Schiiten

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Arabische Unruhen … und Verschwörungstheorien.

Als es in Tunesien Revolten gab, dachte ich noch: „Gut, so was passiert“.  Revolten kommen schon mal vor – dort, wo Ungerechtigkeit herrscht. Revolten oder Faschismus. Wissen wir ja aus der Geschichte. Ungerechtigkeit plus Hunger gleich Aufstand. So hat man uns das im Geschichtsunterricht beigebracht.

Überrascht war ich, als der tunesische Diktator ganz schnell von der Bühne verschwand. Das war ziemlich ungewöhnlich. Eigentlich kennt man das ja anders, auch in Deutschland. 1979 sagten wir als deutsche Bürger der Politik auch: „Herr Minister, wir wollen lieber kein Atomkraftwerk„, wir taten uns zusammen, gründeten Parteien, wurden gewählt und siehe da: im Jahre 2011 gibt es in Deutschland kein Atomkraftwerk mehr … das nicht eine ordentliche gewinnträchtige Restlaufzeit aufweist. Anstelle der Atomkraftwerke wurde dann aber kurzerhand der Sozialstaat abgeschafft samt Bildung für finanzabstinente Schichten, damit das Volk fürderhin beschäftigt bleibt und nicht wieder auf dumme Gedanken kommt.

Bei Diktatoren hätte ich  mit mehr Gegenwehr gerechnet – aber gut. Vielleicht hatte der auch keine Lust mehr.

Dann kam Ägypten … und ich wurde etwas unruhig. EINE Revolte – gut und schön … aber zwei? Und wieder geht alles ganz glatt über die Bühne? Nirgendwo eine Rebellenarmee, die sich – wie sonst auf dem afrikanischen Kontinent üblich – mit Waffengewalt die Regierungsmacht an sich reißen muß? Alle Finsterlinge treten mit einem beleidigten „Dann geh´ ich halt …“ einfach so ab?

Hätte ja sein können. Es gibt auch Zufälle in der Welt.

Dann der Jemen, 2.2.2011 bei Webnews:

Seit 32 Jahren regiert Ali Abdullah Salih im Jemen. Da im Land die Proteste zunehmen, reagiert der Machthaber in Sanaa nun wie Ägyptens Präsident Mubarak. Er will gehen – aber nicht sofort.

Jemens Präsident hat vor dem Parlament seinen Rückzug aus dem Amt angekündigt. Ali Abdullah Salih reagiert damit auf die Proteste in seinem Land.

Na ja. Manchmal gibt es auch Zufälle in Serie. Komisch anmutende Fälle von Amtsflucht und Diktaturmüdigkeit – vielleicht ist das ja auch ansteckend.

Heute nun im Tagesspiegel:

Tausende protestieren in Libyen, Bahrain und Jemen. Bei den Auseinandersetzungen zwischen Regierungsgetreuen und -gegnern gibt es mehrere Tote. Das Außenamt in Berlin warnt inzwischen vor Reisen in die gefährlichen Gebiete.

Da werde ich dann aber mal so langsam nervös und frage mich: was wird da eigentlich gerade aufgeführt?

Es geht ja noch weiter:

Der frühere tunesische Präsident Ben Ali ist nach Angaben eines Vertrauten der Familie schwer krank. Ben Ali habe einen Schlaganfall erlitten und liege in einem Krankenhaus im saudiarabischen Dschiddah im Koma. Nach Saudi-Arabien war Ben Ali nach Massenprotesten der Opposition geflohen. Auch Ägyptens Ex-Präsident Mubarak soll in schlechter gesundheitlicher Verfassung sein.

Insofern verstehe ich die aufkommende Panik in Bahrain, von der die Welt heute berichtet:

„Offenbar ist das Regime in Panik geraten“, sagt Salman Shaikh, Direktor des amerikanischen Think Tanks Brookings Institution im Emirat Katar. „So ist eine instabile Lage in eine gewalttätige umgeschlagen.

Wie sehr sich die Machthaber auf ihrer 500.000-Einwohner-Insel in der Defensive sehen, darauf deutet die von verschiedenen Seiten berichtete Einzelheit der letzten Nacht, dass unter den Einsatzkräften zahlreiche auswärtige Befehlsträger aus sunnitischen Militärmächten wie Pakistan und Saudi-Arabien gewesen seien.

So langsam sehe ich … das da auch ein ganz anderes Bild möglich ist, als dasjenige der Presseagenturen und Regierungssprecher. Auf jenes beruft sich ja auch die Welt:

„Das ist eher ein breites gesellschaftliches Bündnis für mehr Bürgerbeteiligung, nicht vor allem für die Schia oder den Islam“, so Shaikh. „Der Protest in Bahrain folgt den jugendlichen Bewegungen, die wir jetzt auch in anderen arabischen Ländern gesehen haben: sie sind egalitär und dezentral über das Internet organisiert.

Reihenweise werden Diktatoren ins Ausland gejagt und ersetzt durch … US-freundliche Militärs. Bedroht werden die alten US-Freunde aus Saudi-Arabien … die nur eigentlich nicht so freundlich sind. Immerhin kamen die meisten der Attentäter vom 11.9.2001 aus Saudi-Arabien, Saudi-Arabien unterstützt die Feinde Israels, ist selbst mit denen noch im Kriegszustand. Geht diese Bewegung sei weiter, dann haben wir in zehn Jahren einen festen amerikafreundlichen Block in Arabien – tolle neue Absatzmärkte für amerikanische Produkte, Öl in Massen und eine sicher Bastion gegen die zunehmenden chinesischen Expansionsbestrebungen in Afrika.

Dürften wir als Bürger noch an „Geostrategie“ glauben, dann dürften wir vermuten, das da vielleicht sogar ein Plan mit viel Geld hintersteckt, eine steuernde Intelligenz, die neun Jahre lang einen Vernichtungsschlag gegen die arabische Welt geplant hat, um sich für die erlittene Schmach zu rächen.

In der Fuldaer Zeitung gibt es erste Stimmen dazu:

Die Schockwellen, die der Volksaufstand in Ägypten durch die arabischen Welt sendet, haben mit Verspätung Saudi-Arabien erreicht. Vor allem Äußerungen des Muftis von Saudi-Arabien, Scheich Abdelasis Al-Alscheich, sorgten am Wochenende für Unmut.

Der Mufti hatte am Freitag in einer Predigt in einer großen Moschee in der Hauptstadt Riad gesagt, hinter den Demonstrationen in Tunesien und Ägypten steckten «Feinde des Islam», deren Ziel es sei, die arabischen und islamischen Staaten zu schwächen. Er appellierte deshalb an die Jugend von Saudi-Arabien, sich von diesen «Chaoten» nicht anstecken zu lassen.

Allen Besorgniskundgebungen zum Trotz haben die USA zwar ein paar kleine Probleme mit den Unruhen (immerhin kennt man die wirtschaftlichen Probleme des arabischen Raumes auch im eigenen Land), aber letztendlich wird hier doch mal wieder am ganz großen Rad gedreht, wie das Handelsblatt ausführt:

In Bahrain brechen erstmals wieder nach den Spätfolgen des Irak-Krieges inner-islamische Konflikte auf – schiitische Mehrheit gegen sunnitische Herrscher, wie im Zweistromland nach dem Sturz des Diktators Saddam Hussein. Vor allem aber droht dieser Konflikt sich in das nur über eine, zugegebenermaßen 26 Kilometer lange Brücke entfernte Saudi-Arabien auszubreiten. War Bahrain bisher nur das Vergnügungszentrum für unterhaltungssüchtige Saudis, der Fluchtpunkt aus ihrer wahabbitisch-strengen islamischen Heimat, so droht  der innermoslemische Zwist sich nun auszubreiten.

Was kann denn den USA, die sich im großen „Kampf der Kulturen“ befinden, besseres passieren als das sich die gegnerische Kultur selbst zerfleischt? Sie erhalten neue, korruptionsfähige „Demokratien“ nach westlichem Vorbild, in denen die Konzerne schalten und walten können wie sie wollen, sie gewinnen den Kampf der Kulturen mit Hamburgern, Coke und Disney – so wie bei uns zu Hause. Und nebenbei … gibt´s  noch neue Ölseen für die Energiekonzerne und Wüstenwelten für „Dersertec“.

Also … als Geostratege der USA würde ich jetzt erstmal ein Faß aufmachen. Die ganzen alten eingebildeten Wüstenscheiche werden zum Teufel gejagt und mir fallen ein Dutzend neuer, reicher Märkte in den Schoß … was will ich mehr?

Natürlich weiß ich, das es keine Auslangsgeheimdienste der USA gibt – und wenn, dann sind die nur caritativ tätig. Die kaufen keine Meinungen, beeinflussen keine Politiker (außer Jutta Dittfurth, aber die hat ja abgelehnt) und erst recht beteiligen die sich nicht an Umstürzen … außer natürlich in Panama, Grenada, Chile, Argentinien, Nicaragua, Iran, Kuba und einigen anderen Ländern dieser Welt. Aber das waren auch alles begründete Ausnahmen, wo die Interessen der USA auf dem Spiel standen.

Heute ist das ja auch alles anders.

Am 14.1.2009 meldete jedoch das Hamburger Abendblatt:

Kurz vor dem Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Barack Obama hat der Iran nach eigenen Angaben einen US-finanzierten Umsturzversuch vereitelt.

Vielleicht haben die ja doch noch mehr … finanziert, organisiert, abgestimmt? Aber nein, das ging ja nicht. Das machen die nicht.

Jedenfalls nicht mehr 2011, dem Jahr, in dem es wirklich weltweit keine Verschwörungen mehr gibt und die verbotenen Artikel auch nicht mehr in den Hessischen Nachrichten erscheinen:

Der erste Umsturz in der Geschichte des modernen Iran wurde 1953 von den USA eingeleitet. Agenten des US-Geheimdienstes CIA ersetzten den iranischen Premier Mohammad Mossadegh durch eine Marionettenregierung. Im Kern ging es der damaligen US-Regierung um zwei Dinge. Erstens: Der Iran als Brückenstaat zwischen Europa und der islamischen Welt sollte dem wachsenden Einfluss des kommunistischen Sowjetregimes entzogen werden. In Zeiten des Kalten Krieges fürchteten die USA, den Nahen und Mittleren Osten an den Kommunismus zu verlieren.

Zweitens durften Briten und Amerikaner aber nicht nahezu völlig vom Erdölgeschäft abgeschnitten werden, wie es 1951 Mossadegh durchsetzte. Irans Parlament kündigte die Verträge mit den Briten und verstaatlichte die Erdölproduktion. Verhandlungen mit dem Nationalisten Mossadegh über Entschädigungen blieben erfolglos.

Dieser Artikel stammt nämlich aus dem Jahre 2009.

Heute ginge das nicht mehr … das wäre ja „Verschwörungstheorie“.  Was der Stern hier 2010 berichtet, machen die nicht:

Der Iran hat die USA beschuldigt, der Opposition Milliardensummen für einen Sturz der Regierung in Teheran angeboten zu haben. Der Wächterrat, der die Wahlen im Iran überwacht, warf Washington vor, der Oppositionsbewegung insgesamt 50 Milliarden Dollar (38,4 Milliarden Euro) versprochen zu haben, wie die iranische Nachrichtenagentur Ilna am Mittwoch berichtete. Von dem Geld seien eine Milliarde Dollar bereits an die Führer der Opposition während der gewaltsamen Proteste wegen der umstrittenen Wiederwahl des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad im Juni 2009 gezahlt worden.

Warum sollten die das auch tun?

Nur wegen dem Öl?

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