Taliban

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Dokumente deutscher Dämlichkeit: Kriegslüsternes bei SPON

Samstag, 14.9.2013. Eifel. Endlich mal ein geruhsamer Morgen - nach einer anstrengenden Woche. Nun - es war viel Zeit zum Denken, das ist immer gut. Zum Beispiel wurde ich - angeregt von Ralph Boes - dazu verleitet, darüber nachzudenken, warum ich eigentlich schreibe. Das ist erstaunlich leicht zu beantworten. Zum Einen habe ich natürlich die Hoffnung, den Untergang des Abendlandes noch aufhalten zu können. Natürlich nicht allein - aber ich habe die Hoffnung, das irgendeins der vielen Steinchen, die ich in die Welt werfe, einmal eine Lawine auslöst. Das ist aber die Kür. Die Pflicht ist: dokumentieren. Wenn diese Zeit einmal historisch aufgearbeitet wird, werden Historiker dankbar sein für Schreiberlinge, die sich bemüht haben, durch die Lügen und Täuschungen der Gegenwart zu blicken. Wenn dann die Zeit kommt, wo Hartz IV-Gedenkstätten errichtet werden, wird es wieder viele Fragen geben: wie konnte es soweit kommen? Ich helfe gerne schon jetzt bei den Antworten. Besonders gerne veröffentliche ich auch Einzelschicksale wie das von Frank Schönwetter - oder andere, anonyme Erlebnisgeschichten. Das werden in Zukunft echte Dokumente werden, die von einem Leid erzählen werden, das sonst einfach sinnlos im Strudel der Ereignisse untergegangen sein wird. In die Öffentlichkeit gestellt, verliert es einen Teil seiner Sinnlosigkeit.

Samstag, 14.9.2013. Eifel. Endlich mal ein geruhsamer Morgen – nach einer anstrengenden Woche. Nun – es war viel Zeit zum Denken, das ist immer gut. Zum Beispiel wurde ich – angeregt von Ralph Boes – dazu verleitet, darüber nachzudenken, warum ich eigentlich schreibe. Das ist erstaunlich leicht zu beantworten. Zum Einen habe ich natürlich die Hoffnung, den Untergang des Abendlandes noch aufhalten zu können. Natürlich nicht allein – aber ich habe die Hoffnung, das irgendeins der vielen Steinchen, die ich in die Welt werfe, einmal eine Lawine auslöst. Das ist aber die Kür. Die Pflicht ist: dokumentieren. Wenn diese Zeit einmal historisch aufgearbeitet wird, werden Historiker dankbar sein für Schreiberlinge, die sich bemüht haben, durch die Lügen und Täuschungen der Gegenwart zu blicken. Wenn dann die Zeit kommt, wo Hartz IV-Gedenkstätten errichtet werden, wird es wieder viele Fragen geben: wie konnte es soweit kommen? Ich helfe gerne schon jetzt bei den Antworten. Besonders gerne veröffentliche ich auch Einzelschicksale wie das von Frank Schönwetter – oder andere, anonyme Erlebnisgeschichten. Das werden in Zukunft echte Dokumente werden, die von einem Leid erzählen werden, das sonst einfach sinnlos im Strudel der Ereignisse untergegangen sein wird. In die Öffentlichkeit gestellt, verliert es einen Teil seiner Sinnlosigkeit.

Natürlich gibt es auch einen Schwerpunkt meines Treibens: ich möchte nicht nochmal die Ausrede hören „WIR HABEN VON ALL DEM NICHTS GEWUSST“. Ich habe seit März 2000 vor Hartz IV gewarnt – es war einem kritischen Beobachter ein Leichtes zu erkennen, dass sich da ein gewaltiger Paradigmenwechsel abzeichnet, der von langer Hand vorbereitet wurde. Wer aber hatte noch Zeit, dass zu beobachten. Nun -ich. Ich saß täglich viele Stunden im Auto und habe politische Nachrichten verfolgt. Aber ich konnte die wichtigen Punkte nicht festhalten und veröffentlichen. Gelegentlich habe ich mal etwas in Foren gepostet – und bin wegen „Schwarzseherei“ übel verspottet worden. Wenige Jahre später saßen die Spötter bei der ARGE und die Klagen waren groß: auf einmal schien es, als ob Hartz IV wie eine Naturgewalt einfach so im Land erschienen war. Es war aber ein geplanter politischer Akt, dessen erste Anzeichen schon Mitte der neunziger Jahre zu erkennen waren – aber damals habe ich sie auch nicht ernst genug genommen. Das habe ich erst, als Friedhelm Fahrtmann öffentlich davon sprach, dass alle Arbeitnehmer und Eigenheimbesitzer mit Hypotheken sich unverantwortlich hoch verschuldet hatten – das war die Aufkündigung aller sozialer Politik seitens der Sozialdemokratie.

Jahre später war dann das Eigenheim Vermögen, dass man verbrauchen musste, wer Hypotheken laufen hatte, war sofort bankrott: von Leiharbeit, Minijobs und Halbtagsstellen ließen sich die Bankkredite nicht mehr bezahlen. Ein weiser Mann, der Herr Fahrtmann … hatte schon unter Kohl weit in die Zukunft geblickt.

Womit ich nicht gerechnet hatte – wirklich nicht – war der Kriegskurs, den die Berliner Republik kurz nach ihrer Gründung plötzlich fuhr. Wir waren vierzig Jahre lang ein vorbildliches, friedliches Land gewesen, hochgeachtet im Kreise anderer friedlicher Nationen. Diese Entwicklung war meines Erachtens nicht zu erkennen gewesen – aber vielleicht erfahren wir in fünfzig Jahren, dass die Bereitstellung von deutschen Streitkräften für internationale Einsätze ein Preis für die Widervereinigung gewesen war.

Jetzt ist er da, der Kriegskurs. Würde ich mit derartigen Nachrichten in die Zeit zurückreisen – die Zeit der Friedensmärsche, der Osterkundgebungen, der Friedensbewegung die durch die GRÜNEN in der Tat in die Parlamente einzog: niemand würde mir glauben. Ich habe da zufällig eine solche Nachricht dabei, ich habe sie vor ein paar Tagen im Spiegel gefunden:

Nach einem Angriff durch Aufständische in Afghanistan hat die Bundeswehr Luftunterstützung angefordert und das Rebellenlager bombardieren lassen. Bei einem weiteren Nato-Luftangriff im Osten des Landes wurden zehn Menschen getötet.

„Bundeswehr unterdrückt Aufständische in Afghanistan mit US-Bomben“ – was wäre das Anfang der achtziger Jahre für ein Aufreger gewesen, eine Sensation geradezu. In Deutschland hätte sich kein Rad mehr gedreht, dass Volk wäre von den Straßen nicht mehr ´runtergegangen: man weiß ja, wohin solche Situationen führen. Gerade wir Deutschen wissen es – und haben nach zwei verlorenen Weltkriegen zurecht die Schnauze voll gehabt von jeder Art von Krieg. Wir hatten ein verdammtes Recht auf Frieden … aber wie schon 1914 oder 1939 war die politische Kaste anderer Meinung. In diesen Sphären scheint sich nicht viel geändert zu haben – kann daran liegen, dass es die gleichen wirtschaftlichen Größen sind, die dahinter stehen.

Nun – im Jahre 2013 reagiert das Volk anders als im Jahre 1980. Es ist viel passiert – leise still und heimlich wurde über private Kanäle eine große Umerziehung in Bewegung gesetzt, dass Volk mit Dauer-Gaga-Sendungen durchspült, die man irgendwann für gleich der realen Wirklichkeit setzte … vielleicht sogar für ein wenig realer, denn immerhin kam es ins Fernsehen. Realität wurde Gaga – und Helmut Schmidt behielt Recht mit seiner Warnung, dass Privatfernsehen gefährlicher denn Atomkraft werden würde (siehe Spiegelblog).

Die Ergebnisse lassen sich sehen – wie wir anhand der Kommentare zu dem o.g. Spiegelartikel unschwer erkennen können:

Hervorragend! Ob in Afghanistan oder Syrien oder wo auch immer sonst: Rebellen können nicht genug in die Schranken gewiesen werden, sonst ist kein zivilisiert-vertrauensvoll-friedliches Zusammenleben von Menschen möglich… Die NATO und Deutschland sind in Afghanistan von Anfang an auf der richtigen Seite – sie sollten es nun endlich auch in Syrien sein und ihre fatale, Abertausende Menschenleben kostende Fehlentscheidung revidieren……..

Das schreibt „jautaealis“ – was immer das heißen mag. Vor dreißig Jahren hätte man so etwas nicht öffentlich äußern können – so etwas Blödes wäre nicht unkommentiert geblieben. In einem Gedankengang die Rebellen in Afghanistan zu vernichtungswürdigen Untermenschen zu machen, während man die Militäraktion in Syrien fordert, ist schon eine erstaunliche gedankliche Verdrängungsleistung. In Syrien wollten wir nämlich gar nicht die Rebellen bombadieren, sondern die Regierung.  Aber egal: Hauptsache, es fliegen Fetzen von Menschen durch die Gegend. Hervorragend!

Wo ist eigentlich das Problem, wenn Taliban bombardiert werden? Es sei nebenbei mal angemerkt, daß sich diese Terrorbanden herzlich wenig um ISAF-Vorschriften, um Völkerrecht oder die Haager Landkriegsordnung scheren… schreibt „gesterngingsnoch“. 

Das Problem ist einfach: laut Haager Landkriegsordnung dürfte man das nicht. „Brauch, Gewissen und Menschlichkeit“ sollten hier herrschen – besonders in Situationen, wo Zivilisten an Kriegshandlungen teilnehmen (siehe Wikipedia). Nun – die Haager Landkriegsordnung wurde in beiden Weltkriegen von zivilisierten, demokratischen, aufgeklärten „wissenschaftlichen“ Nationen so oft und gründlich gebrochen, dass man sie gar nicht mehr zitieren sollte. Die „Terrorbanden“ wären aber wahrscheinlich besonders geschützt worden, nehmen sie doch lediglich das legitime Recht auf Selbstverteidigung war, in dem sie – wie schon so oft in Afghanistan – sich einfach gegen diese fremden Truppen wehren, die in ihr Land eingefallen sind und in großen Mengen Zivilisten töten.

Was aber das eigentliche Problem ist: der Massenmord an Zivilisten, siehe TAZ:

2.777 afghanische Zivilisten wurden im Jahr 2010 getötet – mehr als je zuvor seit der US-geführten Militärintervention gegen das Taliban-Regime Ende 2001 und 15 Prozent mehr als 2009. Das geht aus dem neuen Jahresbericht „zum Schutz von Zivilisten in bewaffneten Zivilisten“ hervor, den die Vereinten Nationen sowie die Unabhängige Afghanische Menschenrechtskommission (AIHRC) traditionell gemeinsam herausgeben. Überdurchschnittlich stieg die Zahl der getöteten Kinder – um 21 Prozent.

Ein Grund, sofort jegliche Bombardierung einzustellen anstatt zu fragen, wo denn da das Problem liegt.

Doch zurück zum Spiegelartikel – dort meldet sich ein deutscher Frontkämpfer:

Sobald ein Luftschlag erfolgt ist kommen Afghanen und forden Schadensersatzforderungen für Angehörige die durch den Angriff angeblich getötet worden sind! Was sollen Frauen und Kinder an einem Ort an dem seit Stunden gekämpft wird? Ich war selbst in Isa Kehl, ich war selbst dort am Kämpfen. Auch am Karfreitag. Nach Stunden im Feuerkampf sind da keine Frauen und Kinder mehr! – das schreibt „Valis“.

Solche geistigen Überflieger wünschen wir uns an der Waffe! Nach stundenlangen Kämpfen sind dort einfach keine Frauen und Kinder mehr – klar, die sterben als erste. Doch so fies wollen wir nicht sein, denn Frauen und Kinder sterben  – wie in Hamburg, Köln und Dresden, Hiroshima und Nagasaki, in Coventry, London oder bei der Galaveranstaltung auf Guernica gewohnheitsmäßig durch Bomben. Erst erfolgreiche Tests von Bomben auf Zivilisten unternahmen deutsche Zeppeline schon im ersten Weltkrieg über London.

Für tote Zivilisten, zerstörte Zivilgebäude oder vernichtete Infrastruktur, die man zum Überleben braucht, kann die Zivilbevölkerung wohl zurecht ein wenig Entschädigung verlangen … obwohl nur ein einziges totes Kind überhaupt nicht zu entschädigen ist – auch nicht mit noch so viel Millionen. Aber dieses Wissen ist wohl auch schon verloren gegangen.

„KurtFolkert“ bringt das alles auf einen Punkt:

Seltsam ist, die Terroristen sprengen dauernd Zivilisten in die Luft. Duzendweise. Da diskutiert niemand drüber. Kommt immer nur als Randnotiz. Man schaue sich mal die Opferstatistik an. Und da soll man sich noch über die Nato aufregen?

Die Opferstatistik würde ich auch gerne sehen. Die zivilen Opfer des Afghanistankrieges gehen in die zehntausende, immer häufiger sind es Kinder. Was soll man sich darüber aufregen. Taliban sind sicher so böse wie Juden – und da haben wir auch nicht lange gefackelt.

„Burkel 0404“ appelliert gleich direkt an das reichsdeutsche Gewissen:

typisch deutsch: man ruft die amerikaner, um nicht selbst ‚abdruecken‘ zu muessen….einfach nur zum kotzen. wofuer werden jahr fuer jahr milliarden fuer die bundeswehr ausgegeben? und warum hat der drittgroesste waffenexporteur welt (= brd ) keine eigenen moeglichkeiten, um angriffe gegen die taliban zu organisieren??????????

Ja, wieso dürfen wir eigentlich nicht selbst Zivilisten in Massen abschlachten? Haben wir doch früher schon gemacht – und immerhin laufen unsere Fabriken mit Mordwerkzeugen auf Hochtouren! Das sollte uns doch langsam mal wieder das Recht geben, selbst – in stolzer, männlicher Pose – abzudrücken!

„Obermichel“ legitimiert gleich mal die Angriffe auch Schulen und Krankenhäuser. Offensichtlich war er auch selbst vor Ort und hat nachgeschaut:

Die betroffenen Staaten, Syrien etc. verstecken ihre Soldaten und Munition in Schulen und Krankenhäusern. Erfolgt ein Angriff und Zivilisten kommen zu Schaden, wird in der Bundesrepublick auf Schadensersatz geklagt. Diese Herrschaften gehören ins 17. oder 18. Jahrhundert. Auch wenn sie Waffen der neuesten Technik besitzen.

Nun – wenn die Bomber mit ihnen fertig sind, dann wird die Zivilbevölkerung wieder im 17. Jhd. leben. Ohne Schulen und Krankenhäuser, weil ja die Bösen (also die „Anderen“, die „Bösen“, die Syrer oder die mit ihnen verfeindeten und dort vom Westen unterstützten Taliban) dort frecherweise Reste ihrer militärischen Vorräte versteckt hatten. Aber nicht mit uns, meine Herren: NICHT MIT UNS! Wir zerfetzen trotzdem alles! Wir zeigen der Welt wieder, wie der deutsche Obermichel mit solchen Problemen umgeht.

Schon das der Spiegel wagt, von „Aufständischen“ zu sprechen, erregt den Zorn des guten Deutschen „Tango-Golf“:

Da wurde wohl etwas durcheinander gebracht: es handelt sich nicht um niedliche Aufständische in Afghanistan und auch nicht um romantische Rebellen – das sind immer noch die steinzeitislamisten der Taliban. Schon vergessen?

„Bilbo 2010“ wagt sich an umfangreiche Problemlösungen heran:

Normalerweise wäre dies wohl mit der dort stationierten Panzerhaubitze 2000 ein klarer Fall ohne großes Aufsehen gewesen und man hätte diese Taliban-Zipfel einfach pulverisiert, ohne dass die Presse was mitbekommen hätte – davor haben sie Angst – aber das Gerät gibt es anscheinend nicht mehr- schade!

Ja, da kriegt man richtig Lust, mitzumischen. „Taliban-Zipfel pulverisieren“ macht Spaß – und mit der Panzerhaubitze 2000 würde noch nicht mal die Presse was davon mitkriegen. Bilbo gehört eindeutig in die Werbeabteilung der Waffenindustrie.

„Spiegelkritisches“ fällt ein weises und gerechtes Urteil:

So bedauerlich es ist, wenn Zivilisten ums Leben kommen, so tragen jedoch nicht jene die Schuld an deren Tod, die sich gegen einen Angriff wehren, sondern jene, die aus der Deckung hinter Zivilisten den Angriff starten

Immerhin könnten sich die waffentechnisch und zahlenmäßig weit unterlegenen Taliban doch einfach auf freier Fläche dem Bombardement aussetzen … dann würden wir auch darauf verzichten, Zivilisten zu töten … Zivilisten, die Eltern, Kinder, Frauen und Freunde der „Taliban“ sind, die – wie ich vermute – irgendwie dort unten zuhause sind.

Das Wesen dieser unmenschlichen, widerwärtigen Steinzeitmenschen kennen wir ganz genau – jedenfalls kennt es Eule_neu:

Die Taliban sind Feiglinge, die sich immer wieder unter Weiberröcken und Kinder mischen, um zu entkommen. Sie wollen zivile Opfer, um die Soldaten vorzuführen. Und hinter solchen Feiglingen sollen die Frauen drei Schritte hinterher gehenVielleicht finden einige Frauen den Mut, um solche Männer in die Hölle zu schicken …

Natürlich können sich ausgewachsene Taliban gar nicht unter einem Rock verstecken. Gemeint ist: die stellen sich nicht mannhaft vor die Flinte der Nato und verursachen dem Westen so unzumutbare Kosten und unerträgliche Probleme – auch moralisch, weil wir uns durch Unmengen Frauen und Kinder metzeln müssen, um diese aufständischen Taliban überhaupt zu erreichen. Was für eine Zumutung: die Taliban nötigen uns, zu Tätern zu werden, weil sie sich der einstweiligen Erschießung absichtlich entziehen. Ungeheuerlich, so etwas.

65000 Zivilisten sind so seit 2001 ums Leben gekommen (so zitiert „Larry“ den Spiegel, Ausgabe 42/2012). Schon mal daran gedacht, dass der Spiegel inzwischen sprachlich korrekt von „Aufständischen“ spricht anstatt von Taliban, weil die Zahl der Menschen, die Angehörige durch die Nato verloren haben, in die hunderttausende geht? Wie würden wir reagieren, wenn US-Bomber 65000 Deutsche ermordet hätten – auf der tödlichen Jagd nach Taliban/Islamisten in Paderborn, Sulzbach oder Mettmann?

Nun – es gab auch andere Kommentare zu dem Artikel, das sei erwähnt. Was jedoch zu denken gibt, ist dies hier, aus Meedia:

Positiv für den Spiegel sind auch die Zahlen bei Bildung und Einkommen: Der Spiegel-Leser ist nämlich besser gebildet und verdient mehr als der von stern und Focus. 54% der Spiegel-Leser haben mindestens Abitur, beim Focus sind es nur 44%, beim stern 37%. Studiert haben beim Spiegel 34%, beim Focus 27% und beim stern 22%. Zudem verfügen 47% der Spiegel-Leser über ein Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 3.000 Euro – auch hier liegt das Magazin prozentual gesehen vor Focus (45%) und stern (43%).

Wir reden hier nicht von den Lesern der Bildzeitung oder dem typischen Gagakonsumenten, sondern von Deutschlands „Elite“, von unseren „Führungskräften“. Ihre Rechtschreibfehler habe ich nicht korrigiert – auch nicht den dicken Zitatfehler der TAZ. Das alles soll im Original behalten werden.

Was ich lieber festhalten will, ist die Kriegslüsternheit des Deutschen, die stark zuzunehmen scheint. Wo ist eigentlich die Friedensbewegung, wenn man sie mal braucht?

Meines Erachtens nach braut sich hier ein soziopathisches Klima zusammen, das sich wie 1914 in einer großen Orgie der Gewalt entladen will, weil „Zipfel pulverisieren“ einfach riesig viel Spaß macht. Deutschland 2013 scheint eine ähnlich kritische Masse zu haben wie Deutschland 1913 – und einen gewaltigen Industriekomplex, der für seinen Absatz (und die Renditeziele seiner Anteilseigner) einen ordentlichen Krieg gut gebrauchen könnte. Wir suchen nur noch Ziele … „Taliban“ sind bald alle.

Vielleicht werden wir – zur großer Freude der obigen Kommentatoren – aber bald woanders fündig und finden dort richtig ordentliche Feinde, die sich offen und ehrlich dem Bombardement unserer westlichen Führungsnation ausliefern?

Jedenfalls – sind nun diese Dokumente deutscher Dämlichkeit derart zusammengefasst, dass man nicht mehr zetern kann: „Wir haben von all´ dem nichts gewußt“.

 

 

Akute Warnmeldung: aktive Kriegstreiberei in der Nato – Weltkrieg dicht voraus!

Akute Warnmeldung: aktive Kriegstreiberei in der Nato - Weltkrieg dicht voraus!

Donnerstag, 6.12.2012. Eifel. Ein schöner Tag. Ich hatte mir für heute frei genommen, um einige Angelegenheiten für unseren Verein zu regeln. Wir haben da so ein Kita-Ding im Visier,  mit integrierter Altenarbeit und angeschlossenem Familienzentrum, kurzum: die Neuerfindung der Familie in Zeiten, wo der Staat aus Familie eine Bedarfsgemeinschaft hat, die sich gegenseitig zur Arbeit antreiben sollen. Wussten Sie eigentlich, das der Staat eine Trennungsprämie für Arbeitslose zahlt? Ja, Alleinerziehende bekommen mehr Geld – und aus in der Regel gut unterrichteten Kreisen habe ich erfahren, dass sich Menschen in der Tat deshalb trennen. Staat schlachtet Familie – von wegen „besonderer Schutz“. Ebenso problematisch wird es, wenn Sie sich mal in so eine bildhübsche Hartzerin verlieben sollten: der Staat sieht so etwas gar nicht gerne, die Ausgestossenen sollen gefälligst unter sich bleiben. Schon in der Anbahnung der Beziehung müssen Sie mit Besuch von behördlichen Zahnbürstenzählern rechnen, die Ihnen ohne mit der Wimper zu zucken die finanzielle Verantwortung für ihre große Liebe sofort aufs Auge drücken, in dem man Sie ohne Sie zu fragen zum Vorsitzenden einer Bedarfsgemeinschaft macht, der die Grundsicherung ihrer vielleicht bald angetrauten Person zu übernehmen hat. Ja – der Staat macht aus ihnen jenen Versorger, den die Frauenbewegung schon lange abschaffen wollte. So gestaltet man Gesellschaft durch einfaches Umleiten der Geldströme. Doch davon wollte ich gar nicht reden, Hartz IV ist ja ein Thema, das schnell langweilig wird und seit einiger Zeit sogar peinlich. Ich wollte heute auch gar nichts schreiben, aber dann habe ich gemerkt, das Krieg ist. Ja, Deutschland ist im Krieg – und nicht nur Deutschland, die ganze Nato bemüht sich darum, ein Riesenfass aufzumachen. Ich war mehr als überrascht, dachte ich doch, nachrichtenmässig sei ich auf der Höhe der Zeit.

Wie habe ich von dem Krieg erfahren? Kamen Flugzeuge in die Eifel und bombadierten die für China abgeholzten Höhen? Streiften finstere Gestalten durch die kahlen Wälder auf der Suche nach plünderbaren Eingeborenen? Informierte mich vielleicht sogar die Bundesregierung darüber, das wir deutschen Bürger jetzt zu den Waffen greifen müssen, weil der Iwan vor der Tür steht?

Nein, ich habe bei Yahoo Vereinsmails abgerufen und dabei erfahren, das die Nato im Krieg ist. Ich will das hier mal zitieren:

In der NATO-Führung wird einem Medienbericht zufolge über ein militärisches Eingreifen in den Konflikt in Syrien nachgedacht. Zwischen mehreren europäischen Außenministern und dem Generalsekretär des Militärbündnisses, Anders Fogh Rasmussen, habe es bei einem informellen Abendessen am Dienstag zu diesem Thema eine heftige Auseinandersetzung gegeben, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“.

Warum denkt man in der Nato über ein militärisches Eingreifen nach? Nur wegen dieser „der-böse-Teufel-hat-Massenvernichtungswaffen-Geschichte“? Damit hat man uns doch schon mal beim Irak-Einmarsch voll verarscht, denkt man etwa, wir sind so blöde, das wir den gleichen Kothaufen zweimal schlucken?

Ich also sofort zur Süddeutschen. Wenn Krieg ist, will ich das wissen. Ich habe Kinder in wehrfähigem Alter, die Karriereberater der Bundeswehr lungerten schon in der Schule herum und versprachen goldene Berge, Auslandsreisen und schicke Kanonen – ich konterte mit Schweinefrass, perversen Sadisten als Ausbildern und Bildern von weggeschossenen Kiefern und Nasen aus dem Ersten Weltkrieg (sieht gruselig aus, die Leute müssen noch jahrelang damit leben).

Ich gewann 3:1.

Bei der Süddeutschen angekommen, war ich verblüfft. Ja, da fuhren Panzer vor – aber in Ägypten. Deutsche Bank hat Milliardenrisiken schöngerechnet, ein brasilianischer Stararchitekt ist tot – aber wo war der Krieg?

Ganz viele Leser der Süddeutschen verweisen aber auf die Zeit, wo ich erfahre, das es eine Petition zum Bau eines Todessterns aus der Filmreihe „Star Wars“ gibt. Vielleicht hat die Süddeutsche ihren Artikel an die Regierung verkauft und alle Rechte verloren, ich lese also in der Zeit weiter.

Die kennen wenigstens den Bericht in der Süddeutschen Zeitung, den ich dort vergeblich im Nachrichtenwust suchte:

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen stößt mit seinem Plädoyer für ein militärisches Eingreifen in Syrien auf den Widerspruch mehrerer europäischer Staaten. Bei einem informellen Abendessen in Brüssel habe es eine heftige Auseinandersetzung zwischen Rasmussen und den Außenministern von Frankreich, Deutschland und Polen gegeben, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Die Debatte entzündete sich an Einlassungen des Dänen, was die Nato im Fall einer weiteren Zuspitzung der Lage tun solle – zum Beispiel wenn Syriens Armee Chemiewaffen einsetzen würde oder bei einer Blockade der Straße von Hormus durch den Iran.

Dem Link der Zeit schnell gefolgt, lande ich dort, wo ich hinwollte: in dr Küche der Kriegstreiber:

Wie mehrere Quellen der Süddeutschen Zeitung bestätigten, hatte Rasmussen gesagt, dass die Nato angesichts der Entwicklungen in Syrien und in der für die Ölversorgung des Westens so wichtigen Straße von Hormus „den Kopf nicht in den Sand stecken“ dürfe.

Jedem am Tisch war klar, was er damit meinte: Die Nato müsse sich militärisch darauf vorbereiten, im Fall des Falles in Syrien einzugreifen. Politisch würde die Nato damit ihren bisherigen Kurs radikal ändern, dass ein Einsatz der Allianz in Syrien ausgeschlossen sei. Unterstützt wurde Rasmussen von den Außenministern der Türkei und Großbritanniens, auch die Amerikanerin Hillary Clinton sprang ihm bei.

Die Nato – so hole ich mein altes Hauptschulwissen hervor – ist eine Verteidigungsallianz. Das zeichnet uns vor bösen Staaten aus, wie zum Beispiel dem fiesen Hitlerdeutschland, das durch einen getürkten Angriff auf den Sender Gleiwitz einen Anlass schuf, Polen anzugreifen. Wir aber sind friedlich, wir wollen nicht so weit hinaus, wie wollen nur unsere Grenzen schützen, hatte man mir gesagt. Da ich ein Referat über den Warschauer Pakt geschrieben hatte, konnte ich das nur bestätigen: dort wohnen die Bösen mit den vielen Panzern (das ich mit dreizehn Jahren damit der Propaganda der Nato und der westlichen Rüstungsindustrie auf den Leim gegangen bin und mich zu ihrem Sprachrohr gemacht habe, habe ich erst viel später erfahren).

Nun – nicht alle von „uns “ teilen diese Ziele. Manche träumen von einem neuen osmanischen Reich, so die Welt. Jene, die diese Träume haben, schauen auf Länder wie Lybien (destabilisiert), Irak (destabilisiert), Ägypten (destabilisiert) und Syrien (wird gerade platt gemacht). Natürlich nur ein Zufall.

Nun ist die Türkei natürlich noch auf eine andere Art und Weise in Syrien aktiv – das erfahre ich ebenfalls durch die Zeit.

Die Beziehungen zwischen Ankara und Damaskus haben sich seit Beginn des Konflikts in Syrien im März 2011 kontinuierlich verschlechtert. Die Türkei unterstützt offen die syrischen Rebellen und fordert den Rücktritt von Präsident Baschar al-Assad.

Eine Leserzuschrift dazu ist interessant:

Wenn die USA die Rebellen nur logistische unterstützen,

wie kommen diese dann an Munition aus NATO Beständen?

Die türkische Zeitung Yurt schreibt in Ihrer aktuellen Ausgabe, dass die Granaten die auf Akçakale abgefeuert wurden aus NATO Beständen stammt.

Ein nicht belegbare Behauptung? Bitte, hier Bilder von syrischen Terroristen mit 120mm Mörser Granaten.
http://3.bp.blogspot.com/…

http://3.bp.blogspot.com/…

Anhand der LOT Nummer lässt sich belegen, dass diese Granate aus Beständen europäischer Rüstungsfirmen stammen.

Wir gehen dieser Behauptung besser nicht nach, sondern erinnern uns an die FAZ, die uns über weitere Details des türkischen Engagements informiert:

Russische Militärs bezichtigen die Türkei im Syrien-Konflikt der Provokation. Das am 22. Juni von der syrischen Luftabwehr abgeschossene türkische Kampfflugzeug sei zweimal in den syrischen Luftraum eingedrungen, berichtete die russische Nachrichtenagentur Interfax am Mittwoch unter Berufung auf russische Militärkreise. Das könne nur so erklärt werden, dass die Kampfbereitschaft der syrischen Luftabwehr getestet werden und deren Stellungen an der Küste ausspioniert werden sollten. Das türkische Militär teilte am Mittwoch mit, das Wrack des abgeschossenen Flugzeugs und die Leichname der beiden Piloten seien auf dem Grund des Mittelmeeres in etwa 1000 Meter Tiefe gefunden worden.

Mit Kampfflugzeugen in den syrischen Luftraum einzudringen, ist ein kriegerischer Akt. Und was mit Ländern geschieht, die Terroristen unterstützen, haben USA und Nato in Afghanistan gezeigt, dort haben wir auch irgendwie irgendwas verteidigt, von dem wir keine Ahnung haben – Opiumanbau, glaube ich. Das jedenfalls schreibt die junge Welt:

Der Opiumanbau ist längst einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Afghanistans geworden, schätzungsweise 85 Prozent des weltweit vertriebenen Heroins haben ihren Ursprung hier. Dramatisch nicht nur für die Abhängigen in Europa, sondern auch für die afghanischen Bauern: Sie werden von den mafiösen Strukturen, die die großen Profite aus dem illegalen Geschäft ziehen, mit Gewalt zum Anbau von Schlafmohn gezwungen – unter den Augen und Gewehren der deutschen Bundeswehr.

Das Militär hat längst seinen Frieden mit der Drogenmafia gemacht. Der »Krieg gegen den Terror« ist ein bewaffnetes Schutzkommando für Drogenbarone geworden.

Nun – deutsche Soldaten sterben gern für die Profitinteressen der Drogenmafia. Jedenfalls werde ich das wohl glauben, wenn ich diese Fakten verdaut habe.

Sterben sie aber auch gerne für das neue osmanische Imperium? Was, wenn jene politischen Kreise, die so gerne Schach mit den Ländern dieser Erde spielen, genau jenen Plan haben – die Neuauflage des osmanischen Reiches als guter Kumpel der Finanzbarone?

Undenkbar?

Quatsch! Nicht mehr in einer Welt, in der ein demokratisches Land ohne Grund den Irak angreift – und dafür noch eine „Koalition der Willigen“ zusammenbekommt.  Schauen wir jetzt in den Natorat, wo gerade geplant wird, die Kiefer unserer Kinder zu zerschießen, dann sehen wir, das es eindeutige Befürworter eine neuen Nato gibt, einer Nato, die aktiv in die Welt hinauszieht und sie nach ihren Vorstellungen neu sortiert, siehe Zeit:

Einer der Teilnehmer sagte, man habe bei Tisch „die Kriegstrommeln“ zu hören gewähnt. Rasmussen wurde lautSZ bei der „sehr strittigen“ Diskussion von den USA, Großbritannien und der Türkei unterstützt.

Schritt für Schritt wird die syrische Regierung durch unbekannte Waffenhändler in die Defensive gedrängt – das erfahren wir nebenbei:

Das Kräfteverhältnis hatte sich etwas verschoben, nachdem sich die Rebellen vor einigen Wochen Luftabwehr-Waffen beschaffen konnten.

„Luftabwehrwaffen beschaffen“ hört sich schön passiv an – die gab es sicher bei E-Bay oder Amazon. Welche Luftabwehrwaffen, erfahren wir leider nicht. Vielleicht die niedlichen schultergestützten Luftabwehrraketen, mit denen man seinerzeit die Taliban ausgerüstet hatte? Ja, erinnern wir uns daran, der Standard kann uns dabei helfen:

Nach dem die Sowjetunion 1979 Afghanistan besetzt hatte, hatten sich die so genannten Mudschahidin formiert, um gegen die sowjetische Besatzung zu kämpfen. In den ersten Jahren waren diese insbesondere durch die sowjetischen Luftstreitkräfte im Nachteil. Doch sobald sie von den USA mobile Luftabwehrraketen vom Typ „Stinger“ erhalten hatten, konnten sie sich etwa gegen die gefährlichen sowjetischen Hind-Helikopter zur Wehr setzen und die Wende im Afghanistan-Krieg einläuten.

Nebenbei bemerkt: ist schon mal jemandem aufgefallen, das die bösen Taliban diese supergefährlichen Raketen niemals zu Terrorzwecken benutzt haben? Warum eigentlich? Gibt es da noch Verträge zwischen Taliban und der CIA, die dies untersagen – oder zahlt die CIA dafür?

Aus Russland erfahren wir, das die „Luftabwehrwaffen“ in der Tat Luftabwehrraketen sind – man weiß dank der Washington Post auch, woher sie kommen: Saudi-Arabien und Katar. Diese Raketen kommen damit aus dem gleichen Land, das auch die Attentäter für den 11.September 2001 gestellt hat – ich will damit aber nichts andeuten, nur nochmal daran erinnern, das die gar nicht aus Afghanistan kamen.

Warum fürchten wir denn dann eigentlich noch die syrischen Gasbomben? Die Rebellen sind doch gut bewaffnet? Und vor allem warum weiß man eigentlich in Europa nichts davon, siehe Zeit:

Europäischen Geheimdiensten, darunter dem im Nahen Osten gut vernetzten Bundesnachrichtendienst, liegen laut SZ „keine Erkenntnisse“ über Vorbereitungen des syrischen Regimes zum Einsatz von Chemiewaffen vor.

Woher stammt dann die Legende von den irakischen – Pardon, syrischen Massenvernichtungswaffen? Aus der selben Quelle wie immer:

Der amerikanische TV-Sender NBC hatte berichtet, dass Syrien den Einsatz von Fliegerbomben mit tödlichem Nervengift vorbereite. Das Militär warte auf den Befehl von Präsident Baschar al-Assad, solche Chemiewaffen gegen aufständische Bürger einzusetzen. Die vorbereiteten Bomben seien aber noch nicht an Bord syrischer Kampfflugzeuge. NBC berief sich auf namentlich nicht genannte amerikanische Regierungsbeamte.

Namentlich nicht genannte Unbekannte wissen natürlich mehr als die gesammelten europäischen Geheimdienste. Wo bleibt eigentlich die Schlagzeile:

Unbekannte Beamte wollen uns in den Krieg treiben – wie schon 1914!

Sie wäre jetzt gerechtfertigt.

Doch was macht der deutsche Bundestag? Siehe Spiegel:

Um die Türkei vor syrischen Angriffen zu schützen, werden deutsche „Patriot“-Abwehrsysteme entsendet. Das Kabinett hat beschlossen, außerdem Soldaten in Awacs-Jets und in die Kommandostäbe zu schicken – es sind bis zu 400 Mann.

Erst sollten es 170 sein, jetzt sind es 400, wann werden es 400 000 sein?

Wenn Russland und China die US-türkische Offensive im Nahen Osten als Bedrohung für die weltweite Sicherheit ansehen werden. Die lassen sich nicht so leicht auf den Arm nehmen wie die deutsche Öffentlichkeit, die vor lauter Arbeitswahn nicht mehr zum Lesen kommt und dabei langsam auf Zustände zumarschiert, die noch viel viel unangenehmer sind als Hartz IV.

„Die Türkei ist der gegenwärtig vom Syrien-Konflikt am stärksten betroffene Nato-Partner“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung von Verteidigungsministerium und Auswärtigem Amt zu dem Beschluss des Kabinett.

Das ganze wird noch drolliger:

Die Türkei hatte die Nato nach wiederholten Granatenbeschuss im Grenzgebiet zu Syrien schon vor Wochen um Hilfe gebeten, am Dienstag beschlossen die Nato-Außenminister die Mission. Im deutschen Mandat wird festgeschrieben, dass es sich bei dem Schutz der Türkei um eine rein defensive Mission handelt und dass die „Patriots“ auch nicht der erste Schritt hin zu einer Flugverbotszone über Syrien darstellen. Bisher will niemand innerhalb der Nato in den Bürgerkrieg eingreifen, auch die „Patriots“ sollen nicht als Signal dafür verstanden werden.

„Bislang will niemand innerhalb der Nato in den Bürgerkrieg eingreifen“ – der Spiegel sollte vielleicht erstmal lesen, was die anderen Zeitungen zu schreiben – oder was Yahoo einem am Vorabend des großen Krieges serviert.  Was für eine dreiste Augenwischerei – als hätte es die letzten beiden Weltkriege nicht gegen, als wüßte man nicht, wie schnell unbedachtes Handeln und unreflektierte Bündnislogik einen Weltenbrand auslösen können, den nachher keiner mehr stoppen kann.

Hätte ich so etwas damals in meinem Referat erwähnt – ich wäre von der Schule geflogen, als großer Spinner.

Und ich habe irgendwie den Eindruck, das meine Befürchtungen auch heute noch auf taube Ohren stoßen werden, weil es „Krieg“ so wenig gibt wie „Verschwörungen“, Sanktionen bei Hartz IV oder deutsche Soldaten in Afghanistan.

 

 

Die Elite der Deutschen? Alles gewissenlose Lumpen, wegen denen das Land zerfällt.

Montag, 12.11.2012. Eifel. Ralph Boes hungert heute den 12. Tag, bisher hat er 2,2 Kilo abgenommen. Sanktionshungern nennt sich das, geschieht im Kampf gegen die asoziale Praxis eines "Sozialstaates", der zu allen sozial ist, die sehr viel haben, aber extrem unsozial wird, wenn Leute zu wenig haben. "Der Teufel scheißt halt immer auf den größten Haufen" - heißt ein alter Sinnspruch, der heute Wirtschaftsprogramm geworden ist. Doch gehen wir mal fort von dem Unrecht, das den Armen dieses Landes widerfährt und hin zu den Abenteuern, die der Mittelstand zu bewältigen hat. Bei uns im Dorf geht jetzt der Pleitegeier in großem Ausmaße um, sogar das Fernsehen war schon da. Wo das Dorf liegt, ist eigentlich egal, was dort geschieht, aber nicht. Dabei geht es mir gar nicht um jenen Nachbarn, der sein Haus verkaufen musste um die Medizin für seinen Sohn zu bezahlen, die die Krankenkassen nicht mehr finanzieren wollten (die brauchen das Geld für ihre Überschüsse, von denen sie sich dann fette Gehaltszulagen gönnen können) - das Haus ist jetzt übrigens in der Zwangsversteigerung, der Sohn hatte keine Zeit, auf einen Käufer zu warten. Nein, es geht um jene Nachbarn, die jetzt eine neue Straße bekommen: eine EU-Richtlinie muss durchgeführt werden, der alte Schotterweg wird aphaltiert.  Kostenpunkt pro Familie: 30 000 Euro (in Worten: DREISSIGTAUSEND). 60000 für das letzte Hotel im Tal. Sowohl Familien als auch das Hotel werden durch diese Maßnahme in den Bankrott getrieben, erste Häuser stehen zum Verkauf. Die Leute haben das Geld für die EU-Richtlinien nicht, wo sie mit ihren Kindern unterkommen, steht noch in den Sternen. Wenn sie Pech haben, dann kommen ihre Häuser auch in die Zwangsversteigerung - das war es dann für den Rest des Lebens. Von den Schulden kommt man nicht mehr los.

Montag, 12.11.2012. Eifel. Ralph Boes hungert heute den 12. Tag, bisher hat er 2,2 Kilo abgenommen. Sanktionshungern nennt sich das, geschieht im Kampf gegen die asoziale Praxis eines „Sozialstaates“, der zu allen sozial ist, die sehr viel haben, aber extrem unsozial wird, wenn Leute zu wenig haben. „Der Teufel scheißt halt immer auf den größten Haufen“ – heißt ein alter Sinnspruch, der heute Wirtschaftsprogramm geworden ist. Doch gehen wir mal fort von dem Unrecht, das den Armen dieses Landes widerfährt und hin zu den Abenteuern, die der Mittelstand zu bewältigen hat. Bei uns im Dorf geht jetzt der Pleitegeier in großem Ausmaße um, sogar das Fernsehen war schon da. Wo das Dorf liegt, ist eigentlich egal, was dort geschieht, aber nicht. Dabei geht es mir gar nicht um jenen Nachbarn, der sein Haus verkaufen musste um die Medizin für seinen Sohn zu bezahlen, die die Krankenkassen nicht mehr finanzieren wollten (die brauchen das Geld für ihre Überschüsse, von denen sie sich dann fette Gehaltszulagen gönnen können) – das Haus ist jetzt übrigens in der Zwangsversteigerung, der Sohn hatte keine Zeit, auf einen Käufer zu warten. Nein, es geht um jene Nachbarn, die jetzt eine neue Straße bekommen: eine EU-Richtlinie muss durchgeführt werden, der alte Schotterweg wird asphaltiert.  Kostenpunkt pro Familie: 30 000 Euro (in Worten: DREISSIGTAUSEND). 60000 für das letzte Hotel im Tal. Sowohl Familien als auch das Hotel werden durch diese Maßnahme in den Bankrott getrieben, erste Häuser stehen zum Verkauf. Die Leute haben das Geld für die EU-Richtlinien nicht, wo sie mit ihren Kindern unterkommen, steht noch in den Sternen. Wenn sie Pech haben, dann kommen ihre Häuser auch in die Zwangsversteigerung – das war es dann für den Rest des Lebens. Von den Schulden kommt man nicht mehr los.

Das erinnert schon an amerikanische Verhältnisse, über die der Stern augenblicklich berichtet:

Immer mehr Menschen in den USA sind ohne Dach über dem Kopf, obwohl sie einen Vollzeitjob haben – sie leben in Vans. Im ganzen Land entstehen Parkplätze für die neue Klasse berufstätiger Obdachloser.

Odachlos trotz Arbeit – es wird immer verrückter. Ein Drittel der Amerikaner können ihre Hypothekenzinsen nicht mehr bezahlen – der nächste Crash steht direkt bevor und was macht die Regierung, hier wie dort? Pumpt mehr Geld in die Wirtschaft, die damit die Immobilienpreise in den Städten und die Aktienkurse an den Börsen in die Höhe treibt.  Statt Arbeit (und Geld) gibt es Hartz IV (und staatlich verordnete Armut inklusive der Chance auf Hungertod). Aber Forderungen wir „Arbeit statt Hartz IV“, wie sie die AWO aktuell stellt, verhallen hier ungehört. Dafür gibt es auch einen Grund, den Jakob Augstein im Spiegel beschreibt:

Das ist Amerika: Hightech für die Eliten. Entwicklungsland für den Rest.

Sie hassen die Schwulen, die Schwachen und den Staat, sie unterdrücken die Frauen und verfolgen die Einwanderer, und ihr Abtreibungsmoralismus macht auch vor den Opfern von Vergewaltigung nicht halt. Sie sind die Taliban des Westens.

Wer jetzt denkt, das alles ist ja weit weg, der irrt sich gewaltig. Deutschland – kürzlich erst in der Welt als „kleines Amerika“ bezeichnet, nimmt seit Rot-grün den gleichen Schmusekurs mit dem gnadenlosen US-Kapitalismus, was dazu führt, das man auch hier die Schwachen hasst – und wer nicht spontan 30 000 Euro für einen neuen Kanalanschluß zahlen kann, der ist eben schwach. Versteht sich ja auch von selbst. „Die Reichen haben ihr eigenen Infrastruktur“, schreibt Jakob Augstein – und darum sind in den USA selbst heute noch viele Haushalte nach dem Sturm ohne Strom (siehe Spiegel): wer keinen eigenen Generator hat, ist halt schwach … und gehört weg.

Und nun bitte nicht gemütlich zurücklehnen und sagen „ich habe schon einen Kanal, mir kann nichts geschehen“. Pustekuchen – einfach mal in der Welt nachlesen:

Viele Kommunen haben aus Finanznot kurzfristige Kredite zu niedrigen Zinsen aufgenommen. Experten sind alarmiert: Sie könnten zu einer existenzbedrohenden Belastung führen, wenn die Zinsen steigen.

Und jetzt ratet mal, wo die Kommunen dann das Geld hernehmen? Im Ruhrgebiet kenne ich Gegenden, wo die Bürger denn Schneedienst auf Seitenstraßen komplett selbst übernehmen müssen. Dort zum Beispiel, wo meine Mutter wohnt: die darf jetzt mit ihren 78 Jahren die gesamte Straße freihalten – und hat noch nicht mal einen Führerschein. Auch dort ist „Kanalsanierung nach EU-Muster“ ein Supergeschäft, das alle in den Bankrott treiben wird, weil keiner die paar tausend Euro über hat, die dann anfallen.

Aber woran liegt es? Wo ist der Fehler im System, den wir so verzweifelt suchen? Der Schäuble hat ihn gefunden, als er über Griechenland sinnierte, siehe Welt:

Wenn Staaten vor großen Schwierigkeiten stehen, liegt es meistens an einem Versagen der Eliten, und es ist normalerweise nicht die Schuld des kleinen Mannes.

Das sagt er, einfach so. Ich meine: uns hier vor Ort ist das plausibel, wenn wir unsere Familien, Vereine und Freundeskreise so behandeln würden wie die ihre Bürger, dann wäre schon längst Bürgerkrieg ausgebrochen.  Was wäre, wenn wir vom Deutschen Bundestag fordern würden, das er uns Entlassunglisten vorlegt, bevor wie die nächsten Diäten überweisen – solche Listen, wie sie die Troika jetzt von Athen gefordert hat (siehe Spiegel)? Die wären nicht begeistert – und das wird auch nicht geschehen, denn auch für unser System gilt: Hightech für die Eliten. Entwicklungsland für den Rest.

Zum Beispiel für die ehemaligen Bundeskanzler, deren aufwändiger Fuhrpark in der Tat laut Spiegel 1,3 Millionen Euro kosten. Dafür kriegt man 82 nagelneue VW Golf der modernsten Klasse: macht 25 Autos pro überlebendem Altkanzler. Gut – die fahren kein Golf, das Pöbelmobil würden die nie betreten. Für die Exekutive des Kapitalismus werden andere Gefährte gebaut – aber ich denke, es wird den sanktionsverhungernden Ralph Boes freuen zu hören, wohin sein Geld geht. Er leidet nicht umsonst, sondern für den wohlgepolsterten Kanzlerpopo.

Auch sonst zeichnet sich unsere Elite durch einige Kunststücke aus, auf die wir hier im Dorf nie gekommen wären. Zum Beispiel bei Thyssen, siehe Welt:

First Class fliegen, in Fünfsternehotels übernachten und tagelange Safaris: Ein ThyssenKrupp-Vorstand unternimmt Luxusreisen mit Journalisten – dabei ist er für die Konzern-Richtlinien verantwortlich.

So macht die Elite Pressearbeit – das können Arbeitslose nicht. Die können nur durch Hunger auf sich aufmerksam machen, auf Mitleid hoffen und für göttliche Hilfe beten.

Auch die Süddeutsche berichtet über interessante Geschäftspraktiken der Elite und deren Folgen:

Bestechung und Untreue, Geldwäsche und Betrug: Wegen Geschäften mit Österreich ermitteln Staatsanwaltschaften in ganz Europa gegen EADS.

Das war schon immer die Vorgehensweise der economic hit man, so hat man auch Griechenland und Portugal Waffen angedreht, die sie eigentlich nicht brauchen – ist ja kein Krieg, oder?

Die Taliban des Westens halt.

Während oben fleissig geschmiert und geprasst wird, wird es unten immer enger – über 50 % der Beschäftigten fühlen sich überfordert (siehe Wiwo):

Kaum Zeit für das Hobby oder die Familie, Zeitdruck und gesundheitliche Probleme – viele Beschäftigte empfinden ihren Arbeitsalltag als belastend, so die Befragung der Gesellschaft für Konsum, Markt und Absatzforschung.

Das Land wird zum Arbeitslager nach US-Vorbild, was uns jetzt schon einen Ausblick auf unsere Zukunft erlaubt, die sowieso düster ist, weil unsere Rentner für die Bankenabenteuer der EU mit 3,4 Billionen (das sind in Worten DREITAUSENDVIERHUNDERT MILLIARDEN) haften (siehe Welt). Dafür haben wir am Ende der Umverteilung aber viel mehr reiche Banker und werden noch mehr Spiegelbild der USA.

Und was machen unsere Medien? Nun – sie bringen in der Tat an vorderster Stelle die Nachricht, das sich der Johannes Ponader von der Piratenpartei jetzt Socken anzieht, siehe Spiegel. Das kommt davon, wenn man viele wichtige Themen nicht anpacken möchte, weil sonst die schönen Fernreisen in Gefahr geraten. Andererseits macht man sich keine Gedanken darüber, das die Verteidiger der NSU-Neonazi-Killer Sturm, Stahl und Heer heißen (siehe Spiegel): wie ein Sturm aus Stahl brauste schon dereinst das deutsche Heer durch Europa, irgendwie seltsam, das diese verbale Konstellation jetzt zur Verteidigung von Nazi-Mördern auftritt – mit entsprechendem Background:

Heer, Stahl, Sturm – die drei Anwälte von Beate Zschäpe sind allesamt um die 40 Jahre alt und erfahrene Strafverteidiger. Sie vertraten bisher Mörder, Mafiosi und Milieugrößen, Islamisten, Betrüger und korrupte Manager.

Das man sich bei dieser Kundschaft noch „Rechtsanwalt“ nennen darf, ist ein Wunder. Kriminellenbüttel wäre da eher angesagt. Schröder (der mit den 25 nagelneuen VW – Golf im Ruhestand) war übrigens auch Rechtsanwalt, sein Kumpel, bei dem er übernachtet, nachdem er sich von seiner Frau getrennt hatte, auch – mit besten Kontakten zu den Hells Angels in Hannover.

Merkt man langsam, das auch Deutschland ein Problem mit seiner Elite hat? Ich hätte nie gedacht, das ich das mal sage, aber „Danke, Herr Schäuble“ für diese Erkenntnis:

Wenn Staaten vor großen Schwierigkeiten stehen, liegt es meistens an einem Versagen der Eliten.

Nun – Wirtschaftler, Politiker, Journalisten, Anwälte … haben wir sonst noch Eliten, die uns für Gagen von 1000 Euro am Tag um das Ersparte bringen?

Sicher – die Merkel, die aktuell von sich Reden macht, weil sie wieder mal in die Pressefreiheit eingreift. Das hat sie schon einmal getan – völlig ohne Folgen, siehe Freitag:

Ein paar Monate zuvor, am 8. Oktober 2008, hatte es ein sonderbares Treffen gegeben, das in diesem Zusammenhang Erwähnung finden soll. Die Bundeskanzlerin hatte an jenem Tag die bedeutenden Chefredakteure der bedeutenden Medien eingeladen. Es war die Zeit, in die der Ausbruch der großen Finanzkrise fiel. Man findet keinen ausführlichen Bericht über dieses Treffen, der veröffentlicht worden wäre und überhaupt nur wenige Erwähnungen in den Archiven, nur hin und wieder einen Nebensatz, eine knappe Bemerkung. An einer Stelle liest man in dürren Worten, worum es an diesem Abend im Kanzleramt ging: Merkel bat die Journalisten, zurückhaltend über die Krise zu berichten und keine Panik zu schüren.

Eigentlich DER Skandal der Nachkriegszeit – und das endgültige Ende des deutschen Journalismus. Außer einmal im Freitag – und oft hier bei uns – war dieser Akt der Entmündigung des Souveräns aber keinem großem oder kleinem Blatt mal einen Kommentar wert. Aber dafür kriegt man halt 15000-Euro-Reisen geschenkt – das kann einen schon für vieles entschädigen. Und wer besonders spurt, kriegt einen Platz am Tisch der Elite – als Pressesprecher, zum Beispiel.
Wir jedoch, die wirklich wissen wollen, was um uns herum vor sich geht, haben ein Problem: in Deutschland wird uns das niemand sagen. Wie es Jakob Augstein in seinem Kommentar zum Untergang der USA so schön sagte: die Elite hat ihre eigene Infrastruktur – und ich denke, es ist Zeit zu sagen, das auch in Deutschland die Medien in breiter Front zu dieser Elite-Infrastruktur gehören.
Da macht der Freitag keine Ausnahme: kürzlich wurde ich von denen angerufen, weil sie mir ein Abonnement andrehen wollten. Ich berichtete frei und offen von meiner asketischen, epikureischen Lebensweise und von dem enormen finanziellem Aufwand, den so ein Abonnement für mich bedeuten würde und bekam als Antwort – sinngemäß:  „ist ja schade, wenn man arm und auch noch stolz darauf ist“.  Da bleibt einem die Sprache weg – vom „ökologischem Fußabdruck“ ist da schon längst keine Rede mehr: der kann gar nicht groß genug sein, um den Rest der Welt auch noch platt zu treten.  Dabei habe ich mich schon so schön von 4,64 auf 2,83 Erden reduziert (aktuell also ganz knapp unterm Durchschnitt) – aber der Altbau und die ländliche Lage fordern immer noch einen hohen Preis. Schade, das man darauf stolz ist, wenn man 1,81 Erden weniger verbraucht, wirklich schade: das schadet nämlich dem Konsum, dem Kapitalismus, dem Zerfall des Landes und der Lähmung der Politiker.
Nochmal Jakob Augstein:
Wer das für einen Widerspruch hält, hat nicht begriffen, dass Amerika das Land des totalen Kapitalismus ist. Für dessen Funktionieren sind öffentliche Krankenhäuser nicht notwendig und die Energieversorgung privater Haushalte auch nicht. Die Eliten verfügen über ihre eigene Infrastruktur. Der totale Kapitalismus hat die amerikanische Gesellschaft zerfallen lassen und die Regierung gelähmt. Das Schicksal Amerikas ist kein Betriebsunfall des Systems. Es ist seine Konsequenz.
Die Eliten – verantwortlich für die Probleme des Staates – haben ihre eigene Infrastruktur. Die brauchen uns nicht mehr. Dort wie hier.
Fern am Horizont jedoch: Nachrichten aus privater Quelle, die aufhorchen lassen.
80 % der Griechen zweifeln an der Demokratie, so die Deutsch-Türkischen Nachrichten. Während man uns Ponaders Socken vor die Nase hält, brechen demokratische Grundüberzeugungen in Massen weg – aber so etwas sollen wir gar nicht wissen.
In Portugal sind zehntausend Soldaten und Polizisten auf die Straße gegangen (siehe you tube), weil sie nicht gegen den Bürger angehen wollen, der sich gegen die Spardiktatur wehrt: angesichts des revolutionserprobtem portugiesischen Militärs eine dicke rote Karte für die Elite, von der wir in Deutschland aber nichts wissen sollen – nicht umsonst hat Kanzlerin Merkel die Ausstrahlung entsprechender Filme in Deutschland untersagt.
Apropo Portugal … es lohnt sich, dort mal in die Geschichte zu schauen, in die Geschichte einer faschistischen Diktatur, die durch den „neuen Staat“ (Estado Novo) bestimmt war, siehe Wikipedia:
Politik im Estado Novo war bestimmt durch die Verfolgung politischer Gegner und den Ausgleich der unterschiedlichen Interessensgruppen der das Regime stützenden Machtpole: der Kirche, dem Militär, der Wirtschaft, den Großgrundbesitzern und den Kolonien.
Im Grundsatz versuchte er aber gerade nicht, das Volk zu politisieren, sein Staat wurde oft mit dem Schlagwort „Fado, Fátima e Futebol“ also Musik, Religion und Sport beschrieben, die das Volk ruhigstellen sollten. Politik in den Salazar-Jahren beschränkte sich auf das Austarieren des Einflusses der verschiedenen Gruppen, deren Unterstützung die Regierung benötigte – das Militär, Geschäftsleute und Handel, Landbesitzer, Kolonialinteressen und die Kirche.

Alle politischen Parteien blieben verboten, die Nationale Union, offiziell keine Partei, sondern eine bürgerliche Vereinigung, sollte das Land ruhig halten und verführte ihre Anhänger deshalb eher zu Apathie als zu politischen Diskussionen.

Gut – mit der Kirche gab es später einige Probleme, aber sonst: wenn wir „Religion“ durch „Fernsehen“ ersetzen und „Nationale Union“ durch „Große Koalition“… sind wir wirklich so weit weg von der politischen und wirtschaftlichen Realität eines faschistischen Landes?

Tony Judt beschreibt die Situation Portugals am Ende des Estado Novo so: „Der durchschnittliche Lebensstandard in Salazars Portugal war eher für das kontemopräre Afrika als für das kontinentale Europa charakteristisch: Das jährliche Pro-Kopf-Einkommen betrug 1960 gerade einmal 160 Dollar (verglichen mit beispielsweise 219 Dollar in der Türkei oder 1453 Dollar in den USA). Dafür waren die Reichen wirklich reich, starben die Säuglinge häufiger als in jedem anderen Land Europas und waren 32 Prozent der Bevölkerung Analphabeten.

Ich kann nur sagen: gut das wir den Grad der Faschistisierung eines Landes nicht an seiner Reichtumsverteilung messen oder an der Säuglingssterblichkeit:

In den meisten Industrieländern lässt sich eine erhöhte Säuglingssterblichkeit bei sozial benachteiligten Gruppen nachweisen, dazu zählen in Deutschland etwa arme Menschen und Menschen mit Migrationshintergrund. 

Auch bei den Analphabeten haben wir bald portugiesische Verhältnisse, siehe FAZ:

Frau Grotlüschens Studie konfrontierte uns mit der Tatsache, das siebeneinhalb Millionen Menschen, im Alter zwischen achtzehn und vierundsechzig Jahren, funktionale Analphabeten sind. Eine konservative Schätzung, betont die Professorin, zumal noch einmal mehr als dreizehn Millionen Menschen hinzukommen, die auch gebräuchliche Wörter nur fehlerhaft schreiben und einfache Texte kaum verstehen. Alle haben die deutsche Schule durchlaufen, weit mehr als die Hälfte der Analphabeten sind deutsche Muttersprachler.

Über die Reichtumsverteilung brauche ich wohl nicht noch gesondert zu reden.

Die Nelkenrevolution in Portugal, bei der junge Offiziere mit dem „neuen Staat“ aufräumten, hat übrigens nur vier Todesopfer gefordert: aus dem Geheimdienstbüro war auf Demonstranten geschossen worden.

Das sind weniger als bei uns im Jahr durch Hartz IV-Sanktionen verhungern.

 

 

 

Hilfsgüter für Pakistan!

hilfsgueter

Die Nerverei von der UN, es gäbe sowenig Hilfsgüter für das vom Wasser verwüstete Pakistan mit all seinen Ertrunkenen und Cholerakranken, ist definitiv nicht nachvollziehbar.

Die Lieferungen gerade aus den USA für Pakistan in den letzten Jahrzehnten haben sicherlich die hunderttausend-Tonnen-Marke schon lange überschritten.

In den Achtzigern gab es kaum Transportmittel genug, um all die Maschinengewehre, Patronengurte, Atomwaffen, Minen, Boden-Luft-Raketen und Freiwillige in das Land zu pumpen, die „Made in USA!“ angeliefert worden sind. Das war alles Spielzeug für die lieben Mujaheddin, die islamischen Gotteskrieger, die gegen die bösen Russen zogen.

 Hier sehen wir einen pakistanischen Opa, der seinen drei lustigen Enkelkindern Gewehrgranaten für Weihnachten aussucht. Der liebe Opa! Ob er auch etwas bekommt? Neue Handgranaten vielleicht? Mit Schleifchen drumrum?

Neuerdings scheint da ein Missverständnis vorzuliegen, das immer wieder zu einem lauten „Hallo!“ führt – denn seltsamerweise werden die Hilfsgüter heute scharfgemacht und ohne Umverpackung mehr direkt aus der Luft geliefert und dann sind auf einmal in Pakistan wieder ganz viele Arbeitsplätze frei, wenn die Lieferungen ankommen. Aber das sind ja alles Überraschungen für unsere lieben Pakistanis, damit sie auch ganz, ganz dolle lieb bleiben. Denn wenn sie nicht lieb sind, dann schickt Onkel Sam noch viel mehr Hilfsgüter ohne Umverpackung und direkt aus der Luft – dafür müssen die lustigen Flugzeuge noch nicht einmal anhalten, liebe Kinder!

Heute sind die bösen Russen lieb und die lieben Mujaheddin von früher sind die gemeinen „Islamisten“ von heute, deshalb muss man ihnen allen ins Grab helfen und dafür sind die vielen, vielen tollen Hilfslieferungen an Pakistan – die mit den hübschen Granaten für den Opa oben.

Aus den lieben Pakistanis von damals sind die bösen Taliban von heute geworden. Die kriegen keine Granaten wie der Opa, die kriegen Wasser und müssen ertrinken, die bösen Taliban – auch wenn sie Kinder sind und keine Taliban. Der Opa oben, der ist ja jetzt auch ein böser Taliban und deshalb haben sie ihn totgeschossen. Die anderen lieben Pakistanis können in die Gewehrgurte beißen, wenn sie Hunger haben – oder sie essen einen toten Taliban.

So ein Unsinn – die ungeheuren Mengen, die die USA in Pakistan hineingepumpt haben, die halten auch die nächsten drei Flutwellen. Soviel Hilfe, soviel Hilfe …. wer will die schon … ?

© 2010 Echsenwut.

2014 – Und der Krieg geht weiter, nur woanders.

Viele, viele Jahre und zehntausende von Toten später haben die kriegführenden Mächte ihr Totalversagen, ihre Ahnungslosigkeit, ihre militärische Unfähigkeit endlich eingesehen. 

Sie hatten unter der Federführung der top-aggressiven USA vor gut neun Jahren in Afghanistan einen Krieg begonnen, der von vornherein niemals zu gewinnen gewesen wäre.

 Die Motivation der USA zu diesem Krieg ist fraglich; in Betracht kommen entweder grenzenlose, militärische Selbstüberheblichkeit bis hin zur massiven Persönlichkeitsstörung führender Generäle und Präsidenten oder aber versteckte, politische Ziele, über die bloß niemand offen spricht.

Für psychische Krankheit spricht die allseits sattsam bekannte Auffälligkeit des letzten Amtsinhabers George W. Bush, der genauso wie seine Gegner bekennendermaßen in „göttlichem Auftrag“ gehandelt haben wollte. Sein Adlatus Dick Cheney, welcher höchstpersönlich blendend am Irak-Krieg große Summen verdiente (er ist führender Anteilseigner der Firma Halliburton, die Exklusivaufträge für die Armee ausführt), verbrämte offizielle Statements an den Präsidenten immer wieder gern mit markigen Bibelsprüchen um Bush zu motivieren. Immerhin sollte der Präsident nicht auf die Idee kommen, militärische Auseinandersetzungen zu beenden. Der ehemalige US-Präsident fiel durchaus des Häufigeren durch seine verschwiemelte Religiosität auf, für die er nach eigenem Dafürhalten Kriege führte. So verriet er dem vorletzten, palästinensischen Ministerpräsidenten unter Zeugen, er sei „von Gott berufen, im Nahen Osten Frieden zu machen. Nötigenfalls mit brutaler Gewalt.“

 Ähnlich wie in den letzten Tagen des letzten Weltkrieges blieb Bush offensichtlich so dumm und uninformiert wie Hitler, der ebenfalls kaum bis gar keine offenen Widerstände von Generälen erfuhr und nur noch unzureichend bis falsch informiert worden war.

Das Militär hat ganz zweifellos von Anfang an genau gewusst, dass ein Sieg über die Taliban niemals hätte erwartet werden können – und zwar unter gar keinen Umständen.

Erst im Frühjahr dieses Jahres hatte das Pentagon von hochrangigen, russischen Militärs Besuch. Der fand nur statt um den Russen Gelegenheit zu geben, ihren US-amerikanischen Kollegen nunmehr sehr dringlich vom Weiterführen des Krieges in Afghanistan abzuraten. Man verwies auf Zahlen und Erfahrungen mit Strategien und Taktiken, die man selbst in Afghanistan gemacht hatte. Das Credo der Russen war unzweifelhaft und völlig klar: „Hört auf damit! Wir hatten fünfmal mehr Soldaten als ihr da unten und haben ganz erheblich brutaler und rücksichtsloser gemetzelt und dennoch verloren. Afghanistan ist unbesiegbar.“

 2014 also soll es passieren; bis dahin sind wohl die relevantesten, politisch möglicherweise noch ärgerliche Hindernisse zerschossen und die wichtigsten Verträge für die größten und interessantesten Rohstoffe geschlossen und das Land kann ähnlich bequem ausgeblutet und ausgewrungen werden wie beispielsweise der Irak. Sämtliche menschliche, militärische und politische Infrastruktur wird dann in Afghanistan vernichtet sein; man wird sich ähnlich schnell mit den Taliban einigen wie heute mit Aufständischen im Irak, die bekanntlich auch für die Ölförderung kein Hindernis (mehr) darstellen.

 Die USA werden sich, ihrer Doktrin zufolge, also in nächster Zukunft um den Iran „kümmern“, denn auch dort gibt es sehr viel Öl und sehr viel Natururan. Da der Iran auf dem Wege zu einer regionalen Supermacht ist und langfristig dort mehr Einfluss haben wird als die USA, wird er von den USA zerstört werden müssen. Denn nach US-eigener Auffassung sind es die USA die zu bestimmen haben, wer wann welche Reste von dem Öl kriegt, dass die USA nicht selbst unmittelbar benötigen – da scheint es nicht hinnehmbar, wenn dies die (bisher) rechtmäßigen Eigentümer entscheiden wollen.

 Schon Bush Senior sagte damals beim ersten Angriff auf den Irak öffentlich (Überfall auf Kuwait):

„Wer sich zwischen die USA und das Öl stellt, wird beseitigt.“

 Afghanistan aber scheint heute durchaus genug weichgekocht und daher widerstandslos genug zu sein, um nach gleichem Muster um seine Ressourcen erleichtert werden zu können. Die Mär von den Taliban, die angeblich sogar das deutsche Bundesgebiet bedrohen, ist jetzt jahrelang gut im Volk verankert und absichtsvoll sind auch Soldaten geopfert worden um öffentliches Murren erst gar nicht entstehen zu lassen. Das Innenministerium muss sich wundern, wie wunderbar einfach es ist, ein ganzes Volk langsam zu verblöden: es gibt zwar nicht einen einzigen, ernsthaften Terroranschlag, keine konkrete Drohung, aber genug Angst davor. Herbeigeführt wurde die Angst nur durch konsequente Wiederholung der Terrorlüge; ab und zu hat man möglicherweise gänzlich getürkte, sonst aber wundersam idiotische „Terroristen“ medienwirksam verhaftet. „Terroristen“, die zum Umkippen eines Eimers zwar zu doof sind, aber dennoch angeblich zur Crème de la Crème des internationalen Terrors zählen sollen.

Sie bauen angeblich Bomben, die gar nicht explodieren konnten.

Sie panschen an einer chemischen Mischung herum, deren Zustandekommen ihren eigenen Transport unmöglich gemacht hätte weil die Chemie erschütterungssensibel gewesen wäre. Man hätte eine Bombe zwar bauen, aber nur an Ort und Stelle zünden können – wie dämlich.

Sie sagen erst nichts und plärren plötzlich wie Kinder.

Die deutschen Verunsicherungsbehörden haben feinfühligerweise auf die Erfindung einer arabischen Legende dieser „Terroristen“ verzichtet, um nicht tatsächlich dadurch doch noch versehentlich eine echte Terrorgefahr zu provozieren.

 Wir Deutschen haben also dabei fleißig mitgedient, den USA mittelfristig wieder zu lukrativen Verdientsmöglichkeiten wegen zuverlässig strömender und ultrabilligen Ressourcen verhelfen..

 Wir werden am Datum 2014 gar nichts ablesen können. Es wird in diesem Jahr natürlich keinen Frieden in Afghanistan geben, denn es wird tausenden von Afghanen den Kopf kosten, wenn die Taliban wieder an der offiziellen Macht sein werden. Inoffiziell haben sie sie ja nie verloren, selbst die USA bezahlen Talibankommandeure dafür, dass sie Pässe und Straßen benutzen dürfen, die den Taliban gehören. Die USA also geben den Taliban Geld für Waffen, die dann gegen sie eingesetzt werden. Aber auch das ist nichts wirklich Neues; im zweiten Irak-Krieg wurde mit Raketen auf US-Bomber geschossen, die in den USA hergestellt und an Saddam Hussein geliefert worden waren.

 2014 ist vielleicht nur für einige, wenige Militärs ein Richtpunkt: möglicherweise schickt man dann die Truppen von dort direkt nach Iran, in welchem man dann eine weitere, militärische Eskalationsstufe eröffnen möchte. So wie die Jungs heute aus dem Irak kommen und nach Afghanistan gehen werden sie eines Tages aus Afghanistan kommen und direkt in den Iran gehen. Vielleicht erhofft man sich durch direkte und umfangreiche, israelische Beteiligung eine erheblich schnellere Vernichtung des Iran und möchte 2014 die freien Jungs dann zur Sanierung der Ölfördereinrichtungen Irans einsetzen. So wie im Irak. Dort waren die Ölförderungen das erste und für lange Zeit einzige, was die USA überhaupt repariert haben denn auf mehr war es ihnen ohnehin nie angekommen.

 2014 – schaun mer mal, wo dann die Deutschen (mit-) schießen!

© 2010 Echsenwut.

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