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Bedingungsloses Grundeinkommen. Über Führung, Verantwortung und Recht.

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Montag, 26.9.2016. Eifel. Bedinungsloses Grundeinkommen. Ich habe noch nie ausführlich darüber geschrieben – und das hat einen einfachen Grund: die Datenlage zur verfügbaren Geldmenge ist unklar. Die Statistiken sind nicht einfach lesbar – und enthalten all zu oft Einschränkungen. Ist ja vielleicht auch so gewollt. Dann sind meine Erfahrungen hinsichtlich der Arbeitsdisziplin und der Arbeitsmotivation meiner Mitmenschen nicht unbegingt immer hoffnungserweckend. Damit meine ich nicht die, die trotz Leistungswillen und Leistungsfähigkeit vom Arbeitsleben völlig ausgeschlossen sind. Wer von den Mini-Hartz-Sätzen leben muss (die ja jetzt um 5 Euro erhöht werden – im Monat, nicht am Tag, wie es notwendig wäre – während der reiche Kanzler, der dies eingefädelt hatte, nebenbei noch mal 10000 Euro Preisgeld für seine Reform erhält), ist gezwungen, hart zu arbeiten: er muss absolut effektiv und fehlerfrei wirtschaften, sonst drohen Hunger und Obdachlosigkeit … ein Schicksal, dass immer mehr Menschen droht. „Wirtschaften“ – ist harte Arbeit, das weiß jeder, der das mal für einen Konzern getan hat – da kriegt man allerdings bei Erfolg Riesenprämien. Und gerade aus der Wirtschaft (und der Verwaltung) stammen jene Beobachtungen, die zweifeln lassen, dass Menschen verstehen, dass für Riesengehälter und Unkündbarkeit auch eine gewisse Leistung erbracht werden muss: in der Regel versuchen die Mitarbeiter – ganz nach kapitalistischen Denken – ein Maximum an Geld mit einem Minimum an Einsatz zu erwirtschaften … und der „Minimum an Einsatz“ ist da oft der entscheidendere Faktor.

Motivation zur Arbeit ist ein gigantisches Problem. Die Konzerne merken es zusehends – man denke nur an die ganzen gigantischen Rückrufaktionen in der Autoindustrie der letzten Jahre … oder die Mauscheleien bei der Abgasmessung, eine Strategie, die von der Regierung bei der Analyse der Arbeitslosenzahlen vorgelebt wurde: „lieber Schein als Sein, die Kohle läuft ja weiter“ ist die Devise – und eigentlich die Devise für den ganzen deutschen Arbeitsmarkt. Anselm Grün, Mönch und Unternehmensberater, hat  mir jedoch ein wenig Hoffnung gemacht, dass diese kapitalistische Arbeitsmoral (Einkommen minus Arbeitszeit gleich Gewinn) bewältigt werden kann. Seine Theorie – die durch die Erfahrungen einiger großer Unternehmen untermauert wird: schlechte Arbeitsmoral liegt an der schlechten Führung. Gute Führung zeichnet sich seiner Meinung nach durch Sorgfalt, Achtsamkeit, durch festen Glauben an den guten Kern im Menschen aus, ebenso durch Vermeidung von „Betrüben“ und Verachtung. (Anselm Grün, Menschen führen, Leben wecken, dtv, 5. Auflage 2008, Seite 33 – 45). Gerade der letzte Aspekt führt direkt hinein in Milliardenverluste: wer seine Arbeitnehmer (und auch seine Bürger) verachtet (durch Spott, Arroganz, Überheblichkeit, Sklavenmeistermentalität – um nur einige Formen der Verachtung zu nennen, es reicht auch schon, wenn man sie als „Mob“, „Pack“, Pöbel ansieht und ihnen den Stinkefinger zeigt), erzeugt mächtige Gegenkräfte, die bis hin zu Sabotage reichen – Themen, die in den Konzernzentralen bekannt sind, über die man aber nicht redet, weil ihre Bewältigung das ganze  System in Frage stellen würde.

Grün weist aber den Führungskräften auch eine Reihe von Eigenschaften zu, die sie unbedingt erfüllen sollen: Erfahrung, menschliche Reife, Bescheidenheit, Demut, Ruhe, Sinn für Gerechtigkeit, Klarheit bei der Entscheidungsfindung, Sparsamkeit, Gottesfurcht (ein befremdliches Wort in diesem Kontext, es weist allerdings auf die positiven Folgen des spirituellen Weltbildes hin: die absolute, nicht mehr hinterfragbare Akzeptanz des Menschen als ursprünglich „gutes“ Wesen) und Väterlichkeit (im positivsten Sinne des Wortes) sind Anforderungen an Führungspersonal (Grün, a.a.O., Seite 13 -33). Durchsuchen Sie mal Regierung und Bundestag, ihre Stadtverwaltung sowie die Zentralen der Deutschen Bank, VW oder Siemens nach Menschen mit diesen Eigenschaften: Sie werden Gründe genug finden, die die uneffiziente Arbeitsmoral erschöpfend erklären. Der Fisch stinkt immer vom Kopf her, sagt der Volksmund – und damit erklärt sich vieles.

Wenn ich über bedingungsloses Grundeinkommen im privaten Kreis rede, habe ich immer ein Beispiel parat. Nehmen wir mal an, wir fliegen in den Urlaub. Vielleicht auf die Malediven – aktuell sehr islamistisch geprägt – aber immer noch schön. Voller Freude besteigen wir den Flieger, der irgendwo im Pazifik abstürzt – wir können uns natürlich alle auf eine einsame Insel retten. Was brauchen wir dann? Unternehmer. Also Menschen, die was unternehmen, die Pläne für die effektive Organisation von Arbeit haben – was in diese Fall lebensnotwendig ist. Vielleicht haben wir sogar Glück und alle sind zu dieser Leistung fähig: dann können wir überleben. Wir brauchen ganz schnell Wärme – Kälte bringt uns am schnellsten um. Dann brauchen wir Wasser – und letztlich Nahrung. Also flugs vier Teams gebildet: einer für Brennholz und Baumaterialien, einer für Wassersuche, einer für Nahrungssuche – da darf keine Sekunde verschleudert werden – und ein Team zur Pflege der Alten, der Kranken und der Kinder, die noch nicht in die Suche eingebunden werden können. Das ist unser „Backoffice“, das selbst noch viel leisten kann: das Feuer am Leben halten, Küste und Himmel beobachten, die Versorgung der erschöpften Sucher übernehmen und einen Lagerplatz sauber halten. Sie sehen mein Problem mit dem bedingungslosen Grundeinkommen? Ein Kreis aus Lehrern und Sozialarbeitern sowie politischen Aktivisten jeder Art, die am Strand erstmal die Verteilungsfragen diskutieren, kann ich in meinem Geschäftsplan am Strand nicht abbilden. Und diese Inselsituation …. ist im Prinzip die Situation eines jeden neugeborenen Menschen auf dieser Erde. Manche jedoch landen eher auf felsigem Eiland, wo nichts wächst. Andere – wachsen in paradiesischen Zuständen auf.

Bleiben wir gleich mal auf unserer Insel – Sie werden sehen: es lohnt sich.

Wem gehört eigentlich diese Insel, auf der wir in der Not gestrandet sind? Da sich keiner meldet: wem wollen wir die Besitzrechte zusprechen? Gut, es gibt jene, die kräftig und gesund genug sind, weite Flächen zu roden und so Ackerland zu schaffen, das vorher nicht da war. Während die roden, gehen andere jagen, dritte gehen kochen, vierte hüten ihre Kinder: an der Arbeitsleistung „Feld“ sind viele beteiligt, was den Anspruch des Roders auf Eigentum schon relativiert. Hat der Inselbewohner Pech, steht sowieso nach drei Jahren die US-Marine vor der Küste, zeigt ein Dokument, auf dem steht, dass sie die Insel für drei Flaschen Whisky von einem portugiesischen Fischer gekauft haben, der meinte, sein Opa hätte die Insel in Besitz genommen: Legitimation von „Grundbesitz“ (dem wichtigsten Besitz auf Erden, stellt er doch die Voraussetzung für Nahrung, Wasser, Obdach) können vielfältig sein und haben immer denselben Effekt: andere auszuschließen.

Denken wir uns jedoch, die Insel war noch unentdeckt. Also: wem „gehört“ sie? Denken wir adelig, so wird klar: der Elite. Den Starken. Gott sei Dank sind wir ja nicht adelig, sondern Demokraten, weit von jeder Form des Faschismus entfernt, der die Menschheit immer wieder in „wertes“ und „unwertes“ Leben aufteilt – sich selbst aber selbstverständlich immer und überall als höchstwertig einstuft. „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ sind unsere zentralen Werte: das spricht völlig gegen Stacheldraht, der Zugang zu Land einschränkt, die Freiheit behindert und der Brüderlichkeit demonstrativ eine Absage erteilt. Und bleibt also gar nichts anderes übrig – wenn wir nicht zu bloßen Räubern degenerieren wollen – als zu sagen: diese Insel gehört von Anfang an allen, die sie gefunden haben – unabhängig von ihrer persönlichen Leistungsfähigkeit. All ihre Rohstoffe, ihre Nahrungsmittel, ihre Flächen, Seen, Bäche, ihre Luft und Felsen gehören allen, die eine Notgemeinschaft auf ihr bilden. Da gilt für die Insel das gleiche Prinzip wie für den Erdball … jenen Erdball, der voller Zäune ist. Sie merken jetzt wahrscheinlich, worauf ich hinaus will: wir haben eine Verteilungsfrage. Oder ein Verteilungsproblem. Oder eine Verteilungsherausforderung.

Nun, ich denke: für unsere Inselbewohner ist das erstmal kein Problem: sie haben keinen Chef, der sie terrorisiert, können also ganz vernünftig entscheiden. Ihnen wird klar sein: alles gehört allen. Niemand hat die Wärme gemacht, niemand das Wasser, Nahrung wächst von ganz allein: nur ein völlig irrer Soziopath könnte auf die Idee kommen, irgendetwas davon könnte ihm allein gehören und er könnte aufgrund seiner Privilegien nun die anderen dirigieren, wie es ihm gefällt.

Kehren wir nun von unserer Insel zurück nach Deutschland, gerettet von einem russischen Fischkutter. Was sehen wir? Zäune, Mauern, Schranken. Einen Räuberstaat – ganz im Sinne des lateinischen Verbes für „Privatbesitz“: Privat gleich „geraubt„. Wahrscheinlich wäre unsere Insel ebenso denaturiert, wenn sich die Leute nicht zusammengesetzt und beschlossen hätten, dass man sich an die Erklärung der allgemeinen Menschenrechte hält, an die christlichen Werte und die Maximen der reinen Vernunft. Wir erkennen sofort: Deutschland im Jahre 2016 hat andere Maximen. Und was wollen unsere frisch geretteten Inselbewohner nun – ausgestattet mit der Erfahrung, dass man zusammen ein viel glücklicheres Leben leben kann, als wenn man den ganzen Tag gegeneinander wirkt?

Sie wollen was ändern. Sie müssen etwas ändern, weil die Räuberbarone ein System aufgebaut haben, das den ganzen Planten in Gefahr bringt. Was wäre sinnvoller, als sich darauf zu besinnen, dass die materiellen Werte dieser Erde nicht von Menschen geschaffen wurden – also allen gehören … nicht nur den Räubern. Indianer wussten das noch, Cowboys auch – nicht umsonst kam aus ihren Reihen die Kunde, dass der Stacheldraht dem freien, wilden Westen ein Ende gesetzt hat – und nicht etwas das Gesetz.

Wie ändert man das jetzt?

Nun – ganz einfach: wir fordern die Zuteilung von jenen Ressourcen, die uns per Naturrecht zustehen. Essen, Obdach, Wärme, Wasser. Wer würde uns das auch verbieten wollen? Nur ein psychopathischer Mörder könnte diese lebensnotwendigen Dinge für sich behalten wollen – ein geistig kranker Mensch, der Hilfe und Fürsorge braucht, aber auf keinen Fall Macht bekommen darf.

Gut, wir sind ja nicht doof. Die Hungersnöte sind auch in der Eifel dadurch bewältigt worden, dass man die kleinen Parzellen zusammengelegt hat, um sie effektiver bewirtschaften zu können – damit mehr für alle übrig bleibt. Nur: im Laufe der Zeit wurden die, die ihr Land dazugegeben hatten, immer weiter herausgedrängt … so weit. dass sie letztlich im Jobcenter landeten. Gerecht ist das nicht. Außerdem … haben wir ja inzwischen das Geld dazwischengeschaltet, wir zahlen  nicht mehr mit Hühnern, Schweinen und Strohballen sondern mit einem staatlich legitimierten Tauschmittel.

Wem gehört eigentlich dieses Tauschmittel?

Nun: dem Staat. In erster Linie. Also: der Gemeinschaft der Bürger, die für den Wert dieses Geldes persönlich bürgt. Später dem, der es „rechtmäßig“ erhalten hat. Der Staat – hier Bundesbank – stellt es her, die Regierung stellt Regeln zur Verteilung auf, anhand derer Sie dann Ihren Schein Ihr Eigentum nennen können. Da Geld Tauschmittel ist, um den Verkehr von Waren und Dienstleistungen effektiver zu regeln, ist es eine Notwendigkeit, alle damit auszustatten: 40 Mark bekam jeder von der neu gegründeten Bundesbank zur Geburt der Bundesrepublik.

Sie merken, nun wird es kompliziert: über Jahrhunderte hinweg haben sich Eigentumsrechte an Land zusammengeballt, ohne dass jemand groß nach ihrer Legitimität fragt – allein die Kirchen haben da gigantische Mengen an Eigentum privatisiert, die nun für die Allgemeinheit nicht mehr zur Verfügung stehen. Wenn Sie hier geboren werden, kommen sie also auf eine Insel, in der schon alles privatisiert ist. Das ist doof – es sei denn, ihre Eltern waren erfolgreiche Räuber. Aber wir mit unseren Werten wollen ja keinen öffentlichen Räuberstaat schaffen, das lassen die Werte ja gar nicht zu.

Insofern erkennen wir nun nach langer Vorrede, dass jeder Mensch, sobald er geboren ist, ein Grundrecht an den materiellen Schätzen dieses Planeten hat: ein Grundrecht, das ihm seine Solidargemeinschaft im Sinne von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit freudig gewährt … es sei denn, sie ist gerade zu einem asozialen Räuberhaufen degeneriert. Würden wir übrigens auf unsere Insel diesen Räuberhaufen dulden: Armut, Not, Gewalt, ewiger Krieg wäre die direkte Folge – außer für die Räuberbarone, auf deren Zusammenarbeit wir in dieser Hinsicht nicht bauen dürfen.

In einer arbeitsteiligen Welt bestünde dieses Grundrecht in regelmäßiger Zuteilung von GELD, für dessen Wert ja die gesamte Solidargemeinschaft mit all ihrem Besitz und ihrer Schaffenskraft bürgt. Somit ist ein bedingungsloses Grundeinkommen keine hirnige Forderung fauler Laumalocher, sondern ein unabänderliches Naturrecht, das umgehend zugestanden werden muss … wenn wir unsere westlichen Werte ernst nehmen wollen.

Wie die Verteilung auszusehen hat, braucht uns in diesem Moment gar nicht zu interessieren: aus dem Naturrecht leitet sich erstmal der ganz normale Anspruch ab, dass die Wirtschaft diese Ressourcen zur Verfügung zu stellen hat (dafür hat sie ja Land, Straßen und Personal sowie Freiheit genug bekommen, um „wirtschaften“ zu können, was ja allein schon Spaß genug macht) und die Regierung muss für die rechtmäßige Verteilung sorgen. Da gibt es kein vertun, kein drumherum und keine Diskussion: dieses Grundrecht ist oberste Priorität … und im 21. Jahrhundert sollte es in demokratischen Gesellschaften eine Selbstverständlichkeit sein, da wir uns schon lange vom „Recht des Stärkeren“ verabschiedet haben.

Sicher: ein bedingungsloses Grundeinkommen (wer würde sich hier überhaupt anmaßen, „Bedingungen“ für das nackte Überleben zu stellen?) wird anstregend, ist nicht leicht und kostet viel Geld. 1500 Euro im Monat würden 1,5 Billionen Euro im Jahr kosten (siehe Süddeutsche). Haben wir überhaupt soviel Geld? Das sind ja Summen, die unser Alltagsbudget weit übersteigen. Nun – die Geldmenge M 3 besteht in Deutschland aus 2,3 Billionen Euro (siehe Statista) … es wäre also genug Geld da, daran soll es nicht scheitern.

Doch dann kommt die Kritik: die Geringverdiener zum Beispiel würden dann ja gar nicht mehr arbeiten gehen (siehe Zeit). Nun – aber auf der Ebene diskutieren wir ja gar nicht: es geht um das Urrecht jedes Menschen auf die Schätze dieses Planeten: da kann es kein legitimes NEIN geben. Und auf diesen besonderen Einwand kann man nur entgegnen: dann sollte man eben keine Bullshitjobs schaffen.

Aber setzen wir uns mal mit den vier Gründen gegen das bedingungslose Grundeinkommen auseinander (mit Gründen dafür brauchen wir uns nicht befassen: es ist da älteste Naturrecht des Menschen – basta! Darüber kann man legitimerweise gar nicht diskutieren – ebenso wenig wie über das Recht auf Leben).

Alexandra Borchard hat sich mal für sie stark gemacht (siehe Süddeutsche).

Die Steuern würden ins Astronomische steigen, sagt sie. Wir können sagen: ja und? Gleichzeitig steigt doch auch das verfügbare Haushaltseinkommen, weil Millionen Menschen mehr konsumieren können, was mehr Arbeitsplätze bedeutet, mehr Geschäfte, mehr Umsatz, mehr Steuern: allein die Mehrwertsteuer auf 1,5 Billionen Grundeinkommen beträgt 285 Milliarden – und traue ich dem Wirtschaftsnobelpreisträger Stieglitz, würde diese Investitionsschub ein Rückfluss an Geld (durch die Wertschöpfungskette) 2,4 Billionen Euro bedeuten. Was natürlich nicht geht, ist: das wir der selbsternannten „Elite“ mehr Geld geben als das Grundeinkommen hergibt. Ja: sie lesen richtig – die „verdienen“ ja nichts, das wird alles zugeteilt: im Kommunismus vom Staat, im Kapitalismus vom Räuberbaron – je nach Lust und Laune. Deshalb können Fussballer Millionäre werden. TV-Clowns auch.

Ein Grundeinkommen soll nicht dazu führen, dass sich Unternehmen aus der Verantwortung stehlen, sagt sie. Das aber … können sie ja auch gar nicht. Sie haben einen klaren gesamtgesellschaftlichen Auftrag: effektiv (also: auch nach den Gesetzen der Marktwirtschaft) Wirtschaft zu organisieren – ohne Kinderarbeit, ohne Ausbeutung von Niedriglöhnern, ohne Umweltvernichtung: also in den engen Grenzen der Menschenrechte. Heute besteht der Auftrag der Wirtschaft darin, größtmögliche Gewinne für Aktionäre zu erwirtschaften – auf Teufel komm ´raus – Geld, das dann als „gefrorene Arbeitsleistung“ auf irgendwelchen Konten in Steuerparadiesen unnütz herumliegt anstatt das zu machen, wofür wir es geschaffen haben: zum Zwecke des ewigen Zirkulierens.

Ein Grundeinkommen macht alles gleich, meint Alexandra, dabei seien die Menschen doch verschieden. Ja, das stimmt, perfekt erkannt, aber so soll es ja auch sein: das Grundrecht auf Existenz mit allen Privilegien ist für alle Menschen gleich – da hat nicht einer mehr von und der andere weniger.

Das vierte Gegenargument ist jedoch das schauerlichste, was man sich einfallen lassen kann: „Menschen brauchen Strukturen, wollen gebraucht werden und sozial eingebunden sein“. Wer von Ihnen braucht dafür einen Arbeitgeber oder einen Vorgesetzten? Da ist sie wieder, diese nicht tot zu kriegende Einstellung, es gäbe den Hypersupermenschen, der wie dafür geschaffen ist, den anderen Struktur zu geben, ihnen einen Nutzen zuzuweisen und sie effektiv einbinden zu können. Zur „sozialen Einbindung“ brauche ich Freunde, Nachbarn und Familie, das Zusammenleben mit ihnen strukturiert den Tag von ganz allein (wie auch meine existentiellen Grundbedürfnisse schlafen, essen, trinken), sie sorgen auch für das Gefühl, gebraucht zu werden.

Aber hier sehen wir halt wieder unser Hauptproblem: unsere „Führung“ – die sich selbst übrigens gerne das Vielfache von 1500 Euro im Monat zuteilt, ohne sich zu fragen, ob es auch Sinn macht oder ob wir uns das überhaupt leisten können. Ja. dass müssen Sie sich unbedingt mal klar machen: wir haben schon längst ein Grundeinkommen. Jeder – auch Arzt, Architekt, Anwalt, Bischof und Kanzlerin bekommen ihre Zuteilungen von Gemeinbesitz durch andere Menschen… allerdings auf einem Niveau, das der Planet nicht mehr lange hergibt. Es wird zwar gerne von „verdienen“ geredet, doch das ist nur ein intellektueller Täuschkörper; verdient wird da gar nichts, zugeteilt alles. Also klappt das doch im Prinzip: wir reden nur noch über die Bedingungen der Zuteilung.

Ein paar hätte ich da schon. Ich fordere von den Empfängern jenes Einkommens einer politischen Gemeinschaft, dass sie auch die komplette Verwaltung selbst übernehmen: Bürgermeister, Bundeskanzler, Abgeordnete, Verwaltungsangestellte – all das muss von den Grundeinkommensempfängern selbst organisiert werden: ohne Zusatzkosten. Wie schön, dass wir dann automatisch bescheidene Chefs kriegen. Für die Gierigen bleiben dann ja noch 800 Milliarden übrig, um die sie sich streiten können – die Züchtung von Milliardären (da sind wir Deutschen spitze drin – siehe Cicero) können wir uns dann aber mangels Masse nicht mehr leisten. Ebenso müssen alle Gemeinschaftsaufgaben auf diesem Niveau organisiert werden: wie auf unsere Insel gibt es da nichts groß extra, weil einfach die Geldmenge beschränkt ist. Wir können nur die Kokosnüsse verteilen, die da sind – wer hier Optionsscheine handeln will, um Reichtum anzutäuschen, sollte sich schnell eine andere Insel suchen.

Ich habe aber gar keine Zweifel daran, dass wir genug Menschen finden, die für 1500 Euro im Monat im Parlament sitzen möchten: allein schon, weil sie an politischen Debatten Freude haben. Da kommt dann wieder richtig Leben ins Parlament.

Der Umstrukturierungsprozess ist natürlich gewaltig – aber leider völlig alternativlos. Zum einen gibt es das Gebot des Urrechtes der Existenz – und zum anderen die natürlichen Grenzen unserer Ressourcen: wer alle Bäume unsere Insel fällen will, um sich eine Riesenyacht zu bauen, mit tausend Rudern für die anderen, damit man richtig Fahrt aufnehmen kann, muss leider in seine Schranken gewiesen werden – so schön der Gedanke an Wasserski auch sein mag. Ich werde nicht alle Facetten davon mit 3000 Worten beschreiben können – aber es geht ja erstmal um die Grundsatzdebatte. Wissen Sie übrigens, wie hoch die Staatsquote in Deutschland ist – also das Geld, das der Staat in die Wirtschaft pumpt? Sie macht 44 Prozent vom Bruttosozialprodukt aus, welches 2015 über drei Billionen Euro lag. Das sind schon 1,3 Billionen Euro, die sowieso schon jetzt durch Staat und Steuern umverteilt werden – nur halt anders. Die 200 Milliarden, die dann noch fehlen, sparen wir durch die Übernahme der Verwaltung durch die Bürger selbst

Also: Geld (bzw. Masse), ist da. Recht auch. Vernünftig ist es eh, weil es die Wirtschaft zum Nutzen von Verbrauchern und Konsumenten mal wieder so richtig ankurbeln würde – nur das leistungsfreie Leben durch Zinseinkünfte wäre sehr schwierig zu gestalten.

Jetzt müssen wir es nur noch machen. Und dabei wird jeder Feind sein, dessen Ansprüche über 1500 Euro im Monat hinausgehen. Sie sehen also: Volksabstimmungen könnten da schwierig werden – die brauchen wir aber nicht. Über Grundrechte kann nicht abgestimmt werden – wo kämen wir da hin?

Wo fangen wir an mit unserer Arbeit? Nehmen wir einfach den Mönch Anselm Grün – einen Menschen, der als Unternehmensberater arbeitet und weit entfernt von kommunistischen Träumen anzusiedeln ist. Stinkt der Fisch vom Kopfe her, müssen wir beim Kopf beginnen: bei den Ansprüchen und Maximen der „Bosse“ in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – und sie vorsichtig daran gemahnen, bescheiden und „väterlich zu sein“. Und welcher Vater würde seine behinderten, kleinen Kinder schon im Schnee vor der Türe verrecken lassen, während er mit dem ältesten Sohn vor dem Kamin prasst? So ein Arschloch würden wir doch gar nicht für voll nehmen können … und es widerspräche ja auch dem von Grundeinkommensgegnern geforderten menschlichen Bedürfnissen nach „gebraucht werden wollen“ … und so einen asozialen Typus braucht kein Mensch.

Also: lasst uns den Auftrag jetzt umsetzen. Recht, Vernunft und die Werte des christlichen Abendlandes sind auf unserer Seite – und zeigen uns so, dass dieser Auftrag zur Installierung eines geldbasierten Bedingungslosen Grundeinkommens alternativlos ist … trotz aller gewaltigen Probleme, die die Umorganisation der Verteilungsprozesse mit sich bringt.

Aber: wir sind ja nicht faul!

(Text gewidmet einer Drachenfrau, die die Inspiration zu ihm gab)

 

 

 

 

 

 

 

 

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