Rente

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Über die Wertlosigkeit der Arbeit und die Arbeit der Zukunft: Zwangsarbeit und Rente mit 80

Donnerstag, 16.8.2012. Eifel. Der erste Tag, an dem ich mich gefragt habe, ob es Sinn macht, den Nachrichtenspiegel in bisheriger Form weiterzuführen. Nein, nicht das ich zu der „Vogel-Strauß“-Fraktion gewechselt bin, die der Meinung ist, das sich die aktuelle Krise am Besten dadurch bewältigen läßt, dass man den Kopf in den Sand steckt – wäre ich dieser Meinung, würde ich in die Politik gehen: „Vogel-Strauß“-Verhalten wird dort exzellent bezahlt. Es war ein anderes Erlebnis, das mir diese Gedanken eingab: zum ersten mal war ich auf eine Information gestoßen, die hochbrisant war – aber noch nicht veröffentlicht. Sie lag bei einer Nachrichtenagentur herum und musste bezahlt werden. Dem Philosophen stößt dies sauer auf – seit wann muss man für Wahrheit bezahlen? Und wenn man für Wahrheit bezahlen muss – was ja offensichtlich gerade der Fall ist – wieviel Wahrheit geht an uns vorüber, ohne das wir davon Kenntnis nehmen – einfach aus dem Grund, das niemand dafür bezahlen möchte? Die Allianz der Besserverdiener in den Redaktionen wird doch nicht das Geld ihrer Geldgeber investieren, um Nachrichten zu verbreiten, die dazu geeignet sind, die Gewinne dieser Geldgeber schmälern? Worum es bei dieser Nachricht ging? Nun – um die Zukunft unserer Arbeit, für die gerade jetzt neue Weichen gestellt werden.

Bevor wir jedoch auf die Zukunft zu sprechen kommen, ein kurzer Blick in die Vergangenheit. Was war das eigentlich früher mal: Arbeit? Nun – in einer Gesellschaft ohne Räuber bedeutete Arbeit Investition von Leistung in Steigerung der Lebensqualität sowie Absicherung der Zukunft. Wer (im idealtypischen Zustand) ein Stück Land rodete, bepflanzte und Viehzucht betrieb, konnte seinen Kindern einen beachtlichen Betrieb hinterlassen – allerdings nannte man Betrieb damals noch „Familie“, was in erster Linie eine geschlossene Wirtschaftsgemeinschaft war, die sich zusammen gegen die Widerstände der Welt behaupteten: Winter, Wölfe und Erbschleicher.

Arbeit war immer und überall da, jederzeit konnte man Kraft und Zeit investieren, um Beeren zu sammeln, Saatgut zu filtern oder Tiere zu jagen. Muss ein tolles, beglückendes Leben gewesen sein – jedenfalls wenn man die Leute fragt, die noch im 19. Jahrhundert so leben konnten: die nordamerikanischen Indianer. Gut, die sind jetzt ausgerottet – aber da die USA diesen Krieg gewonnen haben, ist das ein Holocaust, über den nicht geredet wird.

Übernommen haben dieses Paradies die Farmer, die heutzutage komplett von wenigen Konzernen übernommen wurden (siehe hierzu: Food.inc). Wie das geschehen konnte? Banken haben zum Umbau dieser Gesellschaft Billionen Dollar (oder Euro) zur Verfügung gestellt – Billionen, die jetzt als faule Kredite in den Bilanzen auch europäischer Banken schlummern: der Umbau der Gesellschaft von einem Arbeitsparadies in ein Zinsparadies fand halt nicht nur in den USA statt, die Leitnation der westlichen Welt sorgte schon über viele Kanäle dafür, das auch hier Zucht und Ordnung herrschten.

Konkret ist unser idealtypischer Farmer heute mit 500 000 Dollar verschuldet und erwirtschaftet mit seinem Monokulturbetrieb (mit z.B. mehreren hundertausend Hühnern) in totaler Abhängigkeit von einem einzigen Kunden 18 00o Dollar im Jahr. Würde er auch nur die Hälfte seines Verdienstes zurücklegen um die Schulden abzubezahlen, so bräuchte er über ein halbes Jahrhundert, um seine Produktionsstätten abzubezahlen … die müssten dafür aber auch fünfzig Jahre ohne Reparaturen auskommen. So baut heute leider kein Mensch mehr.

Mal abgesehen davon, das wir durch dieses System mit der minderwertigsten Nahrung der Menschheitsgeschichte beglückt werden und Arbeit als Kapitalbildungsfaktor völlig vernichtet wurde, darf man auch nicht vergessen, das das ganze Geld, das dort von Banken verliehen wurde, überhaupt nicht existent war.  Nebenbei bemerkt man, auf welch wackeligen Beinen eigentlich die Ernährung unserer Bevölkerung steht, wenn man mal hinter die immer karger gefüllten Regale der Supermärkte schaut: eine gesunde Wirtschaft ist dort nicht zu entdecken.

Wer nun den Film „Food.inc“ mit anderen Augen betrachtet, wird schnell feststellen, das dort auch ungeblümt eine Umwertung der Arbeit zur Sprache kommt: man erfährt im groben Umriss, wie durch Bankenkredite aufgeblasene Großkonzerne die Arbeitsmärkte vernichtet haben. Menschen werden dort kaum besser behandelt als Schweine, ihre Arbeitskraft wird auf immer weniger Handgriffe reduziert. Der Mensch wird zum billigen, jederzeit beliebig ersetzbaren Roboterersatzstoff … und Arbeit als solche völlig wertlos.

Auch das alles finanziert mit Krediten von Banken, die niemals die gigantischen Summen besaßen, die sie verliehen hatten und für die heute der ganze Erdball Zinsen zahlen muss. Ja – wir zahlen Zinsen für Geld, das nie existierte. So schafft man leistungsloses Einkommen aus dem Nichts – kein Wunder, das Bankmanager sich wie Götter fühlen, denn die „Erschaffung aus dem Nichts“ war früher eine Qualität, die man nur den allerhöchsten Schöpfergöttern zutraute.

Nun – das die das Geld nicht hatten,  es aber trotzdem für jeden noch so windigen Konzernschachzug gerne als „Zahlungsversprechen“ das nie eingehalten werden konnte zur Verfügung stellten, merken wir gerade auch in Europa: eine Billion Euro fauler Kredite liegen auch hier in den Bilanzen der Banken herum (siehe z.B. Welt), die ständig steigenden Staatsverschuldungen der westlichen Industriestaaten spiegeln diese Megalumperei 1:1 wieder.

Was aber tun die Banken, um ihre Taten zu verschleiern? Einerseits haben sie sich in einem Ausmaß untereinander vernetzt, das keine einzige von Ihnen mehr fallen kann, ohne das das ganze globale Wirtschaftssystem zusammenbricht, siehe Deutsche Wirtschaftsnachrichten:

Eine Studie der ETH Zürich zeigt: Die internationalen Finanzinstitutionen haben die Krise genutzt, um sich noch stärker zu vernetzen. Durch die wechselseitige Abhängigkeit müssten daher auch kleinere Banken von den Notenbanken gerettet werden, weil heute praktisch jede Bank den totalen Crash auslösen könnte. Die Banken betreiben diese Strategie offenbar ganz bewusst, um auf jeden Fall durch einen Bailout abgesichert zu sein.

Das gleicht einem Einbrecher, der sich mit Dynamit behangen hat und droht, sich selbst und alles rundherum in die Luft zu sprengen, wenn jemand die Polizei informiert. Das ist … hochgradig psychopathisch.

Doch damit nicht genug: damit der Bürger nicht merkt, wie groß und umfangreich der Raubzug ist, den kriminelle Besserverdiener gerade inszenieren, wird er selber gejagt und wirtschaftlich vernichtet, in dem man ganz einfach das gezielt wertlos macht, was seine ureigene Stärke ist: seine Arbeitskraft. Das ist ja das zentrale Thema in unserer Krise. Nicht die Vernichtung von Ersparnissen und Kapital steht funktional im Mittelpunkt, sondern die Vernichtung der Arbeitskraft durch völlige Entwertung von „Arbeit“.

Millionen von kerngesunden, leistungswilligen, super ausgebildeten Jugendlichen in Europa können davon ein Lied singen: obwohl sie über ein enormes Arbeitskraftpotential verfügen, haben sie keinerlei Möglichkeit, dies in Kapital umzusetzen … weil für sie keine Zinsen gezahlt werden. Eingebildetes oder trickreich künstlich ausgedachtes Kapital  hat da bessere Chancen auf gesetzlich garantierte Supergewinne.

Folgen der Vernichtung des Wertes der Arbeit? Die Einführung von Arbeitspflicht zu Niedrigstlöhnen – in Deutschland „Hartz IV“ genannt. In der Welt finden wir in einem lobendem Artikel zu diesem Werk ein erstaunliches Zitat:

„Die Hartz-Reformen haben zu einer Verhaltensänderung geführt“, sagt Schneider. Die Angst vor dem sozialen Absturz bewirke, dass man auch Jobs annehme, die weniger gut bezahlt oder weniger angenehm seien. „Der Stress-Level ist selbst für diejenigen gestiegen, die objektiv gar nicht durch Arbeitslosigkeit gefährdet sind. Deshalb ist der Zorn in der Bevölkerung über die Reform trotz der Beschäftigungserfolge noch immer groß“, sagt der IZA-Experte. Tatsächlich aber sei die Angst positiv zu sehen, denn sie verhindere, dass immer mehr Menschen in die Falle der Langzeitarbeitslosigkeit tappten.

Natürlich tappen immer mehr Menschen in die Falle der Langzeitarbeitslosigkeit, was die Welt in einem anderen Artikel treffend beschreibt:

Trotz guter Arbeitsmarktlage haben viele Langzeitarbeitslose nach einem Bericht der „Saarbrücker Zeitung“ offenbar immer schlechtere Karten, einen Job zu finden. Der Anteil der Erwerbslosen, die bereits zwei Jahre und länger auf Hartz IV angewiesen sind, sei seit 2009 bundesweit um fünf Prozent auf 61 Prozent gestiegen, berichtet das Blatt unter Berufung auf Daten der Bundesagentur für Arbeit.

Das heißt: Hartz IV hat eigentlich praktisch nichts gebracht – außer Lohnraub in einem nie dagewesenem Umfang und eine Erhöhung des „Stresslevels“ in der Gesellschaft …. etwas, das sonst nur Terroristen schaffen. Gegen den Terror des Bankenclans (der inzwischen weltweit als monolithischer Block auftritt, um sich der politischen Gewalt komplett entziehen zu können) sind wir aber noch machtloser als gegen islamistischen Terror – weil wir einfach nicht direkt darüber informiert werden. Ein unsichtbarer Terrorist ist halt viel gefährlicher als ein sichtbarer – und richtet schneller viel größeren Schaden an.

Praktisch gesehen geht der Terror aber weiter … nicht nur mit der Forderung, in Europa eine Wanderarbeiterkaste analog zu China oder den USA zu errichten.

Es sind die gleichen Agenten wie früher, die – ohne überhaupt noch eine sinnvolle gesellschaftliche Position inne  zu haben – als Sprachrohre des Bankenclans und seiner gesellschaftlichen Umbauträume ihren Weg in die Medien schaffen und nun unverblümt die Rente mit 80 fordern (siehe Wolfgang Clement in der Welt). Sowohl die Wanderarbeiteraktion sowie der Rentenvernichtungsvorst0ß sind Vorboten einer neuen von Banken iniitierten Welle der Arbeitsvernichtung, die beim europäischen Dackel der Konzernwirtschaft – Großbritannien – aktuell in seine Praxisphase tritt: laut „Junge Welt“ ist Zwangsarbeit in Großbritannien (sprich: sechs Monate 30-Stunden-Woche ganz ohne Bezahlung) jetzt höchstrichterlich abgesegnet … und dort finde ich auch die Information, für die ich andernorts viel Geld hätte bezahlen müssen:

So vermietet eine Haftanstalt in Wales Insassen für einen Stundenlohn von drei Pfund an die Firma »Becoming Green«, wo die Gefangenen im Call Center arbeiten. Dafür haben die vorher dort Angestellten ihren Job verloren.

Damit ist ein weiterer entscheidender Schritt zur Entwertung menschlicher Arbeitsleistung getan: Konzerne erhalten ihre Arbeiter einfach vom Staat, der auf ein wachsendes Heer von Straftätern zurückgreifen kann. Einfach mal mehr Leistungen gekürzt, so das die jugendlichen Arbeitskräfte ihren Hungertod mit Ladendiebstahl verhindern müssen: schon bekommt man Arbeitskraft zum Nulltarif: das Prinzip der Raubwirtschaft, das durch die Vernichtung und Enteignung der Ureinwohner Amerikas zu unglaublichem Reichtum gekommen ist, frisst nun seine Kinder.

Auch in Deutschland vernichten HartzIV-Flüchtige jene sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze im großen Umfang, die die Grundlage unserer ganzen Sozialversicherungen sind: so gräbt sich der Staat durch seine eigenen Gesetze sein Wasser selbst ab und zeigt so deutlich, wer in diesem Land schon lange nicht mehr das Sagen hat – die Vernunft, der Mensch, der Bürger.

Halten wir den Prozess der Verdrängung der Realwirtschaft durch die Zinswirtschaft nicht auf, ist unsere Zukunft unaufhaltsam vorprogrammiert: da unsere Arbeitsleistung durch gesellschaftliche Verträge als „wertlos“ betrachtet wird, wird auch der Mensch als solcher wertlos … einmal abgesehen von den Papierwerten der allgemeinen Menschenrechte, die jederzeit im Interesse der marktkonformen Demokratie vernachlässigt werden können.

Auf uns wartet eine Welt, in der wir Luxuszinsen für betrügerisch erzeugtes Kapital mit Gratisarbeit erwirtschaften müssen – eine ganz neue Form von Sklaverei.

In den Medien wird aber kaum jemand für diese Informationen bezahlen, weil die „Vierte Macht“ aus jenen Besserverdienern besteht, die durch die Zinsknechtschaft gut verdienen – und die anderen werden das Geld nicht mehr haben, um sich solche Informationen leisten zu können.

So weicht das Zeitalter der Aufklärung dem Zeitalter der Verklärung.

Welch´ eine Blamage für die Gattung Mensch, die eigentlich über ein enormes Arbeitspotential verfügt, das nur gerade durch eine asoziale Raubwirtschaft komplett abgegriffen wird und so zu unglaublichen sozialen Degenerationen führt, die man zu Zeiten der Aufklärung völlig überwunden glaubte.

 

 

 

Die Ängste der Frau Merkel … und die dunkle Zukunft Deutschlands

4.7.2012. Eifel. Ein besonderer Tag. In den USA feiert man die Unabhängigkeit, den Verlust des kolonialen Status und die Erlangung der Freiheit. Für die einen waren es freie Menschen, die der Sklaverei des europäischen Feudalismus entkommen wollten - für die anderen (die, zugegebenermaßen nur selten zu Wort kommen) freimaurerische Schwarzmagier, die mit einem getürkten Krieg unter Verwendung ihrer freimaurerischen-magischen Baukunst ein Experimentierfeld für ihre Weltherrschaftsträume suchten. Letzteres ist sicherlich sehr phantastisch - aber einerseits sind Exemplare dieser Baukunst systematisch in Washington zu finden, andererseits hat die Geschichte diesen seltenen Stimmen recht gegeben: der Aufstieg der kleinen amerikanischen Kolonie war ähnlich wundersam wie die Blitzkriege Hitlers (dessen Förderer sich auch damit beschäftigten, mit welchen Tricks und Kniffen - auch in der Architektur) man das Schicksal gewogener stimmen kann. Wenn diese Leute Recht haben - so meine kritische Meinung zu dem Thema - dann wird Deutschland bald führende Nation in Europa, das jedenfalls sagte ich 2006 anlässlich einer Begehung des Regierungsviertels, in dem vielen ähnliche Strukturen zu erkennen sind, mit denen auch in Washington experimentiert wurde. Scheint so, das die Geometriezauberer doch Recht hatten.  Zu fremdartig? Ja, hier - nicht jedoch in Asien, wo die Wissenschaft des Feng Shui hilft, Konzernen zur Weltgeltung zu verhelfen.  Erleben wir auch gerade - aber erfahren nichts darüber. Doch auch für uns vom Nachrichtenspiegel ist heute ein besonderer Tag: zwei Jahre lang gibt es nun dieses Format, das Hilfe bei der Orientierung zwischen den blühenden Traumgebilden des öffentlich-rechtlichen Wohlfühlfunks und den Horroszenarien der privaten Nutzviehbespaßungsprogramme liefern möchte ... und gerade heute zu einer Widerstandsaktion der besonderen Art angeregt hat.

4.7.2012. Eifel. Ein besonderer Tag. In den USA feiert man die Unabhängigkeit, den Verlust des kolonialen Status und die Erlangung der Freiheit. Für die einen waren es freie Menschen, die der Sklaverei des europäischen Feudalismus entkommen wollten – für die anderen (die, zugegebenermaßen nur selten zu Wort kommen) freimaurerische Schwarzmagier, die mit einem getürkten Krieg unter Verwendung ihrer freimaurerischen-magischen Baukunst ein Experimentierfeld für ihre Weltherrschaftsträume suchten. Letzteres ist sicherlich sehr phantastisch – aber einerseits sind Exemplare dieser Baukunst systematisch in Washington zu finden, andererseits hat die Geschichte diesen seltenen Stimmen recht gegeben: der Aufstieg der kleinen amerikanischen Kolonie war ähnlich wundersam wie die Blitzkriege Hitlers (dessen Förderer sich auch damit beschäftigten, mit welchen Tricks und Kniffen – auch in der Architektur) man das Schicksal gewogener stimmen kann. Wenn diese Leute Recht haben – so meine kritische Meinung zu dem Thema – dann wird Deutschland bald führende Nation in Europa, das jedenfalls sagte ich 2006 anlässlich einer Begehung des Regierungsviertels, in dem vielen ähnliche Strukturen zu erkennen sind, mit denen auch in Washington experimentiert wurde. Scheint so, das die Geometriezauberer doch Recht hatten.  Zu fremdartig? Ja, hier – nicht jedoch in Asien, wo die Wissenschaft des Feng Shui hilft, Konzernen zur Weltgeltung zu verhelfen.  Erleben wir auch gerade – aber erfahren nichts darüber. Doch auch für uns vom Nachrichtenspiegel ist heute ein besonderer Tag: zwei Jahre lang gibt es nun dieses Format, das Hilfe bei der Orientierung zwischen den blühenden Traumgebilden des öffentlich-rechtlichen Wohlfühlfunks und den Horroszenarien der privaten Nutzviehbespaßungsprogramme liefern möchte … und gerade heute zu einer Widerstandsaktion der besonderen Art angeregt hat.

Ja, gerade heute ist der erste nationale Kaufnixtag, unsere Antwort auf das beständige Dauergenörgel, das man ja sowieso nichts tun kann. Heute kann jeder tun, woran ihn keiner hindern kann: einfach mal nichts kaufen. Ich selbst kaufe heute etwas (und bin da ein schlechtes Beispiel), weil ich den Strom brauche, um diese Zeilen niederzuschreiben. Ich habe auch eine Tiefkühltruhe, einen Elektrowecker, einen Kühlschrank – wahrscheinlich werde ich auch kochen. Aber Bargeld sieht heute keiner von mir, versprochen. Würde ganz Deutschland (oder einfach nur alle, die sich standardmäßig gerne empören) dem Beispiel folgen, könnte dieser Tag erneut in die Geschichte eingehen als der Tag, wo ein Volk einfach mal „NEIN“ gesagt hat. NEIN zu einem Leben, in dem man nur noch Bereicherungsobjekt für „Leistungsträger“ ist, die für die Vernichtung unserer Ersparnisse im Grandhotel dinieren und in Luxusbordellen fast zu Hause sind (siehe Handelsblatt) NEIN zu einem Leben, das im Alter nur noch den geglückten „Sturz aus dem Fenster“ als Altersvorsorge anzubieten hat (wie jetzt bei Margot Werner, siehe Spiegel),  NEIN zu einem Leben, in dem der Verfassungsschutz zum größten Feind der Bevölkerung wird (siehe Welt), NEIN zu einem Leben, in dem die Witwen von Systembütteln (mit 85 Tagen Jahresurlaub und einem Renteneintrittsalter von 55 gesegnet) vom Steuerzahler Fahrstühle für den Weinkeller bekommen (siehe Welt) , aber die Kinderarmut explosionsartig zunimmt.

So einen Tag könnten wir gebrauchen … denn es steht sehr schlimm um Deutschland. Dies sagen nicht etwa die vielgescholtenen Blogger, sondern eine Frau, die es wissen muss: Angela Merkel, ihres Zeichen nach Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, ausgestattet mit einem beispiellosen Macht- und Informationsapparat.

Natürlich sagt uns Frau Merkel das nicht direkt: man will uns nicht beunruhigen. Wie groß ihre Ängste wirklich sind, sieht man eher indirekt – aber dafür umso deutlicher. Das zeigt ein Artikel im Spiegel, der „Madame no“ von einer ganz anderen, besorgteren Seite zeigt:

Finanzkrise, taumelnde EU-Länder und ein bröckelnder Euro? Für viele Deutsche offenbar kein Grund zur Sorge. Für Kanzlerin Merkel dagegen schon – umso mehr überrascht sie der Optimismus ihrer Landsleute. Für diesen sieht die CDU-Chefin kaum zwingende Gründe.

Der Artikel hat neun meist kleine Sätze – aber offenbart große Dimensionen. Die Kanzlerin selbst treibt die Sorge um, wovon Deutschland in zehn Jahren leben soll, weil sie weiß, wie es um die Wirklichkeit bestellt ist. Sie wundert sich, das der Bürger ihr in ihrer Sorge nicht folgt … und vergisst dabei ganz ihre eigenen Anweisungen an die Presse, von der wir als Bürger nur zufällig erfahren haben. Ich habe diese paar Zeilen schon oft zitiert – und möchte gerne noch öfter machen, bis ich sicher sein kann, das sie auf jedem Frühstückstisch in Deutschland liegen. Jakob Augstein hat in seinem Freitag einen Artikel über die Zukunft des Journalismus etwas äußerst Brisantes ganz nebenbei erwähnt:

Ein paar Monate zuvor, am 8. Oktober 2008, hatte es ein sonderbares Treffen gegeben, das in diesem Zusammenhang Erwähnung finden soll. Die Bundeskanzlerin hatte an jenem Tag die bedeutenden Chefredakteure der bedeutenden Medien eingeladen. Es war die Zeit, in die der Ausbruch der großen Finanzkrise fiel. Man findet keinen ausführlichen Bericht über dieses Treffen, der veröffentlicht worden wäre und überhaupt nur wenige Erwähnungen in den Archiven, nur hin und wieder einen Nebensatz, eine knappe Bemerkung. An einer Stelle liest man in dürren Worten, worum es an diesem Abend im Kanzleramt ging: Merkel bat die Journalisten, zurückhaltend über die Krise zu berichten und keine Panik zu schüren.

Sie haben sich daran gehalten, die Chefredakteure. Noch im Februar 2009, vier Monate später, wunderte sich die taz über die Medien: „Sie halten die Bürger bei Laune, auf dass diese stillhalten.

Da wundert sich die Kanzlerin, das die Deutschen sich nicht sorgen – hat aber selbst darum gebeten, nichts zu veröffentlichen, was den Bürger in Sorge treiben könnte. Die haben sich daran gehalten – über den Putsch in Deutschland liest man nur noch selten, aber seine Folgen spüren alle: eine bösartig gewordene Wirtschaft schickt sich an, die Demokratie vollständig zu vernichten, um den Täter einen Dauerwohnplatz im Grandhotel inklusive Freikarte für das nächstgelegene Luxusbordell zu sichern. Die Medien jedoch schweigen zu diesen Zusammenhängen, folgen dem Wunsch der Kanzlerin, weil es in der Tat schlimme Folgen haben könnte, wenn die Bürger realisieren würden, das die Party Deutschland in zehn Jahren vorbei ist – ähnlich wie in Stockton, USA, der „bislang größten Kommunalinsolvenz in der amerikanischen Geschichte„, siehe Handelsblatt.

Die Pleite von Stockton ist bemerkenswert, weil sie zeigt, wofür wir wirklich in zehn Jahren kein Geld mehr haben werden: für Alte und Kranke. Stockton sind die heute schon zu teuer – aber die Lösung liegt nahe. Einfach mal Insolvenz machen und die Rentenansprüche gegen Null fahren: wo kein Geld ist, hat der Kaiser sein Recht verloren.

Merkel weiß das … hat aber wohl vergessen, dass sie selbst den Wohlfühlfunk angeordnet hat – und die Mehrheit der Bürger folgt nur zu gerne der Einheitsjauche der  Einlullmedien: die Realität der alternativlosen Altersarmut und eines dreissigjährigen Siechtums am Ende eines harten Arbeitslebens ist für viele kaum zu ertragen. Ausserdem ist es ja nur zu schön, die Realität nur noch gefiltert durch den Bildschirm zu sich zu nehmen: gefällt einem die Realität nicht mehr, kann man einfach umschalten.

So einfach geht das.

Wir gleichen dem Deutschen im Jahr 1913, der sich nicht vorstellen konnte, das es jemals wieder zu einem Krieg in Europa kommt – die Kombination von Stacheldraht und Maschinengewehren würden einen solchen Krieg ja auch letztlich unführbar machen und Opfer fordern, wie sie die Welt noch nie gesehen hat. Außerdem waren Zivilisation und Vernunft so weit fortgeschritten, das man den Krieg als für immer und ewig erledigt ansah, er war eine hässliche Randerscheinung barbarischer Kulturen, nur was für „Neger“, „Mongolen“ und „Rothäute“, von der sich das zivilisierte Europa entgültig verabschiedet hatte.

1914 hat man dann gemerkt, wie sehr man sich da doch geirrt hat – mit ganz schlimmen Folgen für das Ansehen des „zivilisierten weißen Mannes“ in den Kolonien – einfach mal Gandhi lauschen, der völlig außer sich war, als er mitbekam, was da in dem von ihm bewunderten Europa für Massaker veranstaltet wurden.  Nach 1914 war die Legende von der „kulturellen Überlegenheit des weißen Mannes“ Geschichte – so wie bald die Legende von der deutschen Demokratie Geschichte sein wird.

Die „Auflösungserscheinungen der demokratischen Ordnung“ werden aktuell sogar von Günter Lachmann in der konservativen Welt wahrgenommen – sind somit nicht mehr nur Bestandteil von linken Dauernörglern. Er wählt harte Worte, die jeden Bürger in Angst versetzen sollten:

Der Bundespräsident, die Justizministerin und Altkanzler Schmidt bedrängen die Verfassungsrichter. Gleichzeitig steht der Verfassungsschutz unter Terrorverdacht – und die Parlamente sind ohnmächtig.

Altkanzler Schmidt hat sich für seinen Angriff auf die Unabhängigkeit der Gerichte ein feines Forum ausgesucht: die Atlantikbrücke, jene Institution, die gezielt daran arbeitet, das der Wille jener zweihundert superreichen Amerikaner, die die USA aktuell gestalten, auch in Deutschland umgesetzt wird:

Gerade auch für die Deutschen seien nun „Entschlusskraft und Opferbereitschaft dringend geboten“, sagte der 93-Jährige in einer Rede vor der Atlantik-Brücke in Berlin. Und: „Man muss sein Herz über die Hürde werfen. Das gilt ganz gewiss auch für uns Deutsche und ganz gewiss auch für das Bundesverfassungsgericht.“

Wer sein Herz über die Hürde wirft, ist bereit zu äußerst herzloser Politik. Das Sozialdemokraten darin ihre wahre Stärke sehen, haben wir an HARTZ IV erkennen können.

Nur ein paar Blicke in die Nachrichten, ein wenig umstrukturiert und in andere Zusammenhänge gebracht: schon sehen wir, warum Angela Merkel sich Sorgen macht. In spätestens zehn Jahren werden wir merken, in welchem Ausmaß uns „die Wirtschaft“ wirklich betrogen hat – und das nicht nur Banker und Versicherungsvertreter unser Vermögen im Bordell versoffen haben.

Wir werden sehen, das der Sozialstaat nicht mehr zu finanzieren ist … und das nur noch Millionäre eine Zukunft haben. Darum stellt sich für ganz Deutschland halt nur noch eine Frage: „Wer wird Millionär“ … und wer wird krank, hungernd und frierend auf der Straße landen, weil einfach kein Geld mehr für Renten, Pensionen und ärztliche Hilfe vorhanden ist – jedenfalls nicht für jene 99%, die den Millionären als „Kosten auf zwei Beinen“ das Leben bzw. die Rendite schwer machen.

Aber für die … wird man schon eine Lösung finden.

Eine Lösung, die für uns heute noch so undenkbar und unglaublich ist, wie ein vernichtender Weltkrieg mit Millionen Toter und Millionen gräßlich verstümmelter Veteranen für die Deutschen des Jahres 1913 galt.

Trotzdem kam der Krieg – und für die Millionäre folgten die „Goldenen zwanziger Jahre“.

Die anderen saßen ohne Kiefer, Beine und Augenlicht vor der Eingangstür und bettelten um Pfennige – was der Party keinen Abbruch tat.

So gesehen wird die Verwunderung der Frau Merkel über die optimistischen Deutschen mehr als verständlich.

Die glauben halt an das, was die von Merkel eingenordeten Medien tagtäglich predigen.

Nur die Kanzlerin selbst hat für einen kurzen Moment vergessen, das sie selbst es war, die die Predigten angeordnet hatte.

 

Deutschland 2012: über Drogen, Zwangsarbeit,Pleiten, Hartz IV-Halbierungen, Verschwörungen, Überwachungen, Stromausfälle und die Bezahlautobahn

Freitag, 30.12.2011. Eifel. Es schneit. Ganz Deutschland wartet auf die Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin. Gibt es diesmal eine neue - oder wiederholen wir einfach die vom letzten Jahr:  "die Zeiten sind schlecht aber uns geht es prima?" Das sind natürlich Botschaften von Asozialen an Asoziale, da versteckt sich die Schadenfreude über das Elend der Mitmenschen nur noch ganz schlecht hinter der Krawatte und dem Nobeldeo. Sicher, sie hat Recht: Deutschland hat im Jahr 2011 wieder die Position in Europa, die es schon 1911 hatte. Wir sind die unangreifbare Zentralmacht in der Mitte Europas geworden, ohne die auf dem ganzen Kontinent nichts mehr geht. Wieder einmal soll am "deutschen Wesen die Welt genesen"

Freitag, 30.12.2011. Eifel. Es schneit. Ganz Deutschland wartet auf die Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin. Gibt es diesmal eine neue – oder wiederholen wir einfach die vom letzten Jahr:  „die Zeiten sind schlecht aber uns geht es prima?“ Das sind natürlich Botschaften von Asozialen an Asoziale, da versteckt sich die Schadenfreude über das Elend der Mitmenschen nur noch ganz schlecht hinter der Krawatte und dem Nobeldeo. Sicher, sie hat Recht: Deutschland hat im Jahr 2011 wieder die Position in Europa, die es schon 1911 hatte. Wir sind die unangreifbare Zentralmacht in der Mitte Europas geworden, ohne die auf dem ganzen Kontinent nichts mehr geht. Wieder einmal soll am „deutschen Wesen die Welt genesen“ –

Deshalb bin ich der festen Überzeugung, dass es möglich sein muss, insoweit ein Durchgriffsrecht der europäischen Institutionen auf die nationalen Budgets zu bekommen, als die Einhaltung des Stabilitäts- und Wachstumspakts betroffen ist, weshalb ein Klagerecht vor dem Europäischen Gerichtshof eingeräumt werden sollte.

So Angela Merkel beim „Führungstreffen Wirtschaft 2011„. „Durchgriffsrechte“ für europäische Institutionen unter deutscher Leitung: der „Führer“ wäre begeistert. Der Kaiser auch.

Bei diesem Treffen wurden auch ganz andere Träume beschrieben:

Ein letzter Punkt zur Haushaltsstruktur: Der Bundeshaushalt umfasst über 300 Milliarden Euro. Davon werden 80 Milliarden Euro für die Rentenversicherung – das umfasst auch Kindererziehungszeiten, Witwen- und Hinterbliebenenrenten – ausgegeben. Sie sehen, was das für ein Riesenblock ist. Ein zweiter Block ist die Unterstützung der Langzeitarbeitslosen und deren Familien mit 40 Milliarden Euro. 120 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt werden nur für Rentenleistungen und Leistungen im Zusammenhang mit der Langzeitarbeitslosigkeit ausgegeben.

Man schaut erstmal überrascht: die Arbeitslosen sind also gar nicht so teuer? Die Renter sind es, die uns den Garaus machen? Und dann fällt ein Satz, der Begehrlichkeiten weckt – bedenkt man, vor wem er gesprochen wurde.

Man stelle sich nur einmal vor, man könnte diese Ausgaben von 40 Milliarden Euro halbieren. Dann hätten wir 20 Milliarden Euro mehr für Schuldenabbau oder Investitionen. Unser Investitionshaushalt ist nicht ausreichend ausgeprägt. Wir leben im Augenblick hinsichtlich unserer Infrastruktur in weiten Teilen von der Substanz. Deshalb haben wir einen Schwerpunkt bei der Verkehrsinfrastruktur gesetzt. 

Tja, man stelle sich nur mal vor … man könnte die Ausgaben ganz streichen: ein feuchter Traum von Menschen mit Macht. Ob nun Langzeitarbeitslose wieder in den Straßenbau sollen – wie schon zu Hitlers Zeiten – wird nicht weiter ausgeführt … aber: wenn man vor intelligenten Menschen spricht, kann man schon darauf bauen, das die eins und eins zusammenzählen können, ohne sich groß zu verrechnen – selbst, wenn es Leistungsträger sind.

Der Punkt Rente ist natürlich interessant – und wird wohl deshalb auch 2012 ein Thema werden. Immer mehr Deutsche gehen früher in Rente, obwohl die Regierung möchte, das sie noch viel länger arbeiten, was die Rentenkasse schonen würde: aktuell ist es jeder Zweite. Kein Wunder, das der Herr Hundt mal darauf hinweist, das er selbst 66-jährige für „fit genug zum arbeiten“ hält: wer sein Leben lang nur auf Sesseln saß und Präsentationen geguckt hat, weiß gar nicht, was Arbeit wirklich bedeutet – ECHTE ARBEIT MACHT KRANK.

Eine Wahrheit, die bei den Laumalochern in Politik und Wirtschaft aber nur selten ankommt. Wo Anwälte und Lehrer „Arbeit“ definieren, kann einfach nichts Gescheites bei ´rauskommen.

Man könnte natürlich einfach auch mal Arbeit attraktiver machen. GELD soll da ja manchmal Wunder wirken. 50 Euro die Stunde gezahlt – da werden die Bürger wieder fit. Auf einmal hätten wir kein Problem mehr mit Arbeitslosen – an einem Tag hätten die mehr verdient, als die ARGE ihnen im Monat zahlt.

Auch Rente wäre kein Problem mehr: die würden sich noch auf der Bahre zum Job tragen lassen. Wer übrigens meint, das sei viel, der irrt. Ein Arzt würde für das Geld nicht arbeiten. Ein Politiker auch nicht. Kein Gottschalk würde dafür „moderieren“, kein Fußballer seinem Hobby frönen: es wären nur 8000 Euro im Monat, also „Peanuts“ für einen echten Banker.

Wie man das bezahlen soll? Nun – das kann man den hoch dotierten Experten überlassen. Immerhin bekommen die doch ihr Geld dafür, das sie wirtschaftlich so erfolgreich sind: dann müssen die eben mal Geschäfte machen, die richtig dicken Gewinn bringen. Einfach nur die Produktion nach China verlagern kann jeder Sonderschüler, dafür brauche ich kein Studium. Wie der aktuelle Trend der Frühverrentung zeigt, sind die Rentner doch auch mit viel weniger Geld zufrieden: die Masse bekommt gerade mal 1200 Euro, das wären bei unserem Modell: 24 Stunden Arbeit in Monat – eine Stunde am Tag.

Das ginge auch mit 70 – und die Sozialkassen wären völlig entlastet.

Solche Lösungen werden jedoch gar nicht erst angedacht – und das Volk reagiert entsprechend: innerhalb von zehn Jahren hat sich der Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen verdoppelt, die Strafverfahren gegen Seniorenkiffer stiegen sogar noch stärker: ein Volk im Dauerrausch. Die Folgen eines schwachen Staates, der seine Bürger im Regen stehen läßt – so haben die Indianerstämme Nordamerikas auch auf den Untergang ihrer Kultur, den Verlust ihrer Freiheit und ihrer Lebensräume reagiert. Selbst bei uns in der Eifel ziehen vier Väter schon mal locker einen Kasten Bier durch – an einem Nachmittag im Kindergarten beim Elternfest.

Das sind die Folgen jahrelanger neoliberaler Kultur, die den Staat nur noch als netten Bezahlonkel ansah und am liebsten alle diejenigen als Sklaven zum Autobahnbau geschickt hätten, die auch etwas von dem Geld brauchten – nicht für Maserati und Privatflieger, sondern für Heizung und Unterkunft.

Vielleicht sollten wir uns zur Jahreswende gerade deshalb mal einen Blick in das Heimatland der gemeinschaftsplündernden Unkultur gönnen, einen Blick, den uns das Manager-Magazin gestattet. Dort droht US-Kommunen eine Pleitewelle, die dieses Jahr nur durch Tricks herausgezögert wurde:

Analysten warnen, dass bis zu 100 Kommunen die finanzielle Abrissbirne droht.

In diese Liste hat es auch die US-Finanzmetropole New York geschafft. Bürgermeister Michael Bloomberg, ein Milliardär, hat für den Haushalt 2012 bereits drastische Sparmaßnahmen verordnet, darunter Entlassungen in vielen städtischen Behörden, die nächtliche Schließung von 20 Feuerwehrkommandos, gekürzte Öffnungszeiten für Bibliotheken und Kulturzentren sowie die Entlassung von 6000 Lehrern im Juni. Trotzdem droht, laut dem Büro des Bürgermeisters, eine Etatlücke von 4,4 Milliarden Dollar.

Kinder verblöden, Brände können jederzeit wieder in Katastrophen enden, die Polizei unterhält nur noch eine telefonische Endlosschleife – und die Rente wird dann doch nicht gezahlt:

Bereits 82 Pensionäre der Stadt haben sich mit Kürzungen ihrer Renten um bis zu 55 Prozent einverstanden, berichten die Zeitungen in der ärmsten Stadt von Rhode Island. Und die New York Times warnt bereits eindringlich, dass das Modell Central Falls im Land Schule machen könnte: Gekürzte Renten, um die Anleihehalter zu bezahlen.

(ja, es heißt eigentlich: gaben sich einverstanden oder haben sich abgefunden, aber das ist halt ein Zitat).

Wie lange man uns eigentlich noch in Deutschland vor dieser Wahrheit schonen wird? Man stelle sich vor, wie sich das auf die Entscheider der Wirtschaft auswirkt, wenn sie ihren Blick nun nicht nur auf die 40 Milliarden Arbeitslosenhilfe wenden dürfen, sondern auch davon träumen können, die 80 Milliarden Rentengelder in die Finger zu bekommen: wenn das mal nicht wie Weihnachten und Ostern auf einen Tag wäre!

Darüber hinaus werden die USA Billiglohnland – die ersten Fabriken kommen schon wieder aus China zurück. Das hat der Neoliberalismus geschaffen:

Das reichste Land der Erde wird zum Armenhaus. Und wir? Wir machen da mit. Nie war die Chance in Deutschland größer, durch Arbeitslosigkeit sofort ins soziale Aus zu geraten, siehe Spiegel:

Das Risiko des sozialen Absturzes wächst: Jeder vierte Deutsche, der seinen Job verliert, ist laut Arbeitsagentur inzwischen sofort auf Hartz IV angewiesen. Dumpinglöhne und befristete Arbeitsverhältnisse machen es immer schwerer, die Bedingungen für das höhere Arbeitslosengeld I zu erfüllen.

Und dank der überwältigenden Leistung unserer Leistungsträger sind die Aussichten für die Volkswirtschaft 2012 noch düsterer – einfach mal im Handelsblatt nachschauen, welche Branchen 2012 mit Schwierigkeiten rechnen: die Kernbereiche der deutschen Industrie, Versicherungen und Banken kriegen einfach nichts mehr auf die Reihe – außer Rekordgehälter. Anleihen bei Mittelständlern gelten schon jetzt als mutig, wer keinen guten Draht zu neuen Milliardenaufträgen von Vater Staat hat, dem geht es schlecht.

Einigen wenigen, die sich in diesem Land gut eingerichtet haben, geht es aber ausgesprochen gut. Wie viele es sind? Millionen? Nein. Hunderttausend? Nein. Tausend?  Nein. Hundert? Nein, es sind … dreissig. Dreissig Menschen, die Deutschland kontrollieren, siehe Handelsblatt:

Die exakt 1 000 Aufsichtsmandate der 160 führenden Aktiengesellschaften teilen sich 878 Frauen und Männer. Die eigentliche Macht konzentriert sich allerdings auf eine kleine Gruppe von etwa 30 Aufsehern. Sie haben die interessantesten Jobs, vor allem bei 30 Dax-Konzernen. 23 Personen kontrollieren sogar drei und mehr Firmen.

Der mächtigste Mann in Deutschland: Gerhard Cromme, bekannt geworden durch Maßnahmen zur Frührentenförderung/Betriebssanierung auf Staatskosten:

Nach einem über Monate andauernden Arbeitskampf, der breite Unterstützung in Bevölkerung und Politik fand, wurde eine Vereinbarung getroffen, wonach jüngere Mitarbeiter in andere Unternehmen der Region verlegt, ältere Arbeitnehmer in die Frührente entlassen wurden. Der Stahlstandort Rheinhausen jedoch wurde geschlossen.

Man hätte natürlich auch daran arbeiten können, das der Betrieb wieder Gewinn einbringt – aber das wäre ja Arbeit gewesen. Das die Leistung eines Betriebes auch von Leistungsträgern abhängt, scheint nur noch ein Märchen aus der Steinzeit zu sein.

Natürlich war der Herr Cromme auch am „energiepolitischen Appell“ beteiligt, der großen neoliberalen Verstrahlungsoffensive der „Entscheider“, die aktuell in eine neue Runde geht: die Firmen klagen über Stromschwankungen … vielleicht drehen uns die „Entscheider“ bald mal – nur zum Spaß – für ein paar Tage den Saft ab, damit auch der letzte Wut-Rentner merkt, wer in diesem Land das große Sagen hat.

Keine Frage, das die Nobellimousinenfahrer sich auch für die Autobahngebühr stark machen – sie setzen sie mit Sicherheit von der Steuer ab. Wieder einmal ein Milliardengeschäft für die kleine Clique der Mächtigen in Deutschland – und eine weitere Reiseeinschränkung für Deutsche, die eben nicht ihre 50 Euro die Stunde bekommen … auch dann nicht, wenn sie sie verdient hätten.

Lauschen wir nochmal unserer Bundeskanzlerin – und ihrer Rede  zum Festakt „60 Jahre BKA“:

Das gilt genauso auch mit Blick auf die organisierte Kriminalität. Die Bedrohung, die von ihr ausgeht, ist unverändert hoch. Sie wird in der öffentlichen Wahrnehmung zum Teil unterschätzt. Der wirtschaftliche Schaden im Jahr übersteigt die Milliardengrenze. Ausländischen Gruppierungen der organisierten Kriminalität dient Deutschland als Flucht-, Ruhe- und auch als Investitionsraum. Delikte der Rauschgift-, Eigentums- und Wirtschaftskriminalität kommen dazu.

Dort – aber auch nur dort – darf der bekiffte und besoffene Deutsche mal erfahren, das Deutschland zum Diebesnest geworden ist, zum Heimatland von Kriminellen aus aller Herren Länder – auch eine Folge des durch neoliberale Orgien geschwächten Staates. Wie gut, das die meisten Deutschen davon rauschbedingt überhaupt nichts mitbekommen. Deshalb erfährt man von dem bedrohlichsten Gesetz des Jahres 2011 auch nur nebenbei in der Welt, die das Gesetz selbst als „revolutionär“ bezeichnet:

Beinahe unbeachtet revolutioniert die Bundesregierung die zivile Luftfahrt: Unbemannte Flugsysteme sollen zugelassen werden. Das Reizwort „Drohnen“ wird bewusst gemieden.

Die Zulassung von UAS begründet grundlegende Veränderungen in der zivilen Luftfahrt“, heißt es in den Erläuterungen. Mögliche Auswirkungen reichten in alle Bereiche, „von einer Verbesserung der polizeilichen Gefahrenabwehr bis hin zu einer völligen Neuordnung des kommerziellen Luftverkehrs“.

Da sehen wir, was die Zukunft für uns bringen wird:

die Auflösung der öffentlichen Ordnung – sprich Stadtverwaltung, Polizei, Feuerwehr

Pleitewellen im Mittelstand

Zwangsarbeit für Rentner und andere Arbeitslose bei gleichzeitiger Halbierung der Bezüge

einen neuen Feudalismus der Karrieristen, die Politik zur Not durch Stromabschaltungen bezwingen

und …. die Bürgersteigbenutzungsgebühr, die nur eine Form der neuen Gebühren darstellt, die nach der Autobahnmaut kommen wird.

Das wird sicher … ein ganz tolles Jahr.

Da wünsche ich mal – guten Rutsch … da kann man dann nachher sagen: „ach, da sind wir einfach so hineingeschlittert“.

Wie schon 1914.

Aber … das paßt dann ja wieder.

 

 

 

Hier sitze ich, ihr könnt mich mal

„Volker Pispers und Gäste – 11.09.2011 (mit ohne Gäste)“

[Video, bitte Beitrag anklicken]

Teil 1:

Teil 2:

Deutschlands Mittelstand am Abgrund: Altersarmut, Jugendarmut, Rente mit 70, Stuttgart 21 und der SUV

Wir wissen ja, das Deutschland toll ist, oder? Wir hören das doch täglich in den Medien! Unser Ansehen im Ausland ist einfach herrlich, die Leute lieben uns - je weiter sie von uns entfernt wohnen. Deutschland - das sind tolle Autos, coole Waffen, eine Frau als Regierungschefin und eine Partei, die sich um das Schicksal deutscher Frösche kümmert und der Bierdose - erfolgreich - einen gnadenlosen Kampf angesagt hat. Gut, sicher - die Griechen mögen uns momentan nicht so, Spanier, Portugiesen und Italiener dürften bald folgen, aber mal ehrlich: soll uns das kümmern? Diese Pleitenationen können sich doch mit dem Vierten Reich nicht messen, denn das ist - im Vergleich mit dem Dritten Reich - einfach nur herrlich: bei uns dürfen Frauen sogar Fussball spielen, auch wenn sie verlieren.

Wir wissen ja, das Deutschland toll ist, oder? Wir hören das doch täglich in den Medien! Unser Ansehen im Ausland ist einfach herrlich, die Leute lieben uns – je weiter sie von uns entfernt wohnen. Deutschland – das sind tolle Autos, coole Waffen, eine Frau als Regierungschefin und eine Partei, die sich um das Schicksal deutscher Frösche kümmert und der Bierdose – erfolgreich – einen gnadenlosen Kampf angesagt hat. Gut, sicher – die Griechen mögen uns momentan nicht so, Spanier, Portugiesen und Italiener dürften bald folgen, aber mal ehrlich: soll uns das kümmern? Diese Pleitenationen können sich doch mit dem Vierten Reich nicht messen, denn das ist – im Vergleich mit dem Dritten Reich – einfach nur herrlich: bei uns dürfen Frauen sogar Fussball spielen, auch wenn sie verlieren.

Doch leider … ist das Land kaputt, zerrüttet, zersetzt – und hat keine Zukunft mehr.  Das verblüfft vielleicht manche, aber ein Blick in einen Fahrbericht aus der Online-Ausgabe der Welt zeigt, das es viele wissen und sich durch den Kauf eines SUV genau darauf vorbereiten. Hören wir doch mal genauer hin:

Schon an der ersten großen Kreuzung zeigt sich, was so einen großen SUV, wie das neudeutsch heißt, vom gewöhnlichen Mittelklassefahrzeug unterscheidet: Der andere Verkehrsteilnehmer neigt eher mal zum Warten. Größe beeindruckt. Fußgänger zögern selbst bei grüner Ampel, wenn man langsam auf den Überweg zurollt.

Vorfahrtsberechtigte Verkehrsgegner lassen einem den Vortritt, wenn es eng wird, und sie hupen nicht einmal unbedingt, wenn man sie schneidet. Größe ist Macht.

Größe ist Macht. Dafür kann man schon mal vergessen, das man in einem demokratischen Rechtsstaat lebt, der zum Schutze der Schwachen Regeln erläßt, damit jene degenerierten Starken, denen es an Verstand, Gemeinschaftsinn und Moral mangelt, sich nicht hemmungslos über die Schwachen hermachen und ihre sadistischen Späße mit ihnen treiben können.

Es ist ein Auto, bei dem sogar die letzte Glatze ihren Kampfhund ängstlich am Halsband fixiert, wenn man mit unbotmäßiger Geschwindigkeit daherbollert. Das ist ein ganz schön gutes Gefühl.

Nur eine Beschreibung eines Autotesters – aber was ich sehe, ist der Erfahrungsbericht über den Umgang mit einer Waffe … und nebenbei merke ich, das es sich bei einem SUV wohl um eine bewußtseinsverändernde Droge handelt, die einen den Alltag vergessen läßt, eine Droge, die eigentlich verboten gehört, weil sie in den falschen Händen Schreckliches anrichten könnte.

Wer so ein Auto braucht (das für läppische hundert Kilometer schon mal ganze zwölf Liter jenes nicht regenerierbaren Rohstoffes verbraucht, von dem unsere ganze Kultur völlig abhängig ist), hat verstanden, das Deutschland am Abgrund steht und man in Zukunft mit anderen Straßenverhältnissen zu rechnen hat, das man zu Recht ein Gefährt wählt, das Mitmenschen Angst macht.

Allerdings braucht man nicht gerade die Begegnung mit dem in Deutschland so beliebten SUV, um Angst zu bekommen. Es reicht schon ein Blick in die dunkle Zukunft.

Nehmen wir die Kinder – das ist eigentlich alles, was wir wirklich an Zukunft haben. Ihre Arbeit wird unsere Lebensqualität im Alter bestimmen, von ihrer Laune werden wir abhängig sein, wenn wir im Pflegeheim liegen – auch wenn es ein superteures Privatheim ist. Kein Land in Europa hat weniger Kinder als Deutschland, und die paar, die wir uns neben den SUV´s noch leisten, halten wir in Armut: jedes sechste Kind in diesem angeblich so beliebten und superreichen Land ist von Armut bedroht.

Die Erfahrung der Armut teilen diese Kinder mit einer wachsenden Zahl von Rentnern: aktuell ist es jeder neunte Rentnerhaushalt, Tendenz steigend. Nun macht die Politik hier ihre Arbeit und versucht dagegenzusteuern, indem das Rentenentrittsalter auf siebzig Jahre heraufgesetzt wird:

Wer heute 30 Jahre oder jünger ist, muss bis zu seinem 70. Lebensjahr arbeiten, ehe er auf seine gesetzliche Rente hoffen kann. Diese Zahlen der EU-Kommission sorgen wieder für Verärgerung bei den Mitgliedsstaaten. Brüssel will sich nämlich angesichts der „Renten-Zeitbombe, die in den Händen unserer Kinder explodieren wird, wenn nicht etwas getan wird“, stärker in die Reformpläne der Regierungen einmischen, obwohl man gar nicht zuständig ist. 

So etwas möchte man gar nicht hören, solange die Rentner noch jung und aktiv sind, den ausplünderbaren Mittelstand bilden und eine gewisse Marktmacht haben: darum findet man die Veröffentlichungen dieser brisanten Pläne auch nur in der Mainpost und nicht eine Woche lang auf dem Titelblatt einer jeden Zeitung in Deutschland. Doch sehen wir es positiv: wer länger arbeitet, leidet kürzer unter Altersarmut – wie weise doch unsere Politiker sind!

Den Kindern geht es zunehmend schlechter, den Alten geht es zunehmend schlechter – und was ist mit denen, die noch „voll im Saft stehen“, der arbeitenden Bevölkerung?

Denen geht es ganz mies, weshalb die Verlängerung der Lebensarbeitszeit ihnen kaum Freude bereiten dürfte, siehe Ruhr-Nachrichten:

Die Arbeitnehmer konnten ihre Zufriedenheit auf einer Skala von 1 («ganz und gar unzufrieden») bis 10 («ganz und gar zufrieden») angeben. Während die Befragten diese 1984 im Schnitt noch mit 7,6 bewerteten, sank die Note bis zum Jahr 2009 auf den Wert 6,8. Ein «konkreter Zusammenhang» mit der Weltwirtschaftskrise im selben Jahr sei aber nicht zu erkennen, sagte Forscher Friedrich Scheller am Dienstag (2.8.): «Das ist ein langfristiger Trend.»

Ein Trend, der ganz direkt mit der Effektivitätssteigerung durch industriefinanzierte Unternehmensberatern zu tun hat: wer Menschen dafür bezahlt, das sie dafür sorgen, das andere Menschen beständig schneller im Rad laufen und sich durch „Zielvereinbarungen“ dazu verpflichten, die Leistung von Monat zu Monat um 10 Prozent zu steigern, braucht sich nicht zu wundern, das die Hamster irgendwann platt sind: in zwei Jahren zweihundertvierzig Prozent Leistungssteigerung schafft selbst den stärksten Mann oder den störrischsten Beamten. Auch bei fünf Prozent pro Quartal ist man nach fünf Jahren bei einer Verdopplung der momentanen Leistung angelangt, nach zehn Jahren bei einer Vervierfachung.

Eine positive Folge hat diese Leistungsoptimierung natürlich: man braucht immer weniger Menschen, weshalb Teilzeitarbeit und befristete Jobs ein Rekordhoch erleben – und das nicht nur in Brandenburg. Presst man so richtig viel aus einem Menschen in kürzester Zeit heraus, braucht man in nicht so lange zu bezahlen. Das der dann irgendwann krank und kaputt auf der Straße landet, braucht nicht zu interessieren. Angesichts dieser Politik wundert es nicht, das in Deutschland vor allem eins wirklich boomt – Hartz IV:

Über 1,42 Millionen Menschen wurden in den letzten sechs Monaten neu arbeitslos. Nicht wenige davon landen direkt im Hartz-IV-System

So etwas hat auch Folgen für die Familie:

Die Zahlen: Nach einer Studie der Bundesregierung hat jede vierte Frau zwischen 16 und 85 Jahren schon einmal oder mehrmals sexuelle oder andere körperliche Gewalt von ihrem Partner erfahren. 42 Prozent berichteten von psychischer Gewalt, sie wurden beschimpft, beleidigt oder bedroht.

Das macht dann nicht gerade Lust auf Kinder kriegen, oder? Wem will man wirklich schon dieses Leben zumuten: fremdbestimmt durch die Gegend hasten in einem Klima, das einem am liebsten bis ins Grab „auf Trab halten“ möchte?

„Rackern für die Altersarmut“ ist ein Wahlspruch, mit dem keine Partei Reklame machen würde – und doch ist es jetzt schon unser Leben.

Wer nun meint: „Halt, das geht doch nicht! Das macht uns unsere Zukunft kaputt und vernichtet uns den Mittelstand!“ der hat sicher völlig Recht. Doch das diese Entwicklung völlig alternativlos ist, zeigt das Beispiel von Stuttgart 21: hier zeigt die „Wirtschaft“ dem Volk, „wo der Hammer hängt“, hier demonstriert sie, das sie einen festen und sicheren Zugriff auf die Staatsfinanzen hat und sich dort gnadenlos und hemmungslos bedient:

S 21 („Schuttgart 21“) entwickelt sich zu einem Trauma für die Demokratie. Ein Bürgerbegehren in Stuttgart wurde dort zwei Mal für unzulässig erklärt – trotz ausreichender Unterschriften in kurzer Zeit. Die Bahn schafft Fakten – natürlich bevor der von der neuen Landesregierung vorgesehene Volksentscheid stattfinden kann. Dem Volk soll so demonstriert werden, dass seine demokratischen Möglichkeiten nutzlos sind, denn weder Dauerdemos, noch Unterschriften, noch das Abwählen einer ganzen Landesregierung hilft.

Auch Heiner Geißlers verzweifelter Versuch, wenigstens einen Kompromiss zu finden, landete im Papierkorb der Macher von Bahn und Bund. Verheerend für das ohnehin angeknackste Vertrauen der Menschen in die Politik. Wie ein Tsunami fegen die Schuldenmacher über die Menschen hinweg, die das aber alles bezahlen müssen. 
Stuttgart 21 war der Versuch des sparsamen Mittelstandes, sich in Zeiten knapper Kassen Gehör zu verschaffen und Vernunft walten zu lassen. Stuttgart 21 ist der Wendepunkt in der Geschichte der BRD, jener Moment, an dem klar erkennbar ist, das die Demokratie durch Verträge mit Konzernen abgeschafft und der Mittelstand entmachtet wurde.
Ohne Demokratie – kein Mittelstand. Ohne Mittelstand – keine Demokratie. Man treibt Millionen Kinder in die Armut, baut ihnen eine Zukunft, in der sie noch mit siebzig Jahren keinen Lebensabend genießen dürfen und dann – nach vielen Jahrzehnten harter Arbeit mit leistungssteigernden Zielvereinbarungen – wieder dort landen, wo sie hergekommen sind: in der Armut.
Und da wagt man es als „Wirtschaft“ über Bewerbermangel zu klagen? Man sollte sich darüber freuen, das es nicht noch mehr amoklaufende Massenmörder gibt: das ist das wirkliche Wunder unserer Tage … jener Tage, in denen offiziell „Fachkräftemangel“ herrscht, aber innerhalb von sechs Monaten 908000 Fachkräfte einfach mal entlassen worden sind.
Aber man merkt, warum man in Deutschland gerne SUV´s fährt, die sich wie ein Panzer durch die Alltagslandschaft eines angeblich zivilierten Rechtsstaates bewegen:
Das verleiht einem ein Gefühl von Sicherheit, das man braucht, um die Gefühle zu kompensieren, die die banale politische und wirtschaftliche Realität des Landes erzeugen würde, wenn man es wagen dürfte, darüber offen zu sprechen.

 

Das künstliche Ende der westlichen Zivilisation als Gipfel menschlicher Blödheit

Lohnt es sich überhaupt noch, etwas zu schreiben? Oder sollte man sich jetzt nicht lieber schon mal den durchgeknallten Survivaltypen anschließen, die wurzelkauend im Staatsforst hocken? Nun ... letzteres möchte ich lieber nicht. Bricht dieses System zusammen, ist der "Survival-Isolationismus" das Letzte, was wir brauchen werden, irgendwo ist das ja auch das gleiche psychologische Prinzip, das Investmentbanker, Anlageberater und sonstige Systemverbrecher antreibt, oder? Ich jedenfalls kann mir diesen "Survival-Mist" nicht erlauben. Ich habe kleine Kinder zu versorgen - und alte Menschen. Für die ist "Survival" nichts, die brauchen eine gesunde menschliche Gemeinschaft. Andererseits nehme ich gerade Nachrichten zur Kenntnis, die erkennen lassen, das wir vielleicht bald recht schnell ganz ganz andere Probleme bewältigen müssen: das künstlich herbeigeführte Ende der westlichen Zivilisation.

Lohnt es sich überhaupt noch, etwas zu schreiben? Oder sollte man sich jetzt nicht lieber schon mal den durchgeknallten Survivaltypen anschließen, die wurzelkauend im Staatsforst hocken? Nun … letzteres möchte ich lieber nicht. Bricht dieses System zusammen, ist der „Survival-Egoismus“ das Letzte, was wir brauchen werden, irgendwo ist das ja auch das gleiche psychologische Prinzip, das Investmentbanker, Anlageberater und sonstige Systemverbrecher antreibt, oder? Ich jedenfalls kann mir diesen „Survival-Mist“ nicht erlauben. Ich habe kleine Kinder zu versorgen – und alte Menschen. Für die ist „Survival“ nichts, die brauchen eine gesunde menschliche Gemeinschaft. Andererseits nehme ich gerade Nachrichten zur Kenntnis, die erkennen lassen, das wir vielleicht bald recht schnell ganz ganz andere Probleme bewältigen müssen: das künstlich herbeigeführte Ende der westlichen Zivilisation.

Das wäre natürlich völliger Wahnsinn – in etwa wie der Wahn, 7 Millionen Hartz IV – Abhängige durch Androhung von Gewalt auf 800000 Arbeitsplätze zu verteilen, was in etwa dem Versuch entspricht, einen erwachsenen Menschen mit Gewalt in ein Computergehäuse zu pressen. Wir haben diesen Wahn aber als alternativlose Maßnahme akzeptiert, weil wir ja die Gesellschaft vor den faulen degenerierten Horden der Unterschicht schützen mussten. Das durch Hartz IV die afrikanische Armut nach Deutschland importiert wurde, haben wir übersehen – wie auch den Tatbestand, das gleichzeitig die volle Inanspruchnahme der Menschenrechte in Deutschland vom Einkommen abhängig wurde.

Nun folgt der nächste Schlag: diesmal in den USA. Obama droht damit, die Renten nicht mehr auszahlen zu können. Das der Mann es überhaupt wagt, an so etwas zu denken. „Ich lasse eure alten, kranken, ausgelaugten Menschen einfach mal verhungern!“ ist eine Drohung, die man einem Hitler gegenüber den jüdischen Mitbürgern zutrauen würde, das ein demokratischer Staatsführer überhaupt in solchen Kategorien denkt, zeigt, das „unwertes Leben“ – also das Denken in Hartz-Kategorien – inzwischen auch in den USA angekommen ist. Nur für Menschen, für die Geld mehr wert ist als Menschenleben ist diese Drohung normal und nicht weiter der Rede wert: wenn kein Geld mehr da ist, müssen Menschen eben verhungern … im reichsten Land der Welt.

Ist mir auch völlig logisch.

In diese Logik passt es dann auch, das der Anwalt des Ex-Präsidenten Clinton (das war der „gute, menschenfreundliche Demokrat“) jetzt Chef der Söldnerdivisionen von Blackwater wird. Die wird man auch brauchen. Schaut man sich die Liste der Streitkräfte der Welt an und ruft sich in Erinnerung, das Söldnerarmeen insgesamt über drei Millionen Mann Personal verfügen, dann merkt man, das China und die USA nicht mehr die stärksten Militärmächte sind: zahlenmässig sind sie von den Söldnerhorden übertrumpft worden:

Diese Mörderfirmen verfügen derzeit weltweit Uesseler zu Folge über 1,5 Millionen jederzeit einsatzbereiter Spezialisten und genauso vieler Söldner. Sie sind insgesamt in 160 Ländern, wie Kolumbien, Philippinen usw. unter anderem gegen Drogenhändler aber auch gegen Gewerkschafter im Einsatz. Sie sind mit modernsten Waffen wie dem B-2-Stealth-Bomber in Kriege verwickelt, wobei sie jährlich fast 200 Milliarden US-Dollar einnehmen.

Uesseler schlussfolgert, dass viele Regierungen die „Sicherheit – äußere wie innere – dem privatwirtschaftlichen Kalkül und Gewinnstreben privater Militärfirmen“(2) überlassen. Dies sei verfassungsrechtlich bedenklich. Darüber hinaus entgleiten diese Firmen längst der Kontrolle des Staates. Das wird von Uesseler als eindeutige Gefährdung der Demokratie eingestuft. In der deutschen Politik wird dies jedoch kaum zur Kenntnis genommen. Ob wohl deutsche Konzerne im Ausland ebenfalls private Söldner engagieren und die Bundeswehr längst Teile ihrer Aufgaben privatisiert hat; Dutzende ausländische Militärfirmen sind auf deutschem Boden aktiv. Daher ist es längst an der Zeit, wenn nicht Verbote, so doch völkerrechtliche Rahmenbedingungen für die Tätigkeit dieser Mörder-Firmen zu schaffen. 

Schon seltsam, das die Streitkräfte des Westens täglich weiter schrumpfen, während die Streitkräfte der Konzerne eine Stärke erreicht haben, die es ihnen theoretisch erlauben würde, es im nicht-nuklearen Krieg mit jeder Nation der Erde aufzunehmen.

Wenn man Mörderkonzerne auf seiner Seite hat, braucht man keine Rente mehr auszahlen – könnte man sagen. Dann kann man ganz andere Formen der Sozialpolitik fahren: Rentnervernichtungslager kommen in Reichweite.

Zu gruselig?

Also: wenn wir keine Renten mehr auszahlen, dann sterben die Rentner irgendwann weg. Kein Geld = kein Essen.

Wenn die sterben, dann liegen die aber überall herum, verwesen und verbreiten Krankheiten. So etwas sieht man doch täglich in Afrika. Also ist es doch geradezu alternativlos, die Rentner vorher einzusammeln, damit sie nicht überall das Land verpesten, oder? Sollen etwa noch Kinder und gesunde Leute sich an dem Siechtum der Rentner infizieren? Ist es das, was man will?

Nein.

Also: Lagerhaltung, bis die Rente wieder ausbezahlt wird.

So muss es natürlich nicht kommen. So kann es aber kommen: es war schon mal soweit. Das NS-System hat gezeigt, wie schnell man als zivilisiertes Kulturvolk in die absolute Bestialität rutschen kann, wenn nur die „Rahmenbedingungen“ stimmen: man braucht eine Ideologie („Neoliberalismus“ reicht da schon), ein Wertesystem, in dem Menschenleben nur sekundären Wert haben („Menschen sind Kosten auf zwei Beinen“) und eine SA, die ausserstaatlich für Ruhe im Dorf sorgt: schon läuft alles alternativlos ab.

Natürlich habe ich mit der Perspektive mal wieder den Teufel an die Wand gemalt, gebe aber zu bedenken, das

– nicht ich überlege, die Renten nicht auszuzahlen

– nicht ich den Staat und die Wirtschaft in eine Position manövriert habe, das dies überhaupt eine Option ist

– nicht ich nebenstaatliche Militärmächte aufgebaut habe, die an Stärke alle nationalen Streitkräfte übertreffen

– nicht ich so einen menschenfeindlichen Unfug wie Hartz IV akzeptiere

– nicht ich Parteispenden von Panzerproduzenten entgegennehme, die dicke Geschäfte mit religiösen Fundamentalisten machen:

Herstellerfirmen des Leopard-Panzers hätten von 2002 bis 2009 mehr als 600.000 Euro an Union, FDP und SPD gespendet, erklärte die Linke am Mittwoch. Sie berief sich auf die Rechenschaftsberichte der Parteien. CDU und CSU hätten in dem fraglichen Zeitraum 298.000 Euro von den Panzerherstellern bekommen, bei der FDP seien es 79.000 Euro gewesen. An die SPD seien 249.500 Euro gezahlt worden. 

Ich verkaufe auch keine Patroullienboote an Regime, die Homosexuelle ins Arbeitslager stecken. Wäre ja schlimm für unseren Westerwelle – da hülfe ja noch nichtmal davonschwimmen.

So schmeißen wir unsere Prinzipien in großem Umfang über Bord, weshalb es nicht zu weit hergeholt ist, sich die Frage zu stellen, wann wir denn damit aufhören – oder ob wir überhaupt damit aufhören. Werden aber noch mehr Prinzipien der guten alten Bundesrepublik eleminiert, dann kann man mit gutem Recht die Frage stellen, wann wir denn unsere Rentner in Lager sperren, damit sie nicht als Hungerleichen die Shoppingcenter verschandeln.

Ab wann verkaufen wir auch Nuklearwaffen und Stealthbomber an Söldnerfirmen?

Oder haben die das schon?

Oh … ich sehe gerade, die B-2 Bomber sind Stealth-Bomber. Die haben die also schon.

Und Atombomben? Die sind noch ganz  sicher nicht in Privathänden? Mal abgesehen von den Kofferbomben der alten Sowjetunion, über deren Verbleib es dunkle Gerüchte gibt. 

Was geschieht, wenn wir unsere Energieversorgung in Privathände legen, haben jetzt die Hannoveraner erlebt: da wird es dann ganz schnell ganz dunkel. Ebenso schnell wird es dunkel, wenn man es wagt, sich mit Ratingagenturen anzulegen: die stufen dann ganz schnell weiter ´runter.

Da darf man dann doch mal anmerken, das das ganze ziemlich übel nach „Ende der zivilisierten Welt“ riecht, oder?

Und zu dem möchte ich einfach nur anmerken: das ist reinweg künstlich herbeigeführt, da steckt keine Naturkatastrophe hinter, das sind alles menschliche Entscheidungen gewesen.

Wir verhungern aus Prinzip mitten im Kornspeicher und zahlen auch noch viel dafür, das das so bleibt.

Früher nannte man das „blöd“.

Heute nennt man das „alternativlos“.

 

 

 

Griechenland: die Hartzies der EU und Deutschlands Zukunft – Rente mit 75

Ich hätte da mal eine Frage. Aufgepasst: zur Beantwortung dieser Frage braucht man mindestens Abitur, besser noch ein abgeschlossenes journalistisches Studium. Man sollte sich ihr nicht leichtfertig mit seinem alltäglichen gesunden Menschenverstand nähern, man muss hier schon auf höherem Niveau abstrahieren können, sonst liegt man schnell falsch. Fairerweise sollte ich das hier sagen.

Ich hätte da mal eine Frage. Aufgepasst: zur Beantwortung dieser Frage braucht man mindestens Abitur, besser noch ein abgeschlossenes journalistisches Studium. Man sollte sich ihr nicht leichtfertig mit seinem alltäglichen gesunden Menschenverstand nähern, man muss hier schon auf höherem Niveau abstrahieren können, sonst liegt man schnell falsch. Fairerweise sollte ich das hier sagen.

Also: alles bereit? Vernunft aus- und Gehirn eingeschaltet?

„Was liegt faul auf dem Sofa, ist ständig besoffen und lebt auf unsere Kosten?“

Was höre ich da?

Der Hartz IV-Empfänger?

Ja … das hatte ich mir gedacht. Deshalb hatte ich gewarnt: nicht zu leichtfertig urteilen, denn: es ist nicht mehr der Hartz IV-Empfänger. Aktuell ist es … DER GRIECHE. Bald wird es DER PORTUGIESE sein, dann DER SPANIER, bevor wir wieder zu den Pigs, den Schweinen ins Inland schauen, die aktuell schon von der Polizei erschossen werden, wenn sie Geld wollen. Obdachlose … so sei zu diesem Fall gesagt … haben manchmal so ein Problem mit ihrem Konto, so wie Sachbearbeiter manchmal ein Problem mit ihrer Intelligenz haben, weshalb die Jobcenter in Zukunft an den Gerichtskosten beteiligt werden sollen.

Der Lumpenelite ist das sowieso egal. In den neunziger Jahren gab es in den Printmedien verstärkt Meldungen, wonach die Finanzmärkte nach den deutschen Sozialstaatsgeldern gieren. 2011 haben sie sie eingesackt, da wird der Arbeitslose uninteressant, der Grieche muss her, da ist noch was herauszuholen, die haben noch Volksvermögen, das privatisiert werden kann.

Über Griechenland wissen wir ja auch Bescheid. Die gehen mit fünfzig in Rente und verdienen sich dumm und dämlich.

Das ist natürlich gelogen. Das ist völlig falsch – aber das interessiert die Medien ja nicht. Der Durschnittsjournalist berichtet, was ihm vorgesetzt wird und in den momentanen Mainstream passt, in Folge gibt es dann auch folgenschwere politische Reaktionen, siehe Süddeutsche:

Norwegen stoppt alle Hilfszahlungen an das hochverschuldete Griechenland. Grund sei, dass Athen seinen Verpflichtungen nicht nachkomme, sagte der norwegische Außenminister Jonas Gahr Store. Er sei ‚traurig‘ über die Entscheidung, weil er die Situation nicht verschlimmern wolle, Norwegen habe aber keine andere Wahl.

Das ist die erste Regelsatzkürzung.

Wie es den Griechen wirklich geht – nun, das kann man einfach bei der für Hartz-abhängige zuständigen Agentur nachfragen, die kann auch dort weiterhelfen:

Die Lebenshaltungskosten sind im Durchschnitt etwas niedriger als in Deutschland. Preiswert ist vor allem das heimische Gemüse, dafür kosten Milch, Käse und Eier ein Drittel bis doppelt so viel wie in Deutschland und das Kilo Fleisch meist mehr als 8 €. Die Telefongebühren gehören zu den höchsten in Europa. Die Lebenshaltungskosten variieren je nach Region stark. Auf den Inseln sind die Preise höher als auf dem Festland – unter anderem wegen der Transportkosten. Die Mieten liegen in der Provinz unter deutschem Niveau, sind jedoch in den vergangenen Jahren stark gestiegen. In touristischen Gebieten fehlen oftmals Wohnungen; viele Vermieter ziehen es vor, Unterkünfte an Urlauber zu vermieten, und verknappen so das reguläre Angebot zusätzlich.

Kilo Fleisch acht Euro – für ein Land, das gerne Gyros isst, ein guter Preis. Und was verdient man so im Land der fiskalisch motivierten Vegetarier?

Das Lohnniveau ist in Griechenland sowohl im Vergleich mit anderen westeuropäischen Staaten als auch im Verhältnis zu den Lebenshaltungskosten recht niedrig. Dabei gibt es regionale Unterschiede: In Thessaloniki verdient man rund ein Viertel weniger als in Athen, im übrigen Land beträgt der Unterschied sogar 35 Prozent. Angestellte erhalten für einen Vollzeitjob im Durchschnitt gerade einmal 41 Prozent des Gehalts eines Angestellten in Deutschland. Innerhalb der Eurozone sind die Einkommen nur in Portugal noch niedriger. Ein Teilzeitjob reicht daher nicht aus, um die Lebenshaltungskosten zu bestreiten.

41 % eines Angestellten in Deutschland … das wird in der Medienhatz nicht gerade groß herausgestellt. Die arbeiten ja jetzt schon auf Leiharbeiterniveau. In konkreten Zahlen ausgedrückt, sieht das so aus:

Die höchsten tariflichen Mindestlöhne werden mit 1.080 € brutto pro Monat in der Branche Finanzdienstleistungen gezahlt; am wenigsten – rund 683 € – verdient man in den Branchen Maschinenbau sowie Elektro- und Elektronikindustrie (Stand: 2007). Branchenübergreifend und mit bis zu drei Jahren Berufserfahrung erhält ein Ingenieur im Durchschnitt mindestens 1.034 € brutto pro Monat, ein Programmierer 702 €, ein Sekretär mit Fremdsprachenkenntnissen 717 €, ein Buchhalter 771 € und ein Fahrer 716 €.

Davon kann man nicht gerade gut über die Runden kommen, noch die Begehrlichkeiten der Finanzmafia befriedigen. Kein Wunder, das die auf die Straße gehen.

Wsws gibt uns einen weiteren Einblick in den griechischen Alltag, der vielleicht ja bald auch der deutsche Alltag ist, wenn der Geist, der uns Hartz IV beschert hat, sich weiter durchsetzt:

Die katastrophale Situation im Gesundheitswesen lässt die Korruption gedeihen. Weil Tausende Planstellen für Ärzte und Pflegepersonal in den staatlichen Krankenhäusern nicht besetzt werden und die Löhne zu gering sind, gehören Bestechungsgelder zum Alltag. Wer einen normalen Service oder einen raschen OP-Termin will, steckt dem behandelnden Arzt ein „Fakelaki“, einen kleinen Umschlag mit Geldscheinen zu.

„Die Geburt eines Kindes in einem öffentlichen Krankenhaus zum Beispiel muss mit 1.000 Euro geschmiert werden“, berichtete Ellen Katja Jaeckel, die Leiterin des Athener Büros des Goethe-Instituts, in einem Interview über die Proteste in Griechenland 2008.

Die Durschnittsfamilie schlägt sich mit 600-700 Euro im Monat durch, erfährt man dort weiter, wovon sie jährlich nochmal 1600 Euro Bestechungsgelder abzweigen muss, um über die Runden zu kommen. Man merkt: die Griechen haben trotz Arbeit schon Hartz IV-Niveau.

In der Welt der konzern- und parteiunabhängigen Blogs findet man dann auch die Korrektur der griechischen Rentenlüge, hier bei print-würgt:

Das durchschnittliche Rentenalter in Griechenland ist übrigens 61,4 Jahre (Deutschland 61,7), die Lebensarbeitszeit in Griechenland tendenziell aber höher, weil weniger Leute, die heute in Rente gehen, studiert haben. Und, wir ahnen es inzwischen, die gern verbreitete Zahl von angeblich 94,7 Prozent des letzten Nettolohnes, den die Staatsdiener als Rente kriegen, bezieht sich nur auf das Grundgehalt und nicht auf die Zuschläge, die einen großen Teil (in Extremfällen den Großteil) des Gehaltes ausmachen. Die deutschen Rentner wären auf griechische Renten nicht neidisch (sie liegen bei durchschnittlich 630 Euro), deshalb werden die absoluten Zahlen nie irgendwo erwähnt. Das ist selbstverständlich Absicht, und zwar eine böse.

Genau. Das ist böse. Menschen ohne Anlageberater haben da noch ein Gefühl für, ein Gefühl, das vermittelt, was notwendiger Anstand und Fairniss für ein friedliches Miteinander ist.  Andere sind da weniger sensibel, aber über die habe ich im Zusammenhang mit diesem Thema ja schon mal geschrieben.

Vergleicht man das Einkommen der Entscheidungsträger mit dem Einkommen der Bevölkerung, so kann einem nur schwindelig werden – man weiß aber sofort, woher die boshaften Tendenzen in der Berichterstattung kommen … da geht es um viel Geld, das die einen haben und die anderen niemals bekommen sollen. Das Manager Magazin nennt da mal aktuelle Zahlen aus den Sphären der Lumpenelite:

Die Chefs von Puma, VW und Axel Springer sind Deutschlands am besten bezahlte Konzernchefs 2010. Die Liste der europäischen Topverdiener führt jedoch der Lenker eines britischen Konzerns an. Insgesamt zahlten die 50 Stoxx-Konzerne ihren Vorständen 1,1 Milliarden Euro. Die Dax-Vorstände verdienten 519 Millionen Euro – ein Plus von 28 Prozent.

Ein Plus von 28 Prozent … wofür eigentlich?

Nun, letztendlich: dafür, das man in Deutschland die Durchschnittsgehälter so langsam auf griechisches Niveau senkt, siehe Statista:

Das höchste Durchschnittsgehalt im Ländervergleich der OECD wird in Luxemburg verdient. Dort beträgt das durchschnittliche Gehalt rund 36.000 US-$. Deutschland liegt mit einem Durchschnittsgehalt von rund 22.000 US-$ innerhalb der wichtigsten Industriestaaten auf Platz 15.

Man kann sich vorstellen, auf welchen Plätzen sich da der faule Grieche tummelt, dem jetzt eine ganz besondere Ehre zukommt. Sieht man den Trend an, den unsere Wirtschaftslenker für uns vorgesehen haben, dann können wir da einen Blick in unsere Zukunft erhaschen, siehe Westdeutsche Zeitung:

In Deutschland haben 57,7 Prozent der 55- bis 64-Jährigen eine Stelle, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat ermittelt hat. In Griechenland arbeiten lediglich 42,3 Prozent der Älteren, in Spanien 43,6 Prozent und in Portugal 49,2 Prozent.

Zum Vergleich: In Schweden sind 70,5 Prozent aller Menschen in dieser Altersgruppe erwerbstätig.

Im Nachrichtenticker des Stern findet sich ein kleiner Kommentar von Jürgen Trittin dazu, dem Helden der deutschen Dose:

Für die CDU-Vorsitzende lägen „die Griechen lieber unterm Olivenbaum statt ordentlich die Ärmel hochzukrempeln“, sagte Trittin. Dabei hätten die deutschen Banken jahrelang „prächtig“ an der Überschuldung von Ländern wie Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien verdient. Deutschland habe mehr als ein Viertel seines Außenhandelsüberschusses mit der schuldenfinanzierten Nachfrage aus diesen Ländern erwirtschaftet.

In der Tat … zu diesen deutlichen Zusammenhängen findet man weniger Material in deutschen Medien. Nicht nur die Banken haben daran verdient, auch unseren Aufschwung verdanken wir zu einem großen Teil jenen Ländern, die jetzt am Hungertuch nagen, weil ihre verarmte Bevölkerung nun die (Alp-)Traumzinsen der Lumpenelite bezahlen soll, die sich von dem Geld ein gutes Leben macht und ihre politischen Kontakte ausbaut, siehe z.B. Spiro Latsis und seine Gang.

Erst hat man unsere Arbeitslosen der psychosozialen Vernichtung preisgegeben, obwohl es sich bei ihnen hauptsächlich um Alte, Kranke, Behinderte oder Alleinerziehende handelt. Jetzt führt man die psychosoziale Vernichtung im großen Stil fort und dehnt sie auf ganze Länder aus, letztlich wird wohl der gesamte europäische Kontinent dran glauben müssen, derweil  die Mittäter ihre Heimatländer verlassen und auf tropischen Inseln ein luxuriöses Asyl finden.

Das Wissen um diese Zusammenhänge ist da. Die Folgen des Raubbaus an den europäischen Volkswirtschaften sind auch bekannt, das Handelsblatt berichtete schon 2006 darüber:

Griechen, die ab Mitte der 90er Jahre ins Berufsleben eingetreten sind, werden bis zum 75. Lebensjahr arbeiten müssen. Das bestehende Sozialversicherungssystem sei nicht mehr zu bewahren. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Alpha-Bank, dem zweitgrößten Kreditinstitut Griechenlands. Doch wie auch in anderen Ländern Europas, fürchten sich die Politiker davor, dieses heiße Eisen anzupacken.

Wie üblich lassen wir uns aber einlullen von den skrupellosen Vergewaltigern des Medienauftrages, die uns täglich mit großem Getöse ihre Lügen präsentieren, die man als solche nur mit viel Mühe enttarnen kann. Darum ist „Beschäftigung“ soviel wichtiger als „Arbeit“ geworden. Die Leute müssen zu tun haben, damit sie nicht auf dumme Gedanken kommen.

Zum Beispiel einen Generalstreik ausrufen, die Beute der neoliberalen Raubzüge verstaatlichen und die Kosten dieser Raubzüge den Verursachern aufbürden.

Es gibt in dem Spiel nicht nur Opfer, sondern auch Täter.

Viele von ihnen haben ein Bundesverdienstkreuz.

 

 

Supergau in Fukushima, Bomben auf Lybien, verstrahlte „Wegwerfarbeiter“: das Vierte Reich marschiert weltweit

Wer hätte das gedacht? Das Jahr 2011 scheint alles auf den Kopf zu stellen. International geschieht so viel – und so schnell – das man gar nicht mehr hinterherkommt, die Entwicklung zu beobachten … geschweige denn, zu verstehen. Die gleichen Truppen, die in Bahrain Demonstranten töten, kämpfen bald in Lybien für die Demonstranten. Es gibt halt gute Diktatoren und böse Diktatoren, und welcher Diktator jetzt gerade gut oder böse ist … das können wir Normalbürger doch gar nicht entscheiden, das geht doch weit über unseren Horizont hinaus. Zwar gibt es mahnende Stimmen, die zeigen, das gerade eine neue weltweite Diktatur ihr fürchterliches Haupt erhebt, aber diese Stimmen gehen in dem Nachrichtengetöse unter, so wie diese hier bei N-TV:

Was die UN-Resolution an Gewaltanwendung erlaubt, überschreitet deutlich die Grenzen des Legalen und des Legitimen. Man kann nicht in einen Bürgerkrieg, der immerhin gewaltsam begonnen wurde, von außen mit Gewalt eingreifen und sich auf die Seite einer Partei schlagen. Die UN hat das Recht zu intervenieren, um Massenmord zu verhindern, aber nicht das Recht, beim Sturz einer Regierung mit kriegerischen Mitteln zu helfen.

Dieser neue Natokrieg ist ILLEGAL! Wir führen bald als westliche Wertegemeinschaft einen illegalen Krieg gegen ein anderes Land. Nach außen hin sind wir bald kaum noch von einem kriegslüsternen Diktator zu unterscheiden – auch wenn unsere Methoden oft diskreter sind und wir nicht wie Napoleon oder Hitler einfach alles erobern, was unter die Militärstiefel passt. Wir begnügen uns mit jenen Ländern, die Profite versprechen – ohne plünderbare Rohstoffe verlieren wir schnell das Interesse. Seltsam auch die Ausrüstung der „Aufständischen“ in Lybien, die sich sehr von der anderer Aufständischer unterscheidet: Kalaschnikows statt Spruchbänder, Panzerfäuste statt Transparente … das wirkt nicht sehr friedlich. Wie jungewelt erwähnt, können die auch noch mit mehr rechnen:

Neben Luftangriffen auf Stellungen der libyschen Regierungstruppen stehen Ghaddafi-Gegnern laut Spiegel online auch Waffenlieferungen via Ägypten in Aussicht – was, nur nebenbei bemerkt – gegen UN-Resolution 1973 verstößt.

Dafür braucht man die illegalen Waffenhändler, die man sonst so gerne anprangert. Es bleibt jedoch die Frage: wer organisiert den Transport, wer die Bezahlung, über welche Kanäle wird das alles abgewickelt? Über Amazon geht so etwas noch nicht.

Was derart „befreite Länder“ zu erwarten haben, erfährt man bei einem Blick in den Irak, hier ebenfalls jungewelt:

Acht Jahre nach Beginn der völkerrechtswidrigen Invasion im Irak werden grundlegende Menschenrechte im Zweistromland systematisch verletzt, doch internationale Organisationen wie der UN-Sicherheitsrat, die Europäische Union oder die Arabische Liga schweigen. Die irakische Regierung reagiert mit Denunziation ihrer Kritiker, mit Parteiverboten und der Festnahme von Oppositionellen.

Gäbe es dort einen Aufstand, würde niemand die US-Bomber aufhalten, die zu seiner Niederschlagung herbeieilen. Es gibt halt gute Diktatoren und böse Diktatoren. Das sollte man schon wissen.

Wir denken nun: das alles spielt sich nur da draussen ab. In unserem Schlümpfeland passiert so etwas nicht. Unsere wohlmeinende Regierung sorgt dafür, das der Horror nicht aus den Fernsehbildschirmen in die Wirklichkeit herüberschwappt und wir unseren goldenen Käfig auch wirklich hemmungslos genießen können, während die Wirtschaft sich vorbildlich um unsere Versorgung kümmert und fürsorglich unsere Zukunft organisiert. Wir denken … all´ die Übel werden spurlos an uns vorbeigehen, weil wir das gottgewollte Privileg haben, Wirklichkeit nur noch via Bildschirm oder in der Fußballarena erleben zu müssen.

Schöne Träume … die leider nicht wahr werden. Die Prinzipien, die jetzt mit europäischen Steuergeldern in Lybien morden werden, wirken auch hier direkt vor Ort. Hierzu nochmal ein Griff in die Geschichte, gefunden bei nrhz:

Adolf Hitler hat davon gelernt und denselben Trick verwendet, um das Land geschlossen hinter sich zu bringen. Er nahm unter anderem die Idee des Antisemitismus auf, eine alte europäische Idee, die bis in die Zeit der Kreuzzüge zurückreicht, und brachte sie auf die Spitze. Außerdem gab er der Mehrheit die Kommunisten, Sinti und Roma, er gab ihnen die Homosexuellen, die allzu freien Künstler und die Kranken zum Hass frei. Und auch Hitler hatte damit Erfolg.

Dieser „Trick“ funktioniert gerade schon wieder. Heute sind es allerdings eher Moslems, „Sozialromantiker“, Arbeitslose (samt Kindern, da gibt es schon wieder Sippenhaft), Humanisten und … Alte, die zum Abschuss freigegeben werden. Merkt nur kaum jemand, weil man nicht genau hinschaut. In der RP steht es aber schon heute drin:

Aus Sicht der Arbeitgeber gibt es der OECD zufolge neben „subjektiven Vorurteilen“ gegen ältere Arbeitnehmer auch das Problem ihrer vergleichsweise höheren Bezahlung. „Es ist also zu fragen, ob Lohnsteigerungen, die ausschließlich auf dem Alter der Angestellten basieren, sinnvoll sind“, folgern die Wissenschaftler. Im Klartext: Die Gehälter älterer Arbeitnehmer sollten tendenziell sinken.

Ihr werdet länger arbeiten und dafür viel weniger Geld bekommen während sich die hochsubventionierten Bergbauarbeiter auch im Innendienst schon mit 48 auf die Couch legen dürfen. Dank der im Alter stattfindenden Gehaltskürzungen wird auch die folgende Rente niedriger sein: das kürzt dann auch die Restlebenszeit infolge von Mangelernährung. Gestützt wird dieses Programm durch ein flächendeckendes Programm „Vernichtung durch Arbeit“, über dessen Folgen das Handelsblatt aufklärt:

„Die Politik mit dem Grundsatz „Hauptsache Arbeit‘ basiert auf der Auffassung, dass jeder Job besser ist als keiner, weil er das wirtschaftliche wie auch das persönliche Wohl steigert“, schreiben die Forscher in der Zeitschrift „Occupational and Environmental Health“. „Aber die psychosoziale Qualität der Arbeit ist ein grundlegender Faktor, der bei der Planung und Ausführung der Beschäftigungs- und Sozialpolitik berücksichtigt werden muss.

Dank der weisen Kooperation von Politik und Wirtschaft dürfen viele unserer Brüder und Schwestern ihre krankmachenden Jobs bald bis 70 weitermachen – selbstverständlich bei ständig sinkender Bezahlung … und dafür soll man in diesem Land Mehrheiten bekommen?

Die Mehrheiten bekommt man … aber nur in der Sphäre der „Entscheider“, jener substanzlosen Funktionselite, die in den letzten Jahrzehnten im Schatten von Finanz- Wirtschafts- und Politikmacht herangewachsen ist und ein gemeinsames quasi parteipolitisches Ziel verfolgt: an das Geld der Steuerzahler, Bürger und Reichen heranzukommen. Über ihre Seilschaften informieren inzwischen viele Bücher, auf die bohmann.at hinweist:

Sie sitzen an den Hebeln der Macht und betreiben Machtmissbrauch. Ihre Gier nach Geld ist grenzenlos. Nepotismus gehört zu ihrem Alltagsgeschäft. Netzwerke sind ihr Rettungsring, wenn sie eines Tages ihre politischen Ämter aufgeben. Dann greifen sie auf ihr perfekt gestricktes Netzwerk zurück, kommen bei „väterlichen“ Freunden oder Konzernen unter, die sie vorher mit Millionensubventionen gefüttert haben. Die Rede ist von Politikern und Wirtschaftsbossen, die schamlos abkassieren und Steuergelder verzocken, die Wirtschaft des Staates an den Abgrund der Verschuldung bringen und so die demokratischen Strukturen gefährden.

Und das geschieht alles vor den Augen der Öffentlichkeit. So kommt es, das ein Sozialdemokrat Arbeitslose in nationalsozialistischer Manier als „Parasiten“ bezeichnen kann ohne sofort verhaftet zu werden, im Anschluß an seine politische Karriere aber sofort einen Aufsichtsratsposten nach dem anderen einfahren darf: solche Wunder geschehen, wenn man gut funktioniert und politische Gewalt missbraucht, um Geldgeber günstig zu stimmen.

Und da kommen wir von illegalen Kriegen gegen andere Völker über illegale Vernichtung älterer Menschen direkt zu den illegalen Atombomben, die wir zum Wohle der Finanzwelt überall herumstehen haben, siehe N-tv:

Modernisierung geschah nur auf dem Papier „Deutsche AKW sind Geldmaschinen“

Eigentlich hätten die deutschen Atomkraftwerke schon längst gegen Terroranschläge gesichert sein sollen. Aus einer viel gerühmten Vernebelungstechnik wurde eine Vernebelungstaktik.

Das Geld der Geldmaschinen wird aber dringend gebraucht, um das „Personal“ für den Demokratieabbau bezahlen zu können. Landesverrat, Verfassungsverrat, Verrat an der Menschheit … das alles hat seinen Preis.

Wenn man aber nun denkt: das war es nun an Grausamkeiten, die hinter der feinen aber zebröckelnden Fassade westlicher Demokratien ihr Eigenleben führen, der irrt. Das macht den Supergau in Fukushima auch so politisch: hier ist es ein hochindustrialisiertes demokratisches Land und nicht der „böse dumme Russe“, dem das Ungemach wiederfährt – und hier kann man im Detail erkennen, welche Zukunft die „Lumpenelite“ für uns alle plant … neben den vielen neuen Kriegen und der Vernichtung der Altersruhe, siehe Tagesanzeiger:

1999 wurde bekannt, dass Arbeiter in der Uranverarbeitungsanlage Tokaimura nordöstlich von Tokio Wiederaufarbeitung per Hand betrieben und Uran in Stahleimern mischten. Zwei Menschen starben später. Bei einer unkontrollierten Kettenreaktion wurden Hunderte verstrahlt und Tausende Anwohner evakuiert.

Im Jahr 1997 wurden bei einem Brand und einer Explosion ebenfalls in Tokaimura mindestens 37 Arbeiter leicht verstrahlt. Der Betreiber räumte später ein, Informationen über den Vorfall zunächst unterdrückt zu haben.

Tarnen, täuschen und vertuschen … hier wie in Japan. Dort hat es jedoch gerade mal nicht ganz so gut funktioniert und zeigt, welchen Wert Menschen in der Postdemokratie haben: sie werden „Wegwerfarbeiter“, siehe Telepolis:

Der ARD-Korrespondent in Japan, Robert Hetkämper, ist hingegen der Überzeugung, dass hier Menschen verheizt werden. Für gefährliche Arbeiten würden von Tepco gerne Obdachlose, Gastarbeiter, Arbeitslose und sogar Minderjährige ausgebeutet werden. Sie würden als „Wegwerfarbeiter“ bezeichnet, weil sie, wenn sie zu stark radioaktiv belastet sind, entlassen würden. Hetkämper habe mit einem Arzt gesprochen, der dies bestätigt habe. Diese „grausame Geschichte“ passiere nicht nur jetzt, sondern schon seit Jahrzehnten. Und sie erinnert, wie die WDR-Kommentatorin sagt, an die Hunderttausende von Liquidatoren, die in der Sowjetunion für den Bau des Sarkophags um den Tschernobyl-Reaktor eingesetzt und geopfert wurden. Seltsam ist dies in Japan, wenn man dort Menschen verheizt, obgleich man sonst gerne auf Roboter setzt, die in Fukushima aber nicht vorhanden zu sein scheinen.

Das alles geschieht vor aller Augen. Wir fallen – als angebliche Demokratie – immer weiter hinter den Sozialstandards des Deutschen Kaiserreiches zurück, verraten die Prinzipien, für die die Bonner Republik stand, fast täglich und leben nur noch für das Gebet: die letzte Waffe, der wir vertrauen können, das sie die Kraft hat, uns vor atomaren, sozialen oder wirtschaftlichen Katastrophen in Deutschland zu beschützen.

Was es wirklich bedeutet, wenn Menschen zu „Kosten auf zwei Beinen“ werden und dies als Prinzip das Handeln von Wirtschaft und Politik bestimmt, kann man in der Geschichte des Dritten Reiches studieren. Die neuen Hitlers, Himmlers und Heydrichs tragen zwar keine Uniformen mehr, aber sie sind nicht weniger grausam und unmenschlich … und wissen, das sie ihre Misswirtschaft nicht mehr lange verbergen können – siehe ftd:

Nach der Finanzkrise steckt die Welt nun in einer sich dramatisch verschlimmernden Atomkrise. Es sieht so aus, als würde unser gesamtes kapitalistisches System unter den von ihm generierten Krisen zusammenbrechen. Momentan stehen wir unter dem Schock dieser neuen Krise. Aber beide Ereignisse hängen zusammen. Die gesamte Finanzkrisenpolitik verläuft ähnlich wie der verzweifelte Versuch des japanischen Energiekonzerns Tepco, mit Meerwasser die Brennstäbe unter Kontrolle zu halten. Man fummelt an den Symptomen, kann aber das eigentliche Problem nicht lösen. Solche Strategien fliegen am Ende auf. Wir stehen in unserer Finanzkrise vor einer ähnlichen Situation wie in Fukushima: vor einer Kernschmelze – mit dem Unterschied, dass sie im Finanzsystem deutlich langsamer abläuft.

Sowas motiviert die Lumpenelite zur Eile. Nicht mehr lange und die Fernseher gehen aus, die Kaufhäuser schließen und die Bankautomaten geben kein Geld mehr aus … dann merken auch die letzten Schlümpfe, das die friedliche deutsche demokratische Zivilgesellschaft leise hinterrücks ermordet worden ist, weshalb man im Alter bald das Hartz-Modell fährt: für einen Euro einen Vollzeitsarbeitsplatz ausfüllen – vielleicht sogar als Wegwerfarbeiter im AKW.

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

Die Ausschlachtung der Bundesrepublik, der Stinkefinger Hartz IV und die aktuellen Euthanasieprogramme

Manchmal geht es um die Ärmsten der Armen. Jene, die eigentlich voll im Leben stehen, aber mit Gewalt draußen gehalten werden: die Arbeitslosen. Kaum zu glauben: die Schaffenskraft von Millionen von Menschen liegt nutzlos auf dem Amt herum, während es in der Gesellschaft an allen Ecken und Enden an Arbeitskräften fehlt. Damit meine ich nicht die eine Million offenen 400-Euro-Jobs, sondern die Arbeit, die geleistet werden müßte, damit unsere Kinder die Last schultern können, die wir ihnen aufbürden.

Bei uns gehen gerade die selbständigen Handwerker vor die Hunde – da sie nicht als Ärmste der Armen gelten, spricht man ungern darüber. Vor Jahren noch zehn Angestellte, arbeitet der Chef nun selbst rund um die Uhr. Wenn es gut geht, bleibt Abends noch eine halbe Stunde für die Kinder übrig – mehr ist nicht drin. Der Schreiner, der Friseur, der Elektriker, der Bäcker … alle schuften sich kaputt bis zum Umfallen. Die Gemeinde kürzt wegen Finanzmangel die Aufträge, die Privatleute zahlen nicht mehr pünktlich – manche auch einfach gar nicht – aber die Kosten steigen lustig weiter: Energiekosten, Gemeindesteuern, Essen, Kindergartengebühren und was sonst noch anfällt.  Und während der Mittelstand im Hamsterrad rotiert und so seine Familie zerfetzt, stehen Millionen draußen vor der Tür und hätten gerne wenigstens wieder ein Hamsterrad, denn der Hamster wird wenigstens regelmäßig gefüttert.

Wir könnten gut doppelt so viele Lehrer gebrauchen  und für jeden Lehrer zusätzlich einen Sozialarbeiter und Psychologen, um die Schäden auszugleichen, die die Hamsterradgesellschaft bei den Kindern anrichtet – damit nicht alle solche Leistungsmuffel werden wie Sarrazins Sohn. Wir könnten auch gut noch zwei- drei Millionen Menschen brauchen, die die Schulen sanieren – wir hatten hier während des Schneefalls die erste Schule, die gesperrt wurde, weil die Flachdächer einzubrechen drohten.

Arbeit … gäbe es wirklich genug. Nicht nur für Handwerker, auch für Geisteswissenschaftler. Dringend bräuchten wir neue, motivierende Gesellschaftsmodelle, die die aufgebrauchten Altlasten ersetzen. Wir bräuchten neue Formen des Wirtschaftens und Verteilens, neue Regeln für ein konstruktives Miteinander und dringend ein Gesetz gegen „Innenweltvergiftung“, das unsere Kinder vor dem Trash des Konsumfernsehens und der Werbewelt beschützt, dringend Gesetze gegen die Ausbeutung von Arbeitslosen in Leiharbeitsfirmen, dringend Enteignungsformeln zur Rückgewinnung des verschleuderten Staatsvermögens – das Geld ist ja nicht weg, es ist nur woanders. Wir könnten locker zehn Jahrgänge von Politologen, Historikern, Soziologen, Psychologen und Philosophen beschäftigen, um die Fehler auszubügeln, die unsere gute alte BRD in diese desolate Situation gebracht haben, zudem bräuchten wir mehrer Waggonladungen von Wirtschaftsleuten, die nicht nur fordern und kürzen sondern Gewinn für alle erwirtschaften können.

Arbeit … gäbe es genug. Aber – es ist kein Geld mehr da. Uns geht es da wie jenen Menschen, die am Ende eines Flusses leben, der kein Wasser mehr führt, weil weiter oben Schwimmbäder für Superreiche gefüllt werden müssen. Genau das geschieht ja gerade: auf große Geldhaufen wird immer mehr Geld gelegt, das dann dem Friseur, dem Elektriker, dem Schreiner und dem Bäcker fehlt, weshalb die ihre Leute entlassen, die dann von Hartz IV leben müssen.  Die Schwimmbäder der Reichen lassen am Ende des Flusses das ganze Volk verdursten.

Sind die Leitungen erstmal neu verlegt, kommt halt unten nichts mehr an. Man sollte aber nicht vergessen, das dort kein Erdbeben stattfand, das für die Misere verantwortlich ist, sondern das es konkret benennbare Menschen sind, die die Leitungen verlegt haben. Wasserräuber, sozusagen.

Und tagtäglich findet man in den Nachrichten weitere Berichte über die Folgen ihrer Missetaten, Folgen, die in erster Linie jene tragen müssen, die weiter vom Wasser weg wohnen, wie zum Beispiel die Rentner, wie Euronews berichtet:

Viele Rentner werden sich in den nächsten Jahren wohl weniger leisten können. Die Bundesregierung erwartet, dass die verfügbaren Renten bis 2013 real um 1,8 Prozent wachsen, während die Inflation mit gut fünf Prozent mehr als doppelt so stark zulegen dürfte. Dies geht aus der Antwort der Regierung auf eine Frage der Linken im Bundestag hervor.

Fünf Prozent Inflation? Das heißt, unsere Globalisierungsopfer (gerne auch „Langzeitarbeitslose“ genannt) bekommen für jedes Prozent Inflation einen ganzen Euro zum Ausgleich? Da wird wohl von einem deutlich niedrigeren Regelsatz ausgegangen … was real heißt, das es 2011 zu einer massiven Kürzung der Regelsätze kommt.

Selten wurde das Volk so sehr betrogen und dem Verfassungsgericht (und damit dem ganzen deutschen Volk und Staat) so deutlich der „Stinkefinger“ gezeigt wie bei dieser Reform, die eine gerechtere Versorgung der Opfer nach sich ziehen sollte, aber real – siehe „livePR“ – eine Kürzungsorgie wurde:

Heute entscheiden Bundesrat und Bundestag über die Hartz-IV-Reform. „Wir sind sehr enttäuscht vom Ergebnis des Vermittlungsausschusses. Es zeigt, dass arme Menschen in der Politik keine Lobby haben“, so Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, Sprecher der Diakonie Baden-Württemberg GmbH. Die jetzige Reform sei eindeutig eine Mogelpackung. Denn statt mehr Geld für arme Menschen auszugeben, werde beim Bundeshaushalt über eine Milliarde Euro eingespart. Und Hartz-IV-Empfänger müssten künftig mit zusätzlichen Ausgaben rechnen.

Noch schlimmer als den Arbeitslosen geht es aber den Behinderten. Arbeitslose kriegen wenigstens fünf Euro mehr … Behinderte bekommen laut Freitag siebzig Euro abgezogen. So sieht wohl die Gegenfinanzierung aus.

Ein besonderer Skandal im Vermitlungs-Ergebnis soll hier aber einmal noch hervorgehoben werden: Erwachsene Behinderte, die bei ihren Eltern oder in einer Wohngemeinschaft leben, sollen tatsächlich nur noch 80 Prozent vom Regelsatz erhalten. Das entspricht einer Kürzung um rund 70 Euro.

Früher nannte man das „Euthanasieprogramm“, heute … redet man einfach nicht mehr drüber.

Voller Stolz ist man jedoch darauf, das man alles unternimmt, um die häuslichen Gemeinschaften (und damit das traditionelle Modell „Familie“) weiter zu zerschlagen, so daß die Behinderten auch gar niemanden mehr finden, der sich privat um sie kümmern kann. So berichtet die Zeit über das „Modell Hausfrau“:

Dementsprechend gestalten die Regierungen seit der Jahrtausendwende das Steuer-, Sozial- und Familienrecht Schritt für Schritt im Sinne dieses Ziels um. Kinderbetreuungskosten können nun besser von der Steuer abgesetzt werden. Rentenanwartschaften steigen, wenn beide Partner arbeiten. Das Elterngeld berechnet sich aus dem Gehalt. Vollzeithausfrauen erleben scharfe Einschnitte beim Unterhaltsrecht im Falle einer Scheidung.

Das hat wenigstens ein positives Element: die setzen keine Kinder mehr in die Welt. Der Deutsche mit seinem Wahn stirbt aus. Das Schule und Gesellschaft trotzdem mehr Arbeit als zuvor in die Familie verlagern, versteht sich von selbst – in Zukunft sollen sie ja auch verstärkt die Straßen reinigen, wenn sie so dumm waren und sich ein Haus für ihre Kinder gekauft haben um der forschen Kinderfeindlichkeit der Gesellschaft zu entgehen. Vielleicht kommen die dann auch selbst auf die Idee, wie man die behinderten Familienmitglieder kostengünstig entsorgen kann … jetzt, wo man auch noch ihren Lebensunterhalt bezuschussen muß.

Man sollte die Arbeitgeber von dieser Entwicklung unterrichten, damit die sich keine weiteren Sorgen machen müssen, von denen die Zeit gerade berichtet:

Die Hartz-IV-Reform wurde gerade beschlossen. Schon gibt es neue Kritik von Opposition und Gewerkschaften. Die Arbeitgeber sorgen sich um die Finanzierung des Kompromiss.

Nebenbei erfährt man: der ganze Müll ist aller Wahrscheinlichkeit nach schon wieder nicht mit der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland vereinbar.

Schrecklich, wie offen die politische Kaste ihre Missachtung für Land, Gesetz und Menschen inzwischen ausleben kann, ungeheuerlich, wie wenig man tragfähige Konzepte für die Zukunft erarbeitet und erbärmlich, wie sehr die sich dabei auch noch die Taschen füllen.

Und was uns in Zukunft weiterhin erwartet, leben uns die Japaner laut wiwo schon einmal vor:

Trotz des Aufschwungs fehlen in Japan massenweise Jobs für die junge Generation. Viele Betriebe rekrutieren ihren Nachwuchs im Ausland – oder beschäftigten billige Rentner.

Und die Rentner können auch nicht auf die Jobs verzichten …. denn um die Rente selbst ist es laut Investment.com schlecht bestellt:

Zu viele Rentner: Für Japans Anleihemarkt wird es eng

Japans Bevölkerung ist zu alt. Das wird nun zum Problem für den Staat. Denn der größte Pensionsfonds der Welt muss die Rentner auszahlen.

Da haben wir wirklich eine tolle Zivilisation aufgebaut. Wir können zum Mond fliegen, um die Welt düsen, vor den Malediven tauchen, uns Häuser an Traumständen mit Dolby-Souround-Sound leisten – aber für Menschen mit ihren „Schwächen“ wie Alter, Krankheit oder Behinderung haben wir keinen Platz mehr. Noch nicht mal für Kinder reicht es.

Also ehrlich … dafür haben wir 1789 nicht den König geköpft.

Dafür nicht.

Und sonderlich zukunftsträchtig sieht das auch nicht aus. Wirkt eher wie der Abschlussball auf der Titanic nach dem Eisbergzwischenfall.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einführung der Todesstrafe für Arbeitslose und Juden? Gute Zeiten für Spekulanten!

Warum macht man sich eigentlich Gedanken über Politik? Ich meine – man könnte doch auch neue Kochrezepte austauschen, über die Possen der Haustiere sinnieren, das eigenen Liebesleben im Detail veröffentlichen oder sich in Reflektionen der Überflußwarenwelt vertiefen. Auch das hält die Finger gelenkig und verschafft dem Rücken Ruhe.

Die Antwort ist einfach – aber unangenehm. Man macht sich Gedanken über Politik, damit nicht die Politik anfängt, sich über einen Gedanken zu machen … wenn es so weit ist, ist es zu spät. Dann ist die Zeit der Worte vorbei.

In Spanien merken das jetzt schon die Arbeitslosen, von denen die ja viel zu viele haben, sieh spanienleben:

Ab dem heutigen Tag können Langzeitarbeitslose, die ihre Leistungen von (426€) verloren haben, eine neue Beihilfe von 400 Euro auf maximal sechs Monate neu beantragen. Jedoch wird der Gang zum Arbeitsamt für viele ein „Gang der Enttäuschung“ sein. Viele werden mit den neuen Bestimmungen nichts mehr bekommen und durch die Maschen des Netzes fallen (ca. 800.000). Die jetzt festgelegten 400 € werden sowieso nur an eine Weiterbildungsmaßnahme gekoppelt, das heißt „Umschulung“ und „Integration in das Arbeitsleben“. Im Grunde genommen wurde das Geld, das die Arbeitslosen erhielten zwecks einer Festigung der Lebensgrundlage, umgeschichtet (Summe 400.000.000 €), an die Firmen gegeben, die zur Umschulung der Arbeitslosen beitragen. Die Frage bleibt nur, ob das hilft? Ausbildung hin oder her, wenn keine Arbeitsplätze da sind, kann die beste Umschulungsmaßnahme nicht helfen. Mit andere Worten, die Summe von 400.000.000 €, die vom Staat getragen wird, fließt nicht in die Taschen der Arbeitslosen, sondern in die Taschen der Firmen.

Da werden offenbar deutsche Erfahrungen umgesetzt – aber zeitlich begrenzt. Wie immer verdienen sich die verantwortlichen Kreise dumm und dämlich bei der Staatspleite. Das ist ja in Deutschland nicht anders, wo führende Politiker sich in Folge der Wirtschaftskrise enorm die Taschen füllen, wie die TAZ berichtet:

Den Steuerzahler und die Sparkassen wird die Rettung der WestLB Milliarden kosten. Das hindert Friedrich Merz nicht, für seine Dienste Millionen in Rechnung zu stellen.

Der ehemalige Vorsitzende der CDU-Bundestagsfraktion stellte für seine bisher erfolglosen Versuche, die einstige Landesbank Nordrhein-Westfalens als Ganzes zu verkaufen, bereits 1,2 Millionen Euro in Rechnung, erfuhr die taz aus dem Haushalts- und Finanzausschuss des Düsseldorfer Landtags. Außerdem versuche Merz, der heute als Rechtsanwalt für die internationale Wirtschaftskanzlei Mayer Brown arbeitet, die Honorare durch Vergabe immer neuer Unteraufträge noch zu treiben.

So muß man leben, wenn Arbeitslosigkeit keine Bedrohung mehr darstellen soll. Das ist richtig männlich und vorbildlich für die jüngere Generation: das Schiff Deutschland bekommt Schieflage, also muß man soviel Schinken und Schnaps wie möglich in sein Rettungsboot bekommen, die Zeiten der christlichen Seefahrt, wo der Kapitän mit seinem Schiff untergegangen ist, sind vorbei. Heute sind die Kapitäne von Wirtschaft und Politik die Ersten, die mit dem Rettungsboot auf der Trauminsel anlegen – lange bevor der Eisberg überhaupt in Sicht gewesen ist. Sie arbeiten inzwischen präventiv. Damit das auch so bleiben kann, wird der Bürger jetzt genauer observiert, wie man bei Telepolis erfährt:

Nach endgültiger Anschaffung in Sachsen ist die fliegende Kamera in den Alltagsbetrieb der Polizei übergegangen. Auch in Berlin wurden Polizisten jetzt mit einer Drohne gesichtet – ausgerechnet an einem stadtpolitisch umkämpften Ort.

Ob das dann auch mal live bei RTL übertragen wird? Ich habe eigentlich keine Zweifel. So eine Chance auf Quote darf man sich doch nicht entgehen lassen, zudem die Niedergeknüppelten bald auch keine medizinische Hilfe mehr bekommen werden, was sie jetzt allerdings noch nicht wissen dürfen. Laut Verdi ist der Umbau unseres Gesundheitssystems in ein Drei-Klassen-System in vollem Gange – nur merkt es noch keiner:

Das bedeutet nicht nur das Ende der paritätischen Finanzierung der Gesundheitskosten zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitergeberseite, sondern hat auch zur Folge, dass diejenigen, die am wenigsten verdienen, künftig proportional am meisten bezahlen müssen. Schon bei einer Pauschale von 16 Euro monatlich, wie sie das Bundesversicherungsamt für 2014 zugrunde legt, schlagen Arbeitnehmeranteil plus Zusatzbeitrag für Menschen mit einem monatlichen Einkommen von 800 Euro mit 10,2 Prozent zu Buche. Wer dagegen 8000 Euro verdient, zahlt dieselbe Pauschale – und insgesamt nur vier Prozent seines Einkommens an die Krankenkasse.

Man kann sich vorstellen, das Hartz IV-Abhängige dann auch schnell aus der medizinischen Versorgung komplett herausgenommen werden, so wie sie ja jetzt auch schon aus der Rentenversicherung herausgenommen wurden – seit Januar zahlen die Jobcenter (wie sie jetzt so schön heißen) keine Beiträge mehr für Arbeitslose an die Rentenversicherung. Immerhin wird schon jetzt gesundheitlich bedingte kostenaufwendige Ernährung nur für arbeitsfähige Arbeitslose bezahlt – aber nicht für Kinder. Auch so ein Skandal,  für den sich eigentlich niemand interessiert, der aber ein lebensbedrohliches Prinzip etabliert:  „LEBEN“ gibt es nur noch gegen „ARBEIT“ – Arbeit macht frei, sozusagen.

Kein Wunder, das es nach diesen Erfahrungen der Börse gut geht, sie nach dem Handelsblatt sogar zur Sorglosigkeit neigt:

Die Stimmung an den Börsen wird immer besser. So teuer wie jetzt waren deutsche Aktien seit mehr als drei Jahren nicht mehr. Aber es macht sich Sorglosigkeit breit.

Kein Wunder, das die Stimmung gut ist, hat die Krise doch bewiesen, das „das System“ inzwischen so bombenfest etabliert ist, das selbst haarsträubende Ungerechtigkeiten mit einem Schulterzucken durchgewunken werden können und man sich selbst bei größter wirtschaftlicher Not als Täter bequem die Taschen bis zum Abwinken mit Euro füllen kann.

Alle wollen Schröder, Koch und Merz folgen und den Traum vom leistungslosen Einkommen verwirklichen, um dem Verrotten im Armenhaus zu entkommen. Leider wird das für viele ein Traum bleiben – das Boot ist voll. Man nimmt zwar gerne noch die Vorräte der Nachzügler, aber mitgenommen werden nur noch ganz wenige, auch hierzu das Handelsblatt:

Millionen Deutsche setzen auf Investmentfonds. Doch viele Produkte enttäuschen die Anleger. Kein Wunder: Häufig sind die Gebühren so hoch, dass hohe Renditen fast unmöglich sind.

Ein Geschäft mit der Angst. Alle scheinen zu wissen, das die Zukunft rabenschwarz werden wird, alle rennen und raffen, um ihr möglichst noch zu entkommen. Nicht mehr lange und Arbeitslosigkeit wird in der Festung Europa mit dem Tode bestraft – mit dem Hungertod in Einzelhaft bei Hausarrest.

Im Prinzip ist es schon so.

Da wundert es nicht, das alte Häßlichkeiten auch nochmal aufgewärmt werden, hier Töne, die von der ZEIT aus dem jüdisch-christlichem Abendland aufgefangen wurden:

»Bewusste Juden«, so wurde am 5. Dezember der liberale Politiker Frits Bolkestein in der Zeitung De Pers zitiert, »müssen sich darüber klar werden, dass sie in den Niederlanden keine Zukunft haben.« Sie sollten mit ihren Kindern lieber nach Israel oder in die USA emigrieren.

Wenn die Nachricht die Börse erreicht, dann machen die dort ein Riesenfass auf: wieder einmal gibt es jüdische Immobilien zu Hauf, Arbeitsplätze werden frei und Vermögen verschleudert. Da ist wieder gut Reibach zu machen.

Gute Zeiten für Spekulanten.  Und wenn dann noch die Todesstrafe für Arbeitslosigkeit eingeführt wird und jeder gezwungen ist, seine Haut für 170 Euro im Monat zu Markte zu tragen, dann wird sich der Aktienkurs sicher nochmal verdoppeln.

Also: ´rauf auf den Zug, bevor er euch überrollt … oder?

Wer Frits Bolkestein in seinem Büro mit Amstel-Blick aufsucht, findet einen weißhaarigen Herrn vor, der einen sehr klaren, wenn auch bedrückten Eindruck macht. »Wenn Orthodoxe hier in Amsterdam eine Bar-Mizwa feiern, brauchen sie Wachleute. Die jüdischen Gemeinden müssen bei uns für ihre Sicherheit selbst bezahlen, die Regierung und die Stadtverwaltung schauen weg. Und die Politik hat Angst, das Problem anzugehen.«

Und es geht sogar noch weiter mit der „Verrohung des öffentlichen Raumes“:

Weil Ajax Amsterdam als »jüdischer Club« gilt (im Vorstand und auch im Team gab es gelegentlich Juden), rufen die Fans des Konkurrenten Feyenoord Rotterdam von den Stadionrängen »Hamas, Hamas, Juden ins Gas!«.

Und während die Opfer sich gegenseitig ausrotten, schaffen die Täter eine Million nach der anderen aus dem Land, damit das Geld auch ja schön knapp bleibt und alle noch mehr leiden.

Irgendwie … sollte es da doch Alternativen geben. Noch haben wir nicht 1933 – auch wenn der Kurs zielgenau dorthin führt.


Die Renten verarsche

Hans-Peter arbeitet seit seiner frühesten Jugend bei der Bahn, gern würde er wie viele seiner früheren Kollegen in den Vorruhestand gehen, doch das kann er sich nicht leisten nach seinem vorläufigen Rentenbescheid bekäme er nur eine Rente von 653,37 € und das nach 48 Arbeitsjahren.

Seine ehemaligen Kollegen, die früher in Rente gegangen sind bekommen vielmehr als er. Zum Beispiel Joachim, er ging als erster in Rente, schon 1994, seine heutigen Bezüge 1417 € im Monat. Sein Kollege Horst ist einige Jahre später ausgeschieden, im Jahre 2003, seine Rente ist schon etwas geringer 915 €. Und dies ist keine Ausnahme…

Grilleau.blog

Deutschlands Lumpen räumen richtig ab – bei Arbeitslosen, Pensionären und Kindern!

Momentan ist ja viel los in Deutschland.  Opposition und Regierung schlagen so heftig aufeinander ein als ginge es um das Schicksal Deutschlands.  Es geht aber nicht um Kriegserklärungen von Supermächten, Übernahmebestrebungen durch Finanzkonglomerate oder künstliche Erdebeben, die Bielefeld verwüsten – es geht um viel mehr: es geht um fünf Euro.

Fünf Euro sind viel Geld. Das sage ich jedenfalls immer meinen Kindern. Die jedoch – lachen mich nur aus. Die glauben mir einfach nicht, weil sie Preise lesen können. Für fünf Euro bekommt man ja … so gut wie gar nichts. Irgendwie haben sie langsam recht. Erst am Freitag habe ich drei Euro für ein Kilo holländische Tomaten ausgegeben, für zwei Kilo hätte es also nicht gereicht.

Ich war also froh, das wenigstens die Regierung meiner Meinung ist und fünf Euro zum Anlaß nimmt, große Streitigkeiten vom Zaun zu brechen und sich argumentative Schlachten zu liefern, die einer Weltkrise würdig wären. Immerhin: fünf Euro sind viel Geld. Fünf MILLIARDEN Euro hingegen – sind Peanuts.

Anders kann ich es mit nicht erklären, wieso laut Welt die staatlichen Subventionen Rekordhöhen erreichen:

Nach Berechnungen des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) haben die Subventionen in Deutschland im vergangenen Jahr mit fast 164 Milliarden Euro einen neuen Rekord erreicht. Die Wissenschaftler verwenden einen weiten Subventionsbegriff, bei dem sämtliche materiellen Vorteile zusammengefasst werden, die von Bund, Ländern, Gemeinden und der EU ohne unmittelbare Gegenleistung gewährt werden.

20 Milliarden Steigerungen der Subventionen allein von 2008 bis 2010 … und das in Krisenzeiten, wo der Staat eigentlich nichts zu verschenken hat und um fünf Euro ringt wie um Stalingrad oder Verdun. Dabei kriegen die Kinder der Aussortierten – immerhin bald zwei Millionen Menschen, die unsere Zukunft entscheidend prägen werden – gar nichts.

Aber wir brauchen ja die Subventionen, denn ohne die … kriegen wir ja unseren Aufschwung nicht hin, jenen Aufschwung, von dem die Welt uns einen Ausschnitt aufzeigt:

Egal ob Kroko-Handtasche, Rolex-Uhr oder Champagner – das Geschäft mit Luxus boomt wie schon lange nicht mehr. Die steigende Zahl der Reichen und Superreichen beschert der Branche einen fulminanten Start ins neue Jahrzehnt. Der weltgrößte Luxusgüterkonzern LVMH legte am Freitag Zahlen vor, von denen Unternehmen in den meisten anderen Wirtschaftszweigen nur träumen können. Erzrivale Hèrmes hatte bereits am Vortag exzellente Umsatzergebnisse präsentiert.

Ja, das macht Sinn. Wir lassen Kinder verrotten, damit sich eine skrupellose Lumpenelite auf Kosten des Steuerzahlers in Parfümwolken hüllen kann, um den Gestank der Armut nicht mehr wahrnehmen zu müssen.  So kann man das Problem der Kinderarmut in Deutschland lösen. Und damit die Wolken auch in Zukunft die Sinne vernebeln können, hat man jetzt schon mal – wieder laut Welt – eine neue ausplünderbare Bevölkerungsschicht im Visier: die Pensionäre.

Klar: so viele Subventionen müssen schon irgendwie finanziert werden. Da ist das Geld der Arbeitslosen schnell alle. Aber: wir haben ja noch die Staatsrentner:

Raffelhüschen warnt vor einem dramatischen Anstieg der Pensionslast in den kommenden Jahren. Überdies räche sich nun, dass in den siebziger und achtziger Jahren überall in Deutschland der Beamtenapparat kräftig ausgebaut worden war. „Durch die Einstellungswelle werden die demografischen Probleme noch drastisch verschärft, und sie eskalieren zudem ein paar Jahre früher als im Rentensystem“, sagt der Finanzwissenschaftler.

Und – natürlich sind nicht nur die Pensionäre ins Visier der parfümierten Lumpen geraten. Rolex kostet auch richtig Geld – und das muß irgendwoher abgeschöpft werden, was einerseits gut über Tomaten geht – oder aber über Regelsatzkürzungen, wie der Spiegel heute informiert:

Verpasste Termine und Fristen haben für Hartz-IV-Empfänger zunehmend ernsthafte Konsequenzen: Die Behörden strichen im vergangenen Jahr in mehr als 610.000 Fällen Gelder – zwölf Prozent mehr als 2009.

Na, da haben die wahrscheinlich schon mal für die 5-Euro-Erhöhung kräftig was zusammengespart. Auch die Empfänger von Arbeitslosengeld 1 dürfen sich aber schon mal realistisch an eine neue Zukunft der unbegrenzten Möglichkeiten gewöhnen:

So sei auch Empfängern von reguläremArbeitslosengeld in den vergangenen Jahren immer häufiger zeitweise die staatliche Unterstützung gestrichen worden, schreibt die Zeitung. Im relativen Vergleich sei die Zahl sogenannter Sperrzeiten innerhalb der vergangenen vier Jahre von 18 auf 27 Prozent gestiegen.

Pech hat … wer solche Eltern hat. Die strafenden Keule des Asozialstaates erwischt sie mit voller Härte – aber es gilt zunehmend als Tabu, Mitleid zu empfinden. Der deutsche Mann ist nämlich wieder … knallhart. Das erfahren jene Menschen, die ihre Menschlichkeit noch nicht zu Geld gemacht haben, ihnen gelten Spott und Häme des deutschen Journalismus – wie hier im Spiegel:

Der Sentimentalpolitiker appelliert an den Affekt, das verleiht ihm solche Überzeugungskraft. Er vertritt grundsätzlich Anliegen, gegen die kein normaler Mensch etwas haben kann: den Schutz der Robben, der Eisbären oder eben der „armen Kinder“.

Die Frage ist nur, wie gut sich ein Land regieren lässt, wenn einem ständig das Herz blutet. Verantwortliche Politik kommt ohne Zumutungen nicht aus.

Genau. Das sage ich auch immer. Ein paar Zumutungen muß es schon geben – zum Beispiel die Streichung der Subventionen. Eine Wirtschaft, die nur mit Krücken funktioniert, taugt einfach nichts. Ich schätze aber mal … das der Spiegel-Autor das nicht gemeint hat, als er von verantwortlicher Politik gesprochen hat.  „Verantwortliche Politik“ ist halt ein Gemeinplatz, den man mit recht beliebigen Inhalten füllen kann. Im Falle des Spiegelautors Jan Fleischhauer ist sogar nachvollziehbar, was er gemeint haben könnte, da die FAZ uns über seinen Werdegang aufklärt:

Jan Fleischhauer, Jahrgang 1962, wuchs in einer Familie des linken Hamburger Bürgertums auf. Das ist sein Schicksal. Es ist sehr langweilig, die Verletzungen, die er davongetragen hat, sitzen deshalb aber nicht weniger tief: Schlimm war, dass es bei den Fleischhauers Biohaferflocken statt Industriemüsli gab, Coca-Cola nur bei Erbrechen, niemals McDonald’s. Schlimm war der „Tag der Befreiung“ seiner Mutter, der „auf den 33. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie“ fiel und den fünfzehnjährigen Jan „als eine Art Kollateralschaden“ erwischte: Gerade aus der Schule gekommen, hielt seine Mutter ihm seine dreckige Wäsche entgegen, die er ab heute doch bitte selber waschen solle. Als die Mutter später begann, „Emma“ zu lesen, hatte der Sohn gar nichts mehr zu lachen.

Mit fünfzehn Jahren die Wäsche selber waschen … das macht einen echten Mann konservativ und mitleidslos. Das war einfach zuviel verlangt, das schreit nach lebenslanger Rache – an Mutti und ihren Genossinnen.

Was verantwortlich daran ist, Kinder von Arbeitslosen in Armut aufwachsen zu lassen, erschließt sich mir nicht. Ich kenne den Fall eines Vaters, der sich überlegt hat, seinem Leben ein Ende zu setzen, um den Kindern die staatliche verordnete Armut zu ersparen. Er hatte Pech: auch die Halbwaisenrente wird angerechnet. Die Armut der Kinder ist ganz entschieden gewollt.

Es ist wohl eine besondere Ironie des Schicksals, das die Kinder der ´68er (meist ja ebenfalls Studenten aus „gutem Hause“ mit großer Chance auf Verbeamtung und Festanstellung, die nach jeder Straßenschlacht an Muttis wohlgefüllten Kühlschrank zurückkehren durften) nun Werbefilmchen für McDonalds drehen, um damit grüne Politiker zu erschrecken – das ist einfach das Thema Bürgerschreck mal wieder andersherum. Kurzhaarig mit Krawatte und blitzblankem Kragen – wobei ich nicht spekulieren möchte, wer den jetzt wäscht.

Ich bin mir aber ziemlich sicher, das man die Prediger des Sozialfaschismus, jenes modernen Kampfbundes der momentan Priviligierten gegen den Rest der erbärmlich armen Welt, direkt oder indirekt auf der Seite der Subventionsempfänger wiederfindet – wobei, wenn man mal ehrlich ist, viele Formen von „Gehalt“ eine Subvention darstellen. Aber für diese Subventionen, für die man wenigstens noch Arbeitsleistung bekommen würde, ist ja kein Geld mehr da.

Wozu sollte man das auch bezahlen, wenn man die Arbeit umsonst bekommt und bei Widerstand Existenzen zu Not per Knopfdruck ins Land der Hungersnöte und Kältetoten schicken kann, während man selber die Taschen aus gleicher Quelle wohl gefüllt bekommt, damit es auch fürs Edeldüftchen reicht.

Da macht es sich gut, das man laut über 60 Milliarden klagt, die uns Hungertote in Innenstädten ersparen, während man 165 Milliarden, die sinnlos verplempert werden um Lumpen ein Luxusleben zu ermöglichen, gerne charmant übersieht.

Da wird mir schnell klar, wie die Zukunft aussieht: blutrot. Wenn wir Glück haben, nur politisch. Wenn wir Pech haben, auch real auf der Straße.

Ägypten, Wolfgang Clement und Deutschlands Zukunft nach dem Rentenklau

Blicken wir eigentlich noch durch, was in der Welt gerade so passiert? Ich meine – wir waren laut „Experten“ am „Ende der Geschichte“ angekommen, hatten die beste aller möglichen Welten erreicht und brauchten jetzt nur noch das System stabil halten, damit alle in Ruhe und Frieden ihr eigenes Leben leben dürfen.

Gut, man hatte nicht den Bürger gefragt. Es war zwar das Ende der Geschichte, der Kampf der Systeme war zugunsten der marktwirtschaftlich orientierten Demokratie entschieden worden, doch war dieses Paradies der Historie zugangsbeschränkt: nur der ewig junge, kerngesunde, ungebundene  gut ausgebildete Mann mit guten Beziehungen konnte alle Dimensionen dieses Paradieses ausloten, das normale Bauernkind mit Lernbehinderungen und sozialen Anpassungsschwierigkeiten blieb mit vielen Millionen anderer Menschen zusammen auf der Strecke.

Da alle Menschen mal alt werden – und die meisten auch krank – ist das System „Halbgott mit Mercedes und Rolex“ auch nur für ganz eingeschränkte Intelligenzkreise zufriedenstellend lebbar, vernünftige Wesen (und erst recht soziale) merken ganz schnell, das da eigentlich kein realer Gewinn für die Seele drinsteckt, aber viel Ablenkung für das Kind im Mann.

Das System „Halbgott mit Mercedes und Rolex“ ist momentan auch in Nordafrika sehr in Gefahr. Jahrzehntelang war Ruhe, es gab eine stabile, satte Oberschicht, die ihre Kinder auf Schulen in die USA und zum Einkaufen nach Paris und London schicken konnten – und den Rest, der von den Resten leben durfte.

Woher das Geld kommt? Nun – von uns. Unter anderem. Wir sind laut Manager Magazin dick drin in Nordafrika:

Öl, Südfrüchte, aber auch Bauteile für die Automobil- und Maschinenbauer: Die deutsche Industrie ist in vielfältiger Weise auf Produkte aus Nordafrika und dem Nahen Osten angewiesen. Unternehmensberater Marc Kloepfel erklärt im Interview, wie Firmen ihre Lieferketten in der Region sichern sollten.

Unternehmensberater Marc Kloepfel arbeitet mit Wolfgang Clement zusammen, dem Clement, der Mitbürger, die den Optimierungsprozessen der Unternehmensberater zum Opfer gefallen sind, zu „Schmarotzern“ erklärte, während er nun hilft, auch in Nordafrika mehr von diesen „Schmarotzern“ zu erzeugen, in dem Einkauf und Produktion „optimiert“ werden.

Wenn ein Unternehmen wirklich von einem Lieferanten abhängig ist, muss es von diesem Zustand wegkommen. Wenn es zum Beispiel um ein Aluminiumprofil geht, wird dafür wird ein Werkzeug gebraucht, es muss eine Oberfläche bearbeitet, es müssen Löcher hineingebohrt werden. Um unabhängiger zu werden, könnte ein Unternehmen diesen Prozess splitten und an mehrere Zulieferer vergeben. Denkbar wäre auch, eine andere Form der Oberflächenbearbeitung zu finden, die nicht nur ein einziger Lieferant beherrscht.

Billig, billig, billig zum Wohle des Halbgottes. Nur in der Welt der Halbgötter gilt „billig“ nichts, da wird es schnell teuer, siehe ebenfalls Manager-Magazin:

Nur zwei Jahre nach dem Beinahekollaps des Finanzsystems schwimmen die Banker an der Wall Street wieder im Geld. Die 25 größten US-Finanzfirmen haben laut „Wall Street Journal“ im  Vorjahr 135 Milliarden Dollar an ihre Mitarbeiter gezahlt. Das ist rund ein Drittel der gesamten Erlöse – und die Bezüge könnten bald noch weiter steigen.

Überrascht wie schnell man vom ägyptischen Bürgerkrieg aus ins Vorzimmer einer deutschen ARGE landet, weil die Boni in den USA steigen müssen? Das nennt man „Globalisierung“, läßt sich nur mit systemübergreifenden Denken verstehen. Deshalb kann man schon jetzt sagen, das die wirtschaftlichen Nöte der nordafrikanischen Staaten langsam auf Deutschland hinübergreifen, wie der „Entscheider“ im Manager-Magazin erfährt:

Das neue Jahr ist nur vier Wochen alt, aber schon tut sich neben Währungskapriolen und Schuldendramen ein weiteres Minenfeld auf: Vielen Unternehmen drohen aufgrund der anziehenden Inflation einbrechende Gewinnmargen – und das mitten im Aufschwung. Denn eskalierende Preise für Rohstoffe, Energie und Vorprodukte nehmen die Unternehmen und ihre Gewinnspannen in den Würgegriff. Und das weltweit.

Und jetzt kommt es zu einem interessanten Nebensatz. Für Entscheider ist der wichtig … für Politiker jedoch jenseits aller zumutbaren Realität:

Erzeuger und Handel können an ausgelaugte oder immer noch zur Vorsicht neigende Kunden die höheren Bezugspreise nur mühsam weitergeben, in vielen Fällen gar nicht. Das ist Gift für die Börsenrally und Kanonenfutter für die Rezessionspropheten.

Der deutsche Binnenmarkt, der „König Kunde“ … ausgelaugt? Also … Pleite? Kann es sein, das … wir in Deutschland genauso ausgeplündert wurden wie die in Nordafrika? Das kann nicht nur sein, das ist ganz sicher so. Hinter dem Aufschwunggerede der Halbgötter in Maßanzügen verbergen sich nicht nur die horrenden Staatsschulden, sondern auch eine geplünderte Rentenkasse, von der nun die TAZ berichtet:

Otto Teufel hat sich seit Mitte der 80er Jahre akribischer als jeder bezahlte Beamte in die Materie hineingearbeitet, hat die Finten und Rechentricks, die Lügen und Propagandafeldzüge der Lobbyisten, der Politiker und Medien entlarvt.

Hierbei hat er die Grunzüge der politischen Realität in Deutschland erkannt, die nicht weniger diktatorisch sind als die des ägyptischen Despoten – wir haben nur mehr davon:

Es ist erschreckend, mit welchem Selbstverständnis unsere staatlichen Eliten ein Zweiklassenrecht bei der Altersversorgung verinnerlicht und durchgesetzt haben. Der Gesetzgeber ist zugleich der Empfänger von Pensionen. Über Rentenfragen sprechen bei uns öffentlich in der Regel ausschließlich solche Personen, die davon in keiner Weise betroffen sind. Sie haben nicht das geringste Interesse, da was zu ändern, weil sie erheblich davon profitieren. Nicht umsonst haben Bundestag und Länderparlamente es immer wieder abgelehnt, ihre eigene Altersversorgung der gesetzlichen Rentenversicherung anzuvertrauen.

Da gibt es ein Millionenheer von „Nutznießern“…deren Pensionen wir nie mehr bezahlen können, genauso wenig wie unsere Rentengelder, die seit über fünzig Jahren geklaut werden:

Seit 1957 haben die verschiedenen Bundesregierungen rund 700 Milliarden Euro inklusive 300 Milliarden Zinsen quasi veruntreut. Sie wurden zweckentfremdet, für versicherungsfremde Leistungen aus der Rentenkasse in Anspruch genommen. Dieses Geld schuldet die Regierung unserer Rentenkasse und die Rentner und Beitragszahler bestehen auf Rückzahlung.

Ein Skandal der Extraklasse, ein Skandal, der sofort vierzig Millionen Deutsche auf die Straße scheuchen sollte, denn von dieser Pleite die sich schon jetzt durch ausgelaugte Kundenschichten ankündigt, werden wir alle betroffen sein, zumal der Klau immer weitere Kreise zieht:

Es ist immerzu die Rede von der drohenden Pleite der Rentenkasse wegen der demografischen Entwicklung. Diese Propaganda ist Teil des Konzepts der systematischen Demontage des Sozialstaats. Solche Schlagworte der Meinungsmanipulation dienen der gezielten Irreführung der Versicherten und der Öffentlichkeit.

Nun – irgendwoher muß das Geld je herkommen, das SPD-Funktionäre in Halbgötter umwandelt. Otto Teufel rechnet genau vor, wo es herkommt:

Aber die Leute lassen sich beeinflussen und haben zu Recht Angst. Arbeitnehmer erhalten schon lange keine angemessenen Renten mehr. Der durchschnittliche Rentenbetrag für Männer lag 2009 bei 931 Euro (für Frauen nur bei 521 Euro), während die durchschnittliche Beamtenpension bei 2.500 Euro lag (12,8-mal pro Jahr). Seit 2003 ist die Kaufkraft der Rente zurückgegangen, etwa um 20 bis 25 Prozent. Und es gibt keine Instanz oder Regierungspartei, bei der auf Hilfe zu hoffen wäre. Im Gegenteil, der Jens Spahn z. B. von der Union hetzt jetzt gerade besonders gegen Rentner, und auch die Linkspartei will sich das Thema eigentlich vom Hals halten und fasst die heißesten Kartoffeln gar nicht erst an.

Auf den eigenen Geldbeutel heruntergerechnet gehen einem schon die Augen auf: 521 Euro Rente – damit kann man wahrlich kein großes Faß aufmachen. Da aber alle Politiker von diesem System profitieren, wird es keine Mehrheit gegen dieses System im Parlament geben. So langsam kann man die Deformationen der SPD und auch der LINKEN verstehen – sobald die Leute in Berlin angekommen sind, wissen sie, das es ums nackte Überleben geht. Um ihr eigenes nacktes Überleben im Alter – und das ist ein Thema, das man besser nicht in der Öffentlichkeit präsentiert, die geschlossen auf eine Zukunft zumarschiert, in der Hunger, Durst und Kälte wieder Einzug in den Alltag halten.

Und in sofern beschreibt das Handelsblatt mit seinen Schilderungen der Zustände in Ägypten vielleicht auch einen Aspekt der Zukunft Deutschlands:

Offiziell ist Ausgangssperre, doch Anhänger des ägyptischen Despoten Hosni Mubarak schleudern immer neue Brandsätze auf die friedlich im Stadtzentrum Demonstrierenden. Deren Reihen haben sich merklich gelichtet. Nicht nur wegen der Angst vor den Schlägertrupps des Regimes. Von ihnen stellt sich immer mehr heraus, dass es zu einem großen Teil von der Geheimpolizei mit jeweils 50 ägyptischen Pfund (umgerechnet 6,30 Euro) bezahlte und zuvor aus Gefängnissen entlassene Straftäter sowie Angehörige der Staatssicherheit in Zivil sind.

Vielleicht läuft es in Deutschland so ab: nachdem die Lumpenelite gezielt ein hartz-abhängiges Prekariat geschaffen haben, werden die Opfer ab 2012 in Uniformen gesteckt (hatte die Frankfurter SPD schon mal gefordert), ab 2015 als Sicherheitspersonal eingesetzt (eine Forderung rechter Kreise) und dann mit Schlagstöcken und Brandsätzen gegen jene Bürger eingesetzt, deren Presse sie über Jahre hinweg entwürdigt, geschmäht, verleumdet und beleidigt hat.

Und auf einmal macht der Unsinn von Hartz IV einen ganz großen Sinn: man bastelt gezielt an einem kontollierbaren Hasspotential … das sich bequem entfalten läßt, wenn die Rentenlügen mal nicht mehr zu verbergen sind. So wäre sichergestellt, das der Anzug mit Wolfgang Clement drin weiterhin ungestört zur Aufsichtsratssitzung der neuen finsteren unmenschlichen Halbgötter gelangt und das System der Lumpenelite auch ägyptische Zustände übersteht. Geht ja in Tunesien laut Handelsblatt auch:

Die Unruhen in Tunesien dauern schon erheblich länger an als in Ägypten. Die Wirtschaft des Landes steht wegen wochenlanger Proteste auf der Kippe. Die Regierung versucht die Leute nun wieder zurück in die Betriebe zu beordern.

Egal was passiert: weiterarbeiten! Kommt mir bekannt vor.


Testament eines liebenden Vaters, Deutschland 2011

Liebe Kinder. Irgendwann im Leben eines Menschen kommt der Zeitpunkt, an dem man zurückblickt, Bilanz zieht und sein Testament macht. Als eure Eltern noch jung waren, war das Leben noch schön. Es gab ein wirtschaftlich starkes Land, das sich auf dem Weg zu einer perfekt funktionierenden Demokratie war. Es war eine Zeit, zu der man – trotz aller industriell bedingten Umweltzerstörungen – verantworten konnte, Kinder in die Welt zu setzen.

Heute … muß man sehen, das das ein Fehler war.  Ein großer Fehler. Womit niemand gerechnet hatte, war, das es Kreise in der Republik gab, eine verschworene Elite von Haderlumpen, die nichts anderes im Sinn hatten, als ihre Macht und ihren Einfluss dahingehend auszunutzen, das Land in Grund und Boden zu regieren und sich dabei die eigenen Taschen bis zum Abwinken vollzustopfen.

Nun, der Fehler ist geschehen – und es ist die Frage, ob „Leben“ an und für sich überhaupt „Fehler“ sein kann – doch das ist nicht Sinn meines Schreibens. Mir geht es darum, mich zu entschuldigen. Nicht dafür, das wir Euch ins Leben gezerrt haben, sondern … dafür, das wir gespart haben für eine Zukunft, die schon lange verloren war.  Dafür, das wir Euch Druck gemacht haben, dafür, das wir euch durch die Schule geschliffen haben und dafür, das wir in unserem Leben nichts anderes kannten als Arbeit, Arbeit, Arbeit.

Heute wissen wir, das es falsch war. Es war falsch, Geld für eine eigene Wohnung zu sparen, es war falsch, Sparverträge für eure Ausbildung abzuschließen und Rücklagen für das Rentenalter zu bilden. Es war falsch, Euch nicht den ganzen Tag in der Wohnung einzusperren, es war erst recht falsch, euch Zugang zu Medien zu gewähren.

Hochprofessionelle Experten aus Psychologie, Werbung und Verkauf hatten euch schneller als Zielgruppe im Visier, als wir es durch die „Tagesschau“ mitbekommen hatten. Noch bevor ihr überhaupt eine Chance hattet, euch eine eigene Meinung zu bilden, hattet ich schon ein dutzend Überzeugungen von der Werbeindustrie implantiert bekommen – wie man sich kleidet, wie man redet, womit man kommuniziert, wie man sich einrichtet, womit man spielt oder wohin man unbedingt reisen mußte.

Wir hätten mit euch auf eine Almhütte ziehen müssen, um euch dem zu entziehen. Stattdessen – haben wir Euch der Schule überantwortet. Dort nahm man keine Rücksicht auf eure Belastung durch den Bewußtseinsmüll der Industrie, dort wollte man Menschen, die in der Lage waren, dem Bildungsideal des 19. Jahrhunderts zu entsprechen. Wir als Eltern hatten nur zwei Möglichkeiten, darauf zu reagieren: entweder Almhütte und Arbeitslosigkeit … oder Kapitulation.

Während wir zur Leistungselite strebten, stolz waren auf Einkommen und 80-Stunden-Woche, übersahen wir vor lauter Geschäftigkeit, das ihr vor die Hunde gehen musstet, was uns Yahoo jetzt eröffnet:

Die Schulexpertin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marianne Demmer, hat vor zu hohem Leistungsdruck auf Deutschlands Schüler gewarnt. „Der Wettbewerb um gute Noten nimmt mancherorts hysterische Züge an, belastet die Elternhäuser und macht viele Kinder krank“, sagte die stellvertretende GEW-Vorsitzende in einem Interview mit der Zeitschrift „Super Illu“. Aus den USA schwappe zudem „das hohe Lied des Drills zu Höchstleistungen mittels menschenverachtender Erziehungsmethoden zu uns herüber“.

Wir haben übersehen, das wir noch andere – staatsbürgerliche – Pflichten gehabt hätten … und diesen Mangel müßt ihr jetzt ausgleichen. Wir hätten ein Superleben haben können, dreimal im Jahr in den Urlaub fliegen, jedes Wochenende Alkohol bis zum Überdruß und pennen bis in die Puppen. Stattdessen haben wir euch vorgegaukelt, ihr müßtet lernen, Disziplin üben, fleißig sein um Erfolg im Leben zu haben. Dabei haben wir nichts anderes getan als Euch zarte Pflänzchen in eine feindliche Wüste auszusetzen und euch noch einzureden, das sie die Beste aller möglichen Welten.

Das ging auch nur solange gut, bis die Arbeitslosigkeit kam, die heutzutage jeden irgendwann mal erwischt und – siehe Yahoo – systematisch Existenzen und Familien ruiniert:

Arbeitslosigkeit ist der häufigste Grund für Überschuldung. 28 Prozent derjenigen in Deutschland, die 2009 eine Schuldnerberatung aufgesucht hätten, seien aufgrund ihrer Erwerbslosigkeit in Finanznöte geraten, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit.

Und obwohl diese ruinöse Arbeitslosigkeit unter vielen jüngeren Menschen so weit verbreitet ist, will man nun auch verstärkt die Rentner zum Arbeitseinsatz rufen, wieder Yahoo:

Eine Verkäuferin mit einem letzten Bruttogehalt von 2200 Euro im Monat und einer Altersrente von 730 Euro könne dann mit einer Tätigkeit fast 1500 Euro monatlich zusätzlich verdienen, ohne Einbußen bei der gesetzlichen Rente hinnehmen zu müssen, berichtet „Bild“.

Das ist die Zukunft, die Euch erwartet. Doch selbst wenn die Bundesregierung nicht im Rahmen der Agenda 2010 eure Ausbildungssparverträge zur Finanzierung der Arbeitslosigkeit eurer Eltern aufgefressen hätte, selbst wenn massive Hetzkampagnen der Medien nicht dafür gesorgt hätten, das ihr nicht nur arm wart, sondern auch noch als „asozial“ angesehen wurdet, selbst wenn alle so gelaufen wäre, wie man das in der Bonner Republik noch planen konnte, müssen wir nun einsehen, das das Leben auch an der Spitze seinen Reiz verloren hat, da auch dort, wo Wohlstand, Ruhe und Sicherheit ein aktuelles Höchstmaß erreichen der Lebensüberdruß am Größten geworden ist, siehe Yahoo:

Bayern hat unter allen Bundesländern die höchste Selbstmordrate. Auf 100.000 Einwohner kamen im Jahr 2009 im Durchschnitt 12,9 Suizide, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete. Der deutsche Durchschnitt lag mit 10,6 Selbsttötungen je 100.000 Einwohner deutlich niedriger. Insgesamt nahmen sich im Jahr 2009 in Bayern 1749 Menschen das Leben, in ganz Deutschland waren es 9616.

Und darum schreibe ich euch heute. Wir hinterlassen Euch eine Welt, in der die natürliche Umgebung weitgehend zersiedelt wurde, in der eine Umweltkatastrophe die nächste jagt, in der Lüge, Hinterlist und Betrug wichtige Eckpfeiler jeder Karriere sind. Wir schubsen euch in eine Umwelt, die einerseits voller Verlockungen einer stetig perfektionierenden Unterhaltungsindustrie ist, deren professionellen Methoden  ihr schon von klein auf hilflos ausgeliefert seid und hinterlassen euch andererseits eine Wirtschaft, die es den allermeisten von Euch niemals erlauben wird, sich diesen Verlockungen hinzugeben. Wir erwarten von Euch Höchstleistungen, Disziplin, Engagement und geben euch als Lohn für Fleiß, Aufopferung und Überarbeitung am Ende eures Lebens…. Hartz IV. Doch selbst wenn ihr dieser Mühle entkommen solltet, mit Mitte dreissig nach zehn Jahren Praktikum den ersten echten (wenn auch befristeten) Arbeitsvertrag in den Händen haltet und so wenig Leistung bringen müßt, das ihr es kerngesund ins Rentenalter schafft, so wartet auf euch dort nur …  Lebensüberdruß.

Der glückliche Rentner aus der Werbewelt ist so real wie Mickey Mouse.

Eure Mitbürger hingegen bereiten sich inzwischen auf eine andere Zukunft vor, wie die Welt berichtet:

Der 43-Jährige aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach hatte neben Gewehren, Revolvern und Pistolen auch zwei Maschinenpistolen, zwei Armbrüste, 1,6 Kilogramm Schwarzpulver und tausende Schuss Munition im Haus. Weiter wurden fünf Schalldämpfer, ein Nachtsichtgerät und ein Schießstock beschlagnahmt.

Wir hätten auch eher in diese Werkzeuge investieren sollen als in Ausbildungsverträge, Eigentumswohnungen und Fortbildungen, dann bräuchten wir uns weniger Sorgen um Eure Zukunft zu machen, doch … da haben wir versagt.

Ich hoffe sehr, das ihr uns verzeihen könnt – euer euch liebender Vater.

Hartz IV, Renten, Bafög und Löhne: massive Kürzungen noch in 2011 – und das Ende der Presse

Hiob ist ja ein bekannter Mann. Altes Testament – großer Star. Der Herrgott in seiner unermeßlichen Weitsicht hatte sich den Hiob ausgesucht, um ihn mit Übeln aller Art zu plagen. Der liebe Herrgott war sich sicher, der Hiob hält das aus, der Teufel meinte: nö, tut der nicht.

Seitdem ist Hiob der Markennamen für niederschmetternde Katastrophen der besonderen Art, wie z.B. heute im Handelsblatt:

Die britische Wirtschaft muss nach dem Konjunktureinbruch eine neue Hiobsbotschaft verkraften. Die Inflation dürfte in den kommenden Monaten auf bis zu fünf Prozent steigen, sagte der Gouverneur der britischen Notenbank (BoE), Mervyn King, am Dienstag.

Für Großbritannien ist das eine Hiobsbotschaft. Das heißt konkret: 5 % weniger für all jene, die an keiner Preisschraube drehen können. Da wir nicht mehr in einer sozialen Marktwirtschaft sondern in einer asozialen Raubwirtschaft leben, wird an der Preisschraube gedreht werden, bis den Menschen die Luft zum Leben ausbleibt und sie sogar darüber nachdenken, die Oma zu verheizen, wie der Spiegel jetzt berichtet:

Sparen bis zum bitteren Ende: Eine britische Stadt will ihr Freizeitbad mit Abwärme aus dem Krematorium heizen. Das diene auch dem Klimaschutz, werben die Verantwortlichen. Gewerkschafter kritisieren den Spar-Vorschlag als „krank“.

Wer sich noch mehr gruseln möchte, lese die Kommentare zu dem Artikel, da fallen langsam immer mehr Hürden, die die EU-Bürger bislang vom NS-Heizer getrennt haben.

Aber das alles ist ja England, wir leben ja in Deutschland. Dort ist ja alles in Ordnung, dort gibt es keine Hiobsbotschaften, oder? Nein, dort wird laut Welt alles ohne Hiob einfach teurer:

Die deutschen Importpreise sind im Dezember so stark gestiegen wie seit über 29 Jahren nicht mehr. Sie zogen um 12,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat an, weil vor allem Energie, Rohstoffe und Nahrungsmittel deutlich mehr kosteten. Eine höhere Teuerungsrate hat es zuletzt im Oktober 1981 mit 13,7 Prozent gegeben, teilte das Statistische Bundesamt mit.

Essen und heizen sind unverzichtbare Elemente menschlichen Lebens. Daran kann man nicht sparen. Der Mensch lebt eher ohne Essen als ohne Wärme, bei einem Anstieg der Rohölpreise (z.B. im Dezember um 35,6 %) heißt das auf Deutsch: das Budget zur Restlebensgestaltung wird drastisch gekürzt. Da hilft dann auch kein Bildungsgutschein für Kinder mehr.

Hartz IV, Bafög, Renten, Löhne werden de fakto massiv gekürzt – noch in diesem Jahr. Das dann schöne Zahlen auf dem Konto liegen, sollte nicht täuschen: die Zahlen auf den Preisschildern werden dafür ausgesprochen überdimensioniert häßlich sein.

Auf gut deutsch heißt das dann letztlich: die Krematorien werden mehr Heizmaterial erhalten, das bei der Entsorgung von Wohlstandsentsorgten kostenlos anfällt.

Wo sind nochmal genau die Politiker, die uns vor einer solchen Entwicklung schützen? Welche Partei stemmt sich mit aller Kraft diesem Horror entgegen? Rentner, Arbeitslose, Halbarbeitslose, Baldarbeitslose und Studenten dürften in ihrer Gesamtheit die absolute Mehrheit der Bevölkerung stellen, die nun wieder für die Goldkettchen der Maschmeyers der Republik, für die Boni der Ackermänner und die Bezüge ihrer Abgeordneten hungern und frieren dürfen – die einen mehr, die anderen weniger. Das das keinen Aufschrei gibt, keine das Gleichgewicht wieder herstellende Partei aus dem Einheitsbrei der Prediger der Alternativlosigkeit aufersteht, hängt auch mit der schwindenden Pressefreiheit (oder, besser gesagt: der schwindenden Presse selbst) in Deutschland zusammen, mit dem Aussterben des Journalismus (oder, besser gesagt: mit dem Ausssterben des Journalisten).

Evangelisch.de hat das treffend zusammengefaßt:

Für die Pressefreiheit problematischer sind die ökonomischen Zwänge, denen Journalisten inzwischen ausgesetzt sind. Zwänge, die Verleger gern als „Flexibilität“ bezeichnen. Für derlei Zwänge gibt es viele Beispiele. Die komplette Redaktion seiner „Münsterschen Zeitung“ tauschte etwa der Verleger Lambert Lensing-Wolff aus. Seine neuen „Rasenden Reporter“ berichten „online, on air und für Print“ und werden nicht nach Tarif bezahlt. Pläne, die auch andere verwirklichen wollen. Der Journalist von morgen muss alles bedienen: Radio, Fernsehen, Internet und die Zeitung. Er wird zur „eierlegenden Wollmilchsau“. Fehlt nur noch, dass er zusätzlich die Sanitäranlagen der Redaktion feudelt – für 20 Cent pro Kachel.

Mit Lohnknechten dieser Art, deren Loyalität zum Geldadel gerne auch erstmal durch ein zur Not auch jahrelanges Praktikum getestet wird, bekommt man nur die Informationen, die interessierte Kreise beim Endverbraucher sehen wollen. In der Süddeutschen Zeitung gibt es momentan einen kleinen Ausblick auch das Thema „Praktikum“:

Nach Schätzungen der Gewerkschaften ist etwa die Hälfte der Praktika, die nach Abschluss des Studiums oder einer Ausbildung absolviert werden, unbezahlt. Drei Viertel dieser Praktikanten versichern, überwiegend als normale Arbeitskraft eingesetzt worden zu sein.

Die Initiative Nachrichtenaufklärung hat in ihrem Blog eine interessante Auswertung über unser Nachrichtenwesen veröffentlicht:

Seit 1997 hat die Initiative Nachrichtenaufklärung jedes Jahr eine TOP-Liste der von den Medien vernachlässigten Themen veröffentlicht. Eine Analyse dieser TOP-Themen zeigt: Wir haben Dauergäste auf unseren Listen.  Am häufigsten landen Wirtschaftsthemen in unserer TOP 10.  An und für sich wird ja sehr viel über Wirtschaft berichtet, die meisten überregionalen Zeitungen haben gleich mehrere Wirtschaftsbücher und die Börsenkurse sind fester Bestandteil der Abendnachrichten im Fernsehen. Es gibt aber Wirtschaftsthemen, die das nicht schaffen – obwohl sie für einen großen Teil der Bevölkerung relevant sind.

Jetzt können wir erahnen, warum wir in Deutschland keine Hiobsbotschaften haben – und anstelle der Presse nur noch die PR-Nachrichten der Firmen empfangen. Gleichzeitig können wir uns ein Bild davon machen, wie es um den Aufschwung wirklich bestellt ist.  Uns geht es schlecht und immer schlechter – wir reden aber einfach nicht mehr darüber.

So geht´s auch.

Wir reden nicht mehr über Hiob.

Wir sind Hiob.

Da … bleibt einem sowieso die Sprache weg.

Wetten dass …. Kapitalismus asozial und unbezahlbar und der Kommunismus überlegen ist?

Es sind so die kleinen Meldungen, die den Tag versüssen. Zum Beispiel die hier, im Handelsblatt:

Die Industrie muss dahin gehen, wo die Kunden und das Wachstum sind. Und derzeit ist das China. Der Bayer-Konzern nimmt viel Geld in die Hand, um die Produktion dort auszubauen. Was das Unternehmen besonders freut: China will jetzt umweltfreundlich werden und braucht dafür deutsche Wärmedämmungen.

Erstmal muß nicht „die Industrie“ dorthin gehen, wo die Kunden und das Wachstum sind. Es würde schon reichen, wenn man die Waren vor Ort präsentieren kann. Dann wird auch nicht der Vorstand samt Verwaltung jetzt aufgrund dieses kategorischen Imperativs sich Wohnungen ohne Strom und Heizung in chinesischen Millionenstädten mieten oder mit den Wanderarbeitern (was sie ja im Prinzip sind) von Ort zu Ort pilgern. Sicherlich kennt man die Argumentation: die Transportkosten sind zu hoch. Aber die volkswirtschaftlichen Kosten, die durch die Vernichtung der Existenzgrundlage tausender Mitbürger entstehen, werden auch nicht eingerechnet. Dafür jubeln alle zum gemeinsamen Ziele der Maximierung des leistungslosen Einkommens (außer man nennt es gerade Hartz IV, dann ändern sich die Meinungen sehr schnell): der Kapitalrendite von Großanlegern.

Das Geld, das Bayer jetzt investiert, um noch mehr Geld für geliehenes Geld zahlen zu können fällt nicht vom Himmel. Es stammt laut Handelsblatt aus gezieltem Arbeitsplatzabbau:

Bayer muss sparen. Der neue Chef Marijn Dekkers verschont auch die Mitarbeiter und kündigte Stellenkürzungen an. Nicht gespart werden darf aus seiner Sicht aber in der Forschung. Bayern hat heute seine Investitionspläne für das kommende Jahr bekannt gegeben.

Dekkers hatte mitte November den Abbau von 4 500 Stellen angekündigt – davon 1 700 in Deutschland -, um die Ressourcen stärker auf Innovation und Wachstum in Schwellenländern zu konzentrieren.

So verschwinden die Arbeitsplätze und die Arbeit aus jenen Ländern, wo gerade der Verkauf von Arbeitskraft als Lebensgrundlage der Bevölkerung übrig geblieben ist – eine Entwicklung, die ausschließlich auf Wunsch jener „Industrie“ basierte, die jetzt das Weite sucht. Schon jetzt kann man erahnen, wo das enden wird: Menschen werden uns insgesamt zu teuer werden.

Gibt es weiter das offen praktizierte Primat der Rendite vor dem Prinzip der Menschlichkeit und der Menschenrechte, werden – rein mechanisch und zwangsläufig – irgendwann irgendwo Leichenberge aufgehäuft, deren Lebensenergie (sprich: GELD) zur Kapitalmaximierung irgendwo anders gebraucht wurde. Ach, ich vergaß: die gibt es ja schon. In Afrika. Aber da … berichten unsere Medien nur selten drüber. Die Folgekosten unseres Wohlstandes sind zu beschämend, als das wir sie tagtäglich sehen wollen. Wetten, dass … wir uns da lieber anschauen, wie Mitbürger in Fernsehshows des öffentlich-rechtlichen Fernsehens zur Belustigung von Millionen zu Krüppeln gemacht werden?

Die Kosten für dieses leistungslose Einkommen der Luxuselite zahlen wir alle. Angesichts der aktuellen Entwicklung müssen wir uns allerdings irgendwann mal ganz nüchtern und ohne parteitaktische Dogmatik fragen, ob Kapitalismus nicht irgendwann mal an einen Punkt kommt, wo er einfach zu teuer ist – schlichtweg unbezahlbar wird wie – angeblich – der Sozialstaat unbezahlbar wird.

Der Sozialstaat jedoch ist – ein weiterer kategorischer Imperativ, der sich mit dem Imperativ des Investitionszwangs in China nicht zusammen leben läßt – Kern eines jeden Staatsgebildes. Staaten fallen nicht einfach vom Himmel, sie bilden sich – im Idealfall – als Gemeinschaften zur gegenseitigen Hilfe und Beförderung der Interessen aller. Wenn sie anfangen, nur noch die Interessen eines ausgewählten Clübchens von Luxusmenschlein zur pflegen und hegen, weil die in ihrer Abendgarderobe einfach so hinreißend aussehen, dann hat der Staat an sich seinen Sinn verloren …. und die Menschen wenden sich von ihm ab.

Diese Erosion von Staaten erleben wir gerade, gefördert durch das ungebremste Schalten und Walten internationaler Konzerne, die es inzwischen – so mein Eindruck – geschafft haben, die Folgen der „Globalisierung“ (die im eigentlichen Sinne eine „Amerikanisierung“ ist) aus der öffentlichen Diskussion völlig zu verbannen, was auch ein Erfolg regelmäßiger Pressekonferenzen und gezielter Öffentlichkeitsarbeit ist.

Für Menschen innerhalb des Konzerns ist es auch relativ egal, was mit der Wirtschaft des Landes geschieht, in dem man gerade Gewinne macht – ebenso wie die Methoden der Gewinne völlig nebensächlich sind. So kann man schön Geschäfte mit einem Land machen, das sich laut Spiegel international immer asozialer gebärdet:

Die chinesischen Partner sind in Afrika auch deshalb willkommen, weil sie keine Fragen und Bedingungen stellen. Sie verzichten auf all die Forderungen, die der Westen gern zur Voraussetzung für Hilfe macht: gute Regierungsführung, Wahrung der Menschenrechte oder entschiedenen Einsatz gegen Korruption.

Die Chinesen gehen anders vor. Krieg in Darfur? Repression in Simbabwe? Korruption in Nigeria? Kein Problem. Anstatt etwa Simbabwes Diktator Robert Mugabe für seine totalitäre Politik und die Ausplünderung des eigenen Landes zu kritisieren, verliehen sie ihm 2005 eine Ehrenprofessur und erklärten ihn zu „Chinas Freund Nummer eins“. Und 2008 schickten sie Mugabe die „An Yue Jiang“, ein Schiff voller Waffen und Munition.

Viele afrikanische Politiker wissen es zu schätzen, dass ihr großer Partner keine lästigen Forderungen hat. Dass er Kredite gewährt, Parlamentsgebäude baut oder umstandslos Waffen liefert.

Dieses Verhalten ist international so asozial wie das Verhalten der Konzerne im nationalen Bereich – da ist halt Bayer kein Ausnahmefall. Aber … das ist ja auch kein Wunder. Konzerne sind im Innenbereich Diktaturen … da treffen sich also Gleichgesinnte.

Sieht also so aus, das im Kampf der Systeme die undemokratische kommunistische Diktatur dem Kapitalismus doch überlegen ist. Da hatte man wohl zu früh gejubelt – und die Rechnung ohne die Konzerne gemacht, deren Macht inzwischen schon größer ist als die der meisten Länder.  Zusammen mit den roten Arbeitssklaven, die die Partei gerne den Konzerninteressen zur Verfügung stellt, kann man sich die Welt richtig schön untertan machen. Man findet in jedem Land irgendwelche Leute, die bereit sind, für Geld ihre Seele zu verkaufen. Die anderen Eingeborenen … braucht man einfach nicht mehr, wie unsere dereinst angeblich so heißgeliebten Brüder und Schwestern im Osten gerade laut Spiegel erleben dürfen:

Die Ostdeutschen haben den Anschluss beim Einkommen an den Westen noch lange nicht geschafft – und ihr Rückstand ist zuletzt sogar wieder angewachsen. Lag das Haushalts-Nettoeinkommen in den neuen Ländern 2003 im Durchschnitt noch bei 77,5 Prozent des Westniveaus, so reduzierte es sich in den folgenden fünf Jahren auf nur noch 75 Prozent. 1993 und damit kurz nach dem Mauerfall lag das Ost-Einkommen nach Abzug von Steuern und Abgaben bei 68,3 Prozent des Westwertes. Im Osten wird überhaupt nur jeder Zweite nach Tarif bezahlt.

Und was macht unsere Regierung, die von uns bezahlten Verwaltungsangestellten, um die Erosion von Staat und Zivilgesellschaft aufzuhalten? Ok, Schulden. Und was noch?

Sie hilft – laut Welt – beim Arbeitsplatzabbau durch Steuergeschenke:

Die von der Koalition geplante Vereinfachung des Steuerrechts soll Unternehmen und Bürger einem Zeitungsbericht zufolge um mehr als viereinhalb Milliarden Euro entlasten. Hauptnutznießer der Reform seien Firmen, deren Bürokratiekosten durch den Verzicht der Finanzämter auf eine Vielzahl von Detailregelungen und schriftlichen Belegen um vier Milliarden Euro sinken sollten, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“.

Die Steuergeschenke wiederum erlauben es – ebenfalls laut Welt – den Firmen, sich noch mehr gewinnbringende politische Entscheidungen zu kaufen:

Zwar ist es schwer, den Umfang und Schaden durch Korruption zu beziffern, aber eine gemeinsame Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC und der Universität Halle geht davon aus, dass es in der deutschen Verwaltung jedes Jahr mindestens 20.000 Bestechungsfälle gibt. Dadurch und durch andere kriminelle Handlungen in Behörden würden jedes Jahr direkte finanzielle Schäden von mindestens zwei Milliarden Euro verursacht.

Was soll man nun von dieser Entwicklung halten – als normaler Bürger, der keiner Ideologie verpflichtet ist?

Kapitalismus ist asozial und zu teuer. Geradezu unbezahlbar. Den können wir uns finanziell gar nicht mehr leisten. Kommunismus schießt allerdings – wie ich dem oben zitierten Spiegel-online-Artikel entnehme  –  ebenso auf Arbeiter wie der böse Erzkapitalist – ist man nicht in der Partei, hat man da auch keinen Vorteil von.

Was auch zu teuer ist (und ich denke, das werden viele, die diese Zeilen lesen, demnächst auch am eigenen Leib erleben), sind Rentner. Einen Ausblick auf deren Zukunft findet man im Manager Magazin zur Bewältigung der Krise in Irland:

Der staatliche Rentenfonds, der in guten Zeiten angelegt wurde, soll zu einem großen Teil für die Bankenfinanzierung geopfert werden. Im Gespräch ist eine Dimension von 15 Milliarden Euro. Um die Rentenausgaben langfristig zu senken, sollen alle Neurentner einen Abschlag von 10 Prozent verkraften und das Renteneintrittsalter stufenweise steigen. 2014 soll es schon bei 66 Jahren liegen, 2028 dann bei 68 Jahren.

Wetten dass … wir uns auch in Deutschland auf eine solche Entwicklung einstellen dürfen, während die Wirtschaft sich Stück für Stück die politischen Entscheidungsträger kauft, damit das Primat der Kapitalrendite vor Menschenleben auch ja erhalten bleibt?

Was wird dann aus Menschen in einer Welt, die sich völlig den Konzernregeln unterwirft? Und welchen Platz haben Rentner in dieser Welt – Menschen, die nur noch Kosten verursachen, die andere dringend als Rendite brauchen?

Da ist China vielleicht auch für unsere Rentner die letzte Hoffnung, zumal der Kommunismus ähnlich wie das deutsche Kaiserreich freundlicher zu Menschen ist:

China hat laut german.china.org für Männer ein Renteneintrittsalter von sechzig Jahren, bei Frauen liegt es bei 55. Und damit das da so bleibt, bringt Bayer jetzt noch mehr Geld dahin, was letztlich bei uns zur Rente mit 80 führen wird … wenn nicht vorher unser Staat komplett zusammenbricht, weil es für die Bürger keinen Sinn mehr macht, sich einer solchen Organisation anzuschließen, die nur kostet und nichts bringt. Dann doch lieber ein Arbeitsplatz mit Firmenrente bei Bayer.


Gewalt und Gegengewalt in der sozialen Marktwirtschaft des 21. Jahrhunderts: der kommende Genozid

Es gab Zeiten, da hatten wir mal der Gewalt den Kampf angesagt. „Wir“? – ja, wir. Wir Jugendlichen Ende der siebziger Jahre, die Willy Brandts Aufruf gefolgt sind und mehr Demokratie wagen wollten. Uns habt ihr die „Grünen“ zu verdanken.

Die Lösung der Gewaltfrage schien zu Anfangs einfach. Erstmal selbst auf Gewalt verzichten. Gewalt erzeugt Gegengewalt. Und dann der Gewalt die Nährstoffe entziehen – in einem Klima von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit sollte sie keinen Grund mehr haben, sich zu entfalten. Die „Alten“ von damals erzählten zwar von „Adolfs sicheren Straßen“ und man erfuhr irgendwann, das die Mafia unter Mussolini verschwand, aber man konnte sich beruhigt zurücklehnen und sagen: „damals hatten die Verbrecher halt alle Uniformen“ – und hat es damit auch irgendwie getroffen.

In meiner Kindheit in einer kleinen Stadt im Ruhrgebiet in den sechziger Jahren war die Haustür immer offen, damit die Kinder ein- und ausgehen und die Nachbarn jederzeit hereinkommen konnten. Wo gibt es das heute noch? Nun – hier, vor Ort vielleicht. Aber das ist eine kleine Enklave des Friedens, eines Friedens, der auch wohl irgendwann vergehen wird.

Die Mehrheit der Deutschen ist jetzt für die Pläne von Stuttgart 21. Jedenfalls die Mehrheit jener, die bei Meinungsumfragen befragt werden. Ein toller Erfolg der Protestbewegung, die mit der gleichen Naivität auf die Straße gegangen ist wie wir früher. Aber der Bahnhof wird jetzt grüner – während der Rest des Landes laut der Zeit dem bislang üblichen Muster folgt:

Nach Überwindung der Wirtschaftskrise folgt die Einkommensverteilung hierzulande wieder ihrem langjährigen Muster: Die Schere zwischen den Einkommen aus Löhnen einerseits sowie aus Gewinnen und Kapitalerträgen andererseits geht in Deutschland laut einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung weiter auseinander. Bruttolöhne aus Erwerbsarbeit machten demnach 2010 im ersten Halbjahr 65,5 Prozent aus und damit 2,9 Prozentpunkte weniger als 2009. Bruttogewinne hingegen hatten im ersten Halbjahr einen Anteil von 34,5 Prozent am Volkseinkommen – 2,9 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Wer arbeiten geht, ist der Dumme. Das merken die Dummen auch, regen sich aber eher über die Arbeitslosen mit wenig Geld auf anstatt über die Arbeitslosen mit Yacht, Porsche und Privatflieger. Im 21. Jahrhundert verdient Geld Geld – wer dort mit Arbeit Geld verdienen will, glaubt wohl auch noch an soziale Marktwirtschaft. Wo eine Gesellschaft enden soll, die nur noch darauf aus ist, Geldhaufen künstlich immer schneller aufzuhäufen, kann mir niemand erzählen … zumal es immer irgendwo jemanden geben muß, der den Preis für die Arbeit erbringen muß. Viele der alten Geldhaufen sind laut Wikipedia schon im alten Preußen angelegt worden.

Die Kinderarbeit in dieser massiven, ausbeuterischen Form wurde bald zu einem sozialen Problem in den heutigenIndustrienationen. Die Armee hatte wegen der vielen kranken Kinder zunehmend Schwierigkeiten, genügend gesunde Rekruten zu finden. Preußen erließ deshalb 1839 ein Gesetz (Preußisches Regulativ), das Kindern unter neun Jahren die Arbeit in Fabriken verbot; die 9- bis 16-Jährigen durften nicht mehr als zehn Stunden täglich arbeiten, nicht mehr an Sonntagen und nicht mehr nachts.[4] Im Jahr 1853 wurde das Mindestalter für die Fabrikarbeit auf zwölf Jahre angehoben. Noch 1858 arbeiteten allerdings 12.500 Kinder im Alter von 8 bis 14 Jahren in preußischen Fabriken. Als Folge der Kinderarbeit wurde in Preußen die Gewerbeaufsicht gegründet. Ein am 1. Januar 1904 in Kraft getretenes Kinderschutzgesetz untersagte imDeutschen Reich die Beschäftigung von Kindern unter zwölf Jahren in gewerblichen Unternehmen.

So gründet man Geldhaufen. Irgendwo zu Beginn steht ein großes Verbrechen – und auch wenn die Erben noch so schön Klavier spielen und Gedichte rezitieren: es klebt Blut an diesem Geld. Armee und Kaiser haben die Kinder in Deutschland gerettet, die Industriebarone hätten sie weiter verheizt.

Machen wir heute auch noch – interessiert immer noch nur ein kleines Häuflein ungenierter Kritiker wie hier zum Thema „Wilhelmsplatz“:

Hauptsächlich in Indien und China werden Pflastersteine in vielen Steinbrüchen von Kindern zwischen 9 und 14 Jahren geschlagen und landen dann als Billigangebote auf dem deutschen Markt.

In München, Köln und vielen anderen deutschen Städten wurden solche Pflastersteine aus Entwicklungsländern offenbar ungeniert auf öffentlichen Flächen verlegt.

Vielleicht wird ein Eifelphilosoph des 23. Jahrhunderts ähnlich über unsere Zeit schreiben, wenn er detalliert auf die strukturelle Gewalt der Bundesrepublik schaut … und auf die Gegengewalt, die es auslöst. Hoffentlich stößt er auch auf den Bericht der Zeit-Autorin Susanne Leinemann, „Der Überfall“ heißt er.  Sie wurde fast totgeschlagen von … Aussortierten.

Als ich zu mir komme, liege ich auf dem Bürgersteig in meinem Blut. Ich habe keine Ahnung, was geschehen ist. Bin ich gestürzt? Wo sind die beiden jungen Männer, denke ich vollkommen verwirrt, warum haben sie mir nicht geholfen? Ich gehe auf alle viere, versuche mich zu orientieren – alles ist unscharf, trotzdem erkenne ich die vertraute Umgebung. Meine Handtasche, keine Ahnung, wo die ist. Mein Gesicht ist nass und klebrig. Blut, überall Blut. Ich versuche aufzustehen, taumele, falle, kann mich mit den Armen abfangen. Die Kinder, denke ich. Ist zu Hause alles in Ordnung? Ich muss nach Hause, sofort! Ich fühle keine Schmerzen, wanke wie eine Betrunkene über die Straße. Der Blick nach vorn hält mich aufrecht, es ist nicht weit, eine Ecke noch bis zu unserem Haus. Es ist so dunkel, so furchtbar dunkel. Auf die Idee, nach Hilfe zu schreien, komme ich nicht.

Sechs Tage werde ich auf der Station bleiben. Schädel-Hirn-Trauma zweiten Grades. Schädelbruch über der Augenhöhle. Hirnhautriss. Luftbläschen sind eingedrungen, es besteht Infektionsgefahr. Niemand weiß, wie sich die Blutung am Gehirnaußenrand entwickelt. Sollte ich plötzlich doppelt sehen, schärft man mir ein, muss ich sofort eine Schwester rufen.

Laut Statistik wird das Land immer friedlicher….trotzdem verwandeln sich die Häuser immer mehr in Festungen. Nur Paranoia?

Ich glaube kaum. Frau Leinemann war zum Zeitpunkt des Überfalls (Beute: 35 Euro) 41 Jahre alt. Etwas Jünger ist die Zeit-Redakteurin Cosmia Schmitt, 35, die in einem Essay deutlich macht, was wir zu erwarten haben:

Heute stehen die Babyboomer mitten im Berufsleben. Die nächsten 20 Jahre verstopfen sie die Führungsposten. Dann gehen sie in den Ruhestand – und ein Millionenheer aus Rentnern wird dieses Land bevölkern. Sie werden uns die Luft abschnüren. Sie werden reisen wollen und konsumieren, sie werden in die Hörsäle strömen und Kunstgeschichte studieren und jede Rentenkürzung abwehren. Und die Parteien werden sich ihren Bedürfnissen anpassen, wer kann schon auf so viele Wählerstimmen verzichten?
Unter uns Jungen hört man oft den Satz: »Wir würden ja gern Revolution machen, wir wissen aber nicht, wogegen.« Die Babyboomer werden unser Wogegen sein.

Wenn einem die „Luft abgeschnürt wird“, dann darf man aus Notwehr … was alles tun? Renten massiv kürzen, Wahlrecht und Bildungsmöglichkeiten einschränken?

Von den jugendlichen Tätern OHNE Migrationshintergrund der Frau Leinemann kann man sich noch distanzieren. Ist halt Prekariat, da kann man nichts machen. Dabei stand ihnen Frau Leinemann bei ihren Zielen nur ebenso im Weg wie die Rentner der Frau Schmitt im Wege stehen – auf ihrem Weg nach oben, dorthin, wo Geld sich von selbst vermehrt.

In einer Gesellschaft, in der Geld gleich Leben ist – wieviel Geld braucht man da, um sein Überleben sichern zu können? Wieviel Geld braucht man, um sich einen geschützten Raum aufbauen zu können, von dem aus man sich seinen Platz im Leben erobern kann? Wie „sozial“ ist eine Marktwirtschaft, in der „heile Familie“ ein Gut ist, das sich nur noch gutsituierte Menschen leisten können? Wieviel Gnade, Toleranz, Güte und Menschlichkeit erwartet man von einem Millionenheer von Kindern, die von Politik und Gesellschaft abgestraft wurden, weil ihre Eltern Langzeitarbeitslose waren – Langzeitarbeitslose, die die Industriebarone gezielt geschaffen und an deren Diskriminierung ihre Werbeblättchen gezielt mitgearbeitet haben? Wieviel Gnade kann man erwarten, wenn schon die gutsituierten Mitbürger zum Genozid blasen?

All die gutgemeinte Sozialarbeit wird wenig nützen, wenn Industrie, Werbung, Politik, Schule, Medien andere Werte vermitteln und sogar der Bundespräsident und der Verteidigungsminister sagen, es sei ganz ok, wenn wir unsere wirtschaftlichen Interessen mit militärischer Gewalt im Ausland verteidigen, damit der Zugang zu billigen Pflastersteinen nicht verwehrt wird.

Nichts anderes haben die jugendlichen Schläger auch gemacht: ihre wirtschaftlichen Interessen mit Gewalt verteidigt, sich das Geld geholt, das offensichtlich – angesichts der umgebenden Luxuskultur – in Massen vorhanden ist, das sie aber niemals durch Arbeit bekommen können, weil wir für Arbeit kein Geld mehr geben können – die Selbstvermehrung des Geldes verschlingt alles, was für die Entlohnung der Arbeit notwendig wäre.

Hören wir noch mal Frau Leinemann zu, die über den Täter schreibt:

»Und wenn ich einen umbringen muss, damit ich in den Knast komme – da habe ich meinen Fernseher, meine Zigaretten und meine Ruhe«, droht der Brutalste der drei im Februar 2010 in Gifhorn, nachdem die Polizei zum dortigen Kinderheim gerufen wurde. Er hatte randaliert. Da ist er noch fünfzehn. Zwei Monate später wird er nachts mit der Holzkeule auf mich einschlagen.

Das hört sich nach einem sehr niedrigen Anspruchsniveau an … Fernseher, Zigaretten, Ruhe. Man stelle sich vor, wie es wäre, wenn man den Jugendlichen einfach Fernseher, Zigaretten und Ruhe spendiert hätte – zumal die ja sonst keiner wollte. Dabei haben sie andererseits doch viele Qualitäten, die sie zum Leistungsträger auszeichnen würden:

Er habe ja schon viel gesehen, sagt der Vorsitzende Richter am Ende des Prozesses, aber so etwas »Desolates« sei ihm selten untergekommen. Biografien, vollkommen ohne Halt – keine Familie, keine Religion, keine abgeschlossene Schulausbildung, keine Hobbys. Dabei sind die drei das Produkt von lauter gut gemeinten Absichten – einer weitverzweigten Sozial- und Therapieindustrie, von Sozialpädagogen, Psychotherapeuten, Erziehern, Angestellten der Jugendämter.

Familie, Religion, Hobbys … sowas hat man in Kreisen von Leistungsträgern nicht, weil man all seine Kraft auf den Erfolg des Unternehmens ausrichtet. Gut – Schulausbildung braucht man da schon. Nicht immer – aber schon häufiger. Insofern sind die Täterkinder nicht nur das Produkt der Erziehungsindustrie, sondern eigentlich das Produkt der ganzen Leistungsgesellschaft. Damit wir Geld für aufgeschäumten Milchkaffee haben, müssen in Indien Kinder billig Steine schlagen – sonst würden unsere Innenstädte aussehen wie in der alten DDR und es gäbe auch keinen Kaffee, den Kinder in Guatemala fast umsonst anbauen.

Die Therapieindustrie leisten wir uns, damit wir die Folgen dieses Systems nicht mehr so sehen und um die Frauen der Leistungsträger zu beschäftigen. Würden wir wirklich faire Löhne zahlen, wäre Kaffee nur noch an Feiertagen bezahlbar. Aber vielleicht hätten wir dann wieder mehr Familie, mehr Religion, mehr Hobbys und brauchten unsere Türen nicht mehr abzuschließen.

Ich schätze aber mal, wir werden eher erstmal wieder zu „Adolfs sicheren Straßen“ zurückkehren. Der Bürger ruft nach der „harten Hand“. Vielleicht erlaubt sich die Geschichte eine ironische Wendung und wir bekommen erneut einen Kaiser, der uns erneut einen Sozialstaat schenkt, den die Industriebarone dann wieder abbauen können. Was in Erinnerung an die Demokratie des 21. Jahrhunderts bleiben wird ist Hartz IV, Rente mit 67 (plus noch mehr …), Traumrendite aus Kinderarbeit und unsichere Straßen – das ist keine Bilanz, auf die man stolz sein kann und keine Entwicklung, die einen optimistisch in die Zukunft schauen läßt.

Eine schlimme Kindheit ist kein Freibrief zum Verbrechen, meint Frau Leinemann – und damit hat sie recht. Aber eine schlimme Kindheit ist auch nicht die beste Grundlage für den Erwerb eines verantwortungsbewußten, friedvollen, konstruktiven Charakters.  Und wenn wir als Gemeinschaft der Bürger in diesem Land ein Klima der Gewalt schaffen und uns an der Beute der Gewalt erfreuen, dann werden wir uns irgendwann auch die sichersten Türen nicht mehr schützen … zumal viele von uns als Pflegefall auf die liebevolle Zuwendung dieser Menschen angewiesen sein werden.


Medienterror, Land Grabbing, der Tod der Zivilgesellschaft und der Überwachungsstaat

[extern] 

Als wenn wir nicht selbst wüßten, das Mediengenuß Terror ist.  Zumindestens Psychoterror.  Ein Beispiel? Gut, hier, bei Telepolis

Während Hartz-IV-Bezieher damit rechnen müssen, dass Kontrolleure sogar in ihren Kühlschrank blicken, um potentiellen Missbrauch aufzudecken, dürfen Wohlhabende in Deutschland in puncto Steuerzahlungen mit einem rücksichtsvollen und nachlässigen Vorgehen des Staates rechnen – und dass, obwohl dem notleidenden Fiskus damit dreistellige Milliardensummen entgehen. Dabei offenbaren die Besserverdiener in Sachen Steuerhinterziehung olympischen Ehrgeiz und ungeahnte anarchistische Energien. Ein Interview mit [extern] Kim Otto, der sich mit seinem Kollegen Sascha Adamek für das Buch [extern] „Schön Reich – Steuern zahlen die anderen“ investigativ dem Thema widmete.

Das sind Nachrichten, die früher dazu geführt hätten, das die Dorfbevölkerung mit Mistgabeln das Schloß des Blutsaugers stürmt … jedenfalls im Film. Heute treiben diese Nachrichten nur den Blutdruck hoch und richten dadurch Schaden an. 100 Milliarden entgehen dem Staat so jedes Jahr – wir bräuchten uns die Schandgesetzgebund Hartz IV gar nicht antun, hätten genug für alle. 100 000 Millionen Euro – würde für ein kleines Grundeinkommen ausreichen und wir wären wieder ein Land, das hoffnungsfroh in die Zukunft blicken kann.

Was gibt es stattdessen? Die Vernichtung des Bauernstandes, wie dem Spiegel auffiel:

Zwischen Ostsee und sächsischer Schweiz sind die Preise für Wald, Acker und Weiden massiv gestiegen, zum Teil um bis zu hundert Prozent. Im großen Stil kaufen sich nun millionenschwere Fondsgesellschaften ein sowie branchenfremde Konzerne und vermögende Privatleute, die ihr Vermögen diversifizieren wollen. Kleine und mittelständische Bauern wie Beer klagen deshalb lautstark über die jüngste Bodenreform. Hieß es bei der Zwangsenteignung in der DDR noch „Junkerland in Bauernhand“, fürchten sie nun das Großkapital. Motto: Bauernland in Bonzenhand.

So führt die steuerliche Umverteilung von Unten nach oben langsam auch wieder zu altbekannten Feudalstrukturen im Alltag, nur sind es jetzt seelenlose Großkonzerne, die lieber Land kaufen statt Steuern zahlen … eine Einwicklung, die auch weltweit so anhält. In Afrika zum Beispiel erwartet man aufgrund der gleichen Entwicklung – Land Grabbing genannt – eine Katastrophe nach der anderen – laut Le Monde diplomatique:

Genau das passiert derzeit auf dem afrikanischen Kontinent, wenn sich ausländische Investoren das Land, die Wasservorräte und die überlebensnotwendige Biodiversität der afrikanischen Fauna und Flora unter den Nagel reißen. Als Folgen des hemmungslosen land grabbing drohen Umweltkatastrophen, politisch und sozial chaotische Verhältnisse und Hunger.

Was bleibt für uns? Eine kleine Lüge am Rande. Gestern konnten wir noch zusammen mit Brüderle und von der Leyen auf den Tischen tanzen, und die Vernichtung der Massenarbeitslosigkeit feiern, heute läßt der Spiegel diese Eintagsfliege wieder platzen:

Zwar steigt die Zahl der Menschen, die überhaupt arbeiten gehen, seit Monaten. Das ist positiv für eine Volkswirtschaft. Nur boomen vor allem geringfügige und unsichere Formen der Beschäftigung. Es gibt rund fünf Millionen Deutsche, die zum Beispiel einen 400-Euro-Job haben. Mehr als 2,2 Millionen verdienen sich mit einem Mini-Job etwas dazu.

Und wer eine vermeintlich feste Anstellung findet, landet immer öfter bei einer Zeitarbeitsfirma. Die Branche feiert derzeit einen Rekord nach dem anderen. 900.000 Deutsche arbeiten trotz der wirtschaftlichen Erholung nur dann, wenn sie gerade gebraucht werden.

Hinzu kommt: Viele Menschen tauchen überhaupt nicht in der Statistik auf – obwohl sie de facto arbeitslos sind. Fast 1,5 Millionen Deutsche befanden sich zuletzt in staatlicher Beschäftigungstherapie. Sie arbeiteten als Ein-Euro-Jobber, waren in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen oder machten irgendeine Qualifizierung. Das Gros dieser Menschen empfindet sich als arbeitslos – ist es nach amtlicher Lesart aber nicht.

Aus der Traum vom Jobwunder.  Alle Artikel, alle Berichte, alle Interviews dazu – nur Show.  Und man selbst ist dem hilflos ausgeliefert – wiewohl es Folgen hat, wie immer, wenn man einer Bedrohung ausgeliefert ist, sie aber weder bekämpfen noch vor ihr flüchten kann. Es nützt wenig, auf das Westerwelle-Bild im Fernseher Eier zu werfen, noch bringt es sonderlich viel, sich vor ihm hinter dem Sofa zu verstecken.

Vielleicht … sollte man Medien ganz abschaffen. Das jedenfalls ist die Meinung eines Herren, der erfreulichen aber äußerst unbequemen Wirbel verursacht und nun der TAZ ein Interview gegeben hat, Julien Assange:

Die großen Unternehmen haben diesen versteckten Sicherheitsstaat und das politische System so sehr durchdrungen, dass sie den gesamten angehäuften Wert der Teilnehmer mitnehmen. Die internationalen Medien sind ein Desaster. Wir sind in einer guten Position um politisch und historisch relevantes Material zu bekommen. Wir veröffentlichen es und sehen, welche Medien ein Echo geben und mit wie viel Ernsthaftigkeit. Wir sehen außerdem die Anstrengung, mit der die Informationen, die wir geben, unterdrückt werden. Mein Fazit ist, dass das Umfeld der internationalen Medien so schlecht und verzerrt ist, dass es uns besser gehen würde, wenn es keine Medien geben würde.

Wovon er sonst noch spricht – das will man auf seinem Sessel gar nicht wissen.  Er macht die Erfahrung, die alle machen, die versuchen, hinter die ausgewogenen Seifenblasen der öffentlich-rechtlichen und privaten Medien zu schauen: man sieht eine Welt, die man nicht wahrhaben möchte, deren Existenz aber viele Verzerrungen in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik erklärt.

Es gibt zwei Dinge, die mir einfallen. Das erste ist der Tod der Zivilgesellschaft. Schnelle Finanzströme über elektronische Überweisungen, die schneller sind als politische oder moralische Sanktionen und die die Zivilgesellschaft auf der ganzen der Welt zerstören. Die Wirtschaftsmacht erlaubt Opportunisten in jeder Gesellschaft, die an das globale Finanzsystem angeschlossen sind, Reichtümer auf unmoralische Weise zu erlangen und diese mit dunklen und schwer aufzuspürenden Finanzmechanismen an weit entfernte Orte zu bringen. In diesem Sinne ist die Zivilgesellschaft tot, sie existiert nicht mehr und es gibt eine große Klasse von Leuten, die das weiß und davon profitiert.

Der Tod der Zivilgesellschaft. Das letzte Aufbäumen der alten Republik gegen die Herrschaft der Korporatokratie, der Herrschaft der Konzerngesamtheit, eingebettet in den melodischen Singsang des Infotainment. Draußen alles düster aber bei uns alles rosa. Darum heißt Land Grabbing in Ostdeutschland nicht Land Grabbing. Hier ist Rosadeutschland, da gebraucht man nicht so dunkle Wörter – noch nicht mal in Ostdeutschland.

Die zweite Sache, die ich gesehen habe, ist, dass es einen enormen und wachsenden versteckten Überwachungsstaat gibt. Der versteckte Sicherheitsstaat, der sich über das westliche Imperium ausbreitet, hat sein Gravitationszentrum in den USA. Die wirtschaftliche Macht der USA ist seit den 1990er Jahren um 250 bis 300 Prozent gestiegen, trotz des Kollapses des Finanzsystems. Um ein konkretes Beispiel zu geben, und hier zitiere ich Dana Priest, die zweifache Pulitzerpreisträgerin von der Washington Post: Es gibt 817.000 Personen, die in Top-Secret-Angelegenheiten beschäftigt sind.

Viele Seltsamkeiten der Medienwelt erklären sich so einfach und logisch – auch warum sich die Welt von dem Weg zu immer mehr Freiheit, mehr Demokratie, mehr Wohlstand für alle abgewandt hat. Da es aber ein breitflächiges Verschwörungstabu gibt, das von Parteien, Gewerkschaften und Kirchen getragen wird, werden wir nie mehr eine Chance haben, uns aus dem offiziellen Meinungsdunst zu befreien und uns selbst ein Urteil zu bilden. Einen versteckten Überwachungsstaat herauszufinden ohne erstmal Theorien zu bilden, wird schwierig.

Darum ist es sicherer … auf der Couch zu bleiben. Allerdings – ist das auch lebensgefährlich, jedenfalls für Männer, wie die Welt berichtet:

Deutschlands Männer sind kränker als gedacht

Kaum zu glauben, aber neuesten Gerüchten zufolge haben auch Männer eine Psyche, die durch Medienterror in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Wir marschieren offenen Auges und wohlgefüttert  in eins der düstersten Kapital der Menschheitsgeschichte. Kein Wunder, das niemand darüber reden will. Dabei muß man sich einfach nur mal die Frage stellen: wieviel Menschheit braucht die Korporatokratie, wieviel ist sie bereit, zu bezahlen.

Sie braucht 10  % der Bundesbürger, Tendenz fallend. Der Rest ist Ramsch.  Diese zehn Prozent macht man  mit Steuergeldern reich, der Rest darf bis zur Rentenkürzung auf Null zahlen. Danach darf er dann Eigenverantwortlichkeit beweisen.


Die „Mitte“ ist ein Arschloch und betet für den neuen Holocaust

Es gibt Artikel … die verbreiten nur noch Angst. Nein, nicht jene, in denen Merkel droht, sie würde jetzt anfangen zu regieren (obwohl das auch beunruhigen kann), sondern jene, die schon in sich den Hauch von Holocaust tragen. Einen von jenen gibt es heute bei Spiegel-Online:

Wieder einmal ist da ein Experte der sagt, was denn die Mitte so denkt. Ich finde das immer Klasse, das jemand mir sagt, wie ich zu denken habe – mir oder meinen Nachbarn. Ich dachte immer:  Mitte, die kenne ich. Wohne ja auch mittendrin. Aber die Experten machen mir klar, das die Mitte irgendwo ganz anders ist – und sie ist bösartig.

Aber während die Nachfrage nach Solidarität zugenommen habe, seien die tragenden Bedingungen solidarischer Zusammenschlüsse und Aktionen zuletzt erheblich erodiert – abgeschmolzen „wie Gletscher in den Zeiten globaler Erwärmung“, so der Politologe Herfried Münkler von der Berliner Humboldt-Universität.

So sagt da ein Experte. So hat die Mitte zu sein. Ein weiterer legt was obendrauf:

„Den Leuten gehen die Messer in den Taschen auf“, so Soziologe Heinz Bude, „wenn jemand Geld oder Ehre einsteckt, ohne etwas dafür getan zu haben.“

Scheint, als müßte man beständig mit bewaffneten Attacken rechnen. Nun – die Amokläufer der letzten Zeit kamen ja nicht gerade aus der Unterschicht … und eine Rechtsanwältin ist wohl deutliche Mitte.

Es ist nicht lange her, da waren Vorwürfe gegen „arbeitsscheues Gesindel“ wohlfeil, die dem Steuerzahler auf der Tasche lägen.

Nun, das stimmte für die Presse, aber vor Ort habe ich nie etwas davon vernommen – und durch eine weitreichende und kontaktfreudige Familie kann ich mich der „Mitte“ nicht verschließen. Hass auf Banken, Abscheu vor der SPD, Belustigung über Westerwelle – das sind erkennbare Trends. Aber Hass auf Arbeitslose? So blöd ist da keiner. Wer nicht Beamter ist, weiß, das er selbst im Alter da landen kann. Das geht schneller als einem lieb ist. Aber auch Beamte müssen nicht herzlos sein,  ebensowenig wie Ärzte.

Der letzte Experte, der Autor des Artikels selbst, legt dann noch etwas drauf, obwohl er der Mitte

Bezeichnend ist sicher auch, dass sich die soziale Mitte bildungs- und schulpolitisch keineswegs für das Modell erweiterter Chancen auch für Kinder des „sozialen Unten“ ins Zeug legt. Dabei zählen viele Mittezugehörige selbst zu Gewinnern der ersten Bildungsreform in den sechziger und siebziger Jahren. Doch gerade weil sie seinerzeit den Aufstieg von unten in die Mitte geschafft haben, gerade darum besitzen sie nun – ganz wie schon in früheren Jahrzehnten die etablierten Mittel- und Oberschichten – kein Interesse an weiteren Emanzipationsschüben von unten, da das für sie zusätzliche Konkurrenz, auch die Entwertung der eigenen, mühselig erworbenen Bildungsabschlüsse und Statusposition bedeuten würde. Soziologen bezeichnen einen solchen Vorgang als „soziale Schließung“.

Generell gilt: In der gegenwärtigen Druck- wie Konkurrenzsituation grenzen sich die verschiedenen Elternmilieus schroff voneinander ab, verhindern, dass ihre Kinder mit dem Nachwuchs der jeweils unter ihnen verorteten Schichten in Kontakt geraten. Das klassische Bildungsbürgertum achtet neuerdings mehr als in den vergangenen drei Jahrzehnten darauf, dass ihre Sprösslinge nicht mit den „Parvenüs“ aus dem Mittelstand ihre Freizeit verbringen. Und die kleinbürgerliche Mitte unterbindet entschlossen Begegnungen mit Familien aus der „Underclass“. Denn dort wittert sie kulturelle Verwahrlosung, haltlosen Konsumismus, Unheil stiftende Disziplinlosigkeiten.

Man weiß nicht, ob es die Träume und Wunschvorstellungen des Autors sind, die dort durchdringen. Meinen Erfahrungen entspricht es nicht … aber wenn er recht hat, bedeutet das das Ende der demokratischen Gesellschaft. Das muß im Anfang für den Einzelnen nicht schlimm sein. Viele haben im Dritten Reich mit konfisziertem Judenvermögen ein gutes Geschäft gemacht, viele schielen heute schon nach Israel, ob man nicht dort mit der Eliminierung des Staates ebenfalls ein gutes Geschäft machen könnte.

Ich denke, viele zwangsversteigerte Immobilien von Langzeitarbeitslosen haben heute auch schon neue glückliche Besitzer, anderen etwas wegzunehmen ist immer der sicherste Weg, es ohne Arbeit zu etwas zu bringen. Natürlich gibt es immer Kriegsgewinnler – es gibt auch immer Arschlöcher, aber eine ganze Schicht, ja sogar ein ganzes Volk als Volk von Arschlöchern zu bezeichnen … geht das nicht ein wenig zu weit?

Die zwei Drittel-Gesellschaft ist ja schon lange ein Traum der Funktionsoberkaste dieser Gesellschaft in Politik, Bildung und Wirtschaft. Einfach ein Drittel des Volkes auf Hartz IV setzen und sich von dem Rest fein die Taschen füllen lassen: der Traum eines jeden Chefredakteurs. Man klebt auf das letzte Drittel das Schild: „Faule dreckige Schweine“ und hofft, das jemand das Messer aus der Tasche holt und die Schweine endlich absticht. Dann hat man wieder eine gute Story, einen neuen Helden und Leben in der Bude.

Es würde auch funktionieren – je mehr Maschinen das Land bevölkern, umso weniger Menschen werden gebraucht. Da kann man ruhig mal ein paar Millionen aussondern, das stört nicht sonderlich.  Inzwischen jedoch … ist „die Mitte“ kleiner geworden. Sie schrumpft. Sollte sie so blöd sein, nicht zu merken, das ihre Rente gerade zur Finanzierung der HRE ausgegeben wird? 1400 Millionen … ist das eine zu große Zahl, als das es ein Mittehirn begreifen könnte?

Die Mitte merkt, wenn Straßen nicht repariert werden, Schulgebäude verfallen, der Onkel mit 45 wegen Krankheit entlassen wird. Die Mitte weiß, was es für ein Leben ist, sich vor dem Alter fürchten zu müssen … nicht vor der Rente, sondern vor den Jahren jenseits der 40, wenn jede Kündigung das berufliche Ende bedeutet.

Die Mitte weiß, das es mal den Beruf der „Hausfrau“ gab, jener Mittelpunkt einer jeden Familie, der haushalten und die Kinder erziehen konnte (und auch männlich sein durfte), weil ein einziges Gehalt ausreichte, die Familie zu ernähren. Die Mitte weiß sehr gut, das heute alle anschaffen gehen müssen, um über die Runden zu kommen – und ihre Eltern wissen noch, das das nicht immer so war.

Sicher, es gibt Erscheinungen, die geben einem zu denken – wie hier das Ossischießen, über das das Handelsblatt berichtet:

Ein Computerspiel zur innerdeutschen Grenze sorgt für Aufregung: Opferverbände laufen Sturm, weil Spieler in die Rolle eines DDR-Grenzsoldaten schlüpfen können, um auf Flüchtlinge zu schießen.

Auch Berichte des Westen scheinen nicht geeignet, die asoziale Tendenz im Lande zu widerlegen:

Die Bereitschaft der Deutschen zur umfassenden Betreuung ihrer pflegebedürftige Angehörigen geht deutlich zurück. Dies ergab eine neue Studie. Demnach würde jeder fünfte Bundesbürger ein Familienmitglied rund um die Uhr pflegen. Noch vor fünf Jahren wollten doppelt so viele die Rundum-Pflege übernehmen.

In Zeiten  knapper Kassen und drohender Staatspleiten kriegen natürlich gerade diejenigen Panik, die noch nicht genug für die Bahamas haben aber zuviel als das es in den Rucksack paßt. Hartz-Abhängige haben da nichts mehr zu verlieren, aber Universitätsprofessoren und sonstige vom Staat bezahlte Unselbständige schon. Darum wäre es für die schön, wenn der Deutsche so wäre wie sie ihn predigen: ein asoziales Arschloch das für den neuen Holocaust betet, der das letztes Drittel der Gesellschaft entsorgt.

Doch so blöd ist der Deutsche nicht – und wenn doch, dann werden chinesische Funktionäre und russische Mafia den maroden Rest übernehmen. Machen die indirekt ja jetzt schon.

Was mich nur zögern läßt, die Meinung des Professors in Bausch und Bogen zu verdammen ist … wir hatten das hier in Deutschland schon mal. Manche halten das Nazitum für eine spezielle deutsche Eigenschaft, die immer dann zum Tragen kommt, wenn keiner guckt. Der „Jude“ ist wieder Feindbild – nun als „Zionist“ in „Israel“ fein verpackt, aber mit dem gleichen Endziel der Auslöschung des Staates und seiner jüdischen Bewohner – natürlich nur zum Wohle der Palästinenser, nach denen ohne ein jüdisches Israel kein Hahn krähen würde.

Wenn dem aber so ist, wie der Professor sagt, dann brauche ich mich für meine harsche Wortwahl nicht zu entschuldigen: dann ist die Mitte ein Arschloch und betet für den neuen Holocaust. Dann müssen zur Beruhigung des deutschen Michel wieder ein paar Millionen vergast werden, denn im feinen, reinen, perfekten neuen Sauberenergiedeutschland ist kein Platz für unwertes Leben.

Dann möchte ich aber an dieser Stelle schon mal vorsorglich dafür plädieren, das dieses Volk nach dem nächsten Zusammenbruch komplett aufgeteilt wird – wie es nach dem Zeiten Weltkrieg schon mal angedacht war. Die scheinen dann wirklich … seltsam zu sein.

Ich halte jedoch den Deutschen weder für so blöd noch für so herzlos. Es ist seine Rente und die Zukunft seiner Kinder, die dort gerade verbraten wird. Es ist das nachvollziehbare Machtkalkül einer gewissenlose Funktionselite, die gezielt ein asoziales Bild vom Deutschen verbreitet – in der Hoffnung, das der Mittedeutsche ihre Fleischtöpfe mit seinem Leben verteidigt.

Der Mittedeutsche weiß jedoch eins:  er ist eine aussterbende Art. Von zehn schafft es noch einer nach oben, der Rest … hat ARGE Zukunftsprobleme. Und seine Kinder erst recht – für die kommt die ARGE gleich nach dem Praktikum.


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