Sexualität

This tag is associated with 7 posts

Die vernichtende politische Wirkung von „Prostitution“ für Gesellschaft, Mensch und Seele

Montag, 29.1.2018. Eifel. Bin ja gewarnt worden: bloß nicht dieses Thema. Die machen dich fertig, lass das sein. Gemeint war: Prostitution. Ganz heilige Kuh der modernen, aufgeklärten Gesellschaft, die Fähigkeit dazu ganz wichtiger Bestandteil weiblichen Empowerements (wir sagen auf Deutsch: Ermächtigung, gemeint ist wohl Selbstermächtigung), ja – eine große Kultur der Liebe, des Friedens und der Harmonie zeichnet sich am Horizont ab, wenn wir nur mit der Prostitution richtig umgehen. Wer würde da schon wiedersprechen wollen?

Nun – ich.

Ich habe schon mal über Prostitution geschrieben – und kam zu dem Entschluss, dass ihr Verbot alternativlos ist. Daraufhin bekam ich einen Proteststurm – und Kontaktanfragen von Prostituierten – um die Ohren gehauen, der mich nicht im Mindesten von dem Ergebnis meiner Überlegung abbrachte, weil die Argumente … nun ja … etwas wackelig waren und sich nur zum Niederschreien eigneten, nicht zum nüchternen, sachlichen Dialog. Ja – natürlich kann man Prostitution nicht durch Gesetze verhindern: aber wir verbieten auch Mord – obwohl wir ihn durch das Verbot nicht verhindern können. Und natürlich ist es fein, wenn die Frauen es freiwillig machen, es gibt ja immer wieder welche – die dann breit durch alle Medienformate getragen werden, um ihre lustvollen und hoch empathischen Lehrstunden im Bordell öffentlich darstellen zu können – die sich offen dazu bekennen und der Milliardenbranche Menschenhandel gut zureden (siehe Zeit):

„Keiner sagt etwas, solange sie Sex gegen Aufmerksamkeit tauschen oder gegen einen Ehering. Aber sobald eine Frau einen konkreten Preis für Sex nennt, wird sie geächtet. Ihr wirft man vor, käuflich und schwach zu sein und alle anderen Frauen zu verraten.“

Ehe als Sonderform der Prostitution – ja, da kenne ich genügend Frauen, die das so sehen. Manche haben Bücher darüber geschrieben, wie man sich gezielt Millionäre angelt – oder einen Mann, der anschaffen geht, damit man selbst gemütlich zu Hause Seifenopern genießen kann. Stellen wir das Thema mal kurz beiseite.

Wir verbieten übrigens auch Drogen – obwohl die Menschen sie freiwillig nehmen und es ihnen einen Riesenspaß macht. Warum eigentlich? Nun … es macht Menschen kaputt und die Gesellschaft muss für die Folgekosten aufkommen. Kann sein, dass manche eine so hohe Resistenzrate haben, dass ihnen Drogen nichts ausmachen – aber die Mehrheit kommt als Wrack aus der Drogenszene – oder als Leiche. Darum haben wir uns als Gesellschaft dafür entschieden, den ganzen Bereich zu verbieten – weil er eher schadet als nutzt.

Es mag sein, dass es solche Menschen gibt: die sich lustvoll mit jedem paaren, der nur an der Tür klingelt, es gibt auch Menschen, die eine ausgesprochen masochistische Leidenschaft haben und sich gerne quälen: trotzdem verbieten wir Folter, leiten also aus einem Einzelfall nicht die Regel ab. Und neben unserer von der „Zeit“ hervorgebrachten Dame, die zwei Jahre unter seltenen Ausnahmebedingungen in einem von Frauen geführten Nobelbordell gearbeitet hat, gibt es auch andere, die Netzwerke von Prostituierten schaffen, die ein ganz konkretes Ziel haben (siehe Netzwerk-Ella):

„Wir sind eine Gruppe von Frauen, die in der Prostitution waren oder sind, und die sich dafür einsetzen, dass Prostitution als Gewalt, speziell als sexuelle Gewalt, anerkannt wird.“

Ja. Auch unsere Eliteprostituierte wurde vergewaltigt (siehe Süddeutsche). Aber soweit muss man ja gar nicht gehen. Sexualität ist etwas schönes, ein Gewinn – die meisten Menschen braucht man dafür nicht bezahlen. Schon mal so ´rum gedacht? Den Freiern wird ein Theaterstück aufgeführt (siehe hierzu den offenen Brief der dänischen Prostituierten Tanja Rahm in der Welt), das auch den Freier erniedrigt.

Habe ich da gerade Prostituion mit Mord in einem Atemzug genannt? Ja – und das war noch nicht mal ein Versehen. Da gibt es jetzt Schnappatmung auf der Gegenseite – aber ich habe diesen Vergleich von einer Mutter, deren minderjährige Tochter in der Prostitution gelandet ist: sie klagt den Tod der Seele ihrer Tochter an. Die Tochter wird nie wieder ein normales Leben führen können. Klar – es gibt auch Selbstmörder … aber auch das ist aus gutem Grund verboten.

Wir verbieten übrigens auch Kannibalismus – obwohl es Menschen gibt, die gerne Menschen essen – und andere, die sich gerne töten und essen lassen: wir wollen solche Kulturen einfach nicht gerne in unsere Nachbarschaft … weil wir unsere Kinder, Frauen und Mütter vor „Freiern“ schützen wollen.

Aber Prostitution ist doch Sex und Sex ist schön, höre ich da von der Gegenseite? Wenn´s schön ist – warum soll man dann noch dafür bezahlen, frage ich zurück. Die meisten Frauen können Sex ohne Geld. Lust – hat in dem Geschäft nicht den minimalsten Platz. Ja – einfach mal ´reinhören, was Frauen so brauchen, um einen Ganzkörperorgasmus zu bekommen (siehe: Claudia Elisabeth Huber) … da spielen Liebe, Vertrauen und Zeit eine ganz wichtige Rolle. Geht Freiern ja aber nicht um Sex, denke ich mir mal: wer zahlt schon gerne echtes Geld für falschen Sex?

88 Prozent aller deutschen Männer sollen ja zu diesen Männern gehören, die regelmäßig in den Puff gehen. Unsere Eliteprostituierte (was ich jetzt nicht abwertend verstanden haben möchte) hat ihre Kundschaft da mal beschrieben (siehe rp-online):

„Der Puff, in dem ich tätig war, hat Männer angezogen, die häufiger in Beziehungen waren, von denen wiederum waren fast alle verheiratet. Unsere Klientel war typisch männlich, weiß und hetero, nicht super reich, hat Geld für einen Anzug, muss nicht ständig auf die Ausgaben achten. Männer, die ihr Leben im Griff haben wollen, die sich von ihrem Leben in der Großstadt auch mal eine Auszeit gönnen: Dazu gehört der Sauna-Besuch, eine Massage und eben auch der Puff.“

Sie kommt auch recht nahe an ein Problemfeld heran, das seit den dreissiger Jahren von Wilhelm Reich erforscht wurde – und Ursache für die Vernichtungsorgie der NS-Zeit sein soll: die männliche Befriedigung:

„Männer sind durch das Abspritzen sediert. Viele wissen nicht, was wirkliche Befriedigung ist. Wer das nicht weiß, hält ein künstliches Beruhigen für Befriedigung. Deswegen fallen Männer auch immer wieder auf die Glücksversprechen der Prostitution herein.“

Ja – das meinte Wilhelm Reich sinngemäß auch: schlechter Sex führt auch beim Mann zu steigender Aggression (und letztlich zu den Gräueln der NS-Zeit) – warum sollten wir also einen Industriezweig aufblühen lassen, der gezielt schlechten Sex von der übelsten Sorte produziert – in steigenden Massen? Jetzt auch für ganz Europa (siehe ZDF)!

Geht ja auch nicht um Sex – geht um eine Auszeit aus dem Leben in der Großstadt … von Männern, die ihr Leben im Griff haben. Reichere Männer, die sich einen besonderen Luxus erlauben: für eine Vergewaltigung zu bezahlen – und dafür auch noch vorgespielt bekommen, dass sie so supermännlich sind, dass die vergewaltigte Frau in Lust vergeht (jedenfalls: solange die Scheine flattern). Darf ich fragen, welche Gesellschaft so etwas wirklich braucht? Hierzu … nochmal unsere Dame aus dem Millieu (siehe Süddeutsche):

„Wir sollten endlich anfangen uns zu fragen: Wollen wir gerade wirklich Sex haben oder nur unser Selbstwertgefühl steigern? Anders gesagt: Wir sollten viel weniger Sex haben und dafür besseren, befreit von Normen und Erwartungen.“

Wir sollten deshalb das üble Spiel verbieten, der Geschäftszweig, der sich aus Not, Ausbeutung und Menschenhandel nährt. Hier jedoch … bekommt man dann Ärger mit den Betreibern (der Markt wirft jährlich 14 Milliarden ab), den Freiern (wo soll man sich sonst schon so richtig austoben, wo kann man noch seinen Frauenhass, seine Frauenverachtung so richtig ausleben und sich selbst beweisen, was man doch für ein Mann ist – und wo kann man schon so richtig lustvoll auf Frauen uriniren und ungehemmt seinen Kot draufsetzen … ja, gehört auch zu der „Sexarbeit“) und den Linken. Auch hierzu hat sich eine ehemalige Prostituierte geäußert (siehe Kritische Perspektive)

„Selten war sich die Linke so einig wie bei der Bewertung der Prostitution. Diese sei „Sexarbeit“, eine Dienstleistung wie jede andere auch, und jede staatliche Regulierung abzulehnen. Dass alle Statistiken, Untersuchungen und Berichte dagegen sprechen, hat hier keinen Einfluss.“

„Praktisch alles vorhandene Material, die Berichte von AussteigerInnen, SozialarbeiterInnen und PolizistInnen, verweisen auf die ungeheuerlichen Missstände der (in Deutschland legalisierten) Prostitution; auf die Schädigungen, die diese selbst bei den sich freiwillig prostituierenden Frauen hinterlässt; auf die immer tiefere Verstrickung der Frauen in Schulden, soziale Abhängigkeit, Drogen und Armut; schlussendlich aber auch auf die zerstörerische Wirkung, die der barrierelose, käufliche Zugriff auf Frauenkörper auch für die Käufer, die Männer, hat: wie dies ihre Fähigkeit, „normale“ Beziehungen mit Frauen zu führen, ruiniert und sie nicht selten selbst in eine Abhängigkeit vom gekauften Sex treibt. In Schweden und anderen Ländern führte die breite Untersuchung, Darstellung und Diskussion dieser Tatsachen schlussendlich zum Verbot der Prostitution, mit Bestrafung nicht der Prostituierten, sondern der Freier und Zuhälter, während für die Prostituierten Ausstiegsprogramme und Hilfsangebote eingerichtet wurden.“

Eigentlich genug Argumente, um die Gemeinschaft fürsorglich eingreifen zu lassen, um den Schwachen jenen Schutz zu geben, den sie brauchen. Die Abhandlung dieser Prostituierten geht sehr tief – an die Wurzel des Phänomens Prostitution, die mit Sexualität gar nichts mehr zu tun hat, sondern ein Prinzip verteidigt:

Das absolute Anrecht des „Marktes“ darauf, alles und jeden überall zum Markt machen, zum Verkauf anbieten zu können und dürfen. War ja auch schon mal für menschliche Organe angedacht … mit der gleichen Begründung: warum nicht, wenn die Menschen das freiwillig machen und das Geld brauchen?

Nun – die pseudolinken Befürworter der Prostitution treffen sich hier gemeinsam mit den patriarchialischen Verfechtern dieses Fleischmarktes … und niemand fällt was auf?

Nun – vielleicht ist es einfach mal Zeit für ein Gedankenspiel – eins für Männer. Nehmen wir mal an, es gäbe eine größere Gemeinschaft von Homosexuellen, die Sie besuchen. Dort bieten man Ihnen an, Sex für Geld zu haben – da wären gerade drei Männer daran interessiert, die einen Geschäftsabschluss feiern wollen. Sie sagen: „Ich bin aber gar nicht schwul“ und denken: damit hat es sich. Fortan werden Sie jedoch mit wissenschaftlichen Arbeiten bombadiert, die belegen, dass alle Männer auch homosexuell sind, die Menschen in der Gemeinschaft fangen schon an, komisch zu gucken: es droht, dass Sie als homophob definiert werden und in der örtlichen Postille offen als Nazi gebrandmarkt – als Nazi mit psychischen Problemen, der sich weigert, seiner Natur zu folgen und seine Freiheit auszuleben. Können Sie sich in die Situation hineinfühlen? Merken Sie, wie Ihre freie Willensentscheidung – ja, sogar ihre Natur – langsam Schritt für Schritt beiseite geräumt wird? Und nun … scheuen Sie sich doch nicht so, dass härteste Argument des Kapitalismus wartet gerade auf Sie: Sie werden ja BEZAHLT, sogar GUT BEZAHLT (ja – als ob Geld eine moralische Kategorie hätte, die von seiner Menge abhängt – aber „gutes“ Geld hat ja unseren Alltagsgebrauch schon so sehr infiziert, dass Widerstand gegen diese idiotische Begriffskombination zwecklos scheint) … nur ein degeneriertes, völlig abartiges Wesen kann sich diesem wunderbaren Angebot entziehen. Vielleicht hilft man Ihnen auch mit sanfter Gewalt, den ersten Schritt in Ihre Freiheit zu tun: manche Prostituierte muss man erst „einreiten“, damit die funktionieren, am Besten mit mehreren, damit die für ihren „Job“ richtig gut aufgestellt ist. Und fühlen Sie sich da mal nicht zu sicher: Amnesty International war kurz davor, „Sexkauf als Menschenrecht“ zu fordern – wobei eingeschleuste Sexindustrieprofiteure aus der Homoszene mit eigenem Escortservice eine zentrale Rolle spielten (siehe kritische Perspektive). Wenn es erst mal ein Recht auf Sexkauf gibt … dann muss der Markt auch liefern, alles und jeden. Methoden dazu – gibt es genug.

Wir kommen hier in Sphären, die wieder hochpolitisch sind – und gar nichts mit der freien, einsamen Entscheidung der freien Powerfrau zu tun haben, aus ihrem Körper eine lustvolle Einnahmequelle zu machen, wobei die Kosten, die dieser Job bzw. der lädierte Körper später der Gesellschaft verursacht, wie selbstverständlich der Allgemeinheit aufgedrückt werden. Die Folgen davon … können sehr heftig und nachhaltig sein, hierzu gibt es einen spannenden Vortrag von Dr. Ingeborg Kraus: „Prostitution ist Gewalt gegen Frauen“ (siehe Trauma- und Prostitution.eu). Wieder treffen wir jene Mächte, jene Philosophien, jene Gruppierungen die G.C.Preparata in seiner Ideologie der Tyrannei beschrieben hat – wieder ein Schachzug zur Vernichtung der freien, offenen Gesellschaft – im Gewande größter Liberalität.

So kann selbst Kindesmissbrauch sprachlich als durchaus positives Ergebnis dargestellt werden (nochmal: Kritische Perspektiven):

„Einige Männer nahmen ihn mit nach Hause ins Bett, gaben ihm ein gutes Abendbrot und Frühstück und ein warmes Bett für die Nacht. Sex war involviert, aber am morgen gaben sie ihm 50 $. Peter fand es unglaublich – ein warmes Bett, viel „Zuneigung“, Essen und mehr Taschengeld, als er jemals in seinem Leben hatte.“

Der Junge – Peter – war neun Jahre alt und obdachlos. Sprache – hat schon eine enorme Macht, mit ihrer Hilfe kann man – wenn man will – ein Verbrechen als Segnung darstellen. Wie schön kann doch auch Mord sein, wenn man dem Opfer erstmal klar gemacht hat, dass es für seine Umwelt nur eine belastende Existenz ist, nur Kosten verursacht, Leid für seine Eltern bedeutet – und Schande – man kann sehr lange so argumentieren, bis das Opfer dem Mord zustimmt … und ich wäre trotzdem dafür, Mord weiterhin zu verbieten. Auch Seelenmord.

Ja – was machen wir eigentlich mit den anderen … jenen, die Lust auf Töten haben, echte Kerle, Krieger, Jäger, Wesen, die für Kampf und Tod leben, Menschen, deren Tatkraft und Einsatzbereitschaft wir in Krisenfällen gerne abrufen … haben die nicht auch ein Bedürfnis, auf das die Gesellschaft reagieren muss? Ist es wirklich nötig, ihrer freien Willensausübung Grenzen zu setzen … selbst wenn ihre Opfer einwilligen? Was spricht schon dagegen, Menschen in der Arena gegen Löwen kämpfen zu lassen, wenn die das freiwillig machen und dafür bezahlt werden? Gut – es bleiben ein paar liegen … aber doch nur die Schwachen. Die anderen … könnten reich werden!

Nach acht Jahren Prositituion hat Huschke Mau (Pseudonym) einen Brief an die Prostitutionsbefürworter geschrieben … jene, die sich ach so sehr um die „Bedürfnisse“ anderer sorgen, ohne je zu hinterfragen, ob denn Bedürfnisse wirklich eine urmenschliche Naturgewalt sind – oder nicht nur anerzogenes Fehlverhalten; es wäre ja bei der Genderei ja ein leichtes, auch mal auf diesen Gedanken zu kommen und sich Rat bei jenen zu suchen, die – sehr zum Zorne der Bedürfnisvermarktungsgesellschaft – ihre Bedürfnisse einfach im Griff haben (oder ganz eliminieren – um frei zu sein) … anstatt sich ihnen hemmungslos auszuliefern. Hier mal ein Auszug (siehe Emma):

„Lies Dir die Sprache in den Freierforen doch mal durch, lies Dir durch, wie ihnen dabei einer abgeht, wie sie es genießen zu wissen, dass die Frau das nicht mag, sondern nur für Geld macht, es aber tun muss, weil sie die verdammte Kohle braucht, oder weil im Nebenzimmer ein Typ sitzt. Wie sie ganz bewusst die Grenzen testen und übertreten und sich ihrer sadistischen Seite dabei, wenn nicht ganz hingeben, so doch zumindest deutlich bewusst werden. Es geht in der Prostitution nicht um Sex, es geht um Macht. Und nur um Macht. Tu nicht so, als könnten Frauen sich dort ausleben in ihrer Sexualität, der einzige, der sich auslebt, ist der Freier, dessen Wünsche Du erfüllst. Und zwar auf Deine Kosten.“

Es geht um Macht. Um Sadismus. Um eine Kultur, die Standard werden soll – Standard geworden ist (das jegliche humanistische Selbstverständlichkeiten im Einklang mit der Erklärung der allgemeinen Menschenrechte „Sozialromantik“ genannt werden – ganz offen, von führenden Politikern – zeigt, wie sehr die dunkle Kultur schon die Herrschaft angetreten hat – und gerade sie braucht die käufliche Frau). Eine Kultur die unser menschliches Miteinander auf breiter Front umschreiben möchte – und viele Bereiche schon längst umgeschrieben hat. Damit … könnte man die Erörterung des Problems beenden, wenn nicht … immer auch die Frage nach dem Gegenmodell im Raum stehen würde.

Wir kreisen ja sehr um Sexualität – die ganze industrielle westliche Gesellschaft hat dies zum zentralen Punkt erhoben, neben dem anderen Themen (Krieg, Hunger, Sklaverei, Ausbeutung, Folter – um nur einige zu nennen) sehr verblassen. Stellen wir die Frage nach dem Warum, so kann man sich die Antwort einfach machen wie der Mönch Anselm Grün: wir haben Gott verloren und suchen ihn im Partner – und der Sexualität. Finden wir Gott wieder … sind die irre geleiteten Bedürfnisse fort. Jetzt habe ich aber das böse Wort (Gott) gebraucht, doch keine Sorge – man kann auch anders argumentieren. Folge ich Wilhelm Reich, so ist der ganze Sadismus Folge von schlechtem Sex … geboren aus der immensen Frustration, die sich ergibt, wenn man äußerlich den Akt vollzogen hat, innerlich habe … kein Echo folgt. Es gibt Kulturen (Achtung, nächste Überforderung), die betreiben professionell Sexarbeit, d.h. sie haben eine hohe Schule der sexuellen Vereinigung, die durch gezielte Arbeit größtmögliche Orgasmen – und Befriedigung – erreichen … es ist eine der ältesten Kulturen der Menschheit … allerdings finde ich im Netz da auf Anhieb nichts zitierwürdiges: im Westen wird die Kunst des Tantra ja auch nicht umsonst seit Juni 2017 mit Prostitution gleichgesetzt – ist vielleicht auch in vielen Fällen nichts anderes, denn wo findet man in deutschen Tantravereinen schon den Hinweis darauf, dass ein Mann sämtliche Energien von den Männern in sein Feld aufnimmt, die zuvor intim mit seiner Partnerin waren – mit ganz üblen Folgen für ihn? Wer wäre schon daran interessiert, dass Menschen, die dort ihre Erfahrungen mit Sexualität gemacht haben, angewidert gerne auf das verzichten, was hier im Westen so im Angebot ist … angefangen von Pornofilmen bis hin zu willigen Weibchen auf Reifenkalendern (was übrigens zum gesamten Bereich Prostitution zuzuordnen wäre – aber das würde jetzt hier zu weit führen) bis hin zu der tristen, langweiligen und generell frustrierenden Gymnastik, die wir so als „Sex“ beschreiben … weil wir nichts anderes kennen.

Sicher – wir haben eine allgemeine Prostitutionskultur: das ist die Wahrheit hinter dem Getöse, darum muss die offene Prostitution vehement als Norm verteidigt werden. Prostituierte haben Recht, wenn sie sagen: wir verkaufen uns doch alle – die meisten nur für viel zu wenig Geld. Schon das erzwungene Lächeln an der Discounterkasse muss als Prostitution beschrieben werden, ebenso wie das Anfertigen marktfreundlicher Bewerbungsfotos – die Auseinandersetzung zur Rettung der Menschenwürde muss viel früher beginnen, der Anspruch darauf, Frauen kaufen zu dürfen, weil man Bedürfnisse hat, ist eine der letzten Fronten – und eine entscheidende.

Andere Kulturen – leben anders. Wie die Mosuo in China, eins der letzten Matriarchate in der Welt, in denen der Besitz den Frauen gehört – aller Besitz. „Das Paradies ist weiblich“ nennt der Autor und Arzt Ricardo Coler sein Werk über seinen Besuch bei diesem Volk, dass auch den Kommunisten ein Dorn um Auge war und wo Frauen über 50 resigniert über ihr Alter klagen, dass sie nur noch drei mal wöchentlich Sex haben (siehe Berliner Zeitung). Männer bei den Mosuo … haben ganz viel freie Zeit für Spiel, Spaß und Entspannung. Welch´ grausames Schicksal – wie gut geht es uns doch dagegen!

Es ging auch anders. Ganz anders. Wer sich jedoch aufmacht – wie Wilhelm Reich – die Wurzel unseres Übels aufzudecken, dessen Bücher werden verbrannt, dessen Labore werden zerstört, dessen Arbeit wird verächtlich gemacht.

Der partiarchiale Staat braucht die Prostiuierte als Symbol seine Triumphes über die Frau an sich – so wie er auch die Ehefrau als Besitzstand braucht, die ihm seine Söhne gebärt, durch die er fortleben kann. Und er braucht die Frustration, um Soldaten zu generieren. Wenig schmeichelhaftes gibt es über seine Leistungsträger zu berichten:

„Der weiße Mann benimmt sich zur Zeit als die abscheulichste, arroganteste, obszönste, mörderischste, heuchlerischste und wildeste Kreatur, die diese Erde je betreten hat, sein Konto an Schmach, das von Tag zu Tag wächst, ist einfach unbeschreiblich und wird von keinem anderen übertroffen. Feministinnen sagen uns da nichts Neues. Was sie allerdings vergessen – und das ist eine unverzeihliche Unterlassung – ist, dass der weiße Mann den größten Anteil an Gewalt gegen Weiße wie er selbst richtet.“ (Preparata, Ideologie der Tyrannei, Dunker & Humblot, Berlin 2015, Seite 170).

Und den Durchmarsch dieser Kreatur durch die Gesellschaft zu stoppen, gebietet … das Verbot der Prostitution … wobei – denke, das ist selbstverständlich – die Täter ins Auge der Polizei fallen sollten … und nicht die Opfer …. also der Freier und Zuhälter, nicht … die Prostituierte; ich denke da auch an jene Männer, die den Frauen Zimmer für 150 Euro die Nacht für ihre Sexarbeit vermieten … und sie so erstmal in die absolute Abhängigkeit treiben, in einen Zustand, wo widerpruchslose Massenabfertigung überhaupt erstmal die Grundlage jeder wirtschaftlichen Existenz ist.

Und was ist nun mit der Frau, die mit keinem normalen Job klar kommt – wie Ramona, die den Job gerne macht, obwohl er ihre Seele auffrisst (siehe Süddeutsche)? Jener Frau, die gerne ihre heiße „Lillith“-Seite ausleben will (siehe utebennecke.de) … und das Geld braucht? Nun – warum soll die nicht weiter leben wie zuvor? Was interessiert es die Gesellschaft, was in ihrem Schlafzimmer geschieht – und welche Geschenke ihr ihre Verehrer machen? Das – kann man auch ohne Industriezweig leben. Ganz freiwillig. Selbstbestimmt. Und: würdevoll. Und – man braucht es nicht an die große Glocke zu hängen … wenn da wieder ein Mann seine Ehe und damit auch das Nest seiner Kinder in Gefahr bringt … über jene Opfer müssen wir aber mal wirklich ein andermal reden.

PS: diese Erörterung war – ein Wunschartikel eines Mannes, der 20 Jahre im „Millieu“ lebte, das Elend mitbekam (und auch jene 2-3 Prozent, die das gerne machen – und jetzt als Standard gepriesen werden) und voller Entsetzen ist, wie diese Kultur der Vernichtung jetzt offensiv angepriesen und zur Normalität erklärt wird – auch und gerade von Salonlinken, die … keinerlei eigene Erfahrungen in dem Bereich haben – aber enorm viel Meinung dazu.

PS 2.: ja – ich bin voreingenommen, bin offizielles Mitglied von Zeromacho … jenen Männern, die ganz gut ohne Prostituierte auskommen. Ehrlich gesagt war der Entschluss leicht: Frauen kaufen hat doch wirklich so überhaupt nichts mit Erotik zu tun.

Die Vernichtung des sensiblen Mannes – und die Vernichtung der Welt.

Samstag, 22.4.2017. Eifel. Zuvor mal ein persönliches Wort an die Stammleser. Wie man merkt, bin ich nicht mehr so produktiv. Keine Sorge, das geht vorüber. Wie man merkt, sammle ich gerade – freiwillig, wie ich betonen möchte, um entsprechenden Gerüchten gleich vorzubeugen – in einem sehr interessanten beruflichen Umfeld neue Eindrücke und Informationen – auch solche brisanterer Art. Konnte bei dem Angebot nicht „nein“ sage, obwohl es mich viel Zeit kostet, die an anderen Orten fehlt. Mehr aber nimmt mich meine persönliche Lage mit: selbst nicht ganz gesund habe ich nun ein weiteres behindertes Kind mit einer unheilbaren Muskelerkrankung, das sofort von der Schule geworfen wurde, weil man den Attesten keinen Glauben schenkte. Sowas geht heute – und sowas kostet Zeit. Zudem haben wir Kriminalfälle im engsten Wohnumfeld: Einbrüche, Brandstiftung, Vandalismus, Lügen und nur gebremst förderliches Sozialverhalten. Außerdem belastet mich auch eine nicht verschwindende ansteckende Krankheit eines zweiten Sohnes von mir, den ich von der Umwelt etwas abschirmen muss: man sieht – für Muße und weite Gedanken ist nicht mehr ganz soviel Zeit.

Ich schreibe auch ein wenig auf Facebook. Nein – mit dem neuen Gedankenlesechip von Zuckerberg (siehe Heise) beschäftige ich mich nicht, möchte aber nicht die Chance ungenutzt verstreichen lassen, Chancen und Möglicheiten dieses Mediums auszuloten. Schon verrückt, wie die alle versuchen, uns zu Maschinen zu machen, oder? Dabei sind wir schon längst Maschinen geworden (womit wir den persönlichen Teil verlassen) – wir merken es nur nicht mehr. Bzw: die meisten merken es nicht mehr – oder könnten Sie sich für Ihr Leben vorstellen, dass Sie dem Satz „Pünklichkeit ist eine überflüssige Erfindung“ (siehe Zeit) im Alltag Folge leisten können? Wäre schlecht für Bus- und Bahnverbindungen, für Kino oder Arbeitsbeginn. Solche Gedanken können sich ältere Zeitforscher machen – aber nicht Sie. Sie haben zu funktionieren. Das ist auch letztlich Sinn der Arbeit von Ärzten: Sie zum funktionieren zu bringen, damit Sie zurückkehren können in das große Uhrwerk.

Auf Facebook wurde mir nun eine einfache Frage gestellt, von einer jungen, äußerst attraktiven, lebenslustigen Frau, die die „sensiblen, romantischen Männer“ suchte: „Solche Männer sind wie Einhörner. Man sagt, es gibt sie, aber wo!“. Nun – man sagt vieles, das heißt nicht automatisch, dass es wahr sein muss. Gestern erhielt ich einen Brief einer anderen, sehr sensiblen Leserin, versehen mit einer Tafel Einhorn-Schokolade, die sich noch mal auf diese Frage bezog und nach meinen Gedanken zum Verbleib der sensiblen, romantischen Männer fragte. Nun – ich habe da in der Tat Gedanken zu … doch sie werden nicht erfreuen. Womit sollen wir anfangen?

Nehmen wir die Romantik. Wir brauchen gar nicht so lange nachzudenken und in der Geschichte der Wortbedeutungen von „Romantik“ nachzuforschen, denn im 21. Jahrhundert ist Romantik ein Schimpfwort: denken Sie nur an den Begriff „Sozialromantik“. Romantik stört beim Funktionieren und die Haltung der menschlichen Arbeitstiere wird halt immer weiter an die Grundzüge der Massentierhaltung angepasst: aktuell ist da gerade die Dating-Plattform „Tinder“ im Visier der letzten Verteidiger der Romantik, die „Beziehung“ auf das allernotwendigste reduzieren (siehe feinschwarz):

„Tinder ist die schnörkellose Umsetzung einer Kapitalisierung des Begehrens in enger Verwandtschaft zu dem, was die israelische Soziologin Eva Illouz als „Kapitalisierung der Gefühle“ bezeichnet. Bei Tinder hat der Kapitalismus seine romantische Maske abgenommen und verkauft genau das, was seine ontologische Grundlage ausmacht: Begierde und deren potentielle, dafür aber umgehende Befriedigung.“

Was macht man bei Tinder? „Dated“ fremde Menschen für schnellen, umkomplizierten Sex per Telefonapp. „Pizzasex“ nennt das die Autorin. Gab es früher schon, da nannte man es Prostitution, aber im Sinne der Effektivierung des Arbeitseinsatzes haben wir diese Dienstleistung jetzt unter den Arbeitnehmern selbst verteilt: das vergrößert das Angebot und die Abwechslung. Wie weit ist diese Welt von der Welt der romantischen Liebe entfernt, der Welt der alten, mittelalterlichen Minnesänger, die von romantischen Dramen sangen, wo der Rittersmann mit einem Halstüchlein als Liebenspfand seiner angebeteten Dame in die tödliche Schlacht zog, wohl wissend, dass diese für ihn unerreichbar weil verheiratet ist: so ein feines, sensibles Denken ist uns völlig abhanden gekommen – doch „Mittelalter“ erweist sich hier als Zeit, die viel reichhaltigere emotionale Dimensionen hatte, Dimensionen, die die Neuzeit mit ihren Inqusitoren und Hexenjagden völlig ausgerottet hatte.

Nun – mag sein, dass wir uns toll fühlen mit dieser neuen Sexualität, doch … mag auch sein, dass wir damit neue Scheiterhaufen herbeirufen, denn: ungesunde Sexualität hat ungesunde Folgen für die ganze Gesellschaft (siehe wilhelmreich):

„Die seelischen Krankheiten sind Ergebnisse der gesellschaftlichen „Sexualunordnung“. Diese Unordnung hat seit Jahrtausenden die Funktion, den Menschen den jeweils vorhandenen Seinsbedingungen zu unterwerfen … Sie dient der seelischen Verankerung der mechanisierten und autoritären Zivilisation durch Verunselbständigung der Menschen.“

Die sexuelle Unordnung hat schlimme, politische Folgen:

„Im gesunden Organismus kann die sexuelle Erregungsspannung durch den körperlichen Orgasmus transformieren. Aus ihm entstehen Entspannung und Gefühle von Liebe und Dankbarkeit.“

„Inneren Hemmungen und der Mangel an Fassungsvermögen für die sexuelle Erregungsspannung verhindern beim kranken Organismus, dass die im Liebesakt aufgebaute sexuelle Erregung adäquat gelöst werden kann. Sie besteht statt dessen fort und überflutet das menschliche Energiesystem. Dadurch werden sadistische und destruktive Einstellungen und Verhaltensweisen ausgelöst, die sich zu dauerhaften Charakterzügen verfestigen.“

Guter Sex erzeugt Gefühle von Liebe und Dankbarkeit, macht Menschen friedlich. Schauen Sie sich um in der Welt, in Ihrer Nachbarschaft, am Arbeitsplatz: wo finden Sie diese überwältigenden Gefühle von Liebe und Dankbarkeit? Nirgends, der Kapitalismus braucht schlechten Sex wie das Auto Benzin, sonst haben die Menschen nicht genug Agressivität für den Wettbewerb. Klar – Tindersex muss nicht immer schlecht sein, aber wenn unsere Art von Sexualität auf die ganze Gesellschaft bezogen so toll ist: warum sind dann alle so schlecht drauf? Menschliche Dinge reduziert der Kapitalismus auf das Notwendigste: darum reicht ihm auch McDonalds als „Nahrung“ für das Wahl- und Konsumvieh. Wilhelm Reich fand hier die Quelle der „sozialen Pest“, des Faschismus, der heute in allen Parteien wieder auflebt: nicht als politische Bewegung, sondern als Allianz der Sadisten aller politischer Farben – eine Allianz, die sich in den dreißiger Jahren schon mal zusammenfand und die sehr schnell „Hurra!“ ruft, wenn wieder einer tönt: „Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen!“ – was aktuell wieder durch neue Rekorde bei Totalsanktionen (siehe gegen-hartz) von sich reden macht.

Und die Romantik? Bietet anstatt des schnellen McDreck-Pakets, das zwar kurz den Hunger stillt, aber den Magen versaut (merkt man erst später) ein fünf-Gänge-Menü, mit Rosen verziert, festlichst angerichtet, bei Geigenmusik, Kerzenschein und Kaminfeuer sowie humorvollem, geistreichen Gespräch auf höchstem Niveau – das bei sensiblen, romantischen Menschen tiefer gehen kann als jede sexuelle Begegnung. Aber Sie merken schon: uns selbst, unser Leben, unsere Existenz so zu feiern: das würde endlos viel Zeit kosten. Wer hat die schon noch?

Soviel zur Romantik. Wir wollten aber nicht nur den romantischen Mann beschreiben, sondern auch den sensiblen … und hier betreten wir die Sphäre der Wunder und der Zauberei, die verboten ist – so verboten, dass Sie bei Wikipedia keine treffende Beschreibung dazu finden. Seltsam, dass sich ein Begriff, von dem die meisten von uns eine Vorstellung haben, so der Definition moderner Menschen entzieht, oder? Nun – wir verstehen ja auch den Begriff der „Romantik“ nicht mehr, der im Minnegesang des Mittelalters noch eingängig bekannt war, warum sollte es mit dem lateinischen „sensibilis“ anders sein? Wir sind halt grobschlächtige, eindimensionale Barbaren geworden, deren grausamste und abartigste psychopathische Wesenszüge durch die Kultur des Neoliberalismus enorm gefördert werden: der neoliberale Charakter ist eher maschinell geprägt, versucht einer gnaden- und gefühllosen Dampfmaschine immer ähnlicher zu werden (siehe hierzu: freitag).

Der sensible Mann – und, aufgepasst: der sensible Mensch generell – zeichnet sich aus durch einen nicht degenerierten oder gedämpften Zugang zu seinen Sinnen, die ihm einen enormen Gefühlsreichtum bescheren. Ja – hier sind wir bei ganz einfachen biochemischen Prozessen: je höher die Sensibilität, umso vielfältiger der Verknüpfungen im Gehirn, je schärfer auch Aufmerksamkeit und Beobachtungsgabe. Der sensible Mensch kann Geschichten lauschen, die Wolken erzählen, weil er die Ähnlichkeiten zwischen dem Werden und Verschwinden von Nationen und Wolkenbildungen erkennt – wobei Wolkenreiche schneller vergehen als Menschenreiche. Jeder Baum kann ihm eine Geschichte erzählen aufgrund der individuellen Gestalt, die er angenommen hat: eine Geschichte von Winden, strengen Wintern, kargen Böden oder aggressiven Tieren, jedes Gesicht kann die Geschichte eines ganzen Lebens erzählen. Der sensible Mensch hat auch einen größeren Zugriff auf seine Innenwelten, den Bereich des „Unbewussten“, der – nach manchen Quellen zufolge – 98 Prozent unseres realen (politischen) Verhaltens ausmacht und über einen vieltausendfach höheren Grad an Informationsverarbeitung verfügt als der kleine, bewusste Teil mit dem Sie gerade diese Zeilen lesen. Hier hört auch das Denken in Worten auf – und das Denken in Bildern beginnt, weil Bilder eine wesentlich höhere Informationsdichte haben als Wörter oder Zahlen.

Der sensible Mensch erwirbt zudem mit der Zeit die Fahigkeit, die unterschiedlichen Informationen immer weiter zu vernetzen – was zumeist unbewusst und ziemlich automatisch geschieht. Er kann so – um ein Beispiel zu nennen – ein sicheres Gefühl für „Gott“ entwickeln (was an Qualität im Bewusstsein einer normalen visuellen Sinneserfahrung völlig gleich kommt) und sich so eine andere Dimension des „Sehens“ erschließen (ähnlich der, die der amerikanische Anthropologe Carlos Castaneda in seinen Werken beschreibt), die ihn in eine wunderbare, zauberhafte Welt voller phänomenaler Sinneseindrücke entfürt … und so von unsere Psychiatrie als „dysfunktional“ aussortiert wird, obwohl er sich eigentlich dem Ursprung des Menschseins in seinem ganzen Reichtum nähert – nur halt für den Kapitalismus unendlich wertlos geworden ist.  Nein, ich bitte Sie: bleiben Sie sitzen, wir kommen sofort auf den Weg der westlichen Wissenschaft zurück: an der Universität Marburg finden sie gerade neue Arbeiten zur „Solastalgie“ und westlichen Öko-Spiritualität bzw. zur Öko-Psychologie (siehe uni.Marburg), die viel besser als ich es könnte ausführen, wohin die Reise in Zukunft gehen könnte … wenn der Moloch Kapitalismus überwunden werden könnte, bevor er die Welt zerstört. Wir sind allerdings hier – da sei vor gewarnt – im Bereich der ebenfalls sterbenden Geisteswissenschaften, deren höchste Aufgabe das „Verstehen“ ist – was schnell in Zauberei übergeht, wenn wir es auf „Welt“ anstatt auf „Mensch“ anwenden.

Ich kenne übrigens ein Kind, das schon in Bildern denkt: es kommt hier in eine Sonderschule, weil es die Lehrer mit der Qualität seiner Fragen überfordert. Im Erwachsenenalter wird es wohl in der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie landen.

Was für eine Reise haben wir jetzt hinter uns.

Wir wollten nur nach dem Verbleib des romantischen, sensiblen Mannes fragen … und sind bei der Vernichtung der Welt angelangt. Eins wäre aber noch zu klären: wo finden wir die sensiblen, romantischen Männer? Ich weiß: viele werden jetzt sagen: „ich bin´s“ – oder halt mein angetrauter Dieter. Kommen Sie oder Dieter in dieser Welt zurecht? Dann … sind Sie es nicht. Sie mögen davon träumen, so zu sein – wobei  hier der Begriff „Träumen“ mit „Wunschdenken“ zu übersetzen ist und nicht mit der realitätsveränderenden Fähigkeit, die indigene Stämme mit dem Begriff bezeichnen. Sie mögen ein Selbstbild dazu pflegen, weil es bei Frauen gut ankommt und dazu gewisse äußere „Codes“ verwenden – aber Sie werden halt kein Indianer, wenn Sie sich eine Feder ins Haar stecken. Nein, auch nicht, wenn noch Mokassins dazukommen.

Ich kann Ihnen aber sagen – was ja die Fragestellerinnen interessierte – wo man sie findet, die romantischen, sensiblen Männer?

Es gibt drei Orte, wo sie aufzufinden sind: der eine ist der Friedhof: Menschen, die aufgrund ihrer Sensibilität den Zustand der „Solastalgie“ erreichen – die Erfahrung des riesigen Ausmaßes der Entfremdung von unsere ökologischen … lebensnotwendigen … Umwelt, neigen dazu, sich umzubringen, weil sie den Schmerz nicht mehr aushalten (siehe aerztezeitung). Ein weiterer Ort ist die Psychiatrie: Gestank, Lärm, visuelle Überreizung, Häßlichkeit in nie dagewesenem Ausmaß können bei sensiblen Menschen zu Überlastungsreaktionen führen, die ein tumbes Hirn nicht zu befürchten braucht: insofern ist die generelle Abkehr von Sensibilität nahzu lebensnotwendig – wenn man weiter funktionieren will. Der dritte Ort … ist die ferne, intakte, einsame Natur, die mit ihrer Vielfalt den Sehgewohnheiten des sensiblen Menschen weitgehend entspricht: immerhin sind unsere Sinne ja auch gerade dafür ausgearbeitet worden – um in der Natur zu leben und nicht im lärmenden, stinkenden Betonchaos der Großstädte. Ich sehe sie dort häufig durch die Einsamkeit der Moore wandern, an verbotenen Stellen, wo Natur noch wild sein darf. Es sind immer – und ich sage mit Nachdruck: immer – sehr angenehme Begegnungen dort draußen. Ganz feine Menschen trifft man dort … eher Männer als Frauen. Viel eher Männer.

Sie werden jetzt sagen: das ist alles viel zu streng gezeichnet. Gut: könnte sagen, für feinere Malerei fehlt mir die Zeit und Ihnen die Aufmerksamtkeit. Aber ich möchte Sie mal kurz entführen in die Welt der Superreichen, unserer Vorbilder, wo sie das gegenteilige Männerbild finden (den unromantischen harten, gefühllosen Kerl) … und Sie ermuntern, dort einen Blick auf die Stellung der Frau an der Spitze unserer Gesellschaft zu werfen, jener Spitze, die das Nonplusultra der kapitalistischen Existenz darstellt: da werden der Ehefrau Prämien bezahlt, wenn die Kinder gut in der Schule sind – ansonsten gibt es strenge Teilung der Geschlechter bei Partys, Urlaub und Leben (siehe Spiegel).

Und der sensible, romantische Mann, der Frauen ohne großes Federlesen als gleichberechtigt akzeptiert und sich gar nichts anderes vorstellen kann? Landet – wie die meisten Geisteswissenschaftler – bei Hartz IV (siehe gegen-hartz). Wundern Sie sich also nicht über den schlechten Zustand der politischen Welt, die kommenden Kriege und ökologischen Katastrophen: jene, die sensibel genug wären, sie zu bemerken und romantisch genug, die natürliche Welt erhalten zu wollen … werden systematisch aussortiert. Versuchen Sie heutzutage einfach mal als introvertiertes Kind gesund durch die Schule gekommen, wo Extrovertiertheit („sonstige Mitarbeit“) inzwischen fünfzig Prozent der Note ausmacht.

Wir können es auch größer beschreiben: „Wir stecken in einer seelisch-geistigen Armutskrise“, „leben auf einem psychischen Existenzminimum“ (siehe Standard) was gewaltige – auch finanzielle – Folgen für die Qualität unserer Arbeit hat (siehe sinnforschung, Thema: Sinn im Beruf). Bei Gesellschaften, die diesen neoliberalen Lebensstil auf die Spitze getrieben haben, haben die jungen Männer (und viele Frauen) inzwischen weitgehend auf Sex und Beziehung verzichtet (siehe Süddeutsche). Sie … frönen einem anderen Lebensstil, der dem des „armen Poeten“ ähnelt.

Aber mal ehrlich, liebe Damen: wer würde schon wirklich so einen „armen Poeten“ heiraten wollen? Zumal er für sich selbst in seiner sehr reichen Welt lebt … und niemanden neben sich braucht, der beim Genießen des Reichtums stört.

Dass der Weg des „armen Poeten“ größeren Reichtum mit sich bringt, als man gemeinhin – durch Werbung, Schule und Medien geprägt – vermuten würde, merken auch immer mehr „moderne Menschen“: sie wenden sich dem „Minimalismus“ zu (siehe FAZ) … oder trauen sich einen – kurzen – Ausflug in die Welt der „Zeitmillionäre“ zu (siehe Spiegel), sammeln dort Erfahrungen, die der „arme Poet“ schon 1839 visualisierte – übrigens angeblich eins der beliebtesten Bilder der Deutschen.

Noch Fragen?

Und ja: das ist hochpolitisch. Der Kapitalismus braucht Killer, um den Mammon zu rauben und Nutten, um die Killer zu beschäftigen. Alles andere braucht er nicht – und das wird auch verschwinden … wie der sensible, romantische Mann, der im Alter zur Weisheit reifen kann, während unsere „Alten“ immer neunzehn bleiben wollen.

Das sagt eigentlich schon alles.

 

 

Kindesmissbrauch – der grausame Holocaust der Seele. Ein Fallbeispiel.

Digital StillCamera

Mittwoch, 21.10.2015. Eifel. Wir werden uns heute zuallererst um Begriffe kümmern müssen: es gilt zu belegen, dass der Begriff „Holocaust“ in dem geschilderten Zusammenhang seine Rechtfertigung hat, ebenso werden wir uns um den Begriff Seele kümmern müssen. Zuerst der Holocaust – im engeren Sinne als Vernichtungsfeldzug des deutschen Volkes gegen ihre eigenen Mitglieder amtlicher jüdischer Religionszugehörigkeit begriffen, im weiteren Sinne (z.B. „atomarer Holocaust“) gebraucht als Auftreten jeglicher Form von systematischer Massenvernichtung. Ich weiß, viele stoßen sich an diesem Begriff, weil sie ihn für ein einziges, isoliertes Ereignis in der Geschichte reservieren wollen, eine Ansicht, die ich verstehe, doch nicht teilen kann, weil es ihn jederzeit – in jeder auch nur leicht abgeänderten Form – wiederholbar macht. Ich werde dazu ein andermal weiter ausholen, für heute reicht es, zu erwähnen, dass der altgriechische Begriff holocaustos für „vollständig verbrannt“ – zusammengesetzt aus holos (ganz) und caustos (gebrannt) –  zum ersten Mal im Sinne von Völkermord 1895 von britischen Autoren für das Massaker an Armeniern verwendet wurde. Ich verwende ihn hier, um der Größenordnung der laufenden Katastrophe gerecht zu werden, die still, leise und heimlich in deutschen Landen umgeht … hauptsächlich außerhalb von Kirchen, weshalb die Täter wohl deshalb besonders laut schreien, wenn ein Kirchenmann die Taten begeht.

Der nächste Begriff begleitet uns ebenfalls seit Jahrtausenden: Seele. Dem Begriff wird im modernen Denken per Definition kein Platz mehr eingeräumt, der Mensch – so die Lehrmeinung – bestehe lediglich aus einer Reihe chemischer Prozesse, die „Empfindungen“ hervorrufen – eine Theorie, die bis heute durch nichts belegt ist aber dafür umso lieber zitiert wird: kurz – ein Dogma, das in vielerlei Hinsicht sehr bequem ist. Wo es keine Seele gibt, kann diese auch nicht verletzt werden … woraus resultiert, dass die den Vätern des Grundgesetzes so heilige, unantastbare „Menschenwürde“ nur ein sozialromantischer Schatten aus ungebildeten Zeiten ist – mit entsprechenden Folgen für die Sozialgesetzgebung. Es ist eine seltsame Theorie, können doch die meisten Menschen ihre Seele „empfinden“ … vor allem, wenn sie verletzt wird. Liebeskummer ist hier wohl ein weiter verbreitetes Beispiel, das ernsthafte körperliche Erkrankungen nach sich ziehen kann; der „Herzschmerz“ ist deshalb besonders, weil das Herz nicht zu den Organen gehört, die über Schmerzrezeptoren verfügen. Wer dies jedoch mal durchleben musste, weiß, dass es heftige Schmerzen sein können, Schmerzen, die extreme gesundheitliche Schäden verursachen können. Schmerzen, die der Begriff „Seele“ plausibler erklären kann als die Theorie der „chemischen Prozesse“. Es ist hier kein Platz für eine umfangreiche Diskussion des Seelenbegriffes, hierzu wird ein andermal mehr zu erzählen sein. Wir werden hier wohl in vielerlei Hinsicht umdenken müssen, gerade jetzt, wo wir uns mit der Erkenntnis über kommunizierende, zählende, fürsorgende Bäume auseinandersetzen müssen, die – definitiv – kein Gehirn haben aber erstaunliche mentale und emotionale Leistungen erbringen (siehe hierzu: Peter Wohlleben, Das geheime Leben der Bäume).

Wir brauchen einen Begriff der Seele, weil wir sonst gar nicht verstehen können, was an Kindesmissbrauch so schlimm ist. Hier gilt das Gleiche wie für die „Würde“ des Menschen: wo nichts ist, was verletzt werden kann, wo nichts gedacht werden darf (per Definition und Beschluss der Obrigkeit), was leiden kann, da kann es auch keine ernsthaften Verletzungen geben, deshalb hat ja die materialistisch orientierte Medizin den Begriff „Befindlichkeitsstörung“ entwickelt – was an Gehard Schröder erinnert, der Familie, Frauen, Senioren und Kinder seinerzeit lapidar und spontan als „Gedöns“ deklarierte und in Form von Hartz IV ein seelenloses, entwürdigendes Gedönsgesetz erschuf.

Warum der Begriff „Holocaust“? Nun – wie gesagt: es geht um das Ausmaß. Die Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz (also: das Gedönsamt) Hamburg hat hierzu eine Studie veröffentlicht, die den modernen Schönsprechstudien elementar widerspricht (siehe Prävention Bildung). Die Studie stammt von Dirk Bange, befasst sich mit sexuellem Missbrauch an Mädchen und Jungen und bezieht sich auf Fragebögen, die von Erwachsenen ausgefüllt werden – und nicht, wie üblich – auf Hochrechnungen zu einem Tabuthema. Die Zahlen an Missbrauch von Frauen reichen von 18 – 31 Prozent, die selbst einen Missbrauch erfahren mussten; die höchste Zahl stammt von Mitarbeitern der Beratungsstellen, die niedrigste Zahl aus einer repräsentativen Umfrage für Deutschland.

18 Prozent … das sind 7 Millionen Frauen, die in Deutschland sexuell missbraucht wurden – zuzüglich knapp drei Millionen Männer, die in jungen Jahren missbraucht wurden, kommt man auf knapp zehn Millionen – eine unglaubliche Menge. Das Land müsste starr sein vor Entsetzen … doch das Thema ist tabu. Niemand schreit auf wegen zehn Millionen grausam zerstörter Seelen – aber das Thema kann man halt auch nur erfassen, wenn man einen Begriff von Seele hat und sie nicht als Gedöns abtut.

Man könnte noch lange Zahlen, Daten und Fakten heranschleppen – das Internet ist voll davon. Daraus … zieht jedoch niemand Gewinn. Darum habe ich das Angebot eines missbrauchten Menschen wahrgenommen, habe ausnahmesweise eine anstrengende Reise auf mich genommen und lange Gespräche über einen Missbrauch geführt, der im Alter von 12 Jahren geschah (der erste war mutmaßlich im Alter von vier Jahren, doch hier streikte die Erinnerung). Die Person wird bald dreißig Jahre alt. Da Philosophen dereinst – als es noch Seelen gab – als Ärzte der Seele (heute also Gedönskurpfuscher sind) galten, interessierten mich besonders die seelischen Folgen des Missbrauchs. Während des Gespräches kam mir der Titel in den Sinn: es ist Mord, was hier geschieht. Eiskalter, grausamer Mord an der Seele – und er verheilt nie. Ich muss und möchte die Anonymität der Person waren – und wenn ich ihre Geschichte erzähle, wird man auch verstehen, warum.

Ich möchte Voyeuren keinen Aufführung bieten, weshalb Details zum Missbrauch geheim bleiben. Was dort geschah, enspricht den herkömmlichen Handlungen in billigen Pornofilmen – soviel sei gesagt. Das Opfer war 12 Jahre alt und leidet bis heute, wo es auf die Dreissig zugeht.

Wie reagiert die Seele nach der Tat?

Man fühlt sich „schmutzig, zerstört, leer„. Hat man einen Begriff von „Seele“, spürt man, dass es hier um Vernichtung geht – Vernichtung durch Sexualität (unsere heiligen Kuh, die auf einmal sehr dämonisch daherkommt). Die Seele empfindet ihre eigene Vernichtung, ihre Leere – und die Tatsache der Entwürdigung. „Sexueller Missbrauch“ ist – angesichts dieser Empfindungen, die er auslöst, ein ziemlich verniedlichender Begriff. Holocaust, das totale Verbranntsein, trifft es eher – erst recht, wenn man die quantitativen Ausmaße dieser Verheerungen in unserer Gesellschaft sieht.

Doch bleibt es nicht dabei: der Missbrauch ist nur der Auftakt eines lebenslangen Leidens, einer für immer und ewig zerstörten Existenz … in seiner Unwiderruflichkeit und Unheilbarkeit dem Morde sehr ähnlich – nur dauert das Leiden der Seele bis zur Erlösung viel länger, lebenslänglich – was meiner Meinung nach eine Gleichsetzung mit Mord rechtfertigt.

Diese zerstörte Seele ist in ihrem tiefsten Inneren zerrüttet – doch existiert sie weiter … in diesem Fall in einer Umwelt, die das kleine Kind (wie allgemein üblich) zusätzlich bestraft: man trifft im Freundeskreis auf Unglauben, in der Familie auf offene Ablehnung, die soweit führte, dass die Mutter das „unreine“ Kind aus der Familie verstieß – wir sehen, dass unser Kulturkreis zu den gleichen Methoden fähig ist wie die von uns häufig kritisierte muslimische Kultur, die schon mal Vergewaltigungsopfer ermorden läßt, weil sie „unrein“ sind. Das Kind trifft mit seiner verletzten Seele auf eine Umwelt, die ihm sofort feindlich gesinnt ist: es will sich wichtig tun, wird ihm vorgeworfen, es wird belächelt, seine Geschichte als „Wunsch nach Aufmerksamkeit“ abgetan, letztlich – der Todesstoß – wendet sich die eigene Mutter zugunsten des Täters (ein Stiefvater) von dem Kind ab, entsorgt es zu anderen Familienangehörigen, fälscht Briefe, um das Kind zu belasten und den Täter zu schützen.

Was folgt, kennt die Wissenschaft zur Genüge: das Opfer flüchtet sich in die Krankheit, um so schnell wie möglich dem Täter zu entkommen. Das Krankenhaus ist eine sichere Alternative zum eigenen Zuhause, da Flüchtlinge dieser Art kaum Zuwendung in unserer Gesellschaft finden, die einzige Art, Sicherheit zu finden. Es verletzt sich selbst mit Messern – was zu massivem Mobbing in der Schule führt. Opfer sind nicht gern gesehen im Land der Sieger, jenem Land, dem es per Beschluss der Kanzlerin gut geht. Auf eine Seele, die verletzt am Boden liegt, tritt man gerne drauf: Alltagsfaschismus der genehmen Art. Das Kind bricht sich selbst seinen Arm, um zu entkommen, fügt sich Verbrennungen zu – es ist sogar in der Lage, sich selbst eine Blinddarmentzündung zuzufügen (ja – da war ich selbst überrascht, aber es scheint zu gehen).

Hören wir das Kind selbst dazu, es existieren Einträge aus dem Tagebuch:

Ich hasse mein Leben. Ich will einfach nur weg. Es wäre eh allen egal und ich hätte meine Ruhe!
Manchmal fühle ich mich als wäre ich ein Stern im einsamen, kalten Universum.

Das war mit 12. Ein Jahr später:

Mein Leben ist mir egal, am Liebsten wäre ich tot!
Ich kann nicht mehr! Ich will nicht mehr! Bitte, bitte gute Fee und helf mir! Bitte!

Urvertrauen – nach eigenen Worten – war nicht mehr vorhanden.

Die Leere im Leben weicht nicht. Schlimm für eine Seele, wenn sie leer ist, leer bleibt, so schlimm, dass mit 14 alles unternommen wird, der Leere zu entkommen: Drogen, Sex, Alkohol, Tabletten – und fortdauernde Selbstverletzung: über die Reaktionen der Umwelt auf diese Signale brauchen wir glaube ich nicht näher eingehen – sie waren so grausam die die Tat selbst. Die Gefühle, die diese Zeit begleiten?

„Sehnsucht nach Liebe, Freiheit, Verständnis. Alleine gelassen. Verlassen, ausgenutzt, dreckig.“

„Seele“ – hat ein Gefühl von „heil sein“ – und kann beschmutzt werden, endgültig, irreparabel, durch einen einzigen, kurzen kranken Akt. Wie weit wären wir doch, wenn wir dies wieder erkennen würden – stattdessen fallen wir sozial zurück in Anschauungen, die vor über dreitausend Jahren in barbarischen Zeitaltern Norm waren.

Das Kind – fügt sich selber Schmerzen zu, um überhaupt noch etwas von sich selbst zu spüren, ständig begleitet von der Verzweiflung über sich selbst, „dass man wieder Scheiße gebaut hat„, lebt „in einem Labyrinth ohne Ausgang„. Geplant … war das Leben anders. Ein Studium war angedacht, Chemie wäre schön gewesen. Dieser Lebenstraum jedoch – vernichtet in einem einzigen Akt.

Strafanzeige? Fehlanzeige. Hören wir das Kind selbst:

„Oft war der Gedanke da eine Anzeige zu machen und doch konnte ich es nicht. Ich wollte nicht alles wieder durchleben müssen, ich wollte nicht das alles in mir wieder ausgewühlt wird. Ich wollte nicht vor verschiedenen Gutachtern sitzen und jedes Detail erzählen müssen. Ich habe mich mit Frauen unterhalten die es getan haben, sie wurden mehrfach einem Gutachter vorgesetzt weil Kleinigkeiten in der Aussage unterschiedlich waren und wenn es nur die Farbe der Bettwäsche war. Nein! Anzeige erspare ich mir selber und hoffe das das Leben seine Rache für mich nimmt an dem Täter.“

Ja – erinnert man sich nicht an die Farbe der Bettwäsche, ist man schnell ein böser Täter, der üble Verleumdungen ausstößt. Der Täter – infolge des Alters immer überlegen, erst recht argumentativ. Die Gutachter – verdienen sich dumm und dämlich.

Therapie?

Wie soll eine Gesellschaft Wunden an einer Seele heilen, die gar keine Vorstellung von Seele hat?

„4 Therapeuten, 4 verschiedene Meinungen über solche. Für mich gibt es drei Arten von Therapeuten.
Die Therapeuten die ihren Job ernst nehmen, verständnisvoll, rücksichtsvoll und ehrlich mit einem umgehen. diese Art, die wirklich Interesse an einem und seinem Schicksal zeigen.
dann die Art die den Job nur machen weil es gut Geld gibt. die jenigen die einem null helfen und mit einem small talk halten und einem dann noch irgendwas unterstellen,
dann Art Nummer 3. die Therapeuten die behaupten das sie Ahnung haben, man aber die wirkliche Thematik nicht ansprechen darf. die jenigen die einem genauso wenig helfen wie Nummer 2. sie setzen einen dann lieber auf Tabletten und damit ist die Sache erledigt,
dann haben wir da noch Nummer 4. Nummer 4 sind die Therapeuten die sehr oberflächlich sind, die eine hohe theoretische Bildung haben, die einen mit Fachbegriffen vollpumpen und diese auch gut und sachlich erklären können. sie haben aber in Wirklichkeit kein Verständnis und kein Interesse am eigentlichen Schicksal. die machen sich falsche Notizen und so passiert es dann auch das einem kreativen Menschen, der eh schon auf diesem Gebiet viel macht, eine ergo therapie verschrieben wird.“

Hauptsache, der Rubel rollt. Therapeuten wirken „oberflächlich“, sachlich nüchtern und kalt. Geht ja auch nur um Gedöns.

Das Kind?

Wird größer, ist bald dreissig Jahre alt. Was bleibt, sind die Albträume. Jede Nacht. JEDE NACHT. Der Akt wiederholt sich noch und noch, der Missbrauch reicht in die Ewigkeit. Ebenso die Bilder, Worte, Botschaften, die sich beständig wiederholen, täglich, zu jeder Gelegenheit:

„DU BIST NICHTS“

„DU DARFST KEINEM WAS SAGEN!“

„WENN DU EINEM WAS SAGST, PASSIERT WAS!“

Mit der letzten Drohung war in diesem besonderen Zusammenhang die pflegebedürftige, von dem Kind sehr geliebte Oma gemeint, die eine Aussage des Kindes nicht überlebt hätte.  Auf die Darstellung der konkreten sexuellen Handlungsanweisungen möchte ich nicht eingehen … nur auf den Tatbestand, dass sie auch heute noch – zum Beispiel beim Joggen, wenn man einfach abschalten möchte – plötzlich und mit großer Macht über die Seele herfallen.

Das Kind ist dreissig Jahre alt, als Folge des Missbrauches haben sich seit einigen Jahren dissoziative Störungen eingestellt, aktuell begleitet von Momenten fehlender Alltagserinnerung, sogenannten Blackouts, eine – für diese Fälle typische – Borderlinestörung wurde erst Jahre später festgestellt, eine dissoziative Störung erst 2015, nach den ersten Therapieerfahrungen mit 19 wurde die damalige Diagnose nicht mitgeteilt – so geht man halt mit Gedöns um. Das Kind kämpft beständig, täglich … ums Überleben – gegen „das Ritzen“, gegen die Träume, gegen die imperativen Botschaften. Beruflich fühlt es sich nicht eingeschränkt … allerdings sind Berufe, die einen mit persönlichen Schicksalen konfrontieren, undenkbar – ebenso das Ertragen der Schilderung persönlicher Lebensgeschichten im Freundeskreis.

In Gesellschaft jedoch … wird eine Fassade aufgesetzt, eine dicke Mauer gebaut … „und wehe, es guckt einer dahinter„. Das Kind – ist ängstlich, immer noch. Auf ewig. Empfindet immer noch einen mangelnden Wert, ist durch Komplimente kaum erreichbar.

Der Rat des Kindes an andere Kinder: DAS SCHWEIGEN BRECHEN … was es hiermit getan hat, stellvertretend für viele, die immer noch schweigen – schweigen müssen.

Und der Philosoph? Stand gerade an der Straße, als ein Auto vorbeifuhr und erinnerte sich an Zeiten, als Wissenschaftler noch nachwiesen, wie bedrohlich und gefährlich die Kinderseele Autos … „Straßenverkehr“ … empfindet. Wer macht sich heute noch Gedanken darum? Und wie harmlos ist ein Auto (das heute ja nicht groß genug gebaut, nicht bedrohlich genug gestaltet werden kann) gegenüber einem Erwachsenen, der mit Gewalt folgenlos in intimste Bereiche dringen kann, Bereiche, die einem Partner als Geschenk vorbehalten sind – um „Familie“ zu gründen. Bereiche, die einst als heilig galten, sogar dem alten Zeterer Nietzsche als „Garten“ galten – der gehegt und gepflegt werden sollte … und nicht verbrannt.

Ich frage mich heute – aus aktuellem Anlaß – wie viele dieser zerstörten Seelen wohl heute bei Pegida anzutreffen sind, weil ihre Angst angesichts einer Million neuer, „fremder“, als potentielle Täter empfundener Männer (die die Haupttätergruppe stellen) einfach nicht mehr beherrschbar ist. Ängste, die gezielt von US-Instituten geschürt werden … wie mir neuerdings auffiel (siehe Neopresse). Opfer, die mit ihrer Angst an die Öffentlichkeit gehen … und als „Nazis“ sozial hingerichtet werden (worüber noch zu reden sein wird).

Doch erstmal schaue ich aus dem Fenster und bin erschüttert – erschüttert über die Dimensionen eines neuen Holocaustes in Deutschland, eines Holocaustes an Kinderseelen, der – wie die „Shoa“ auch – leise, diskret, verborgen vor den Augen der Öffentlichkeit stattfindet, die gezielt wegschaut, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Aber er vernichtet ja nur Seelen. Gedöns, sozusagen. Trifft man jedoch eine dieser Seelen – der ich sehr dankbar bin für das Vertrauen und die Genehmigung, diese Geschichte erzählen zu dürfen – spürt man die vernichtende Gewalt, die wieder im Lande wütet – in anderer Form, anderer Gestalt, unter anderer „Legende“. Und doch … ähnlich.

Erschreckend ähnlich.

Und wieder einmal … machen Millionen mit. Dulden es. Verharmlosen es. Ignorieren es. Tabuisieren es.

Machen mit.

Und – mal im Ernst: hätten Sie gedacht, dass „Sexualität“ – zu deren hemmungslosem Ausleben wir täglich aufgefordert werden – bei unsachgemäßen Gebrauch so vernichtend sein kann?

 

 

 

Die Anderwelt (oder: ein Nachruf auf Bernhard Kornstedt)

Digital StillCamera

Freitag, 16.1.2015, Eifel. Im Schwarzbuch USA von Peter Scowen finden wir in der Einleitung folgende, bemerkenswerte Passage (Deutsche Erstausgabe DTV 2004, Seite 7) :

„Meine Schwester Amy ist in leitender Stellung bei einer amerikanischen Unternehmensberatung tätig und saß am Morgen des 11.September 2001 ab 8:30 Uhr in der 54. Etage des Südturms des World Tade Center an ihrem Schreibtisch. Später erinnerte sie sich, dass sie, bevor sie mit der Arbeit begann, ein unerklärliches Verlangen verspürt hatte, per E-Mail weit entfernt lebende Freund und Bekannte zu kontaktieren“.

Um 8.48 wurde klar, woher dieses Verlangen stammte: es kam zum größten Angriff auf die USA nach dem Zweiten Weltkrieg, angeblich ausgeführt von einer Handvoll mit Teppichmessern bewaffneter Fanatiker. Diese Geschichte geht schnell unter – zumal sie in einem Buch steht, dass sich hauptsächlich mit den politischen Verfehlungen der USA beschäftigt. Im Prinzip wäre es eine Geschichte, die jeden Naturwissenschaftler aufhorchen lassen sollte: offenbar liegt hier der Beweis vor für erstaunliche Fähigkeiten des menschlichen Unterbewusstseins: es kann Verzerrungen in der Zeit, in der Geschichte wahrnehmen, fühlt Entwicklungen, bevor sie eintreten – und meldet sich bei dem Bewusstsein mit „unerklärlichem Verlangen“, kurz vor dem Tod nochmal alle Freunde und Bekannte zu kontaktieren, um einen letzten Abschiedsgruß zu schicken.

Nun – Ami hat überlebt. Nicht durch Zufall, sondern weil sie weiterhin ihrem Gefühl traute – sie und viele andere. Wären sie nur dem Verstand gefolgt, hätten sie wohl ihre letzte Lebenszeit damit verbracht, den Einschlag im Nordturm mit Entsetzen zu beobachten, während sich ihnen die Maschine, die ihren Südturm im Visier hatte, unaufhaltsam näherte. Gut, dass sie – ohne jeden rationalen Anlass – ihrem Gefühl gefolgt sind und das Gebäude aus eigenem Antrieb verließen: das hat ihnen das Leben gerettet.

Eine faszinierende Fähigkeit, oder? Offenbar verfügt auch der Mensch über einen Instinkt (oder „sechsten Sinn“) der ihn – wie bei Tieren oft zu beobachten – vor Gefahren warnt. Wer Hunde oder Katzen hat, kennt das: manchmal bellen die Hunde panisch, obwohl nichts zu erkennen ist – und manchmal jagen Katzen wie verrückt unsichtbaren Dingen hinterher.

Was machen wir nun? Natürlich beschäftigen sich hunderte von Wissenschaftlern mit dieser Fähigkeit und mit der Existenz von Welten, die unserer Wahrnehmung noch verschlossen sind, weil Naturwissenschaft gerne alle Aspekte der Natur verstehen und begreifen will …. nein, das tun sich natürlich nicht. Sie machen eher in geschlossener Front das Gegenteil: sie versuchen, alle, die nicht ihrem Weltbild entsprechen, in die Psychiatrie zu schicken, streng nach dem Motto: „wer nicht mein Weltbild teilt, gehört eingesperrt“.

So formuliert, hört sich das fürchterlich an – doch ist es alltägliche Praxis.

Ich durfte einige dieser Menschen kennenlernen, unterliege hier jedoch der Schweigepflicht … doch die Geschichte kann ich erzählen. Im Rahmen der Neueinführung eines Mittel gegen Schizophrenie besuchte ich einige psychiatrische Kliniken mit dem Auftrag, Hospitationsplätze für Pharmareferenten zu besorgen. Wir wollten, dass unsere Mitarbeiter die Krankheit vor Ort studieren konnten, um adäquate Gesprächspartner beim niedergelassenen Arzt werden zu können, Menschen, die wissen, wovon sie sprechen. Ich trug unseren Wunsch in verschiedenen Häusern vor – in einem Haus jedoch verlief das Gespräch anders, der Chefarzt fragte nach meiner vorherigen Ausbildung. Als er von meinen Studienfächern hörte, wurde er hellhörig – und lud mich in sein Allerheiligtes ein: das Privatzimmer, das normalerweise Ärzten und Patienten verschlossen blieb, weil es – wie früher die Kapitänskajüte – dem obersten Boss eine Rückzugsmöglichkeit bietet und seine besondere, unerreichbare Stellung unterstreicht.

Bevor wir nun zu dem Thema kommen, warum auch heute noch in der Ärzteschaft Strukturen des preussischen Militärs im 19. Jahrhundert herschen (auch ein sehr spannendes Thema), bleiben wir lieber bei den Schizophrenen. Der Chefarzt hatte ein Problem – kurz gefasst, beschrieb er es so: „Wenn der Deutsche zu mir kommt und mit Gott spricht, muss ich ihn behandeln. So haben wir das gelernt. Kommt aber der Moslem zu mir, so deshalb, weil er nicht mehr mit Gott sprechen kann – und ich muss Methoden finden, wie er seinen Dialog mit Gott wieder aufnehmen kann“.

Ein sehr fortschrittlicher Wissenschaftler, dieser Arzt. Was ihm vorschwebte – als Gegenleistung der Firma für Hospitationen von Mitarbeitern – war eine Vorlesungsreihe in der Klinik, in der „Verrückte“ (er nannte sie natürlich nicht so) der verschiedensten Glaubensrichtungen auftraten, damit seine Mitarbeiter (vor allem die Ärzte) lernten, welche Dimensionen normales, gesundes Denken annehmen kann, ohne behandlungsbedürftig zu sein: nur einfach Gottes Stimme zu hören reichte nicht mehr aus, das war für andere Kulturkreise normaler Alltag – und um hier differentialdiagnostisch sicher arbeiten zu können, musste man neue Perspektiven entwickeln – oder man würde wieder in eine Psychiatrie des 19. Jahrhunderts zurückfallen.

Die Organisation einer solchen Vortragsreihe schien mir eine Kleinigkeit zu sein – ich hatte auch Arbeitszeit genug zur Verfügung, um das nebenbei zu organisieren. Neben christlichen Mystikern, Zen-Buddhisten, Nonnen und Theologen hatte ich auch eine ganze Reihe von Wissenschaftlern im Sinn, die jemand anders schon für mich zusammen gestellt hatte: „Der Wissenschaftler und das Irrationale“ hieß damals ein Sammelwerk, wo Geisteswissenschaftler aller Fachrichtungen über ihre Erfahrungen und Erlebnisse mit dem Irrationalen berichteten – ich hatte dieses Werk im Rahmen der Ausbildung über Erkenntnistheorie durchgenommen – was bei mir zu der Erkenntnis führte, wie wenig wir überhaupt über die Welt wissen und wie wunderbar unerforscht sie doch noch ist.

Zudem war ich aufmerksamer Leser der Ärztezeitung … wo man in der Tat sonderbare Artikel zu lesen bekam, die unser Weltbild sehr in Frage stellten: erfolgreiche Schädeloperationen vor 12000 Jahren – oder ein kleiner Junge mit einem so starken Eigenmagnetfeld, dass er regelmäßig den Diebstahlsalarm von Kaufhäusern auslöste – leider haben die Artikel (und andere) die letzten zwei Umzüge nicht überlebt, ich hoffe, sie beim nächsten Umzug wieder zu finden. Darüberhinaus hatte ich die Neuauflagen der Werke von Charles Fort studiert, der in den dreißiger Jahren des 20 Jahrhunderts die Zeitungen nach „Verdammten“ durchsucht hatte: so nannte er Meldungen, die nur kurz erschienen, bevor sie von der modernen Inquisition „verdammt“ wurden.

Neben diesen hochqualifizierten Zeugen der „Anderwelt“ (so ein Sammelbegriff für das Mystische, der aus der älteren europäischen Kultur stammt) kam mir aber auch noch ein anderer Mensch in den Sinn. Ich hatte während des Studiums Feldforschung im Sauerland gemacht – im hochkatholischen Sauerland, auf einsamen Höfen fernab der Kultur. Dort stieß ich auf einen „Aberglauben“, der mit dem Christentum nichts zu tun hatte – Geschichten über unheimliche Dinge, die an bestimmten Abenden auf den hofeigenen Friedhöfen geschahen. Bis heute habe ich die panischen Gesichter der Hofbewohner (einer davon war Rechtsanwalt) vor Augen, als ich – der rationale Atheist – vorschlug, ich würde – obwohl gerade eine der „gefährlichen“ Nächte war – einfach jetzt mal auf den Friedhof gehen, um zu sehen, warum man eigentlich um diese Uhrzeit zu gewissen Tagen dort nicht hingehen soll: die Angst der Menschen sprang mir förmlich entgegen und ich habe keine Zweifel, dass sie mich mit Gewalt gehindert hätten, den kleinen Friedhof zu betreten … um mich vor dem zu schützen, was dort umging und den Menschen schadete, wenn sie ihm begegneten.

Ich wollte diesen „Andersglauben“ gerne zum Gegenstand einer Doktorarbeit machen (im Sinne von „Traumzeit“ von H.P.Duerr: immerhin handelte es sich hier um lebendige und aktive Formen einer Religion, die mit dem herrschenden Christentum nichts gemein hatte – aber einen enormen Einfluss auch auf akademisch gebildete Menschen in Deutschland bewies), doch scheiterte ich mit diesem Ansinnen an dem Veto eines Kirchenfürsten: so etwas durfte es einfach nicht geben.

Ich hatte später (im Jahr 2000) meine ersten Gehversuche im Internet hinter mir (per Spielkonsole der Kinder, Dreamcast genannt), hatte in einem „Parsimony“-Forum einen Ort zum Gedankenaustausch gefunden, geleitet von einer Autorin, die ein Werk über den Odilienberg geschrieben hatte (wenn ich mich recht erinnere, war die Frau danach in die USA ausgewandert um dort Asyl zu beantragen – so sehr wurde sie von deutschen Behörden und Neonazis verfolgt – aber das ist eine andere Geschichte).  Aus diesem Forum meldete sich eines Tages ein Herr bei mir telefonisch, der mich gerne mal kennen lernen wollte.

Ich war verblüfft – und noch verblüffter war ich, als das Telefonat beendet war. Ich erfuhr, dass ich ein „Geistkrieger“ sei – und das jener Herr … Bernhard Kornstedt … sich zur Aufgabe gemacht hatte, jene Geistkrieger zusammeln, um gegen eine kommende Dunkelheit anzugehen und die Menschen vor Unheil zu schützen. Man hätte das leicht als Unfug abtun können – wäre Herr Kornstedt („Bärenherz“) nicht ein ausgebildeter Religionswissenschaftler gewesen – und somit für mich ein „Bruder im Geiste“.

Was folgte, waren jahrelange Telefonate, nahezu jeden Sonntag morgen rief er an um verschiedene Dinge zu besprechen – und ich merkte schnell, dass hier jemand eine lebendige Kultur repräsentierte und rational einwandfrei belegen konnte, die ein Hans Peter Duerr als verstorben und ausgerottet erachtet hatte. Für einen Erkenntnistheoretiker war es hoch interessant, hier jemanden zu sprechen, der sehr rationale Emotionen als Instrumentarium der Wahrheitsfindung benutzte und so in einem Weltbild lebte, dass – ja- das ursprünglichste religiöse Weltbild der Menschheit praktizierte, ohne irgendeine Anbindung an irgendwelche Lehren oder dogmatische Systeme zu haben. Heutzutage würde man es „Schamanismus“ nennen – obwohl man gleich warnen muss: wo in Deutschland offen „Schamanismus“ verkauft wird, ist mit fast absoluter Sicherheit keiner drin – so wie in der gesamten zum Konsumgut verkommenen „Esoterik“.

Anders jedoch die wissenschaftliche Bedeutung: die Existenz einer solchen Kultur ohne Anbindung an Glaubenslehren deutete primär – nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit – darauf hin, dass hier kein „Glauben“ sondern eine „Wahrheit“ gelebt wurde: ein idealer Mensch, um Medizinern klar zu machen, dass man ganz vernünftig, plausibel und rational nach den Maximen westlicher Wissenschaftlichkeit ein Weltbild leben konnte, dass konträr zu den Dogmen der Gegenwart stand – und vor allem politsch äußerst brisant war.

Politisch? Nun – nach den Öffnungen der Archive des Vatikan zum Thema Hexenverbrennungen und Auswertung historischer Dokumente hatte sich gerade zur damaligen Zeit eine kleine Revolution ereignet (ob dies im Internet schon dokumentiert ist, kann ich momentan nicht sagen): zwar schrieb ein Mönch den Hexenhammer, aber eingesetzt wurde dieses Werk von der weltlichen Obrigkeit, hauptsächlich von Ärzten (die die Konkurrenz durch die Hebammen ausschalten wollten – ein gerade dieser Tage hochaktuelles Thema) und den Juristen, aber auch von einer Gruppe skrupelloser Machtmenschen, die vor allem eins im Sinn hatten: sich selbst an die Stelle Gottes zu setzen (auch ein hochaktuelles Thema, der Papst hatte sich kürzlich dazu geäußert). Die Folgen dieser Entwicklung nennen wir „Kapitalismus“ – und er wurde in der Neuzeit vorbereitet durch Auslöschung jeglicher lebendiger Religiösität, ein Prozess, der heute stringend durch den „Krieg gegen den Terror“ – der in Wahrheit ein Krieg gegen den Islame, die letzte, ernsthafte Großreligion, ist – fortgeführt wird.

Im Kontakt mit „Bärenherz“ habe ich viele interessante Menschen kennenlernen können – und einen Einblick in eine lebendige, religiöse Gegenkultur gewonnen, der Betriebsratsvorsitzende, Boxer, Unternehmensberater und Radiomoderatoren angehören – oder ehemalige Bundestagsabgeordnete der Grünen, die sich voller Entsetzen vor den kalten Machtspielen im Bundestag vom politischen Treiben abgewandt haben, um ihre Seele nicht zu verunstalten. Menschen, die im klaren Bewusstsein einer parallelen Realität leben, die zu den ältesten Paradigmen der Menschheit weltweit gehören: der sicheren Gewissheit, dass es jenseits der Welt, die unseren Sinnen zugänglich ist (und immer noch jenseits der Wirklichkeit, die wir mit unseren Apparaten ertasten können) eine andere Wirklichkeit gibt – unter anderem bevölkert mit intelligenten Wesen … die auch äußerst boshaft sein können.

Manchmal jedoch setzen die „Spirits“ auch Impulse ins Unterbewusstsein – zum Beispiel wenn ein Akt äußerst boshafter Dunkelheit droht …wie bei Amy. Manchmal rettet die Anderwelt Menschenleben – wenn man noch sensibel genug ist, ihre Stimme zu hören; wer durch massenhaften TV-Konsum aktive Innenweltvergiftung betrieben hat, wird da im Nachteil sein, die sehr leisen Stimmen der Anderwelt sind dann nicht mehr zu hören: man ist taub geworden.

Bernhard Kornstedt ist vor zwei Tagen gestorben – Anfang sechzig. Ein Schicksal, das ich in den letzten Jahrzehnten oft beobachten durfte: wer sich den geistigen Herren der Welt in den Weg stellt, wird selten alt. Ich bringe das manchmal in einen Zusammenhang mit der verblüffenden Beobachtung (die Textstellen dazu werde ich erst nach meinem Umzug wiederfinden, so lange sei das jetzt eine unterhaltsame Geschichte), dass die US-Armee die Medizinmänner der Indianer beseitigte – nicht so sehr ihre Kriegshäuptlinge. Der neue Geldgott wusste wohl, wer seine Erzfeinde sind. Mit Bernhard Kornstedt starb einer der letzten lebenden europäischen Schamanen, der sich sein Weltbild – wie es dort Tradition ist – nicht durch Theorie sondern durch praktische Arbeiten, Gespräche mit und Reisen durch die Anderwelt geschaffen hatte: wie es Wissenschaftler eben tun sollen. Und dieses Weltbild ist weltweit durch alle Zeiten das Gleiche – ein wahrer Fundus für undogmatische Wissenschaft.

Unsere Wissenschaft ist jedoch nicht undogmatisch – und deshalb ist sie auch schon lange keine mehr, sie ist Büttel des neuen Gottes „Geld“ geworden und verfolgt seine Widersacher bis aufs Blut – ohne Rücksicht darauf, ob sie nicht vielleicht doch eine Wahrheit leben, die größer und wichtiger ist als die, die noch in unseren Schulen gelehrt werden darf.

Unfug, meinen Sie? Meinte ich auch mal. Ich kann Ihnen als Angehörigen einer Gesellschaft, die Pornographie und Sexualität vergöttert, andere Kunde bringen: das, was an Orgien und sexuellen Ausschweifungen im Rahmen der europäischen „Anderweltkultur“ (wie ich sie nennen möchte, um einen Oberbegriff einzuführen) gelebt wurde (nicht nur in Griechenland unter dem Siegel des Dionysus), läßt selbst das hemmungsloseste westliche Bordell oder den verruchtesten Swingerclub als ein Nonnenkloster erscheinen. Es kann viel Magie und Zauber in der Sexualität liegen – und wer einmal davon genossen hat, ist mit Geld nicht mehr zu kaufen, noch an Bullshitarbeit zum Gelderwerb interessiert: er weiß, dass das Leben größere Genüsse bieten kann („gratis“, sozusagen), die auch den Geist weit über seine erlaubten Grenzen hinausführen können. Vielleicht ist das mit ein Grund für die Urlaubssucht des westlichen Menschen: man weiß, dass es Reisen gibt, die unglaubliche Wunder möglich machen … allerdings findet man sie nicht an den Stränden dieser Welt.

Die „Gegenkultur“ zu diesem „Anderweltkultur“ befindet sich im 21. Jahrhundert auf dem absteigenden Ast – um so mehr muss sie ums Überleben kämpfen … und um so mehr Erlebnisse wie die von Amy ignorieren, obwohl sie geeignet sind, allen Ansprüchen von „Wissenschaft“ gerecht zu werden. Nur zweihundert Jahre nach ihrem Sieg über die Kirche (die – als katholische Kirche – noch für viele „Zaubermenschen“ eine sichere Zuflucht bietet, wenn sie den richtigen Dress- und Verhaltenscode befolgen) hat die Kultur des dogmatischen Materialismus die Welt an den Rand der Vernichtung geführt: Massenvernichtungswaffen bestimmen das Kriegsgeschehen (das vor zweihundert Jahren von nordamerikanischen Eingeborenen noch als Spiel mit manchmal tödlichem Ausgang geführt wurde – und nicht als Massenvernichtungsorgie im Namen alternativloser „Kollateralschäden“), das politische System produziert trotz demokratischer Sicherheitsstrukturen einen Krieg nach dem anderen (was den Schamanen nicht wundert, weiß er doch, welch´ üble Dinge böse „Spirits“ den ungeschultem Geiste einflüstern können), das wirtschaftliche System hat sich in einen realitätsfernen Wahn verwandelt, jahrtausendealte Sozialsysteme („Familie“) stehen kurz vor der Vernichtung, die Umweltschäden ihrer unausgereiften und undurchdachten Technologien (der Erfinder des „Herrn der Ringe“ J.R.R. Tolkien nannte es mal „Orks, die den einen Ring gefunden haben“) verwüsten die Erde Tag für Tag, ihre Nebenwirkungen greifen desaströs in den Klimahaushalt des ganzen Planeten ein – und neben bei wird der Mensch (einst: Ebenbild Gottes) immer weiter zur bloßen Funktion, zum billigen Futter für die Maschine degradiert und gnadenlos aussortiert, wenn er nicht mehr für den Profit des Mammon dienlich ist.

Angesichts dieser desaströsen Bilanz ist es schon dreist, ältere Kulturen als „krank“ zu beschreiben und ihre Vertreter in die Psychiatrie zu überweisen – dabei werden wir womöglich die Hilfe dieser Kulturen (bzw. die Hilfe der Anderwelt) gut gebrauchen können, wenn die Rechnung präsentiert wird und der neue Turmbau zu Babel in sich zusammenfällt. Ja – die Selbstvergötterung des Menschen hatten wir schon mal, wir wissen, wie das endet – und wir wissen, wie die Menschen den Zusammenbruch überstanden haben.

Was bleibt noch zu sagen – zum Abschied eines Menschen aus unseren Kreisen … und zum Abschied einer Kultur, die ein hohes Maß an Lebensqualität auf niedrigem Verbrauchsniveau erlaubte?

Als ich Bernhard das erste mal persönlich traf (das letzte Mal war 2004 … ab 2005 waren mir solche Reisen nicht mehr möglich und ich hatte auf einmal ganz andere Probleme) schaute er mich an und sprach mit merkwürdigem Ton (den man leicht als „Bewunderung“ hätte deuten können): „Jetzt bist Du also endlich da“ … so als ob dieser Besuch von größter Wichtigkeit gewesen wäre. Es war im Krankenhaus, er war damals schon sehr angegriffen. Ich hätte gerne gewusst, was er da eigentlich in mir gesehen hatte – doch wir hatten so viele andere Themen, dass ich zu der Frage nie gekommen bin.

Und ich wüsste langsam endlich mal gerne, was ein „Geistkrieger“ ist. Werde ich nun wohl nie erfahren.

Das letzte Telefonat mit ihm ist übrigens ein paar Monate her – er war in Eile, getrieben von dem dringenden Gefühl „seine Arbeit fertig stellen zu müssen“.

Wie Amy gab ihm das Gefühlt recht.

Ach ja – das sei noch gesagt: mit dem Gefühl, dass der Menschheit großes Ungemach droht, hatten wir wohl nicht Unrecht. Leider bin ich von denen, die 2000 darüber gesprochen haben, der einzige Überlebende. Am 2001 haben es aber dann ja auch alle mitbekommen – und Hartz IV hat 2005 in Deutschland gezeigt, dass es auch wirklich jeden treffen kann, 2014 standen wir wieder kurz vor dem Ausbruch eines neuen großen europäischen Krieges … eine Gefahr, die jetzt festzementiert über uns schwebt.

Andererseits: wann war die Menschheit schon mal nicht von großem Ungemach bedroht.

Nur: früher wares es Naturkatastrophen, denen man siegreich als Gemeinschaft begegnete. Heute machen wir das selbst.

Oder lauschen den falschen Geistern.

 

 

 

Rotherham, Kindesmissbauch, Muslime und … Weltpolitik

eifelphilosoph_200

eifelphilosoph_200Donnerstag, 28.8.2014. Eifel. Es gibt Themen, zu denen habe ich keinen Zugang. Kindesmissbrauch, zum Beispiel. Der Begriff „Kind“ und der Begriff „Sexualität“ sind in meinem Hirn soweit getrennt wie die Begriffe „heiße Herdplatte“ und „Hand drauflegen“. Ähnlich gelagert war bei mir das Thema Vergewaltigung – es funktionierte nicht unter der Rubrik „Sexualität“, verstanden habe ich diese Handlungen erst, als ich sie unter der Rubrik „Macht“ abgespeichert habe, „Macht“ mit Querverbindung zu vernichtender Gewalt.

Ebenso habe ich Probleme mit dem Begriff „Islam“ oder „Moslem“. Für mich durchaus positiv besetzte Begriffe. Eingeführt in den Islam wurde ich durch eine überzeugte muslimische Psychiaterin einer deutschen Universitätsklinik, ihren Alltag erlebte ich bei Sufitänzen in moslemischen Zentren und ihre Zivilisationskritik teilen westliche Intelektuelle seit Jahrzehnten – ist ja auch nicht schwer, angesichts der Trümmer und Leichen, die diese Kultur weltweit hinterläßt … da hilft auch nicht das Mantra der Kanzlerin („Deutschland geht es gut“), um diese Tatsachen zu verdrängen, auch wenn Deutsche Mantren mögen („Wir marschieren zum ENDSIEG“ – war auch mal eins).

Obwohl ich dem Islam als einer hochethischen Religionsform sehr positiv gegenüberstehe, kann ich nicht umhin, gewissen Forderungen deutscher Politiker mit deutlicher Skepsis zu begegnen – wie zum Beispiel der Forderung des Sigmar Gabriel, mehr Muslime in öffentliche Ämter zu holen. Die Forderungen muten seltsam an, die Formulierungen sind haarsträubend (siehe: der Westen):

In Deutschland müssten nach Meinung von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) wesentlich mehr Muslime öffentliche Funktionen bekleiden. Es fehlten muslimische Richter, Staatsanwälte, Polizisten, Schulleiter. „Ich glaube, dass wir daran arbeiten müssen, Menschen Mut zu machen, sich sozusagen auch diesen Teil der deutschen Gesellschaft zu erobern“, sagte Gabriel am Mittwochabend beim Fastenbrechen in einer Kölner Moschee. 

Eine Religion aufzufordern, sich Teile des Staates zu erobern, klingt äußerst fremd in meinen Ohren. Wann werden praktizierende Esoteriker eingeladen, in die Verwaltung einzuziehen, wann Heiden und Schamanen? Auch hiervon gibt es in Deutschland eine Menge. Wann werden Christen und Atheisten aufgefordert, sich ihren Brocken Staat zu erobern? Seit wann qualifiziert eine Form der Religionsausübung zu einer öffentlichen Funktion?

Nun ja – wir haben es hier mit Politikern auf der Jagd nach Wählerstimmen zu tun … und sie reden hier mit den falschen „Kunden“. Die Moslems, die wir in der Eifel haben, sind sehr religiöse Menschen: kein Fernsehen, kein Fleisch, kein Konsumterror – es sind Menschen, von denen man sich wünscht, es würde mehr von ihnen geben, da sie den Ressourcen dieses Planeten gut tun.

Nun – von diesen Aspekten erfährt man in den Medien wenig, hier ist Religion seit 13 Jahren Feindbild – besonders die muslimische Form der Religion. Gut, es wird mokiert, dass sie kein gutes Bild von unserer Kultur haben – doch das kenne ich von Iranern seit der frühen Studienzeit: „Deutsche Frauen sind Huren“ – hieß es Anfang der achtziger Jahre …. und die Herren benutzten sie auch so. Waren allerdings keine sonderlich gläubigen Muslime, sondern Jungs mit dem Hauptberuf „Sohn“.

Was die Medien uns predigen, ist die Mär von einer rückständigen, barbarischen Sekte, die nicht zu kontrollieren ist und ausgerottet gehört. Ausgerottet? Ja – für die „Terrormilizen“ gibt es keinen Platz im 21. Jahrhundert – das meint wenigsten Präsident Obama, der mächtigste Mann der Welt (siehe Spiegel). Mir wird bei solchen Formulierungen sehr mulmig – lese ich doch mehr als nur die amtlich abgesegneten Medien. In den USA selbst zum Beispiel finden wir die „Current News„, die ein wunderschönes Foto von John McCain im engen Schulterschluss mit den „Terrormilizen“ zeigen – zu einer Zeit, als man die noch gegen Syrien einsetzen konnte. Damals hießen sie noch „Rebellen“ – und nicht „Terrormilizen“ … man muss hier fein differenzieren.

John McCain? Ja, genau der McCain, der davon ausging, dass der arabische Frühling bald auch China erreicht (siehe Standard) und der ebenfalls in Kiew auf dem Maidan auftrat (siehe Tagesschau) – bevor der Krieg ausbrach, der immer mehr Weltkrieg wird.

Darf man in diesem Zusammenhang daran erinnern, dass augenscheinlich auch Osama bin Laden in den Diensten der Geheimdienste stand – bis zum 11.9.2001 (siehe Hintergrund)?

Man muss sich diese Verwicklungen vor Augen halten, wenn man sich nun einem Thema widmet, dass gerade Großbritannien aufwühlt: die unglaubliche Geschichte von sexuellem Missbrauch von 1400 Kindern in der Stadt nordenglischen Stadt.Rotherham (siehe Spiegel). Eine reißerische Geschichte – die allerdings uralt ist. Wir finden sie schon im Tagesspiegel aus dem Jahre 2011:

Zwar sind 80 Prozent der Sexualstraftäter in den Gefängnissen weiße Briten, aber nun sind die Zeitungen voll von Berichten über organisierte Banden von pakistanischstämmigen Muslimen, die weiße Mädchen systematisch als „Sexsklaven“ heranziehen. Nach Berichten der „Times“ wissen Polizei und Behörden schon lange von diesen „systematischen Misshandlungen“, unternahmen aber nichts – aus Furcht, Rechtsextremisten in die Hände zu spielen.

Diese Furcht vor den Rechtsextremisten scheint wohl auch die Zeit dazu animiert zu haben, den Hinweis auf Abstammung und Religionszugehörigkeit zu vermeiden und den Blick auf einen anderen Aspekt zu lenken (siehe Zeit):

In etwa einem Drittel der Fälle seien die Opfer bereits bei Kinderschutzeinrichtungen bekannt gewesen. Die Polizei der nordenglischen Region South Yorkshire habe den Ermittlungen keine Priorität eingeräumt und „viele der Kinder, die Opfer waren, mit Verachtung betrachtet“, sagte Jay.

Der Stern verdeutlicht dieses Versagen noch weiter:

Zwischen 2002 und 2006 habe es bereits drei Untersuchungen gegeben, die „in der Beschreibung der Lage in Rotherham nicht klarer hätten sein können“. Sie seien aktiv zurückgehalten oder ignoriert worden. „Das Versagen der örtlichen Behörden, das der Bericht bloßgestellt hat, ist erschreckend“, sagte der Regierungssprecher in London.

Nahezu wortgleiche Artikel findet man im Handelsblatt oder in der FAZ

Das Versagen der Behörden wird zum Hauptthema, vergessen wird, dass es sich hier um systematischen, ritualisierten Missbrauch handelt, der mehr als nur eine Stadt betraf (siehe BBC):

Rotherham was not the only community in the North and the Midlands to have uncovered such abuse. There have also been arrests or prosecutions of groups of men in 11 towns and cities, including Oldham, Rochdale and Derby.

Wo laufen wir jetzt hin mit unserer Mistgabel? Muslime jagen? Oder lieber die englische Verwaltung?

Halten Sie bitte noch einmal ein wenig inne – und legen Sie die Fackel erstmal wieder weg. Wir sind noch nicht fertig mit der Erarbeitung aller Facetten, die zur Urteilsfindung nötig sind. Lassen Sie uns erstmal zwei weitere Begriffe betrachten: „Kindesmissbrauch“ und „Großbritannien“. Hierzu gibt es auch Informationen, die überhaupt nichts mit dem Thema „Islam“ zu tun haben (siehe Tagesanzeiger):

Kein Tag scheint diesen Sommer zu vergehen, an dem nicht neue, schockierende Nachrichten über Kinderpornografie und den Missbrauch von Minderjährigen an die Öffentlichkeit kommen in Grossbritannien. Kürzlich erst hat die Polizei nach einem landesweiten Grosseinsatz die Verhaftung von 660 Personen gemeldet. Lehrer, Ärzte, Sozialarbeiter und ehemalige Polizeibeamte sind darunter, von denen einige bereits in Untersuchungshaft sitzen. 10’000 Namen insgesamt will die Polizei – einem Bericht der Londoner «Times» zufolge – auf ihrer Pädophilen-Liste haben.

Wir erfahren in dem Artikel noch mehr – Geschichten über eine 80-jährige Richterin, die den Opfern nicht wohlgesonnen ist, verschwundene Beweise gegen hochrangige Politiker … der Fall scheint einen anderen Geschmack zu bekommen. Erinnern Sie sich an den Fall Marc Dutroux? Ja, genau, der „Einzeltäter“, der immer behauptete, nur Zulieferer für einen Pädophilenring in höchsten Kreisen zu sein. Eine völlig unglaubwürdige Geschichte, gegen die viele Fachleute Sturm gelaufen sind. Man würde ihr auch nicht weiter nachgehen brauchen, wenn nicht … ja, wenn nicht das ZDF auf eine kleine Seltsamkeit hingewiesen hätte: in der Dokumentation „Marc Dutroux und die Kinderschänder“ vom 30. Januar 2001 werden 27 Todesfälle von Zeugen beschrieben, die in dem Prozess gegen Dutroux aussagen sollten – die Aufklärungsgruppe Krodokil hat den Fall Dutroux samt der Merkwürdigkeiten in einer umfangreichen Arbeit dokumentiert, in der man auch einiges über diese Todesfälle nachlesen kann.

Im Zusammenhang mit dem Artikel vom Tagesanzeiger erkennt man beunruhigende Paralellen im Umgang der Behörden mit systematischem und ritualisierten Kindesmissbrauch. Doch damit nicht genug: neben Großbritannien und Belgien hatte auch Portugal seinen Missbrauchsskandal (siehe Süddeutsche Zeitung):

Nach einem Marathon-Prozess spricht ein Gericht in Lissabon die Urteile gegen einen Pädophilenring: Bis zu 18 Jahre müssen dessen Mitglieder hinter Gitter – Politiker und Fernsehstars sollen jahrelang in einem Kinderheim missbraucht haben.

Fernsehstars? Da war doch was?

Natürlich – wieder zurück nach Großbritannien, wo neben Gary Glitter (siehe Spiegel) und Rolf Harris (siehe Spiegel) vor allem Jimmy Savile im Kinderschändergedächtnis geblieben ist (siehe FAZ):

Seine Opfer waren zwischen fünf und fünfundsiebzig Jahre alt. Die Vorwürfe reichen von anstößigen Bemerkungen bis hin zu drei Vergewaltigungen. Savile, der 2011 im Alter von 84 Jahren starb, soll sogar Tote geschändet und die Glasaugen von Toten als Ringe getragen haben.

Tote schänden, Leichenteile tragen? Wo kommen wir denn da hin? Richtig – weg vom Islam, hin zum rituellen Kindesmissbrauch im Satanismus, den es – folgen wir den Einträgen bei Wikipedia zur „rituellen Gewalt“ eigentlich gar nicht gibt. Außer natürlich in Rotherham – oder ist der systematische Missbrauch nicht-muslimischer Mädchen durch eine große, weit verzweigte „pakistanische“ Bande etwa nicht rituell? Nun – das hängt immer von der Definition ab – aber mir fallen ein paar dazu ein, die funktionieren würden – gerade im Bezug auf die „Heiligkeit“ der muslimischen Mädchen und die „Abartigkeit“ der westlichen Kinder, die abgestraft werden mußten (siehe Wikipedia):

Rituelle Gewalt ist eine Form der organisierten Gewalt. Sie wird in Gruppierungen ausgeübt, die ihre Handlungen in ein Glaubenssystem einbetten oder ein Glaubenssystem vortäuschen.

Richtig – wir sind jetzt voll im antiislamischen Fahrwasser. Doch bevor wir mit Feuer und Mistgabel die nächste Dönerbude niederbrennen, sollten wir vielleicht kurz innehalten. Sicher – wir kommen hier in Bereiche der verbotenen politischen Wahrheitstheorien (von der Täterseite her gerne als „Verschwörungstheorien“ verharmlost), plötzlich fällt uns auch der Bohemian Grove auf, ein weiterer Tummelplatz der politischen, wirtschaftlichen und medialen Elite, die dort lustig kostümiert vor einer Eulenstatue (unter anderem das Symbol der kinderfressenden Göttin Lillith) Brandopfer von Kindern simuliert – Themen, die der sensationshungrige Main-Stream in den Medien nicht weiter untersuchen möchte … seltsamerweise.

Und ja: es gibt Gerüchte, das George Bush, sein potentieller Nachfolger McCain und Obama dort im Jahre 2008 zusammentrafen – aber es sind wirklich nur Gerüchte.

Sie merken vielleicht: ich möchte die Dönerbude vor dem impulsiven Niederbrennen schützen – und lieber erstmal zum Nachdenken anregen.

In das abartige Denken von Kinderschändern kann ich mich – wie anfangs geschildert – noch nicht mal bruchstückhaft hineindenken. Aber das Thema Macht – das ist leichter zu begreifen.

Tja – Pakistan. Der große Verbündete der USA im Kampf gegen den Terror, einzige „islamische“ Atommacht, deren Geheimdienst scheinbar in die Finanzierung eines der Attentäter von nine-eleven verstrickt war (siehe Dawn – eine weit verbreitete englischsprachige Zeitung in Pakistan). Kann es sein, dass man da als Verschwörer schnell Freunde findet – aus alter Gewohnheit heraus?

Oh weih – jetzt bewegen wir uns schon wieder in den Bereichen „verbotenen“ Denkens, jenes Denkens, das vermutet dass Plan und Absicht hinter politischen Taten stecken – anstatt Würfel und Roulette.

Ein John McCain in Rotherham, der eine pakistanische Bande zu unglaublichen sexuellen Exzessen anstachelt? Nun – sicher nicht er selbst … aber „interessierte Kreise“, die Zwietracht und Hass säen wollen – wie in Syrien, im Irak, Libyen, in Ägypten, in China, Russland und der Ukraine?

Braucht man nicht eine gewisse „Stimmung“, um dafür zu sorgen, das für Muslime im 21. Jahrhundert kein Platz mehr ist? Braucht man dafür nicht die Mitarbeit breiter Bevölkerungskreise? Ließe sich das duldsame Verhalten der britischen Behörden in dieser äußerst ekelerregenden Angelegenheit nicht auch ganz anders erklären … und sei es nur mit dem geflüsterten Hinweis, dass alle Berichte über „sexuellen Missbrauch im Köngreich ihrer Majestät“ einem großen Tabu unterliegen? Einem Tabu, dessen Bruch tödliche Folgen wie in Belgien haben kann?

Von kriegstreibenden Kreisen instrumentalisierte Moslems – mit politischem Druck in die deutsche Verwaltung gebracht – können gesellschaftliche Gefüge schon ziemlich auseinandertreiben.

Ein Horrogemälde?

Sicher.

Es geht aber bei der Wahrheitsfindung nicht darum, dass nur das wahr zu sein hat, was der Bundeskanzlerin bei der Steuerung der Bevölkerung nützt. Als demokratische Zivilgesellschaft sollten wir – erst recht nach den real vorhandenen folgenreichen Manipulationen der letzten Jahre – gelegentlich mal die Pfade des „erlaubten Denkens“ verlassen.

Dazu gehört auch, dass sich die Berichte in Deutschland auf die schottische Professorin Alexis Jay zurückgehen … kurz vor einer Abstimmung über Schottlands Selbständigkeit – was ganz andere mögliche Hintergründe der Geschichte aufzeigen kann.

Wohin also nun mit Fackel und Mistgabel, aufgeputscht, wie wir gerade sind?

In den Keller, wo sie keinen Unfug anrichten können. Jedenfalls solange, bis uns klar wird, wer warum welche Information wo und wann zu welchem Zwecke veröffentlicht – und wie wahr diese Informationen eigentlich sind.

Und wer jetzt die Verschwörungstheorie formuliert, dass der Gabriel Al Kaida (oder andere, vom CIA missbrauchte Idealisten – Entschuldigung: Terroristen) in die Stadtverwaltung von Bielefeld einschleusen will … der tut das auf eigene Gefahr.

Wer sich aber jetzt aufmachen möchte, mal gründlich zu recherchieren, was bezüglich Kindesmissbrauch in Europa hinter den Kulissen der wohlfeilen Elite vor sich geht, wird in mir einen eifrigen Leser finden – mir selbst ist, wie geschildert, das Thema zu fremd ….allerdings fällt es mir schwer, es auf Muslime in Rotherham zu reduzieren.

 

Prostitution verbieten? Ist alternativlos.

Prostitution verbieten? Ist alternativlos.

Dienstag, 19.11.2013. Eifel. Kürzlich erfuhr ich, dass die Wohungen aller Männer gleich aussehen.  Meine nicht – ich war verwundert. War ich etwa kein Mann? Nun – mit sieben Kindern scheine ich einen gewissen männlichen Aspekt zu besitzen. 30 Jahre durchgehend in Beziehungen zu sein, spricht wohl auch dafür. Nun – ich sei halt Philosoph wurde mir entgegnet, das würde man eben merken. Gut – mit solchen Komplimenten kann man meine ausgeprägte Staubtoleranz geschickt überspielen, ebenso meinen langsam gewachsenen Hang, eine Gruppe Weberspinnen den Aufenthalt in der Wohnung zu gestatten – sie halten die Insektenpopulation klein … auf dem Land ein wichtiges Argument. Ich schicke diese Worte meinen Überlegungen voraus, weil ich versprochen hatte, mich einem Thema zu widmen, dass mir äußerst fremd ist: der Prostitution. Dabei hatte ich schon mal Kontakt zu einer Prostituierten. Während des Zivildienstes (damals noch nur nach bestandener Gewissensprüfung möglich) war ich Wachpersonal in einem Männerwohnheim, wo ich gelegentlich käufliche Frauen aus Schränken holen musste – ich hatte ein robustes Mandat, wie man so schön sagt. Mit einer habe ich mich mal länger unterhalten – und sie dann ohne Anzeige gehen lassen, trotz Beischlafdiebstahl. Da war so viel Notlage, so wenig Sexarbeiterinnenprofessionalität – da musste man ein Auge zudrücken: das junge Mädchen wollte eigentlich nur das Geld und konnte auf den Sex mit den beiden übel riechenden Herren gut verzichten.

Ansonsten reichten mir vertrauenswürdige Schilderungen über die Qualität der „Erotik“, die einen dort erwartet, um den Bereich weiträumig zu meiden – sogar als Ärzte mir anboten, 100 teuerste Packungen eines beworbenen Medikamentes zu verordnen, wenn man mich auf einer Reeperbahnbühne sehen würde. Ich glaube – das war dann meine zweite Begegnung mit Prostitution – die eher alltägliche Form käuflichen Verhaltens. Nein – ich habe das Angebot eher unfreundlich abgelehnt … konnte es mir auch leisten, hatte sowieso schon den meisten Umsatz in Deutschland. Was dieser Arzt sonst noch so treibt – mit Menschen, die weniger gut im Sattel sitzen – will ich gar nicht genau wissen.

Nun habe ich über das Bordell Deutschland geschrieben. Prostitution wird Industrie. Wie immer, wenn Industrie im Spiel ist – Nahrungsmittelindustrie, Pflegeindustrie, Bildungsindustrie, Behandlungsindustrie – wird es dort schnell unmenschlich, gefühllos und entartet … da macht die Sexindustrie keine Ausnahme.

Natürlich bin auch ich in den neunziger Jahren auf den Legalisierungstripp hereingefallen: das Fernsehen war auf einmal voller glücklicher Prostituierter, die mit unglaublichen Zahlen um sich schmissen (2000 – 3000 Euro die Nacht) und man fragte sich: wenn diese Frauen das gerne machen: warum eigentlich nicht? Ist es nicht so, dass „Ehe“ im Prinzip ein ähnlicher Tausch – Sex gegen lebenslängliche Rundumversorgung – ist? Nun – heute vielleicht. Als bekennender Sozialromantiker hatte ich andere Vorstellungen von Beziehung und Ehe – aber was soll´s: bin ja auch geschieden … und das Geld spielte trotz Spitzeneinkommen dabei eine wichtige Rolle – es war halt immer zu wenig.

Im Prinzip ginge mich das Thema also nichts an – wenn nicht die Legalisierung dieses Berufes Nebenwirkungen hätte wie alle anderen Industrien auch: wo die Nachfrage nicht künstlich gebremst wird, wird ein Druck (oder Sog) erzeugt, der kriminelle Machenschaften blühen lässt. Diese Prosititution findet halt nicht nüchtern im luftleeren Raum statt: „Sex sells“ gilt überall – und von jungen Männern, die aus anderen Kulturen zum Studium zu uns kommen, habe ich schon den Kommentar vernommen, dass sie deutsche Frauen alle für Prostituierte halten. Man gehe mal offenen Auges durch eine Großstadt. Was einen dort alles paarungsbereit auf großen Plakatwänden, Auslagen, Fernsehmagazinen und Hochglanzbroschüren anstrahlt, ist schon überwältigend: Kopulation als Lebenssinn, als Erfüllung allen Seins.

Die Nachfrage – so halten wir fest – wird in großem Umfang mit viel Aufwand produziert. Das Männer da überhaupt noch zum arbeiten kommen, scheint unmöglich. Oder die Theorie ihres übergroßen Triebes ist einfach … falsch.

Im Rahmen der Industrialisierung von Sexarbeit kehrt sich ein ehedem vielleicht freiwilliges Arbeitsverhältnis um. Zahle ich 175 Euro die Nacht für ein Zimmer (5250 Euro im Monat), dann muss ich das erwirtschaften. Da muss man als Frau schon eine halbe Hundertschaft über sich ergehen lassen – und hat noch keinen Euro Gewinn. Andererseits …. ist die Verlockung natürlich groß, diese Zimmer – wenn erst mal vorhanden – mit hilflosen Menschen aus aller Welt zu füllen. Ist erstmal ein Kostendruck da, fallen schnell alle Hemmungen.

Prostitution verbieten – schon jetzt kann man sagen: na klar. Doch da kam in einer Facebook-Diskussion gleich eine Frage auf:

Und was machen hässliche, alte Männer, die niemand zum Sex will? Sollen die ohne die Möglichkeit des käuflich Sexs vergewaltigen?? Frage n La M.

Tja – wenn Männer wirklich so drauf sind (ich bin es eher nicht, kann das also nicht beurteilen) dann muss man diese unberechenbaren Gestalten als zivile Gesellschaft zum Schutz der Schwächeren (Kinder zum Beispiel) einfach einsperren: man weiß ja nie, wie die gerade drauf sind. Eventuell brauchen die auch zwecks Ausgang eine Begattungsbescheinigung, die belegt, dass von ihnen die  nächsten 8 Stunden keine Gefahr ausgeht?

Gerne hätte ich auch eine Gegenfrage. Was ist den mit den ganzen hässlichen alten Schwulen, die keinen Mann abkriegen? Sollten da nicht alle Männer mal mithelfen, dass die nicht so unbegattet in der Landschaft herumstehen? Ich kenne alternde Schwule – die haben echte Not, weil sie aus dem Attraktivitätsrahmen ihrer Spielkameraden herausgefallen sind. Gedenke ich der ausgeprägten Homophobie des deutschen Mannes, kommen mir gleich unzählige ulkige Situationen in den Sinn – doch lassen wir das, wir sind nicht zum Spaß hier.

Ein weiteres Zitat?

Ohne spießige, langweilige, unerotische Ehen kein Prostitutionsbedarf..frag die Nutten..die wissen´s!

Ja – das ist der Anspruch, der sich inzwischen in Deutschland erhebt: gebärden sich die Frauen nicht wie Nutten, sind sie selbst Schuld, wenn ihre Männer ins Bordell gehen. Nutten als Normstandard.

Was diese Aussagen gemein haben: das absolute Recht des Mannes auf Sex – und die nicht hinterfragbare Pflicht der Frau, diesen zu liefern, gern auch ganz unkompliziert und gegen Geld. Da blickt man auch über die Zwangsprostituion gerne hinweg.

Man darf sich gerne mal das Buch von Mandy Koop anschauen, wie glücklich Kinder durch Zwangsprostitution werden. Die können ihr Leben lang kaum eine normale Beziehung mehr führen. Wieviel Geld ist so eine zerstörte Seele wert? Auch stolze, selbstbewußte, freie Prostituierte berichten über solche Probleme (siehe: Mein Job ist Sex, ZDF-Produktion aus dem Jahre 2012).

Und was ist mit dem Heroenbild der freien, selbstbestimmten Sexarbeiterin? Nun – eine Erfindung der Medien. Hören wir dazu die Stimme der Wissenschaft, zitiert bei Cicero im Jahre 2013, die sich dieses Themas umfangreich angenommen haben:

Ähnlich dünn sieht es bei der Medienforschung aus. „Unzureichend“, befand Tina Knaut, die für ihre Diplomarbeit zur Berichterstattung über Sexualität 87 wissenschaftliche Werke zwischen 1985 und 2010 durchforstete. Ihre Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass die Verharmlosung der Prostitution schon in den 90er Jahren einsetzte.

Knaut kommt am Ende ihrer Arbeit zu der ernüchternden Erkenntnis: „Es überwiegt eine patriarchale Sichtweise, die Sex lediglich als risikofreien Spaß versteht. Eine ernsthafte Berichterstattung mit einer politischen Komponente findet kaum statt.“

2007 berichtete der Spiegel über die Erfahrungen, die man in Schweden mit dem Thema gemacht hat:

Jetzt ist auch die Krankenschwester im Prinzip für das Sex-Kaufverbot. Für sie gehört Prostitution abgeschafft. „Es stimmt: Glückliche Huren gibt es nicht. Die meisten, die ich im Laufe der Jahre hier kennengelernt habe, wurden schon in ihrer Jugend durch Verwandte sexuell missbraucht und haben große psychische Probleme“, sagt sie. „Da ist wenig Freiwilligkeit.“ Wer länger dabei ist, nehme Drogen oder Beruhigungsmittel. „Das ist kein normaler Beruf. Ich wünsche allen, dass sie da wieder rauskommen.“

Nun – nach dem letzten Artikel haben sich hier auch Eskortdamen gemeldet, die uns (oder mich) davon überzeugen wollten, dass das doch alles gar nicht so schlimm sein. Liebe Damen: ich zweifle nicht an der Tatsache, dass es Frauen gibt, die sich gerne verkaufen. Es gibt auch Frauen, die sich gerne schlagen lassen, sich gerne mit Urin übergießen lassen (man nennt dies vornehm „Natursekt“, gehört in einem Nachtclub zu den handelsüblichen Dienstleistungen, die man als Frau gelegentlich – neben anderen, ebenso unappetitlichen Verrichtungen – gegen Geld über sich ergehen lassen muss). Es gibt auch Männer, die lassen sich gerne aufessen. Andere bringen gerne Leute um, wälzen sich in Kot oder foltern kleine Kinder – all´ solche Gestalten tauchen vor meinem inneren Auge auf, wenn ich an „Einzelfälle“ denke. Die Aufgabe der Philosophie ist aber nicht die Frage, ob Menschen seltsame Hobbys haben dürfen, sondern ob man das als gesellschaftlichen Normzustand akzeptieren sollte … oder eben nicht.

Was für mich hier eher zählt als der Einzelfall sind die Studien – vor allem die über die seelischen Folgen, siehe Wikipedia:

Prostituierte und Stricher sind nach einer kanadischen Studie eine Hochrisikogruppe für psychische Störungen. Häufig findet man bei ihnen erhebliche Störungen. Viele Prostituierte leiden an psychischen Traumata, die in ihrer Vergangenheit und durch ihre Tätigkeit bedingt sind. In der Studie kam sexueller Missbrauch von Kindern bei 26–73 % vor. An körperlicher Kindesmisshandlung litt etwa die Hälfte der untersuchten Prostituierten. Auch sonstige potentiell Trauma auslösende Situationen sind häufiger bei Prostituierten zu finden als bei anderen Menschen.

In Hamburg wurde bei 98 % der untersuchten Prostituierten mindestens ein traumatisches Ereignis in der Vergangenheit festgestellt. Bei 83 % fand sich bereits ein Trauma in der Kindheit (familiäre Gewalt 70 %, körperliche Misshandlung 65 %, sexueller Missbrauch 48 %). Während der Prostitution erfahrene Traumata fanden sich ebenfalls bei 83 % (körperlicher Angriff 61 %, Vergewaltigung 61 %, Bedrohung mit einer Waffe 52 %). 53 % erreichten einen Krankheitswert im Sinne einer posttraumatischen Belastungsstörung. Missbrauch und Abhängigkeit von illegalen Drogen fanden sich bei 74 %. Internationale Vergleichsstudien ergaben ähnliche Befunde.

Prostitution macht krank – oder: nur Kranke lassen sich für Natursektduschen bezahlen.

Das geht übrigens noch weiter. Aus der Pornofilmindustrie weiß ich, dass die Verwertbarkeit der Damen im Alter nachlässt. Wo landen sie dann? Bei Sex mit Tieren. Ja – es gibt einen nie ausgesprochenen aber unter Männern ewig gültigen Satz, dass Frauen eben so sind: kriegen die keinen Kerl mehr ab, nehmen die auch einen Esel. Hat man ja oft genug im Film gesehen.

Nun werden wahrscheinlich 40 Millionen Freier und 400 000 Dienerinnen des Eros vor meiner Tür demonstrieren, um mich davon zu überzeugen, dass mein Urteil zu diesem Thema falsch ist. Es gibt vielleicht auch die eine, glückliche Prostituierte. Viele davon traten ja im Fernsehen auf – aber welchen Wert haben Aussagen, die gewünscht sind und gegen Bezahlung gemacht werden? Wie ernst darf ich die Aussagen von Frauen nehmen, die sich sogar für Sex bezahlen lassen?

Nun – eher interessiert mich, welche Absicht die Medien mit ihrer Dauerkampagne haben – das ist die viel brisantere Frage, der wir heute aber nicht nachgehen wollen. Ein Ergebnis ist klar: Deutschland ist Billig-Bordell geworden, aus den Traumhonoraren von 3000 Euro sind – für den edlen Escortservice – 300 Euro geworden … für die Firma, die diese Dientsleistung organisiert. Für die Dame vor Ort bleibt weniger übrig (Angaben eines Escortservices in Aachen).

Heute geht es nur im Prostitution – und die gehört leider wegen Risiken und Nebenwirkungen strikt verboten. Ich weiß – das ist schade, weil käuflicher Sex für viele das Höchste der Genüsse ist. Es geht aber nicht anders.

Ich weiß auch, dass es Menschen gibt, die das gerne machen. Andere ritzen sich gerne mit spitzen Dingen – und wir halten sie auch davon ab.

Die offensten und bekennensten Sexarbeiterinnen haben mich davon überzeugt. Warum? Quer durch alle Interviews wollen sie gewisse Intimitäten für sich behalten: der Kuss auf den Mund wird oft genannt. Wieso eigentlich? Wenn das alles so harmlos ist … warum ist das so wichtig?

Ganz einfach: weil es eben nicht harmlos ist. Es wird nur mit großem Aufwand als harmlos dargestellt.

Das man Menschen findet, die für Geld vor laufender Kamera von ihrem großen Glück als Hure reden, bezweifle ich nicht. Das manche das auch ernst meinem, ebenfalls nicht – immerhin weiß ich, dass ich in einem Land lebe, in dem Angela Merkel als Superstar gilt – das erklärt vieles. Das Urteil über Prostution ändert das nicht: sie gehört streng verboten – und die Freier zu bestrafen, scheint mir die eleganteste Lösung zu sein. Sie zu verbieten, dürfte auch im Interesse der Prostituierten liegen: ihre Freigabe hat nur die Preise versaut.

Und man komme mir jetzt nicht mit dem Satz, dass es Prostitution schon immer und ewig gab. Erstmal gilt das auch für Sklaverei – obwohl es Menschen gibt, die sich gerne versklaven lassen, verbieten wir sie … jedenfalls offiziell.

Und Indiander kannten sie so gut wir gar nicht – bis Kolumbus kam.

 

 

 

Die Frau in Deutschland im 21. Jahrhundert: ein Stück Fleischmarkt im wüsten Land

Freitag, 20.7.2013. Eifel. Ein schöner, sonniger Tag. Viel zu schön, um vor dem Bildschirm zu sitzen und ein paar nutzlose Worte zu machen - so jedenfalls würden viele heute denken. Das ich nicht so denke, ist jedem klar, der diese Zeilen liest. Da das mediale Imperium der Konsumterroristen (also jener Individuen, die die Ressourcen dieses Planeten gezielt in Müll verwandeln - Tag für Tag, ungestraft und als "Elite" umschmeichelt) aber nicht schläft und jeden Tag seine "Wahrheiten" auf allen Kanälen herausposaunt, dürfen jene, die sich ihm in den Weg stellen wollen, nicht ruhen, selbst wenn Fußball oder Talkshow im Fernsehen ist. Leider sehen das viele anders, weshalb sich in Deutschland nie etwas ändern wird - es sei denn, durch die vernichtende Gewalt verlorener Kriege. Wir verlieren gerade wieder einen - einen Wirtschaftskrieg diesmal, der erst viel später zum heißen Krieg wird - aber solange Schalke spielt, kommt das beim Bodensatz dieses Landes nicht an.  Zum Bodensatz gehören inzwischen viele, für ein echtes Mittelschichtsgehalt (nach Kaufkraft, nicht nach Zahlen) bräuchte man schon 94 000 Euro - im Monat. Das haben viele, die zur Mittelschicht gehören  - wir erfahren das nur nicht, weil sonst der schöne deutsche Wohlstandsmythos zusammenbrechen würde - und wir sind ja so schön stolz darauf, dass es uns so viel besser geht als den Negern in Namibia ... dabei ist auch das eine Lüge, siehe Leiharbeit-abschaffen:

Freitag, 20.7.2013. Eifel. Ein schöner, sonniger Tag. Viel zu schön, um vor dem Bildschirm zu sitzen und ein paar nutzlose Worte zu machen – so jedenfalls würden viele heute denken. Das ich nicht so denke, ist jedem klar, der diese Zeilen liest. Da das mediale Imperium der Konsumterroristen (also jener Individuen, die die Ressourcen dieses Planeten gezielt in Müll verwandeln – Tag für Tag, ungestraft und als „Elite“ umschmeichelt) aber nicht schläft und jeden Tag seine „Wahrheiten“ auf allen Kanälen herausposaunt, dürfen jene, die sich ihm in den Weg stellen wollen, nicht ruhen, selbst wenn Fußball oder Talkshow im Fernsehen ist. Leider sehen das viele anders, weshalb sich in Deutschland nie etwas ändern wird – es sei denn, durch die vernichtende Gewalt verlorener Kriege. Wir verlieren gerade wieder einen – einen Wirtschaftskrieg diesmal, der erst viel später zum heißen Krieg wird – aber solange Schalke spielt, kommt das beim Bodensatz dieses Landes nicht an.  Zum Bodensatz gehören inzwischen viele, für ein echtes Mittelschichtsgehalt (nach Kaufkraft, nicht nach Zahlen) bräuchte man schon 94 000 Euro – im Monat. Das haben viele, die zur Mittelschicht gehören  – wir erfahren das nur nicht, weil sonst der schöne deutsche Wohlstandsmythos zusammenbrechen würde – und wir sind ja so schön stolz darauf, dass es uns so viel besser geht als den Negern in Namibia … dabei ist auch das eine Lüge, siehe Leiharbeit-abschaffen:

Namibia’s Oberster Gerichtshof hat im Dezember 2008 geurteilt, daß „Arbeiter-Verleih-Agenturen“ daran gehindert werden müssen, Arbeiter zu vermieten. Der High Court nannte die Praxis des Menschenverleihs ausbeuterisch und stellte fest, es reduziert Menschen zu persönlichem Eigentum. Leiharbeit ist daher in Namibia seit März 2009 verboten. 

Wir sehen: Europa war vielleicht die Wiege der Zivilisation – die selbst wohnt aber  heute woanders. Es ist Zeit, mal einen kurzen Blick auf die Stellung der Frau in Deutschland im 21. Jahrhundert zu werfen – einen Blick, der ebenfalls wenig schmeichelhaft ausfallen wird. Das verwundert, sind wir doch gleichberechtigt und emanzipiert, ja, wir haben sogar Frauenquoten (die an sich schon ein Schlag ins Gesicht einer jeden aufrechten Frau sind … Gnadenbrot für Karriereweibchen, öffentlich zugeteilt, weil sie es ohne die Hilfe der mächtigen Männer nie schaffen würden – doch so wollen wir das ja nicht sehen).

Ich gestehe, dass ich dieses Thema lange gemieden habe. Früher hatte ich mal ein ritterliches Verständnis von Frauen, war der Meinung, die gehörten beschützt und gerettet – ich muss dafür um Verzeihung bitten, ich bin so erzogen worden. Zurecht wurde ich zurechtgewiesen, dass so eine Einstellung diskriminierend ist, weil sie aus der Frau ein schwaches, schutzbedürftiges Wesen macht, dass dazu verdammt ist, beständig Beute der Männer zu sein.

Noch später bin ich von Feministinnen (Frauen, mit denen ich dereinst gerne in den Urlaub gefahren bin – als einziger Mann der Reisegruppe – weil sie geistig nicht so eindimensional wie männliche Altersgenossen waren) darüber aufgeklärt worden, dass Frauen sich auch ganz gerne mal vergewaltigen lassen (wer zu dem Thema mehr erfahren möchte, lese Dieter Duhm, Der unerlöste Eros) und ich bemerkte, dass ich fast in ritterlicher Absicht erotische Erfahrungen verhindert hätte.

Ganz gefährlich wurde es, als ein Freund von mir (jedenfalls hielt ich ihn für einen, bis ich sein Chef wurde … danach wurde es kompliziert und äußerst hässlich) in einem Seminar der Unifrauen seine Überlegungen zur Macht der Frau äußerte: seine zarte Poetenseele sah klar, dass Frauen eine sehr einfache Chance hatten, durch´s Leben zu kommen: anders als er hatten viele der anwesenden Frauen genug Potential, sich ein Ehegefährt zu besorgen, dass 94 000 Euro im Monat nach Hause brachte … das hörte man in Emanzenkreise nicht gerne.

Wahr ist es trotzdem …. aber wir berühren hier ein Thema, das Frauen nicht so gerne hören, weil es um reale Machtausübung geht. Solche Themen werden von den Mächtigen nie gerne besprochen, alldieweil zuviel Bewusstheit dem Einsatz von Macht schadet.

Ich habe also für mich erkannt, dass ich das Thema „Frau“ lieber meiden sollte, allein schon, weil ich keine bin und dabei gar nicht mitreden kann. Das Prinzip ist zwar nicht akzeptabel (bin ja auch kein Arbeitsloser, kein Jude, kein Israeli, kein Indianer, kein Katholik oder Moslem, neige aber trotzdem gelegentlich dazu, für diese Gruppen Partei zu ergreifen), aber wer will schon Ärger mit Frauen. Ich jedenfalls nicht – davon hatte ich in meinem Leben mehr als genug.

Dann jedoch stieß ich bei einer liebgewonnenen Facebookfreundin und Leserin auf ein paar Zeilen, von denen ich dachte: ja, die gehören weiterverbreitet:

Wenn alle Frauen dieser Erde morgen früh aufwachten und sich in ihren Körpern wirklich wohl und kraftvoll fühlten, würde die Weltwirtschaft über Nacht zusammenbrechen. 

Zitat aus „Fleischmarkt -weibliche Körper im Kapitalismus “ von Laurie Penny .

Weiter: Wir leben in einer Welt, die den unwirklichen weiblichen Körper anbetet und echte weibliche Macht verachtet. Diese Kultur verurteilt Frauen dazu, immer so auszusehen, als seien sie verfügbar, während sie nie wirklich verfügbar sein dürfen, und zwingt uns, sozial und sexuell konsumierbar zu erscheinen, während wir selbst sexuell so wenig wie möglich konsumieren sollen.

Schon der Titel – „Fleischmarkt, der weibliche Körper im Kapitalismus“ – könnte von mir kommen. Nun – als Mann hätte ich das nie so formulieren dürfen (dafür hat die Emanzipation schon gesorgt), aber als Frau darf man das wohl.

Ich habe die siebziger Jahre halt „live“ mitbekommen  – und mich gewundert, was in den achtziger Jahren aus der Emanzipationsbewegung geworden ist. Einst (bewusst und gezielt vom CIA-finanzierter) Teil eines Aufbruchs zu einer neuen Kultur des Miteinanders, wurde sie sehr schnell ein weiterer Bestandteil der Kultur des Gegeneinanders, das beständigen Kampfes um an sich übervolle Fleischtöpfe, die aber jeder (im Rahmen der CIA-Strategie) ganz für sich allein besitzen wollte – andere sollten hungern, damit man selber in der Fleischbrühe baden konnte.

So konnte man ganze Generationen gegeneinander ausspielen und ungestört ausnehmen.

Nebenbei wurde eine Gesellschaft maximaler sexueller Frustration geschaffen, in der Weibchen beständig in allen öffentlichen Gegenden Paarungsbereitschaft signalisieren sollten (und dies im Rahmen des Kampfes um die Fleischtöpfe auch gerne und gezielt taten), was aber letztlich nur eine Lüge auf zwei Beinen war, denn … natürlich durften sie nie zur Schlampe werden. Noch ein Zitat aus dem Facebookauftritt:

Der Kapitalismus macht aus echter, menschlicher Sinnlichkeit das erotische Kapital der Pornografie, von künstlich aufgepumpten, gebleichten, rasierten Körpern, die keine Lust teilen, sondern ein Produkt performen. Echte Sexualität jedoch wird abgelehnt, mit moralischer Empörung und Verachtung gestraft. Die Renaissance des Begriffs “Du Schlampe”, während Pornografie in noch nie gekanntem Maße überall verfügbar und konsumierbar ist, zeigt, dass der Kapitalismus dafür sorgt, dass die Gesellschaft auf wirkliche Sexualität mit Abscheu reagiert. Mit ihr lässt sich kein Geld verdienen – mit Pornos hingegen schon. Laurie Penny zeigt auf, dass nicht nur Sexarbeiterinnen ihr Geld mit Sex verdienen, sondern dass jede Frau im Kapitalismus dazu gezwungen wird, mit ihrem erotischen Kapital umzugehen, sich zu schminken, zu stylen, mit erotischen Reizen zu spielen, verfügbar zu erscheinen und sich aber nie hinzugeben. Die mageren Körper der Models, die absolute Kontrolle über den Körper zeigen, deren Körper sich einzwängen lassen, in den wenigen Raum, den die Gesellschaft bereit ist, ihnen zu zu stehen, werden zu einem Ideal erhoben, dessen grausame Schattenseite die Essstörungen sind.

Es ist das Bild einer völlig paranoiden Gesellschaft, die den Traum der freien Sexualität öffentlich auf allen Plätzen zelebriert, ohne ihn leben zu dürfen. Gleichzeitig wurde etwas vernichtet, verlernt, vergessen: das Wort Liebe (einst von vielen Philosophen zum Kernbegriff menschlichen Seins und aller Existenz erhoben) wird ausgelöscht und durch das Wort „Porno“ ersetzt, in logischer Konsequenz wird aus Mutter- bzw. Vaterliebe Kinderpornografie.

Elementare menschliche Seinszustände, Grundfesten einer jeden friedlichen, zivilen Gesellschaft wurden zerschlagen – und das für ein Alternativmodell, dass für oft züchtig gekleidete Männer (hier wirken andere Gebote: der Mann soll sich durch Kleidung ständig bewusst sein, dass er zu dienen und gehorchen hat und selbst nichts darstellen darf) an Dantes Höllenvorstellungen erinnert: hungrig gemacht werden, aber nicht essen dürfen, während die Speise – fein zubereitet – ständig vor den Augen schaukelt.

Dieses Prinzip gilt im Übrigen auch für alle anderen Bereiche der Gesellschaft – jene Anzüge, Sportwagen, Privatflugzeuge, Segelboote, Traumhäuer und Traumreisen, die uns die Medien (gerne auch „hinten herum“ als selbstverständliches Beiwerk harmloser Spielfilme) tagtäglich als Normalzustand vorspielen, bekommt man nur als Mitglied des Mittelstandes – und dafür braucht man mindestens 94 000 Euro jeden Monat.

Das Idealbild der Frau im 21. Jahrhundert ist das einer Prostituierten, die sich jeder jederzeit kaufen kann – aber die nie einer wirklich bekommt. Auch aus der Ehe und der Partnerschaft wird so ein Geschäft, in der Liebe keine Rolle mehr spielt und Kinder nicht mehr gedeihen können.

Ach ja – Kinder. Hören wir dazu die Probleme einer Mutter – aus der gleichen Quelle:

Vielleicht sollten Mütter beginnen, ihre Töchter „anders“ zu erziehen. Was soll ein 15 jähriges Mädchen denn annehmen, wenn es in die Welt schaut? Das Nonplusultra ist ein Platz bei Germany Next Topmodell… Wenn dann noch Werbung läuft, indem sich drei Idiotinnen komplimentieren wie billig sie aussehen, was soll ein junges Mädchen denn dadurch erfahren? Was mir sehr fehlt sind Werte. Jetzt wird einer Frau das Muttersein noch abgesprochen, indem man von Frauenquote quasselt und die Fremdbetreuung von ganz klein der Kinder lobhudelt.

Wir dürfen so etwas doch aus politischen Gründen schon gar nicht mehr sagen: „Muttersein“ gilt doch heute schon als krankhaft, die Mutter ist die Quelle aller narzisstischen Störungen, das hat die Wissenschaft bewiesen. Deshalb gehören die Kinder so früh wir möglich der Mutter entzogen, damit der Staat sie so früh wie möglich in die drogen- und pornogesteuerte Realität des bundesrepublikanischen Wirtschaftsalltags eingliedern kann: Arbeitsbienen gleich sollen sie sich in das System des Bienenstocks einfügen und sich den Anforderungen unterordnen – so lautet die Devise unseres „freien“ Alltags, die wir inzwischen klaglos und manchmal sogar voller Begeisterung hinnehmen, wie wir auch Leiharbeit als höchste Erfüllung menschlicher Träume von „Arbeit“ zu akzeptieren gelernt haben.

Den größtmöglichsten Effekt beim Verkauf der Ware Frau am Fleischmarkt erzielt man übrigens dann, wenn die Ware selbst nie ausgeliefert wird: dadurch explodiert die Nachfrage. Wir brauchen also eine pragmatisch lustfeindliche Gesellschaft, die sich nur theoretisch zu einer freien Sexualität bekennt, wie sie früher nur im Bordell erfahrbar war.

Es ist ein äußerst bösartiges Klima, das so erzeugt wird – und es erzeugt äußerst häßliche Wirklichkeiten, die sich  bei der Geschichte um die Zwangsprostituierte Mandy Koop deutliche Bahn brechen, siehe Spiegel:

Sie wurde als Minderjährige zur Prostitution gezwungen, eingesperrt und misshandelt. Zwanzig Jahre später geht Mandy Kopp mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit. Unterlagen zeigen, dass Teile der Justiz ihr keine Hilfe waren – im Gegenteil: Sie wurde als Prostituierte stigmatisiert.

Wer echten Sex mit echten Männern hat, ist eine Hure – selbst wenn sie als Kind dazu gezwungen wurde. Selten sieht man die häßliche Fratze unserer Gesellschaft deutlicher, selten kann man so deutlich erkennen, wir zerrüttet und verwüstet unser Sozialwesen ist, wie tief wir als Zivilisation gesunken sind – weit weit unter jenen archaischen Stammeswelten, denen wir uns so schrecklich überlegen fühlen, weit unter jenem Mittelalter, dessen „Badehäuser“ mehr Erotik boten als unsere Pornoindustrie je liefern könnte.

Wer auf der Strecke bleibt?

Letztlich alle Menschen. Zuerst die 99% Frauen, die nicht äußerlich dem entsprechen, wie „Frau“ sein sollte. Die sieht man nur auf der Straße, wie sie sich verschämt zwischen großformatigen Werbeplakaten und durchgestylten Luxusweibchen hindurchschleichen, ahnend, das „Liebe“ für sie in diesem Leben nie erfahrbar werden wird, weil sie einfach nicht gut genug sind. Dann die 99% der Männer, die einfach nicht genug verdienen, die Ansprüche jener Weibchen zu erfüllen, die in breiter Front von den Medien als „normaler Durchschnitt“ angeboten werden – einem Durchschnitt, dem nur 1 % der Frauen überhaupt nur annähernd entsprechen.

Und das übrig gebliebene eine Prozent? Kämpft einen verzweifelten Kampf gegen einen unbesiegbaren Feind … das Alter, das jeden irgendwann erreicht und einen automatisch aus den Kreisen der „Schönen“ verbannt. Übrig bleiben frustrierte reiche Männer, die vergeblich versuchen, sich ihre Jugend zurückzukaufen … und erst viel zu spät in ihrem Leben erfahren, dass sie nur wegen des Geldes attraktiv waren.

Wie fern ist diese Realität von der romantischen Liebe des von uns so verpönten Mittelalters – und wie unglaublich niedrig ist das Niveau unserer Kultur. Ich erinnere mich daran, dass Ratten ein solches Sozialverhalten im Experiment zeigten.

Ist es das, was das Ziel unsere „weißen“ Kultur ist? Eine Kultur von Ratten?

Vor diese Wahl gestellt, orientiere ich mich lieber an dem Mönch Anselm Grün, der mich lehrte, dass alle Sehnsucht nach menschlicher Liebe letztlich die Sehnsucht nach der Vereinigung mit Gott ist (was immer das auch sein mag).

Ja – solchen Menschen lausche ich gerne. Sie vertreten eine Freiheit, die in meinen Augen zur Rettung der Liebe wichtig ist, siehe Süddeutsche:

Ich sehe, wie das Geld viele Menschen hart macht. So will ich nicht werden. Geld gefährdet die innere Freiheit. Eigentlich könnten Menschen mit viel Geld sorglos und frei sein. Aber oft kreisen gerade reiche Leute mit ihren Gedanken immer nur ums Geld. Es gibt Reiche, die glücklich sind, natürlich. Aber das sind die, die innerlich frei von diesem Reichtum sind.

Sagt ein Mann, der ein Millionenvermögen sein eigen nennen könnte, es aber verschenkt, weil er  keine fünfzig Euro Bargeld im Monat braucht.

Taten können schon sehr überzeugend sein – und in einer ach so freien, ach so überlegenen Kultur stellen sie Alternativen dar, die unglaublich erscheinen, aber wahr sind. Gut, dass sie nicht in breiter Front propagiert werden: Fleischmarkt, Leiharbeit und Konsumterror wären morgen schon vorbei – und etwas Neues könnte zu leben beginnen.

So müssen wir warten, bis das Prinzip „verbrannte Erde“ – das wahre Leitprinzip des Konsumterrors – die Welt in jene Wüste verwandelt haben, die Mönche aus ihren geistigen Übungen schon kennen und bewältigt haben. Dann kann aus der Asche vielleicht jenes Paradies erwachsen, das wir heute schon haben könnten – wenn wir nur aufhören würden, darauf zu hören, was „man“ uns darüber sagt, wie „wir“ uns zu verhalten haben.

Aber vielleicht hilft uns ja der Gedanke, dass wir aus unseren Müttern täglich Ware für den Fleischmarkt machen, den Wahnsinn vielleicht jetzt gleich schon zu stoppen, bevor die Wüste der westlichen Kultur auch noch die Natur in jenes unwirtliche, verwüstete Land verwandelt, das unsere Städte schon heute als Standard preisen – jene Orte, wo Arme ihre Nahrung im Müll suchen müssen.

Das Mittelalter kannte schon diese Städte und ihre Müllberge. Sie bilden den düsteren Hintergrund (das „wüste Land“) für die (im Kern heidnische) Suche des Ritters nach dem heiligen Gral, mit dessen Hilfe das Land wieder geheilt werden sollte, mit dessen Hilfe die kooperative Kultur der Mitmenschlichkeit die pyramidale, totalitäre  Kultur des „wüsten Landes“ aufheben sollte, um das wüste Land wieder in ein Paradies zu verwandeln (siehe Malcolm Godwin, Der heilige Gral, Heyne Verlag München 1996, Seite 272-275)

So dachte das von uns so verachtete Mittelalter, dessen ritterliche Kultur (die in Wahrheit nur ideel vorhanden wahr) heute als „Sozialromantik“ belächelt wird – wenn auch nur von jenen finsteren Mächten, die erfolgreich danach trachten, die Erde in eine Wüste zu verwandeln … und die Frau in ein Stück Fleisch für den Markt.


 

 

 

 

Die letzten 100 Artikel