Recep Tayyip Erdoğan

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Erdogan gegen den Rest der Welt

Erdogan an Deutschland und Frankreich: „Ihr seid Faschisten im wahrsten Sinne des Wortes!“

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan beschuldigte am Montag europäischen Staats- und Regierungschefs, vor allem in Deutschland und Frankreich, „Faschisten im wahrsten Sinne des Wortes“ zu sein und fügte hinzu, dass sie “ wirklich die Kettenglieder der Nazis sind“, da diese rassistischen Terror gegen Muslime und den Islam unterstützen und populär machen würden. Die heutige Situation der Muslime in diesen Gesellschaften, dessen Räumlichkeiten quasi täglich „von Rassisten und faschistischen Gruppen angegriffen“ würden, sei vergleichbar mit der „Lynchkampagne gegen Juden vor dem Zweiten Weltkrieg“, behauptet der türkische Präsident. Er rief deshalb die Türken dazu auf, französische Waren zu boykottieren.

Zu den jüngsten Schimpftiraden Erdogans kommt es nach der brutalen Enthauptung eines französischen Lehrers durch ein islamistischen, tschetschenischen Flüchtling Mitte Oktober in einem Pariser Vorort. Dieser ermordete ihn, weil der Lehrer im Rahmen einer Unterrichtsstunde über Meinungsfreiheit Mohammed-Karikaturen gezeigt hatte. Die französische Regierung versprach daraufhin einmal mehr, hart gegen den radikalen Islam vorzugehen. Macron betonte, dass man nicht auf solche Karikaturen und Zeichnungen verzichten werde. Der türkische Präsident, Erdogan, warf ihm daraufhin vor, den Islam ins Visier genommen zu haben und zu provozieren.

Deutschland: Maas bezeichnet Erdogans Kommentare zu Macron als „neuen Tiefpunkt“

Bundesaußenminister Heiko Maas bezeichnete die jüngsten Aussagen des türkischen Präsidenten über den französischen Präsidenten Emmanuel Macron als „neuen Tiefpunkt“. Solche Aussagen seien „völlig inakzeptabel“. “Wir stehen auch ganz solidarisch an der Seite Frankreichs, sowohl was die persönlichen Angriffe von Präsident Erdogan gegen Präsident Macron betreffen, die sind, wie ich finde, ein neuer Tiefpunkt und sie sind auch völlig inakzeptabel.“, äußerte sich der Bundesaußenminister.

Wer den Kampf gegen gewaltbereite Islamisten und Mörder mit Rassismus und Islamophobie durcheinanderbringt, der handle unverantwortlich und spiele denen in die Hände, “die unsere Gesellschaft spalten wollen“, sagte der Außenminister weiter. Man werde so etwas nicht akzeptieren, “das haben wir auch unseren französischen Freunden sehr deutlich gesagt, dass wir großes Verständnis haben für die Maßnahmen, die diplomatischen Maßnahmen, die Frankreich jetzt ergriffen hat.“, betonte Maas. Am Samstag hatte Erdogan geäußert, dass Macron sich einer „psychischen Behandlung“ unterziehen sollte, nachdem der französische Präsident die Veröffentlichung von Cartoons mit dem muslimischen Propheten Muhammad durch die satirische Zeitung Charlie Hebdo verteidigt hatte.

Nach Erdogans Boykott-Aufruf: Supermärkte im Jemen und Kuwait verbannen französische Produkte

Nachdem der türkische Präsident Erdogan dazu aufgerufen hat, französische Waren zu boykottieren, kommt es in vielen islamischen Ländern zu Boykotten. Erdogan hatte der französischen Regierung vorgeworfen, „islamfeindlich und faschistisch“ zu sein.

So haben Einzelhandelsgenossenschaften in Kuwait den Boykott französischer Produkte bekannt gegeben. Die nicht staatliche Union der Verbrauchergenossenschaften hat in Kuwait eine Boykott-Richtlinie erlassen. In der Union sind mehr als 70 Unternehmen zusammengeschlossen. In Ländern wie Pakistan, Algerien, dem Irak, Palästina sowie den Vereinigten Arabischen Emiraten werden die Rufe nach einem Boykott lauter. In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa sind französische Produkte bereits aus den Regalen verschwunden.

Die Forderungen nach einem Boykott entstanden, nachdem Frankreichs Präsident Macron die Veröffentlichung von Karikaturen des Propheten Mohammed durch die satirische Zeitung Charlie Hebdo unterstützt hatte. Macron äußerte außerdem, dass der Islam „eine Religion sei, die heute überall auf der Welt in der Krise steckt“. Die Debatte um Darstellungen des Propheten Mohammed wurden zuletzt Mitte Oktober durch die Enthauptung des Lehrers Samuel Paty, welcher seinen Schülern Karikaturen im Unterricht zeigte, neu entfacht.

Zunehmende Entfremdung

Weder bei Putin, Trump und Chinas Xi sind sich die politischen Lager in der Ablehnung so einig wie bei Erdogan und der Türkei. Die Sichtweisen des westlichen Mainstream werden dabei weitgehend vorbehaltlos sogar von jenen übernommen, die sich ihm sonst verweigern. Moralische Empörung jedoch kann die sachliche Analyse nicht ersetzen.

Ein Standpunkt von Rüdiger Rauls.

Ungeliebte Volksvertreter

Es ist das vorherrschende Muster in der Darstellung des Wertewestens, dass die Schuld an der Verschlechterung der Beziehungen immer bei den anderen liegt: Putin, Xi Jingping, Lukaschenko, Maduro und natürlich auch Erdogan. Sie sind die Störenfriede in der Welt, denn sie halten sich aus der Sicht der Meinungsmacher nicht an die Maßstäbe, die der Wertewesten für die ganze Welt als verbindlich erklärt hat. Das nimmt man zum Anlass für Strafmaßnahmen, meist in der Form von Sanktionen.

Man muss Erdogan nicht mögen. Man muss auch Putin oder Trump oder Merkel oder Chinas Xi nicht mögen. Aber bei aller persönlichen Abneigung darf eine wesentliche Tatsache nicht übersehen werden: Sie vertreten Hunderte Millionen Menschen.

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