Terrornetzwerk

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Terrorwarnung, Sarrazin mal anders

Na jetzt haben wir aber alle Angst. Nachdem unser großartiger Innenminister seine Terrorwarnung ausgesprochen hat, dürfen Seine Länderkollegen natürlich nicht hinten an stehen. Und die Medienhuren tönen munter ins gleiche Horn. Was will man uns mit der neusten Kampagne eigentlich sagen. Klar war, das wir die Verdachts – unabhängige Vorratsdatenspeicherung unbedingt brauchen, auch wenn das Verfassungsgericht dagegen entschieden hat. In einem Kommentar habe ich gestern gehört, das die Terrorwarnungen immerhin auf Ermittlungen beruhen Die in anderen Ländern mit schärferen Überwachungsgesetzen gemacht wurden und wir sollten uns in der Richtung ein Beispiel an den USA nehmen. Gute Idee, lassen wir doch in paar Flugzeuge in die Frankfurter Skyline krachen, billiger geht so ein Abriss nicht und schließlich weiß ja jeder, das bei so einem Event die Hochhäuser nach ca. einer Stunde auf Ihre Grundfläche zusammen stürzen.

Natürlich müssen wir alle sehr wachsam sein und jeden melden, der nur arabisch spricht und sich auffällig benimmt. Besonders lustig fand ich, das wir uns nicht dadurch täuschen lassen dürfen das der „Verdächtige“ Pluderhosen und nen Turban auf hat, sondern das „potenzielle Gefährder“ auch im Anzug unterwegs sein könnten. Wichtig scheint nur zu sein, der Terrorist ist Moslem ganz klare Sache und anders als bei Sarrazin ist dieser nun nicht genetisch Doof und Inzüchtig, sondern ausgesprochen klug und gewitzt. Dabei ist mir sofort einer besonders aufgefallen: Immer im Anzug, spricht komisch und benimmt sich sehr verdächtig, klare Sache, Ackermann nach Guantanamo, wer weiß was Der so alles nach ein wenig Waterboarding zu gestehen hat. Nonnenmacher muß natürlich auch mit, Der spricht zwar nicht komisch, sieht dafür aber ungewöhnlich aus und ist mir unsympathisch. Vielen Dank für den Tipp Herr Bosbach.

Bei dem ganzen wachsam sein und gegenseitigem Denunzieren dürfen wir natürlich den Konsum nicht vergessen. Auch wenn wir mittlerweile „wissen“, das der Anschlag auf jeden Fall in einem Ballungsgebiet stattfinden wird, vorzugsweise einem Weihnachtsmarkt, einer Bahn oder einem Flughafen, wobei die Journaille immer noch das Modell Mumbai favorisiert, müssen wir natürlich ganz normal weiter leben und uns durch unsere Angst nicht in unserer Lebensweise einschränken lassen. Also loß alle Mann auf den Weihnachtsmarkt, unnützes Zeug kaufen und sich hinterher die Hucke voll saufen. Wenn ich nicht so faul wäre würde ich vielleicht auch mal auf so einem Markt gehen, aber nicht ohne zwischendurch mal Terrorist, Bombe oder einfach nur „wem gehört denn die Tasche mit den Drähten“ zu brüllen. Ich glaube die Reaktion wäre nicht ganz unerheblich, wen es auch die schöne Weihnachtsstimmung etwas stören würde. Nachdem man gestern den halben Tag über die „Bombe von Windhuk“ durch die Nachrichten getrieben und sich gewundert hat, das dieses so kurz nach der Terrorwarnung unserer Bundesinnenmisere „passiert“ ist, hat sich am Abend heraus gestellt, das es sich doch nur um eine Attrappe gehandelt hat und dieses Modell blöder weise auch nur von Geheimdiensten zum Test benutzt werden. Schade eigentlich doch keine Al-Kaida in Namibia, aber die Terrorgefahr besteht natürlich auch weiterhin.

Ich persönlich glaube kein Wort von der Terrorgefahr und auch nicht von den Bösen Taliban, Die nun in Scharen aus Pakistan zu uns einwandern. Für mich ist das Ganze einzig dazu gedacht davon ab zu lenken, das sich die Banken und Schuldenkrise gerade die zweite Runde liefert und man einfach keine Möglichkeit hat alle „Bedürftigen“ zu retten. Außerdem kann man so auf die Schnelle noch ein paar Antiterror – Überwachungsgesetze durchdrücken, Die man später bestimmt auch gegen ganz normale Unzufriedene einsetzen kann. Schließlich sind wir doch alle irgendwie Terrorist.

Ruanda, Deutschland, der Holocaust und die Wurzeln des Terrors in der Welt

Es gibt Bücher und Themen, die sind tödlich:

Dieses Buch ist Sian Cansfield gewidmet. Sian war meine Schattenautorin, hat aber die Drucklegung nicht mehr erlebt. Als sich die Arbeit am Entwurf dem Ende näherte, bemerkte ich, dass sie müde wurde, das der oft schwer erträgliche Inhalt des Buches und die Arbeitslast ihr den Humor raubten und ihre Objektivität untergruben. Ich gab ihr ein langes Wochenende frei, um sich zu erholen, zu schlafen, gut zu essen und aufzutanken, wie ich es oft bei Offizieren und Soldaten mit ähnlichen Symptomen getan hatte. Am folgenden Morgen teilte man mir mit, das sie Selbstmord begangen hatte.

(Aus: Dellaire, Handschlag mit dem Teufel Seite 18.19)

Wie das, fragt man sich. Was geht da vor sich? Was kann einem Menschen so zusetzen, das er ob der Behandlung eines Themas den Glauben an sich selbst verliert?

Nun … vielleicht die Erkenntnis, das man in einem Lügenkokon ungeahnten Ausmasse gefangen ist:

Während ich dies schreibe, höre ich Samuel Barbers Adagio für Streicher – für mich der reinste musikalische Ausdruck des Leids, der Verstümmelung, der Vergewaltigung und des Mordes an 800000 Ruandern. Dieses Drama konnte sich nur mit Hilfe der Mitliedsnationen des bloß scheinbar unparteiischen Weltgremiums namens UNO vollziehen. Geführt von den USA, Frankreich und Großbritannien unterstützte und ermutigte die UNO letztlich den Völkermord in Ruanda.

(Dellaire, a.a.O.Seite 483)

Oder die Erkenntnis, das wir – historisch gesehen – einen neuen Höhepunkt der Massenvernichtung erreicht haben … nicht als zufälligen kleinen Stammeskrieg,  sondern als bewußt von langer Hand geplanter Aktion, ohne das allerdings ein normal denkender Mensch eine Chance hätte, dahinterzusteigen, warum das initiiert worden ist.  Wir begnügen uns mit den Informationen der Medien und verbuchen das als „Stammesfehde“.

Alles andere interessiert uns nicht, denn nach unserem Nachrichtenverständnis ist Ruanda „durch“.

Eine These von Melvern ist, dass die westlichen Großmächte – Frankreich, USA, Großbritannien – Bescheid wussten über das, was sich in Ruanda anbahnte, und es hätten verhindern können.

Sie hatte vertrauliche Unterlagen über die Beratungen im UN-Sicherheitsrat während des Genozids erhalten, ging damit zum Guardian, Großbritanniens führender linker Tageszeitung, und erfuhr, Ruanda sei „schon durch“.

Quelle: Taz

Und Sie, lieber Leser? Was wissen Sie über Ruanda? Nichts, nehme ich an. Genau wie ich. Wir leben in einer künstlichen Wohlstandsblase, die die Medien rund um uns herum errichtet haben, dabei wohnen die neuen Himmler, Eichmanns und Mengeles gleich nebenan:

Er soll in den neunziger Jahren an der Ermordung von Mitgliedern der Tutsi-Minderheit beteiligt gewesen sein: Ein 53-jähriger Ruander ist wegen des Verdachts auf Völkermord im Raum Frankfurt am Main festgenommen worden.

Quelle: Spiegel-online

Wir sind wohl so eine Art Argentinien für Hutu-Nazis:

Ihre Einheiten sollen im Kongo Hunderte Zivilisten getötet, unzählige Frauen vergewaltigt und Dörfer geplündert haben: Die Polizei in Baden-Württemberg hat zwei Ruander festgenommen. Noch von Deutschland aus sollen die Milizführer Massaker in Afrika befohlen haben.

Bei der FDLR handelt es sich laut Bundesanwaltschaft um eine paramilitärische Organisation, die am Bürgerkrieg in den an Ruanda angrenzenden Landesteilen der Demokratischen Republik Kongos beteiligt ist. Milizionäre der FDLR sollen von Januar 2008 bis Juli 2009 mehrere hundert Zivilisten getötet und unzählige Frauen vergewaltigt haben. Dörfer wurden geplündert und niedergebrannt, die Bewohner vertrieben und Kinder als Soldaten zwangsrekrutiert. Die FDLR wollte damit die kongolesische Zivilbevölkerung zwingen, ihre Kämpfer zu versorgen und ihnen Schutz vor feindlichen Milizen zu gewähren. Bereits 1994 waren viele Mitglieder der Vereinigung am Völkermord an rund 800.000 Tutsi und gemäßigten Hutus in Ruanda beteiligt.

Quelle: Spiegel-online

Es sind die gleichen Killer, die  erst heute wieder auf sich aufmerksam gemacht haben:

Der Ort des Verbrechens ist nicht weit von einem Stützpunkt der Vereinten Nationen im Kongo: Rebellen sollen bei einem Überfall auf die Stadt Luvungi fast 200 Frauen vergewaltigt haben. Angaben der Hilfsorganisation International Medical Corps (IMC) zufolge sind die Frauen in nahezu jedem Fall von zwei bis sechs bewaffneten Männern vergewaltigt worden – oftmals vor den Augen ihrer Kinder und Ehemänner.

Quelle: Spiegel-online

Man mag sich immer noch denken: was geht das mich an?

Ich sage: viel.

Offiziell sind wir Deutschen ja momentan immer noch Spitzenreiter, was Holocaust angeht, dabei haben uns die Hutu locker überholt.  Die haben schneller und brutaler mehr Prozent der Bevölkerung eleminiert, als wie es geschafft haben.  Allerdings keine Juden sondern Tutsis.

Wie wird man übrigens Tutsi? Eine interessante Frage, auf die es eine spannende Antwort gibt:

1931 wurde von den Belgiern der regierende König abgesetzt, da er sich den Kolonialisten als zu widerspenstig herausstellte. Ersetzt wurde er durch seinen Sohn Mutare III Rudahingwa, der sich bedeutend kooperationswilliger zeigte und sich sogar taufen liess. Danach wurde der Ausgangspunkt der eigentlichen Spaltung des ruandischen Volkes eine Volkszählung durch die belgischen Kolonialmächte in den Jahren 1934/35. Die Vorgehensweise ist erstaunlich und dient ganz offensichtlich nur dem Zweck, die Menschen gegeneinander auszuspielen:

»Da sie über kein objektives Kriterium verfügten, um die Zugehörigkeit zu den verschiedenen Volksgruppen zu bestimmen, welche seit Jahrhunderten dieselbe Sprache, dieselbe Kultur und Geschichte miteinander teilten, gingen die Kolonialisten dazu über, die ruandischen Bürger in verschiedene Völker einzuteilen, je nach der Anzahl ihrer Rinder.

Die ruandische Gesellschaft wurde unterteilt in das „Volk der Tutsi“ – das waren alle erwachsenen Männer (und deren Familien), die mehr als zehn Rinder besaßen. Die erwachsenen Männer, die weniger als zehn Rinder besaßen, wurden dem „Volk der Hutu“ zugeschlagen und zum „Volk der Twa“ gehörig wurden die erwachsenen Männer, die keine Rinder besaßen, eingestuft. … So kam es oft vor, dass drei erwachsene Söhne einer Familie, die nicht die gleiche Anzahl von Rindern besaßen, unterschiedlichen Ethnien zugeteilt wurden.«

Quelle: Linke Zeitung

Je mehr Rinder, desto Tutsi.  Keine Rinder … ziemlich Hutu. Vielrinderneger wurden dann von den Belgiern als Aufseher über Wenigrinderneger bestellt – und schon gab es das Märchen von den Hutu und den Tutsi. Die gleiche Unterteilung haben wir gerade in Deutschland: Leistungsträger und Sozialschmarotzer.

Aber auch sonst gibt es Parallelen zwischen Ruanda und Deutschland – mal vom Holocausten abgesehen.

Die wirtschaftliche Geschichte Ruandas ist schnell erzählt, die gleicht vielen afrikanischen Ländern.  Kolonie gewesen, Monokulturen gepflanzt, unabhängig geworden, Preisverfall der Monokultur …. Elend in ungeahntem Ausmaß. Weil wir so billigen Kaffee haben, müssen die bei der Arbeit hungern. Und die gleichen Kräfte, die auch uns gerne hungernd bei der Arbeit sehen würden, griffen auch dort an: der IWF und die WELTBANK.  Sie gingen erstmal dran, ihre üblichen  Reformen durchzudrücken, bevor es Kredite gab, was dazu führte, das das Durchschnittseinkommen von üppigen 360 Dollar im Jahr auf 140 Dollar im Jahr sank.  Die Methoden kennen wir: Lohnsenkungen, Erhöhungen der Arbeitszeit, Privatisierung von Staatsvermögen (Bahn, Post, Telekom), Verschlankung öffentlicher Aufgaben wie Bildung und Gesundheit sowie Privatisierung der Kosten, Abbau des Sozialstaates und des öffentlichen Dienstes… das alles machen wir in Deutschland ebenfalls gerade durch.

Unter detallierter Aufsicht der Weltbank wurden dann eine Million Macheten in das Land für acht Millionen Einwohnern gebracht … als „zivile Waren“ deklariert

Quelle: Michel Chossudovsky, Global Brutal, 2001, 1.Auflage 2002 Seite 131-132

Damit die Macheten aber richtig arbeiten konnten, brauchten sie einen sicheren Rahmen: die Armee, die dafür sorgt, das keiner den Ort des Gemetzels verlassen kann:

Die ruandische Armee, die überwiegend von Franzosen ausgerüstet sowie ausgebildet wird, explodiert Anfang der 90er Jahre: von 5200 Soldaten am 1. Oktober 1990 über 15 000 (Mitte 1991) erreicht sie eine Mannstärke von 50.000 zur Jahresmitte 1992. Bereits im Frühjahr 1992, so ist dem belgischen Untersuchungsbericht zu entnehmen, existierte – nach der Formulierung in einer Depesche des belgischen Botschafters in Kigali – «ein geheimer Generalstab, der mit der Vernichtung der Tutsi in Ruanda beauftragt war». Die Internationale Vereinigung der Menschenrechtsgruppen FIDH spricht Anfang 1993 in einem Dokument von «Todesschwadronen» und «Vorläufern eines Genozids»; ein am 11. August 1993 publizierter UN-Bericht übernimmt diese Angaben.

Quelle: AG Friedensforschung

Somit haben wir Waffen und Wahnsinn genug in diesem Land, nun noch einen Hassprediger eingesetzt, und die Sache wird rund:

Zu den zahlreichen ungeklärten Merkwürdigkeiten gehört, dass der als rechtsextrem Hutu-freundlich eingestufte Radiosender RTML, der bei der Anstiftung zum Völkermord 1994 eine wichtige Rolle spielte, einen Italo-Belgier als Propagandisten einsetzte.

Quelle: die zwölf Apostel

Und hier sind auch deutsche Steuergelder aktiv geworden:

Konfliktverschärfend wirkte die Komplizenschaft der deutschen CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung mit den Mördern und ihrem Hetz-Radio RTLM.

Quelle: ngo-online

Man sieht, wie haben einiges damit zu tun. Jedoch das Schlimmste dünkt mir: das gebrochene Versprechen.

1994 wurden in Ruanda 1 Million Menschen in einem schnelleren Tempo als während des Holocausts massakriert. Die dazu benutzten Waffen waren Gewehre, Macheten und mit Nägeln besetzte Knüppel. Professor Michael Barnett war als Mitarbeiter der Clinton-Administration einer der ersten, der die geheimen telegraphischen Meldungen mit den Beschreibungen dieser schrecklichen Ereignisse zu lesen bekam. [ … ]

Die Konfrontation mit diesen schrecklichen Ereignissen begann für Professor Barnett 1993, als er nach New York kam, um als politischer Berater der US-Mission in der Uno zu arbeiten. Zu seinem Dossier gehörte auch das zentralafrikanische Land Ruanda. Neun Monate später, als die Massaker begannen, vertrat er, wie die meisten Leute damals, die Meinung, die Uno solle nicht eingreifen. Damit war aber das Versprechen, dass nach dem Nazi-Holocaust abgegeben worden war, gebrochen.

Am 9. Dezember 1948 wurde in der Uno die Konvention gegen den Völkermord verabschiedet, in welcher festgehalten wurde, dass nie mehr zugelassen werden dürfe, dass ethnische oder religiöse Gruppen ausgemerzt werden. Nie mehr dürfe es Todeslager geben, wie sie Thomas Burgenthal als damals 10jähriger Bub in Auschwitz während 4 Jahren kennenlernen musste. Heute ist Thomas Burgenthal ein bekannter international tätiger Anwalt und als Mitglied des Uno-Komitees für Menschenrechte einer der grössten Spezialisten für Fragen des Völkermords.

«Ruanda ist das deutlichste Beispiel eines Völkermords seit dem Zweiten Weltkrieg. Was dabei so furchtbar ist, ist dass beim Nazi-Holocaust niemand etwas dagegen unternahm und im Fall von Ruanda genau das gleiche wieder geschah.»

So wurde das vor 50 Jahren abgegebene Versprechen gebrochen. Heute fragen sich einige der an diesen verhängnisvollen Entscheidungen Beteiligten, wie es möglich war, dass sie diesem Völkermord zuschauen konnten. [ … ]

Nun … wer kann sich in aller Ruhe einen Brand anschauen, in dem Frauen und Kinder elendig umkommen? Der Brandstifter.  Darum wiegelt man auch jene ab, die den Rauch schon rochen:

Am 10. Januar 1994 erfährt ein hoher Verantwortlicher der Unamir in einem geheimen nächtlichen Treffen von einem Führer dieser Miliz, dass der wirkliche Auftrag dieser Hutu-Truppen die Vernichtung der Tutsi-Bevölkerung ist.

Oberst Luc Marchal, damals führender Offizier in der Unamir, hält fest: «Das Ziel war jedem klar: töten, töten und nochmals töten.»

Noch in der gleichen Nacht senden die militärischen Verantwortlichen ihren Vorgesetzten in New York eine dringende Nachricht. In dieser verschlüsselten telegraphischen Meldung wird die Warnung ihres Informanten detailliert wiedergegeben:

«Er hat den Befehl erhalten, alle Tutsi von Kigali aufzulisten, und er ist der Meinung, dass dies Vorbereitungen sind, um sie zu vernichten. Er teilte uns unter anderem mit, dass 16 Männer in 20 Minuten bis zu 1000 Tutsi umbringen könnten.» [ … ]

Da sie diese Pläne schnell durchkreuzen wollten, teilten die Uno-Kommandanten vor Ort ihren New Yorker Vorgesetzten mit, dass sie die Milizen entwaffnen wollten. Die Antwort war ein Schock: Die New Yorker Vorgesetzten waren dagegen. [ … ]

Quelle: Zeit-Fragen

Es wäre ja auch schön blöd gewesen, wenn man einen so wunderbar durchgeplanten und langjährig vorbereiteten Völkermord einfach so durch ein paar UN-Soldaten vor Ort verhindert hätte. Immerhin hatte man diese Truppen von vornherein schon extra ziemlich klein gehalten:

Die UN-Truppen, die französische Kräfte ersetzten, waren auf Betreiben der amerikanischen UN-Botschafterin Madeleine Albright sehr schwach,

Quelle: Die zwölf Apostel

Und die gleichen Leute, die die UNO-Mission klein hielten, sorgten auch dafür, das es nachher auch keine Aufklärung über die Geschehnisse gab:

Den Völkermord in Ruanda haben zu 100% die Vereinigten Staaten von Amerika zu verantworten!? Das sagte nicht ein ausgegrenzter politischer Führer wie Robert Mugabe oder Fidel Castro. Das sind auch nicht die Worte eines nostalgischen afrikanischen Aktivisten, der den Fall der Sowjetunion betrauert. Der ehemalige Generalsekretär der UNO Boutros Boutros-Ghali sagte das im Juli 1998 und wiederholte es mir gegenüber im November 2002. Leute im Weißen Haus beliebten Boutros-Ghali Booboo Ghali oder Frenchie  zu nennen, vor und während seiner Entlassung aus der UNO, betrieben von Madeleine Albright, der damaligen UNO-Botschafterin der Vereinigten Staaten von Amerika, die gegen seine Wiederwahl am 19. November 1996 ihr Veto einlegte.

Seine Analyse widerspricht allen Klischees und gängigen Auffassungen betreffend die Katastrophe in Ruanda, die sich weit über die Grenzen dieses kleinen afrikanischen Landes hinaus ausgewirkt hat. Die Geschichte von Ruanda ist dermaßen durchsetzt mit Klischees und Vorurteilen, dass ein moderner Flaubertianer daran gehen müsste, ein neues Wörterbuch herauszugeben.

Quelle: Taylor-Report

Was man jetzt noch brauchte, war eine Initialzündung … einen offiziellen Akt, mit dem das Schlachten beginnen konnte.  Hierfür sind Söldner immer gern gesehen:

»Der Bericht der CIA vom 10. August 1994, zitiert von der Zeitschrift „Nouvelle Afrique Asie“, erklärt dieses Ereignis folgendermaßen: „Extremistische Hutu vom ‚Netz Null‘ haben das Flugzeug des Präsidenten abgeschossen. Das Flugzeug wurde von europäischen Söldnern, die im Dienste der extremistischen Hutu-Milizen waren, abgeschossen. Der Flugschreiber der Flugzeugs wurde zehn Minuten nach dem Absturz in der Nähe des Militärstützpunktes Kanombe von französischen Soldaten sichergestellt.“ … Oberst Bernard Cuissac, Militärattaché an der französischen Botschaft, hat dies offiziell bekanntgegeben, bevor er nach Intervention seiner Vorgesetzten aus Paris alles zurücknahm.« [Der Spiegel, Nr. 26, 1994]

»Knapp eine Stunde später [nach dem Abschuß] beginnt die Ausrottung nach Listen, die von den Computern der belgisch-bürokratischen Einwohnermeldeämter ausgedruckt werden. Diese Listen mit Namen von Tutsi und demokratischen Hutus werden bis zum letzten Familienmitglied eisern abgearbeitet.« [Lexikon der Völkermorde]

Quelle: Linke Zeitung

Anderen Berichten zufolge hat das CIA die Maschine abgeschossen – oder auch Truppen des Rebellenführers und jetzigen Präsidenten Kagame. Letztendlich spielt das keine Rolle.

Kagame ist kein unbeschriebenes Blatt, die Effizienz seiner Truppen, die der UN-General Dallaire so bewundert, resultierte aus gezieltem Training durch amerikanische Green Berets.

Paul Kagame war einer der Führer der Exil-Tutsi in Uganda. Er arbeitete im ugandischen Geheimdienst unter Museveni und war als besonders brutaler Folterer bekannt (siehe Interview David Barouski mit Jean-Christophe Nizeyimana, zmag.org). Kagame ist ein indirekter Nachfahre der Tutsi-Königsdynastie, die ihre Minderheitenherrschaft bei der Unabhängigkeit Ruandas 1962 abgeben musste. Diese Gruppe von Exil-Tutsi aus Uganda hatte sich damals geschworen, ihre verlorene Macht zurückzuerobern. Von Uganda führte Kagame 1990 bis 1994 einen Zermürbungskrieg gegen die Regierung von Ruanda, um mit ständigen Angriffen das Land zu destabilisieren.

Der Flugschreiber der abgeschossenen Maschine ist bei der UNO in New York bis heute unter Verschluss. Erst Ende 2006 hat der französische Ermittlungsrichter Jean-Louis Bruguière, der seit Jahren auf Betreiben der Angehörigen der drei getöteten französischen Piloten ermittelt, eine Anklage gegen neun enge Mitarbeitern von Kagame in Arusha eingereicht und eine Anklage gegen Präsident Kagame bei der UNO eingefordert. Der neue französische Außenminister Bernard Kouchner und die von ihm mit gegründete Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ haben zusammen mit anderen prominenten NGOs vor dem Völkermord von 1994 und seither in der Vertuschung eine Rolle gespielt, die noch zu erforschen bleibt.

Quelle: Zwölf Apostel

Die „guten“ Ärzte ohne Grenzen, der „gute“ Kagame, die „bösen“ Hutu, die „armen“ Tutsi, die „bösen“ Franzosen … ganz so einfach scheint das alles nicht.

Der Leiter der Todesschwadronen war Protais Zigiranyirazo, der Schwager des Staatspräsidenten. Dieser „Monsieur Z“ setzte sich vor Ausbruch des Völkermords nach Paris ins Exil ab – ebenso wie 30 bis 40 Verantwortliche, die mit französischen Militärmaschinen außer Landes gebracht wurden. Darunter auch Ferdinand Nahimana, der im „Radio der tausend Hügel“ die Propaganda gegen die Tutsi geleitet hatte.

Quelle: Koinae

Kein Wunder, also, das die von Deutschland aus dann fröhlich weiter Morde befehlen konnten. Dafür wurde ja von höchster Stelle aus Sorge getragen.

Was man wirklich will, das tut man. So einfach machte sich Schopenhauer das Urteilen über menschliche Motive.

Urteilen wir so über die UNO bzw. über jene Gewalten, die hinter der Bühne die Fäden ziehen, so muß man sagen: Was die wollen ist … was ganz anderes als das, was die uns verkaufen wollen. Die wollten Blut sehen, Blut, Qual und Folter.  Aber mit der Zuweisung von Verantwortlichkeiten, mit Aufklärung tut man sich da schwer.

Es ist wie mit dem Terrornetzwerk Al Qaida – man kennt einzelne Namen, man weiß, das sie Moslems sind, man kennt Länder, in denen sie Basen haben …. aber man kriegt sie nicht zu fassen.

Was wir aber lernen können aus dem Holocaust Ruanda (nicht aus der Tradödie … da gibt es keine Tragödie, das war ein geplanter Massenmord)ist: es gibt in der Weltpolitik (wie in Ruanda auch – siehe Bericht von Romeo Dallaire) eine „dritte Kraft“ , die mal in der UNO wirkt, mal in den USA, in Frankreich, Deutschland, Großbritannien und die in erster Linie … Spaß an Menschenmassenvertilgung hat.

Über das Wirken jener Kraft in Jugoslawien berichtete einst ein spanischer Journalist, über den es vor Jahren einen Bericht im ZDF gab. Er meinte, der Konflikt auf dem Balkan sei künstlich herbeigeführt worden.  Söldner hätten die Massaker im Auftrag von Waffenhändlern begonnen, der Rest sei wie von selbst gekommen.  Der Journalist verschwand spurlos.

Wir kennen einige Namen dieser „Dritten Kraft“, wissen, das sie Basen in den USA haben, in England, Frankreich und wir spüren ihre harte Hand auch in Deutschland: Arbeitsplatzabbau, Demokratieabbau, Auslandseinsätze der Bundeswehr, Sozialstaatsabbau, Privatisierung (sprich: verschleudern) von Staatseigentum, Monopolisierung der Medienmacht, Etablierung der zivil-militärischen Zusammenarbeit und vieles mehr.

Wir wissen auch, das wir nur hinter vorgehaltener Hand über sie reden dürfen, denn es droht ganz schnell das soziale Aus durch den Bannruf: „Verschwörungstheorie!“, der funktioniert ähnlich wie früher „Hexe“ oder „Jude“, ist nur noch nicht so tödlich.

Und deshalb wissen wir in Deutschland auch sehr gut, warum wir nichts getan haben:

Zurück in Wisconsin, fragt sich Prof. Barnett, wie es kam, dass die ganze Welt ihre Verantwortung angesichts dieses Völkermords in den Wind schlug. Es gehört zu seinen Grundüberzeugungen, dass das Böse triumphiert, wenn die redlichen Menschen passiv bleiben. Was er nicht verstehen kann: Dass er selbst dazu gehörte. Prof. Barnett: «Ich verstehe nicht, wie ich und andere uns so ruhig verhalten konnten, so teilnahmslos angesichts eines Völkermords. Vor unseren Augen ereignete sich ein Völkermord, und wir taten, wie wenn nichts wäre. Das ist und bleibt eine Schande.»

Quelle: Zeit-Fragen

Ich verstehe es gut. Die Menschen sind halt nicht so blöd wie der Professor. Sie wissen, das wir … eher das Jahr 1939 haben als das Jahr 1932, wo man noch was hätte verhindern können. Die Menschen spüren das Wirken der dritten Kraft am eigenen Leib.

Ein Beweis?

Gehen Sie mal Morgen zu Ihrem Chef und sagen: „Du, Dieter, ich brauche jetzt mal vier Wochen extra frei, dieser ganze Filz in Ruanda, ich blicke da nicht durch – ich muß mich da mal gründlich einarbeiten, damit das in unserem Land nicht auch passiert“.  Studieren sie dann mal genau die Folgen ihrer Bitte und achten sie dann anschließend auf die Argumentation des Fallmanagers – und Sie wissen genau, das sie schon längst nicht mehr frei genug sind, auch nur einen Handschlag gegen den Terror zu unternehmen.

Es ist wie in Ruanda … als es klar war, was abläuft, war es schon viel zu spät. Und vorher wollte es keiner wahr haben.

Hartnäckig verschwiegen wird seit 13 Jahren, dass ein Netzwerk von Politikern, Journalisten und Leuten aus Nichtregierungsorganisationen u.a. aus westlich-demokratischen Ländern in die Geschehnisse um den millionenfachen Völkermord in Zentralafrika verwickelt ist.

Quelle: Linke Zeitung

Vielleicht ein Ausblick auf eine Zeitungsmeldung aus dem Jahre 2030?

Hartnäckig verschwiegen wird seit 13 Jahren, dass ein Netzwerk von Politikern, Journalisten und Leuten aus Nichtregierungsorganisationen u.a. aus westlich-demokratischen Ländern in die Geschehnisse um den millionenfachen Völkermord an Rentnern und Arbeitslosen verwickelt ist.

Schon irgendwie verständlich, das man sich das Leben nimmt, wenn man langsam versteht, was abläuft:

Polmans krassestes Beispiel: Die Lager von Goma in Zaire 1994. Die westlichen Fernsehzuschauer glaubten, dort seien die Opfer des Völkermordes von Ruanda hingeflohen. Tatsächlich waren es aber die Täter. Die Hutu-Milizen, die den Völkermord begangen hatten, und jetzt selber vor der Rache nehmenden Tutsi-Armee ausgewichen waren.

Polman berichtet: „Tatsächlich hat die internationale Gemeinschaft die Mörder durchgefüttert. Und schlimmer noch, ihnen ermöglicht den Krieg fortzusetzen.“ Die Hutu-Milizen hatten in den Lagern das Kommando und erpressten Gelder von den westlichen Helfern. Als die französische Sektion von „Ärzte ohne Grenzen“ sich verweigerte und Goma verließ, wurde sie sofort von zehn anderen NGOs ersetzt.

Quelle: Die Mitleidsindustrie, Aspekte, ZDF


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