Sokrates

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MamaPapaBaby Hipster – Über Mercedes neue „Grow up“-Kampagne und Chomskys Dressur zu Habsucht, Passivität und Unterwerfung (Teil 2)

Bild li.: „Dem Hipster hängt der Zwickel tief“ (cc by Jacques Prilleau) / Bild re.: „Next exit to illusion“ (cc by Parkwaechter)

„Radikal anders: Die Kampagne „Grow up“ der Berliner Agentur Antoni für die Kompaktwagenfamilien von Mercedes-Benz zeigt eine völlig neue Tonalität: Menschlich, spontan, jung.“ (Quelle: wuv.de)

Spontan, jung, radikal anders … sogar menschlich – na wer hätte sowas vermutet? Wer bisher gedacht hat, dass in einem Mercedes nur fossile ältere Herren mit braunkariertem Tschako-Hut sitzen, mit dickem Aktien-Portfolio und Dackel auf der Rückbank, der wird durch die neue „Grow up“-Kampagne eines Besseren belehrt.

In der Tat sind die neuen Mercedes-Werbespots radikal anders. Ein erster Klick führt mich zu einer Offroad-Sequenz in eine US Wüste (siehe YouTube), wo sich ein junger, spontaner Mann mit seiner jungen, spontanen Frau über ihr offensichtlich ebenfalls in einem Anflug von Spontanität gezeugtes Kind namens „Izzy“ in die Haare kommen. Nachdem Izzys zweiter Socken verschwunden ist, reißen dem jungen Paar die Nerven. Die Frau geifert mit einem zu allem bereiten, hasserfüllten Gesichtsausruck um sich, bei dem jedem Mann Angst und Bange werden kann, während der Mann seiner Frau vorwirft, eine Schlampe zu sein. – Alltagsszenen aus dem Leben eines Pärchens von nebenan, das dort angekommen ist, wo es von Schule und Medien hindressiert wurde: am Boden der nackten Realität und des Pragmatismus.  Der Zornesausbruch der Frau wird schließlich mit dem Vorwurf ihres Mannes: „Du schläfst mit vielen anderen Männern“ jäh zum Verstummen gebracht. Nach dieser Aussage und dem darauffolgenden Schweigen im Walde ist klar, dass die Frau zumindest noch einen sexuellen Marktwert besitzt und deshalb vermutlich nicht sofort zum Alteisen geworfen wird.

In einer Zeit, in der man sich nicht sicher sein kann, was fake und was echt ist, dachte ich zunächst, mit diesem Video will jemand die Mercedes-Werbung satirisch auf die Schaufel nehmen und zeigen, dass Luxus-Produkte unglücklich machen und zu Streit führen. Wie auch immer, in einer informellen Erklärung zur neuen Mercedes-Kampagne erfuhr ich schließlich, dass hierbei junge Leute im Spannungsfeld ihres hedonistischen Lebensstils und „selbstverständlichem Luxus“ gezeigt werden sollen. Was man in den „Grow up“ (übersetzt: „Erwachsenwerden“) – Spots zu sehen bekommt, ist also nichts anderes als eine Visualisierung von dem, was Neil Postman als „adult-childs“ bezeichnet und was auch der Psychologe Götz Eisenberg beschrieben hat. In seinem Buch „Zwischen Amok und Alzheimer – Zur Sozialpsychologie des entfesselten Kapitalismus“ sieht Eisenberg zwischen heutigen Erwachsenen und Säuglingen nur noch graduelle Unterschiede:

„Die Konsumgesellschaft bringt einen gefräßigen, ungeduldigen, auf seinen Spaß bedachten ewigen Säugling hervor, der sich genüsslich die Flasche geben lässt und für den die kleinste Verzichtsleistung zur Quelle eines tiefen Unbehagens oder einer immensen Wut werden kann.“

Wen wundert es da, dass das junge Pärchen, das selbst noch am Konsumschnuller nuckeln und „einfach nur Spaß haben“ will, mit hoffnungsloser Überforderung reagiert, wenn nun ein Kind da ist, das Bedürfnisse nach Empathie und Fürsorge anmeldet? Immerhin gibt es aber im hedonistischen Scherbenhaufen des jungen, spontanen Paares eine stabile Konstante: den Mercedes-Familienwagen, in dessen blitzblank geputztem Interieur indes das gemeinsam gezeugte Kind wartet, bis das emotionale Blitzgewitter vorbei ist.

Obwohl der Werbespot in mir bisher noch keine spürbare Resonanz, geschweige denn einen Kaufimpuls erweckt hat, so steigt beim Anblick von Izzy dann doch eine gewisse Traurigkeit auf. Das arme Kind, das – wie so viele Kinder heute – in einer menschlich verödeten und neoliberal vergletscherten Kinderstube aufwachsen muss, tut mir leid. Es wird wohl demnächst mit einem Tablet und einem Smartphone der neuesten Generation versorgt und kaltgestellt werden. „Digitale Kindesaussetzung“ nennt Götz Eisenberg dieses Schicksal, für das es im Strafgesetzbuch noch keinen Tatbestand gibt.

Auch am Namen bleibe ich hängen. Warum nennen die Eltern ihr Kind „Izzy“? Das mag jetzt subjektiv sein, aber für mich klingt dieser Name eher nach einem Ding als nach einem Buben oder einem Mädchen. Spontane Assoziationen mit Iggy Pop oder einer Pop-Art Skulptur von Jeff Koons tauchen auf. Also ich persönlich würde den Namen „Izzy“ allenfalls einem kleinen Drachen verpassen, aber nicht einem Kind, das ich liebe. Einen Mausklick weiter klärt sich das Rätsel für mich bereits auf. – Ein weiterer „Grow up“-Spot mit Untertitel  „Sei du selbst“ zeigt die zum Heldenepos stilisierte Lebensgeschichte des Transgender-Models Benjamin Melzer (siehe YouTube), der als Frau großgeworden, dann aber zur Überzeugung gekommen ist, dass er doch eher ein Mann sei und im falschen Körper stecke. Dank der Möglichkeiten von Pharma und Medizin 4.0 wurde dieses Problem nun behoben. In einer Vielzahl an Operationen wurde der ehemaligen Frau sogar ein männliches Gemächt aufgebaut, das durch eine im Hodensack integrierte Pumpe erigierbar und per Auslassventil wieder erschlaffbar ist. Mit funkelndem Jack Wolfskin-Blick berichtet der sportliche Melzer unter abendlichem Neon-Straßenlicht, dass er nun in seinem Leben „angekommen“ sei. Die medizinische Tortur war indes nicht umsonst – die Lifestyle-Männerzeitschrift „Men`s Health“ hat ihn bereits unter Vertrag genommen und ihn als erstes Transgender-Model auf der Titelseite posieren lassen (siehe Stern). Seit dieser Erfolgsstory kokettieren nicht nur Melzers 100.000 Twitter-Follower mit dem Gedanken, ob das Leben im Körper des anderen Geschlechts womöglich doch mehr Spaß macht als im von der Natur angeborenen Vehikel. Ein Instagram-Nutzer postet: „Du bist meine Inspiration. Ich hoffe, dass ich eines Tages wie du sein werde.“

Die Eltern von Izzy wollen ihrem Kind diesbezüglich scheinbar alle Möglichkeiten offen lassen und gaben ihm wohlweislich einen politisch korrekten Namen. Mit dem neutra-artigen „Izzy“ kann das Kind später einmal nahtlos von einem Geschlecht zum anderen switchen, ohne dass sich seine Freunde oder die Firmenkollegen an einen neuen Vornamen gewöhnen müssen so wie bei Yvonne Melzer, die plötzlich als Benjamin Ryan figurierte.

Wie auch immer, ich will das triste (Großstadt-)Wüsten-Drama und das Transgender-Epos hinter mir lassen und klicke weiter. Und siehe da: Im nächsten „Grow up“-Video geht es schon etwas lustiger zu. Während Dirk C. Fleck angesichts des drohenden ökologischen Kollaps und allgemeinmenschlichen Abgrundes, an dem wir heute stehen, bei seiner bekannt gewordenen G7-Rede vor Betroffenheit fast die Stimme versagt (siehe YouTube), beweist die „Grow up“-Kampagne, dass man nicht so zimperlich sein muss, sondern stattdessen einfach abhängen und seinen Spaß haben kann:

https://www.facebook.com/mercedesbenzdeutschland/videos/10213653093112731/

Angesichts eines solch umwerfend professionellen Werbespots, der das junge, spontane Lebensgefühl von Generation 4.0 widerspiegelt, wird es wohl niemand als sexistisch empfinden, wenn zwischen den Auto- und Spaßsequenzen ein Mann auf Hüfthöhe einer danebenstehenden Frau einen Benzinzapfhahn in die Tanköffnung eines Autos einführt und gleich darauffolgend der Hahn eines abtropfenden Kaffeeautomaten eingeblendet wird, aus dem sich eine cremige Melange ergießt (siehe Minute 0:18).

Jedenfalls kann man sich lebhaft vorstellen, wie die Werbefritzen abends in der Kantine gelacht haben müssen – über die „subliminals“, die sie hier in professioneller Manier in die Werbebotschaft hineingemogelt haben und die das beworbene Blechprodukt genau mit dem verquicken, was beim Endkunden hängen bleibt: elementare Triebe und Emotionen. Indem man also den Hypothalamus direkt mit dem Impetus der Zehennägel verknüpft, kann man das normale menschliche Denken und Fühlen bzw. den Herzbereich des Menschen umgehen und trotzdem eine maximal nachhaltige Prägung erzielen. Auf diese Weise bleiben die Werbungsinhalte sogar bei schweren ADHS-Patienten und Smombies hängen. Und das ist heute eine wirklich respektable Leistung.

Der Spot wartet überdies mit perfekt emotionsheischendem Sounddesign mit lasziver Musikuntermalung auf, die einem karriereaffinen Hipster bei Sonnenuntergangsstimmung noch den letzten Kick geben, um einen ungesicherten Bungeejump in den Grand Canyon zu wagen. In einer dunklen Schlucht, aus der solch betörende Musik heraufschallt, befindet sich bestimmt ein Paradies, wo auf den, den es beim Aufprall zerbröselt, ein futuristisches Freiluftbordell wartet, in dem am gut beschatteten Firmament schokoglasierte Schweine kreisen und sich freiwillig zu leckeren Schnitzeln filetieren, sobald der Hipster einmal kurz übers Matschphone wischt und ein paar Bitcoins abbucht.

Das wäre ja auch gelacht, wenn sich der Werbeaufwand nicht rechnet – wenn ein gutbezahltes und mit allem nur erdenklichen technischen Equipment ausgestattetes Team an Profis mehrere Wochen lang an endlosem Videomaterial arbeitet, aus dem man dann die paar glücksstrahlendsten Momente aus den Gesichtern der oftmals depressiven und tablettensüchtigen Schauspieler herausschneidet und zu einem kurzen Spot an Emotionen kondensiert, bei dem ein waschechter Hipster Gänsehaut am Rücken bekommt und mit offenem Mund nur noch vier Worte stammeln kann: „Ich auch will habähn …!“

Jedenfalls muss man den Grad an Perfektion, den Werbung heute erreicht hat, richtiggehend bewundern. Wie hier auf glänzende Weise als Lebensideal vorgegaukelt wird, was eigentlich vollkommener Nihilismus und Grausamkeit ist und jeden, der dem folgt, unweigerlich in die Depression führen wird, ist einfach phänomenal.

Damit jetzt niemand glaubt, ich behaupte, dass die Marketingfritzen von Antoni & Co. gezielt an der Gehirnerweichung einer ganzen Generation arbeiten. Das wäre ja eine Verschwörungstheorie und geht daher gar nicht. Nein, ich halte mich da lieber ganz orthodox an die wissenschaftlich anerkannte Theorie der „invisible hand of the market“ – der unsichtbaren Hand des Marktes, die dafür sorgt, dass jeder Mensch, der keine eigenständigen Lebensideale formuliert, ganz automatisch dazu geführt wird, genau das zu machen, was der Markt bzw. der Zeitgeist fordert (von Noam Chomsky bezeichnet als „notwendige Illusionen und Lügen“, mithilfe derer die Bevölkerung „unterhalten“ und „zu apathischen, autoritätsgläubigen, kaufsüchtigen wie desinteressierten Konsumidioten formiert wird“).

So raffiniert diese Chomsky’sche Unter-Haltung auch ist, sie kann in Wirklichkeit nur bei jenen Menschen greifen, die lediglich die Aussprüche von Dieter Bohlen und Sido kennen, aber die noch nie eine Zeile von Sokrates oder Aristoteles gelesen haben, z.B. dessen Wahlspruch, mit dem er lächelnd über die Märkte flaniert ist:

„Was es alles gibt, was ich nicht brauche …“

Mit dieser Prise Sokrates wären sie immun gegen Lifestyle-Werbekampagnen, die Chomsky als „notwendige Illusionen bzw. Lügen“ charakterisiert. Die kommerziellen Hochseefischer würden schimpfen und fluchen, aber solche Menschen würden ihnen trotz millionenschwerem Jagdbudget, HiTech-Radar und raffiniertester Fangmaschinerie einfach nicht mehr ins Netz gehen.

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zum Weiterlesen:

„Grow up“- Teil 1: Jetzt weiß ich endlich, was ein Hipster ist

„Grow up“- Teil 2: MamaPapaBaby Hipster

„Grow up“- Teil 3: Dem Hipster hängt der Zwickel tief

Endzeit-Poesie 4.0: Die Entscheidung – Das Mingle-Dasein von Generation Tinder

Gleichschaltung der Medien und Manipulation des fernsehenden Kleinbürgers – natürlich nur zu Weihnachten und daher kein Grund zur Sorge!

Beim Durchzappen durchs abendliche Fernsehprogramm ist dem US Moderator Conan O`Brien etwas faul vorgekommen. Die Nachrichtensprecher verschiedenster Rundfunkstationen verwendeten allesamt exakt den gleichen – und zwar wirklich buchstäblich gleichen! – Ansagetext.

Conan hat daher nachrecherchiert und eine Kompilation der besagten Ansage von ca. 30 kreuzverschiedenen TV-Sendern zusammengestellt. Man höre und staune:

(Fotoquelle Titelbild/Conan O’Brien: Carlos Gomez, Flickr CC BY SA 3.0 Quellenlink: https://flic.kr/p/QcAL)

Wenn es also schon für so banale Anlässe wie dem Weihnachtsgeschäft möglich ist, die Medien quer durch die Bank gleichzuschalten bzw. den Journalisten wortwörtlich  vorzuschreiben, was sie zu sagen haben, dann darf man mutmaßen, in welcher Weise staatliche und wirtschaftliche Mächte von dieser umfassenden Durchgriffsmöglichkeit Gebrauch machen, wenn es um wirklich wichtige bzw. zukunftsrelevante Themen geht.

War es doch schon immer die feste Überzeugung dieser Mächte, dass man die wirklich wichtigen Themen nicht einfach der freien Meinungsbildung des gemeinen Kleinbürgers überlassen kann. Sonst käme der gemeine Kleinbürger ja womöglich auf abwegige Gedanken und ein Fortsetzen der Reise unseres hochprofitablen Eilzuges Richtung Grand Canyon wäre in Frage gestellt.

Wenn es also um wirklich wichtige bzw. dollarschwere Fragen geht wie etwa Militärinterventionen in Irak, Afghanistan, Syrien, Somalia & Co., um den Ukraine/Russlandkonflikt, um Atomraketenstationierung, Drohnenbefriedung, US- und NATO-Strategien, um die Markteinführung von Hochrisiko-/Hochprofittechnologien wie Atomkraft, Fracking, Gen-, Bio- und Nanotechnologie, um Industrie 4.0 und die Digitalisierung all unserer Lebensbereiche, um TTIP/TISA/CETA, die Geschäfte der Waffen-, Pharma- und Impfindustrie, um Finanzkonzerne, Geheimdienste, Bürgerüberwachung und Grundrechtsabbau – soll man da etwa dem gemeinen Kleinbürger erlauben, dass er sich eine wirklich profunde Meinung bildet? Wo kämen wir denn da hin? Unsere westlichen Werte (siehe kurze Liste der westlichen Werte) bekämen womöglich keine ausreichende Unterstützung mehr.

Nein, um Gottes Willen. Da MACHEN wir lieber zuvor Meinung, dann kann man sich auch getrost zurücklehnen und demokratisch abstimmen lassen. „Manufacturing consent“ nennt man dieses Meinungsmachen schmunzelnd und ganz selbstverständlich in akademischen Fachkreisen.

Aber wer es im gemeinen Kleinbürgermilieu wagt, diese Machenschaften anzusprechen, der ist „Verschwörungstheoretiker“ und wird aus der akademischen Riege umgehend suspendiert, so wie z.B. der renommierte Friedensforscher Dr. Daniele Ganser vom MIT, nachdem er sich geweigert hatte, herrschende Lehrmeinungen nachzuplappern und aufforderte, lieber selbst nachzudenken. Oder der Künstler Xavier Naidoo, der doch tatsächlich öffentlich geäußert hat, dass die frei fernsehenden Hartzbürger in Deutschland gar nicht wirklich frei seien – was für eine abwegige Ansicht! Zum Glück hat man noch rechtzeitig bemerkt, dass dieser Mann nicht politisch-korrekt ist, sonst hätte er anlässlich des internationalen Songcontests womöglich noch ähnliche Worte vom Stapel gelassen und damit bei Millionen Menschen ein Hinterfragen unserer Systemdoktrin: des nihilistischen Mammonismus ins Rollen gebracht.

Im Gegenzug zum Abservieren kritischer Denker werden etablierte Denkpanzer-Generäle aufs Podest gehoben, um in Gesellschaft, Wissenschaft und Pädagogik den politisch korrekten Text anzusagen, den dann die Radio- /Fernsehmoderatoren und die Journalisten der „Lügenpresse“ nachplappern und nachäffen dürfen.

Diese Woche wurde etwa Hans-Werner Sinn zum „Hochschullehrer des Jahres“ gewählt – derjenige scharf rechnende Mann mit dem scharfen Knebelbart, der streng wissenschaftlich, also unwiderlegbar errechnet hat, dass Deutschland 32 Millionen Migranten sowie eine Senkung der Löhne und eine Abschaffung des Rentenantrittsalters benötige (siehe Zeit, WirtschaftsWoche, FAZ). In der Laudatio über Prof. Dr. Hans Werner Sinn heißt es: „Herr Kollege Sinn ist ein Wissenschaftler, der allein der Rationalität verpflichtet ist und politischen Opportunismus nicht kennt. … Herr Kollege Sinn steht für unparteiliche, wissenschaftliche Expertise. Er ist ein meinungsfreudiger Freigeist und unabhängiger Mahner jenseits des politischen Mainstreams …“ (Quelle: Deutscher Hochschulverband )

Dass man den wissenschaftlichen Meinungsmachern zutraut, dass bei vorgenannten, wirklich wichtigen Themen nicht einfach in plumper Weise überall derselbe Ansagetext durchgeschaltet wird so wie im obigen Video zur Ankurbelung des Weihnachtsgeschäfts, sondern dass man diesbezüglich schon etwas kreativer vorgehen bzw. die Ansagetexte leicht modifizieren kann – wer so etwas unterstellt, nun, der ist wirklich ein dunkler Verschwörungstheoretiker.

Der verdient nichts anderes als der „Ketzer“ im Mittelalter – er gehört medial verbrannt und vorher öffentlich an den digitalen Pranger gestellt, wo ihm von Jutta Ditfurth, der großinquisitorischen Aluhut-Jagdgesellschaft (siehe Der goldene Aluhut) und sonstigen selbsternannten Kotztantinen-Vereinen im Namen von Wissenschaft und Fortschritt mit einer glühenden Zange genüsslich die Eingeweide aus dem Leib genommen werden – unter dem höhnischen Gelächter ihrer neoliberal-aufgeklärten Glaubensbrüder in sämtlichen Leitmedien wie Bild, Spiegel, Stern, Focus & Co. sowie dem gröhlenden Applaus des dauerUNTERhaltenen Fußvolks. Besonders genial macht es der – zufällig zeitgleich gegründete – österreichische Ableger der Goldenen Aluhut-Jagdgesellschaft, die GWUP mit ihrer Preisverleihung „Goldenes Brett vorm Kopf“. Hier wird pro Jahr nicht nur ein einziger Sündenbock wie z.B. Xavier Naidoo aufs Streckbett gespannt, sondern auf einem eigens eingerichteten digitalen Pranger (siehe „Nominierungsliste„) kann jeder Fernsehbürger anonym jeden Mitbürger, den er für verdächtig hält, anprangern und ihm somit einen Google-Eintrag im Spinner-Wiki verpassen. In der langen, unredigierten Liste finden sich neben homöopathischen Ärzten auch Kabarettisten wie Dieter Hallervorden und Roland Düringer mit der Anschuldigung, dass sie Menschen zum kritischen Nachdenken brächten – was natürlich heute ein absolutes NoGo ist.

Auch Vereine und NGOs lassen sich durch den die digitalen Pranger von GWUP & Co. schnell auf Linie bringen, indem man ihnen die glühende Spinner-Zange vors Gesicht hält. So finden sich in der Nominierungsliste auch Greenpeace (wörtliche Begründung: „wegen ihrem prinzipiellen Widerstand gegen Gentechnik“), der Biolebensmittelhändler Alnatura sowie die Ärztekammer und die Techniker-Krankenkassa, weil sie Homöopathie und Alternativmedizin unterstützen. Warum auch Homöopathie&Co. auf der Abschussliste stehen, wird schnell erklärlich, wenn man die Sponsorenliste des digitalen GWUP-Prangers  studiert: Ganz oben dabei ist etwa „The Cochrane Collaboration“, eine 37.000 Mitarbeiter starke und über 130 Ländern ausgebreitete Organisation, die „sich dafür einsetzt, dass Entscheidungen in der Gesundheitsversorgung besser werden“ und die es als eine ihrer höchsten Prioritäten bezeichnet, dass „wissenschaftliche und laienverständliche„,  also auch fürs bildungsferne Fußvolk mundgerecht aufbereitete „Zusammenfassungen“ wissenschaftlicher Publikationen verbreitet werden. Die Organisation präsentiert sich auf ihrer eigenen Webseite als gemeinnützig und unabhängig von kommerziellen Interessen, die Mitarbeiter werden als „eherenamtlich“ dargestellt. Als ich das gelesen habe, war ich schon ziemlich baff – in einer Zeit, in der kaum noch jemand einen Finger rühren will, wenn er nichts dafür bezahlt bekommt, in der das  Rote Kreuz kaum mehr ehrenamtliche Rettungsfahrer findet so wie früher und in der die meisten gemeinnützigen Vereine um ihre Existenz ringen, da sie kaum noch die Bürokosten und Reisespesen für ihre Mitarbeiter stemmen können – in solch einer knallharten Zeit beschäftigt eine Organisation in 130 Ländern 37.000 hochqualifizierte Mitarbeiter, die auf Hochdampf wissenschaftliche Studienpublikationen analysieren, zu „Reviews“ umschreiben und dann in alle populären Sprachen übersetzen?

Ein paar Absätze weiter erfährt man dann doch, wie sich 37.000 Mitarbeiter in 130 Ländern finanzieren lassen: „Auch eine rein finanzielle Unterstützung der gemeinnützigen Arbeit von Cochrane ist möglich (…) Cochrane ist dankbar für jede finanzielle Spende zur Unterstützung unserer Arbeit. Es gibt eine ‚Cochrane Stiftung‘, der sie Ihre Spenden unkompliziert und steuerlich absetzbar zukommen lassen können (…) mit Kreditkarte oder anderen Zahlungsarten …“ – Aber wer es dann konkret ist, der seine Kreditkarte zückt, um 37.000 Mitarbeiter in 130 Ländern zu finanzieren, da endet das helle Tageslicht und da beginnen dann die Verschwörungstheorien … weshalb wir also lieber die Finger davon lassen. Auf Wikipedia erfährt man immerhin, dass das Cochrane Netzwerk auch „von wissenschaftlichen Fonds unterstützt wird“. Da in wissenschaftlichen Fonds ja bekanntlich die Geldmittel wachsen wie die Pilze im Wald, also einfach so über Nacht aus dem Nichts erscheinen, ist der Finanzierungslegitimation stringent wissenschaftlich genüge getan.

Man redet heute viel darüber, dass man die Geldflüsse zur Förderung terroristischer Aktivität, die die Welt derzeit in Angst und Schrecken versetzt, unterbinden müsse. Die Frage, ob die Finanzierung des Verhetzens von homöopathischen Ärzten, Künstlern und alternativen Denkern und die Institutionalisierung von Schmähpreisen und Diffamierungskampagnen nicht auch eine Art Förderung „terroristischer Aktivität“ ist (wird doch zivilgesellschaftliches und basisdemokratisches Engagement mittels gezielter Anschläge heimtückisch sabotiert und wird die in der Europäischen Menschenrechtskonvention verankerte Meinungs-, Glaubens- und Gewissensfreiheit mit Füßen getreten, ohne dass das den Staatsanwalt auf den Plan ruft), was schon demnächst zu relativ unlustigen, da totalitären Verhältnissen führen kann – diese Frage wird daher gar nicht erst gestellt bzw. wäre dunkle Verschwörungstheorie.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten! Und nicht vergessen: Sie haben als streng wissenschaftlich erzogener und durch „laienverständliche Zusammenfassungen“ täglich vor der Glotze upgedateter Bürger die Freiheit und die Wahl. Machen Sie Gebrauch davon. Kaufen Sie „One … or two … or even ten items for yourself“!

Oder machen Sie es lieber wie Sokrates – gehen die durch die prall gefüllten Einkaufsstraßen mit heiterem Lächeln und sagen Sie sich: „Was es alles gibt, was ich nicht brauche!“

***

Und zum Abschluss noch eine vollkommen unwissenschaftliche, aber gleichwohl unentrinnbare Prophezeiung des Parkwaechters fürs kommende Jahr:

Angesichts der neptunisch-verwaschenen Konstellation flächendeckender „wissenschaftlicher“ Meinungsmache in Konjunktion mit sinnstrotzenden Hochschulprofessoren des Jahres und diversen schwarzen Löchern, die uns als plutonische Trabanten umkreisen und für zusätzliche Spannungsquadraturen und Sogwirkungen in der Milchstraße sorgen, wage ich als akadämlich akkreditierter Parkwaechter vorherzusagen, dass sich das Informationsmedium Internet, die einstige Hoffnung von Freiheit und Kommunikation der Nerd-Generation, bald vollends zu dem verwandeln wird, was Regisseur David Schalko schon einmal in Worte gefasst hat: „zur größten Toilettenanlage unserer Gesellschaft“. – Machen Sie daher in der besinnlichen Weihnachtszeit lieber ein paar Waldspaziergänge in der freien Natur – dort bekommen sie bessere Gedanken und Inspirationen als aus der Glotze bzw. aus der Toilette.

Live von der IAA: BMW-Chef von selbstgezüchteter Bestie überwältigt

17_Oltimer+BMW

17_Oltimer+BMW

Vehikel gestern und heute (Fotorechte s.u.)

Nostalgiefreunde erinnern sich oft mit Wehmut an die Oldtimer-Zeit. Als die Designer der ersten Automobile sich noch bemühten, ihren Vehikeln ein Gesicht zu geben, das die Herzen der Menschen, die ihnen ins blecherne Visier sehen, trotz unvermeidlichem Lärm und Gestank ein wenig erfreut. – Drollige runde Augen als Scheinwerfer und gutmütige Kühlergrill-Stupsnasen blickten einem entgegen, auch sonst konnte man sich bei den gerade ihren Siegeszug über die Landschaft antretenden Vehikeln recht harmonischer Formgebungen erfreuen. Noch die Modelle der 80er Jahre hatten etwas von diesem Chic und klassischer Ästhetik.

In den 90er Jahren begann dann ein ganz anderer Wind zu wehen. Mazda brachte einen Werbespot, in dem das neue Modell „6“ an einer urbanen Betonlandschaft vorbeifuhr und dorthin einen haifischförmigen Schatten warf. Der Werbefritze, der damals den Mazda-Video gedreht hat, war wohl ein Goethe-Kenner – er wusste, dass man im Schattenwurf das Wesen der Dinge erkennen kann.

Spätestens mit der Milleniumswende war dann Schluss mit lustig, die jungfräuliche Phase des Automobildesigns ist heute ein für allemal vorbei. Unter einem Zeitgeist, dessen erklärtes Ziel es ist, jedwedes Gutmenschentum auf Teufel komm raus auszurotten, ist natürlich kein Platz für gutmütiges Autodesign.

Sonst vergisst der Bürger womöglich auf seine oberste Pflicht: der totalen Effizienz und dem Verdrängungswettbewerb zu dienen.

Das folgerichtige Autodesign trägt heute also die Signatur Marke „böser Wolf“. Nachdem BMW den Anfang mit richtig „tierischer“ Automobilimpressionistik gemacht hatte, überbieten sich inzwischen auch alle anderen Blechschmieden im stillen Wettbewerb, wer die gerissenste und aggressivste „böse Wolf“-Visage designen kann.

Die ehemals runden Frontscheinwerfer fast aller Marken sind mittlerweile von grimmig nach unten gezogenen Augenbrauen verengt, die Mundpartie der Autovisage erinnert an gebleckte und zu allem bereite Zähne eines Raubtiers. Das unausgesprochene Signal des hinterm Steuer sitzenden Herrl dieses Hundes: „Wer sich mir in den Weg stellt, den mach‘ ich platt!“ – frei nach dem Wahlspruch des Chefs der US Bank Lehman Brothers, dessen T-Shirt den Aufdruck „Get out of my way!“ trug.

Ja, die von Thomas Hobbes postulierte Gesellschaft, in der „jeder Mensch des anderen Menschen Wolf“ sei, ist scheinbar schon näher als uns bewusst ist.

Besonders detailverliebt wird das böse Wolf Design neuerdings vom Autobauer Audi zelebriert, wo die Aggressivität des Motortieres nicht bloß durch gnadenlose Blechgestik demonstriert wird, sondern diese selbst in der Formgebung seiner Pupillen ihren Ausdruck erhält: die Scheinwerferelemente sind in Form mehrerer nebeneinander angeordneter LED-Elemente gestaltet, deren Linienzug an wütend nach unten gezogene Augenbrauen erinnert.

Hat man einen Audifahrer auf der zweiten Autobahnspur im Nacken und er lässt mit einem lässigen Fingerschnipper diese „Böse Wolf“-Augen kurz aufleuchten bzw. verpasst einem einen visuellen „Get out of my way!“-Warnschuß in den Rückspiegel, dann ist leichte Gänsehaut die nicht unerwünschte Nebenwirkung – zumindest wenn man einen alten Fiat fährt und nicht mit einem kurzen Tipper auf die Bremse die eigenen, ebenfalls zur grimmigen Visage verzogenen Flugabwehrgeschütze in Form von „Böse Wolf“-Bremslichtern aufleuchten lassen und dem von hinten herannahenden Feind eine standesgemäße Antwort verpassen kann.

Insbesondere mit einem SUV hat man hier leicht lachen. Viele SUV-Heckteile wirken wie grimmig-schmerzvoll zusammengekniffene Hintern, aus denen per Pedaldruck jederzeit ein tödlicher Gärgas-Furz entweichen kann.

Hätte man in den 80ern hierzulande noch über das aufgeblasene Krapfen-Design der SUVs gelacht und auch die PKWs im Böse-Wolf-Look wieder zurück in die Faschings-Requisitenkammer geschickt, so sind sie heute state of the art.

Und auch wenn ihn manche Spötter als „Hausfrauenpanzer“ bezeichnen und sich sogar Automobilfreunde weitgehend einig darüber sind, dass SUVs außer für den, der drinnen sitzt schrecklich sind – der Erfolg gibt dem SUV Recht: Fast jeder zehnte gekaufte Neuwagen ist heute ein SUV. Dass ein SUV bei gleicher Fahrleistung wie ein PKW ungleich mehr Sprit verbraucht und ein Vielfaches an Schadstoffen ausstößt, stört unsere Politiker keineswegs. Politiker, die im Gegenzug durch mittlerweile absurde Energiespar-Verordnungen und Dämmvorschriften jedem ehrlich arbeitenden Menschen die Errichtung eines Eigenheimes fast verunmöglichen.

Warum die Politik in Zeiten verknappender Ressourcen und eskalierender Feinstaubbelastung kein Problem mit SUVs und auch nicht mit der visuellen Umweltverschmutzung durch die Böse-Wolf-PKWs hat? Nun, ich weiß mir als Techniker auch keine andere Antwort als die, dass der SUV und der Böse-Wolf-PKW womöglich einfach das beste und billigste Werbe-Sujet für das neoliberale Politdogma sind. Omnipräsent vermitteln sie die Botschaft, die man auf Werbeplakaten schwer transportieren könnte: „Der Stärkere setzt sich durch, also pass bloß auf, dass du nicht auf der Strecke bleibst.“

Manchmal ist das Schicksal jedoch gerecht und es bleibt nicht der Schwächere auf der Strecke sondern auch einer der wohlbeleibten SUVeranten. So geschehen dieser Tage bei der Frankfurter Automesse IAA, wo es den BMW Chef Harald Krüger höchstpersönlich umgelegt hat.

Bevor Sie sich das unten gezeigte Video des grausamen Ereignisses ansehen, mag sich mancher vorher kurz in bewegten Bildern auch die Atmosphäre vergegenwärtigen, in der sich die Tragödie abgespielt hat: http://iptv.orf.at/#/stories/2299504/

Die IAA-Messehalle, ein diesmal unter dem Thema „vernetzte Mobilität“ unter Strom gesetzter Hochglanztempel, vollgefüllt mit allem, worauf Deutschmänner stolz sein können: Technik, Elektronik, Autos, verschmolzen zu einer futuristischen Performance, gegen die Captain Kirk auf seiner Enterprise wie ein Waisenknabe wirkt. Smarte Businessmänner in grauem Zwirn, die mit ebenso smarten Funkarmbanduhren selbstfahrende Autos herbeikommandieren, die Luft durchschnitten von Laserstrahlen und in die Luft projizierten Beamer-Zauberbildern, auf denen für Presse und kaufstarke Kunden die neuesten Böse-Wolf-Modelle zu bewundern sind. Das alles in einer kühl-frostig technoblaugrau gehaltenen Kulisse. Menschen krabbeln vor der gigantomanischen Technikmaschinerie herum wie kleine Ameisen und kommen im bewundernden Staunen davor, wie weit wir es gebracht haben, gar nicht mehr heraus. Im Cockpit der neuen Fahrzeuggeneration laufen Kameras, die jede Bewegung der Insassen in Echtzeit auswerten: Mit einer Handbewegung in der Luft kann man eingehende Mobilanrufe annehmen oder zurückweisen. Genauso wird jedes im Cockpit gesprochene Wort per WLAN zu einer Cloud in den Himmel geleitet und von dort aus den Insassen jeder Wunsch von den Lippen abgelesen. „Siri, lad‘ mir die neueste Schwubbeldupp-App runter!“ – „Schon geschehen.“ Gegen die digitalen Dienste von Siri war der bezaubernde Jeannie-Flaschengeist von Larry Hagman noch eine richtiggehend lahme Ente. Gäbe es noch eine Fußball-Leinwand in der Halle – die Seligkeit wäre perfekt und alle Menschen wunschlos glücklich. Im obigen Video sieht man, wie natürlich auch Deutschlands „Frau ohne Eigenschaften“ Angela M. vorbeikommt und dem fortschrittlichen Treiben ihren Tribut zollt.

Mit einem Wort, der Schauplatz des tragischen Geschehens ist eine technokratische Markthalle, vollgefüllt mit Dingen, über die Sokrates achselzuckend gesagt hätte „Was es alles gibt, was ich nicht brauche“, während jeder Nichtsokratiker mit offenem Mund und gefalteten Händen vor ebendiesen Dingen steht und sagt: „Willhabähn!“

Mitten in diesem Treiben kommt nun der BMW Chef auf die Bühne und will der sehnsuchtsvoll wartenden Menge das neueste goldene – in diesem Fall metallic blau lackierte – Kalb aus seinem Münchner Stall präsentieren.

Er hat nur leider denselben Fehler gemacht, den auch die Las Vegas Showmaster Sigfried and Roy gemacht haben, als einer der beiden Löwendompteure von seinem Tier hinterrücks niedergerissen und übel zugerichtet wurde: Auch der Münchner Autobauer hat seiner Bestie den Rücken zugewendet. Und das ist ihm dann auch zum Verhängnis geworden.

Wer das folgende Video aufmerksam betrachtet, der kann wahrnehmen, wie das hinter ihm lauernde Tier langsam seine kalten, technokratischen Tentakeln nach dem Redner ausstreckt. Es legt sie ihm um Hals, Hüfte und Beine. Man merkt zwar, dass der gute Mann etwas blass bei dieser Umarmung wird, aber noch weiß er nicht, wie ihm geschieht und setzt deshalb seine Lobeshymne auf das goldene Kalb fort.

Schließlich der Schock: Die Bestie vollzieht ihren Würgegriff und legt ihren ehemaligen Meister um. Er taumelt, stürzt zu Boden und ringt röchelnd nach Luft, eine Anzahl grauer Männer befördert ihn schließlich von der Bühne.

Die Botschaft, die die eigenläufig gewordene Technik auf der unter dem Motto „Vernetzte Mobilität“ stehenden Automesse mit dem Abservieren des BMW Chefs an die Menschen gesendet hat, ist eindeutig: Wir werden nicht mehr gebraucht. Nicht nur die Autos werden demnächst selbst fahren, auch die derzeit auf Teufel komm raus entwickelte Künstliche Intelligenz wird uns ineffiziente Zweibeiner bald abservieren (siehe auch ARTE Doku „Welt ohne Menschen“).

 

Copyright Fotos (Wikimedia Commons): VW (li.): Silar, CC BY-SA 4.0 – Link; BMW (re.): Navigator84, CC BY-SA 4.0 –Link

Die grausame Lüge der „freien Wahl“

Die grausame Lüge der "freien Wahl"

Dienstag, 24.6.2014, Eifel. Wir sind frei, ja? Ich meine: wir haben die Wahl, oder? Jedenfalls wird uns das gepredigt. Kolonnen von esoterisch angehauchten und philosophisch ungebildeten „Trainern“ und „Coaches“ hämmern uns dies ein. Wir hören das gerne. Warum? Es gibt uns ein Gefühl der MACHT. Wir haben ja die Wahl, wir sind SELBST verantwortlich für unser Schicksal. Hört sich ja auch gut an. Frei und stark. Vorbei die Zeiten wo die Ikonen der linken Philosophie von einem „in-die-Welt-geworfen-werden“ sprechen durften und klar war, dass man eigentlich was an den Verhältnissen ändern muss, in denen der Mensch eingebettet ist.

Der moderne Mensch jedoch – ist Gott. Endlich Gott geworden. Jedenfalls … hält er sich dafür.

Das ist neu. Sehr neu. Früher – als es noch keine Coaches und Trainer gab – flochten noch Nornen und Moiren an den Fäden des Schicksals, das als unentrinnbar empfunden wurde, Sokrates, der große Urgeist der Philosopie, hat uns durch seinen Schüler Platon mitteilen lassen, dass das ganze Leben vorbestimmt sei – anders konnte man sich das Chaos nicht erklären. Dem animistischen Modell, dass böse Geister in einer perfekten Welt für Unheil sorgen, wollte man sich nicht anschließen – man war Städter geworden und stolz darauf.

Freiheit … ja … Freiheit erträumte man sich später erst wieder – nach Imperialismus und Feudalismus. Zuvor regierte die Angst: Missernten rotteten ganze Landstriche auch. Die Pest besorgte den Rest. Was überlebte, schuftete als Leibeigener für den „Herrn“. Was man aber hatte: keinen Krebs. Nach einem dreissigjährigen Krieg war aber ein Befreiungsschlag unabwendbar – in ganz Europa begann es zu gären. Das ein Gott dies Drama ersonnen haben sollte, glaubten immer weniger – vor allem jene nicht, die wussten, wovon sie redeten. Das Kirche sich zum Instrument der Herrschenden hat machen lassen, wurde immer deutlicher, dass hier Weltbilder zu Unrecht im Auftrag des Adels verbreitet wurden, wurde immer klarer.

Es war die Rede vom Auszug des Menschen aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit … damit war aber die Menschheit an sich gemeint, nicht das Individuum. Niemand wäre auf die Idee gekommen, zum Köhler in den Wald zu gehen und ihm zu sagen, er solle jetzt mal frei werden – und sich nicht mehr so dämlich anstellen.

Legt man Kant zugrunde, scheint es logisch zu sein, dass wir jetzt endlich frei sind. Die Kirche ist wieder im Dorf, der Adel scheint fort, die Pest ist ausgerottet, Kriege scheinen der Vergangenheit anzugehören: das Paradies scheint nah!

Endlich sind wir FREI und HABEN DIE WAHL – jeden morgen!

Mal abgesehen von … der Notwendigkeit des Trinkens. Des Essens. Der Wärme.

Ja – unser „Freiheit der Wahl-Philosophie“ funktioniert erst im Wohlstand. Vorher kann man das keinem verkaufen. Vorher ist „Freiheit“ auch ein sehr untergeordneter Wert. Durst, Hunger und Kälte zwingen den Unachtsamen schnell in die Knie. So etwas erlebt man nicht in den Etagenwohnungen mit fließend Wasser, Heizung und Kühlschrank. Darum gibt es ja auch „soziale Menschenrechte“ – dem Joch des Körpers muss man schon entkommen können, die Wahl beginnt erst nach dem Schlafen, dem Essen und dem Trinken … es sei denn, man will den frühen Tod.

Gehen wir einfach mal hinein in dieses tolle, moderne Leben der Wahlfreiheit. Ziehen Sie einfach hinaus in die Welt, stecken sich ihren Claim ab und beginnen Sie mit dem Aufbau ihrer Existenz, leben Sie den amerikanischen Traum!

Scheitert in Deutschland daran, dass alles Land schon vergeben ist. Kleinere Parzellen werden zwar noch gehandelt, aber da gibt es hohe Nutzungsauflagen – und Steuern, die man bezahlen muss. Landwirte können nur noch als Großindustrielle überleben, ansonsten werden sie von Steuern und Strompreisen aufgefressen. Ach ja – Trinken ist noch umsonst, aber Essen und vor allem Wärme sind sehr teuer. Im Wald zelten ist verboten, jagen dürfen dort nur die Reichen – wie früher. Sie brauchen also eine „Unterkunft“, die oft von vielen gewählte Freiheit der Eremitage gibt es in diesem Land nicht mehr.

Natürlich gibt ihnen der Staat etwas Geld, damit sie überhaupt überleben können. Jahrzehntelang war das auch selbstverständlich: man kann nicht gleichzeitig den Zugang zu allen natürlichen Ressourcen verbauen UND vom Menschen gelebte Freiheit verlangen – das ist geradezu pervers. Ein Sartre hätte das noch verstanden, im degenerierten Wunderland des Neoliberalismus ist das ein völlig fremder Gedankengang geworden: „Sozialromantik“ pur. Ja – das natürlich Existenzrecht des Menschen, sein Anspruch auf die existentiellen Güter des Planeten, die VÖLLIG UMSONST geliefert werden, gilt nicht mehr, ist dumme Träumerei: die Raubgesellschaft teilt die Menschheit wieder in Adel und Pöbel – und alle klatschen, weil: man hat ja die FREIE WAHL.

Zehn Jahre lang „schult“ der Staat die junge Generation. Früher gab es da klare Erziehungsziele: „Selbstverwirklichung in sozialer Verantwortung“ – man roch Werte wie „Demokratie“, „Gemeinschaft“, „Freiheit“, „Respekt“. Heute ist das anders. Der adelige Wehrmachtsoffizier Hartmut von Henting (der sich im Falle des Kindesmissbrauches an der Odenwaldschule ordentlich daneben benommen hatte) wird momentan in Ausbildungsseminaren für Lehrer zitiert. Ob das so ganz in seinem Sinne ist, mag ich nicht beurteilen, aber die Zitate können auch für sich sprechen, siehe „Studienseminar Koblenz„:

Da Pädagogen keine Menschen „machen“ und ihnen die Verbesserung der Welt weder aufgetragen noch möglich ist, müssen sie sich auch nicht mit Entwürfen einer anderen oder besseren gesellschaftlichen Ordnung abgeben. Sie haben den Auftrag, den jungen Menschen in die gewordene teils gewollte, teils ungewollte Kultur einzuführen, so dass er in ihr bestehen kann und sie nicht behindert oder beschädigt oder zerstört.

Zur Erläuterung: In „Studienseminaren“ werden Lehrer „erzogen“, die frisch von der Universität kommen. Das obige Zitat ist Satz drei in dem Vortrag und definiert so nebenbei die Auslegung der übrigen Sätze … unter denen wir ganz weit hinten auch noch die Schulgesetzgebung und die „Selbstverwirklichung in sozialer Verantwortung“ finden.

Das „Pädagogik“ eigentlich nur Sinn macht, wenn sie Menschen „macht“, dass die Investition des Steuerzahlers in „Schule“ einzig und allein der fortschreitenden Verbesserung der Welt durch Schulung der nächsten Generation gilt und sonst kaum zu verantworten ist, ist in Vergessenheit geraten. Der Mensch soll kritiklos in eine bestehende, offen als dysfunktional erklärte Kultur eingeführt werden – und zwar so, dass er sie nicht behindert, beschädigt oder zerstört: das ist ein Leitsatz für Arbeitsameisen.

Freie Wahl? Nicht gewünscht. Wollen Eltern sich diesem System entziehen, reagiert der Staat mit exekutiver Gewalt: die Bildung von alternativen Gesellschaften wird mit Waffengewalt unterbunden (siehe gestrigen Artikel) – obwohl man (wie Schopenhauer schon vermutete) eigentlich weiß, dass unterschiedliche Gesellschaftsmodelle im Nebeneinander ohne weiteres sehr fruchtbar sein können … und vor allem die Wahl überhaupt erst möglich machen!

Nach der Schule wird die Freiheit erstmal von Rechnungen diktiert – und das bleibt so bis ans Lebensende. Rechnungen für Wärme, Speise und Trank. Das gibt es nicht mehr „einfach so“, das gibt es „von jemandem“, „dem das gehört“. So unfrei war noch nie eine Gesellschaft vor uns …. doch diese Unfreiheit bemerkt man erst, wenn man aus der Konsumkultur vollständig heraustritt, sich in jene aussterbenden Kulturen begibt, die  – noch – anders leben können, drei Stunden am Tag arbeiten und 21 Stunden Spaß und Schlaf haben, indigene Kulturen, die uns vorleben, wie die Welt seit Anbeginn der Zeiten angedacht war … oder wie wir sie als Menschheit vorgefunden haben: mit sehr wenig sinnvoller und nicht entfremdeter Arbeit beherrschbar.

„Entfremdete Arbeit“? Inzwischen ein unbekanntes Wort. 99 % der Tätigkeiten in unserer Gesellschaft sind „entfremdet“, sogar Pflegetätigkeiten werden durch die Stopuhr so reglementiert, dass keine humane Beziehung zur Tätigkeit mehr aufkommt, „Dienstleistung“ ist da Zauberwort … und wieviel Freiheit in „Dienst“ ist, kann sich eigentlich jeder selbst denken. „Freiheit“ – ist Herrschaft. Auch Herrschaft über das eigene Leben. Was will ich anziehen? Was essen? Wie wohnen? Wie lang möchte ich meine Haare wachsen lassen, wie wild soll mein Bart sein, wie außerordentlich meine Kleidung?

Rektoren in Sonderschulen höre ich klagen, dass gerade jene Kinder bei ihnen landen, die den ausufernden Konformismus nicht mehr ertragen oder ihm entsprechen können. Ein Gegenbeispiel? Gehen sie mal auf ein Fest der „Rainbow Family„, auf ein „Gathering“ – und schauen sich an, wie frei dort die Mode ist: jeder zieht an, was ihm gefällt. Jeder ist ok mit dem, was er an hat – Schulungen in „Ich bin ok, Du bist ok“ braucht man dort nicht … das ist allgemeiner Grundkonsens. Gut, Alkohol und Nikotin sind dort nicht erwünscht, auch Waffen und raffinierten Zucker sieht man dort nicht gern – aber Heiterkeit, Gesang und gute Laune sind dafür gern gesehen. Schauen Sie sich die Reste der Hippiekultur an … und dann einfach mal Ruckzuck hinein ins konforme Gewühl einer deutschen Einkaufspassage: erkennen Sie den Unterschied?

Freiheit? Freie Wahl?

Gönnen Sie sich doch einfach mal eine ganz besondere Freiheit, die Freiheit auf körperliche Unversehrtheit, ein gewichtiges, naturgegebenes Menschenrecht: schneiden Sie sich nicht mehr die Haare. Denken Sie daran: lange Haare bei Männern sind Zeichen des Königtums (siehe Christus), nur der Sklave ist zur Schur verpflichtet. Ach – ist gar nicht mehr bekannt? In Haaren liegt Zaubermacht – alte biblische Geschichte. Auch die Germanen, Kelten, Franken und Wikinger sahen dass so. Die Indianer erst recht … und nach einem Märchen bei Sott.net (Wissenschaft des Geistes, „Die Wahrheit über Haare und warum Indianer ihr Haar lang trugen“) brauchen Menschen diese langen Haare, die wie Antennen die Wahrnehmung verfeinern.

Gut, ich möchte sie nicht überfordern. Bleiben wir bei der zweiten Haut des Menschen – der Kleidung. Sie sind frei – also: ziehen Sie doch morgen mal an was sie wollen! Fesch sehen zum Beispiel die Uniformen napoleonischer Husaren aus. Klassisch ist die gediegene Toga – über Jahrtausende hinweg ein Vorbild für Stil und Eleganz. Oder einfach mal … gar nichts, außer Tatoo – und vielleicht ein winziges Schürzchen. Ist ebenfalls seit Jahrtausenden der Hit. 5000 Jahre Kleidungsgeschichte stehen uns zur freien Verfügung! Aber was sehe ich in den Supermärkten der Stadt? Na?

Einfach mal selber schauen.

Freie Wahl der Nahrung? Es sind eine Hand voll Konzerne, die unsere Nahrungsversorung kontrollieren. Was an Zusatzstoffen drin ist, was sie bewirken, weiß kein Mensch. Als „Insider“ kann ich Ihnen sagen: das gilt auch für die Zusatzstoffe in Medikamenten – habe ich gelernt bei Dr. med. Arno Heinen. Was an Giften in Nahrung, Wasser und Luft seit der Geburt wirkt, merken wir an den rapide ansteigenden Krebsraten – und an dem rapiden Anstieg aller möglichen Arten von Krankheit.

Gehen wir weiter. „Freie Wahl“ wird gesucht. Gehen wir über zur Dritten Sphäre räumlicher Existenz: dem Wohnraum. Es gibt hunderttausend spannende, kreative, lebendige und beflügelnde architektonische Entwürfe für Wohnraum – vom Baumhaus über den Zigeunerwagen bis hin zum Traumschloß … jetzt lassen Sie ihrer Phantasie mal freien Lauf und denken sich ihr eigenes Traumhaus aus! Gut – Sie haben gar kein Grundstück. Das ist doof – aber das ignorieren wir mal. Sie haben auch kein Geld – das ignorieren wir auch mal … sie scheitern nämlich schon an den Bauvorschriften. Jedenfalls in Deutschland – in den USA sieht das noch anders aus.

Was bleibt übrig von der freien Wahl?

Die Pippi-Langstumpf-Methode: ich denke mir die Welt, wie sie mir gefällt. „Neuro-linguistische Programmierung“ ist hier das Zauberwort, die Techniken sind aber schon im klassischen Wohlstandssatanismus bekannt und wurden intensiv im Kommunismus und Nationalsozialismus angewandt: man wiederholt eine Botschaft so lange und kritiklos, bis sie das ganze Bewusstsein erfüllt: „Ich bin glücklich, mir geht es gut, ich bin frei!“. Tag für Tag, Stunde für Stunde, Minute für Minute – ein religiöses Mantra. Mönche kennen so etwas auch, die Technik ist in Wirklichkeit tausende von Jahren alt und dient der Konzentration auf Gott … bzw. der gezielten Konditionierung des Denkens an sich. Mit „Freiheit“ hat dies nichts zu tun – eher mit der Erzeugung von biologischen Robotern.

Das kann übrigens Glücksgefühle produzieren – keine Frage.

Gleichzeitig erzeugt es aber eine völlige Ignoranz von allem, was dem Mantra entgegensteht: wie im Wahn wird „Realität“ ausgeblendet … jene Realität, die gerade uns moderne Menschen einen schauerlichen Rahmen vorgibt: Massenvernichtungswaffen, Massenvernichtungslager, Massenverblödungsmedien. Aus Mitleid wird alternativlos „Sozialromantik“: der so konditionierte Mensch braucht diese Sicht, weil er durch die Konditionierung den Anderen schon gar nicht mehr sehen kann … geschweige denn mit ihm leiden – oder ihm helfen. Er wird nicht nur von „Arbeit“ entfremdet, sondern in der nächsten Stufe sogar von der Menschlichkeit selbst. Einbildung durch einhämmern von Glaubenssätzen („mir geht es gut, ich fühl mich wohl, ich bin soooo frei!“) ersetzt Bildung. Was sagt man dazu im Lehrerseminar: „Maßstab ist weniger ein definierter Moralkodex, sondern Kriterien des Miteinander-Auskommens“.

Oder: konfliktscheue Anpassung an das, was man so vorfindet, in das man – nach Sartre – so „hineingeworfen“ wurde.

Haare, Kleidung, Wohnung … hatten wir schon. Alles streng genormt und vorgegeben. Jetzt kommen wir … zum DENKEN.

Wie frei sind Sie im Denken?

So unfrei wie nie zuvor. Die Gedanken sind nicht mehr frei – und äußern darf man sie schon gar nicht mehr. Erzählen Sie doch einfach mal Ihrem Nachbarn vor Ihrer UFO-Sichtung letzter Woche! Keine Scheu: solche Beobachtung begleiten die ganze Geschichte der bekannten Menschheit. Oder davon, wie sie Christus getroffen haben! Buddha geht auch! Oder wie sie dem grenzenlosen Nichts in der ZEN-Meditation begegnet sind – und seine Liebe gespürt haben!

Schon Angst bekommen? Noch Bombergeneral Harris hang dem uralten Feenglauben der britischen Inseln an – ist noch nicht so lange her, dass das Bestandteil normaler Alltagskultur war.

Gehen Sie mal zu Ihrem Nachbarn und erzählen Sie ihm, dass Sie an der Verschwörungstherorie der US-Regierung zu den Anschlägen vom 11.9.2001 zweifeln, wonach Osama und seine 19 Räuber die gesamte Verteidigung der mächtigsten Nation der Erde mit Teppichmessern unterwandert haben … und gerade der Ausweis des Hauptverdächtigen eine Explosion überstand, die ein gigantisches Hochhaus zum Einsturz brachte. Zufällig landete gerade dieser Ausweis vor den Füßen eines Regierungsbeamten – um nur eine von hundert Ungereimtheiten dieses Anschlags zu nennen, dessen offizielle Erklärung wir schon aus rein wissenschaftlicher Sicht ablehen müssen: zu viele Hypothesen.

Kommt jetzt langsam Panik auf? Gehen Sie mit dieser Geschichte mal auf den Marktplatz und erzählen sie vor vielen Leuten – dies ist ein freies Land, Rede und Denken sind frei! Na – noch Freiwillige übrig für diese Experiment?

Ja – ein paar. Die lassen gerade als „Montagsdemos“ den Hass von Rechts und Links über sich ergehen, weil sie … nonkonforme Gedanken äußern. Ja – das ist der kleinste gemeinsame ideologische Nenner der sogenannten „Spinner“ – sie äußern nonkonforme Gedanken. Nicht alle sind von hinreichender Qualität …. aber nonkonforme Gedanken haben in der Regel weder soviel Zeit zu wachsen, noch einen ganzen Planungsstab, der sie ausformuliert.

Zwang und Konformismus bis ins Innerste hinein: aber wir tanzen dazu mit dem fröhlichen Lied der Freiheit auf den Lippen … eine Lied, dass wir auch den Insassen von Auschwitz, den Opfern von Hiroshima oder den Toten von nine-eleven vorsingen: ihr hattet die FREIE WAHL.

Das ist schön bequem …. denn dadurch sind sie nicht nut tot (oder im Elend), sondern auch noch selbst Schuld, d.h.: man kann diese Opfer zurecht völlig vergessen … und ist dadurch mit einem Schlag auch die Notleidenden der eigenen Kultur los.

Was für ein Paradies …. für Egomanen und Soziopathen.

Gut, dass allein schon Elternschaft vor diesem Wahn schützt … da wird man schnell mit allen Normen konfrontiert, die von einem erwartet werden – und deren Nichterfüllung sofortige Konsequenzen hat … bis hin zum Kindesentzug.

Schade nur, dass immer wenige Menschen Eltern werden … in dieser ach so freien Welt. Aber das ist eine Bedingung, um den Wahn von der freien Wahl noch leben zu können.

Krank, arm, alt, einsam? Liegt im Rahmen der „Tun-Ergehens“-Philosophie des nordamerikanischen Protestantismus allein im Bereich der Selbstverantwortung des Individuums! Der „gute“ Mensch ist ewig reich, ewig gesund, ewig jung und immer überall hoch beliebt … bis die Realität ihn einholt und er merkt, dass er doch kein Gott war.

So bleibt am Ende ziemlich wenig Freiheit übrig … und ich habe noch nicht einmal angefangen, über die Zwänge der Seele zu spreche, über familiäre Muster, die sich Wege bahnen, über archaische Instinkte, die nach Herrschaft gieren – und über dunkle Gefühle, die sich Bahn brechen wollen.

Aber wir wollen heute die Selbstherrlichkeit der Wohlstandsblasen nicht zu tief erschüttern, ihr träumerischer Wahn vom völlig selbstbestimmten, freien Leben ist ja sowieso nur für ein Prozent der Menschheit lebbar: für Reiche.

Und davon hat Deutschland immer mehr, die sich gerne aus der Verantwortung für ihre Mitmenschen stehlen wollen, nachdem sie deren Leistung gerne mitgenommen haben: dazu ist die Lüge der „freien Wahl“ allerdings sehr nützlich.

Nur – den „Verlierern“ gegenüber ist sie sehr grausam, gemein, hinterhältig …. und zudem zutiefst FALSCH.

 

 

 

 

 

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