Staat

This tag is associated with 31 posts

Ordensburg Vogelsang – Knast für Meinung

Sonntag, 18.12.2011, Eifel, eigener Bericht. Im Handelsblatt philosophiert gerade der amtierende deutsche Großphilosoph Peter Sloterdijk über das Ende der Welt - jedenfalls der Welt, wie wir sie kennen:

Die Regierungen verpfänden die Luft über ihrem Staatsgebiet, und Banken atmen tief durch. Wenn man es sich recht überlegt, ist das haarsträubend. Das wird möglicherweise europaweit eine Desorientierung von historischen Größenordnungen auslösen, möglicherweise vergleichbar mit dem moralisch-ökonomischen Super-GAU der Jahre 1922/23, der Hyperinflationszeit.

Vor der Kulisse dieser aktuellen Bedrohungslage wirken manche Probleme sehr klein - obwohl sie deutlich demonstrieren, wo es hakt in diesem Lande. Wir hatten ja an dieser Stelle schon gelegentlich von der Ordensburg Vogelsang berichtet - eine denkmalgeschützte Hinterlassenschaft der Nazizeit, einem Ort, wo man in Ruhe jenem Geist nachspüren kann, der vor 80 Jahren Millionen Deutsche in Ekstase versetzt hat ... ich denke, das darf man so sagen, ja?

Sonntag, 18.12.2011, Eifel, eigener Bericht. Im Handelsblatt philosophiert gerade der amtierende deutsche Großphilosoph Peter Sloterdijk über das Ende der Welt – jedenfalls der Welt, wie wir sie kennen:

Die Regierungen verpfänden die Luft über ihrem Staatsgebiet, und Banken atmen tief durch. Wenn man es sich recht überlegt, ist das haarsträubend. Das wird möglicherweise europaweit eine Desorientierung von historischen Größenordnungen auslösen, möglicherweise vergleichbar mit dem moralisch-ökonomischen Super-GAU der Jahre 1922/23, der Hyperinflationszeit.

Vor der Kulisse dieser aktuellen Bedrohungslage wirken manche Probleme sehr klein – obwohl sie deutlich demonstrieren, wo es hakt in diesem Lande. Wir hatten ja an dieser Stelle schon gelegentlich von der Ordensburg Vogelsang berichtet – einer denkmalgeschützte Hinterlassenschaft der Nazizeit, einem Ort, wo man in Ruhe jenem Geist nachspüren kann, der vor 80 Jahren Millionen Deutsche in Ekstase versetzt hat … ich denke, das darf man so sagen, ja?

Man findet dort denkwürdige Hinterlassenschaften, die irgendwie eher an eine Religion erinnern denn an eine politische Bewegung – einer Religion der emotions- und mitleidlosen Naturwissenschaften im Dienste einer esoterischen Bewegung. Ähnliche Tempel hatte der Kommunismus auch aufzuweisen – möglicherweise orientiert man sich hier gerne an den Pharaonen- und Cäsarenkult, weil das im Rahmen des Parteimarketings immer gut ankommt.  Geschichtlich – ein wichtiger Ort, ein lehrreicher Ort, landschaftlich wunderschön gelegen – fernab vom Treiben der großen Städte.

Viele Menschen haben das erkannt, haben sich zu ehrenamtlichen Burgführern ausbilden lassen, die den Besuchern neben der Natur auch die Geschichte näherbringen – mit großem Erfolg. Genau jene Menschen sind es, die Vogelsang mit Leben füllen, wie eine von ihnen jüngst den Aachener Nachrichten erzählte:

„Es wäre toll, wenn wir alle
diese Neubauten bekämen.
Aber ehrlich gesagt: Vogelsang
kann auch ohne all das
sinnvoll mit Leben gefüllt
werden.“
AGGI MAJEWSKI,
REFERENTIN AUF VOGELSANG

Frau Majewski arbeitet als Wanderführerin und Führerin auf Vogelsang und war einst stellvertretende Landrätin.

Der Hintergrund der Äußerung: die Pläne für den Einsatz von Steuermitteln waren zu hochtrabend: unversehens ist ein EU-Großprojekt daraus geworden, was alle bisherigen Pläne über den Haufen schmeißt. Pech für jene, die jetzt schon in Erwartung der sprudelnden Steuermillionen einen Kredit aufgenommen hatten, um den neuen Audi pünktlich zum Fest zu bekommen.

In Vogelsang kann man dem Nationalsozialismus noch leibhaftig begegnen, nebenan gibt es den nagelneuen Nationalpark: ein Traum für Schulklassen, die wohl den Schwerpunkt der Besucherströme bilden: am 9.5.2011 war – nach sechs Jahren – der 1.111.111 Besucher im Nationalpark angekommen: wohlgemerkt im Nationalpark, nicht in der Ordensburg. Dort herrscht meistens Ruhe und Leere, was bei der Besinnung auf Historisches sehr dienlich sein kann. Ich persönlich schätze die Stille auf Vogelsang sehr.

Nun hat Vogelsang auch einen Wanderführer, der neben seinen Engagement für Natur und Geschichte ein besonderes Anliegen hat: Sven Kraatz engagiert sich gegen den geplanten Hotelneubau auf Vogelsang. Vor seinem Hintergrund – verständlich. Erst recht kann er als Bewohner des nahen Gemünd die Situation vor Ort annähernd praxisnah einschätzen – womöglich handelt es sich hierbei um eine Investorenfalle, wo doch in der Nähe schon althergebrachte, historisch gewachsene Traditionshäuser seit langer Zeit leer stehen und für einen Minimalbetrag  zum Verkauf angeboten werden: 22500o Euro für dieses Hotel wirkt  – wie nachgeworfen. Aber angesichts der vielen leerstehenden Objekte dieser Art dürfte es schwierig sein, Traumpreise zu erzielen.

Sven Kraatz engagiert sich nun sehr für Vogelsang – und gegen dieses Hotel. Ich habe ihn auf einem Flohmarkt an seinem Stand kennengelernt – er ist ein Mensch, der durch seinen Idealismus und Standfestigkeit überzeugen kann – weit jenseits ideologischer Verblendungen oder neidvollen Eiferertums setzt er sich für jenen Ort ein, dem er sein Ehrenamt gewidmet hat. Seine Argumente sind auf den ersten Blick plausibel – sein Schicksal jedoch ist besorgniserregend, denn:

IHM DROHT GEFÄNGNIS. 

Nach eigenen Angaben hat Vogelsang schon mehrfach versucht, seine Internetseite verbieten zu lassen – bislang ohne Erfolg. Jetzt haben sie einen anderen Weg gewählt, ihn mundtot zu machen:

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Aachen wird gegen Sie
wegen Hausfriedensbruchs in 7 Fällen
-Vergehen nach §§ 123, 53 StGB eine
Gesamtgeldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 30,00 Euro (= 1.800,00 Euro)
festgesetzt.
Gemäß § 465 StPO werden Ihnen die Kosten des Verfahrens auferlegt.
Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Sie,
in der Zeit vom 30.04.2011 bis 03.09.2011 in Schleiden

durch 7 selbständige Handlungen
widerrechtlich in das befriedete Besitztum eines anderen eingedrungen zu sein.
Ihnen wird Folgendes zur Last gelegt:
Sie hielten sich ungeachtet des durch den Zeugen Fischer-Rheinbach am 11.04.2011
erteilten Hausverbots in dem befriedeten Besitztum Camp Vogelsang in Schleiden auf am:
1) 30.04.2011,
2) 01.05.2011,
3) 21.05.2011,
4) 04.06.2011,
5) 10.07.201.1,
6) 14.08.2011 und
7) 03.09.2011
SIP 66 DV-Strafbefehl (§ 409 StPO)

(Zitat aus Strafbefehl, Kopie liegt der Redaktion vor).

Hausfriedensbruch ist eine schlimme Straftat, sicherlich. Man kann nicht einfach so in das Besitztum eines anderen eindringen, bloß weil man es da schön findet.

Allerdings … kam Herr Kraatz als geladener Gast, siehe Website Vogelsang:

Das Gelände der NS-„Ordensburg“ Vogelsang ist heute ein offener und lebendiger Ort europäischen Ranges. Natur, Kultur und Bildung finden an diesem internationalen Platz im Nationalpark Eifel zusammen. Menschen jeder Nationalität sind eingeladen, diesen besonderen Ort zu erleben und seine Zukunft mit eigenen Projekten mitzugestalten.

Der Ort scheint nicht offen zu sein, nicht lebendig – und es scheinen auch nur bestimmte Menschen erwünscht zu sein,  diesen besonderen Ort zu erleben und seine Zukunft mit eigenen Projekten mitzugestalten. 

Auf Nazi-Ordensburgen herrschte seit jeher schon ein besonders elitärer Geist, der nicht für alle Menschen gedacht war – aber ich hatte gedacht, man wolle das ändern? Was stört an einem engagierten Bürger, der ein wirtschaftlich riskantes, die Würde des Ortes beleidigendes Großprojekt ablehnt? Er verteilt nur kleine Zettelchen, schreibt Gedichte, hat einfach eine Meinung.

Oder gehört Vogelsang dem Herrn Fischer-Rheinbach persönlich?

Wer ist der „Zeuge“ überhaupt?

Er ist Geschäftsführer der Standortentwicklungsgesellschaft Vogelsang – wer will, kann ihn leicht erreichen, siehe Beteiligungsbericht des Kreises Düren:

Dort erfährt man auch etwas vom Sinn und Zweck der Standortentwicklungsgesellschaft:

Gegenstand des Unternehmens ist die nationalparkverträgliche, denkmalgerechte und geschichtsverantwortliche Entwicklung des Standortes Burg Vogelsang gemäß dem Leitbild vogelsang ip zu einem „Internationalen Platz im Nationalpark Eifel“. Die Gesellschaft führt die begonnenen Konversion fort und übernimmt die Steuerung der Gesamtentwicklung des Standortes unter Berücksichtigung der Interessen des Nationalparks Eifel der Nationalparkregion, insbesondre hinsichtlich der Kernnutzungen

Man erfährt auch etwas über die Hintergründe der Gesellschaft:

Die Gesellschaft hat einen Aufsichtsrat. Dieser besteht aus 13 Mitgliedern. 7 Mitglieder werden von der Region entsandt. Dem Kreis Euskirchen stehen 3 Entsendungsmandate, der Stadt Schleiden 2 und der
Städteregion Aachen und Düren jeweils 1 Mandat zu. Das MWME wird
4 Mitglieder entsenden, die Bundesanstalt 2 Mitglieder.
Der Aufsichtsrat berät über die Vorlagen für die Beschlussfassung der
Gesellschafterversammlung und gibt Beschlussempfehlungen ab. Er
hat die Geschäftsführung zu fördern, zu beraten und überwachen. Er
beschließt insbesondere über die in § 7 Abs. 4 des Gesellschaftsvertrages aufgeführten Geschäfte.

Die Besetzung der Organe gestaltet sich wie folgt:

Geschäftsführung: Fischer-Reinbach, Thomas
Aufsichtsrat: Kreis Euskirchen 3 Sitze 23,08 %
Stadt Schleiden 2 Sitz 15,38 %
Städteregion Aachen 1 Sitz 7,69 %
Kreis Düren 1 Sitz 7,69 %
MWME-NRW 4 Sitz 30,77 %
Bundesanstalt für Immobilienaufgaben
2 Sitze 15,38 %

MWME ist das NRW-Wirtschaftsministerium. Kurzum: die Firma ist ein … Bürgerprojekt. Bürger finanzieren mit ihren Steuern den ganzen Apparat von oben bis unten, Lokalpolitiker besetzen die Gremien – dem normalen Unternehmer graust es schon jetzt.

Der Kreis Düren hat für die laufende Finanzierung der Standortentwicklungsgesellschaft Vogelsang mbH 27.000 € in 2009 Höhe gezahlt.

Und so zahlen alle beteiligten Städte, Kreise und Ministerien Steuergelder  in den großen Topf ein, damit sich ihr Geschäftsführer als Hauseigentümer aufführen kann – dabei ist er nur ein bezahlter Angestellter … mit momentan deutlich mehr Kosten für den Steuerzahler als der Wanderführer, der eine sichtbare Leistung kostenlos erbringt.

Ganz erstaunt ist man als Bürger, wenn man die öffentlichen Ausschreibungen studiert:

Der Auftraggeber ist die Standortentwicklungsgesellschaft Vogelsang GmbH (nachfolgend SEV). Im Auftrag der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) und des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW (MKULNV) wird SEV ein Grundstück der BImA zur Realisierung einer Nachnutzung veräußern.
Die Fläche ist 16 099 qm groß und mit der denkmalgeschützten Immobilie „Ostflügel Malakoff“ bebaut. Sie ist Teil des 100 Hektar großen Areals der ehemaligen NS-„Ordensburg“ Vogelsang, welches im Südwesten von Nordrhein-Westfalen in der Dreiländerregion Deutschland, Belgien und Niederlande liegt. Dort entsteht zurzeit eine internationale Tourismus- und Bildungsdestination unter der Dachmarke „vogelsang ip | Internationaler Platz im Nationalpark Eifel“.
Gesucht wird ein Investor, der das Grundstück zu einem Mindestkaufpreis von 241 485,00 EUR (gutachterlich festgestellten Wert) kauft und zur Ansiedlung des Nationalparkforstamtes entsprechend dessen Belangen beplant, umgebaut und langfristig an das Land NRW, vertreten durch den Leiter des Landesbetriebes Wald und Holz NRW, vermietet. Das Angebot des Bieters umfasst hierfür neben dem Grundstückskaufangebot und dem Mietangebot ein eigenes architektonisches und ein freiraumplanerisches Konzept.

Der kauft ein Grundstück für 241 485 Euro vom Staat, um danach Miete dafür zu kassieren? Es geht immerhin um große Summen:

Geschätzter Gesamtauftragswert über die Gesamtlaufzeit der Rahmenvereinbarung

Geschätzter Wert ohne MwSt: 
Spanne von 4 000 000,00 bis 7 000 000,00 EUR

Und wieviel bezahlt man pro Quadratmeter Bauland?

15 Euro.

Traumpreise, oder? Gut, ist betonierter Grund und eine alte Kaserne steht darauf, aber bräuchte ich gerade Land für mich – ich würde schon mitbieten. Geht noch bis 22.12.2011 – ein Jahr vor dem nächsten Weltuntergang.

Wer verdient daran?

„Berater“ – nochmal zum Bericht aus Düren:

Der größte Aufwandsposten in Höhe von 280.963,48 € (Vorjahr: 285.156,00 €) betrifft
die Geschäftsbesorgung durch die NRW.URBAN GmbH & Co. KG. Weiterer Aufwand fiel an im
Bereich der Werbekosten über 14.529,29 €, für Marketing und Vermarktung, sowie Beratungsleistungen für Infrastruktur über 15.232,00 €.
Finanzlage

Mit dem Beratungshonorar der NRW.URBAN GmbH & Co. KG hätten die das Grundstück geschenkt bekommen können – und noch was übrig gehabt. Man merkt: Staat und wirtschaften hängen nicht so direkt zusammen. Schnell denkt man an die Verschleuderung von „Sahnestückchen“ im Immobilienbereich, damit nur die Berater, Planer und sonstige Arbeitslose schnell an Geld aus der Staatskasse kommen.

Hören wir Vogelsang selbst:

Das bemerkenswerte Entwicklungskonzept und das in Europa einmalige Umfeld bieten zum Vorhaben passenden Geschäftsideen und Projekten einzigartige Perspektiven: Öffentliche Förderung und privatwirtschaftliches Engagement arbeiten effektiv Hand in Hand. Hieraus ergeben sich Synergien, Kooperationen und interessante Investitionsgelegenheiten.

15 Euro für ein „in Europa einmaliges Umfeld“?

Angesichts dieser Preisgestaltung scheint man von dem Wert der Anlage selbst nicht ganz überzeugt zu sein. Aber hören wir noch mehr über die Aufgabe Vogelsangs:

Vogelsang setzt sich bewusst von allen ideologischen und indoktrinären Elementen seiner Vergangenheit ab. Es legt den Schwerpunkt auf eine umfassende Demokratie- und Menschenrechtsbildung und nimmt damit eine aktive Rolle in der deutschen wie internationalen Erinnerungslandschaft ein. Vogelsang ist ein besonderes Konversionsprojekt und bedarf eines angemessenen Umgangs mit Geschichte, Architektur und Gelände.

Und zu dieser aktiven Rolle in der internationalen Erinnerungslandschaft passen natürlich Hausverbote gegenüber unliebsamen Bürgern prächtig ins Bild. Da erinnert man sich gleich an – Bücherverbrennungen, entartetet Kunst, Berufsverbote.

Eigentlich eine Provinzposse. Kleine Menschen begegnen großer Geschichte – und sind schnell überfordert. Angesichts der Worte des Großphilosophen ändert sich das Bild jedoch schnell:

Das wird möglicherweise europaweit eine Desorientierung von historischen Größenordnungen auslösen

Die ist in Vogelsang wohl schon angekommen: man will wieder Knast für Meinung – oder?

Mal sehen, welche Klagen und Verbotsinitiativen jetzt dieser Artikel auslöst, in dem ich einfach mal sage: Gesellschaften der öffentlichen Hand sollten engagierten Bürgern auf öffentlichem Grund kein Hausverbot erteilen, noch ihre Existenz durch überzogene Klagen gefährden.

Dafür … bezahlt der Bürger nämlich nicht die üppigen Gehälter.

Dafür nicht.

 


 

 

Euro-Bonds, Wunderwaffe oder Kopfschuss für die 0017er Staaten?

EUR-OPA: Liebe Kinder, wir müssen heute mal wieder über ein ganz ernstes Thema reden, nämlich über die Euro-Bonds. Nein nein, dass sind nicht die vielen 007-James der europäischen Geheimdienste, hier geht es um das ganz große Geld und noch viel gefährlichere Waffen, die das Zeugs dazu haben ganze „Kontonente“ (ist die Weiterentwicklung der Kontinente durch die Banken) zu ruinieren. Es geht dabei um Monstersummen an Euros die unsere Politiker bewegen um uns ein friedliches Europa bei den Banken zu kaufen. Da werden nun ganz große Geschütze aufgefahren und wir wollen mal ein wenig beleuchten womit und wohin da geschossen werden soll. Natürlich rechnen wir dabei auch wieder ein wenig, weil es das Hirn trainiert und nur Sachen die man richtig berechnen kann wird man am Ende auch verstehen.

Was sind nun Bonds und Euro-Bonds?

Also, bislang war es so, dass jeder Staat von den 0017 Euro Teilnehmern seine Staatsfinanzen selber hoheitlich regelte und auch entsprechende Kredite in Form von Euro-Staatsanleihen aufnahm, sprich Schuldscheine verkaufte. Die nannten sich dann griechische, spanische oder auch deutsche Staatsanleihen. Jetzt sind aber die Schweine (PIGS) durch den europäischen Vorgarten gebrettert und haben am Finanzmarkt eine arge Verwüstung hinterlassen, die dazu führte dass die Banken den PIGS die Gelder nicht mehr so günstig wie bisher überlassen wollten. Bedauerlicherweise sind diese Staaten eh schon so gut wie pleite. Deshalb haben ganz schlaue Köpfe darauf hingewiesen dass es sich diese Länder eigentlich gar nicht leisten können so horrende Zinsen zahlen zu sollen und da war die Not gleich noch viel größer. Nun haben die Banken auch noch ihre Rating Agenturen beauftragt die entsprechenden Länder soweit runter zu raten dass man an diesen potentiellen Leichen erst richtig gut Geld verdienen kann. Dass haben die Rate-Agenturen auch weisungsgemäß gemacht und jetzt sind diese Länder völlig im Arsch und müssen besonders hohe Zinsen zahlen weil sie gar kein Geld haben.

Was soll sich zur bisherigen Situation ändern?

Weil es natürlich auch noch solvente Staaten unter den 17 gibt, haben die Banken sich gedacht, wenn die schon eins auf Familie mimen wollen, dann sollen doch die übrigen Familienmitglieder mal in die Tasche fassen und für die PIGS bezahlen. Dann könnte man das Geld für diese Länder wieder billiger hergeben. Anfangs hat man den Banken einfach nur Rettungspakete vor die Füße geworfen damit die das Maul halten, aber die haben immer noch bessere Ideen gehabt wie man an das Geld der Leute herankommt die noch welches haben. Der letzte Schrei ist jetzt folgender: die Familie der 0017er soll gemeinschaftliche Staatsanleihen unter dem Label „Euro-Bonds“ ausgeben. Da haftet dann jeder für jeden und der Bank tut es dann auch nicht mehr so weh wenn mal ein Familienmitglied zwischendurch ohnmächtig wird oder gar verstirbt, weil doch der Rest der Sippe dann die Zeche zahlt. Sprich, von den bisherigen Länder-bezogenen Staatsanleihen will man zu einem einheitlichen Format gelangen welches die EZB verwalten soll und alle Euro Teilnehmer kriegen dann ihre Kontingente über diesen Topf aus Brüssel zugewiesen. Natürlich müssen sie dafür auch ein wenig Haushaltshoheit an die Kommissare abgeben, dieses Prunkstück nennt sich dann Wirtschaftsregierung mit Sitz in Brüssel. Letzteres macht aber nix, weil die nicht gewählt werden müssen und deshalb ganz unabhängig sind. Das hat zwar nichts mehr mit Demokratie zu tun, aber die Banken stört dass nicht, es müssen nur zuverlässig und pünktlich die Zinsen abgedrückt werden … solange ist alles gut.

Wo liegen die Vor- und Nachteile, was ist mit den Kosten?

Der größte Vorteil dürfte zunächst darin liegen dass so nahezu alle Banken gerettet werden können, diese keine Zahlungsausfälle mehr befürchten müssen und weil alle Steuerzahler dieser 17 Staaten jetzt gesamtschuldnerisch (jeder für jeden) für die Erfüllung aller Verpflichtungen gegenüber den Banken haften. Als größte soziale Gemeinschaftsaufgabe von gut 500 Millionen Menschen ist dies ein völlig neuartiges Projekt, welches in der Geschichte dieser Erde beispiellos ist. Aber die Banken bedanken sich fein artig – wenn auch etwas nörgelig – weil sie sicher gerne noch etwas mehr verdient hätten für die harte Arbeit die sie Tag ein Tag aus leisten, um die Menschen von ihrem Geld zu befreien.

Jetzt dürfen wir mal wieder rechnen, dass ist auch ganz spannend, denn es gibt tatsächlich richtige Gewinner in dieser Geschichte. Nehmen wir mal die vier Problemländer Griechenland, Portugal, Irland, Spanien: Die haben zusammen etwas mehr als 1 Billion Schulden und weil sie so mies sind müssten sie dafür rund 7 Prozent Zins oder mehr zahlen, also rund 75 Milliarden Euro. Die restlichen Staaten haben rund 6 Billionen Schulden, die sie aufgrund ihrer guten Bonität locker für 3 Prozent Zins einkauften, also rund 180 Milliarden Zins pro Jahr dafür zahlen, alle zusammen müssten dann rund 255 Milliarden Zinsen an die Banken abdrücken.

Welche Staaten (Quelle: Wikipedia, Stand 2009)

Schulden
in Mrd.

Zinssatz
in %

Zins in
Mrd. Euro/a

€-Staaten ohne PIGS

5.998,70

3,00

179,96

 

Portugal, Irland, Griechenland,
Spanien – (PIGS)

1.063,70

7,00

74,46

Summe Zinsen bisher

254,42

Alle 17 €-Staaten
nach Euro-Bonds

7.062,40

5,00

353,12

Jetzt macht die Bank eine feine Mischkalkulation und sagt, wenn ihr alle zusammen, gute wie schlechte Familienmitglieder, jetzt Euro-Bonds haben wollt, dann machen wir euch das für 5 Prozent Zins über alles. Und schwups, jetzt zahlt man für zusammen 7 Billionen Schulden pro Jahr 353 Milliarden an Zinsen. Der Gewinner ist: zunächst natürlich die Banken, die tun sich jetzt für das gleiche Geschäft halt rund 100 Milliarden Euro pro Jahr mehr ins Säckel, weil doch das Risiko ach so groß ist und alle haften. Allein die Verwaltung ist mörderisch, dafür müssen wenigstens 5 Personen zusätzlich eingestellt werden (die 10.000 Entlassungen bei den Banken wegen anderer Vereinfachungen und schlechter Aktienkurse spielen hier jetzt gar keine Rolle). Und die zweiten Gewinner sind: Die PIGS natürlich, weil die die Kohle jetzt billiger kriegen. Ok, weil es unsozial wäre soll man über Verlierer nicht reden, die könnt ihr euch jetzt selbst errechnen, wer da die 100 Milliarden zusätzlich berippeln muss.

Das schönste an diesem Geschäft ist natürlich, wir wollen es nicht unerwähnt lassen: all das Geld was da benötigt wird, schenkt grundsätzlich die EZB den Banken für 0-1,5 Prozent Leitzins, damit die selbiges frisch geschöpftes Geld für die erwähnten 5% an die Staaten verleihen kann. Ihr fragt jetzt nach dem Sinn dieser Aktion? Warum die EZB den Staaten die Kohle nicht direkt zu 0,00 Prozent zur Verfügung stellt, wenn sie das Geld schon frisch erfindet? Dass geht nicht, weil die Banken dann keine Zinsen mehr bekämen und die reichen Leute, denen die Banken gehören, daran verarmen könnten. Sicher sind auch ein paar Sparer darunter und andere Anleger, aber Du und ich sind da nicht nennenswert vertreten. So etwas ist im Kapitalismus auch nicht wirklich vorgesehen. Wichtig ist nur, dass ihr für dieses erfundene Geld fleißig arbeitet damit die Geldberge weiterhin schön wachsen und gedeihen. Jetzt seht ihr auch wie wichtig die Banken sind und weshalb ohne die rein gar nichts läuft, denn wer will schon Landschaften ohne Geldberge haben, sähe dann ja aus wie Wüste.

Wie wird die Geschichte enden?

Weil nun das Geld auf der einen Seite und die Schulden auf der anderen immer mehr werden – es geht halt nicht anders – weil die Banken sich dass so ausgedacht haben und es deshalb kapitalistisches Gesetz ist, wird es wie folgt kommen. Die Euro-Bonds sollen den Finanz-Supergau noch ein wenig weiter hinauszögern, um das Maximum an Zinsen aus den Leuten aller Staaten rausquetschen zu können bevor die alle absehbar wie Dominosteinchen umfallen. Dieser Tag wird dann sein, wenn alle Arbeitskraft der Euro-Bonds-Staaten-Menschen nicht mehr ausreichen wird den Zinsdienst für das erfundene Geld bedienen zu können. Das interessiert allerdings das Geld nicht, es muss strikt nach Plan und pünktlich bedient mit reichlich Zinsen gefüttert werden, sonst bekommt man sein AAA Prädikat nicht und muss dann noch mehr zahlen wenn man kein Geld hat, wie oben bereits erwähnt.

So ihr Lieben, dass was ihr hier jetzt auf dieser Seite gelernt habt, dass schaffen unsere Politiker ihr ganzes Leben nicht zu lernen, oder sie wollen es halt nicht. Und jetzt habt ihr auch verstanden warum diese Waffe so gefährlich ist. Man muss damit gar nicht so genau zielen, man trifft immer und deshalb können die Banken richtig stolz auf diese Neuentwicklung sein. Sie können bedenkenlos alle Mitgliedsstaaten des Euro mit dieser Wunderwaffe ausstatten, denn sie haben die absolute Gewissheit, sofern einer damit auf sie zielt, dann trifft der garantiert immer den Richtigen. Deshalb sind die auch völlig furchtlos wenn damit mal einer zum Ballern bei denen vorbeikommt.

Zum Abschluss ein wenig Balsam für die Seele und für das gute Gefühl.

Ihr müsst euch jetzt nur vorstellen – es ist ja der Traum von einem Europa – dass wir alle eine ganz große Familie sind. Egal ob einer viel oder wenig arbeiten kann, ob er strukturelle Defizite hat oder nur schlechte Ausgangsvoraussetzungen … jetzt sind wir alle gleich … dank der Banken und der Euro-Bonds. Und wenn euer Nachbar mal seine Kredite nicht zahlen kann; macht doch nix, dafür seid ihr ja da. Auf gut Deutsch: die Leute in Europa waren noch nie sozialer als heute. Deshalb kommen sie auch mit sinkenden Löhnen gut zurecht, retten die Banken und erfreuen sich daran wenn es den ganz Wenigen, denen die Banken gehören, richtig gut geht. So stellen wir uns den aufgeklärten Europäer vor, ein echter Weltenbürger von Format. Und wer von euch hätte gedacht dass der Sozialismus ein weiteres Mal ausgerechnet von Banken erfunden werden sollte? Clevere Kerlchen nicht wahr!

Mit Dank an:

WiKa von der Nachrichtenagentur QPress

Der brutale Kampf um die Macht: Bürgerkrieg in Deutschland 2011

Der letzte wirklich echte Philosoph war Arthur Schopenhauer. Er war der letzte, der es wagte, alles Einzelwissen zu einem großen Bild zu vereinen. Seitdem - arbeiten wir anders. Wir gründen immer neue Wissenschaften, die sich immer mehr in die Details einarbeiten, aber für das große Bild interessiert sich keiner mehr. Immerhin: wer hätte als Einzelner schon den Mut, sich einer Armee von Einzeldisziplinen in den Weg zu stellen? Dabei liegt hierin gerade die große Chance unserer Zeit - wir kommen gar nicht mehr daran vorbei. Wenn wir alles Missbehagen an der Kultur nicht dem Wirken dunkler menschenfeindlicher Verschwörer anlasten wollen, dann brauchen wir eine neue Philosophie, hinter der sich Menschen vereinen können. Kapitalismus und Kommunismus waren einmal solche Philosophien, die sich in erster Linie gegen den Adel richteten (der sich aber - so steht zu vermuten - zu wehren wußte. Adel plant immer langfristig). Deshalb ist es schön zu sehen, das sich wieder einmal jemand an ein großes Werk gewagt hat - zu einer Zeit, die große Werke braucht. Francis Fukuyama, der schon das Ende der Geschichte prophezeit hat, hat ein neues Werk hervorgebracht, eine Beschreibung dazu findet man hier im Handelsblatt. Schon der Titel ist eine Provokation, spricht der doch von dem "Brutalen Kampf um die Macht". So etwas hört der Deutsche nicht gerne.

Der letzte wirklich echte Philosoph war Arthur Schopenhauer. Er war der letzte, der es wagte, alles Einzelwissen zu einem großen Bild zu vereinen. Seitdem – arbeiten wir anders. Wir gründen immer neue Wissenschaften, die sich immer mehr in die Details einarbeiten, aber für das große Bild interessiert sich keiner mehr. Immerhin: wer hätte als Einzelner schon den Mut, sich einer Armee von Einzeldisziplinen in den Weg zu stellen? Dabei liegt hierin gerade die große Chance unserer Zeit – wir kommen gar nicht mehr daran vorbei. Wenn wir alles Missbehagen an der Kultur nicht dem Wirken dunkler menschenfeindlicher Verschwörer anlasten wollen, dann brauchen wir eine neue Philosophie, hinter der sich Menschen vereinen können. Kapitalismus und Kommunismus waren einmal solche Philosophien, die sich in erster Linie gegen den Adel richteten (der sich aber – so steht zu vermuten – zu wehren wußte. Adel plant immer langfristig). Deshalb ist es schön zu sehen, das sich wieder einmal jemand an ein großes Werk gewagt hat – zu einer Zeit, die große Werke braucht. Francis Fukuyama, der schon das Ende der Geschichte prophezeit hat, hat ein neues Werk hervorgebracht, eine Beschreibung dazu findet man hier im Handelsblatt. Schon der Titel ist eine Provokation, spricht der doch von dem „Brutalen Kampf um die Macht“. So etwas hört der Deutsche nicht gerne, das hört sich politisch unkorrekt an.

Trotzdem … mag es wahr sein.

Fukuyama spannt einen großen historischen Bogen um eben jenen brutalen Kampf um die Macht, der letztlich der Kampf des Stammes gegen den Staat ist – und es ist nicht ausgeschlossen, das die Stämme letztlich gewinnen. Wer meint, das Thema sei jetzt zu philosophisch, der irrt, denn der Kampf Staat gegen Stamm tobt momentan gerade mit unerbittlicher Härte … nur sehen wir das nicht, weil wir die Perspektive nicht haben.

Ein Beispiel: die CSU randaliert gerade gegen die Bildungspläne der CDU, so berichtet die Welt. Der Hintergrund ist furchterregend: es gibt Pläne für „Erziehungsverträge“ mit Eltern, die festlegen sollen, was Eltern bei der Erziehung zu leisten haben – inklusive der Sanktionen bei Misserfüllung der Verträge. Kinder werden staatliches Eigentum, Eltern unbezahlte Angestellte.

Ein anderes Beispiel: Stämme mit Geld (so kann man ohne weiteres die Netzwerke der – oft Adeligen – Großinvestoren nennen … oder auch die Hedgefonds, Parteien oder Unternehmerverbände) erpressen Staaten zum Zwecke der Aufhäufung leistungsloser Vermögen: die „Rote Pille“ beschreibt das sehr schön und nennt auch die einzig mögliche Lösung unserer Probleme: die sofortige umgehende Vernichtung aller Staatsschulden weltweit durch einen Willensakt des Souveräns.

Das könnten wir. Niemand könnte uns daran hindern, das sofort morgen zu tun. Es würde den reichen Stämmen (früher: Adelsclans) weniger Zinsen einbringen, sie müssten – oh Graus – eventuell sogar wieder arbeiten gehen anstatt von Steuergeldern (Zinsen kommen letztlich alle daher)  zu leben, aber: anders kommen wir Bürger da nicht heraus.

Das wissen auch die reichen Stämme (auch: „Familien“ genannt), weshalb die uns massiven Konsumverzicht predigen wollen, damit die weiter ihre Zinsen bekommen – anders kann ich den Aufruf zum Sparen für Staaten und Private in der Baseler Zeitung kaum verstehen. Das sich Griechenland durch die Sparmaßnahmen aktuell in einen Unternehmensfriedhof verwandelt, stört die angeblichen Apostel der freien Wirtschaft nicht, längst hat sich die Zinswirtschaft von der Volkswirtschaft und den real produzierenden Unternehmen verabschiedet und führt ein geisterhaftes Eigenleben im virtuellen Raum, welches in Folge – wenn wir nichts ändern – in „grauenhafte Szenarien“ umschlagen kann – jedenfalls sieht das der griechische Vizepremier laut Süddeutscher Zeitung so.

Das auf uns zunehmend Kriege, zunehmende Polizeibrutalität und zunehmende politische Lügen warten, wird von manchen Experten offen geäußert, die Praxis der USA bei der „Terrorbekämpfung“ zeigt, das wir uns als zivilisierter Westen schon lange von unseren Werten verabschiedet haben: Kampf um die Macht ist halt brutal und kein Sängerstreit.

Politische Lügen? Besuchen wir einfach mal die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit am 27.6.2011, um uns davon zu überzeugen, das die Arbeitslosigkeit dieses Land nicht mehr heimsucht. 3,2 Millionen „Bewerberprofile“ warten dort auf uns – und 844 000 offene Stellen. Offiziell haben wir aber gar keine 3 Millionen Arbeitslosen mehr – jedenfalls in manchen Medienberichten, die wohl anders zählen als die BA. Dafür haben wir aber Hartz IV, den brutalen Eingriff des Staates in das Leben des Souveräns. Des Staates? Einfach mal schauen, wer genau alles an dem Gesetz gebastelt hat, dann sieht man, das Hartz IV das Signal war, das die Stämme (oder auch: Verbände) den Staat überwältigt haben. Der König ist zugunsten des Adels entmachtet worden: Bürgerkrieg wäre angesagt, denn Hartz IV stellt eine Zäsur des bürgerlichen Lebens da, die es so nie zuvor gab. Da gibt es auch die – eigentlich verbotene – Sippenhaft, die drastisch wird, wenn man es wagt, mit einem „Hartz-Abhängigen“ eine Beziehung einzugehen. Die Frankfurter Rundschau berichtet aktuell von dem Horror, der dann auf einen wartet: Hartz IV als Beziehungskiller.

Da hilft nur Bürgerkrieg – oder aufgeben.

Noch ein Beispiel? Was geschieht, wenn ein Stamm zur Macht kommt: ein Stamm, der sich friedlich gab, friedensbewegt war, gegen Atom und für den Bürger? Er verrät seine Werte, sobald die Macht in die Nähe kommt, wie aktuell die Grünen bei ihrem Schulterschluss mit Schwarz-Gelb. Wichtig ist der Stamm – nicht der Staat, der Bürger oder die Umwelt. Deutlicher als bei den Grünen kann man das kaum noch zeichnen, allerdings geben sich die Linken gerade Mühe, das gleiche noch einmal zu wiederholen – diesmal jedoch mit sozialen Themen.

Fukuyamas Perspektive – ich denke, das merkt man schnell – ist nicht aus dem Nichts gegriffen.

Warum erfahren wir da nichts mehr drüber? Warum ist diese für uns existentiell wichtige Perspektive in den Medien kaum zu finden? Weil die Stämme (Clans, Familien, Bruderschaften) – wenn man sie nur lange genug wachsen lässt – alle Machtpositionen infiltrieren und Gegenmächte systematisch abbauen. Auch wenn sie untereinander zerstritten sind wie CDU und SPD, so haben sie doch den Souverän (den König, um im Bild zu bleiben) als gemeinsamen Feind, der ihnen den Zugriff auf die Steuergelder verwehrt – was es zu verhindern gilt. Dazu braucht man nicht immer Killerkommandos, dazu reicht es manchmal, wenn man die wirtschaftliche Basis eines Berufsstandes austrocknet. Verdient der italienische Journalist zum Beispiel nur noch fünfzig Cent pro Artikel, erhängt er sich im Garten … oder schreibt brav nach Vorschrift. Tut er das nicht, macht es eben ein anderer.

Zu den Wenigen, die sich dem System nicht unterwerfen, gehört John Pilger, dessen Interview gerade im Publik-Forum erschienen ist. Es sind klar Worte zum Zustand der Medien – und des politischen Systems in dem wir uns befinden, Worte, die ich niemandem vorenthalten möchte:

Wir im demokratischen Westen sind gut darin trainiert, unsere Regierungen als wohlmeinend und »außergewöhnlich« zu betrachten, besonders die Amerikaner. Wenn wir die jüngste Vergangenheit Europas sowie Amerikas Eroberung des eigenen Landes betrachten, ist das ein bemerkenswerter Mythos. Lesen Sie die Dokumentation im Werk des amerikanischen Historikers William Blum: Seit dem Zweiten Weltkrieg haben die USA fünfzig Regierungen gestürzt und zerschlagen, darunter viele Demokratien, und zahlreiche Befreiungsbewegungen zerstört.

Das wissen wir alle – und zwar schon lange. Unser „Training“ hindert uns jedoch daran, das auch wirklich wahr zu nehmen und das Wissen konsequent umzusetzen. Gegen die wahre Macht im Staat sind wir mitlerweile ohnmächtig, was uns gerade am Beispiel von Stuttgart 21 vorexerziert wird. Das wird gebaut, ob wir wollen oder nicht. Und wir werden schon Mühe haben, das zu erkennen, weil „Medien“ oft nur „Agenten der Macht“ sind:

Die Ursache dafür ist, dass der überwiegende Teil des institutionellen Journalismus an einem etablierten Konsens festhält – der die Prioritäten des Staates mit umfasst – und deshalb sehr voreingenommen und, wenn Sie so wollen, »unausgewogen« ist. Wer sich weigert, zu dieser Mediengöttlichkeit zu stehen, ist ein Ketzer – doch eigentlich sprechen diese Ketzer die Wahrheit, denn sie sind nicht von den Anmaßungen und Vorurteilen sowie der Disziplin der Institution und deren oft schändlichen Beziehung zum Staat gefesselt. Sie sind die Agenten des Volkes, während institutionelle Journalisten – mit ehrenwerten Ausnahmen – Agenten der Macht sind…

Klare Worte eines Journalisten, der offen sagt, das es die Millionen Toten im Irak nie gegeben hätte, wenn der Journalismus seine Arbeit richtig gemacht hätte. Der Journalismus ist allerdings weitestgehend zur Hofberichterstattung verkommen, weshalb Verschwörungstheorien blühen wie nie. Kein Wunder, wenn ein Peer Steinbrück nach seinem Bilderbergertreffen mit führenden Stammesvertretern plötzlich laut Focus seine Haltung zur Kanzlerkandidatur ändert. Obwohl die Medien beständig dementieren, das diese seit sechzig Jahren ablaufenden geheimen Treffen völlig bedeutungslos und nichtssagend sind, gibt es bei alternativen Medien schon lange den Verdacht, das dort Kanzler gemacht werden.

So finden wir uns – wenn wir Fukuyama folgen – an einem historisch denkwürdigen Punkt: der neue Adel – die Kaste der „Manager“ –  überwältigt den König, der diesmal ein bzw. alle Bürger war. Das klassische Szenario für einen Bürgerkrieg. Der Krieg läuft auch tagtäglich vor unseren Augen ab – wir deuten ihn nur anders. Uns wird deshalb ja auch immer erklärt, das das, was da abläuft, „alternativlos“ ist.

Das ist das neue Element in einer medial vernetzten Massengesellschaft: „Stell´ Dir vor, es ist Krieg und keiner merkts“.

Wir merken es aber – jeden Tag. Wie bei jedem Krieg geht es um unser Geld. Und das greift der neue Adel gerade großflächig ab – woran man sehen kann, das sie den Bürgerkrieg eigentlich schon gewonnen haben. Der König … ist tot. Oder kriegt Hartz IV, was so ziemlich dasselbe ist. Oder … könnte irgendwann im Laufe seines unsicheren Erwerbslebens auch mal auf Hartz IV angewiesen sein – was wahrscheinlich ist.

Der König kann aber wieder auferstehen, neu geboren werden. Wir werden ihn brauchen, um die Macht der Stämme zu brechen, die ansonsten die Staaten zerreissen werden. Das ist gut für den Stamm, aber schlecht für das Individuum. So unangenehm der Staat auch ist … wir brauchen ihn, um die Stämme daran zu hindern, das Volk zu vergewaltigen.

Und wir werden uns langsam mit dem Gedanken anfreunden müssen, das wir nach Abschluss der Verhandlungen Gewalt anwenden müssen. Der Kampf um die Macht ist halt … brutal. Das Startsignal ist eigentlich schon gegeben: es wird nicht mehr verhandelt, Politik ist alternativlos geworden.

Einfach mal die Griechenlandberichterstattung querbeet lesen: der Steuerzahler wird nicht darum herumkommen, zu bezahlen – so oder so.

Wenn die Griechen laut Focus gegen die „oberen Zehntausend“ revoltieren, so zeigen sie, das sie das Prinzip verstanden haben: der Adel muss wieder weg, wieder einmal sind wir in einer historischen Situation, wo er das Land erwürgt.

Doch die Aufgabe ist jetzt ungemein schwieriger geworden … schnell wird aus einer Gegenbewegung nur ein neuer Stamm, der sich mit den anderen Adeligen die Macht teilt. Folgen wir Fukuyama in seiner Deutung … dann müssen wir uns vielleicht mit dem Gedanken anfreunden, was der Traum vom freien Individuum ausgeträumt ist, denn auch wenn der Stamm gewinnt: innerhalb des Stammes gibt es soviel Freiheit wie innerhalb eines Großkonzerns. Man ist solange frei, wie man das macht, was der Patriarch sagt.

Und das merken gerade ebenfalls viele … in Firmen, Verbänden, Konzernen, Familien, Parteien, Kirchen und anderen stammesähnlichen Verbindungen, die den Staat gerne ausgelöscht sehen, um sich selbst besser entfalten zu können.

Da bleibt vielleicht ja doch noch Hoffnung, das das Ende der Geschichte nicht so ausfallen wird wie zu erwarten, zumal das Internet so langsam anfängt, ein Gegengewicht gegen den etablierten Stammesjournalismus zu schaffen. Das kann helfen, den Menschen aufzuzeigen, das das System von Korruption und Vetternwirtschaft letztendlich nur jenen dient, die die Macht im Stamme haben.

Das hatten wir schon einmal … und darum haben wir Revolution gemacht, an der sich auch viele Adelige beteiligt hatten, die erkannt haben, das Stämme letztendlich am Ende ihrer Entwicklung nur Leibeigene und Vogelfreie kennen.

Aufklärung kann halt manchmal Wunder bewirken, auch wenn sie lästig und mühsam ist.

Vernichtung durch Arbeit: über Söldner, Huren, Leichen und dem Griff nach unserem Wasser

Letztlich haben die Reichen für die Normbevölkerung des Planeten nur drei Verwendungen, nur drei Jobs, die sie dauernd nachfragen. Gebraucht werden wir als Huren, als Söldner oder als Leichen, wobei die Huren vor allem die Söldner bei der Produktion von Leichen bei Laune halten sollen. Einfach mal in die Geschichtsbücher schauen: wo Reichtum herrscht, produziert er automatisch diese drei Berufsgruppen durch Forcierung der Armut, was wiederum geistig weniger stabile Menschen dazu bringt, sich für einen der ersten beiden Jobs zu bewerben - man muss ja essen.

Letztlich haben die Reichen für die Normbevölkerung des Planeten nur drei Verwendungen, nur drei Jobs, die sie dauernd nachfragen. Gebraucht werden wir als Huren, als Söldner oder als Leichen, wobei die Huren vor allem die Söldner bei der Produktion von Leichen bei Laune halten sollen. Einfach mal in die Geschichtsbücher schauen: wo Reichtum herrscht, produziert er automatisch diese drei Berufsgruppen durch Forcierung der Armut, was wiederum geistig weniger stabile Menschen dazu bringt, sich für einen der ersten beiden Jobs zu bewerben – man muss ja essen.

Wer jetzt meint: nein, ich diene dem System nur als Techniker, dem sei gesagt: Technik ist auch nur eine Form von Massenvernichtung. Das wird gerade  in Fukushima demonstriert, wo jetzt noch mehr Brennstäbe vor sich hinschmelzen während die Medien die Hoffnung verbreiten, das man alles im Griff hat, oder in Libyen, wo jetzt Kampfhubschrauber den Einsatz von Bodentruppen vorbereiten.

Wer jetzt meint: ich diene dem System nur als Anlageberater, Verkäufer und Vertreter, dem sei gesagt, das ihn im Prinzip von einer Hure nichts unterscheidet: auch er macht mit seinem Aussehen Geld. Einfach mal in den Spiegel schauen und dabei überlegen, wie das Geschäft in Papas alter Cordhose laufen würde – oder einfach mal drüber nachdenken, was uns zum Burn-Out treibt. Ist ja kein Geheimnis:

Kaum ein Commerzbanker, der das nicht gespürt hätte. 72 Prozent, das ergab eine Umfrage, waren trotz einer Erkrankung zur Arbeit erschienen. Ein Drittel aller Arbeitnehmer in Deutschland ging krank arbeiten, weil „sonst zu viel liegenbleibt“. Das ergab der jüngste AOK-Fehlzeitenreport. Mediziner nennen dieses Verhalten Präsentismus: Wer immer kommt und lange bleibt, fliegt vielleicht nicht raus. Das ist der Gedanke.

Man verkauft seinen Körper, sein Aussehen, seine Gesundheit – eigentlich sein ganzes Leben … und weil das so ist, muss man schon mal ungewöhnliche Wege gehen, um sich davon zu überzeugen, das noch alles im Lot ist, obwohl man sich beschissen fühlt:

Nichts anderes empfiehlt er ausbrennenden Managern, wenn sie nicht mehr weiterwissen: Sie werben bei sich für sich selbst.

Das dies der letzte Schritt vor dem „Jobcenter“ ist, ist vielen positiv denkenden Unternehmensberatern nicht bekannt. Sie teilen ja auch nicht das persönliche Risiko, noch helfen sie dabei, die eigentlichen Probleme zu beseitigen, obwohl sie bekannt sind:

„Meine Klienten sind Menschen unter starker Anspannung, mit hoher Verantwortung und mit hohen Gehältern. Auch sie müssen seit einigen Jahren mit immer weniger Zeit, weniger Mitteln und weniger Mitarbeitern klarkommen“

Das ist das Prinzip, das seit dreissig Jahren in diesem Land herrscht und seit den neunziger Jahren als Folge der neoliberalen Offensive von Unternehmensberatern auch in den letzten Winkel der Wirtschaftswelt vorgedrungen ist: Vernichtung am Arbeitsplatz. Die gleiche Kaste der Arbeitsprozessschleifer bietet nun Hilfe an, um das von ihnen selbst mit geschaffene Problem ein wenig abzumildern, aber verändern können sie es nicht mehr.

Am Ende des Vernichtungskrieges der Unternehmen gegen ihre Mitarbeiter im Namen der Sachzwänge der Globalisierung steht für den Mitarbeiter das „Jobcenter“ – oder die Frührente, einmal ganz davon abgesehen, das sein Privatleben dann völlig im Eimer ist. „Glück statt Karriere“ können sich nur Menschen erlauben, die einen Platz in einer kleinen Nische gefunden haben:

Scharfsinnig und polemisch analysieren Kitz und Tusch, woran die moderne Arbeitsgesellschaft krankt und untermauern ihre Thesen mit den neuesten Studienergebnissen. Normale Arbeitnehmer, die einfach nur ihre Arbeit verrichten, so die Autoren, sind auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr gefragt. Stattdessen verlangen Unternehmen überambitionierte High-Potentials, die ständig über sich hinauswachsen und so die Spirale der Leistungszwänge immer noch weiter drehen. „Wer nur kontinuierlich 100 Prozent Leistung bringt, gilt als Low Performer“, schreiben die Autoren.

„Überambitionierte High-Potentials“ – Menschen, die nur für die Firma denken, für die Firma leben, ja, die letztendlich „Firma sind“ und am liebsten ihren Arbeitsplatz heiraten würden … bis sie letztlich, nach vielen „Coachings“ ausgebrannt in der Gosse landen, weil sie keinen Weg gefunden haben, der Schwäche durch „Altern“ aus dem Wege zu gehen.

Wir kennen diese Entwicklung seit dreissig Jahren. Wir wissen, wo es endet. Und doch – unternehmen wir nichts dagegen. Wie üblich lauschen wir den Jubelgesängen der hochbezahlten Experten:

IW-Direktor Michael Hüther sprach von einem breit angelegten Aufschwung. 61 Prozent der vom IW Köln befragten 2340 Unternehmen wollen ihre Produktion in diesem Jahr hochfahren, 41 Prozent erwarten steigende Exporte und 46 Prozent wollen mehr investieren. „Von alledem profitiert der Arbeitsmarkt. Knapp die Hälfte der Firmen sucht neues Personal, allenfalls 8 Prozent erwägen Kündigungen.“

Dabei wissen wir genau, was das für uns bedeutet: immer mehr Firmen bauen sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze ab, um sie durch Minijobs oder Leiharbeiter zu ersetzen – für viel weniger Geld. So erfüllt der Söldner in der Firma seinen Job, der darin besteht, die Personalkosten zu senken und die Arbeitseffektivität zu erhöhen. So verbrennt er sein Personal. „Burn Out“ kommt nicht von innen, das erzählt man nur nicht gern. Verbrannt wird man von aussen.

Wir wissen ganz genau, das dieser Aufschwung an uns vorübergehen wird – vor allem an unserem Konto, siehe Wiwo:

Zwar steigen die Tariflöhne in diesem Jahr zwischen zwei und zweieinhalb Prozent, doch liegen die Zuwächse damit unter der erwarteten Inflationsrate von 2,4 bis 3,0 Prozent. Das berichtet die WirtschaftsWoche. Das Magazin zitiert den Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Ferdinand Fichtner: „Die realen Nettostundenlöhne werden, wenn überhaupt, 2011 nur sehr wenig steigen.“ Nach den Worten von Frank Hechtner, Steuerexperte an der Freien Universität Berlin, „dürften die Nettostundenlöhne bei vielen im XXL-Jahr real sogar sinken“.

Letztlich gibt es bemerkbares Gehalt nur für Söldner und Huren, die den Prozess der Vernichtung durch Arbeit begleiten … und Leichen produzieren. Man schau sich mal die Entwicklung der Politikergehälter in den letzten Jahren an – und ihre Zuwendungen durch Lobbyisten. Wir landen wieder … in der Kategorie Huren, was gerade bei diesem Berufsstand besonders weh tut, weil er vom Idealismus getragen werden sollte und nicht vom Honorar.

Und was erwartet uns am Ende des Prozesses?

Da werden wir erleben, das für Länder im Prinzip das Gleiche gilt wie für Menschen: wer ausgebrannt ist, kommt auf den Müll. Aktuell trifft es Griechenland, das jetzt seine Häfen und Versorgungsunternehmen verkauft … möglicherweise sogar seine Wasserversorgung, jedenfalls wenn es sich bei „Athens Water“ um die „Athens Water Supply and Sewerage Company“ handelt, die Athens Versorgung mit Trinkwasser garantiert:

Die Athens Water Supply and Sewerage Company – EYDAP SA ist ein griechisches Wasserversorgungsunternehmen. Die Geschäftsfelder umfassen die flächendeckende Versorgung mit Leitungs- und Grundwasser, die Abwasserentsorgung sowie die Installation, Konstruktion, Instandsetzung, Wartung und Erneuerung von Wasserversorgungs- und Abwassersystemen. Eydap versorgt die rund vier Millionen Einwohner Athens über ein Kanalnetz mit einer Gesamtlänge von 7. 940 Kilometern mit Trinkwasser. Die Abwasserentsorgung erreicht rund 3.300.000 Einwohner und umfasst ein Abwassernetz mit einer Gesamtlänge von 5.800 Kilometern.

Damit wäre der Konzernwirtschaft ein großer Coup geglückt, der in Bolivien zu Volksaufständen und dem „Wasserkrieg“ führte: die Privatisierung der Wasserversorgung. Damit hat man die renitente Bevölkerung Athens völlig in der Hand. Wasser braucht jeder.  Huren und Söldner produzieren Leichen – sagte ich ja.  Darum steht Griechenland kurz davor, seine Angestellten, Beamten, Rentner und Arbeitslosen nicht mehr bezahlen zu können.

Solche Entwicklungen fallen nicht vom Himmel. Sie sind seit langem bekannt – oder glaubt jemand wirklich, das in den Chefetagen der Unternehmerverbände nur Idioten sitzen? Jeder weiß, das bei der grassierenden Umverteilung von Vermögen von unten nach oben unten nichts mehr übrig bleibt und dort dann auch irgendwann kräftig gestorben wird. Griechenland macht das schon mal vor, wenn die Rentner kein Geld mehr bekommen.

Während sich aber der Deutsche unglücklich und unzufrieden an seinem Arbeitsplatz selbst vernichtet und sich wenigstens noch der Hoffnung hingibt, das sein Trinkwasser ihm gehört und Griechenland weit weg ist, fliegt der Pleitegeier schon über die ersten deutschen Bundesländer.

Wie früher schon merken wir, das Söldner effektiver arbeiten, wenn sie keine Kugeln benutzen. Früher wichen wir deshalb letztlich aufs Gas aus, das wird wohl auch für unsere Rentner in Zukunft die humane Endlösung sein – man kann die ja nicht auf der Straße verhungern lassen, sie zu füttern geht aber nicht aufgrund von Sachzwängen wie dem „Lohnabstandsgebot“.

„Vernichtung durch Arbeit“ war aber früher schon das Leitprinzip. Man hat jedoch dazu gelernt und gemerkt, das seine offene Durchführung in Lagern und Uniform nur schnellen und entschlossenen Widerstand hervorruft. Es geht auch leiser … und viel billiger.

Und wir Normbürger?

Können uns entscheiden: entweder als Söldner an der Exekution unsere Staatsstrukturen mitwirken oder als Huren die Söldner bei Laune halten … oder eben als Leichen eine gute Figur machen.

Immerhin: dies ist ein freies Land, wir haben noch die Wahl – solange wir „High Performer“ sind und 300 Prozent bringen.

 


Staat abschaffen, Banden bilden?

Philosophen sind ja zuständig für Grundsatzfragen. Sie dürfen die dümmsten Fragen der Welt stellen und müssen diese auch selbst beantworten, weil sich in der Regel kein Normalmensch für dumme Fragen interessiert. Wozu auch. Nur selten mal lehnt man sich zurück und fragt: gibt es dazu Antworten in der Philosophie?

Bei Staatsgründungen wird gerne mal auf Philosophen Rücksicht genommen, dort, wo es um Recht und Gerechtigkeit geht, um Ethik und Moral werden sie gerne mal in eine Talkshow geladen. Ansonsten stören sie nur, weil sie sich dem modernen "Meinungswissen" schon vor Jahrtausenden verschlossen haben. Das moderne "ich glaube dieses aber jenes nicht" fand schon in der Philosophie der Antike keine Begeisterung und man wähnte es überwunden. Dann kam das Privatfernsehen und belehrte einen eines Besseren: Meinung verdrängte wieder Wissen.

Nun kann man natürlich die Frage nach dem Staat rückwärts stellen: wozu brauchen wir ihn eigentlich noch?

Philosophen sind ja zuständig für Grundsatzfragen. Sie dürfen die dümmsten Fragen der Welt stellen und müssen diese auch selbst beantworten, weil sich in der Regel kein Normalmensch für dumme Fragen interessiert. Wozu auch. Nur selten mal lehnt man sich zurück und fragt: gibt es dazu Antworten in der Philosophie?

Bei Staatsgründungen wird gerne mal auf Philosophen Rücksicht genommen, dort, wo es um Recht und Gerechtigkeit geht, um Ethik und Moral werden sie gerne mal in eine Talkshow geladen. Ansonsten stören sie nur, weil sie sich dem modernen „Meinungswissen“ schon vor Jahrtausenden verschlossen haben. Das moderne „ich glaube dieses aber jenes nicht“ fand schon in der Philosophie der Antike keine Begeisterung und man wähnte es überwunden. Dann kam das Privatfernsehen und belehrte einen eines Besseren: Meinung verdrängte wieder Wissen.

Nun kann man natürlich die Frage nach dem Staat rückwärts stellen: wozu brauchen wir ihn eigentlich noch? Wozu bezahlen wir eine Armee von schmarotzenden Staatsdienern, die uns mit ihrem geistlosen, ungebildeten und sprachlich primitiven Gewäsch jeden Tag aufs Neue versuchen, das Geld aus der Tasche zu ziehen?

Die Frage nach dem Staat ist schon ziemlich alt. Manche halten sie geradezu für den ersten echten Sündenfall: den Versuch, ein Gebilde zu schaffen, das größer ist als Gott … Babylon war da schon so ein Problemfall. Andere jedoch hielten ihn für ziemlich sinnvoll, z.b. Platon:

Der ideale Staat hat den Zweck, die Idee des Guten auf der physischen Ebene zu verwirklichen; mit der Umsetzung der Gerechtigkeit soll eine Voraussetzung für das gute Leben jedes Bürgers geschaffen werden. So wie im Kosmos und in der Seele soll auch im Idealstaat eine harmonische Ganzheit verwirklicht werden. Zwischen dem Individuum und dem Staat besteht für Platon eine Analogie, denn so wie sich Gerechtigkeit im Einzelnen als bestimmter innerer Ordnungszustand entfaltet, so macht eine bestimmte Ordnung der Polis diese zu einem gerechten Gemeinwesen. Daher hat jeder Stand und jeder Bürger die Aufgabe, zum gemeinsamen Wohl beizutragen, indem er sich auf angemessene Weise harmonisch in das Ganze einfügt und ihm dient.

„Harmonische Ganzheit durch Umsetzung der Gerechtigkeit als Voraussetzung für das gute Leben eines jeden Bürgers“ … hört sich schön an. Die scheinen nicht uns zu meinen.

Bei uns ist das anders organisiert, siehe Bundeszentrale für politische Bildung:

In einer marktwirtschaftlichen Volkswirtschaft, auch in einer Sozialen Marktwirtschaft, ist der Markt das Koordinationsinstrument der ersten Wahl. Die Einzelnen koordinieren ihre Handlungen über Märkte, und nur wenn diese Koordination zu unerwünschten Ergebnissen führt, soll der Staat eingreifen.

Das macht unser Staat dann auch – um unerwünschte Ergebnisse zu vermeiden. Zum Beispiel … wenn er merkt, das er zu viele Bürger hat, dann greift er ein. Auch darüber informiert die BpB:

Die Umprogrammierung des Gerechtigkeitsprinzips von Verteilungsgerechtigkeit auf Chancengerechtigkeit im aktivierenden Staat steht damit im Zusammenhang. Gefördert werden sollen zukünftig vorrangig Maßnahmen, die zur Teilnahme qualifizieren; nur Teilnahme gewährleiste Teilhabe, so die neue Lehrmeinung, und dies sei im Übrigen Gebot von Art. 1 GG. Eine Schlussfolgerung wäre demnach: wer nicht teilnehmen will, dem droht zuerst Druck, dann Zwang und bald Ausschluss (z.B. von Sozialleistungen) durch den aktivierenden Staat.“

Kurzum: wer als Blinder, Alter oder Kranker nicht am Marktgeschehen teilnehmen kann, wird … entsorgt.  Krüppel und Gammelfleisch können wir nicht ewig durchfüttern. Wenn der meint, nicht sehe zu können, dann gibt es zuerst Druck, dann Zwang, dann Ausschluss … und dann?

Nun – Tod. Ohne Essen und Obdach stirbt man sehr schnell. Das ist die Todesstrafe bei konsequenter Marktteilnahmeverweigerung. Das sagt noch keiner so deutlich – es ist aber meilenweit entfernt von der „Harmonischen Ganzheit zur Umsetzung der Gerechtigkeit“. Wer stark genug ist, jung, gesund und reiche Eltern hat, dem gehört die Welt. Wer als Autist bei Arbeitslosen zur Welt kommt, wird an die Wurstverwertung weitergereicht. Hört sich böse an, aber Philosophen sind für das Prinzip da – nicht für die Stufen, in denen es ausgelebt wird. Das beschließen letztlich Politiker. Ganz sicher beschließen sie Diätenerhöhungen, finanziert durch Regelsatzkürzungen bei Kindern. Alles andere ist verhandelbar.

In der Realität zeigt sich, das der aktivierende Sozialstaat ein Ungeheuer der besonderen Art ist, Nachrichten wie diese werden aber gerne an den äußersten Rand gedrückt, weil sie der herrschenden Selbstbeweihräucherungsmentalität von Staat und Wirtschaft nicht ins Konzept passen. Die Welt erlaubt sich hier gerne mal einen Ausrutscher:

Die Hälfte aller Teilzeitbeschäftigten in Deutschland will gerne länger arbeiten. Würden alle Verlängerungswünsche berücksichtigt, würden in Deutschland pro Jahr 40,5 Millionen Stunden mehr gearbeitet, schreibt die Autorin der Studie, Susanne Wanger. Das entspräche dem Arbeitszeitvolumen von rund einer Million zusätzlichen Stellen. Allerdings sei fraglich, ob sich die Wünsche in den Firmen der Betroffenen überhaupt umsetzen lassen.

Eine Million Arbeitsplätze zu Zeiten der allgemeinen Grenzöffnung? Da versagt unsere Marktwirtschaft ganz schnell, weil wir sowieso schon zu viele Menschen haben, wenn wir den unersättlichen Ansprüchen der Funktionäre von Politik und Wirtschaft Tribut zollen sollen.

Fraglich ist auch, wo dann die von aktivierenden Maßnahmen betroffenen Arbeitslosen ihre Stellen finden sollen. Manche haben eben nur einen IQ von 85 samt mittelmäßigem Hauptschulabschluss. Die Situation bessert sich auch nicht durch eintausend Bewerbungen. Andere sind gesundheitlich eingeschränkt, pflegen Familienangehörige oder sind einfach faul. Sowas gibt es auch. Ja, die leben auf Kosten anderer, genauso wie Ärzte, Politiker, Verbandsfunktionäre, Lobbyisten, Rentner oder Bürgermeister. Die einen dürfen sich jedoch die Diäten selbst erhöhen, damit die Lust auf Steuererhöhungen nicht gemindert wird, die anderen werden zum Verhungern frei gegeben. Läßt sich da nichts mehr aktivieren, regiert nicht Milde oder Gnade sondern der Hungertod. Gnadenschuss wäre da sozialer.

So kann der Staat schnell böse werde, das „kälteste aller kalten Ungeheuer“, wie Nietzsche meint.

Wenn ein Staat aber böse wird, wenn er für Mitmenschen lebensgefährlich wird … dürfen wir dann nicht auch mal die Frage stellen, ob wir den nicht einfach abschaffen dürfen?

Wir Menschen sind soziale Wesen, das stimmt schon. Auch die Vernunft hält uns dazu an, unsere Arbeitskraft zu teilen, weil wir so unglaubliche Überschüsse erwirtschaften können und erwirtschaftet haben. Aber wenn der Staat das (schon einmal dagewesene) Potential zu einer tödlichen Maschine entwickelt … kann man da nicht einfach mal „Nein danke“ sagen, erst recht, wenn der Staat auf eine Riesenpleite im Dienste des Kapitalismus zusteuert?

Wir könnten Banden bilden. Reichtum ist genug vorhanden, das Land ist komplett verteilt – wir müssten Banden bilden, da geht kein Weg dran vorbei. Die Räuberbande als Gesellschaftsform der Zukunft als Alternative zum Räuberstaat, der nur noch wenigen einen Vorteil verschafft. Innerhalb der Bande könnte man nach Piratenart auch Strukturen schaffen, die Platon glücklich machen würden:  eine harmonische Ganzheit schickt sich gut für eine Räuberbande, Gerechtigkeit ebenfalls – das hilft, den Wunsch nach ungestörter Nachtruhe zu verwirklichen.

Allerdings … schaut man genauer hin … dann hat man schon Banden. Parteien, Verbände, Gewerkschaften, Vereine … das alles sind im Kern eigentlich … Räuberbanden, die sich ganz offen um die Verteilung der Beute streiten. Wer gewinnt, darf Kanzler werden oder Rekordboni abziehen – oder beides.

Da haben wir den Staat also eigentlich … schon längst abgeschafft?

Warum sagt mir das eigentlich keiner?

Das erklärt die aktuelle Sozialpolitik doch erschöpfend! Wer keiner Bande angehört und auch keiner angehören möchte, wird umgebracht. Basta!

Können wir denn dann nicht auch aus Kostengründen erstmal die Regierung abschaffen? Belgien hat schon über ein Jahr keine mehr. Ich war letztens noch da – ganz ehrlich, das Land sieht genauso aus wie vorher. Die fehlt denen kein bischen, die Regierung. Wieso sollte uns eine fehlen?

Es sei denn, sie würde jetzt eingreifen und erstmal fünf Millionen neue Arbeitsplätze schaffen, finanziert durch Sonderabgaben der bisherigen Kriegsgewinnler. Immerhin – hier versagt der Markt, ein Eingriff wäre dringend notwendig. Wir rufen lieber – im Prinzip – Todesstrafe auf Arbeitslosigkeit aus in der Hoffnung, das das irgendetwas bringt. Vielleicht finden ja die Leute mit dem IQ von 85 die Lösungen für ihre Probleme, die von den Politikern nicht gefunden wurden (was jetzt nicht heißt, das ich bei denen jetzt generell einen höheren IQ vermuten würde … nein, wirklich nicht. Ich lese dazu zuviel Nachrichten).

Wir sind schon lange keine soziale Marktwirtschaft mehr, in der der Staat für Ausgleich sorgt, sondern eine asoziale Raubwirtschaft, in der große mafiöse Banden um den Zugriff auf die Staatsfinanzen und das Volksvermögen kämpfen. Nur die Bürger selbst dürfen keine Banden bilden. Für Sklaven gilt anderes Recht.

Wenn man da an Platon denkt … könnte man neidisch werden. „Die Idee des Guten auf physischer Ebene zu verwirklichen“ … das waren noch Zeiten. Die hatten noch Träume. Wir fortschrittlichen Menschen der Neuzeit hoffen hingegen, das wir die Errichtung des Reiches des Bösen auf physischer Ebene überleben dürfen.

Und das nennen wir dann „Fortschritt“ und „Wachstum“. Fragt sich nur: Fortschritt wohin und Wachstum von was …

 

 

Die Sarrazins, die Schule und der neue deutsche Feudalstaat

Schule ist wichtig – gerade in einer Demokratie. Hier werden zentrale Werte vermittelt, hier werden die politischen Gedankenwelten einer ganzen Generation geformt – hier entscheidet sich die Zukunft des Landes. Versagt „Schule“ verspielt man Zukunft.

Lehrerkritik ist einfach und leicht. Jeder kennt einen Lehrer, der den Beruf verfehlt aber sich an die Ferien und die vielen Möglichkeiten der Freistellung schön gewöhnt hat. Lehrer müssen aber andererseits auch alles ausbaden, was in der Gesellschaft schief läuft. Mir persönlich ist generell der Fachidiot lieber als der allglatte Vermittlungsbeamte, der ständig nach seiner politischen Karriere schielt oder als der Freizeitmaximierer, der Kinder als lästige Ferienunterbrechung versteht.

Aus den Reihen der beiden letzteren stammt (ich schätze mal – wegen seiner breitflächigen Verbreitung gewerkschaftlich organisiert) das die Schüler zu schlecht wären. Der Vorwurf offenbart ein Prinzip, das sich quer durch die ganze Republik zieht: man gibt die Verantwortung für seinen eigenen Job an die Bürger ab. Der Bürger ist schuld, wenn die Kassen leer, die Arbeitslosigkeit hoch und die Kinder zu dumm sind. Als Strafe kriegt er die Arbeitspolizei, Steuererhöhungen und schlechte Noten für seine Kinder. Klammheimlich haben die Angestellten der Bürger hier revoltiert, den Spieß umgedreht und die Verantwortlichkeiten umverteilt.

Nun ist der 54-jährige Schlosser dafür verantwortlich, das der Jugendwahn bei seiner Bewerbung keine Rolle mehr spielt, das er im Rahmen der Globalisierung konkurrenzfähig bleibt und genug Geld erwirtschaftet, um Staatsdiener mit einer üppigen Versorgung auszustatten.

Das das eigentlich ein eindeutig feudales Element in Politik und Gesellschaft ist, fällt kaum auf, noch stört es jemanden. Nach sechzig Jahren Demokratie empfinden weite Kreise diese Lebensform nur noch als lästig – man verpasst während der Urnengänge einfach viel zu viel gutes Fernsehen. Ganz vorne an die Spitze der ständig steigenden Anspruchskultur Staat gegen Bürger stellt sich jetzt die Frau eines eigentlich ganz unwichtigen ehemalige Finanzsenators, der selbst auch schon mal gerne Schulpolitik macht wie hier in der Berliner Zeitung:

Er stellt in vertraut deutlicher Wortwahl zum fachfremden Thema Bildung die These auf, dass es eine „traditionell leistungsabgewandte Kultur an zahlreichen Berliner Schulen“ gebe, in der „schwache Lehrer“ sich scheuten, mit „ehrlich durchgeführten Vergleichstests“ Qualitätsunterschiede unter ihresgleichen zu offenbaren. Er vermute daher, so Sarrazin – bekanntlich verheiratet mit einer Grundschulpädagogin – Betrügereien bei Vergleichstests.

Der Mann muß wissen, wovon er spricht, immerhin ist er mit einer der Angeklagten verheiratet, die jetzt selbst im Focus für Aufregung sorgt:

Ursula Sarrazin arbeitet seit mehr als 35 Jahren als Grundschulpädagogin. Auch die Schulbücher seien „generell anspruchsloser“ geworden. „Früher waren längere, schwierige Texte in den Deutschbüchern. Ich stelle auch fest, dass Kinder viele Wörter nicht mehr kennen.“ Sie verlange von allen Schülern, sich anzustrengen.

Ursula Sarrazin beklagte auch, dass sich zu viele Eltern nicht genügend um den Bildungserfolg ihrer Kinder kümmerten. Von der Politik verlangte sie, deren Mitarbeit stärker einzufordern, auch wenn dies unbequem sei.

Die Eltern, die im Zeitalter der Massenarbeitslosigkeit und Lohnstagnationen darauf angewiesen sind, beide Vollzeitarbeitsplätze auszufüllen, um dem steigenden Finanzbedarf von Regierung und Konzernen zu genügen, sollen in Nachtschichten dann gefälligst auch noch ihre Kinder unterrichten, so daß Frau Sarrazin dann nur noch die Klassenarbeiten korrigieren braucht. Wie gesagt: mit dieser leistungsfeindlichen Haltung steht sie nicht alleine da – ebensowenig mit ihrem Wunsch nach neuen uralten Methoden, wie der Focus andernorts berichtet:

Nach Thilo Sarrazin drängt seine Frau Ursula nach vorne. Die Berliner Grundschullehrerin tritt für mehr Strenge ein und hält das deutsche Schulwesen für mangelhaft. Eine große Mehrheit der Deutschen gibt ihr Recht – vor allem die Wähler der Grünen.

85 Prozent stimmen Ursula Sarrazins Einschätzung zu, Kinder bräuchten feste Regeln und gelegentliche Strafen. Die repräsentative Umfrage für „Bild am Sonntag“ ergab, dass besonders die Grünen-Wähler (89 Prozent) diese Auffassung Ursula Sarrazins teilt.

Nun, das die Grünen mehr Strenge und Strafen gut finden, haben auch die Serben bemerkt, als die rot-grüne Regierung ihr Land bombardierte.

Wahrscheinlich liest Frau Sarrazin den Focus nicht selbst, weshalb ihr diese Studie entgangen ist:

Was Kinder im Klassenzimmer lernen, reicht nicht aus. 94 Prozent der Eltern fühlen sich verpflichtet, sich zu Hause intensiv um die Leistungen ihrer Kinder zu kümmern. Zwei von drei Eltern (67 Prozent) halten das aber gar nicht für ihre Aufgabe. Sie haben das Gefühl, dort einspringen zu müssen, wo die Schule versagt hat. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid im Auftrag von Jako-o, bei der 3000 Eltern von Kindern zwischen drei und 16 Jahren befragt wurden. Das Ärgerliche aus Elternsicht: Der Einsatz für den Schulerfolg der Kinder geht auf Kosten des Familienlebens. 55 Prozent der Eltern beschweren sich über Zeitdruck, 24 Prozent gaben sogar an, dass sie sich im Zusammenhang mit dem Schulbesuch ihrer Kinder oft überfordert fühlen.

Was die Schule noch nicht gemerkt hat und aufgrund des Halbtagsjobs auch nicht groß auffällt, ist: der Beruf der Hausfrau ist abgeschafft worden. So einen Luxus, eine Person zum Kochen, Waschen, Wirtschaften und zur Hausaufgabenbetreuung abzustellen können sich normale Familien nicht mehr leisten.

Müssen Eltern sich wirklich als Nachhilfelehrer zur Verfügung stellen, um den Schulerfolg ihrer Kinder zu sichern? „In erster Linie sollte das tatsächlich die Schule leisten“, sagt Uta Streit, Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche. „Die Schule setzt aber voraus, dass Kinder zu Hause Hilfestellung erhalten.“

Im Klartext: bevor wir anfangen zu unterrichten, müssen erstmal die Eltern ´ran. Und man braucht generell eine andere Kultur – eine Kultur der Strafe, die sich ja auch schon im Umgang mit Arbeitslosen durchgesetzt hat, die jetzt im Alleingang die volkswirtschaftlichen Probleme lösen sollen, während hunderttausend Staatsdiener darauf wachen, das sie es auch emsig und eifrig tun. Ähnliches wird wohl jetzt laut Focus für die Schule angedacht:

Nach Thilo Sarrazin drängt seine Frau Ursula nach vorne. Die Berliner Grundschullehrerin tritt für mehr Strenge ein und hält das deutsche Schulwesen für mangelhaft. Eine große Mehrheit der Deutschen gibt ihr Recht – vor allem die Wähler der Grünen.

85 Prozent stimmen Ursula Sarrazins Einschätzung zu, Kinder bräuchten feste Regeln und gelegentliche Strafen. Die repräsentative Umfrage für „Bild am Sonntag“ ergab, dass besonders die Grünen-Wähler (89 Prozent) diese Auffassung Ursula Sarrazins teilt.

Mehr Strenge, mehr Strafen. Wie das aussieht, hat sie ja selbst laut Stern schon mal vorgemacht:

Über eine Sammelbeschwerde von gut 50 Eltern aus dem März 2009 berichtet der „Spiegel“. Dort hieß es, dass die Lehrerin „im Unterricht die Beherrschung verliert und die Kinder anschreit“. Eltern eines japanisch-deutschen Jungen hätten sich beklagt, dass Ursula Sarrazin ihren Sohn wiederholt wie eine Automarke in „Suzuki“ umtaufe. Dies geschehe „zum Teil unter dem Gelächter der Klassenkameraden, die ihn dann prompt auch so nennen“.

Nach einem Bericht des „Tagesspiegels“ soll Frau Sarrazin schon 2001 einen Schüler mit einer Flöte geschlagen haben. Der Vater des heute 22-Jährigen sagt: „Frau Sarrazin hat ihm mit der Blockflöte auf den Kopf gehauen.“

Schule nach Sarrazin scheint Ähnlichkeiten mit preußischen Kasernenhöfen zu bekommen, an die Stelle von „Selbstverwirklichung in sozialer Verantwortung“ treten GEHORSAM und DISZIPLIN. Das die Grünen als Lehrerpartei das gut finden, wundert mich nicht.

Der Spiegel berichtet nun, wie es schon jenen in diesem Lande geht, die sich noch gegen die neue Feudalgesellschaft wehren wollen:

Der Streit um die Berliner Lehrerin Ursula Sarrazin spitzt sich zu. An der Grundschule der Ehefrau von Thilo Sarrazin sind seit vergangener Woche mehrere Drohbriefe mit politischem Hintergrund eingegangen. Man wolle „mehr Sarrazins“ und „weniger Türken“ an der Schule, heißt es darin zum Beispiel. Auch der Schulleiter wurde bedroht, Beamte des Landeskriminalamts inspizierten bereits Schulcomputer. Die Schulaufsicht stellte Strafanzeige.

Diese politische Kultur pflegte auch die SA. Ich schätze aber mal, das Thema begegnet einem weder als Grundschullehrer noch als ehemaliger Finanzsenator.

Dafür begegnen einem im Umgang mit einer der laut tip „peinlichsten Berlinerinnen“ schon mal Vorbeben des kommenden neuen Deutschland, in dem sich Lehrer und Grüne sehr wohl fühlen werden:

Neues Gesetz: Falls ein Schulrat es wagt, jemanden wie Ursula Sarrazin, ihres Zeichens Grundschullehrerin und Gattin des Berliner Finanz­senators, zu maßregeln, passiert Folgendes: Der Mann muss seinen Sessel räumen und in einen neuen Zuständigkeitsbereich umziehen.

Hier wollen Leute eine neue Republik. Hierfür die Sarrazins verantwortlich zu machen, wäre zu kurz gegriffen. Kein Hahn würde nach ihnen krähen, wenn sie nicht von Medien in breiter Front als Gallionsfigur für eine nicht existierende schweigende Mehrheit herhalten müssten. Früher war das mal ein von der CDU/CSU gern gebrauchter Vorwurf, das jemand „eine andere Republik“ wolle. Jetzt höre ich da wenig Kritik … obwohl die gute alte Bonner Republik jeden Tag ein wenig mehr abgebaut wird.

Gewalt und Gegengewalt in der sozialen Marktwirtschaft des 21. Jahrhunderts: der kommende Genozid

Es gab Zeiten, da hatten wir mal der Gewalt den Kampf angesagt. „Wir“? – ja, wir. Wir Jugendlichen Ende der siebziger Jahre, die Willy Brandts Aufruf gefolgt sind und mehr Demokratie wagen wollten. Uns habt ihr die „Grünen“ zu verdanken.

Die Lösung der Gewaltfrage schien zu Anfangs einfach. Erstmal selbst auf Gewalt verzichten. Gewalt erzeugt Gegengewalt. Und dann der Gewalt die Nährstoffe entziehen – in einem Klima von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit sollte sie keinen Grund mehr haben, sich zu entfalten. Die „Alten“ von damals erzählten zwar von „Adolfs sicheren Straßen“ und man erfuhr irgendwann, das die Mafia unter Mussolini verschwand, aber man konnte sich beruhigt zurücklehnen und sagen: „damals hatten die Verbrecher halt alle Uniformen“ – und hat es damit auch irgendwie getroffen.

In meiner Kindheit in einer kleinen Stadt im Ruhrgebiet in den sechziger Jahren war die Haustür immer offen, damit die Kinder ein- und ausgehen und die Nachbarn jederzeit hereinkommen konnten. Wo gibt es das heute noch? Nun – hier, vor Ort vielleicht. Aber das ist eine kleine Enklave des Friedens, eines Friedens, der auch wohl irgendwann vergehen wird.

Die Mehrheit der Deutschen ist jetzt für die Pläne von Stuttgart 21. Jedenfalls die Mehrheit jener, die bei Meinungsumfragen befragt werden. Ein toller Erfolg der Protestbewegung, die mit der gleichen Naivität auf die Straße gegangen ist wie wir früher. Aber der Bahnhof wird jetzt grüner – während der Rest des Landes laut der Zeit dem bislang üblichen Muster folgt:

Nach Überwindung der Wirtschaftskrise folgt die Einkommensverteilung hierzulande wieder ihrem langjährigen Muster: Die Schere zwischen den Einkommen aus Löhnen einerseits sowie aus Gewinnen und Kapitalerträgen andererseits geht in Deutschland laut einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung weiter auseinander. Bruttolöhne aus Erwerbsarbeit machten demnach 2010 im ersten Halbjahr 65,5 Prozent aus und damit 2,9 Prozentpunkte weniger als 2009. Bruttogewinne hingegen hatten im ersten Halbjahr einen Anteil von 34,5 Prozent am Volkseinkommen – 2,9 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Wer arbeiten geht, ist der Dumme. Das merken die Dummen auch, regen sich aber eher über die Arbeitslosen mit wenig Geld auf anstatt über die Arbeitslosen mit Yacht, Porsche und Privatflieger. Im 21. Jahrhundert verdient Geld Geld – wer dort mit Arbeit Geld verdienen will, glaubt wohl auch noch an soziale Marktwirtschaft. Wo eine Gesellschaft enden soll, die nur noch darauf aus ist, Geldhaufen künstlich immer schneller aufzuhäufen, kann mir niemand erzählen … zumal es immer irgendwo jemanden geben muß, der den Preis für die Arbeit erbringen muß. Viele der alten Geldhaufen sind laut Wikipedia schon im alten Preußen angelegt worden.

Die Kinderarbeit in dieser massiven, ausbeuterischen Form wurde bald zu einem sozialen Problem in den heutigenIndustrienationen. Die Armee hatte wegen der vielen kranken Kinder zunehmend Schwierigkeiten, genügend gesunde Rekruten zu finden. Preußen erließ deshalb 1839 ein Gesetz (Preußisches Regulativ), das Kindern unter neun Jahren die Arbeit in Fabriken verbot; die 9- bis 16-Jährigen durften nicht mehr als zehn Stunden täglich arbeiten, nicht mehr an Sonntagen und nicht mehr nachts.[4] Im Jahr 1853 wurde das Mindestalter für die Fabrikarbeit auf zwölf Jahre angehoben. Noch 1858 arbeiteten allerdings 12.500 Kinder im Alter von 8 bis 14 Jahren in preußischen Fabriken. Als Folge der Kinderarbeit wurde in Preußen die Gewerbeaufsicht gegründet. Ein am 1. Januar 1904 in Kraft getretenes Kinderschutzgesetz untersagte imDeutschen Reich die Beschäftigung von Kindern unter zwölf Jahren in gewerblichen Unternehmen.

So gründet man Geldhaufen. Irgendwo zu Beginn steht ein großes Verbrechen – und auch wenn die Erben noch so schön Klavier spielen und Gedichte rezitieren: es klebt Blut an diesem Geld. Armee und Kaiser haben die Kinder in Deutschland gerettet, die Industriebarone hätten sie weiter verheizt.

Machen wir heute auch noch – interessiert immer noch nur ein kleines Häuflein ungenierter Kritiker wie hier zum Thema „Wilhelmsplatz“:

Hauptsächlich in Indien und China werden Pflastersteine in vielen Steinbrüchen von Kindern zwischen 9 und 14 Jahren geschlagen und landen dann als Billigangebote auf dem deutschen Markt.

In München, Köln und vielen anderen deutschen Städten wurden solche Pflastersteine aus Entwicklungsländern offenbar ungeniert auf öffentlichen Flächen verlegt.

Vielleicht wird ein Eifelphilosoph des 23. Jahrhunderts ähnlich über unsere Zeit schreiben, wenn er detalliert auf die strukturelle Gewalt der Bundesrepublik schaut … und auf die Gegengewalt, die es auslöst. Hoffentlich stößt er auch auf den Bericht der Zeit-Autorin Susanne Leinemann, „Der Überfall“ heißt er.  Sie wurde fast totgeschlagen von … Aussortierten.

Als ich zu mir komme, liege ich auf dem Bürgersteig in meinem Blut. Ich habe keine Ahnung, was geschehen ist. Bin ich gestürzt? Wo sind die beiden jungen Männer, denke ich vollkommen verwirrt, warum haben sie mir nicht geholfen? Ich gehe auf alle viere, versuche mich zu orientieren – alles ist unscharf, trotzdem erkenne ich die vertraute Umgebung. Meine Handtasche, keine Ahnung, wo die ist. Mein Gesicht ist nass und klebrig. Blut, überall Blut. Ich versuche aufzustehen, taumele, falle, kann mich mit den Armen abfangen. Die Kinder, denke ich. Ist zu Hause alles in Ordnung? Ich muss nach Hause, sofort! Ich fühle keine Schmerzen, wanke wie eine Betrunkene über die Straße. Der Blick nach vorn hält mich aufrecht, es ist nicht weit, eine Ecke noch bis zu unserem Haus. Es ist so dunkel, so furchtbar dunkel. Auf die Idee, nach Hilfe zu schreien, komme ich nicht.

Sechs Tage werde ich auf der Station bleiben. Schädel-Hirn-Trauma zweiten Grades. Schädelbruch über der Augenhöhle. Hirnhautriss. Luftbläschen sind eingedrungen, es besteht Infektionsgefahr. Niemand weiß, wie sich die Blutung am Gehirnaußenrand entwickelt. Sollte ich plötzlich doppelt sehen, schärft man mir ein, muss ich sofort eine Schwester rufen.

Laut Statistik wird das Land immer friedlicher….trotzdem verwandeln sich die Häuser immer mehr in Festungen. Nur Paranoia?

Ich glaube kaum. Frau Leinemann war zum Zeitpunkt des Überfalls (Beute: 35 Euro) 41 Jahre alt. Etwas Jünger ist die Zeit-Redakteurin Cosmia Schmitt, 35, die in einem Essay deutlich macht, was wir zu erwarten haben:

Heute stehen die Babyboomer mitten im Berufsleben. Die nächsten 20 Jahre verstopfen sie die Führungsposten. Dann gehen sie in den Ruhestand – und ein Millionenheer aus Rentnern wird dieses Land bevölkern. Sie werden uns die Luft abschnüren. Sie werden reisen wollen und konsumieren, sie werden in die Hörsäle strömen und Kunstgeschichte studieren und jede Rentenkürzung abwehren. Und die Parteien werden sich ihren Bedürfnissen anpassen, wer kann schon auf so viele Wählerstimmen verzichten?
Unter uns Jungen hört man oft den Satz: »Wir würden ja gern Revolution machen, wir wissen aber nicht, wogegen.« Die Babyboomer werden unser Wogegen sein.

Wenn einem die „Luft abgeschnürt wird“, dann darf man aus Notwehr … was alles tun? Renten massiv kürzen, Wahlrecht und Bildungsmöglichkeiten einschränken?

Von den jugendlichen Tätern OHNE Migrationshintergrund der Frau Leinemann kann man sich noch distanzieren. Ist halt Prekariat, da kann man nichts machen. Dabei stand ihnen Frau Leinemann bei ihren Zielen nur ebenso im Weg wie die Rentner der Frau Schmitt im Wege stehen – auf ihrem Weg nach oben, dorthin, wo Geld sich von selbst vermehrt.

In einer Gesellschaft, in der Geld gleich Leben ist – wieviel Geld braucht man da, um sein Überleben sichern zu können? Wieviel Geld braucht man, um sich einen geschützten Raum aufbauen zu können, von dem aus man sich seinen Platz im Leben erobern kann? Wie „sozial“ ist eine Marktwirtschaft, in der „heile Familie“ ein Gut ist, das sich nur noch gutsituierte Menschen leisten können? Wieviel Gnade, Toleranz, Güte und Menschlichkeit erwartet man von einem Millionenheer von Kindern, die von Politik und Gesellschaft abgestraft wurden, weil ihre Eltern Langzeitarbeitslose waren – Langzeitarbeitslose, die die Industriebarone gezielt geschaffen und an deren Diskriminierung ihre Werbeblättchen gezielt mitgearbeitet haben? Wieviel Gnade kann man erwarten, wenn schon die gutsituierten Mitbürger zum Genozid blasen?

All die gutgemeinte Sozialarbeit wird wenig nützen, wenn Industrie, Werbung, Politik, Schule, Medien andere Werte vermitteln und sogar der Bundespräsident und der Verteidigungsminister sagen, es sei ganz ok, wenn wir unsere wirtschaftlichen Interessen mit militärischer Gewalt im Ausland verteidigen, damit der Zugang zu billigen Pflastersteinen nicht verwehrt wird.

Nichts anderes haben die jugendlichen Schläger auch gemacht: ihre wirtschaftlichen Interessen mit Gewalt verteidigt, sich das Geld geholt, das offensichtlich – angesichts der umgebenden Luxuskultur – in Massen vorhanden ist, das sie aber niemals durch Arbeit bekommen können, weil wir für Arbeit kein Geld mehr geben können – die Selbstvermehrung des Geldes verschlingt alles, was für die Entlohnung der Arbeit notwendig wäre.

Hören wir noch mal Frau Leinemann zu, die über den Täter schreibt:

»Und wenn ich einen umbringen muss, damit ich in den Knast komme – da habe ich meinen Fernseher, meine Zigaretten und meine Ruhe«, droht der Brutalste der drei im Februar 2010 in Gifhorn, nachdem die Polizei zum dortigen Kinderheim gerufen wurde. Er hatte randaliert. Da ist er noch fünfzehn. Zwei Monate später wird er nachts mit der Holzkeule auf mich einschlagen.

Das hört sich nach einem sehr niedrigen Anspruchsniveau an … Fernseher, Zigaretten, Ruhe. Man stelle sich vor, wie es wäre, wenn man den Jugendlichen einfach Fernseher, Zigaretten und Ruhe spendiert hätte – zumal die ja sonst keiner wollte. Dabei haben sie andererseits doch viele Qualitäten, die sie zum Leistungsträger auszeichnen würden:

Er habe ja schon viel gesehen, sagt der Vorsitzende Richter am Ende des Prozesses, aber so etwas »Desolates« sei ihm selten untergekommen. Biografien, vollkommen ohne Halt – keine Familie, keine Religion, keine abgeschlossene Schulausbildung, keine Hobbys. Dabei sind die drei das Produkt von lauter gut gemeinten Absichten – einer weitverzweigten Sozial- und Therapieindustrie, von Sozialpädagogen, Psychotherapeuten, Erziehern, Angestellten der Jugendämter.

Familie, Religion, Hobbys … sowas hat man in Kreisen von Leistungsträgern nicht, weil man all seine Kraft auf den Erfolg des Unternehmens ausrichtet. Gut – Schulausbildung braucht man da schon. Nicht immer – aber schon häufiger. Insofern sind die Täterkinder nicht nur das Produkt der Erziehungsindustrie, sondern eigentlich das Produkt der ganzen Leistungsgesellschaft. Damit wir Geld für aufgeschäumten Milchkaffee haben, müssen in Indien Kinder billig Steine schlagen – sonst würden unsere Innenstädte aussehen wie in der alten DDR und es gäbe auch keinen Kaffee, den Kinder in Guatemala fast umsonst anbauen.

Die Therapieindustrie leisten wir uns, damit wir die Folgen dieses Systems nicht mehr so sehen und um die Frauen der Leistungsträger zu beschäftigen. Würden wir wirklich faire Löhne zahlen, wäre Kaffee nur noch an Feiertagen bezahlbar. Aber vielleicht hätten wir dann wieder mehr Familie, mehr Religion, mehr Hobbys und brauchten unsere Türen nicht mehr abzuschließen.

Ich schätze aber mal, wir werden eher erstmal wieder zu „Adolfs sicheren Straßen“ zurückkehren. Der Bürger ruft nach der „harten Hand“. Vielleicht erlaubt sich die Geschichte eine ironische Wendung und wir bekommen erneut einen Kaiser, der uns erneut einen Sozialstaat schenkt, den die Industriebarone dann wieder abbauen können. Was in Erinnerung an die Demokratie des 21. Jahrhunderts bleiben wird ist Hartz IV, Rente mit 67 (plus noch mehr …), Traumrendite aus Kinderarbeit und unsichere Straßen – das ist keine Bilanz, auf die man stolz sein kann und keine Entwicklung, die einen optimistisch in die Zukunft schauen läßt.

Eine schlimme Kindheit ist kein Freibrief zum Verbrechen, meint Frau Leinemann – und damit hat sie recht. Aber eine schlimme Kindheit ist auch nicht die beste Grundlage für den Erwerb eines verantwortungsbewußten, friedvollen, konstruktiven Charakters.  Und wenn wir als Gemeinschaft der Bürger in diesem Land ein Klima der Gewalt schaffen und uns an der Beute der Gewalt erfreuen, dann werden wir uns irgendwann auch die sichersten Türen nicht mehr schützen … zumal viele von uns als Pflegefall auf die liebevolle Zuwendung dieser Menschen angewiesen sein werden.


Stuttgart 21 wird gebaut – Hurra. Zivilisation gerettet.

In einem Interview mit einem ungenannt bleibenden russischen Informaten – der die offizielle Verschwörungstheorie zum 11.9.2001 massiv (und glaubwürdig) in Frage stellt – enthüllt dieser auch, das man der Drogenmafia wesentlich eher so ein Projekt zutrauen würde, weil sie mitlerweile über eine Größe verfügt, die meisten Länder dieser Erde in den Schatten stellt.

Dazu paßt auch die Nachricht in der Welt, das wieder einmal eine mexikanische Polizeichefin erschossen wurde – obwohl 50000 Soldaten versuchen, gegen die Drogenmafia vorzugehen. Man müßte es eigentlich Krieg nennen …. aber für diese Kriegsform haben wir noch keinen griffigen Begriff. Nicht Länder oder Bürger bekriegen sich, sondern Kriminelle und der Staat. Das oft gebrauchte Wort „Bandenkriege“ füllt das Problem nicht aus, denn die Banden bekriegen den Staat und nicht nur Banden. „Raubkriege“ machen wir selber – dank Guttenberg und Köhler bald ganz offiziell.

In Deutschland, einem der wenigen Länder, in denen ein großer Teil der Bürger noch an den Sinn von Menschenrechten und Demokratie glaubt, ist die Zerrüttung des Staatsgedankens durch brutale Wirtschaftsmacht noch nicht so weit fortgeschritten wie in Mexiko, weshalb viele noch an den Sinn von Demonstrationen als Korrektiv einer außer Rand und Band geratenen Politik glauben. Manche haben sich darüber gewundert, das dies in den klassischen alten CDU-Bundesländern noch so möglich ist – ich nicht. Dort gibt es weniger Arbeitslose, dort ist der Staatsterror der Agenda 2010 noch nicht in aller Breite angekommen … ein Terror, der der Bundesregierung ganz direkt vom IWF diktiert wurde.  Das Konzernwesen sollte durchstarten, der freie Handel ungeahnten Wohlstand für alle bringen – so jedenfalls waren die Versprechungen, mit denen Lobbyisten die Politiker köderten, die wiederum jetzt mittels Statistik dafür sorgen, das die Versprechungen zumindestens in der Theorie eintreffen.

In jenen Ländern dürfte man noch wesentlich mehr auf den demokratischen Geist der alten Bundesrepublik stoßen, der noch nicht vom Terror der Ökonomie zerrüttet wurde.

Spätestens jetzt dürfte man allerdings sehen: der Zug ist abgefahren. Den historischen Moment der Aufkündigung des demokratischen Grundprinzips war für mich der Satz von Helmut Kohl, der 1988 zum Spruch des Jahres erklärt wurde: „Die Hunde bellen, aber die Karawane zieht weiter“.

Das durften die Deutschen 1990 erleben, als aus der kleinen harmlosen BRD durch die feindliche Übernahme der DDR wieder eine Großmacht wurde, die kurz darauf unter rot-grüner Führung wieder Bomben und Soldaten in alle Welt schickte. „Berlin“ war wieder da, unter hämischem Gelächter wurde die DDR verramscht und ihre Bürger in Armut zurückgelassen – ohne das irgendjemand auch nur auf die ernsthafte Idee gekommen wäre, die Bürger zu befragen, ob sie das denn eigentlich alle wünschen.

Die ganze Entwicklung konnte man vorraussehen. Vivianne Forrester hat es vorausgesehen, hier bei inkultura-online beschrieben:

Während sich noch vor 10 Jahren Kapital in Form von Firmen, großen produzierenden Werken und einer Masse von Arbeitnehmern manifestierte, so ist es heut zunehmend schwerer geworden das Kapital sichtbar zu machen.
An seine Stelle tritt unpersönlicher virtueller Handel, minimal vorhandene Arbeitsplätze und Steueroasen in exotischen Ländern. Kapital kann heutzutage in Sekundenschnelle von einem Ort zum anderen transferiert werden und sich der Sichtbarkeit entziehen. Durch Zusammenschlüsse von vielen Konzernen sind die wirtschaftlichen Ströme für den normalen Menschen nicht mehr nachzuvollziehen und für die Politik, die sich schon längst im Würgegriff des international operierenden Kapitals befindet, nicht mehr zu lenken.
Arbeitslosigkeit wird so zu einer ständigen Begleiterscheinung unseres Zeitalters. Eben diese Arbeitslosen werden für die Wirtschaft aber zu einem Ärgernis, weil sie die ihnen zustehenden Rechte wie Arbeitslosenunterstützung vehement einfordern. Dies, so die Wirtschaft, führe zu einem Kollaps des Systems.

Wir finden bei Vivianne Forrester eine Welt vor, in der Widerstand möglich – und sinnlos ist. Es ist eine unmenschliche Welt des Wahnsinns, die sich entfaltet und auf die Linke kaum reagieren können (vor allem französische Linke) weil die Konzerne das zu verteilende staatliche Geld unter sich aufteilen und im politischen Bereich nur noch „zu wenig“ ankommt.  Anstelle der Fabriken, deren Produktionsleistungen sich das Proletariat eineignen sollte, sind Geldströme getreten, die in Sekundenschnell über den Globus huschen, anstelle des unverzichtbaren Faktors ARBEIT ist die BESCHÄFTIGUNG getreten, die als Gnade gewährt wird und zu Bestrafungen führt, wenn die Gnade nicht mit Begeisterung angenommen wird. Es ist – aus der Sicht alter Philosophen – eine besonders grausame Form von Sklaverei, wenn man sich auch noch innerlich selbst versklaven und zum Akt der Sklaverei jubeln muß: Dr. Stefan Oldenburg freut sich auf eine Woche voller Termine!

Man braucht heute nicht mehr zu Versammlungen der kommunistischen Partei zu gehen um fundamentale Gesellschaftskritik zu erhalten … ein Blick in die Bücherrezensionen bei Amazon reicht aus:

Die bei weitem auflagenstärkste Publikation, «Die Globalisierungsfalle» der beiden «Spiegel»-Journalisten Hans-Peter Martin und Harald Schumann, beginnt mit der Schilderung eines Schockerlebnisses. Die beiden hatten 1995 in San Francisco an einem Prominentengipfel zur Zukunft der Menschheit im 21. Jahrhundert teilgenommen und waren mit dem Eindruck nach Hause zurückgekehrt, dass künftig nur noch ein Fünftel der verfügbaren Arbeitskraft benötigt werde. Die Produktivitätssteigerung pro Arbeitskraft werde, so nehmen sie an, in der Industrie und im Dienstleistungssektor die gleichen Folgen haben wie in der Landwirtschaft. In Deutschland beunruhigt sie neben der Wegrationalisierung von Arbeitsplätzen deren Auslagerung in Billiglohnländer. Wir erlebten eine Revolution der Arbeitswelt, seien unterwegs zu einer 20:80-Gesellschaft.

Der Soziologe Ulrich Beck, bekannt geworden mit seiner «Risikogesellschaft», sieht alle nachindustriellen Länder auf dem Weg in einen Kapitalismus ohne Erwerbsarbeit. Er konstatiert eine skandalöse Massenarbeitslosigkeit: «Transnationale Unternehmen überbieten sich mit Rekordgewinnen – und dem massenhaften Abbau von Arbeitsplätzen.» Wenn Arbeit durch Wissen und Kapital ersetzt werde, so verlören die Arbeitskraft und die sie vertretenden Organisationen an Verhandlungsmacht und gesellschaftlichem Einfluss.

Mitte bis Ende der neunziger Jahre war das Elend bekannt, detalliert beschrieben – von vielen. Attac hatte sich nicht ohne Grund gebildet. 2010 – dem Zieljahr der Agenda 2010 – merken es nun auch die verschlafenen Schwaben.  Was auf der Straße geschieht, interessiert in Wirklichkeit keinen Menschen mehr – und erst recht keinen Politiker. Die Illusion der demokratischen Gesellschaft neigt sich dem Ende zu, es beginnt nur noch das Rennen darum, das man selbst nicht unter die Räder kommt – nur 20 von 80 werden letztendlich … vielleicht sogar überleben.

Der von Arno Luik im Stern beschriebene  „Putsch von Oben“ in Deutschland ist nur Ausdruck einer weltweiten Offensive der Unmenschlichkeit, die zu einer ständig steigenden Verdunkelung aller menschlichen Lebensperspektiven führt und staatliche Ordnung nur noch dort aufrecht erhalten wird, wo sie für die Konzerninteressen nützlich ist – zum Beispiel im Bauwesen. Untätige Baumaschinen sind dem Kapital ein Greuel, so kosten Rendite: als marschieren sie weiter, bis die Erde zubetoniert ist – eine einfache Logik, die jeder nachvollziehen kann.

Und eins dieser Projekte – Stuttgart 21 – sollte nun zum Fanal des Widerstandes werden, zu jenem kleinen gallischen Dorf, das dem globalen Terrorimperium der Ökonomie Widerstand entgegensetzt.

Dieser Widerstand wurde nun laut „Spiegel“ in Grund und Boden geschlichtet:

Wer hat bei der Schlichtung durch Heiner Geißler gewonnen? Auftraggeber Stefan Mappus, der das vergiftete Angebot der Grünen, Hilfe von außen zu holen, clever zu seinem Vorteil drehte. Jetzt hat sein umstrittenes Bahnhofsprojekt das Siegel des Edelvermittlers.

Es wurde lang und breit und ressentimentfrei über Fürs und Widers gesprochen und jeder, der daran teilhatte, muss jetzt die beruhigende Wirkung der Schlichtung hinnehmen. Auch wenn dieser Schlichterspruch formal gesehen nicht bindend ist, die Botschaft ist klar: Wer nun immer noch protestiert, stellt sich quasi gegen alle Spielregeln, macht sich selbst zum Außenseiter.

Die Zeit macht aus der Absehbarkeit des Schlichterspruches keinen Hehl:

Der Grundmakel der Schlichtung war von Anfang an, dass der Tunnelbahnhof nie grundlegend infrage gestellt werden konnte. Weil Verträge längst geschlossen waren, musste das Verfahren auf transparente und bürgernahe Weise zu einem vordefinierten Ende gebracht werden: Die Form folgte der Funktion.

Laut Handelsblatt feiern die Grünen den Schlichterspruch als Triumph:

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sagte: „Das alte Stuttgart 21 ist tot.“

Das neue grüne Stuttgart 21 hat halt mehr Bäume. Hurra. Und es wird wohl noch teurer … das heißt, noch mehr Gelder werden in Konzernkassen fließen.  Hurra. Wir haben ja auch genug Geld. Alle haben gewonnen … außer ein paar Immobilienspekulanten – aber für die wird man wohl auch noch Ersatz finden. Es gibt keine Verlierer in einem System, in dem letztlich die EZB und der Staat die Rechnungen bezahlt. Nur zahlt er jetzt anstelle der Rechungen der Alten und Kranken – für deren Schutz er geschaffen wurde – die Rechnungen der Reichen und Mächtigen, die dadurch täglich reicher und mächtiger werden.

Auch die Verlierer der Schlichtung sind laut TAZ glücklich:

Hannes Rockenbauch vom Aktionsbündnis wollte sowieso nicht von einer Niederlage sprechen: „Das ist keine Niederlage, weil wir jetzt endlich wieder demonstrieren können.“ Er wurde von der im Rathausfoyer wartenden Menge der Stuttgart 21-Gegnerinnen bejubelt.

So sind alle froh. Die Bauherren können bauen, die Demonstranten können demonstrieren und die Medien berichten, wie die Bauherren bauen und die Demonstranten demonstrieren. Die Welt ist wieder in Ordnung. Alles wird heil im kleinen gallischen Dorf, in dem die Macht des organisierten Verbrechens Tag für Tag zu- und die Anzahl der Polizisten Tag für Tag abnimmt, weil erstere der Jugend Macht und Zukunft bieten und letztere dem Staat zu teuer werden.

Nun – wenigstens haben wir jetzt mehr Bäume als vorher. Für eine Weile … denn letztlich dürfen die Maschinen nicht ruhen. Das wäre unbezahlbar.

Ein Triumph der Stuttgart 21-Gegner hätte allerdings auch etwas Unheimliches gehabt. Was wäre, wenn „die Straße“  in  Zukunft andere Dinge fordert? Die Abschiebung aller Migrationshintergründler, die Sperrung von weiterführenden Schulen für Kinder von Hartz-Abhängigen oder die Begrenzung der „Stütze“ auf fünf Jahre? Mit Hilfe der Massenmedien – die nur noch von ganz wenigen Menschen kontrolliert werden – ließe sich sowas wohl schnell inszenieren.  Und angesichts der schwachen „Manpower“ bei sozialen Themen wäre es nicht unvorstellbar, das sich der Wind in eine andere Richtung dreht, denn die Botschaft 20:80 haben viele verstanden.

Irrationaler Wahn kann sich auch in anderem äußern als in Großprojekten der Konzerne und ihrer Politiker.  Kein Wunder, das Drogen so einen Siegeszug halten und Drogenbanden eine solche Macht bekommen – nüchtern kann die Botschaft kaum ertragen werden, das ein Baustopp zu teuer wird und man deshalb bauen muß – nur anders, was noch teurer wird, weshalb man hoffen kann, das es dadurch einen Baustopp gibt, der je eigentlich zu teuer war.


Esoterik, Geisterspuk, Marx und die Gesundbeter

Kaum ein Feld betrete ich ungerner als das der Esoterik. Und kaum ein Feld ist nötiger zu betreten als gerade dies. Gerne würde ich dem Religionswissenschaftler Harmut Zinser folgen, hier bei Wikipedia zitiert:

So schreibt der Religionswissenschaftler Hartmut Zinser in einer Aufklärungs-Broschüre der Hamburger Innenbehörde: „Über ein Verborgenes können eigentlich keine Aussagen gemacht werden, dann wäre es kein Verborgenes mehr. Anhänger des Okkultismus und der Esoterik aber machen genau dies. Sie schreiben dem Unbekannten und Verborgenen bestimmte Eigenschaften zu, beispielsweise die Wirkung von Geistern, Toten, anderen Lebenden oder eines Weltbewusstseins usw. zu sein. Es ist dies der Grundfehler der Esoterik und des Okkultismus, dass er über ein tatsächliches oder angenommenes Unbekanntes Aussagen macht. Wenn immer es möglich ist, diese Aussagen zu überprüfen, stellt sich heraus, dass die esoterischen Aussagen über ein Unbekanntes und Verborgenes falsch, unnötig und irreführend sind. Esoteriker wie Okkultisten ertragen offensichtlich die Tatsache nicht, dass uns Menschen vieles unbekannt und verborgen ist und schreiben sich ein Wissen und auch Macht über das Unbekannte und Verborgene zu. Dies mag ihren Wünschen entsprechen, nicht aber der Wirklichkeit.“[70]

Genauso gut könnte er diese Zeilen aber den Naturwissenschaften ins Heft schreiben, die auch dem Unbekannten und Verborgenen bestimmte Eigenschaften zuschreiben, nämlich NICHT die Wirkung von Geistern, Toten, anderen Lebenden oder eines Weltbewußtseins zu sein. Wann immer es möglich ist, diese Aussagen zu überprüfen, stellt sich heraus, da die naturwissenschaftlichen Aussagen über ein Unbekanntes oder Verborgenes falsch, unnötig und irreführend sind. Naturwissenschaftler wie Materialisten ertragen offensichtlich die Tatsache nicht, das uns Menschen vieles unbekannt und verborgen ist und schreiben sich ein Wissen und auch Macht über das Unbekannte und Verborgene zu. Dies mag ihren Wünschen entsprechen, nicht aber der Wirklichkeit.

Wenn man in einer Kritik die Hauptworte austauschen und durch ihr Gegenteil ersetzen kann, ist die Kritik gegenstandslos. Das hätte auch die Hamburger Innenbehörde merken müssen, die mit dem Geld der Steuerzahler eine somit dogmatische und den Grundsätzen menschlicher Freiheit (und auch der staatliche garantierten Religionsfreiheit) zuwiderlaufende Schrift finanziert hat.  Dabei gäbe es eine Kritik, die fundiert wäre – und auch bei Wikipedia genannt wird – eine Kritik, die auch die Variationen und Dimensionen von Esoterik begiffen hat:

Viele Kritiker, aber auch manche Esoteriker selber beklagen einen „Supermarkt der Spiritualität“:[72] Verschiedene, teils widersprüchliche spirituelle Traditionen, die über Jahrhunderte in unterschiedlichen Kulturen der Welt entstanden, würden in der Konsumgesellschaft zur Ware, wobei sich verschiedene Trends und Moden schnell abwechselten („gestern Yoga, heute Reiki, morgen Kabbala) und als Produkt auf dem Marktihres eigentlichen Inhalts beraubt würden (Lifestyle). Dieser Umgang sei oberflächlich, reduziere Spiritualität auf Klischees und beraube sie ihres eigentlichen Sinnes.

Dabei ist aber wiederum auch verblüffend, was alles in einen Topf geworfen wird. Yoga empfiehlt auch mein Orthopäde, es ist die Königsdisziplin der Rückengymnastik. Das jetzt Staat und Kirche Yoga verbieten wollen, verwundert mich aber nicht: an Schmerzen verdienen beide. Reiki kenne ich nicht (und möchte es auch nicht kennenlernen), die Kabbala ist ein komplexe Farben- und Formenlehre, die den Ausfluß Gottes in die Welt beschreibt – ein elementarer Bestandteil jüdischer Mystik. Das zu verbieten lohnt sich auch, wer sich damit beschäftigt, konsumiert nicht mehr und zahlt vielleicht auch keine Kirchensteuer.

Kein Wunder, das auch die Kirche gegen Esoterik wettert (nach Wikipedia, gleicher Ort):

Gott kann seinen Propheten und anderen Heiligen die Zukunft offenbaren. Die christliche Haltung besteht jedoch darin, die Zukunft vertrauensvoll der Vorsehung anheimzustellen und sich jeglicher ungesunder Neugier zu enthalten. (…) Sämtliche Formen der Wahrsagerei sind zu verwerfen: Indienstnahme von Satan und Dämonen, Totenbeschwörung oder andere Handlungen, von denen man zu Unrecht annimmt, sie könnten die Zukunft „entschleiern“. Hinter Horoskopen, Astrologie, Handlesen, Deuten von Vorzeichen und Orakeln, Hellseherei und dem Befragen eines Mediums verbirgt sich der Wille zur Macht über die Zeit, die Geschichte und letztlich über die Menschen, sowie der Wunsch, sich die geheimen Mächte geneigt zu machen. Dies widerspricht der mit liebender Ehrfurcht erfüllten Hochachtung, die wir allein Gott schulden. Sämtliche Praktiken der Magie und Zauberei, mit denen man sich geheime Mächte untertan machen will, um sie in seinen Dienst zu stellen und eine übernatürliche Macht über andere zu gewinnen – sei es auch, um ihnen Gesundheit zu verschaffen –‚ verstoßen schwer gegen die Tugend der Gottesverehrung.[64]

Also die „guten“ Esoteriker gegen die „bösen“ Esoteriker. Der Wille zur Macht über die Zeit, über die Geschichte und letztlich über die Menschen ist doch auch Antrieb der Kichenpolitik der letzten zweitausen Jahre gewesen – warum sollte man sie anderen vorwerfen? Nun – aus einem einfachen Grund. Wer Macht will, braucht Menschen. Viele Menschen. Der Sucht nach Macht entspringt auch die Religionskritik von Marx, die in erster Linie Kritik gegen die „Tugend der Gottesverehrung“ ist:

Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüth einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks.

Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks. Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist. “

Quelle: Wikipedia

Dabei bedient sich Marx der gleichen Prinzipien, mit der auch die Kirche ihre Schäfchen im Stall hält: Folgt mir und ich werde Euch ins Paradies führen. Sein Paradies ist die klassenlose Gesellschaft, die im Detail der Paradiesvorstellung der Kirche entspricht – beide liegen im Jenseits, das marxistische Paradies in unerreichbarer Zukunft, das kirchliche Paradies im unerreichbaren Himmel hinter den Himmeln, beide gelten aber mit viel Arbeit auch auf Erden als erreichbar, wobei der christliche Weg der einfachere ist:

Gehe hin, verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen,

Quelle: Bibeltext

Das darf man keinem Christen in diesem Land ernsthaft vorschlagen, weshalb das Christentum an der gleichen Krankheit leidet wie der revolutionäre Marxismus, hören wir dazu mal Trotzki, einen Revolutionär der ersten Stunde:

Die durch und durch philisterhafte, unwissende und einfach dumme Hetze gegen die Theorie der permanenten Revolution entsprang gerade diesen psychologischen Quellen. Bei einer Flasche Wein oder auf dem Heimweg vom Ballett sprach ein selbstzufriedener Bürokrat zu dem anderen: „Der hat immer nur die permanente Revolution im Kopfe.“ Eng damit verbunden sind die Anschuldigungen wegen meiner Ungeselligkeit, wegen meines Individualismus, Aristokratismus und so weiter. „Aber doch nicht immer und nicht alles nur für die Revolution, man muß auch an sich denken“ – diese Stimmung wurde übersetzt mit: „Nieder mit der permanenten Revolution“ Der Widerstand gegen die theoretischen Ansprüche des Marxismus und die politischen Ansprüche der Revolution nahm für diese Menschen allmählich die Form des Kampfes gegen den „Trotzkismus“ an. Unter dieser Flagge vollzog sich die Entfesselung des Kleinbürgers im Bolschewik. Darin eben bestand mein Verlust der Macht, und das ergab die Form, in der dieser Verlust erfolgte.

Quelle: marxists.org

Das hier Religion als Opium des Volkes empfunden wird, ist klar: wie bei der Esoterik geht es um Macht über Menschen. Aber da tun sich Christen, Esoteriker und Marxisten überhaupt nichts, in ihren Zielen sind sie sich da einig: alle wollen ins Ballett. Die einen sind schon drin, die anderen wollen auch hinein, weshalb das Proletariat die Diktatur ausrufen muß:

Das Proletariat (ursprünglich im nicht-marxistisch vom lat. proletarius „der untersten Volksschicht angehörend“) bezeichnet die mit der Entwicklung des Kapitalismus und der Industrialisierung entstandene neue Klasse von abhängig Beschäftigten in den aufkommendenManufakturen und Fabriken. Marx definiert den Proleten als doppelt freien Lohnarbeiter: Frei von Leibeigenschaft, also im Besitz seiner selbst und „frei“ von Produktionsmitteln, die ihm ein Überleben durch Arbeit sichern könnten.

Quelle: Wikipedia

Heute, mit der Erfahrung der Korporatokratie, der weltweiten Diktatur der Konzerninteressen im Hintergrund, sehen wir die Fronten noch deutlicher, die sich im 19.Jahrhundert schon abzeichnen: alle Revolution führte nur dazu (und sollte einzig diesem Zwecke dienen) dem Intellektuellen einen besseren Platz am Fleischtopf der Konzerne zu sichern. Hatte er den inne, baute er auch den Ford in Lizenz. War Religion Opium fürs Volk, so war es der Marxismus erst recht. Der Marxist braucht den Konzernarbeiter um einen Sitz im Vorstand zu bekommen – und nur darum geht es. Marxismus gegen Kapitalismus war eine Lüge – von Anfang an. Es ging nur um eins: die Ausbreitung der Konzernherrschaft und die Mobilisierung der Massen zu diesem Zweck, weil die Konzernherrschaft eine weltweite Ausbreitung des westlichen Feudalismus versprach, der sich „der Arbeiter“ gerne anschloß. Sein Engagement (und das der Gewerkschaften)  gegen die Agenda 2010 war dementsprechend … entlarvend.

Und doch hatten alle drei Großmächte und Fangarme der Korporatokratie einen gemeinsamen Feind, gegen den sie heute noch vorgehen: die Esoterik. Der friedliche meditierende Zen-Buddhist auf der Bergspitze läßt sich nicht in revolutionäre Masse umwandeln, noch in Produktivkapital, noch in Kirchensteuer, der Medizinmann der Sioux führt den Kampf gegen die Eisenbahn und die Fabriken des weißen Mannes nicht aus territorialen Ansprüchen heraus, sondern weil nach seiner Überzeugung die Kultur des weißen Mannes zur Vernichtung der Welt führt, die Indianer des Amazonasbeckens führen ihren Krieg, weil ihnen das Leben des Waldes heilig ist.  Darum brachte die US-Armee gezielt die Medizinmänner um – nicht die Kriegshäuptlinge, darum sterben auch heute noch weltweit die „heiligen“ Männer des Volkes – und darum führen in der Eifel die Gesundbeter und dörflichen Heiler ein Leben im Verborgenen.

Was können die Gesundbeter? Schmerzen nehmen – gerade die Schmerzen von Brandwunden. Sie können Blutungen stillen, gerade bei schweren Verletzungen. Ärzte schwören darauf, schicken ihre Patienten lieber zum Heiler als ins Krankenhaus. Überraschend für mich war, das ich die einige der Ärzte persönlich von früher kenne – und jetzt ihre andere Seite kennenlerne. Überraschend ist auch, das ich – nach zwanzig Jahren – ein Fremder bin, dem man mit Zurückhaltung begegnet. Die Angst ist groß – vor der Kirche, vor dem Staat, vor den Medien – kurz: vor den Herrschern der Welt.

Mitten in Deutschland (und dann noch in der Eifel) solcher Angst zu begegnen, betrübt. Man berichtet mir von Heilern, gibt mir sogar Daten zu Kontaktpersonen (wenn ich mal persönlich was brauchen sollte) … aber jene Plätze, die Migräne heilen, verrät man mir nicht.  Überraschend ist – in unserer ach so freien, ach so aufgeklärten Gesellschaft gibt es schon viel Literatur über diese Phänomene – doch keine Konsequenzen hinsichtlich ihrer Nutzbarmachung für die Menschen.

Stattdessen überschwemmt man den Markt mit US-amerikanischer Wischi-Waschi-Esoterik, die die Menschen immer weiter in die Fangarme der Korporatokratie führt.

Nun – ich halte mein Versprechen, erzähle nichts über Gesundbeter…. nur etwas über ihr Weltbild. Grob und unpersönlich.  Es ist das älteste Weltbild der Menschheit, dem man dort begegnet, es ist die Welt der Hindu, der Buddhisten, der alten Juden, der Urchristen. In ihr ist Gott keine durch die Bibel vermittelte Annahme, sondern eine lebendige, erfahrbare Realität – wie auch die Dämonen. Es ist das alte, schamanische Weltbild, das sich hier offenbart – weil es Wirklichkeit ist. Keine Wahrheit – nur Wirklichkeit. Es ist ein Weltbild, das der Realität von Menschen sehr gerecht wird, denn wir Menschen sind alle auf einer „esoterischen“ Reise. Sie beginnt mit der Geburt und endet mit dem Tod – wir kommen aus der Welt der Rästel und gegen in eine Welt der Rätsel, was uns eine gewissen Gelassenheit angesichts der aktuellen Politik verleihen kann, eine Gelassenheit, die man gut gebrauchen kann, um angesichts des Wahns nicht selbst zur Bestie zu werden. Es ist die Aufgabe des Heilers, den Menschen auf dieser Reise vor Schaden zu bewahren,  wie es die Aufgabe des Philosophen sein sollte, ihn vor der Manipulation zu schützen … und die Frage zu stellen: wo ist der Platz der Vegetarier beim Kampf um die Fleischtöpfe?

Wenn wir Fronten in dieser Welt ziehen wollen, wenn wir die Welt als Kampf von Ideen verstehen wollen, so verläuft die Front der Auseinandersetzung anders. Es ist der Kampf des Indianervolkes am Amazonasbecken gegen die Ölindustrie.

Auf der einen Seite Menschen, die glücklich und zufrieden mit drei Stunden Arbeit am Tag im Paradies leben, auf der anderen Seite eine gigantische Maschinerie, die das Paradies verspricht … in Zukunft, im Jenseits, im Himmel, in der Utopie, mit einem zehn-Stunden-Arbeitstag in der Betonwüste am Stadtrand von Bitterfeld.  Die einen leben nachhaltig, gesund, umweltverträglich und schützen sich erfolgreich vor bösen Geistern, die anderen schützen sich nicht … und werden selbst zu bösen Geistern, die die Welt ausplündern und vernichten.

Es ist letztendlich der Mythos des Kampfes des Zauberers gegen die seelenlosen Ungeheuer – und er erscheint aktueller denn je.

Dort, wo Esoterik Wirklichkeit wird, wird sie zur Gefahr für die herrschenden Kasten … von denen es halt nicht nur eine gibt.  Sie ist geeignet, den Mob zu demobilisieren, den Menschen zu sensibilisieren, seine Aufmerksamkeit zu schärfen, seinen Horizont flexibel zu erweitern und ihn unabhängig zu machen von den Heilsversprechen der Kosmokraten aller Art …. und das stört den Kirchenmann, den Revolutionär und den Kapitalisten – man braucht ja den Mob, um ins Ballett zu kommen.

Und was den Geisterspuk generell angeht: den Luxus, nicht an ihn zu glauben, kann man sich nur erlauben, wenn man noch keinem begegnet ist. Das unterscheidet Kant von Goethe, Darwin von Jung. Allerdings hatte Kant einen gewissen Respekt davor, er meinte nur: das geht uns nichts an. Auch das ist eine Grundüberzeugung der Medizinmänner und zauberkundigen Heiler.

Es gibt übrigens eine möglicherweise hilfreiche Richtschnur im Umgang mit Esoterik, falls man nun doch dem Rat von Kant (und Castaneda – doch das ist ein anderes Thema) nicht folgen möchte: Esoterik im ursprünglichen Sinne ist kostenlos und ideologiefrei. Wer Geld nimmt oder Führerschaft beansprucht, ist ein Heuchler. Todsicher. Wer Reklame für sich macht, auch. Darum darf man ruhigen Gewissens die Abteilung „Esoterik“ in der Buchhandlung meiden, alles, was relevant ist, findet sich bei Platon – und mehr braucht kein Mensch.

Amoklauf in Lörrach, soziale Kälte und Völkermord – schmeißt die Ungarn aus der EU und die Banker hinterher

Wenn Schüsse durch die Nacht hallen werden Menschen wach. Jedenfalls in Städten. Auf dem Lande ist man das gewöhnt. Zwei Tage soll es dauern, bis hier Jugendliche für wenig Geld eine Schußwaffe kaufen können. Ich mag diesem Gerücht nicht nachgehen … aber es würde mir erklären, warum wir uns auf solche Meldungen einstellen müssen:

Vier Tote und mehrere Schwerverletzte: Das ist die vorläufige Bilanz eines Amoklaufs in Lörrach. Die Täterin wurde von der Polizei erschossen. Die Frau hatte zunächst in einem nahegelegenen Haus um sich geschossen und war dann in Richtung eines Krankenhauses geflohen.

Quelle: Spiegel-online

Ich beschäftige mich gerade – immer noch – mit dem Völkermord in Ruanda, konkret mit der Frage: könnte das hier auch passieren. Das Menschen ihre Nachbarn töten – einfach so, von heute auf morgen. Eine blöde Frage eigentlich, denn … das haben sie schon einmal getan. Gut, sie sind nicht mit Macheten auf sie losgegangen, haben sie bestialisch gefoltert und zum Kannibalismus ihrer eigenen Kinder gezwungen (was ja auch Satanisten gerne machen, das ist rituell für irgendetwas in den kranken Hirnen sehr wichtig und logisch), sie haben nur gesagt: da hinten wohnt der Jude, der Sozi, der Kommunist – und haben danach von nichts gewußt.  Ist weniger grausam, aber ein gleiches Prinzip.

Es ist ja nicht der erste Amoklauf, den wir hier hatten. Generell – so die Polizei – nehmen Straftaten ab, aber die Gewalt nimmt zu. Aber Statistiken sind halt nur korrekt für die interpretierbar, die sie erstellt haben – und hier werden ja leider auch oft viele Beruhigungspillen verabreich, so wie jetzt in Lörrach:

„Es war eine Beziehungstat“!

Die Täterin schoss mit einer kleinkalibrigen Faustfeuerwaffe. Tatort war die Wohnung des Mannes in einem Mehrfamilienhaus in der Lörracher Innenstadt. In dieser habe es eine heftige Explosion gegeben. Diese sei von der Frau durch Brandbeschleuniger ausgelöst worden. Der Mann und das Kind lebten gemeinsam in der Wohnung, die Frau nicht. Die Wohnung wurde komplett zerstört.

Auf ihrer anschließenden Flucht ins benachbarte Elisabethen-Krankenhaus tötete die Frau einen Pfleger und verletzte durch Schüsse vor dem Gebäude zwei Passanten sowie in der Klinik einen Polizeibeamten. Lebensgefahr bestand in der Nacht bei keinem der Verletzten mehr. Im Flur des ersten Obergeschosses wurde die Frau von der Polizei erschossen, nachdem sie wild um sich gefeuert habe,

Quelle: Handelsblatt

Hat Feuer gelegt, die Familie erschossen und wollte danach irgendwen im Krankenhaus erschiessen …. aber wir können uns beruhigt schlafen legen. Schüsse in der Nacht machen wach, und wache Menschen müssen ruhig gestellt werden, damit sie nicht sehen, was in diesem Land – und in diesem vereinten Europa wächst.

Den Anblick ihrer verarmten Landesgenossen können die neuen Saubermänner auf Ungarns Regierungsbank offenbar nicht ertragen. Bereits im Juli hatte Innenminister Pinter Sandor angekündigt, alle öffentlichen Plätze von Bettlern und Personen „säubern“ zu wollen, die die Atmosphäre im Land „degradieren“. Den Worten ließ sein Ministerium rasch Taten folgen: In einem zu Monatsbeginn auf der Website des Ministeriums veröffentlichten Gesetzentwurf zur „Sicherung der Straßenzirkulation“ wird bei „unangebrachter Nutzung“ öffentlicher Plätze den Behörden das Recht eingeräumt; Obdachlose von diesen zu „verbannen“.

Quelle: Die Welt

Wo so mit Schwachen umgegangen wird, wächst die Angst. Angst verleitet zur Flucht … oder zum Kampf. Angst kann als Störung auch unbegründet sein, nicht aber, wenn man kompetente Zeugen hat, die einem von der Machtübernahme der Korporatokratie in Deutschland berichten:

Welt am Sonntag: Halten Sie die Wirtschaft allgemein für verkommen?

Steinbrück: Ich spreche von Teilen der Finanzbranche, die ich kennengelernt habe. Um die herum kreisen juvenile Anwälte, Anlageberater, Investmentbanker, denen die Bindungskräfte in der Gesellschaft bis hin zu regelsetzenden staatlichen Institutionen, die mit Ressourcen – also Steuereinnahmen – ausgestattet werden müssen, gelinde gesagt gleichgültig sind. Die profitieren von der Stabilität in Deutschland, aber geben wenig zurück, und fühlen sich angegriffen, wenn man ihnen sagt, dass der von ihnen verachtete Staat überhaupt erst den Rahmen bietet, um ein auskömmliches Leben zu haben.

Quelle: Die Welt

Hier wird – wie in Ruanda – gezielt an der Destabilisierung einer Gesellschaft gearbeitet. Wie immer in den letzten hundert Jahren trifft es die ökonomisch Bescheidenen zuerst: Roma und Obdachlose. Sie dürfen nicht sein, weil ihre Existenz den Mythos der Marktwirtschaft als Lüge entzaubert. Außerdem könnten gerade die Roma den Eindruck vermitteln, man könnte ohne viel Geld glücklich werden – dem gilt es entschieden entgegenzutreten.

Ich denke, es würde den Menschen mehr Hoffnung und Zuversicht geben, wenn man die Ungarn aus der EU schmeißen würde, sobald die Obdachlosen von der Straße verschwunden sind. Gleich hinterherwerfen sollte man die Kosmokraten (siehe Jean Ziegler) und ihre Höflinge – die sind ja sowieso alle international ausgerichtet, wäre also für die nicht so schlimm.  Es wäre eine Art Notwehr, denn wer die Bindungskräfte der Gesellschaft gezielt schwächt (und sei es nur, das er 260 Millionen mit der Privatisierung von Krankenhäuser und der Einführung von „Fließbandmedizin“ scheffelt wie unser Baron von und zu Guttenberg) darf sich nicht wundern, wenn die Gesellschaft auseinanderbricht.

Das interessiert den Jet-Set nicht, die sind mit schnellen Privatautos schnell am Privatflughafen und mit dem von privaten Sicherheitsleuten bewachten Privatjet ganz schnell auf ihrer Privatinsel, wo sie im Privathaus von ihrem Privatvermögen leben – das Bild erinnert an brutale finstere menschenfeindliche Piratenkapitäne auf der Flucht.

Ach ja … privat … laut Wikipedia: „abgesondert, beraubt, getrennt“

Privatwirtschaft ist somit Raubwirtschaft, Raubwirtschaft schafft soziale Kälte … und die tötet, weshalb ich mit einer Zunahme von Beziehungsdramen rechne. Da gab es ja letztens erst einen Rentner, der schlechte Beziehungen zur Polizei hatte.

Nachdem Peter K. schon am Donnerstag einen Polizisten schwer verletzt hatte, feuerte er in der Nacht zum Freitag erneut auf die Beamten. Zum Glück wurde diesmal niemand verletzt. In beiden Fällen konnte der 67-jährige entkommen.

Grund für den Amoklauf von Peter K. ist anscheinend die geplante Versteigerung seines Wohnhauses nahe der Innenstadt von Biel.

Quelle: BZ

Zwangsversteigerungen bringen immer nur den Bruchteil des Wertes. Kann einem wie Raub vorkommen, gegen den man sich wehren möchte, war aber sicher nur ein „geistig verwirrter Rentner“.

Ich meine mich an Zeiten erinnern zu können, wo das Land noch amokfrei war.

Inzwischen laufen immer mehr Amok – vor allem in der Wirtschaft und der Politik. Das das Volk irgendwann mitmacht, wenn die Elite es vorlebt – wen wundert´s?

ARD: Rentnerfunk probt still und heimlich Massenenteignung, David Michael Hanfeld gegen Goliath Peter Boudgoust

Nun bahnt sich ja wieder mal Ungeheuerliches an.  Die öffentlich-rechtlichen Medien ARD (Alles Richtig Dolle!) und ZDF (Zügle Deine Fantasie!) die uns so berauschende Serienformate wie „Wetten Das“, „Die Schwarzwaldklinik“ oder den „Musikantenstadl“ geschenkt und damit den kulturellen Horizont der Menschheit Ende des 20.Jhd. deutlich erweiterten (allerdings nach unten, aber Hauptsache: Wachstum!) basteln sich hinten herum eine Wirklichkeit zusammen, die ihnen viele zusätzliche Millionen Euro in die schon übervollen Kassen spülen soll.

Was steht an?

„Internet“ soll „Rundfunk“ werden und damit „Eigentum“ des Staates. Und wenn „Internet“ „Eigentum des Staates“ geworden ist, dann kann man es vermieten oder verkaufen wie Sendefrequenzen – und das heißt dann: kleine bescheidene aber unabhängige weil bundespresseballsuchtfreie Medienformate wie dieses hier … wird es dann nicht mehr geben. Dafür wird aber in die Taschen eines jeden Internetnutzers zugunsten eines Weltkonzerns gegriffen.

Weltkonzerns?

Richtig, im Ranking der Medienkonzerne befindet sich die ARD mit einem Umsatz von 6,835 Milliarden Euro auf Platz 18. Sicher, Walt Disney (Platz 1 mit 25,917 Milliarden) macht viel mehr Umsatz, liefert dafür aber auch Sendeformate, die auch für Zuschauer vor der Pensionierung interessant sind.

http://www.mediadb.eu/rankings/rankings.html

In meinen Augen hätte ein öffentlich-rechtliches Medium in dieser Statistik überhaupt nichts verloren, aber da das Institut, das dieses Ranking veröffentlicht,  Hauptpartner der Bundeszentrale für politische Bildung ist, nehme ich an, wissen sie, was sie sich dabei gedacht haben in dem sie privatwirtschaftlich organisierte Konzerne mit Beitragsfunk in einen Topf schmeißen. Das ZDF – nur der Vollständigkeit halber – zügelt auch beim Umsatz seine Phantasie mit nur knapp zwei Milliarden und liegt weit abgeschlagen hinter Burda, Springer, Holtzbrink und erst recht hinter Bertelsmann, der bald mehr Umsatz macht als alle anderen zusammen: 15, 87 Milliarden.

Nun haben ARD und ZDF das Problem, das Zuschauer unter 60 die Programme nicht so toll findet wie die Produzenten selber es tun, auch haben sie keine Lust, ihre Fantasie zu zügeln und bilden sich lieber woanders fort.

Man hätte ja nun einfach die Programme verbessern können: aber wir sind ja beim öffentlichen Rundfunk. Da geht das nicht. Die suchen lieber nach anderen Wegen, die Konkurrenz auszuschalten und sagen einfach: alles Papier ist unser um die Konkurrenz zu beseitigen. Was ihr drauf schreibt, ist uns egal, aber wenn es uns nicht paßt, gibt es eben kein Papier mehr.

Nun, das paßt natürlich nicht zum Förderauftrag des öffentlich rechtlichen Rundfunkes werden jetzt manche einwenden. Gut, sage ich, da habt ihr Recht. Also zeige ich mal, wie der öffentlich rechtliche Rundfunk mit seinen Kritikern umspringt. Vertrauliche Quellen haben uns da nämlich was zugespielt:

http://www.ard.de/intern/-/id=1886/nid=1886/did=1527714/exkc18/index.html

„Offener Brief“ an den Herausgeber der FAZ

Am 21.07.2010 hat die FAZ auf ihrer ersten Seite unter dem Titel „Bestellte Wahrheiten“ einen Leitartikel veröffentlicht, in dem der Autor den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in einer Reihe nennt mit „Herrschaft des Staatsjournalismus“, „totalem Machtanspruch“ und „Ende der freien Presse“. In einem offenen Brief an Frank Schirrmacher verwahrt sich der ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust im Namen der ARD vor derartigen Unterstellungen und geschichtsvergessenen Vergleichen.

Wie es scheint, haben also auch andere Medienschaffende von den Umtrieben bei ARD/ZDF erfahren … und sich erlaubt, eine Meinung dazu zu bilden. „Herrschaft des Staatsjournalismus“, „totalem Machtanspruch“ und „Ende der freien Presse“ – das hört sich alles sehr hart an … aber wir wissen, das es so kommen kann. Alle Häßlichkeiten, die den Bürger in seinem Investierrausch bremsen könnten, werden zum Beispiel jetzt schon mit großer Gewalt aufgrund der staatsbürgerlichen Verantwortung des Journalisten nur sehr eingeschränkt veröffentlicht – gerne auch nur in der Fachpresse, denn wie auch in der Medizin so sollte der Bürger auch beim Thema Wirtschaft sehr kurz gehalten werden, damit er sein Geld auch weiterhin den Banken zum Spielen gibt.  Und es war ein geschickter Schachzug des Rentnerfunks, in der Auseinandersetzung um die Lufthoheit im Internet einfach den ganzen Luftraum für sich zu beanspruchen.  Doch schauen wir, wie der Herr Peter Boudgoust mit den Kritikern umgeht: er schreibt dem Chef des Autors einen Brief.

Sehr geehrter Herr Dr. Schirrmacher, 

in der medienpolitischen Berichterstattung der Presse bin ich als ARD-Vorsitzender und SWR-Intendant schmerzerprobt und durchaus einiges gewohnt. Dass verlegerische Interessen dabei mitunter einmal höher gewichtet werden als das Bemühen um journalistische Wahrhaftigkeit – geschenkt.

In der heutigen Ausgabe der FAZ aber stellt der Leitartikler Michael Hanfeld einen Zusammenhang zwischen dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland und der „Herrschaft des Staatsjournalismus“ her. Gegen diese Darstellung verwahre ich mich im Namen der ARD entschieden. Dies ist geschichtsvergessen und maßlos. Es macht mich sprachlos, dass Sie dies in einer Qualitätszeitung wie der FAZ zulassen.

Wir haben zwar Meinungsfreiheit, aber wehe jemand äußert eine Meinung, die nicht zuvor abgesegnet wurde. Und selbst dann wird Druck gemacht, der entsprechende Mitarbeiter bekommt seine ARGE-Nummer zugeteilt und man kann in Ruhe weiter über das Feuerwehrfest in Bottrop berichten, das allen so viel gebracht hat.  Es ist schon wirklich sehr weit gekommen in diesem Land, das man so unverfroren drohen kann womit zumindest das  ARD  Ostblockzustände anbahnt (womit nicht gesagt wird, das sie das in aller Konsequenz auch durchziehen werden – sie werden aber jeden Euro Lizenzgebühren einfahren).

„Geschichtsvergessen und maßlos“ sei der Herr Hahnfeld, so tönt der Funktionär des Staatsfunks, ohne es konkret belegen zu können. Aber man kann es ja einfach mal ablassen, auch wenn es keinen Inhalt hat. Welche Geschichte da wer vergessen haben soll, weiß ich nicht. Leider ist der Herr Boudgoust nicht so sprachlos wie er angibt, aber er weiß ja, das journalistische Interessen manchmal anderen Interessen untergeordnet werden müssen.

Selbstverständlich stellen wir uns jeder Kritik. Aber von einem „Ende der freien Presse“ und einem „totalen Machtanspruch“ der öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland zu sprechen, nur weil ein unabhängiges Gutachten des ehemaligen Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Prof. Hans-Jürgen Papier, nicht den Interessen der Verlage zu entsprechen scheint, ist völlig unverhältnismäßig und einer seriösen Zeitung unwürdig.

Das Wort „seriös“ spielt hier eine wichtige Rolle, weil es der Sprachcode ist, nachdem auch die Lizenzen und die Einladungen zum Bundespresseball vergeben werden, zu dem der Herr Hanfeld nun wohl nicht mehr eingeladen werden wird. Ich möchte diesen Passus des Herrn Boudgoust mal übersetzen: Wenn ihr weiterhin im Medienfilz mitspielen wollt, dann schmeißt den Hanfeld ´raus.

Dass der Kommentator überdies den Eindruck erweckt, die beiden hochgeachteten ehemaligen Verfassungsrichter Papier und Kirchhof hätten „Gefälligkeitsgutachten“ abgegeben, erschreckt mich als Staatsbürger, ohne dass ich es weiter kommentieren will. Ebenso erspare ich es mir, auf die völlig überzogene Darstellung einzugehen, nach der die ARD „viele hundert Millionen Euro“ fürs Internet ausgibt. Die Kosten für alle Online-Angebote der ARD lagen 2009 unter 100 Millionen Euro. Das gilt auch für 2010, nachzulesen im KEF-Bericht, Seite 125/126.

Ich schreibe Sie zum ersten Mal persönlich an, denn mit dem Kommentar von Herrn Hanfeld ist meines Erachtens eine Grenze überschritten. Das wollte ich Ihnen noch heute in einem offenen Brief mitteilen.

Mit freundlichen Grüßen

Peter Boudgoust

Da wurde also eine Grenze überschritten. Es wurde der Verdacht geäußert, das da nicht alles mit rechten Dingen zu geht, das geht im Bereich von Alles Richtig Dolle und Zügle Deine Fantasie ja nun mal gar nicht, die müssen Rücksicht auf ihre Zuschauer nehmen, denen jederzeit ein Herzinfarkt droht, wenn sie sich zu sehr aufregen. Selten, ja wirklich ganz selten waren Menschen so einfältig, schriftlich in ihrer Verteidigungsrede zu beweisen, das der Ankläger völlig recht hat. Das erschreckt jetzt mich mal als Staatsbürger, denn immerhin zahle ich diesen Boudgoust wie alle anderen Staatsgeldempfänger auch … und das hier in aller Öffentlichkeit ein Journalist durch massive Drohungen gegen seinen Arbeitgeber eingeschüchtert werden soll, zeigt, wie weit es schon gekommen ist und wie sicher diese Staatsjournalismusfunktionäre sich mitlerweile  in ihrem Sattel fühlen.  Als Souverän diese Landes geht da bei mir mehr als nur eine Augenbraue hoch.

Aber schauen wir doch mal was der Herr Hanfeld so schlimmes geschrieben hat:

Bestellte Wahrheiten

Online ist Rundfunk: Plagten sich ARD und ZDF bislang wenigstens pro forma mit der Auflage herum, ihre Angebote im Internet sollten nicht „presseähnlich“ sein, sind sie nach der Vorstellung des früheren Verfassungsrichters Papier nun aller Rechtfertigungszwänge ledig.

Von Michael Hanfeld

21. Juli 2010 

Du bist Rundfunk, ich bin Rundfunk, wir alle sind Rundfunk. Sie betreiben einen Blog im Internet? Dann sind Sie Rundfunk. Sie arbeiten für einen Verlag, bei einer Zeitung, einer Zeitschrift, die einen Online-Auftritt unterhält, mit Texten, Bildern, kurzen Filmen?

Dann arbeiten Sie für den Rundfunk. Eigentlich ist jeder Rundfunk, der eine Website betreibt. Und eigentlich muss sich jeder dafür rechtfertigen, denn für den Rundfunk braucht man entweder eine Lizenz vom Staat oder muss ihn direkt im Auftrag des Staates betreiben, so wie die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF.

Ja, so sehen das viele andere auch. Da hat ein Gutachten eine Tür geöffnet, hinter der sich viele Millionen Euro Lizenzgebühren befinden, weil der Staat den öffentlichen Raum als Privateigentum definieren will.

Und alles andere im Internet ist was? Rundfunk, sagt der von den Rundfunksendern mit Rundfunkgebühren bezahlte Rechtsfachmann. Und wo in Deutschland Rundfunk ist, da gilt der „Grundversorgungsauftrag“ der Öffentlich-Rechtlichen, die auch im Internet die einzig wahre Informationsquelle darstellen.

Mehr gibt es, denke ich, nicht dazu zu sagen. Aber Herr Hanfeld … hat doch noch was dazu gesagt:

http://www.dwdl.de/story/27020/schlagabtausch_zwischen_ard_und_faz/

Gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd) sagte „FAZ“-Redakteur Hanfeld zu dem offenen Brief Boudgousts: „Wenn der Vorsitzende der ARD an einen Herausgeber der ‚FAZ‘, meinen Chef, einen offenen Brief schreibt, in dem er mich, den Redakteur, angreift, dann verrät mir das viel über den Byzantinismus und das hierarchische Denken, das in den obersten Etagen der ARD herrscht.“
 
Das sieht auch der „Spiegel“ ähnlich:
 
http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,707918,00.html
Und so kam irgendwer auf die kreuzdämliche Idee, der ARD-Vorsitzende solle doch an die „FAZ“ schreiben. Doch Peter Boudgoust schrieb nicht etwa an Herrn Hanfeld persönlich. Er schwärzte den nervigen Journalisten öffentlich bei seinem Chef an. Mit einem offenen Brief, veröffentlicht auf ard.de, angekündigt auf der Startseite, gerichtet an „FAZ“-Herausgeber Frank Schirrmacher.
Vermutlich kennen öffentlich-rechtliche Hierarchen solch eine Vorgehensweise aus ihrem Umgang mit Politikern. Die laufen ja auch gern gleich zum Senderboss, wenn ihnen nicht gefallen hat, was so ein kleiner Fernsehredakteur da wieder mal verbrochen hat. Mag also sein, dass Peter Boudgoust ein solcher Stil vertraut ist. Ein guter Stil ist es dennoch nicht
 
Kreuzdämlich mag die Idee gewesen sein, aber ich finde, sie kam gerade richtig. Es ist auch keine Frage von „Stil“, wie Leute formulieren mögen, die sich die Einladung zum Bundespresseball nicht vermiesen wollen. Es zeigt vor allem, das in den Kreisen des Staatsfunks Menschen ihr Unwesen treiben, die noch ein ziemlich feudales Selbstverständnis ihrer Position und Stellung haben. Als Gebührenzahler kann ich nur sagen: Menschen wie Peter Boudgoust haben in einer Demokratie an solchen Positionen nichts aber auch gar nichts  verloren. Seine Position öffentlich dazu zu benutzen, einen freien Journalisten anzugreifen mit der Absicht ihn über seinen Chef mundtot zu machen, ist ein Umgang wie man ihn von totalitären Staaten gewohnt ist.
Und insofern ist es für alle Bürger und Souveräne dieses Landes wichtig zu sehen, wie „die“ über „uns“ denken, wie „die“ meinen mit „uns“ umspringen zu können … und ich mag nicht darüber nachdenken, wie „die“ wohl über uns reden, wenn … gerade keine Öffentlichkeit vorhanden ist.  Geht man davon aus, der sich der Herr Boudgoust noch gezügelt hat, so fällt es nicht schwer, sich auszumalen, was da hinter verschlossenen Türen geschieht, wenn „die“ ganz und gar keine Rücksicht mehr nehmen brauchen.
Jemand, der zu  solchen Methoden und Formen des Umgangs neigt, sollte sich nicht wundern, das man die Qualität seiner Gutachten anzweifelt, denn es bleibt doch die Frage: mit welchen Druckmitteln hat er denn dieses Ergebnis erzielt?
Und die Absichten, die hinter dem Gutachten stehen, kann man wohl ebenfalls nicht unbedingt „ehrenhaft“ nennen.  Es droht nicht mehr oder weniger als die Enteignung aller Internetschaffenden. Ob es auch gemacht wird, ist die Frage.  Aber wer könnte schon der Versuchung wiederstehen, etliche Millionen Lizenzgebühren zu beziehen und gleichzeitig allen möglichen Druck auf unbeliebsame Meinungen ausüben zu können?
Nun… wie es scheint, könnte der Vorsitzende der ARD nicht widerstehen. Wenn der erst den Finger am Drücker hat, dann warnt der gar nicht mehr – der löscht sofort. Muß er auch, gibt ja keinen Chef hier draußen, den man die Arbeit für sich erledigen lassen kann.
Man weiß letztlich gar nicht, was schlimmer an der Affäre ist: die Tatsache, das Funktionsbürokraten das Internet als Privateigentum beschlagnahmen wollen, oder die Tatsache, das sie sich aufführen wie Adelige im Mittelalter.
Aber ich weiß, welche Konsequenzen man als Bürger daraus ziehen muß: der Saustall muß ausgemistet werden, bevor Menschen wie der Herr Buodgoust unseren Arbeitgebern ebenfalls Briefe schreiben, wenn wir in ihren Augen nicht richtig funktioniert haben.
 
 

Riesenschritte in den Abgrund – die Endzeit naht

Dienstag Morgen, der 21.7.2009. Wir traben mit Riesenschritten in den Abgrund hinein. Warum nur? Sieht doch jeder, das es so nicht weitergeht. Sogar Barrack Obama.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,637220,00.html

Keine Konsequenzen, kein schlechtes Gewissen, kein Umdenken: Barack Obama hat das Verhalten der Wall-Street-Banker heftig kritisiert. „Man hat nicht den Eindruck, dass sich die Kultur geändert hat“, rügte der US-Präsident.

Nun, warum sollte sich die Kultur auch ändern? Die Kultur ist nicht mehr abhängig von der Ethik des Individuums, das weiß jeder, der sich mit amerikanischem Aktienrecht auskennt. Ein amerikanischer Konzern ist per Gesetz dazu verpflichtet, den Gewinn der Aktionäre zu mehren … und sonst nichts.

Nochmal … und sonst nichts. Selbst führende CEO´s haben schon offen bekannt: sie können nichts ändern. Sie sind nur ein Rad im Getriebe, und wenn sie nicht richtig rollen, dann … sind sie weg und werden durch das nächste Rad ersetzt. Die Boni sorgen dafür, das genug Ersatzräder zur Verfügung stehen.

Ein Konzern ist wie eine Maschine, die sich durch die Volkswirtschaften fräst, Geld in Unmengen anhäuft und an Aktionäre verteilt. Das ist keine Räuberbande, wo man dem Räuberhauptmann mal ins Gewissen reden kann. Das hier gewaltiger Mist läuft, wissen auch die konservativen Elitebanker – aber per Gesetz sind sie dazu verpflichtet, den Mist weiterlaufen zu lassen – und bekommen selbst in Zeiten der Krise ein fettes Schweigegeld, um ruhig mitzuspielen.

Wenigstens sie können sich halbwegs sicher sein, letztlich nicht auch in den Abgrund zu stürzen, in den die ersten jetzt schon hineinfallen:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,637222,00.html

26,3 Milliarden Dollar fehlen im Haushalt des US-Bundesstaats Kalifornien. Jetzt hat sich Gouverneur Schwarzenegger nach monatelangem Ringen mit dem Parlament auf Sparmaßnahmen geeinigt. Sozialleistungen werden massiv gekürzt, Zehntausende könnten ihre Krankenversicherung verlieren.

Die Leistungen für Menschen werden zuerst betroffen sein, um die Folgen der Mechanik der Kaptialanhäufung
durch das Konzernkonstrukt aufzufangen, werden sie hungern, frieren und an Krankheiten sterben müssen.
Irgenwo muß das Geld ja herkommen, das gierig und sinnlos an anderer Stelle konzentriert wird, um Geldspeicher zu füllen, die selbst Dagobert Duck, das Urbild das amerikanischen Kapitalisten, vor Neid erblassen lassen würden.

Schauen wir uns mal die Folgen in Kalifornien … für sich genommen die achtgrößte Volkswirtschaft der Welt, im Detail an:

Laut „Los Angeles Times“ würden Zehntausende ältere Menschen und Kinder aus der Krankenversicherung fallen. Die Gemeinden würden Milliarden bei Hilfsleistungen einsparen. Bei einer großen Zahl von Strafgefangenen werde die Haftstrafe reduziert, um Unterbringungs- und Bewachungskosten einzusparen. Angestellte des Bundesstaates würden weiterhin gezwungen werden, unbezahlte freie Tage zu nehmen.

Alte und Kinder … diejenigen, die am ehesten medizinische Hilfe brauchen, fallen schon mal aus der Krankenversicherung. Wie im Mittelalter wird es für Kinder ein Glücksfall werden, wenn sie erwachsen werden dürfen. Dann sind sie erstmal durch. Das ist die Rückkehr der Kindersterblichkeit, die früher dazu geführt hat, das die Bevölkerung nicht so schnell wachsen konnte. Die ersten 18 Jahre sind halt gefährlich … immer noch. Und die Alten … die brauchen auch wieder viel. Die dazwischen kommen mit deutlich weniger aus.

Die Gefängnisse werden entleert. Mörder, Vergewaltiger, Diebe, Dealer, Hehler … alles kommt ein wenig früher auf die Straße zurück. Nun, viele von ihnen saßen sowieso unschuldig…und in Amerika ist der Knast der Ersatz für das deutsche Sozialsystem. Aber wie werden sich diese Menschen entwickeln, wenn sie in ein noch weiter verarmtes Alltagsleben entlassen werden, das nun auch das Leben ihrer Kinder kosten kann? Werden sie reumütig ihren Beitrag zu einer positiven Gesellschaft leisten … oder weiter mit allen Mitteln ums Überleben kämpfen?

Nun, wir werden es sehen.

Auf jeden Fall werden die Angestellen des Bundes ihnen dabei immer seltener im Wege herumstehen, denn die sitzen unbezahlt zu Hause vor dem Fernseher … die preiswerteste Alternative (neben Lesen) die Zeit totzuschlagen.

Das riecht irgendwie schon nach einem Szenario, wie es in Entzeitfilmen gerne verwendet wird. Die „Klapperschlange“ läßt grüßen.

Zurück nach Deutschland. Hier in Hobbingen ist die Welt ja noch in Ordnung, man trinkt sein Bier, kümmert sich um traurige Eisbären im Zoo und trauert über abgelebte Popsänger.

Gut, am Horizont droht die Rente mit 69 und viele ahnen schon, das „Rente“ … wenn es für sie soweit ist … nur noch in Geschichtsbüchern als das „Goldene Zeitalter“ der Vergangenheit auftauchen wird.

Aber wir haben ja gelernt, ganz im „hier und jetzt“ zu leben, und „hier und jetzt“ hat man entweder Rente oder man braucht sie nicht. Was Morgen ist, braucht uns nicht zu kümmern, hat man uns gesagt, darüber nachzudenken beunruhigt nur und verzägert die Mahlzeiten.

Dabei ist eigentlich schon klar, was die nächste Regierung tun wird:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,637227,00.html

Regierung rechnet mit gewaltigem Schuldenschub
Die deutschen Staatsschulden steigen im Rekordtempo. Die Bundesregierung rechnet damit, dass Bund, Länder und Gemeinden bis Ende 2009 mit mehr als 1,7 Billionen Euro in der Kreide stehen – es wäre der höchste Wert aller Zeiten.

Klar, das auch hier ein Terminator gebraucht wird, das Volk schreit schon fast danach. Alte, Kranke, Kinder … alles fort damit, die kosten nur. Wurde im KZ auch so gemacht. ARBEIT MACHT FREI, aber dazu muß man schon schuften können bis zum Umfallen. Sonst wird das nichts.

Warum haben wir eigentlich diese Schulden?

Europa: 500 Milliarden investiert
Aufbau Ost: 500 Milliarden investiert
Banken: 500 Milliarden schon mal locker gemacht

Die Punkte 1 und 2 kosten weiterhin viel. Aber 1,5 Billionen hätten wir da schon mal. Sonderausgaben.
Scheint doch, als wenn wir ansonsten gar nicht so schlecht wirtschaften würden. Da wäre Agenda 2010 gar nicht notwendig gewesen, wenn wir den Rest nicht auch noch finanzieren müssten.

Was wir zu erwarten haben?

Ich denke, amerikanische Verhältnisse. Wir machen ja immer gerne nach, was die vormachen. Offene Gefängnisse, beurlaubte Polizisten … die schon jetzt so wenig verdienen, das sie zwischendurch Taxifahren, um ihre Kinder durchbringen zu können … gestrichene medizinische Versorgung, Rente weg …
das ist unsere Zukunft – auch in Hobbingen. Sie ist häßlich, sie ist unbequem, sie macht Angst.

Aber nur weil sie Angst macht, ist es nicht verkehrt, ihr ins Auge zu blicken.

Das hier ist kein schlechter Film, den man wegzappen kann, wenn´s zu gruselig wird.

Und, wie es aussieht, kommt auch kein James Bond und kein Kommissar Schimanski, der uns mal eben schnell aus der Falle heraushaut.

Wie es aussieht, sitzen wir in der Gülle und der Pegel steigt … unaufhaltsam.

Die letzten 100 Artikel