Roundup Ready

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Wenn sich „Pimmel mit Ohren“ „zusammenrotten“

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Während wir uns gerade gegenseitig anbrüllen und uns – virtuelle und reale – Flaschen an die Köpfe werfen, wer denn der größere Menschenfeind und „rechts-/linksversiffte Idiot“ ist, kann die neoliberale Agenda weiterhin ungestört voranschreiten.

Dass diese jeder Nachhaltigkeit spottende Agenda nach 2008 eigentlich bereits moralisch bankrott und ohne Unterhosen vor uns gestanden hat, geht nun im allgemeinen Trubel unter. Die Global Player können sich an die Verwertung der letzten noch verbliebenen Umwelt- und Humanressourcen heranmachen. Der abgehängte Pöbel (von Leitjournalisten wie Jakob Augstein in einem jüngsten Spiegel-Artikel als „Pimmel mit Ohren“ und als „Fleisch gewordenes Rülpsen und Tölpeln“  bezeichnet) reibt sich in Demonstrationen und Gegendemonstrationen selbst auf und stellt daher für das Großkapital keine Bedrohung mehr dar. Man kann sogar  mit unverhohlener Verachtung auf diesen Pöbel hinspucken. Denn egal wie die Wahlen auch ausgehen, die Regierungsmehrheit der „Partei des Business“ (Noam Chomsky)  ist gesichert.

Angesichts des mittlerweile in den Medien verwendeten Vokabulars frägt man sich, was die nächste Eskalationsstufe sein wird: Bei Menschen, die gegen die – im Übrigen sogar nach Ansicht höchstrangiger Verfassungsrichter undemokratische und nicht-legitimierte – Politik der Bundeskanzlerin demonstrieren, sieht man „Zusammenrottungen“ und „Mob“, gefolgt von Forderungen, „hart vorzugehen“ und mit so etwas Schluss zu machen. Fehlt nur noch die Forderung nach der Fliegenklatsche, um diese lärmenden, in einer marktkonformen Demokratie Merkel’scher Prägung offensichtlich nicht mehr brauchbaren Humanressourcen zu beseitigen. Geht ganz einfach: Einfach mal den Bürgern einer ganzen Stadt bzw. einem Bundesland den „Rechts“-Stempel aufdrücken, und die Müllabfuhr weiß, was sie zu tun hat.

Nun, die Professionalität, mit der man uns heute nach Belieben spalten und gängeln kann (siehe dazu von Edward Snowden geleakte Folien zum Thema „Things that pull a group apart“ /Wie man eine Gruppe spalten kann ), nötigt einem sogar als Skeptiker des herrschenden Systems durchaus Respekt ab.

Einhergehend mit diesem „Covert Social Engineering“  findet eine vom UN Menschenrechtskommissariat unbemerkte, aber gleichwohl umfassende ethnische Säuberung statt. Der Journalist Wolf Reiser bezeichnet sie als „Das große Desinfizieren“. An Blockwarten und nützlichen Idioten, die das Brennholz der Scheiterhaufen herbeischaffen, mangelt es auch heute nicht (siehe „Die neue Aluhut-Inquisition und neoliberale Arschlöcher wie mich“). Viele virtuelle Widerstandskämpfer, die auf den transatlantischen Monokulturfeldern der täglichen Besprühung durch Roundup Ready bisher standgehalten haben, geben gerade auf und streifen die Segel ein. So vor wenigen Tagen auch die Propagandaschau, der von vielen geschätzte „Watchblog für Desinformation“ (siehe Nachruf), der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die Techniken der Meinungsmache, Manipulation und Verhetzung unserer Leitmedien (siehe Update des DIN-ISO-zertifizierten Medien-Netzwerks Sept. 2018) zu demaskieren.

Durch die Streckfolter mürbe gemacht, geben derzeit auch viele andere Ketzer auf. Schon vor einigen Wochen hat der Liedermacher Florian Kirner im Namen aller anderen Verschwörungstheoretiker die formelle Kapitulation vor der herrschenden Lehre erklärt (siehe „Wir schwören ab“). Mit dem glühenden Eisen der Neo-Inquisition im Fleisch leistet er Abbitte:

„Wir bitten Euch — nehmt uns wieder auf! Wir lassen der Geschichte ab sofort ihren Lauf.
Wir kehren zurück als verlorener Sohn. Niemals überschreiten wir den Rubikon.
Wir schwören ab!“


Nachsatz:

Diese Zeilen sollen natürlich nicht das Gläschen sein, das das kollektive Fass der Depression nun zum Überlaufen bzw. auch uns zum „Abschwören“ bringt. Obwohl „Abschwören“ eigentlich unverzichtbar und sogar das Gebot der Stunde ist – allerdings in die richtige Richtung gerichtet. Die Ambitionen der herrschenden Lehre und ihrer medialen Claqueure sind nämlich noch niemals in ihrer ganzen Nacktheit, Destruktivität und ihrem dreisten Manipulationsgebahren vor uns gestanden. Wer jetzt gegenüber dieser menschenverachtenden Lehre nicht abschwört, sondern aus vermeintlicher Bequemlichkeit weiter im Zug Richtung Grand Canyon sitzen bleibt, der geht nichts weniger entgegen als seiner geistigen Vermorschung. Wer hingegen abspringt und eine andere, selbstbestimmte Richtung einschlägt, der kann sich zumindest individuell seine Würde und damit seine geistige Gesundheit bewahren, egal welche äußeren kollektiven Verwerfungen, denen wir sowieso nicht entrinnen können, auch kommen mögen.  

In Wirklichkeit ist das kollektive Politgeschehen, über das sich jeder gesund denkende Mensch wohl nur noch die Haare raufen kann, hoffnungslos dem Untergang geweiht. Um nicht von diesem Strudel des Niedergangs verschlungen zu werden, tut man gut daran, eine ganz andere Strömungsrichtung einzunehmen: Indem man nicht mehr die geringste Erwartung an das zerfallende, dem Irrwahn zentralistisch-globalistischer Machtakkumulation verfallene System  hegt und ihm innerlich jedwede Autorität aberkennt. Stattdessen man sich um eine souveräne, individuelle Position im Leben bemüht. Sich den von Prof. Mausfeld als „Mentalvergiftung“ bezeichneten medialen Direktiven verweigert und die Literatur, die man sich zuführt, genauso bewusst auswählt wie das tägliche Essen. Wenn einem der Ober eines Lokals Gammelfleisch oder eine verschimmelte Pizza serviert, dann wird man ihm ja auch zu verstehen geben, dass er sich diese sonstwo hinstecken kann, aber man gewiss nicht so dumm sein werde, sie zu verspeisen, selbst wenn sie gratis sind (so wie die Online-Formate der deutschen Leitmedien, die nach dem Auflagenschwund ihrer Papierausgaben im Netz weiterhin die Meinungshoheit beanspruchen).

Hat man diese Emanzipation gegenüber der herrschenden Meinungs-/Manipulationsmaschinerie bewerkstelligt, dann wird man im kleinen Kreis unendlich viel Sinnvolles, Notwendiges – und damit selbst in der größten Tragik unweigerlich einhergehend sogar: Glücklich-Machendes – erfahren. Man darf dabei nur nicht den Fehler begehen, dieses Umschwenken auf individuelles Leben nur auf die eigene Person zu verstehen. Dann wären wir ja geradewegs in diejenige Falle gegangen, in der man uns haben möchte, um uns als Solidargemeinschaft zu marginalisieren: dass jeder „abschaltet“ und sich nur noch in sein Biedermeier-Privatleben zurückzieht. Nein, das ist natürlich nicht gemeint. Gelungene Entfaltung des individuellen Lebens ist immer intentional auf das Du bzw. auf die die Mitmenschen und die Natur bezogen.

Wenn wir diese Mitmenschen und unsere Umwelt wohlwollend im Auge behalten (wenn jemand vom System ausgebootet wurde – ein Schicksal, das demnächst noch sehr viel mehr Menschen bevorsteht als schon bisher:  Auf keinen Fall Raum für Selbstvorwürfe geben, sondern sich möglichst schnell mit anderen Menschen zusammentun bzw. sich mit Gleichgesinnten vernetzen – es warten jede Menge ganz neue, bereichernde Kontakte und Lebensperspektiven, auch abseits des vermeintlichen „Wohlstands“ und der bürgerlichen Lohnabhängigkeit), dann werden wir irgendwann auch wieder alle Risse und Spaltungen überwinden und bei aller Verschiedenheit den gemeinsamen Nenner der Wertschätzung der unverbrüchlichen Individualität und Würde des Anderen finden.

Und gegen den medialen Strom bzw. die Direktive des Hasses stellt man sich auch bereits in sehr wirkungsvoller Weise, indem man sogar in den scheinbar unleidlichsten Zeitgenossen, die einem auf der Straße begegnen, das Positive und den menschlichen Kern sucht. Wenn man in ruhigem Ambiente mit solchen Menschen in den Dialog geht, wird man sehr schnell auf diesen menschlichen Kern stoßen, selbst bei denjenigen, die der Qualitätsjournalist Augstein nur als „Pimmel mit Ohren“ ansieht. Augsteins „Pimmel“ sind oft gequälte, durch soziale Kälte traumatisierte, mitunter irregeleitete, aber in wesentlichen Bereichen herzensgute Menschen, denen bisher nur niemand konstruktive Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe angeboten hat und die nun Gefahr laufen, ins Destruktive abzurutschen. Sie brauchen unsere Hand, nicht einen weiteren Tritt mit dem schwarzen Lackschuh.

Fjodor  Dostojewskij hat es in seinem „Traum eines lächerlichen Menschen“ auf poetische Weise ausgedrückt:  

„Ich ging unter ihnen umher, händeringend und klagend, aber ich liebte sie vielleicht noch mehr als damals, da auf ihren Gesichtern noch nicht das Leiden lag, als sie noch unschuldig und wunderschön waren. Ich gewann ihre durch sie entweihte Erde noch mehr lieb als früher, da sie noch ein Paradies war, und nur deshalb, weil auf ihr das Leid erschienen war. Ach, ich liebte stets Leid und Gram, aber nur für mich, für mich allein; doch um sie weinte ich, da sie mich dauerten. Ich streckte ihnen meine Arme entgegen …“

 

Foto: „Freundschaft der Dickhäuter“ / pixabay / CC0

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