Soziopathen

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Deutschland, das Land der Kranken – oder das Land, das krank macht?

eifelphilosoph_200

eifelphilosoph_200Samstag, 27. 9.2014. Eifel. Wenn ich über das kranke Deutschland schreibe, werden Sie sicher irgendetwas Asoziales erwarten. Korruption in der Politik zum Beispiel: das ist ziemlich krank. Geschieht in Deutschland ganz öffentlich, 5000 Lobbyisten sorgen in Berlin dafür, dass die Politik ihrer Verbände durchgesetzt werden. Gut, es gibt auch Lobbyisten von Umweltschutzorganisationen – jedenfalls habe ich mal einen in Brüssel gesehen. Meistens jedoch können sich diese mit 100000 Euro/Jahr fürstlich versorgten Herren (eine Dame sah ich da noch nie, fällt mir gerade ein) nur große Konzerne leisten, die jederzeit ihre Aufwendungen für Lobbyisten als Werbekosten von der Steuer absetzen können – oder irre ich da? Ja – wir Bürger zahlen mit Preisaufschlägen und Steuern dafür, dass unsere Politiker davon abgehalten werden, in unserem Sinne zu arbeiten. Krank, oder?

Oder diese Bankenrettung. Groß titeln die Massenblätter, dass jeder dritte Euro für Soziales ausgegeben wird – das die anderen beiden bei den Banken landen, wird nicht erwähnt. Na ja – Scherz beiseite, dass ist übertrieben: aber dass wir schwerreichen, kerngesunden Bankern eine Sozialhilfe zahlen, die zigtausendfach über der Sozialhilfe für Bürger liegt, ist doch auch krank, oder?

Oder nehmen wir die Gesellschaft? Fast zwei Drittel der Deutschen hacken auf Juden, Ausländern (besonders Muslime), Arbeitslosen, Asylbewerbern oder Menschen mit Migrationshintergrund (auch hier: Muslime) herum. Alles faule Säcke, wenn man die vom Abstieg bedrohte Mittelschicht fragt (siehe Boell.de):

61 Prozent sind der Ansicht, dass in Deutschland zu viele schwache Gruppen mitversorgt werden müssen. Gerade in der verunsicherten Mittelschicht gibt es offenbar zunehmend ein Bedürfnis nach Abgrenzung. Schwache soziale Gruppen, z. B. Langzeitarbeitslose, werden für ihr eigenes Schicksal verantwortlich gemacht, auch um die Möglichkeit des eigenen Scheiterns von sich zu weisen.

Die Taz spricht von einer „Verrohung des Bürgertums“ (siehe Taz):

Die Umfrage belegt zugleich eine geradezu sprunghafte Zunahme rechtspopulistischer Einstellungen vor allem bei den Bürgerinnen und Bürgern mit höheren Einkommen (ab 2.598 Euro im Monat).

Ist das nicht krank? Superkrank? Ich meine: kann man solch´ ein asoziales Verhalten einer ansonsten wohl versorgten Speckschicht noch  geistig gesund nennen? Geht das nicht schon in den psychopathischen oder soziopathischen Bereich und ist behandlungspflichtig?

Interessante Fragen, die mich heute nicht interessieren. Letztlich begegnete mir die Information, dass fast zehn Prozent der Deutschen schwerbehindert sind (siehe Spiegel). Fand ich ziemlich viel. Es brachte mich auf eine andere Frage, die mich schon länger beschäftigt: was haben die eigentlich sonst noch so, die Deutschen?

Krebs natürlich. Oft erwähnt, neben Herz-Kreislauferkrankungen eine der häufigsten Todesursachen. 1,5 Millionen Menschen litten allen 2010 darunter , Tendenz: steigend. Platz 1: Prostata bei Männern, Mammakarzinom bei Frauen, Platz 2 Darmkrebs, Platz 3: Lunge (siehe Krebsinformationsdienst).

Lunge? Die kann doch auch sonst noch erkranken? Das sind doch die Leute mit dem kleinen Fläschchen, die inhalieren müssen?

Da gibt es zwei Formen, die erstmal interessieren: die chronisch obstruktive Atemwegserkrankung (copd) und das Asthma. Copd betrifft 18,1 % der Bevölkerung, 7,5 befinden sich im Stadium 2 – wo es ernst wird (siehe Ärztezeitung). Sechs Millionen Menschen leiden unter dieser Erkrankung (siehe copd-Deutschland) – und mehr als doppelt soviel laufen mit Stadium 1 herum, ohne etwas zu merken. Die zählen wir aber erstmal nicht.

Asthma sieht nun ähnlich aus – ist aber etwas ganz anderes (Differentialdiagnose: siehe Ärztezeitung). Zu den sechs Millionen Menschen mit copd kommen nochmal 6 Millionen Asthmatiker – 10-15 Prozent aller Kinder leiden darunter (siehe asthma-verstehen).

Gemeint ist hier allergisches Asthma.

Ach ja: Allergien.

Allergien können Asthma verursachen – doch Allergien müssen nicht unbedingt die Lunge betreffen. Zahlen haben wir da aus dem Jahre 2011:

25 % der Deutschen leiden unter Heuschnupfen, 8,5 % unter einer Kontaktallergie, 6, 5 % unter Neurodermitis (siehe Statista), das wären allein 20 Millionen Menschen mit Heuschnupfen. Insgesamt summieren sich die allergischen Erkrankungen auf 35 % der Bevölkerung – im Jahre 2012.  (siehe Welt)… das wären 28 Millionen Allergiker in Deutschland.

Tendenz: steigend, sie ältere Zahlen nahelegen (siehe allergien.com):

In jahrelangen Studien ließ sich beobachten, dass die Anzahl der Erkrankungsfälle immer weiter ansteigt. Waren im Jahr 1990 etwa 25 % der Bevölkerung von einer Allergie betroffen waren, so waren es 2000 schon 30 %.

Und im Jahre 2012 35 %. Man kann ausrechnen, wann wirklich jeder eine Allergie hat. Manche marschieren jetzt schon auf die 50 % zu (siehe DGAKI).

Allergische Erkrankungen betreffen in Deutschland ungefähr 20 – 30 Millionen Menschen, über die Hälfte der Bundesbürger sind bereits „sensibilisiert“, d. h., tragen Antikörper in sich, die bei Kontakt mit Allergenen aus der Umwelt irgendwann zur Krankheit führen können. Allergie kann deshalb mit Fug und Recht als eine „Volkskrankheit“ bezeichnet werden, von vielen wird sie als „Epidemie des 21. Jahrhunderts“ apostrophiert.

Der Lunge geht es im Übrigen auch immer schlechter (siehe biermann-medizin):

Deutlich wird anhand des Weißbuches, dass pulmonale Erkrankungen häufig sind – oder, wie es Gillissen ausdrückt, dass „die Lunge wesentlich für das Krankheitsgeschehen in Deutschland ist“. So ist die Lebenszeitprävalenz von Asthma im Zeitraum 2003-2009 bei Frauen von sechs auf zehn Prozent gestiegen, bei Männern von 5,2 auf acht Prozent. Bei der chronisch-obstruktiven Lungenkrankheit (COPD) müsse von einem Anstieg der Punktprävalenz von 1,3 auf 13,1 Prozent ausgegangen werden, erläuterte Gillissen. Nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation werden pulmonale Erkrankungen und insbesondere die COPD bis zum Jahr 2020 die dritthäufigste Todesursache darstellen.

Kranke Lunge, ausrastendes Immunsystem (ja, das sind Allergien in Wirklichkeit: der Körper reagiert auf harmlose Stoffe wie auf einen schlimmen Feind – eine spannende Geschichte), was gibt es denn sonst noch?

Na, das Herz. Häufigste Todesursache in Deutschland. Da kann viel kaputt gehen: dem elektrischen Motor des Herzens geht der Strom aus, der Muskel wird schwach, das Gefäßsystem verkalkt (was gerade am Herzen wiederum selbst ganz üble Folgen haben kann). Herzinfarkt, Herzinsuffizienz und Schlaganfall können dann die unangnehmen Folgen sein. Über 25 % der Deutschen haben Probleme mit dem Bluthochdruck (siehe rki), das wären locker 20 Millionen. Betrifft auch Jüngere (siehe Wikipedia)

In der Altersgruppe der 25- bis 29-Jährigen ist der Druck in den Gefäßen bei etwa jeder zehnten Frau und etwa jedem vierten Mann zu hoch.

Kein Wunder angesichts der Ursachen:

Ein wichtiger blutdrucksteigernder Faktor kann die Erwerbstätigkeit sein. Von Arbeitenden mit einem durchschnittlichen Alter von 44 Jahren hatten nur 35 % einen normalen Blutdruck, und von den Bluthochdruckkranken hatten nur 7,5 % unter blutdrucksenkender Therapie normale Blutdruckwerte.

Sensation, oder? 65 % der arbeitenden Bevölkerung über 44 leiden unter Bluthochdruck und stehen damit ganz oben auf der Exekutionsskala des Herz-Kreislauf-Systems. Arbeit mach krank, aber wir schimpfen über Arbeitslose.

Wir sehen: das ist nicht allein ein Problem des Alters – obwohl die Betroffenen gerade im Alter ein Problem bekommen (siehe cips-conference)

Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems führten im Jahr 2005 in Deutschland zu 367.361 Todesfällen; bei fast jedem zweiten Deutschen (ca. 45 %) wurde der Tod durch eine Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems ausgelöst (STATISTISCHES BUNDESAMT 2006). Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen damit weiter unverändert die Liste der Todesursachen an. Infolge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen starben insbesondere ältere Menschen: Fast 91 % der Verstorbenen waren über 65 Jahre alt. Ein zunehmendes Problem ist dabei die in Deutschland wie in anderen westlichen Industrieländern stetig wachsende Zahl chronisch herzkranker Patienten. Derzeit leiden ca. 1,8 Millionen Deutsche an chronischer Herzinsuffizienz, jährlich kommen 200.000 bis 300.000 Patienten hinzu.

Bleiben wir konservativ und zählen hier nur 20 Millionen Kranke. 12 Millionen mit Lunge, im Schnitt 25 Millionen mit Allergie: 57 Millionen Erkrankungen. Aber das ist nur ein Zwischenergebnis, aus gleicher Quelle erfahren wir auch etwas über die Diabetiker:

Laut Angaben der Deutschen Diabetes-Stiftung (DDS) sind aktuell über 7 Millionen Menschen in Diabetes-Behandlung, weitere ca. 3,5 Mio. wissen nichts von ihrer Erkrankung. Jeden Tag kommen etwa 1.000 Betroffene dazu – zunehmend in jüngerem Alter und bedauerlicherweise auch immer mehr Jugendliche.

10,5 Millionen – zusammen mit den Demenzkranken, den Krebskranken und den vorher aufgeführten Problemen mit Immunsystem sind wir bei 70 Millionen kranken Menschen: bei konservativer Schätzung – die Allergie gäbe ja noch viel mehr her.

Kommen wir zum Rücken. Erstmal zu den Knochen (alle Zahlen aus: Schmerz in Zahlen vom Forum Schmerz)

In Deutschland gibt es 7,8 Millionen Menschen über 50 Jahren, die an Osteoporose leiden

8,5 Millionen Erwachsene sind von Arthrose betroffen

Rheuma: 1,6 Millionen. Neuropathischen Schmerzsyndrom: 4 Millionen. Also  nochmal über 20 Millionen.

„Rücken“ ist aber insgesamt noch schlimmer (siehe Paradisi):

Zeitlebens haben nur 10 bis 20 Prozent aller Deutschen keine Rückenschmerzen. Jeder zehnte Deutsche hat chronische Schmerzen und davon gehen 15 Prozent in Frührente.

80 % der Deutschen haben Rückenschmerzen? Das sind locker mal 64 Millionen. Vielleicht auch 72 Millionen. Soll ich die mal zu den 90 Millionen Erkrankungen hinzuzählen, die das 80 Millionen starke Volk jetzt schon hat?

Dabei sind wir noch gar nicht bei den Kopfschmerzen angekommen, die gibt es ja auch noch (siehe Schmerzklinik).

Zwei von drei erwachsenen Deutschen (etwa 66 Millionen) leiden zumindest zeitweilig unter Kopfschmerzen. Das sind rund 47 Millionen Menschen. Von diesen wiederum sind fast 18 Millionen von Migräne betroffen, weitere 25 Millionen von Kopfschmerzen des Spannungstyps, der Rest mit knapp vier Millionen leidet unter anderen Formen wie beispielsweise dem Cluster-Kopfschmerz und vielen weiteren Formen.

Wir sind jetzt gerade bei 209 Millionen Erkrankungen.

Das kann ganz schön auf die Psyche schlagen, oder?

Ja – die Psyche (siehe Gesundheitsstadt Berlin)

Laut einer Studie von Jacobi haben 42 Prozent aller Bundesbürger im Laufe ihres Lebens schon einmal unter einer psychischen Störung gelitten.

33, 6 Millionen – mit erstaunlichen Steigerungsraten (siehe Statista):

Im Jahr 2008 betrug der Indexwert für Krankheitsfälle aufgrund psychischer Erkrankrungen 188; d.h., dass im Jahr 2008 rund 88 Prozent mehr Fälle psychischer Erkrankungen registriert wurden, als im Jahr 1994.

Neuere Zahlen belegen die Katastrophe menschlichen Geistes (siehe psyga)

Trotz rückläufiger Krankenstände in den letzten Jahren wächst der relative Anteil psychischer Erkrankungen am Arbeitsunfähigkeitsgeschehen. Er kletterte in den vergangenen 38 Jahren von zwei Prozent auf 14,7 Prozent. Die durch psychische Krankheiten ausgelösten Krankheitstage haben sich in diesem Zeitraum verfünffacht. Während psychische Erkrankungen vor 20 Jahren noch nahezu bedeutungslos waren, sind sie heute zweithäufigste Diagnosegruppe bei Krankschreibung bzw. Arbeitsunfähigkeit.

Depressionen liegen da bei 8 % der Bevölkerung, wobei Jugendliche von 18-29 Jahren bei knapp 10 % liegen.

Mag es da Zusammenhänge geben mit den oben geschilderten kranken Zuständen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft?

Wollen wir da mal nicht weiter ausholen, denn ich höre schon das Gemecker: „Man kann doch nicht einfach alle Krankheiten addieren!“.

Klar – es gibt sie, die multimorbiden Patieten. Die, die alles haben – erst recht im Alter … aber wissen Sie, dass wir momentan schon bei 4 Erkrankungen pro Bundesbürger angelangt sind – die meisten davon chronisch?

Haben Sie bemerkt, dass wir uns um das Ohr, das Auge, die Leber, die Niere, das Blut, die Galle oder den Magen-Darm-Trakt noch gar nicht gekümmert haben, mal abgesehen von den Infektionskrankheiten, die auch zunehmen (siehe Augsburger Allgmeine) Soll ich da auch nochmal ein paar Millionen einsammeln … oder reicht Ihnen das jetzt, um mal ein wenig ins Nachdenken zu kommen?

Wer in Deutschland ist eigentlich noch gesund?

Wissen Sie eigentlich, wie viele Krankheiten wir mitlerweile haben? 12161 verschiedene Diagnosen enthält der ICD 10 momentan (siehe Wikipedia): Tendenz: steigend.  Manche meinen ja, es sei nur die Sucht der Ärzteschaft nach Profilierung, die das finden oder erfinden neuer Erkrankungen (zum Beispiel ADHS) vorantreiben – aber reicht das wirklich aus, um diese erschreckenden Zahlen zu erklären?

Oder macht unsere Gesellschaft vielleicht doch ein wenig kranker, als wir gerne zugeben?

Und: ist es angesichts dieser Zahlen wirklich verwunderlich, dass wir ein paar Millionen Menschen auf dem Arbeitsmarkt haben, die zwar noch keine Rente beziehen aber aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen nie wieder dem Standard eines deutschen Personalmanagers entsprechen werden?

Na ja – dies ist ein Nachdenkmagazin. Hier möchte man zum eigenen Denken ermuntern, zu dem nur ein Anstoß gegeben wird. Mal schauen, zu welchen Ergebnissen die Denker kommen: ein Land der Kranken, ein Land das krank macht – oder nur statistischer Unfug?

Bin mal gespannt auf die Antworten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Deutsche Truppen im Irak? Ein Blick auf die nahe Zukunft.

Deutsche Truppen im Irak? Ein Blick auf die nahe Zukunft.

Dienstag, 18.6.2014. Eifel. Man hatte mich kürzlich gebeten, etwas mehr über Syrien und die Ukraine zu schreiben. Mache ich gern, aber:  ich muss erstmal die alten Sauereien aufarbeiten. Nur weil die Nachrichten lieber über Ballspiele als Kriegsspiele berichten heißt das nicht, dass letztere nicht immer deutlicher in Erscheinung treten. Ich weiß, dass es etwas wichtigeres als Fussball geben sollte, ist für die durschnittliche Bierbauchgrillzange schwer zu begreifen – aber da muss man sich dann halt mal Mühe geben: immerhin ist das hier nicht das Schlaraffenland (auch wenn es manchmal für kurze Zeit bei viel Geld zu erscheinen kann).

Die alte Sauerei, die jetzt hochkocht, ist die Sauerei im Irak. Irak – kennen Sie das noch? Ein Land, das zugunsten seiner Bevölkerung des Joch der Erdölindustrie abgeschüttelt hatte (siehe Wikipedia):

Am 1. Juni 1972 leitete er die Verstaatlichung westlicher Ölfirmen ein, die ein Ölmonopol im Irak hatten. Mit den Öleinnahmen entwickelte er das Land zu einer regionalen militärischen Großmacht. Die Einnahmen aus dem Ölverkauf sorgten aber auch für den Wohlstand breiterer Bevölkerungsschichten.

Wer war „er“? Nun – Saddam Hussein. Sorgte für den Wohlstand breiter Bevölkerungsschichten. Gilt als „böse“ und wurde deshalb hingerichtet. Dabei half George W. Bush (jetzt Hobbymaler), in dem er die ganze Weltgemeinschaft bezüglich der Massenvernichtungswaffen belog.  Der war aber der „gute“ (was jetzt nicht an der Malerei lag, der hatte sich Adolf Hitler auch gewidmet). 500 000 tote Kinder infolge einiger Embargos, bis zu 650000 tote Zivilisten wurden billigend in Kauf genommen, um den „Bösen“ zu erledigen, damit der Bush wieder in Ruhe weitermalen konnte.

Die verzerrende Berichterstattung hält bis heute an, beeinflusst unser Denken, unser Urteilsvermögen und unsere Meinung. Ein Beispiel? Nochmal Wikipedia:

Bereits zur Zeit Saddam Husseins verließen viele Iraker das Land, Ende 2002 waren bereits ca. 400.000 Flüchtlinge weltweit registriert.

Der muss schlimm sein, dieser Saddam Hussein.

„Bereits zur Zeit Angela Merkels verließen viele Deutsche ihr Land, allein 2013 flohen 789.193“gleiche Fakten, andere Perspektive. (Daten siehe: Statista) „Fliehen“ ist hier das falsche Wort, meinen Sie? Schauen sie einfach mal genauer hin (siehe Statista):Knapp 30 Prozent der Fach- und Führungskräfte fliehen vor der miserablen Beschäftigungslage, andere Gründe sind: fehlende Toleranz, niedriger Lebensstandard, hohe Steuern, niedrige Lebensqualität. Da geht es nicht um ABENTEUER, da geht es um FLUCHT.

Zurück zum Irak. Wohlstand ist da heute Vergangenheit, die Koalition der Mordwilligen hat dort alles zerschlagen, was irgendwie von Wert war. „Böse“ war Saddam Hussein, aber bestraft wurden alle – auch Frauen, Alte und Kinder. So sind wir Demokraten inzwischen (obwohl ich nicht garantieren kann, dass das Wort „Demokrat“ hier den realen Sachverhalt wiedergibt). Dafür ist es eines der korruptesten Länder der Welt: an der Armut läßt sich trefflich verdienen, zudem ist die Infrastruktur vollständig zerstört (ich sagte ja: der Krieg wurde hauptsächlich gegen die Menschen geführt – nicht gegen den Diktator) – den Aufbau ordentlicher staatlicher Strukturen hat man aufgegeben.

Man ist einmarschiert, hat den ganzen Laden kurz und klein geschlagen, die Verwaltung eliminiert, eine Million Menschen getötet und dann ist man wieder abgezogen. Wikinger gingen so auch vor – manchmal einfach nur zum Spaß.

Nun geschieht dort etwas, was eigentlich jeder hätte erwarten können. Junge Leute greifen zu den Waffen. Ja – da gibt es überlebende Kinder, die einst auf der Straße standen: Mamas abgetrennten Arm in der Linken, Papas abgetrenntes Bein in der Rechten, Tränen in den Augen – am Himmel der Koalitionsbomber. Was meinen Sie, wie die 10-15 Jahre später drauf sind? Was meinen Sie, welche Lektion ihnen die Koalition der Willigen erteilt hat?

„Nimm Dir was Du willst, ohne Rücksicht auf Verluste“ – die Ethik der Räuberbanden. Das drapiert mit etwas religiösem Pathos (Täter sind immer gerne „gut“, das erleichtert den Massenmord – hier wie dort): fertig ist der Dschihad. Noch mehr Wikinger, die sich natürlich auch in Syrien ausbreiten, wo die „Koalition der Willigen“ – diesmal ohne großes Getöse – ebenfalls staatliche Strukturen durch Finanzierung von Räuberbanden („Rebellen“ – so nennt man „gute“ Räuber) zerstört bzw. geschwächt hat – und jeden Versuch der Armee, diese Banden in ihre Schranken zu weisen als Angriff auf die Demokratie wertet.

Die Beobachtungen im Irak sind irritierend – es ist die Rede von Verschwörungen (ja – im Ausland gibt es die scheinbar, hier nicht: hier leben „Demokraten“) – siehe Spiegel:

30.000 Soldaten der irakischen Armee haben in Mossul vor 800 Kämpfern der Isis kapituliert.

Eine Millionenstadt – eingenommen von 800 Kämpfern, die weiter auf dem Vormarsch sind. Sie sind auch enorm reich – finanziert durch Reiche. Neben Erdöl und Lösegeld bringt auch der Handel mit geraubten oder frisch ausgegrabenen Antiquitäten ein Vermögen ein … da wird auch manch westlicher Sammler sein Ego mit Stücken aus dem Weltkulturerbe aufpolieren.

Die Kämpfer folgen einem alten General aus Saddam´s Zeiten, heißt es (siehe Spiegel) – anders formuliert: einer Symbolfigur für den Reichtum breiter Bevölkerungsschichten.  Da wir im Westen nur noch geschliffenen Propagandamüll anstelle von nüchternen Informationen zugeworfen bekommen und dummerweise auch daran glauben, können wir – siehe Tagesschau – überhaupt nicht verstehen, was da vor sich geht:

In der Irak-Krise gibt es keine klaren Konfliktlinien – oft sind Feinde zugleich Verbündete, Fronten verschieben sich, neue Verbindungen werden geknüpft.

Es ist nur unser Denken, das dort keine klaren Konfliktlinien erkennt. Ändert man die Perspektive, erkennt man auch die Front: der Staat ist tot, ermordet von der Koalition der Willigen, die Ganoven kommen und übernehmen die Macht. Zerschlage ich den deutschen Staat, seine Armee, seine Polizei, seine Regierungsstrukturen, geschähe hier dasselbe: da die Macht aus den Läufen der Gewehre kommt, wäre hier die Mafia die letzte überlebende Großmacht, die unaufhaltsam vorstürmen würde. So ein Staat ist halt schnell zerschlagen … aber sehr schwer aufzubauen. Manchmal braucht man Jahrhunderte, bis er funktioniert, oftmals bedurfte es eines starken Königs, der die streitenden Banden erstmal im Zaum hält: UNO und NATO übernehmen diese „Königsrolle“ schon in vielen Ländern – was das für den Glauben an die Demokratie bedeutet, kann sich jeder selber denken.

Doch bleiben wir einen Moment stehen … und schauen uns die momentane Berichterstattung genauer an. Nur nicht hektisch werden … und auf Details achten. Der Spiegel legt gerade den Ball vors Tor:

Die Dschihadisten der sunnitischen Extremistengruppe veröffentlichen fast täglich grauenvolle Videos oder Fotos im Internet, auf denen sie nach eigenen Angaben irakische Soldaten, Zivilisten, Kleriker oder Polizisten hinrichten. Die Echtheit der Bilder ist schwer zu bestätigen, doch die Drohwirkung ist maximal.

Daraufhin unser Fachmann fürs Äußerste:

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) schloss eine militärische Beteiligung Deutschlands am Wochenende aus. „Ich kann mir keine Konstellation vorstellen, in der deutsche Soldaten dort zum Einsatz kommen“, sagte Steinmeier der „Welt am Sonntag“.

Wieso er dass dann sagt – und überhaupt dran denkt ist ein Geheimnis. Ich kann mir auch keine UFO-Invasion vorstellen und rede auch nicht darüber, weil sie völlig fremd ist. Darüber reden, das ich mir da keine Konstellationen vorstellen könnte, würde ich nur, wenn es denkbar, vorstellbar, theoretisch möglich wäre. Nun Steinmeier kann sich da auch fein zurückhalten, das alte Spiel läuft ja trotzdem gut: die Gräueltaten der „Bösen“ werden groß herausgestellt, die verzwickten Ursachen verschwiegen – das Gemüt eines normalen Menschen revoltiert ja schon von ganz alleine. Wie gut, dass wir unseren Bundespräsidenten haben, siehe Deutsche Welle:

Im Kampf für Menschenrechte oder für das Überleben von Menschen sei es manchmal erforderlich, „auch zu den Waffen zu greifen“, sagte Gauck weiter. „So wie wir eine Polizei haben und nicht nur Richter und Lehrer, so brauchen wir international auch Kräfte, die Verbrechen oder Despoten, die gegen andere mörderisch vorgehen, stoppen.“

Teamspiel, wie beim Fussball. Einer spielt zu, ein anderer gibt die Vorlage, der Dritte versenkt den Ball: TOOOOR…..bzw. Krieg.

Der ist sogar alternativlos, wenn man heute Deutschlands Leitmedium im Detail studiert (klar: Spiegel):

Amerika vollzieht unter Obama einen historischen Kurswechsel in der Außenpolitik. Es will kein Weltpolizist mehr sein, legt sich Zurückhaltung auf. Das ist per se nicht schlecht. Man kann es gut verstehen, nach all den Toten im Irak.

Ist fast wie eine mathematische Gleichung: da herrscht bitterste Not, Frauen werden vergewaltigt, Priester hingerichtet, Öl wird an Fremde verkauft: da muss die Weltpolizei einschreiten. Tja – diese Konstellation konnte sich ein Steinmeier nicht vorstellen … aber was heißt das letztlich schon. Wenn das Volk im gerechten Zorn dem Präsidenten folgt, um die Horden des Bösen im Namen allerbester Werte zu vernichten („Kollateralschäden“ wie üblich inbegriffen): da wird dann aus „80 Millionen Deutschen ein Team“ (dieses Nationalgetöse hatte ich schon als Fussballwerbung im Briefkasten), welches alternativlos die Lücken des ehemaligen Weltpolizisten schließt: schon haben wir deutsche Truppen im Irak.

Ähnliches hatte Rom schon mit den Germanen gemacht: Hilfstruppen für das Imperium, um eigene Kräfte zu schonen. Medien und Bundespräsident marschieren schon mal in diese Richtung.

Ach, war die Zeit schön, als man noch die Kunst der Diplomatie dem Bombardement von Zivilisten vorzog. Herrliche Tage, als die Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg noch nicht vergessen waren und man noch klar vor Augen hatte, das KRIEG DER FEIND DER MENSCHHEIT ist … und immer mehr Probleme schafft, als er zu lösen verspricht.

Sieht man jetzt im Irak: nach dem die Nato alle Sicherheit schaffenden Strukturen zerschlagen und unterhölt hat, übernimmt die Mafia die Macht.

Ach ja … jetzt lehnen Sie sich mal nicht zurück und denken sich: „gut, dass das alles so weit weg ist“.

Wenn die Soziopathen in der Hochfinanz, in Wirtschaft und Politik mit diesem Land und dieser EU fertig sind, die staatlichen Kassen komplett ausgeplündert und Polizei, Armee und Verwaltung nicht mehr bezahlbar sind, dann werden wir die gleichen Verhältnisse bekommen. Agressionen gegeneinander werden in unserer Gesellschaft schon genug gezüchtet … ich denke da nur an das Thema „Bundesliga“ bzw. „Gewalt im Fussball“.

Diese Entwicklung ist auch unaufhaltbar, sie liegt in unserem „Personalproblem“ begründet, das wir noch nichtmal ansatzweise verstanden haben – siehe Berner Zeitung:

Sie zeigen, worum es in ihrem Geschäft geht: möglichst viel für sich zu bekommen, ohne dass die anderen es merken. Ob das dann auch dem Unternehmen und den Angestellten zugute kommt, ist ihnen egal. Globalisierung und Konzentration kommen dieser Mentalität sehr entgegen, weil die Kontrolle fehlt, aber auch die Rücksichtnahme und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Narzisstisch gestörte Manager funktionieren so: Sie kommen, nehmen und gehen wieder, bevor ihre Schwindel auffliegen.

Besonders die grossen Unternehmen selektieren vorzugsweise Spitzenkader mit narzisstischen Charakteren.

Also … auch Kirchen, Parteien, Medien und Gewerkschaften? Der deutsche Bundestag? Die Regierung?

Und so sehen wir … das wir mit einem Blick in den Irak die Zukunft Syriens, der Ukraine und letztllich die Zukunft Europas gesehen haben.

Auftrag erfüllt.

 

 

 

 

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