Rubikon

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Im Klima-Bürgerkrieg  – Wenn sogar Friedensbewegte die Mistgabel aus dem Keller holen …


Obwohl man auf Rubikon in letzter Zeit auch fragwürdige Artikel zu lesen bekommt, z.B. Plädoyers für das Anheimgeben der Menschheit an die „Künstliche Intelligenz“, also unter ein kaltes Zahlensystem (siehe „Auf die Knie vor Gott KI“), so muss man diesem Magazin auch zugute halten, dass es ein relativ breites Spektrum an Meinungen veröffentlicht und durchaus auch unpopuläre Stimmen zu Wort kommen lässt. Inmitten der aktuellen Klimadiskussion grenzt es ja fast schon an Ketzerei, wenn ein Autor sich diesbezüglich nicht bedingungslos demjenigen unterstellt, was man derzeit gemeinhin als rationale Vernunft und Wissenschaftlichkeit versteht. „Unite Behind The Science“ ist das Gebot der Stunde. Konzernwirtschaftliche („wissenschaftliche“) Experten sollen jetzt alles regeln. Angesichts der drohenden  Katastrophe darf man die Entscheidungshoheit nicht mehr dummen Politikern überlassen, die von noch dümmeren Bürgern gewählt werden.

Sogar unsere vermeintlich klügsten Köpfe in Sachen Meinungsmanagement und massenmedialer Manipulationstechniken sind aktuell geneigt, mit diesen Experten an einem Strang zu ziehen und blasen zum Kampf gegen die noch verbliebenen Feinde der wissenschaftlichen Vernunft: zum „Kampf gegen Rechts“, gegen „Querfront“ und „Verschwörungstheoretiker“, die sich dem wissenschaftlichen Konsens entgegenstellen und damit unsere Zukunft gefährden. Sogar bei alternativen Journalisten, die sich bisher in sehr verdienstvoller Weise für Toleranz und kritisches Denken wider die herrschende Meinung eingesetzt haben, ist damit das Ende der Fahnenstange erreicht. Auch ihnen kommt nun zu Bewusstsein, dass man gegenüber den unverbesserlichen Querköpfen endlich eine andere Gangart einschlagen muss, so wie das auch unsere Regierung im Chor mit dem Bundespräsidenten fordert.

How dare you?

Dieses „Pack“, dem nicht nur Sigmar Gabriel, Angela Merkel, Heiko Maas und Frank-Walter Steinmeier bereits ihre ganze Verachtung ausgedrückt haben, bekommt es nun auch mit den Vertretern der alternativen Intelligenzia zu tun, die nun ebenfalls realisieren, wie verachtenswert dumm dieser Pöbel eigentlich ist und mit was für „Plumpsklokommentaren“ (Bröckers) dieser Pöbel da auch am laufenden Band die Foren flutet.

Diese einfältigen, bildungsfernen Kleinbürger, die gegen Monatsende kaum wissen, wie sie die Rechnungen begleichen und ihre Familie durchbringen sollen und nebenher akut mit Jobverlust bedroht sind, haben die nichts anderes zu tun als auf diese arglose Greta und den hippen Rezo loszugehen? Auch auf den Nachdenkseiten, die sich ansonsten eher für die Position des von der SPD verwaisten kleinen Mannes einsetzen, kann man die widerspenstige Haltung des kleinen Mannes bzw. der kleinen Frau nicht mehr nachvollziehen und gibt man sich fassungslos über das breite negative Feedback, das nach euphemistischer Berichterstattung über die Klimabewegung rund um Rezo und Greta von der Stammleserschaft zu vernehmen war. Wie kann es nur so einen Shitstorm über etwas geben, was doch „nur gut ist“, frägt sich NDS-Chefredakteur Jens Berger. Und veröffentlicht postwendend eine „Worst Of“-Leserbriefcollage, anhand derer nun hoffentlich jeder vernünftige Bürger ersehen kann, wie unqualifiziert und abseitig die Kritiker der Klimabewegung argumentieren und dass man schleunigst etwas unternehmen sollte, wenn dieses Land nicht endgültig zu Dunkeldeutschland werden soll. Auch Rubikon-Chefredakteur Jens Wernicke sieht für Kritiker der  Klimabewegung „keinerlei wissenschaftlichen Spielraum“, Tilo Jung&Naiv hat schon vor einiger Zeit auf Twitter aufgefordert, dass man solche Menschen „lächerlich machen muss“.

Ja wirklich: Warum hält dieser Pöbel nicht einfach still und lässt sich das Fell über die Ohren ziehen, während jetzt im Zuge der medial forcierten CO2-Debatte alle anderen abgründigen Probleme einfach vom Tisch verschwinden? How dare you? Wie kann es dieses bildungsferne Pack, das sich tagsüber mit ölverschmierten Fingern in irgendeiner Fertigungshalle als Arbeitsameisen in der Zulieferungsindustrie für SUVs und sonstige Wohlstandprodukte für die Ober- und Mittelklasse verdingt, wagen, sich dann abends trotz Erschöpfung noch hinter den Bildschirm zu setzen und „mit subjektiv überzeugten Intuitionen“ gegen das Widerstand zu leisten, was doch herrschender Konsens unserer wissenschaftlichen Experten ist? Da müssen sogar die scharfsinnigsten Kognitionswissenschaftler passen, das sei „kognitionswissenschaftlich nicht zu erklären“ (Mausfeld). Dass Noam Chomsky, den unsere alternative Intelligenzia  eigentlich gelesen haben sollte, besagte  wissenschaftlichen Experten als „säkulare Hohepriester und Wachhunde der Machtelite“ bezeichnet, die dem Pöbel „verkünden, was er glauben soll“ … – wie vergessen scheinen alle diese Einsichten, die uns in der Maschinerie des Manufacturing Consent eigentlich stets zur Vorsicht gegenüber herrschenden Ansichten und medial propagierten Trends anhalten sollten. Aber mit der drohenden Klimakatastrophe, in Kombination mit dem Auftreten argloser schützenswerter Kinder und Jugendlicher, die jetzt zu unser aller Freude endlich anfangen aufzuwachen und politisch zu werden, wird  jetzt offensichtlich etwas getriggert, das selbst bei den scharfsinnigsten und zweifellos wohlmeinenden Intellektuellen einige Hebel umlegt.

Teufelskreis

Liest man die aktuellen Forumskommentare und sozialen Medien quer, so zeigt sich eine vielfache Enttäuschung über Personen aus dem alternativen Medienspektrum, von denen man vor Kurzem noch restlos begeistert war und von denen man sich Aufklärung und eine Wende der Verhältnisse versprochen hat. Viele enttäuschte Diskussionsteilnehmer sind nun ebenfalls geneigt, gleich das Kind mit dem Bade auszuschütten und alles, was diese vormals geschätzten Köpfe an wertvollen Beiträgen geleistet haben, für nichtig zu erklären. Inmitten dieser Unmutsbekundungen, unter denen es zweifellos auch unqualifizierte und unter der Gürtellinie liegende gibt, lassen sich alternative Journalisten mitunter sogar zu regelrechten Publikumsbeschimpfungen hinreißen, in denen dem undankbaren Leserpublikum sowie auch Kollegen die Leviten gelesen werden (hat man doch sein ganzes Herzblut in die Aufklärung investiert) und man diesem Publikum seinerseits mehr oder weniger direkt erklärt, dass man sich solche Dummheit niemals erwartet hätte. Mit einem Wort: Es droht gerade ein Art Teufelskreis einzusetzen, in dem sich alle – an sich an Aufklärung und Überwindung des neoliberal-kapitalistisch-transatlantischen Wahnsinns interessierten – Beteiligten und frühere Partner hoffnungslos miteinander zu zerstreiten und zu spalten drohen. Wir münden damit geradewegs in jene Dynamik, vor der uns Noam Chomsky eindringlich gewarnt hat: Dass die Bevölkerung „sozial atomisiert, fragmentiert und dadurch politisch marginalisiert“ werden soll.

Hochspannung sucht Blitzableiter

Inmitten der derzeit hochaufgeladenen und gereizten Stimmung ist es durchaus verständlich, dass man mit Rundumschlägen tabula rasa machen und endlich wieder der vermeintlichen Vernunft Geltung verschaffen möchte. Wir täten aber eventuell alle gut daran, uns zu fragen, ob wir mit unserem Eifer, auch wenn wir diesen für noch so berechtigt, „wissenschaftlich“ oder sonst etwas halten, nicht gerade einen Bärendienst verrichten. Und welche ungesehenen Dritten sich dabei gerade ins Fäustchen lachen. Dazu muss man Folgendes verstehen: Die unerträgliche Spannung, die uns alle plagt und die täglich größer zu werden scheint, kommt nicht von ungefähr. Sie kommt nur leider meist von ganz anderer Richtung, als man sie vermeint. Mit jeder nicht erkannten Lüge und Manipulation – und diese prasseln über eine fast schon bewundernswerte medial-politische Hochleistungsmaschinerie  nonstop auf uns ein; auch diejenigen, die die grundlegenden Manipulations- und Suggestionstechniken kennen, schaffen es nicht, 100% davon abzuwehren, auch bei ihnen bleibt ein Teil davon unbewusst und wirkt sich aus – baut  sich innerlich eine kaum erklärbare Spannung auf, die dann natürlich nach einem Blitzableiter sucht. Man sollte sich nur fragen, ob die Richtung, in die man den Blitz dann einschlagen lässt, wirklich die richtige Adresse ist.

Das Gute an dem ganzen Drama

So ernüchternd und desillusionierend die derzeitige Situation auch ist. Sie hat auch etwas Positives: Man darf erkennen, dass einem nun nichts / niemand bleibt, auf den man sich stützen kann. Wie gerne hätten wir doch ein paar kluge Köpfe gehabt, die alles für uns regeln und die der neoliberalen Misere ein Ende bereiten. Nun die Enttäuschung, dass das so nicht funktioniert. Überhaupt leben wir ja in einem Zeitalter der Enttäuschung (der Ent-Täuschung), in der alle Illusionen zerbröckeln, obwohl die Illusionsindustrie auf Hochtouren nonstop neue Produkte ausstößt.

Die Erfahrung des Enttäuschtwerdens dürfen wir heute auf allen erdenklichen Ebenen, öffentlichen wie privaten, machen. So schmerzlich es auch ist, das Enttäuschtwerden hat aber auch sein Gutes. Es soll nicht Anlass sein, daran zu verzweifeln, sondern es zwingt einen eben, sich ganz auf die eigenen Beine zu stellen, sich zu eigener, höchst individueller Auseinandersetzung aufzurichten und nicht mehr nur bloß das zu akzeptieren, was einem vorgekaut wurde. Am effektivsten ist der diesbezügliche Fortschritt, wenn man sich sogar in der Hoffnung auf diejenigen enttäuscht sieht, die man intellektuell weit über sich  gesehen hat und die man für besonders schlau gehalten hat. Nun kommt man eben nicht drum herum: Man muss sich selbst schlau machen, sich eigenständig Anschauungen bilden und mit den hierbei errungenen Schlüssen gegebenenfalls auch entgegen allen anderen, scheinbar übermächtigen, alternativlosen, vernünftigen herrschenden Meinungen der „Experten“ standhalten.

Wie oft hat sich in der Geschichte doch schon das, was die herrschende Meinung war, und der sich auch fast die gesamte akademische Intelligenz und die gutbürgerliche Burgeoisie angeschlossen haben, als reiner Wahnsinn herausgestellt? Wie oft hat der versprochene „Fortschritt“ nicht schon in ein Trümmerfeld geführt? Und der Kampf gegen Verweigerer dieses Fortschritts zur größten Unmenschlichkeit, zu Willkür, Folter, Umerziehungslagern und „Säuberungsaktionen“? Wenn man sich die derzeitige Radikalisierung der Sprache ansieht, auch innerhalb der alternativen Foren, dann sind wir womöglich gar nicht mehr so weit weg von solchen Säuberungsaktionen und Umerziehungsmaßnahmen, und werden diese ja mitunter auch bereits unverhohlen gefordert. Wenn nun die letzten Schutzdämme brechen und auch im Lager der alternativen Medienschaffenden, die sich solchen Tendenzen und dem neoliberalen Meinungsfaschismus bisher entgegengestellt haben, nun der „Kampf gegen Rechts“ und gegen unverbesserliche Querfrontköpfe und Verschwörungstheoretiker ausgerufen wird, dann werden wohl auch die Regierenden wenig Veranlassung sehen, sich noch länger zurückzuhalten.

Jeder, dem es in die Hände gegeben ist, über mediale Plattformen in größerem Umfang Meinung zu machen, darf selbst verantworten, wie er sich im aktuellen Klimabürgerkrieg verhält. Dem kleinen Mann und der kleinen Frau auf der Straße bleibt jedenfalls heute nur eines: Sich zu allem wirklich selbst eine Anschauung und Meinung zu bilden. Und vor allem: Sich diese freie Anschauungs- und Meinungsbildung von NIEMANDEM absprechen zu lassen, schon gar nicht von „Experten“, und selbst nicht von den scheinbar neunmalklügsten Überfliegern und „Durchblickern“. Wobei es bei der Anschauungs- und Meinungsbildung aber wirklich auf die Reihenfolge ankommt: Zuerst Anschauung und dann Meinung, nicht umgekehrt – laut Goethe ist unser Denken nämlich nicht dazu da, um sofort zu einem schnellen Urteil zu kommen. Hingegen sei das Denken lediglich dazu da, um über längere Zeit um etwas zu kreisen, es von verschiedenen Perspektiven zu betrachten (währenddessen man willentliche Kraft aufwenden muss, um aufsteigende Projektionen und vorgefasste Schemata zu unterdrücken), sodass sich das richtige Urteil über eine Sache bzw. eine Person durch diese Art des denkenden Wahrnehmens dann irgendwann wie von selbst ergibt. – Meist, wenn man über eine Frage geschlafen hat.

Und auch wenn unser herrschendes akademisches System uns das abspricht: Ein solches eigenständiges Urteil ist dem einzelnen auch gegenüber Gebieten möglich, auf denen er kein ausgewiesener Experte ist und keine universitäre Ausbildung genossen hat. Aber er kann sich nichts desto trotz eine profunde Anschauung bilden, was die Experten auf dem Gebiet der Medizin, Pharma, Gentechnik, Robotik, Nuklearkraft etc. betreiben und er kann dies in seiner gesamtgesellschaftlichen Auswirkung eventuell sogar besser beurteilen als die darin involvierten Experten selbst, da er eben mehr Distanz dazu hat.

Jeder, der diese Fähigkeit zur eigenständigen Urteilsbildung ausgebildet hat, ist dann für Manipulationen aller Art weitgehend unerreichbar. Er wird auch nicht enttäuscht sein, wenn Personen, auf die er bisher große Stücke gehalten hat, sich bei gewissen Themen von der herrschenden Meinung vereinnahmen lassen. Er ist in sich selbst gegründet. Und selbst wenn alles um ihn herum in Trümmer fällt: Er weiß, dass er authentisch dem treu geblieben ist, was er eigenständig erkannt hat und sich keine fremde Meinung irgendwelcher Autoritäten aufoktroyieren hat lassen, auch wenn diese Autoritäten noch so gewaltig oder „streng wissenschaftlich“ aufgetreten sind.

Wenn man jemanden oder etwas richtig zuordnen kann, dann braucht es im Übrigen auch kein Entweder-Oder, kein Schwarz/Weiß, keine unnötige Spaltungen und keine Säuberungen mehr. Dann kann jeder seinen angemessenen Platz haben (aber auch nicht mehr). Dann sind auch Greta und Rezo kein Problem mehr. Dann könnten wir uns vielmehr fragen, wo wir Erwachsenen uns zurückgelehnt haben bzw. was wir versäumt haben, sodass nun ein Schulmädchen wie Greta und ein Sitcom- und Promotionvideo-Freak wie Rezo dieses Vakuum ausfüllen und uns erklären müssen, wo es lang geht.

Nachwuchstalent mit Durchblick

Jemand, der die angesprochene Anschauungs- und Urteilsfähigkeit bereits in viel weitergehenderer Weise entwickelt hat als so manche alten Hasen und Profi-Journalisten von Spiegel & Co., ist der junge Nachwuchsjournalist Nicolas Riedl (einer der nach meinem Dafürhalten derzeit erfrischendsten und klarsichtigsten Köpfe in der gesamten Rubikon-Redaktion). Während die Profi-Journalisten Rezo umgehend auf das Titelcover des Spiegel gehoben haben und ihn allen Ernstes mit Rudi Dutschke und seine jungen Kolleginnen wie die von ihm gecoachte Porno-Youtuberin Katja Krasavice mit der Außerparlamentarischen Opposition/APO vergleichen (worüber sich Rezo selbst hoffentlich krummgelacht hat) und auch die alternativen Journalisten verzückt die Augen verdreht und Rezo ob seiner Pfiffigkeit über den Klee gelobt haben, so kommt der junge Nicolas Riedl nach Sichtung des Sachverhalts zu einem ganz nüchternen Urteil, was Rezo ist: ein „Youtube-Kasperl“. Das braucht nun überhaupt nicht abwertend gemeint sein und es ist ja auch nichts Schlimmes, ein Kasperl zu sein, wenn der eben am richtigen Platz stünde. Wir brauchen definitiv auch Kasperles, die uns in unserer bewölkten Zeit unterhalten und etwas zum Lachen bringen. Und Rezo ist zweifellos ein sehr begabter und cleverer Kasperl. Aber ihn zum neuen Rudi Dutschke zu erheben, nun ja, da darf man sich nicht wundern, wenn manche dann doch die Augen verdrehen und abwinken.

Und wenn ein Youtube-Kasperl, der bisher mit dem Drehen von Challenge- und Prankvideos beschäftigt war und inmitten seiner Dauerschaumparty kurz einmal den Kopf gehoben hat, um uns zu sagen, was nun zu tun ist (sich bedingungslos „auf die Seite der Experten zu stellen“, frei nach dem FFF-Slogan „Unite Behind The Science“), und wenn eine silikongeschönte und zentimeterdick geschminkte Porno-Youtuberin, die soeben noch vor laufender SAT1-Kamera masturbierend  in der Badewanne gesessen hat (siehe Promi Big Brother) und deren Songs Rezo begeistert remixt (Textauszug/Refrain: „Ich will immer mehr, von dem Gucci-Flair…“ – siehe unten/Youtube ), uns stellvertretend für weitere 90+-Superyoutuber erklärt, dass in einem aufgeklärten Land kein Platz für Politiker sei, die den wissenschaftlichen Konsens leugnen (siehe Minute 01:10 im ebenfalls millionenfach gesehenen Folgevideo der 90+-Superyoutuber) und uns ebenfalls auffordert, uns einmütig in eine Reihe mit den Experten zu stellen (Rezo: „Es gibt nur eine legitime Meinung“), nun ja, ist es dann wirklich so abwegig, dass sich da nicht ein jeder der lustigen Polonaise-Schlange der neuen Influencer anschließen und fröhlich fähnchenschwingend mit dem streng wissenschaftlichen Expertenzug mitmarschieren will, sondern dass bei nicht wenigen Skepsis aufkommt?

Dass bei dieser Anbiederung an die Experten desjenigen herrschenden Systems, die uns geradewegs an den Rande des Ökozids gebracht haben, manchen Bürgern Übles schwant, und die zweifellos gut gemeinten Äußerungen von Greta, Rezo, Katja & Co. auch in der Tat sogleich von unlauteren Interessen missbraucht werden, z.B. für die Forderung des World Economic Forum, der Lobbyorganisation der 1000 größten globalen Konzerne, nach einer technokratischen „Global Governance“: Konzernwirtschaftliche Experten bzw. die „Wissenschaft“ sollen jetzt unter Umgehung demokratischer und rechtsstaatlicher Mechanismen alles regeln und die Politiker sollen die Regelungen nur noch dem Volk verkaufen (siehe Norbert Häring: „Der Griff der Großkonzerne nach der Weltherrschaft“).

Braucht es uns wirklich zu wundern, dass angesichts solcher Bestrebungen mancher kleine, bereits leidvoll geschröpfte Mäusefriedhofsbürger lieber auf seine von Prof. Mausfeld so verschmähte „Intuition“ hört, und sich solchen Bestrebungen intuitiv verwehrt, von denen er, ohne dass er sie vollendet versteht, zumindest ahnt, dass sie für ihn und seine Kinder nichts Gutes, sondern womöglich nur weitere Ausbeutung und Maßregelung bedeuten werden? Dass solch kleiner Mann trotz mangelnden Studiums der Kognitionswissenschaften oder einer sonstigen Wissenschaft sich zumindest noch erinnern kann, dass es gegen wirklich systemgefährliche Persönlichkeiten wie Rudi Dutschke, in dessen Liga der neue Influencer Rezo von den Leitmedienjournalisten hochgehoben wird, seitens der Springerpresse damals noch Lynchaufrufe gab (die dann aus dem gutbürgerlichen Lager auch exekutiert wurden), während Rezo heute vollen medialen Rückenwind genießt und mit seinem flammenden Appell („Wählt nicht die CDU, nicht die SPD und auf gar keinen Fall die AfD!“) kurz vor der EU-Wahl fast auf allen Bildschirmen präsent war? Und der damit maßgeblich zum Wahlsieg derjenigen strammen NATO-Partei beigetragen hat (den „Grünen“ – laut Willy Wimmer „der geborenen Kriegspartei“), die von mächtigen transatlantischen Thinktanks als „einzige noch wirklich pro-europäische Partei“ promotet wird und deren Vorsitzender bereits als der nächste Kanzler gehandelt wird? Während die Doomsday Clock auf zwei Minuten vor Mitternacht, also der nuklearen Katastrophe vorgestellt wurde?

Ist es wirklich so abwegig, dass sich da auf breiter Front Ablehnung regt, auch wenn die Adressaten dieser Ablehnung (Greta und Rezo) eigentlich die falsche Adresse sind und sich die populistische Empörung eher auf diejenigen Machtstrukturen und Lobbygruppen richten sollte, welche die Rezo- und Greta-Bewegung für ihre Absichten auszunutzen versuchen? Das Problem: Diese Machtstrukturen sind für den kleinen Bürger weitgehend unsichtbar. Die meisten haben vermutlich noch nicht einmal davon gehört, dass es ein World Economic Forum gibt und welche politischen Ziele dieser globale Konzernverbund verfolgt. Um dies zu erkennen, bräuchten sie die Hilfe von Kognitionswissenschaftlern und Globalisierungsexperten, die das zu analysieren und zu deuten vermögen (so wie das Norbert Häring im oben genannten Artikel in vorbildlicher Weise gemacht hat). Wenn diese Kognitionswissenschaftler und Globalisierungsexperten nun aber stattdessen zum „Kampf gegen Rechts“ blasen oder diesen Bürger-Kampf durch ihre zweifellos wohlmeinenden Wortmeldungen zumindest befeuern, obwohl sie vor einiger Zeit bereits selbst erkannt haben, dass der Kampf gegen Rechts nur „ein Fake-Kampf“ ist (Mausfeld), um vor den wirklichen Problemen abzulenken, dann wird leider wertvolles Pulver verschossen, ohne dass uns das weiterbringt. – Während die Meinungsmacher und Spindoctoren des Neoliberalismus süffisant lächelnd zum Endsieg ansetzen.

 


Nachsatz:

Eigentlich wollte ich mich gar nicht in die Grubenkämpfe der aktuellen Klimadebatte hineinbegeben, sondern nur auf einen jüngsten Artikel hinweisen, der nach meiner Einschätzung einen vergleichsweise wohltuenden Perspektivenwechsel vorschlägt. Der Autor Charles Eisenstein ist Mathematiker und Philosoph (eine Studienkombination, die heute leider viel zu selten gewählt wird, aber die eigentlich obligatorisch sein sollte, wenn wir wirklich überleben wollen). In seinem Artikel weist der Mathematiker-Philosoph auf den eigentlichen Feind hin, mit dem wir es heute zu tun haben: den „instrumentellen Utilitarismus“, also die reine Nützlichkeitsbezogenheit, auf der unser derzeitiges, alles zu verschlingen drohendes System beruht – und nicht nur unser System, sondern, wie der Autor Charles Eisenstein feststellt, leider auch die derzeitige Klimadebatte.

Gemäß dieser Mentalität des instrumentellen Utilitarismus ist die Natur nur deshalb wertvoll, weil sie für uns von Nutzen ist. Solange wir nicht den Blick für den eigenständigen Wert jedes Wesens, jedes Flusses und jedes Baumes wiedergewinnen, unterlägen wir dieser (toten) Mentalität. Die Welt sei dann „letztlich nichts weiter als ein Haufen von nützlichem Kram“. Alle Maßnahmen zum Schutz des Klimas wären demnach unwirksam oder würden sogar nach hinten losgehen, solange wir aus diesem Narrativ heraus agieren.

Eisenstein:

„Dass dieser Schrecken des Klimawandels so gut zu unserer gewohnten Denkweise passt, sollte uns zum Innehalten veranlassen. Es bedeutet nicht, dass der Klimawandel nicht alarmierend ist oder dass der Mensch ihn nicht verursacht hat, aber es deutet darauf hin, dass unsere Herangehensweise an das Problem den psychischen und ideologischen Unterbau des Systems zu stärken vermag, das den Planeten verschlingt.  Dies ist besonders wichtig, da sich die Aktivisten nahezu uneingeschränkt darüber einig sind, dass die Bemühungen zur Begrenzung der Kohlenstoffemissionen kläglich gescheitert sind. Dieser Misserfolg ist jedoch nicht darauf zurückzuführen, dass die Bewegung zu radikal ist und „enger mit der Wirtschaft zusammenarbeiten“ oder das Oxymoron des „nachhaltigen Wachstums“ annehmen muss. Es ist eher so, dass sie nicht radikal genug ist — noch nicht bereit, die zentralen, unsichtbaren Narrative infrage zu stellen, die unsere Zivilisation lenken. Im Gegenteil, die Bewegung selbst verkörpert sie.

(…)

Folgt man diesem Muster, dann sind Treibhausgase der Feind, und die Lösung, der Weg, um den „Klimawandel zu bekämpfen“ oder gegen die „globale Erwärmung zu kämpfen“ (beides gebräuchliche Formulierungen), besteht darin, Emissionen zu reduzieren (oder die CO2-Sequestrierung zu erhöhen). Um die Geldmetapher zu verwenden, werden CO2-Emissionen zum Wertmaßstab, zu einer Zahl, die es zu minimieren gilt und zu einer Kennzahl, auf der man die Richtlinien stützen kann. Dieser Ansatz passt auch gut in unsere Kultur: Es ist der Inbegriff von Rationalität, Entscheidungen anhand von Zahlen zu treffen. Um eine wissenschaftliche Entscheidung zu treffen, werden Daten gesammelt, Projektionen erstellt und die wahrscheinlichen Ergebnisse gemäß der Messwerte ausgewertet.

Das zu tun, verursacht drei Probleme:

    • das Unmessbare und das Qualitative werden zwangsläufig abgewertet;
    • das angewandte Messsystem beinhaltet und erhält bestehende Vorurteile und Machtverhältnisse, die ihrerseits einen Ökozid zur Folge haben;
    • hierdurch wird die Illusion von Vorhersehbarkeit und Kontrolle gefördert, die die Wahrscheinlichkeit widernatürlicher, unbeabsichtigter Konsequenzen verschleiert.

Um das Problem zu erkennen, betrachten wir das Projekt der Tehri-Talsperre am indischen Fluss Bhilangna, das ursprüngliche Ökosysteme und alte Bauernhöfe überschwemmte und hunderttausende Dorfbewohner vertrieb. Es wurde für seinen Beitrag zur Reduzierung von Treibhausgasen angepriesen und war eine von vielen Talsperren, die Emissionshandelszertifikate generierten.

Zumindest oberflächlich hat es seinen messbaren Zweck erreicht. Aber was ist mit den vertriebenen Dorfbewohnern? Nach den Angaben, die gemessen werden können, hat sich ihr Leben verbessert: Jeder von ihnen erhielt eine Unterkunft, die in Bezug auf Quadratmeterzahl, Sanitärinstallation und Elektrifizierung der angestammten Behausung überlegen war.

In Bezug auf die verlorenen Traditionen jedoch, die abgebrochenen sozialen Beziehungen, die verlorenen Erinnerungen, das verlorene Wissen und die Einzigartigkeit jedes überschwemmten Ortes — kurz gesagt, in Bezug auf das, was nicht gemessen werden konnte (Problem 1), als auch
das, was als nicht messenswert angesehen wurde (Problem 2) — haben Mensch und Natur einen schwerwiegenden Verlust erlitten.

Was Problem 3 betrifft, ist es auf lange Sicht zweifelhaft, ob die Talsperre den CO2-Gehalt überhaupt gesenkt hat: Man sollte bedenken, dass traditionelle landwirtschaftliche Praktiken den Kohlenstoff im Boden binden können und dass die neu urbanisierten Dorfbewohner wahrscheinlich bald einen Lebensstil angenommen haben werden, der mehr Kohlenstoff verbraucht.

(…)

Ich möchte vielmehr anmerken, dass diese Misserfolge etwas gemeinsam haben – sie betonen das Globale gegenüber dem Regionalen, das Entfernte gegenüber dem Augenblicklichen, das Messbare gegenüber dem Qualitativen – und dass genau diese Überbetonung Teil derselben Mentalität ist, die der Krise von Anfang an zugrunde liegt.

(…)

Es ist das Vertrauen in mathematische Modelle, das es uns ermöglicht, Entscheidungen anhand von Zahlen zu treffen. Es ist die Überzeugung, dass wir eine „Ursache“ identifizieren können –  eine Ursache, die eines, aber eben nicht alles beinhaltet – und dass wir die Realität dadurch verstehen können, indem wir sie zerlegen und in Variablen isolieren.

Meistens bedeutet das allerdings, dass Entscheidungen „anhand von Zahlen“ aus finanziellen Gesichtspunkten getroffen werden. Ist es wirklich eine tiefgreifende Veränderung, dieselben Methoden und Denkweisen zu verwenden und diese dann auf eine andere Zahl anzuwenden?

(…)

Die Erde ist ein komplexes, lebendes System, dessen Aufrechterhaltung der Homöostase von der widerstandsfähigen Wechselwirkung jedes lebenden und nicht lebenden Teilsystems abhängt. Ich vermute, dass die größte Bedrohung nicht von den Treibhausgase als solchen, sondern vom Verlust von Wäldern, Feuchtgebieten und marinen Ökosystemen ausgeht.

Leben erhält Leben. Wenn diese homöostatischen Beziehungen zusammenbrechen, sind die Folgen unvorhersehbar: möglicherweise eine globale Erwärmung oder auch eine globale Abkühlung. Oder die zunehmend instabilen Rotationen eines Systems, das außer Kontrolle gerät.

(…)

Ja, wir sollten den direkten CO2-Ausstoß reduzieren — der Verlust des homöostatischen Gleichgewichts wird durch die Erhöhung des Energiedurchsatzes in einem dissipativen System noch verstärkt —, aber das Hauptaugenmerk muss auf der Gesundheit der menschlichen und natürlichen Systeme auf allen Ebenen liegen, bis hin zur lokalen und persönlichen Ebene.

(…)

Was würde passieren, wenn wir das Lokale, das Unmittelbare, das Qualitative, das Lebendige und das Schöne neu bewerten würden?

(…)

Indem wir uns auf CO2 konzentrieren, fördern wir potenziell katastrophale Geoengineering-Programme, wie das Einbringen von Eisenoxid in die Ozeane oder Schwefelsäure in die Atmosphäre. Wir gehen davon aus, dass ein technologisches Herumdoktern an den CO2-Werten das Problem lösen wird, ohne dass sich unser Verhältnis zum Planeten grundlegend ändert, und befördern die Idee, dass wir uns endlos aus den Konsequenzen unseres Handelns herausmanipulieren können. Das geht in die gleiche Richtung wie die Anwendung von Gewalt, um „Terroristen“ zu stoppen und sich dann gegen die daraus resultierende Feindseligkeit mit noch mehr Gewalt zu schützen. Auch hier besteht eine Parallele zur Mentalität des Krieges.

(…)

Das verbreitete Argument, der Klimawandel sei schlimm, weil er unsere Zukunft bedroht, stärkt die Mentalität des instrumentellen Utilitarismus: Die Natur ist wertvoll, weil sie für uns von Nutzen ist. Haben nicht der Planet und alle seine Wesen einen eigenständigen Wert? Oder ist die Welt letztlich nichts weiter als ein Haufen von nützlichem Kram?

(…)

Vielleicht sollten wir all diese Angelegenheiten auf Eis legen — was werden sie schließlich ausmachen, wenn der Planet unbewohnbar wird? — solange, bis wir das Problem des Klimawandels gelöst haben. Auch hier sehen wir wieder die Mentalität von Geld und Krieg. Lebe nicht jetzt dein Leben, sondern warte, bis du finanzielle Sicherheit erreicht hast. Opfere alles für die Kriegsanstrengungen. Diese Denkweise ist falsch. Die oben aufgeführten Probleme haben alles mit dem Klima zu tun, denn die Ursache für die Klimainstabilität beinhaltet alles: das ganze Ausmaß unserer Trennung von Erde, Natur, Herz, Wahrheit, Liebe, Gemeinschaft und Mitgefühl.

(…)

Wenn sich tatsächlich das Selbst und die Welt, die Menschheit und die Natur wechselseitig spiegeln und Teil voneinander sind, dann sollte es nahe liegen, dass eine Instabilität des Klimas mit einer Instabilität des sozialen und politischen Klimas einhergeht und dass Ungleichgewichte im Bereich der Natur Ungleichgewichte im menschlichen Bereich widerspiegeln.

(…)

Treibhausgase sind nur ein Medium — wahrscheinlich eines von vielen, deren wir uns nicht einmal bewusst sind —, nach dem dieses Prinzip funktioniert.

Wenn wir dieses Prinzip ignorieren, wird sich das symptomatische Fieber des Klimawandels nur weiter verschlechtern, unabhängig davon, welche makroskopischen Maßnahmen wir ergreifen, um die unmittelbaren Ursachen anzugehen.

Diese Maßnahmen werden unwirksam sein oder sogar nach hinten losgehen, wie sie es jetzt schon tun, wenn wir nicht aus einem Narrativ heraus agieren, das jede Art, jeden Menschen, jeden Wald, jeden Fluss für sich wertschätzt und nicht nach ihrem instrumentellen Nutzen bewertet.

Lasst uns den Krieg gegen den Klimawandel aufgeben und die Dinge neu bewerten, die von der Mentalität des Krieges ausgeschlossen werden. Paradoxerweise kann dann, und nur dann, das Fieber abklingen und der CO2-Gehalt sinken.“

ganzer Text: Charles Eisenstein – „Der größere Zusammenhang“
(Artikel aus 2014, übersetzt und veröffentlicht von Rubikon am 15. Oktober 2019)

Fotos: pixabay CC0 (1/2)
Titel (Wortmarke „Klimabürgerkrieg“): © Eifelphilosoph

Aufgelesen und kommentiert 2017-06-11

Mit freundlicher Genehmigung von Andreas und Rume.de

Aufgelesen und kommentiert 2017-06-11

/ Die neuen Betriebsrenten sind ein großer Betrug
/ Cum/Ex-Mafia tanzte Bundesfinanzministerium auf der Nase herum
/ Billig davongekommen
/ Was unterscheidet den DGB von der AfD?
/ Bundesamt sieht starke Vermüllung der deutschen Küsten
/ Bundesprogramm fördert Projekt „#DoppelEinhorn“
/ „Uns geht es gut!“
/ UN-Sonderberichterstatter: Netzwerkdurchsetzungsgesetz verstößt gegen Menschenrechte
/ Pkw-Maut? Es geht auch einfacher
/ BaWü-Innenminister Strobl (CDU) fordert Nutzung von Mautdaten zur Verbrechensaufklärung
/ Bundesinnenminister Maiziere (CDU): Video-Gesichtserkennung zur Fahndung nutzen
/ ARD und ZDF wollen von ihrer Kriegshetze gegen Libyen nichts mehr wissen
/ ZDF-Fernsehratschefin Thieme: Mit dem Zweiten sieht sie schlechter
/ Gaby Weber: Meine Kritik an Rubikon (PDF)
/ Zur Rot-Rot-Grün Debatte

Hiermit verabschiede ich mich für (wahrscheinlich ) ein paar Urlaubstage…

 

Die neuen Betriebsrenten sind ein großer Betrug
„Die Lebensversicherer reiben sich die Hände. Die neuen Betriebsrenten sind so lukrativ wie die Ölquelle, auf der sich Carsten Maschmeyer vor 15 Jahren mit Einführung der Riester-Rente wähnte. So überrascht es nur wenig, dass nahezu zeitgleich mit der Verabschiedung des Betriebsrentenstärkungsgesetzes fünf Lebensversicherer bereits den Startschuss für „Das Rentenwerk“ gegeben haben. Barmenia, Debeka, Gothaer, HUK-Coburg und Stuttgarter wollen „maßgeschneiderte Angebote“ für die neuen Betriebsrenten machen.

Der Hintergrund: Für die neuen Betriebsrenten soll ein Garantieverbot gelten. Während bislang die Arbeitgeber für ihre Betriebsrentenzusagen gerade stehen mussten, soll es diese Garantie in Zukunft nicht mehr geben. Kein Arbeitnehmer weiß, was bei einer solchen Rente rauskommt. Es könnte auch weniger werden, als eingezahlt wurde.

Gewinner sind die Lebensversicherer. Ihre normalen Verträge werden sie aktuell kaum noch los. Da kommt der Rückenwind durch die Politik gerade recht.“Weiterlesen…

Nicht zu vergessen: Wer von seinem Lohn vorab Geld für die neue Finanzcasino-Betriebsrente abzweigt, zahlt auch weniger Rentenbeiträge – und bekommt demzufolge auch weniger gesetzliche Rente. Und was nach dem Finanzcasino noch von der Betriebsrente übrig bleibt, unterliegt voll der Steuer- und Abgabepflicht.

Dazu passt:

Cum/Ex-Mafia tanzte Bundesfinanzministerium auf der Nase herum
„Kriminelle Banker und Investoren haben den Staat jahrelang ausgenommen wie eine Weihnachtsgans. Dafür tragen letztlich die zuständigen Bundesfinanzminister die politische Verantwortung. Dass CDU/CSU und SPD in ihrem Abschlussbericht zum Untersuchungsausschuss behaupten, die Finanzverwaltung hätte im Großen und Ganzen korrekt gehandelt, lässt einem die Haare zu Berge stehen.“

Hat jemand zustimmend genickt?

 

Billig davongekommen
„Vor zehn Jahren endete die Entschädigung für Zwangsarbeiter. Weit über acht Millionen Menschen mussten während des Zweiten Weltkrieges Zwangsarbeit für die Nazis leisten. Gegen Ende des Krieges bestand ein Viertel aller Arbeitskräfte in der deutschen Wirtschaft aus verschleppten Sklavenarbeitern. Ihre Entschädigung, die vor nunmehr zehn Jahren beendet worden ist, war ein Eingeständnis der politischen Verantwortung der Bundesrepublik. Sie war aber auch ein taktisches Mittel, um der deutschen Wirtschaft zu ermöglichen, möglichst billig davonzukommen.

Die Initiative zur Entschädigung ging weder von jenen Wirtschaftsunternehmen aus, die von der Zwangsarbeit profitiert hatten, noch von der Bundesregierung. Diese ordnete das Thema den »Reparationsschulden« zu, die schon längst erledigt seien. Es blieb den Opfern überlassen, um ihr Recht zu kämpfen. 1996 erklärte das Bundesverfassungsgericht die Klage einer Polin, die 55 Wochen lang in Auschwitz für eine deutsche Firma schuften musste, für prinzipiell zulässig. Die Frau bekam eine Summe von 15.000 D-Mark zugesprochen. Der Klageweg in Deutschland war aber für die meisten hochbetagten Opfer kaum zumutbar und zudem wegen juristischer Fallstricke wie der Verjährungsfrist höchst unsicher.“

Almosen für die Opfer, billige Zwangsarbeiter für deutsche Konzernbonzen – ist der Kapitalismus nicht toll?

 

Was unterscheidet den DGB von der AfD?
„Das ist keine Scherzfrage, und es sollen auch nicht Äpfel mit Birnen verglichen werden. Ein Unterschied besteht unter anderem darin, dass der Deutsche Gewerkschaftsbund sechs Millionen Mitglieder hat und die Alternative für Deutschland 26.000. Trotzdem macht die AfD fast jeden Tag von sich reden, während der DGB beziehungsweise die Gewerkschaften in den Medien keine Rolle spielen.“ Weiterlesen…

 

Bundesamt sieht starke Vermüllung der deutschen Küsten
An den deutschen Stränden wurden im Durchschnitt 389 Müllteile auf 100 Metern gefunden. Der ganz überwiegende Teil sei Plastik, aber auch Glas, Gummi oder verarbeitetes Holz. Meeresschutzexpertin Stefanie Werner: „Meeresmüll ist eine Folge unserer heutigen Wegwerfgesellschaft und den vorherrschenden Produktions- und Konsummustern geschuldet.“

 

Bundesprogramm fördert Projekt „#DoppelEinhorn“
„Das Projekt „#DoppelEinhorn“ richtet sich vor allem gegen Hassreden im Internet“, meldet der Saarländische Rundfunk. Und wer sich fragt, wie das denn konkret aussieht, für den nur folgendes Zitat: „Dies geschieht etwa mit Sprüchen wie „Es heißt Grundrecht auf Meinungsfreiheit und nicht Grundrecht auf Scheißelabern!“

Äh, wie bitte??

Grundrecht auf Meinungsfreiheit bedeutet explizit, dass man auch eine absolute Scheissmeinung haben darf. Beispiele: Sogar die allerdümmsten Vollidioten dürfen „Kriege gegen Terror“ fordern, wohlwissend, dass sie damit nur NOCH MEHR Terrorismus produzieren. Man darf auch „Ausländer raus“ Gesetze fordern, wohlwissend, dass sich damit das Flüchtlingsproblem keinesfalls erledigt. Und man darf auch menschenverachtende Sanktionen gegen Arbeitslose fordern, wohlwissend, dass es nicht genug bezahlte Arbeit für alle gibt.

Kurzum: Selbst die dümmste Scheisse darf geäussert werden, so lange sie nicht beleidigt oder verhetzt.

Was die Umsetzung dieser Scheisse in Gesetze anbelangt, ist dann nochmal eine andere Debatte. Aber diese (falsche) Scheissmeinung darf man zu jeder Zeit haben – und auch äussern.

Dazu passt:

„Uns geht es gut!“
„Den Menschen in Deutschland ging es noch nie so gut. (…) Gleichzeitig warnte sie vor Meinungsverfälschung im Internet.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel im Tagesspiegel, 23. November 2016

 

UN-Sonderberichterstatter: Netzwerkdurchsetzungsgesetz verstößt gegen Menschenrechte
Das „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ (übrigens echter Neusprech) ist das sogenannte Anti-Fakenews-Gesetz von SPD-Minister Maas. Und der UN-Vertreter sagt dazu, was ich auch schon zigmal geschrieben hatte (Zitat): „Das Gesetz gefährde die Menschenrechte auf Meinungsfreiheit und Privatsphäre. Im Zweifel würden Internetfirmen auch legale Inhalte löschen.“

Dass die Bundesregierung genau das, nämlich das schnelle voreilige Löschen von „zu unbequemer“ Kritik, exakt so haben will, erkennt man schon daran, dass der CDU-Fraktionschef Kauder angesichts der immer grösseren Kritik dieses Gesetz nun endlich schnell durchsetzen will. Und auch die EU-Kommission ist begeistert über die neuen Zensurmöglichkeiten. Zitat: „Die Kommission hat nicht die Absicht, den deutschen Gesetzentwurf zu blockieren“, versicherte der Kommissionssprecher.

 

Pkw-Maut? Es geht auch einfacher
Heise-Online kommentiert: „Würde die Maut hingegen auf den Spritpreis umgelegt, hätte dies die gleiche Lenkungswirkung wie eine kilometerabhängige Maut:

– wäre das einfach und anonym,
– würden sparsame Fahrzeuge bevorzugt,
– gäbe es keinen Anreiz, zur Mautvermeidung auf kleine Straßen auszuweichen.

Und eine europaweite Abgabe pro Liter Sprit liefert auch keinen Anreiz mehr zum Tanktourismus – ein sonst gerne angeführtes Gegenargument.“

Das ist natürlich richtig, aber mit der Mineralölsteuer kann man eben niemanden überwachen

Dazu passt:

BaWü-Innenminister Strobl (CDU) fordert Nutzung von Mautdaten zur VerbrechensaufklärungUnd dazu passt auch:

Bundesinnenminister Maiziere (CDU): Video-Gesichtserkennung zur Fahndung nutzenDrum merke: Wenn erstmal ein Überwachungsgesetz durchgedrückt wurde, werden die gesammelten Daten anschliessend IMMER flächendeckend missbraucht.

 

ARD und ZDF wollen von ihrer Kriegshetze gegen Libyen nichts mehr wissen
ABSOLUTER LESEBEFEHL inklusive anschauen des Videos über die Libyen-Kriegshetze des ZDF. Ist das alles mit Lügenpresse überhaupt noch ausreichend betitelt – oder doch eher eine Verharmlosung?

 

ZDF-Fernsehratschefin Thieme: Mit dem Zweiten sieht sie schlechter
Oder auch: Wie CDU und SPD dem ZDF befehlen, was sie gefälligst zu senden haben.

 

Gaby Weber: Meine Kritik an Rubikon (PDF)
Geht es so schnell schon wieder steil bergab?

 

Und zu guter Letzt:

Zur Rot-Rot-Grün Debatte
Und man sieht sehr schön, von welcher Seite aus die Brücke zerstört wird

 

Kulturtod 4.0 und die Geburt eines neuen Sterns im Zeitalter der Schwarzen Sonne

Bild: Schwarze Sonne / Nigredo (PD)  

War den Griechen die Kunst noch das Götterkind, das den an der „Lebenslüge“ erkrankten Menschen inspiriert, erhebt und gesundet (was besagte Lebenslüge ist, darüber darf jeder mal kurz selbst sinnieren …), so haben sich die Künstler der Postmoderne zwar schon längst von diesem Ideal der Kunst verabschiedet, aber als eines kann Kunst heute immer noch dienen: als äußerst präziser Spiegel des herrschenden Zeitgeistes und als feinfühliger Seismograf für die Zukunft. Schon Viktor Frankl hat daher den Rat gegeben, dass man die uns erwartende Zukunft am besten an der aktuellen Kunstszene ablesen könne. Dies beherzigend, habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, mein Augenmerk nicht nur der Politbühne zu schenken und dort das marktkonforme Treiben der Trumps, Merkels und Gadaffis zu analysieren [Anm. d. Red.: die vorgenannte Auswahl an toten, komatösen und hyperventilierenden Politikern ist spontan und ohne tiefere Assoziation erfolgt], sondern ab und zu auch im Kulturteil unserer Leitmedien zu blättern.

Immerhin haben vor wenigen Tagen die Wiener Festwochen 2017 begonnen, das Stelldichein der internationalen Kunst-Avantgarde. Seit unserem letzten Abstecher in diese Gefilde (siehe „Über multiresistente Keime, Kulturtod und emotionale Vulkanausbrüche in neoliberaler Gletscherlandschaft“) hat sich auf der Kulturbühne nicht allzuviel geändert. Es sind bei den diesjährigen 66. Festspielen eben nicht deutsche und österreichische Akteure, die „kotzen, urinieren, Pornoszenen nachstellen, wild um sich schlagen, kreischen und schluchzen, rohes Fleisch und Eingeweide werfen“, um „das Publikum gemeinsam mit den Darstellern immer weiter bergab zu führen  in die Untiefen des Unbewussten, wo Tagesreste, Ängste und Begierden einen wabernden Morast bilden“ (Quelle: orf.at), sondern zur Abwechslung eben chinesische oder brasilianische Künstlertruppen wie z.B. die Macaquinhos (übersetzt: „Äffchen“), die gemeinsam eine lustige Nackt-Polonaiseschlange bilden und dabei ihre Köpfe in den Allerwertesten des jeweiligen Vordermanns stecken. O-Text aus dem Programm der Festwochen: „Kurzum: Es geht um den Anus. Die demokratischste und tabuisierteste Körperöffnung von allen. Die Performance ist eine Hommage an Schönheit und Freiheit …“ (Quelle+Polonaisefotos: festwochen.at). Im Fußtext des Festwochenprogramms erfährt man indes auch Dramatisches: Durch die aktuelle politische Situation in Brasilien ist die zukünftige Arbeit der Anus-Äffchen gefährdet!

[kleiner Zwischenruf an die soeben in NRW abgestürzten GRÜNEN: Na, da muss man doch schleunigst was unternehmen. Wo seid ihr, wenn man euch braucht? Eure Young Leaders sind doch sonst auch immer an vorderster Front, wenn es um den Kampf für Demokratie und Fortschritt und gegen Tabus geht. Womöglich sterben die Anus-Äffchen demnächst aus, wenn wir uns jetzt nicht für sie einsetzen! Außerdem: Vielleicht entdeckt ihr bei dieser Spezies sogar ein neues Transgender-Geschlecht, das ihr euch dann auf eure Fahnen schreiben könnt.]

Nun, dass wir heute in jeder Hinsicht auf den Arsch gekommen sind, wäre ja noch nichts wirklich Neues. Selbst Menschen, die sich durch harte Drogen oder Dauerfernsehen betäuben, dämmert dies mittlerweile, dazu hätte man nicht Kerosin in die Luft blasen und Macaquinhos aus Brasilien importieren müssen.  Auch Jonathan Meese, das enfant terrible der zeitgenössischen Kunzt, hätte man nicht herankarren müssen, damit er uns mit Richard Wagners Parsifal-Verhunzung jede Vorstellung von Politik und Religion „dekonstruiert“. Diese seien „Kitsch von gestern“. Hingegen gehe es laut dem Regisseur darum, uns auf eine Zukunft vorzubereiten, die seiner Ansicht nach „nicht religiös, nicht politisch und auch nicht demokratisch“ sein werde. – Stelle ich mir wirklich toll vor, so eine Zukunft ohne Politik, also ohne demokratische Willensbildung: Klingt wie ein Mekka, in dem sich die in der Aufzählung des Künztlers nicht vorhandene Wirtschaft endlich vollkommen frei entfalten kann. Auch eine von Meese geforderte Welt ohne Religion passt da dazu: Eine Welt, in der nichts mehr heilig, sondern alles nur geistlose Knetmasse und damit der restlosen Verwertungslogik unterworfen ist, wäre doch der beste Boden für ein letztes Wirtschaftswunder kurz vor Ladenschluss – der Ökonom in mir bekommt bei einer solchen Vorstellung sofort Dollarzeichen in den Augen und ist restlos begeistert. Fortschrittliche Künztler mit solchen Visionen sollte man unbedingt unter Sponsoringvertrag nehmen.

Wie dem auch sei. Eigentlich würde ich es ja gar nicht für wert halten, den Leser mit dem „wabernden Morast“ (orf.at) – pardon, mit der „Kunst der offenen Arme“ (Festivalintendant Tomas Zierhofer-Kin) – zu belästigen, der dieses Jahr wieder neu aufgebrüht vom Stapel gelassen wird, wenn … ja wenn sich inmitten dieses Morasts nicht auch Grund zur Hoffnung abzeichnen würde. Dazu jedoch später. Bevor wir zu besagter Hoffnung bzw. zum Licht kommen, wollen wir uns so wie die klassischen Alchemisten bei ihrer Bereitung des Steins der Weisen zuerst der „Schwarzphase“ (lat. Nigredo, auch: Schwarze Sonne) widmen, jenem Stadium der Fäulnis und des Ausbrennens, in dem auch der Tiefenpsychologe C.G. Jung eine Vorstufe der inneren Reifewerdung bzw. Individuation gesehen hat. Die Schwarzphase, bei der ein Gefäß in Pferdemist eingepackt und im Schlamm vergraben wurde, um dort zu verwesen, dauerte bei den alten Alchemisten 40 Tage. Mit 35 Tagen will der Intendant der Wiener Festwochen zeigen, dass es im digitalen Zeitalter auch eine Spur schneller geht und verspricht „fünf Wochen Ausnahmezustand“. Seiner Ansicht nach solle das Kulturprogramm „nicht geistig, sondern sinnlich“ sein, es gehe ihm „um exzessive, lustvolle Erfahrungen“ (Quelle: tvthek.orf).

In diesem Kontext und im Sinne von Frankls Zukunftskaleidoskop also kurz ein paar Streiflichter durch die Festspiellandschaft und ihre diesjährigen Stars (Kursivtext jeweils im Original übernommen):

“Promised Ends“ – Derrick Mitchell: In seinem „Theater der Grausamkeit“ lässt er assoziativ-mythologische Räume entstehen und erzeugt überbordende Schönheit, die in jedem Moment in Schmerz, Hysterie und extreme Emotionen kippen kann. Mitchell zeigt eine Gesellschaft in einer Grenzsituation, die Tabuschwellen durchbricht, … Angst, Bedrohung, Tod und Kannibalismus. Zum Sprachrohr dieser Gesellschaft wird ein körperlich wie geistig zerstörter König Lear … Auf der erbarmungslosen Reise sind wir mit Saint Genet und der Donner Party im Gebirge gefangen und treffen auf einen ››mad king on the heath saying kill, kill, kill, kill, kill, kill!‹‹ (Quelle: festwochen). Während der Performance zapfen sich Mitchells Schauspieler Blut ab und setzen sich unter Drogen. Im TV-Journal KulturMontag vom 08.05.2017 (Link bereits erloschen) sieht man mit echtem – ihrem eigenen – Blut verschmierte Körper zuerst alleine zittern, dann zu lethargischen Haufen übereinandergestapelt.

„Death Center for the Living“ – Daniel Lie: zeigt die Lust am Auflösen des Individuums und am Verschmelzen mit der dionysischen Emotion einer Masse, egal welcher: „Emotional Fields“ bezeichnet Situationen, in denen ganze Gruppen von Individuen zur selben Zeit und am selben Ort dieselbe Emotion empfinden, z. B. bei einer Trauerfeier, einem Candomblé-Ritual, aber auch bei einer Schlägerei oder einer Demonstration. Erkunden Sie die Zwischenwelt der Transformation, der Auflösung, des Loslassens. In Daniel Lies interaktiver Installation aus Mineralien, Pflanzen und verrottendem Obst entstehen atmosphärisch dichte Szenarien, in denen zeitliche Linearität zugunsten eines prozessualen Verständnisses aufgelöst wird. Ein queerer Raum, in dem alternative Gesetze walten. Eintritt frei (Quelle: festwochen).

„Mondparsifal Alpha 1-8“:  Als einer der Höhepunkte der Festspiele darf hier der bereits genannte Jonathan Meese den Parsifal-Mythos dem Reißwolf und der Kompostierung zuführen. Er selbst findet seine Wagner-Verhunzung als „das Geilste“. Er möchte Richard Wagner und den Weltenretter Parsifal „entheiligen, um ihn zukunftsfähig zu machen“, ihn von Politik und Religion befreien, da es Politik und Religion ja gar nicht gäbe und wir uns stattdessen auf eine Zukunft vorbereiten müssten, die wie schon erwähnt, nicht religiös, nicht politisch und auch nicht demokratisch sein werde. In diesem Sinne will er uns zeigen, wie unsinnig es ist, den heiligen Gral und die Entwicklung innerer Tugenden wie Gerechtigkeit, Weisheit, Milde etc. zu erstreben wie seinerzeit die Gralsritter, wo es doch heute Strom aus der Steckdose, WLAN, auf Mondstationen twerkende Barbarellas, billigen Fusel, Anus-Polonaisen und endloses Entertainment gibt.  Meese „freut sich tierisch“, dass er nun auf der Weltbühne der Wiener Festspiele dasjenige Skandalstück aufführen kann, das bei den Bayreuther Festspielen abgesetzt wurde. Für das spießige Bayreuth, das seine fortschrittlich-entheiligende Kunzt verschmäht hat, schlägt der Regisseur nur noch eine – letzte – Inszenierung vor: „Man holt den Bulldozer raus und macht alles platt.“ (Quelle: orf).

„Hyperreality“: Parallel zu den Kunstinszenierungen wird in einem eigenen Pavillon vier Nächte lang ein „großer Reigen mit theoretischem Überbau und Partycharakter sowie einem politischen Drall“ veranstaltet. Die hierbei zum frenetischen Tanz aufspielende, international gefragte Künstlerin Tomasa Del Reals beweist durch ihre Vita, dass es im Sinne Meeses Mondparsifal auch ganz ohne ritterliche Ideale geht und „neue Realitäten“ ausreichen: „Dem Onlinemagazin The Fader kommunizierte sie eine Selbstbeschreibung, die von neuen Realitäten zeugt: Sie sei lediglich ein Mädchen mit ein paar guten Freunden, einem Mac und Wi-Fi“ (Quelle: orf).

Beim Recherchieren über die Wiener Festwochen habe ich mich auch kurz in ein benachbartes, ebenfalls an der Donau liegendes Kulturfest verirrt, das vermutlich aus dem Sporenflug des Mutterfestivals vom Vorjahr auf der grünen Wiese der Provinz aufgesprossen ist: Das Kremser Donaufestival. Der öffentliche Rundfunk erklärt uns, worum es bei diesem Festival geht (Quelle: orf): „Das Motto: nur keine falsche Scham. Hinschauen und zuschlagen, ganz, wie es die Lust gebietet.“ Im Fließtext erfährt man auch, was besagte Lust gebietet: „Dutzende nackte Menschen, die in einer Kirche ekstatisch zu moderner Musik tanzen und einander betatschen. Die Dominikanerkirche ist keine Kirche mehr, und die Tage, in denen so etwas als Tabubruch galt, sind längst vorbei. Heute ist das Skandalon ein anderes: echte Menschen, manche alt, manche jung, manche dick, manche mager, manche sportlich, manche nicht, mit großen oder flachen Brüsten, kleinen oder großen Penissen.“ Als Kulturverfall will der staatliche Rundfunk die Performance keinesfalls verstanden wissen: „Von wegen „Verfall“: Hier steht ein Mensch, in all seiner Körperlichkeit, all seiner Normalität…“

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk geizt auch nicht mit Ratschlägen und lebenspraktischen Erkenntnissen, die auf dem Kulturfestival zu gewinnen sind: Unter der Überschrift „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ schildert er die Lust, in deren Genuss man bei hemmungslosen Gewaltausbrüchen kommen kann: „Solchermaßen von Komplexen befreit, muss man sich noch seiner Wut über das Body-Shaming, das in der Welt außerhalb des Donaufestivals weit verbreitet ist, entledigen. Da kommt Stephane Roys „The Laboratory of Anger Management“ gerade richtig. In einem Container wird eine Wohnlandschaft aufgebaut. Festivalbesucher dürfen sich jeweils 30 Sekunden lang mit einem Baseballschläger bewaffnet an die Zerstörung machen. Was in den unscheinbarsten Menschen steckt! … Wahren Berserkern gleich dreschen sie auf Glastische, Nachkästchenlampen und Stereoanlagen ein, bis außer ein paar Splittern nichts mehr übrig ist und das improvisierte Wohnzimmer neu aufgebaut werden muss. Interessant ist der Effekt, der sich dabei einstellt: Die Performance macht nicht Angst vor der Gewaltlust einzelner Individuen, sondern man freut sich mit ihnen über die Befreiung, die ganz offensichtlich mit dem brachialen Zerstören von heimeligen Konsumlandschaften einhergeht … Man verlässt das Festivalgelände mit einem inneren Schlachtruf, der die Schädelknochen noch ein letztes Mal zum Schwingen bringt: Freiheit für den Körper!“ (Quelle: orf)

Bevor er das Festivalgelände verlässt, macht der Redakteur noch einen Besuch bei einer Performance, in der ein „posthumanes Wesen“ auf einen schwarzen, mächtigen Thron erhoben wird, umgeben von Nebelschlieren und diffusem Kunstlicht. Wer also gedacht hat, dass in einer Zukunft, die „nicht religiös, nicht politisch und auch nicht demokratisch“ sein wird, auch der Herrscherstuhl leerbleibt, während wir durchspaßt mit Cyberbrillen durch die Gegend surfen, der hat wohl voreilig geschlussfolgert. Passend zur Inthronisation des posthumanen Herrscherwesens wartet das Kulturfestival auch mit entsprechenden „theoretisch-diskursiven Vertiefungen“ auf, in welchen die US Cyborg- und Cyberfeminismus-Vordenkerin Donna Haraway dem Publikum die Idee schmackhaft macht,  die „Grenzziehungen zwischen Mann/Frau, Mensch/Maschine und Physischem/Virtuellem aufzuheben und neu zu denken“.

Zurück aber aus der Provinz in die Hauptstadt zum Mutterfestival: Auftakt und Höhepunkt der Wiener Festwochen war die „zwischen Oper und Orgie“ verortete Inszenierung „Ishvara“ des chinesischen Künztlers Tianzhuo Chen, der sich einen riesigen Bananenmixer zurechtgelegt hat, in den er die Bhagavad Gita (=die heilige Schrift der Hinduisten) und buddhistische Rituale zusammen mit Pop, Hiphop, nackten Männer mit frei schwingenden Pimmeln, Tierkadavern und Dämonen hineinwirft und dann den Mixer einschaltet. Die daraus resultierende, aufgeschäumte Melange wird sodann unter kaltem Neonlicht, Stroboskopscheinwerfern und markdurchdringend sirrendem Sirenenlärm zweieinhalb Stunden lang auf die Bühne ergossen. Aus einer Rezension auf orf news: „Im Vollrausch der Opernorgie — Auf der Bühne herrscht Opulenz, die die erzählerische Ebene ohnehin bald in den Hintergrund rückt. Es wird mit Fleisch geworfen, gekreuzigt, gebadet und vor allem viel getanzt – einmal mehr, oft weniger angezogen. Neon- und Schwarzlicht beleuchten ein großes Kreuz, das auf der Spitze eines Berges im Hintergrund aufgestellt ist…“

Während sich also der Westler Jonathan Meese die Entheiligung des christlichen Parzifal-Mythos vorgenommen hat, so widmet sich der aus dem Osten kommende Chen der Entheiligung der Bhagavad Gita, das ist quasi das orientalische Gegenstück der Bibel und Hauptwerk des Hinduismus. Der Großteil des Publikums war angeblich begeistert. Auch ich beginne langsam zu verstehen: Wenn diese letzten Reminiszenzen menschlicher Kulturgeschichte endlich zerrissen, verschreddert und verheizt sind und dem menschlichen Geist ein Tritt verpasst wurde wie einem Fußball, den man weit über den Horizont hinausschießt, dann werden wir endlich bereit sein für die Zukunft, die der Fortschritt uns verspricht. Das posthumane Wesen auf dem schwarzen Thron wird uns in eine neue, transhumanistische Evolution führen – siehe dazu ein lesenswertes Essay in Peds Ansichten (danke an User Blub für den Link).

Zurück aber zu Chens Orgienoper. Im Publikum spielt sich nämlich etwas ab, was ich als bemerkenswert repräsentativ für das ansehe, was sich m.E. in Zukunft immer stärker herauskristallisieren wird:

„Das Publikum teilt sich in einen kleinen Teil, der sich an mancher Stelle die Ohren zuhält, und den Rest, der von der ohrenbetäubenden Soundkulisse fast in eine Art Trance versetzt wird.“ (Bericht aus news.ORF.at/festwochen)

Und genau hier sind wir am springenden/revolutionären Punkt bzw. am eingangs versprochenen Hoffnungsmoment angelangt: Es wird berichtet, dass nach einer Dreiviertelstunde zuerst einzelne Personen und dann immer mehr Menschen mitten in der Orgienoper aufgestanden sind und unter Buh-Rufen den Raum verlassen haben. – Wer jetzt müde die Augen aufschlägt und meint, das sei nichts Besonderes, der hat keine Ahnung von der zeitgenössischen Kunstzene und den Gesetzen der Avantgarde. Bis vor Kurzem wäre es noch ein absolutes No-Go und reine Häresie gewesen, sich dem zur Normalität erklärten Wahnsinn zu verweigern und andere Wege zu gehen. Als etwa der österreichische Alt-Bundespräsident Thomas Klestil seinerzeit mit dem Satz „Mir gefällt die Kunst Nitschs nicht“ öffentlich bekundete, dass er den Orgienmysterienspielen und Blut-Schüttbildern des Aktionskünstlers Hermann Nitsch ablehnend gegenübersteht, wurde er von der herrschenden Meinung und ihren Leitmedien regelrecht hingerichtet. Ebenso machte sich auch jeder Kleinbürger der Führerbeleidigung schuldig und wurde umgehend als Ketzer aus der Gemeinschaft der fernsehenden Spiegelbildbürger verworfen, wenn er fortschrittliche nackte Tatsachen mit einem Sahnehäubchen reinem Wahnsinn obendrauf serviert bekam und es verschmähte, davon zu essen. Wenn heute also erstmals, wenn auch nur vereinzelt,  Menschen aufstehen, sich gegenüber der Masse emanzipieren und mutig den Häretikerstandpunkt einnehmen, dann ist das absolut revolutionär und in seiner Symbolkraft für die Zukunft nicht zu unterschätzen. Wir sind hier Zeugen absoluter pionierhafter Willensentscheidungen: Menschen, die nicht in C.G. Jungs „Nigredo“(Schwarz-)Phase verharren wollen, sondern die am Nullpunkt der menschlichen Kulturgeschichte realisieren, dass sie im Begriff sind, bei weiterer Fortsetzung dieses Weges in den Bereich sub-zero zu kommen bzw. meier zu werden. Menschen, die sich aus der Phase „Nigredo“(Schwärzung) in Richtung „Albedo“ (Weißung) und „Rubedo“ (Rötung) bewegen, um bei C.G. Jungs Terminologie zu bleiben (was diese tiefenpsychologischen Begriffe bedeuten, würde hier den Rahmen sprengen, kurz gefasst sind damit Stufen innerer Reifewerdung angedeutet, wobei es das Verdienst C.G. Jungs war, herauszuarbeiten, dass es bei diesen der mittelalterlichen Alchemie entlehnten Begriffen keineswegs um die Gewinnung von materiellem, sondern um „philosophisches Gold“ geht; als weiterführende Literatur siehe z.B. Jung, C. G. (1984): Psychologie und Alchemie).

Zurück aber zu denjenigen Pionieren, die sich aus der Orgienoper des 21. Jahrhunderts bereits emanzipiert haben: Nun wird gewiss mancher enttäuscht sein, dass das die ganze Hoffnung sein soll, die ich eingangs versprochen habe. Was sind schon einige wenige Brechbreiverweigerer gegen die große Masse, die sich weiterhin mit dem Brei abfüttern und in ekstatische Begeisterung versetzen lässt? Nun gut, wem diese Willensbekundung einiger Weniger noch nicht Hoffnung genug ist, für den habe ich abschließend noch einen weiteren Trost auf Lager:

Viele werden es schon wissen, aber da es sich zu manchen womöglich noch nicht rumgesprochen hat und zum Thema passend, im Übrigen eine Namensverwandschaft mit dem vorgenannten „Rubedo“ C.G. Jungs hat, möchte ich hier nochmals darauf hinweisen: Vor wenigen Wochen wurde eine neue Plattform eingerichtet, um einen wirkungsvolle Gegenöffentlichkeit gegen den zur Normalität erklärten Wahn-Sinn und gegen die tendenziöse Meinungsmache der Massenmedien zu schaffen. Das Magazin nennt sich „RUBIKON — Magazin für die kritische Masse“ und hat, wie der Name schon sagt, das erklärte Ziel, in der Gesellschaft die notwendige kritische Masse zu schaffen, um den abgründigen Entwicklungen der Gegenwart doch noch eine Wendung zu geben. Jean Ziegler zur Rubikon-Gründung:

„Es gibt eine letzte große Chance, den Beutejägern des Kapitals das Handwerk zu legen, bevor sie mit der neoliberalen Dampfwalze jeder Individualität und humanistischen Solidarität ein Ende setzen.“

Eine erste Sichtung des neuen Magazins hinterlässt einen vielversprechenden Eindruck und macht Mut auf die Zukunft. Neben vielen hochkarätigen Kolumnisten finden sich im Beirat erfrischende Köpfe wie Jean Ziegler, Daniele Ganser und Rainer Mausfeld. Aus der Startseite des Rubikon:

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“ (Erich Kästner) … Trauen Sie sich, aufzustehen. Trauen Sie sich, klar und zuversichtlich zu sein! Lassen Sie uns sicht- und hörbar werden, denn diese Welt und diese Zeit brauchen uns alle, brauchen auch Sie. Überschreiten wir gemeinsam den Rubikon. Denn ob wir es wollen oder nicht: die Würfel sind längst gefallen. Es ist daher an der Zeit, das Spiel selbst in die Hand zu nehmen.“

Was Rubikon ein besonderes Qualitätsgütesiegel verleiht: Nur wenige Atemzüge nachdem die Rubikon-Plattform gegründet wurde, wurde ihr von den Inquisitoren der Skeptikerbewegung bereits ein Eintrag auf Psiram verpasst (über Hintergründe zu dieser Diffamierungsplattform siehe Jens Wernicke: „Die Aufklärer und ihre Fake-News“). Hätte Rubikon diesen Eintrag auf Psiram nicht, dann wäre diese Initiative vermutlich nicht wert, dass man sie erwähnt. Denn wer auf dem Gesinnungspranger Psiram keinen Eintrag besitzt, ist im heutigen gesellschaftlichen Diskurs nur von eher untergeordneter Bedeutung und hat zur Veränderung der herrschenden Verhältnisse nicht viel beizutragen. Nur wer dem, was in der globalen Orgienoper „herrschende Meinung“ und „anerkannte Lehre“ ist, etwas entgegenzusetzen hat, ist dort aufgelistet. Wenn Rubikon also dort sogar binnen Tagesfrist ins Visier der von Roland Düringer als Bluthunde bezeichneten GWUP-/Skeptikerbewegung gerät, dann spricht das absolut für die Integrität und Stoßkraft der Redakteure von Rubikon. Frei nach Noam Chomsky: „Wenn ich mit dem, was ich sage, in den heutigen geisteskorrumpierten Verhältnissen nicht auf vehemente Kritik stoßen würde, dann wüsste ich, dass ich etwas falsch gemacht habe.“

Einer meiner neuen Lieblingskolumnisten auf Rubikon ist übrigens „Herr M.“ – Herrn M. ist angesichts der Entwicklungen des Zeitgeschehens schon seit einiger Zeit nur noch schlecht. Seine Kolumne nennt er daher auch „Die Brechecke“. Trotz allem hat sich Herr M. einen besonderen Galgenhumor bewahrt, fühlt in Seelenruhe am Totenbett den Pulse of Europe, forscht eigenhändig nach, was das neue „SCHULZ“ ist und demaskiert unsere Leitmedien in genüsslicher Weise als „konzertierte Gehirnwaschfront“. Aber auch in den Artikeln der anderen Rubikon-Autoren kann man in Ruhe schmökern, ohne dass man am liebsten ein Glas an die Wand schmeißen möchte so wie beim Lesen unserer DIN-ISO-zertifizierten Leitmedien.

***
Nachsatz:

Tja, die Nigredo-Phase, durch die wir momentan durchgehen, ist vermutlich noch lange nicht überwunden und die Sonne, die derzeit am Horizont steht, würde C.G. Jung wohl trotz ihres gleißenden Lichtes eine schwarze nennen („sol niger“, siehe Titelbild). Ein Sonnenschutzmittel, das vor dieser Gegensonne bewahrt, ist bis dato leider noch nicht erfunden und so wird uns das täuschende, pervertierte Licht, das von der schwarzen Sonne ausgeht, wohl noch weiterhin auf unserem Weg begleiten und auf der Haut brennen. Es kann jedoch jeder von uns ein nicht zu unterschätzendes Stück dazu beitragen, dass die wirkliche, gesunde Sonne wieder am menschlichen Horizont erscheint. Sie wird sichtbar, sobald wir den Nebelgeneratoren den Stecker rausziehen. Diesen Stecker ziehen wir raus, indem jeder von uns an seinem Ort der Lüge und Manipulation die Gefolgschaft verweigert und sich auf individuelle Weise um Wahrheit  und Humanität bemüht (siehe auch „Der Mensch am Schlachtfeld zwischen Lüge und Wahrheit“). Damit das bei niemandem Druck erzeugt: Die Wandlung vom Nigredo zu Albedo und Rubedo muss kein äußerlich heldenhafter und spektakulärer Prozess sein, es ist in den meisten Fällen eine ganz leise, innere Wandlung – dabei wäre es jedoch meines Erachtens ein fataler Fehler, wenn man mit dieser inneren Wandlung bei sich stehen bleibt und sich nicht nach außen wendet (die Tendenz zu Selbstrückzug und zum Schaffen von Wellness-Oasen ist angesichts der derzeitigen Großwetterlage bzw. kollektiven Depression zwar durchaus verständlich, aber nicht ratsam). So wie dies die Begründer von Rubikon machen, kann es auch jeder von uns im Kleinen machen: Ins Gespräch gehen, lebendiges Interesse am Weltgeschehen zeigen, mutig Position beziehen für Menschen, die gerade diffamiert und medial durch den Dreck gezogen werden, Respekt zeigen vor der Würde Anderer bzw. Andersdenkender – für die man im Sinne Immanuel Kants auch zu kämpfen bereit ist, denn: “Die Unmenschlichkeit, die einem anderen angetan wird, zerstört die Menschlichkeit in mir.”

***
P.P.S:

Falls die vom Orgienopern-Regisseur Tianzhuo Chen in Brand gesetzte und zum Verschreddern freigegebene Bhagavad Gita demnächst aus dem Gedächtnis der Menschheitsgeschichte ausgetilgt werden sollte, dann bleibt aus dem 700-strophigen Gedicht vielleicht zumindest auf dem Nachrichtenspiegel-Server dieser kleine Vers hier erhalten. Er mag als philosophische Gewürzprise dienen, dank derer Ihr Verdauungstrakt die notwendigen Enzyme erhält, um die aus den oben verlinkten Kulturfestimpressionen aufgenommenen Toxine, freien Radikale und Handlungsimperative wieder ausscheiden zu können.  (Der Autor des Gedichts ist unbekannt, zu altindischen Zeiten hat es der Mensch noch als anmaßend empfunden, dem Namen seiner vergänglichen Persönlichkeit besondere Wichtigkeit zuzumessen):

Wenn ein Mensch materielle Dinge betrachtet, entsteht Bindung an diese.

aus Bindung entsteht Begehren,

aus Begehren entsteht Zorn,

aus Zorn entsteht Verblendung,

aus Verblendung erfolgt Verlust der Erinnerung (an den Sinn des Lebens),

aus dem Verlust der Erinnerung erfolgt Zerstörung des Verstandes/ der Unterscheidungsfähigkeit;

ist der Verstand/ die Unterscheidungsfähigkeit zerstört, dann geht der Mensch zugrunde.

 

 

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