Seele

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Evidence Based Bullshit Jobber (Steve Cutts uncut)

Aus den Kommentaren zum Video: „Damn that’s so bad“ … „It’s awesome“ … „It’s terrible“ … „It’s me“

 

Die vernichtende politische Wirkung von „Prostitution“ für Gesellschaft, Mensch und Seele

Montag, 29.1.2018. Eifel. Bin ja gewarnt worden: bloß nicht dieses Thema. Die machen dich fertig, lass das sein. Gemeint war: Prostitution. Ganz heilige Kuh der modernen, aufgeklärten Gesellschaft, die Fähigkeit dazu ganz wichtiger Bestandteil weiblichen Empowerements (wir sagen auf Deutsch: Ermächtigung, gemeint ist wohl Selbstermächtigung), ja – eine große Kultur der Liebe, des Friedens und der Harmonie zeichnet sich am Horizont ab, wenn wir nur mit der Prostitution richtig umgehen. Wer würde da schon wiedersprechen wollen?

Nun – ich.

Ich habe schon mal über Prostitution geschrieben – und kam zu dem Entschluss, dass ihr Verbot alternativlos ist. Daraufhin bekam ich einen Proteststurm – und Kontaktanfragen von Prostituierten – um die Ohren gehauen, der mich nicht im Mindesten von dem Ergebnis meiner Überlegung abbrachte, weil die Argumente … nun ja … etwas wackelig waren und sich nur zum Niederschreien eigneten, nicht zum nüchternen, sachlichen Dialog. Ja – natürlich kann man Prostitution nicht durch Gesetze verhindern: aber wir verbieten auch Mord – obwohl wir ihn durch das Verbot nicht verhindern können. Und natürlich ist es fein, wenn die Frauen es freiwillig machen, es gibt ja immer wieder welche – die dann breit durch alle Medienformate getragen werden, um ihre lustvollen und hoch empathischen Lehrstunden im Bordell öffentlich darstellen zu können – die sich offen dazu bekennen und der Milliardenbranche Menschenhandel gut zureden (siehe Zeit):

„Keiner sagt etwas, solange sie Sex gegen Aufmerksamkeit tauschen oder gegen einen Ehering. Aber sobald eine Frau einen konkreten Preis für Sex nennt, wird sie geächtet. Ihr wirft man vor, käuflich und schwach zu sein und alle anderen Frauen zu verraten.“

Ehe als Sonderform der Prostitution – ja, da kenne ich genügend Frauen, die das so sehen. Manche haben Bücher darüber geschrieben, wie man sich gezielt Millionäre angelt – oder einen Mann, der anschaffen geht, damit man selbst gemütlich zu Hause Seifenopern genießen kann. Stellen wir das Thema mal kurz beiseite.

Wir verbieten übrigens auch Drogen – obwohl die Menschen sie freiwillig nehmen und es ihnen einen Riesenspaß macht. Warum eigentlich? Nun … es macht Menschen kaputt und die Gesellschaft muss für die Folgekosten aufkommen. Kann sein, dass manche eine so hohe Resistenzrate haben, dass ihnen Drogen nichts ausmachen – aber die Mehrheit kommt als Wrack aus der Drogenszene – oder als Leiche. Darum haben wir uns als Gesellschaft dafür entschieden, den ganzen Bereich zu verbieten – weil er eher schadet als nutzt.

Es mag sein, dass es solche Menschen gibt: die sich lustvoll mit jedem paaren, der nur an der Tür klingelt, es gibt auch Menschen, die eine ausgesprochen masochistische Leidenschaft haben und sich gerne quälen: trotzdem verbieten wir Folter, leiten also aus einem Einzelfall nicht die Regel ab. Und neben unserer von der „Zeit“ hervorgebrachten Dame, die zwei Jahre unter seltenen Ausnahmebedingungen in einem von Frauen geführten Nobelbordell gearbeitet hat, gibt es auch andere, die Netzwerke von Prostituierten schaffen, die ein ganz konkretes Ziel haben (siehe Netzwerk-Ella):

„Wir sind eine Gruppe von Frauen, die in der Prostitution waren oder sind, und die sich dafür einsetzen, dass Prostitution als Gewalt, speziell als sexuelle Gewalt, anerkannt wird.“

Ja. Auch unsere Eliteprostituierte wurde vergewaltigt (siehe Süddeutsche). Aber soweit muss man ja gar nicht gehen. Sexualität ist etwas schönes, ein Gewinn – die meisten Menschen braucht man dafür nicht bezahlen. Schon mal so ´rum gedacht? Den Freiern wird ein Theaterstück aufgeführt (siehe hierzu den offenen Brief der dänischen Prostituierten Tanja Rahm in der Welt), das auch den Freier erniedrigt.

Habe ich da gerade Prostituion mit Mord in einem Atemzug genannt? Ja – und das war noch nicht mal ein Versehen. Da gibt es jetzt Schnappatmung auf der Gegenseite – aber ich habe diesen Vergleich von einer Mutter, deren minderjährige Tochter in der Prostitution gelandet ist: sie klagt den Tod der Seele ihrer Tochter an. Die Tochter wird nie wieder ein normales Leben führen können. Klar – es gibt auch Selbstmörder … aber auch das ist aus gutem Grund verboten.

Wir verbieten übrigens auch Kannibalismus – obwohl es Menschen gibt, die gerne Menschen essen – und andere, die sich gerne töten und essen lassen: wir wollen solche Kulturen einfach nicht gerne in unsere Nachbarschaft … weil wir unsere Kinder, Frauen und Mütter vor „Freiern“ schützen wollen.

Aber Prostitution ist doch Sex und Sex ist schön, höre ich da von der Gegenseite? Wenn´s schön ist – warum soll man dann noch dafür bezahlen, frage ich zurück. Die meisten Frauen können Sex ohne Geld. Lust – hat in dem Geschäft nicht den minimalsten Platz. Ja – einfach mal ´reinhören, was Frauen so brauchen, um einen Ganzkörperorgasmus zu bekommen (siehe: Claudia Elisabeth Huber) … da spielen Liebe, Vertrauen und Zeit eine ganz wichtige Rolle. Geht Freiern ja aber nicht um Sex, denke ich mir mal: wer zahlt schon gerne echtes Geld für falschen Sex?

88 Prozent aller deutschen Männer sollen ja zu diesen Männern gehören, die regelmäßig in den Puff gehen. Unsere Eliteprostituierte (was ich jetzt nicht abwertend verstanden haben möchte) hat ihre Kundschaft da mal beschrieben (siehe rp-online):

„Der Puff, in dem ich tätig war, hat Männer angezogen, die häufiger in Beziehungen waren, von denen wiederum waren fast alle verheiratet. Unsere Klientel war typisch männlich, weiß und hetero, nicht super reich, hat Geld für einen Anzug, muss nicht ständig auf die Ausgaben achten. Männer, die ihr Leben im Griff haben wollen, die sich von ihrem Leben in der Großstadt auch mal eine Auszeit gönnen: Dazu gehört der Sauna-Besuch, eine Massage und eben auch der Puff.“

Sie kommt auch recht nahe an ein Problemfeld heran, das seit den dreissiger Jahren von Wilhelm Reich erforscht wurde – und Ursache für die Vernichtungsorgie der NS-Zeit sein soll: die männliche Befriedigung:

„Männer sind durch das Abspritzen sediert. Viele wissen nicht, was wirkliche Befriedigung ist. Wer das nicht weiß, hält ein künstliches Beruhigen für Befriedigung. Deswegen fallen Männer auch immer wieder auf die Glücksversprechen der Prostitution herein.“

Ja – das meinte Wilhelm Reich sinngemäß auch: schlechter Sex führt auch beim Mann zu steigender Aggression (und letztlich zu den Gräueln der NS-Zeit) – warum sollten wir also einen Industriezweig aufblühen lassen, der gezielt schlechten Sex von der übelsten Sorte produziert – in steigenden Massen? Jetzt auch für ganz Europa (siehe ZDF)!

Geht ja auch nicht um Sex – geht um eine Auszeit aus dem Leben in der Großstadt … von Männern, die ihr Leben im Griff haben. Reichere Männer, die sich einen besonderen Luxus erlauben: für eine Vergewaltigung zu bezahlen – und dafür auch noch vorgespielt bekommen, dass sie so supermännlich sind, dass die vergewaltigte Frau in Lust vergeht (jedenfalls: solange die Scheine flattern). Darf ich fragen, welche Gesellschaft so etwas wirklich braucht? Hierzu … nochmal unsere Dame aus dem Millieu (siehe Süddeutsche):

„Wir sollten endlich anfangen uns zu fragen: Wollen wir gerade wirklich Sex haben oder nur unser Selbstwertgefühl steigern? Anders gesagt: Wir sollten viel weniger Sex haben und dafür besseren, befreit von Normen und Erwartungen.“

Wir sollten deshalb das üble Spiel verbieten, der Geschäftszweig, der sich aus Not, Ausbeutung und Menschenhandel nährt. Hier jedoch … bekommt man dann Ärger mit den Betreibern (der Markt wirft jährlich 14 Milliarden ab), den Freiern (wo soll man sich sonst schon so richtig austoben, wo kann man noch seinen Frauenhass, seine Frauenverachtung so richtig ausleben und sich selbst beweisen, was man doch für ein Mann ist – und wo kann man schon so richtig lustvoll auf Frauen uriniren und ungehemmt seinen Kot draufsetzen … ja, gehört auch zu der „Sexarbeit“) und den Linken. Auch hierzu hat sich eine ehemalige Prostituierte geäußert (siehe Kritische Perspektive)

„Selten war sich die Linke so einig wie bei der Bewertung der Prostitution. Diese sei „Sexarbeit“, eine Dienstleistung wie jede andere auch, und jede staatliche Regulierung abzulehnen. Dass alle Statistiken, Untersuchungen und Berichte dagegen sprechen, hat hier keinen Einfluss.“

„Praktisch alles vorhandene Material, die Berichte von AussteigerInnen, SozialarbeiterInnen und PolizistInnen, verweisen auf die ungeheuerlichen Missstände der (in Deutschland legalisierten) Prostitution; auf die Schädigungen, die diese selbst bei den sich freiwillig prostituierenden Frauen hinterlässt; auf die immer tiefere Verstrickung der Frauen in Schulden, soziale Abhängigkeit, Drogen und Armut; schlussendlich aber auch auf die zerstörerische Wirkung, die der barrierelose, käufliche Zugriff auf Frauenkörper auch für die Käufer, die Männer, hat: wie dies ihre Fähigkeit, „normale“ Beziehungen mit Frauen zu führen, ruiniert und sie nicht selten selbst in eine Abhängigkeit vom gekauften Sex treibt. In Schweden und anderen Ländern führte die breite Untersuchung, Darstellung und Diskussion dieser Tatsachen schlussendlich zum Verbot der Prostitution, mit Bestrafung nicht der Prostituierten, sondern der Freier und Zuhälter, während für die Prostituierten Ausstiegsprogramme und Hilfsangebote eingerichtet wurden.“

Eigentlich genug Argumente, um die Gemeinschaft fürsorglich eingreifen zu lassen, um den Schwachen jenen Schutz zu geben, den sie brauchen. Die Abhandlung dieser Prostituierten geht sehr tief – an die Wurzel des Phänomens Prostitution, die mit Sexualität gar nichts mehr zu tun hat, sondern ein Prinzip verteidigt:

Das absolute Anrecht des „Marktes“ darauf, alles und jeden überall zum Markt machen, zum Verkauf anbieten zu können und dürfen. War ja auch schon mal für menschliche Organe angedacht … mit der gleichen Begründung: warum nicht, wenn die Menschen das freiwillig machen und das Geld brauchen?

Nun – die pseudolinken Befürworter der Prostitution treffen sich hier gemeinsam mit den patriarchialischen Verfechtern dieses Fleischmarktes … und niemand fällt was auf?

Nun – vielleicht ist es einfach mal Zeit für ein Gedankenspiel – eins für Männer. Nehmen wir mal an, es gäbe eine größere Gemeinschaft von Homosexuellen, die Sie besuchen. Dort bieten man Ihnen an, Sex für Geld zu haben – da wären gerade drei Männer daran interessiert, die einen Geschäftsabschluss feiern wollen. Sie sagen: „Ich bin aber gar nicht schwul“ und denken: damit hat es sich. Fortan werden Sie jedoch mit wissenschaftlichen Arbeiten bombadiert, die belegen, dass alle Männer auch homosexuell sind, die Menschen in der Gemeinschaft fangen schon an, komisch zu gucken: es droht, dass Sie als homophob definiert werden und in der örtlichen Postille offen als Nazi gebrandmarkt – als Nazi mit psychischen Problemen, der sich weigert, seiner Natur zu folgen und seine Freiheit auszuleben. Können Sie sich in die Situation hineinfühlen? Merken Sie, wie Ihre freie Willensentscheidung – ja, sogar ihre Natur – langsam Schritt für Schritt beiseite geräumt wird? Und nun … scheuen Sie sich doch nicht so, dass härteste Argument des Kapitalismus wartet gerade auf Sie: Sie werden ja BEZAHLT, sogar GUT BEZAHLT (ja – als ob Geld eine moralische Kategorie hätte, die von seiner Menge abhängt – aber „gutes“ Geld hat ja unseren Alltagsgebrauch schon so sehr infiziert, dass Widerstand gegen diese idiotische Begriffskombination zwecklos scheint) … nur ein degeneriertes, völlig abartiges Wesen kann sich diesem wunderbaren Angebot entziehen. Vielleicht hilft man Ihnen auch mit sanfter Gewalt, den ersten Schritt in Ihre Freiheit zu tun: manche Prostituierte muss man erst „einreiten“, damit die funktionieren, am Besten mit mehreren, damit die für ihren „Job“ richtig gut aufgestellt ist. Und fühlen Sie sich da mal nicht zu sicher: Amnesty International war kurz davor, „Sexkauf als Menschenrecht“ zu fordern – wobei eingeschleuste Sexindustrieprofiteure aus der Homoszene mit eigenem Escortservice eine zentrale Rolle spielten (siehe kritische Perspektive). Wenn es erst mal ein Recht auf Sexkauf gibt … dann muss der Markt auch liefern, alles und jeden. Methoden dazu – gibt es genug.

Wir kommen hier in Sphären, die wieder hochpolitisch sind – und gar nichts mit der freien, einsamen Entscheidung der freien Powerfrau zu tun haben, aus ihrem Körper eine lustvolle Einnahmequelle zu machen, wobei die Kosten, die dieser Job bzw. der lädierte Körper später der Gesellschaft verursacht, wie selbstverständlich der Allgemeinheit aufgedrückt werden. Die Folgen davon … können sehr heftig und nachhaltig sein, hierzu gibt es einen spannenden Vortrag von Dr. Ingeborg Kraus: „Prostitution ist Gewalt gegen Frauen“ (siehe Trauma- und Prostitution.eu). Wieder treffen wir jene Mächte, jene Philosophien, jene Gruppierungen die G.C.Preparata in seiner Ideologie der Tyrannei beschrieben hat – wieder ein Schachzug zur Vernichtung der freien, offenen Gesellschaft – im Gewande größter Liberalität.

So kann selbst Kindesmissbrauch sprachlich als durchaus positives Ergebnis dargestellt werden (nochmal: Kritische Perspektiven):

„Einige Männer nahmen ihn mit nach Hause ins Bett, gaben ihm ein gutes Abendbrot und Frühstück und ein warmes Bett für die Nacht. Sex war involviert, aber am morgen gaben sie ihm 50 $. Peter fand es unglaublich – ein warmes Bett, viel „Zuneigung“, Essen und mehr Taschengeld, als er jemals in seinem Leben hatte.“

Der Junge – Peter – war neun Jahre alt und obdachlos. Sprache – hat schon eine enorme Macht, mit ihrer Hilfe kann man – wenn man will – ein Verbrechen als Segnung darstellen. Wie schön kann doch auch Mord sein, wenn man dem Opfer erstmal klar gemacht hat, dass es für seine Umwelt nur eine belastende Existenz ist, nur Kosten verursacht, Leid für seine Eltern bedeutet – und Schande – man kann sehr lange so argumentieren, bis das Opfer dem Mord zustimmt … und ich wäre trotzdem dafür, Mord weiterhin zu verbieten. Auch Seelenmord.

Ja – was machen wir eigentlich mit den anderen … jenen, die Lust auf Töten haben, echte Kerle, Krieger, Jäger, Wesen, die für Kampf und Tod leben, Menschen, deren Tatkraft und Einsatzbereitschaft wir in Krisenfällen gerne abrufen … haben die nicht auch ein Bedürfnis, auf das die Gesellschaft reagieren muss? Ist es wirklich nötig, ihrer freien Willensausübung Grenzen zu setzen … selbst wenn ihre Opfer einwilligen? Was spricht schon dagegen, Menschen in der Arena gegen Löwen kämpfen zu lassen, wenn die das freiwillig machen und dafür bezahlt werden? Gut – es bleiben ein paar liegen … aber doch nur die Schwachen. Die anderen … könnten reich werden!

Nach acht Jahren Prositituion hat Huschke Mau (Pseudonym) einen Brief an die Prostitutionsbefürworter geschrieben … jene, die sich ach so sehr um die „Bedürfnisse“ anderer sorgen, ohne je zu hinterfragen, ob denn Bedürfnisse wirklich eine urmenschliche Naturgewalt sind – oder nicht nur anerzogenes Fehlverhalten; es wäre ja bei der Genderei ja ein leichtes, auch mal auf diesen Gedanken zu kommen und sich Rat bei jenen zu suchen, die – sehr zum Zorne der Bedürfnisvermarktungsgesellschaft – ihre Bedürfnisse einfach im Griff haben (oder ganz eliminieren – um frei zu sein) … anstatt sich ihnen hemmungslos auszuliefern. Hier mal ein Auszug (siehe Emma):

„Lies Dir die Sprache in den Freierforen doch mal durch, lies Dir durch, wie ihnen dabei einer abgeht, wie sie es genießen zu wissen, dass die Frau das nicht mag, sondern nur für Geld macht, es aber tun muss, weil sie die verdammte Kohle braucht, oder weil im Nebenzimmer ein Typ sitzt. Wie sie ganz bewusst die Grenzen testen und übertreten und sich ihrer sadistischen Seite dabei, wenn nicht ganz hingeben, so doch zumindest deutlich bewusst werden. Es geht in der Prostitution nicht um Sex, es geht um Macht. Und nur um Macht. Tu nicht so, als könnten Frauen sich dort ausleben in ihrer Sexualität, der einzige, der sich auslebt, ist der Freier, dessen Wünsche Du erfüllst. Und zwar auf Deine Kosten.“

Es geht um Macht. Um Sadismus. Um eine Kultur, die Standard werden soll – Standard geworden ist (das jegliche humanistische Selbstverständlichkeiten im Einklang mit der Erklärung der allgemeinen Menschenrechte „Sozialromantik“ genannt werden – ganz offen, von führenden Politikern – zeigt, wie sehr die dunkle Kultur schon die Herrschaft angetreten hat – und gerade sie braucht die käufliche Frau). Eine Kultur die unser menschliches Miteinander auf breiter Front umschreiben möchte – und viele Bereiche schon längst umgeschrieben hat. Damit … könnte man die Erörterung des Problems beenden, wenn nicht … immer auch die Frage nach dem Gegenmodell im Raum stehen würde.

Wir kreisen ja sehr um Sexualität – die ganze industrielle westliche Gesellschaft hat dies zum zentralen Punkt erhoben, neben dem anderen Themen (Krieg, Hunger, Sklaverei, Ausbeutung, Folter – um nur einige zu nennen) sehr verblassen. Stellen wir die Frage nach dem Warum, so kann man sich die Antwort einfach machen wie der Mönch Anselm Grün: wir haben Gott verloren und suchen ihn im Partner – und der Sexualität. Finden wir Gott wieder … sind die irre geleiteten Bedürfnisse fort. Jetzt habe ich aber das böse Wort (Gott) gebraucht, doch keine Sorge – man kann auch anders argumentieren. Folge ich Wilhelm Reich, so ist der ganze Sadismus Folge von schlechtem Sex … geboren aus der immensen Frustration, die sich ergibt, wenn man äußerlich den Akt vollzogen hat, innerlich habe … kein Echo folgt. Es gibt Kulturen (Achtung, nächste Überforderung), die betreiben professionell Sexarbeit, d.h. sie haben eine hohe Schule der sexuellen Vereinigung, die durch gezielte Arbeit größtmögliche Orgasmen – und Befriedigung – erreichen … es ist eine der ältesten Kulturen der Menschheit … allerdings finde ich im Netz da auf Anhieb nichts zitierwürdiges: im Westen wird die Kunst des Tantra ja auch nicht umsonst seit Juni 2017 mit Prostitution gleichgesetzt – ist vielleicht auch in vielen Fällen nichts anderes, denn wo findet man in deutschen Tantravereinen schon den Hinweis darauf, dass ein Mann sämtliche Energien von den Männern in sein Feld aufnimmt, die zuvor intim mit seiner Partnerin waren – mit ganz üblen Folgen für ihn? Wer wäre schon daran interessiert, dass Menschen, die dort ihre Erfahrungen mit Sexualität gemacht haben, angewidert gerne auf das verzichten, was hier im Westen so im Angebot ist … angefangen von Pornofilmen bis hin zu willigen Weibchen auf Reifenkalendern (was übrigens zum gesamten Bereich Prostitution zuzuordnen wäre – aber das würde jetzt hier zu weit führen) bis hin zu der tristen, langweiligen und generell frustrierenden Gymnastik, die wir so als „Sex“ beschreiben … weil wir nichts anderes kennen.

Sicher – wir haben eine allgemeine Prostitutionskultur: das ist die Wahrheit hinter dem Getöse, darum muss die offene Prostitution vehement als Norm verteidigt werden. Prostituierte haben Recht, wenn sie sagen: wir verkaufen uns doch alle – die meisten nur für viel zu wenig Geld. Schon das erzwungene Lächeln an der Discounterkasse muss als Prostitution beschrieben werden, ebenso wie das Anfertigen marktfreundlicher Bewerbungsfotos – die Auseinandersetzung zur Rettung der Menschenwürde muss viel früher beginnen, der Anspruch darauf, Frauen kaufen zu dürfen, weil man Bedürfnisse hat, ist eine der letzten Fronten – und eine entscheidende.

Andere Kulturen – leben anders. Wie die Mosuo in China, eins der letzten Matriarchate in der Welt, in denen der Besitz den Frauen gehört – aller Besitz. „Das Paradies ist weiblich“ nennt der Autor und Arzt Ricardo Coler sein Werk über seinen Besuch bei diesem Volk, dass auch den Kommunisten ein Dorn um Auge war und wo Frauen über 50 resigniert über ihr Alter klagen, dass sie nur noch drei mal wöchentlich Sex haben (siehe Berliner Zeitung). Männer bei den Mosuo … haben ganz viel freie Zeit für Spiel, Spaß und Entspannung. Welch´ grausames Schicksal – wie gut geht es uns doch dagegen!

Es ging auch anders. Ganz anders. Wer sich jedoch aufmacht – wie Wilhelm Reich – die Wurzel unseres Übels aufzudecken, dessen Bücher werden verbrannt, dessen Labore werden zerstört, dessen Arbeit wird verächtlich gemacht.

Der partiarchiale Staat braucht die Prostiuierte als Symbol seine Triumphes über die Frau an sich – so wie er auch die Ehefrau als Besitzstand braucht, die ihm seine Söhne gebärt, durch die er fortleben kann. Und er braucht die Frustration, um Soldaten zu generieren. Wenig schmeichelhaftes gibt es über seine Leistungsträger zu berichten:

„Der weiße Mann benimmt sich zur Zeit als die abscheulichste, arroganteste, obszönste, mörderischste, heuchlerischste und wildeste Kreatur, die diese Erde je betreten hat, sein Konto an Schmach, das von Tag zu Tag wächst, ist einfach unbeschreiblich und wird von keinem anderen übertroffen. Feministinnen sagen uns da nichts Neues. Was sie allerdings vergessen – und das ist eine unverzeihliche Unterlassung – ist, dass der weiße Mann den größten Anteil an Gewalt gegen Weiße wie er selbst richtet.“ (Preparata, Ideologie der Tyrannei, Dunker & Humblot, Berlin 2015, Seite 170).

Und den Durchmarsch dieser Kreatur durch die Gesellschaft zu stoppen, gebietet … das Verbot der Prostitution … wobei – denke, das ist selbstverständlich – die Täter ins Auge der Polizei fallen sollten … und nicht die Opfer …. also der Freier und Zuhälter, nicht … die Prostituierte; ich denke da auch an jene Männer, die den Frauen Zimmer für 150 Euro die Nacht für ihre Sexarbeit vermieten … und sie so erstmal in die absolute Abhängigkeit treiben, in einen Zustand, wo widerpruchslose Massenabfertigung überhaupt erstmal die Grundlage jeder wirtschaftlichen Existenz ist.

Und was ist nun mit der Frau, die mit keinem normalen Job klar kommt – wie Ramona, die den Job gerne macht, obwohl er ihre Seele auffrisst (siehe Süddeutsche)? Jener Frau, die gerne ihre heiße „Lillith“-Seite ausleben will (siehe utebennecke.de) … und das Geld braucht? Nun – warum soll die nicht weiter leben wie zuvor? Was interessiert es die Gesellschaft, was in ihrem Schlafzimmer geschieht – und welche Geschenke ihr ihre Verehrer machen? Das – kann man auch ohne Industriezweig leben. Ganz freiwillig. Selbstbestimmt. Und: würdevoll. Und – man braucht es nicht an die große Glocke zu hängen … wenn da wieder ein Mann seine Ehe und damit auch das Nest seiner Kinder in Gefahr bringt … über jene Opfer müssen wir aber mal wirklich ein andermal reden.

PS: diese Erörterung war – ein Wunschartikel eines Mannes, der 20 Jahre im „Millieu“ lebte, das Elend mitbekam (und auch jene 2-3 Prozent, die das gerne machen – und jetzt als Standard gepriesen werden) und voller Entsetzen ist, wie diese Kultur der Vernichtung jetzt offensiv angepriesen und zur Normalität erklärt wird – auch und gerade von Salonlinken, die … keinerlei eigene Erfahrungen in dem Bereich haben – aber enorm viel Meinung dazu.

PS 2.: ja – ich bin voreingenommen, bin offizielles Mitglied von Zeromacho … jenen Männern, die ganz gut ohne Prostituierte auskommen. Ehrlich gesagt war der Entschluss leicht: Frauen kaufen hat doch wirklich so überhaupt nichts mit Erotik zu tun.

Kindesmissbrauch – der grausame Holocaust der Seele. Ein Fallbeispiel.

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Mittwoch, 21.10.2015. Eifel. Wir werden uns heute zuallererst um Begriffe kümmern müssen: es gilt zu belegen, dass der Begriff „Holocaust“ in dem geschilderten Zusammenhang seine Rechtfertigung hat, ebenso werden wir uns um den Begriff Seele kümmern müssen. Zuerst der Holocaust – im engeren Sinne als Vernichtungsfeldzug des deutschen Volkes gegen ihre eigenen Mitglieder amtlicher jüdischer Religionszugehörigkeit begriffen, im weiteren Sinne (z.B. „atomarer Holocaust“) gebraucht als Auftreten jeglicher Form von systematischer Massenvernichtung. Ich weiß, viele stoßen sich an diesem Begriff, weil sie ihn für ein einziges, isoliertes Ereignis in der Geschichte reservieren wollen, eine Ansicht, die ich verstehe, doch nicht teilen kann, weil es ihn jederzeit – in jeder auch nur leicht abgeänderten Form – wiederholbar macht. Ich werde dazu ein andermal weiter ausholen, für heute reicht es, zu erwähnen, dass der altgriechische Begriff holocaustos für „vollständig verbrannt“ – zusammengesetzt aus holos (ganz) und caustos (gebrannt) –  zum ersten Mal im Sinne von Völkermord 1895 von britischen Autoren für das Massaker an Armeniern verwendet wurde. Ich verwende ihn hier, um der Größenordnung der laufenden Katastrophe gerecht zu werden, die still, leise und heimlich in deutschen Landen umgeht … hauptsächlich außerhalb von Kirchen, weshalb die Täter wohl deshalb besonders laut schreien, wenn ein Kirchenmann die Taten begeht.

Der nächste Begriff begleitet uns ebenfalls seit Jahrtausenden: Seele. Dem Begriff wird im modernen Denken per Definition kein Platz mehr eingeräumt, der Mensch – so die Lehrmeinung – bestehe lediglich aus einer Reihe chemischer Prozesse, die „Empfindungen“ hervorrufen – eine Theorie, die bis heute durch nichts belegt ist aber dafür umso lieber zitiert wird: kurz – ein Dogma, das in vielerlei Hinsicht sehr bequem ist. Wo es keine Seele gibt, kann diese auch nicht verletzt werden … woraus resultiert, dass die den Vätern des Grundgesetzes so heilige, unantastbare „Menschenwürde“ nur ein sozialromantischer Schatten aus ungebildeten Zeiten ist – mit entsprechenden Folgen für die Sozialgesetzgebung. Es ist eine seltsame Theorie, können doch die meisten Menschen ihre Seele „empfinden“ … vor allem, wenn sie verletzt wird. Liebeskummer ist hier wohl ein weiter verbreitetes Beispiel, das ernsthafte körperliche Erkrankungen nach sich ziehen kann; der „Herzschmerz“ ist deshalb besonders, weil das Herz nicht zu den Organen gehört, die über Schmerzrezeptoren verfügen. Wer dies jedoch mal durchleben musste, weiß, dass es heftige Schmerzen sein können, Schmerzen, die extreme gesundheitliche Schäden verursachen können. Schmerzen, die der Begriff „Seele“ plausibler erklären kann als die Theorie der „chemischen Prozesse“. Es ist hier kein Platz für eine umfangreiche Diskussion des Seelenbegriffes, hierzu wird ein andermal mehr zu erzählen sein. Wir werden hier wohl in vielerlei Hinsicht umdenken müssen, gerade jetzt, wo wir uns mit der Erkenntnis über kommunizierende, zählende, fürsorgende Bäume auseinandersetzen müssen, die – definitiv – kein Gehirn haben aber erstaunliche mentale und emotionale Leistungen erbringen (siehe hierzu: Peter Wohlleben, Das geheime Leben der Bäume).

Wir brauchen einen Begriff der Seele, weil wir sonst gar nicht verstehen können, was an Kindesmissbrauch so schlimm ist. Hier gilt das Gleiche wie für die „Würde“ des Menschen: wo nichts ist, was verletzt werden kann, wo nichts gedacht werden darf (per Definition und Beschluss der Obrigkeit), was leiden kann, da kann es auch keine ernsthaften Verletzungen geben, deshalb hat ja die materialistisch orientierte Medizin den Begriff „Befindlichkeitsstörung“ entwickelt – was an Gehard Schröder erinnert, der Familie, Frauen, Senioren und Kinder seinerzeit lapidar und spontan als „Gedöns“ deklarierte und in Form von Hartz IV ein seelenloses, entwürdigendes Gedönsgesetz erschuf.

Warum der Begriff „Holocaust“? Nun – wie gesagt: es geht um das Ausmaß. Die Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz (also: das Gedönsamt) Hamburg hat hierzu eine Studie veröffentlicht, die den modernen Schönsprechstudien elementar widerspricht (siehe Prävention Bildung). Die Studie stammt von Dirk Bange, befasst sich mit sexuellem Missbrauch an Mädchen und Jungen und bezieht sich auf Fragebögen, die von Erwachsenen ausgefüllt werden – und nicht, wie üblich – auf Hochrechnungen zu einem Tabuthema. Die Zahlen an Missbrauch von Frauen reichen von 18 – 31 Prozent, die selbst einen Missbrauch erfahren mussten; die höchste Zahl stammt von Mitarbeitern der Beratungsstellen, die niedrigste Zahl aus einer repräsentativen Umfrage für Deutschland.

18 Prozent … das sind 7 Millionen Frauen, die in Deutschland sexuell missbraucht wurden – zuzüglich knapp drei Millionen Männer, die in jungen Jahren missbraucht wurden, kommt man auf knapp zehn Millionen – eine unglaubliche Menge. Das Land müsste starr sein vor Entsetzen … doch das Thema ist tabu. Niemand schreit auf wegen zehn Millionen grausam zerstörter Seelen – aber das Thema kann man halt auch nur erfassen, wenn man einen Begriff von Seele hat und sie nicht als Gedöns abtut.

Man könnte noch lange Zahlen, Daten und Fakten heranschleppen – das Internet ist voll davon. Daraus … zieht jedoch niemand Gewinn. Darum habe ich das Angebot eines missbrauchten Menschen wahrgenommen, habe ausnahmesweise eine anstrengende Reise auf mich genommen und lange Gespräche über einen Missbrauch geführt, der im Alter von 12 Jahren geschah (der erste war mutmaßlich im Alter von vier Jahren, doch hier streikte die Erinnerung). Die Person wird bald dreißig Jahre alt. Da Philosophen dereinst – als es noch Seelen gab – als Ärzte der Seele (heute also Gedönskurpfuscher sind) galten, interessierten mich besonders die seelischen Folgen des Missbrauchs. Während des Gespräches kam mir der Titel in den Sinn: es ist Mord, was hier geschieht. Eiskalter, grausamer Mord an der Seele – und er verheilt nie. Ich muss und möchte die Anonymität der Person waren – und wenn ich ihre Geschichte erzähle, wird man auch verstehen, warum.

Ich möchte Voyeuren keinen Aufführung bieten, weshalb Details zum Missbrauch geheim bleiben. Was dort geschah, enspricht den herkömmlichen Handlungen in billigen Pornofilmen – soviel sei gesagt. Das Opfer war 12 Jahre alt und leidet bis heute, wo es auf die Dreissig zugeht.

Wie reagiert die Seele nach der Tat?

Man fühlt sich „schmutzig, zerstört, leer„. Hat man einen Begriff von „Seele“, spürt man, dass es hier um Vernichtung geht – Vernichtung durch Sexualität (unsere heiligen Kuh, die auf einmal sehr dämonisch daherkommt). Die Seele empfindet ihre eigene Vernichtung, ihre Leere – und die Tatsache der Entwürdigung. „Sexueller Missbrauch“ ist – angesichts dieser Empfindungen, die er auslöst, ein ziemlich verniedlichender Begriff. Holocaust, das totale Verbranntsein, trifft es eher – erst recht, wenn man die quantitativen Ausmaße dieser Verheerungen in unserer Gesellschaft sieht.

Doch bleibt es nicht dabei: der Missbrauch ist nur der Auftakt eines lebenslangen Leidens, einer für immer und ewig zerstörten Existenz … in seiner Unwiderruflichkeit und Unheilbarkeit dem Morde sehr ähnlich – nur dauert das Leiden der Seele bis zur Erlösung viel länger, lebenslänglich – was meiner Meinung nach eine Gleichsetzung mit Mord rechtfertigt.

Diese zerstörte Seele ist in ihrem tiefsten Inneren zerrüttet – doch existiert sie weiter … in diesem Fall in einer Umwelt, die das kleine Kind (wie allgemein üblich) zusätzlich bestraft: man trifft im Freundeskreis auf Unglauben, in der Familie auf offene Ablehnung, die soweit führte, dass die Mutter das „unreine“ Kind aus der Familie verstieß – wir sehen, dass unser Kulturkreis zu den gleichen Methoden fähig ist wie die von uns häufig kritisierte muslimische Kultur, die schon mal Vergewaltigungsopfer ermorden läßt, weil sie „unrein“ sind. Das Kind trifft mit seiner verletzten Seele auf eine Umwelt, die ihm sofort feindlich gesinnt ist: es will sich wichtig tun, wird ihm vorgeworfen, es wird belächelt, seine Geschichte als „Wunsch nach Aufmerksamkeit“ abgetan, letztlich – der Todesstoß – wendet sich die eigene Mutter zugunsten des Täters (ein Stiefvater) von dem Kind ab, entsorgt es zu anderen Familienangehörigen, fälscht Briefe, um das Kind zu belasten und den Täter zu schützen.

Was folgt, kennt die Wissenschaft zur Genüge: das Opfer flüchtet sich in die Krankheit, um so schnell wie möglich dem Täter zu entkommen. Das Krankenhaus ist eine sichere Alternative zum eigenen Zuhause, da Flüchtlinge dieser Art kaum Zuwendung in unserer Gesellschaft finden, die einzige Art, Sicherheit zu finden. Es verletzt sich selbst mit Messern – was zu massivem Mobbing in der Schule führt. Opfer sind nicht gern gesehen im Land der Sieger, jenem Land, dem es per Beschluss der Kanzlerin gut geht. Auf eine Seele, die verletzt am Boden liegt, tritt man gerne drauf: Alltagsfaschismus der genehmen Art. Das Kind bricht sich selbst seinen Arm, um zu entkommen, fügt sich Verbrennungen zu – es ist sogar in der Lage, sich selbst eine Blinddarmentzündung zuzufügen (ja – da war ich selbst überrascht, aber es scheint zu gehen).

Hören wir das Kind selbst dazu, es existieren Einträge aus dem Tagebuch:

Ich hasse mein Leben. Ich will einfach nur weg. Es wäre eh allen egal und ich hätte meine Ruhe!
Manchmal fühle ich mich als wäre ich ein Stern im einsamen, kalten Universum.

Das war mit 12. Ein Jahr später:

Mein Leben ist mir egal, am Liebsten wäre ich tot!
Ich kann nicht mehr! Ich will nicht mehr! Bitte, bitte gute Fee und helf mir! Bitte!

Urvertrauen – nach eigenen Worten – war nicht mehr vorhanden.

Die Leere im Leben weicht nicht. Schlimm für eine Seele, wenn sie leer ist, leer bleibt, so schlimm, dass mit 14 alles unternommen wird, der Leere zu entkommen: Drogen, Sex, Alkohol, Tabletten – und fortdauernde Selbstverletzung: über die Reaktionen der Umwelt auf diese Signale brauchen wir glaube ich nicht näher eingehen – sie waren so grausam die die Tat selbst. Die Gefühle, die diese Zeit begleiten?

„Sehnsucht nach Liebe, Freiheit, Verständnis. Alleine gelassen. Verlassen, ausgenutzt, dreckig.“

„Seele“ – hat ein Gefühl von „heil sein“ – und kann beschmutzt werden, endgültig, irreparabel, durch einen einzigen, kurzen kranken Akt. Wie weit wären wir doch, wenn wir dies wieder erkennen würden – stattdessen fallen wir sozial zurück in Anschauungen, die vor über dreitausend Jahren in barbarischen Zeitaltern Norm waren.

Das Kind – fügt sich selber Schmerzen zu, um überhaupt noch etwas von sich selbst zu spüren, ständig begleitet von der Verzweiflung über sich selbst, „dass man wieder Scheiße gebaut hat„, lebt „in einem Labyrinth ohne Ausgang„. Geplant … war das Leben anders. Ein Studium war angedacht, Chemie wäre schön gewesen. Dieser Lebenstraum jedoch – vernichtet in einem einzigen Akt.

Strafanzeige? Fehlanzeige. Hören wir das Kind selbst:

„Oft war der Gedanke da eine Anzeige zu machen und doch konnte ich es nicht. Ich wollte nicht alles wieder durchleben müssen, ich wollte nicht das alles in mir wieder ausgewühlt wird. Ich wollte nicht vor verschiedenen Gutachtern sitzen und jedes Detail erzählen müssen. Ich habe mich mit Frauen unterhalten die es getan haben, sie wurden mehrfach einem Gutachter vorgesetzt weil Kleinigkeiten in der Aussage unterschiedlich waren und wenn es nur die Farbe der Bettwäsche war. Nein! Anzeige erspare ich mir selber und hoffe das das Leben seine Rache für mich nimmt an dem Täter.“

Ja – erinnert man sich nicht an die Farbe der Bettwäsche, ist man schnell ein böser Täter, der üble Verleumdungen ausstößt. Der Täter – infolge des Alters immer überlegen, erst recht argumentativ. Die Gutachter – verdienen sich dumm und dämlich.

Therapie?

Wie soll eine Gesellschaft Wunden an einer Seele heilen, die gar keine Vorstellung von Seele hat?

„4 Therapeuten, 4 verschiedene Meinungen über solche. Für mich gibt es drei Arten von Therapeuten.
Die Therapeuten die ihren Job ernst nehmen, verständnisvoll, rücksichtsvoll und ehrlich mit einem umgehen. diese Art, die wirklich Interesse an einem und seinem Schicksal zeigen.
dann die Art die den Job nur machen weil es gut Geld gibt. die jenigen die einem null helfen und mit einem small talk halten und einem dann noch irgendwas unterstellen,
dann Art Nummer 3. die Therapeuten die behaupten das sie Ahnung haben, man aber die wirkliche Thematik nicht ansprechen darf. die jenigen die einem genauso wenig helfen wie Nummer 2. sie setzen einen dann lieber auf Tabletten und damit ist die Sache erledigt,
dann haben wir da noch Nummer 4. Nummer 4 sind die Therapeuten die sehr oberflächlich sind, die eine hohe theoretische Bildung haben, die einen mit Fachbegriffen vollpumpen und diese auch gut und sachlich erklären können. sie haben aber in Wirklichkeit kein Verständnis und kein Interesse am eigentlichen Schicksal. die machen sich falsche Notizen und so passiert es dann auch das einem kreativen Menschen, der eh schon auf diesem Gebiet viel macht, eine ergo therapie verschrieben wird.“

Hauptsache, der Rubel rollt. Therapeuten wirken „oberflächlich“, sachlich nüchtern und kalt. Geht ja auch nur um Gedöns.

Das Kind?

Wird größer, ist bald dreissig Jahre alt. Was bleibt, sind die Albträume. Jede Nacht. JEDE NACHT. Der Akt wiederholt sich noch und noch, der Missbrauch reicht in die Ewigkeit. Ebenso die Bilder, Worte, Botschaften, die sich beständig wiederholen, täglich, zu jeder Gelegenheit:

„DU BIST NICHTS“

„DU DARFST KEINEM WAS SAGEN!“

„WENN DU EINEM WAS SAGST, PASSIERT WAS!“

Mit der letzten Drohung war in diesem besonderen Zusammenhang die pflegebedürftige, von dem Kind sehr geliebte Oma gemeint, die eine Aussage des Kindes nicht überlebt hätte.  Auf die Darstellung der konkreten sexuellen Handlungsanweisungen möchte ich nicht eingehen … nur auf den Tatbestand, dass sie auch heute noch – zum Beispiel beim Joggen, wenn man einfach abschalten möchte – plötzlich und mit großer Macht über die Seele herfallen.

Das Kind ist dreissig Jahre alt, als Folge des Missbrauches haben sich seit einigen Jahren dissoziative Störungen eingestellt, aktuell begleitet von Momenten fehlender Alltagserinnerung, sogenannten Blackouts, eine – für diese Fälle typische – Borderlinestörung wurde erst Jahre später festgestellt, eine dissoziative Störung erst 2015, nach den ersten Therapieerfahrungen mit 19 wurde die damalige Diagnose nicht mitgeteilt – so geht man halt mit Gedöns um. Das Kind kämpft beständig, täglich … ums Überleben – gegen „das Ritzen“, gegen die Träume, gegen die imperativen Botschaften. Beruflich fühlt es sich nicht eingeschränkt … allerdings sind Berufe, die einen mit persönlichen Schicksalen konfrontieren, undenkbar – ebenso das Ertragen der Schilderung persönlicher Lebensgeschichten im Freundeskreis.

In Gesellschaft jedoch … wird eine Fassade aufgesetzt, eine dicke Mauer gebaut … „und wehe, es guckt einer dahinter„. Das Kind – ist ängstlich, immer noch. Auf ewig. Empfindet immer noch einen mangelnden Wert, ist durch Komplimente kaum erreichbar.

Der Rat des Kindes an andere Kinder: DAS SCHWEIGEN BRECHEN … was es hiermit getan hat, stellvertretend für viele, die immer noch schweigen – schweigen müssen.

Und der Philosoph? Stand gerade an der Straße, als ein Auto vorbeifuhr und erinnerte sich an Zeiten, als Wissenschaftler noch nachwiesen, wie bedrohlich und gefährlich die Kinderseele Autos … „Straßenverkehr“ … empfindet. Wer macht sich heute noch Gedanken darum? Und wie harmlos ist ein Auto (das heute ja nicht groß genug gebaut, nicht bedrohlich genug gestaltet werden kann) gegenüber einem Erwachsenen, der mit Gewalt folgenlos in intimste Bereiche dringen kann, Bereiche, die einem Partner als Geschenk vorbehalten sind – um „Familie“ zu gründen. Bereiche, die einst als heilig galten, sogar dem alten Zeterer Nietzsche als „Garten“ galten – der gehegt und gepflegt werden sollte … und nicht verbrannt.

Ich frage mich heute – aus aktuellem Anlaß – wie viele dieser zerstörten Seelen wohl heute bei Pegida anzutreffen sind, weil ihre Angst angesichts einer Million neuer, „fremder“, als potentielle Täter empfundener Männer (die die Haupttätergruppe stellen) einfach nicht mehr beherrschbar ist. Ängste, die gezielt von US-Instituten geschürt werden … wie mir neuerdings auffiel (siehe Neopresse). Opfer, die mit ihrer Angst an die Öffentlichkeit gehen … und als „Nazis“ sozial hingerichtet werden (worüber noch zu reden sein wird).

Doch erstmal schaue ich aus dem Fenster und bin erschüttert – erschüttert über die Dimensionen eines neuen Holocaustes in Deutschland, eines Holocaustes an Kinderseelen, der – wie die „Shoa“ auch – leise, diskret, verborgen vor den Augen der Öffentlichkeit stattfindet, die gezielt wegschaut, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Aber er vernichtet ja nur Seelen. Gedöns, sozusagen. Trifft man jedoch eine dieser Seelen – der ich sehr dankbar bin für das Vertrauen und die Genehmigung, diese Geschichte erzählen zu dürfen – spürt man die vernichtende Gewalt, die wieder im Lande wütet – in anderer Form, anderer Gestalt, unter anderer „Legende“. Und doch … ähnlich.

Erschreckend ähnlich.

Und wieder einmal … machen Millionen mit. Dulden es. Verharmlosen es. Ignorieren es. Tabuisieren es.

Machen mit.

Und – mal im Ernst: hätten Sie gedacht, dass „Sexualität“ – zu deren hemmungslosem Ausleben wir täglich aufgefordert werden – bei unsachgemäßen Gebrauch so vernichtend sein kann?

 

 

 

SEIN oder NICHTSEIN – eine Frage über Fortbestand oder Untergang unserer Spezies und ein Lanzenbruch für Permenides

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Foto: Vincent Garcia (Flickr Creative Commons) CC BY SA 3.0 Quellenlink

Da in der Kürze oft die Würze liegt, diesmal heute kein elegischer Aufsatz wie gewohnt, sondern nur eine kleine geistige Handgranate, in der Hoffnung, das bisherige Weltbild des fernsehenden Dosenbierbürgers ein bisschen anzukratzen. Genauer gesagt, um die Käseglocke, unter der man ihn dahinvegetieren lässt, ein wenig aufzusprengen und ihm wieder etwas Frischluft zum Durchatmen zu verschaffen.

Also: Es geht um nichts weniger als die Frage nach „Sein“ oder „Nichtsein“. Hat bestimmt jeder schon gehört, diese naive Frage, nicht nur die Shakespeare- und Klassikfans. Diese Frage, der alle Philosophen und großen Geister der Menschheit ihr gesamtes Leben und all ihre Kraft gewidmet haben, sie gilt doch heute als gelöst, jeder fernsehende Bürger kann sie im Handumdrehen beantworten. Was gibt’s da also noch blöd zu fragen?

Nun, wir leben ja angeblich immer noch in einem Rechtsstaat. Und in einem Rechtsstaat besteht das gerichtlich verfügbare Recht, in der Tageszeitung eine Richtigstellung zu begehren, wenn in der Öffentlichkeit eine grobe Verleumdung, Rufmord oder Lüge verbreitet wurde, jemand gegen ein Urheberrecht verstoßen hat etc.

Die grundsätzliche Unterscheidung zwischen „Sein“ und „Nichtsein“ wurde bereits von Permenides um 500 v. Chr. getroffen. Er besitzt somit das geistige Urheberrecht. Da der alte Grieche nicht mehr lebt und sich auch kein Staatsanwalt findet, der amtswegig gegen die unverschämte Verdrehung der Realität vorgeht, unter der die Menschen heute bereits fast zugrundegehen, muss halt ein Parkwächter diesen Job übernehmen und die Richtigstellung einer fundamentalen Lüge begehren.

Also: Für Permenides war der Fall noch klar:

  • Alles, was vergänglich ist, also alles Materielle, zählt logischerweise zur Welt des „Nichtseins“ (z.B. werden der Stuhl, auf dem der Leser gerade sitzt oder der Körper aus Fleisch und Blut, in dem er sich bewegt, in ca. 200 Jahren, vielleicht auch schon in 2 Wochen, Staub sein).
  • Während alles Ideelle (z.B. die Idee der Gerechtigkeit, alle sonstigen menschlichen Tugenden, seine geistig-seelische Entwicklung etc.) der Welt des „Seins“ angehört, also unvergänglich ist.

Noch vor 2000 Jahren zählten deshalb die „Geldwechsler und Zöllner“, die ihre gesamte Lebenszeit mit dem Raffen einer möglichst großen Menge pekuniären Profits verbrachten, zur meist verachteten Gesellschaftsschicht.

Heute wurde das auf den Kopf gestellt. Der ipodbestöpselte Schäublebürger hält das, was er mit Händen greifen kann, für „Sein“ und das Ideelle (=das eigentlich Menschliche / Geist und Seele von Mensch und Natur, das platonische Reich der Ideen und Urbilder) für „Nichtsein“, also für unwirklich. Er hat Angst, dass ihm das Haus abbrennt und sein Auto versichert ist, aber seine Seele schickt er achselzuckend auf den Weg in Dantes Eishölle.

Auch sind die „Geldwechsler und Zöllner“ heute nicht mehr die meistverachteten, sondern die meistbewunderten und bestdotierten Personen.

Dass wir heute auf allen Ebenen des Lebens solch katastrophale Zustände haben und einem dunklen Abgrund entgegengehen, hat in Wirklichkeit einzig den Grund, dass in unseren Schulen und Unis genau diese Verdrehung von Sein und Nichtsein gelehrt wird.

Leider ist die eingangs gestellte Frage nach Sein und Nichtsein heute nicht nur eine philosophische, sondern eine höchst existenzielle. Denn wenn wir die gegenständliche Verdrehung nicht richtigstellen, sondern weiterhin das Nichtsein über das Sein triumphieren lassen, dann landen wir demnächst mit derselben Gewissheit, wie Zwei und Zwei gleich Vier ist, in einer mechatronischen Borg-Realität, wie bereits hier kurz skizziert. So nebenbei erwähnt, wäre das gleichbedeutend mit Sendeschluss für den Homo Sapiens und dem endgültigen Scheitern des als Projekt der Freiheit gedachten Evolutionsexperiments „Mensch“.

Gleichzeitig läge in der Richtigstellung dieser Verdrehung aber auch die Lösung unseres gerade eskalierenden, globalen Fiaskos.

Heureka? – Nun, vielleicht für einige, aber wohl nicht für alle. Denn wie hat Goethe schon gesagt: „Es ist leicht, doch ist das Leichte schwer…“ Vor allem ist es für unsereins‘ Zeitgenossen, die wir geteert und gefedert vom Förderband von Schule und Uni rollen, nicht gerade leicht, ebendiese (Kunststoff-)Federn, die man uns auf den Kopf geteert hat, wieder abzustreifen und sich auf Permenides und das Bleibende inmitten des Vergänglichen zu besinnen…

Kultur und Ethik

Über unseren Geist, unsere Seele, echte Meinungsfreiheit und ein wahrhaftiges Leben in echter Verantwortungsbereitschaft

(Aufsatz von W. Oesters; – am 27. Juni 2015 erstmals erschienen auf der zeitkritischen Website „achtgegeben.de“)

 

Seit mehr als einhundert Jahren tritt auf allen möglichen Gebieten etwas in Erscheinung, was ich nur als eine immer wieder aufs Neue kollektiv organisierte Engstirnigkeit bezeichnen kann, nämlich eine auf die inzwischen unzähligen technischen Erfindungen (manche sind zweifellos genial und auch sehr nützlich) immer wieder geradezu fanatisch reagierende Hysterie, die andererseits aber auch – eine kollektive Blindheit für die zahllosen Gefahren in sich birgt, denen die Menschheit seither in zunehmendem Maße ausgesetzt ist bzw. sich nahezu widerspruchslos aussetzen läßt. Nicht nur meine Website, sondern auch viele andere Websites, Fernsehsendungen, Radioessays, Bücher usw. sind längst voll und werden immer doch immer voller von den Beschreibungen der vielfältig zunehmenden Gefahren, die inzwischen längst nicht nur unsere Zivilisation selbst, sondern auch unseren gesamten Lebensraum betreffen, aber kaum etwas ändert, kaum etwas bessert sich bisher. Nein, Vieles droht sich auch derzeit noch weiter zu verschlechtern, zunehmend mehr Menschen sind längst nun auch hier in den reichen westlichen Ländern vom Abrutschen in buchstäbliche Armut bedroht, die Umweltverschmutzung nimmt trotz vieler technischer Verbesserungen weiter drastisch zu, auch der Krieg soll nun auch wieder einmal in Europas Osten der Ukraine geradezu unausweichlich sein und wird daher von vielen Medien auch schon wieder als „geradezu unausweichlich diskutiert“; die Liste von eigentlich haarsträubenden Ungeheuerlichkeit ließe sich noch lange fortsetzen, und all dies wird der Öffentlichkeit offensichtlich mit einer fatalistisch begründeten Selbstverständlichkeit hingenommen, als handelte es sich dabei um unabweisbare Naturgesetze, die sich immer wieder und wieder ereignen müssen. So zivililisiert sind die heutigen Zivilisationen also, daß alle möglichen Barbareien und auch die fortschreitende Selbstzerstörung in Sachen Umwelt bereits als „unabwendbar“ und somit „alternativlos“ gelten, um hier einmal das berühmte Wort der ebenfalls entsetzlich engstirnigen Maggie Thatcher zu gebrauchen!!! – Warnende Stimmen gab es dabei im vergangenen Jahrhundert wahrlich oft genug und es gibt sie auch bis heute, und bis heute finden sie noch immer nur bei Wenigen Gehör; aber – warum ist das so, warum verhält sich die Weltbevölkerung insgesamt bis heute so uneinsichtig, daß man als klar denkender Mensch längst völlig zurecht von einer partiellen Massenverblödung sprechen kann?

Zwei Männer haben innerhalb der letzten hundert Jahre ganz deutlich aufgezeigt, wie es bis heute zu einem solchen Verhängnis kommen konnte; der eine war Herbert Marcuse, der dies freilich zumeist auf solch‘ abgehoben-intellektuelle Art und Weise tat, daß selbst viele Intellektuelle ihre Mühe hatten/haben, ihm auf seinen abstrakten Gedankengängen zu folgen (und das sogenannte gemeine Volk daher weit außen vor blieb), der andere war Albert Schweitzer, vom Volk zwar als großer Humanist und Friedensnobelpreisträger gefeiert, aber offenbar kaum je richtig verstanden wurde. Seine Ideen vom Leben, auch in seinen Büchern immer wieder auf auch für einfache Menschen ganz klar und gut verständlich ausgedrückt, hätten – wenn diese von vielen Menschen auch gelesen worden wären – schon längst sehr sehr Vieles an Leid mit verhindern können. So Vieles an gutem und somit auch äußerst wertvollem Samen hat Schweitzer zum Beispiel in seinem Buch „Kultur & Ethik“ verstreut, daß ich im Folgenden Einiges davon zitieren will, damit endlich einmal klar wird, warum so viele gute Bemühungen um Frieden, um Freiheit, um Gerechtigkeit und nicht zuletzt auch um echten Umweltschutz im weitesten Sinne in unserer Weltgemeinschaft bis heute so oft – auf taube Ohren und – verschlossene Herzen stoßen:

„Politische, religiöse und wirtschaftliche Gemeinschaften sind heute bestrebt, sich so zu gestalten, daß sie größtmöglichste innere Geschlossenheit und damit den höchsten Grad von Wirksamkeit erlangen. Verfassung, Disziplin und was sonst noch zum Technischen gehört, werden auf eine früher unbekannte Vollkommenheit gebracht. Das Ziel wird erreicht. Aber in dem selben Maße hören alle diese Kollektivitäten auf, sich als lebendige Organismen zu betätigen und treten immer mehr in Analogie zu vervollkommneten Maschinen. Ihr inneres Leben verliert an Reichtum und Vielgestaltigkeit, weil die Persönlichkeiten in ihnen notwendig verkümmern.
Unser ganzes geistiges Leben verläuft innerhalb von Organisationen. Von Jugend auf wird der moderne Mensch so mit dem Gedanken der Disziplin erfüllt, daß er sein Eigendasein verliert und nur noch im Geiste einer Kollektivität zu denken vermag…“

Einige Zeilen weiter schreibt er dann: „Für sich und die Anderen setzt der Einzelne voraus, daß mit der Nationalität, der Konfession, der politischen Partei, dem Stande und der sonstigen Zugehörigkeit jedesmal so und so viele Anschauungen in Voraus und und unbeeinflußbar feststehen. Sie gelten als Tabu und sind nicht nur von aller Kritik, sondern auch von der Unterhaltung ausgeschlossen. Dieses Verfahren, in dem wir uns gegenseitig die Qualität als denkende Wesen absprechen, wird euphemistisch als Respekt vor der Überzeugung bezeichnet, als ob es ohne Denken eine Überzeugung geben könnte.
In einzigartiger Weise geht der moderne Mensch so in der Gesamtheit auf. Dies ist vielleicht der charakteristischste Zug an seinem Wesen. Die herabgesetzt Beschäftigung mit sich selbst macht ihn ohnehin schon in einer krankhaften Weise für die Ansichten empfänglich, die durch die Gesellschaft und ihre Organe (bereits) fertig in Umlauf gesetzt werden.“

Wieder ein paar Zeilen weiter schreibt Schweitzer dann noch etwas deutlicher Folgendes über den modernen Menschen: “Die Gesamtheit verfügt über ihn. Von ihr bezieht er als fertige Ware die Meinungen, von denen er lebt, ob es sich nun um die nationalen und die politischen Gemeinschaften oder die des Glaubens oder Unglaubens handelt. Seine abnorme Beeinflußbarkeit kommt ihm nicht als Schwäche zu Bewußtsein. Er empfindet sie als Leistung. In der unbegrenzten Hingabe an die Kollektivität meint er die Größe des modernen Menschen zu bewähren. Mit Absicht steigert er die natürliche Geselligkeit ins Gewaltsame.Weil wir so auf die Urrechte der Individualität verzichten, kann unser Geschlecht keine neuen Gedanken hervorbringen oder vorhandene in zweckmäßiger Weise erneuern, sondern es erlebt nur, wie die bereits geltenden immer größere Autorität erlangen, sich immer einseitiger ausgestalten und sich bis in die letzten und gefährlichsten Konsequenzen ausleben.“

Wieder ein paar Zeilen weiter schreibt Schweitzer schließlich: „Die Überorganisierung unserer öffentlichen Zustände läuft auf ein Organisieren der Gedankenlosigkeit hinaus … – … Mit der eigenen Meinung gibt der Mensch auch das sittliche Urteil auf. Um gut zu finden, was die Kollektivität in Wort und Tat dafür ausgibt, und zu verurteilen, was sie für schlecht erklärt, unterdrückt er die Bedenken, die in ihm aufsteigen … – … Unbewußt schränken die meisten Angehörigen unserer kulturlosen Kulturstaaten ihr Überlegen als sittliche Persönlichkeit ein, um mit dem Gemeinwesen nicht fortwährend in innere Konflikte zu geraten und über immer neuer Anstöße hinwegkommen zu müssen.
Die Gesamtmeinung ist ihnen dabei behilflich, insofern sie ausstreut, die Handlungen des Gemeinwesens seien nicht so sehr nach den Maßstäben der Sittlichkeit, als nach denen der Opportunität zu messen. Aber sie leiden Schaden an ihrer Seele …“ (Zitatende)

Schweitzer liefert in diesem Buch noch so viele weitere äußerst wertvolle Hinweise, daß ich hier nun nicht weiter auf all das eingehen will, was er dort niedergeschrieben hat, sondern allen interessierten Lesern einfach nur empfehlen will, sein Buch doch selbst im Ganzen zu lesen. – Hier an dieser Stelle will ich nur noch Folgendes sagen:

Schweitzer liefert gegen Ende seines Buches aber auch – die Lösung für all die Probleme, die aus den oben geschilderten verhängnisvollen Gesellschafts-Mechanismen (Sie lesen richtig: Mechanismen!!!) für die heute so maschinell-mechanisch orientierte Menschheit resultieren, denn er sagt mit einem ganz leicht verständlichen Satz: „Ich bin Leben, das leben will; inmitten  von Leben, das (auch) leben will.“  Würde diese eigentlich ganz einfache aber unendlich tief bzw. weit reichende Lebensweisheit von uns allen auch wirklich gewürdigt und daher dann auch immer wieder aufs Neue im Alltagsleben angewandt werden, gegenseitiger Respekt würde dann auf einmal wieder zu seiner alles umfassenden und damit wahren Bedeutung gelangen und unzählige Probleme würden ohne viele Umstände bald der Vergangenheit angehören!

Aber, – wir können „natürlich“ auch noch einige Zeit länger so weitermachen wie bisher, und uns nur als die Angehörigen von irgendwelchen gesellschaftlichen Machtapparaten verstehen, die sich – seien sie nun groß oder klein, staatlich oder privatgesellschaftlich organisiert gegenseitig immer erbitterter, ja womöglich auch noch bis hin zur buchstäblichen Vernichtung bekämpfen. Für diesen Fall wünsche ich dann allen daran Beteiligten ein „fröhliches“ gegenseitiges Abschlachten, – ich selbst werde mich auch in Zukunft an solch‘ barbarischem und letztlich schwachsinnig-verantwortungslosem Handeln – nicht beteiligen.

Ein wichtiger Nachtrag:
Vielleicht wird durch diesen Aufsatz hier nun einmal auch ganz deutlich, daß es nicht Egomanie ist, die mich meine Aufsätze immer wieder in Ich-Form schreiben läßt, sondern vielmehr meine persönliche Betroffenheit von all dem zeigen soll, sowie auch meine persönliche Überzeugung für die ich immer auch geradestehe, und dies steht ganz im Gegensatz zu den heute vielfach gebrauchten Redewendungen wie „man tut das nicht“ oder „wir haben uns darauf geeinigt, daß …“, die für mich oft als Leerformeln gelten, weil das jeweilige Gegenüber dabei für mich nur allzu oft – gar nicht mehr als eigenverantwortliches weil selbständig denkendes und handelndes Individuum erkennbar ist, sondern sich vielmehr hinter einer anonymen Masse zu verstecken scheint. – „Corporated identity“ nennt man dieses Massenphänomen heute auf neudeutsch-beschönigende Weise; ich aber meine, daß dieser neumodische bullshit und sein fortwährend gedankenloses Nachplappern letzten Endes wohl eher auch schon den Anfang von Ende der Menschheit bedeuten würde. – Ich mag solche Versteck-“Spiele“ überhaupt nicht; sie sind für mich nur deutliche Anzeichen von gesellschaftspolitischer (und somit nicht zuletzt auch demokratischer) Drückerbergerei, was meines Erachtens somit ganz offensichtlich sowohl menschlicher wie auch politischer Unreife gleichkommt.
Die in unserer Gesellschaft nun so weitverbreitete „Corporated-Identity“-Sichtweise scheint mir dabei längst schon wie ein regelrechtes Gift zu wirken, daß nun auch in mich selbst schon soweit eingedrungen ist, daß auch ich nun mitunter schon den Impuls verspüre, mich vor der Öffentlichkeit dafür „rechtfertigen zu müssen“, daß ich es „wage“, entgegen den allgemeinen Gepflogenheiten ganz offen meine eigene persönliche Meinung zu äußern; – es soll daher das letzte Mal gewesen sein, daß ich zu meinem immer wieder bewußt ganz persönlichen Auftreten hier noch einmal sehr deutlich – meine Meinung sage!
Schluß also mit der „corporated identity“  in ihren heute inzwischen geradezu unendlichen Variationen, diesem insgesamt schon längst immer verlogener werdenden Versteck-„Spiel“ und seinen spätestens am Ende auf deutlichste Weise so mörderisch zusammenwirkenden Befehls-Ketten (!&!&!&!&!) in den nun längst immer mehr hochgerüsteten Armeen dieser Welt; – zeigen wir uns stattdessen lieber als das, was wir in Wirklichkeit sind, nämlich als ganze und somit allerorts und jederzeit uneingeschränkt auf ihre unversehrte Vollständigkeit beharrende FREIE & FRIEDLIEBENDE MENSCHEN!

Ich rufe somit auch nicht etwa zur Gewalt auf, sondern sage im Gegenteil vielmehr:
Zerbrechen wir endlich diese vielfachen, letztlich längst so oft immer wieder nur zu neuer Barbarei führenden Befehls-Ketten der Unmenschlichkeit, vor allem immer wieder gerade auch da, wo wir sie – an uns selbst entdecken, denn – ein persönliches Gewissen und persönliche Urteilskraft sind kein Luxus, den „man sich (angeblich) auch leisten können muß“, sondern Beide bilden zusammen einen außerordentlich wesentlichen, wichtigen (und in Wahrheit obendrein auch unveräußerlichen!!!) Teil des grundsätzlich freien Daseinsrechts eines jeden Menschen auf dieser Welt!!!
Ich meine, es wäre gut, wenn alle Menschen – hierzulande wie auch auf der gesamten Welt hierüber einmal – etwas gründlicher nachdenken und dann auch selbst – womöglich erstmals völlig frei – darüber entscheiden würden.

Post Skriptum vom 30. Juni 2015:

Damit durch meinen Aufsatz oben keine Mißverständnisse entstehen: Es gibt heute auch eine ganze Reihe von „Befehls“-Ketten die selbstverständlich Sinn machen und somit auch ihre Berechtigung haben; bei der Feuerwehr beispielsweise, bei der medizinischen Versorgung im Krankenhaus und auch sonst in allen möglichen Bereichen der Arbeitswelt ist ein gewisser Grad von Organisation nicht nur „durchaus“, sondern sogar sehr sinnvoll (und beispielsweise ein Bäckerlehrling ist auch gut beraten, wenn er auf seinen Gesellen oder den Bäckermeister hört). Wogegen ich mich in meinem Aufsatz oben wende, ist das blinde Befolgen jeglicher Anordnungen, sowie jegliche Art von Bandenbildung (darüber habe ich auch schon in einem anderen Aufsatz geschrieben), bei der sich heute inzwischen oft auch im gewöhnlichen Berufsleben Menschen nur des kurzsichtigen eigenen Gewinns wegen (gerade auch Karrierechancen zählen hierzu) auf mehr oder weniger konspirative Weise gegen Andere zusammenschließen. – Solche Arten von Befehlsketten haben, spätestens wenn sie immer mehr Mitglieder oder gar Nachahmer finden und die Bevölkerung immer mehr schädigen auf Dauer einen geradezu mörderischen Charakter und solche Ketten zu sprengen ist daher auch ein Gebot sowohl von Mitmenschlichkeit als auch von Klugheit.

(Dieser Aufsatz darf, ja soll möglichst viel Verbreitung in möglichst allen Teilen der Welt finden!)

 

 

Der glitzernde Deckmantel des Wahn-Sinns: Die Werbung

Der glitzernde Deckmantel des Wahn-Sinns: Die Werbung

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Foto: Shawnrenefitness CC BY SA 3.0 Quellenlink

Eigentlich müsste man die Werbeindustrie klagen. Schließlich müssen laut Produkthaftungsgesetz unerwünschte Nebenwirkungen auf einem Beipackzettel deklariert werden. Kommt ein Konsument zu Schaden, stehen ihm einklagbare Schadenersatz- und Regressansprüche zu. Denn der uns schon von Kindheit an täglich medial eingehämmerte Lifestyle führt zu einer mittlerweile unübersehbaren Zerstörung: ökologisch, ökonomisch, sozial und allgemeinmenschlich stehen wir heute am Abgrund.

Die Werbung suggeriert uns aber etwas anderes: Wir müssen bloß noch mehr diesen Lifestyle zelebrieren bzw. entsprechende Produkte konsumieren, dann werden wir strahlend glücklich.

Dass das Gegenteil der Fall ist – dass wir durch diesen Lifestyle krank, depressiv und ausgebrannt werden (lt. WHO werden im Jahr 2030 Depressionen die häufigste Krankheit sein) -, das verschweigt die Werbebranche wissentlich und daher vorsätzlich. Im Strafrecht werden vorsätzliche Schadenshandlungen mit ungleich schärferer Strafe belegt als fahrlässige oder unwissentliche Handlungen, wobei de jure sogar Unwissenheit nicht vor Strafe schützt.

Gäbe es die Werbung bzw. den von ihr produzierten Zuckerguss nicht, dann würde der unter dem Zuckerguss liegende, toxische Mistkrapfen niemandem mehr schmecken. Und das darf nicht sein. Denn unzählige Menschen sind mit der Produktion und dem Vertrieb solcher Mistkrapfen beschäftigt. Wenn Mistkrapfen nicht mehr nachgefragt und konsumiert werden, brechen wertvolle Arbeitsplätze weg. Und dass Arbeitsplätze entwickelt werden, an denen etwas anderes produziert wird als Mistkrapfen, das übersteigt anscheinend unseren momentanen Vorstellungshorizont.

In einem späteren Zeitalter wird man daher für den heute in Gang gesetzten ökologischen, ökonomischen und allgemeinmenschlichen Niedergang nicht die Diktatoren, Oligarchen und Politiker des 21. Jahrhunderts verantwortlich machen – obwohl auch ihnen in der Hall of Shame ein Ehrenplatz gewiss ist -, sondern als eigentliche Schergen des Wahn-Sinns wird man die Zunft der Werbefritzen ausmachen. Wären sie nicht gewesen bzw. hätten sie nicht ihr gewissenloses Handwerk verrichtet, dann wäre es unmöglich gewesen, den glitzernden Illusionsmantel aufrecht zu erhalten, hinter dem sich die dunklen Machenschaften des Mammon und der absolute Niedergang hemmungslos entfalten konnten.

Denn denkt man sich die von der Werbung erzeugten Illusionsbilder mit strahlend glücklichen, dank Photoshop von jedem Muttermal und sonstigen Makel befreiten Models, die sich lasziv in einer gleichzeitig nach Vanille, Himbeer und Pistazie duftenden Schokoladecreme räkeln und denen die Vibrationsfunktion ihres am Schoß liegenden neuen Smartphones die Erleuchtung beschert, einmal weg, dann wären die Menschen schlagartig aus ihrer Narkose aufgewacht. Sie wären vom Operationstisch aufgestanden und hätten sich nicht länger ein Glied nach dem anderen abnehmen lassen, ohne zu zucken. Dass der Mensch stattdessen ruhig am OP-Tisch liegengeblieben ist, bis man ihm schließlich auch seinen Kopf abgenommen hat, ist allein dem von der Werbeindustrie und dem Entertainment produzierten Narkosemittel geschuldet.

Schon als kleine Kinder werden wir an die virtuelle Infusionsflasche gehängt, über die uns dieses raffinierte Narkosemittel in die Blutbahnen gepumpt wird. Sind wir dann endlich herangewachsen und in einem Alter, in dem es die dem gesunden Menschenverstand entsprechenden Aufgaben anzupacken gälte, haben wir bereits fast alles vergessen. Nachdem uns das Förderband von Schule und Uni ausgespuckt hat, ist das, was wir für dieses Leben eigentlich sinnvollerweise als individuellen Lebenssinn vorhatten, zugeschottert und zugeteert. Stattdessen folgen wir wie die Lemminge einem fremdbestimmten Lebensstil, der uns zunehmend aushöhlt und kaputtmacht, von dem wir aber wie von einer Droge nur unter Mühe loskommen.

„DUCHLESS“ – „SEELENKALT“, mit einem Wortspiel, zusammengesetzt aus dem russischen „duch“ (=Seele, Geist) und dem englischen „-less“ (=fehlend, ermangelnd), so betitelte der russische Autor Sergej Minaev seinen Bestsellerroman, in dem er unserer Generation einen Spiegel vorhält und eine unbarmherzige Abrechnung mit dem zur Normalität erklärten, in Wirklichkeit selbstzerstörerischen Lebensstil vornimmt.

In ihm erfährt man, dass die mit Botox auf Hochglanz polierten und dank Amphetaminen verzückt lächelnden Models, die sich im Werbespot in der Schokoladesauce räkeln, in Wirklichkeit depressive Borderline-Patienten, also psychische Wracks sind. Wie Menschen durch immer groteskeren Exzess und Steigerung der Beschallungslautstärke versuchen, das seelische Vakuum zu kompensieren, dadurch aber erst recht ausgehöhlt werden.

Im vorgenannten Buchtitel liegt aber auch gleichzeitig der Kern bzw. die Lösung unseres Problems: Wir haben unsere DUCH verloren bzw. verpfändet. Und einen Mensch, der seine Seele bzw. seinen individuellen Lebenssinn nicht mehr spürt, kann man beliebig gängeln (um Missverständnissen vorzubeugen: erfüllender, individueller Lebenssinn hat rein gar nichts mit dem in der Werbung propagierten Narzissmus zu tun, sondern ist immer auf den Anderen bzw. auf die Mitwelt bezogen. Verfehlt man diesen Sinn, indem man nur narzisstisch selbstbezogen lebt, ist man unglücklich. Verwirklicht man hingegen diesen Sinn, indem man notwendigen Konsum so weit wie möglich mäßigt, dafür aber soviel Erbauliches als möglich an Mitmensch und zukünftige Welt aktiv GIBT, dann ist man glücklich – das ist das wahrscheinlich bestgehütete Geheimnis der Welt. Denn würde es in unseren Schulen gelehrt, dann wäre der Wallstreet und den mit ihr zusammenhängenden Wirtschaftskratzleien in kürzester Zeit der Boden entzogen, das derzeit etablierte Macht- und Wirtschaftssystem hätte keinen Bestand mehr.)

Denn die Wahrheit ist: Man will in Wirklichkeit nicht konsumieren und kahlfressen, sondern im Gegenteil: Man will der Welt etwas geben, sie um eine spezifische individuelle Färbung und Qualität bereichern – und das ist bei jedem Menschen etwas anderes bzw. muss jeder individuell herausfinden, was er der Welt zu geben hat, wenn er glücklich sein will.

Freilich ist das eine auf die Seele bezogene Wahrheit. Indem man uns – wie derzeit in Schule und Uni gelehrt – nur auf die körperliche Existenz reduziert, gilt ein anderes Gesetz: Wer mehr frisst, hat mehr im Bauch.

Dann wird sich eine von Thomas Hobbes postulierte Realität verwirklichen, in der „jeder Mensch des anderen Menschen Wolf“ („homo homini lupus“) ist.

Ob wir DUCH-LESS bleiben und in eine vollendete Wolfsrealität einmünden wollen, oder ob wir die Ärmel hochkrempeln und wieder DUCH-RICH werden wollen, darf niemand anderer entscheiden als wir selbst. Und die Volksabstimmung zur Wahl, auf welchen dieser beiden Wege unsere Reise weitergehen soll, findet genau heute statt. Jeder darf sein Kreuzerl machen und seinen Stimmzettel in die Urne einwerfen.

Über den Ausgang der Wahl werden sich die Nichtwähler, die lieber daheim vorm Flachbildschirm sitzen bleiben, also nicht beschweren dürfen. Denn es wurde demokratisch abgestimmt und wir hatten die freie Wahl…

 

Dies ist die dunkelste Stunde (vor dem Sonnenaufgang)

Heute ist Pfingsten, das Fest der Inspiration des menschlichen Geistes. Das hätte ich diesmal angesichts der durch die Luft schwirrenden Drohnen und geköpften Häupter fast vergessen.

Erinnert hat mich heute morgen ein regendurchnässtes, schrill-orangenes Litfassplakat neben der Straße mit der Aufschrift „PFINGSTFEST“. Es lädt den fernsehenden Dosenbierbürger ein zu dem, was das Wort bereits ahnen lässt: zu einem Umtrunk mit Blasmusik und Kranzwürsten, also zu einem Oktoberfest im Mai.

„DUCHLESS“ – „SEELENKALT“. So betitelte der russische Autor Sergej Minaev seinen Bestsellerroman, in dem er seiner Generation einen Spiegel vorhält und eine unbarmherzige Abrechnung mit dem kritiklos von Europa und dem Osten übernommenen amerikanischen Lebensstil vornimmt. Die Figuren seines Romans sind von blindem Konsum und Zynismus getrieben, versuchen der Sinnlosigkeit ihrer karrieristischen Existenz mit Exzess, Alkohol und Sex zu entkommen, bis sie vollkommen ausgehöhlt von einem schwarzen Loch abgesaugt werden.

DUCHLESS. Das ist ein Wortspiel, zusammengesetzt aus dem russischen „duch“ (=Seele, Geist) und dem englischen „-less“ (=fehlend, ermangelnd).

Nachdem wir Christmas bereits zu X-MAS bzw. zur X-MAS Party gemacht haben und Allerheiligen zum Höllenabend (Helloween), wäre „DUCHLESS“ doch ein perfekter Name, um auch dieses Jahresfest zu substituieren und Farbe zu bekennen. – Zu unserem mittlerweile zur dogmatischen Staatsreligion erhobenen Glaubensbekenntnis: Dem nihilistischen Szientismus.

Da uns dieses Glaubensbekenntnis schon von klein auf in Schule und Uni mit dem Löffel gefüttert wurde, kann jeder von uns den Text bereits auswendig, auch wenn mancher ihn nicht bewusst in Worte zu kleiden vermag:

„Mensch und Welt sind nur geistlose Kohlenstoffzusammenballungen, ergo ist alles Wurst, ergo können Mensch und Umwelt nach reinen Effizienzkriterien ausgeschlachtet werden. Amen.“

Die Priester dieser Staatsreligion, die streng wissenschaftlich akkreditierten Fachleute, denen wir heute bedingungslos gehorchen wie seinerzeit die Schweinebauern der unfehlbaren päpstlichen Autorität, werden im Anschluss der Festivität den Segen über uns aussprechen, nachdem der Höhepunkt des DUCHLESS-Festes zelebriert wurde: das rituelle Teeren, Federn und elektronische Verkabeln unserer Kinder, die wir heute am Opferaltar des Szientismus bereitwillig darbringen.

Die szientistischen Priester, die dieses Opfer verwalten bzw. mit sachzwänglicher Gewalt einfordern, wissen zwar insgeheim, dass ihr Weltbild in ca. 200 Jahren als der größte Schwachsinn der gesamten Menschheitskultur in die Geschichtsbücher eingehen wird, aber das hindert sie nicht, ihre Rolle voll und ganz zu erfüllen.

Wer sich dem Zug der Lemminge in Richtung Grand Canyon nicht anschließen und das szientistische Glaubensbekenntnis des neoliberalen Zeitalters nicht mitsprechen will, sondern an einen Sinnzusammenhang des Daseins, an eine geistige Existenz des Menschen, ergo an eine Verantwortung des Einzelnen für die Zukunft glaubt – nun, der kann zur Feier des Tages eventuell dieses Gebet von Thomas D mitsummen:

In diesem Sinne: frohe Pfingsten vom Parkwächter!

Aktive Sterbehilfe … der nächste Schritt in Richtung Neo-Auschwitz

Digital StillCamera

Freitag, 5.12.2014. Eifel. Wissen Sie, wann ich merke, dass etwas Wichtiges geschehen ist? Ich bekommen dann Post. Wenn mehrere unserer Leser uns gleichzeitig einen Artikel zukommen lassen, dann ist etwas Brisantes geschehen – darauf kann man sich blinden Auges verlassen. Dies ist gerade geschehen, bis hin zu meinem privaten Facebook-Auftritt. Nun – jetzt für alle: vielen Dank, ich habe ihn jetzt auch zur Kenntnis genommen.

Was unsere Leser auszeichnet? Ein ganz klares Bewusstsein für persönliche Lebensrisiken, eine völlige Abwesenheit jener schier grenzenlosen, geschichtsfreien Naivität, die heute im Alltag so gerne gelebt wird. Kein Wunder: sie  ist ja auch herrlich bequem. Ich denke mir meine Welt zu einem Ponyhof zurecht, dann brauche ich nie wieder Angst und Sorge haben, nie wieder Mitleid zu praktizieren oder soziale Verantwortung zu leben, denn: das Leid gibt es ja gar nicht … und wenn, dann sind die Opfer selbst schuld – sie denken falsch, sie fühlen falsch, sie leben falsch … sie SIND falsch.

Ja – die ersten Selektionsmechanismus werden uns heutzutage von „herzensguten“ Menschen beigebracht, die voller „Licht und Liebe“ durch die Welt schweben und eine eiskalte Vorselektion in lebenswertem und lebensunwertem Leben betreiben … wobei die Maßstäbe nahezu egal sind: Hauptssache, es gibt Selektionsmasse, über die man sich selbstherrlich und selbstverliebt drüber stellen kann.

Schritt für Schritt trainieren „Mächte und Gewalte“ (um eine christliche Fomulierung für „das Böse“ zu gebrauchen) in der Gesellschaft dem Menschen so gezielt die „Beißhemmung“ ab, die andere Tiere daran hindert, Wesen der eigenen Art mit tödlicher Gewalt anzugreifen.

Ja – der Mensch ist normalerweise nicht so. Natürlicherweise gleicht er eher dem „edlen Wilden“, den Rosseau einst so bewundert hatte – doch dem Tiere gleich kann er durch Folter, Ungerechtigkeit und Qual in ein Monstrum verwandelt werden, dass gerne und mit Lust Qual unter seinesgleichen verbreitet. Kleine Kinder sind da noch eher soziale Wesen, die aber zunehmend durch eine knallharte Schule gehen, bis sie zu jenen asozialen Egomanen geworden sind, die unsere Vernichtungskultur so dringend braucht, um ihr Geschäft verrichten zu können.

Doch schweifen wir nicht ab – kommen wir zum Thema, dass unsere Freunde so berührt: die aktive Sterbehilfe, beziehungsweise ein Interview mit einem Literaturwissenschaftler. Warum berührt dies die Menschen so?

Nun – wir leben in Deutschland … und dies ist ein besonderes Land. Hier – und nur hier – hat sich die Bevölkerung schon einmal mit vernichtender Gewalt gegen sich selbst gewandt, wurde die Pest der Eugenik mit aller Konsequenz und aller möglichen industriellen Gewalt gegen jene eingesetzt, die unbequem waren – auf die eine oder andere Weise.

Juden traf es zuerst, aber auch alle Formen von sozial denkenden Wesen („Linke“) – und all´ jene, die unbequemerweise auf die Hilfe anderer angewiesen waren: alte, kranke, behinderte Menschen.

Hier in Deutschland hat es sich gezeigt, dass man mit extrem geschwächten Abwehrkräften gegen das Böse zu rechnen hat … und ich nenne das einfach mal „das Böse“, um der Kälte, der Brutalität, der Unmenschlichkeit einen passenden Namen zu geben, der beschreibt, wir abgrundtief weit entfernt dieses Denken von einem sozialen, produktiven, kreativen und empathischen normalen Miteinander entfernt ist. Andere Länder konnten da widerstehen – obwohl auch sie nationalsozialistische Strömungen hatten, reichte es nicht aus, die Macht im Staate zu gewinnen – in den USA war es sogar das Militär, dass gegen Industrielle zum Einsatz kam, die zu offensichtlich Kulten des Bösen frönten und ihre streikenden Arbeiter in Zelten verbrannt.

Gerade in Deutschland reagieren also jene Menschen besonders sensibel, die aufgrund einfachen geschichtlichen Wissens begriffen haben, was in diesem Land möglich ist – und wie schnell man hier aussortiert werden kann, „selektiert“. Dazu reicht heutzutage schon immer weniger, die Hemmschwelle sinkt beständig. Plädiert man für vertrauensbildende, kriegsfeindliche Maßnahmen in der Politik, mahnt an die Grundsätze der alten, wohl erprobten „Entspannungspolitik“, wird man gleich ein „Putinversteher“. Kritisiert man öffentlich die Regierungsmeinung (zum Beispiel die öffentlichen Versionen zu den Vorgängen zum 11.9.2001 in New York) so wird man jenseits jedweder vernunftgemäßen Diskussion der beobachtbaren Absonderlichkeiten als „Verschwörungstheoretiker“ ausselektiert. Wagt man es, die grenzenlose Raffgier einzelner, ihre wachsende Macht und steigende Verrohung anzuklagen, auf Grund deren weite Schichten der Bevölkerung in Armut und Elend versinken, während andere trunken von übermäßigem Reichtum sind, so steht man als „negativ Denker“ gleich im Abseits … ohne dass sich jemand groß Gedanken über den asozialen Aberglauben macht, der dort von einer breiten Front von „Gutmenschen“ praktiziert wird.

Jene „Selektierten“ schauen nun anders auf die politische Welt als die durchschnittliche Wohlstandsblase … wie wir mal jene Existenzen nennen wollen, die freudig ein Rädchen im Getriebe jener Gesellschaftsmaschine sind, die das natürliche Lebensumfeld des Menschen täglich weiter vernichtet, Nahrung, Luft und Wasser verseucht, Ressourcen unwiederbringlich verbrennt und Land zunehmend unfruchtbar macht: ein Fest für jeden teuflischen Geist.

Sie verstehen schnell, dass sich hinter der harmlos erscheinenden Fassade der „aktiven Sterbehilfe“ ein ganz andere Geist verbirgt, der einen weiteren Schritt hin zu den neuen Vernichtungslagern gehen will.

Ja – so macht man in der Demokratie Politik: man sägt die Freiheit stückchenweise ab, immer ein Stück weiter, Schritt für Schritt. Manchmal brechen große Stücke ab – wie bei der Agenda 201o: da muss dann mit großer medialer Gewalt gegen gehalten werden, damit das Volk wieder in den Dauerschlaf versinkt, da wird dann der Arbeitslose gleich (wie alle anderen Opfer von „Mächten und Gewalten“ auch) Schuld an seinem eigenen Zustand und hat so seine Misere – Hausarrest, Enteignung, Einschränkung menschlicher Grundrechte, Entmündigung – selbst zu verantworten … wahrscheinlich hat er das sogar gewollt.

Erste Schritte zum nächsten Angriff auf die Menschlichkeit werden meist von völlig unbekannten Bütteln der Macht unternommen: sie sind ausersehen, sich durch einen „Testballon“ die Gunst der Mächtigen in den Parteiapparaten zu erwerben. Es ist wie bei der Mafia: geht es schief – hat man halt einen Bauern weniger. Geht es gut – ist der Listenplatz im Parlament, die Festanstellung im Apparat samt Beförderung gesichert, der Parteisoldat braucht halt seine Perspektive, um sein Ego zu befriedigen.

Der Soldat, der jetzt zu Worte kam, ist ein Literaturwissenschaftler und wissenschaftlicher Mitarbeiter der CDU-Bundestagsfraktion, geboren 1981 – und damit genau Mitglied jener Generation, die kürzlich erst vom „Fokus“ dazu aufgefordert wurde, sich aktiv gegen die „Alten“ zu wehren, die wir uns – auf deutsch gesagt – nicht mehr leisten können. Er fordert offen eine staatliche Organisation der Sterbehilfe, um der „Biomasse am Tropf“ im Rahmen der Euthanasie einen „guten“, „schmerzfreien“ Tod zu gewähren (siehe Spiegel).

Im Rahmen des Interviews wurde auch ein „zentraler Satz“ erwähnt, der die politische Wende einleitet – jener Versuchsballon der Partei, der testen soll, ob die Leute auch den nächsten Schritt schlucken.

„Wir müssen weg vom Tod als Zwang und hin zum Tod als Option.“

Der Tod also Option staatlichen Handelns.

Wir sollten ganz aufmerksam hinhören, was uns da im Rahmen der Lobeshymnen über den „guten Tod“ präsentiert wird – sehr aufmerksam, bitte.

„Wir sollten sterbehilfemedizinische Etappen aufbauen. Es muss Psychologen geben, die Sterbewillige betreuen, Gutachter, die die Situation einschätzen. Dazu natürlich Fachärzte, Sozialarbeiter und Familienpsychologen. Von Fall zu Fall müssen diese Leute entscheiden, ob Sterbehilfe praktiziert werden kann.“

Das ist der Schritt um Aufbau einer Massenvernichtungsindustrie. Es ist erstaunlich, mit welcher eiskalten Selbstverständlichkeit hier über die Tötung von großen Menschenmassen diskutiert wird – in aller Öffentlichkeit:

„Es werden ja immer mehr Menschen immer älter. Dank dem demografischen Wandel verwandeln sich Krankenhäuser in Untotenhäuser…“

Das ist die Meinung jener asozialen Generation, der wir im Alter hilflos ausgeliefert sein werden: da liegen Zombies … denen man am Besten das Gehirn mit der Schrotflinte wegballert, um sie von ihrer erbärmlichen Existenz zu erlösen. Ja – so sind die drauf, die jungen Bengel – und so einfach kann man die Erklärung der allgemeinen Menschenrechte zu den Akten legen.

Massenvernichtung? Ja – wird ganz offen zugegeben:

„Heute gibt es in Krankenhäusern ganze Abteilungen, in denen Patienten in halbkomatösem Zustand vor sich hin siechen. Das sind Menschen, die keine Patientenverfügungen hatten, über deren Willen man nicht mehr mutmaßen kann, und deren Kinder sagen: Ich übernehme die Entscheidung nicht. Es sollte davon ausgegangen werden, dass diese Menschen sterben wollen.“

Was für ein wunderbarer Traum: eine Armee von Fachärzten, Sozialarbeitern und Familienpsychologen (alle selbstverständlich aus „gutem Hause“) marschiert durch die Krankenhäuser und eleminiert systematisch all´ jene, die sich nicht mehr selber wehren können.

Natürlich werden diese allmächtigen Todesschwadrone im nächsten Schritt die weiteren Probleme der modernen Zivilisation aus dem Weg räumen: ist denn nicht auch der depressive Mensch ein Mensch, von dem man ausgehen muss, dass er sterben will? Äußerst er das nicht auch mal gelegentlich? Darf man nicht auch beim Obdachlosen unterstellen, das er von seinem Leid erlöst werden möchte? Oder der alte Arbeitlose (also: jene über 40!): spürt er nicht insgeheim den innigen Wunsch, diese Welt zu verlassen, die für ihn keinen Plaz mehr hat?

Oder … anders formuliert: wie lange wollen wir diesen untoten Parasiten und Schmarotzer eigentlich noch an unserem Busen nähren?

Doch wollen wir hier keine Fragen stellen – wir wollen Antworten geben.

Die postkapitalistische Gesellschaft hat ein Problem: sie hat zu viele Menschen, deren Produktivität unter dem gewünschten Renditeniveau gesunken ist – ohne Aussicht auf Besserung. Die vielen ausgebeuteten Schüler, Studenten und Jungdoktoren lassen wenigstens noch hoffen, dass sie irgendwann mal einen Weg finden, sich selbst so zu vermarkten, dass ihre Herren noch eine Gewinnsteigerung erwarten können … aber die, die über 40 sind, sind doch nur noch … „Biomasse“, die es kostengünstig zu entsorgen gilt, da müssen schon heute Weichen gestellt werden, um die Berge an „Gammelfleisch“ zu bewältigen, die der demografische Wandel morgen mit sich bringen wird.

Wir werden das wiederholen, was 1933 – 1945 passiert ist, weil wir nichts daraus gelernt haben und auch nichts daraus lernen wollen: darum sind „Nazi-Vergleiche“ ja so verpönt … dabei kann man sie gar nicht oft genug bringen, um zu verhindern, dass sich die Gräuel wiederholen – momentan erleben wir mehr und mehr Schritte in jene Richtung, die es den konsumgierigen Jungen erlauben, ihre Eltern kostengünstig als Viehfutter zu entsorgen (ja: ich nehme da Entwicklungen voraus, die im Rahmen der kapitalitischen Verwertungslogik zum Tragen kommen werden), um mehr für sich zu haben.

Wir haben ja noch nicht mal verstanden, warum sich die Entwicklungen wiederholen, weil wir alles auf des Konto „Nationalsozialismus“ schieben und stolz darauf sind, dass Hitler tot und seine Partei verboten ist.

Beide waren aber nur die Vollstrecker einer Geisteshaltung, die sich im 19. Jahrhundert entfaltete: als dem Menschen durch sektiererische Zweige der „Naturwissenschaft“ die Seele aberkannt wurde (ganz im Sinne der Sklavenhaltergesellschaft die sich an „Seele“ und „Würde“ immer störte), wurde er zur Biomasse erklärt, einer Masse, die behandelt werden kann wie alle anderen Fleischberge auch. Wir haben versucht, die Seele wieder schützenswert zu machen, in dem wir – ganz unreligiös, um keine Angriffspunkte zu bieten – die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verfasst haben, als direkte Folge der unsagbaren Schrecken des letzten Weltkrieges, der gezeigt hat, wozu die moderne Menschheit in der Lage ist – und welche grauenvollen Folgen es haben kann, wenn sich „Technik“ und „Wissenschaft“ in den Dienst des „Bösen“ stellen.

Wir haben uns – damit sich diese Entwicklungen niemals wiederholen – ein paar Gesetze gegeben … von denen eins so alt ist wie die denkende Menschheit: „Du sollst nicht töten“. Früher dachte man sich einen allgewaltigen Gott, um die verderbten Menschengeister im Zaum zu halten – nachdem dieser gestorben war (aber nur im Denken der Menschen, nicht in der Realität – über die können wir kleinen Geister gar nicht urteilen, so sehr wir auch wüten und zetern), bauten wir uns unsere eigenen ewigen Gesetze … die nun von bösartigen Kleingeistern Schritt für Schritt abgebaut werden.

Darüber, dass wir – bei der Forderung nach aktiver Sterbehilfe – verlangen, dass sich gewisse Menschen für uns als Mörder verdingen, werden wir ein anderes Mal reden müssen: die Selbstverständlichkeit, mit der man annimmt, dass es solche Gestalten in der Wissenschaft und der Medizin gibt, erschrickt schon …. verwundert aber nicht, wenn man sich an die Begeisterung der deutschen Ärzteschaft für den Nationalsozialismus und seine „Rassenhygiene“ erinnert.

Ebenso werden wir uns Gedanken darüber machen müssen. ob wir denn wirklich mit absoluter Sicherheit davon ausgehen können, dass wir keine Seele haben, die nach unserem Ableben geprüft wird … wie es alle älteren Kulturen annahmen. Die Prüfkriterien waren übrigens erstaunlich sozial – niemand fragte nach dem Kontostand, aber alle nach der Verderbtheit der Seele.

Erscheint mir auch so weise – ohne dass ich mir einen Gott oder ein Jenseits dazu denken muss.

 

Eifelphilosophie

Eifelphilosophie

Dienstag, 4.2.2014. Eifel. Vor dem Start – der sowieso ein schleichender Übergang wird – wird man natürlich die Frage klären müssen: was ist eigentlich „Eifelphilosophie“ – und wozu braucht man sie.

Nun – manche haben sich das recht einfach gemacht: es gibt einen „Eifelphilosophen“, also wird der auch Eifelphilosophie machen. Auch wir hätten uns das einfach machen können: „Praxis zum fröhlichen Eifelphilosophen – Getränke bitte mitbringen“ – und schon hätte man fortfahren können.

Mir wäre das zu einfach, zumal ich mich auch in einem philosophischem Umfeld bewegen und dort Rede und Antwort stehen muss.

Was Philosophie ist, ist leicht zu beschreiben. „Liebe zur Weisheit“ – so lautet die beliebteste Übersetzung. Die einzige Wissenschaft, in der die Methodik nicht nur reine, logische, analytische Vernunft ist, sondern von einem Gefühl bestimmt wird: der Liebe. Was nun diese „Liebe“ ist, möchte ich erstmal an diesem Ort nicht näher beschreiben, zudem ist das Gefühl in unserer Zeit komplett durch „Sex“ ersetzt worden, der mangels Liebe ziemlich seelenlos daherkommt, aber den Menschen offenbar trotzdem scheinbar gut gefällt (oder gefallen muss, um nicht „anders“ zu sein). Für unseren Gebrauch mag es reichen, ältere Vorstellungen anzuwenden, dementsprechend „Liebe“ stärkste, weit über die persönlichen Interessen ausgehende Verbundenheit anzeigt, die unter anderem regelmäßig dazu führt, dass man bereit ist, für das geliebte Objekt das eigene Leben zu opfern. Freiheit, Gerechtigkeit, Brüderlichkeit waren mal solche „Objekte“, Frauen können auch dazu gehören, Kinder gehören immer dazu.

„Weisheit“ ist nun ebenfalls ein Wort, dass der näheren Erklärung bedarf. Kurz könnte man sagen: sie ist die Rendite eines vollumfänglich gelebten Lebens, dass Höhen genossen und Tiefen bewältigt hat – aus diesen Erfahrungen entwickelt sich eine Perspektive, die über das Alltagsgeschäft, die Legislaturperiode und den Quartalsbericht hinausreicht … ein Grund, weshalb wir „Weisheit“ im politischen Geschäft regelmäßig bei „elder Statesman“ antreffen, die dann von ihren Parteikollegen als wundersam abgetan werden, anstatt dass man ihren Urteilen aufmerksam lauscht.

„Weisheit“ bedeutet, alle Dinge gleichzeitig zu sehen – und sich von der „Wahrheit“ zu verabschieden … jedenfalls von der Wahrheit für alle.

Damit tritt Philosophie generell in zweierlei Hinsicht in den Widerspruch der Spaßgesellschaft, die zur Perfektion der Funktionen der Konsummaschinerie „Wahrheiten“ braucht, ebenso wie Politik, Gewerkschaft und Religionen „Wahrheiten“ brauchen, um ihre Ware widerspruchsfrei an den Mann bringen zu können – zudem meist in äußerst liebloser Art und Weise. Sie tritt auch aus den politischen Kategoriensystemen heraus, sieht eher den Mensch in seiner Umgebung als den Menschen in seiner Anschauung, sieht, wie Angst und Wut über Ungerechtigkeit aus einem normalen Bürger einen strammen Nationalsozialisten machen können, der aus besten Gründen heraus zur menschlichen Bestie mutieren kann. Ändert man ein wenig das nationale Umfeld, so kann der gleiche Bürger zu einem überzeugten Kommunisten werden.

Für die Heranzucht von Demokraten braucht man da noch ein ganz anderes Umfeld – ein weiseres, das nicht den Menschen verdammt, sondern eher seine Taten entschärft.

Nun ist jeder Autor und jeder Philosoph im Prinzip durch seine Umwelt zu verstehen, mit der er sich auseinandersetzt – so wie auch biblische Texte nur in jenem Umfeld verstanden werden können, in dem die jeweiligen Autoren gelebt haben. Im warmen Griechenland konnte Diogenes noch das Wohnen in einer Tonne als höchstes Glück preisen – im kalten Deutschland käme er nicht durch den Winter. Von der deutschen Philosophie sagt man in den USA, sie sei sehr geprägt von den tiefen, dunklen, deutschen Wäldern – die wir heutzutage schon alle im Dienste der Rendite zu unanschaulichen Monokulturen umgebaut haben.

Insofern ist Eifelphilosophie sicherlich auch geprägt von dem Land, das einen umgibt. In unserem Falle ist es ein Grenzland mit lebensgefährlichen Hochmooren, durch die während der NS-Zeit die Fluchtrouten der Berliner Juden liefen, ein Land, in dem keine Hexenverbrennungen (und sehr wenig Morde) stattfanden, dass aber eine noch sehr lebendige Kultur der Gesundbeter hat … eine Kultur, die wegen ihrem Erfolg von den umliegenden Ärzten anerkannt wird. Viehweiden wechseln sich ab mit tiefen dunklen Schluchten, rauschenden Gebirgsbächen, an deren Ufern jahrhundertealte Bäume stehen. Die Gegend lebt sehr davon, dass die „Moderne“ lange Zeit an ihr vorbeigezogen ist. Man findet hier viele Klöster – Orte, an denen sich Menschen zurückziehen können, um sich mit ihrem ganzen Leben Anschauungsformen des Seins zu widmen, die die „Moderne“ belächelt und für geistig absonderlich hält … obwohl man dort äußerst armen, aber immerhin sehr glücklich wirkenden Menschen begegnen kann.

Es ist ein Land mit einzigartigen klimatischen Bedingungen („Seeklima“ – fern vom Meer wegen transatlantischer Winde, die sich hier brechen .. und niederregnen), isolierten keltischen Kulturen, die uralte Rituale pflegen, Höhlen, die schon Neandertalern als „Penthouse“ gedient haben, einsamen römischen Villen, bei denen man sich immer fragt, was die Bewohner wohl dazu bewogen haben mag, mit viel Aufwand vom angenehmen Italien in die kalten Grenzlande zu ziehen, alten Burgen und Festungen, die Schutz boten vor vielen Eroberern, die auf dem Weg „anderswohin“ hier durchziehen mussten und froh waren, wenn sie nur schnell woanders waren.

Gleichzeitig sind die Geschichten der Menschen hier durchzogen von Leid, dass den Städtern fremd ist – hier erinnert man sich noch an Hungesnöte, die Familien ausgerottet haben – und an viele fremde Heere, die mordend und plündernd über die Grenzen kamen … so wie die Nazis aus Aachen, die mit ganz absonderlichen Vorstellungen aus den Schmelztigeln der Städte herbeieilten und hier ihren Geist verbreiten wollten … und eine ihrer großen Ordensburgen als sichtbares Zeichen ihrer Herrschaft hinterließen.

Hier vor Ort wurde schon „Europa“ gelebt, als andere noch in Schützengräben lagen, hier jagte Karl der Große und sponn seinen besonderen Traum, hier waren die Ideengeber der Kreuzzüge und des Tempelrittertums zu Hause.

Es ist ein geeigneter Ort, um einen Aspekt zu erfahren und zu leben, der schon lange in Vergessenheit geraten ist aber ursprünglich den „Nutzen“ von Philosophie ausmachte.

In der griechischen Philosophie (die in ihrer Qualität bis heute nicht übertroffen ist … allenfalls Kant und Schopenhauer haben da noch kleine Quentchen zugefügt) war der Philosoph der Arzt der Seele. Wir haben heute eine seelenlose Kultur, deren Auswüchse einen erwachsenen Geist stetig aufs neue erschrecken – und die meiner Meinung nach für das Aufblühen des künstlichen Zombiemythos verantwortlich sind: so nimmt die Seele unsere westliche Kultur wahr. Da wir keine Seele mehr haben, brauchen wir keinen Arzt – und leiden still vor sich hin.

„Wann haben Sie das letzte Mal einen glücklichen Menschen gesehen?“ – fragte mich letztens ein Sozialarbeiter in leitender Funktion … der täglich mit Menschen aller Altersgruppen und Gesellschaftsschichten zusammen kommt.

Ich denke, hier sehen wir, was geschieht, wenn „Mensch“ so tut, als hätte er keine „Seele“. Die Wirtschaft ist sehr interessiert daran, dass wir keine Seele haben: immerhin lebt sie davon, dass wir versuchen, mit ihren Waren das Loch zu stopfen, dass die Verwahrlosung der Seele hinterläßt.

Heute verstehen wir den „Arzt der Seele“ eher als Psychotherapeuten – mit einigen beängstigenden Entwicklungen im Bereich der philosophischen Praxis, die schnell vergißt, dass der „Arzt der Seele“ immer in einem gewissen Umfeld gelebt hat: der Natur. Philosophie – die Liebe zur Weisheit – fand in Gärten und heiligen Hainen statt, wo der Mensch noch unmittelbar seine „Einheit“ mit der Umwelt erleben durfte.

Insofern ist Eifelphilosophie eine Widerbelebung der alten griechischen Philosophie, die in enger Verbundenheit mit der Natur praktiziert wurde und sich mehr an der Vorstellung vom „Arzt der Seele“ orientiert als an der Vorstellung von der „Königin der Wissenschaften“, mehr das Seelenheil des Menschen in den Vordergrund stellt als die Suche nach der Wahrheit. Dank heiler Natur (an vielen versteckt liegenden Orten) fällt dies auch leicht. Um Seele Heil zu machen, bedarf es nicht unablässiger Kneterei durch peinliche Befragung, sondern oft nur eine Änderung des Rahmens.

Allzu oft wird uns heute gelehrt, dass wir selbst es seien, die unsere Umwelt erschaffen – oft auch durchweg magisch („schwarzmagisch“ muss man hier korrekterweise ausführen) einfach durch die Kraft unserer Gedanken. Glücklicher würden wir werden, wenn wir von dieser „Maximierung“ des „Ego-Tripps“ wieder etwas Abstand nehmen und wieder lernen, wie groß der Einfluss des falschen „Rahmens“ auf unsere Seele ist – und das ihre Zerrüttungen gerade aus der Diskrepanz zwischen Lebenserfahrung und offiziell gepredigter „Wahrheit“ entsteht.

Ändert man den Rahmen, ändert sich die Seele – sie atmet auf, ganz ohne Psychotherapie … wie eine Pflanze, der man frische Erde und sauberes Wasser gibt.

Erfahren wir die politische Welt zum Beispiel als dunkel und bedrohlich, die wirtschaftliche Welt als raubtierhaft, hören aber, dass wir in der besten aller Zeiten leben, schlägt diese Erfahrung empfindlich auf die Seele: aus einmal sind „wir“ es, die falsch sind, die falsch wahrnehmen, falsch deuten, falsch sehen … und falsch leben.

Ändern wir den Rahmen, kehrt Frieden ein zwischen dem Menschen … und seiner eigenen Wahrnehmung.

Einen letzten Aspekt wollen wir jedoch nicht vergessen: Eifelphilosphie ist Philosophie für die Menschen, Graswurzelphilosophie, wie man sie an den Universitäten nur noch selten findet. Sie ist getragen von der Überzeugung, das das philosophieren eine grundsätzlich menschliche Eigenschaft ist, zu der JEDER Mensch fähig ist … und die JEDEN Menschen bereichern kann, ebenso ist sie getragen von der Erfahrung, dass der philosophische Geist in jedem Menschen zu Hause ist – nicht nur in jenen, deren Väter Geld genug hatten, ein vollkommen „unnützes“ Studium zu finanzieren. In kargem, menschenfeindlichem Land gewachsen ist sie geprägt von der marxistischen Überzeugung, dass der Philosoph auch aufgerufen ist, die Welt zu verändern, und nicht nur, sie zu beschreiben.

Oft genug verändert man sie aber einfach dadurch, dass man sie anders beschreibt, als die herrschenden Tyrannen dies tun.

Insofern ist Eifelphilosophie auch Philosophie für jedermann … und jedermann mag hier einen akademisch geschulten Geist finden, der Freude daran hat, jene Brüder und Schwestern im Geiste zu finden, die keine reichen Väter (oder die Gunst des Staates) hatten – oder auch einfach ein anderes Geschick, das zu belastend war, um sich der freien Entfaltung der Seele oder dem umfassenden Studium der anders verwachsenen Kollegen in der Geschichte widmen zu können.

Unabdingbar scheint mir auch die Liebe zu den Menschen zu sein – wie die Liebe zur Natur. Obwohl erstere oft schmerzhafte Enttäuschungen mit sich bringt, weil Armut und Kargheit der Umwelt der Seele so arg zusetzten, dass sie nicht gerade und kräftig wachsen konnte, ist sie unverzichtbar, denn: ohne Menschen gäbe es gar keine Weisheit … noch würde es ohne Menschen Sinn machen, welche zu suchen.

Und letztere – heilt einfach die zerzauste Seele schon durch ihre bloße Anwesenheit. Nicht umsonst war „das Schöne“ für die alten Griechen eng verbunden mit „dem Guten“. Und schöner als hier vor Ort soll es ja nirgends in der Eifel sein.

Was aber unverzichtbar ist – im krassen Gegensatz zur akademischen Philosophie – dass Eifelphilosophie nur praktiziert werden kann von Menschen, die den philosophischen Geist in praktischen Berufen getestet haben – sei es als Bauer, als Maurer, als Verkäufer, Landarzt oder Obdachloser.

Als Ausgleich dafür darf man auf Fremdwörter und jede Form von „Unibluff“ verzichten. Das sollte Anreiz genug sein, sich einer Form der Philosophie zu widmen, die wieder „für“ das Volk lebt … und nicht nur von ihm, einer Form von Philosophie, die wieder für die Philosophie lebt anstatt nur von den Zitaten ihrer verstorbenen Vorgänger, einer Philosophie, die versteht, dass philosophischer Geist auch durch Fotographie, Zeichnung, Film, Tanz oder Baukunst wirken kann … und nicht nur durch viel zu lange Texte.

Reiner August Dammenn, erster (aber hoffentlich – und sicherlich – nicht letzter oder einziger praktizierender Eifelphilosoph).

PS: warum ich „Eifelphilosophie“ bewusst und absichtlich unter „Politik“ ablege … muss sich jetzt jeder selber denken. Ich werfe mal das Stichwort: „Befreiung aus der fremdverschuldeten Unmündigkeit“ dazu in den Raum.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die dunkle Seite der „Arbeit“: über das Ende der sozialen Gesellschaft

Die dunkle Seite der "Arbeit": über das Ende der sozialen Gesellschaft

Samstag, 21.12.2013. Eifel. Sonnenwende. Der finsterste Tag des Jahres. Zeit also für richtig finstere Geschichten – über Arbeit zum Beispiel. Arbeit ist – das wissen wir, weil wir es in der Schule so gelernt haben – ein Glücksfall für die Menschen. Was würden wir nur tun, wenn wir sie nicht hätten? Sie füllt unseren Tag aus, gibt unserem Leben Struktur, ohne die wir uns wohl ganz schnell von der Brücke stürzen würden. Sie schenkt uns unglaubliche Erfolgserlebnisse, die wir ohne sie gar nicht hätten, sie füllt uns aus und bestimmt, wer wir sind im Leben. Darum ist Arbeitslosigkeit ja auch so schlimm: die sind nichts mehr. Gar nichts.

Vor tausend Jahren noch wäre ein Mensch verhungert, wenn er nicht beständig gegen die Natur gearbeitet hätte. Das hat uns so eindeutig geprägt, dass wir immer noch die alten Werte der Ackerbau- und Viehzuchtgesellschaft transportieren – einer Gesellschaft, die noch für jeden etwas zu tun fand, sei er auch noch so behindert … und auch für jeden etwas zu Essen hatte. Aus dem Grund hat man es ja in Massen produziert, dieses Essen, die Produktionsmethoden immer weiter verfeinert, bis ganz wenige Großlandwirte die zusammengelegten Flächen so effektiv bewirtschaften konnten, dass nie mehr Hungersnot zu befürchten war.

Darum schmeißen wir heute unglaublich viele Lebensmittel fort – und den Armen zum Fraß vor. Die müssen ihren Ausgliederungsbescheid vorlegen („Hartz-IV-Bescheid“) und bekommen dann den Müll der Wohlstandsgesellschaft sehr günstig verkauft – Müll, den man sonst kostspielig entsorgen müßte. Geniale Idee von McKinsey. Das läßt eine Gesellschaft mit sich machen, die mit Werten aus der Zeit Karl des Großen modernes Leben spielt und die Armut, der wir durch die Arbeit vieler Generationen entkommen sind, künstlich wieder einführt. Die Armen sitzen aber nicht mehr gemeinsam mit dem übrigen Dorf an der Tafel, sie müssen sich das Essen vom modernen Misthaufen holen. Menschlich hat sich bei uns einiges an Werten verändert.

Nun – wir wollen uns nicht lange aufhalten mit „Wertediskussionen“. Unsere Zeit schätzt die Wertlosigkeit, hat extra ein Wort dafür gefunden, um den Zustand zu verteidigen: alles, was „Werte“ hochhält, wird als „Sozialromantik“ angeprangert. Wir brauchen auch keine Werte mehr – die werden vorgegeben. „Arbeit“ ist der einzige Wert, der zählt. Arbeiten für die Maximierung der Kapitalrendite von superreichen Arbeitslosen, die dann den anderen Arbeitslosen in vielen medialen Formaten als Lebensvorbilder gepriesen werden: wer es schafft, durch einen bewußten und gezielten antisozialen Akt nur noch von der Arbeit anderer Leute zu leben, der „hat es geschafft“. Wer gezwungen ist, von Almosen anderer Leute zu leben, weil sein Arbeitsplatz abgeschafft wurde, wird abgeschafft.

So etwas gehört natürlich nicht hinterfragt: der gemeinsame Dienst an der Eigenkapitalrendite steht für jeden Deutschen weit außerhalb jeder Kritik. Wir arbeiten gerne umsonst für den Reichtum anderer – so selbstlos sind nur wir.

Doch hier … müssen wir leider warnend einschreiten: „Arbeit“ hat auch eine dunkle Seite.

Nein, nicht nur die, dass sie krank macht. Sicher, es ist auch nicht angenehm, blind zu werden, weil man zu lange vor den Bildschirmen gesessen hat (siehe Focus). Aber das meine ich nicht – was stört uns schon unsere Gesundheit, wenn wir sie zum Wohle des deutschen superreichen Nichtstuers opfern dürfen.

Ich meine, so menschlich-seelische Degenerationen, die uns während der Arbeit ereilen – selbst dann, wenn wir selbst noch ziemlich viel Geld für unsere „Arbeit“ bekommen. Schauen wir uns das doch mal genauer an – Anna Kistner hat das für uns im Spiegel ausgeführt: Zehn Belege für die rasante Verspießerung von Festangestellten. Anna Kistner ist seit kurzem (Mai 2013) Korrespondentin des Spiegel in Bayern. Sie hatte uns schon einmal darüber aufgeklärt, was man heute alles vorlegen muss, um eine Mietwohnung zu bekommen, siehe Spiegel:

Man muss freundlich sein zu diesem Makler. Und eine Bewerbungsmappe für ihn zusammenstellen. Darin enthalten: Visitenkarte, Schufa-Auskunft, Kopie der letzten drei Gehaltszettel, Kopie des Personalausweises, gern auch der Arbeitsvertrag und ein ausformulierter Lebenslauf. Ein Foto auf dem Deckblatt der Bewerbungsmappe ist Pflicht.

Eine Bewerbungsmappe für eine Mietwohnung. Man muss heute schon tief buckeln, um sein Grundrecht auf wohnen verwirklichen zu können. Rechte muss man sich halt leisten können.

Nun – eine Wohnung hat Anna Kistner bekommen, da haben wir eine Sorge weniger. Das ist auch gut so, denn mit den Belegen zu ihrer eigenen Verspießerung hat sie ein wichtiges Dokument verfasst, dass uns die dunklen Seiten von „Arbeit“ deutlich vor Augen führt. Gehen wir die einzelnen Punkte ihres Artikels einfach mal durch.

1. Arbeit macht unsozial

Wo vorher der Studienkollege noch mit seinem Schlafsack übernachten konnte, ist auf einmal eine „No-go“-Zone entstanden. Aus Freunden werden Kosten auf zwei Beinen, lästige Fliegen, die die Abendruhe stören.

2. Arbeit fördert Gier

Wo vorher noch der bescheidene 1,5 Liter-Wein aus der Aldi-Tüte für Mordsstimmung in der WG sorgte, breitet sich heute die Gier nach „Vollmundigkeit“ aus.

3. Arbeit fördert echten „Herrengeist“.

Wer arbeitet, braucht eine Putzfrau. Arbeit adelt (Hitlers Motto für den Reichsarbeitsdienst), und Adel braucht Personal

4. Arbeit fördert Umweltzerstörung

Wo früher der Urlaub umweltverträglich und erlebnisreich im Zelt verbracht wurde, muss heute die Bettenburg herhalten, die ganze Landstriche für ewig verschandelt.

5. Arbeit fördert sprachliche Verarmung

Außer Gesprächen über das Wetter ist keine lebendige Kommunikation mehr möglich.

6. Arbeit tötet die eigene Lebendigkeit ab

Wo früher der gesellige Abend in einer Studentenkneipe jede Party an Stimmung übertraf, wird heute Ersatzleben vor dem Fernsehbildschirm konsumiert, wo man beobachten kann, wie spannend das Leben sein könnte, wäre man kein Hamster im Rade.

7. Arbeit fördert Vernichtung der Individualität

Der Kampf um die heilige persönliche Kaffeetasse, die nach Dienstschluss diebstahlsicher weggeschlossen wird, ist das letzte Aufbäumen des Individuums, bevor es gleichgeschaltet unbemerkt in der Masse versinkt.

8. Arbeit fördert Entfremdung vom Leben selbst

So wird die vergessene Topfblume auf der Fensterbank zum Symbol für den Zustand der eigenen Seele, die unbemerkt vertrocknet.

9. Arbeit fördert Ängstlichkeit

Wo früher das mutige helmlose Radeln durch die Innenstadt ein letztes Gefühl von Freiheit und Abenteuer vermittelte, ist auch einmal Helmpflicht angesagt: so beginnt das Ende des Leben mit der ersten Angst vor dem Tod

10. Arbeit vernichtet Kreativität

Kleidung – für viele wichtigster Ausdruck der Kreativität im persönlichen Bereich – wir normgerecht, es zählt, was „man“ trägt, wie „man“ lebt … und was „man“ denkt.

So können wir hier – am Beispiel Anna Kistners – erkennen, wie gezielt, systematisch und umfassend Arbeit „Leben“ vernichtet. Man fühlt sich versucht, von „Vernichtung durch Arbeit“ zu sprechen, doch dieser Begriff wurde schon vorher von anderen besetzt. Es fällt auch nicht jedem auf, was die Arbeitswelt mit einem anstellt, noch fällt den meisten Menschen auf, wie rar eigentlich diese lebenslangen Festanstellungen geworden sind: natürlich braucht man da Personal … man kann es sich ja auch leisten, gehört zu den besonders gesegneten Menschen dieses Landes.

Gut, das es Frau Kistner aufgefallen ist – vielleicht helfen da Erfahrung wie das Gespräch mit dem Menschen, der eine „WG“ für den „Idealzustand im Leben“ hält (siehe Süddeutsche). Ist es ja auch – man schaue sich mal an, wie die Menschheit hunderttausend Jahre lang gelebt hat (Imperien ausgenommen – die haben auch die Mietskasernen eingeführt, für Mietsklaven, deren Ernährung man nicht dauerhaft am Hals haben will).

Wir merken schnell: „Arbeit“ ist nicht gleich „Arbeit“. Echte Arbeit wird heute nur noch von einem Bruchteil der Bevölkerung geleistet, die meisten bekommen Arbeitsersatzstoff zugewiesen, damit sie denken, wir würden immer noch zu Zeiten Karl des Großen leben, wo Arbeit echten Wert darstellte … und aufgrund der körperlichen und seelischen Deformationen immer als Fluch verstanden wurde.

Wahrscheinlich gibt es deshalb so heftige Angriffe auf Religion und Kirche in unserer Zeit: der Kult der Arbeit befreit sich von der Konkurrenz, die mit ihrer Sicht von „Arbeit“ direkt im Gegensatz zu unserem heutigen Verständnis steht.

Arbeit – so steht es in der Bibel – wurde als Fluch und Strafe verstanden, der auf uns kam, als wir aus dem Paradies verschwinden mussten. Da ich nun jeden Tag den Bauarbeitern zusehen darf, die bei Wind und Wetter ein Superluxusferienhaus für einen jungen, dynamischen Investmentbanker aus Amsterdam errichten, weiß ich, wovon ich rede.

Die Jungs leisten noch richtig echte Arbeit – auch am Wochenende, wo unser 30-jähriger frisch aufgestiegene Banker für den privaten Investmentkunden sich mit seinem Privatflugzeug vergnügt und sich dank seiner Nähe zum privaten Geldverteilungsapparat mit Tauschmitteln überfressen darf, während andere sich von seinem Müll ernähren müssen.

Das große Geld braucht nämlich keine Arbeit mehr – es vermehrt sich inzwischen von selbst. Deshalb müssen die schwer arbeitenden Maurer auch dankbar sein, wenn man ihnen ein paar Tropfen des Geldflusses zukommen läßt, der in Banken überreichlich sprudelt. In Wirklichkeit – braucht das Geld sie nicht mehr.

Wenn wir merken, dass es in Wirklichkeit überhaupt keine Werte schafft, sondern nur Leben vernichtet, wird es zu spät sein.

Man wird wohl noch eine Weile brauchen, bis man verstanden hat, das die entwickelten Demokratien gerade wegen ihres Arbeitsbegriffes am Abgrund stehen, das es gerade die charakterlichen Deformationen durch moderne Pseudoarbeit (und modernes Pseudoleben) sind, die dafür sorgen, dass die Fundamente zusammenbrechen, das es wieder möglich ist, dass Erzieherinnen Kinder an Stühle fesseln, in den dunklen Keller sperren und sie zwingen, ihr eigenes Erbrochenes zu essen (siehe N24) – so wie es meiner Mutter beim „Bund deutscher Mädel“ auch ergangen ist.

Das hemmungslose Aufblühen schwarzer Pädagogik ist nur ein Zeichen für das Wachstum eines neuen Zeitgeistes, der sich in den entwickelten Demokratien entfaltet, die nun am Abgrund stehen (siehe Heise):

Die Völker der demokratischen Staaten sehen sich von Oligarchien beherrscht, die ihre eigenen, höchst eigennützigen Interessen verfolgen und sich nicht mehr um die wirtschaftlichen, sozialen, politischen und kulturellen Interessen der Menschen scheren, die sie eigentlich vertreten sollen. Die Wirtschafts- und Sozialpolitik aller entwickelten Demokratien geht in immer stärkerem Maße an den Bedürfnissen der Bevölkerungsmehrheit vorbei und richtet sich zunehmend gegen die eigene Bevölkerung.

Es mehren sich die Zweifel, ob die herrschenden Demokratien überhaupt noch handlungsfähig sind; denn die eigentliche Krise ist die Krise der repräsentativen Demokratie. Die strukturellen Schwächen dieses Ordnungssystems treten heute so krass hervor wie nie zuvor. Eine erfolgreiche Krisenbewältigung würde einen radikalen Politikwandel erfordern. 

Und das alles ist nur möglich, weil wir es zulassen, von einem Arbeitsbegriff terrorisiert zu werden, der uns charakterlich und seelisch tief deformiert.

Ach ja – ich vergaß: Seele … hat man als moderner Mensch nicht mehr.

Jetzt verstehe ich auch den „Zombie-Hype“: er spiegelt die seelische Verfassung jener Menschen wieder, die sich noch erfolgreich gegen die Deformation wehren und sich so in einer extrem feindlichen, dämonischen Umwelt wieder finden.

Wahrscheinlich bald auch mit Waffengewalt: immerhin stehen wir am Agrund und preisen hemmunglos den „Fortschritt“. Wohin man kommt, wenn man am Agrund weiter fortschreitet, mag sich jeder selbst ausmalen.

PS: Ana Kistner an dieser Stelle vielen Dank für ihre Beschreibung der Vertreibung aus dem Paradies, die man selbst als große Erfolgsstory erlebt und verkauft.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fukushima, Bombentote, Hartz IV: Wirklichkeiten ab 18

Am Wegesrand der Medienwelt blühen manchmal sonderbare Dinge, Dinge, die man fast tagtäglich wahrnehmen kann  und doch ... werden sie kaum bemerkt. So fand ich erst kürzlich die menschliche Seele und den menschlichen Geist, den es - jedenfalls bei Kindern - zu schützen gilt. 

Anliegen dieser Grundsätze ist die wirksame Durchsetzung der im Grundgesetz verankerten Meinungs- und Informationsfreiheit, insbesondere auch der Presse- und Kunstfreiheit, in Abwägung mit anderen Grundrechten, wie dem Grundrecht von Kindern und Jugendlichen auf körperliche, geistige und seelische Unversehrtheit.

Am Wegesrand der Medienwelt blühen manchmal sonderbare Dinge, Dinge, die man fast tagtäglich wahrnehmen kann  und doch … werden sie kaum bemerkt. So fand ich erst kürzlich die menschliche Seele und den menschlichen Geist, den es – jedenfalls bei Kindern – zu schützen gilt.

Anliegen dieser Grundsätze ist die wirksame Durchsetzung der im Grundgesetz verankerten Meinungs- und Informationsfreiheit, insbesondere auch der Presse- und Kunstfreiheit, in Abwägung mit anderen Grundrechten, wie dem Grundrecht von Kindern und Jugendlichen auf körperliche, geistige und seelische Unversehrtheit.

So die Absicht der FSK-Freigabe für Filme auf Spio.de. Man sah mich etwas verwundert angesichts dieser Zielsetzung, gibt es doch offensichtlich immer weniger Geist und eigentlich gar keine Seele in der materialistischen Weltsicht der Korporatokratie. Beides stört Aufschwung und Konsum. Wo kämen wir denn hin, wenn ganz Deutschland sich gegenseitig selbst geschriebene Gedichte vorlesen würde?  Nicht auszudenken, was das für den Binnenkonsum bedeuten würde. Und die Seele? Pures Gift für einen Leistungsträger. Wäre doch undenkbar, welche Auswirkungen die Existenz einer unsterblichen Seele für die alltägliche Geschäftspraxis hätte – nachher steht man im Jenseits noch all jenen gegenüber, denen man zum Wohle der Eigenkapitalrendite hinterrücks das Fell über die Ohren gezogen hat.

Natürlich gibt es die Unken, die uns laut Welt etwas anderes verkaufen wollen:

Auch seriöse Forscher behaupten: Die Seele gibt es wirklich, und das unsterbliche Bewusstsein ist genauso wie Raum, Zeit, Materie und Energie ein Grundelement der Welt.

Die haben sogar Geist gefunden, diese Physiker:

Auch Christian Hellweg ist von dem Quantenzustand des Geistes überzeugt. Der Wissenschaftler hat sich nach dem Abschluss seines Physik- und Medizinstudiums am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen jahrelang mit der wissenschaftlichen Erforschung der Hirnfunktionen beschäftigt. Seine These bringt er wie folgt auf den Punkt: „Die Eigenschaften des Geistigen entsprechen haargenau denjenigen Charakteristika, die die äußerst rätselhaften und wunderlichen Erscheinungen der Quantenwelt auszeichnen.“

Bewußtsein, Geist und Seele … Themen, die dank der freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft auf einmal doch noch Einlass in unser Denken finden. Gut zu sehen, das man auf das Wohl von Seele und Geist wenigstens an manchen Orten der Welt noch achtet, das nicht überall die materialistische Verrohung triumphiert, die es im Übrigen auch im edelgrünen Naturgewande gibt.

Schön wäre es, wenn es so etwas auch für die Wirklichkeit gäbe und nicht nur für die Unterhaltungsindustrie. Wenn Polizisten einen vierzehnjährigen Jungen erschiessen wollen, wozu es in der Welt ein Video gibt, dann wäre das doch wohl mindestens ab 18, wenn nicht sogar ab 21? Immerhin arbeiten Politik und Wirtschaft gezielt daran, das wir solche Verhältnisse auch in Deutschland bekommen: Hartz IV fiel ja nicht vom Himmel.

Wenn wir erfahren, wie die Binnenwirtschaftskriegstreiber mit ihren Informationen umgehen, dann sollte das auch ab 18 sein – siehe Spiegel:

„Herr Schnappauf hatte seinen Laden nicht im Griff“, schimpft ein BDI-Insider. „Er überschätzt sich maßlos.“ Ganz offenbar habe der Hauptgeschäftsführer die Brisanz des Protokolls nicht erkannt – und es bedenkenlos unterschrieben. „Er hätte die betreffende Passage streichen müssen.“

Wenn was nicht paßt: einfach aus dem Protokoll streichen – schon ist es nie geschehen. Tarnen, täuschen und vertuschen – das ist inzwischen so selbstverständlich wie die üblichen Verharmlosungen des nuklearen Supergaus in Fukushima. Gestern war laut Spiegel noch das Meerwasser verseucht:

Die radioaktive Verstrahlung der Küstengewässer vor Fukushima hat einen neuen Höchstwert erreicht: Die Belastung übertraf die zulässige Grenze um das 1250fache.

Würde ein Mensch einen halben Liter Wasser mit einer solchen Jodkonzentration trinken, dann hätte er auf einen Schlag die Menge an radioaktivem Jod zu sich genommen, die er in einem Jahr aufnehmen könne.

Na, das hört sich doch noch gut an. Wer trinkt auch schon einen halben Liter Meerwasser. Heute jedoch … hört sich das schon ganz anders an, ebenfalls Spiegel:

Die Lage an der japanischen Atomruine Fukushima gerät völlig außer Kontrolle: Die Radioaktivität an Reaktor 2 ist jetzt zehn Millionen Mal höher als normal, meldet Betreiber Tepco. Die Rettungsarbeiten an dem Meiler wurden unterbrochen.

Wieviele Liter sind das jetzt genau? Also, konkret gefragt: wieviele Wassertröpfchen muß ich aufnehmen, um meine Jahresdosis zu erhalten? Kann man das noch in Zahlen ausdrücken – oder reicht ein einziger Atemzug?

Man sollte sich auch mal daran erinnern, worum es hier konkret geht und warum immer mehr Redereien den Hafen von Tokio meiden.

Die Lämmer kamen ohne Augen oder ohne Mäuler zur Welt. Bei einigen waren die Beine grotesk zusammengewachsen, andere hatten gar keine Beine. Viele waren Totgeburten. Allein in einer Nacht starben 31 Jungtiere.

Zur gleichen Zeit fand sich auf einer Weide eine tote, steife Kuh, die Beine in den Wind gestreckt. Ganz in der Nähe zogen die Yakama-Indianer Lachse mit drei Augen aus dem tiefblauen Fluss. Forellen waren übersät mit Krebsgeschwüren.

Und dann wurden die Babys krank.

So berichtet der Spiegel über die Strahlenruine Hanford. Das sollte man sich einfach mal konkret als Bild übers Bett hängen, damit man weiß, worum es hier konkret geht – nicht nur um ein wenig theoretische Strahlung, sondern um nackten brutalsten Horror, der als Film mit Sicherheit ab 18 wäre. Da lauern Bilder, die nicht gesund sind für Seele und Geist. Kein Wunder, das Leistungsträger Brüderles Satz aus dem Protokoll streichen wollten, nachdem das AKW-Moratorium nur ein Wahlkampfgag ist.

Natürlich braucht sich die Atomlobby keine Gedanken darüber machen, das ihre 500-% – Rendite in Gefahr ist. Sie haben mittlerweile Mittel und Wege, ihre Entscheidungen ganz direkt umzusetzen, wie man bei diefreiheitsliebe.de findet:

Der englischen Sunday Times ist es gelungen einen europäischen Abgeordneten der Korruption zu überführen. Die englische Zeitung konnte den östereiichischen Abgeordneten dazu bringen, dass dieser vor der Kamera aussagt, dass er zusammen mit spanischen Abgeordneten für bestimmte Gesetze stimmen würde, wenn dafür nur das nötige Geld fliesen würde.

Der AbgeordneteErnst  Strasser spricht von Netzwerken und davon wie er den spanischen Abgeordneten einweihte um den Lobbyisten den Weg zu planieren. Das er bereits 5 zahlende Kunden hätte, die Ihm jeweils 100.000 Euro im Jahr zahlen würden um von Ihm vertreten zu werden. Von sich selbst sagt er, dass er ein Lobbyist ist. Nach der Veröffentlichtung des Videos musste der Abgeordnete der ÖVP zurücktreten, seine Aussagen zeigen allerdings, dass er nicht der einzige korrupte Abgeordnete im europäischen Parlament ist.

Da kann man dann demonstrieren, Intiativen gründen, Gesetzesvorschläge einbringen – aber abgestimmt wird nach Kassenlage. So macht man heute Politik. Man wählt nur noch den Zahlungsempfänger.  So braucht es auch nicht zu wundern, das wir auf einmal wieder Bomben schmeißen – mit den üblichen Folgen, wie die Berliner Umschau meldet:

Nach den Angriffen westlicher Staaten auf Libyen wächst offenbar die Zahl ziviler Opfer. Das Fernsehen in Tripolis meldete eine hohe Anzahl von Toten durch die Luftschläge. Westliche Reporter, die sich in der libyschen Hauptstadt aufhalten, bestätigten massive Luftangriffe. Zudem seien sie von Behördenvertreter in Krankenhäuser geführt worden, in denen Verletzte liegen. Regierungssprecher Mussa Ibrahim nannte die Zahl von Hunderten toten Zivilisten seit Kriegsbeginn. Eine unabhängige Einschätzung der Lage vor Ort ist nicht möglich.

Man fragt sich, wer dafür bezahlt hat: die Wasserlobby oder die Öllobby?

Als Film? FSK ab 18, überhaupt keine Frage. Das Vertrauen in die politische Wirklichkeit wird durch solche Geschichten massiv erschüttert und Gewalt als einziges Lösungsmittel dargestellt. Die Briten haben das jetzt verstanden, da kann man sehen, wohin das führt, siehe Welt:

Bei Protesten gegen die Sparpläne der britischen Regierung haben sich Randalierer in London am Wochenende heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Hunderte vermummte Demonstranten bewarfen Polizisten mit Feuerwerkskörpern, Molotowcocktails und Farbgeschossen. Mindestens 214 Menschen wurden festgenommen, 84 wurden verletzt.

Nun – für Bomben auf Zivilisten im Ausland ist ja genug Geld da, da kann man schon verstehen, das der Bürger etwas ungehalten wird.

Was – nach meinem Dafürhalten – auf jeden Fall ab 18 sein sollte, ist Hartz IV samt Folgen, so wird Oskar Negt im ORF zitiert:

Negt analysiert, was dem Einzelnen, aber auch der Gemeinschaft als Ganzer, geschieht, wenn Arbeitslosigkeit droht, wenn Arbeitslosigkeit grassiert. „Arbeitslosigkeit ist ein Gewaltakt“, sagt Negt, mit Folgen für die Psyche des Einzelnen, aber auch für das Vertrauen in die demokratischen Systeme.

Arbeitslosigkeit ist ein Gewaltakt. Atomare Strahlung auch. Bomben erst recht. Alles Ereignisse, die Geist und Seele nachhaltig schaden können. Nochmal die FSK:

Problematisch bleibt die Vermittlung sozial schädigender Botschaften. Nicht freigegeben werden Filme, die Gewalt tendenziell verherrlichen, einem partnerschaftlichen Rollenverhältnis der Geschlechter entgegenstehen, einzelne Gruppen diskriminieren oder Sexualität auf ein reines Instrumentarium der Triebbefriedigung reduzieren. Auch die Werteorientierung in Bereichen wie Drogenkonsum, politischer Radikalismus oder Ausländerfeindlichkeit wird mit besonderer Sensibilität geprüft.

Wäre schön, wenn man auch Wirklichkeiten sperren könnte, die Gewalt tendenziell verherrlichen, weil es gegen den bösen Diktator geht, die Arbeitslose diskriminieren, Prostitution samt Kokainkonsum, Korruption und Moslemfeindlichkeit leben.

Und auf einmal … sind wir wieder in der Welt der Leistungsträger.

 

 

 

 

 

 

 

Eigentum ist Diebstahl und Aschenputtel ist überall: erste Schritte in die Freiheit

Dieser Satz wurde mal Rudolf Augstein vom „Spiegel“ zugeschrieben. Genau sagte er: Eigentum ist kein Fetisch, sondern legitimierte und verrebbare Räuberei.

(Quelle: Dagegen, Hörner/Jonas,  Eichbornverlag 2003, Seite 103)

Der Satz Eigentum ist Diebstahl stammt von Proudhun. Wenn ist diesen Satz höre, denke ich immer gleich: jetzt wollen die Kommunisten auch noch meine Plattensammlung. Andere, die das jetzt lesen, denken: jetzt will der Eifelphilosoph an mein Eigentum.

Beides stimmt.  Gerne würde ich jedem alles gönnen, aber leider sind bei der Verteilung Lumpen am Werk gewesen, weshalb wir über Eigentum noch einmal ganz von vorne nachdenken müssen.

Früher hatten wir mal ein Dorf.  Jeder hatte ursprünglich mal ein Dorf, denn Menschen sind nicht blöd und allein nicht überlebensfähig. China, Indien, Afrika … alles voller Dörfer, bewohnt von Stämmen.

Gehörte jedem alles?

Nein, natürlich nicht. Es gab Dinge, die wurden Menschen geschenkt um ihre Leistung zu würdigen. Ein besonderes Fell, ein besonderer Pfeil, ein hübsches Pferd … Dinge von echtem Wert, keine Orden a´la Held der Arbeit.

Manche bauten auch Zäune.  Je wilder die Tierwelt, umso wichtiger war der Zaun.  Eigentum wurde also deutlich gekennzeichnet. Eigentum? Nein. Kennzeichnung? Nein. Der Zaun sollte den Löwen von den Kühen fernhalten. Die symbolische Signalwirkung von Zäunen, die ja heutzutage überall herumstehen, war für den Löwen nur mit Mühe zu verstehen – und da er Hunger hatte und keine Lust auf Rätsel, hätte er sich um sie auch nicht groß gekümmert.  Für die, die Ackerbau betrieben, waren Zäune ebenfalls wichtig.  Zäune und Hunde. Gerne ging die Kuh auch mal ins Getreide um sich einen richtig schönen Tag zu machen, das war nicht im Sinne derjenigen, die mit Hilfe ihrer Arbeitskraft ein Feld geschaffen hatten.

Aber der Rest der Welt … war frei.

Tausende von Jahren später ist schon mal umverteilt worden. Wesen mit blauem Blut stiegen aus dem Dunkel der Geschichte hervor und riefen:

„Alles meins!“.  Unter Zuhilfenahme von Lumpengesindel, Waffentechnik und Burgenbau (auch heute noch eine gefährliche Kombination) erfanden sie etwas ganz Neues: „Besitzanspruch auf Land“.  Und dazu: Zins, Steuern, Pacht und was ihnen sonst noch so alles einfiel, um anderen die Früchter ihrer Arbeit zu stehlen.  Normalen gottesfürchtigen Menschen wäre das nicht in den Sinn gekommen.  Die Welt gehört Gott und damit allen, aber die Legionen Satans waren da anderer Meinung.

Aber selbst unter diesen Umständen hielt sich die gute Sitte, das Arme, Kranke, Witwen und Waisen ihr eigenes Vieh auf der Gemeindwiese halten durften, damit sie nicht verhungerten.  Erschwerten die Legionen Satans auch den Alltag, so war es für den Einzelnen doch kein Grund, unmenschlich zu werden.  Auf der Gemeindewiese steht heute ein Supermarkt.

Das wäre nicht weiter schlimm, denn die Gesellschaft hat einen Weg eingeschritten, der alle von dem biblischen Fluch der Arbeit befreien könnte.

Große Maschinen leisten überall Arbeit, mehr, als alle Menschen zusammen je könnten.

Puh„, sagt der Bauer, „Endlich Schluß mit der Plackerei. Ist ja auch für unsere Armen gut, jetzt kann ja endlich jeder genug haben, um nicht zu leiden„.

Ein sehr vernünftiger Mann, der Bauer.  Waren sie schon immer. Sie können sich Irrtümer nicht leisten, sonst überleben sie den Winter nicht.

Leider ist der Adel anders. Als Berufsstand, der es sich auf die Fahnen geschrieben hat,  für immer und ewig von der Arbeit der anderen zu Leben, kann er natürlich nicht dulden,  das die Befehlspyramide ins Wanken gerät.  Erfunden wird: die  BESCHÄFTIGUNG. Völlig sinnfreie Tätigkeiten, mit denen wir heute zum Aschenputtel werden:

Eugen Drewermann: Die Geschichte vom Rumpelstilzchen spricht von einem Mädchen, das vom Vater einem König versprochen wird mit der Kunst, Stroh in Gold spinnen zu können. Und wenn dieses Kind das nicht schafft, wird es hingerichtet werden. Die Märchen der Brüder Grimm sind voll von Geschichten armer Leute, die auf sozialen Aufstieg hoffen, aber dabei Unglaubliches leisten müssten, viel mehr als sie vermögen. Das Märchen vom Rumpelstilzchen erzählt nun, dass es vielleicht sein kann, den Leistungsförderungen der Umgebung perfekt sich anzupassen, aber nur um den Preis des Opfers, der eigenen Gefühle, der eigenen Kindheit, der eigenen Persönlichkeit. Am Ende muss dieses Mädchen sich selber mit dem Kind, das es zur Welt bringt, versprechen einem Gnom, der ihm dabei behilflich ist, bei dem Kunststück, wie man aus Nichts Goldwertes schaffen könnte, behilflich zu sein, nur wenn man den Namen dieses Gnoms kennt. Zweierlei liegt in meinen Augen darin. Das Wirtschaftssystem, das wir heute haben, anerkennt überhaupt keine Werte mehr. Alles ist in den Händen des Kapitalismus wie Stroh. Brennende Urwälder, Elend in unglaublicher Form, die für nichts gilt, wenn man nur Gewinne damit einheimsen kann, und gleichzeitig aus diesem Nichtigen muss eben Gold gesponnen werden ohne Rücksicht auf die Menschen. Eine Geschichte, die über 190 Jahre alt ist, und doch so modern, wie sie nur irgend sein kann.

Vielleicht erkennt der eine oder andere in dem Gnom seinen Vorgesetzten wieder, doch diesen Gnom trägt man auch in sich selbst:

Heinemann: Wer spielt denn heutzutage die Rolle dieses Gnoms, dieses Rumpelstilzchens?

Drewermann: Ich denke alle Gefühle, die wir opfern müssen, um Karriere zu machen, lassen sich repräsentieren in diesem Zwergenwesen unserer selbst, in dieser Homunkulusgestalt, die immer trickreich ist, immer fleißig, jede Nacht durcharbeitet. Die Müllerstochter, die hoffte auf diese Art Karriere zu machen, muss nach und nach alles von sich opfern. Wie viele Frauen vor allem kenne ich, die an Gicht leiden, an Arthrose unter dem Dauerstress, in den man sie gestellt hat, um Beruf und Familie, um Karriere und Kind miteinander unter einen Hut bekommen zu können. Sie leiden endlos und sie opfern ständig. Sie sind am Ende mit 50 so ausgebrannt und leer, dass sie kaum noch wissen wofür sie existiert haben. Die Kinder sind schon wieder aus dem Hause, aber sie haben sie kaum kennen gelernt. Was das Märchen vom Rumpelstilzchen dabei sagen kann sind dringende Warnungen. Höre auf dein Herz und lass dich nicht ein auf einen Pakt, der in den Märchen sonst beschrieben wird als ein Pakt mit dem Teufel. Man kann dabei sehr reich werden, verliert aber seine Seele.

Und da stehen wir nun: angepaßt, leistungsorientiert, in Kenntnis aller Dinge, die „man“ machen muß. Obwohl Maschinen uns die Arbeit abnehmen, haben wir weniger Zeit als zuvor.  Unsere Großeltern kannten noch die 60-Stunden-Woche … sechs Tage a´ zehn Stunden.

Viele von uns wären doch froh, wenn sie das hätten! Nur noch sechzig Stunden arbeiten. Offiziell arbeiten wir weniger, das stimmt.  Aber dann haben wir zusätzlich soziale Zwänge erschaffen, die uns erwürgen.  Wir feiern uns zu Tode, da unsere Feiern den Ansprüchen des Adels genügen müssen, wir aber kein Personal haben, das die Feiern für uns gestalten sind wir …. sehr beschäftigt. Weihnachten, Ostern, Geburtstage, Karneval, Halloween … und wer Kinder hat, bekommt noch einen dicken Packen oben drauf.  Unser eigenes kleines Rumpelstilzchen hat uns voll im Griff.

Frühere Generationen wußten das … und erzählten sich deshalb Märchen, um sich zu warnen. Frühere Generationen wußten sogar, das Eigentum Diebstahl ist, denn der Eigentumsanspruch auf LAND ist der Eigentumsanspruch auf alle Gewächse, die dort ohne Zutun des Menschen wachsen. Er ist der Anspruch auf das Essen der Menschheit, der so absurd ist wie der Anspruch auf die Luft.  Wir brauchen Tiere, um uns zu erinnern:

Drewermann: Die Geschichte von den Bremer Stadtmusikanten ist in aller Munde des berühmten Satzes wegen „was besseres als den Tod findest du überall“. Aber die wirkliche Weisheit dieser Geschichte, die Revolution, die in ihr liegt, besteht in der Feststellung, die jedem sonnenklar sein könnte und dennoch stets verschwiegen wird, dass ein Wirtschaftssystem nicht Recht haben kann, das Menschen festlegt und überhaupt nur leben lässt durch ihre Leistungsfähigkeit, durch die Effizienz ihrer gesellschaftlichen Aktivitäten. Und das erleben zumindest die alt gewordenen spätestens. Die Geschichte ist deshalb überraschend, weil die Hausbesitzer entlarvt werden als Räuber. Eigentum ist Diebstahl. Und die Räuber, die da im Hause sitzen und sich vollprassen und mästen, anerkennen in ihrem Unbewussten, dass sie Diebe sind. Der Hahn, den sie hören, oben auf dem Dach, nachdem die Tiere das Haus besetzt haben, erscheint ihnen wie der oberste Richter, der schon die Festnahme der Schelme in Auftrag gibt, und sie wagen nicht mehr zurückzukehren. Das ist wirklich märchenhaft, dass mal eine Revolution sei, die nicht sofort wieder von der Gegenrevolution kassiert wird wie etwa Allende durch Pinochet.

Es ist etwas, dessen wir uns erinnern müssen.  Unsere Kinder brauchen Märchen, weil Märchen eine Tiefenstruktur haben, die der Germanist nicht mehr erfassen kann. Märchen sind Philosophie in Bildern….und deshalb sie sind wahr. Und so ist es sinnvoller, nicht auf die Partys der Seelenlosen zu gehen, sondern sich mit den Nachbarn über eine dringend notwendige Bodenreform zu unterhalten. Die Lumpen haben es in der Tat gewagt, die Gemeindewiese zuzubetonieren und jetzt wollen sie der armen Witwe, die sich so aufopferungsvoll um die Waisen und Behinderten im Dorf gekümmert hat, auch noch das Geld wegnehmen, das ihr Ersatz war für ihr Recht, ihr Vieh auf dem Gemeindeland weiden zu lassen.

Diese Geschichte stinkt zum Himmel! Und wir alle machen uns des Mordes schuldig, wenn wir tatenlos zusehen. Suchen wir also mal nicht nach einer neuen Möglichkeit zum Feiern, schmeißen wir eher mal ein paar Feste ´raus oder gestalten sie viel einfacher.  Unsere Hartz IV-Witwen und Waisen können sich keine aufwendigen Geschenke erlauben, wir beschämen sie durch unsere Kultur – und das ist ein Übel, das WIR in die Welt setzen.  Es wäre schon ein gutes Zeichen, die materielle Geschenkekultur abzubauen. Das tut keinem weh und bringt vielen Nutzen. Den Kindern … kann man auch so nebenbei was schenken. Und je mehr wir uns diesem Terror entziehen, umso freier werden wir, umso schwächer wird jener kleine Terrorgnom in uns, der uns durchs Leben jagt – und jener Gnom gilt als erstes entsorgt.  Sein Weg bringt uns in eine unglaubliche Armut: die Armut der Seele.  Wir werden wie Wesen, denen man Augen und Ohren nimmt,  damit sie nur weiter kräftig das Mühlrad treten können. Was bringt mir dann der ganze Reichtum, wenn ich keine Muße habe, ihn zu genießen und der Traum vom Eigenheim zum Alptraum wird?

Heinemann: Aber Stichwort Aktualität. Nicht jeder, der mit Mühe sein Eigenheim abstottert für seine Familie, ist doch gleich ein Dieb.

Drewermann: Das mag sein und man hat sicher nichts zu sagen gegen die kleinen Leute, die versuchen, in diesem System zurecht zu kommen. Aber Adornos Satz gilt natürlich: Man kann im Verkehrten nichts Richtiges machen. Wir alle sitzen in einer Tretmühle, an deren Rändern 50 Millionen Menschen jedes Jahr an Hunger sterben. Wir könnten für 20 Milliarden Euro, die Hälfte des Wehrhaushaltes der Bundesrepublik, allen Menschen Zugang zu Trinkwasser schaffen. Wir könnten ungefähr für die gleiche Summe die Slums um die Großstädte der Welt auflösen. Sao Paulo, Rio, Bombay einmal vorgestellt ohne Slums. Wir könnten wirklich etwas tun für den Frieden, für die Einheit der Menschen, für eine Globalisierung der Humanität und der Verantwortung und genau das Gegenteil tun wir. Die kleinen Häuslebauer müssen alleine für die Kredite, die sie aufnehmen, endlose Zinsen zahlen und wieder mästen sie dabei die schon Reichen mit überflüssigen Abgaben und werden dabei immer ärmer.

(Quelle Drewermanninterview: Deutschlandfunk)

Und wenn wir den inneren fiesen Gnom erschlagen haben und uns aus den Ketten der Zeitdiebe befreien konnten … sollten wir uns mal wieder Gedanken über eine Bodenreform machen. Der Boden … gehört uns allen.  Wie die Luft und das Sonnenlicht.  Wenn ich jedoch … in manche Fabriken hineinschaue, in manche geschlossene psychiatrische Anstalten oder manche Großraumbüros so sehe ich, das man schon jetzt anfängt, Menschen sogar noch Luft und Licht wegzunehmen.

Hätte man das wiederum den Gebrüdern Grimm erzählt … sie hätten es nicht geglaubt.  Die Geschichte unserer Welt könnten wir diesen Herren nur als Märchen vorstellen:

„Und einst kam der Fürst der Finsternis auf die Erde und alles wurde öde, wüst und leer.  Baum, Strauch und Tier wurden getötet, die fruchtbaren Felder mit hartem Stein überzogen auf denen metallene Wölfe Jagd auf Menschen machten.  Überall war ein Lärmen und Tosen, und Gifte in Wasser und Luft, so das die Menschen einsam Zuflucht in ihren kleinen Höhlen suchten – außer jenen, die dem Feind des Lebens dienten, sie bekamen Paläste die umso größer waren,  mehr Land und Leben sie selbst zu vernichten bereit waren“.

(Quelle: Eifelphilosophs Reiseberichte aus der Stadt)

Und jetzt … müssen wir uns nur noch überlegen, wie das Märchen weitergehen soll.  Wie soll unser Held sein … und wie sein erster Schritt?

Wie er aussieht weiß ich schon.

Schaut in den Spiegel, dort seht ihr ihn.

Ob er gewinnt oder versagt, entscheidet nur ihr selber.

Ach ja, und eins noch: der König ist schon tot. Aber seine Höflinge haben sich sprunghaft vermehrt und sind zur Plage geworden.

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