Schamanismus

This tag is associated with 7 posts

Ehemaliger TV-Pfarrer Jürgen Fliege zu Corona-Zeitgeist: „Das ist kollektive Angst“

Zuletzt sorgte der evangelische Theologe und ehemalige TV-Moderator Jürgen Fliege durch seine Auftritte bei den sogenannten „Querdenken“-Demos für Aufsehen. Im Gespräch mit RT Deutsch-Redakteur Kani Tuyala spricht er auch als Seelsorger über seine Sicht auf die Corona-Krise. Zudem gewährt der Publizist Einblicke in seinen persönlichen Werdegang und bezieht Stellung zum Mediengeschäft – der „Pöbelindustrie“.

Die Anderwelt (oder: ein Nachruf auf Bernhard Kornstedt)

Digital StillCamera

Freitag, 16.1.2015, Eifel. Im Schwarzbuch USA von Peter Scowen finden wir in der Einleitung folgende, bemerkenswerte Passage (Deutsche Erstausgabe DTV 2004, Seite 7) :

„Meine Schwester Amy ist in leitender Stellung bei einer amerikanischen Unternehmensberatung tätig und saß am Morgen des 11.September 2001 ab 8:30 Uhr in der 54. Etage des Südturms des World Tade Center an ihrem Schreibtisch. Später erinnerte sie sich, dass sie, bevor sie mit der Arbeit begann, ein unerklärliches Verlangen verspürt hatte, per E-Mail weit entfernt lebende Freund und Bekannte zu kontaktieren“.

Um 8.48 wurde klar, woher dieses Verlangen stammte: es kam zum größten Angriff auf die USA nach dem Zweiten Weltkrieg, angeblich ausgeführt von einer Handvoll mit Teppichmessern bewaffneter Fanatiker. Diese Geschichte geht schnell unter – zumal sie in einem Buch steht, dass sich hauptsächlich mit den politischen Verfehlungen der USA beschäftigt. Im Prinzip wäre es eine Geschichte, die jeden Naturwissenschaftler aufhorchen lassen sollte: offenbar liegt hier der Beweis vor für erstaunliche Fähigkeiten des menschlichen Unterbewusstseins: es kann Verzerrungen in der Zeit, in der Geschichte wahrnehmen, fühlt Entwicklungen, bevor sie eintreten – und meldet sich bei dem Bewusstsein mit „unerklärlichem Verlangen“, kurz vor dem Tod nochmal alle Freunde und Bekannte zu kontaktieren, um einen letzten Abschiedsgruß zu schicken.

Nun – Ami hat überlebt. Nicht durch Zufall, sondern weil sie weiterhin ihrem Gefühl traute – sie und viele andere. Wären sie nur dem Verstand gefolgt, hätten sie wohl ihre letzte Lebenszeit damit verbracht, den Einschlag im Nordturm mit Entsetzen zu beobachten, während sich ihnen die Maschine, die ihren Südturm im Visier hatte, unaufhaltsam näherte. Gut, dass sie – ohne jeden rationalen Anlass – ihrem Gefühl gefolgt sind und das Gebäude aus eigenem Antrieb verließen: das hat ihnen das Leben gerettet.

Eine faszinierende Fähigkeit, oder? Offenbar verfügt auch der Mensch über einen Instinkt (oder „sechsten Sinn“) der ihn – wie bei Tieren oft zu beobachten – vor Gefahren warnt. Wer Hunde oder Katzen hat, kennt das: manchmal bellen die Hunde panisch, obwohl nichts zu erkennen ist – und manchmal jagen Katzen wie verrückt unsichtbaren Dingen hinterher.

Was machen wir nun? Natürlich beschäftigen sich hunderte von Wissenschaftlern mit dieser Fähigkeit und mit der Existenz von Welten, die unserer Wahrnehmung noch verschlossen sind, weil Naturwissenschaft gerne alle Aspekte der Natur verstehen und begreifen will …. nein, das tun sich natürlich nicht. Sie machen eher in geschlossener Front das Gegenteil: sie versuchen, alle, die nicht ihrem Weltbild entsprechen, in die Psychiatrie zu schicken, streng nach dem Motto: „wer nicht mein Weltbild teilt, gehört eingesperrt“.

So formuliert, hört sich das fürchterlich an – doch ist es alltägliche Praxis.

Ich durfte einige dieser Menschen kennenlernen, unterliege hier jedoch der Schweigepflicht … doch die Geschichte kann ich erzählen. Im Rahmen der Neueinführung eines Mittel gegen Schizophrenie besuchte ich einige psychiatrische Kliniken mit dem Auftrag, Hospitationsplätze für Pharmareferenten zu besorgen. Wir wollten, dass unsere Mitarbeiter die Krankheit vor Ort studieren konnten, um adäquate Gesprächspartner beim niedergelassenen Arzt werden zu können, Menschen, die wissen, wovon sie sprechen. Ich trug unseren Wunsch in verschiedenen Häusern vor – in einem Haus jedoch verlief das Gespräch anders, der Chefarzt fragte nach meiner vorherigen Ausbildung. Als er von meinen Studienfächern hörte, wurde er hellhörig – und lud mich in sein Allerheiligtes ein: das Privatzimmer, das normalerweise Ärzten und Patienten verschlossen blieb, weil es – wie früher die Kapitänskajüte – dem obersten Boss eine Rückzugsmöglichkeit bietet und seine besondere, unerreichbare Stellung unterstreicht.

Bevor wir nun zu dem Thema kommen, warum auch heute noch in der Ärzteschaft Strukturen des preussischen Militärs im 19. Jahrhundert herschen (auch ein sehr spannendes Thema), bleiben wir lieber bei den Schizophrenen. Der Chefarzt hatte ein Problem – kurz gefasst, beschrieb er es so: „Wenn der Deutsche zu mir kommt und mit Gott spricht, muss ich ihn behandeln. So haben wir das gelernt. Kommt aber der Moslem zu mir, so deshalb, weil er nicht mehr mit Gott sprechen kann – und ich muss Methoden finden, wie er seinen Dialog mit Gott wieder aufnehmen kann“.

Ein sehr fortschrittlicher Wissenschaftler, dieser Arzt. Was ihm vorschwebte – als Gegenleistung der Firma für Hospitationen von Mitarbeitern – war eine Vorlesungsreihe in der Klinik, in der „Verrückte“ (er nannte sie natürlich nicht so) der verschiedensten Glaubensrichtungen auftraten, damit seine Mitarbeiter (vor allem die Ärzte) lernten, welche Dimensionen normales, gesundes Denken annehmen kann, ohne behandlungsbedürftig zu sein: nur einfach Gottes Stimme zu hören reichte nicht mehr aus, das war für andere Kulturkreise normaler Alltag – und um hier differentialdiagnostisch sicher arbeiten zu können, musste man neue Perspektiven entwickeln – oder man würde wieder in eine Psychiatrie des 19. Jahrhunderts zurückfallen.

Die Organisation einer solchen Vortragsreihe schien mir eine Kleinigkeit zu sein – ich hatte auch Arbeitszeit genug zur Verfügung, um das nebenbei zu organisieren. Neben christlichen Mystikern, Zen-Buddhisten, Nonnen und Theologen hatte ich auch eine ganze Reihe von Wissenschaftlern im Sinn, die jemand anders schon für mich zusammen gestellt hatte: „Der Wissenschaftler und das Irrationale“ hieß damals ein Sammelwerk, wo Geisteswissenschaftler aller Fachrichtungen über ihre Erfahrungen und Erlebnisse mit dem Irrationalen berichteten – ich hatte dieses Werk im Rahmen der Ausbildung über Erkenntnistheorie durchgenommen – was bei mir zu der Erkenntnis führte, wie wenig wir überhaupt über die Welt wissen und wie wunderbar unerforscht sie doch noch ist.

Zudem war ich aufmerksamer Leser der Ärztezeitung … wo man in der Tat sonderbare Artikel zu lesen bekam, die unser Weltbild sehr in Frage stellten: erfolgreiche Schädeloperationen vor 12000 Jahren – oder ein kleiner Junge mit einem so starken Eigenmagnetfeld, dass er regelmäßig den Diebstahlsalarm von Kaufhäusern auslöste – leider haben die Artikel (und andere) die letzten zwei Umzüge nicht überlebt, ich hoffe, sie beim nächsten Umzug wieder zu finden. Darüberhinaus hatte ich die Neuauflagen der Werke von Charles Fort studiert, der in den dreißiger Jahren des 20 Jahrhunderts die Zeitungen nach „Verdammten“ durchsucht hatte: so nannte er Meldungen, die nur kurz erschienen, bevor sie von der modernen Inquisition „verdammt“ wurden.

Neben diesen hochqualifizierten Zeugen der „Anderwelt“ (so ein Sammelbegriff für das Mystische, der aus der älteren europäischen Kultur stammt) kam mir aber auch noch ein anderer Mensch in den Sinn. Ich hatte während des Studiums Feldforschung im Sauerland gemacht – im hochkatholischen Sauerland, auf einsamen Höfen fernab der Kultur. Dort stieß ich auf einen „Aberglauben“, der mit dem Christentum nichts zu tun hatte – Geschichten über unheimliche Dinge, die an bestimmten Abenden auf den hofeigenen Friedhöfen geschahen. Bis heute habe ich die panischen Gesichter der Hofbewohner (einer davon war Rechtsanwalt) vor Augen, als ich – der rationale Atheist – vorschlug, ich würde – obwohl gerade eine der „gefährlichen“ Nächte war – einfach jetzt mal auf den Friedhof gehen, um zu sehen, warum man eigentlich um diese Uhrzeit zu gewissen Tagen dort nicht hingehen soll: die Angst der Menschen sprang mir förmlich entgegen und ich habe keine Zweifel, dass sie mich mit Gewalt gehindert hätten, den kleinen Friedhof zu betreten … um mich vor dem zu schützen, was dort umging und den Menschen schadete, wenn sie ihm begegneten.

Ich wollte diesen „Andersglauben“ gerne zum Gegenstand einer Doktorarbeit machen (im Sinne von „Traumzeit“ von H.P.Duerr: immerhin handelte es sich hier um lebendige und aktive Formen einer Religion, die mit dem herrschenden Christentum nichts gemein hatte – aber einen enormen Einfluss auch auf akademisch gebildete Menschen in Deutschland bewies), doch scheiterte ich mit diesem Ansinnen an dem Veto eines Kirchenfürsten: so etwas durfte es einfach nicht geben.

Ich hatte später (im Jahr 2000) meine ersten Gehversuche im Internet hinter mir (per Spielkonsole der Kinder, Dreamcast genannt), hatte in einem „Parsimony“-Forum einen Ort zum Gedankenaustausch gefunden, geleitet von einer Autorin, die ein Werk über den Odilienberg geschrieben hatte (wenn ich mich recht erinnere, war die Frau danach in die USA ausgewandert um dort Asyl zu beantragen – so sehr wurde sie von deutschen Behörden und Neonazis verfolgt – aber das ist eine andere Geschichte).  Aus diesem Forum meldete sich eines Tages ein Herr bei mir telefonisch, der mich gerne mal kennen lernen wollte.

Ich war verblüfft – und noch verblüffter war ich, als das Telefonat beendet war. Ich erfuhr, dass ich ein „Geistkrieger“ sei – und das jener Herr … Bernhard Kornstedt … sich zur Aufgabe gemacht hatte, jene Geistkrieger zusammeln, um gegen eine kommende Dunkelheit anzugehen und die Menschen vor Unheil zu schützen. Man hätte das leicht als Unfug abtun können – wäre Herr Kornstedt („Bärenherz“) nicht ein ausgebildeter Religionswissenschaftler gewesen – und somit für mich ein „Bruder im Geiste“.

Was folgte, waren jahrelange Telefonate, nahezu jeden Sonntag morgen rief er an um verschiedene Dinge zu besprechen – und ich merkte schnell, dass hier jemand eine lebendige Kultur repräsentierte und rational einwandfrei belegen konnte, die ein Hans Peter Duerr als verstorben und ausgerottet erachtet hatte. Für einen Erkenntnistheoretiker war es hoch interessant, hier jemanden zu sprechen, der sehr rationale Emotionen als Instrumentarium der Wahrheitsfindung benutzte und so in einem Weltbild lebte, dass – ja- das ursprünglichste religiöse Weltbild der Menschheit praktizierte, ohne irgendeine Anbindung an irgendwelche Lehren oder dogmatische Systeme zu haben. Heutzutage würde man es „Schamanismus“ nennen – obwohl man gleich warnen muss: wo in Deutschland offen „Schamanismus“ verkauft wird, ist mit fast absoluter Sicherheit keiner drin – so wie in der gesamten zum Konsumgut verkommenen „Esoterik“.

Anders jedoch die wissenschaftliche Bedeutung: die Existenz einer solchen Kultur ohne Anbindung an Glaubenslehren deutete primär – nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit – darauf hin, dass hier kein „Glauben“ sondern eine „Wahrheit“ gelebt wurde: ein idealer Mensch, um Medizinern klar zu machen, dass man ganz vernünftig, plausibel und rational nach den Maximen westlicher Wissenschaftlichkeit ein Weltbild leben konnte, dass konträr zu den Dogmen der Gegenwart stand – und vor allem politsch äußerst brisant war.

Politisch? Nun – nach den Öffnungen der Archive des Vatikan zum Thema Hexenverbrennungen und Auswertung historischer Dokumente hatte sich gerade zur damaligen Zeit eine kleine Revolution ereignet (ob dies im Internet schon dokumentiert ist, kann ich momentan nicht sagen): zwar schrieb ein Mönch den Hexenhammer, aber eingesetzt wurde dieses Werk von der weltlichen Obrigkeit, hauptsächlich von Ärzten (die die Konkurrenz durch die Hebammen ausschalten wollten – ein gerade dieser Tage hochaktuelles Thema) und den Juristen, aber auch von einer Gruppe skrupelloser Machtmenschen, die vor allem eins im Sinn hatten: sich selbst an die Stelle Gottes zu setzen (auch ein hochaktuelles Thema, der Papst hatte sich kürzlich dazu geäußert). Die Folgen dieser Entwicklung nennen wir „Kapitalismus“ – und er wurde in der Neuzeit vorbereitet durch Auslöschung jeglicher lebendiger Religiösität, ein Prozess, der heute stringend durch den „Krieg gegen den Terror“ – der in Wahrheit ein Krieg gegen den Islame, die letzte, ernsthafte Großreligion, ist – fortgeführt wird.

Im Kontakt mit „Bärenherz“ habe ich viele interessante Menschen kennenlernen können – und einen Einblick in eine lebendige, religiöse Gegenkultur gewonnen, der Betriebsratsvorsitzende, Boxer, Unternehmensberater und Radiomoderatoren angehören – oder ehemalige Bundestagsabgeordnete der Grünen, die sich voller Entsetzen vor den kalten Machtspielen im Bundestag vom politischen Treiben abgewandt haben, um ihre Seele nicht zu verunstalten. Menschen, die im klaren Bewusstsein einer parallelen Realität leben, die zu den ältesten Paradigmen der Menschheit weltweit gehören: der sicheren Gewissheit, dass es jenseits der Welt, die unseren Sinnen zugänglich ist (und immer noch jenseits der Wirklichkeit, die wir mit unseren Apparaten ertasten können) eine andere Wirklichkeit gibt – unter anderem bevölkert mit intelligenten Wesen … die auch äußerst boshaft sein können.

Manchmal jedoch setzen die „Spirits“ auch Impulse ins Unterbewusstsein – zum Beispiel wenn ein Akt äußerst boshafter Dunkelheit droht …wie bei Amy. Manchmal rettet die Anderwelt Menschenleben – wenn man noch sensibel genug ist, ihre Stimme zu hören; wer durch massenhaften TV-Konsum aktive Innenweltvergiftung betrieben hat, wird da im Nachteil sein, die sehr leisen Stimmen der Anderwelt sind dann nicht mehr zu hören: man ist taub geworden.

Bernhard Kornstedt ist vor zwei Tagen gestorben – Anfang sechzig. Ein Schicksal, das ich in den letzten Jahrzehnten oft beobachten durfte: wer sich den geistigen Herren der Welt in den Weg stellt, wird selten alt. Ich bringe das manchmal in einen Zusammenhang mit der verblüffenden Beobachtung (die Textstellen dazu werde ich erst nach meinem Umzug wiederfinden, so lange sei das jetzt eine unterhaltsame Geschichte), dass die US-Armee die Medizinmänner der Indianer beseitigte – nicht so sehr ihre Kriegshäuptlinge. Der neue Geldgott wusste wohl, wer seine Erzfeinde sind. Mit Bernhard Kornstedt starb einer der letzten lebenden europäischen Schamanen, der sich sein Weltbild – wie es dort Tradition ist – nicht durch Theorie sondern durch praktische Arbeiten, Gespräche mit und Reisen durch die Anderwelt geschaffen hatte: wie es Wissenschaftler eben tun sollen. Und dieses Weltbild ist weltweit durch alle Zeiten das Gleiche – ein wahrer Fundus für undogmatische Wissenschaft.

Unsere Wissenschaft ist jedoch nicht undogmatisch – und deshalb ist sie auch schon lange keine mehr, sie ist Büttel des neuen Gottes „Geld“ geworden und verfolgt seine Widersacher bis aufs Blut – ohne Rücksicht darauf, ob sie nicht vielleicht doch eine Wahrheit leben, die größer und wichtiger ist als die, die noch in unseren Schulen gelehrt werden darf.

Unfug, meinen Sie? Meinte ich auch mal. Ich kann Ihnen als Angehörigen einer Gesellschaft, die Pornographie und Sexualität vergöttert, andere Kunde bringen: das, was an Orgien und sexuellen Ausschweifungen im Rahmen der europäischen „Anderweltkultur“ (wie ich sie nennen möchte, um einen Oberbegriff einzuführen) gelebt wurde (nicht nur in Griechenland unter dem Siegel des Dionysus), läßt selbst das hemmungsloseste westliche Bordell oder den verruchtesten Swingerclub als ein Nonnenkloster erscheinen. Es kann viel Magie und Zauber in der Sexualität liegen – und wer einmal davon genossen hat, ist mit Geld nicht mehr zu kaufen, noch an Bullshitarbeit zum Gelderwerb interessiert: er weiß, dass das Leben größere Genüsse bieten kann („gratis“, sozusagen), die auch den Geist weit über seine erlaubten Grenzen hinausführen können. Vielleicht ist das mit ein Grund für die Urlaubssucht des westlichen Menschen: man weiß, dass es Reisen gibt, die unglaubliche Wunder möglich machen … allerdings findet man sie nicht an den Stränden dieser Welt.

Die „Gegenkultur“ zu diesem „Anderweltkultur“ befindet sich im 21. Jahrhundert auf dem absteigenden Ast – um so mehr muss sie ums Überleben kämpfen … und um so mehr Erlebnisse wie die von Amy ignorieren, obwohl sie geeignet sind, allen Ansprüchen von „Wissenschaft“ gerecht zu werden. Nur zweihundert Jahre nach ihrem Sieg über die Kirche (die – als katholische Kirche – noch für viele „Zaubermenschen“ eine sichere Zuflucht bietet, wenn sie den richtigen Dress- und Verhaltenscode befolgen) hat die Kultur des dogmatischen Materialismus die Welt an den Rand der Vernichtung geführt: Massenvernichtungswaffen bestimmen das Kriegsgeschehen (das vor zweihundert Jahren von nordamerikanischen Eingeborenen noch als Spiel mit manchmal tödlichem Ausgang geführt wurde – und nicht als Massenvernichtungsorgie im Namen alternativloser „Kollateralschäden“), das politische System produziert trotz demokratischer Sicherheitsstrukturen einen Krieg nach dem anderen (was den Schamanen nicht wundert, weiß er doch, welch´ üble Dinge böse „Spirits“ den ungeschultem Geiste einflüstern können), das wirtschaftliche System hat sich in einen realitätsfernen Wahn verwandelt, jahrtausendealte Sozialsysteme („Familie“) stehen kurz vor der Vernichtung, die Umweltschäden ihrer unausgereiften und undurchdachten Technologien (der Erfinder des „Herrn der Ringe“ J.R.R. Tolkien nannte es mal „Orks, die den einen Ring gefunden haben“) verwüsten die Erde Tag für Tag, ihre Nebenwirkungen greifen desaströs in den Klimahaushalt des ganzen Planeten ein – und neben bei wird der Mensch (einst: Ebenbild Gottes) immer weiter zur bloßen Funktion, zum billigen Futter für die Maschine degradiert und gnadenlos aussortiert, wenn er nicht mehr für den Profit des Mammon dienlich ist.

Angesichts dieser desaströsen Bilanz ist es schon dreist, ältere Kulturen als „krank“ zu beschreiben und ihre Vertreter in die Psychiatrie zu überweisen – dabei werden wir womöglich die Hilfe dieser Kulturen (bzw. die Hilfe der Anderwelt) gut gebrauchen können, wenn die Rechnung präsentiert wird und der neue Turmbau zu Babel in sich zusammenfällt. Ja – die Selbstvergötterung des Menschen hatten wir schon mal, wir wissen, wie das endet – und wir wissen, wie die Menschen den Zusammenbruch überstanden haben.

Was bleibt noch zu sagen – zum Abschied eines Menschen aus unseren Kreisen … und zum Abschied einer Kultur, die ein hohes Maß an Lebensqualität auf niedrigem Verbrauchsniveau erlaubte?

Als ich Bernhard das erste mal persönlich traf (das letzte Mal war 2004 … ab 2005 waren mir solche Reisen nicht mehr möglich und ich hatte auf einmal ganz andere Probleme) schaute er mich an und sprach mit merkwürdigem Ton (den man leicht als „Bewunderung“ hätte deuten können): „Jetzt bist Du also endlich da“ … so als ob dieser Besuch von größter Wichtigkeit gewesen wäre. Es war im Krankenhaus, er war damals schon sehr angegriffen. Ich hätte gerne gewusst, was er da eigentlich in mir gesehen hatte – doch wir hatten so viele andere Themen, dass ich zu der Frage nie gekommen bin.

Und ich wüsste langsam endlich mal gerne, was ein „Geistkrieger“ ist. Werde ich nun wohl nie erfahren.

Das letzte Telefonat mit ihm ist übrigens ein paar Monate her – er war in Eile, getrieben von dem dringenden Gefühl „seine Arbeit fertig stellen zu müssen“.

Wie Amy gab ihm das Gefühlt recht.

Ach ja – das sei noch gesagt: mit dem Gefühl, dass der Menschheit großes Ungemach droht, hatten wir wohl nicht Unrecht. Leider bin ich von denen, die 2000 darüber gesprochen haben, der einzige Überlebende. Am 2001 haben es aber dann ja auch alle mitbekommen – und Hartz IV hat 2005 in Deutschland gezeigt, dass es auch wirklich jeden treffen kann, 2014 standen wir wieder kurz vor dem Ausbruch eines neuen großen europäischen Krieges … eine Gefahr, die jetzt festzementiert über uns schwebt.

Andererseits: wann war die Menschheit schon mal nicht von großem Ungemach bedroht.

Nur: früher wares es Naturkatastrophen, denen man siegreich als Gemeinschaft begegnete. Heute machen wir das selbst.

Oder lauschen den falschen Geistern.

 

 

 

Gott und Tod: die besten Freunde der Menschheit

Gott und Tod: die besten Freunde der Menschheit

Mittwoch, 8.Oktober 2013. Eifel. Als wir dieses Nachdenkmagazin konzipiert hatten, war eine etwas andere Dimension angedacht. Ich selbst habe einen Schwerpunkt in politischer Philosophie, Erkenntnistheorie und Religionsphilosophie. Letzterer ergab sich aus meiner absoluten Unfähigkeit, religiöse Dinge zu verstehen. Ich denke, man wird dann Philosoph (auch außerhalb jeder universitären Bildung), wenn man versucht, Dinge zu verstehen, die man nicht versteht. Geschieht dann ganz automatisch. Inzwischen sind wir eher ein politisches Nachdenkmagazin – was aber eher der Politik geschuldet ist: sie entwickelt sich in eine düstere. lebensbedrohende Richtung, die aller Aufmerksamkeit bedarf, um den Kindern noch eine Zukunft bieten zu können, die nicht nur aus Trümmern und Wüste besteht. Dabei geraten die ersten und letzten Dinge im Leben leider völlig aus dem Gesichtsfeld, ebenso die vielen unglaublichen Wunder, die das Leben zu bieten hat. Gestern nun habe ich eine sehr ernste Frage bekommen, die ich zuerst gar nicht beantworten wollte: die Frage, wie es kommt, dass ich den Bereich „Religion“ so verteidige, ja, selbst zu den religiösen Menschen zu gehören scheine. Die Antwort auf diese Frage hat mehrere Ebenen. Da ich denke, dass diese Gedanken vielleicht für andere auch von Interesse sind, möchte ich sie  öffentlich machen.

Zuerst einmal die Antwort aus der persönlichen Erfahrung heraus. Sie ist einfach. Nach Carlos Castaneda liegt die Stärke des weißen Mannes darin, dass er von einem undurchdringlichen Panzer umgeben ist, der ihn vor jeglicher Erfahrung, die über das rein materielle hinausgeht, schützt. Das ist seine Besonderheit – und seine Schwäche, wie John Perkins in seinem Erfahrungsbericht mit den Schamanen Ecuadors beschreibt. Wo Chinesen, Indianer, Maya, Griechen und Araber innehielten, entschied er anders: er wollte die absolute Macht über die Materie. Die hat er innerhalb von 500 Jahren erhalten – mit erschreckenden Nebenwirkungen, die die gesamte Menschheit an den Rand des Abgrundes gebracht haben. Begleitet wurde dieser Griff zur Macht durch eine Vernichtungsoffensive gegen jene Menschen, die weiterhin Erfahrungen über den materiellen Bereich der Existenz hinaus machten: die Hexenverbrennungen waren nicht der Kirche geschuldet, sondern dem neuen wissenschaftlichem Denken. Der Vernichtungsfeldzug gegen magisches Denken setzte sich fort, als die US-Armee die Medizinmänner der Indianer in den Lagern ermordete – aber nicht die gefährlichen Kriegshäuptlinge. Er setzt sich auch heute in breiter Front fort, erreicht inzwischen die Kirchen und Religionen und wird nicht eher ruhen, bis alle Menschen ausgerottet sind, die über Erfahrungen verfügen, die über das, was Kapitalismus und Kommunismus erlauben hinausgeht. Ich gehöre zu diesen Menschen. Über die Erfahrungen kann man nicht mit Menschen reden, weil die Wahrnehmungen jenseits der sprachlichen Dimension stattfindet.

Eben Alexander – der atheistische Neurologe mit der Nahtodeserfahrung – beschrieb diesen für ihn überraschenden Zustand deutlich: in der jenseitigen Welt (wie wir sie jetzt mal der Not halber nennen wollen) gibt es keine Sprache, aber trotzdem perfekte Kommunikation. Künstler wird das jetzt nicht überraschen, sie verfügen über die Fähigkeit, Kommunikation außerhalb der sprachlichen Welt zu gestalten. Es ist mir deshalb unmöglich, über diese Erfahrungen zu reden (weshalb ich es auch unterlasse), weil es der Versuch wäre, einem Farbenblinden die Farbe Rot zu erklären. Ich kann nur versichern, dass ich sie ohne Drogeneinfluss gemacht habe, bei klarem Bewusstein – und dass sie alle Bedingungen eines wissenschaftlichen Experimentes entsprachen und wiederholbar sind.

Ich schätze einmal, dass es einer von hundert ist, der mit solchen Erfahrungen leben muss. Da sie eindrucksvoller, beglückender und intensiver sind als alle Empfindungsqualitäten im visuellen, auditiven, kinästhetischem, gustatorischem oder olfaktorischem Bereich, haben sie ein höheres Anrecht darauf, „Wirklichkeit“ genannt zu werden als die sinnlichen Eindrücke, die aus materiellen Erfahrungen resultieren. Nur jemand, der sie nicht kennt, kann sie als „Wahnvorstellungen“ kategorisieren – die so Wahrnehmenden erfahren eine Welt, deren Eindrücke qualitativ hochwertiger sind. Vielleicht funktioniert ein Vergleich mit dem Fernseher: die Alltagserfahrungen gleichen einem schwarz-weiß-Bild, das von starkem Rauschen begleitet wird und ziemlich unscharf ist. Die Jenseitserfahrung hingegen sind ein Blick aus dem Fenster – nur von der rein sinnlichen Qualität her. Mit welchem Recht also sollte ich den schwächeren Eindruck „wahr“ nennen und den stärkeren Eindruck „falsch“?

Es ist der Bereich der Empirie, den ich hier für mich in Anspruch nehme: einen Bereich, der ebenso wissenschaftlich ist wie der der Ratio. Nur endet hier die Diskussion. Um noch einmal ein Beispiel anzuführen: wenn jemand mal ein UFO gesehen bzw. erlebt hat (ein echtes, unterstellen wir mal), kann er nie wieder theoretisch darüber diskutieren, ob es das gibt oder nicht.

Schaut man sich nun die Religionsgeschichte an – vom primitiven Schamanismus (der mir am Liebsten ist, weil er der „Wahrheit“ am respektvollsten begegnet) bis hin zur hochgradig differenzierten Schriftreligion, so zeigt sich durchgängig: über Erfahrung lässt sich nicht diskutieren. Man kann nicht einfach die Bibel lesen und die christliche Religion verstehen. Hat man Erfahrungen („Gottes Antlitz geschaut“) so findet man in der Bibel viele „Kollegen“. Hat man keine Erfahrungen, findet man – erst recht nach den diversen komplizierten Übersetzungen – ein unverständliches Kauderwelsch vor, das sich dem normalen Verstand entzieht.

Nehmen wir Jesus als Beispiel. Ich selbst habe das Reden über ihn erst Ostern 2011 begriffen, vorher konnte ich die Welt auch gut ohne ihn verstehen. Lesen Sie mal das Neue Testament unter Berücksichtigung der Kategorien der Aussagelogik – sie verstehen gar nichts, erst recht nicht, wenn Sie nicht wenigstens den Text im Altgriechischen lesen können und auf die vielen holprigen deutschen Übersetzungen angewiesen sind.

Zum Vergleich: Lesen Sie einmal das Vaterunser in der Übersetzung aus dem aramäischen (z.B bei Bunkahle). Oder die Übersetzungsfehler, die Pinchas Lapide beschreibt: da wird schnell aus einem „prüfenden“ ein „heimsuchender“ Gott, weil man das Zeitwort pakad zuungunsten der jüdischen Religion ausgelegt hat (siehe Pinchas Lapide, Ist die Bibel richtig übersetzt, Bd. 1 u. 2. Bechtermünz 1999, Seite 62-63) – ein Fehler, der gerade im deutschen Sprachraum gerne gemacht wird, weil wir ja wissen, wie der „Jude“ ist.

Hier betreten wir jetzt aber den weiten Bereich der Religion, in dem wir vor allem eins finden: den Hunger nach Macht.

Das ist nun ein eher hässliches Thema. Leider sind die Mitglieder organisierter Religionen keine Heiligen. Zumeist sind es Händler, Halsabschneider und Betrüger, die etwas ganz besonders Tolles gefunden haben: eine Ware, die unsichtbar ist, leicht zu transportieren und nicht zu kritisieren. Im Mittelalter hat der Adel seine Zweitgeborenen in die Kirche geschickt, um dort mit ihrer Hilfe Macht ausüben zu können: „Halt Du sie dumm, ich halt sie arm“ ist ein Spruch, der sich auf eine Familie bezieht – was heute gerne vergessen wird. Findige Geschäftsleute können halt überall alles verkaufen – sie machen vor Kirchentüren so wenig halt wie vor Parlamenten oder Sterbezimmern. Der Griff zur Macht wurde auch dort konsequent durchgeführt, die Kirche wurde zum Instrument des Adels, das gegen alle ethischen Maximen des Christentums verstieß. Mit Religion hat das alles nicht mehr viel zu tun – es sei denn, man hat ein politisches Interesse daran, diese Tatsachen zu verschleiern.

Das hat man – und hier betreten wir eine neue Ebene der Betrachtung.

Zuerst jedoch: ein Blick in die Welt der Physik.

Wie Sie wissen, bestehen sie aus Atomen. Ich hoffe jedenfalls, dass Sie das schon mal gehört haben. Schauen Sie sich Atome näher an, so zerfallen sie in ihre Einzelteile, vor allem aber wird eins deutlich: überwiegend bestehen Sie als Mensch aus der Leere zwischen den Elementen der Atome, wo sich vielleicht noch „Felder“ befinden, die verhindern, dass sie einfach so durch den Boden rutschen. Es liegen enorme Distanzen zwischen Atomen, Elektronen und Neutronen – und diese Elemente selbst sind nach neueren Theorien selbst weniger materiell. Das Universum des Materialismus hat erstaunlich wenig Substanz, aber die enorme Frechheit, den menschlichen Geist als Illusion zu beschreiben, als spukhafte Nebenwirkung, die das Gehirn zum Schutze der DNS erzeugt.

Das ein illusionäres Subjekt niemals die Erkenntnis treffen kann, dass es selbst nur eine Illusion ist, haben schon ältere Denker erkannt: die Propagandisten des Materialismus scheinen dies zu können – was nur geht, wenn man für sich beansprucht, eine höhere Erkenntnis zu haben, als Menschen sie erlangen können: quasi Übermensch zu sein.

Bringen wir uns dies zu Bewußtsein, so ist eher der Schritt naheliegend zu sagen: dass Bewußtsein ist an sich das Realste, was wir als Menschen erkennen können. Illusionär ist eher die Welt der Materie – nur leider können wir das als Normalbürger nicht nachvollziehen, weil die Physik sich hier schnell in der Sprache der Mathematik verliert – wie die Kirche im Mittelalter sich hinter dem Latein verschanzte, verschanzen sich die Naturwissenschaften hinter der Sprache „Mathematik“ – die schnell zu kompliziert für die Mitmenschen wird, die deshalb die bahnbrechenden Veränderungen, die das Doppelspaltexperiment mit sich bringt, erst in hundert Jahren zum Tragen kommen werden. Kurz und frech gesagt (als ungläubiger Laie): Materie scheint nur dann fest zu sein, wenn sie jemand wahr nimmt. „Information“ scheint womöglich die einzige Form von Realität zu sein, die wir definitiv beobachten können.

Schön blöd, oder? Dabei haben wir uns auf der Scheibe so wohl gefühlt, die Erde als Kugel ist schon gedanklich schwer zu begreifen, weil man ja auf der anderen Seite herunterfallen müsste: jahrhundertelang DAS Argument gegen die Kugelform der Erde, dass jeder wissenschaftlich denkende Mensch sofort verstanden hat.

Was hat das nun mit Gott zu tun? Hier verlassen wir endgültig die persönliche Ebene und wenden uns der Wissenschaft zu. Gibt es ein Bewußtsein von Gott, eine Information vom höchsten Buddhageist oder dem Großen Geist der Indianer, dann ist dieses Element Teil der menschlichen Realität – erst recht, wenn wir dieses Bewußtsein rund um den Globus in sämtlichen Kulturen wiederfinden.

Streng abgrenzen muss man hier jedoch das eher instinktive Wissen um die Realität einer geistigen Welt (zu welcher wir als Bewußtsein primär gehören) von den Ausformungen, die Menschen aus unterschiedlichen Gründen (unter anderem zum Zwecke der Machtgewinnung) daraus gemacht haben. Erkenntnistheoretisch können wir – nach bestem Wissen und Gewissen – hier nur die Existenz einer jenseitigen Welt (auch dieser Begriff ist aus sprachlicher Not geboren), einer „Anderwelt“ oder „geistigen Welt“ formulieren, müssen uns jedoch dem Faktum beugen, dass wir über sie kaum Aussagen machen können.

Auch hier muss gelten: die Vielfalt der Beobachtungen ist womöglich nur der Vielfalt der beobachtenden Bewußtseine geschuldet, hieraus ein Lehrsystem gleich einer Religion zu machen, ist im Prinzip immer zu weit gegriffen – und es ist auch gar nicht notwendig. Die christliche Religion akzeptiert dies, siehe Bibel-online:

Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler, die da gerne stehen und beten in den Schulen und an den Ecken auf den Gassen, auf daß sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin.Wenn aber du betest, so gehe in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater im Verborgenen; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten öffentlich. 

(der Vater – das sei in Erinnerung gerufen – löst sich auf, wenn man aramäisch denkt … wie Jesus es getan haben muss. Dort wird aus „Vater unser im Himmel“ Oh Du, atmendes Leben in allem, Ursprung des schimmernden Klanges. Du scheinst in uns und um uns, selbst die Dunkelheit leuchtet, wenn wir uns erinnern – siehe Omkara, eine Formulierung, die an die Beobachtungen gemahnt, die Eben Alexander nach seinem Tode gemacht hatte: „Gott“ als reiner Klang, als „Omm“).

Wieso wir nun Kirchen haben, öffentlich beten, hüpfen und singen, hat mit der Geschichte zu tun. Notwendig ist das nicht, Begegnungen mit dem „Jenseitigen“ hat man grundsätzlich NUR in der Stille – womit wir den kurzen Ausflug in den Bereich der Ratio verlassen und wieder im Bereich der Empirie sind, wo ein dritter Punkt auf uns wartet: der Tod.

Gott (den Begriff mag ich gar nicht, er ist schon falsch, wenn man ihn niederschreibt) und der Tod (als personifizierter Prozess auch eine Lüge) gehören eng zusammen. Kurz gefasst ist das indianische Mythologie: nach dem Tode betreten wir die ewigen Jagdgründe und sind nahe beim Großen Geist. Mehr an Religion braucht im Übrigen kein Mensch, das ist so der kleinste, gemeinsame Nenner, den das Erleben des jenseitigen Bereiches aufzeigt. Alle Beschreibungen, die darüber hinaus gehen, kann man getrost ignorieren – meist geht es dann sowieso schon um Geld: Ablassbriefe, Kirchensteuern, Rechnungen für Heilungen oder besonders kräftige Gebete … schauderhaft.

Bei aller Relativierung der Erlebnisse unserer Umwelt, die uns unser Verstand erlaubt (wie die Rationalisten Descartes und Kant aufgezeigt haben, deren Erkenntnisse von den Priestern des Materialismus gerne großräumig ignoriert werden), ist dies eine Tatsache, die auch mit noch so vielen Worten nicht ungeschehen gemacht werden kann: wir sterben.

Die Alternative zum religiösen Denken (das an sich erstmal keine andere Hölle kennt, als die, die man sich selbst bereitet – doch das ist eine andere und ebenfalls sehr lange Geschichte) bietet hier (unter völliger Ignoranz des Energieerhaltungssatzes) die Version „völlig Auslöschung einer Illlusion, die zufällig aus dem Blumenkohl entsprangen, den wir Gehirn nennen“.

Das könnte man als Theorie stehen lassen (ungeachtet der Sünden, die wir dann gegen die Vernunft bzw. die Erkenntnistheorie begehen), gäbe es nicht Menschen, die von „drüben“ zurückgekehrt sind. Da gibt es nicht einen, sondern tausende. Ein einziger hätte ausgereicht.

Diese tausenden von Zeugen berichten im Prinzip alle dasselbe – und belegen mit ihren Erfahrungen jene, die ihrerseits in der Geschichte des religiösen Denkens ähnliche Erfahrungen geschildert haben. Es läßt sich hier eine durchgängige Linie gleichartiger Erfahrungen in allen menschlichen Kulturen zeichnen – immer dadurch eingeschränkt, dass es sich hier um Wahrheiten handelt, die sich in allen Sprachen des sprachlichen Ausdrucks entziehen (und deshalb im Laufe der Tradition zu ganz unterschiedlichen Dogmen führen können), aber gleich erlebt werden – die gleiche emotionale Resonanz erzeugen.

Ist man nun ein emotional eingeschränkter Mensch (was nicht unnormal ist und in der Regel durch andere Fähigkeiten ausgeglichen wird) hat man wenig Zugang zu diesen Themen, hat man keine eigenen Erlebnisse, wird es noch schwieriger, das Sprechen von Religion zu verstehen – es bleibt wenig anderes übrig, als die anderen für verrückt zu halten – im Prinzip hat man gar keine andere Wahl.

Man bräuchte diese Diskussion auch gar  nicht führen, wenn es nicht noch eine handfeste politische Dimension geben würde, die gerade heute deutlich zu Tage tritt.

Das sichere, instinktive Wissen um die Realität des Jenseitigen führt zu einer großen Sicherheit im Umgang mit den Mächten dieser Welt: weil man eine andere (nicht kontrollierbare) Heimat hat, kann man nur sehr schwer im Sinne der Mächtigen manipuliert werden: hier droht katastrophaler Umsatzverlust durch Konsumverzicht, hier droht unkontrollierbare Bewusstseinsbildung gegen die herrschende Klasse. Gegen alles Ungemach, das die Welt gegen die Menschheit auffahren kann (und auffährt), ist hier eine sichere Zuflucht vorhanden, die Widerstand erlaubt: das „Opium für das Volk“ entzieht Kapitalismus und Kommunismus radikal die Deutungshoheit über die Wirklichkeit – und ist deshalb so verhasst.

Darum werden jene, die über Erfahrungen verfügen, gejagt, gefoltert, verbrannt, ausgelöscht oder auf ewig mit Drogen vollgestopft und weggesperrt: das Kapital fordert Allmacht – in letzter Konsequenz will es selber Gott werden … und gerade in den heutigen Tagen erleben wir, wie das Kapital die Regierungen vorführt, als wären es Tagelöhner und Leibeigene.

Doch gehen wir weiter: selbst wenn es Gott und Tod nicht „gäbe“, täten wir gut daran, sie als gedankliche Konstruktionen lebendig zu erhalten, Gott in Form des Großen Geistes, der alles durchdringt (das war im Prinzip die Lehre des Giordano Bruno, den heute viele Atheisten als Helden feiern – wobei sie gar nicht verstehen, was sie da eigentlich tun) und des Jenseits in Form der ewigen Jagdgründe. Diese Konstruktionen können uns effektiv helfen, frei zu werden von den Indoktrinationen des Kapitals – selbst wenn es nur Hilfskonstruktionen sein sollten.

Dafür jedoch dies anzunehmen, gibt es keinen Grund. Weder Empirie noch Ratio legen nahe, dass wir hier unserem Urteil (und dem Urteil der absoluten Mehrheit der Menschheit) nicht trauen dürfen. Natürlich behalten auch die Reflexionen des Atheismus seine Gültigkeit, sie sind sogar ein wesentlicher Bestandteil des Bewußtwerdens und hemmen gut jene schädliche Einflüsse, die von den Händlern in den Kirchen und Religionen kommen.

Wo jedoch Urteile über Wahrheit und Wirklichkeit gefordert sind, versagt die Philosophie des Atheismus (die nie dazu entworfen wurde, hierüber Aussagen zu machen: sie ist eine gezielt antiklerikale Erfindung mit gezielt antiklerikaler Ausrichtung und völlig bedeutungslos für Menschen, die mit Kirche überhaupt nichts am Hut haben – wie z.B. die Schamanen der Vorzeit).

Gott und Tod sind aktuell die besten Freunde der Menschheit, deren erster Ausbruchsversuch aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit fürchterlich in die Hose gegangen ist: umgeben von künstlichen Umweltgiften, regiert von unsichtbaren Märkten (deren Tyrannei der Regentschaft übelster Schurken nahekommt), bedroht von atomarer Vernichtung oder der Auslöschung durch aus ganz vernünftigen Gründen erschaffenen Konzentrationslagern (was „die Märkte“ als effektivste Lösung des Problems der „Kosten auf zwei Beinen“ täglich fordern – nur merken das viel zu wenige) hat er es innerhalb weniger Jahre geschafft, das ganze mühevoll ausbalancierte Gleichgewicht der Natur aus dem Takt zu bringen … mit Folgen, die ganz fürchterliche Auswirkungen haben könnten und schon jetzt dafür sorgen, dass wir das schlimmste Artensterben in der bekannten Geschichte der Menschheit erleben.

Gut, dass es den Tod gibt, der uns sicher aus dieser selbst geschaffenen Hölle herausholt.

Gut, dass es Gott gibt, der vielleicht noch einiges gerade biegen kann – oder die Täter jenseits der Kreise dieser Welt zur Rechenschaft zieht. Wie es aussieht, geschieht genau dies – aber unglaublich freundlich und liebevoll.

Kommen wir zum Schluss.

Ohne empirische Erfahrungen in dem Bereich (und ohne sicheren Zugriff auf die Instinkte, die uns zu allererst in dieser Welt überlebensfähig machen) hat man keine andere Chance, als das Gegenüber für geistig krank zu  halten. Man kann aber akzeptieren und respektieren, dass manche Menschen anders sind – sogar die absolute Mehrheit der Menschen, die je gelebt haben. Sie haben auch rational gute Gründe, ihre geistige Heimat nicht im Materialismus zu suchen, der die Menschheit als Solche an den Rand ihrer Existenz gebracht hat – und deshalb schon gelegentlich von den nachfolgenden Arten phantasiert, die den Menschen ersetzen werden (insgeheim halten sich wohl die Prediger dieser Antireligion selbst für diese auserlesenen, überlegenen Wesen: auch Hitler hat gerne davon schwadroniert – doch das ist ein anderes Thema).

Man merkt vielleicht, dass ich die Trostfunktion der Religion (die zentrale Wirkung des Opiums im Sinne von Marx) gar nicht erwähnt habe.

Sie ist auch irrelevant. Für diejenigen, die auf der Basis ihrer Erfahrungen „glauben müssen“ (aber nicht das, was „die Religion“ ihnen erzählt), tritt im Trauer- oder Notfall gar kein Notfall ein, ihr  Lebensschwerpunkt liegt auf einer Metaebene.  Für dienigen, die keine Erfahrung haben, aber aus ihren Instinkten heraus am Wissen vom „Jenseitigen“ festhalten, gibt es keine Trost, weil es kein Wissen und kein Bewußtsein gibt, das Trost vermitteln könnte – die Metaebene wird nur erahnt, aber nicht wahrgenommen, was wenig Trost spenden dürfte.

Was der Kapitalismus (und der Kommunismus) an der „Religion“ wirklich fürchten?

Das sie Erfolg hat und Menschen wie den Mönch Anselm Grün hervorbringt: seine Lebensart beglückt ihn derart, dass er nur fünfzig Euro im Monat für sich selbst ausgibt, während er die Millionen, die er mit seinen Büchern macht, der Gemeinschaft zur Verfügung stellt.

Wo kämen wir nur hin, wenn alle so wären?

Und weil mich das sehr interessiert, wenn wir dann hin kämen, verteidige ich die freie Entfaltung von Religion in einer Gesellschaft – und zwar aller Religionen, nicht der der des dogmatischen Materialismus (auch, wenn die im ersten Moment so schön antireligiös daherkommt).

Darüber hinaus habe ich in meinem Leben genug Erfahrungen gesammelt, die darauf hinweisen, dass sich in jenem Bereich mehr Wahrheit befindet, als  uns lieb ist. Die jedoch spielen im großen Rahmen keine Rolle – ich wäre auch Verteidiger der Religionen (und zwar ALLER), wenn ich keine eigenen Erlebnisse hätte: die generelle Relativität menschlicher Erkenntnis und die begrenzte Fähigkeit menschlicher Wahrnehmung läßt demokratischen und humanen Gesellschaftsformen keine andere Möglichkeit, als so zu verfahren.

Das die aktuelle Entwicklung aber nur eine Religion übrig läßt, nur ein dogmatisches Deutungssystem als „wahr“ anerkennen will, zeigt, wohin die Reise politisch gehen soll – und bei dem, was sich dort anbahnt, sind halt Gott und Tod die besten Freunde der Menschheit, egal, welche Religion nun das Wissen über sie transportiert.

Bevor nun aber alle freiwillig vor den Zug springen, sei erwähnt, dass Selbstmord von vielen Kulturen abgelehnt wird – es sei denn, als letzter Ausweg, um seine Ehre zu behalten. Und selbst dann gibt es Berichte von „zurückgeholten“, die ratsam erscheinen lassen, die Kreise des Lebens nicht freiwillig zu verlassen – der selbst geschaffenen Hölle kann man so scheinbar nicht entkommen.

Aber wer will das schon?

Ich könnte nun noch über gesellschaftliche und zivilisatorische Nützlichkeit eines für die Gültigkeit der Moralgesetze garantierenden Gottes reden, doch das wirkt leicht, als wäre Religion nur ein Trick der Vernunft, das Tier im Menschen zu bändigen. Das mag sein – entspräche aber nicht meinen Erfahrungen, die ich mit vielen anderen Menschen teile.

Außerdem … ist das jetzt hier sowieso schon wieder viel zu lang fürs Internet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie SPON modernen Faschismus züchtet

Mittwoch, 10.7.2013. Eifel. Hätte man mir früher gesagt, dass ich einmal zu einem eifrigen Verteidiger der katholischen Kirche werde, so  hätte ich demjenigen wohl einen Aufenthalt in der Psychiatrie empfohlen. Ich war als Kind katholisch, habe mich äußerst gründlich mit der Religion auseinandergesetzt, sie als Verrat am Christentum, als Verrat an der Menschheit und Feind der Wissenschaft erkannt, außerdem war sie verlogen, hinterhältig, ein äußerst hässlicher, imperialer Machtapparat mit einem entsprechendem absolutistischem Erscheinungsbild und passenden politischen Strukturen dazu. Zudem wählte sie "Gottes Stellvertreter auf Erden" - was wohl die größte Blasphemie darstellte, die innerhalb des christlichen Wertegebäudes erdacht werden kann: sie schreiben Gott vor, wer für ihn auf Erden Regeln setzen darf. Wer so mit seinen eigenen Heilligkeiten umgeht, kann nur ein Schwindler sein.

Mittwoch, 10.7.2013. Eifel. Hätte man mir früher gesagt, dass ich einmal zu einem eifrigen Verteidiger der katholischen Kirche werde, so  hätte ich demjenigen wohl einen Aufenthalt in der Psychiatrie empfohlen. Ich war als Kind katholisch, habe mich äußerst gründlich mit der Religion auseinandergesetzt, sie als Verrat am Christentum, als Verrat an der Menschheit und Feind der Wissenschaft erkannt, außerdem war sie verlogen, hinterhältig, ein äußerst hässlicher, imperialer Machtapparat mit einem entsprechendem absolutistischem Erscheinungsbild und passenden politischen Strukturen dazu. Zudem wählte sie „Gottes Stellvertreter auf Erden“ – was wohl die größte Blasphemie darstellte, die innerhalb des christlichen Wertegebäudes erdacht werden kann: sie schreiben Gott vor, wer für ihn auf Erden Regeln setzen darf. Wer so mit seinen eigenen Heilligkeiten umgeht, kann nur ein Schwindler sein.

Allerdings muss ich sagen, dass ich trotzdem gelegentlich Partei für diese Halunken ergreife – nicht nur, weil ich mit Eugen Drewermann oder Anselm von Grün zwei Menschen kennen gelernt habe, denen ich ihren „religiösen Wahn“ als ernste Weltanschauung abnehme, sondern weil die katholische Kirche schon in den fünfziger Jahren jene Veränderungen im Menschen festgestellt hat, jene Experimente an der menschlichen Seele, die uns heute unsere kapitalistischen Krisen beschert: dafür gebührt ihr hohe gesellschaftliche Achtung, unsere Intellektuellen haben die Folgen dieser Entwicklung erst 63 Jahre später bemerkt – siehe Frank Schirrmachers Buch EGO. Wir haben gepennt – und die Kirche hat sich auch keine große Mühe gegeben, uns vor der Entwicklung zu warnen, zu sehr war sie mit anderen Dingen beschäftigt: zum Beispiel mit der Sorge um ihr eigenes Überleben im Zeitalter des Antichristen.

Ja – selbst das äußert die Kirche nicht allzu deutlich, dabei ist der Kampf gegen Teufel und Dämonen ihr ureigenstes Metier:

„Erstaunlich ist, dass das Alte Testament dem Teufel wenig Platz einräumt, während die antiken orientalischen Religionen eine ausgesprochen malerische und höchstentwickelte Dämonenlehre vorweisen konnten. Vielleicht hatten die Verfasser des Alten Testamentes die Sorge, den Monotheismus abzuschwächen oder den offiziellen hebräischen Kult zu verletzen oder überhaupt das Problem des Bösen zu verfälschen. 

Das Neue Testament ist da ausführlicher. Man begegnet hier öfter den Begriffen „Dämonen“, „Geister“, „böse Geister“, „unreine Geister“, „das Böse“, „der Versucher“. 

Für den heiligen Johannes ist die Passion Jesu ein einziger Kampf gegen den Teufel; in der Apostelgeschichte heißt es, dass die Predigt der Apostel den Kampf zwischen dem Reich Gottes und dem Reich des Teufels fortführt“

(aus: Albino Luciani, Ihr ergebener Albino Luciani, Verlag Neue Stadt München 1978, Seite 191)

Sofort höre ich Widerspruch und Aufruhr in deutschen Landen, man meint, das Mittelalter kehrt zurück. Es wäre schön, wenn das so wäre, denn das Mittelalter kannte keine industrielle Massenvernichtung wie den Holocaust, die Atombombe, die automobile Gesellschaft, das Plastik oder die medikamentenverseuchte Nahrung … um nur ein paar häßliche Erscheinungsformen der ach´ so tollen modernen Gesellschaft zu zitieren, in der zudem immer weniger Menschen einen akzeptablen Platz finden.

Wir sind aber gar nicht so weit weg von diesen Gedanken wie wir meinen würden – wir haben nur eine andere Perspektive. Wo der altgläubige Mensch Dämonen wirken sah, sehen wir psychische Krankheiten walten (die uns oft genauso hilflos vor gruseligen Phänomenen stehen lassen wie unsere Vorfahren) – oder der „Zeitgeist“ schlägt mal wieder grausam aus und fordert die physische Vernichtung eine unsere Minderheiten.

Der Unterschied liegt lediglich in einem kleinen Detail: wir modernen Menschen schieben uns selbst die Schuld zu, während die Mehrheitskultur der Menschheit sich manipulierende Geister erdachte, deren bösen Einflüsterungen man erliegt – wenn man zum Beispiel wieder besseren Wissens minderwertige Schrottpapiere an Pensionsfonds verkauft, seine Nachbarin vergewaltigt oder Waffen in Krisengebiete liefert. Der Unterschied zum altgläubigen Menschen? Für ihn ist der Mensch ursprünglich gut, für uns ist der Mensch abgrundtief schlecht.

Ja – in Deutschland werden mehr Frauen vergewaltigt als in Indien (siehe The Intelligence), offensichtlich zeigt unsere Weltbild keine großartig heilsame Wirkung auf die menschliche Seele und das menschliche Miteinander – eher das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Definiert man den Menschen als böses Tier, lässt er sich halt leichter erschießen, wenn man genug von ihm hat. Auch mit Vergewaltigungen hat man dann keine großen Probleme mehr – „der Mann ist halt so und die Frau (auch nur ein Tier) braucht das“.

Wir, die „aufgeklärten, guten Menschen“ können ganz gut mit der Tatsache leben, dass unser Reichtum (selbst der relative Reichtum der Hartz IV-Empfänger- nimmt man den Weltmaßstab als Vergleich) auf Kosten des Lebens, der Freiheit und der Gesundheit des Restes der Welt geht, dass unsere Lebensweise mehr Ressourcen verbraucht, als selbst zwei Planeten hätten, dass unsere Waffen in aller Welt Menschen töten  – wie auch unsere Wirtschaftsordnung.

Manche können mit diesen Fakten nicht so gut leben und möchten gerne etwas dagegen tun – dasselbe, was schon seit Jahrtausenden dagegen unternommen wird: man versucht, die bösen Geister zu verjagen, die den Menschen zu so irrationalem und schädigendem Verhalten verleiten, wie es bei uns im Geschäftsleben, an der Börse, in der Sozialpolitik oder der Außenpolitik inzwischen die Regel geworden ist. Auch unsere Aufklärung ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Exorzismus gewesen: wir haben allerlei krumme, krude, „abergläubische“ böse Gedanken aus dem gedanklichen Inventar der Menschen verjagt, Gedanken, die – für sich betrachtet – gut und gerne als „Geister“ durchgehen könnten – was sollten sie auch sonst sein?

Einer jener Heiler des Geistes kam jetzt nach Polen, versammelte 58000 europäische Bürger um sich und verjagte mit ihnen gemeinsam böse Geister – oder „schlechte Laune“ wie wir dies in anderen sprachlichen und gedanklichen Mustern ausdrücken würden, siehe Spiegel:

Er weckt Assoziationen ans Mittelalter, doch in Polen zieht er die Massen an: der aus Uganda stammende Teufelsaustreiber Bashobora. Rund 58.000 Gläubige folgten seinem Ruf ins Warschauer Nationalstadion. Zum Service gehörten auch Sprechstunden von Hilfs-Exorzisten.

Niemand echauffiert sich groß, wenn es um andere Gute-Laune-Veranstaltungen geht: Heavy-Metal-Konzerte mit satanisch orientierten Bands und radikal menschenverachtenden Texten. Um nichts anderes geht es hier: um ein „Konzert“. Aber die Reaktion der Spiegelleser erinnert dann wirklich an das finstere Mittelalter – an die Hexenjäger, die am liebsten den ideellen selbst erwählten Gegner mit Haut und Haaren dem reinigendem Feuer ausliefern würden:

Dennis89, seines Zeichens wohl ausgebildeter Facharzt für Psychiatrie liefert hierzu eine Diagnose, die andere Menschen 1:1 auf Heavy-Metal-Konzerte übertragen würden:

Ein Haufen Geisteskranker. Ohne Hirn und Verstand. 

Religionsfreiheit ist – neben Redefreiheit, Versammlungsfreiheit und Pressefreiheit eine der zentralen Säulen der Freiheit (hier mal als Poster bei Zazzle für Zuhause).

Menschen, die drei dieser Freiheiten an Anspruch nehmen als „Geisteskrank“ zu bezeichnen, ist tiefster faschistischer Unglaube.

UnitedEurop meint:

Herr, lass Hirn regnen! Wir lästern über archaische Stammeskulturen in Afghanistan und mokieren uns über mittelalterliche Islamvorstellung und dann kommt so jemand ins Herz Europas und die Leute jubeln …

Und wie gerne würde man „so jemand“ in die Schranken weisen – am besten in ein Lager, wo man ihm seine Faxen austreibt, nicht wahr?

Heinz4444 macht es sich ebenso einfach:

tiefste Mittelalter inmitten der EU. Einfach nur gruselig, dieser religöse Wahnsinn.

Nun – Urteile ohne Kenntnis der Materie zu fällen war schon immer das Kernmetier des faschistoiden Typus – und den kulturell Andersartigen als geisteskrank zu bezeichnen war schon immer der Beginn groß angelegter Säuberungen.

ghandiforever bringt es auf den Punkt:

58 000 irre, denen der Mann aus Uganda den Teufel austreiben will.

Die gehören doch wohl alle hinter Gitter, oder? Zumindestens in die Psychiatrie. Immerhin machen sie dem Deutschen Angst, zum Beispiel Nr. 42:

Bei solchen Veranstaltungen in Europa kriegt man echt Angst! Was zur Hölle treibt Menschen im 21sten Jahrhundert in die Händer solcher Scharlatane? Der Kerl stopft sich bestimmt dick fett die Taschen, weil es genug Spinner gibt, die ihm seine Märchen glauben und auch noch bezahlen.

Ja, da kriegt man auch Angst, wenn man sieht, wie „aufgeklärte“ Spiegelleser den Gebrauch von drei der vier freiheitlichen Grundrechte anprangern und lediglich betrügerische Geschäftemacherei in einer Aufführung erkennen können, die sich graduell kaum von einem „Ich-hasse-alles-und-jeden-vor-allem-meine-Mama“-Konzert der örtlichen Heavy-Metall-Abteilung unterscheidet.

Anderen macht nicht der Prediger Angst, sondern seine Fans, siehe Mischamai:

Nicht die Prediger machen mir Angst,sondern tausende von hirnlosen Menschen die sich von solchen Scharlatanen das Geld aus der Tasche ziehen lassen uns später auf die Menschheit losgelassen werden mit Botschaften welche nicht einmal für den Mülleimer nutzen.

Wir müssen uns schützen vor den  Hirnlosen! Sicher ist den aufgeklärten Mitmenschen bewusst, dass hirnlose Menschen als tot gelten – da wird gleich die berechtigte Massenexekution vorbereitet, ohne dass man strafrechtlich dafür belangt werden kann: Tote kann man nicht ermorden. Ohne Hirn wäre ihre Hinrichtung höchstens Leichenschändung.

Natürlich fehlt auch nicht die Forderung nach politischer Entmündigung der „Kranken“, hierfür sorgt der Stäffelesrutscher:

Und dürfen die alle bei Wahlen teilnehmen? Erbarmung!

Ich habe mir die Kommentar durchgelesen. Was mir Angst machte?

Kaum einer sah sich genötigt, die offene Ablehnung der Spiegelleser gegen elementare Grundwerte einer Demokratie anzuprangern. Man fragt sich sogar: warum gab es den Artikel überhaupt? Völlig irre Dinge gehören zu einer Demokratie dazu, Millionen von Deutschen nehmen begeistert daran teil, ohne dass der Spiegel daran Anstoß nimmt, siehe Leser mundi:

Wenn 22 Männer um ein Lederball kämpfen und ein Guru, speziell gekleidet, die Kampfmittel beurteilt, schauen in manchen Ländern sogar 100.000 Menschen zu. Hinzu kommt noch die Radio- und Fernsehübertragung.

Das erwachsene Menschen völlig außer sich geraten, sich, ihr Haus und ihr Auto mit Devotionalien „ihres“ Vereins schmücken, sich gegenseitig tierisch aufs Maul hauen und bei dem Verlust des Spiels schlimmer aus dem Häuschen sind als nach Veröffentlichung der Vergewaltigungsquoten in Deutschland (die eigentlich nur Frauen betrifft und deshalb weitflächig ingnoriert wird – „böse“ Tiere sind halt so), wird kommentarlos hingenommen … oder sogar durch regelmäßige Berichterstattung unterstützt.

Das andere Erwachsene Menschen sich bei seelischen Nöten Beistand vom alten Dorfschamanen holen, weil die moderne Medizin ihr Leiden zwar in andere Worte fassen aber auch nicht heilen kann, ist jedoch einen kleinen Kreuzzug wert?

Freie Religionsaussübung ist wie freie Presse, die Freiheit der Meinungsäußerung und die Versammlungsfreiheit und absoluter, unantastbarer Grundwert menschlicher Freiheit.

Wenn sich hundert Anhänger des GROßEN KÜRBIS in Bielefeld am Kürbisfeld sammeln, um ihrem Erlöser zu huldigen, so hat keinerlei Kritik statt zu finden – darum machen wir „Demokratie“. Es ist noch nicht mal statthaft, diesen Menschen die Existenzgrundlage zu entziehen, in dem man unbewiesenermaßen behauptet, es gäbe so etwas wie einen GROßEN KÜRBIS nicht!

DIE DÜRFEN GLAUBEN WAS SIE WOLLEN!

Streng wissenschaftlich gesehen ist die Aussage „es gibt keinen Gott“ Humbug – dass weiß jeder, der sich mit den Dimensionen von Wahrheits- und Erkenntnistheorien beschäftigt hat oder einfache Aussagelogik versteht, streng nach Ockham würde die Einführung eines „Gottes“ sogar notwendig sein, um Aussagekomplexe über Wahrheit zu verkürzen – doch so weit wollen wir gar nicht gehen.

Hier geht es um Politik und nicht um Wissenschaft. Es geht um das Auftreten neuer Formen des Faschismus, diesmal ausgehend von sich pseudoaufklärerisch gebärdenden Elementen, die durch herkömmliche Faschismustheorien nicht beschreibbar sind, sich aber ganz einfach herleiten lassen:

die vier Säulen der Freiheit, die Grundsätze der Erklärung der allgemeinen Menschenrechte, sind direkt aus der Auseinandersetzung mit dem Faschismus entstanden und als sein Gegenpol verstanden worden.

Insofern kann man gerechterweise jede Bewegung faschistisch nennen, die es sich zur Aufgabe macht, diese Rechte für alle oder für Teile der Gesellschaft zu negieren – und die Ausübung der Religionsfreiheit (so drollig deren Ausübung auch im Einzelnen aussehen mag) ist ein gottverdammtes Grundrecht all´ unsere Nachbarn.

Und wem das nicht passt, der sollte sich gleich schon mal eine Hakenkreuzarmbinde kaufen – da wäre er dann in guter Gesellschaft.

Was ist das nächste Thema, das angepackt wird, wenn man mit der Religionsfreiheit fertig ist?

Wirtschaftstheorien müssen dann genauso widerspruchslos geschluckt werden wie Parteiprogramme, Sozialpolitik oder die Wiedereinführung der Sklaverei.

Die Begründung wird immer die gleiche sein – wir haben uns daran gewöhnt: alles andere als das was die Obrigkeit als Wahrheit definiert ist mittelalterlich, geistig krank, beängstigend und gehört ausgemerzt.

Darum findet der Kampf um unsere Freiheit unter anderem an den Grenzen des katholischen Glaubens statt – ob es uns passt oder nicht. Das ist auch völlig unabhängig von den unzähligen Verfehlungen der Kirche. Der oben zitierte Albino Luciani könnte ein Lied davon singen: als 33-Tage-Papst mit ungeklärter Todesursache wurde er eine kleine Berühmtheit, die Gerüchte über seine Ermordung kommen nicht zum Verstummen (siehe z.B. Spiegel): er wollte den Saustall halt aufräumen, wie es sein aktueller Nachfolger versucht.

Aber genauso wie wir selbst die Rechte von Mördern schützen müssen, um unsere eigenen zu sichern, müssen wir die Kirchen und Religionen vor ihren Verfolgern retten: es ist und bleibt eine der höchsten Werte der Menschheit, sich ungestraft jeglicher gedanklichen Spinnerei hingeben zu dürfen, die einem gerade in den Kram passt.

Zu den erlaubten Spinnereien – das sei der Vollständigkeit halber gesagt – gehört auch der Atheismus. Auch er gehört zu den schützenswerten Nischenreligionen, deren Existenz Beweis für die Lebendigkeit der Demokratie ist – solange er nicht die Auslöschung der Andersdenkenden oder die Auslöschung ihres Denkens fordert. Nationalsozialismus ist deshalb – trotz unserer freiheitlichen Kultur – in Deutschland zurecht verboten.

PS: die Schreibfehler in den Zitaten sind nicht vom Autor. Mir gehören nur die anderen.

 

 

 

Esoterik, Geisterspuk, Marx und die Gesundbeter

Kaum ein Feld betrete ich ungerner als das der Esoterik. Und kaum ein Feld ist nötiger zu betreten als gerade dies. Gerne würde ich dem Religionswissenschaftler Harmut Zinser folgen, hier bei Wikipedia zitiert:

So schreibt der Religionswissenschaftler Hartmut Zinser in einer Aufklärungs-Broschüre der Hamburger Innenbehörde: „Über ein Verborgenes können eigentlich keine Aussagen gemacht werden, dann wäre es kein Verborgenes mehr. Anhänger des Okkultismus und der Esoterik aber machen genau dies. Sie schreiben dem Unbekannten und Verborgenen bestimmte Eigenschaften zu, beispielsweise die Wirkung von Geistern, Toten, anderen Lebenden oder eines Weltbewusstseins usw. zu sein. Es ist dies der Grundfehler der Esoterik und des Okkultismus, dass er über ein tatsächliches oder angenommenes Unbekanntes Aussagen macht. Wenn immer es möglich ist, diese Aussagen zu überprüfen, stellt sich heraus, dass die esoterischen Aussagen über ein Unbekanntes und Verborgenes falsch, unnötig und irreführend sind. Esoteriker wie Okkultisten ertragen offensichtlich die Tatsache nicht, dass uns Menschen vieles unbekannt und verborgen ist und schreiben sich ein Wissen und auch Macht über das Unbekannte und Verborgene zu. Dies mag ihren Wünschen entsprechen, nicht aber der Wirklichkeit.“[70]

Genauso gut könnte er diese Zeilen aber den Naturwissenschaften ins Heft schreiben, die auch dem Unbekannten und Verborgenen bestimmte Eigenschaften zuschreiben, nämlich NICHT die Wirkung von Geistern, Toten, anderen Lebenden oder eines Weltbewußtseins zu sein. Wann immer es möglich ist, diese Aussagen zu überprüfen, stellt sich heraus, da die naturwissenschaftlichen Aussagen über ein Unbekanntes oder Verborgenes falsch, unnötig und irreführend sind. Naturwissenschaftler wie Materialisten ertragen offensichtlich die Tatsache nicht, das uns Menschen vieles unbekannt und verborgen ist und schreiben sich ein Wissen und auch Macht über das Unbekannte und Verborgene zu. Dies mag ihren Wünschen entsprechen, nicht aber der Wirklichkeit.

Wenn man in einer Kritik die Hauptworte austauschen und durch ihr Gegenteil ersetzen kann, ist die Kritik gegenstandslos. Das hätte auch die Hamburger Innenbehörde merken müssen, die mit dem Geld der Steuerzahler eine somit dogmatische und den Grundsätzen menschlicher Freiheit (und auch der staatliche garantierten Religionsfreiheit) zuwiderlaufende Schrift finanziert hat.  Dabei gäbe es eine Kritik, die fundiert wäre – und auch bei Wikipedia genannt wird – eine Kritik, die auch die Variationen und Dimensionen von Esoterik begiffen hat:

Viele Kritiker, aber auch manche Esoteriker selber beklagen einen „Supermarkt der Spiritualität“:[72] Verschiedene, teils widersprüchliche spirituelle Traditionen, die über Jahrhunderte in unterschiedlichen Kulturen der Welt entstanden, würden in der Konsumgesellschaft zur Ware, wobei sich verschiedene Trends und Moden schnell abwechselten („gestern Yoga, heute Reiki, morgen Kabbala) und als Produkt auf dem Marktihres eigentlichen Inhalts beraubt würden (Lifestyle). Dieser Umgang sei oberflächlich, reduziere Spiritualität auf Klischees und beraube sie ihres eigentlichen Sinnes.

Dabei ist aber wiederum auch verblüffend, was alles in einen Topf geworfen wird. Yoga empfiehlt auch mein Orthopäde, es ist die Königsdisziplin der Rückengymnastik. Das jetzt Staat und Kirche Yoga verbieten wollen, verwundert mich aber nicht: an Schmerzen verdienen beide. Reiki kenne ich nicht (und möchte es auch nicht kennenlernen), die Kabbala ist ein komplexe Farben- und Formenlehre, die den Ausfluß Gottes in die Welt beschreibt – ein elementarer Bestandteil jüdischer Mystik. Das zu verbieten lohnt sich auch, wer sich damit beschäftigt, konsumiert nicht mehr und zahlt vielleicht auch keine Kirchensteuer.

Kein Wunder, das auch die Kirche gegen Esoterik wettert (nach Wikipedia, gleicher Ort):

Gott kann seinen Propheten und anderen Heiligen die Zukunft offenbaren. Die christliche Haltung besteht jedoch darin, die Zukunft vertrauensvoll der Vorsehung anheimzustellen und sich jeglicher ungesunder Neugier zu enthalten. (…) Sämtliche Formen der Wahrsagerei sind zu verwerfen: Indienstnahme von Satan und Dämonen, Totenbeschwörung oder andere Handlungen, von denen man zu Unrecht annimmt, sie könnten die Zukunft „entschleiern“. Hinter Horoskopen, Astrologie, Handlesen, Deuten von Vorzeichen und Orakeln, Hellseherei und dem Befragen eines Mediums verbirgt sich der Wille zur Macht über die Zeit, die Geschichte und letztlich über die Menschen, sowie der Wunsch, sich die geheimen Mächte geneigt zu machen. Dies widerspricht der mit liebender Ehrfurcht erfüllten Hochachtung, die wir allein Gott schulden. Sämtliche Praktiken der Magie und Zauberei, mit denen man sich geheime Mächte untertan machen will, um sie in seinen Dienst zu stellen und eine übernatürliche Macht über andere zu gewinnen – sei es auch, um ihnen Gesundheit zu verschaffen –‚ verstoßen schwer gegen die Tugend der Gottesverehrung.[64]

Also die „guten“ Esoteriker gegen die „bösen“ Esoteriker. Der Wille zur Macht über die Zeit, über die Geschichte und letztlich über die Menschen ist doch auch Antrieb der Kichenpolitik der letzten zweitausen Jahre gewesen – warum sollte man sie anderen vorwerfen? Nun – aus einem einfachen Grund. Wer Macht will, braucht Menschen. Viele Menschen. Der Sucht nach Macht entspringt auch die Religionskritik von Marx, die in erster Linie Kritik gegen die „Tugend der Gottesverehrung“ ist:

Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüth einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks.

Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks. Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist. “

Quelle: Wikipedia

Dabei bedient sich Marx der gleichen Prinzipien, mit der auch die Kirche ihre Schäfchen im Stall hält: Folgt mir und ich werde Euch ins Paradies führen. Sein Paradies ist die klassenlose Gesellschaft, die im Detail der Paradiesvorstellung der Kirche entspricht – beide liegen im Jenseits, das marxistische Paradies in unerreichbarer Zukunft, das kirchliche Paradies im unerreichbaren Himmel hinter den Himmeln, beide gelten aber mit viel Arbeit auch auf Erden als erreichbar, wobei der christliche Weg der einfachere ist:

Gehe hin, verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen,

Quelle: Bibeltext

Das darf man keinem Christen in diesem Land ernsthaft vorschlagen, weshalb das Christentum an der gleichen Krankheit leidet wie der revolutionäre Marxismus, hören wir dazu mal Trotzki, einen Revolutionär der ersten Stunde:

Die durch und durch philisterhafte, unwissende und einfach dumme Hetze gegen die Theorie der permanenten Revolution entsprang gerade diesen psychologischen Quellen. Bei einer Flasche Wein oder auf dem Heimweg vom Ballett sprach ein selbstzufriedener Bürokrat zu dem anderen: „Der hat immer nur die permanente Revolution im Kopfe.“ Eng damit verbunden sind die Anschuldigungen wegen meiner Ungeselligkeit, wegen meines Individualismus, Aristokratismus und so weiter. „Aber doch nicht immer und nicht alles nur für die Revolution, man muß auch an sich denken“ – diese Stimmung wurde übersetzt mit: „Nieder mit der permanenten Revolution“ Der Widerstand gegen die theoretischen Ansprüche des Marxismus und die politischen Ansprüche der Revolution nahm für diese Menschen allmählich die Form des Kampfes gegen den „Trotzkismus“ an. Unter dieser Flagge vollzog sich die Entfesselung des Kleinbürgers im Bolschewik. Darin eben bestand mein Verlust der Macht, und das ergab die Form, in der dieser Verlust erfolgte.

Quelle: marxists.org

Das hier Religion als Opium des Volkes empfunden wird, ist klar: wie bei der Esoterik geht es um Macht über Menschen. Aber da tun sich Christen, Esoteriker und Marxisten überhaupt nichts, in ihren Zielen sind sie sich da einig: alle wollen ins Ballett. Die einen sind schon drin, die anderen wollen auch hinein, weshalb das Proletariat die Diktatur ausrufen muß:

Das Proletariat (ursprünglich im nicht-marxistisch vom lat. proletarius „der untersten Volksschicht angehörend“) bezeichnet die mit der Entwicklung des Kapitalismus und der Industrialisierung entstandene neue Klasse von abhängig Beschäftigten in den aufkommendenManufakturen und Fabriken. Marx definiert den Proleten als doppelt freien Lohnarbeiter: Frei von Leibeigenschaft, also im Besitz seiner selbst und „frei“ von Produktionsmitteln, die ihm ein Überleben durch Arbeit sichern könnten.

Quelle: Wikipedia

Heute, mit der Erfahrung der Korporatokratie, der weltweiten Diktatur der Konzerninteressen im Hintergrund, sehen wir die Fronten noch deutlicher, die sich im 19.Jahrhundert schon abzeichnen: alle Revolution führte nur dazu (und sollte einzig diesem Zwecke dienen) dem Intellektuellen einen besseren Platz am Fleischtopf der Konzerne zu sichern. Hatte er den inne, baute er auch den Ford in Lizenz. War Religion Opium fürs Volk, so war es der Marxismus erst recht. Der Marxist braucht den Konzernarbeiter um einen Sitz im Vorstand zu bekommen – und nur darum geht es. Marxismus gegen Kapitalismus war eine Lüge – von Anfang an. Es ging nur um eins: die Ausbreitung der Konzernherrschaft und die Mobilisierung der Massen zu diesem Zweck, weil die Konzernherrschaft eine weltweite Ausbreitung des westlichen Feudalismus versprach, der sich „der Arbeiter“ gerne anschloß. Sein Engagement (und das der Gewerkschaften)  gegen die Agenda 2010 war dementsprechend … entlarvend.

Und doch hatten alle drei Großmächte und Fangarme der Korporatokratie einen gemeinsamen Feind, gegen den sie heute noch vorgehen: die Esoterik. Der friedliche meditierende Zen-Buddhist auf der Bergspitze läßt sich nicht in revolutionäre Masse umwandeln, noch in Produktivkapital, noch in Kirchensteuer, der Medizinmann der Sioux führt den Kampf gegen die Eisenbahn und die Fabriken des weißen Mannes nicht aus territorialen Ansprüchen heraus, sondern weil nach seiner Überzeugung die Kultur des weißen Mannes zur Vernichtung der Welt führt, die Indianer des Amazonasbeckens führen ihren Krieg, weil ihnen das Leben des Waldes heilig ist.  Darum brachte die US-Armee gezielt die Medizinmänner um – nicht die Kriegshäuptlinge, darum sterben auch heute noch weltweit die „heiligen“ Männer des Volkes – und darum führen in der Eifel die Gesundbeter und dörflichen Heiler ein Leben im Verborgenen.

Was können die Gesundbeter? Schmerzen nehmen – gerade die Schmerzen von Brandwunden. Sie können Blutungen stillen, gerade bei schweren Verletzungen. Ärzte schwören darauf, schicken ihre Patienten lieber zum Heiler als ins Krankenhaus. Überraschend für mich war, das ich die einige der Ärzte persönlich von früher kenne – und jetzt ihre andere Seite kennenlerne. Überraschend ist auch, das ich – nach zwanzig Jahren – ein Fremder bin, dem man mit Zurückhaltung begegnet. Die Angst ist groß – vor der Kirche, vor dem Staat, vor den Medien – kurz: vor den Herrschern der Welt.

Mitten in Deutschland (und dann noch in der Eifel) solcher Angst zu begegnen, betrübt. Man berichtet mir von Heilern, gibt mir sogar Daten zu Kontaktpersonen (wenn ich mal persönlich was brauchen sollte) … aber jene Plätze, die Migräne heilen, verrät man mir nicht.  Überraschend ist – in unserer ach so freien, ach so aufgeklärten Gesellschaft gibt es schon viel Literatur über diese Phänomene – doch keine Konsequenzen hinsichtlich ihrer Nutzbarmachung für die Menschen.

Stattdessen überschwemmt man den Markt mit US-amerikanischer Wischi-Waschi-Esoterik, die die Menschen immer weiter in die Fangarme der Korporatokratie führt.

Nun – ich halte mein Versprechen, erzähle nichts über Gesundbeter…. nur etwas über ihr Weltbild. Grob und unpersönlich.  Es ist das älteste Weltbild der Menschheit, dem man dort begegnet, es ist die Welt der Hindu, der Buddhisten, der alten Juden, der Urchristen. In ihr ist Gott keine durch die Bibel vermittelte Annahme, sondern eine lebendige, erfahrbare Realität – wie auch die Dämonen. Es ist das alte, schamanische Weltbild, das sich hier offenbart – weil es Wirklichkeit ist. Keine Wahrheit – nur Wirklichkeit. Es ist ein Weltbild, das der Realität von Menschen sehr gerecht wird, denn wir Menschen sind alle auf einer „esoterischen“ Reise. Sie beginnt mit der Geburt und endet mit dem Tod – wir kommen aus der Welt der Rästel und gegen in eine Welt der Rätsel, was uns eine gewissen Gelassenheit angesichts der aktuellen Politik verleihen kann, eine Gelassenheit, die man gut gebrauchen kann, um angesichts des Wahns nicht selbst zur Bestie zu werden. Es ist die Aufgabe des Heilers, den Menschen auf dieser Reise vor Schaden zu bewahren,  wie es die Aufgabe des Philosophen sein sollte, ihn vor der Manipulation zu schützen … und die Frage zu stellen: wo ist der Platz der Vegetarier beim Kampf um die Fleischtöpfe?

Wenn wir Fronten in dieser Welt ziehen wollen, wenn wir die Welt als Kampf von Ideen verstehen wollen, so verläuft die Front der Auseinandersetzung anders. Es ist der Kampf des Indianervolkes am Amazonasbecken gegen die Ölindustrie.

Auf der einen Seite Menschen, die glücklich und zufrieden mit drei Stunden Arbeit am Tag im Paradies leben, auf der anderen Seite eine gigantische Maschinerie, die das Paradies verspricht … in Zukunft, im Jenseits, im Himmel, in der Utopie, mit einem zehn-Stunden-Arbeitstag in der Betonwüste am Stadtrand von Bitterfeld.  Die einen leben nachhaltig, gesund, umweltverträglich und schützen sich erfolgreich vor bösen Geistern, die anderen schützen sich nicht … und werden selbst zu bösen Geistern, die die Welt ausplündern und vernichten.

Es ist letztendlich der Mythos des Kampfes des Zauberers gegen die seelenlosen Ungeheuer – und er erscheint aktueller denn je.

Dort, wo Esoterik Wirklichkeit wird, wird sie zur Gefahr für die herrschenden Kasten … von denen es halt nicht nur eine gibt.  Sie ist geeignet, den Mob zu demobilisieren, den Menschen zu sensibilisieren, seine Aufmerksamkeit zu schärfen, seinen Horizont flexibel zu erweitern und ihn unabhängig zu machen von den Heilsversprechen der Kosmokraten aller Art …. und das stört den Kirchenmann, den Revolutionär und den Kapitalisten – man braucht ja den Mob, um ins Ballett zu kommen.

Und was den Geisterspuk generell angeht: den Luxus, nicht an ihn zu glauben, kann man sich nur erlauben, wenn man noch keinem begegnet ist. Das unterscheidet Kant von Goethe, Darwin von Jung. Allerdings hatte Kant einen gewissen Respekt davor, er meinte nur: das geht uns nichts an. Auch das ist eine Grundüberzeugung der Medizinmänner und zauberkundigen Heiler.

Es gibt übrigens eine möglicherweise hilfreiche Richtschnur im Umgang mit Esoterik, falls man nun doch dem Rat von Kant (und Castaneda – doch das ist ein anderes Thema) nicht folgen möchte: Esoterik im ursprünglichen Sinne ist kostenlos und ideologiefrei. Wer Geld nimmt oder Führerschaft beansprucht, ist ein Heuchler. Todsicher. Wer Reklame für sich macht, auch. Darum darf man ruhigen Gewissens die Abteilung „Esoterik“ in der Buchhandlung meiden, alles, was relevant ist, findet sich bei Platon – und mehr braucht kein Mensch.

Bekenntnisse eines Economic Hitman, die Korporatokratie, der Widerstand und die Liebe der Menschen

Ich sage es besser gleich vorne weg: John Perkins Buch „Bekenntnisse eines Economic Hit Man“ hat Schwächen.  Es gibt einige logische Brüche in seinen Erlebnissen, seinem Lebenslauf und seiner Arbeitsbeschreibung, die man vielleicht gerne überliest, weil das Thema so brisant ist. Ich kann nicht beurteilen, was in diesem Buch wahre, erlebte Geschichte ist, weil der Autor auch jahrzehntelang sein Geld durch tarnen, tricksen und täuschen verdient hat.  Manches wirkt seltsam naiv in seinem Buch (zum Beispiel die Geschichte über seine verschiedenen, von seinem Auftraggeber angefertigten Lebensläufe), andererseits fehlt die klare Verbindung – SEINE klare Verbindung zur politischen Welt in den USA.

Was er aber geschaffen hat, ist: einen Begriff. So sind wir Menschen halt: wir brauchen Begriffe, um uns über Phänomene austauschen zu können. Haben wir die Begriffe nicht, erkennen wir das Phänomen nicht. Korporatokratie, die Herrschaft der Konzerne, ist etwas, das wir täglich bemerken, kaum ein Tag vergeht, wo ihre Anschläge nicht sichtbar werden:

So langsam denke ich merkt es jeder: es wird eng auch in diesem Land. Gestern erstmal wieder den gesamten Sozialhilfeetat einer einzigen Bank zusätzlich in den Rachen geschoben und heute schon kommt der Hinweis: es könnte noch viel mehr werden:

Hypo Real Estate hat 80 Milliarden in PIIGS-Staaten stecken

Die Hypo Real Estate ist weiter stark in den schuldengeplagten EU-Ländern tätig. Damit ist sie wie keine andre Bank von einer Staatspleite oder einzelnen Ausfällen bedroht.

Quelle: Wirtschaftsblatt.at

Das Spiel der Ausplünderung ganzer Volkswirtschaften läuft also weiter. Was eben so weiter läuft: die Bildung und Ausbildung einer Kosmokratenkaste in Deutschland, etwas das früher aus gutem Anstand und Sitte heraus noch nichtmal gedacht worden wäre, läuft heute als Selbstverständlichkeit: Parteispitzen gehen in Konzerne, Konzerne schicken Mitarbeiter zur Gesetzesentwicklung in die Ministerien und über allen folgenden Transaktionen wacht der Bankenclan.

Perkins nennt diese Herrschaftsform Korporatokratie, Jean Ziegler ihre Akteure Kosmokraten. In Deutschland können wir einige Namen dieser Clique nennen, die schon Günter Ogger in seinem Werk „Nieten in Nadelstreifen“ kritisiert hat, wir kennen (zum Teil) ihre Netzwerke, ihre Medienmacht und ihre gesellschaftlichen Ziele, die in nichts anderem bestehen als in der völligen Ausplünderung unserer Sozialkassen.

Es wird nicht anders mit uns verfahren als mit einem Entwicklungsland: man greift sich gezielt einige wenige heraus, die man mit Geld überschüttet, damit die einem helfen, den Rest des Landes auszunehmen. Ist man damit fertig – schmeißt man das Land weg.  Es wird dauern, bis sie mit Deutschland fertig sind, weil wir so viel haben, aber jeder merkt täglich an der Zapfsäule oder den TEuro-Preisen im Geschäft wie das Geld in großen Mengen abfließt.

Es ist das erste wirkliche weltumspannende Imperium, das für seine Feinde einen Riesennachteil hat: es hat keinen festen Ort an dem es zu Hause ist.  Einfach nach Rom marschieren nützt heute nichts  mehr. Gleichzeitig ist es aber überall, nach sechzig Jahren gezielter Ausbreitung bestimmt es, was wir essen, was wir an Bildung zu uns nehmen, was wir für Musik hören und welche Kleidung wir tragen – es definiert unseren unpolitischen Platz in der Gesellschaft bis ins Detail und sorgt dafür, das wir nach altrömischer Manier beschäftigt bleiben: an der Stelle von Brot und Spielen treten Burger und Game Shows.

Wir dürfen auch Politik machen, das stört das Imperium nicht. Einfach hinein in die Parteien – wer sich bis obenhin durchboxt wird gekauft … oder kaltgestellt. Politische Richtung spielt keine Rolle.  Widerstand gegen diese Praxis gibt es auch in den Parteien, denn die Bruchlinie der Korporatokratie und der Kosmokraten läuft direkt quer durch alle gesellschaftlichen Institutionen – Kirche inklusive.  Nach sechzig Jahren ist alles subversiv durchsetzt und mehrfach abgesichert, damit das große Abkassieren ungestört weitergehen kann.

Die Prinzipien sind die gleichen wie im römischen Imperium – ein gut ausgebautes Transport- und Kommunikationsnetz, eine dichtes Netz von Stützpunkten in unterschiedlicher Größe, von denen aus Herrschaft möglich ist und schon ist das Imperium da. Was in den Dörfern der besetzten Gebiete geschieht, interessiert nicht, wen die als Häuptling wählen, ebensowenig – Hauptsache, die liefern pünktlich ihren Tribut ab.

Was sich geändert hat, sind die Waffen. In einer perfekt bis ins Detail durchorganisierten Welt braucht man das Leben eines Menschen nicht mehr mit der Lanze zu bedrohen: Arbeitslosigkeit reicht vollkommen.  Hunger war als preiswerte aber perfekte Waffe schon den Römern gut bekannt.

Widerstand gegen dieses Imperium scheint von vornherein undenkbar … und hier wundert mich die Naivität des Economic Hitman John Perkins, der meint es wäre möglich, die Konzerne zu Werkzeugen der Menschlichkeit umzubauen, die weltweit für Frieden und Wohlstand sorgen.  Sicher, theoretisch wäre das denkbar. Mit der Gestaltungsmacht der Großkonzerne könnte man die Welt in kürzester Zeit in ein Paradies verwandeln, wo jeder Mensch nur noch soviel zu arbeiten braucht, wie er gerade mag, jeder in materiellen Wohlstand lebt und alle glücklich und zufrieden den Tag genießen.

Schade nur, das die Personalauswahl gerade die herzlosen Egozentriker bevorzugt, weil sie eben nicht will, das da auf einmal „Sozialromantiker“ Politik machen – das könnte ja das Imperium gefährden.

Wir könnten uns auch mit dem bislang historisch gesicherten Satz zufriedengeben, das jedes Imperium bisher zusammengebrochen ist – einfach ein paar Jahrhunderte warten, dann löst es sich schon irgendwie auf.  Oder wir haben Pech, befinden uns am Ende der Geschichte und es kommt danach nichts mehr außer der Diktatur der Kosmokraten, die solange dauert, bis auch das letzte verwertbare Element des Planeten in materiellen Müll einerseits und immateriellen Kontostand andererseits umgewandelt worden ist. Die Erde sieht dann aus wie der Mars (und wir sind ja schon auf dem besten Wege dahin) aber Hauptsache die Eigenkapitalrendite stimmt.

Oder wir entscheiden uns angesichts unseres unvermeidlichen Todes und persönlichen Untergangs unser eigenes Leben lieber aktiv zu gestalten und schon alleine das ist Widerstand.

Jeder Widerstand gegen frühere Diktatoren fing damit an, das man sich eine sichere Basis suchte. Berge, Wälder, Sümpfe, ein Schiff … Hauptsache erstmal weit weg.

Die sichere Basis kann man teilweise heute sehr bequem haben: einfach den Fernseher auslassen und keine Zeitungen mehr lesen. Die Medien gehören heutzutage einer Handvoll Menschen, die bestimmen, wie unsere Wirklichkeit aussieht. Es macht keinen Sinn, sich dem auszuliefern, denn Kultur und Religion das Materialimus – jener notwendige Grundpfeiler der Ideologie der Korporatokratie – werden in jedem Beitrag gefördert.

Förderlich wäre, alles in Frage zu stellen. Wirklich alles. Gibt es wirklich keinen Gott, keine Götter? Wo ist der Beweis dafür? Gibt es wirklich kein Leben nach dem Tode? Wo sind die Beweise? War vor der Geburt wirklich gar nichts?

Wenn wir erstmal anfangen, die Welt wieder als wundervollen Ort voller wundervoller Möglichkeiten zu begreifen, werden wir merken, das unser Leben an Qualität zunimmt, weil unsere Neugier, unsere Phantasie und unsere Kreativität wiedererweckt werden – auch wenn wir zu diesen und anderen Fragen keine Antworten finden werden weil sie nicht beantwortbar sind. Die menschlichen Sinne sind zu schwach um außer gelegentlichen Schatten und Gespenstern mehr von der Welt hinter der Wirklichkeit zu erfassen, wir müssen uns damit anfreunden, das unsere Ohren und Augen nicht alles mitbekommen, was die Welt an Qualitäten zu bieten hat.  Wir brauchen auch nicht alles mitbekommen, denn diese Sinne sind nicht dazu gedacht, die Welt zu beherrschen, sie sind dazu gedacht sie zu genießen … und das können wir immer weniger, auch deshalb, weil die sinnliche Qualität unserer Wahrnehmung nachläßt – auch weil die stinkende, lärmende grelle Wirklichkeit unserer Innenstädte die Abstumpfung der Sinne zu einem Segen werden läßt.

Wir brauchen keine Antworten auf dieses letzten Fragen: wo komme ich her, wo gehe ich hin, was ist mein Platz in der Welt? – aber wir sollten uns niemals von niemanden die Freiheit streitig machen lassen, diese Fragen stellen zu dürfen …. wo diese Freiheit schon in Gefahr ist, steht die Diktatur nicht mehr in der Tür, sie ist schon eingetreten.

All jene dialektischen Kniffe, die Welt in Gegensatzpaare aufzuteilen, von denen eins richtig und eins falsch zu sein hat (so wie letztens hier aufgetaucht: Pragmatismus kontra Mystizismus) führen in letzter Konsequenz zum Konzentrationslager und Völkermord, weil sie eine ausschließliche Wahrheit gegen eine absolute Falschheit mit allen Mitteln verteidigen müssen. Rechts gegen links, oben gegen unten, Religion gegen Wissenschaft, Migration gegen Deutschland … die Gegensatzpaare sind beliebig austauschbar und werden auch beliebig ausgetauscht: Hauptsache, das Volk dreht sich weiter um sich selbst.

Dabei haben wir Menschen etwas, das vollendet mystisch ist und Sinn unseres ganzen Treibens sein sollte: früher nannte man es Liebe. Das gibt es heute nur noch selten. Ein Phänomen, das enorm stört und deshalb ausgemerzt wird – mit äußerst häßlichen Folgen.  Das Wort ist schon so erfolgreich zerredet, verwässert und entfremdet worden, das es schon als peinlich gilt, es auszusprechen … es ist die allerletztes Bastion einer Wirklichkeit jenseits der materiellen Wahrnehmung, die uns über den tristen langweiligen und wertlosen Alltag erheben kann und doch immer seltener wird.

Es wird aber wohl nicht lange dauern, da wird man auch die Liebe der Menschen als gegenstandslos erklären, als wüste Verirrungen der Hirnchemie – und dann hat man, was man will: eine völlig lieblose und leblose Welt, die Krönung jeder materialistischen Philosophie. Und in dieser Welt wird Auschwitz Alltag und Völkermord zum Zeitvertreib.  Nun, das mag schön sein, denn aus alten Zeiten ist die Kunde überliefert, das die Jagd auf Menschen die spannendste Jagd sein soll – nur leider ist sie gerade verpönt – aber das kann man ja ändern.

Es wundert nicht, das der rebellische ehemalige  Economic Hitmen sich eine Heimat sucht, die religiös anmutet aber es nicht ist.

http://www.dreamchange.org/

Warum es keine Religion ist? Nun, Religion redet über Gott, siehe Wikipedia:

Als Religion (lat: religio, zurückgeführt auf religere = immer wieder lesen; oder religare = zurückbinden) bezeichnet man eine Vielzahl unterschiedlicher kulturellerPhänomene, die menschliches Verhalten, Handeln, Denken und Fühlen prägen und Wertvorstellungen normativ beeinflussen. Es gibt keine wissenschaftlich allgemein anerkannte Definition des Begriffs Religion.

Religiöse Weltanschauungen und Sinngebungssysteme stehen in langen Traditionen und beziehen sich zumeist auf übernatürliche Vorstellungen. So gehen viele, aber nicht alle Religionen von der Existenz eines oder mehrerer persönlicher oder unpersönlicher über-weltlicher Wesen (z. B. einer Gottheit oder von Geistern) oder Prinzipien (z. B. Dao, Dhamma) aus und machen Aussagen über die Herkunft und Zukunft des Menschen, etwa über das Nirvana oder Jenseits. Sehr viele Religionen weisen gemeinsame Elemente auf, wie die Kommunikation mit transzendenten Wesen im Rahmen von Heilslehren, Symbolsystemen, Kulten und Ritualen.

Perkins orientiert sich an schamanische Welten … und die reden mit Gott (wobei dieser Begriff hier äußerst unpassend ist), nicht über ihn.  Eine ganz andere Baustelle, eine Wirklichkeit jenseits des Imperiums … und eine tödliche Wirklichkeit. Jener Ursprung aller religiösen Gefühle und priesterlichen Deutungsmuster über die Welt wird verfolgt und vernichtet – weltweit … vielleicht, weil es ein sicherer Hafen gegen die Gewalten des Imperiums ist. Ein Imperium, das weltumspannend ist, zwingt einen gerade dazu, sich eine Basis außerhalb zu suchen, von der aus man agieren kann … uns es funktioniert, selbst wenn diese Basis nur der Einbildung entspringen sollte.  Es entspricht auch der Freiheit des Menschen, seine Welt zu deuten zu dürfen, wie er es möchte.

Wenn man aber nun gern in Gegensatzpaaren hegelianischer Geschichtsphilosophie denkt, so wäre ein Gegensatz zu Materialismus Liebe. Liebe zu Kindern, zur Heimat, zum Garten, zu alten, kranken und behinderten Menschen,  zur Welt, zur Menschheit an sich und ihrer Zukunft.  Liebe, nicht Sex. Das Grundsatz „Alles ist liebenswert“ scheint mir auch zu sinnvolleren Lebensalternativen zu führen als der materialistische Grundsatz:  „Alles ist toter  Matsch„.  Aus letzterem wird … letztendlich nur Wüste, aber es ist die gelebte Philosophie der Kosmokraten (und das letztliche materielle Ergebnis ihres wirtschaftlichen Treibens: die Welt wird Müll).

Und auf einmal merkt man auch, welcher tieferer Sinn in Ritualen der Kosmokraten liegen könnte, die auffällig oft mit (kostenintensiven) Kindesmißbrauch in Verbindung gebracht werden: solche Rituale töten tiefste Empfindungen ab, die einen wiederum zu einem besseren rationalen Wesen machen, das seinen Job im Sinne der Korporatokratie (und im Sinne von Aufschwung, Vernunft und Fortschritt) noch besser machen kann.

Die US-Armee desensibilisiert ihre Soldaten ähnlich – was mitlerweile zu häßlichen Ausfallserscheinungen führt:

US-Soldaten sollen Zivilisten Körperteile abgeschnitten haben

Entsetzen in den USA: Amerikanische Soldaten sollen afghanische Zivilisten getötet und dann Körperteile als Trophäen mitgenommen haben. Ihnen drohen harte Strafen.

Quelle: Die Zeit

Lieblosigkeit hat halt ihren Preis – wie alles im Leben.

Insofern ist schon allein der Traum von der Schaffung einer liebevolleren Welt Widerstand gegen die Welt der Korporatokratie .  Und die konkreten Schritte dazu? Gedanklich selbständig werden. Kinder können das gut. Die Frage „Warum ist das so„…. ist der erste Schritt zur Auflösung des Imperiums.

Darum kann es gar nicht genug Menschen geben, die Fragen stellen.

Und darum sind mir esoterische Träumer insgesamt lieber als nüchterne Parteifunktionäre – wenn ich denn unbedingt wählen muß.

Diktatur der Angst

Noch eine Diktatur. Die schlimmste vielleicht.

Ich möchte mich ihr nicht philosophisch nähern … Jasper, Heidegger, Kierkegaard – da wird es schnell unübersichtlich. Das Psychologische möchte ich ebenfalls meiden, ich verkaufe hier keine Tabletten.

Thematisieren muß man es aber schon, denn kaum etwas kann das Leben zu betrüben wie die Angst.

Ältere Völker hatten es da einfacher. Zog die Angst ins Dorf, rief man den Schamanen, der gern auch mal vor dem Dorf isoliert wohnte … „bei den Geistern“. Der kam, personalisierte die Angst („Dämon“, „böser Geist“), trommelte ein wenig, räucherte herum, führte einen wilden Tanz auf – und vertrieb den Horror.
Und die Angst.

Weiter entwickelte Völker hatten es auf einmal mit Göttern zu tun. Schreckliche, zornige Gestalten.
Doch: kein Problem: wieder kam der Zaubermann (diesmal eher als Priesterin), opferte hier, räucherte dort, besänftigte die Götter – und schon konnten alle wieder ruhig schlafen.

Dann kam die Aufklärung, schmiß Götter und Dämonen samt ihren Priestern über Bord (ganz zurecht auch, denn schon lange lebten Priester nicht mehr für das Volk, sondern nur noch von ihm) und richteten sich ganz neu ein.

Aber die Angst blieb.

Vielleicht noch schlimmer als zuvor, denn die Welt verlor jegliche … Transzendenz. War nur noch ein Haufen Dreck. (Und jetzt kommen die Physiker und sagen: noch nicht mal der ist real).

Auch die gottgleichen Mächte sind geblieben.

Der „weltweite nukleare Krieg“, die Vergiftung der Erde durch gigantische Konzerne, Arbeitslosigkeit, Armut, Hunger, Folter … und Tod. Mehr denn je sind die Menschen hilflos in ihrer Umwelt, Mächten ausgeliefert, die ungleich größer sind als sie.

Diese Mächte sind jedoch, anders als die älteren ihrer Art – unmenschlich. Ihre Vernichtungspotentiale ungleich größer. Ihre Gnaden- und Vernunftlosigkeit auch.

Und auch die Angst vor ihnen.

Fort sind … die Zaubermänner, Zauberfrauen, die einst Angst so beruhigend personalisieren und wegzaubern konnten.

Dafür kam eine Flut von angstgezüchteten Neurosen. Und Krebs. War vorher auch kaum bekannt.

Gut – gegen Ängste gibt es Tabletten. Oder Alkohol. Wirkt auch gut.

Ist aber beides keine Lösung, denn: Angst frißt Seele auf. Angst macht krank. Darum nehmen die psychischen Erkrankungen in zivilisierten Ländern so rasant zu.

Ein Lösung?

Viel Spaß bei der Suche. Der Philosoph muß nicht den Weg gehen, den er zeigt. Er ist wie ein Wegweiser. Und der geht auch nicht selber.

Sagt Arthur Schopenhauer.

……

Also gut. Ich habe Menschen kennengelernt, die ihre Angst besiegt haben. Menschen, die Techniken erlernt haben, die ihnen das Leben nahezu unabhängig von der Maslowschen Bedürfnispyramide wesentlich erleichterten, weil es ihnen die Angst nahm.

Manche waren Hexen und Schamanen. Hier in Deutschland. Andere keltische Priester. In der Eifel. Dritte waren Zen-Buddhisten, die Buddha getroffen und getötet hatten, wie man es von ihnen erwartet. Christen, die die Worte ihres Herren nur in Aramäisch lesen (weil das seine Alltagssprache war, er konnte kein Griechisch und kein Latein), manche waren „einfach nur“ Poeten, die ihre Heimat im Wort fanden. Oder auch Naturmystiker, denen eine Wanderung durch unberührte Landschaft mehr Gefühle brachte als auch die beste Prise Koks. Die Liste ließe sich schier endlos verlängern.

Es waren grundsätzlich religiöse Menschen, die eins gemeinsam hatten. Sie konsumierten Religion nicht, wie es die Kirche erwartet, sondern erforschten … und erlebten sie. Ohne Guru, ohne Meister, ohne Autoritäten.

Und darum … nutzlos. Weil es nicht beliebig übertragbar ist. Weil niemand ihrem Weg nachfolgen kann.

Aber was man sagen kann … es scheint Wege zu geben.

Und vor allem: sie stehen auch Armen offen. Sind nämlich enorm kostengünstig. Sogar: umsonst.

Die letzten 100 Artikel