Sauerlandbomber

This tag is associated with 1 posts

Die Vernichtung des Islam und der große Satan: Gedanken zum Tode deutscher Soldaten

Es kommt auf die Perspektive an – eigentlich immer. Der „Westen“ hat seine Perspektive, die anderen haben andere Perspektiven. Der Westen will seine Konsummaschine weiterfüttern, die Rohstoffe in Müll verwandelt und den gesamten Planeten verschandelt, die anderen … werden überrollt. Das zum Beispiel ist eine Perspektive. Diese Perspektive könnte man auch die „satanische“ Perspektive nennen. Nicht, das man jetzt an den Teufel glauben muß und schnell in den „Gelben Seiten“ nach dem nächsten Exorzisten forschen sollte – es geht hier nur um Werte. Der Kontrapunkt zu einer christlichen Gesellschaft der Nächstenliebe ist … eine satanische Gesellschaft des Nächstenhasses, des Kampfes aller gegen alle.

Die Arbeit mit religiöser Begrifflichkeit ist nicht unkompliziert. Schnell steht man in einer gemeinsamen Ecke mit dem „Wachturmmann“. Andererseits aber ist die religiöse Terminologie viel einfacher als die marxistische Terminologie der Kapitalismuskritik, die man ohne acht Semester Marxismus in Leipzig studiert zu haben kaum formulieren geschweige denn verstehen kann.  Da ist es viel verständlicher für alle Beteiligten (und herrlich unpolitisch … unparteipolitisch) wenn man einfach mal sagen kann:  „Diese Gesellschaft geht zum Teufel“.

Und das tut sie … nicht nur in den Augen der Religionswissenschaftler, die belegen, das „satanische“ Werte die Menschenrechte in der realen Alltagswirklichkeit Deutschlands verdrängen – einfach mal Hartz IV-Abhängige fragen, die leiden da an vorderster Front, ebenso wie Leiharbeiter, Minirentner, Behinderte oder Kinder. All jene können ein Lied singen von der Präsenz christlicher Werte im christlichen Alltag – ein Lied des Mangels, der Entwürdigung und der Qual.

Untersuchen wir diese Perspektive, so finden wir uns in einer Reihe mit fundamentalistischen Idealisten, für die die USA seit dreissig Jahren der „große Satan“ ist – oder eben länger, wenn man die Vernichtung der iranischen Demokratie durch die USA ins Auge fasst.  In den Ölländern lebt man länger und  intensiver an der Front als in Paderborn oder im Hunsrück, allerdings ist der große Satan durch die Agenda 2010 auch in Deutschland eingezogen und verdrängt mit seiner Hungerpeitsche alte demokratische Strukturen. Noch ist seine Macht hier gering und versteckt sich hinter Schönrednerei („Neoliberalismus“), doch die Ärmsten der Armen sehen in ihrer Schultüte und in ihrem Schulranzen das Anwachsen seiner Macht, denn dort herrscht Leere, wo Fülle sein sollte, Hoffnungslosigkeit wo Zukunft wachsen muß, Angst wo Zuversicht sein sollte.

Aktuell schlägt der große Satan wieder zu, hier aus dem Hintergrund:

Die Volksaufstände in verschiedenen arabischen Staaten werden von der Staatsgewalt hart unterdrückt. Im Jemen, in Libyen und in Bahrein kam es in den vergangen Stunden zu regelrechten Blutbädern.
Ein Unbekannter soll am Freitag Presseberichten zufolge eine Handgranate in eine Menge demonstrierender Regierungsgegner in der jemenitischen Stadt Tais geworfen und dabei acht Menschen verletzt haben. „Mehrere Rettungswagen fuhren zum zentralen Hurrija-Platz in Tais, wo zehntausende Gegner und Anhänger von Präsident Ali Abdullah Saleh demonstrierten“, berichtete abendblatt.de. (1)  Im Jemen versuchen Oppositionsgruppen die autokratische Regierung zu stürzen
Noch dramatischer sind die Nachrichten aus Libyen. Dort  waren am Vortag nach Angaben aus Oppositionskreisen landesweit etwa 45 Menschen von den Sicherheitskräften getötet worden.

Plötzlich greift seuchenartig eine rebellische Bewegung in den ansonsten seit Jahrzehnten politisch stabilen arabischen Ländern um sich, eine Bewegung, die für den Westen äußerst positive Konsequenzen hat. Positive Konsequenzen? Nun … wenn man „den Westen“ eben nicht als das idealisierte Nato-Bündnis der christlichen Wertegemeinschaft begreift, sondern die politischen Strukturen nur als ausführende Organe einer aus dem Ruder laufenden Konzernherrschaft (Korporatokratie wäre hier der an sich eher unverständliche Fachtbegriff) ansieht, dann merkt man schnell: für die Kapitäne dieser Wirtschaftsriesen (oder die Priester jener neuen Götzen) läuft alles ganz hervorragend – die Macht der arabischen Autokraten war ihnen schon lange ein Dorn im Auge. „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben“ ist ein wichtiges Strukturelement in der Lebenswirklichkeit der Autokraten der Korporatokratie.

Man könnte nun – als Leser – kopfschüttelnd den Artikel beenden und für sich beschließen: „Das kann doch alles nicht sein!“. Das würde ich auch gerne machen … wenn nicht die Ausläufer der  Entwicklung auch in Deutschland Tote fabrizieren würden, wie der Spiegel heute berichtet:

Bei einer Schießerei in einem Außenposten in Nordafghanistan wurden drei Bundeswehrsoldaten getötet, sechs verletzt. Ein afghanischer Soldat hatte das Feuer auf die Truppe eröffnet. Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die gefährliche Ausbildungsmission der Deutschen für die afghanische Armee.

Ob die toten deutschen Soldaten wohl verstehen würde, warum und wofür sie gestorben sind? Ob sie wirklich gerne weiterhin sterben, wenn sie verstehen würden, das sie in den Augen der Normalbürger dieser Welt bald als „Sturmtruppen Satans“ dastehen werden? „Sturmtruppen Satans“ … so formuliert, wird die „Friedensmission“ schnell demaskiert – aber genau das ist ihre Rolle, ihr Bild in den Augen gläubiger Moslems. Selbst würde man sich wohl nicht gerne so einsortieren … man würde mit dem Weihnachtsfest und der Familie schnell Probleme bekommen.

Würde man wissen, welche „Rolle“ man in dem „Gastland“ in den Augen der „Gastgeber“ spielt, dann wüßte man schnell, wie gefährlich der Aufenthalt dort wirklich ist. Im Kampf gegen den Satan entfesseln gläubige Menschen unglaubliche Energien – es ist kaum ein edleres Motivationsprinzip konstruierbar. Das nutzte ja auch der Verfassungsschutz Baden-Würtemberg zwecks Konstruktion einer eigenen Terrorzelle, wie im Hintergrund zu lesen ist:

Die Radikalisierung der Sauerland-Gruppe begann in Neu-Ulm unter dem Einfluss des Predigers Dr. Yehia Yousif. Er galt als einflussreichster Rekrutierer für den „Heiligen Krieg“ in Deutschland. Laut FAZ war Yousif „Hirnwäscher für etliche Angehörige der Sauerland-Gruppe und für deren Dunstkreis von vierzig, fünfzig jungen Leuten“.(13) Der Spiegel zitierte einen anderen bekannten Islamisten: „Yousif hatte eine Gruppe von jungen Schülern um sich geschart, die er jede Woche unterrichtete, und Fritz war einer davon“. (14)  Als das bayerische Innenministerium 2005 den Verein Multi-Kultur-Haus Ulm e.V. verbot, der die dortige Moschee betrieb, die daher auch geschlossen wurde, wurde das vor allem mit den Hetzpredigten Yousifs begründet. In der Folge tauchte der Arzt aus Ägypten aus Deutschland ab.

Doch damit ist seine Geschichte noch nicht erzählt. Yousif predigte nicht im Auftrag Allahs, sondern im Auftrag des Verfassungsschutzes, für den der Chefideologe der Sauerland-Gruppe von 1996 bis mindestens 2002 als hauptamtlicher Zuträger arbeitete. Offizielle Akten der Behörde belegen dies. Ein Rechtsanwalt des verbotenen Ulmer Multi-Kultur-Hauses kommentierte: „Jeder zweite Satz in dem Verbotsantrag bezog sich auf verdächtige oder kriminelle Aktivitäten von Dr. Yousif. Ohne diesen Mann hätten sie gar nichts in der Hand gehabt. Dabei wurde vor Gericht zugegeben, dass Yousif damals für den Verfassungsschutz gearbeitet hat. Der V-Mann Yousif platzierte Beweise, die dann vom Staatsanwalt verwendet wurden.“

Aber Yousif war weitaus mehr als nur ein Zuträger und Informant. Ewald T. Riehtmüller, bis 2006 im Wirtschaftsrat der CDU, hatte über Yousifs Stellung innerhalb des Dienstes Folgendes zu sagen: „Ich war vor Jahren auf einer Islamkonferenz in London. Dort war Yehia Yousif der offizielle Vertreter des baden-württembergischen Landesamtes für Verfassungsschutz. Er war nicht irgendein Informant, er war DER Islamexperte der Stuttgarter Behörde. Kenner der Szene in Ulm/Neu-Ulm halten ihn außerdem für einen BND-Agenten.“ (16)

Wie würde man solche Strategien nennen? Teuflisch, ohne Zweifel. Wer kann schon ahnen, wieviele eigentlich unschuldige deutsche Jugendliche in Pakistan getötet werden, die ohne Mitarbeit deutscher Behörden gar nichts mit dem Islam zu tun gehabt hätten?

Mit solchen Methoden muß man rechnen, wenn man Weltpolitik beurteilen will – jedenfalls jene Politik, die aus dem „Westen“ kommt. Und hier finde ich (besten Dank an Sol Roth für das fehlende Puzzelstück, das ich eigentlich lieber nicht gefunden hätte) einen schrecklichen Verdacht bestätigt. So findet sich bei Islam-Projekte folgendes Interview, das uns über die Hintergründe der oben erwähnten Unruhen im arabischen Raum aufklärt:

Es geht darum, religiöse Prinzipien zu debattieren, um in der Lage zu sein, sie zu modifizieren. Das erklärte Ziel ist es, die Denkweisen der Muslime zu verändern, damit diese die politischen, ökonomischen und philosophischen Prinzipien übernehmen, die den Westen beherrschen. Ethnische Umstrukturierung und Umstrukturierung des religiösen Denkens der Bewohner des Nahen und Mittleren Ostens – das sind die beiden Waffen, die von den Führungsspitzen in Washington und Brüssel benutzt werden, um die gesamte Region umzustürzen.

Und wir Deutschen sind live ganz vorne mit dabei – und ganz öffentlich.

Die deutsche Politik spielt bei der Propagierung dieser Ideen eine große Rolle – nehmen Sie zum Beispiel die Bertelsmann-Stiftung, die im Rahmen der Kronberger Gespräche ganze Maßnahmenbündel ausarbeitet, um den Mittleren Osten umzugestalten. Der davon ausgehende Einfluss ist bedeutend, und zwar unabhängig davon, welche Regierungsmannschaft in Berlin gerade an der Macht ist. Die Berichte der Stiftung aus den Jahren 2002 und 2003 sind sehr lesenswert: „Europe, the mediterranean and the Middle East, strengthening responsibility for stability and development“ (Siebte Kronberger Gespräche) und „Die Zukunft der europäischen Politik im Nahen Osten nach dem Irak-Krieg“ (Achte Kronberger Gespräche). In diesen Ausführungen ist zu erkennen, dass man eine vollständige Umgestaltung der politischen, wirtschaftlichen und religiösen Institutionen der Länder des „Großen Mittleren Ostens“ will, um sie fest an die euro-atlantische Achse zu schweißen.

Ich denke mir – viele Menschen werden gerade jetzt nicht überrascht sein, das das auch passiert. Auf einmal merkt man, wie dankbar der „große Satan“ für die Anschläge vom 11.9.2001 sein muß, denn so wurden seine ärgsten Widersacher in dem Bereich der Ideen zu Kriminellen abgestempelt. Das dort, bei diesem ach so nützlichen Ereignis, vielleicht ähnliche Strukturen nachgeholfen haben wie bei den Sauerlandbombern … nun, darüber dürfen wir in diesem „freien“ Land noch nicht mal mehr nachdenken. So frei sind wir ja schon lange nicht mehr.

Ob unsere Soldaten, die immer gnadenloser in Afghanistan abgeschlachtet werden, wirklich noch genau wissen, warum und wofür sie ihr Leben dort geben? Dabei wäre ihr Einsatz in Deutschland sinnvoller … man weiß ja nie, wann dem Verfassungsschutz mal ein paar Zöglinge aus dem Ruder laufen.

Darf ich nochmal aus dem Abschluß der Kronenberger Gespräche von 2008 („Die Zukunft sichern“ – Europas Agenda für eine friedlichere Nachbarschaft) zitieren, hier beim Centrum für angewandte Politikforschung:

Die europäische Sicht auf den Nahen Osten hat sich aufgrund der Erfahrungen nach dem 11. September 2001, der terroristischen Angriffe auf europäischem Boden, des wachsenden Drucks illegaler Migration und eines verschärften Wettbewerbs um Energieressourcen gewandelt. Die optimistische Idee, die politischen und wirtschaftlichen Transformationsprozesse in den Staaten und Gesellschaften des Nahen Ostens im Rahmen der 1995 initiierten Euro-Mediterranen Partnerschaft („Barcelona-Prozess“) zu unterstützen, ist einer engeren sicherheitsfokussierten Sicht gewichen.

Schön formuliert, das versteht man auf Anhieb nicht. Man könnte auch sagen: Schluß mit dem demokratischen Firlefanz und der Schmusepolitik. Dazu paßt auch eine der Aufgaben für die EU-Politik:

Eine zukunftsorientierte und enge Agenda zur wirtschaftlichen und politischen Transformation, die Anreize sowohl für die europäischen Länder als auch für ihre Partner bereithält.

Diese Transformation, 2006 auf einer Armeelandkarte als Ziel erkennbar, 2008 als taktisches Ziel der EU-Aussenpolitik beschlossen, erleben wir gerade jeden Tag aufs Neue … in gigantischen unvorstellbaren Dimensionen. Am Ende dieser Entwicklung wird uns kein „Ölauge“ mehr den „Ölhahn“ zudrehen können – womit unsere „Anreize“ zur wirtschaftlichen und politischen Transformation schon erkennbar sind.

Angesichts dieser Ausmaße von Verschlagenheit und Niedertracht wundert mich das Bild des „großen Satan“ nicht mehr. Eine Religion, die gerade merkt, was es wirklich heißt den „großen Satan“ zum Feind zu haben, kann aus ihrer Begrifflichkeit heraus kaum eine andere als diese Beschreibung finden, da die politischen Handlungsmaximen jener Kräfte direkt aus der Gebrauchsanweisung für Menschenfeinde entstammen.

Und angesichts der Vorstellung, das es auch irgendwo Konferenzen gab, die die Agenda 2010 zwecks wirtschaftlicher und politischer Transformation Deutschlands initiiert und beschlossen haben, kann ich verstehen, das die Menschen den Glauben daran verloren haben, das Demonstrationen in Deutschland noch einen Sinn machen.

Erinnert irgendwie an einen Protestzug in der Hölle, eingezwängt zwischen Lavateichen, Glutfontänen und Feuerstürmen mit dem Transparent „Wir hätten´s gerne kühler, bitte“ in der Hand – nur fehlen bei diesem Bild noch völlig die Teufel und Dämonen.

Die letzten 100 Artikel