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Heißer Herbst abgesagt! Obdachlosigkeit und Müllberge vorausgesagt!

Der deutsche Gewerkschaftsbund schrieb 2003 folgendes zur anstehenden Agenda 2010:

Positive Ansätze:Der DGB unterstützt einen Umbau der BA zu einem leistungsfähigenund kundenorientierten Dienstleister. Das Konzept der Job-Centerund einer verbesserten Betreuung aller Langzeitarbeitsloser “aus einerHand“ ist im Grundsatz richtig. Die Ansiedlung der Job-Center beider BA (neu: Bundesagentur für Arbeit) findet die Zustimmung des DGB, stößt aber – auch nach Vorlage des Gesetzentwurfes – noch auf Organisations- und Verfahrensfragen. Die Beauftragung der BA mit einer umfassenden Beratung, Betreuung und Vermittlung der bisherigen erwerbsfähigen Sozialhilfeempfänger sowie ihrer Familien droht die BA zu überfordern, wenn die Kommunen nicht ausreichend eingebunden sind (siehe Ausführungen im speziellen Teil). Der DGB begrüßt, dass der Gesetzentwurf ausdrücklich das Erfordernis von mehr Vermittlungs- bzw. Betreuungspersonal konstatiert, einschließlichdes anzustrebenden Fallschlüssels von 1:75. Damit wird in Übereinstimmung mit der Arbeitmarktforschung, den Erfahrungen in anderen EU-Staaten und den Empfehlungen der Hartz-Kommission eingestanden, dass eine aktive Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zunächst mit höherem Aufwand verbunden ist. Der DGB findet diesen höheren Betreuungs- und Aktivierungsaufwand aber in den Finanztableaus des Gesetzentwurfs nicht wieder. Hier steht die finanzielle Entlastung von Bund und Kommunen im Vordergrund.

Also – auf gut Deutsch gesagt – Hartz IV ist im Prinzip toll. Betreuungs- und Aktivierungsaufwand sind jedoch zu gering. Noch mehr gewerkschaftliche Seminare täten den Arbeitslosen sicher gut, noch mehr Kontrolle könnte sie aus der Passivität herausholen.

Nun hat ja mitlerweile auch der DGB gemerkt, das seine damalige bequeme Position (Im Prinzip JA, aber …) unbequem geworden ist. Ihm laufen die Mitglieder davon. Mitgliederschwund bedeutet Beitragsschwund, Beitragsschwund bedeutet weniger Geld für Gaudi. Das stört dann doch. Zudem haben jene Gewerkschaftler, die noch nicht ihr Gehirn an der Garderobe abgegeben haben gemerkt, das Hartz IV ja auch Nebenwirkungen hat: die Arbeitnehmer werden erpreßbar. Das sollte ja wohl auch so sein. Wäre Hartz IV ein Zuckerschlecken – dieses Land würde anders aussehen und ganz anders mit Steuer versorgt werden, weil die sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze eben Grundlage unsere ganzen Systems sind und steigende Löhne braucht, um wachsen zu können.  Für diese Löhne könnte man kämpfen, anstatt die ganze Zeit vor der ARGE (d.h. dem naiven Bewerbungstraining vor laufender Kamera, den „Tschakka“-Seminaren, dem Ein-Euro-Job und dem Gabelstaplerfahrerschein) davon zu laufen.

Nun sollte ja der heiße Herbst kommen … und er läuft ja auch schon. Angeblich 100000 demonstrierten in Berlin gegen Atomkraft, immerhin 7000 (oder 1800) demonstrierten am 16.10 in Berlin gegen die Regierung.  Und dann war da ja noch diese hier:

Für den 10. Oktober ruft ein Bündnis aus Erwerbslosengruppen und gewerkschaftlichen Netzwerken zu einer bundesweiten Demo nach Oldenburg auf. Im Mittelpunkt soll die Forderung nach sofortiger Anhebung der Hartz-Regelsätze stehen.

Teilnehmerzahl: 3000.  Es gibt 6,5 Millionen Hartz IV-Abhängige in diesem Land … und ein weiteres Millionenheer, das ständig ´raus und ´reinrutscht.  Und dann kommen zur bundesweiten Demo nur 3000?

Die geplante Bankenblockade vom Georg Büchner Kreis wurde ganz abgesagt … die „physische Mobilisierbarkeit“ war ein Problem. Letztlich … interessiert sich kaum noch einer für die Krise. Niemand nimmt sie ernst. Die Krise  …. ist fort, woanders, draußen und war nie da.

Es ähnelt dem Verhalten der Bewohner einer belagerten Burg … der dekadenteren Bewohner einer belagerten Burg … die  – während der Feind schon durch Dorf und Burghof tobt – in ihrem Burgturm (dem Zentrum der Anlage) sitzen, fein speisen und plaudern und einfach davon ausgehen, das der Feind bis hier niemals durchdringt.

Den Stimmungswandel vor den Sommerferien (›Wir zahlen nicht für eure Krise‹) in die Zeit danach (›Die Krise ist vorbei‹), den auch wir zu spüren bekamen, fällt derzeit vielen AkteurInnen, die gegen das Verarmungsprogramm mobilisieren, in den Rücken – auch wenn die Fakten genau das Gegenteil belegen. Doch die Zeit, diese Verunsicherung auszuräumen, dieses Zögern zu überwinden, lief uns davon.

So die Stellungnahme vom Georg Büchner Kreis zur Absage der Bankenblockade.

Und damit ist der heiße Herbst … vorbei. Jetzt gibt es noch einen lustigen „Veranstaltungsreigen“ des DBG, so gefunden in den Lokalnachrichten aus Lüdenscheid:

„Gerecht geht anders!“ Unter diesem Motto kündigt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) einen „Heißen Herbst“ an. Wie DGB-Regionalvorsitzender Michael Hermund gestern sagte, sei ein „umfangreicher Veranstaltungsreigen vorbereitet“.

Hören wir nochmal die Aktionsgruppe Georg Büchner dazu, hier bei Jungle World:

Die Aktionsgruppe Georg Büchner sieht die Blockaden dagegen als Teil solcher Sozialproteste und hofft darauf, dass sie Nachahmer findet. Dass die Proteste aber wirklich genug Dynamik entwickeln, um »Druck auf einer ganz realen Ebene« zu erzeugen, wie Rätz es formuliert, scheint nicht eben wahrscheinlich. Zu viel hängt vom DGB ab, der zweifellos unter den Protestierenden über die meiste Macht verfügt. Doch anders als in den romanischen EU-Ländern wirkt der Gewerkschaftsapparat hierzulande zu angepasst, als dass er seine Mitglieder auch zu politischen Protesten animieren könnte.

Zudem ist das Verhältnis des DGB zu den sozialen Bewegungen nicht das beste. Häufig schreckt der Gewerkschaftsbund davor zurück, mit unabhängigen Organisationen zusammenzuarbeiten, und wo er sich doch auf sie einlässt, neigt die Bürokratie schnell dazu, die Bewegung zu vereinnahmen. Bei der letzten Kooperation zwischen DGB und Gruppen der sozialen Bewegungen bei der Stuttgarter Krisendemonstration im Juni erntete der DGB scharfe Kritik – auch aus den Reihen der Gewerkschaftslinken. Der Gewerkschaftsbund habe die Krisendemonstration dominiert, das Bühnenprogramm und das Demonstrationsbild beherrscht und gar einen Polizeieinsatz gegen wütende Demonstranten zu verantworten, sagen die Kritiker. Vor allem aber ist frappierend, dass ein hochprofessionalisierter Gewerkschaftsapparat knapp vier Monate benötigt, um seine Mitglieder zu nennenswerten Protesten zu bewegen. Wenn die Gewerkschaftsproteste stattfinden, ist das sogenannte Sparpaket so gut wie verabschiedet.

Na, politisch was bewegen möchte man ja auch nicht. So einen Veranstaltungsreigen machen, etwas Protest spielen … und das war es da schon.

Der Brüderle hat das verstanden und sorgt deshalb jetzt schon dafür, das der heiße Herbst ein laues Lüftchen wird, so gestern in der WELT:

Brüderle erwartet größtes Lohnplus seit 18 Jahren

Die Wirtschaft legt kräftig zu. Wirtschaftsminister Brüderle erwartet daher einen kräftigen Anstieg der Löhne und der Kauflaune.

Alle kriegen mehr, nur die aussätzigen Asozialen und ihre stinkenden Blagen nicht. Die haben es ja auch – seien wir mal ehrlich – nicht anders verdient.  Und damit die jetzt nicht auf die Idee kommen, völlig auszurasten wie die Franzosen, gibt Brüderle gleich noch eins drauf, ebenfalls in der WELT:

Brüderle verspricht Mini-Arbeitslosigkeit für 2011

Zuversicht ohne Ende: Wirtschaftsminister Rainer Brüderle glaubt, dass die Arbeitslosigkeit im kommenden Jahr so niedrig wie zuletzt 1992 sein wird.

Und während das Volk schon in einen tosenden Jubel ausbricht, setzt der Kauder heute im Spiegel noch einen drauf:

Die Wirtschaft wächst kräftig – das könnte sich auch auf den Gehaltszetteln bemerkbar machen. Unionsfraktionschef Kauder stellt mittelfristig Steuersenkungen in Aussicht und fordert im Interview mit SPIEGEL ONLINE ein ordentliches Lohnplus bei den nächsten Tarifrunden.

Das war es dann mit dem heißen Herbst….der laut Frankfurter Rundschau nächste Woche beginnen sollte:

Am kommenden Dienstag soll es losgehen mit der ersten Protestaktion in einem Metall-Betrieb. In welchem Unternehmen sie geplant ist, wollte Michael Erhardt von der Verwaltungsstelle Frankfurt der IG Metall allerdings noch nicht verraten. Dafür nennt er die folgenden Schauplätze: Einen Tag später, am 27. Oktober, wird es nach dem Willen der Gewerkschaft den Flugzeugzulieferer Nord-Micro in Bergen-Enkheim sowie den Bremsenhersteller Continental Teves in Frankfurt-Rödelheim treffen.

Wollen wir hoffen das der bunte Reigen etwas bringt. Es wäre die letzte Hoffnung für dieses Land, das in eine soziale Katastrophe schlittert, die Obdachlosigkeit für eine große, noch nicht nennbare Zahl von Menschen bringen kann. Noch spricht – seltsamerweise – kaum jemand davon.  Noch spricht man von anderen Dingen … die niemanden mehr interessieren, wie hier bei News.de :

Der Vorsitzende der Linkspartei, Klaus Ernst, mahnte SPD und Grüne zu einem gemeinsamen Vorgehen gegen die Reform. «Die Glaubwürdigkeit von SPD und Grünen misst sich jetzt daran, ob es zu einem gemeinsamen Vorgehen der Oppositionsparteien gegen die Hartz-IV-Pläne kommt.»

Als ob sich jemand noch für die Glaubwürdigkeit von Parteien interessieren würden, die dieses Monster ins Leben gerufen haben.  Als ob man noch viel von einer Gewerkschaft erwarten könnte, die dieses Monster begrüßt hat.  Als ob die deutschen Gewerkschaften nicht schon längst der verlängerte linke Arm der Korporatokratie wären, der jetzt ein schöne Marionettentheater aufführt um allen zu suggerieren: es ist alles fein in diesem Land, die soziale Gegenkontrolle der Macht funktioniert super. Wenn wir erstmal den Flugzeugzulieferer Nord-Micro in Bergen-Enkheim für eine Stunde blockieren, dann zuckt die Kaste der Ausbeuter sowas von zusammen, das wir schon gewonnen haben.

Dabei sind den deutschen Gewerkschaften laut Legal Tribune schon allein gesetzlich die Hände gebunden:

Das Streikrecht ist durch das Grundgesetz garantiert. Aus der Verankerung der Arbeitskampffreiheit in Art. 9 Abs. 3 GG ergibt sich, dass ein Streik nur um den Abschluss oder die Abwehr eines Tarifvertrages geführt  werden kann.

Um rechtmäßig zu sein, muss ein Arbeitskampf durch eine Gewerkschaft organisiert werden, das Kampfziel muss auf eine tarifvertragliche Regelung beschränkt sein und ein Streik darf nicht zu einem Zeitpunkt geführt werden, zu dem noch eine tarifliche Friedenspflicht zwischen den Parteien besteht.

Schließlich kann zu einem Arbeitskampf durch die Gewerkschaften erst aufgerufen werden, wenn alle anderen Möglichkeiten der Verhandlung mit den Arbeitgebervereinigungen ausgeschöpft sind.

Hier kann keine Gewerkschaft gegen Hartz IV kämpfen. Hartz IV kann nie Bestandteil eines Tarifvertrages werden – und für den Rest gibt es in Deutschland de Fakto ein Streikverbot.

Fern von dem heißen Herbst in Deutschland geht es in Italien laut Spiegel wirklich heiß her:

Im süditalienischen Terzigno lieferten sich Hunderte Demonstranten Straßenschlachten mit der Polizei. Sie protestieren gegen überlastete Mülldeponien, die den Nationalpark am Vesuv zu verpesten drohen. Profitgier und Mafiageschäfte stürzen die Region ins Chaos.

Das führt uns zum eigentliche Thema des nächsten Jahres:  der Pleitewelle der Kommunen … die letztlich auch uns Müllberge wie in Italien beschehren wird.  Noch sind es Meldungen, die man aktiv suchen muß und nicht groß in den Medien auftauchen … aber den Kommunen geht es schlecht, auch wenn die Bautätigkeiten ein anderes Bild zeichnen.  Unter anderem sind es die Mietkosten für Langzeitarbeitslose, die den Kommunen Sorgen bereiten … weshalb man sie ja schon mal auf 25 m2 lagern wollte.

Gibt es jetzt noch höhere Mieten dank Energiesanierung und weiterhin massiven Städterückbau, so wird der Wohnraum für Hartz IV Abhängige sehr knapp. Wer in dieser Situation mit offenen Augen in die Welt schaut, der weiß, das ihm kaum damit geholfen ist, wenn wohlversorgte Gewerkschaftler ein bischen Revolution spielen (in den erlaubten Grenzen, versteht sich): ihm droht Obdachlosigkeit und ein sehr kalter Winter.  Hoffnung … macht da nur der Brüderle, der ARBEIT und damit GELD verspricht.

Mit solchen Perspektiven vor Augen hat man was anderes zu tun, als Spielchen zu spielen um den Schein des funktionierenden demokratischen Sozialstaates zu wahren, während die Verursacher der Krise weiter gegen alle Regeln wirtschaftlicher Vernunft laut Handelsblatt an Macht und Einfluß gewinnen:

Von wegen Schrumpfkurs: Anstatt kleiner zu werden, wie weltweit von Regulierern gefordert, haben Europas Banken ihre Bilanzsummen im Vergleich zum Vorjahr kräftig erhöht – allen voran die Deutsche Bank.

Aber Hauptsache die Gewerkschaft kann ihr Gesicht wahren.

Na ja, nehmen wir noch ein wenig unsere Beruhigungspillen und warten weiter ab. Wird schon alles gut … und  immer schön lächeln.

Die „Mitte“ ist ein Arschloch und betet für den neuen Holocaust

Es gibt Artikel … die verbreiten nur noch Angst. Nein, nicht jene, in denen Merkel droht, sie würde jetzt anfangen zu regieren (obwohl das auch beunruhigen kann), sondern jene, die schon in sich den Hauch von Holocaust tragen. Einen von jenen gibt es heute bei Spiegel-Online:

Wieder einmal ist da ein Experte der sagt, was denn die Mitte so denkt. Ich finde das immer Klasse, das jemand mir sagt, wie ich zu denken habe – mir oder meinen Nachbarn. Ich dachte immer:  Mitte, die kenne ich. Wohne ja auch mittendrin. Aber die Experten machen mir klar, das die Mitte irgendwo ganz anders ist – und sie ist bösartig.

Aber während die Nachfrage nach Solidarität zugenommen habe, seien die tragenden Bedingungen solidarischer Zusammenschlüsse und Aktionen zuletzt erheblich erodiert – abgeschmolzen „wie Gletscher in den Zeiten globaler Erwärmung“, so der Politologe Herfried Münkler von der Berliner Humboldt-Universität.

So sagt da ein Experte. So hat die Mitte zu sein. Ein weiterer legt was obendrauf:

„Den Leuten gehen die Messer in den Taschen auf“, so Soziologe Heinz Bude, „wenn jemand Geld oder Ehre einsteckt, ohne etwas dafür getan zu haben.“

Scheint, als müßte man beständig mit bewaffneten Attacken rechnen. Nun – die Amokläufer der letzten Zeit kamen ja nicht gerade aus der Unterschicht … und eine Rechtsanwältin ist wohl deutliche Mitte.

Es ist nicht lange her, da waren Vorwürfe gegen „arbeitsscheues Gesindel“ wohlfeil, die dem Steuerzahler auf der Tasche lägen.

Nun, das stimmte für die Presse, aber vor Ort habe ich nie etwas davon vernommen – und durch eine weitreichende und kontaktfreudige Familie kann ich mich der „Mitte“ nicht verschließen. Hass auf Banken, Abscheu vor der SPD, Belustigung über Westerwelle – das sind erkennbare Trends. Aber Hass auf Arbeitslose? So blöd ist da keiner. Wer nicht Beamter ist, weiß, das er selbst im Alter da landen kann. Das geht schneller als einem lieb ist. Aber auch Beamte müssen nicht herzlos sein,  ebensowenig wie Ärzte.

Der letzte Experte, der Autor des Artikels selbst, legt dann noch etwas drauf, obwohl er der Mitte

Bezeichnend ist sicher auch, dass sich die soziale Mitte bildungs- und schulpolitisch keineswegs für das Modell erweiterter Chancen auch für Kinder des „sozialen Unten“ ins Zeug legt. Dabei zählen viele Mittezugehörige selbst zu Gewinnern der ersten Bildungsreform in den sechziger und siebziger Jahren. Doch gerade weil sie seinerzeit den Aufstieg von unten in die Mitte geschafft haben, gerade darum besitzen sie nun – ganz wie schon in früheren Jahrzehnten die etablierten Mittel- und Oberschichten – kein Interesse an weiteren Emanzipationsschüben von unten, da das für sie zusätzliche Konkurrenz, auch die Entwertung der eigenen, mühselig erworbenen Bildungsabschlüsse und Statusposition bedeuten würde. Soziologen bezeichnen einen solchen Vorgang als „soziale Schließung“.

Generell gilt: In der gegenwärtigen Druck- wie Konkurrenzsituation grenzen sich die verschiedenen Elternmilieus schroff voneinander ab, verhindern, dass ihre Kinder mit dem Nachwuchs der jeweils unter ihnen verorteten Schichten in Kontakt geraten. Das klassische Bildungsbürgertum achtet neuerdings mehr als in den vergangenen drei Jahrzehnten darauf, dass ihre Sprösslinge nicht mit den „Parvenüs“ aus dem Mittelstand ihre Freizeit verbringen. Und die kleinbürgerliche Mitte unterbindet entschlossen Begegnungen mit Familien aus der „Underclass“. Denn dort wittert sie kulturelle Verwahrlosung, haltlosen Konsumismus, Unheil stiftende Disziplinlosigkeiten.

Man weiß nicht, ob es die Träume und Wunschvorstellungen des Autors sind, die dort durchdringen. Meinen Erfahrungen entspricht es nicht … aber wenn er recht hat, bedeutet das das Ende der demokratischen Gesellschaft. Das muß im Anfang für den Einzelnen nicht schlimm sein. Viele haben im Dritten Reich mit konfisziertem Judenvermögen ein gutes Geschäft gemacht, viele schielen heute schon nach Israel, ob man nicht dort mit der Eliminierung des Staates ebenfalls ein gutes Geschäft machen könnte.

Ich denke, viele zwangsversteigerte Immobilien von Langzeitarbeitslosen haben heute auch schon neue glückliche Besitzer, anderen etwas wegzunehmen ist immer der sicherste Weg, es ohne Arbeit zu etwas zu bringen. Natürlich gibt es immer Kriegsgewinnler – es gibt auch immer Arschlöcher, aber eine ganze Schicht, ja sogar ein ganzes Volk als Volk von Arschlöchern zu bezeichnen … geht das nicht ein wenig zu weit?

Die zwei Drittel-Gesellschaft ist ja schon lange ein Traum der Funktionsoberkaste dieser Gesellschaft in Politik, Bildung und Wirtschaft. Einfach ein Drittel des Volkes auf Hartz IV setzen und sich von dem Rest fein die Taschen füllen lassen: der Traum eines jeden Chefredakteurs. Man klebt auf das letzte Drittel das Schild: „Faule dreckige Schweine“ und hofft, das jemand das Messer aus der Tasche holt und die Schweine endlich absticht. Dann hat man wieder eine gute Story, einen neuen Helden und Leben in der Bude.

Es würde auch funktionieren – je mehr Maschinen das Land bevölkern, umso weniger Menschen werden gebraucht. Da kann man ruhig mal ein paar Millionen aussondern, das stört nicht sonderlich.  Inzwischen jedoch … ist „die Mitte“ kleiner geworden. Sie schrumpft. Sollte sie so blöd sein, nicht zu merken, das ihre Rente gerade zur Finanzierung der HRE ausgegeben wird? 1400 Millionen … ist das eine zu große Zahl, als das es ein Mittehirn begreifen könnte?

Die Mitte merkt, wenn Straßen nicht repariert werden, Schulgebäude verfallen, der Onkel mit 45 wegen Krankheit entlassen wird. Die Mitte weiß, was es für ein Leben ist, sich vor dem Alter fürchten zu müssen … nicht vor der Rente, sondern vor den Jahren jenseits der 40, wenn jede Kündigung das berufliche Ende bedeutet.

Die Mitte weiß, das es mal den Beruf der „Hausfrau“ gab, jener Mittelpunkt einer jeden Familie, der haushalten und die Kinder erziehen konnte (und auch männlich sein durfte), weil ein einziges Gehalt ausreichte, die Familie zu ernähren. Die Mitte weiß sehr gut, das heute alle anschaffen gehen müssen, um über die Runden zu kommen – und ihre Eltern wissen noch, das das nicht immer so war.

Sicher, es gibt Erscheinungen, die geben einem zu denken – wie hier das Ossischießen, über das das Handelsblatt berichtet:

Ein Computerspiel zur innerdeutschen Grenze sorgt für Aufregung: Opferverbände laufen Sturm, weil Spieler in die Rolle eines DDR-Grenzsoldaten schlüpfen können, um auf Flüchtlinge zu schießen.

Auch Berichte des Westen scheinen nicht geeignet, die asoziale Tendenz im Lande zu widerlegen:

Die Bereitschaft der Deutschen zur umfassenden Betreuung ihrer pflegebedürftige Angehörigen geht deutlich zurück. Dies ergab eine neue Studie. Demnach würde jeder fünfte Bundesbürger ein Familienmitglied rund um die Uhr pflegen. Noch vor fünf Jahren wollten doppelt so viele die Rundum-Pflege übernehmen.

In Zeiten  knapper Kassen und drohender Staatspleiten kriegen natürlich gerade diejenigen Panik, die noch nicht genug für die Bahamas haben aber zuviel als das es in den Rucksack paßt. Hartz-Abhängige haben da nichts mehr zu verlieren, aber Universitätsprofessoren und sonstige vom Staat bezahlte Unselbständige schon. Darum wäre es für die schön, wenn der Deutsche so wäre wie sie ihn predigen: ein asoziales Arschloch das für den neuen Holocaust betet, der das letztes Drittel der Gesellschaft entsorgt.

Doch so blöd ist der Deutsche nicht – und wenn doch, dann werden chinesische Funktionäre und russische Mafia den maroden Rest übernehmen. Machen die indirekt ja jetzt schon.

Was mich nur zögern läßt, die Meinung des Professors in Bausch und Bogen zu verdammen ist … wir hatten das hier in Deutschland schon mal. Manche halten das Nazitum für eine spezielle deutsche Eigenschaft, die immer dann zum Tragen kommt, wenn keiner guckt. Der „Jude“ ist wieder Feindbild – nun als „Zionist“ in „Israel“ fein verpackt, aber mit dem gleichen Endziel der Auslöschung des Staates und seiner jüdischen Bewohner – natürlich nur zum Wohle der Palästinenser, nach denen ohne ein jüdisches Israel kein Hahn krähen würde.

Wenn dem aber so ist, wie der Professor sagt, dann brauche ich mich für meine harsche Wortwahl nicht zu entschuldigen: dann ist die Mitte ein Arschloch und betet für den neuen Holocaust. Dann müssen zur Beruhigung des deutschen Michel wieder ein paar Millionen vergast werden, denn im feinen, reinen, perfekten neuen Sauberenergiedeutschland ist kein Platz für unwertes Leben.

Dann möchte ich aber an dieser Stelle schon mal vorsorglich dafür plädieren, das dieses Volk nach dem nächsten Zusammenbruch komplett aufgeteilt wird – wie es nach dem Zeiten Weltkrieg schon mal angedacht war. Die scheinen dann wirklich … seltsam zu sein.

Ich halte jedoch den Deutschen weder für so blöd noch für so herzlos. Es ist seine Rente und die Zukunft seiner Kinder, die dort gerade verbraten wird. Es ist das nachvollziehbare Machtkalkül einer gewissenlose Funktionselite, die gezielt ein asoziales Bild vom Deutschen verbreitet – in der Hoffnung, das der Mittedeutsche ihre Fleischtöpfe mit seinem Leben verteidigt.

Der Mittedeutsche weiß jedoch eins:  er ist eine aussterbende Art. Von zehn schafft es noch einer nach oben, der Rest … hat ARGE Zukunftsprobleme. Und seine Kinder erst recht – für die kommt die ARGE gleich nach dem Praktikum.


Deutschland wird Türkei: getürkter Sarrazin, getürkte Integrationsdebatte, getürkter Aufschwung und Unruhewarnung für Deutschland von schweizer Armee

Kann sich jemand an den Ausdruck erinnern: einen Türken bauen? Mir selbst mit einem halben Jahrhundert Verfall auf dem Buckel ist er auch nur noch selten am Rande vorgekommen. Aber das Verb „getürkt“ ist noch in aller Munde:

Etwas türken ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für „etwas durch Manipulation des augenscheinlichen Sachverhaltes in Täuschungsabsicht unrichtig darstellen“. Möglicherweise ältere Versionen dieses Ausdrucks sind „einen Türken stellen“ bzw. „einen Türken bauen“, die aber heute beide nicht mehr umgangssprachlich sind.

Quelle: Wikipedia

Insofern nähern wir uns langsam türkischen Zeiten. Mehr und mehr stört mich diese künstliche Debatte um Sarrazin. „Huch, was hat der denn für eine Meinung?“ , „Huch, wie kann der sowas sagen?“, „Huch, wie kommt der denn in die Bundesbank?“, „Huch, was raucht der denn?“. Viel wichtiger als die Debatten über Sarrazin wären die Berichte über die Toten bei den Aufständen in Mozambique, wo unsere Börsenmauscheleien die Brotpreise explodieren lassen … aber so etwas will man uns ja nicht zumuten. Stattdessen werden alle Nachrichtenkanäle mit Sarrazin verstopft, man kann seinem Konterfei einfach nicht mehr entkommen.

Nun merke ich, mit meiner Verwunderung bin ich nicht mehr allein.  Der neue rheinische Zeitung sieht sogar eine finstere Absicht hinter der getürkten Debatte:

Während sich die Mehrzahl der Gefragten und Ungefragten auf den migrationspolitischen Teil der Auswürfe Thilo Sarrazins stürzt und damit in das aufgestellte Fettnäpfchen einer Integrationsdebatte hereinfallen, darf sich die Bundesbank freuen. Die Republik diskutiert über mögliche Wahrheitsgehalte der rassistischen Äußerungen – wie in “hart aber fair“ ohne soziologisches Fachwissen – und verinnerlicht dabei die ausgemachten Schuldigen für alles, was schief läuft. Die zweite Runde der Wirtschaftskrise kann also kommen. Wir sind bereit, die Bundesbank befreit. Die kann so weiter machen, wie es bisher schon nicht funktionierte. Denn die meisten werden fortan auf die falsche Seite der Gesellschaft schielen und dort nach Verantwortlichen für die Misere suchen.

Auf jeden Fall ist dies ein gelungener Schachzug, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu betäuben. Mich verwundert dann immer der verdrehte Spagat gewisser linker Kreise, die sich hier schützend vor den Türken stellen aber den „Zionisten“ aus Israel vertreiben wollen. Die Logik „Türke in Deutschland gut, Jude in Palästina böse“ erschließt sich mir noch nicht mal ansatzweise, aber ich bin ja auch kein Antisemit noch bekennender Islamhasser,  ich darf also alle kleinen Leute wohnen lassen wo sie gerade sind. Aber darüber diskutieren, wo die denn gefälligst sonst wohnen sollen – das gelingt in Deutschland vortrefflich. Und darüberhinaus vergißt man dann die wahren Häßlichkeiten, die um einen herum geschehen.

Die griechische Schuldenkrise und das Sparprogramm zur Rettung des Landes vor dem Bankrott treffen die Wirtschaft hart: Mehr als 375.000 kleine und mittlere Unternehmen in Griechenland sind einer Studie zufolge ins Wanken geraten. Mehr als 176.000 davon laufen demnach Gefahr, bis Ende 2011 schließen zu müssen. Rund 305.000 Arbeitsplätze seien gefährdet, ergab die Studie des Verbandes GSBEE, die in der griechischen Presse veröffentlicht wurde. In Griechenland gibt es rund 845.000 kleine Unternehmen, die etwa zwei Millionen Angestellte beschäftigen.

Quellle: t-online

Da stirbt eine alte europäische Nation vor unseren Augen … und wir diskutieren darüber,  ob unser Nachbar eventuell einen türkischen Großvater hatte. Komödienstadel Deutschland würde ich es nennen – wenn es nicht so ernst wäre, denn die Autorin des Hintergrund erwartet schon Progrome

Angesichts unser aller Vorgeschichte kann man sich nur wundern: Eine Wirtschaftskrise wiederbelebt den Antisemitismus und die rechtskonservativen Eliten sind froh, dass sich die Ressentiments der Bevölkerung auf eine bereits stigmatisierte Gruppe von Menschen umlenken lassen. 1874 traf es die Juden, 2008 trifft es noch eine sogenannte „jüdische Hochfinanz“, aber vor allem steht nun eine andere religiös markierte Gruppe im Fokus des Hasses. Nicht einmal das Faktum, dass ein Bundesbanker sich an die Spitze der antiislamischen Hetze in Deutschland stellt, scheint als entlarvendes Warnsignal über Ziel und Zweck der Strategie wirklich ernst genommen zu werden. Und historische Lektionen sind wohl in der sogenannten Bildungsreform verschütt gegangen.

Alles scheint so programmiert, dass der Hass weiter zunimmt, weil Rechtsgrundsätze offensichtlich keine Rolle mehr spielen sollen. So wird aus diesem Konflikt, wie aus vielen anderen auch, ein Religionskonflikt – zunächst herbei geredet und dann realiter, denn das ist die faktizierende Kraft der Worte. Wie die Progrome, die den jetzigen mehr oder weniger expliziten Aufrufen zu Hass und Gewalt folgen werden.

Das Rechtsgrundsätze keine Rolle mehr spielen, erlebt Israel tagtäglich, aber im gerechten Kampf gegen das Gespenst des „Zionismus“ ist das ja in Ordnung. Hass unterscheidet nicht zwischen gerecht und ungerecht, ihm ist es auch egal, welche Menschen er frißt, Hauptsache: er leidet nicht Hunger. Zur Not frißt die Revolution ihre Kinder. Stellt man dummerweise das Existenzrecht Israels in Frage, hat man einen schönen Sekundärgewinn: man darf dann auch mal fragen, was eigentlich die ganzen Türken in Deutschland machen … und sollte sich nicht wundern, wenn deren Existenzrecht dann ebenfalls angezweifelt wird.

Währenddessen lassen es sich andere gut gehen und kümmern sich einen Dreck um die Schranken von Religion, Nation, Kultur:

Athen (dpa) – Auf der kleinen griechischen Insel Spetses heiraten heute Prinz Nikolaos von Griechenland und die Schweizerin Tatiana Blatnik. Der 40-Jährige und die 29-Jährige kennen sich seit fast sieben Jahren, im Dezember vergangenen Jahres hatte sich das Paar verlobt. Auf der kleinen Insel sind bereits mehrere Kronprinzen und Prinzessinnen europäischer Königshäuser angekommen. Auch die spanische Königin Sofía und Kronprinz Felipe wurden gesehen. Nikolaos ist eines der bekanntesten Gesichter des internationalen Jet-Sets.

Quelle: t-online

Das sind die guten Menschen: der Jet-Set. Die haben Stil, die hassen niemanden und laden vielleicht noch ein paar Saudis ein um ihre Toleranz zu beweisen. Prinzessin Di hatte da ja auch keine Hemmungen. Aber unterhalb des Adels … suhlt sich der haßerfüllte Mob im Schlamm, da klaut der  Deutsche dem Griechen das Gyros vom Teller.  Jedenfalls … will man uns so sehen und so haben, damit man gerechterweise sagen kann: die MÜSSEN regiert werden, ohne die harte Hand des gebildeten und kultivierten Adels verwandeln die sich in blindwütige Bestien.

Damit wir uns aber auch gut den Türken zuwenden können und nicht beunruhigt sind über die Gewitterwolken in der Wirtschaft, baut man uns bei Arbeitslosigkeit und Aufschwung auch mal schnell einen.

Der deutsche Arbeitsmarkt erweist sich als überraschend robust: In der Rezession gingen nur wenige Stellen verloren, im Aufschwung sinkt die Zahl der Erwerbslosen weiter. Was ist der Grund für das Jobwunder? Eine wichtige Rolle spielen Demografie und Statistiktricks.

Quelle: Spiegel-online

Auch mit dem Aufschwung ist es nicht so weit her … die Deutschen sparen sogar am Essen:

Nach heutiger Meldung des Statistischen Bundesamts sank der Umsatz im Juli 2010 im Vergleich zum Juni 2010 unter Berücksichtigung von Saison- und Kalendereffekten real um 0,3% (Abb. 04943). Eigentlich hatte das Statistische Bundesamt mit der Veränderung der Statistik die Ergebnisse verbessern wollen. Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren setzte dabei real 0,4% weniger um als im Juli 2009, der Facheinzelhandel mit Lebensmitteln sogar 0,8% weniger.

Quelle: Jahnke.net

Dabei hatte man hier extra auch schon Statistik-Tricks angewendet, aber die Realität scheint schlimmer als befürchtet. Und während wir so ruhig vor uns hinhassen und uns auf jeden Brotkrumen stürzen, der den Hass nährt, sehen andere uns zusammen mit unseren jüdischen, palästinensischen und türkischen Brüdern in den Untergang marschieren  – zum Beispiel der schweizer Armeechef Blattmann:

Die Europa-Karte, die auch die an die EU grenzenden Länder enthält, zeigte ArmeechefAndré Blattmann im Rahmen einer Folienpräsentation der Sicherheitspolitischen Kommission (SiK) des Nationalrats. Gemäss mehreren Quellen taxiert sie neben Griechenland vier EU-Staaten als gefährdet: Spanien, Italien, Frankreich und Portugal. Sie listet mit Symbolen vier Kriterien auf – die den einzelnen Ländern zugewiesen werden:

Nuklearmacht: Wer über Atomwaffen verfügt oder auf dem Weg dazu ist.

Euro: Staaten, die die Kriterien der Eurozone nicht mehr oder bald nicht mehr erfüllen.

Unruhen: Staaten, in denen soziale Unruhen drohen.

Anschläge: Staaten, in welchen bereits Anschläge verübt worden sind.

Quelle: tagesanzeiger.ch

Auch wenn er in der Schweiz dafür gerügt wird, steht Blattmann doch nicht allein da:

FOCUS-Online: Konkret: In einem Kapitel der Bundeswehr-Studie heißt es in der Überschrift „Der Übergang von post-fossilen Gesellschaften führt zu ökonomischen und politischen Krisen“. Was lesen Sie aus dieser Aussage?

Ganser: Ökonomische Krisen bedeutet im Klartext, dass man Rezessionen und Arbeitslosigkeit erwartet. Politische Krisen kann vieles bedeuten. Zum Beispiel, dass die Bevölkerung nach schnellen Lösungen ruft, die Politiker, welcher Partei auch immer, diese aber auch nicht haben, weil alle im Erdölrausch der Nachkriegszeit sozialisiert wurden und keine Rezepte für die Zeit nach dem Erdölrausch haben. Dann werden die Politiker abgewählt, das sind milde politische Krisen. Schwere politische Krisen beinhalten gravierende Unruhen und Störungen der öffentlichen Ordnung bis hin zu Terror und Krieg.

Quelle: Focus-Online

Und wenn man schaut, wann denn dieser Erdölpeak kommt, wann denn diese Unruhen zu erwarten sind, so ist man überrascht:

In der vorläufigen Fassung einer Studie, die der Frankfurter Rundschau durch den unabhängigen Branchendienst Energy Comment zugeleitet wurde, hat das Zentrum für Transformation der Bundeswehr die Auswirkungen von Peak Oil untersucht. Aus der Auswertung ihrer Quellen schließt das Militär, dass es möglicherweise schon dieses Jahr zum globalen Peak Oil kommen könnte.

Quelle: Fr-online

Wir sollten also alle noch schnell ein letztes Mal tanken fahren.

Welche Gesellschaft dann auf uns wartet, hat die französische Schriftstellerin Vivianne Forrester schon mal in ihren politischen Büchern skizziert:

In den schönsten Gegenden der Welt, schon jetzt belegt vom Bilderbergerableger WWF, ziehen sich die Ultrasuperreichen gottgleich in ihre Luxusvillen zurück, beschützt von Kampfrobotern, die gerade jetzt mit großem Nachdruck entwickelt werden.  Einige Farmen im Umkreis sorgen für Nachschub an Essen und Organen. Der Rest der Menscheit stirbt aus oder vegetiert in den Ruinen vor sich hin, wo wildernde Banden einen ständigen Kampf ums Überleben führen.

So in etwa … leben wir dann wieder in der mythischen Welt des alten Griechenland. Im Olymp wohnen die allmächtigen Götter, deren Zorn wir jederzeit spüren können, die ab und zu unsere Frauen klauen oder unsere Städte einäschern … wenn wir nicht schnell genug beten.

Vielleicht ist das der Grund, warum alle so schnell nach dem Gelde rennen, mehr und mehr schneller und schneller: um in den Olymp zu kommen, bevor die Tore schließen.

Und vielleicht … sind unsere Mythen einfach nur Erinnerungen daran, das die Kultur der Menschheit schon mal so geendet hat. Aber denken wir mal nicht weiter in diese Richtung, sonst gibt es noch Ärger mit der Präastronautik, die für eine Vielzahl seltsamer Funde in der Archäologie schon eine andere Erklärung haben.

Sarrazin – die Elite kauft sich ein neues Volk

Wer ist eigentlich dieser Sarrazin … diese Frage stellt sich in Wirklichkeit keiner. Jeder kennt diesen neurotischen Stänkerer doch schon seit Jahren, seitdem die Presse seine Sprüche auch noch in die letzten Ecken der Republik transportiert hat. Als Dank für seine Sprüche ist er doch Bundesbanker geworden – so dachte ich jedenfalls. Wie sonst sollte ein kleiner beschäftigungsloser aber gut verdienender Finanzsenator aus dem chronischem Pleiteländchen Berlin so einen Posten bekommen?

Schaut man heute aber in die Presselandschaft, so dröhnt es überall aus allen Ecken: Sarrazin. Wie schlimm doch der Mann sein. Eigentlich ein widerliches Geschrei – war doch schon alles vorher bekannt. Wenn er über sieben Millionen Harzt-IV-Abhängige herzieht, über Alte, Kranke, Frauen und Kinder, dann ist das ok. Da hat kein Hahn nach gekräht. Wenn er durch die Bank Ausländer verunglimpft, hat es keinen interessiert.  Jetzt schreibt der ein Buch, von dem ich annahm, es würde auch keinen interessieren – aber nach dem Medienhype der darum gemacht wird, werden es wohl alle lesen. Gut für Sarrazin, da hat der bald genug zusammen um auch auszuwandern.

Spiegel-online sieht geradezu einen großen apokalyptischen Endkampf, in dem nur der Spiegel selber noch rettend eingreifen kann:

Denn die Diskutanten hat er in zwei Lager gespalten: in eine parteiübergreifende Entrüstungsfraktion, der sich Personen im öffentlichen Raum nur schwer entziehen können; und in den halböffentlichen Foren-und-Blogger-Stammtisch, der Sarrazin mehrheitlich Beifall zollt. Der Sache dienen beide Fraktionen nicht.

Ich wußte gar nicht, das Blogger Sarrazin mehrheitlich Beifall zollen – aber 1000 neue Blogs sind ja schnell neu angemeldet, 1000 neue Blogger lassen sich schnell einkaufen um die Zahlen zu korrigieren.  Nebenbei erfährt man wie „sozial“ dieses Land eigentlich international geworden ist:

Die Grenzen sind so gut wie dicht. Die Verschärfung des Asylrechts hat dazu geführt, dass auf diesem Weg praktisch niemand mehr nach Deutschland kommt. 2008 wurden noch ganze 233 Personen als Asylberechtigte anerkannt.

Die Menschen, die es am Meisten verdient hätten, die Menschen, die es am Dringensten bräuchten, lassen wir vor der Tür stehen. So asozial geben wir uns gerne. Auch im Inland, wie Spiegel-Online weiter berichtet:

Der Arbeitsmarkt löst einen zweiten Reflex aus, der sich auf die Kurzformel reduzieren lässt: Solange auch nur ein Arbeitsloser im Land herumläuft, brauchen wir keine Unterstützung aus anderen Ländern. Frank-Jürgen Weise, der Chef der Bundesarbeitsagentur, erklärt uns immer wieder, wir müssten die stillen Reserven mobilisieren, unsere eigenen Leute besser qualifizieren. Nun ist es gewiss eine gute Idee, erst einmal die Hausaufgaben zu machen, bevor man Hilfe von außen ruft. Doch offenbar verpufft der Effekt der milliardenschweren Qualifizierungsmaßnahmen und Arbeitsförderung, in denen nach Schätzungen bis zu eine Million nicht vermittelbare Personen geparkt sind. Die Stellen für Fachkräfte jedenfalls bleiben trotzdem offen.

Man könnte ja an dieser Stelle mal einhaken und fragen, warum da so ist.  Unter anderem hatte man die Rentengesetze geändert, wer früher wegen Krankheit als Frührentner in die Dauerarmut geschickt wurde, ist heute bei der ARGE aber deshalb noch nicht gesund. Dort muß er dann aber erstmal den Gabelstaplerfahrerschein machen … was sonst sollte man mit denen auch anfangen. Und der Sachbearbeiter selbst – oft befristet angestellt – muß selber Leistung zeigen.

Die Folterer lassen wir gerne rein, wie das Beispiel Ruanda gezeigt hat, die Opfer jedoch: sollen draußen bleiben. Die Familien der Türken auch. Was wir wollen sind: gut ausgebildete, alleinstehende junge Leute, die für ganz wenig Geld Arbeitsplätze in Deutschland besetzen. Regierung, Medien und Politik gieren danach.

Warum eigentlich?

Nun … zwischen Volk und Regierung besteht ja mitlerweile ein deutlicher Unterschied – und Gegensatz. Wir passen einfach nicht mehr zueinander. Zum Beispiel bei Thema Gerechtigkeit:

28 % der Bevölkerung über 16 Jahren halten die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland für gerecht, 56 % halten sie für ungerecht.  Fragt man aber „Mandatsträger“ so sieht die Welt gleich ganz anders aus: 60 % halten die Verteilung von Besitz und Einkommen  in Deutschland für gerecht, nur 28 % halten sie für ungerecht.

Quelle: Bertelsmannstiftung

Mit solchen Mandatsträgern wird man die Verhältnisse auch nur schwer ändern.  Volk und Politiker passen einfach nicht mehr zueinander. Bei Afghanistan ergibt sich ein ähnliches Bild. Was ist zu tun? Regierung ändern? Gott bewahre. Man macht es einfach wie Helmut Kohl mit den Russlanddeutschen: man holt einfach neue Bürger ins Land, während man die alten mit ärmlicher  Gabelstaplerfahrerscheinzukunft vergrault, kauft man sich einfach neue, zur Not auch mit Begrüßungsgeld.  (Nebenbei bemerkt: gibt es eigentlich auch „Verabschiedungsgeld“? Ich meine, wenn mal einer gehen möchte, der hier nur noch kostet: kann der sich ausbezahlen lassen um sich in der Karibik eine neue Existenz aufbauen zu können? Ich glaube – eher schickt die Arge denen zu diesen künstlichen Kaufläden wie in Hamburg, da kann man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: die Arbeitslosen sind beschäftigt und die Trainer haben einen Job.  So kann man Arbeitslosigkeit auch reduzieren)

Und schon haben wir eine Hypothese, die uns diese seltsame Front erklärt, die der Spiegel beschreibt: die Machthaber in diesem Land haben beschlossen sich nach US-amerikanischem Vorbild einfach ein neues Volk ins Land zu holen, das alte kann hingehen wo der Pfeffer wächst. Wen die dann wählen werden, hat man bei den Russlanddeutschen gesehen: auf jeden Fall jemand aus den Reihen derjenigen, die für den Afghanistaneinsatz sind und die Verhältnisse in Deutschland für völlig in Ordnung halten, weil sie so super dran profitieren.

Keine Frage darüber, warum wir eigentlich Auswanderungsland sind und deshalb Einwanderungsland werden müssen, keine Reflexion über die Entwicklung, die dazu geführt hat und erst recht kein Nachdenken darüber, wie man eigentlich das eigene Land für die eigenen Bürger attraktiver gestalten könnte, sondern einfach die Feststellung: da gibt es keine Alternative. Wie üblich.

Die Debatte um die Einwanderungspolitik ist ein Trauerspiel, weil sie am Kern des Problems vorbeizielt. Wir sind längst ein Auswanderungsland. Um das schleichende Ausbluten der Bundesrepublik zu verhindern, müssen wir neue Wege gehen.

Quelle: Managermagazin

Welche Wege das für uns Deutschen in unserer Heimat sind, ist klar: wir sind Auswanderungsland. Wir sind über, zu teuer, wir müssen ´raus. Im Ausland sind wir allerdings mitlerweile so uninteressant geworden, das wir Ausländer bezahlen müssen, wenn sie zu uns kommen. Eigentlich könnte man doch allen diese ganze Reiserei ersparen, oder?

Aber das geht nicht, denn wenn die Leute zur Ruhe kommen, dann merken sie vielleicht, das die „Elite“ dieses Landes mit dem viel-zu-vielen Geld anfängt, das sie sich jeden Monat abgreifen: sie geben es den Spekulanten, damit der Hunger in der Welt vermehrt wird:

Es ist ein Riesengeschäft für Spekulanten – und eine Katastrophe für die Ärmsten. Anleger stürzen sich wegen schwächelnder Aktien auf Agrarrohstoffe. Bei schlechten Nachrichten explodieren die Preise für Weizen oder Mais, für Entwicklungsländer sind sie kaum noch zu bezahlen.

Quelle: Spiegel-online

Unsere Elite geht bei der Jagd nach leistungslosem Einkommen durch krumme Kapitalgeschäfte buchstäblich über Leichen. Kein Wunder, das sie aus den Bewohnern des Landes gerne einen Wanderzirkus macht. Kein Wunder auch, das man soviel über Sarrazin redet, wo doch andere Nachrichten wichtiger sind … aber leider untergehen:

Teureres Öl und Gas haben die Einfuhrpreise im Juli so stark in die Höhe getrieben wie seit fast zehn Jahren nicht. Verglichen mit dem Vorjahr kosteten Importe 9,9 Prozent mehr, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte.

Quelle: Welt

Die Erzeugerpreise in Deutschland sind im Juli so stark gestiegen wie seit 19 Monaten nicht mehr. Die Produzenten von Energie, Lebensmitteln und anderen gewerblichen Erzeugnissen hoben ihre Preise im Vergleich zum Vorjahresmonat um durchschnittlich 3,7 Prozent an, teilte das Statistische Bundesamt mit. „Das ist der stärkste Anstieg seit Dezember 2008“, sagte eine Statistikerin.

Quelle: Welt

Und während die „Welt“ hier noch mit Inflationsängsten spielt, meldet sie gleichzeitig:

Trotz explodierender Erzeugerpreise geht an den Märkten bereits die Angst vor Deflation um. Die Zinsen fallen auf Rekordtiefs.

Quelle: Welt

So sind halt unsere Experten: sie haben immer zwei gegensätzliche Meinungen parat, solange sie gut dafür bezahlt werden.  Die Energiepreise sind, wenn ich mich recht erinnere, aber auch aufgrund von Spekulationsgeschäften so hoch. Bei unseren Horrorsteueranteil dabei können wir uns darüber aber kaum noch beschweren.

Aber zum beschweren haben wir ja jetzt Sarrazin, der ist diesen Sommer zum Abschuß freigegeben, vielleicht auch, um davon abzulenken, das das Wetter auch immer verrückter wird:

Der August hat Deutschland so viel Regen beschert wie noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Im bundesweiten Durchschnitt fielen in diesem Monat 157 Liter Regen pro Quadratmeter, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach mitteilte. Dies ist mehr als doppelt so viel wie das langjährige Mittel von 77 Litern im August. Der 2010er August lag von der Regenmenge auch deutlich über dem bisherigen Rekordjahr 1960, damals waren 134 Liter pro Quadratmeter gefallen.

Quelle: Yahoo

Ob man das inzwischen auch manipulieren kann, um uns aus unserem Land zu vertreiben?

Geistiges Eigentum, die ARGE und das BÜRGERGELD

Eigentum ist Diebstahl, legitimierte und vererbbare Räuberei.  Das hatten wir unlängst.  In dem Zusammenhang kam die Frage auf: was ist denn mit dem geistigen Eigentum?

Nun, geistiges Eigentum kann schon mal kein Diebstahl sein, noch legitimierte und vererbbare Räuberei. Ich kann zwar Materie gewordene Vervielfältigungen des geistigen Eigentums (Bilder, Bücher, Filme, Schallplatten) stehlen, aber die Quelle selbst nicht.

Ursprünglich gab es kein geistiges Eigentum – was daran lag, das die Krämerseelen nichts zu verkaufen hatten noch die Macht, Zugänge zu verhindern. Heute ist es ein Riesenthema und man fragt sich: warum?

Fangen wir  ganz von vorne an. Was braucht der Mensch zum Überleben? In erster Linie Wärme. Dann Nahrung (die, genau genommen, ebenfalls Wärme bedeutet) Möglichst ausgewogen inklusive Getränk. Da das nicht vom Himmel fällt, muß man es suchen oder jagen – je nach Einstellung zum Mitgeschöpf. Beides ist mit ARBEIT verbunden, weshalb man fairerweise auch das EIGENTUMSRECHT erfand. Wenn jemand den ganzen Tag fleissig gesammelt hatte, dann sollte er auch was davon haben – aber nie für sich allein. Wenn jemand das Glück hatte einen ganzen Heidelbeerberg zu finden, dann macht es auch wenig Sinn, wenn er die alle allein ißt. Das gibt Bauchschmerzen … und jede menschliche Gesellschaftsform (außer unsere Leistungsträger und die momentane Regierung der BRD) weiß, das es unanständig bzw. unsinnig ist, sammelunfähige Menschen verhungern zu lassen.  Im Alter ist man selbst auf Hilfe angewiesen und die Kinder …  sind Zukunft.

Niemand jedoch würde unserem Heidelbeersammler alles wegnehmen wollen,  noch hätte wohl jemand etwas dagegen, das er sich kugelrund an Heidelbeeren frißt….Bonuszahlungen gab es schon damals.

Doch schon hier … beim Eigentumsrecht … bekommen wir erste Probleme.  Wie kann jemand das Eigentum an Land beanspruchen? Das Land war schon da, bevor es Menschen gab – und es wird da sein, nachdem der letzte Mensch gestorben ist.  Gleiches gilt für die Früchte des Waldes, sie wuchsen schon, bevor die Natur überhaupt an Menschen dachte.  Man sieht also, wie der Rechtsanspruch von Großgrundbesitzern wie der Familie Guttenberg begründet ist: gar nicht. Es ist Raub. Anders als die Früchte seiner Arbeit (das Faß, die Harke, das Brot) hat der Großgrundbesitzer sein beanspruchtes Eigentum nicht aufgrund von Arbeit erworben. Land war vorher da – manches war weniger fruchtbar, manches war sehr fruchtbar und es ist genug davon da, zwölf Milliarden Menschen zu ernähren – sagt die UNO.  Er hat vielleicht etwas angepflanzt, aber gewachsen ist das von ganz alleine.  Eine Bonuszahlung könnte man dem fleissigen Pflanzer also ohne weiteres gewähren, aber Eigentumsrechte … an Land, Nahrung, Tierwelt? Da fing die Kirche ganz schnell an zu schreien, denn nur der Schöpfer kann das als Eigentum für sich beanspruchen.

Im Laufe der Zeit haben wir Arbeit aber geteilt.  Mehr als zuvor.  Wir wurden reich, unermesslich reich sogar.  Wir konnten es uns erlauben, wandernde Sänger zu unterhalten, Menschen, denen die lebensnotwendige aber stupide Feldarbeit zuwider war und die gelernt hatten, das man auch anders durchs Leben kommen kann. Der erste Sozialschmarotzer war geboren.  Heute ist er Model, Rockstar, Prostituierte, Autor, Journalist…. und was die Zeit sonst noch alles hervorgebracht hat.  Unser einfacher Barde jedoch lebte ganz gut – wenn er von Dorf zu Dorf zog  seine Geschichten erzählte und seine Lieder sang. Was aber nun, wenn er fortzog und die Dorfbewohner seine Lieder weitersangen? Waren sie nicht sein Eigentum? Doch …. wenn er nicht gewollt hätte, das andere sie singen, dann hätte er sie ja für sich behalten können.  Der väterliche Hof wartet bereits auf seine helfende Hand. Andererseits … was ist mit den Geschichten aus anderen Dörfern, die er erzählt.  Gehören die nicht den anderen Menschen? Immerhin ist es ihr Leben? Wir kommen in Gebiete, wo der Auslandskorrespondent den Diktator bezahlen muß, da die Geschichte des Militätputsches ohne ihn nicht existieren würde.  Autounfall auf der A44? Bericht nur gegen Bargeld an die Beteiligten.

Parlamentsdebatten wären aber gratis. Die haben wir schon bezahlt … und sind sowieso umsonst.

Es wird schwierig mit dem „geistigen Eigentum“ … und nie hätte es jemanden gekümmert. Sokrates und die Philosophen der Antike waren stolz, das sie ihr Eigentum teilen durften,  jeder Musiker freut sich über den Applaus der Menge. Geistiges Eigentum macht einen zu einem so reichen Menschen, das man keinerlei Geld mehr braucht, um glücklich zu sein.  Was man aber auch braucht ist: Wärme.  Und leider sind die Zeiten so, das die Krämerseelen nun alles vermarkten wollen. In ihrer widernatürlichen und perversen Sucht nach immer größeren Zahlen auf virtuellen Konten plündern sie alles aus, was man nur ausplündern kann….und darum müssen wir nun zur Klärung der Eigentumsrechte noch etwas tiefer graben, denn mir dünkt: je tiefer wir graben, umso weniger Wasser haben die Krämer auf ihren Mühlen.

Wir kommen hier in der Tag in die tiefsten Tiefen von Philosophie, wobei wir Religion und Mystik streifen – wir sind bei den Erkenntnistheorien angelangt.  Erst wenn ich weiß, wie ein geistiges Objekt erworben wurde, kann ich gerechterweise über das Eigentumsrecht entscheiden.

Newton fiel ein Apfel vom Baum, er hatte eine Erkenntnis. Beethoven konnte am besten komponieren, wenn ein fauliger Apfel neben ihm lag. Philosophen beschreiben das Problemfeld wie folgt:

Überlegungen der Erkenntnistheorie setzen sich mit gängigen Wissensbeständen, der Wissenschaftstheorie, den benachbarten Feldern der Philosophie, wie etwa der Metaphysik oder der Ethik sowie mit der eigenen erkenntnistheoretischen Diskussion auseinander. Betrachtete Erkenntnisvorgänge sind etwa Sinneswahrnehmung, logische Schlussfolgerung, Modellannahme mit Versuch und Irrtum, Erkenntnis derWahrheit durch Offenbarung und Reflexion angeborener Ideen und Kategorien. Typische Fragestellungen etwa: Können wir die Existenz materieller Gegenstände beweisen? Ist ein Satz wie „du sollst nicht töten“ auf ähnliche Weise „wahr“ wie eine Beobachtung aus der Astrophysik? Gibt es einen Beweis für die Existenz eines transzendenten Bereichs von Dingen, die sich der sinnlichen Wahrnehmung entziehen, wie etwa einLeben nach dem Tod oder Gott?

Konkrete Wissensbestände werden oft nur als Beispiele benutzt, um an ihnen grundsätzliche Annahmen zu diskutieren. Erkenntnistheoretische Diskussionen entwickeln gesellschaftliche Sprengkraft, wo immer sie Aussagen mit grundlegendem Wahrheitsanspruch in Frage stellen, wie z. B. im Fall des Positivismus oder des Induktionsproblems.

Es ist zum Teil eine Leistung der philosophischen Erkenntnistheorie, die naturwissenschaftliche Erkenntnis neben der theologischen für valide, wenn nicht universeller erklärt zu haben. Durchbrüchen in den Naturwissenschaften wie etwa der Relativitätstheorie gingen erkenntnistheoretische Erwägungen voraus. Aktuelle Fragen wissenschaftlicher Forschung sind noch immer zentral erkenntnistheoretisch: Können Computer übersetzen, falls sie Sprache nicht wirklich mit einem eigenen Bewusstsein verstehen können? Können sie denken und Bewusstsein entwickeln? Die Antworten hängen von grundsätzlichen Fragen der Erkenntnistheorie ab: Was ist Wissen? Woran erkenne ich, dass jemand mit Wissen über Gegenstände spricht, mit Erkenntnis?

Man merkt: ein enorm wichtiges Feld, das Menschen in vielen Alltagsentscheidungen berührt….seltsamerweise hat es aber in unserer Medienwelt keinen allzu großen Stellenwert. Manche Filme stoßen es an und werden berühmt … das war es dann auch.  Wem gehört Beethovens Musik? Wäre ihm wirklich damit gedient, wenn wir – solange wir um die Rechte streiten – seine Werke unter Verschluß halten und ihre Aufführung verbieten?

Sowohl sein komponieren als auch der Apfel Newtons (der daraufhin einen „Einfall“ hatte) berühren das Feld der „Erkenntnis durch Offenbarung“. Musik und Wissenschaft als Geschenke des Himmels, wie Äpfel Geschenke des Baumes sind.  Neben den Naturwissenschaften überlebt bei den Erkenntnistheoretikern auch die Theologie, denn:  Erkenntnis kommt oftmals als „Einfall“ daher … und dieser Einfall muß eine Quelle haben, die außerhalb von uns selbst liegt…..oder aber er entstammt der Ursuppe des Unterbewußtseins (womit nur gesagt wird: „Ich habe auch keine Ahnung wie das laufen soll aber GOTT war es AUF KEINEN FALL“.)

Ganz schnell stoßen wir hier an menschliche Grenzen … und lediglich einige Grenzerfahrungen zeigen uns, das es hinter der Grenze noch etwas gibt, das Ursache und Grund sein kann.

Nun, Theologie ist nicht mein Geschäft. Gibt es einen Gott, so hat er uns so mangelhaft ausgestattet, das wir ihn nicht (…oder nicht mehr, aber das ist ein anderes Thema) finden können, gibt es ihn nicht … braucht man ihn ebenfalls nicht suchen.  Wir können aber auch gut ohne ihn Leben, sollten uns aber immer vergegenwärtigen, das es die Ethik von Räubern ist, die hier Raum greift.

Das Land war vor uns da … und die Ideen kommen aus Räumen, die uns ebenfalls nicht zugänglich sind.  Solange wir aber über letzteres keine Zweifelsfreiheit haben, müssen die Krämer  mit ihrem Marktgeschrei aufhören.  Der Verkauf geistigen Eigentums ist Landraub der Seele, wie der Baum gerne Früchte bringt, so schafft der Künstler gerne Werke.  Selten, ganz ganz selten schafft es ein Künstler ohne Krämer reich zu werden.

Es ist also nicht das Problem der Künstler, sondern der Krämer.  Denen aber entgegenzuhalten „Ach, Mensch, müßt ihr das denn jetzt auch noch verkaufen wollen?“ ist als würde man dem Regen das Naß machen verbieten.

Mit diesen Worten könnte ich mich jetzt vornehm zurückziehen, denn es wäre wahrlich genug Wort gesagt.  In der Eifel kann man aber so als Philosoph nicht überleben, darum noch ein paar Takte meines geistigen Eigentums dazu: gratis und unverkäuflich.

Das Problem, das Künstler haben, ist die materielle Versorgung, für die sich einst der Adel verantwortlich fühlte.  Ich selbst kenne genug Künstler, die großzügig von der ARGE gesponsert werden und jeden Tag Panik haben, die ARGE könnte sie mit irgendeinem Mist von der ARBEIT abhalten … was sie oft genug tut.  Künstler können aber nicht nebenbei noch im Fachbereich „Laub fegen“ oder “ Altenbetüddelung“ Meisterschaften erzielen, auch – da bin ich fest von überzeugt – helfen ihnen mehrere Gabelstaplerfahrerscheine nicht wirklich weiter.

Inspiration erlangen ist ein schwieriges Geschäft, das wissen Künstler sehr gut. Kunst ist nicht beliebig reproduzierbar, wenn sie Meisterschaft erlangen soll (und dadurch die ganze Menschheit weiterbringt) erst recht nicht.  Viele Künstler wissen, das der Zugang zur Kunst in ihnen liegt, ihnen aber jederzeit verwehrt werden kann…und viele haben deshalb Respekt vor dem, was ihnen die Kunst zufließen lässt.

Und so argumentieren ja Krämer: geistiges Eigentum muß verkaufbar bleiben, damit die Künstler nicht der ARGE in die Hände fallen und ihr Genie beim Laubfegen vertrödeln.

Da haben die Krämer recht … und doch verdienen an einem Künstler tausende von Krämern, während als Folge davon für tausend andere Künstler kein Geld mehr da ist und die wieder auf der Straße landen … diesmal als Bürgerarbeiter der ARGE.  Wir sehen also: es besteht dringender Handlungsbedarf: wir brauchen mehr Adel im Alltag zur Rettung der Kunst, ohne den Adel wieder einzuführen.

Der Weg dahin ist einfach.

BÜRGERGELD statt BÜRGERARBEIT.  Wäre einen kurzen Moment sogar möglich gewesen, denn eine Partei, die Bürgergeld forderte (die EINZIGE) ist ja gerade auch in der Regierung.  Aber ich verstehe schon, das Bürgergeld Mist ist, weil es nicht von den Linken kommt.  Darum kriegen wir jetzt Bürgerarbeit, die ist sicher besser.

Innerhalb des jetzigen Systems muss ich Microsoft Recht geben: es ist notwendig, das geistiges Eigentum geschützt wird. Aber: das der wandernde Barde dafür herhalten muss, die Chinesen zu verklagen, weil sie den BMW nachbauen … das geht mir zu weit. Viel zu weit.

Autobau ist keine Kunst. Programmieren auch nicht (das ist eher Hexerei – und wie die heilige Mutter Kirche dazu steht, wissen wir ja).

Doch hören wir Microsoft dazu, die mit einer besonderen Form von geistigem Eigentum Milliarden und Abermilliarden verdienen:

Die Möglichkeit, aus der Verwertung kreativer Werke einen finanziellen Nutzen zu ziehen, ist ein großer Anreiz, überhaupt mit einer oft beschwerlichen Entwicklungsarbeit zu beginnen. Schöpfer können sich außerdem weiteren Erfindungen oder künstlerischen Werken widmen, wenn sie für ihre Erfindungs- oder Entwicklungsarbeit eine Vergütung erhalten. Von einer Entlohnung profitiert allerdings nicht nur der Schöpfer. Schließlich dienen viele Schöpfungen auch dem Gemeinwohl. Es liegt deswegen im Interesse aller, den Schöpfern ihre Tätigkeit zu ermöglichen und das geistige Eigentum zu schützen. Auf diese Weise sichert sich die Gesellschaft ihre Innovationskraft.

Die legen fest, das der Sänger des Liedes auch sein Schöpfer ist.  Das ist unwissenschaftlich und nicht beweisbar, wie uns der Ausflug in die Erkenntnistheorie zeigte. Dem wirklichen Sänger wäre das auch vollkommen egal, er singt nicht, um Millionär zu werden. Aber die Krämerkonzerne können heute mit Marktmacht aus jeder Hupfdohle einen Megastar machen – die Techniken setze ich mal als bekannt voraus, wir erleben sie seit dreissig Jahren täglich.  Wir bewegen uns hier aber auf einem Weg, den wir auf keinen Fall weitergehen dürfen:

– oder sollen in Zukunft nur noch jene über die Erklärung der allgemeinen Menschenrechte reden dürfen, die dafür Lizenzgebühren bezahlen?

– müssen wir in Zukunft Dieter Bohlen schon deshalb bezahlen, weil er droht, er schreibt bald noch einen Song?

– wird jemand die Rechte an den Werken Platons erwerben, um fortan Lizenzgebühren für Gedanken über die Wahrheit, das Leben, den Staat, die Gerechtigkeit, die Liebe und den Tod verlangen zu können? (Platons Werke machen den Hauptteil dessen aus, was in der Philosophie jemals gedacht wurde … nebenbei bemerkt).

Schopenhauer unterteilte die Philosophen in zwei Gruppen.

Die einen leben von der Philosophie, die anderen für sie.

Diesen Satz kann man meines Erachtens übertragen.  Wer für die Kunst lebt, kommt gar nicht auf den Gedanken, Lizenzen haben zu wollen.

Wer aber von ihr lebt,  kann gar nicht genug davon kriegen.

Möglicherweise kann man sich ja in einem ersten Schritt auf Künstlerbürgergeld einigen, um im nächsten Schritt zu zeigen, das alle Bürger eigentlich Künstler geworden sind. Lebenskünstler.

Wir könnten eine so reiche und vielfältige Kultur haben, wenn … ja wenn die Sozialschmarotzer nicht wären, jene Zecken der Gesellschaft, die alles Geld,  allen Lebenssaft des Volkes für sich allein haben wollen und die – wenn man sie ließe – selbst für Gottes Wort Lizenzgebühren nehmen würden.  Wir stehen eigentlich schon wieder dicht davor, ein paradiesisches Leben auf Erden zu haben, wo – siehe Newton und Beethoven – der Apfel für jedermann zu haben ist.

Aber es gibt leider Kräfte, die wollen das Paradies nur für sich und können nur glücklich sein, wenn andere im Elend leben.

Und jene nennen wir zurecht: asoziale Sozialschmarotzer. … oder auch: Lumpenelite.

Da sie erfolgreich sind, in dem was sie tun, sind sie reich an Talern, wenn auch in der Seele arm.  Und so arm möchten sie uns alle sehen.

Und wie immer zeigt mir gerade der Word count:  Philosophie geht nicht kurz.

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