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RTL: eine terroristische Herrschaftsform des Kapitals?

RTL: eine terroristische Herrschaftsform des Kapitals?

Montag, 17.2.2014. Eifel. Reden wir mal über Faschismus. Kann einer erklären, was das ist? Ja – ungefähr 1000 Faschismustheorien streiten hier über die Deutungshoheit. Mal steht der Glaube an einen gottähnlichen Führer im Mittelpunkt, mal die absolute Einheit von Wirtschaft und Politik, mal mystisch-irrationale pseudoreligiöse Kulte, mal ein psychischer Massendefekt. Je nach Änderung der Perspektive kann man aus jeder x-beliebigen Gesellschaft eine faschistoide Gesellschaft machen – auch aus der bundesdeutschen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts.

Die Deutschen sind nun immer ein interessantes Volk, wenn es um Faschismus geht: immerhin gehören wir zu den wenigen Völkern, wo er die Staatsmacht erobern konnte – was letztlich 50 Millionen Menschen das Leben gekostet hat. Kein Wunder, dass man hier aufmerksamer nach faschistoiden Züge schaut oder auf sie reagiert als in vergleichbaren Kulturen.  Z

Verdächtig ist zum Beispiel die wachsende Einheit von Wirtschaft und Politik, die für Bundestagsabgeordnete dazu geführt hat, dass sie zu den reichsten Menschen dieses Landes gehören … und jetzt noch 10% oben drauf bekommen, um auch in Zukunft auf die unantastbare Freiheit ihres Mandates zugunsten der Fraktionsdisziplin – ganz gegen den Geist der Verfassung – zu verzichten. Andererseits bekommen sie dafür die Chance, nahtlos im Anschluss an das fürstliche Mandat füstliche Posten in der Wirtschaft zu bekommen … auch ohne jede Ausbildung oder Berufserfahrung.

Die entscheidende Frage ist nun nicht: kann man auf Teufel komm ´raus den Deutschen wieder einmal Faschismus andichten, sondern die Frage, wann es wieder wie viele Tote gibt. Hören wir dazu ein paar Worte aus dem Artikel über Faschismustheorie bei Wikipedia:

Es besteht ein ausgeprägtes Denken in den sich ausschließenden Kategorien Freund/Feind, Wir/die anderen, Höherwertig/Minderwertig, besonders mit dem Blick auf das Innere der Gesellschaft. Der innere Feind spielt dabei mindestens eine ebenso bedeutende Rolle wie der äußere Feind. Er wird als „Volksschädling“, Bedrohung für das eigene „Blut“ etc ausgemacht. Dazu dient vor allem die eigene Fiktion vom “Juden“, “Semiten“, „Zionisten“ und der anderen „Rasse“. Von ihnen gelte es, den „Volkskörper“ zu reinigen.

Ja – das Reden von „Zionisten“ gehört auch dazu.

Ein Reinigungsprogramm für den Volkskörper durchlaufen wir gerade mit größter Intensität: der Parasit, der Sozialschmarotzer, der faule Drecksack wird mit der größten Behörde in Deutschland gejagt: 123000 Mitarbeiter verfolgen ihn bis in sein Haus, durchsuchen seine Räume, seine Konten, kontrollieren die Anzahl seiner Zahnbürsten und können ihn jederzeit von jeglicher Versorgung abschneiden, damit er die Wirkung von Hunger und Kälte am eigenen Leib erfahren kann … manchmal auch bis zum Eintritt des Todes.

Hört sich schon schlimm an, wenn man es so formuliert, oder? Würden wir das von einem anderen Land hören, wir wären voller Spott und Häme, doch die bundesdeutsche Leistungsgesellschaft mit ihrem ausgesprochenem Hass gegen „Minderleister“ (was eigentlich nur Menschen mit wenig Geld bezeichnet und keinerlei Bezug zur Art und Weise des Gelderwerbs hat: auch Zuhälter, Drogenbarone und Anlagebetrüger werden mit größtem Respekt behandelt – wenn der Kontostand stimmt) denkt sich nichts dabei: immerhin sind wir eine Leistungsgemeinschaft, ein einziger Volkskörper, der zusammenhält um die Weltmeisterschaft im Export zu erlangen. Wir sehen das halt alles nur sportlich – nicht politisch.

Bleiben wir bei dieser von Wikipedia angeregten Diskussion, stellen wir wirklich mal den „Herrenmenschen“ in den Mittelpunkt unserer Betrachtung – den Herrenmenschen, der sein Land sauber halten will. Wir haben ja keinen Herrenmenschen, oder? Das würde ungemein beruhigen, wenn es denn so wäre.

Oder ist unsere Kultur so voller Herrenmenschen, so voller Bäume, dass wir den Wald nicht sehen?

Ich denke da zum Beispiel an … Günter Jauch und „Wer wird Millionär“. Wo andere eine harmlose Show sehen, sehe ich pseudoreligiöse Kulte. Hohepriester Jauch verteilt die Gunst des „Goldenen Kalbs“, um das das Volk in völliger Abkehr seiner christlichen und demokratischen Grundwerte in wahnhaftem Rausche begeistert herumtanzt. Man muss nur eins können: völlig unnützes Sachwissen in richtiger Reihenfolge herunterbeten können – das Paradies für den Oberlehrer des deutschen Gymnasiums … das auch prompt auf diese Herausforderung reagiert. Harald Martenstein erwähnt dies in der Zeit – in einer Kolumne, wo es über die wundersame angestiegene Bedeutung der Schulnote für „sonstige Mitarbeit“ geht:

Man erzieht die Leute zu Dauerlaberern, zu Nervensägen und Ichdarstellern, die sollen alle ins Dschungelcamp.

Wir können zwar kein Mathe – aber wir können so lange darüber reden, bis jeder die Aufgabe vergessen hat.

Natürlich fällt das den Menschen nicht auf. Jauch bestätigt die Relevanz der Inhalte des Unterrichtes, in dem er den Menschen für die richtige Wiedergabe prinzipiell völlig unnützer Informationen eine Million Euro schenkt … eine von tausend Millionen zurückgibt, die zuvor von der Wirtschaft durch Arbeitsplatzabbau und Leiharbeit erbeutet wurden: genau dort wird der Gewinn generiert, der dann – über Werbegelder – „großzügig“ via Jauch zurückgegeben wird. Die deutsche Schule sollte Jauch eine Ehrenmedaille verleihen: ihr Vernichtungsfeldzug gegen Wissen, Kompetenz, Selbstbewusstsein und Kreativität erhält durch ihn einen tieferen Sinn.

Und natürlich ist da die Fähigkeit zur „sonstigen Mitarbeit“ wichtiger als … die Fähigkeit, Mathematik effektiv zu beherrschen.

Wir wollten aber über Faschismus reden … und über Herrenmenschen. Sind wir nicht weit vom Thema abgekommen?

Nein – wir sind mittendrin – mittendrin, ohne es zu merken. Wir haben schon längst unsere Herrenmenschen: wir nennen sie „Promis“ – und ganz Deutschland huldigt ihnen. Nur ihr Leben ist wertvoll, nur ihr Leben ist sinnvoll, nur ihr Leben ist erwähnenswert … und zwar jeden Tag. Während Arbeitslose unbemerkt verhungern, sich still das Leben nehmen, um nicht in die Hartz-Falle zu geraten, aus der es kein Entkommen gibt, wird jeder kleine Ski-Unfall der Promis sogar von ehemaligen Nachrichtenmagazinen wie dem Spiegel breitflächig  in Szene gesetzt … die ganze Nation bangt um die Gesundheit des Herrenmenschen, während Millionen andere elendig im staatlich verordneten Elend dahinvegetieren – vor und hinter den Schreibtischen.

Nehmen wir allein den heutigen Tag bei Spiegel-online: was glänzt einem da entgegen? Ein freudiger Jauch hat eine ergebnislose Talkshow hinter sich gebracht, die Dschungelcampmitglieder treffen sich bei Frauke Ludowig zur Nachbesprechung, wobei das Onlinemagazin viele Fotografien zur Nachbearbeitung der Nachbearbeitung einstellt und kommentiert.

Ja – das Dschungelcamp. Da lag Harald Martenstein leider falsch: ins Dschungelcamp kommt nicht jeder. Da kommen nur Menschen hinein, die sich angemaßt haben, Promis zu sein … aber keine waren. Die müssen dort Würmer schlucken und in Käfern baden (oder war es umgekehrt?), die werden im römischen Zirkus öffentlich zur Schau gestellt und – mangels Löwen – den Maden zum Fraß vorgeworfen, damit das auch jeder sehen kann, was einem geschieht, der zu hoch hinaus will.

Für uns Minderbürger ist anderes vorgesehen: wir – bzw. unsere Kinder – dürfen uns bei DSDS blamieren …. bzw. uns von ausgesuchten Herrenmenschen wie dem Herrn Bohlen auf unseren niederen Stand verweisen lassen. Für die Sieger werden ein paar Singels produziert, bevor man sie ins Prostituiertenmilleu abschiebt wie es den Teilnehmerinnen der „Wild Girls“ als Endstation ihrer TV-Karriere von einem Kommentator prophezeit wurde.

Nochmal zur Erinnerung:

Es besteht ein ausgeprägtes Denken in den sich ausschließenden Kategorien Freund/Feind, Wir/die anderen, Höherwertig/Minderwertig, besonders mit dem Blick auf das Innere der Gesellschaft.

„Wir“, „Freund“, „höherwertig“ – das ist der Promi. Er darf die Minderbürger vorführen – mit einem Auftritt, für den man früher einfach was aufs Maul bekommen hätte … auf die Art wehren sich Menschen gelegentlich, wenn ihre unantastbare Würde absichtlich öffentlich in den Schmutz getreten wird und sie sich nicht anders zu helfen wissen. Für ihn gelten auch andere Gesetze. Er darf Drogen nehmen, Steuern hinterziehen, seine Frau/seinen Mann öffentlich betrügen, jedes Jahr eine jüngere/einen jüngeren Partner heiraten, mit geliehendem Reichtum protzen … für ihn ist alles egal. Er steht über dem Gesetz – er IST das Gesetz.

Warum machen da alle mit?

Der Glaube an ein „Herrenmenschentum“ wird zur stärksten Triebfeder sowohl der Bindung der nationalsozialistischen Massen an den „Führer“ als auch zur psychologischen Grundlage der eigenen freiwilligen Einreihung in die Gefolgschaft. Daneben wirkt aber entscheidend eine intensive Identifizierung mit dem Führer, die die eigene Unterwerfung als geführtes Massenmitglied verschleiert. Jeder Nationalsozialist fühlt sich in seiner psychischen Abhängigkeit als „kleiner Hitler“.

Aus: Massenpsychologie des Faschismus, Willhelm Reich, gefunden bei antisemitismus.net.

Fühlt sich jeder RTL-Schauer nun als kleiner Führer … als „kleiner Promi“? Sicher dann, wenn er hämisch über die Dschungelcamp-Foltereien lacht, die die aussortieren Promis über sich ergehen lassen müssen.

Müssen wir uns aber jetzt Sorgen machen, dass es wieder 50 Millionen Tote gibt?

Schauen wir auf die marxistische Faschimustheorie, bevor wir die Frage beantworten (wieder Wikipedia).

Marxistische Theoretiker (so in Deutschland zuerst Clara Zetkin, 1923) bezeichneten Faschismus als eine terroristische Herrschaftsform des Kapitals. 

Schon mal überlegt, wie ein Promi im Deutschland des 21. Jahrhunderts zum Promi wird? Der Millionen verschenkende Günter Jauch ist ein Studienabbrecher – und ein  Zögling deutsche Jornalistenschulen, in denen das Kapital jahrelang hunderte von Bewerbern für diesen an sich „freien“ Beruf observiert, um jene kleine, auserlesene Hand voll nützlicher Individuen herauszufiltern, die ihm große Dienste leistet. Der Promi wird von der Wirtschaft ernannt, notfalls gezielt mit großem Werbeaufwand gezüchtet.

Währenddessen wird der Untermensch in vielen Formaten vorgeführt, um ihm seine Minderwertigkeit vor Augen zu führen: ob nun die Supernanny die Erziehung übernimmt, dem Bauer eine Frau oder dem Sohn eine Freundin gesucht wird – der „kleine Mann“ wird täglich als grenzdebiler, vereinsamter, in seiner Unfähigkeit allenfalls lächerlicher Sonderling dargestellt, der den Geissens dieser Welt .. den wahren, von Gott Mammon auserwählten Edelmenschen … nicht das Wassser reichen kann.

Unsere gebildete Umwelt weiß schon längst, was sich dort abspielt. Hören wir mal ein paar Worte zu dem „Bachelor“, einer RTL-Kuppelshow (wieder Wikipedia):

Bereits die erste Staffel von Der Bachelor wurde heftig kritisiert. So schrieb der Journalist Oliver Fuchs in der Süddeutschen Zeitung vom 2. Januar 2004, die Sendung wäre „menschenverachtend“ und „die verkommenste TV-Sendung seit Menschengedenken“. Die Kandidatinnen bezeichnete er als „ultra-devot“ und „großteils mäuschenhaft“.Die Politikerin Sabine Bätzing erklärte: „Das Frauenbild, das dem Publikum vermittelt wird, ist erschreckend und erinnert mich an den arabischen Kamelhandel.“ Udo Jürgens wurde mit den Worten zitiert: „Ich empfinde es als billig und nuttig, wenn 25 Frauen um einen Mann buhlen.“

Deutliche Worte.

Sie ändern nichts, weil hinter dem werbefinanzierten Sender RTL das „Kapital“ steht, das große Geld, das Kunden und Steuerzahlern in immer größerem Umfang aus der Tasche gezogen wird.

Und sie ändern nichts, weil sich jeder kleine Hitler vor dem Fernsehbildschirm in den Momenten, wo andere sich vor seinen Augen erniedrigen, prostituieren und selbst vergewaltigen sich selbst wie der größte Führer aller Zeiten fühlt … während er im Alltag nichts weiter ist als der unterworfene Massenmensch.

Kein Wunder, dass diese kleinen Führer immer mehr Zeit vor dem Fernseher und immer weniger Zeit in der Realität verbringen.

Am Ende unserer kleinen, gedanklichen Reise durch die bundesdeutsche Realität des 21. Jahrhundert wartet noch eine Frage auf uns: haben wir nun Faschismus  – und kriegen wir wieder Millionen Tote?

Nun – wie schon zu Anfang erwähnt, ist die Frage nach „Faschismus“ immer einer Frage der Definition, eine Frage danach, ob man nach dem Hakenkreuz auf der Armbinde oder nach dem Hakenkreuz im Herzen schaut.

Die Frage nach den Toten läßt sich leichter beantworten. Erstmal haben wir sie schon – dank „Sozialreform“.

Und die Frage, wann eine Kultur, die ständige neue Rekorde an menschenverachtenden und verkommenen Sendeformaten produziert, ihren Hass gegen die „anderen“, die „minderwertigen“, die „inneren Feinde der Gesellschaft“ offen auslebt, kann sich jeder mal selbst beantworten.

Auf den Bildschirmen tut sie es schon jetzt.

Welchen Stellenwert diese Unkultur inzwischen hat, sieht man daran, dass der Spiegel nahezu täglich über Sendeformate von RTL schreibt … RTL aber nicht über die Nachrichten des Spiegel berichtet.

Und wer das nun alles für Spinnerei und Unfug hält, der soll mir bitte erklären, was ein Günter Jauch (der privat ein außerordentlich netter und integrer Mensch zu sein scheint) in den „geheimen Machtzirkeln der Manager“ (siehe Manager Magazin) zu suchen hat, wieso es in einer aufgeklärten Demokratie derartige Geheimbünde überhaupt geben kann … und was die mit unserem Land noch so vorhaben.

 

 

 

 

 

2013: der große Rechtsruck in Deutschland

Montag, 7.10.2013. Eifel. Die Bundestagswahl ist seit einiger Zeit vorbei. In breiter Front erklärten die Medien Angela Merkel zur Siegerin: das erste Mal in Deutschland, dass es solch´ einen irrationalen Jubel um eine verlorene Kanzlermehrheit gab. Irrationalität ist aber wieder angesagt. Man bereitet sich auf eine neue Runde vor: alte Hasen im Geschäft wissen die Zeichen der Zeit zu deuten. Den asozialen Artikel im Focus hatten wir schon hinreichend besprochen: so setzen PR-Profis Akzente. Mit solchen kleinen Bauernzügen fängt das großen Spiel erneut an. "Lügen mit Statistik" ist ein Spiel, dass die Lumpenelite perfekt beherrscht: kein Gehalt ist ihnen zu hoch, um hier belanglose Posten mit absoluten Profis besetzen, die so lange rechnen, bis ein für die Regierung passendes Ergebnis herauskommt. Im Falle des Focus hat man in die Mottenkiste der Propaganda gegriffen und einfach mal acht Jahre addiert, um eine große Zahl zu bekommen: 380 Milliarden waren es dann auf einmal, die wir - scheinbar - nutzlos in den Sand gesetzt hatten.

Montag, 7.10.2013. Eifel. Die Bundestagswahl ist seit einiger Zeit vorbei. In breiter Front erklärten die Medien Angela Merkel zur Siegerin: das erste Mal in Deutschland, dass es solch´ einen irrationalen Jubel um eine verlorene Kanzlermehrheit gab. Irrationalität ist aber wieder angesagt. Man bereitet sich auf eine neue Runde vor: alte Hasen im Geschäft wissen die Zeichen der Zeit zu deuten. Den asozialen Artikel im Focus hatten wir schon hinreichend besprochen: so setzen PR-Profis Akzente. Mit solchen kleinen Bauernzügen fängt das großen Spiel erneut an. „Lügen mit Statistik“ ist ein Spiel, dass die Lumpenelite perfekt beherrscht: kein Gehalt ist ihnen zu hoch, um hier belanglose Posten mit absoluten Profis besetzen, die so lange rechnen, bis ein für die Regierung passendes Ergebnis herauskommt. Im Falle des Focus hat man in die Mottenkiste der Propaganda gegriffen und einfach mal acht Jahre addiert, um eine große Zahl zu bekommen: 380 Milliarden waren es dann auf einmal, die wir – scheinbar – nutzlos in den Sand gesetzt hatten.

Sieht man sich die enormen Einnahmeverluste der Bundesagentur für Arbeit an, wirkt die Summe, die für Arbeitslosigkeit aufgewendet wird, billig. Im Jahre 2000 nahm sie noch 49,6 Milliarden Euro ein (siehe Statista) waren es 2011 nur noch 37,5 Milliarden Euro: gut, dass man Hartz IV aus der Verantwortung jener Behörde herausgenommen hat, sonst würde man deutlich erkennen, dass der Trend zur Zeitarbeit, zum Halbtagsjob oder zur Leiharbeit dem Sozialversicherungssystem richtig viel Geld kostet. Stattdessen aber macht man lieber ultrarechte Propaganda, beschwört wieder den Geist des parasitären Sozialschmarotzers, den man in der Wirtschaft viel häufiger antrifft als am Arbeitsmarkt, wo die Kontrolle der Leistung viel einfacher ist. Im gleichen Zeitraum haben wir im Übrigen „der Wirtschaft“ und allem, was dazu gehört, Subventionen von ca. EINER BILLION EURO geschenkt – Geld für Reiche. Das wir für die Armen dann nur so wenig übrig haben, ist schon eine Schande und volkswirtschaftlicher Unsinn: nirgends bekommt man eine größere Wertschöpfung als bei der Unterstützung jener Menschen, die vom System abgelehnt werden, weil sie alt sind, krank, arm oder mit Kindern geschlagen. Völlig unsinnig sind dann auch die Ausgaben für „Gesundheit“, die bald im Jahr jene Kosten aufweisen wie das Hartz IV-System seit seiner Einführung: 300 Millionen Euro allein 2011 (siehe Spiegel). Wir können mit noch mehr Kosten rechnen, wenn wir die Arbeitsbelastung, den Stress, die Mangelernährung der Bevölkerung weiter forcieren – wie es beabsichtigt ist, addiert man diese Ausgaben wie die Zahlungen für Einkommenslose, dann ist man schnell bei ZWEI BILLIONEN EURO.

Weil aber die finanzkräftigen Schichten der Gesellschaft viel zu viel Geld zuviel haben (immerhin landen die oben erwähnten drei Billionen Euro größtenteils auf ihren Konten), können sie sich Zeitungen, Fernsehsender und Schriftsteller in Massen leisten, die dem Volk beibringen, dass die Erde ab heute wieder eine Scheibe ist: die Väter des Grundgesetzes haben sich halt fürchterlich geirrt.

Wer die Wählerwanderungen genau beobachtet, sieht die Folgen dieser Massenpropaganda: Deutschland hatte 2013 einen gewaltigen Rechtsruck erlebt. Sicher: die Kanzlerin hat ihre Mehrheit verloren – doch hier  eilt die SPD schnell zur Hilfe, um die Wünsche des Kapitals zu erfüllen: in dieser Hinsicht ist auf diese Partei Verlass.

Schauen wir uns die Wählerwanderung nach den Angaben des Spiegel an:

Zu den Verlierern der Wahl gehören die Grünen, die sogar 420 000 Wähler an die CDU verloren hatten.

Zu den Verlierern gehören die LINKEN, die 370 000 Stimmen an die SPD verloren haben, 120 000 an die CDU und – ein Triumph von Faulheit oder Dummheit – 320 000 an die engagierte Nichtwählerfront.  Zudem verloren sie – superpeinlich – 340 000 Stimmen an die AfD (zum Vergleich: von der CDU bekam diese Partei nur 290 000 Stimmen, nur von der FDP gab es noch mehr).  Anders als die LINKE (die in ihrer Tradition Elemente hat, die per Dienstanweisung 99 % der Stimmen bekamen und deshalb „Wahlkampf“ scheinbar noch nicht so ernst nehmen) hat es die Union geschafft, 1,13 Millionen Nichtwähler zu mobilisieren.

Es geht also doch – wenn man außer Wahlboykott auch arbeitsintensivere Alternativen wahr nimmt.

Wir erleben den größten Rechtsruck der deutschen Geschichte. Er wirkt sich nicht im Parlament aus, in dem Angela Merkel sogar ihre Kanzlermehrheit verloren hat  – und deshalb zu den Verlierern der Wahl gehört, was man im „Muttiland“ aber nicht offen äußern darf. Sicher – wer die Wahlergebnisse in Deutschland seit der Wende (und auch davor) aufmerksam studiert, wird höhere Ergebnisse für das „konservative“ Lager finden – nur war die FDP früher einmal etwas anderes als eine rein konservative Partei, während heute die SPD eher zum konservativen Lager gehört.

Dank intensiven Einsatzes der linken Nichtwählerbrigaden bahnt sich eine Situation an, die der Verfassungsrechtler Hans Herbert von Arnim in seinem Buch „Das System“ als Bedrohung der Demokratie anprangert: es gibt eine Zwei-Drittel-Mehrheit für die Regierung, die das Land in Zukunft nach Belieben umbauen kann, die Oppositionsparteien kommen auf 17% – dem niedrigsten Wert, den Opposition jemals seit 1949  hatte.

In der Opposition sitzen Grüne und Linke, denen – dank der Nichtwähleroffensive angeblich linker Kreise – nur noch eins übrig bleibt: Fragen zu stellen, deren Antworten niemanden mehr interessieren, weil die Regierung auch in der Länderkammer die absolute Mehrheit hat.

Es wäre die demokratische Pflicht der SPD gewesen, die Führerschaft der Antimerkelfraktion im Parlament in die Hand zu nehmen, weil sie den im Parlament abgebildeten Wählerwillen (und dem immerhin offiziellen Wahlziel der SPD) am Deutlichsten entspricht: stattdessen hat sie sich für die Vernichtung parlamentarisch wirksamer Opposition entschieden.

Dies entspricht einem breiten Trend in der Bevölkerung, die sich von demokratischen Werten verabschiedet – nur thematisieren die Medien diesen Aspekt nicht gern. Anstatt Frieden wählen sie Krieg, anstatt Gerechtigkeit Profit, anstelle von Freiheit den Zwang, anstatt Wohlstand die Arbeitspflicht und anstatt Sicherheit die Zukunft als Leiharbeiter. Jegliche Sensibilität für gesellschaftliche Grundwerte verschwindet, wird erfolgreich als „Sozialromantik“ abgewertet, währenddessen läuft eine breite Umerziehung hin zu anderen Werten, zwecks Unterhaltung inszenierte brutale Verletzungen der Menschenrechte bestimmen den Alltag der Jugend, siehe Spiegel.

Währenddessen wird der deutsche Bundestag immer realitätsferner – die Anzahl von Bauern, Unternehmern, Handwerkern und Forstwirten (also Menschen, die noch echte Arbeitsleistung erbringen) ist auf einem historischen Tiefstand, dominiert wird das Parlament von Lehrern, Juristen und Angestellten des öffentlichen Dienstes – also Menschen, die nur von den Leistungen anderer leben.

Hier erklärt sich auch die Ablehnung der Arbeitlosen auf breiter Front: die großen Schmarotzer bauen die Globalisierungsverlierer als kleine Schmarotzer auf und lenken so erfolgreich von sich ab: das Volk springt auf diesen Zug auf (das Schicksal der Zauberer, Hexen und Juden zeigt, dass Menschenjagd als Volkssport bei den Germanen Tradition hat) und gräbt sich dadurch selbst das Wasser ab.

Genau das aber war beabsichtigt, deshalb hat man Tittytainment eingeführt, finanziert durch überhöhte Preise für Konsumgüter: der Deutsche finanziert seine Verdummung gerne selbst.

Das Ergebnis sehen wir jetzt, der Trend ist eindeutig: Deutschland gibt sich einen strammen Rechtsruck, inhaltslose Parolen bestimmen die politische Diskussion, auf den Straßen herrscht immer häufiger der Polizeiknüppel unter tosendem Applaus einer hemmungslos manipulierten Masse (siehe u.a. Welt, Deutsche Welle, Zeit) die man zumindest virtuell langsam daran gewöhnt, dass Menschenrechte verachtungswürdige Sozialromantik darstellen und ohne große Probleme ignoriert werden können – zugunsten eines höheren Ideals: der lustvollen Ausübung von Gewalt.

Dafür braucht man Schuldige. Statt die im Reich der hemmungslosen Selbstbereicherer in der Politik und skrupellosen Ausplünderer in der Wirtschaft zu suchen, wird man sie wieder bei jenen ausmachen, die ihr Schicksal nicht mehr selbstbestimmt ändern können.

Das wird in Zukunft auch noch weitere Kreise treffen: mit einer ersatzlosen Streichung von Hartz IV ist in den nächsten acht Jahren zu rechnen (das bereiten Artikel wie der oben zitierte gerade vor), das Volk will wieder Leichen sehen. Zwangshypotheken für Immobilienbesitzer werden unausweichlich kommen, die Rente mit 80 wurde vom Erfinder des „parasitären Sozialschmarotzertums“ (Wolfgang Clement, SPD und FDP) schon ins Gespräch gebracht, massive Rentenkürzungen werden mangels Einnahmen unausweichlich sein.

Das weiß jeder, der rechnen kann.

Der Traum von einer humanen oder ökologischen Gegenbewegung ist jedoch im Jahre 2013 endgültig ausgeträumt stattdessen gibt es endlos „Merkel“ anstelle von politischen Inhalten.

Die Folgen für Umwelt und Gesellschaft werden katastrophal sein, die Elite der Asozialen  jedoch wird sich weiterhin ungebremst die Taschen füllen können – wir werden neue Rekorde bei der Anzahl der Millionäre (auch unter Bundestagsabgeordneten) erleben – und neue Rekorde bei Staatsverschuldung und Gesundheitskosten.

Finanziell leisten können wir uns die nicht – das werden wir aber erst dann bemerken, wenn die letzten Hartz IV-Empfänger verstorben sind und die wirtschaftliche Gesamtlage sich trotzdem verschlechtert, weil ein wichtiger Konsumfaktor weggebrochen ist, der einen hohen „return-of-investment“ versprach.

Da rechte Politik immer Politik für einen offiziellen oder inoffiziellen Feudalstaat (d.h. die Herrschaft einer selbst ernannten Elite von Lumpen) war, werden wir uns damit abfinden müssen, dass unsere Infrastruktur immer weiter zerbricht: aktuell sind es die Hälfte aller Brücken in der Verantwortung der Gemeinden, die in einem desaströsen Zustand sind (siehe Spiegel).

Aber wer braucht schon Brücken, wenn der Staat und die Banken die Verteilung von Geldern so lenken, dass man fliegen kann. Wer braucht schon noch Kinder, wenn man seinen Wohnsitz jederzeit in die USA oder nach Dhubai verlegen kann, weil man mit den Profiten aus dem Geschäft der privaten Alterssicherung einen guten Schnitt gemacht hat. Wer macht sich schon Gedanken über die Zukunft der eigenen Solidargemeinschaft in einem Land, das die allgemeinen Menschenrechte zunehmend als romantische Spinnerei deklariert, wenn man in seinem eigenen Lebensbereich als Lehrer, Angestellter im öffentlichen Dienst oder Anwalt mit kundenfeindlicher Egozentrik ziemlich gut durchkommt?

Und dem Volk verkauft man via RTL den großen Traum von der Million, die allein das Leben lebenswert macht. Und da findet dann der wirkliche Rechtsruck statt: im Inneren der Vereine, Verbände und Parteien – in den Menschen. Und wie viel Millionen wären für das Volk übrig, wenn man auch noch die 380 Milliarden, die aktuell für die Verwaltung von Arbeitslosen ausgegeben wurden, bei RTL verlosen würde  – welch´ ein köstlicher Traum läßt sich da träumen.

Und dafür sind schon ganz andere Leute über Leichen gegangen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Brot und Spiele für die Mittelstandswampe

 Von Roberto J. De Lapuente

Es ist ein hartnäckiges Gerücht, dass sich bei Uninformierten hält: RTL ist mitnichten der konzipierte Sender für Hartz IV-Empfänger, Ungebildete oder andere prekarisierte Gesellschaftsschichten! Eigentlich ist es nicht nur die Bewahrung eines Gerüchtes, wenn man das behauptet – es ist Rufmord an denen, die man arroganterweise als Unterschicht bezeichnen könnte. Die schaut natürlich auch RTL – und möglicherweise sogar überproportional häufiger als der Mittelstandsbauch. Aber das ist ein nebenher zufällig erzeugter, vielleicht nicht mal bewusst gewollter Effekt. RTL bedient nicht das Prekariat, es serviert der Mittelschicht, überdies sogar der besser situierten Mittelschicht, ein bunt gewürfeltes Programm der Eintönigkeit.

Beratung für den Mittelstand

Nachrichten und Neuigkeiten flimmern dort als eine schlecht getarnte Form von konsumistischer Lebensberatung über die Mattscheibe. Man bekommt erklärt, welches Produkt wie günstig und wie gut ist – Lohnt sich der Kauf?Wohin in den Urlaub? Empfehlung für das Wochenende: Gehen Sie in einen Freizeitpark! Der Freizeitpark Soundso hat zufälligerweise diese Woche eine Sonderaktion!Sinnvoll für die Zukunft: Privat rentenversichern! Mehr Infos finden Sie online!Wie Sie sich bei der Hitze im Büro abkühlen können!Darf ich im Büro EM gucken? Beratung und Verkaufsanreize, Konsum und Verlockung…

All das ist nicht für jene Klientel gedacht und gemacht, die man als Hartz IV-Empfängerschaft bezeichnet – es richtet sich an die, die finanzielle Substanz aufbringen, die sich ernsthaft Gedanken um Urlaub und tägliche Kaufräusche machen können, die in einem Büro anschaffen dürfen; es richtet sich an jenen Teil der Mittelschicht, bei dem die Prekarisierung des Arbeitslebens noch nicht eingetroffen, bei dem der Rahm abschöpfbar ist. Es ist der Wohlstandsbauch, der hier gekitzelt und gebauchbinselt wird. An dessen Speck richtet sich die lebensberatende und hedonistische Botschaft des Senders – nicht an die vermeintlich vor dem Fernseher geparkten Wampen von Arbeitslosen, Niedriglöhnern oder Bildungsfernen.

Klischeebestätigung für den Mittelstand

Nachmittags unterhält sich das Publikum mit gescripteter Reality. Die dient nicht etwa dafür, den Erwerbslosen künstliche Hartz IV-Empfänger nach Drehbuch vor die Nase zu setzen. Nichts was die Gestelltheit dieser Konzepte abwirft, kommt wirklichen Bezieherun des Arbeitslosengeldes II bekannt vor – nichts stimmt auch nur ansatzweise mit deren Wirklichkeit überein. Speckige Haushalte sind nicht per se nur Hartz IV-Haushalte; ein Leben in Saus und Braus, etwa Kurzurlaube oder Wellness-Erlebnisse, kommen unter Transferbeziehern wohl sehr selten vor. Und aus dem Hut gezauberte Bewerbungsgespräche auf Mallorca wohl eher auch. Es sind billige Klischees, die so überspitzt geschauspielert werden, dass sie den wirklichen Arbeitslosen total entfremdet sind. Das dient nicht den prekarisierten Schichten, sondern dem mittelschichtigen Zuseher vor der Glotze, der einen ganz besonderen Blick auf die Unterschichten wirft. RTL ist der Dienstleister; er serviert elitäre Luftschlösser, in denen Erwerbslose als dreckig, faul und dennoch vermögend gezeichnet werden. Der „Asoziale“, wie ihn das Klischee kennt, ist nicht das Fabrikat aus Brennpunkten – er ist Kopfgeburt stümperhafter Drehbuchautoren, die dem mittelschichtigen und gutsituierten Publikum Klischees bestätigen wollen.

Mitten im Leben ist nicht die Unterhaltung für Menschen, die arbeitslos sind – es ist kein Konzept, das die Problematiken von Arbeitslosen auch nur streift, sondern von ihnen ablenkt, um sie in den spießbürgerlichen Kanon der Mittelschicht zu packen, in dem man nachlesen kann, dass alle Arbeitslosen verblödet, faul, ungepflegt oder kriminell sind. Der betuchte Mittelstand, der die Zeit aufwendet, nachmittags vor dem TV-Gerät zu hocken, wird unterhalten, bestätigt und je und je auf Stereotype abgerichtet.

Schau göttlicher Auserwähltheit

Auch das vermeintlich abgesicherte Leben der Mittelschicht will aufschauen. Sie tut das am Vorabend, wo man regelmäßig über den Superreichtum „informiert“ wird. Millionen sind nicht der Rede wert, Milliarden machen Themasetzung bei RTL. Das bedient nicht Leute, die schon froh wären, wenn sie tagsdrauf ohne zu viele Blicke in den klammen Geldbeutel einkaufen könnten. Das ist der Traum einer Gesellschaftsschicht, die relativ satt und abgesichert ist. Superreichtum wäre für manchen Hartz IV-Empfänger wahrscheinlich schon, sich zum Abendessen ein dickes Rindersteak zu leisten.

Von Reichtum zu berichten, der so maßlos ist, dass man ihn sich kaum vorstellen kann, ist nicht der Feuchttraum der Armut – ihr reichte Absicherung durch Anstellung und ein kleines Gehalt. Der potente Mittelstand, der selbst so hat, dass er leben, dass er urlauben und freizeiten kann, wird bedient. Er soll träumen, noch mehr urlauben und freizeiten zu können. Leute wie Gates und Jobs, die bei RTL Dauerbrenner sind, sind die Helden einer konsumistischen und hedonistischen Schicht und ihrer Medienanstalten – für einen Boulevard der Calvin verinnerlicht hat, wonach prädestiniert ist, wer Geld hortet. Wenn RTL dem Mittelstand den Superreichtum aufzeigt, über dessen Villen, Schiffe und Golfanlagen berichtet, dann ist das eine Schau in die himmlische oder gar göttliche Auserwähltheit eines konsumistischen Lebensgefühls – dann ist das der Ringelpiez hedonistischer Heiligengestalten. Dort huldigt man der Ikonen des Mittelstandes. Zwar mag sich auch der Hartz IV-Empfänger daran ergötzen, aber der braucht zur Ergötzung weitaus weniger.

Gesindelfreier Abend

Im Nachmittagsprogramm spult man den Hartz IV-Stereotyp ab. Was Leben am Regelsatz bedeutet, ist dort jedoch nicht Thema – auch die soziale Exklusion wird nicht beachtet. Dafür fickt, säuft, betrügt sich ein Pack durch die Sendung, das zufälligerweise keine Arbeit hat – conclusio daraus: ohne Arbeit lebt man so! Am Abend, nachdem sich die mittelschichtige Sendergemeinde über das Gesindel empört und belustigt hat, wird der RTL-Garten verriegelt – Zutritt für Arbeitslose verboten! Für echte Arbeitslose natürlich – ab und an darf ein Medien-Arbeitsloser doch auftreten. Stern TV berichtet dann von einem Mann, der seit Jahrzehnten nicht mehr arbeitete und das auch vehement als Lebensmodell vertritt. Der gilt dann pars pro toto. Der wirkliche Arbeitslose ist allerdings unterrepräsentiert.

Bei Wer wird Millionär? findet sich meist Mittelstand oder jedenfalls der zukünftige, Studenten also, die bei der sozialen Balance des deutschen Bildungswesens mit großer Wahrscheinlichkeit aus besserem Hause stammen. Arbeitslose sind rare Gestalten bei WWM. Und das, obwohl nach offiziellen Angaben rund sieben Prozent der hier lebenden Menschen arbeitslos sind. Weitaus mehr als Ärzte oder Anwälte, weitaus mehr als IT-Experten oder Sekretärinnen. Die kommen in der Sendung allerdings weitaus häufiger vor. Das mag an den Auswahlkriterien liegen, könnte man nun einwenden – dass man aber keinerlei Anstalten macht, die Kriterien durchlässiger zu machen, wenn es denn so wäre, liegt auf der Hand. Wo es etwas zu gewinnen gibt, da gibt es das Wort Arbeitslosigkeit nicht. Kein Unterschichtler geht bei RTL aufgrund Gewinns aus seiner Armut – wohl aber mancher Angehöriger der Mittelschicht in eine noch besser abgesicherte Zukunft. Almosen kann er haben, wenn er nachmittags ein Klischee nachspielt, das er in seinem realen Leben so gar nicht kennt, das er dem RTL-Konsumenten nun aber verkaufen soll.

 

Quelle

 

Mit freundlicher Genehmigung  von Roberto J. De Lapuente

Wie RTL Zahlen manipuliert und Sternekoch Zacherl mitmacht oder: Das tägliche bisschen Hartz-IV-Leben wird gerade abgepackt – Cent und grammgenau!

Dass der Fernsehsender RTL der Bertelsmann Gruppe gehört die unter anderem an der Agenda 2010 und die damit einhergehende Hartz-IV-Reform mitgearbeitet haben, müsste mittlerweile jedem bekannt sein. Die Bertelsmann Gruppe hat ein großes Interesse daran dass die Hartz IV Regelsätze noch weiter minimiert und die Reform verschärft werden denn nur dadurch können sie überproportionale Gewinne in ihren Unternehmen erwirtschaften. Nicht nur dass, sie setzen damit auch ganz Europa unter Druck, aber das steht jetzt auf einem anderen Blatt. Und so lässt auch ein neues Format nicht lange auf sich warten, indem sie den Starkoch Zacherl vor ihren neoliberalen Karren spannen. Ob Sternekoch Zacherl aus reiner Naivität oder Unwissenheit sich für dieses Format hergibt, mag ich nicht beurteilen, jedoch bin ich der Meinung, dass gerade ein Sternekoch sich schon überlegen sollte, für was er seinen Namen hergibt.

Der Slogan heißt “ Gesund und frisch kochen mit Hartz IV: Geht das?“ – „Fernsehkoch Zacherl macht den Praxistest – kann man mit Hartz IV Budget gesund essen?“ In diesem zehnminütigen Dokuformat zeigt Sternekoch Zacherl einem Millionenpublikum, wie man sich ausgewogen mit dem ALG II Regelsatz ernähren kann.

Aber nun zu den manipulierten Zahlen und Fakten. Es wird behauptet, dass die Familie, Hartz IV plus Kindergeld bekomme – das ist schlichtweg gelogen – das Kindergeld wird auf den Regelsatz angerechnet siehe dazu: Bundesverfassungsgericht, Kindergeld darf voll auf Hartz IV angerechnet werden.

Und weiter geht’s mit dem Slogan „Lügen, was das Zeug hält, das Zeug hält schon“. Da wird frech behauptet, dass der dreiköpfigen Familie für Lebensmittel 738 Euro zu Verfügung stehen. RTL rechnet nach: Hartz IV plus Kindergeld minus Ausgaben macht 738 Euro. Das ergibt pro Person und pro Mahlzeit 2,73 Euro. Wir halten fest: 2,73 Euro pro Person und pro Mahlzeit also – Frühstück, Mittagessen, Abendessen ergibt pro Person und pro Tag 8,19 Euro oder 245 Euro im Monat pro Perso, laut RTL. Dann wird weiter angemerkt: Dass man sich davon ernähren kann, steht außer Frage.

Danke RTL das sehe ich nämlich auch so, von diesem Betrag kann man sich in der Tat ernähren, denn ein Durchschnittserwachsener im Alter von 18-64 Jahren braucht rund 2550 kcal, wenn er sich ausreichend ernähren und bewegen will. Erhebungen des Forschungsinstituts für Kinderernährung in Dortmund ergaben, dass ein Mensch 2,50 Euro pro 1000 kcal braucht, um sich gesund zu ernähren. Für 2500 kcal braucht man demnach 6,38 Euro pro Tag.(Datenerhebungen aus dem Jahr 2009)

Leider steht solch ein Betrag von 738 Euro einer dreiköpfigen Familie im Monat nicht zur Verfügung, sondern nur 340 Euro aufgerundet.

Wie setzt sich der Hartz IV Regelsatz nun zusammen: Die Mutter bekommt 374 Euro für die zwei Kinder bis einschließlich fünf Jahre bekommt sie pro Kind 219 Euro. Wie man unschwer erkennen kann, bekommen die Kinder 40 % weniger Regelsatz – unsere Regierung ist der Meinung, Kinder brauchen nicht so viel.

Diese Summe ist leider nicht zum Verfrühstücken da, davon gehen ab: Bekleidung, Schuhe, Strom, Gesundheitspflege, öffentliche Verkehrsmittel, Telefon, Post, Freizeit, Unterhaltung, Kultur, Gaststättenleistungen, Windeln, Babyzubehör und so weiter.

Hier eine Auflistung pro Person/Erwachsene bei einem Regelsatz von 374 Euro!

Nahrungsmittel, Getränke, Tabakwaren ….132,71 €

Bekleidung und Schuhe…………………… 34,13 €

Wohnung, Strom……………………………26,87 €

Einrichtungsgegenstände, Möbel, ………….27,77 €

Haushaltsgeräte sowie derenInstandhaltung

Gesundheitspflege…………………………..13,21 €

Verkehr ÖPNV…………………………… 19,20 €

Nachrichtenübermittlung, Telefon, Post…… 20,38 €

Freizeit, Unterhaltung, Kultur…………… 38,71 €

Beherbergung und …………………………10,33 €

Gaststättenleistungen

Andere Waren und Dienstleistungen…………21,69 €

(Zahlen durch fortlaufende Änderungen ungenau!)

Der Mutter bleiben, großzügig gerundet 140 Euro für Nahrungsmittel, den Kindern, wenn man großzügig rundet, jeweils 100 Euro – macht insgesamt eine Summe von 340 Euro – um die physische Existenz am Leben zu erhalten. Dies ist alles auf Kante gestrickt da darf keine zu hohe Stromrechnung oder Telefonrechnung oder Sonstiges ins Haus flattern …

Das sind im Schnitt 3,77 Euro, für Frühstück-, Mittag und Abendessen oder anders ausgedrückt 1,25 Euro, für eine Mahlzeit. Mit diesem Eckregelsatz ist Mangelernährung vorprogrammiert.

Zacherl, dass Du nasal sprichst, dafür kannst Du nichts, aber das Du schon nasal anfängst zu denken dafür schon.

 

Tag auch

Nachrichten vom Wochenende

Die Ratten verlassen das sinkende Schiff:

im folgenden eine Liste der Banker Ruecktritte…

Ein paar Videos zum Erfolg der Nato in Lybien:

Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass dies nichts mit dem Islam zu tun hat. Diese sogenannten Rebellen sind eine wilde Horde von Verrückten, mit den sich die USA ins Bett legte, um den Anschein eines angeblichen Volksaufstandes zu erzeugen, Gaddafi zu stürzen und so an die Ressourcen Libyens zu gelangen.

Herr Vetter aufgebracht:

Womöglich wird man bald Post von Christian Wulffs Anwalt erhalten, wenn man mit Blick auf den heutigen Tag in Großburgwedel das Wort Hausdurchsuchung in den Mund nimmt. Denn offenbar versuchen alle Seiten geradezu krampfhaft, das Unvermeidliche nicht mit einer richterlich angeordneten Zwangsmaßnahme zu verbinden. Trotzdem passierte heute nachmittag etwas: Freundliche Ermittler besuchten ohne Durchsuchungsbeschluss die Wulffs zu Hause und erhielten nach Medienberichten freiwillig Dokumente, Computer und Festplatten ausgehändigt.

 Karl Weiss fragt sich, ob Ron Paul ein Linker ist:

 Bereits seit geraumer Zeit fällt auf, wie die US-Medien einen grossen Bogen um Ron Paul machen, einer der vier verbliebenen Kandidaten der republikanischen Partei für die Präsidentschaftswahlen Ende des Jahres. Auch in Deutschland wird Ron Paul eher ein wenig von oben herab behandelt. Tatsache ist, er ist bisher noch nicht abgeschlagen im Rennen der vier verbliebenen Präsidentschaftskandidaten der republikanischen Partei der USA. Und besonders beeindruckend ist, wie viel jugendliche Amerikaner sich für die Kampagne Ron Pauls zur Verfügung stellen, der mit 76 Jahren natürlich nicht der automatische Kandidat der Jugend ist.

 Man mischt sich in den Wahlkampf in Frankreich ein:

Bundeskanzlerin Angela Merkel und wichtige EU-Partner haben vereinbart, den französischen Präsidentschaftskandidaten François Hollande während des Wahlkampfes nicht zu empfangen. Das geht aus einem aktuellen Bericht des Spiegel hervor. Der vertraulichen Absprache zwischen Merkel, Italiens Regierungschef Mario Monti und Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy habe sich auch der britische Premier David Cameron angeschlossen, berichtete das Nachrichtenmagazin.

Mit Kommentar von Herrn Mowitz:

Dennoch ist diese Aktion, unter Führung der ehemaligen Propagandasekretärin aus der untergegangenen DDR, Angela Kasner, heute Merkel, ohne Gegenstück im Nachkriegs-Europa. War man doch bisher immer bemüht so zu tun als seien Wahlen ausschließlich die inneren Angelegenheiten eines Landes sowie seines wählenden Volkes, in die sich das Ausland nicht einzumischen hat. Seit Übernahme der Staaten durch die Banken, nimmt man demokratische Gepflogenheiten sehr viel lockerer und kaum noch zur Kenntnis. In diesem Fall ist der Grund, dass Hollande, falls er gewählt wird, den gerade beschlossenen europäischen Fiskalpakt umverhandeln will. Sogar Großbritannien, obwohl es nicht den europäischen Fiskalpakt unterschrieben hat und auch nicht der Euro-Zone angehört, aber immer im Auftrag der City und US-Wall-Street als Brandstifter unterwegs ist, ließ seinen Premier David Cameron an diesen Affront gegen einen sozialistischen Demokraten gerne teilnehmen.

Hier konnte man sich nicht einmischen, daher ist das Ergebnis unbefriedigend:

Die Wahlbeteiligung im Iran lag laut der iranischen Nachrichtenagentur FARS gestern bei 66 Prozent die von der tendenziösen deutschen Politrukanstalt für Nachrichtenfälschung mit „bei mehr als 60 Prozent“ vermeldet wurde. Schnell schob man noch nach, dass die von der iranischen Regierung angestrebte starke Wahlbeteiligung, wohl doch nicht so toll gewesen sein konnte wie erhofft.

Und auch die Russen haben jemanden gewählt, der mißfällt:

Das Ergebnis ist keine Überraschung, Putins Sieg mit einem Wert, der sich bis zum Montagmorgen noch auf gut 63 Prozent steigerte, war die unspektakulärste und wahrscheinlichste Variante. Weit genug von einem Ergebnis unter 50 Prozent entfernt, das eine Stichwahl nötig gemacht hätte – das wäre eine Sensation gewesen und hätte Putin schmerzhaft geschwächt. Und auch weit genug von den 71 Prozent, die Putin noch bei den Präsidentschaftswahlen im März 2004 erhielt, zu den Hochzeiten seiner Popularität. Das hätte niemand geglaubt.

Ein Bericht über Sitzung der “Coalition of top tech & media companies to make [the] internet [a] better place for our kids“.

Mitglieder sind unter anderem solch ausschließlich am Wohlergehen der Allgemeinheit interessierte Unternehmen wie die Datenfresser und Privatsphärevernichter Facebook und Google. Nebst erklärten Gegnern von Netzneutralität wie der Deutschen Telekom und dem willfährigen Internetzensurgehilfen Vodafone befinden sich noch weitere Provider mit an Bord. Abgerundet wird diese illustre Runde durch die Teilnahme des Blackberry-Herstellers RIM, der bekanntlich repressiven Regierungen zwecks Ausspähung Zugriff auf die Gesprächs- und Datenleitungen seiner Kunden gewährt. Darüber hinaus sitzt mit Microsoft der weltweit schärfste Verfechter von OpenSource (Achtung, Ironie!) mit am Beratungstisch. Und um das Bild perfekt zu machen, darf Apple nicht fehlen. Apple ist ein Unternehmen, welches es für angemessen hält, seinen Kunden den Zugriff auf aus Apples Sicht “anstößige” Inhalte zu verbieten. Wenn es also eine Handvoll Unternehmen gibt, denen man vertrauensvoll Zensur- und Filtertechnologie an die Hand geben kann, dann sicherlich Unternehmen wie die zuvor genannten.
Ich habe mir die nun veröffentlichte Sitzung angehört und für die interessierte Öffentlichkeit meine persönlichen Highlights jeweils mit Zeitmarke herausgearbeitet.

Kunstgriffe, wie ich Gegner platt rede ohne selbst wirklich was zu sagen …

Oder so ähnlich kann ich mir vorstellen, was Politiker von Klein auf Lernen, um sich nach oben zu bekommen und wenn oben angekommen, auch oben zu verbleiben. Und bei wem sie in die Schule gegangen sein könnten? Schopenhauer hatte (vermutlich um 1830) einen Sack voll solcher Regeln zusammengetragen (Quelle), und wenn wir alle diese kennen, sollte ihre Wirkung verpuffen, oder?

So kenne ich das:

Eristische Dialektik (zu altgriechischeristiké téchne) ist der Name eines um 1830 entstandenen Manuskripts von Arthur Schopenhauer, in dem er als Eristik oder Eristische Dialektik eine Kunstlehre beschreibt, um in einem Disput „per fas et nefas“ (lat.; mit erlaubten und unerlaubten Mitteln) als derjenige zu erscheinen, der sich im Recht befindet. Zu diesem Zweck gibt er 38 rhetorischeStrategeme an, die also nicht der Wahrheitsfindung dienen, sondern dem Erfolg in einem Streitgespräch durch bestimmte argumentative Formen. Diesen Zweck haben auch klassische Sophismen. Einige davon werden von Schopenhauer ebenfalls aufgeführt. Er erwähnt das Manuskript 1851 in Parerga und Paralipomena. Dort distanziert er sich aber von diesem polemischen Ansatz.

Wem gehört eigentlich RTL?

Falls Sie schon immer mal wissen wollten, wem RTL „gehört”, empfehlen wir die Lektüre der jüngsten Pressemitteilung der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK). Dort wird nämlich deutlich, wie bestechend simpel die Zusammenhänge sind…

Und wer noch mehr lesen mag, schaut hier vorbei...

Bewegte Bilder:

Milch ist evtl. doch nicht so Gesund:

Ein Kälbchen, das die Milch seiner Mutter in pasteurisierter Version bekommt, stirbt nach allerspätestens einem halben Jahr, gelegentlich bereits innerhalb von drei Wochen.

 

Der übernächste Bundespräsident über Medien und Manipulation:

(Videos gefunden bei http://www.politaia.org

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