reiner Wahnsinn

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Frischer Wind in der Betäubungszone des Bundestags

Jörn Gutbier, der Vorsitzende der Initiative „Diagnose Funk“, ist Architekt. Wenn er seine knapp bemessene Freizeit und ungezählte nächtliche Stunden, in denen der gute Bürger normalerweise schläft, dafür aufwendet, um sich für uns alle einer Maschinerie entgegenzustellen, die uns schon demnächst überrollen könnte, dann mag der ein oder andere eventuell 30 Minuten opfern, um sich das anzuhören, was Gutbier hier in kompakter Form vorträgt. Es könnte sein, dass es im Gegenzug zu diesen 30 Minuten viele gesunde Lebensjahre sind, die er dazugewinnt, falls er für die gegenständliche Thematik aufwacht und zumindest für sich selbst Konsequenzen im Umgang mit der strahlenden neuen Welt zieht (nützliche und einfach umzusetzende Tipps für eine Verbesserung der gesundheitlichen Situation in den eigenen vier Wänden finden sich auch in einer Informationsbroschüre der Landessanitätsdirektion Salzburg).

Die Rede wurde vorletzte Woche vor dem Reichstagsgebäude in Berlin gehalten, jenem Gebäude, in dem eine Bundeskanzlerin nun schon seit 14 Jahren mit jedem ausgesprochenen Wort nichts anderes macht als das, was Roger Willemsen bei ihr beobachtet hat – der zum Schreiben seines Buches ein Jahr lang dem Bundestag als Beobachter beigewohnt hat: „Betäubungszonen ausbreiten“ und „das Land chloroformieren“ (Quelle: Tagesspiegel).

In dieser Betäubungszone, in der auch die meisten anderen von uns gewählten Volksvertreter wie transatlantische Wasserleichen vor sich hintreiben, wurde nun etwas beschlossen, was sich bereits nach derzeitigem, gesichertem Wissensstand als sehr viel größerer Umwelt-/Gesundheitsskandal herausstellen könnte als die Folgewirkungen von Contergan, Asbest, DDT und PCP zusammen. – Eine neue Technolgie, die sogar der Wissenschaftliche Beirat für globale Umweltfragen der Bundesregierung als Klimakiller und als disruptive Kraft beschreibt, welche die Schädigung von Umwelt und Klima in gewaltiger Weise beschleunigen werde, falls man sie jetzt nicht reguliert – was laut Jörn Gutbier ohne großen Aufwand jederzeit möglich wäre. Nur: Wie stellen wir das nun an, innerhalb einer chloroformierten Betäubungszone, in der viele technikverliebte Bürger die Illusion liebgewonnen haben und über unangenehme Wahrheiten lieber hinwegsehen möchten? Wie auch immer, eine nicht unbeträchtliche und stetig wachsende Anzahl von Menschen erkennt jedenfalls bereits die Zeichen der Zeit und organisiert sich gegen den Wahnsinn, den uns eine hochprofessionelle PR- und Lobbyindustrie als Normalität verkaufen will (siehe auch gegen5g.de).

Zum Weiterlesen/-sehen:

diagnose-funk.org (Informationsportal zu gesundheitlichen Nebenwirkungen von technischen Feldern)

WarGaming für den Profit (25-minütige Doku mit bisher nicht veröffentlichtem Originalmaterial von Zeitzeugen)

Welcome to the final Show (Nachrichtenspiegel)

Die Hard 4.0: Arma5Geddon (Nachrichtenspiegel)

Auf die Knie vor Gott KI (Nachrichtenspiegel)

 

Retro-Special des Monats: „Sie leben“ 1988-2018

„Unsere Propaganda funktioniert dann,
wenn alles, was die amerikanische Öffentlichkeit glaubt,
falsch ist.“

 (CIA-Chef William Casey, 1981)

1988 – in einer Zeit, in der der Fortschritt noch nicht als kalt grinsender Sensenmann vor uns gestanden hat so wie heute, sondern er noch in glitzerndem Bonbonpapier verpackt war und ihn jeder knubbeln wollte, konnten wir über John Carpenters Film „Sie leben“ noch vergnügt schmunzeln. Die Geschichte eines working class heroes, der eine Brille in die Hand bekommt, mit der er plötzlich die wahren Intentionen hinter allen Werbeplakaten und Kommerzprodukten in Klartext sehen kann, hat damals bei vielen von uns Kindern der 80er zwar ein durchaus mulmiges Gefühl im Magen hinterlassen, aber wie sollte es bei einem Film aus dem Genre „Science Fiction“ denn auch anders sein? – Obwohl Regisseur John Carpenter 25 Jahre später in einem Interview ausgesagt hat, dass sein Film keineswegs Science Fiction gewesen wäre, sondern schlichtweg eine Dokumentation – unserer gesellschaftlichen Realität, die sich seiner Ansicht nach heute sogar noch mehr ins Bizarre gewandelt habe als anno dazumal (Quelle: yahoo).

Wie auch immer. Nachdem alle anerkannten sozialwissenschaftlichen Theorien offensichtlich versagt haben, um den von der Leyne gelassenen nackten Wahnsinn, der uns heute von allen Seiten angrinst, rational zu erklären, kommt John Carpenters Doku nun wieder in Kurs und wurde als Blu-Ray neu aufgelegt. Nicht wenige Menschen, die diesen Film sehen, berichten von einem nachhaltigen Aha-Erlebnis.

(ganzer Film aufgrund verschärfter Urheberrechtskontrollen auf Youtube u. Vimeo derzeit nicht verfügbar; weitere Snippets:
Trailer 1988
Kaufhausszene
Tagesschau 2018 – Sie leben (eingeschenkt.tv)

Zwei Minuten vor Mitternacht … Men in Black, eine durchgeknallte Bundeswehr-Chefin und die Friedenstauben-Verschwörung


Bild: cc by Jacques Prilleau

Als ich vorgestern kurz vorm Schlafengehen ein um 00:02, also zwei Minuten nach Mitternacht veröffentlichtes Interview mit Ursula von der Leyen anklickte (siehe facebook/BILDpolitik), musste ich mir die Augen reiben um sicherzugehen, dass ich nicht schon (alp-)träume, sondern noch in der Alltagsrealität weile. In diesem Interview fordert eine fachmännisch geföhnte und geschminkte, aber offensichtlich vollkommen durchgeknallte CDU-Verteidigungsministerin, „Putin weh zu tun“ und verkündet, dass sie das auch „mit allen Mitteln, die angemessen sind“ durchziehen wolle.

Mein Gott, was bin ich froh, dass Horst Seehofer gerade noch rechtzeitig das neue Gefährder-Gesetz erlassen hat, mit dem Personen, von denen eine Gefahr für Sicherheit und Wohlergehen der Bevölkerung ausgeht, umgehend aus dem Verkehr gezogen und auf unbestimmte Zeit in Isolierungshaft gesteckt werden können. Da der Bundesanwalt bestimmt gerade dabei ist, eine einstweilige Verfügung zur Psychiatrisierung der bellizistischen Dame zu schreiben, kann ich nun also doch beruhigt schlafen gehen.

Welche Diagnose der Amtsarzt bei der Gefährderin stellen wird – im Raum stehen Verdacht auf Psychose mit akuter manischer Phase oder eine im ICD10-Kodex noch nicht erfasste, thinktankbedingte Borderline-Störung –, ist nun nebensächlich. Wichtig ist, dass die von allen guten Geistern verlassene Frau, die offensichtlich nicht mehr in der Lage ist, zwischen Videospielrealität und echtem Leben zu unterscheiden, unter Quarantäne gestellt und fachmännisch betreut wird. Wer einfach aus frivoler Willfährigkeit gegenüber ein paar moralisch verwahrlosten „verlässlichen Freunden“ (die keiner amtsärztlichen Diagnose mehr bedürfen, sondern die laut einer lesenswerten historischen Analyse von Peter Frey definitiv psychopathisch sind) unbedingt den atomar bestückten russischen Bären piesaken möchte, der sollte nicht frei herumlaufen und an einem bereits geöffneten Pulverfass herumzündeln dürfen. Habe ich Seehofers Gefährdergesetz bisher für paranoid gehalten, so muss ich mich rückwirkend bei ihm entschuldigen – sein Machwerk könnte uns nun in schicksalsschwerer Stunde allen das Leben retten.

Man muss sich das vor Augen halten: Die von der Leine gelassene Dame hat das oben zitierte Statement nicht etwa bei einem Cocktaildinner im Atlantikbrücke-Verein ausgesprochen, wo man für solche halsbrecherischen Töne umgehend das Schulterklopfen verschmitzt lächelnder Strippenzieher erhält (und in deren Konzernwelt man dann nicht nur sich selbst, sondern auch seine siebenköpfige Kinderschar auf Lebzeiten bestens versorgt weiß), sondern live in bewegten Bildern in einem unserer DIN-ISO-zertifizierten Leitmedien, von denen es nun millionenfach in alle Welt verbreitet wird. Von der Leyens stellvertretend für uns alle abgegebenes Statement – sie spricht von „WIR“, nicht von ihrem Individualstandpunkt – wurde also unzensuriert hinaus in den Äther geschickt … und vermengt sich dort jetzt mit den pechschwarzen, bereits kurz vorm Abregnen stehenden Wolken des „Lügenäthers, der heute so dicht ist wie zu Zeiten des kalten Krieges nicht mehr“ (Peter Sloterdijk).

Wenn aus der Doomsday Clock, die von einem renommierten Komitee an Nobelpreisträgern und Wissenschaftlern gerade auf zwei Minuten vor Mitternacht, d.h. dem symbolischen Weltuntergang vorgestellt wurde (siehe Spiegel), demnächst der Kuckucksvogel herausschnellt, dann könnte es womöglich zu spät sein, um sein letztes Gebet zu sprechen, so schnell könnten sich dann die Ereignisse überschlagen … auch wenn sich das in unserer pausbäckigen Wohlstandsgesellschaft unter dem sonoren „Brummen“ unseres Wirtschaftsmotors derzeit noch kaum jemand gedanklich vorzustellen vermag. In seinem Essay „Wenn die Fetzen fliegen“ hält der Journalist Dirk C. Fleck den transatlantischen Claqueuren von Bild, Spiegel & Co. diese mögliche Realität vor Augen, die sie gerade selbst herbeischreiben:

„Und dann liebe Kollegen, könnte tatsächlich etwas passieren, das Euer Zeitempfinden für den Bruchteil einer Sekunde bis in alle Ewigkeit auf den Kopf stellen wird: der atomare Alptraum. Josef Joffe könnte beim Putten zu einem Birdie fünfzig Meter weit über das gepflegte Grün in  den nächsten Bunker geschleudert werden. An der Ericusspitze 1 würden die beim Mittagstisch sitzenden Spiegel-Redakteure, von den Scheiben ihres Glaspalastes geköpft, zuckend übereinander herfallen. Bild-Chefredakteur Julian Reichelt bestiege  vielleicht gerade seinen Audi A8 in der Tiefgarage des Konzerns und findet sich plötzlich im Freien wieder, weil das Gebäude über ihm mitsamt seinem Büro auf magische Weise verschwunden ist. Andere Kollegen, die sich in den letzten Jahren die Finger wund geschrieben haben, um die Herzen der Menschen abzustumpfen, sehen ihre Kinder mit vor Schreck geweiteten Augen an sich vorbeifliegen, während ihnen selbst die Haut in Fetzen von den Knochen fällt. In der Elbphilharmonie hängt der Himmel voller Geigen und aus einem Flieger, der in zehn Kilometer über Hamburg hinweg Richtung Kopenhagen unterwegs ist, registrieren die Fluggäste erschrocken einen in rasender Geschwindigkeit aufsteigenden Pilz, der ihnen fast bis unter die Flügel reicht, während sich darunter die brennende Elbe ihren Weg durch ein gigantisches Trümmerfeld bahnt…

Hallo, Ihr Griegrümpfe, die Ihr uns zu Bewohnern eines anderen Planeten machen wollt. Eure wie unsere Zeit ist bald um, wenn Ihr so weiter macht wie bisher. Aber natürlich wollt Ihr so weiter machen. Na gut, dann hätte ich hier noch etwas für Euch: Der US-Oberst Leutnant Steven Gventer bestätigte die Dringlichkeit des NATO-Aufmarsches an der russischen Grenze. Wörtlich sagte er: „WIR SIND BEREIT, TÖDLICH ZU WERDEN!“ Wie findet Ihr das? Ist doch okay, oder?“

Wie ernst die Lage gerade ist, mag inmitten der Vorbereitungen zur neuen Staffel von Germany’s Next Topmodel und dem „Bachelor“ womöglich noch nicht zu jedermann durchgedrungen sein. Der Politologe Alexander Rahr gewährt uns auf der Münchner Sicherheitskonferenz MSC einen kleinen Einblick hinter die Kulissen. Es lohnt sich, den „Bachelor“ mal kurz abzuschalten und sich die wenigen Minuten Zeit zu nehmen für das, was der Mann zu berichten hat. Es  kann einen als unbedarften Bürger durchaus fassungslos machen. Rahr meint, dass die diesjährige Münchner Sicherheitskonferenz „wohl die letzte Konferenz in Friedenszeiten“ gewesen sei und wir aufgrund einer halsbrecherischen Konfrontationspolitik gerade auf eine dramatische Konfliktspirale zurasen. Die Dialogbereitschaft auf diplomatischer Ebene sei nunmehr fast erschöpft, da die USA auf ihren Anspruch globaler Dominanz beharre und unter anderem in Syrien „ihren Sieg einfahren wolle“. Was ein solcher „Sieg“ aus US-amerikanischer Sicht bedeutet, veröffentlichte vor wenigen Wochen schon der Rubikon (siehe „Die geplante Zerschlagung Syriens“), wobei der Rubikon in der stolzen Landschaft der deutschen Medien das einzige Nachrichtenmagazin war, das die diplomatischen Protokolle von Al Akhbar zu veröffentlichen wagte – alle anderen „Qualitätsmedien“ guckten betreten zur Seite.

Die Rolle von Deutschland, das als führende Kraft Europas für den Weltfrieden eine entscheidende Bedeutung hätte, sieht der Politologe nach drei Merkel-Regierungsperioden nun in vollendeter Orientierungslosigkeit und Erosion angekommen: „Wir sind führungslos, konzeptlos, inhaltslos, und das macht mir Angst …“

In der Tat ist die Kriegsgefahr immer dann am größten, wenn eine Gesellschaft an einen Punkt der Inhaltslosigkeit und scheinbaren Ausweglosigkeit angekommen ist. – Wenn es bei einem selbst nicht mehr weitergeht bzw. wenn ein Entwicklungsschritt gefordert wäre (denn das Leben ginge immer, sogar gut weiter, wenn man sich der Entwicklungsnotwendigkeit seiner Zeit nicht verwehrt). Wenn man sich allerdings verbockt und auf die gewohnte (im 20. Jhdt.: technokratisch-kommerzialistisch-nihilistische) Tour weitermachen will, dann setzt eine fatale Dynamik ein, mit der man letztlich das eigene Zerbrechen herbeiführt. Es wird dann ein Sündenbock im Außen gesucht, auf den man eifrig alles Böse projiziert, nur damit man sich nicht die eigene Unfähigkeit und Entwicklungsversäumnisse vor Augen halten muss. Wie willkommen ist da also das Feindbild Putin: Unsere überwältigende Staatsverschuldung, die soziale und demografische Krise, die ruinöse Nullzinspolitik der EZB, marode Banken, eine zerbröckelnde EU, working poor, psychische Erschöpfung … und vor allem die abgründige Sinnlosigkeit und der moralische Bankrott, vor denen wir stehen – alles vergessen in Angesicht eines bösen russischen Bären, der „die Welt destabilisiert“ und der sich sogar mit den Friedenstauben verschworen hat (Beweis: siehe nachfolgendes Video):

Wie auch immer. Studiert man derzeit das Tagesgeschehen, dann kommt man leicht ins Grübeln, ob man aus dem Land, in dem angeblich alle gut und gerne leben, nicht etwa schleunigst auswandern sollte. Allerdings machen auch die wenigen noch als sicher geltenden Länder wie Neuseeland gerade ihre Schotten dicht vor westlichen Asylsuchenden (siehe neues-deutschland.de: „Milliardäre kämpfen um ihr Fluchtziel“). – Was mich eigentlich nicht wundert. Wenn ich in Neuseeland Regierungsverantwortung hätte, dann würde ich auch nicht riskieren, dass in ein gut funktionierendes Land womöglich derjenige Virus eingeschleppt wird, der im bisherigen Land der Dichter und Denker im Herzen Europas derzeit für Selbstzerfleischung sorgt.

Vielleicht wäre es aber auch Zeit, mit selbstbezogenen Gedanken über Auswandern und sonstigem Eskapismus einmal Schluss zu machen (wir wandern ja ohnehin bereits aus: jeden Abend, wenn wir die Glotze aufdrehen, sind wir abgetaucht) und stattdessen als demokratische mündige Bürger – also als Souverän – wieder die Regie in die Hand zu nehmen. Es wäre höchste Zeit, die Ärmel hochzukrempeln und ein bisschen deeskalierend und friedensstiftend zu wirken, denn viel Zeit haben wir nicht mehr (lt. dem mit Nobelpreisträgern und hochkarätigen Wissenschaftlern besetzten Bulletin of the Atomic Scientists nur noch „zwei Minuten“).

Die gute Nachricht: Laut Meinungsumfragen will eine überwältigende Mehrheit der deutschen Bürger keinen Konflikt mit Russland, sondern plädiert für Annäherung und Freundschaft (Lt. FORSA/ntv-Umfrage vom 20.03.2018 sind 91% der Deutschen der Überzeugung, dass von Russland keine Gefahr ausgehe, 98% der 18-29jährigen Deutschen betrachten Russland vollkommen angstfrei und insgesamt 74% der Gesamtbevölkerung halten die derzeitigen Beziehungen zu Russland für zu schlecht / verbesserungsbedürftig). Wie der Einzelne dieses Anliegen artikuliert, mag individuell sein. Ein Beispiel kann uns z.B. die „Druschba“-Initiative sein (Druschba = russ. „Freundschaft“), die regelmäßig Friedensfahrten nach Russland unternimmt. Die Erfahrung zeigt: Lernen sich die Menschen in ungezwungener Atmosphäre bei Essen, Kultur und Folklore kennen, lösen sich die von unseren Leitmedien geschürten Feindbilder und Projektionen schnell in Luft auf – der Lügenäther verpufft dann genauso wie die Abgaswolke eines softwaremanipulierten VW-Motors unter einer frischen Windbrise.

Sind diese Wolken einmal kurz weggeblasen, dann realisieren wir auch sehr schnell, was wir als Menschen in Wirklichkeit sind: Teil einer großen Menschheitsfamilie, die nur gemeinsam eine Zukunft hat … und wir uns daher entgegen aller medialer Hetzkampagnen besser die Hände reichen sollten:

>> Unsere Freundschaft ist jetzt gefragt, wenn Russland in allen Lebensbereichen wie Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur an die Wand gedrängt, ja zermalmt werden soll. Um einen geplanten oder fahrlässig in Kauf genommenen militärischen Konflikt in unseren Köpfen zu legitimieren? Wir machen da nicht mit. Wir stellen gegen nationalistische und rassistische Hetze gegen Russen den praktischen, nur durch viele aktive Menschen erzielbaren Gedanken von „Frieden durch Völkerfreundschaft“. <<
(aus: https://druschba.info)

 

Dschungelcamp Jamaika: Abgeblasen! – Weiter angesagt: Die Glyphosat-Kanzlerin und die Große Depression … und das Puff für alle

„Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf‘s Riff.“

(Reinhard Mey, Das Narrenschiff)

Deutschland am Highway to Hell

Obwohl bereits eine Wiederauflage der Großen Depression – pardon: der Großen Koalition droht, so konnte man zumindest kurz aufatmen: Immerhin ist die Jamaika-Koalition gescheitert. Nicht nur die Rautenkanzlerin war empört, vor allem die Grünen toben, haben sie sich doch bereits an Muttis Futtertrog und an den Pfründen der Macht gesehen, zu denen Young Leaders wie Cem Özdemir ja eingehend geschult wurden, und nun das: Der FDP-Chef schmeißt das Handtuch, da er meint, es sei „besser nicht zu regieren, als falsch zu regieren“. Als „unverantwortlich, unseriös, berechnend“ bezeichnet Grünen-Chefin Simone Peter diesen Rückzug. Auch der PNAC-Bruder Cem Özdemir ist stinksauer (nein, ich habe nicht Penner gesagt, ich habe PNAC gesagt – dazu unten gleich mehr). Die deutschen Leitmedien stimmen in das Wehklagen mit ein: vor „historischer Instabilität“ wird gewarnt und gar an „Weimar“ erinnert.

Schauen wir uns also kurz einmal an, welche grandiose Kapazität und Zukunftshoffnung mit Jamaika verlorengegangen ist. Nicht, weil es Freude macht, im Unrat zu wühlen, sondern um an die abgründige Gefahr zu gemahnen, die Deutschland und Europa immer noch droht – denn die alternativlose Dauerkanzlerin ist wild entschlossen, weiterzuregieren, notfalls auch in Form einer Minderheitsregierung. Das fest in transatlantischer Hand befindliche Zepter abgeben – nein, das geht gar nicht.

Fangen wir gleich bei Ihrer Majestät höchstpersönlich an, der zu Ehren der US-Konzern Mattel sogar eine eigene Barbiepuppe im drolligen Merkel-Look anfertigen ließ (ich setzte dazu jetzt keinen Link, will schließlich keinem Leser den Appetit zum Abendessen verderben). Peter Sloterdijk bezeichnet sie als bloße „Hohlraumfigur in einer Lethargokratie“ und diagnostiziert: „Wo Politik war, wird betreutes Dahindämmern“ (Quelle: Handelsblatt).


(Bild: Jacques Prilleau CC BY)

Mancher mag jetzt zu „Dahindämmern“ schnuckelige Assoziationen haben wie z.B. Oktoberfestbierstimmung auf der Wies’n oder ein Lala-Land, „in dem wir gut und gerne leben“. Leider wird der Merkel‘sche Dämmerschlaf von anderen Global Playern, die im Gegenzug umso schärfer wach sind, eiskalt ausgenutzt.  In der zur marktkonformen Demokratie umgebauten Bundesrepublik spielen sich daher inzwischen gespenstische Szenen ab, bei denen sich Willy Brandt im Grab umdrehen würde. Erstmals seit Ende des zweiten Weltkriegs liegen wieder deutsche Panzertruppen nur 120 km vor St. Petersburg und harren dort der ihnen erteilten Befehle aus der NATO-Kommandozentrale. In dieser Zentrale hat man den Businessplan für einen Krieg gegen Russland indes bereits allen Ernstes auf den Tisch gelegt. Das von den führenden Generälen von US Army, Marine und Air Force verkündete Ergebnis war positiv:  Die USA werden gewinnen, es würde nur etwas länger dauern und ein bisschen mehr kosten als erwartet (Quelle: New Eastern Outlook). Um diesen Businessplan der Generäle auch zügig umsetzen zu können, fordert die NATO nun, dass deutsche Straßen und Schienennetze für einen zügigen Transport von Panzern und Truppen Richtung Russland auf militärisch taugliche Weise ausgebaut werden (siehe jungewelt). Während hierzulande der Highway to Hell gebaut wird, fliegen entlang der russischen Grenze NATO-Jets und üben Atombombenabwürfe.

Überhaupt scheut Mutti für ihre „verlässlichen Freunde“ keine Kosten und Mühen. Die USA wollen das Atomwaffenarsenal in Europa erneuern und unter anderem in der Eifel 20 neue Atombomben vom Typ B 61-12 stationieren. Laut Spiegel-Bericht sollen erste Bomben ab 2020 in Europa verfügbar sein. Zum Ausbau der Nuklearwaffenlager seien 154 Millionen Dollar vorgesehen, Deutschland trage ein Fünftel der Kosten, das sind 30 Millionen (Quelle: Zeit). Laut einem weiteren Bericht in der Zeit sollte 2015 damit begonnen werden, die Software deutscher Tornado-Jagdbomber auf die neuen Atomwaffen einzustellen. Die Programmierung ist dann nun vermutlich bald abgeschlossen und Muttis Tornados erstschlagsfähig – sollten sie aufgrund eines alternativlosen Befehls aus Washington wirklich losschlagen, dann steht jedenfalls eines fest: Dann wird die Lüge der Rautenmuhme tatsächlich Wahrheit werden: Dann werden wir alle, samt Kind, Katz, Hund und SUV, in ein Land befördert, in dem wir „gut und gerne leben“ – für immer.

Während es unsere MinisterInnen voll lustig finden, anlässlich der kommenden WM „auf jeden Fall schießendes Personal nach Russland zu schicken“ (o-Ton von der Leyen), so findet man das atomare Hazardspiel auf Seiten Russlands mittlerweile nicht mehr zum Lachen. In einem Spiegel-Interview bringt Kreml-Berater Sergej Karaganow unmissverständlich zum Ausdruck, was eine Eskalation im momentanen NATO-Säbelrasseln für Deutschland bedeutete: Es würde ins offene Messer laufen. Russland wäre nicht bereit, sich auf eigenem Territorium in Scharmützel verwickeln zu lassen, sondern würde uns in solchem Falle einfach per Knopfdruck verdampfen (siehe Spiegel):

„Russland wird nie wieder auf seinem eigenen Territorium kämpfen (…) Im Falle einer Krise werden genau diese Waffen vernichtet (…) Wenn die NATO eine Aggression beginnt – gegen eine Atommacht wie uns -, wird sie bestraft werden.“

Als Martin Schulz während des Wahlkampfs forderte, alle US-Atomwaffen und damit Primärziele aus Deutschland abzuziehen (siehe Spiegel),  war Mutti Merkel diesem Vorschlag sogleich sehr abhold und drückte die US- Atombomben fest an ihre Brust. Keine Atombomben mehr in Deutschland? – Nein, das geht gar nicht!

Sonst bekommt Mutti beim Cocktail-Dinner im Atlantikbrücke-Verein womöglich nicht mehr das wohlwollende Schulterklopfen ihrer „verlässlichen Freunde“ (wie sehr auf diese Freunde Verlass ist, hat Peter Frey in einem historischen Psychogramm kurz zusammengefasst – samt dem Szenario, auf das wir mit diesen geistesverlassenen  Freunden am Steuer gerade zusteuern). In dieser vom Journalisten T. Pritzl als eine der mächtigsten Pressuregroups der BRD bezeichneten Organisation (siehe free21: „Wie die Atlantik-Brücke die BRD lenkt“) ist jedoch nicht nur die Kanzlerin fest inkorporiert, auch die anderen Jamaika-Piraten, die sich Mutti ins Regierungsboot holen wollte, sind im Club der Alternativlosen und Unipolaren. Albrecht Müller bezeichnet hierbei die Grünen Spitzenkandidaten Özdemir und Göring-Eckardt als „eingefleischte Atlantiker und Russenhasser“, mit denen es am Kabinettstisch schlimmer gewesen wäre als mit Außenminister Gabriel, bei dem Müller zumindest noch ein Stück Vernunft und Friedfertigkeit gegenüber Russland verortete (siehe Nachdenkseiten).

Das Russische Roulette der Ramstein-Kanzlerin


Foto: Public domain / Wikimedia Commons

Was bei der Atlantikbrücken-Doktrin besonders alternativlos ist: Die „Abschreckung“ und Konfrontation mit Russland. Da soll noch jemand behaupten, dass Angela Merkel eine biedere Frau ohne Eigenschaften sei, die keine Lust am frivolen Exzess und am russischen Roulette hätte. Sechs Patronenkammern hat der an unsere eigene Schläfe angesetzte Revolver. Dreimal haben wir die unsichtbare Hand des militärisch-industriellen Marktes, dem sich unsere PNAC-Abgeordneten bedingungslos anheimgegeben haben, bereits abdrücken lassen (siehe Spiegel 1 und Spiegel 2 und Spiegel 3). – Da es  Fortuna bisher mit uns gut gemeint hat, ging der Schlaghahn des Revolvers jedesmal ins Leere und es machte nur „Klack“, die Oktoberfeste konnten weitergehen, während sich die NATO entgegen der Vereinbarung mit Michail Gorbatschow ein Ostland nach dem anderen einverleibte und nun mit Atomraketenbasen direkt an die russische Grenze herangerückt ist. – Klasse, dachten  sich die atlantikverbrückten Rhinozeren in den deutschen Politbüros und ihre Claqueure in den Schreibstuben der DIN-ISO-zertifizierten deutschen Qualitätsmedien: Die von den PNAC-Brüdern angestrebte „Full Spectrum Dominance“ schreitet planmäßig voran, die Rüstungs- und Zulieferindustrie brummt, alle haben gut bezahlte Pöstchen und dürfen auf abendlichen Gala-Diners das wohlwollende Schulterklopfen der ganz Mächtigen ernten. Und wem drei Landsitze mit zehn verschiedenen Sportwägen und SUVs nicht reichen, der kann sich in Brüssel eventuell noch ein paar Geldkoffer in die Hand drücken lassen, so wie etwa der hier mit einer versteckten Kamera gefilmte österreichische Innenminister (!) Ernst Strasser (siehe YouTube), der im Europäischen Parlament derselben  Fraktion angehört wie die Merkel’sche CDU: der  in der Europapolitik tonangebenden „Europäischen Volkspartei“. Wobei solch plumpe Korruptionäre wie im obigen Video ersichtlich ja eigentlich ins Museum gehören. Welcher Politiker ist heute schon noch so dumm und lässt sich wirklich Schmiergeld bar auf die Hand geben? – wo man im All-Inclusive-Club der VIPs doch bereits durch schlichtes Wohlverhalten viel mehr Benefits lukrieren kann: Wer im Parlament zur rechten Zeit nickt und zur rechten Zeit seinen Kopf still hält, dem winken in der Folge lukrative Versorgungspöstchen und Beraterverträge.

Wie das Merkel’sche Kabinett diese Kunst des Nickens und Stillhaltens praktiziert, schildert uns Jean Ziegler anhand eines jüngsten Erlebnisses im UN-Menschenrechtsrat (siehe Interview). Hierbei wurde vorgeschlagen, auch Konzerne der Menschenrechtskontrolle zu unterstellen, sodass etwa Bayer in Deutschland geklagt werden kann, wenn es mit seinen Pestiziden bei Menschen in Südindien Krebs verursacht. Kurz vor der Abstimmung kam aus dem Kanzleramt in Berlin die Anweisung, dass die neue Menschenrechtskonvention zu Fall gebracht werden muss. – Ganz nach der von Werner Rügemer verbalisierten Merkel’schen Parole: „Mir geht es gut, sonst ist mir alles scheißegal“.

Zwerge und Schweine

Die Kunst des Nickens und Stillhaltens wurde von Merkels transatlantischer Flachmannschaft jüngst auch in der Glyphosat-Causa unter Beweis gestellt. Während unsere GWUP-Wissenschaftler in ihren Labors angeblich „keine wissenschaftliche Konvergenz“ zur Schädlichkeit des Monansto-Gifts festgestellt haben, so bekommt man in der ARTE-Doku „Chronisch vergiftet“ Bilder aus der realen Welt  zu sehen, die einem den Magen umdrehen und Tränen in die Augen treiben können: Ein Schweinezüchter zeigt, wie innerhalb seiner Ferkelpopulation Missbildungen in Abhängigkeit des von ihm akribisch protokollierten Glyphosat-Gehalts im Futter direkt proportional zunehmen (siehe Minute 19:20). Ab Minute 41:25 bekommt man dann Bilder aus Kinderkliniken Argentiniens zu sehen, in welchen neugeborene Menschen die gleichen grässlichen Missbildungen aufweisen wie man sie bereits von den Schweinen kennt. Am Ende der Doku (42:50) resümiert der Schweinezüchter, dass es unter diesen Babyfotos nicht eine Missbildung gebe, die er nicht schon bei seinen glyphosatgeschädigten Ferkeln gesehen habe, es also nur noch eine Frage der Zeit sei, bis auch das menschliche Erbgut durch den Glyphosat-Einsatz irreversibel geschädigt werde. Damit der Hosenanzug der Kanzlerin inmitten dieser Schweinerei sauber bleibt, hat man nun auf EU-Ebene Landwirtschaftsminister Schmidt vorgeschoben, der angeblich „allein für sich entschieden“ und pro Monsanto gestimmt hat. Schmidt habe sich dafür „eine Rüge der Kanzlerin“ eingefangen, verlautbarten unsere Leitmedien in der Folge – eine Schmierenkomödie der besonders grotesken Art, die nur zeigt, für dumm man uns inzwischen hält und zu der sich eigentlich jeder Kommentar erübrigt. Als ob in einer Partei, in der seit jeher eiserner Fraktionszwang herrscht, ein dritter Zwerg von links unten es wagen würde, entgegen der Weisung der Bundespanzlerin zu entscheiden und damit seine Karriere zu ruinieren. Im Übrigen hat sich Merkel laut Aktenvermerk der Leitungsebene des Landwirtschaftsministeriums vom 24.08.2017 auf dem letzten Großagrariertag dezidiert für den Einsatz von Glyphosat ausgesprochen, warum „rügt“ sie also jetzt ihren Landwirtschaftsminister, der sich doch nur ihrem Willen angeschlossen hat?

In einem Kommentar auf Rubikon platzt auch Ulrich Mies, dem Mitautor des aktuellen Bestellers „Lügen die Medien?“ der Kragen. Er spricht von organisierter Politkriminalität und wirft die Frage auf, wie man eine Regierung bezeichnen soll, die „auf alle Grundsätze spuckt, die für ein halbwegs funktionierendes demokratisches Gemeinwesen konstitutiv sind, die der Öffentlichkeit täglich ihre Verachtung zeigt, Amtseide, Recht und Gesetz beiseite schiebt, die Gewaltenteilung massakriert und sich längst als rechtsnihilistisches, machiavellistisches und sozialdarwinistisches Regime etabliert hat?“ In seiner Analyse kommt er nicht umhin, die Merkel‘sche Regierung mit einem Krebsgeschwür zu vergleichen, „das alle maßgeblichen Positionen in Parteien, Regierungsinstitutionen und Medien kontaminiert. Sie hält das Land im Zangengriff und metastasiert ihren widerwärtigen marktradikalen Ungeist — als Ökonomisierung — in alle Bereiche der Gesellschaft.“

Kehren wir aber vom dampfenden Schweinebraten zurück zur ausgekühlten Jamaika-Melange. Was ist uns denn außer der Schwerkraft der Rautenkönigin noch entgangen, was nach Ansicht unserer Leitmedien so beklagenswert ist?

Ungenierte Verschwörungen und Grünes Fracking

Die Grünen mit ihren Taktgebern Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt wären mit von der Partie gewesen, beide natürlich eingefleischte Mitglieder bei – der Atlantik-Brücke. Özdemir geht sogar noch eine Stufe weiter. Ihm reicht das dort praktizierte Swinger-Treiben nicht, er hat Lust auf Hardcore und sich deshalb auch beim PNAC eingeschrieben (siehe Deutsch-Türkische Nachrichten). Die PNAC-Brüder – das sind keineswegs Penner, sondern ganz im Gegenteil sehr ausgeschlafene Kerlchen, die seit Jahren höchst erfolgreich eine politische Agenda in die Realität umsetzen, die eigentlich wie der Plot eines schlechten Psycho-Thrillers klingt. Sogar im Spiegel gab man sich seinerzeit, als die transatlantische Direktive die Schreibstuben noch nicht ganz übernommen hatte, fassungslos über die PNAC-Pläne, die dermaßen bizarr klingen, dass man sie zunächst als „Hirngespinste“ abtun wollte. Das Problem: Diese Hirngespinste des 1997 von Dick Cheney und ande­ren Neo­­­kon­­­ser­­va­­tiven ge­gründeten PNAC werden seit der Ära von George W. Bush, der die PNAC-Brüder in höchste Regierungsstellen hievte, konsequent in die Realität umgesetzt. Das erklärte Ziel des PNAC: die un­ein­ge­schränkte US-Welt­­herr­­schaf‌t in einem „neuen amerikanischen Jahrhundert“. In einem öffentlich einsehbaren Stra­tegie­­papier antizipiert der PNAC bereits im Jahre 2000 ein »neues Pearl Harbor« als Legi­ti­ma­tion für eine US-Offensive zur globalen Dominanz.

Siehe dazu einen Spiegel Artikel aus März 2003 – ein Artikel, der heute undenkbar wäre (sich mit den Plänen der Reichen und Mächtigen beschäftigen – nein, das geht gar nicht mehr, das wäre ja Verschwörungstheorie):

„Konzepte für eine solche Politik existieren in der Tat. Sie wurden bereits in den neunziger Jahren in ultrarechten „Think Tanks“ entwickelt – Denkfabriken, in denen Kalte Krieger aus dem Dunstkreis von Geheimdiensten und Erweckungskirchen, von Rüstungs- und Ölkonzernen gespenstisch anmutende Pläne für eine neue Weltordnung schmiedeten.

In den Visionen der Falken wird das Völkerrecht durch das Recht des Stärkeren ersetzt. Am allerstärksten soll, natürlich, stets die einzig verbliebene Supermacht sein.

Zu diesem Zweck müssten die USA dauerhaft in der Lage sein, die Rohstoffvorräte des Planeten zu kontrollieren und jeden möglichen Konkurrenten klein zu kriegen und klein zu halten – mit allen Mitteln diplomatischer und publizistischer, ökonomischer und militärischer Macht, notfalls auch per Präventivkrieg.

Was immer in den Neunzigern in den Think Tanks ausgeheckt wurde, von einer Entmachtung der Uno bis hin zu Serien künftiger Unterwerfungskriege – es war das glatte Gegenteil einer Verschwörung: Fast alle dieser Weltmachtsvisionen sind veröffentlicht worden, einige per Internet zugänglich.

Lange Zeit freilich wurden die Elaborate als Hirngespinste abgetan, verfasst von intellektuellen Außenseitern, erzkonservativen Relikten aus der Reagan-Ära, kaltgestellten Kalten Kriegern, die, finanziell unterstützt von Lobby-Organisationen, in irgendwelchen Studierstuben politisch überwinterten, während in Washington Bill Clinton und sein Vize Al Gore regierten …“ 

Im Ausland stationierte US-Streitkräfte bezeichneten die Autoren in der kernigen Sprache des Wilden Westens als „Kavallerie im neuen amerikanischen Grenzland“ („the cavalry on the new American frontier“)

(…)

Mit atemberaubendem Tempo setzten die neuen Herren die PNAC-Strategie um. Bush kündigte reihenweise internationale Verträge aus der Clinton-Ära, brüskierte die Uno und behandelte Verbündete wie Vasallen. Und als nach den Anschlägen vom 11. September 2001 die blanke Angst in Amerika regierte und im Land Milzbrandbriefe kursierten, war aus Sicht der Bushisten offenbar die Zeit reif dafür, auch die alten Irak-Pläne aus der PNAC-Schublade zu holen. Bereits sechs Tage nach dem Anschlag auf das World Trade Center unterzeichnete Bush einen Exekutivbefehl, in dem er nicht nur Order gab, einen Krieg gegen das Terrornetzwerk und gegen die Taliban vorzubereiten. Ein zunächst geheim gehaltener zweiter Absatz befahl den Militärs, Szenarien für einen Irakkrieg zu erarbeiten.“

In Teil 2 des Spiegel-Artikels aus 2003 werden die Washingtoner Machteliten sogar als Bellizisten, also als Kriegstreiber bezeichnet. Heute, 15 Jahre später unter der Ägide Merkel würde umgehend der Kopf des Journalisten rollen – sind solche Betrachtungen doch ein klarer Fall von Antiamerikanismus:

„Die Anmaßung der Washingtoner Bellizisten, am amerikanischen Wesen die Welt genesen zu lassen und ganz allein über Krieg und Frieden zu entscheiden, schockiert Experten …

Allzu lange, kritisiert der hessische Friedens- und Konfliktforscher Harald Müller, habe auch die Berliner Regierung die 2001 vollzogene radikale Kehrtwendung der US-Außenpolitik unter Bush „geflissentlich übersehen, verschwiegen, heruntergespielt“.

Dabei sei das Programm der Bush-Administration unverkennbar: „Amerika tut, was es will. Internationale Regeln gelten, wenn es den eigenen Interessen nutzt, werden gebrochen, ignoriert oder gar nicht erst akzeptiert, wenn sie irgendwelche Opfer abfordern.“ Kurzum: „Die USA wollen totale Handlungsfähigkeit für sich: Weltpolitik nach Gutsherrenart.“

„Verliebt in die Idee des Krieges“

Schon als voriges Jahr die PNAC-Studie der Bushisten publik wurde, wetterte der Labour-Abgeordnete Tam Dalyell, eines der dienstältesten Mitglieder des britischen Unterhauses: „Das ist Schund aus rechten Denkfabriken, in denen Falken mit Spatzenhirnen hocken – Leute, die nie den Schrecken des Krieges erlebt haben, aber verliebt sind in die Idee des Krieges.“ Und mit einem Seitenhieb auf Tony Blair: „Ich bin entsetzt, dass ein britischer Labour-Premier mit einer Bande von solcherart moralischer Statur ins Bett steigt.“

Nun ja, wenn schon Tony Blair keine Hemmungen gezeigt hat, mit einer „Bande von solcherart moralischer Statur ins Bett zu steigen“, warum sollten dann Cem Özdemir oder Angela Merkel welche haben? Und warum sollten Spiegel-Redakteure im Jahre 2017 Hemmungen haben, der transatlatischen Direktive und den PNAC-Brüdern  den Mund zu leihen? Leben sie doch prächtig in ihren ledergepolsterten Etablissements, in deren Tiefgarage es laut Bericht von Jens Berger (siehe Der rote Tisch) eine Porsche-Dichte gibt, die man nirgendwo sonst findet.

Und während Michail Gorbatschow warnt, dass wir die nächsten Jahre nicht überleben werden, wenn wir die NATO-Konfrontation an der Grenze zu  Russland nicht entschärfen, wird in den Schreibstuben unserer Leitmedien mit bisher unbekannter Leichtfertigkeit über die Möglichkeit eines atomaren Erstschlags diskutiert und zu noch mehr „Abschreckung“ gegen Russland getrommelt. Der ehemalige Welt-Journalist Dirk C. Fleck findet für diese Art von suizidalen Lohnschreibern gar keine passenden Worte mehr:

„Wie gesagt, da fehlen mir die Worte. Vielleicht sollte ich für diese Leute einen völlig neuen Begriff kreieren. Griegrumpf zum Beispiel. Ja, das ist gut, sie sind Griegrümpfe! Der Begriff wurde zwar eben erst von mir erfunden, ist aber schrecklicher als alles, was Menschen je in den Mund zu nehmen wagten.“

In seinem Essay „Wenn die Fetzen fliegen“ hält er den transatlantischen Claqueuren die mögliche Realität vor Augen, die sie gerade selbst herbeischreiben:

„Und dann liebe Kollegen, könnte tatsächlich etwas passieren, das Euer Zeitempfinden für den Bruchteil einer Sekunde bis in alle Ewigkeit auf den Kopf stellen wird: der atomare Alptraum. Josef Joffe könnte beim Putten zu einem Birdie fünfzig Meter weit über das gepflegte Grün in  den nächsten Bunker geschleudert werden. An der Ericusspitze 1 würden die beim Mittagstisch sitzenden Spiegel-Redakteure, von den Scheiben ihres Glaspalastes geköpft, zuckend übereinander herfallen. Bild-Chefredakteur Julian Reichelt bestiege  vielleicht gerade seinen Audi A8 in der Tiefgarage des Konzerns und findet sich plötzlich im Freien wieder, weil das Gebäude über ihm mitsamt seinem Büro auf magische Weise verschwunden ist. Andere Kollegen, die sich in den letzten Jahren die Finger wund geschrieben haben, um die Herzen der Menschen abzustumpfen, sehen ihre Kinder mit vor Schreck geweiteten Augen an sich vorbeifliegen, während ihnen selbst die Haut in Fetzen von den Knochen fällt. In der Elbphilharmonie hängt der Himmel voller Geigen und aus einem Flieger, der in zehn Kilometer über Hamburg hinweg Richtung Kopenhagen unterwegs ist, registrieren die Fluggäste erschrocken einen in rasender Geschwindigkeit aufsteigenden Pilz, der ihnen fast bis unter die Flügel reicht, während sich darunter die brennende Elbe ihren Weg durch ein gigantisches Trümmerfeld bahnt…

Hallo, Ihr Griegrümpfe, die Ihr uns zu Bewohnern eines anderen Planeten machen wollt. Eure wie unsere Zeit ist bald um, wenn Ihr so weiter macht wie bisher. Aber natürlich wollt Ihr so weiter machen. Na gut, dann hätte ich hier noch etwas für Euch: Der US-Oberst Leutnant Steven Gventer bestätigte die Dringlichkeit des NATO-Aufmarsches an der russischen Grenze. Wörtlich sagte er: „WIR SIND BEREIT, TÖDLICH ZU WERDEN!“ Wie findet Ihr das? Ist doch okay, oder?“

Vorausgesetzt, man besitzt einigen Galgenhumor, dann kann die kommende Zeit also nur heiter werden. Angela Merkel hat alle Vorarbeit Willy Brandts um eine Ost-West Entspannung zum Teufel geschickt und auch uns die Rutsche zu diesem Herren gelegt. Die Rutsche ist nun gebohnert und gut eingeseift, nur noch einen kleinen Ruck braucht es, und die Höllenfahrt kann beginnen. Scheinbar ist auf der Politbühe niemand da, der gewillt ist, uns vor dieser Fahrt zu bewahren. Sogar die Wurzeln der Grünen als ehemaliger Friedenspartei sind heute de facto vertrocknet. Wie im Mosaik Blog angemerkt, sind „das Spitzenpersonal und die eigentlichen Machtstrukturen in der Partei vollkommen vom Realo-Flügel geprägt“. Es sind dort jetzt also „Realos“ am Ruder, d.h. Personen, die bereits alle Ideale aufgegeben und vor den transatlantischen Sachzwängen bedingungslos kapituliert haben. Realos, die sich sogar als Erfüllungsgehilfen des Fracking-Prinzips verdingen („Put in poison, get out money“) und aktiv für ein „neues amerikanisches Jahrhundert“ , also für die restlose Ausschlachtung und Verödung unseres bereits großflächig in Brand gesetzten blauen Planeten arbeiten. Über den Skandal, dass dieser Planet nicht nur aufgrund vielfältiger Umweltgifte darniederliegt, sondern auch durch den sinnlosen Einsatz von Uran-Munition unserer verlässlichen Freunde irreversibel geschädigt wird, herrscht in unseren Qualitätsmedien eisernes Schweigen. Lediglich einige Ärzte, die ihre Laufbahn bereits hinter sich haben, wagen darüber zu reden, wer dies in seiner aktiven Zeit tut, wird umgehend weggemobbt (siehe Nachdenkseiten). Der Wille der Grünen zum Widerstand gegen solch himmelschreienden Wahnsinn (siehe auch Frieder Wagners Dokumentarfilm „Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra“) ist gleich Null. Dann lieber mit aller Verve für ein viertes Geschlecht im Pass kämpfen. Der Grüne 4.0 liebt nicht mehr den Wald, sondern die Wüste und hat Todessehnsucht nach dem digitalen Nirvana, da ihn die quälenden Schatten seiner verratenen Ideale nicht mehr ruhig schlafen lassen.

Digital First – Bedenken Second.

Ich weiß, der Artikel wird schon wieder viel zu lang und der Ekelpegel erreicht die Decke. Ich komme beim Thema Jamaika trotzdem nicht umhin, auch noch kurz das Thema FDP und Christian Lindner abzuhaken. Mit einer stylishen Werbekampagne konnte er auf Anhieb satte 10,7% der Wählerstimmen einfahren. Die Plakate, in denen er unter schwacher Beleuchtung in der Pose eines Rasierwasssermodels von Hugo Boss auftritt, haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Das umwerfende Programm seiner von der Industrie durchfinanzierten Partei? Nicht nur eine Aufweichung der Arbeitszeitgesetze im Sinne der Arbeitgeberlobby war angesagt (siehe Freitag), man hatte sich auch einen markigen Slogan ausgedacht, der von bedingungslosem Fortschrittswillen kündet: „DIGITAL FIRST. BEDENKEN SECOND.“ Obwohl ausnahmslos alle pädagogischen und neurophysiologischen Studien eine verheerende Wirkung der Digitaltechniken bei Kindern attestieren, plädiert Lindner für noch mehr und noch frühere Digitalisierung unserer Kinder.

Foto: flickr/Aris Gionis/CC BY-NC 2.0

Ralf Lankau, Professor für Mediengestaltung und Medientheorie, kommentiert das Ansinnen Lindners wie folgt:

„Würde er sein Plädoyer wirklich ernst meinen, müsste man sich in der Tat um seine geistige Gesundheit sorgen und ihn postwendend als nicht zurechnungsfähig aus dem Verkehr ziehen. Wer die notwendige Reflexion über die Folgen von Digitaltechnik, also die klassische Technikfolgenabschätzung ausblenden will, kann weder politisch noch als Person ernst genommen werden. Andererseits passt das ins Bild.  (…) Lindner ist nicht dumm. Es geht ihm um Aufmerksamkeit und darum, sich als Politmarke aufzubauen, getreu dem neoliberalen Selbstvermarktungsmotto: Mein Wahlkampf, mein Mandat, meine Karriere. Das Ego und die Karriere Einzelner stehen im Mittelpunkt, nicht politische Fragen und sozialverträgliche Lösungen. Und das heißt dann eben auch: Für das Erreichen der eigenen Ziele, darf man gerne auch das politische System beschädigen, koste es, was es wolle.“ (Quelle: studis online)

Lindner findet die neuen digitalen Werkzeuge natürlich fantastisch: Dank digitalem Marketing und Social Engineering kann man es heute sogar als absolute Null in eine Spitzenposition schaffen, in der man ausgesorgt hat. Obwohl man eigentlich nichts kann, stellen sich Lobbyisten und Journalisten reihenweise um Termine an, als ob das eigene Büro der Nabel der Welt wäre – ist das nicht wunderbar? Kein Wunder, dass Charaktere, die den Segen des digitalen „manufacturing consent“ am eigenen Leib erfahren haben, gar nicht genug von solcher Digitalisierung bekommen können. Wenn man Kindern schon von klein auf ein digitales Endgerät vor den Kopf schnallt, wer weiß – vielleicht sind dann für eine eingängig durchdesignte Marketingkampagne nicht  bloß 10% Wählerstimmen drinnen, sondern in Zukunft sogar 50% oder mehr?

Ein Steinmeier im Dienste Ihrer Majestät

Obwohl der tiefschwarz-giftgrün-eitergelbe Jamaika-Kelch nun also zum Glück an uns vorübergeht und in den Gulli geschüttet wird, kann leider noch in keiner Weise Entwarnung gegeben werden. Denn wie es derzeit aussieht, hat sich Martin Schulz bereit erklärt, als Lückenbüßer herzuhalten, damit das Projekt Merkel weitergehen kann. Obwohl zunächst fest entschlossen, sich mit der SPD in die Opposition zurückzuziehen, hat ihn Bundespräsident Steinmeier nach einem Vier-Augen Gespräch offensichtlich zum Umdenken bewegt. Worin Steinmeier die primäre Aufgabe des  deutschen Bundespräsidenten sieht, hat er bereits bei seinem Amtsantritt unmissverständlich bekundet (Quelle: bilanz.ch) :

«Der Bundespräsident, vor allem die Mitglieder der Bundesregierung müssen Überzeugungsarbeit leisten, dass das transatlantische Fundament nicht infrage gestellt wird.»

Schulz hat scheinbar verstanden, was ihm Steinmeier als Angstszenario ausgemalt hat, falls sich die SPD nicht für Merkel opfern will: Dann würde die transatlantische Ramstein-Kanzlerin nach dem Platzen des Jamaika-Dschungelcamps ihre letzte sichere Regierungsoption verlieren und den verlässlichen Freunden jenseits des Atlantik würden in Europa womöglich ihre Felle davonschwimmen. Sollen die Milliardeninvestitionen der PNAC-Brüder und CFR-Freunde so kurz vorm Endsieg etwa umsonst gewesen sein?

Obwohl ihm selbst vor der tödlichen Umarmung durch die Glyphosat-Kanzlerin graut („In eine Regierung von Angela Merkel werde ich nie eintreten“), hat Steinmeiers Appell scheinbar gegriffen und Martin Schulz ist nun selbstlos zum politischen Freitod bereit. Er bzw. seine SPD werde zwar „nicht billig zu haben sein“ verkündete er kurz nach dem Steinmeier-Rapport – was aber impliziert, dass er eben zu haben sei, und darum geht es ja in der Hauptsache (dass er nicht ganz billig zu haben sei, sondern noch ein bisschen Kleingeld rausschlagen wolle, wird jenseits des Atlantiks nur ein mitleidiges Lächeln bewirken –  als ob man bisher Kosten und Mühe gescheut hätte, um das in die Wege zu leiten, was den eigenen geostrategischen Zielen dient). Wie die Zeit vorgestern berichtete, scheint bereits alles auf Schiene zu sein:  CDU-Politiker Mohring diktierte den wartenden Journalisten folgenden Satz in die Blöcke: „Der Weg für eine große Koalition ist bereitet.“ Die Regierung werde bis März stehen.


Der Buntbarsch im Gurkenglas hat angebissen (Bild: Jacques Prilleau CC BY)

Auf Sicht fahren? – Nein, das geht gar nicht

Wer übrigens meint, dass Martin Schulz allzuviel zur Deeskalation beitragen wird, da er im Wahlkampffinale immerhin versucht hat, mit dem Verbannen von US Atombomben von deutschem Boden zu punkten, der wird wohl leider enttäuscht werden. Auf einem SPD-Parteikonvent verkündete auch Schulz aus vollem Hals seine bedingungslose Kapitulation vor dem Fortschritt und fordert, dass man in Deutschland keinesfalls „auf Sicht fahren“ dürfe, wenn man mit dem globalen Fortschritt mithalten wolle (siehe aufwachen-podcast). Die Losung lautet also „nicht auf Sicht fahren“ sollen sondern volle Pulle voraus, d.h. Schulz nimmt ganz bewusst in Kauf, dass wir, wenn wir im derzeitigen Nebel nochmals voll aufs Gas steigen, gegen die bereits in Sichtweite befindliche Wand bzw. in den Grand Canyon fahren. Ist das nicht vollkommen abgefahren, dass man so etwas heute ungestraft sagen kann? – Ich meine, jeder Lokführer, der mit dieser Devise unterwegs ist, würde wegen Gemeingefährlichkeit sofort fristlos entlassen werden.

Und wenn Schulz meint, dass bei der nebelschwangeren Hochgeschwindigkeitsfahrt über die Atlantikbrücke auf der rechten Spur ohnehin freie Bahn sei, dann hat er leider seine Rechnung ohne die Geisterfahrer von PNAC & Co. gemacht, die als „Kings oft he road“ einen feuchten Kehricht auf Verkehrsregeln und Rechtsfahrgebote geben.

Ein Puff für alle

Falls es nicht durch einen unerwarteten Tsunami doch noch zu Neuwahlen kommt, wird also die halsbrecherische Konfrontation mit Russland ebenso voranschreiten wie die schleichende Vergiftung unserer Lebengrundlagen durch Glyphosat und durch suizidalen SpiegelBildjournalismus. Und damit wir vor den Herausforderungen der Zukunft dann auch wirklich vollkommen nackt und kahlrasiert dastehen, soll unserer nachkommenden Generation durch frühkindliche Digitalisierung das Gehirn flachgebügelt und das Nervensystem sklerotisiert werden. Was dann oben im Kopf fehlt, soll im Gegenzug von Richtung der Genitalien angeschoben werden, um den vollkommen entgrenzten, zu allem bereiten Wettbewerbsbürger neoliberalen Zuschnitts zu züchten: Aufgepeppt durch grün-rotes Gender Madstreaming und „dekonstruktivistische Sexualpädagogik“ baumeln in Klassenzimmern bereits Dildos und Vaginalkugeln, werden unsere Kleinen im Unterricht darüber in Kenntnis gesetzt, dass man auch mit Sado-Maso in der Dunkelkammer Spaß haben kann (siehe welt.de). Durch frühkindliche Masturbation für 0-4jährige laut transatlantischer WHO-Richtlinie vorbereitet, sollen die Kinder im Unterricht ein „Puff für alle“ bauen und Analverkehr simulieren. Man frägt sich, was für ein Puff die fortschrittlichen Gender-Ideologen im Sinn haben, wo man doch in einer jüngsten ZDF-Doku erfährt, dass Deutschland bereits das größte Bordell Europas und zum Paradies für Sextouristen aus der ganzen Welt geworden ist (siehe  ZDFinfo: „Bordell Deutschland“ – abrufbar nur zwischen 22.00 und 6.00 Uhr).

Inzwischen gibt es bereits Erfahrungen mit den praktischen Auswirkungen der neuen Frühsexualisierung, die unsere Bundesregierung aber genauso kalt lassen wie sämtliche wissenschaftlichen Studien über die fatale Wirkung digitaler Medien auf Kinder. Im Deutschlandfunk erfährt man etwa über eine Mainzer Kita, die geschlossen werden musste, nachdem sich Kinder mit sexuellen sadistischen Gewalthandlungen gegenseitig quälten, ihre Kameraden unter Zwang entblößten und ihnen Gegenstände in die Anusöffnungen steckten. Zurück bleibt ein Scherbenhaufen von über 50 schwer traumatisierten Kleinkindern. Michael Huss, Chefarzt der Kinder- und Jugend-Psychiatrie der Rheinhessen-Fachklinik zögert noch mit der Schlussfolgerung,  ob die fortschrittlichen sexualpädagogischen Materialien wie etwa die „Pimmelpuppe Lutz“, deren Plastikpenis die Kleinkinder in die Vulva einer entsprechenden weiblichen Puppe stecken können, denn etwa womöglich doch „altersunangemessen“ gewesen sein könnten:

„Gar nicht so klassisch jetzt im sexuellen Missbrauchssinn zu verstehen, sondern eher eine stark sexuell getönte sadistische Gewalthandlung, die da zwischen den Kindern vollzogen wurde mit Erpressung, Unterdrückung, Demütigung. Das sind sehr sadistisch gewaltgeprägte Impulse, da muss man tatsächlich davon ausgehen, dass sich die Kinder das mit dieser Tönung nicht selbst ausdenken. Und ob das nun pornografisches Material ist, dem die altersunangemessen ausgesetzt waren, oder ob an ihnen selbst auch sexueller Missbrauch verübt wurde, das sind Spekulationen, aber in diese beiden Richtungen geht natürlich unser denken.“

Auch die Mainzer Staatsanwaltschaft war bei den Ermittlungen in der Kita ratlos und wusste nicht, „wie die Beteiligung von handelnden und betroffenen Kindern zu gewichten ist (…) Wer konkret von den sieben fristlos gekündigten Mitarbeitern und der Leitung als mutmaßliche Beschuldigte in Frage kommt, steht noch nicht fest.“ – am Ende wird es also wieder einmal niemand gewesen sein.

Wenn uns der nukleare Holocaust erspart bleibt, dann dürfen wir uns jedenfalls auf den sexuellen Overkill freuen, in einer Gesellschaft, in der viele Menschen unfähig sein werden für eine wirkliche partnerschaftliche Beziehung, da sie von klein auf dahingehend konditioniert wurden, in ihren Mitmenschen nur ein Lustobjekt für die eigene Triebbefriedigung zu sehen.


Foto: Fetish street festival – CC BY-SA 2.0/Wikimedia commons/Franco Folini

Apokalypse Now

Kommen wir jetzt aber zum Ende. Was soll man denn noch sagen angesichts des politischen Tagesgeschehens und der sich täglich auf Neue übertreffenden Nachrichten über immerzu noch absurderen Wahnsinn, bei dem man sich die Augen reiben muss und sich nicht mehr gewiss ist, ob man nun wacht oder das Ganze nur träumt? Nicht wenige resignieren und meinen, es sei ohnehin vergeblich, sich der mit normalem Menschenverstand nicht mehr nachvollziehbaren Eskalationsdynamik (siehe auch „Die Götterdämmerung 2017 und die kollektive Lust am Untergang“) entgegenzustellen. Ich weigere mich nach wie vor vehement, zu resignieren, denn es bräuchte bloß den Willen, aus der Unterhaltungsnarkose aufzuwachen und der ganze Spuk müsste sich in kurzer Zeit verziehen wie die Auspuffgase eines softwaremanipulierten VW-Motors im Wind.

Der große Trugschluss ist allerdings, dass der Merkel’sche Mummenschanz immerzu so weitergehen könnte. Wir haben nämlich aktuell einen Punkt erreicht, an dem wir auf Messers Schneide stehen. Niemand hätte gedacht, dass dann, wenn das transatlantische Hasardspiel wirklich ans existenziell Eingemachte geht, auf Regierungsebene ein derartiges Aussetzen der Vernunft und des Überlebenstriebes stattfindet. Als notorischer Zweckoptimist würde ich es zwar gerne anders sehen, aber bei nüchterner Betrachtung kommt man nicht umhin festzustellen, dass die Verhältnisse bereits dermaßen unerträglich und unser soziopolitisch-mediales System durch ein teerartiges Konvolut an Lügen und Manipulationen dermaßen verfilzt und ebenso wie die Gesprächskultur vergiftet ist, dass es naiv wäre, anzunehmen, dass es auf diese Weise noch allzulange weitergehen könnte. Der Breakdown könnte sogar relativ schnell kommen – falls man die Ägide Merkels bzw. Sloterdijks „Lethargokratie“ tatsächlich unbeirrt fortschreiben möchte, dann womöglich schon in den ersten Monaten des kommenden Jahres.

Ich rede nicht leichtfertig von Zusammenbruch, habe mich bisher auch immer gegen schnellfertige Untergangsphantasien gewehrt, aber man muss beim derzeitigen Stand der Dinge kein Hellseher sein, um Schlimmes kommen zu sehen. Selbst ein kurzsichtiger Mensch mit dicker Brille wie ich kann dies bereits absehen. Nicht weil ich in eine Kristallkugel geblickt habe, sondern schlichtweg bereits aufgrund elementarer physikalischer Gesetzmäßigkeiten: Entgegen dem Bekunden der Kanzlerin ist es nämlich nicht möglich, weichen Kuh-Dung 100 Meter hoch zu stapeln. – Auch dann nicht, wenn man diesem Misthaufen als Bindemittel Glyphosat beimischt und unseren Kindern möglichst früh ein Tablet vor den Kopf schnallt und sie zu Neanderdigitalen erzieht. Wenn der bis zur Rotglut erhitzte Motor unseres Wagens kurz vorm Kolbenreiber steht, dann wird es auch nichts nützen, die rot blinkenden Warnlämpchen aus dem Armaturenbrett zu schrauben, indem man Maaslose Maulkorbgesetze erlässt und auf „Verschwörungstheoretiker“ und „Querfrontler“ eindrischt. Das Blinde-Kuh-Spiel der Kanzlerin wird dann nur umso schneller in den Grand Canyon führen.

Unsere letzte Hoffnung: Herkules, Kastalien und die Kleeblattpartei

Trotzdem möchte ich nicht mit dem schwarzen Treibsand der Tagespolitik enden, sondern mit etwas Erbaulichem. Immerhin ist der apokalyptische Reiter Jamaika vorerst am Bundestag vorbeigeritten und wir haben eine Atempause. Der schwarz-grün-gelbe Jamaika-Cocktail wäre zweifellos der endgültige Schierling für unsere ohnehin bereits darniederliegende Kultur gewesen und hätte aus dem ehemaligen Land der Dichter und Denker ein Bassin für Lemuren und Kriechlurche gemacht. Derzeit sind auf der Politbühne zwar noch keine hoffnungsvollen Alternativen zum reinen Wahnsinn ersichtlich, aber wer weiß: vielleicht haben die Bürger im Falle von Neuwahlen ja nun endgültig die Schnauze voll vom Wahnsinn und wählen die Kleeblattpartei. Diese noch nicht gegründete Partei könnte schon nächste Woche die Bühne betreten und müsste eigentlich auf Anhieb auf mindestens 80% der Stimmen kommen, wenn uns unser Überleben lieb ist.

Während meiner Recherchen zum PNAC bin ich zufällig auch auf ein ganz anderes Thema gestoßen, das zunächst off topic erscheint, in Wirklichkeit jedoch aktuell ist wie noch niemals zuvor: Hermann Hesses „Kastalien“. In der ARTE-Doku „Hermann Hesse – Der Weg nach innen“ (siehe YouTube) wird Hesse kurz vor Ausbruch des Weltkriegs mit den Worten zitiert: „Wenn wenigsten die paar denkfähigen Menschen sich zu Vernunft und Friedensliebe bekennten statt blind und besessen auf einen neuen Krieg loszusteuern.“

Am Ende der Hesse-Doku kommt der Schweizer Literaturwissenschaftler Adolf Muschg zu Wort, der uns an „Kastalien“ erinnert, dem Entwurf einer auf dem Geist und nicht auf Macht und Technizismus beruhenden Gesellschaft, wie sie Hesse in seinem Hauptwerk „Das Glasperlenspiel“ skizziert. Im Deutschland von damals war diese Buch, das Hesse später den Nobelpreis einbringen sollte, streng verboten. Die Vorstellung eines an Kastalien orientierten Systems sei laut Adolf Muschg heute wieder von größter Aktualität, an die wir seines Erachtens anknüpfen sollten.


Hermann Hesse (Foto: PD)

Vielleicht würde es uns ja helfen, den Blick vom heillosen Treiben der sogenannten „Realos“ auf der politisch-ökonomischen Bühne loszureißen  und uns stattdessen wieder in Hesses Glasperlenspiel zu vertiefen. Ich kann mich an den Inhalt dieses Buches, das ich als Achtzehnjähriger zum ersten Mal gelesen habe, nur vage erinnern, weiß aber noch, dass Hesse darin, wie eigentlich in allen seinen Werken, auf die Quellen hinweist, die uns als Kindern des mitteleuropäischen Abendlandes eigentlich reichlich fließen, die wir im szientistisch-technokratischen Fortschrittstaumel aber unbedachterweise vergessen und zugeschüttet haben. Stattdessen haben wir uns elektronischen Surrogaten und Illusionen zugewendet, die uns aber nicht nur leer ausgehen lassen, sondern uns sogar sukzessive aushöhlen.

Wenn wir aber fähig sind, in geologisch schwierigem Boden ein Tunnelbau-Mammutprojekt wie Stuttgart 21 durchzuführen, dessen Kosten sich laut neuesten Schätzungen auf bis zu 10 Milliarden Euro auswachsen werden, nun, dann sind wir vielleicht auch fähig, die von Hermann Hesse angedeuteten Quellen wieder freizulegen. Es wird uns zwar gewiss einigen Schweiß kosten, diese Quellen zu erschließen, da ihre Flussrichtung in eine diametral andere Richtung geht, als dies unseren Gehirnwindungen durch Schule, Uni und Medien aufgeprägt wurde, aber wenn wir es schaffen, sie zum Fließen zu bringen, dann können wir dasselbe machen wie seinerzeit Herkules, als er vor der Aufgabe stand, die hoffnungslos verdreckten Ställe des Königs von Augias auszumisten. Was für Menschenhand schier unmöglich erschien, hat Herkules schließlich dadurch bewältigt, indem er einen kräftigen Fluss in die Ställe umgeleitet und sie dadurch saubergespült hat.

Nachsatz:

Wie schon erwähnt, war Hermann Hesses Glasperlenspiel  in Deutschland seinerzeit streng verboten. Merkels Massmännchen hätten das Werk auch heute zweifellos wieder auf die Indexliste gesetzt, besitzt es doch eindeutig wehrmachtzersetzende Wirkung. Die Gefahr, dass solche Bücher in größerem Umfang gelesen werden, wurde durch die oben ausgeführte Politagenda mit frühkindlicher Digitalisierung und Animalisierung jedoch bereits wirkungsvoll eingedämmt. Dschungelcamp, Heidi Klums Grinsekatzenshow und 24h-Nonstop-Entertainment leisten diesbezüglich ganze Arbeit. Das darf uns jedoch nicht entmutigen, sondern soll uns nur noch mehr anspornen. Denn im Gegensatz zu früheren Generationen können wir uns heute nicht mehr auf die kommende Generation verlassen, die den Dingen eine Wende geben wird und die alte, unbrauchbare Strukturen durch neue, menschenwürdige ersetzt – ihr wird schlichtweg die Substanz dazu fehlen. Wir können diese Aufgabe also nicht so wie die Staatsschulden einfach der kommenden Generation aufbürden, sondern wir müssen sie jetzt selbst bewerkstelligen (siehe auch Edward Snowden: „Niemand wird Dich retten – Sei Dein eigener Held!“).

Das soll uns jetzt aber nicht unnötig Stress machen. Denn auch wenn es natürlich notwendig ist, dass wir durch Wachheit und rege Beteiligung am aktuellen Diskurs dazu beitragen, das Schlimmste zu verhindern, so muss man die Situation doch so realistisch sehen, dass das etablierte politisch-ökonomisch-mediale System eigentlich kaum reformierbar ist und es daher auch nicht unbedingt sinnvoll ist, sich durch politischen Aktivismus allzusehr zu verausgaben. Dazu hat dieses System bereit vielzuviel Masse akkumuliert und besitzt nun ähnlich wie ein schwarzes Loch eine gewaltige Gravitationskraft, die geneigt ist, alles zu verschlingen. Das schwarze Loch agiert hier vollkommen indifferent: Konstruktives wird ebenso in einem bodenlosen Nichts verschlungen wie Destruktives.

Auch wenn unser Aktionsradius also momentan scheinbar gering ist, so können wir trotzdem etwas außerordentlich Wichtiges tun: wir können ein paar Samen für die Zukunft säen. – Denn dass es in Zukunft solche Samen gibt, darauf wird es ankommen, auch wenn die aktuelle Zeit – zumindest was die makropolitische Ebene betrifft – relativ verloren erscheint. Gibt es zumindest ein paar solcher Samen, dann kann man sie gießen und wieder zum Blühen bringen. Wenn man seinen Samen aufbewahrt, dann kann man sogar einen Mammutbrotbaum durch eine Eiszeit bringen und ihn später wiedererstehen lassen. Vielleicht ist das Kultivieren winziger Samen mit umso höherer Qualität heute daher sogar als weitaus wichtiger zu erachten als das, was sich auf der großen Polit- und Wirtschaftsbühne abspielt, auf die gerade alle Scheinwerfer und Kameras gerichtet sind. Lassen wir also den Mut nicht sinken und verausgaben wir uns nicht allzusehr für die relativ heillose Gegenwart bzw. für ein eigentlich kaputtes System, sondern arbeiten wir für die Zukunft … und kultivieren wir zumindest ein paar winzig erscheinende Samen – ich denke, das sind wir unseren Kindern schuldig. Und in Wirklichkeit hilft das Samen-Erzeugen nicht nur der Zukunft, sondern auch einem selbst: Es bewahrt vor der Großen Depression, die laut WHO-Prognose auf uns zukommt.

Wie man solche Samen erzeugt? – Nun, jedes konstruktive Wort, jeder konstruktive Gedanke, der nicht auf dem egoistischen Nutzprinzip und auf nackten Tatsachen beruht, sondern aus dem Reich humanistischer Poesie wie eben z.B. Hesses Glasperlenspiel geschöpft ist, IST bereits ein solcher Same. In Wirklichkeit sind genau diese Samen die einzige wirkliche Revolution und gewissermaßen der Sand im Getriebe, der das von Jean Ziegler als „kannibalische Weltordnung“ bezeichnete System in Zukunft einmal überwinden wird.

Eingekocht und ausgegart – über das alternativlose Wahlergebnis und die Logik des Gänsebratens

(Bilder: Jacques Prilleau)

Ehrlich gesagt, hege ich insgeheim die Hoffnung, dass heutzutage professioneller Wahlbetrug stattfindet und die uns präsentierten Ergebnisse gar nicht echt sind. Sonst müsste ich mich nämlich fortan mit einem sehr flauen Gefühl in der Magengrube in den morgendlichen Straßenverkehr begeben. Denn wenn bei einer unerwartet hohen Wahlbeteiligung von immerhin 76,2% fast jeder dritte Wähler derjenigen Frau seine Stimme gegeben hat, die Deutschland und Europa so nah an den Verglühungstod herangeführt hat wie noch niemals zuvor (siehe „Angela Merkel und das namenlose Grauen“) und man nun weiß, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil der Autofahrer, die einem auf der Gegenfahrbahn entgegenkommen, potentiell suizidal veranlagt ist, stellt man sich schon die Frage, ob die Kriterien der Vernunft nun vollends außer Kraft gesetzt wurden.

Während sich unsere Leitmedien nach dem gestrigen Wahlabend darüber ergießen, ob sich der Bundestag nun in den Farben einer Jamaika-Koalition oder in den Farben einer Schinken-Käsepizza konstituieren wird, kann sich der Träger der unsichtbaren Hand des Marktes grinsend in seinem Schreibtischsessel zurücklehnen, die Füße auf den Tisch schlagen und sich genüsslich eine dicke Zigarre anrauchen. Für ihn sind die angeblich so überraschenden Wählerstromverschiebungen, die gestern stattgefunden haben, nur Ameisengetümmel. Alles läuft weiterhin wie geschmiert. Wie der Kognitionsforscher Rainer Mausfeld in einer jüngsten Analyse herausgearbeitet hat (siehe Rubikon), bereiten Wahlen in einer repräsentativen Demokratie den Mächtigen schon lange keine Sorgen mehr, sondern sind selbst im Falle vollständiger Politfrustration jedesmal aufs Neue nur eine willkommene Gelegenheit, um die neoliberale Schlinge der Verwertungslogik noch ein Stück enger zu ziehen.

„Mit dem Mechanismus der parlamentarischen Repräsentation lässt sich dies bewerkstelligen, da zwar die parlamentarischen „Volksvertreter” abgewählt werden können, jedoch nur durch andere Mitglieder aus dem Spektrum vorgegebener Elitegruppierungen ersetzt werden können. Diese Form einer repräsentativen Demokratie hat gegenüber offen autoritären Herrschaftsformen, wie etwa dem Feudalismus, den Vorteil, dass sich ein Veränderungswille der Bevölkerung nicht gegen die eigentlichen Zentren der Macht richten kann, sondern nur gegen ihre vordergründigen Erscheinungsformen, die parlamentarischen Repräsentanten und Regierungen.“
(R. Mausfeld)

Zur Wahl standen auch dieses Mal lediglich Komplementärfarben aus der transatlantischen Mottenkiste, dank deren wie auch immer gearteter Kombination jedenfalls eines feststeht: Das große Fracken der Umwelt- und Humanressourcen kann weitergehen. Wer also noch genügend Kleingeld hat, um in Aktienfonds der Zitronenpressenindustrie zu investieren, der wird in den nächsten Jahren bestimmt nicht enttäuscht werden … (siehe auch: „Heute Griechenland, morgen wir“)

Nachdem SPD-Führer Schulz ja bereits vor der Wahl im Fernsehduell durchblicken hat lassen, dass er mit dem Oppositionssessel liebäugelt und geneigt ist, das Schicksal Deutschlands vollends Merkels transatlantischer Flachmannschaft zu überlassen, steht nun eine schwarz-gelb-grüne Koalition im Raum. Albrecht Müller, dem ehemaligen Wahlkampfmanager von Willy Brandt, schwant bereits Übles:

„Mit Merkel, Lindner und Göring-Eckardt am Kabinettstisch wird das Land gesellschaftspolitisch vermutlich weiter in Richtung Neoliberalismus verschoben …. Vermutlich wird die absehbare Koalition in der wichtigen Frage unserer Abhängigkeit von den USA wie auch bei der damit verbundenen Frage des Verhältnisses zu Russland schlimmer agieren als die Große Koalition. Dort zeigte sich zumindest zuletzt bei Außenminister Gabriel ein Stück Vernunft und Friedfertigkeit gegenüber Russland, und Vernunft auch in Fragen der Sanktionen. Die Grünen Spitzenkandidaten Özdemir und Göring-Eckardt sind hingegen eingefleischte Atlantiker und Russenhasser.“ (Quelle: Nachdenkseiten)

Indem sich die SPD nun in die Opposition zurückzieht, ist die CDU von jenem Hemmschuh befreit, der sich aufgrund seines noch in sozialromantischen Zeiten festgeschriebenen Parteiprogramms berufen gefühlt hat, zumindest ab und zu „Pieps“ zu sagen und den Finger zu heben, wenn die fest in transatlatischen Lobbyverbänden inkorporierte Rautenkönigin das Zepter geschwungen und den Ausbau der Deutschen Bahngleise in Richtung Grand Canyon angeordnet hat. Die Transatlantisch-Nihilistische Kommerzpartei (TNKP), die sich aus wahltaktischen Gründen immer noch „CDU“ nennt, wird also ebenso wie Macrons „En Marche“ mit seinen sagenhaften 13,4% der wahlberechtigten Stimmen nunmehr schrankenlos durchregieren können. Zur Rolle der durch großzügige Bankspenden bedachten FDP in der kommenden Koalition brauche ich, glaube ich, nicht viel zu sagen. Die Definition des Eifelphilosophen (FDP = CDU, ganz ohne „Christlich“, nur noch Wirtschaft) sagt bereits, wohin die Reise gehen wird. Welche neoliberalen Qualitäten die AfD als Opposition einbringen wird, kann man unter anderem auf Telepolis nachlesen. Auch die grünen Schrumpelpfefferonis auf der demnächst servierten Koalitionspizza werden dem Zug Richtung Grand Canyon nicht im Weg stehen, sondern ihn nach Kräften mitheizen (siehe „SOS im Grünen Buntbarsch-Aquarium“).

Damit der Alltag  unter dem knallharten neoliberalen Wirtschaftsprogramm von CDU und FDP  nicht vollends die Lust verliert, werden die Grünen Koalitionspartner – die trotz reinem Katzenstreuprogramm immerhin einen Stimmenanteil von fast 9% eingefahren haben – dieses Wirtschaftsprogramm mit einer fortschrittlichen, liberalen Kulturoffensive garnieren: Dildos im Klassenzimmer, frühkindliche Masturbation für 0-4jährige laut WHO-Richtlinie,  im Unterricht „ein Puff für alle bauen“ und Analverkehr simulieren, Sado-Maso und Dunkelkammer für Karottenkönige im Klassenzimmer (einfach selbst mal nach diesen Stichworten googeln), Gender-Madstream und die totale Digitalisierung unserer Kinder sind angesagt. Die mit der sexualpädagogisch nicht unerfahrenen Kirche eng verbundene CDU findet das alles offensichtlich „geil“ und will als bedingungslos fortschrittliche Partei auch auf dieser Ebene den Fortschritt nicht länger verhindern. Altbackene Familienmodelle mit stabilen Mann-Frau Beziehungen ebenso wie geschlechtliche Identitäten müssen schleunigst aufgelöst werden, wie soll man sonst den vollkommen entgrenzten, bindungslosen und zu allem bereiten „Arbeitskraftunternehmer“ züchten, den der freie Markt fordert? (siehe Rubikon: „Wenn Arbeit psychisch krank macht“) Um diesen Menschen zu züchten, müssen bereits in der Kinderstube alle analogen Rückzugsräume entzogen werden und unsere Kleinen so früh wie möglich an einen LED-Flatscreen angestöpselt werden, auch wenn dies allen bisherigen pädagogischen und neurophysiologischen Erkenntnissen widerspricht und kompetente Nervenärzte wie Dr. Manfred Spitzer die geplante digitale Bildungsoffensive als ein Ticket in die digitale Demenz ansehen. Siehe dazu auch ein Essay von Prof. Konrad Paul Liessmann:

„… Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es manchen nicht schnell genug gehen kann, bis die jungen Menschen jede Form des Denkens, Fühlens und Handelns, die nicht von den Algorithmen der Internetkonzerne bestimmt ist, nicht nur verlernt, sondern erst gar nicht gelernt haben und dadurch in jeder Hinsicht von ihren Geräten abhängig werden: digitale Drogen, nun auch staatlich verordnet.

Von der Seite der Pädagogen ist kaum Protest zu erwarten, wer möchte schon als technik- oder fortschrittsfeindlich gelten. Dass der vielbeschworene kritische Umgang mit den digitalen Medien eine Distanz zu diesen zur Voraussetzung hat, die sich aus Kenntnissen und Fähigkeiten speisen muss, die sich nicht der digitalisierten Welt verdanken, ist eine Einsicht, die ausgeblendet wird, obwohl gerade darin eine der zentralen Aufgaben von Schulen läge. Immerhin: Für das unmündige Leben in einer postdemokratischen Gesellschaft, deren digitalisierte Kommunikation zunehmend totalitäre Züge annimmt, werden diese jungen Menschen bestens vorbereitet sein.

Und nach der Katastrophe wird es wieder einmal niemand gewesen sein.“ (Quelle: nzz)

Fünf statt vier Jahre wollen die grünen Harlekins und ihre großen Onkels und Tanten nun Zeit haben, um diesen Fortschritt auf Schiene zu bringen. Wer in diesem Land dann immer noch nicht gut und gerne lebt, der ist wirklich von gestern und sollte am besten ebenso in einen Recyclinghof ausgelagert werden wie die Scharen an Minderleistern, die dann das Land bevölkern werden und die dem Fortschritt nur im Weg stehen.

Selbst wenn man die Pizzakoalition nach diesem menschheitsgeschichtlich einmaligen Regierungsprogramm wieder abwählen wollte, wird sich dem Zug, der dann auf Volldampf geheizt ist, womöglich niemand mehr entgegenstellen können, ohne dabei plattgemacht zu werden.

Viele witzeln gerade über das jüngste Wahlergebnis in einer Art von hilflosem Humor: „Nun, das gleiche wie immer, nur viel schlimmer.“ Aber was soll man auch sagen, wenn einem in Wirklichkeit die Worte fehlen? Wie soll man ein solches Wahlergebnis interpretieren? Ist der Wähler bloß der Logik des Gänsebratens gefolgt, wonach es für einen bereits gerupften, filetierten und im Ofenrohr befindlichen Braten keinen Sinn macht, eine Unterbrechung des ihm gemachten Garaus zu fordern und so zumindest eine schmackhafte Mahlzeit für die unsichtbare Hand des Marktes abzugeben? – Nun, vielleicht wäre wirklich niemandem geholfen, wenn der bereits leicht angeschmorte Braten vorzeitig aus dem Backrohr springt und sich die unsichtbare Hand womöglich ihren weißen Hemdsärmel bekleckert, wenn sie in einen Braten hineinsticht, der noch nicht durch, sondern noch halb blutig ist …

 

Angela Merkel und das namenlose Grauen … wollen einfach nicht in Ruhestand gehen

(Bild: cc by Jacques Prilleau)

Nicht einmal am Sonntag hat man seine Ruhe. Während Merkel und Schulz bei ihrem gestrigen Duett – pardon: Duell natürlich, Schlaftabletten verteilten, zündete Nordkorea eine Wasserstoffbombe, nachdem es bereits eine Langstreckenrakete über das benachbarte Japan geschickt hatte. Doch nicht nur in Nordkorea droht die Lage zu eskalieren. Allerortens kriechen retardierende Kräfte aus ihren Löchern und mobilisieren zum Angriff. Die US Senatoren McCain und Graham haben 2017 zum „Jahr der Offensive“ ausgerufen,  womöglich um einen durch eine jüngsten Pentagon-Studie prognostizierten Kollaps der USA (siehe Rubikon) doch noch abzuwenden. Indes übt sich die NATO im Abwerfen von Übungsatombomben an der russischen Grenze, „um einem Erstschlag der Russen zuvorzukommen“. Die deutsche Bundeskanzlerin reicht zum neuen Kalten Krieg eifrig ihre Hände und entsendet erstmals seit dem 2. Weltkrieg wieder Panzer an die russische Front. Russland schickt wiederum Schiffe mit nuklearen Marschflugkörpern ins Mittelmeer. Auch China legt als Antwort auf die von US-Außenminister Rex Tillerson angekündigte „härtere Gangart“ die nukleare Karte auf den Tisch und warnt vor einer „verheerenden Konfrontation“ (siehe Presse). Der russische UN-Botschafter Vasily Nebenzya bezeichnet die Beziehungen zwischen Russland und den USA mittlerweile als „schlechter“ als im Kalten Krieg,  also dramatischer als in jener Zeit, in der die Menschheit mehrmals nur knapp an einer nuklearen Katastrophe vorbeigeschlittert ist.

In der Fülle an katastrophalen Bildern, die täglich auf uns einstürmt, geht womöglich an vielen vorbei, was solche Aussagen und scheinbar nüchternen diplomatischen Codes bedeuten. Wie auch Götz Eisenberg bemerkt, „verschlingen wir unentwegt eine derart hohe Dosis an Dramatik, dass wir jede Fähigkeit zur Verarbeitung und Wahrnehmung einzubüßen drohen (…) Die Fülle der Nachrichten wird zum Widersacher der Wahrheit, unsere Aufnahmefähigkeit und Verarbeitungskapazität kollabiert unter dem Ansturm schrecklicher Bilder.“

Den wenigsten, die gestern Abend dem TV-Duell zwischen Merkel und Schulz zugeguckt haben (bei dem das Kanzleramt bereits von vornherein diktiert hat, was angesprochen werden darf und was auf keinen Fall – siehe Spiegel) , dürfte z.B. bewusst sein, dass die entgegen den massiven Warnungen Russlands in Europa stationierten NATO-Raketenabwehrstationen auch als Angriffswaffe konzipiert sind und Russland Atomraketen mit großer Sprengkraft auf Primärziele in Ramstein und Kaiserslautern gerichtet hat, da sich dort die Kommandozentralen des US-Raketenschildes befinden. Im Falle eines US-Raketenangriffs von deutschem Boden bliebe Russland nur eine Vorwarnzeit von ca. 15 Minuten, sodass die gesamte Region schon bei einem nur irrtümlich gemeldeten Lenkwaffenanflug sofort komplett ausgelöscht und Deutschland durch radioaktiven Fallout weiträumig verseucht würde.

Erzählungen aus dem Osten

In Zeiten des Kalten Krieges gab es bereits mehrere irrtümlich von Computersystemen ausgelöste Raketenalarme, bei denen das Auslösen eines verheerenden Gegenschlages nur um Haaresbreite verhindert werden konnte – manchmal nur, weil ein couragierter Ziviloffizier entgegen der Vorschrift gehandelt hat so wie seinerzeit Stanislav Petrow (siehe Spiegel):

„Kurz vor Mitternacht jaulten die Sirenen, auf dem 30 Meter messenden Bildschirm vor Petrow leuchteten rote Buchstaben auf: START. Das System hatte den Abschuss einer Atomrakete von einer US-Basis registriert. Spionagesatellit Kosmos 1382, seit einem Jahr im All, meldete den Beginn der Apokalypse. 25 Minuten blieben bis zum Einschlag, irgendwo in Russland.

(…)

Petrow jedoch bewahrte Ruhe. Er erhob sich von seinem Pult. Jeder seiner Untergebenen sollte ihn sehen. Er konnte jetzt keine Panik gebrauchen, er brüllte: „Hinsetzen! Weiterarbeiten!“

(…)

Dann rief er seinen Vorgesetzten an. „Es ist ein falscher Alarm“, rapportierte Petrow. Die Leitung knisterte. „Verstanden.“ Als Petrow auflegte, jaulten die Sirenen erneut: Kosmos 1382 meldete den zweiten Raketenstart und wenig später den Anflug drei weiterer Raketen. Die Systeme in Serpuchow-15 liefen einwandfrei, sie melden keine Fehler. Petrow misstraute den Riesenrechnern, die in 16 Schränken leise schnurrten, dennoch: „Wir sind klüger als die Computer. Wir haben sie geschaffen.“

Niemals war die Welt der atomaren Vernichtung näher als in dieser Nacht, sagt Bruce Blair, US-Abrüstungsexperte und heute Chef des World Security Institute. „Die oberste sowjetische Führung hätte, wenn sie über einen Angriff informiert worden wäre und da sie binnen Minuten einen Entschluss fällen musste, die Entscheidung für einen Vergeltungsangriff getroffen.“ Andropow, der damals bereits vom Krankenbett aus regierte, hätte wohl den „roten Knopf“ gedrückt – und damit einen tatsächlichen Nuklearschlag der Amerikaner provoziert.

(…)

„Die Welt kann froh sein, dass ich in dieser Nacht das Kommando geführt habe – und kein dumpfer Militär“, sagt Petrow heute. Vielleicht hätte ein Militär anders entschieden, streng nach Vorschrift, vermutlich falsch. Petrow dagegen vertraute seinem Gefühl. <<

Erzählungen aus dem Westen

Auch von amerikanischer Seite erfahren wir mit einigen Jahrzehnten Verzögerung, wie oft wir bereits am Abgrund vorbeigeschrammt sind. Computerfehler oder menschliche Fehlinterpretation hätten die Welt schon öfters beinahe in ein nukleares Inferno geführt. Der ehemalige Oberbefehlshaber der US-Atomstreitmacht, Lee Butler, erzählt: „Wir handelten wie Betrunkene!“ (siehe Spiegel):

Butler: Es gab viele Krisensituationen, die meisten wurden niemals bekannt.

SPIEGEL: Zum Beispiel?

Butler: Zum Beispiel wurde ein Nato-Manöver von den Sowjets als Vorbereitung eines realen Angriffs missinterpretiert.

(…) Die nuklearen Beziehungen zwischen den USA und der Sowjetunion waren voller Krisen. Lange Zeit, oft Jahre, passierte wenig, worüber wir ernsthaft hätten besorgt sein müssen. Plötzlich gab es einen simplen Computerabsturz oder die falsche Interpretation eines Radarbildes – schon stolperten wir in eine Krise und standen am Abgrund zur nuklearen Apokalypse.“

SPIEGEL: Sie hatten aber doch den nuklearen Krieg geplant, was haben Sie denn in das Papier hineingeschrieben?

Butler: Der strategische nukleare Kriegsplan bestand hauptsächlich aus mathematischen Formeln (…) Bei der Frage nach der Zahl der Opfer fühlte ich mich an Josef Stalin erinnert, der gesagt hatte, der Tod eines einzelnen Menschen ist eine Tragödie, der von Millionen aber eine statistische Größe.

(…) In den 50 Jahren des Kalten Krieges haben die Vereinigten Staaten rund sechs Billionen Dollar für ihre Nuklearbewaffnung ausgegeben. Wir haben 70 000 nukleare Sprengköpfe für 116 unterschiedliche Waffentypen entwickelt, die von 65 verschiedenen Trägersystemen abgefeuert werden konnten. Wir haben sogar Artilleriegranaten mit Atomsprengsätzen bestückt. Nein, wir haben niemals die volle Bedeutung unseres Arsenals verstanden.

SPIEGEL: Ob die atomare Zerstörung Hiroshimas und Nagasakis moralisch zu rechtfertigen sei, wurde außerhalb Amerikas oft diskutiert. Gab es in den USA offizielle Gremien, die sich damit befassten?

Butler: Nicht dass ich wüsste.  (…)

SPIEGEL: Sie waren mitverantwortlich für die Auswahl der 12 500 Ziele, in die Amerikas Nuklearsprengköpfe im Ernstfall einschlagen sollten. Wussten Sie eigentlich, was Sie da geplant hatten?

Butler: Ich war als Direktor der strategischen Nuklearkriegsplanung im Pentagon mitverantwortlich; ich habe aber nie die Bedeutung des Gesamtplans begriffen.

(…)

SPIEGEL: Fühlt sich Russland bedroht?

Butler: Das wäre kein Wunder. Es gibt keinen Warschauer Pakt mehr, wir aber erweitern die Nato und versichern, das habe weiter nichts zu bedeuten. Und wir modernisieren unsere Atomwaffen. Wir verspielen die kostbare Gelegenheit, neue Regeln der internationalen Sicherheit zu entwickeln, in denen Nuklearwaffen keinen Platz mehr haben.

(…) Wir handelten wie ein Betrunkener beim russischen Roulett, der zehnmal die Pistole abdrückt und dann erklärt: Guck mal, es ist überhaupt nicht gefährlich. In Wahrheit war das Nuklear-Roulett überaus gefährlich und arrogant. Es ist ein Wunder, dass wir es geschafft haben, uns irgendwie durchzuwursteln. Nukleare Abschreckung ist ein Hasardspiel, das irgendwann verlorengeht.

Alternativlose Abschreckung

Während also die derzeit praktizierte „Abschreckung“ laut dem ehemaligen Oberbefehlshaber der US-Atomstreitkräfte ein Hasardspiel ist, das jederzeit ins Auge gehen könnte und das wir bisher scheinbar nur durch höhere Fügung überlebt haben, so hat man heute vielfach den Eindruck, dass amtierende Spitzenpolitiker nicht mehr zwischen Videospielrealität und echtem Leben unterscheiden können. Nicht nur Verteidigungsministerin Von der Leyen erklärt in Hinblick auf die kommende WM in Russland lachend, dass „Deutschland auf jeden Fall schießendes Personal schicken wird“. Die gute Dame weiß anscheinend, wie leicht man mit solch sportlichen Ansagen eine Fußballnation begeistern kann, deren Sternstunde immer dann aufleuchtet, wenn die Bild-Zeitung wieder titeln kann: „Wir sind Weltmeister“ – wenn wir schon nicht mehr Papst sind. Im Windschatten solch sportlicher Ansagen wurden denn auch wirklich einige militärische Schachzüge gemacht, die den atomar bestückten russischen Bären jetzt ganz schön ins Schwitzen bringen und historische Traumata wecken (siehe „Wenn der russische Bär eine Anakonda am Hals und der Hund die Hausaufgaben gefressen hat“).

Aber was tut man in dem Land, in dem wir laut CDU-Wahlspruch “gut und gerne leben“ wollen, nicht alles für einen möglichen Weltmeistertitel? Um sicherzugehen, dass Deutschlands schießendes Personal dann am Rasen der kommenden WM auch wirklich gut in Schuss ist, wurde es einstweilen zum Training an die russische Grenze geschickt, um dort „für Abschreckung zu sorgen“ – erstmals seit Ende des zweiten Weltkriegs liegen also wieder deutsche Panzertruppen nur 120 km vor St. Petersburg und harren dort den ihnen erteilten Befehlen aus der NATO-Kommandozentrale.

Auch Angela Merkel sieht die zunehmende „Abschreckung“ und Konfrontation mit Russland als alternativlos an, obwohl sich diese Konfrontation sogar auf wirtschaftlicher Ebene – also auf derjenigen Ebene, der man in einer marktkonformen Demokratie alle anderen menschlichen Belange bedingungslos opfern muss – bereits als verheerend erwiesen hat: Nach Expertenschätzungen haben die gemäß transatlantischer Direktive ausgesprochenen Russland-Sanktionen alleine in Deutschland  bisher 500.000 Arbeitsplätze vernichtet und hat Europa einen Verlust von 100 Milliarden Euro erlitten, sodass sogar EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker kurzzeitig aufjaulte und öffentlich bekundete: „Wir können uns unsere Politik nicht länger von den USA diktieren lassen.“

In einem Spiegel-Interview bringt Kreml-Berater Sergej Karaganow jedenfalls unmissverständlich zum Ausdruck, was eine Eskalation im momentanen NATO-Säbelrasseln für Deutschland bedeutete: Es würde ins offene Messer laufen. Russland wäre nicht bereit, sich auf eigenem Territorium in Scharmützel verwickeln zu lassen, sondern würde uns in solchem Falle einfach per Knopfdruck verdampfen (siehe Spiegel):

„Russland wird nie wieder auf seinem eigenen Territorium kämpfen (…) Im Falle einer Krise werden genau diese Waffen vernichtet (…) Wenn die NATO eine Aggression beginnt – gegen eine Atommacht wie uns -, wird sie bestraft werden.“

Das „Gerede“, dass Russland das Baltikum angreifen wolle, bezeichnet Karaganow als „idiotisch“. Doch nicht nur der Kreml-Berater sieht Idiotie. Soweit ich das aus dem Baltikum vernommen habe, sehen das die Menschen dort durchaus ähnlich. Einen Angriff von Seiten Russlands halten die meisten dort für absurd, auch wenn sich die NATO-assoziierten staatlichen Propagandaorgane nach Kräften bemühen, eine solche Bedrohung an die Wand zu malen. Viel mehr Angst haben die Menschen dort vor einer unnötigen Provokation und Eskalation im Zuge der NATO-Manöver an der russischen Grenze (wir berichteten).

Doch egal wie es der russische Bär auch drehen und wenden mag, er gilt nun einmal schon ganz einfach deswegen so gefährlich, weil er eben ein Bär ist. Selbst wenn dieser Bär, der sein Militärbudget dieses Jahr entgegen dem globalen Trend zur Aufrüstung um 25% gekürzt hat und nun bei 41 Milliarden Dollar rangiert (im Vergleich dazu USA: 622 Milliarden), so stellte Russland selbst dann noch eine empörende Gefahr dar, wenn es sein Militär morgen auf Null reduzieren und all seine Militärbasen in Kloster für buddhistische Mönche umwandeln sollte. Denn in den weiten Steppen Russlands haust bekanntlich das namenlose Grauen, das die marktkonformen Demokratien westlicher Prägung bedroht: Russische Hacker, die es einfach nicht lassen können, nächtens in die Tastatur ihrer Laptops zu hacken.

Schon seit Jahresbeginn dreht sich im US Kongress und den amerikanischen Medien fast alles um sie. Haben sie die US Wahl manipuliert und wollen sie nun auch die deutsche Wahl beeinflussen? –  Nicht nur die 27.000 Informationskriegs-Profis des amerikanischen Geheimdienstes (Quelle: Tagesanzeiger) und die 1.500 Mann der für „Kriegsführung im Informationszeitalter“ zuständigen“ 77. Social-Media Brigade Großbritanniens, die nichts anderes will als die „Herzen und Köpfe der Menschen gewinnen“ (Quelle: Spiegel) rotieren in ihren unterirdischen digitalen Bunkern bereits auf Hochtouren, um das namenlose Grauen aus der russischen Wildnis einzudämmen. In konzertiertem Einvernehmen mit unseren Leitmedien versuchen die staatlichen Dienste auch hierzulande alles in ihren Kräften stehende, um uns fernsehende Fußballfreunde vor dieser abgründigen Gefahr rechtzeitig zu warnen und unsere Herzen und Köpfe zu gewinnen.

Bullshit News und Business as usual

Dabei ist es einem ambitionierten Journalisten-Team mit Namen „Veritas“ (lat. „Wahrheit“) bereits gelungen, die in internationalen Leitmedien wie CNN nonstop in immerzu neu aufgewärmten Varianten transportierte Russland-Bedrohung als Fake News zu enttarnen. Auf verdeckt aufgezeichneten Interviews mit leitenden CNN-Produzenten ist klar zu hören, was diese von den eigenen Stories über die Russland-Bedrohung und die angeblichen Wahlmanipulationen halten:  CNN-Produzent John Bonifield gibt dabei wörtlich zu, dass die ganzen Russland-Geschichten „Bullshit“ von CNN-Chef Jeff Zucker seien, „um die Quoten zu steigern“. Auf die Frage seines Gesprächspartners, wie das Erzeugen solcher Lügenkonstrukte denn mit journalistischer Ethik vereinbar sei, die ja in Journalismus-Schulen so hochgehalten werde, antwortete der CNN-Produzent: „Dort ist das gut und schön, aber hier, das ist Business!“

So nebenbei erfährt man in den Veritas-Interviews auch, was Chefredakteure der Leitmedien von den wählenden Bürgern, die sie mit ihren Nachrichten informieren, mitunter halten: „Die Wähler sind dumm wie Scheiße“ (Zitat Jimmy Carr, CNN-Produzent). Unverblümt erklärt Carr weiter, dass es bei allem nur um die Einschaltquoten gehe und dass Entscheidungen über die Inhalte der Sendungen von ganz oben kämen: „Das sind Entscheidungen, die von Leuten viel höher als ich gemacht werden und wenn sie ‚Wow‘ sagen und die Quoten steigen, dann sagen sie, macht genauso weiter wie bisher. Nun, das tun wir, es ist Russland, ISIS …“

Interessanterweise waren diese Enthüllungen von „Projekt Veritas“ in den deutschen Qualitätsmedien kaum eine Erwähnung wert. Entsprechende Berichte findet man nur bei RT und alternativen Medien (siehe z.B. sott.net). Dabei könnten diese Enthüllungen Licht in die dunklen Keller der Informationskriegsprofis bringen und hätten durchaus das Potential, die derzeitige Konfrontation mit Russland im Handumdrehen zu entschärfen, indem man die dort zusammenlaufenden Fäden ans Licht hebt – immerhin ist CNN jener internationale Sender, der maßgeblich dazu beigetragen hat, dass heute die halbe Welt Angst vor der potentiellen Aggression Russlands hat und Spitzenpolitiker ungestraft eine „Abschreckung“ in Form nuklearer Konfrontation fordern können.

Selbst der verschwörungsresistenteste Fernsehbürger kann sich also nicht mehr ganz des Eindruckes erwehren, dass es offensichtlich eine gar nicht so unbeträchtliche transatlantisch vernetzte Interessensgruppe gibt, die das von der Kanzlerin verkündete „gute und sichere“ Leben langweilig findet und die wesentlich höhere Profitmöglichkeiten darin sieht, wenn wir „wild und gefährlich“ leben. Womöglich geht es in der aktuellen NATO-/Ukraine-/Russlandkrise aber nicht nur um „Außenpolitik mit dem Ziel, Rohstoffe und Absatzmärkte für Rüstungsindustrie, Finanzindustrie und Energiekonzerne zu erobern“, so wie Oskar Lafontaine das gerade via Facebook formulierte und dabei an die Worte von US-Präsident Theodore Roosevelt gemahnt, wonach „hinter der angeblichen Regierung eine unsichtbare Regierung thront, die die Menschen nicht anerkennt, ihnen gegenüber nicht verpflichtet ist und keinerlei Verantwortung übernimmt.“ Vielleicht geht es einfach auch um Lifestyle – das weiß man doch schon seit James Dean, dass ein wildes und gefährliches Leben mehr Spaß verspricht, während ein Spießbürgerleben in Todsicherheit auch todlangweilig ist. Warum lassen wir also nicht einfach so wie Merkel Fünfe grad sein und nennen wir diese unsichtbare Garde an Schattenmännern (siehe auch „Sex, Lügen und Videos – Über die Five Eyes, die auch in Ihrem Schlafzimmer live dabei sein dürfen“)  einfach „unsere verlässlichen Freunde“, denen wir bedenkenlos die Schlüssel zu unserer Wohnung und unserer Zukunft in die Hand geben können? Geschult in den vier „D’s“ : „Deny/ Disrupt/ Degrade/ Deceive  – Verleumden/ Spalten/ Erniedrigen/ Irreführen“ – so lautet im O-Ton das Trainingsprogramm auf einer von Edward Snowden geleakten Geheimdienstfolie (Quelle: The Intercept) – werden diese verlässlichen Freunde die Welt schon schaukeln.

Wer keine Zeit hat, sich über diese verlässlichen Freunde und die Fäden transatlantischer Netzwerke und Pressure-Groups, in denen auch Bundeskanzlerin Merkel fest inkorporiert ist, detailliert zu informieren (siehe z.B. free21.org, Medien-Navigator, Swiss Propaganda Studie), dem sei hier eventuell eine kurze, humorvolle Einführung in das Spinnennetz der Macht von Erwin Pelzig anempfohlen oder der immer noch aktuelle Klassiker aus „Die Anstalt“ vom 29.04.2014. Auf „Fäden“ und deren Zusammenlaufen kommen wir ganz unten gleich noch zurück. Sind solche Fäden etwa der Grund, warum Angela Merkel die Forderung von Martin Schulz, dass amerikanische Atomwaffen aus Deutschland verschwinden sollen (siehe FAZ), gar nicht so toll findet? Huch, wer so denkt, hat sich vermutlich bereits durch eine subliminale Kampagne russischer Hacker beeinflussen lassen.

Deutsche Gründlichkeit

Wie auch immer, selbst wenn „Projekt Veritas“ bereits Wahrheit in die geostrategische Lügenmaschinerie gebracht hat und auch ein hochrangiges Konsortium ehemaliger US-Geheimdienstveteranen, darunter der ehem. technische NSA-Direktor William Binney, nach eingehender Analyse zum Schluss kommt, dass die angebliche Einmischung Russlands in westliche Wahlen haltlos ist (siehe Memorandum „Allegations of Hacking Election Are Baseless“), deutsche Gründlichkeit lässt trotz allem nicht locker und bleibt weiter am Ball. In einem jüngsten Artikel im Spiegel wird das namenlose Grauen erneut beschworen: „Im Raum steht eine perfekt terminierte Attacke auf den Bundestagswahlkampf“. Nicht nur ein „Kanzlerinnensturz“ wird befürchtet, auch über das das Bestreben, „ jene Kräfte zu pushen, die für einen russlandfreundlicheren Kurs stehen wie AfD, Linke und Teile der SPD“ wird gemunkelt. Tja, auf  einen russlandfreundlicheren Kurs einzuschwenken – das wäre ja wirklich das Schändlichste, was man sich derzeit vorstellen kann, dann müsste man das bereits budgetierte Aufrüstungsprogramm womöglich wieder abblasen. Gut, dass uns der Spiegel rechtzeitig vor solchen Tendenzen warnt.

Doch selbst wenn sich das namenlose Grauen tatsächlich erheben sollte, ist alles in Butter – wie man erfährt, haben die Social Engineering Experten des BSI bereits alle notwendigen digitalen Abwehrgeschütze in Stellung gebracht: „Das BSI hat seine Lagebeobachtung bis zum Abschluss der Bundestagswahl 2017 intensiviert und hält erweiterte Krisenreaktionskapazitäten für eventuelle Vorfälle bereit.“

Vor nicht DIN-ISO zertifizierten Nachrichten in  den sozialen Netzwerken wird dennoch gewarnt. Der Russe wird es am Wahlabend womöglich dort versuchen, uns von der Notwendigkeit eines „Kanzlerinnensturzes“ zu überzeugen. Da das namenlose Grauen so ganz ohne Namen nur halb so viel Gänsehaut erzeugt, liefert der Spiegel dem unbedarften Leser dann doch auch ein paar Nicknames an die Hand, unter welchen die russischen Hacker im Schlachtfeld des Internets mutmaßlich firmieren:  „Die Gruppe kursiert in der Szene unter Namen wie APT28, Fancy Bear oder Pawn Storm.“  Mir läuft sogleich ein kalter Schauer über den Rücken – solchen und ähnlichen Nicknames bin ich in diversen Internetforen bereits zuhauf begegnet, ohne zu wissen, dass ich mich dabei in Tuchfühlung mit den Dämonen von Lord Valdemort persönlich befunden habe. Mannomann, was war ich nur für ein naiver Tropf … ja, jetzt rächt es sich, dass ich nie die Internet-Erkläranweisungen von Sascha Lobo gelesen habe und auch den Spiegel, die „Bild-Zeitung für Abiturenten“ (Volker Pispers) längst abbestellt habe. Möglicherweise bin ich also jetzt ohne mein Wissen bereits vollkommen indoktriniert und deshalb in der Wahlkabine bereit zu einem „Kanzlerinnensturz“ und somit zum Ende der nuklearen Abschreckung an der russischen Grenze.

Merkels tatsächliche und vermeintliche Einwanderungspolitik

Atemlos lese ich die Warnungen im Spiegel weiter:  Von „prorussischen Aktivisten und wichtigen Multiplikatoren in sozialen Netzwerken“ ist die Rede, deren „Ziel dabei häufig Angela Merkel und die Einwanderungspolitik ist, für die sie tatsächlich und vermeintlich steht“. – Die Einwanderungspolitik, für die Merkel „tatsächlich und vermeintlich“ steht. Also, was ist sie nun, diese Einwanderungspolitik? Tatsächlich oder vermeintlich? Der politisch korrekte Spiegel-Journalist lässt dem Leser da ganz die Wahl. Progressive Leser dürfen Merkels Einwanderungspolitik als tatsächlich ansehen, eher konservative Leser dürfen selbige Einwanderungspolitik getrost auch als vermeintlich auffassen. Jedenfalls gilt die jüngste Aussage Merkels, dass es für Asylsuchende auch in Zukunft keine Obergrenze geben werde, als unbestritten tatsächlich. Der Widerstand ihres CSU-Opponenten Horst Seehofer, der ihr noch vor Kurzem mit Verfassungsklage drohte und versprach, dass er sich „bis zur letzten Patrone … gegen eine Zuwanderung in die deutschen Sozialsysteme“ sträuben werde, scheint ausgebügelt und alles wieder eitel Wonne.

Sogar der durch seine Wutrede bekanntgewordene Kongolese Serge Menga ist schon längst nicht mehr wütend, sondern lacht sich angesichts der paradiesischen Zustände im Schlamerkelland nur noch krumm (siehe YouTube).

Wäre ich einer der neoliberalen Finanz-Oligarchen, von denen Oskar Lafontaine in seinem oben erwähnten Blog spricht, dann würde ich mich jetzt ebenfalls krummlachen. Nicht nur die Gewerkschaften zerbröckeln (siehe FAZ), auch die Bürger sind zutiefst gespalten und dadurch marginalisiert wie noch niemals zuvor, sodass die neoliberale Agenda nun ohne nennenswerte Widerstände durchgezogen werden kann. Egal, wohin ich blicke, ob bei Bekannten, Freunden, in Büros oder in Familien: Fast überall sind gefühlte 50% der Gruppenmitglieder vehement für eine unbeschränkte Zuwanderung, da dies ein Gebot der Menschlichkeit darstelle, während sich die restlichen 50% vehement gegen eine solche Zuwanderung aussprechen. Nicht nur bei öffentlichen Kundgebungen bewerfen sich die einzelnen Gruppierungen mit Steinen und buhen sich wütend aus, auch in Familien herrscht seit der Grenzöffnung Zwist und so manche Freunde und Nachbarn reden seitdem nicht mehr miteinander. Damit haben wir eine Patt-Stellung par excellance und es freut sich der Dritte (die unsichtbare Hand des Marktes, die uns alle gemeinsam der Zitronenpresse zuführen will).

Der Bundeskanzlerin scheint die Grenzöffnung jedenfalls nicht geschadet zu haben. Laut aktueller Umfragen rangiert sie bei der Bundestagswahl mit 36-40%. Florian Rötzer resümiert in Telepolis: „Schulz und die SPD werden keine Chancen haben, die Zukunft wird schwarz getönt sein.“ Doch noch ist nicht aller Tage Abend. Wer weiß, was vor der Bundestagswahl in drei Wochen noch alles passieren wird. Vielleicht reckt ja das namenlose Grauen doch noch seinen unsichtbaren Arm aus der Wolga und stürzt die Kanzlerin, die derzeit noch wie eine Sumo-Ringerin breitbeinig und unbeirrbar auf der Matte steht. Wie wird es dann mit unserer von Peter Sloterdijk als „Lethargokratie … mit einer Hohlraumfigur als Kanzlerin“ bezeichneten marktkonformen Demokratie weitergehen? Man wagt es gar nicht auszudenken …

Nach Ansicht der deutschen Nachrichtendienste und unserer Leitmedien wie etwa der  „Süddeutschen“ geben sich die russischen Hacker jedenfalls noch nicht geschlagen und verschwören sich unermüdlich – und das, obwohl es Verschwörungen laut einhelliger herrschender Meinung im 21. Jahrhundert ja gar nicht mehr gibt. Man lese und staune:

„Aus Sicht der deutschen Dienste besteht kein Zweifel daran, dass die Fäden – sollte es welche geben – im Kreml zusammenlaufen.“
(Quelle: Sueddeutsche)

Die Logik dieser Aussage in einem unserer DIN-ISO zertifizierten Leitmedien muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Also es gibt keine Beweise, dass solche „Fäden“ existieren. Aber sollten sie doch existieren, dann … laufen sie zweifellos im Kreml zusammen. Solch bestechende Argumentation inspiriert mich sogleich zu weiteren logischen Deduktionen, um die Rätsel unserer Zeit zu lösen: Neuerdings wird ja unter Physikern diskutiert, ob es Gravitationsstrahlen gibt. Also ich postuliere dann mal, dass diese Gravitationsstrahlen – sollte es sie geben – zweifellos aus der Raute der Bundekanzlerin entspringen. Woher soll eine solch unentrinnbare Schwerkraft, die derzeit alles wie ein Senkblei Richtung Meeresgrund zieht und Deutschland in die Selbstzerfleischung treiben will, denn auch sonst kommen?

Nachsatz:

Zum Glück erfahren wir gerade aus dem Postillon, dass an der Informationskriegsfront nicht alles so heiß gegessen wie gekocht wird:

„Beide doof“: Russischer Hacker unschlüssig, wen er bei Bundestagswahl unterstützen soll

<< Sankt Petersburg (dpo) – Der russische Hacker Anatoli Fadejew ist verzweifelt: Schon bald ist Bundestagswahl und der 27-Jährige aus Sankt Petersburg hat sich immer noch nicht entschieden, ob er Angela Merkel (CDU) oder Martin Schulz (SPD) attackieren soll, um den jeweils anderen zu begünstigen. Offenbar findet der direkt von Putin beauftragte Hacker beide diesjährigen Kanzlerkandidaten nicht überzeugend … >>
(Quelle: Postillon)


siehe auch:

Das namenlose Grauen – Teil 2: „Mir geht es gut, sonst ist mir alles scheißegal“

Nachrichtenspiegel: Was wir heute brauchen wie ein Loch im Knie: „Bodenständige“ Politiker im Maulwurfspelz und AFX-Parteien

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