Renditemaximierung

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Die Würde des Menschen ist antastbar. Die Zukunft von Hartz IV – schon jetzt hier. Ein Fallbeispiel….und Livebericht.

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Donnerstag, 10.3.2016. Eifel. Wir müssen uns heute mal über Ihr Schicksal unterhalten. Ihres? Ja, genau, Ihres. Ich weiß, Sie haben Arbeit, fühlen sich gesund, sind noch relativ jung: was soll Ihnen schon passieren? Läuft doch alles super. Sogar der Chef hat sie lieb – Klasse! Vielleicht grillen Sie sogar gelegentlich miteinander … und ziehen dabei über die faulen Hartzer her. Ist ja immer ein tolles Gefühl: „wir“ hier oben gegen „die“ da unten. Wussten Sie schon, dass die gar nicht als Hartzer geboren werden? Das waren mal normale Menschen wie Sie und ich. Und wussten Sie, dass man noch tiefer sinken kann – als klar denkender, durchsetzungsfähiger, leistungsorientierter und arbeitswilliger Mensch in Deutschland? Tiefer als Hartz IV? Nun – lassen Sie mich eine Geschichte erzählen. Die Geschichte einer Frau. Nennen wir sie „Ellen“ – das hört sich cool und schreibt sich leichter als Katharina oder Isidora.

Ellen – ging es gut. Sie war leitende Pflegekraft in einem Krankenhaus – Abteilung Forensik. Da hatte sie wohl ihre Durchsetzungskraft her, immerhin musste sie die kranken Knackis – die Mörder, Zuhälter, Vergewaltiger, Pädophilen – auf Kurs halten. Ein bombensicherer Job, denn: Kriminelle produzieren wir in Serie (sogar in der Regierung sind einige) … und Kranke auch. Doch eines Tages geschah etwas Besonders: es kam ein Mann aus den fernen USA mit einer besonderen Idee: er wollte viele Krankenhäuser aufkaufen, damit sie „wirtschaftlich“ werden. Das war ein toller Mann – ohne Zweifel, denn: er war ein armer Bauerssohn und hatte gar kein Geld.

Dieses Geld bekam er aus den USA. Umsonst (siehe: Nachdenkseiten). Ja – das passiert schon einmal in unserer Welt: so werden Milliardäre gemacht. Es ist mir sehr wichtig, dass Sie das verstehen: wer zum Milliardär wird, wird in Bankzentralen entschieden – dort, wo unser aller Geld liegt. Vom Tellerwäscher zum Milliardär geht nur, wenn die Bank freundlich winkt. Wer zum auserlesenen Kreis passt, bekommt genug Geld geliehen, um ganze Klinikketten aufzubauen, wichtig ist neu eins: dass er die Geschäfte so organisiert, dass das geliehene Geld mit dickem Gewinn zurückkehrt – und genau das scheint die Idee unsere tollen  Mannes gewesen zu sein. Sein Name spielt übrigens keine Rolle, denn: Menschen wie ihn gibt es zu hunderten, zu tausenden, zu zehntausenden. Er ist jetzt Milliardär, kaufte sich das Atlantik-Hotel in Hamburg (wirklich: eine ganz ganz feine Adresse), hatte an seinem Wohnsitz auch noch ein teures Hotel (wo auch Sie für 14000 Euro die Nacht einkehren dürften – oder 21000 Euro, wenn Ihnen der Platz nicht reicht – alles von der Frau des Meisters mit Hilfe von Feng-Shui-Meistern optimiert, siehe Taunus-Zeitung). Sie sehen: das Klinikgeschäft lohnt sich.

Es ist auch wirklich ein toller Mann, die Sylter Rundschau hat mal ein Interview mit ihm geführt (siehe Sylter Rundschau):

„Und zwar einer der tief verwurzelt im katholischen Glauben ist und sich mit Gewerkschaften prinzipiell nicht an einen Tisch setzt. Angeblich, weil ihm aus deren Kreisen in den Asklepios-Anfängen unterstellt worden sei, Scientology nahe zu stehen. Eine Kränkung, die bis heute extrem tief zu sitzen scheint. Genauso wie Vorwürfe, er würde sich auf Kosten der schlecht bezahlten Mitarbeiter persönlich bereichern. „Ich habe noch nie auch nur einen Pfennig aus dem Unternehmen entnommen oder ein Gehalt bezogen“, stellt Broermann glaubhaft klar. Was streng genommen natürlich nichts daran ändert, dass der Gewinn des Konzerns seinen Reichtum mehrt. Allerdings nur, solange seine Kliniken auch wirtschaftlich arbeiten. Sei das nicht der Fall, stünden auch die Arbeitsplätze auf dem Spiel. Wie gesagt: Klar und überzeugend.“

Klar und überzeugend, dass man ohne Eigenkapital Milliardär wird und die teuersten Hotels Hamburgs kaufen kann, wenn man nichts aus dem Unternehmen nimmt und kein Gehalt bezieht. Überzeugt mich völlig. Zudem läuft das Klinikgeschäft gut – es gibt ja reichlich Fördergelder (also: Steuern, dass zahlen Sie): zum Beispiel 4,7 Millionen für eine Klinik in Falkenstein (siehe Taunuszeitung) oder – für die ganze Branche – 500 Millionen für ein Pflegeförderprogramm, das für mehr Mitarbeiter in den Kliniken sorgen soll (siehe Das Parlament), eine Maßnahme, die nötig wurde, weil die privaten Kliniken natürlich nur rentabel sind, wenn man die Personalkosten niedrig hält (siehe nochmal: Nachdenkseiten):

Seit dem Beginn der großen Privatisierungswelle im Jahre 1995 wurden alleine in der Krankenpflege rund 50 000 Vollzeitstellen abgebaut. Heute versorgt eine Pflegekraft rund 25 Prozent mehr Fälle
als vor 15 Jahren. Alleine die jeden Monat geleisteten Überstunden entsprechen 15 000 Vollzeitstellen. Gespart wird vor allem bei den Gehältern im Pflegebereich: 20 Prozent aller vollzeitbeschäftigten Krankenpfleger beziehen ein Bruttoeinkommen von unter 1 500 Euro und weitere 20 Prozent zwischen 1.500 und 2.000 Euro. Nur 13 Prozent beziehen mehr als 3.000 Euro brutto pro Monat. Sogar die Unternehmensberatung McKinsey, die ansonsten unverdächtig ist, Arbeitnehmerinteressen zu vertreten, brandmarkt diese offensichtliche Diskrepanz »Wenngleich die Beschäftigten in deutschen Krankenhäusern sehr viel leisten, verdienen sie keinesfalls mehr als ihre Kollegen im Ausland. Im Gegenteil: Die höchste Produktivität geht einher mit dem niedrigsten Gehaltsniveau.«

Wer sich für die „Verdichtung der Arbeit“ (nicht: Vernichtung durch Arbeit, das ist ähnlich, aber anders gemeint) interessiert, sei auf das Laubournet verwiesen (siehe: Labournet) wo der betriebliche Kampf gegen die Arbeitsbedingungen in Privatkliniken dokumentiert wurde. Natürlich hinterlassen solche betriebswirtschaftlichen Durchmärsche auch Opfer wie den 29-jährigen Thomas Schmidt – man hat ja im Rahmen der verdichteten Arbeit nicht wirklich für jeden Patienten Zeit (siehe NDR). Auch die Sylter Geburtsklinik hatte da Todesfälle wegen Qualitätsmängeln zu verzeichen (siehe Spiegel) – es lag natürlich nicht am Betreiber.

Jetzt haben wir viel über die Gesundheitsreform gesprochen und darüber, wie man dort Milliarden verdienen kann – es wird Zeit, zu Ellen zu kommen: nun kennen Sie ja das Umfeld, in dem sie sich bewegt hat.

Ellens Pech war, dass sie in einem der privatisierten Krankenhäuser arbeitete – und zudem Mitglied einer Gewerkschaft war … jenen „Gewerkschaften“, mit denen „man sich nicht an einen Tisch setzt“ – jedenfalls nicht dann, wenn man Milliardär mit Luxushotels ist und an Gehältern sparen möchte. Nach der Privatisierung wurde sie zur „unerwünschten Person“ – hatte sie doch einen jener Arbeitsverträge, die betriebswirtschaftlich außerordentlich unerwünscht war – auch wenn sie dafür (wie momentan alle Pflegekräfte) an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit arbeitete. Um rentabel zu werden, musste ein Drittel des Personals gehen, also wurde „Druck“ ausgeübt. Wir kennen das: so arbeitet auch die Regierung mit den Opfern solcher tollen Männer: auch die werden gedrückt (hier wäre das Wort „genötigt“ eher angebracht) jene Jobs aus eigener Kraft zu finden, die bundesweit von Milliardären und ihren Millionärsbütteln abgebaut wurden.

Der Druck war so groß, dass sich ein Arbeitskollege während der Arbeit das Leben nahm. Gearbeitet wurde mit allen Mitteln: Rufmord, Ausschluß aus Teambesprechungen, schikanöse, gesundheitsgefährdende Dienstzeiten … und das alles im sensiblen Bereich der Forensik. Unexaminierte Billigkräfte wurden für die Herausgedrückten eingestellt (da gab es wohl auch schon eine eigene Leiharbeitsfirma des Konzerns, die die Billigkräfte rekrutierte – wir kennen das aus allen anderen Branchen), die wenigen Qualifizierten, die übrig blieben, mussten die dreifache Arbeit machen: alles zum Wohle der Rendite. „Leistung muss sich wieder lohnen“ gilt halt nicht dort, wo echte Leistung erbracht wird, sondern nur dort, wo Kapitalmengen für Parteispenden gesammelt werden.

Kurz gefasst: in dieser Entsorgungsorgie verlor auch Ellen ihren Arbeitsplatz – sie war im Laufe vieler Arbeitsjahre einfach zu teuer geworden. Leistung soll sich ja nicht für die lohnen, die sie erbringen, sondern lieber für jene, die sie verwalten: da stehen Unternehmer und Politiker dicht nebeneinander. Leistungsorientiert und Egoman wie unsere Idealmenschen nun mal sind, verließ sie auch ihr Lebenspartner (betriebswirtschaftlich vorbildlich wie der tolle Mann mit den Kliniken) … samt allem Geld, dass sie angespart hatte. Nicht schön – aber trotzdem real in unserem guten, neuen Deutschland. Da stand Ellen auf einmal vor einem Problem, dass viele haben: ohne Wohnung (die sie allein nicht halten konnte) gab es keine neue Arbeit, ohne Arbeit keine neue Wohnung. Man kennt das ja. Eine Zeit lang kam sie bei Freunden unter – die jedoch immer weniger wurden. Auch das kennt man ja: wer den Judenstern – äh, nein – den Armutstern trägt, ist draußen und lernt, dass er kaum wirklich echte Freunde hatte.

Doch da: kam Hilfe am Horizont. „Man“ hatte gemerkt, dass es da einen Markt gab: Menschen, denen keiner mehr eine Wohnung vermietet, weil die staatlichen Regelsätze in Großstädten gerade mal die Übernachtung in ungeheizten Wohnwagen reichen … von denen es nur wenig gibt. Da das Problem vor allem Frauen betraf, die von Männern bedroht wurden und plötzlich ohne Heim darstanden, hatte man auch eine Lösung gefunden: man mietet ganze Häuser an und bringt die Frauen dort unter.

Ich habe nun mehrfach mit Ellen telefoniert, habe Fotos ihrer alten Wohnung gesehen: da steckte schon Geld in der Einrichtung, das war schon gehobener Wohnkomfort, wie man ihn sich leisten kann, wenn man Arbeit hat. Nun wartete auf Ellen – innerhalb kurzer Zeit – ein Zimmer in einer WG.

Im Prinzip: eine gute Sache, auch wenn man selber den Sturz „nach ganz unten“ erstmal verdauen muss, so hat  man es doch geschafft, nicht auf der Straße zu landen – wie 350 000 (bald 500 000) andere, für die es nur ein klein wenig schlechter lief. Und eine WG ist auch eine schöne, kostengünstige Angelegenheit … es mussten nur ein paar Verträge unterzeichnet werden, schon war man nicht mehr in Gefahr, die nächste Nacht auf der Straße verbringen zu müssen. Ja: so ist unser Sozialstaat – er zahlt im Notfall für 6 Monate die normale Miete weiter, dann droht die Räumung, immer häufiger auch nach dem „Berliner Modell“ … wo man von seinem Besitz noch eine Tasche füllen darf, der Rest kommt weg. Da werden Existenzen komplett vernichtet, um die sich keiner kümmert, weil sie ja – plötzlich und unerwartet – parasitäre Sozialschmarotzer geworden sind … ganz anders als die tollen Milliardäre, die das Land zum Ruhm führen.

Ja … die Verträge. Wer hat schon Zeit, die alle in Ruhe durchzulesen – wenn Obdachlosigkeit droht. Was nebenbei zu den Verträgen gehört: die Hartz IV-Gelder gehen an den Träger des Hauses – nicht mehr an die vollmündigen Bürger. Man hat auf einmal einen Verwalter, der sich zwischen die Bewohner und das Amt schaltet – und sich das auch bezahlen läßt. Von dem persönlichen Regelsatz von 404 Euro werden erstmal 108 Euro abgezogen – von jedem Bewohner. Das Amt zahlt 354, 20 Euro pro Person an Miete – für ein Haus, in dem häufiger schon mal die Heizung ausfällt. Dafür aber bekamen diese 5 Frauen: eine Betreuerin (nein, keinen Vormund, sondern jemand, der täglich kontrolliert, ob sie auch das Haus gründlich putzen), eine Einkaufshilfe (wo man Frauen, die ihr ganzes Leben im Beruf standen, vermittelt, wie man einkaufen geht) und einen Erzieher (der sie gelegentlich mal ins Spaßbad einlädt oder einen Kochkurs anbietet – dafür zahlen sie ja auch 108 Euro im Monat).

Sie dachten immer: Hartz IV ist ganz unten? Lassen Sie sich überraschen, es geht noch viel weiter runter. So musste man zum Beispiel – um überhaupt aufgenommen zu werden – alle behandelnden Ärzte von der Schweigepflicht entbinden, verpflichtete sich, keinen Alkohol im Haus zu trinken und den Zugang zu den Privatzimmern jederzeit zu gewähren. Überraschenderweise möchte die Verwaltung auch die Eingliederungsvereinbarungen mit dem Jobcenter selbst verhandeln … und Blankounterschriften unter Vereinbarungen, die unter Umständen dazu führen, dass die Bewohner des Hauses … eine gerichtlich bestellten Vormund bekommen, ohne davon Kenntnis zu haben. Für „Unterhaltung“ sorgen auch größere Mengen an „therapeutischen Helfern“, die gelegentlich in Gruppen von bis zu vier Mann (ja: dafür ist Geld da) ins Haus einfallen um … zum Beispiel eine Glühbirne auszuwechseln. Selbstverständlich … gelten die Zimmer als Privatsphäre, die geachtet wird – allerdings ist schon auffällig, dass nach Abwesenheit der Bewohner schon mal die Fenster (scheinbar von Geisterhand) frisch geputzt sind … ein Service, den man natürlich auch positiv sehen kann.

Ja, Ellen meint selbst, sie habe vor zwei Wochen zuviel unterschrieben. Natürlich bekam sie keine Kopien der Verträge – auch nicht auf Nachfrage. Aber Drohungen – die gab es. Die sind ja auch leicht und unaufdringlich formulierbar – immerhin kann man sie ja jederzeit auf die Straße werfen. Ellen ist Ende fünfzig – und will wieder in ihrem alten Beruf arbeiten. Ellen ist eine sehr dynamische, wortgewandte und durchsetzungsfähige Person – trotzdem sieht sie die Möglichkeit, dass sie mal als Kunde in der Psychiatrie enden wird – vielleicht schon bald. Der Weg dorthin ist einfach: je mehr sie sich gegen die entwürdigende Entmündigung wehrt, um so renitenter wird sie wahr genommen, als Querulantin beschrieben, die sich selbst in Gefahr bringt … und schon wäre sie weg. Natürlich bringt sich jeder selbst in Gefahr, der die Anweisungen seines Herrn nicht befolgt … weshalb man vernünftigerweise diesen Anweisungen zu folgen hat, jenen Anweisungen, die bei einer Mitbewohnerin mit Arbeitsplatz jetzt dazu führen, dass man sie anleitet, in ein Altenheim mit Betreuung zu ziehen – mit 60.

Es ist schon … denkwürdig, wenn man sie anruft und keiner geht ans Telefon, weil … „gerade Kontrolle ist“. Es ist unheimlich, mitzubekommen, wie sie „das blanke Entsetzen packt“, wenn die „Betreuer“ mit neuen Ideen auflaufen – wie sie erst heute morgen geschrieben hat. Es ist … beunruhigend, zu wissen, dass es jederzeit ganz ganz still um Ellen werden kann. Für immer. Vielleicht … sitzt sie heute Abend schon auf der Straße? Immerhin … weigert sie sich, weitere Entmündigungen hin zu nehmen. Oder sie äußert weiter konsequent ihren Unmut über Putzkontrollen, Entmündigung und Einkaufshilfen – und landet dann als „Querulant“ dort, wo sie ihr Leben lang gearbeitet hat? Nur halt als Patient, als Opfer einer „Armutsindustrie“, die allein 2011 schon mehr als 25 Milliarden Euro umsetzte (siehe Spiegel), also deutlich mehr, als den Arbeitslosen selbst für die Selbstorganisation ihres Überlebens zugestanden wird.

Auf der anderen Seite sitzen natürlich nur die Guten, die helfen wollen. Wie immer. Die Milliardäre mit Herz.

Warum ich diese Geschichte erzählen wollte? Weil Ellen schon jetzt in einer Zukunft lebt, die allen „Überflüssigen“ droht. Die Wirtschaft braucht keine Vollzeitarbeitsplätze mehr, sie braucht immer weniger Menschen, die teuren Alten sind ihr sowieso zuwider. Fünf Jahre Praktikum, dann zehn Jahre Leiharbeit, dann staatlich organisierte Endlagerung: das ist die Perspektive der Zukunft, der feuchte Wunschtraum jedes Leistungsverwalters: Gratisarbeit dank Staatsgewalt – so ist der Mensch profitabel für die Firma. Wer Glück hat, darf in der Endlagerverwaltung als Erzieher arbeiten – als einer jener, die „ihren Namen tanzen können“ … wie Ellen ihren Erzieher beschrieb. Ja – sie hat mit 57 Jahren wieder einen Erzieher. Und einen Einkaufshelfer. Und eine Putzkontrolle. Und eine indirekte Entmündigung. Sie selbst – will einfach nur wieder arbeiten gehen. Dort, wo sie gute Arbeit geleistet hat. Doch: ohne Wohnung – keine Arbeit.

Und mit Hartz IV: keine Wohnung.

Die in jenen Häusern gemachten (lukrativen) Erfahrungen werden sicher bei der Endlösung der Arbeitslosenfrage helfen. Diese … wird schon langsam ins Auge gefasst (siehe 3Sat):

„Ein disqualifizierter Konsument hat einen ganz anderen sozialen Status als die industrielle Reservearmee. Ein disqualifizierter Konsument ist völlig nutzlos“, so Baumann weiter. „Ein hoffnungsloser Fall für die Gesellschaft. Wenn man absolut zynisch ist, würde man sagen, unserer Gesellschaft ginge es viel besser, wenn diese armen Menschen, die keine richtigen Konsumenten sein können, einfach verschwinden würden.““

„So erklärt es sich, warum der Staat sich immer weniger um seine Arbeitslosen kümmert. Er weiß, dass diese Menschen nicht mehr gebraucht werden. Sie liegen dem Steuerzahler nur auf der Tasche.“

Abfallmenschen – so nennt der hier ziterite Soziologe die neue Kategorie von Mitbürgern, deren Entsorgung gerade ausprobiert wird. Immerhin … will auch der Finanzminister seine schwarze Null, damit der die Qualitätsmängel der Milliardärsfirmen sorgenfrei ausgleichen kann.

PS 1: ach ja, Sie interessieren sich jetzt noch für den Erfolg der Gesundheitsreform? Sie Witzbold. 2005 waren es knapp 240 Milliarden, 2014 – dank effektivem Einsatz fleißiger Milliardäre – 328 Milliarden (siehe Statista) die wir in diesen Moloch ohne Grund und Boden investiert haben (siehe Statista). Nun ja – nun müssen wir ja von unseren Beitragsgeldern auch noch Konzerne durchfüttern und Investoren glücklich machen, das kostet halt.

PS 2: Ja – und wirklich: Sie können sich sicher sein, dass genau heute hoch bezahlte jugendliche Unternehmensberater an Ihrer Abschaffung arbeiten. Viel Spaß beim Grillen mit dem Chef.

PS 3: Ellens letzte Worte heute Morgen waren in der Tat: „Was passiert hier bloss? Mich packt das blanke Entsetzen“. Ich weiß nicht, ob ich je wieder von ihr hören werde. Jetzt auf jeden Fall nicht: während der täglichen Kontrolle wird nicht telefoniert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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