Staatsphilosophie

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B R D wird B-anken R-ettungs D-ienst: das Ende des deutschen Staates und der Fluch des falschen Schädels

Vor dreissig Jahren wusste man noch, wozu man einen Staat hat.  Es war diejenige menschliche Institution, welche die Gemeinschaft vor den schweren Schicksalsschlägen des Lebens beschützen sollte: Krieg, Ausbeutung, Unterdrückung, Diktatur sollten als Erscheinungsformen menschlicher Geselligkeit der Vergangenheit angehören. Dank des darauf folgenden Friedens ließen sich durch die Erfindung der "Gemeinschaftskassen" auch gleich weitere Lebensrisiken minimieren: Krankenversicherung, Rentenversicherung, Hausrat, Leben, Dummheit (also: Haftpflicht), Arbeitslosigkeit - gegen alle Bedrohungen des bürgerlichen Lebens gab es Bündnisse,  nichts schien den mit allen bürgerlichen Rechten ausgestatteten Menschen noch ernsthaft bedrohen zu können, alle Schrecken der vergangenen Jahrtausende wurden vor die Tore der Stadt verbannt. Armut, Krankheit, Siechtum, Ungerechtigkeit - alles böse Geister aus den Kindermärchen. Dann jedoch ... kam Wikipedia und klärte uns auf, was ein Staat wirklicht ist:

Vor dreissig Jahren wusste man noch, wozu man einen Staat hat.  Es war diejenige menschliche Institution, welche die Gemeinschaft vor den schweren Schicksalsschlägen des Lebens beschützen sollte: Krieg, Ausbeutung, Unterdrückung, Diktatur sollten als Erscheinungsformen menschlicher Geselligkeit der Vergangenheit angehören. Dank des darauf folgenden Friedens ließen sich durch die Erfindung der „Gemeinschaftskassen“ auch gleich weitere Lebensrisiken minimieren: Krankenversicherung, Rentenversicherung, Hausrat, Leben, Dummheit (also: Haftpflicht), Arbeitslosigkeit – gegen alle Bedrohungen des bürgerlichen Lebens gab es Bündnisse,  nichts schien den mit allen bürgerlichen Rechten ausgestatteten Menschen noch ernsthaft bedrohen zu können, alle Schrecken der vergangenen Jahrtausende wurden vor die Tore der Stadt verbannt. Armut, Krankheit, Siechtum, Ungerechtigkeit – alles böse Geister aus den Kindermärchen. Dann jedoch … kam Wikipedia und klärte uns auf, was ein Staat wirklicht ist:

Im weitesten Sinn bezeichnet er eine politische Ordnung, in der einer bestimmten Gruppe, Organisation oder Institution eine privilegierte Stellung (nach Ansicht einiger bei der Ausübung von Macht, nach Ansicht anderer für die Entfaltung des Einzelnen und der Gesellschaft) zukommt.

Der Staat ist ein Werkzeug zur Machtausübung. Er ist gar nicht „Vater Staat“ – er ist die Peitsche. Wir sind die Ochsen. Früher – ganz früher – hatten man oben einen König. Einen Räuberkönig. Erst später wurde versucht, ihn politisch zu legitimieren, anfangs gab es aber nur eine asoziale Räuberbande, die lieber von anderen lebte als für sich selbst zu sorgen. Die ersten Sozialschmarotzer hatten Adelstitel, Rüstungen und Burgen – heute verzichten viele auf den Titel, fast alle auf Rüstungen aber keiner auf seine Burg – einfach mal schauen, wie die schöngeredeten „Leistungsträger“ wohnen. Das hat schon was.

Später – als Bürger anfingen, die Könige zu enthaupten (die Einführung von Schusswaffen hatte die waffentechnische Überlegenheit von Individuen im Straßenkampf derweil ziemlich schrumpfen lassen) – gab es neue Könige. Ganz schnell – noch bevor man sich klar wurde, was geschah, wurde die Macht im Staat von der PARTEI übernommen. Mal von einer (das nennt man DIKTATUR), mal von zwei (das nennt man DEMOKRATIE) oder auch von drei bis fünf (das nennt man bezeichnenderweise „chaotische Verhältnisse“).

Je nachdem wie die Parteien drauf waren, gestaltete sich das gesellschaftliche Leben. Am besten für den Bürger war es, im Spannungsfeld zwischen Einparteiendiktaturen und Zweiparteiendemokratien zu leben, die sich gegenseitig an den Kragen wollten. Das lief eine Zeit lang ganz gut. Jetzt, wo das Spannungsfeld weg ist, ist auch der Schonraum „soziale Marktwirtschaft“ fort. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit gelten als „sozialromantische“ Verirrungen einer untergegangenen Kultur und weichen anderen Werten: Coolness und Eitelkeit sind die neuen Tugenden.

Finanziert wird der Lebensstil der Coolen und der Eitlen auf Kredit – von Banken. Die holen sich das Geld von denen, die arbeiten – wie man später sehen wird. Wer Anspruch auf einen solchen finanziell hochanpruchsvollen Lebensstil anmeldet, der muss sich Prozeduren gefallen lassen, für die der Normalbürger die Polizei rufen würde: siehe Manager Magazin:

Da gibt es den umstrittenen Gesichtsphysiognomen (vulgo: Schädeldeuter) Dirk Schneemann, einen gelernten Lackierer, der die Eigenschaften eines Menschen an der Kopfform ablesen zu können meint und ein Büro an der Düsseldorfer Königsallee unterhält. Er ist selbst in Kreisen renommierter Personalberater ein gern gesehener Gast und gilt als wunderliches Genie.

Nicht auszurotten, insbesondere bei Mittelständlern, scheint auch die wundersame Lehre von der Grafologie zu sein. Die Schriftdeuter nehmen für sich in Anspruch, aus Handgeschriebenem die gesamte Persönlichkeit eines Menschen herauslesen zu können. Ausgemachter Humbug, sagen Experten wie der Osnabrücker Fachhochschulprofessor und Wirtschaftspsychologe Uwe Peter Kanning: „Grafologie ist eine fantasiereiche Pseudowissenschaft.“

So etwas machen nur amoralische Weicheier mit – aber davon gibt es in Zeiten der Massenarmut mehr als genug. Deshalb führt man sie ja auch ein, die Massenarmut, um das gesellschaftliche System nachhaltig umzubauen.  Systemveränderungen gehen halt schlecht in Zeiten, wo mit allen Menschenrechten ausgestattete Individuen in Sicherheit und Wohlstand ihr Leben genießen … wozu sollte man dieses Paradies auch verändern wollen? Das Leben ist halt an sich viel zu schön, als es mit Kriegen zu versauen.

Amoralische Weicheier jedoch denken – von Angst zur maximalen Charakterlosigkeit getrieben – anders. Man kann sie auch – wie in Japan gern gemacht – aus Regenpfützen saufen lassen um sicher zu gehen, das die alles mit sich machen lassen. Wo nur noch Eitelkeit und Coolness von den Medien als Werte bewundert werden, bildet sich schnell ein Sumpf voller giftiger Gewächse, die das Gemeinwesen ersticken.

Hat man erstmal seine coole und eitle Mannschaft zusammen, läuft der Rest wie von selbst. Erstmal müssen die Grenzen der Umverteilungsmaschine ins unendliche erweitert werden. Dann muss die persönliche Sicherheit der Individuen im Staat maximal angegriffen werden – es muss  … verdammt nochmal … wieder möglich sein, ein paar Aufwiegler und Widerständler verrecken zu lassen: die ANGST muss wieder im Land umhergehen, wie einst und früher.

Die Angst hat hierzulande inzwischen auch einen Namen: „HARTZ IV“ heißt der Zustand der Entrechtung und lebenslänglichen Verarmung, der ähnlich wenig Freiheiten erlaubt wie das Leben im Topmanagement, aber deutlich weniger Coolness und Eitelkeit beinhaltet. Hier wurde politisch eine neue Kaste von „Vogelfreien“ installiert, zu der diesmal auch Bürger zählen können, die mit Politik nichts am Hut haben und KEINE Juden sind.

Auf einmal merkt man dann, das etwas völlig schief läuft in dem Land. Menschen, die zuvor als Motoren der Finanzkrise bekannt waren und als untragbar galten, werden auf einmal befördert – wie Jörg Asmussen, der noch 2009 vom Obmann des Untersuchungsausschusses als „nicht mehr tragbar“ bezeichnet wurde, 2011 aber – als Lohn für seine Taten – zum Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank wird. Welche Fehler er dort machen darf, die die Krise weiter entflammen, werden wir in Zukunft sehen. So macht man in Deutschland Karriere mit der „richtigen“ Schädelform und der „richtigen“ Handschrift.

Wir kennen auch genau den Zeitpunkt, an dem die neue Staatsform ausgerufen wurde. Oskar Lafontaine, ein Mitglied der inzwischen zunehmend entmachteten Parteiendemokratie, der jetzt sogar im Handelsblatt schreiben darf, erinnert sich noch daran:

Europa befindet sich in der Sackgasse. Der „visionäre“ Satz des ehemaligen Bundesbankpräsidenten Tietmeyer auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos 1995: „Meine Herren, sie alle sind nun der Kontrolle der internationalen Finanzmärkte unterworfen“ ist leider heute bittere Realität. Damals klatschten die ahnungslosen Staats- und Regierungschefs noch in freudiger Erregung Beifall.

Ich kann mich an den Moment erinnern. Ich saß im Auto und lauschte ungläubig: das war das offen ausgerufene Ende der demokratischen Idee in Europa – und niemand rief die Polizei? „Finanzmarkt“ wird offiziell „König“ und wir haben wieder Monarchie? Dummheit oder Verschwörung – anders war die Degeneration der Staatsidee nicht mehr zu begreifen … jedenfalls nicht für Menschen mit politischer Bildung und intakter Moral (leider aber mit falschem Schädel und unschicklicher Krakelschrift). Die Folgen jenes Putsches, der sich ab 2004 auch in Deutschland sichtbar im Alltag manifestierte, beschreibt Oskar Lafontaine mit wenigen Worten:

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stieglitz hat in einem Bericht an die Vereinten Nationen betont, dass die Enteignung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer immer mehr Geld auf die internationalen Finanzmärkte gespült und die Kreditblase aufgepumpt hat. Denn wenn die Menschen kein Geld in die Geschäfte tragen, werden die hohen Gewinn- und Vermögenseinkommen nicht reinvestiert sondern im Spielkasino verzockt. 

Arbeit macht arm, Arbeitslosigkeit noch ärmer – aber mit dem richtigen Schädel und der richtigen Handschrift kann man (wieder) unglaubliche Karrieren machen und sich vom Geld der arbeitenden Bevölkerung völlig ohne eigene Leistung (von Schönschrift und Schädelwuchs mal abgesehen) einen total coolen Lebensstil gönnen: mit Brionianzug anstelle der Ritterrüstung (aber mit der gleichen Funktion derselben – sie soll die harte Hülle für den weichen, charakterlosen und moralisch verkommenen  Inhalt bilden), Porsche anstelle des Vollbluthengstes (um weiterhin archaisch die Überlegenheit im Zweikampf zu demonstrieren) und Einfamilienegotempel anstelle der Wasserburg (schlechter zu verteidigen – aber man entkommt auch schneller).

Inzwischen wettert auch die Bundeskanzlerin gegen den „Kapitalismus“ und befindet sich damit in einer Reihe mit ihren politischen Gegnern – wie Günter Grass und der SPD:

 „Wir erleben, dass das System, in dem wir leben, das kapitalistische, sich in einem Zustand der Selbstzerstörung befindet“, tönt der 83-jährige Schriftsteller. „Aber niemand hat den Mut, von einem Systemwechsel zu sprechen.“ Applaus brandet auf. „Wir müssen das System, unter dem wir leben und zu Konsumenten degradiert sind, aufbrechen“, ruft Grass. „Die SPD sollte ihrer Tradition folgen und sich zum Sprecher dieser grundsätzlichen Veränderung machen.“

Das Tolle ist: die SPD hat diesen „Systemwechsel“ ja nachhaltig mit ins Rollen gebracht. Da hatte Grass wohl gerade keine Nachrichten gehört. Hartz-Schröder, Leiharbeitsclement (ja, der als erster seit den Nazis Mitbürger als „Parasiten“ bezeichnet hat) oder der Wanderprediger Müntefering („wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“) sind ein paar Beispiele für den neuen, „systemverändernden“ Sozi (mit – wahrscheinlich – „korrektem“ Schädel). Wie sollte also jetzt der rollende Systemwechsel aufgehalten werden – bei dieser Personallage? Tietmeyer hat es seit 1995 offen verkündet: die Demokratie ist vorbei. Alle haben geklatscht – außer Stieglitz, der ausrechnete, das jährlich mehr Menschen dadurch pleite gehen … eine logische Folge der Auflösung der Schutzfunktion des Staates vor äußeren Bedrohungen … wie zum Beispiel feudal organisierten Räuberbanden.

Die staatlichen Institutionen verkommen nun folgerichtig zum Bankenrettungsdienst (was eben die „Altmächtigen“ aus den vergangenen Zeiten der Parteienherrschaft zuweilen recht nervös und unsicher werden lässt) – einer Entwicklung, zu der es aus dem degenerierten Altsystem heraus keine Alternative gibt – siehe Spiegel:

Nach der reinen ordnungspolitischen Lehre darf so etwas nicht sein. Die Politik müsste Krisenbanken einfach pleitegehen lassen – wie jedes andere Unternehmen, das auf dem Markt versagt hat. Doch das Problem bei den großen Banken ist ihre Systemrelevanz, also ihre Bedeutung für den Rest der Wirtschaft.

Zum einen brauchen andere Unternehmen die Kredite der Banken, um zu investieren und Arbeitsplätze zu schaffen. Zum anderen ist das Finanzsystem so eng verknüpft, dass die isolierte Insolvenz einer einzigen Großbank eigentlich gar nicht möglich ist.

Geht ein Geldhaus bankrott, löst dies eine Kettenreaktion mit unvorhersehbaren Folgen aus.

Und das würde bedeuten, das die coolen und eitlen Gecken trotz Eliteschädels und Mädchenhandschrift ihre eitle Garderobe verlieren würden. Das ginge nicht – obwohl die Lösung der Krise nur aus Deutschland kommen kann, siehe Welt:

Deutschland komme bei der Lösung der Krise eine Führungsrolle zu, sagte Zoellick. Deutschland spiele schon wegen seiner Größe eine wichtige Rolle in Europa. „Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy steht vor Wahlen, Italien befindet sich in Turbulenzen, Großbritannien ist nicht Teil der Euro-Zone.

Deutschland käme bei der Lösung der Krise eine besondere Rolle zu: hätten wir den Mut, schlagartig das Bankenwesen zu verstaatlichen, die Ratingagenturen zu schließen, die Mitarbeiter per Haftbefehl zu jagen (wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, Vorbereitung und Durchführung eines Staatsstreiches oder wirtschaftlichen Angriffskrieges – und was einem findigen Staatsanwalt noch so alles einfällt), dann könnten wir eine Bewegung ins Rollen bringen, die weltweit Anerkennung findet. So jedoch … nehmen unsere schönschreibenden Eliteschädel einen anderen Kurs, siehe Welt:

„Deutschland hat die Macht in Griechenland übernommen. Unsere Großväter und Väter haben gegen die Deutschen gekämpft und jetzt kommen die Deutschen und kaufen Griechenland zu Spottpreisen. Hier geht es nicht um Privatisierung, sondern um den Ausverkauf des Landes, dazu sagen wir Nein.“

Dabei ist Griechenland erst der Anfang. Spanien und Italien folgen derzeit in atemberaubenden Tempo, ein Ratingschock folgt dem nächsten, die Angst vor dem nächsten Kollaps lässt die Milliarden nur so sprudeln – sogar Frankreich liebäugelt jetzt schon damit, den Rettungschirm in Anspruch zu nehmen.

Der Staat ist Peitsche geworden, geschwungen von gesichtslosen Finanzkonstrukten. Schädel, die solche Degenerationen widerstandslos schlucken können, zeichnen sich durch bemerkenswerte Inhaltslosigkeit aus – aber können schön Buchstaben malen.

Die Lösung für die Bürger wäre einfach – sogar für die Arbeitslosen.

Einfach eine eigenen Bank gründen und mit Pleite drohen: schon wird – bei gleicher Arbeitsleistung – aus 364 Euro Hartz IV im Monat 12000 Euro Boni I. Das Geld kommt aus der gleichen Quelle wie zuvor – nur die Verteilungskoeffizienten sind etwas geändert,  die Kontrolle ist viel lockerer und das gesellschaftliche Ansehen ein ganz anderes. Zudem kann man das Geld in Griechenland, Spanien, Portugal und Italien in ganz tolle Werte umwandeln – und bald stehen auch Frankreich und Großbritannien zum Ausverkauf bereit.

Aber leider … bekommen die Bürger keine Lizenz zur Bankgründung.

Warum?

Falscher Schädel, schlechte Handschrift … nehme ich mal an.

 

 

 

Die heimliche Hinrichtung Griechenlands als Vorspiel der deutschen Pleite – und der Entmachtung des deutschen Volkes

Die heimliche Hinrichtung Griechenlands als Vorspiel der deutschen Pleite - und der Entmachtung des deutschen Volkes

Dienstag, 20. 9.2011. Nach den deutschen Arbeitslosen und Angestellten kommen jetzt ganz Länder unter die Räder – doch niemand scheint sich darum zu kümmern. In Griechenland werden unsere europäischen Brüder und Schwestern hingerichtet – doch man muss lange suchen, um die Folgen der Exekution aufdecken zu können. Vor allem in den großen „kritischen“ Medienformaten sucht man vergeblich nach den Folgen des ausufernden Krieges der leistungsfeindlichen Kapitalvermehrer gegen die Realwirtschaft. Fündig wird man aber in der Tagesschau:

Der griechische Staat zahlt Arbeitslosen maximal ein Jahr lang einige Hundert Euro pro Monat Unterstützung. Danach ist Schluss. Eine Grundsicherung, eine Art Hartz IV gibt es in Griechenland nicht. Auch das ist ein Grund, warum im Zuge der Krise zigtausende Menschen landesweit auf der Straße gelandet sind.

Nach den medialen Propagandalügen vom faulen Arbeitslosen haben wir also jetzt die Propagandalügen vom verschwenderischen Griechen gehabt, der noch nicht mal eine ordentliche Arbeitslosenversicherung hatte. Morgen werden wir sicher wieder hören, das es unseren Arbeitslosen viel zu gut geht – sollen die mal nach Griechenland schauen!

Währenddessen geht der Wahn weiter. Sicher gibt es mahnende Stimmen, zum Beispiel im Manager-Magazin:

Es reicht. Die Diskussion über eine Pleite Griechenlands ist so dermaßen verkürzt und falsch, dass sie dem Thema nicht gerecht wird. So werden Bürger und Wähler in die Irre geleitet. Schlimmer noch: In der deutschen Debatte hat sich eine verstörende Emotionalität breit gemacht, eine moralische Entrüstung gegenüber den „Pleite-Griechen“ („Bild“) – nach dem Motto: Die haben schlecht gewirtschaftet, geprasst und sogar betrogen; jetzt sollen sie sehen, wie sie klarkommen.

Also – an den griechischen Arbeitslosen kann es schon mal nicht liegen. Die nächsten, die es jetzt erwischen wird, sind die griechischen Beamten.

Unterdessen sagte IWF-Vertreter Bob Traa, in Griechenland dürften auch Entlassungen kein Tabu sein. Athens Kreditgeber fordern, dass die Regierung in Athen von gut 700.000 Beamten und weiteren bis zu 600.000 Angestellten vorwiegend verlustbringender Staatsunternehmen mindestens 100.000 Mitarbeiter entlässt oder in einen so genannten Reservepool schickt: Dort sollen sie 60 Prozent des bisherigen Gehaltes beziehen und nach Umschulungen aus dem Staatsdienst entlassen werden können.

Warum sagt man eigentlich nicht endlich mal, worum es wirklich geht? Es geht darum, die Menschen aus ihren Häusern zu vertreiben und sie im Winter auf der Straße verrecken zu lassen, weil die Regierung die ständig steigenden Zinsen der Banken nicht mehr bezahlen kann. Es geht darum, das der Verlust von Menschenleben billigend in Kauf genommen wird, um die willentliche Organisation von Massenarbeits- und Obdachlosigkeit.

Ich weiß nicht, wie ihr da draussen an den Monitoren das nennen würdet – ich nenne das verantwortungslos, skrupellos und kriminell und denke zudem, man hätte langsam auch das Recht, das Militär einzusetzen, weil die Forderungen des IWF die Souveränität des griechischen Staates vollständig eleminieren:

Griechenland steht nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) die Pleite bevor, wenn es nicht den Verkauf von Staatsbesitz vorantreibt. Mit harten Worten warnte der ständige IWF-Vertreter in Griechenland, Bob Traa, am Montag in Vouliagmeni vor weiteren Versäumnissen.

Man spricht hier zurecht von Griechenland als dem „Kardiogramm eines Toten“, weil ein schwacher Staat bald nur noch ein toter Staat ist.

Natürlich rekeln wir uns noch in deutscher Gemütlichkeit, hängen unseren Aufschwungphantasien noch und träumen von Zeiten, die aber niemals wieder besser werden:

Trotz des Wirtschaftsaufschwungs sind die Reallöhne in Deutschland im vergangenen Jahr offenbar nur leicht gestiegen. Vor allem in Osteuropa fielen die Zuwächse deutlich höher aus. Zudem hat sich hierzulande die Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen wieder vergrößert.

Schaut man genauer hin,  wird es sogar noch schlimmer:

Wie teuer könnte die Euro-Schuldenkrise den deutschen Steuerzahler kommen? Das Ifo-Institut macht eine umfängliche Rechnung auf. Das Ergebnis: die Haftungssumme liegt bei bis zu 465 Milliarden Euro. Die Märkte sähen dies mit wachsender Nervosität, sagt Ifo-Chef Sinn.

465 Milliarden Euro – bis jetzt. Und während wir noch  hoffen, mit diesem Batzen Geld die Krise des kleinen Griechenland aufhalten zu können, marschieren die Horden der Finanzindustrie schon längst zu neuen Zielen: Italien ist fällig. Man will Blut und Fleisch einer der großen Volkswirtschaften schmecken. All das künstliche wertlose abstrakte Buchgeld soll so in konkrete Werte umgewandelt werden: Flughäfen, Seehäfen, Inseln, Ländereien, Wasserwerke – der ganz große Coup der Privatisierung ganzer Staaten rückt in greifbare Nähe, der größte Raubzug in der Geschichte der Menschheit wird Wirklichkeit.

Und was machen wir? Wir Bürger und unsere gewählten Politiker? Verschwenden unsere Zeit mit Theater. Wir spenden einem Polizisten, der mit einer Hand zwei Flummis fängt, 1,5 Millionen Euro. Für so ein Theater haben wir Geld und Zeit, während die grassierende Obdachlosigkeit griechischer Bürger gerade mal eine Randnotiz wert ist.

Schon mal überlegt, warum die Folgen der „Euro-Krise“ medial nicht näher beleuchtet werden? Weil es Sinn macht, den Bürger nicht aufzuwecken, sondern ihn ganz im Sinne spätrömischer Dekadanz bei Brot und Spielen dahinvegetieren zu lassen, während die Regierungsgewalt heute ganz offiziell an eine Ratingagentur übergeben wurde.

Bitte?

Die Macht im Staate wurde … abgegeben?

Und wir erfahren nichts davon?

Natürlich erfahren wir davon. Da wir nichts mehr dagegen unternehmen können, können wir ganz offen darüber reden. Wie heute im Handelsblatt:

Es ist nur ein Satz und er ist eigentlich auf Italien gemünzt. Doch er hat Sprengkraft, weit über das Land hinaus. „Aus unserer Sicht wird die zerbrechliche Regierungskoalition und der Richtungsstreit innerhalb des Parlaments weiterhin die Möglichkeiten der Regierung beschränken, die entscheidenden Antworten auf die innenpolitischen und die externen makroökonomischen Herausforderungen zu finden.“

Mit diesem Statement begründet die Ratingagentur Standard & Poor’s die Herabstufung der Bonität Italiens um eine Stufe von A+ auf A und die Beibehaltung des „negativ watch“, also des schwachen Ausblicks. Doch mit den gleichen Argumenten könnte man auch die Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel auf „negative watch“ setzen.

Mit dem gleichen Argument könnte man auch ganz direkt die Übertragung der Regierungsgewalt auf die Ratingagenturen fordern – das würde uns viel Geld sparen, das wir momentan noch für die Demokratiefassade ausgeben.

Das sollte man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: öffentliche Erpressung von Regierungen durch … Ratingagenturen.

Wieder mal ein Fall für das Militär. Dafür hat man so etwas doch: zum Schutze der staatlichen Souveränität vor fremden Mächten. Jedenfalls hatte man mir das in der Schule so beigebracht.

Wir können den Tag heute feiern. Heute haben wir das erste mal öffentlich zu hören bekommen, das die Eigentumsrechte der deutschen Bevölkerung an den deutschen Werten und Errungenschaften sowie sein Selbstbestimmungsrecht genauso in Gefahr sind wie die Rechte der Griechen an ihrem Leben.

Dieser Tag könnte der „1.September 1939“ des neuen Jahrtausends werden, jener Tag, an dem offensichtlich wurde, das sich in Zukunft ganz ganz ganz viel ändern wird, ohne das wir auch nur die geringste Chance haben, etwas daran zu verändern, weil wir nicht im mindesten verstehen, was da gerade um uns herum eigentlich los ist.

Wenn wir dann auch neben den Griechen und unseren Arbeitslosen auf der Straße stehen, werden wir das vielleicht endlich bemerken. Das wird dann auch der Zeitpunkt sein, wo man für 1,5 Millionen Euro noch nicht mal mehr einen Flummi kaufen kann … geschweige denn zwei.

 

 

 

 

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