Sektenberatung

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Satanismus in Deutschland und die große Weltverschwörung

In den achtziger Jahren hatte ich Kontakt zu einer Sektenberatung – beruflich bedingt. Nebenbei besuchte ich diverse Vorträge der Sektenbeauftragten der evangelischen Landeskirche. Was man dort erfahren konnte, war ungeheuerlich und führte ja auch zu Irritationen im Bundestag, die letztlich dazu führten, das ein anderer Landesbeauftragte für Sektenkunde bescheinigte, das das alles Humbug sei.

Es gibt keine Satanisten, es gab nie Satanisten noch wird es irgendwann welche geben.

Gut zu wissen, eigentlich. Als Philosoph darf man anderer Meinung sein … hier geht es ums Prinzip, nicht um die Maskerade. Es gibt nun eine Doktorarbeit zum Thema Satanismus, die – wie üblich – zu dem Ergebnis kommt, das an allem nichts dran ist. Es gibt eigentlich keine Satanisten und wenn, dann spielen sie keine große Rolle. Schaut man aber genauer hin … wird es gruselig, hier zitiert bei BR-Online:

Kritisch sieht Dagmar Fügmann gewisse Wertvorstellungen von Satanisten. Aufgrund ihrer Weltanschauung treten sie für einen radikalen Sozialdarwinismus ein. Sie glauben an das Recht des Stärkeren. Weil sie eher als andere nach der Natur des Menschen leben, halten sich Satanisten für eine Art Elite. Größere Unterschiede in den Werten von Satanisten zur übrigen Bevölkerung gibt es nur in wenigen Bereichen. Satanisten akzeptieren in deutlich höherem Maße verschieden Formen der Sexualität, insbesondere auch Homosexualität. Sie betonen in der Frage der Abtreibung die Freiheit der Frau. Und sie befürworten in höherem Maße Euthanasie als der Rest der Bevölkerung. Ansonsten haben Satanisten keine abweichenden Wertvorstellungen. Im Gegenteil: Dagmar Fügmann glaubt, dass allgemein die Gesellschaft soziales Verhalten weniger und individuelle Freiheit zunehmend höher bewertet, dass sie sich also in Richtung satanistischer Wertvorstellungen entwickelt.

Die Gesellschaft entwickelt sich in Richtung satanischer Wertvorstellungen, damit scheint die Welt für Frau Fügmann in Ordnung zu sein, da Satanisten dann ja keine Aussenseiter mehr sind, die abweichende Wertvorstellungen praktizieren.

Ich stutze hier … und komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Erst kürzlich hatten wir eine Wertedebatte, in der das christliche Abendland sich energisch vom Islam distanzierte – und jetzt gibt es da eine religionswissenschaftliche Arbeit, die nebenbei erwähnt, das wir uns insgesamt von christlichen Werten verabschiedet haben und de facto – gemessen an den Werteprinzipien, nicht an der Anzahl der öffentlichen Kuttenträger – in eine satanische Gesellschaft verwandeln?

Nun – die Hartz-Abhängigen merken jeden Tag, das ihnen da jemand ans Leder will, das der Sozialdarwinismus ihr Leben bedroht, da ihr Leistungsniveau nicht mehr den Mindestanforderungen entspricht. DAS sich das Wertesystem des Westens in ein antichristliches System verwandelt, ist dort offenbar geworden. Mir stellt sich aber die Frage WARUM das so ist. Und nebenbei möchte ich GANZ SICHER gehen, das diese Entwicklung nicht gesteuert wird … denn normal scheint mir der Prozess der Umgestaltung der Gesellschaft in einen Förderverein antichristlichen Eliteglaubens nicht zu sein – wäre der Mensch ein so asoziales Wesen, würden wir immer noch auf Bäumen hausen und hätten nie Dörfer gebaut.

Ich bin da auch etwas beunruhigt über ein gewisses Grundrauschen, das immer lauter wird – zum Beispiel im Fall der „Lady Gaga“. Ich kenne sie nicht, ebensowenig wie die anderen Größen der industriell produzierten Popkultur. Ein Konzertveranstalter hat mir mal plausibel berichtet, das die Musikindustrie ganz gezielt Strömungen fördert, um Phänomene wie die Beatles und die Stones NIE WIEDER aufkommen zu lassen – die waren nicht steuerbar und stellten in ihrer Gesamtheit durch die Förderung alternativer gesellschaftlicher Entwicklungen auch eine politische Gefahr für „das Establishment“ da. Seitdem hat es mich nicht gewundert, das die Rockmusik zunehmend verkümmerte zugunsten von Flachtonprodukten. Darum kenne ich Lady Gaga nicht – und muß mich da auf Nina Hagens Urteil verlassen, hier bei Oe24:

Sie ist eine satanistische Schlampe, mit ihren faschistischen und dämonisch-angehauchten Geheimzeichen. Ihre Pop-Prostitution hat mehr mit Bikini-Werbung als mit Wärme zu tun. Ich habe immer die Liebe verspritzen lassen, aber bei ihr verspritzt bloß der Luxus.

Ich gestehe – ich mußte mich bei Wikipedia über Lady Gaga informieren – und fand: eins der üblichen Kunstprodukte der Musikindustrie. Und eine immense Anhäufung von „dämonisch-angehauchten Geheimzeichen“, wenn ich Nina da mal zitieren darf.

Man marschiert bei diesem Thema natürlich mit Hochdruck auf eine gesellschaftliche Großtabuzone zu: die Illuminaten, die große freimaurerische Weltverschwörung, an deren Ende ein satanisches Weltreich entsteht: Hartz IV für alle, die ihrer Oma keine Lehmannpapiere aufdrücken wollen. Mir ist es schon verdächtig, das es in einer demokratischen, offenen Gesellschaft Tabuthemen geben soll – erst recht, wenn diese Themen den Bestand der Firma, des Unternehmens gefährden könnten. In der normalen Wirtschaft wäre so etwas undenkbar – hier gilt es, immer den schlimmsten möglichen Fall anzunehmen um Vorsorge zu treffen, die Folgen aufzufangen. Man will ja nicht insolvent werden. Gesellschaftlich fahren wir gerade den anderen Kurs – die rosa Dauerbrille – was uns Rekordverschuldungen eingebracht hat, neben einer ständigen Abnahmen von Lebensqualität und zunehmendem Abbau von Bürgerrechten zugunsten einer Welt, in der … die Anbeter des Mammon (ein Unterteufel) triumphieren.

Wieso eine Gesellschaft, die die Werte von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit im Grundgesetz huldigt und sich der Erklärung der allgemeinen Menschenrechte verpflichtet fühlt, eine Entwicklung hin zu einer Gesellschaft mit eher satanischen Werten nimmt, wird man doch wohl mal fragen dürfen, oder? Und wenn man erkennt, das die Musikindustrie die Jugend mit satanischen Symbolen füttert, dann wird man doch wohl auch mal fragen müssen, ob der Kurs der Massengesellschaft nicht doch etwa gesteuert wird. Immerhin gibt es ein Dokument, das gerade das behauptet, gefunden bei „Lübeck-Kunterbunt“:

Letzte Zweifel werden ausgeräumt durch den Brief … von Albert Pike an Guiseppe Mazzini vom 15. August 1871, der bis vor einigen Jahre in der Bibliothek des Britischen Museums in London ausgestellt war und dann ebenfalls auf mysteriöse Weise aus dem Verkehr gezogen worden ist. In diesem Brief schildert Pike seinem Freund Mazzini Einzelheiten eines im Sinne des Wortes „luziferischen“ Planes zur Welteroberung. Es ist mehr oder weniger die metaphysische Beschreibung der zwei bereits stattgefundenen und eines offenbar noch geplanten (möglicherweise in seiner Vorbereitungsphase bereits im Gang befindlichen) dritten Weltkrieges. Nach Pikes Worten „werden wir (im ersten dieser Kriege) die Nihilisten und die Atheisten loslassen; wir werden einen gewaltigen gesellschaftlichen Zusammenbruch provozieren, der in seinem ganzen Schrecken den Nationen die Auswirkungen von absolutem Atheismus, dem Ursprung der Grausamkeit und der blutigen Unruhen klar vor Augen führen wird. Dann werden die Bürger – gezwungen, sich gegen die Minderheit der Revolutionäre zur Wehr zu setzen – jene Zerstörer der Zivilisation ausrotten, und die Mehrheit der Menschen wird, gottgläubig wie sie ist, nach der Enttäuschung durch das Christentum und daher ohne Kompaß, besorgt nach einem neuen Ideal Ausschau halten, ohne jedoch zu wissen, wen oder was sie anbeten soll. Dann ist sie reif, das reine Licht durch die weltweite Verkündung der reinen Lehre Luzifers zu empfangen, die endlich an die Öffentlichkeit gebracht werden kann. Sie wird auf die allgemeine reaktionäre Bewegung, die aus der gleichzeitigen Vernichtung von Christentum und Atheismus hervorgehen wird, erfolgen.“ Das sozusagen theologische Dogma des Großmeisters Pike ist in den Instruktionen festgelegt, die von ihm am 4. Juli 1889 für die 23 höchsten Räte erlassen wurden: „Folgendes müssen wir der Menge sagen: ‚Wir verehren einen Gott, aber unser Gott wird ohne Aberglaube angebetet!‘ Euch, den souveränen großen Generalinstruktoren, sagen wir, was ihr Brüder der 32., 31., und 30. Grade wiederholen sollt: Die Maurer-Religion sollte von uns allen, die wir Eingeweihte der höchsten Grade sind, in der Reinheit der luziferischen Doktrin erhalten werden. Wäre Luzifer nicht Gott, würde Adonai (der Gott der Juden), dessen Taten Beweise für seine Grausamkeit, Verschlagenheit, seinen Menschenhaß, sein Barbarentum und seine Ablehnung der Wissenschaft sind, würden dann Adonai und seine Priester ihn verleumden? Ja, Luzifer ist Gott; unglücklicherweise ist Adonai auch Gott. Denn nach dem ewigen Gesetz gibt es Licht nicht ohne Schatten, Schönheit nicht ohne Häßlichkeit, Weiß nicht ohne Schwarz. Das Absolute kann nur in der Gestalt zweier Gottheiten existieren …“ Zweifellos ein Text, der zu allerhand Spekulationen in bezug auf die möglichen „Endzwecke“ dieser oder jener mit der Menschheitserlösung befaßten Hochgradmaurer provozieren könnte. … Es ist nicht zu übersehen, daß sich auch hinter diesen Texten das bekannte Credo vom Menschen als dem werdenden Gott versteckt, wie es aus dem philosophisch-religiösen Umfeld des Thule-Reiches bekannt ist … Quelle: E. R. Carmin „Das schwarze Reich. Geheimgesellschaften und Politik im 20. Jahrhundert“

Wie gesagt …. dunkelste Verschwörungsmythen erwarten uns da. Mythen, um die man sich eigentlich nicht kümmern bräuchte … würde die Gesellschaft nicht diesen seltsamen, merkwürdigen Kurs einschlagen, der sie von ihren humanitären, christlichen Wurzeln entfernt und zu einer satanischen Gesellschaft konvertiert, in der für arme, kranke, alte oder schwache Menschen kein Platz mehr ist.

Anders als in den achtziger Jahren, wo es eher so aussah, als gäbe es – in gesellschaftlich betuchteren Kreisen – einen ziemlich verrückten Kult, der sich erschöpfend erklären ließe durch den verzweifelten Kampf gegen die unerträgliche Langeweile des Reichtums, sieht es nun so aus, als hätte jener Kult inzwischen soviel Einfluß, das er politische Realitäten bestimmen kann … und möglicherweise sogar noch Größeres vorhat, weshalb er die Jugend auf eine bestimmte Symbolik trimmt, die schon erstaunlich oft auftritt, wie sogar PM bemerkt:

Für Experten der Semiotik, der Wissenschaft der Zeichen und Symbole, ist Lady Gaga aber aus einem ganz anderen Grund interessant: Ihre Auftritte, ihre Fotos und vor allem ihre Videos wimmeln geradezu von offenen und versteckten Hinweisen auf Dinge, die mit ihrer Musik überhaupt nichts zu tun haben. Bei der Analyse dieser Zeichen haben die Fachleute eine erstaunliche Entdeckung gemacht. Hinter der grellen Bilderflut, mit der die 25-jährige Künstlerin ihre Musik vermarktet, liegt eine verschlüsselte dunkle Ebene mit mysteriösen Hinweisen auf Gehirnwäsche, Folter und Satanismus.

Das gilt nicht nur für Lady Gaga, sondern für weite Bereiche der modernen Popkultur, Filmwelt und Architektur, wie der VigilantCitizen regelmäßig ausführt.

Sicherlich ist die Methodik vieler Verschwörungstheoretiker zu bemängeln. Da häufen sich schnell Hypothesen auf Annahmen, gestützt von Vermutungen und Interpretationen. Mit dieser  Methodik läßt sich schnell beweisen, das der Eifelphilosoph ein Ausserirdischer ist, der vom Aldebaran kommt um gegen die Verbreitung von Schokomüsli bei Aldi zu kämpfen.

Andererseits … haben wir die Absichtserklärung eine Mitbegründers einer politisch sehr einflußreichen gesellschaftlichen Gruppierung, aus der ersichtlich ist, das man eine antichristliche Gesellschaftsordnung zu etablieren wünscht, wir haben eine enorme Zunahme an semiotischen Phänomenen dieser Art – und eine Degeneration der politischen und sozialen Kultur Deutschlands, die exakt in diese Richtung führt.

Da quakt etwas wie eine Ente, riecht wie eine Ente, schwimmt und fliegt wie eine Ente – und wie reagieren wir politisch darauf?

Vollgekleckert mit Entenkot stellen wir uns mit stolzgeschwellter Brust vor die Menge und sagen: „Wir reden nicht über Enten!“.

Dabei liegt eigentlicheine große Chance in der Thematik: ist die Geschichte von Menschen gemacht und nicht nur purer Zufall, der sich als Nebenwirkung von Alltagsverrichtungen quasi nebenbei ergibt, dann hätte die Menschheit noch eine Chance, die Richtung schnell zu ändern. Stecken keine größenwahnsinnigen Freimaurer dahinter … dann ist es wohl eher die menschliche Natur, die uns in diese Richtung treibt.

Das wäre dann … wirklich übel.

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