Resession

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Wirtschaft? Im Eimer. Ersatzwährung? Wird schon produziert. Wasser? Bald ein Riesengeschäft.

Wirtschaft? Im Eimer. Ersatzwährung? Wird schon produziert. Wasser? Bald ein Riesengeschäft.

Donnerstag, 10.1.2013. Eifel. Fast drei Wochen nach dem Untergang der Welt habe ich hier vor Ort immer noch keine Sonne gesehen – und wer sagt eigentlich, das das alles auf einen Schlag geschehen muss?.  Das hier einige Dinge in historischen Dimensionen aus dem Ruder laufen, merkt jeder: die Rekordwettermeldungen übertreffen sich gegenseitig. Vor drei Wochen erfasste Russland eine ungewöhnlich heftige Kältewelle (siehe RU) von bis zu -51 Grad, aktuell werden in Australien die Temperaturskalen der Wetterdienste auf + 54 Grad erweitert (siehe Welt), um die beständig neuen Hitzerekorde überhaupt noch messen zu können. Konsequenzen aus den Wetterkapriolen, die schon in den USA viele Felder und Herden vernichtet haben? Keine. Sind nur Meldungen am Rande, in unserer kleinen Welt zwischen Fernsehsessel und Bildschirm wähnen wir uns von allen Widrigkeiten dieser Welt sicher, weil „die da oben“ schon dafür sorgen werden, das das Leid und Elend garantiert hinter dem Bildschirm bleibt. Währenddessen haben die da oben allerdings anderes zu tun – denn denen fliegt gerade der Kapitalismus in großen Fetzen um die Ohren.

Wir erfahren darüber in Deutschland nur wenig. Auf Wunsch der Kanzlerin bleibt die deutsche Bevölkerung vor den Bildschirmen von der Wirklichkeit verschont, sie kriegen beschönigte Zahlen häppchenweise serviert, Jubelmeldungen einzelner Branchen vorgelegt, die die Regierung selbst über die EZB mit Milliardenhilfen produziert haben – in den USA startet gerade die Bilanzsaison … und von wem erhofft man sich die Erlösung? Von den Pleitebanken, siehe Manager-Magazin. Wenn die nicht wieder kunstvoll neue Anlagelügen herbeizaubern, sieht es schlecht aus mit Gesamtwirtschaft.

Wer genaueres über die Wirtschaftslage wissen will, muss sich tiefer durch Busenblitzer, Promischädel und Primatenunterhaltung wühlen, jedenfalls so lang, bis man in der FAZ lesen kann, das die meisten Fachleute eine noch größere Zinssenkung der EZB erwarten … wegen der europäischen Rezession und der Schwäche der Wirtschaft. Woran man die Schwäche messen kann? Nun – am Autoverkauf zum Beispiel. Unsere Wirtschaft hat die letzten fünfzig Jahre auf Autobau gesetzt – undenkbar, wenn der so schwächeln würde wie der von Fiat, der den niedrigsten Stand seit 33 Jahren hat, ähnliches gilt für Ford, Peugeot oder …. Opel (siehe Wirtschaftsfacts).  Auch das Managermagazin sieht die Schwächen auf dem deutschen Automarkt:

Der deutsche Automarkt hat sich zum Jahresende nicht erholt und 2012 mit 3,08 Millionen Neuzulassungen knapp 3 Prozent zum Vorjahr verloren. Der Dezember fiel schwach aus. Betroffen ist vor allem die Oberklasse.

Besonders heftig traf der Einbruch 2012 den KBA-Daten zufolge das Oberklasse-Segment, wo das Minus bei 13,9 Prozent lag.

Hartz IV entfaltet sein volles Potential: aus Angst vor der mit staatlicher Gewalt durchgedrückten Armut legen die Deutschen ihr Geld lieber an die Seite, als ins Auto zu investieren. Langsam merkt man: Hartz IV ist für alle da, die keine Supergehälter vom Staat bekommen. Und kein Wort mehr darüber, das schrumpfende Absätze in einer auf Wachstum ausgerichteten Wirtschaft eine Katastrophe sind. Wozu auch: wir haben ja die Banken, die beschönigen mit Geld vom Staat unsere Bilanzen – und  man kann in Ruhe weiterdösen.

Auch die Parteien merken, das die Zeiten härter werden: Parteispenden schrumpfen im Rekordtempo (siehe Handelsblatt):

Die Großspenden an Parteien sind schon seit Jahren rückläufig: 2009 schossen Großspender der Parteienlandschaft noch 6,45 Millionen Euro zu, 2010 nur noch gut die Hälfte. 2011 gingen die Großspenden dann nochmal auf 2,03 Millionen Euro zurück und im letzten Jahr waren es mit 1,31 Millionen Euro nochmal ein Drittel weniger als im Vorjahr.

Man munkelt, das in der SPD jetzt sogar professionelle Hilfsreferenten Kanzler werden wollen, um der Armut entfliehen zu können.

Im Handelsblatt äußert sich ein Krisenforscher zu den Zukunftsaussichten:

Herr Dombrowsky, die Welt um uns herum wird auch im kommenden Jahr immer unsicherer werden, viele Menschen bekommen nur noch befristete Verträge, für 2013 werden steigende Insolvenzen prognostiziert und ganze Länder stehen auf der Kippe – haben diese Unsicherheiten und Krisen auch irgendetwas Gutes? 

Die Anwort des Herrn Dombrowsky ist äußerst beunruhigend: gibt es eine stabile Grundsicherheit und eine gute Führung, dann kann man jede Krise locker überstehen … wir haben aber Hartz IV und Merkel – das erkärt vielleicht, warum die Frühverrentung wegen psychischer Erkrankung in den letzten fünf Jahren um 44 % gestiegen ist (siehe Jahnke).

Wem es gut geht? Nun – gerade der Führung. Trotz Schwäche im Absatz haben sie Supergewinne errechnet und legen gehaltsmässig enorm zu (siehe Handelsblatt), sogar bei einem Gewinneinbruch von 45 % (RWE) gibt´s noch Mulitmillionenhonorare, bei BMW waren Gehaltssteigerungen von 43% drin – obwohl im August noch ein Gewinneinbruch von 29% zu verzeichnen war (siehe Spiegel).

Was man uns eher vor Augen führt (und zwar jeden Tag mehrfach, damit es auch sitzt) ist die Börse. Dort hat man im letzten Jahr Riesengewinne machen können … und auch dieses Jahr sind die Aussichten super (siehe Handelsblatt). Es waren allerdings nicht die Privatanleger, die an dieser Ralley teilgenommen haben, sondern die Profis, die momentan demonstrieren, wie man locker mit „Solar World“-Aktien Millionen scheffeln kann (siehe Manager Magazin): 70 % Kursgewinne waren da drin: zocken lohnt sich in unserer Gesellschaft mehr als verkaufen oder arbeiten – da kommen sogar die Vorstände der großen Dax-Unternehmen nicht mehr mit.

Was man uns eher nicht so sagt, ist, das man sich schon jetzt vorsichtig auf den ganz großen Knall vorbereitet. Der kommt nicht überraschend – was ja auch der Krisenforscher Dombrowski erkannt hat – sondern baut sich langsam auf.

Wenn er dann da ist, muss schnell gehandelt werden, weil dann die Scheine, die wir „Geld“ nennen, nur noch Dreck wert sind. Dann würde auch die Elitelumpen des Landes kein Bargeld mehr haben … weshalb wir jetzt schon mal neues Geld bekommen. Macht natürlich Sinn, in der Eurokrise erstmal ganz neue Scheine zu drucken, die man – laut Mario Draghi – ganz leicht von den alten Scheinen unterscheiden kann (siehe Handelsblatt).

Noch besser aber reagiert der Markt auf die wirtschaftliche Situation. Laut einer Meldung von Reuters am Weltuntergangstag(danke an den Leser Falbrand für den Link) wird jetzt Gold als Alltagszahlungsmittel produziert: handliche kleine scheckkartengroße Plättchen, die leicht in kleine Portionen zerteilbar sind – die perfekte Währung in der postapokalyptischen Welt.  Die 50 x 1g Combibartafel kostet in Deutschland aktuell 2145 Euro (siehe z.B. Goldsilbershop), laut Gold.de soll der Verkauf bald an 200 „Goldautomaten“ vonstatten gehen. So kann die reiche Bevölkerung flächendeckend mit einem Ersatzzahlungsmittel ausgestattet werden.

Man sieht: der Markt regelt alles, sogar den Untergang. Und weil er so perfekt ist, regelt er auch das Warenangebot, sorgt sich dafür, das der Kunde auch weiß, was er mit seinem Gold kaufen soll … nämlich Wasser.

Dazu muss man ein wenig ausholen.

Momentan fegt die US-Wirtschaft ihre europäischen Konkurrenten vom Markt, wie sie einen unglaublich starken Wettbewerbsvorteil haben: ihre Energiekosten sind deutlich niedriger als die der europäischen Firmen, siehe Wiwo:

Erdgas etwa kostet in den USA derzeit drei- bis viermal weniger als in Europa und Asien. Erdöl ist für 18 Prozent weniger zu haben als im Rest der Welt.

So lassen sich natürlich Marktpreise realisieren, mit denen das gute, alte Europa nicht mithalten kann. Während wir mit unseren Tankfüllungen nicht nur die Konzerne bereichern sondern auch noch die Subventionen der Konzerne finanzieren, könne die dann in den USA eine Million neue Jobs schaffen.

Der Grund für diese geänderten Umstände? Nun – mit dem drohenden Einsatz der US-Armee lassen sich ganz andere Preisverhandlungen mit Ölanbietern führen, in Lybien und dem Irak (und bald ich im Iran) wurden Exempel statuiert, die die Welt zu einer maßvollen Preispolitik gegenüber den USA anregen. Davon mal abgesehen wird aber jetzt auch viel für das „Fracking“ geredet, jenes Zauberwort, das die USA von all ihren Energieproblemen erlöst hat. Vielleicht auch ein Grund dafür, weshalb die Aktien der einst so vielversprechenden Bric-Staaten unattraktiv werden (siehe Wiwo).

„Fracking“ wird auch in Deutschland ausprobiert, Schiefergas steht in ganz Europa ebenfalls in großen Mengen zur Verfügung. Die Produktionsmethode ist nicht gerade einfach: mit großem Druck wird ein mit Chemikalien versehenes Gemisch aus Wasser und Sand in die Erde gepresst, lockert dort das Gestein und setzt so Erdgas frei, das nach oben durchsickert. Hört sich schlimm an, weshalb (siehe FAZ) Frankreich ein Verbot erlassen hat und einige europäische Staaten ein Moratorium erwirkt haben, um große US-Konzerne bei den Abbauarbeiten in Europa zu bremsen. Immerhin gab es in England schon Erdbeben, die mit der neuen Methode in Verbindung gebracht worden sind, außerdem wir eine Verunreinigung des Grundwassers befürchtet.

Wie üblich, streiten sich auch hier die Experten, laut Handelsblatt werden sie sogar richtig fies:

Die Experten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe werfen ihren Kollegen beim Umweltbundesamt vor, wissenschaftlich ungenau zu arbeiten und Tatsachen zu ignorieren. Durchaus süffisant merken die Verfasser der Stellungnahme an, in dem UBA-Gutachten werde irrtümlich Grundwasser mit Trinkwasser gleichgesetzt.

Durchaus süffisant kann man anmerken, das sie völlig Recht haben: Grundwasser liegt in der Erde, Trinkwasser kommt aus dem Wasserhahn.

Farmer in den USA machen mit dem Fracwasser andere Erfahrungen, siehe 3Sat:

Einige seiner trächtigen Kühe tranken aus dem Teich, in den das Frac-Wasser hinein floss. Und allesamt brachten sie entweder tote Kälber zur Welt oder sie starben kurze Zeit später.

Fracwasser ist harmlos, sagt die Industrie:

Die Inhaltsstoffe sind bei jedem Frac unterschiedlich. Die Flüssigkeit für das Hydraulic Fracturing besteht üblicherweise zu 98-99,5% aus Wasser und Sand. Die verbleibenden 0,5-2% setzen sich zusammen aus chemischen Zusatzstoffen, die benötigt werden, um den Prozess sicherer und effektiver zu gestalten (z.B. durch Verminderung der Reibung, zum Schutz vor Korrosion und zur Verhinderung von Bakterienwachstum).

Ich habe mal nachgeschaut, was da an harmlosen Dingen so drin ist … Dingen, die wir auch normal mit der Nahrung zu uns nehmen, wie Exxon meint. Auf deren eigener Propagandaseite fand ich

Glutaraldehyd

Glutaraldehyd ist giftig und verursacht schwerwiegende Augen-, Nasen-, Hals- und Lungenreizungen, die mit Kopfschmerzen, Benommenheit und Schwindel einhergehen.

Glutaraldehyd ist vor allem für Wasserorganismen stark giftig.

Seit Anfang 2008 kommt es durch Pläne des vom Energiekonzern Gazprom geführten Nord Stream-Konsortiums ins öffentliche Bewusstsein. Es wird erwogen, die neu gebaute Ostsee-Pipeline mittels wässriger Glutaraldehydlösung zu säubern. Die dafür benötigten 2,3 Milliarden Liter Lösung sollen danach in die Ostsee gepumpt werden. Ein Papier des Umweltministeriums gibt zu bedenken, Fauna und Flora des baltischen Meeres seien ohnehin schon stark durch Schadstoffe belastet.

Ethylenglycol

Ethylenglycol ist als gesundheitsschädlich eingestuft. Die Hauptaufnahmewege sind das Verdauungssystem und die Haut, bei Ersterem kann mit einer sehr schnellen und nahezu vollständigen Resorption gerechnet werden. Ethylenglycol wirkt reizend auf Schleimhäute, vor allem des Auges. Bei hohen Dosen wirkt es zudem toxisch auf Nervengewebe, es kommt zu Herz-Kreislauf- und Stoffwechselstörungen und Nierenschädigung.

Ein Frostschutzmittel, wird gerne von Weinpanschern verwendet, ist tödlich ab 1,4 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Ammoniumpersulfat. Nichts bei Wikipedia … aber dafür umso mehr auf dem Sicherheitsdatenblatt einer Chemiefirma. Giftiger Sondermüll.

Es gibt auch noch andere Substanzen wie Salzsäure oder nicht näher definiertes „Erdöldestilat“ (Benzin? Diesel?), das für einen richtigen Frac-Coctail unabdingbar ist – und das sind nur die Sachen, die sie offiziell zugeben.

Auf jeden Fall ist es Sondermüll … und wie üblich ist seine Entsorgung teuer, nochmal 3sat:

„Womit wir hier in den USA ein Problem haben, sind einige Betreiber. Das Frac-Wasser, das am Bohrloch zurück an die Oberfläche fließt ist Sondermüll und muss dementsprechend entsorgt werden. Das ist natürlich teuer. Deshalb wird es nicht ordnungsgemäß beseitigt und verschmutzt das Wasser.“
Wie auch in Pennsylvania. An einigen Stellen wird Frac-Wasser illegal eingeleitet. In manchen Bächen hat sich die Anzahl der Fische schon stark verringert. Aber nicht nur die Natur auch ein Kraftwerk zwang das Bohrwasser in die Knie. Fünfmal so salzig wie Meerwasser, führte es am Kühlwassersystem zu nie dagewesenen Korrosionen.

Da freut man sich im Atomkraftwerk.

Was aber noch viel schwerer wiegt: woher kommt eigentlich das Wasser, das für Fracking verwendet wird? Nochmal die Stimme der Industrie:

Das Wasser, das im Hydraulic-Fracturing-Prozess verwendet wird, kommt normalerweise aus dem öffentlichen Netz. 

Das Volumen an Frischwasser, das für das Bohren und Fracen einer horizontalen Bohrung benötigt wird, entspricht allerdings gewöhnlich etwa 3-6 olympischen Schwimmbecken (50 x 25 Meter).

Mal abgesehen von den Gefahren, die Fracking noch so mit sich bringt (wie zum Beispiel die ungewollte Mitförderung von Uran), ist es auf jeden Fall eine systematische großflächige Vernichtung von Trinkwasser … und das in einer Welt, die sich darauf vorbereitet, das die nächsten Kriege um Wasser geführt werden.

Aber dafür haben wir ja diese kleinen Goldplättchen, mit denen wir dann das letzte echte, fein in Flaschen verpackte Trinwasser kaufen können.

Manche jedenfalls.

Nochmal Daten zum Thema Wasser? Hier, aus dem Exklusivinterview für Euro am Sonntag auf Finanzen.net

Die USA leiden unter der schlimmsten Dürre seit Jahren. 63 Prozent der 48  kontinentalen Bundesstaaten sind von der Trockenheit betroffen. In Zukunft rechnen Klimatologen mit einer generellen Zunahme solcher Extremereignisse. Zudem soll auch die Wasserverfügbarkeit in weiten Teilen der Welt sinken — bis 2050 in den meisten Regio­nen Mitteleuropas und der USA um bis zu 20 Prozent. €uro am Sonntag sprach mit Gerhard Wagner, Manager des Swisscanto Equity Fund Water Invest über die Herausforderung, mit weniger Wasser auszukommen.

Weltuntergang nicht eingetroffen?

Wieso – wir sind doch mittendrin. Aber wer jetzt mit Fracking Millionen verdient, weiß zumindest, wo er sein Geld investieren kann: in jenes Wasser, das er noch nicht verseucht hat.

Und je mehr er verseucht … umso wertvoller wird das.

Das ist Marktwirtschaft pur …

 

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