wird? Immerhin steht sie im internationalen Vergleich auf Platz 4 und kann den Titel "meistgelesene nichtjapanische Zeitung der Welt" für sich beanspruchen. Gut, der Spiegel ist vielleicht eher das Leitmedium der deutschen Oberschicht - jener Menschen, die Geld genug haben, so ein Hochglanzmagazin zu bezahlen - und Zeit genug, es zu lesen. Worauf man sich verlassen dann verlassen kann: die Verachtung der Sterblichkeit wird dort immer ein wohlwollendes Publikum finden. Immerhin ... lesen dort die Reichen. Die Armen lesen gar nicht mehr - zu teuer, zu frustrierend .... und die permanente Armenhetze und Erwerbslosenjagd will man sich wirklich nicht antun.  Und hieran merkt man schnell: der Tod hat eine politische Dimension.

Sonntag, 3.6.2012. Eifel. Ein Blick nach Spiegel-online offenbart momentan ein Plädoyer gegen die Sterblichkeit. Das mutet seltsam an in einem politischen Magazin, das gerade wieder von sich behauptet, gefürchtet zu werden: „meist gelesen, meist zitiert, meist gefürchtet“ – behaupten die von sich selbst. Ob nicht die Bildzeitung häufiger zitiert wird? Immerhin steht sie im internationalen Vergleich auf Platz 4 und kann den Titel „meistgelesene nichtjapanische Zeitung der Welt“ für sich beanspruchen. Gut, der Spiegel ist vielleicht eher das Leitmedium der deutschen Oberschicht – jener Menschen, die Geld genug haben, so ein Hochglanzmagazin zu bezahlen – und Zeit genug, es zu lesen. Worauf man sich verlassen dann verlassen kann: die Verachtung der Sterblichkeit wird dort immer ein wohlwollendes Publikum finden. Immerhin … lesen dort die Reichen. Die Armen lesen gar nicht mehr – zu teuer, zu frustrierend …. und die permanente Armenhetze und Erwerbslosenjagd will man sich wirklich nicht antun.  Und hieran merkt man schnell: der Tod hat eine politische Dimension.

„Für den Reichen ist der Tod das Ende seines Reichtums – für den Armen ist er das Ende seiner Armut“ – ist ein Spruch, den ich sinngemäß dem Film „Spartakus“ entnommen habe. Er zeigt, das es auch eine andere Sicht des Todes gibt: der Tod als der Befreier. Sicherer als die Kommunistische Partei befreit er Menschen aus unmenschlichen Zuständen – die Zahl derer, die ihn für eine gelungene Einrichtung halten, dürfte bei den Sklaven dieser Welt recht hoch sein … lediglich das eine Prozent, das den Reichtum der Welt für sich allein beansprucht, dürfte mit dieser Sicht des Lebens nichts anfangen können – immerhin kann man tun was man will, jede noch so kleine Neigung bis ins Detail verwirklichen und auskosten, jede Phantasie Wirklichkeit werden lassen und mit vielen Intrigen ungestraft gegen jede demokratische Überzeugungen die politische Wirklichkeit und den gesellschaftlichen Alltag des Pöbels bestimmen.

Man kann sich wie ein Gott fühlen und wird von den Medien noch dafür gefeiert – wer wollte da schon ein Ende akzeptieren?

„Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern das man nie beginnnen wird zu leben“ – so schreibt Marc Aurel. Auch so eine antike Wahrheit, über die heute nicht mehr gesprochen wird. Würde sich die moderne Konsumameise mit dem Begriff „leben“ auseinandersetzen, würde sie Panik kriegen. Ihr geist- und sinnloses Leben plätschert dahin, eingepfercht in Zwänge, die die Menschheit nie zuvor erleben musste. Die Mehrheit der Menschen wird morgens von Maschinen geweckt, von Maschinen mit Kaffee versorgt, von Maschinen zur Arbeit gefahren, wo sie Maschinen bedienen und wie Maschinen funktionieren müssen.

Mit „Leben“ hat das wenig zu tun … aber wer so lebt, fürchtet den Tod zurecht.

Er wird betrogen um die eigentlichen Früchte seines Lebens und – je nach religiöser Perspektive – sogar um die Existenz seiner Seele in der Ewigkeit. Ein hoher Preis für ein Leben, das nur noch eins im Sinn hat: den neuen Göttern zu gehorchen, jenen Göttern, die den gütigen Gott der Liebe entthront haben und an seiner Statt eine Diktatur errichteten, die die kleinsten Kleinigkeiten unseres Alltages regelt: die Diktatur der „Märkte“, die bestimmen, wie wir uns kleiden, wie wir uns schminken, wie wir riechen, was wir essen, wie wir uns bewegen, wie wir zu denken und zu wohnen haben, wohin und wie oft wir in den Urlaub fliegen, wie wir Sex haben, unsere Freizeit gestalten müssen und – „fit für den Job“ als Lebenssinn setzen.

Wir geben uns ja gerne materialistisch und atheistisch – aber die Angst vor dem Zorn der Märkte diszipliniert die Gesellschaft stärker als jemals eine Gesellschaft durch den (eingebildeten) Zorn ihrer Götter diszipliniert wurde.

Selbstmorde als Flucht vor dem Zorn der neuen Götter scheinen jedoch aus der Mode gekommen zu sein, obwohl sie  die sicherste Methode darstellen, der Arbeitslosigkeit zu entkommen. Statistisch gesehen schrumpft diese Maßnahme. 1980 waren es noch 18 451 Menschen, die den Freitod gewählt haben, 2006 sind es „nur“ noch 9756 (Quelle: Statista), allerdings steigt die Zahl seit 20o7 wieder an: 2010 sind es schon wieder 10021.

Der Grund für diese Entwicklung?

Eine beispiellose Kampagne (sehr oft getragen durch den „Spiegel“), die den Tod als Feind der Menschheit betrachtet … dabei würden ohne ihn aktuell 60 Milliarden Menschen die Erde bevölkern (siehe „Doomsday-Argument“). Sollte sich mal jeder gründlich in seiner Wohnung umschauen und überlegen, wie gemütlich das Leben wirklich wäre, wenn man noch neun weiter Leute in sein Zimmer aufnehmen müsste.

Wie ich auf die Arbeitslosigkeit als Suizidgrund komme? Nun – auf eine Frau, die ihrem Leben selbst ein Ende setzt, kommen drei Männer. Frauen reden oft darüber, Männer tun es einfach. Frauen kriegen auch schneller einen neuen Mann als Männer eine neue Arbeit – sie haben da Alternativen zum Arbeitsmarkt, die Männern noch weitgehend verschlossen sind.

Oder schauen wir doch einfach mal nach Griechenland, einem Paradebeispiel, wie die „Märkte“ sich Gesellschaft wünschen – und formen: Familien können ihre Kinder nicht mehr ernähren (siehe: Taz), Stromkonzerne können ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen (siehe: Mittelstandsnachrichten), Einkommen sinken um 30 % (während die überlebenden Unternehmen dank Troika ihre Gewinne um 30% steigern können, siehe „Blick„) – und schon verdreifachen sich die Selbstmordraten in einem Land, das zuvor eher unterdurchschnittlich zum freiwilligen Rückzug von der Lebensfront neigte (siehe FR).

Die Griechen kriegen jetzt deutsche Verhältnisse – was das angeht.

Aus wirtschaftlicher und politischer Sicht eine unglaubliche Katastrophe. Wo kämen wir hin, wenn jeder Arme, der in diesem Land keine Zukunft mehr hat, sich das Leben nehmen würde? Wer sollte die ganzen renditefreundlichen Minijobs machen, wer als verhartzes Hassobjekt als Angstbild für Jobbesitzer herhalten, an wem sollte man noch die ganzen unnützen Operationen zugunsten der eigenen Profitgier durchführen, wo wären dann die 240 000 Demenzkranken, die aktuell durch Chemie ruhiggestellt werden und bei lebendigem Leibe zugunsten der Pflegeheimrendite verrotten, wenn die alle einfach selbst aus einem Leben scheiden, das mit Leben nicht mehr viel zu tun hat?

Was wäre, wenn die alle gingen, weil ihnen das Programm nicht mehr gefällt?

Dagegen muss man angehen – als reicher Mensch, und zwar genauso, wie die Kirche es früher praktiziert hat. Früher drohte die Hölle, heute droht „das Nichts“, ein „Nichts“, das finster, dunkel und kalt ist – jedenfalls für Menschen, die gewohnt sind, wohlgepudert im Lichte der Öffentlichkeit ihren Reichtum feiern zu können. Das dieses „Nichts“ im Buddhismus geradezu das Ziel des Lebens sein kann (und in den Übungen des Zen-Buddhismus schon im Leben erfahrbare Wirklichkeit ist), wird hier im Westen gerne verdrängt. Dieses „Nichts“ meinen wir nicht – es ist nicht böse, finster und angsteinflößend genug, unser Nichts ist jenes, das reiche und berühmte Spiegelautoren ängstigt, es ist eine Art „Hartz IV“ in Potenz.

Das Hartz-Abhängige so gesehen den Tod (bzw. das absolute Nichts) schon im Leben zelebrieren, in dem sie tagtäglich selbst ihr Leben beschneiden (ver… …nichten) müssen, um dem Sterben knapp zu entkommen, ist das Spiegelbild dieser Kultur – und offenbart die düstere, tödliche Wirklichkeit hinter der so harmlos klingenden „Agenda 2010“.

Aber so funktioniert das System. Das der Tod das absolute böse, ungerechte, gemeine und schlimmste Übel ist, das Menschen wiederfahren kann, wird in den westlichen Medien in breiter Front gepredigt und von der Leistungselite als Leitreligion bis ins Detail mitgetragen.  Jener Religion des „bösen Nichts“ folgen auch Ärzte in breiter Front – gerade dort zeigt sich, wie irrational der Kult ist … und wie groß seine Macht über unsere Gesellschaft.

„Blick ins Jenseits“ heißt eine Dokumentation bei Spiegel-TV (hier auf You-Tube), auf der Professor Walter van Laak über die Schwierigkeiten berichtet, seriöse Artikel über Nahtodesforschung in wissenschaftlichen Magazinen unterzubringen – und wie seine ärztlichen Kollegen dann hinter vorgehaltener Hand über eigene Erfahrungen in diesem Forschungsfeld berichten, die sie offiziell nie zugeben würden.

Selten zeigt sich die Macht der neuen Religion des absoluten Nichts so deutlich wie in dieser Selbstkasteiung der ärztlichen Zunft.

„Noch nie hat sich ein Selbstmörder bei uns bedankt, wenn wir ihn ins Leben zurückgeholt haben“ – erzählte mir dereinst ein Krankenpfleger, der auf der Intensivstation einige Dutzend dieser Fälle erleben durfte, ähnlich Verwirrendes berichtete ein führender deutscher Ausbilder für Intensivmediziner. Viele Ärzte stehen mit diesem Phänomen alleine da – dürfen aber nicht darüber reden, weil die modernen Inquisitoren der Märkte sofort zur Stelle sind und die wirtschaftliche und wissenschaftliche Basis zerstören.

Wer in diese Sphären vordringt, merkt, das wir wieder im Mittelalter angekommen sind.

Es sind aber nicht die drohenden Massenselbstmorde, die gefürchtet werden, nicht die Massenabwanderung von Sklaven ins Jenseits, die die Kultur des absoluten Nichts verhindern will.

Was sie verhindern will, sind moderne Versionen des Spartakus, sind Menschen, die sich – ohne auf ihr eigenes Leben zu achten – für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit einsetzen … und diese Werte unter allen Umständen durchsetzen.

Man stelle sich einfach mal vor, wie unsere Gesellschaft aussehen würde, wenn wir eine andere jenseitige Wahrheit akzeptieren würden, eine Wahrheit die (Selbstmörder müssen wir hier augenscheinlich mal ausnehmen – ihre Erfahrungen scheinen oft von düsterer Natur zu sein) von der überwiegenden Mehrheit der Nahtoderfahrenen geschildert wird: das wir im Jenseits liebevoll aufgenommen werden und – wie in den „Ewigen Jagdgründen“ der Indianer – eine paradiesische Existenz erfahren dürfen.

Die Zahl derjenigen, die die Schmach und Entwürdigung des Alltags klaglos erdulden, würde sich deutlich reduzieren, die Anzahl der „Empörten“ würde sich jedoch deutlich erhöhen, der Widerstand würde enorm wachsen, weil die Widerständler ihre Kraft aus einer Zukunft ziehen können, die ihnen kein „Markt“ mehr nehmen kann. Das wäre für das eine Prozent, das uns augenblicklich nach Strich und Faden ausnimmt, eine Katastrophe – schlimmer noch als Selbstmordwellen.

Darum ist es für das System lebensnotwendig, den Tod als das Böse schlechthin darzustellen – gegen jede Wissenschaft, gegen jede menschliche Erfahrung, gegen jede Vernunft. So wird das Leben für uns Legehühner zu einem Käfig, aus dem es kein Entrinnen gibt, ein Käfig, der uns antreibt, an jedem noch so erbärmlichen Zustand mit aller Gewalt festzuhalten … anstatt unser Leben dafür zu riskieren, den unhaltbaren Zuständen ein Ende zu bereiten und dem Käfig zu entkommen.

Warum auch gegen jede Vernunft?

Nun – der Mensch an sich fürchtet den Tod nicht … nicht wirklich. Es gäbe in Wirklichkeit niemanden, der jemals sein Leben riskieren würde, wäre da nicht das instinktive Wissen, das der Tod nicht jenes Ende darstellt, welches die modernen Medien tagtäglich predigen. Wir hätten keine Autofahrer, keine Astronauten, keine Soldaten, keine Piloten, ja – überhaupt keine risikofreudigen Menschen mehr, wenn die mediale Wahrheit vom bösen Tod wirklich auch unsere Instinkte überzeugen würde.

Das tut sich aber nicht.

Natürlich ist „sterben“ nicht angenehm. Die Zellen unseres Körpers werden das Gehirn mit Botenstoffen überschütten, die geeignet sind, große Panik zu verursachen. Das ist ihr Job. Jeder Mensch mit posttraumatischem Stresssyndrom weiß davon ein Lied zu singen – und er weiß auch, das die Existenz der Botenstoffe nicht unbedingt die Existenz einer realen Gefahr bedeutet. So sind die Zellen halt – sie warnen uns achtzig Jahre lang vor Gefahren, die dem materiellen Körper drohen und diese Warnungen sind in der Regel immer sehr massiv. Im Sterben warnen sie erst recht – denn für sie ist das wirklich das Ende.

Wir Menschen sind aber nicht „die Zelle“. Ich bin nun 52 Jahre alt und habe damit schon sieben Generationen von Zellen überstanden, während mein Geist eigentlich seit der Kindheit derselbe geblieben ist. Ich gehe deshalb einfach mal davon aus, das mein Geist auch jenen Moment übersteht, wenn die Zellen sich entschließen, sich nicht mehr zu erneuern. Das wird nicht schön, aber Zahnschmerzen sind es auch nicht. Wer würde aber schon auf sein Leben verzichten wollen, nur weil es manchmal mit Schmerz verbunden ist?

Nun – vielleicht jene Demenzkranken, die als lebende Chemieleichen in den Altenheimen herumliegen, damit die Leitung den höchsten Pflegesatz abrechnen kann – oder jene Griechen, die die gnadenlose Übermacht der „Märkte“ über Demokratie, Politik, Staat und ihrem eigenen Leben am eigenen Leibe erfahren müssen … durch bewußte Vernichtung ihrer bürgerlichen Existenz, was auch eine Form des langsamen, qualvollen Sterbens ist.

Aber das Sterben ist nicht der Tod.

Und hier wird es ziemlich paradox … denn nur, weil wir den Tod als böses, gemeines, hinterhältiges Ungeheuer fürchten, verlängern wir mit aller Gewalt den unangenehmen Prozess des Sterbens so gut es nur geht – und werden so erst recht zu Hamstern, die wie die Irren in ihren Käfigen rennen.

Damit wir aber weiter rennen, hat die Politik (genauer gesagt: die Planungsabteilung der Konzernwirtschaft) dem Tod eine besondere, neue Rolle zugedacht: als böser Buhmann, der den kleinen Mann durchs Leben jagt.

Dabei lenkt dieses Angstbild wunderschön von jenen ab, die den kleinen Mann wirklich jagen, jenen kleinen Mann, für den der Tod ein wertvoller Verbündeter ist, weil er ihn endgültig den Klauen der neuen Götter entreißen kann und ihm dadurch genug Kraft geben könnte, sich mit aller Kraft genau gegen jene Götter zu stellen … die eigentlich nur machtlose Götzen sind.

Und so … sorgt man nebenbei dafür, das niemals wieder ein bewaffneter Mob vor den Toren der Mächtigen stehen wird.

Könnte ja tödlich enden.

Wo kämen wir hin, wenn der kleine Mann merkt, das dies gerade für ihn ein Gewinn sein könnte?

Wir kämen direkt zu einem bewaffnetem Mob vor den Toren der Mächtigen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lasst uns doch Oasen bauen … oder heilige Orte.

Montag, 6.2.2012. Eifel. Die Welt wartet auf eine Entscheidung - wieder einmal wurde ein Ultimatum gestellt: wenn Griechenland nicht bis heute Mittag der drastischen Verarmung seiner Bevölkerung zustimmt, wird das Land zwangsverarmt. Gehaltskürzungen und Reduzierung des Mindestlohns wird gefordert - bei einem Land, das ein Durchschnittseinkommen von 23900 Euro hat (Deutschland: 42400) und einen Mindestlohn von 3,80 Euro -  siehe Zeit. Forderungen wie im Krieg: die Herrscher des Nachbarlandes wollen Tributzahlungen, sonst .... zeigen sie, das sie auch anders können. Wir wissen, das die Einsparungen zu einer weiteren Rezession führen werden, die wiederum die Wirtschaftsleistung des Landes schwächt, was wiederum die Neuverschuldung nach oben treibt - will man nicht noch mehr Menschen auf den Straßen erfrieren lassen. Trotzdem machen wir das. Wir? Ja, wir alle. "Wir sind Deutschland", schon vergessen? "Wir" sind auch mittelbar beteiligt an der Folterung des ehemaligen Botschafters Libyens in Paris: immerhin haben wir die Folterer an die Macht gebracht. Für Gaddafi waren wir nicht verantwortlich - für die Zerschlagung des sozialsten afrikanischen Staates schon. Doch das ist noch nicht alles.

Montag, 6.2.2012. Eifel. Die Welt wartet auf eine Entscheidung – wieder einmal wurde ein Ultimatum gestellt: wenn Griechenland nicht bis heute Mittag der drastischen Verarmung seiner Bevölkerung zustimmt, wird das Land zwangsverarmt. Gehaltskürzungen und Reduzierung des Mindestlohns wird gefordert – bei einem Land, das ein Durchschnittseinkommen von 23900 Euro hat (Deutschland: 42400) und einen Mindestlohn von 3,80 Euro –  siehe Zeit. Forderungen wie im Krieg: die Herrscher des Nachbarlandes wollen Tributzahlungen, sonst …. zeigen sie, das sie auch anders können. Wir wissen, das die Einsparungen zu einer weiteren Rezession führen werden, die wiederum die Wirtschaftsleistung des Landes schwächt, was wiederum die Neuverschuldung nach oben treibt – will man nicht noch mehr Menschen auf den Straßen erfrieren lassen. Trotzdem machen wir das. Wir? Ja, wir alle. „Wir sind Deutschland“, schon vergessen? „Wir“ sind auch mittelbar beteiligt an der Folterung des ehemaligen Botschafters Libyens in Paris: immerhin haben wir die Folterer an die Macht gebracht. Für Gaddafi waren wir nicht verantwortlich – für die Zerschlagung des sozialsten afrikanischen Staates schon. Doch das ist noch nicht alles.

Jetzt wollen wir Syrien zerschlagen, um dort neue Folterer an die Macht zu bringen. China und Russland sind dagegen – offenbar sind sie nicht bereit, ein neues Libyen zu aktzeptieren … was uns zeigt, das sie die „Großwetterlage“ offensichtlich anders beurteilen als die westlichen Medien. Auch hier stehen die Zeichen auf Sturm – ein Krieg droht, wenn Diplomatie versagt: Russland hat die Souveränität Syriens garantiert, will notfalls militärisch eingreifen, Kriegsschiffe liegen schon vor Ort (wir berichteten). Unsere Legenden von syrischen Gräueltaten werden jenseits unserer Medienwirklichkeiten nicht mehr geglaubt – es gab zu viele Legenden dieser Art.

Die Gräuel in Serbien, die Gräuel in Afghanistan, die Gräuel im Irak – um nur einige zu nennen. Wir haben Organhändler gedeckt, den Opiumanbau wieder zugelassen (und von deutschen Soldaten sichern lassen), ein Land in Chaos versinken lassen, in dem türkische Truppen jetzt nach belieben Kurden jagen dürfen.

Oder diese Klimawandellegende – warum machen eigentlich China und Konzerne in den USA bei dem Geschäft zur Rettung der Welt nicht mit,  haben die etwa einen zweiten Planeten im Schrank?

Nebenbei erfahren wir, wie Politik wirklich gemacht wird: durch Korruption und Lügen. Finanzgruppen kaufen sich Politiker um gute Geschäfte zu machen – ein Blick in die Hintergründe der deutschen Wirtschaftswelt lässt einen nur noch Schaudern und an ein schlechtes TV-Drama denken. Alle machen gute Geschäfte auf unsere Kosten – und belügen uns über die Folgen, so lange es geht. Später dürfen wir dann erfahren, das der Euro wirklich ein Teuro war:

So kam heraus, dass vor und nach der Euro-Bargeldeinführung 2002 die im Alltag wichtigen Preise tatsächlich um mehr als 10 Prozent stiegen, während der amtliche Verbraucherpreisindex zwischen 1 und 3 Prozent schwankte

Was ist das eigentlich für ein Monstrum, das uns ständig Dinge tun lässt, die wir eigentlich gar nicht wollen? Wann fangen wir an, uns zu fragen, warum das alles geschieht, ohne das man uns fragt, ob wir das wirklich gut finden? Hätte man uns gefragt, ob wir eine neue Währung wollen, die zehn Jahre später die griechische Volkswirtschaft vernichtet und uns zehn Prozent unseres Vermögens kostet – wir hätten NEIN gesagt. Ich zumindestens – ich mag Griechenland, esse gerne Gyros und wollte da noch mal Urlaub machen. Ich glaube, das kann man als Deutscher jetzt erstmal vergessen. Immerhin stellen wir auch gerade ein Ultimatum an ein anderes Land.

Wir haben aktuell hunderte von Kältetoten in Europa – denken aber darüber nach, Wohnraum massiv zurückzubauen, weil im Osten Deutschlands die Dörfer sterben.

Wäre es vermessen, zu fordern, sie einfach mit jenen Menschen zu besiedeln, die in unserer Hochleistungsgesellschaft nicht mehr mithalten können – weil sie arm sind, krank, behindert oder einfach auch andere menschliche Werte leben wollen – jenseits von Organhandel, Ultimaten, Betrug, Korruption und Leiharbeitsschwindel?

Wir hätten auch einen Grund, so zu verfahren. Wir brauchen dringend Oasen, in denen ein anderes Leben möglich ist, ein menschliches Leben, ein Leben jenseits der Hochleistungsvolkswirtschaftsvernichter, Organvermarkter und Kriegstreiber. Wir brauchen es für uns selbst, für uns alle. Jeder von aus braucht es – die Superreichen wie die Superarmen. Beide brauchen Schutz vor den Räuberhorden dieser Gesellschaft, die als „Berater“ und „Manager“ helfen, das eigene Leben nicht mehr leben zu können – und das eigene Leben leben zu können, scheint für Menschen das Wichtigste zu sein.

Fünf Dinge, die Sterbende am Meisten bedauern bennent heute die Welt. Alles Dinge, für die man kein Geld braucht – aber einen Ort, sie leben zu können. Mehr nicht.

1. „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben“

2. „Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet“

3. „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken“

4. „Ich wünschte mir, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten“

5. „Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein“

Für uns Menschen … der wichtigste Artikel des Jahres. Das kann man schon jetzt sagen. Wir arbeiten hart, verplempern unwiderbringliche Lebenszeit für unseren Konzern oder unsere Behörde (und laden dabei oft auch viel Schuld an Gräueltaten auf unsere Schultern), kaufen all die Dinge, von denen die Medien uns sagen, das sie uns glücklich machen, opfern Freunde, Familie und unser eigenes Leben für die Karriere … und bereuen es zutiefst, wenn die Show vorbei ist.

Wären wir glücklich … wie leicht könnten wir andere Menschen glücklich machen. Wie leicht könnten wir den Menschen in Griechenland Geld schenken, sie als Freunde gewinnen und dafür kostenlos bei ihnen unterkommen, wenn wir unsere Griechenlandrundreise machen.

Die Erkenntnisse kommen von einer Palliativpflegerin, die aufgrund ihrer Beobachtungen ihr Leben geändert hat:

Sie ändert ihr Leben, als sie erkennt, dass es vor allem die späte Erkenntnis ist, die ihre Patienten unglücklich macht. „Rückblickend kann ich sagen, dass auch ich mich zu lange so verhalten habe, wie es von mir erwartet wurde“, sagt sie und meint damit ihre frustrierenden Jahre in der Bank.

Die Australierin arbeitet heute wieder als Sängerin und Songschreiberin, sie gibt im Internet Kurse für Persönlichkeitstraining und schreibt einen Blog. 

Wäre schön, wenn wir uns alle so ändern könnten. Das ginge nicht? Das werden die Reichen niemals zulassen?

Falsch. „Die Reichen“ wollen als Menschen, als biologische Wesen, nichts anderes als unsere Obdachlosen. Sie wollen weniger arbeiten, mehr Freunde haben, ihr eigenes Leben leben, glücklich sein. Nur die Psycho- und Soziopathen unter ihnen wollen etwas anderes.

„Die Reichen“ können auch anders:

Der Busunternehmer Ken Grenda hat seinen Beschäftigten unverhofft Millionen Dollar an Boni gezahlt – für deren harte Arbeit und Loyalität. Die Mitarbeiter konnten ihr Glück nicht fassen. Viele glaubten an einen Fehler bei der Bank.

Man sieht: die Übergangsphase in eine neue Wirtschaftsordnung ließe sich finanzieren. Und wenn man zuwenig Reiche findet, die Oasen der Ruhe, des Friedens und der Geborgenheit schätzen können, in denen sie – unbehelligt von „Beratern“ und „Managern“, die ihnen goldene Berge versprechen aber sich eigentlich nur selbst das Vermögen aneignen wollen, das sie eigentlich verwalten sollten – ihr eigenes Leben leben können.

Während meiner Ahnenforschung stieß ich auf einen Berufszweig, der heute unbekannt ist: den „Kolonisten“, Menschen, die im Osten (bis hinein in die Sowjetunion) das Land fruchtbar machen sollten. Was spricht eigentlich dagegen, die Dörfer im Osten Deutschlands nicht „zurückzubauen“, sondern das Geld, das bislang für Gabelstaplerscheine und Bewerbungstraining ausgegeben wurde in den Aufbau Ost zu stecken – in Projekte, die menschliches Leben fördern, wider den Wahn der Moderne, in der nur noch jeder gegen jeden kämpfen soll, bis alle todunglücklich sind?

Warum investieren wir eigentlich so wenig in die Erforschung alternativer Lebensstile, alternativer Wirtschaftsformen, alternativer Gesellschaftsformen, wo wir doch Geld genug haben, Häuser genug und Menschen in Massen?

Die Antwort auf diese Frage gibt uns die Unternehmensberatung Knill und Knill in ihrem Exkurs über die Macht der Manipulation: ich wollte, dies würde Schulfach werden. Detailliert erfahren wir hier, wie man uns Dinge verkaufen kann, die wir bewusst nie annehmen würden – und auf wie vielfältige Art uns „objektive Berichterstattung“ an der Nase herumführt. Die meisten von uns können sich aber solch ein „Medientraining“ gar nicht mehr leisten, wir arbeiten so hart an unserem Unglück, das wir gar keine Zeit haben, uns das notwendige Werkzeug für echte politische Souveränität aneignen zu können.

Wie das Leben in Oasen aussehen könnte – mit viel Musik, eigener Jacht, eigenem Hof, wirtschaftlicher Autarkie und viel mehr Glück als der Job bei der Bank zeigt vielleicht die Familie Klein-Jasedow, die aus dem altenTemenos-Projekt entstanden ist. Ich kenne das Projekt nicht im Detail (mag aber die Photos) … aber ich kenne den Begriff:

Das Temenos (griech. Τέμενος für Heiligtum, pl. die Temene; von temno – abschneiden ) bezeichnet den umgrenzten Bezirk eines (ursprünglich griechischen) Heiligtums.

Wenn es eine Herausforderung der heutigen Zeit gibt, dann sicher diese: wieder heilige Orte bauen, Orte, die im wahrsten Sinne des Wortes heilen sollen – und Schutz bieten vor den Gewalten der Welt, vor künstlich ins Leben gerufenen Nöten und Zwängen. Es gibt genug Menschen dafür, genug Orte – und auch genug Geld.

Bringt man all dies zusammen, können Wunder entstehen … über die die Nachwelt noch lange reden wird, weil sie davon enorm profitieren kann: die Zukunft kann wieder ein Gesicht bekommen, das das Leben lebenswert macht.

Vor allem aber … können Menschen wieder Hoffnung schöpfen auf ein sinnerfülltes Leben, an dessen Ende man mit einem Lächeln im Gesicht abtreten kann – anstelle von Wut, Enttäuschung oder Reue.

Das wäre dann eine Revolution, für die man nicht verhaftet werden kann.

 

 

 

DER PREIS DER GIER- SEHT ALLE GENAU HIN KINDER STERBEN

Zum Thema „Spekulationen auf Nahrungsmittel“.

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