Schulden

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Trotz Kälte wird der unendliche Aufschwung gefeiert

Pünktlich zu Beginn des Dezembers ist es bitter kalt geworden und ein eisiger Wind bläst durch das Land, das noch immer eine Aufschwungparty feiert. Hinter dem ersten Türchen des Adventskalenders erscheint heute die Botschaft, dass das Getriebe der Wirtschaft noch nicht festgefroren sei, das das Wachstum weiter stabil wachse, mit vermindertem Tempo zwar, aber mit Freude. Denn der Bundeswirtschaftsminister hat gestern das „Fest der Freude am Arbeitsmarkt“ ausgerufen, weil nun knapp 41 Millionen Menschen in diesem Land einer Beschäftigung nachgingen. Welche Tätigkeiten das sind und ob man sich davon soviel Alkohol kaufen kann, um, wie beim Minister Brüderle, die eigene Wahrnehmungsschwelle außer Kraft zu setzen, ist nicht weiter von belang.

Es ist Aufschwung, basta, auch wenn keiner hingeht. Dabei steigen die Privatinsolvenzen und auch in Zukunft sei nicht mit einer Entspannung bei der Verbraucherüberschuldung zu rechnen:

In den kommenden zwei Jahren ist nicht mit einem Rückgang der Verbraucherüberschuldung zu rechnen. Jeder zehnte Deutsche (9,8 Prozent) fühlt sich bereits jetzt durch seine finanziellen Verbindlichkeiten überfordert, ein weiteres Drittel (32,0 Prozent) hat wenigstens manchmal „Schuldenstress“. Die von der Bundesregierung geplanten Sparmaßnahmen sowie weitere Faktoren – wie zunehmende Wohnkosten und der Anstieg prekär Beschäftigter – drohen Auslöser für eine neuerliche Überschuldungsentwicklung zu sein.

Quelle: Creditreform SchuldnerAtlas Deutschland 2010 (4.11.2010)

Es steigen also prekäre Beschäftigung und gleichzeitig die örtlichen Kosten für den Erhalt der Ware Arbeitskraft. Genau genommen leben wir nicht mehr in Zeiten von Brutto und Netto, wo es um die Frage nach mehr Netto vom Brutto geht, sondern in Zeiten von Bretto und Nutto, wo es um die Frage geht, wie viel vom Netto eigentlich noch übrig bleibt, wenn sämtliche gestiegenen privat zu tragenden Fixkosten wie Miete, Strom, Gas, Gesundheit, Kinderbetreuung, Eintritte für Kultureinrichtungen, die private Altersvorsorge immer weiter steigen. Denn inzwischen haben die Bundesregierungen der letzten Jahre mit ihrer Politik des staatlichen Ausstiegs aus dem Staat dafür gesorgt, dass immer mehr Kosten und Risiken privatisiert wurden.

Der Gebührenstaat feiert fröhliche Urständ. Doch während die Lohnabhängigen so langsam begreifen, dass ihnen zu mehr Netto einfach das entsprechende Brutto fehlt, sprudeln am anderen Ende die Gewinne wie nie. Allein die Dax-Konzerne streichen in diesem Jahr 63 Milliarden Euro mehr Netto ein. Im Frühjahr 2011 soll es dann 25 Milliarden Euro an Dividenden geben. Das sind natürlich glänzende Zahlen, die allemal zu einem Boom passen, von dem die „Experten“ aber lieber nicht sprechen.

Aber auch die Vermögenden kaufen keine Güter, wie es scheint. Der private Verbrauch soll ja laut den akademischen Kaffesatzlesern, die man auch unter den Bezeichnungen Wirtschaftsexperte oder Konsumforscher kennt, zu einer Stütze des Wachstums werden. Nun dämpft aber gerade heute wieder das statistische Bundesamt mit aktuellen Zahlen zum Einzelhandelsumsatz die vorweihnachtlichen Konsumerwartungen.

Nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) lag der Umsatz im Einzelhandel in Deutschland im Oktober 2010 nominal um 0,4% höher und real um 0,7% niedriger als im Oktober 2009.

Vor allem bei den Lebensmitteln wird weiter gespart.

Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren setzte im Oktober 2010 nominal 0,5% und real 2,4% weniger um als im Oktober 2009. Dabei lag der Umsatz bei den Supermärkten, SB-Warenhäusern und Verbrauchermärkten nominal um 0,5% und real um 2,4% niedriger als im Vorjahresmonat. Im Facheinzelhandel mit Lebensmitteln wurde nominal 1,1% und real 2,4% weniger als im Oktober 2009 umgesetzt.

Insgesamt legen die Umsätze im Einzelhandel von Januar bis Oktober 2010 um gerade einmal real 1,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu. Folgt man der Euphorie des Einzelhandelsverbandes sollen es am Jahresende zwischen 1,5 und 2,0 Prozent mehr sein als im Jahr davor. Mal abgesehen davon, dass die Umsätze in 2009 um knapp 2 Prozent eingebrochen waren, wird der vorausgesagte Kaufrausch auch in diesem Jahr wieder ausbleiben.

Dennoch verbreitet der Einzelhandelsverband Partystimmung. Nur stützt er sich dabei ebenfalls auf Trendumfragen, die lediglich einen Zusammenhang zwischen der geschätzten Menschenmenge in der Fußgängerzone und der Höhe der Umsätze in der Ladenkasse herzustellen versuchen. Verlässlich ist so etwas aber nicht, wie wir aus der Vergangenheit wissen.

Spiegel Online titelt Steigende Konsumlust: Einzelhandel bejubelt Umsatz-Boom. Dafür heißt es weiter unten im Text:

Das Konsumklima hellt sich damit deutlich auf. Im Vormonat waren die Einzelhandelsumsätze noch um 1,8 Prozent gefallen. Allerdings: Im Jahresvergleich sieht die Zahl etwas weniger toll aus. Demnach gingen die Einzelhandelsumsätze real um 0,7 Prozent zurück.

Eine Erklärung, warum die Umsätze noch unter denen des gleichen Monats im Krisenjahr 2009 liegen, wäre wünschenswert gewesen.

Und woanders heißt es „Goldener Oktober“ für Einzelhandel. Im Text steht dann:

Nur der Lebensmitteleinzelhandel schwächelt

Da fragt man sich doch, ob der „Traumstart“ ins Weihnachtsgeschäft mit weiterem Verzicht beim Essen und Trinken erkauft wird. Aber so negativ will ja keiner denken, um nicht die gute Laune zu verderben. Spätestens im Februar wird man aber wissen, wie toll das Weihnachtsgeschäft tatsächlich lief. Nur interessieren wird es wieder keinen.

Aber was reden wir auch vom Weihnachtsgeschäft in Deutschland? Das Schicksal Deutschlands entscheidet sich doch nicht unter Brüderles Weihnachtsbaum, sondern ganz woanders. Der Grund für die Stimmungsmache ist doch immer dergleiche. Es soll verdeckt werden, dass die deutsche Binnennachfrage keinen wirklichen Beitrag zum Wirtschaftswachstum in Deutschland, aber auch nicht zum Weltwirtschaftswachstum leistet. Dabei ist es aus volkswirtschaftlicher Sicht gerade zu zwingend, dass Deutschland als Überschussland endlich zur Vernunft kommt und es zulässt, auch mal ein paar Jahre Defizite zu machen. Denn auf Dauer werden es sich die Defizitländer dieser Erde nicht mehr gefallen lassen, dass die Deutschen mit Hilfe ihres Euro gestützten Lohndumpings die Welt mit Billigprodukten weiter überfluten.

Der Druck in Brüssel und bei den G20 wächst doch bereits. Es wird nur nicht zum Thema gemacht. Da kann der Minister für Wirtschaft Brüderle, der auch schon mal von wider seine Natur von Lohnerhöhungen spricht, noch so sehr vom Rückfall in die Planwirtschaft fabulieren, am Ende zieht er dennoch den Kürzeren. Nämlich dann, wenn der Protektionismus wiederkehrt und deutsche Waren auf anderen Märkten keinen Zutritt mehr haben. Von den Forderungen, die ein Überschussland wie Deutschland dauerhaft anhäuft, kann sich nämlich auch ein Herr Brüderle nichts kaufen. Im Gegenteil, als Gläubiger sitzt er nämlich immer mit am Tisch, wenn andere Staaten den Offenbarungseid leisten und ihre Schulden gegenüber dem Ausland nicht mehr bedienen können.

Im Moment rettet Deutschland über die Hilfen an Irland schon wieder die eigenen Banken. Im Moment betreibt Frau Merkel ein perverses Spiel im sog. Währungskrieg. Sie säht absichtlich Misstrauen in den Euro, damit er gegenüber dem Dollar wieder fällt, um die deutsche Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, koste es was es wolle. Gleichzeitig geißelt sie die Maßnahmen der Amerikaner, die mit einer weiteren Lockerung der Fianzpolitik ihre Währung ebenfalls schwächen wollten, um Wettbewerbsanteile zurückzugewinnen. Man fragt sich verwundert, was die deutsche Bundesregierung eigentlich will. Wenn sie will, dass Defizitländer ihre Schulden abbauen, muss sie bei sich selbst welche zulassen. Eine andere Logik funktioniert einfach nicht. Wenn sie sich aber weiterhin weigert, werden nicht nur Spanien und Portugal von deutschen Steuerzahlern gerettet werden müssen, sondern auch wieder die Griechen und weitere Länder der Eurozone. Als Gläubiger sitzen Merkel, Schäuble und Brüderle immer wieder mit am Tisch, Planwirtschaft hin oder her.

Es stellt sich also die Frage, wie lange das Währungsspiel zwischen den Deutschen und den Amerikanern noch weitergeht, ob Frau Merkel ein Scheitern der Eurozone tatsächlich riskiert, nur um der deutschen Exportindustrie Vorteile zu sichern. Wenn die deutsche Bundesregierung weiter so denkt wie ein Unternehmen, das andere Marktteilnehmer am liebsten verdrängen möchte, wird die Sache scheitern, Aufschwung hin oder her. Nur die Amerikaner haben im Prinzip erkannt, dass der Welt eine Jahrzehnte lange Stagnation vom Muster der japanischen droht. Aber es sind wieder nur die Amerikaner bereit, wie in der Asienkrise vor zehn Jahren, etwas dagegen zu unternehmen. Nur allein werden sie es dieses Mal nicht schaffen.

Der übermächtige Gegner „Big Money“ hat erkannt, dass die Staaten erpressbar sind, sich gegenseitig ausspielen und bereit sind, das eigene Volk brutal und alternativlos auszupressen. Und solange die Politik glaubt, ihre Aufgabe bestünde darin, das Vertrauen der Finanzmärkte zurückzugewinnen, anstatt eben diesen mit Misstrauen und scharfer Regulierung zu begegnen, sieht die Zukunft duster aus. Die Politik rettet lieber Banken als den Zusammenhalt der eigenen Gesellschaft. Sie rettet lieber den Nonnenmacher der HSH, weil man dessen Banker-Kumpel im Aufsichtsrat Kopper vertraut. Dagegen vernachlässigt sie jene Menschen, die die kriminellen Akte der Finanzindustrie teuer zu bezahlen haben und unverschuldet im Niedriglohnbereich, in der Leiharbeit oder in der Arbeitslosigkeit ein Leben ohne Planung, Sicherheit und den Heizkostenzuschuss führen müssen, nur damit es die Verursacher der Krise auch weiterhin schön mollig haben.

http://tautenhahn.blog.de

Hilfspakete als Schuldenmultiplikator

Nach Griechenland und Irland braucht nun also Portugal keine Hilfe. Da sind wir aber alle sehr beruhigt. Natürlich denkt auch Spanien nicht im Traum daran unter den Rettungsschirm zu flüchten und bei sämtlichen anderen Ländern des Euro Wirtschaftsraumes ist diese Idee so abwegig, das es schon fast an eine Verschwörungstheorie erinnert. Wusstet Ihr eigentlich das Italien eine höhere Bruttoverschuldung aufweist als Deutschland? Ich finde es schon erstaunlich, das die Italiener bei 1,8 Billionen Euro Staatsschulden so ruhig bleiben, immerhin müssen Die zur Zeit 4,5 Prozent Zinsen zahlen, zum Vergleich Deutschland bringt zur Zeit 2,7 Prozent, Irland  9,2 und Griechenland erstaunliche 11 Prozent.

Vielleicht habe ich ja das Prinzip des Rettungsschirms nicht verstanden und ich lasse mich gerne in der Richtung belehren, schließlich bin ich nur ein kleiner Handwerker und muß mir die große Finanzpolitik für meinen kleinen Kopf irgendwie begreiflich machen, außerdem finde ich Buchhaltung zum Kotzen, aber ich will Euch mal auseinander dröseln, wie ich das Ganze verstanden habe:

Der Rettungsschirm sorgt dafür, das die Länder deren Regierungen sich Ihre Pleite eingestehen für billigere Aufschläge Geld bekommen, allerdings sind es immer noch 5 Prozent. Das bedeutet also, das sich die Banken bei der Europäischen Zentralbank Geld für ein Prozent leihen, es an Deutschland für 2,7 Prozent weiter verleihen und wir es dann den Griechen oder Iren für 5 Prozent weiter verleihen. Diese geben es dann Zinslos an Ihre Banken weiter, Die es dafür nutzen Ihren Gläubigern deren Zinsen für Ihre Anlagen zu zahlen. Blöd ist nur, das dadurch keine Schulden abgebaut sondern verdoppelt werden, denn am Ende haben wir die Schulden z.B. der Iren nicht übernommen, sondern nur deren Bilanz verlängert, es wurde ja nichts zurück gezahlt sondern nur weiter gereicht. Außerdem wird so weder ein Land noch deren Banken gerettet, denn es ist ja schon ab zu sehen, wann die Banken wieder betteln kommen.

Damit ein Land Geld aus dem Rettungsschirm bekommt, muß Es einen Sanierungsplan vorlegen, der komischer Weise immer nach extremen Sozialabbau und Kürzungen bei den Ärmsten aussieht. So kann ich überhaupt nicht verstehen, das es in Irland zum Sparpaket gehört, den Mindestlohn um einen Euro pro Stunde zu senken und die Studiengebühren zu erhöhen. Das man die Unternehmenssteuern nicht erhöht kann ich irgendwo noch verstehen, denn was hätten ausländische Firmen sonst für eine Motivation ausgerechnet nach Irland zu gehen, aber auch von einer Kapitalertragssteuer, einer Bankenabgabe oder irgend was Anderem um Reichere zu belasten kann ich nichts finden. Das es nicht klappt, wenn man die kleinen Leute immer weiter enteignet, weil dann die Wirtschaft in sich zusammen fällt sehen wir gerade in Griechenland. Man gibt zwar weniger aus, aber dafür nimmt man auch viel weniger ein, also werden deren Schulden auch nicht weniger, sondern immer höher.

Nun dürfen wir schon lesen, das die 750 Milliarden des Rettungsschirms nicht reichen könnten und man darüber nach denkt auf 1,5 Billionen Euro zu verdoppeln. Für mich klingt das ganz logisch, denn schließlich ist schon Ende mit den 750 Milliarden, wenn ich nur die Schulden von Griechenland, Irland, Portugal und Spanien zusammen rechne und wer sagt eigentlich, das die Griechen oder die Iren nicht noch mal einen Nachschlag brauchen? Dazu kommen noch andere Länder, die zwar nicht in der Eurozone sind, aber über den IWF, in den wir ja schließlich auch einzahlen Hilfen beantragen könnten. Ungarn re-verstaatlicht gerade seine privaten Renten, ist also auch im Stress und Rumänien hat gerade beteuert nicht Pleite zu sein. Außerdem wird es wieder kalt und in den letzten beiden Wintern konnten wir uns die lustige Show um das russische Gas für die Ukraine ansehen.

Was mich auch wundert ist, das wir ja im Zuge der Predigten über den stabilen Euro und den Nutzen für Deutschland immer anhören durften, das wir einen Großteil unserer Waren in die Eurozone exportieren, aber keiner der Prediger einen gewissen Umkehrschluss zieht. Wer kauft eigentlich unseren Krempel, wenn es fast im gesamten Euroraum Sparpakete oder zumindest erstaunliche Neuverschuldungen gibt? Nicht nur wir machen schließlich trotz Brüderles Wirtschaftswunder fast 50 Milliarden Euro neue Schulden, die Franzosen haben es geschafft im ersten Halbjahr 102,4 Milliarden neue Schulden zu machen und Besserung ist nicht in Sicht.

Ich hoffe, das ich einen grundsätzlichen Fehler in meiner Analyse habe und sich die ganze Sache völlig anders verhält, denn sonst müsste ich von Sorge in echte Panik verfallen, da so ein Ende des Finanzsystems abzusehen ist und ich nicht wissen möchte was hier los ist, wenn ganz plötzlich fast alle größeren Staaten in Europa und ein Großteil der Industrie auf einen Schlag Pleite wären.

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