Rating

This tag is associated with 5 posts

Terror der Plutonomie der USA in Deutschland – Zwischenstandsbericht

DSC_0953[1]

Montag, 27.8.2018. Eifel. Sie würden wahrscheinlich gerne mal wissen, was im Ausland so los ist, oder? Ich jedenfalls würde gerne wissen, wie der Krieg in der Ukraine gerade steht. Haben die überhaupt noch Krieg? Mich würde auch interessieren, wie es dem amerikanischen Bürger geht, dem normalen kleinen Mann. Aber über die USA spricht man ja heute kaum noch, die USA sind reduziert auf „Trump“ – sowie in Russland nur noch ein Putin wohnt. Große Männer machen die Politik, kleine Männer die Arbeit, so scheint es. Klar, wenn es mal einen Waldbrand gibt oder ein bekannter Politiker stirbt, dann schaut man wieder auf die USA, aber sonst? Haben die eigentlich immer noch eine Bürgerrechtsbewegung? Was mach Occupy Wallstreet? Und wie geht es Argentinien gerade?

Nun – wer interessiert sich schon für Argentinien? Für die USA interessiert sich ja eigentlich auch niemand mehr – seit Trump ist das ja Feindesland – oder einfach irgendwie pfui. Gut, wenn mal Hochwasser ist, dann sind die eine Meldung wert (siehe Süddeutsche), aber sonst? Interessant fand ich ja die Meldungen über gerammte US-Kriegsschiffe auf hoher See. Erst die Fitzgerald vor Japan (siehe Spiegel), dann die John S. McCain vor Singapur (siehe Spiegel). Habe mich ein wenig gewundert, dass diese Unglücke so unkommentiert hingenommen wurde – in einer Welt voller Anschläge und Kriege. Schiffe haben ja Radar, die besten Radarsysteme befinden sich auf amerikanischen Kriegsschiffen …. und Schiffe sind – erst recht wenn man sie mit den gigantischen Meeren in Beziehung setzt, auf denen sie unterwegs sind – unglaublich langsam. Auf dem Radar sind sie also früh genug und auf großer Entfernung erkennbar – zudem Kriegsschiffe auch noch von Satellitenaufklärung unterstützt werden, um Ziele in 500 Kilometern zu bekämpfen. Und da gibt es auf einmal Auffahrunfälle? Im gigantischen Pazifik?

Nun ja – kann ja mal passieren. Die Stuttgarter Nachrichten haben diesem Phänomen auch einen Artikel gewidmet (siehe Stuttgarter Nachrichten) – und gleich eine Warnung ausgesprochen: Nachdenken über dieses Phänomen führt zur Anklage wegen „Bildung einer Verschwörungstheorie“, entsprechend schwer zu werten wie früher mal „Bildung einer terroristischen Vereinigung“. Noch haben Anklagen dieser Art keine strafrechtliche Relevanz, aber sozial kann man dadurch schon ordentliche Nachteile haben, allein durch eine Flut demütigender und entwürdigender Kommentare selbsternannter Blockwarte und Hüter des wahren Wissens, die man zu ertragen hat, obwohl doch in diesem Land die Würde des Menschen unantastbar sein sollte.

Ich interessiere mich hingegen schon mal für die „Leitkultur“ des Westens, dessen „Werte“ ja in schöner Regelmäßigkeit beschworen werden, für dessen Werte ja sogar wir Deutschen in den Krieg ziehen – obwohl wir Krieg nicht mehr so nennen. Wir vernebeln gerne Fakten – wohl auch ein Wert des Westens – weshalb völkerrechtlich absolut verbotene Angriffe auf die Zivilbevölkerung jetzt „Kollateralschäden“ sind. Kollateralschäden sind nie ausdrücklich verboten worden, als man sich über zivilisiertes Verhalten im Kriegsfalle Gedanken machte, gab es dieses Wort noch gar nicht. „Ausgetrickst“ – könnte man jetzt sagen … und „austricksen“ ist ja der eigentliche Megawert des Westens, hinter den alle anderen zurückfallen, denn: „austricksen“ ist die führende Qualität unseres westlichen Wirtschaftssystems. Wer gut trickst, macht gute Profite, der ehrliche Kaufmann hingegen bleibt auf der Strecke. Gute „Trickster“ genießen auch einen vorzüglichen Ruf in der Politik – anders als Arbeitslose, die einfach nur ehrlich gute Arbeit abliefern wollten aber vom Trickster wegrationalisiert wurden.

Ausgetrickst wurden ja auch die Ureinwohner, denen wertvollstes Land gegen billigste Waren (und Alkohol, den sie gar nicht vertragen) abgeluchst wurde: das ist ja der wahre Gründungsmythos der USA. Schöne Geschichte übrigens, nachzulesen in dem Werk „500 Nations“ – das es mit Kevin Kostner als Kommentator auch als Film gibt. Interessant zu erfahren, dass die Verfassung der USA – das Kernstück aller westlichen Werte – von den Irokesen übernommen wurde, die damit die Stammeskriege beendet hatten. Auch interessant: die ersten Flüchtlinge aus dem fernen Westen, die auf der Flucht vor ihren Verfolgern waren, bekamen noch Asyl von den Ureinwohnern, es gab fruchtbare und konstruktive Handelsbeziehungen. Änderte sich später, als ethisch anders gesinnte Europäer den Kontinent überschwemmten, auf der Suche nach Gold und Skalps (für die man dann auch Gold bekam). Auch so ein Genozid, über den man aber ebenfalls nicht reden darf, weil: was Genozid ist oder nicht, bestimmen die Sieger, in diesem Falle die USA.

Arthur Schopenhauer fand die USA ja toll, gerade wegen der Vermischung der Rassen, er hatte die Vision, dass sich dort die verschiedenen Völker der Erde vereinen und jedes dort zum Wohle aller seine besten Qualitäten einbringt – das war zu jener Zeit, als Anarchisten noch Loblieder über die USA sangen. In der Tat: Spuren von Anarchismus (so eine Art urdemokratische politische Spielerei, die davon ausgeht, dass kein Mensch über einen anderen Menschen Herrschaft ausüben soll – nicht durch körperliche Kraft, politische Gewalt oder wirtschaftliche Macht, weil eben die Würde des Menschen absolut unantastbar ist) finden wir noch heute in den kleinen Gemeinden … wo der Sheriff von den Bürgern gewählt wird, während er zum Beispiel bei uns Teil des staatlichen Beamtenapparates ist.

Nun: Schopenhauer war nie in den USA, sonst hätte er schnell gemerkt, dass seine Träume von der kooperativen Gemeinschaft der Völker wirklich nur Träume waren, die nie Realität werden sollten – die US-Gesellschaft ist keine homogene Struktur, sondern eine willkürliche, sich gegenseitig gegeneinander abgrenzende Zusammenballung von Nationalitäten aller Art. Das gefällt den Großgrundbesitzern: wenn die Iren gegen die Italiener marschieren, macht sich keiner mehr darüber Gedanken, warum das Brot gerade so teuer ist.

Großgrundbesitzer: ja. Da sind wir bei einem heiklen Thema, dass Anarchisten und Indianer vereint: der sichere, unumstössliche Entschluss, das Land niemals Privateigentum sein kann und darf – weil dann alles schief läuft. Gerade den Indianern war der Gedanke völlig fremd (weshalb ich auch vermute, dass sie anfangs gar nicht verstanden, was sie für die Hand voll Glasperlen eigentlich verloren hatten): Land war heilig. Gehörte sich selbst. War ja schon da, bevor der Mensch kam – und wird noch da sein, lange nachdem er wieder verschwunden ist.

Doch bleiben wir erstmal bei den USA, dem Mutterland der westlichen Werte, in dem Privatmenschen Farmen besitzen, die so groß wie Berlin sind. Über zweihundert Jahre leben die nun ihre Werte, was ist das Ergebnis? Das Land hat eine massiv steigende Selbstmordrate (siehe Spiegel). Und nicht nur das: auch die Zahl der Empfänger von Lebensmitttelmarken erreichte im Oktober 2017 wieder die 45 Millionen-Marke (siehe: fns). Die Staatsverschuldung der USA stieg in den letzten zehn Jahren um 40 Prozent (siehe Statista), von 10 Billionen Dollar 2008 stieg sie auf 22 Billionen Dollar 2018 an (siehe Statista). Sorgen Sie sich nun nicht um die unterschiedlichen Prozentsätze, die sich augenscheinlich ergeben, die Unterschiede entstehen dadurch, dass die erste Studie die Wachstumsraten in Bezug auf das Bruttoinlandsprodukt darstellt, während die zweite Studie nur Dollarberge benennt – die fehlen.

Was können wir feststellen? Vom Wirtschaften haben die scheinbar keine Ahnung. Tricksen und Haushalten haben halt nichts miteinander zu tun.

Die Netzfrauen haben da einige interessante Zahlen zusammengetragen (siehe Netzfrauen): das Land mit den meisten Milliardären hat auch die größte Kinderarmut. Ob es da Zusammenhänge gibt? Tricksen Milliardäre Kinder aus, um an ihr Geld zu kommen? Harter Tobak – aber im Prinzip ist es genau so. Vielleicht auch ein Grund, warum von den USA jetzt gerade eine Offensive gegen das Stillen von Babys ausgeht (siehe Süddeutsche), nach dem Islam gehört nun auch Muttermilch zum Reich des Bösen.

Sie lachen jetzt, ja? Sie unterschätzen gewaltig den Einfluss, den die USA auf Ihren Alltag haben. Kleidung, Nahrung, Filme – schauen Sie sich ihr eigenes Leben mal richtig an … ihre Jeans, ihre Burger, ihre Blockbuster – und sehen Sie selbst, wie sehr Sie schon US-Kultur leben. Aber nicht nur dort: die ganze Philosophie des Workfare (kurz gesagt: Sozialhilfe nur noch gegen Gegenleistung in Form von … z.B. Ein-Euro-Jobs) wurde dort in den neunziger Jahren entwickelt, die Verantwortung für „Beschäftigung“ wurde von Staat und Wirtschaft auf den einzelnen Bürger übertragen, der gefälligst selbst zusehen sollte, wie er seinen Job erschafft. Hartz IV ist kein Kind von Peter Hartz, sondern ein Kind der Milliardärskaste in den USA. Sagt man uns nur so nicht – war aber damals oft im Gespräch.

2011 konnte man noch lesen, wie sehr Amerika in der Krise steckte (siehe Süddeutsche), ein Prozent der Einwohner kontollieren 90 Prozent des Vermögens – wofür der Begriff „Plutonomy“ geschaffen wurde, eine Wirtschaftsform, die die Zukunft der Welt bestimmen wird – auch unsere europäische … und unsere deutsche. Kurz gesagt: man braucht die Bevölkerung nicht mehr. Weite Teile von ihr sind überflüssig in der Plutonomy, sie spielen wirtschaftlich nur noch als Kostenfaktor eine Rolle – als „Kosten auf zwei Beinen“. Sie sind die neuen „Indianer“, die keinen Nutzen mehr bringen und gefälligst in unwirtlichen Reservaten (wie Gelsenkirchen, Dortmund und Duisburg) vor sich hindämmern sollen, damit sie den Herrenmenschen nicht mehr im Wege stehen.

Aber: das wissen sie ja schon. Das merken Sie täglich – wenn Sie erstmal ihre Aufmerksamkeit darauf richten. Die Amerikanisierung der Bundesrepublik schreitet Jahr für Jahr voran. Wurde von Jahrzehnten schon vom „Spiegel“ prophezeit, weil man jenseits des „großen Teiches“ ganz offen darüber geredet hat: unser Rentensystem, unser Sozialstaat, unser soziales Miteinander war der Nation von Trickstern und Räubern ein Dorn im Auge … und sie fanden hier viele Agenten, die bereit waren, die Leitmotive von „God´s own country“ auf breiter Front durchzusetzen, es gibt dafür sogar diverse Vereine, die sich ganz offen diesem Ziel verschrieben haben – schauen Sie sich doch zum Beispiel einfach mal die „Atlantikbrücke“ an … und welche namhaften Politiker dort auftauchen. Schon hammerhart, diese Namensliste – inklusive Nachwuchsorganisation, die einen Baron von Guttenberg ebenso aufnimmt wie einen Cem Özdemir.

Plutonomy – ist inzwischen Regierungspartei in Deutschland, egal mit welchen Buchstabenkombinationen sie sich tarnen. Sie haben die absolute Mehrheit, egal wie gewählt wird.

Wie Plutonomy regiert, können Sie aktuell auch mal – ausnahmsweise – in den Plutonomymedien nachlesen. Was soll´s auch: Plutonomy sitzt so fest im Sattel, dass sie keinerlei Widerstand mehr zu fürchten braucht: sie beherrschen Medien, Parteien, Großkonzerne, können das ganz große Rad drehen – und niemand kann dagegen etwas tun. Ist ja schon schwierig, überhaupt darüber zu reden, aber lesen Sie einfach mal den Artikel über die Koch-Brüder (siehe Zeit) – bitte ruhig und gründlich – dann können Sie erahnen, wie unendlich groß die Macht der Plutonomie inzwischen ist. Und gäbe es jetzt nicht diesen Anti-Trump-Hype in Deutschland – der Artikel wäre gar nicht geschrieben worden. Ist ja auch – seien wir mal ehrlich – eine Verschwörungstheorie … als könnten wirklich zwei Brüder massiven Einfluss auf das Mutterland der Demokratie ausüben.

Ach ja: „God´s own country“. Das Land Gottes. So nennt die Plutonomie sich selber. Eine Plutonomie, die 1890 beschloss – nach der vollständigen Eroberung der Territorien der 500 indianischen Nationen – die Weltherrschaft zu übernehmen, ein Imperium zu werden (wir berichteten). Hundert Jahre später waren sie soweit: der große Widersacher Sowjetunion war zerschlagen. Stellen Sie sich mal vor, die Deutschen würden ihr Deutschland das Land Gottes nennen – alle würden durchdrehen. Macht das der Amerikaner … herrscht Schweigen im Blätterwalde. Ist ja auch die Wahrheit: finanziell gesehen sind das die Götter.

Ja – und hier kommen wir zum Kernpunkt europäischer oder deutscher Politik, zur Antwort auf die Frage, warum wir wählen können was wir wollen aber trotzdem immer dasselbe bekommen: alle Politik – weltweit – ist abhängig von Ratingagenturen, die – bestens verflochten mit der Plutonomy – willkürlich festlegen, wieviel Zinsen ein Land zu bezahlen hat. Ja, wirklich: schauen Sie mal bei der Bundeszentrale für politische Bildung vorbei ( – auch so eine verschwörungstheoretische Seite, siehe bpb), neben der Information über die „neoliberale Revolution“ (sonst noch nie gehört, oder?) finden Sie dort auch die Erklärung, wie diese Agenturen zu ihrer Macht gekommen sind. Sie „dominieren“ auch das „kontinentaleuropäische Wirtschaftssystem“ … und bestimmen damit unsere Politik. Führen Sie als Kaiser von Deutschland (um mal ganz extrem zu denken) nicht das durch, was die Exekutive der Plutonomy von ihnen verlangt, ja dann: gibt es ein C-Rating. Bedeutet für Ihre Rente, dass auf dem Bescheid (wenn´s gut läuft) eine Null steht – oder (wenn´s schlecht läuft) ein „zu zahlender Betrag“ genannt wird.

Ich denke: das weiß auch unsere Kanzlerin. Und wenn die Plutonomy will, dass amerikanische Verhältnisse in Deutschland herrschen, denn wird Deutschland eben ohne jede politische Diskussion zum Einwanderungsland – und die ganze Atlantikbrücke klatscht euphorisch. Insofern ist es auch völlig egal, ob Sie „Linke“ wählen oder „AfD“. Sie dürfen noch den Kellner mitbestimmen, aber was serviert wird – Sozialstaatsabbau, Privatisierung, Lohn- und Rentenkürzungen – das bestimmen die, die in Gottes eigenem Land wohnen. Also …. dieses eine Prozent dort.

Verstehe langsam, wie Leute Lust bekommen, wenigstens Beulen in US-Kriegsschiffe zu machen – einfach aus Frust über die eigene Hilflosigkeit.

Mehr ist halt nicht drin.

Der Widerstand gegen die neoliberale Revolution kann erfolgreich auch eigentlich nur in den USA selbst beginnen. „Occupy Wallstreet“ war ja ein sinnvoller Anfange. Endete wie? Nun – die Aktivisten wurden in die Nazi-Ecke gerückt, dann war Ruhe. Kennt man irgendwie, die Strategie.

Und die Zukunft?

Nun – liegt offen vor uns.

Die Plutonomie schafft den Menschen ab, träumt davon, mit Maschinen zu verschmelzen und unsterblich zu werden, als Geist in einer Maschine. Hört sich an wie eine Horrorstory, ist aber – leider – Realität. Eine neuer Religion hat sich etabliert (mit eigener Kirche), ein „Maschinenkult“ führt die Plutonomy zu noch größerer, zu endgültig göttlicher Macht an (siehe Wiwo). Irrsinn in diesen Dimensionen vor dem Hintergrund der völligen Verelendung der absoluten Mehrheit der Menschen jenes Landes kann man dem durchschnittlichen Tagesschau-Zuschauer auch nicht zumuten, da gilt es, den Erziehungsauftrag der Medien zu berücksichtigen. Wir wollen ihn ja auch nicht beunruhigen, diesen Bürger, dessen Ackerland gerade – mit immensen Subventionen durch Steuergelder – massiv konzentriert an Investoren verkauft wird (siehe Zeit).

Was sollte er auch machen, dieser Bürger: mit seinem irrationalem, menschlichen Verhalten gefährdet er nachher noch das Rating!

Darum sollten Sie sich gut überlegen, ob Sie sich solchen Experimenten wie „aufstehen.de“ anschließen.

Erfolgreicher Widerstand gefährdet das Rating.

Können wir uns wirklich leisten, das zu riskieren?

 

Zypriotischer Eiertanz – und die große konzertierte Nebelaktion der Medien und der EU beim Angriff auf unser Geld

Donnerstag, 21.3.2013. Eifel. Gestern - zum Frühlingsanfang - kam nicht nur der Winter zurück, ich hatte auch noch ein Erlebnis der besonderen Art: eine kräftige Portion Wirklichkeitsdissonanz. Das erste Mal, das ich so etwas erlebt hatte, ist schon Jahre her. Jahrzehnte. Ich sah einen Bericht über Stephen King, einen Autor, den ich vor allem wegen seiner Beschreibungen der Gefühlswelt des Mittelstandes schätze - seine metaphysischen Experimente (die heutzutage nur noch als "Horrorliteratur" erlaubt sind) sind eher trivial und kaum als durchschnittlich zu bezeichnen. In diesem Bericht erzählte er viel über sein Alkoholproblem, seinen fast tödlichen Autounfall ... und über den Tod seiner Frau Tabitha. Letzteres hatte mich - damals wähnte ich mich noch glücklich verheiratet - besonders mitgenommen. Sie können heute nachschauen - überall: Tabitha ist nicht tot, war es auch nie. Ich habe den Film nicht allein gesehen - trotzdem habe ich den Vorfall als kognitive Fehlreaktion verbucht. Erst später erfuhr ich von Theorien aus der wunderbaren Welt der Quanten, das wir mit jeder Entscheidung eine eigene Welt kreieren, einen Ableger sozusagen - und das man manchmal möglicherweise von einer dieser  Billiarden Welten in eine andere rutscht. Versehentlich. Ich habe mir vorgenommen, mich einmal mehr damit zu beschäftigen, doch die zunehmende Degeneration der Zivilgesellschaft hält mich seit langer Zeit so sehr auf Trab, das für die Metyphysik kaum Platz bleibt.  Gestern jedoch habe ich mich an dieses Erlebnis erinnert: wieder einmal fühlte ich mich wie in eine ganz andere Welt versetzt, die meiner bis aufs Detail gleicht ... mit einer kleinen Ausnahme. Diesmal ging es jedoch um etwas Banales: Zypern.

Donnerstag, 21.3.2013. Eifel. Gestern – zum Frühlingsanfang – kam nicht nur der Winter zurück, ich hatte auch noch ein Erlebnis der besonderen Art: eine kräftige Portion Wirklichkeitsdissonanz. Das erste Mal, das ich so etwas erlebt hatte, ist schon Jahre her. Jahrzehnte. Ich sah einen Bericht über Stephen King, einen Autor, den ich vor allem wegen seiner Beschreibungen der Gefühlswelt des Mittelstandes schätze – seine metaphysischen Experimente (die heutzutage nur noch als „Horrorliteratur“ erlaubt sind) sind eher trivial und kaum als durchschnittlich zu bezeichnen. In diesem Bericht erzählte er viel über sein Alkoholproblem, seinen fast tödlichen Autounfall … und über den Tod seiner Frau Tabitha. Letzteres hatte mich – damals wähnte ich mich noch glücklich verheiratet – besonders mitgenommen. Sie können heute nachschauen – überall: Tabitha ist nicht tot, war es auch nie. Ich habe den Film nicht allein gesehen – trotzdem habe ich den Vorfall als kognitive Fehlreaktion verbucht. Erst später erfuhr ich von Theorien aus der wunderbaren Welt der Quanten, das wir mit jeder Entscheidung eine eigene Welt kreieren, einen Ableger sozusagen – und das man manchmal möglicherweise von einer dieser  Billiarden Welten in eine andere rutscht. Versehentlich. Ich habe mir vorgenommen, mich einmal mehr damit zu beschäftigen, doch die zunehmende Degeneration der Zivilgesellschaft hält mich seit langer Zeit so sehr auf Trab, das für die Metyphysik kaum Platz bleibt.  Gestern jedoch habe ich mich an dieses Erlebnis erinnert: wieder einmal fühlte ich mich wie in eine ganz andere Welt versetzt, die meiner bis aufs Detail gleicht … mit einer kleinen Ausnahme. Diesmal ging es jedoch um etwas Banales: Zypern.

Meine Mutter ist schon 78 Jahre alt, geistig aber hellwach. Sie ist politisch sehr interessiert, läßt keine Nachrichtensendung aus. Wir telefonieren jede Woche stundenlang miteinander (weil wir real etwas zu weit voneinander weg wohnen), und regelmäßig ist dann auch Politik Thema. Beim vorletzten Telefonat war sie ganz verblüfft: davon, das die Entscheidung aus Brüssel auch den normalen Kleinsparer betraf und nicht nur den russischen Mafiosi, wusste sie nichts. Offensichtlich hatten jene Medien, die ich nicht mehr konsumiere, die Meldungen etwas umgedreht. Ich habe nochmal nachgeschaut: der Spiegel meldete folgendes:

„Wir fanden es gerechtfertigt, um die Lasten zu teilen“, sagt der Eurogruppen-Chef. EU-Kommissar Rehn betonte: „Diese Gebühr gilt für ansässige wie auch für ausländische Kontoinhaber.“ Nun sollen Sparer mit Einlagen von mehr als 100.000 Euro eine einmalige Abgabe von 9,9 Prozent zahlen. Unterhalb dieser Schwelle fallen 6,75 Prozent an. Insgesamt soll allein diese Abgabe nach Dijsselbloems Worten 5,8 Milliarden Euro einbringen. Die Forderung nach einer Abgabe auf große Sparguthaben kam vor allem aus Deutschland.

Das sind doch deutliche Aussagen gewesen. Der Impuls dazu kommt eindeutig aus Brüssel, eindeutig sind auch die Kleinsparer betroffen.

Nun ja, dachte ich: meine Mutter ist 78. Vielleicht versteht sie nicht immer alles so, wie es erzählt wird. Andererseits … handelt es sich mal wieder um einen ganz großen Tabubruch, einen Präzedenzfall der besonderen Art – wie der Jugoslawienkrieg. Dort haben wir auch einen Tabubruch begangen und warfen Bomben auf Zivilisten – aufgrund von Regierungslügen im großen Stil (siehe die TV-Reportage „Es begann mit einer Lüge“).

Vielleicht wurde das in den Nachrichten ja nur etwas anders dargestellt? Mit Fokus auf die russischen Milliardäre? Wieso die allerdings als Nicht-EU-Bürger auf einmal für die EU haften sollen, bleibt auch ein Rätsel.

Gestern kam es dann, dieses Erlebnis der besonderen Art: meine Mutter erläuterte mir detalliert, das es ja gar nicht die EU war, die den Kleinsparern in die Tasche greifen wollte – das waren die Zyprioten selbst …. also genau jene, die diese Auflagen der Troika abgelehnt hatte, weshalb der Staat jetzt in großer Bedrängnis ist.

Ich war geneigt, wieder meinen Sinnen die Schuld zu gegen – oder davon auszugehen, das sich bei meiner Mutter langsam das Alter breit macht.

Aber dann las ich den Schäuble im Handelsblatt:

Die Bundesregierung hätte nach Worten von Finanzminister Wolfgang Schäuble bei dem Rettungspaket nicht auf die Ersparnisse von Kleinsparern zurückgegriffen. Die Bundesregierung hätte die Einlagensicherung respektiert erklärte Schäuble in einem „Tagesthemen“-Interview. „Das war die zyprische Regierung, auch die Europäische Kommission und die EZB, die haben sich für diese Lösung entschieden und das müssen sie nun dem zyprischen Volk auch erklären“, sagte Schäuble.

Klarer Fall, oder? Die guten Deutschen gegen den bösen Rest der Welt. Die schlimme EU war es. Hat der Spiegel jetzt etwa gelogen – das große Zentralorgan des politischen Deutschlands? Immerhin, dort hatten wir doch gelesen:

„Die Forderung nach einer Abgabe auf große Sparguthaben kam vor allem aus Deutschland.“

Der Schäuble wird aber noch besser – nachdem er umfangreich erklärt, warum jetzt die Zyprer und die EU den Schlamassel angerichtet haben, erklärt er uns, warum dieser Schlamassel alternativlos ist … und hier kommen wir zu einem der gefährlichsten und wahrsten Sätze der EU-Politik der letzten zwanzig Jahre:

Auf die Frage, ob nicht auch ein Freibetrag möglich gewesen wäre, um die Zwangsabgabe sozialer zu gestalten, antwortete Schäuble, dass eine bestimmte Summe an Finanzmitteln zusammenkommen musste. „Wenn man auf der einen Seite nicht zu hoch gehen wollte in der Belastung der großen Investoren, dann kommt man auf die Summe nur, wenn man sie breit anlegt.“ Schäuble warnte das zyprische Parlament vor einer Ablehnung des Rettungspaketes. Im Falle eines „Nein“ seien die zyprischen Banken nicht mehr zahlungsfähig. „Und dann kommt Zypern in eine sehr schwierige Lage.“

Äähh … nochmal jetzt.

 „Das war die zyprische Regierung, auch die Europäische Kommission und die EZB, die haben sich für diese Lösung entschieden und das müssen sie nun dem zyprischen Volk auch erklären“

Aber:

Schäuble warnte das zyprische Parlament vor einer Ablehnung des Rettungspaketes.

Ja, was denn nun? Hat jetzt das zypriotische Parlament den Angriff auf den Kleinsparer beschlossen – oder war das die EU samt Schäuble, weil die „Summe nur zusammenkommt, wenn man sie breit anlegt?“

Ökonom Polleit nannte es bedenklich, dass die Zypern-Entscheidungen ganz offensichtlich nicht der nationale Souverän getroffen habe, sondern ein „internationaler Regierungsverbund“, der nicht die Interessen der national Betroffenen im Auge habe. „Das kann dauerhaft kein gangbarer Weg zur Krisenbewältigung sein.“

Ökonom Polleit lebt – zu meiner Erleichterung – also in meiner Welt, während der Schäuble aufgrund einer Quantenverschiebung in einer Parallelwelt herumrotiert.

Es war also eher nicht das zypriotische Parlament – sondern ein „internationaler Regierungsverbund“ – mit Deutschland mittendrin. Ein Tabubruch sondergleichen, das sich ausländische Regierungen bei den Sparern eines anderen Landes bedienen – mit drastischen Folgen in deren Alltag, siehe Handelsblatt:

Die Details über die Zwangsabgabe für zyprische Sparer sind noch nicht beschlossen, aber fest steht: Im Zuge des Rettungspakets werden Bankkunden mit Guthaben bei zyprischen Banken zur Kasse gebeten. Geldautomaten sind bereits gesperrt, Transaktionen etwa per Online-Banking unterbunden, um einen Bankensturm zu verhindern. Das Parlament soll heute abstimmen, wie viel des Guthabens zur Finanzierung des Rettungspakets zurückgehalten wird.

Natürlich sind die Banken jetzt besonders nervös. Wenn alle Sparer jetzt ihr Geld abheben wollen, wird sich zeigen, dass es schon gar nicht mehr da ist, das wäre fatal.

Natürlich müssen die Sparer jetzt beruhigt werden:

Viele Handelsblatt-Online-Leser kommentieren etwa auf der Facebook-Seite den Entschluss mit großer Sorge, da er Symbolcharakter habe und die Möglichkeiten zeige, die ein Staat beim Zugriff auf private Vermögen habe. Die deutsche Finanzbranche beruhigt jedoch. „Deutsche Sparer müssen sich keine Sorgen machen“, sagte Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), dem Handelsblatt. Nach Einschätzung des DSGV habe die Lage in Zypern nichts mit der Lage in Deutschland zu tun. „Die Situation zeigt, dass es sehr gut ist, keine einheitliche europäische Einlagensicherung zu haben“, so Fahrenschon.

„Die Situation zeigt, das es sehr gut ist, kein einheitliche europäische Einlagensicherung zu haben“ – ja, WO LEBEN WIR DENN? Wo bleibt denn der natürliche Respekt vor der natürlichen Person des europäischen Mitbürgers!!! Freuen wir uns jetzt, das wir es versäumt haben, auch Sparer in Zypern vor den Angriffen der EU zu schützen?

Welche Charaktere kommen eigentlich auf die Idee, einfach mal so dem Bäcker, Metzger, Klempner oder Busfahrer von nebenan Geld zu klauen?

Kriminelle, sonst niemand.

NUR KRIMINELLE.

Nochmal eine Stimme aus Zypern, um ganz sicher zu sein? Gut, hier, frisch aus dem Handelsblatt:

Die Vermögensabgabe auf zyprische Sparkonten war in allen Parteien in Zypern auf Widerstand gestoßen. Sogar einige Abgeordnete aus der Regierungskoalition wollten dagegen stimmen, hieß es in Brüssel.

Die wollen diesen Tabubruch nicht. Entweder phantasiert die Schäuble jetzt schon in aller Öffentlichkeit, oder aber Deutschland ist als größter Zahler in der EU erschreckend machtlos gegen die Strukturen, die sich dort gebildet haben.

Welche Strukturen?

Nun – die sind jetzt beschrieben worden – und haben einen entsprechenden Eindruck beim Volk hinterlassen, siehe sciencefiles.org

So langsam gehen mir die Superlative aus, wenn ich versuche zu beschreiben, was für ein institutionelles und undemokratisches Ungetüm sich in Brüssel entwickelt hat. Und das Ausmaß der Manipulationsversuche, mit denen die EU-Kommission versucht, populär und in ihrer politischen Arbeit als legitim zu erscheinen, hätte vermutlich selbst einen Joseph Goebbels vor Neid erblassen lassen.

Was ist der Hintergrund zu diesem offensichtlichem Entsetzen? Ganz merkwürdige Praktiken:

Eine demokratisch nicht legitimierte Institution, die EU-Kommission, benutzt Steuermittel, die von Europäern gemeinsam aufgebracht werden dazu, um demokratisch nicht legitimierte Organisationen zu finanzieren, die ihrerseits für die Politik der EU-Kommission werben und eine Erhöhung des Budgets der EU fordern. 

Das deutet auf ein ethisches Niveau hin, das wir hier in der Eifel „kriminell“ nennen würden – ein Niveau, das auch kein Problem damit hat, dem Bäcker von nebenan Geld zu stehlen, damit genug zusammenkommt. Darf ich nochmal an Dr. Wolfgang Schäuble erinnern … und den wichtigsten Satz der letzten Jahrzehnte:

„Wenn man auf der einen Seite nicht zu hoch gehen wollte in der Belastung der großen Investoren, dann kommt man auf die Summe nur, wenn man sie breit anlegt.“

Wieso will man eigentlich nicht zu hoch gehen in der Belastung der großen Investoren? Warum müssen Kleinsparer herhalten, um große Investoren zu schützen? Wie nennt man die Krankheit, die solche kognitiven Verzerrungen im  Hirn auslöst? Schäubleritis?

Ist man sich auch dessen bewußt, das die EU auch in Deutschland schon den Souverän entmachtet hat? Findet man kaum in den öffentlichen Medien – aber bei lost in europe, dem Blog aus Brüssel:

Das Europaparlament hat grünes Licht zum “Two Pack” gegeben. Damit erhält die EU-Kommission künftig das Recht, Budgetentwürfe zu prüfen, noch bevor sie den nationalen Parlamenten vorgelegt werden. Sogar die Grünen haben dafür gestimmt – warum eigentlich? Für ein Linsengericht geben sie Brüssel mehr Macht.

Die EU-Kommission ist nicht gewählt. Der Währungskommissar muss sich keiner demokratischen Kontrolle stellen. Er setzt sich regelmäßig über das Europaparlament hinweg.

Dennoch soll O. Rehn, der dieses Amt derzeit ausübt, bald darüber befinden, ob der Bundeshaushalt den EU-Regeln entspricht. Wenn er Zweifel hat, kann er Nachbesserungen fordern.

Da bestimmt bald ein nicht gewählter Funktionär über unseren Bundeshaushalt – und kann Nachbesserungen fordern.

Was wenn der es auch auf das Geld der kleinen Sparer abgesehen hat? Kann ihn jemand aufhalten? Immerhin: Schäuble hat die Richtschnur vorgegeben:

„Wenn man auf der einen Seite nicht zu hoch gehen wollte in der Belastung der großen Investoren, dann kommt man auf die Summe nur, wenn man sie breit anlegt.“

Man bekommt die Summe nur, wenn man sie breit anlegt.

Die Forderung nach einer Abgabe auf große Sparguthaben kam vor allem aus Deutschland.

Aber in Deutschland weiß man auch, das man nur „auf die Summe“ kommt, wenn man sie breit anlegt.

Was folgt daraus? Meiner Mutter geht es noch blendend – und wir werden hier nach Strich und Faden eingenebelt. Das ist jetzt auch wissenschaftlich untersucht worden, siehe Medienwoche.ch

Die Doktorarbeit von Uwe Krüger untersucht, welchen Einfluss Eliten auf die Berichterstattung haben und zeigt die Sozialen Netzwerke der Ranghöchsten in Wirtschaft, Politik und Journalismus offline. Statt einen offenen Marktplatz an Ideen abzubilden, vertreten Journalisten oft die Positionen der Herrschenden und Agierenden.

Darum muss ich stundenlang Artikel über Artikel lesen, um mühsam herauszufiltern, was wirklich um uns herum vor sich geht. Dabei lässt sich schon jetzt erkennen, woher der Wind weht, der in Brüssel zu Tabubrüchen ohne Ende führt, siehe Spiegel:

Der Internationale Währungsfonds richtet deutliche Worte an Europas Bankenretter: Die EU müsse mehr für die Stabilität des Finanzsektors unternehmen, die Geldhäuser seien weiterhin anfällig für Krisen.

Da müssen richtig große Summen zusammenkommen. Da reicht das Geld des Steuerzahlers nicht aus. Wir sollten uns auch in Deutschland darauf einstellen, das – aller beruhigenden Worte des staatstragenden Journalismus zum Trotz – bald ein Rasenmäher über unsere Konten fährt. Was das bedeutet, merken die Zyprioten gerade jetzt, siehe Tagesschau:

Für die zyprische Regierung geht es bei den Verhandlungen mit der EU um einen Bankrott der Banken – womöglich auch des Staates. Die Krise hat aber auch ganz konkrete Auswirkungen auf das Leben der Menschen in dem Land. So bleiben die Bankfilialen bis auf weiteres geschlossen.

Leben ohne Bargeld – von heute auf morgen. Wann wohl die ersten sterben werden?

Nun – egal. Der Bankrott der Banken muss verhindert werden – wen interessieren schon noch die Menschen.

Ach ja – was die großen Investoren betrifft: das warnt schon Moody´s laut Managermagazin vor einer Kapitalflucht und schlechtem Rating. Die großen Investoren werden also wahrscheinlich noch nicht mal einen kleinen Teil der „großen Summen“ aufbringen müssen, das wird jetzt im Vorfeld schon mal klar gemacht.

Und wer wird dann die Zeche letztlich bezahlen?

Der, der jetzt nicht gleich zur Bank geht und all´ sein Geld abholt – denn der Zugriff auf die Sparkonten ist auch in Deutschland legal und … möglich, wie der Spiegel heute informiert. Wie man auch erfährt, sind aber die großen Investoren durch internationale Verträge gut geschützt…

Bleibt nur: die Sammlung breit anzulegen.

 

Journalismus? So tot wie Griechenland, Bin Laden, Gaddafi und die Demokratie: die „höheren Menschen“ säubern das Land

Samstag, 18.2.2012. Eifel.  Sieht man sich diesen Beitrag mit Christoph R. Hörstel an, so kann verstehen, warum Menschen Verschwörungsängste entwickeln und panisch auf jede Andeutung reagieren, die Mächtigen dieser Welt würden sich jemals unterhalten, jemals Strategien entwickeln und Pläne schmieden um sich noch mehr Reichtum anzueignen.  Man hört dort ungeheuerliches aus dem Mund eines Mannes, der einen beachtlichen Lebenslauf hinter sich gebracht hat - die Piratenpartei als Projekt des Verfassunsschutzes ... ein ungeheuerlicher Vorwurf. Noch viel brisanter jedoch der Vorwurf, das der Journalismus tot ist. Natürlich darf auch nine-eleven nicht fehlen, das Flaggschiff aller Verschwörungstheorien. Aber mal ehrlich ... kann man wirklich mit Sicherheit ausschließen, das eine Regierung, die unter Vorspielung falscher Tatsachen fremde Länder angreift, erobert und politisch unbequeme Mitmenschen im Ausland ermorden läßt, auch mal ein paar tausend Menschen im eigenen Land umbringt ... wenn es denn den großen Zielen der Wirtschaft nützt? Kann man wirklich mit Sicherheit ausschließen, das der Verfassungsschutz, der jahrelang mordende Nazi-Todesschwadrone in einer von seinen eigenen Leuten völlig unterwanderten rechten Szene wirken lassen hat nicht auch mal eine Partei gründet, um präventiv und aktiv gegen mögliche zukünftige Verfassungsfeinde vorzugehen? Wäre es völlig undenkbar, das die Medien im Jahre 2012 nach jahrzehntelanger Wühlarbeit von Lobbyisten, Parteien und Konzernen (inklusiver beständiger Konzentration zwecks Auflösung der Konkurrenzsituationen) gar nicht mehr unabhängig berichten können, ohne persönlich  (in Form von Arbeitslosigkeit) Probleme mit Zeitungseignern, Werbekunden und Parteivertretern zu bekommen? Können wir es uns als friedliche Demokratie überhaupt leisten, das Risiko einzugehen, in dieser Hinsicht völlig blauäugig aufzutreten? Schauen wir uns hierzu einfach einmal ein paar Nachrichten an, zum Beispiel aus der TAZ:

Samstag, 18.2.2012. Eifel.  Sieht man sich diesen Beitrag mit Christoph R. Hörstel an, so kann verstehen, warum Menschen Verschwörungsängste entwickeln und panisch auf jede Andeutung reagieren, die Mächtigen dieser Welt würden sich jemals unterhalten, jemals Strategien entwickeln und Pläne schmieden um sich noch mehr Reichtum anzueignen.  Man hört dort ungeheuerliches aus dem Mund eines Mannes, der einen beachtlichen Lebenslauf hinter sich gebracht hat – die Piratenpartei als Projekt des Verfassunsschutzes … ein ungeheuerlicher Vorwurf. Noch viel brisanter jedoch der Vorwurf, das der Journalismus tot ist. Natürlich darf auch nine-eleven nicht fehlen, das Flaggschiff aller Verschwörungstheorien. Aber mal ehrlich … kann man wirklich mit Sicherheit ausschließen, das eine Regierung, die unter Vorspielung falscher Tatsachen fremde Länder angreift, erobert und politisch unbequeme Mitmenschen im Ausland ermorden läßt, auch mal ein paar tausend Menschen im eigenen Land umbringt … wenn es denn den großen Zielen der Wirtschaft nützt? Kann man wirklich mit Sicherheit ausschließen, das der Verfassungsschutz, der jahrelang mordende Nazi-Todesschwadrone in einer von seinen eigenen Leuten völlig unterwanderten rechten Szene wirken lassen hat nicht auch mal eine Partei gründet, um präventiv und aktiv gegen mögliche zukünftige Verfassungsfeinde vorzugehen? Wäre es völlig undenkbar, das die Medien im Jahre 2012 nach jahrzehntelanger Wühlarbeit von Lobbyisten, Parteien und Konzernen (inklusiver beständiger Konzentration zwecks Auflösung der Konkurrenzsituationen) gar nicht mehr unabhängig berichten können, ohne persönlich  (in Form von Arbeitslosigkeit) Probleme mit Zeitungseignern, Werbekunden und Parteivertretern zu bekommen? Können wir es uns als friedliche Demokratie überhaupt leisten, das Risiko einzugehen, in dieser Hinsicht völlig blauäugig aufzutreten? Schauen wir uns hierzu einfach einmal ein paar Nachrichten an, zum Beispiel aus der TAZ:

Gleichzeitig tobt ja ein Krieg gegen Syrien, der medial weitgehend verschwiegen wird und der deutschen Bevölkerung nicht bewußt ist: Ausländische Geheimkommandos und Söldnerscharen sickern über alle Grenzen nach Syrien ein, Ausrüstung und Kommunikation besorgen NATO-Staaten, auch Deutschland. Aus Syrien höre ich, daß drei BND-Agenten von syrischen Dienststellen gefaßt wurden – möglicherweise will die deutsche Seite hier Tauschmöglichkeiten aufbauen.

Wieder einmal Christoph R. Hörstel. Irgendetwas schrecklich Irrationales an dieser Aussage? In Afghanistan war das Alltag – man heuerte die „Warlords“ des Nordens an, bewaffnete sie und schickte sie in den Krieg gegen die Taliban, die man vorher angeworben, mit Waffen ausgerüstet und gegen die Sowjets geschickt hatte, die wiederum hauptsächlich dafür verantwortlich waren, das die Industrie am Kalten Krieg vorzüglich verdient hatte – auch wir Deutschen haben unseren Anteil daran. Den muss man in den Medien jedoch lange suchen, nehmen wir als Beispiel Griechenland. Griechenland ist ja so ein Dauerbrenner wie bei uns Hartz IV – und dank der griechischen Tragödie können wir ja bald dankbar sein, das wir Hartz IV haben. Schauen wir mal ins Handelsblatt, wie die griechischen Schulen überhaupt zustandekamen:

Die Griechen gäben seit Jahrzehnten mehr aus, als sie verdienten, lautet ein berechtigter Vorwurf. Doch daran haben die Deutschen besonders gut verdient. Miele-Waschmaschinen, Grundig-Radios, ein Opel Olympia: Das waren schon in den 60er-Jahren begehrte Statussymbole in Griechenland – auch wenn sie für die meisten Menschen unbezahlbar blieben. Mit dem Beitritt zur EWG 1981 schlug die große Stunde der deutschen Exporteure, die Zollschranken fielen. Die Einführung des Euros gab den Ausfuhren nach Griechenland noch einmal einen kräftigen Schub. Sie haben sich zwischen 2002 und 2008 mehr als verdoppelt.

Dieser Euro war für uns ein kleines Wirtschaftswunder … nebenbei zerschlug man die einheimischen Industrien bzw. man sorgte dafür, das die erst gar keine eigenen aufbauten. Wo wird das eigentlich bei der öffentlichen Verurteilung Griechenlands berücksichtigt?

Es kommt aber noch besser:

Auch die Vertreter der deutschen Rüstungsindustrie gaben sich in Athen die Klinke in die Hand. Die Griechen waren lange ihre besten Kunden: Panzer und Geländewagen, Unimogs und U-Boote, Fregatten und Granaten. Selbst als die griechische Finanzmisere längst offensichtlich war, kam Kanzlerin Merkel nach Athen und drängte den damaligen Premier Kostas Karamanlis zum Kauf milliardenschwerer Eurofighter. Und wenn die Griechen mit einem Kauf zögerten, halfen deutsche Firmen wie Siemens oder Ferrostaal mit Schmiergeldern nach. Die wurden auf die Rechnungen draufgeschlagen.

Was bezahlen wir also heute wirklich? Die Gier und die Skrupellosigkeit deutscher Konzerne, die zudem auch noch Schützenhilfe von seiten der Nato und der Bundeskanzlerin hatten. Wir zahlen für einen Moralkrebs, der unsere ganze Gesellschaft durchsetzt hat … inzwischen hat diese Gier sogar einen Bundespräsidenten aus dem Amt gejagt, der den vielen „Zuckerchen“ der Gierindustrie nicht stringent genug ausgewichen ist. Ja, bei diesem Präsidentengeschacher kommt die deutsche Bundeskanzlerin genauso ins Spiel wie bei der Zwangsverschuldung Griechenlands, das den „Zuckerchen“ ebenfalls nicht widerstehen konnte. Schauen wir nochmal ins Handelsblatt, in dem sich der Sohn Rudi Dutschkes zum Rücktritt des Bundespräsidenten äußert:

Angela Merkel hat dieses Amt wie kein Kanzler vor ihr missbraucht. Die Art und Weise wie sie schon 2004 zusammen mit Guido Westerwelle beim geselligen Abendessen einen Finanzbeamten ins oberste Staatsamt gehievt hat, war eine Dreistigkeit.

Horst Köhler war bis zu dem Zeitpunkt, als er als Kandidat präsentiert wurde, in der Bevölkerung völlig unbekannt. Was hat es noch mit Demokratie zu tun, wenn eine Kanzlerin und ihr Stellvertreter in ihrer Allmacht und mit Parteizwang eine solche Entscheidung treffen können? 

Ja, was hat das noch mit Demokratie zu tun? Und wenn so etwas geschieht – was sagt das über unsere Demokratie aus? Und warum sollen wir dann Verschwörungstheorien in Bausch und Bogen verdammen, wenn wir doch Tag für Tag mit der Tatsache konfrontiert werden, das hinter den Kulissen der  Supernachrichtenshow ganz knallhart Politik gemacht wird, ohne uns zu fragen?

Nun vielleicht sollte uns das alles auch egal sein, denn:  die Deutschen werden immer reicher. 8,5 Billionen Euro – so schätzt der Spiegel, auf zehn Billionen kommt das Handelsblatt. „Die Deutschen“? Nein, nur ein paar „höhere Menschen“, Menschen, die es in einer Demokratie gar nicht mehr geben dürfte, die es aber trotzdem auf einmal da sind – zum Beispiel beim Wiener Opernball, siehe Welt:

Zur Fächerpolonaise zogen sie ein, in der ersten Reihe jene höheren Töchter und Söhne, deren Eltern eine der bis zu 18.500 Euro teuren Logen gebucht haben, zur Polka française „Auf Wiener Art“ begannen sie zu tanzen.

Wenn es stimmt, das ein ARD-Korrespondent wie Christoph R. Hörzel gezwungen ist, seine vier Kinder mit Hartz IV über Wasser zu halten (ich habe jedenfalls eine Nebenbemerkung in dem oben genannten Interview so gedeutet), dann würde das in Zahlen bedeuten, das für einen Logenplatz vier Kinder EINTAUSENDSECHSHUNDERTFÜNFUNDACHTZIG TAGE auf ihr Essen verzichten müssten (oder eben ein Kind achtzehn Jahre): Verhältnisse wie zum Zeitpunkt der französischen Revolution. Wahrlich, wir sind kein reiches Land, wir  sind ein willenloses und hilfloses nacktes Stück Fleisch auf der Schlachtbank skrupelloser Menschenfeinde. Zu drastisch formuliert?

Keine Sorge – ich stehe gern zu meinem Wort und liefere noch etwas nach, damit man sieht, das es nicht nur fernen Syrern, Libyern, Afghanen, Irakern und Griechen schlecht geht. Hierzu reicht ein Blick in die Welt:

Gier der Zocker gefährdet deutsche Stromnetze

Die Bundesnetzagentur warnt vor gefährlichen Handelsgeschäften an der Strombörse. Bei extremer Kälte kann der Preispoker zum Blackout führen.

Man sollte sich das wirklich einmal deutlich vor Augen führen, was das heißt: viele Heizungen werden bei extremer Kälte ausfallen. ALLE Heizungen. Kein Licht, kein Telefon, bald auch kein Wasser, wenn die Pumpen ausfallen: die spielen mit unser aller Leben – genauso wie die Ärzteschaft, ebenfalls Welt:

In Deutschland sind im Jahr 2010 nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung 1712 Patienten durch Ärztepfusch oder mangelhafte Medizinprodukte ums Leben gekommen. Zum Vorjahr entspreche dies einem Anstieg der Todesfälle um fast 35 Prozent, berichtet die Zeitung unter Berufung auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen. Demnach stieg die Zahl der durch Ärztefehler verursachten Todesfälle besonders stark: von 551 auf 944.

Nehmen wir die Zahlen der Patientenorganisationen, so verzehnfacht sich die Zahl der Todesfälle … dafür haben wir aber auch das teuerste und ineffektivste Gesundheitssystem der Welt. Nirgendwo sonst gibt es so wenig Leistung für so viel Geld, was zeigt, das unsere Gesundheit zwar teuer ist, aber keinerlei Wert mehr hat.

Damit aber noch nicht genug – der übervolle Reichtum der viel-zu-wenigen geht auch auf anderem Gebiet auf Kosten der wachsenden Armenschicht, die zunehmend aus den Städten herausgedrängt wird, siehe Welt:

Preise für Wohneigentum in Metropolen explodieren.

Das heißt: die Reichen und ihre Lakaien werden bald unter sich sein: die „höheren Menschen“ säubern das Land. Der Rest kann nach Griechenland ziehen und dort ohne Hartz IV auf der Straße leben. Medizin, Wohnraum, Stromversorgung: sogar im angeblich reichen Deutschland ist die Grundversorgung in Gefahr. Wer wissen will, wo die Verursacher stecken, braucht nur das Handelsblatt zu lesen:

Die Ratingagentur Moody’s feuert einen Warnschuss auf die Banken ab. Diesmal trifft es nicht die Institute in den europäischen Schuldenstaaten, sondern alles was in der Branche Rang und Namen hat, weltweit. UBS, Credit Suisse und Morgan Stanley könnten bis zu drei Bonitätsstufen verlieren. Bei der Deutschen Bank, Goldman Sachs, JP Morgan und Citigroup droht Moody’s eine Herabstufung um zwei Noten an. Insgesamt stellt die Ratingagentur weltweit 17 Großbanken unter verschärfte Beobachtung.

Das heißt für uns alle: nach der augenblicklich laufenden Verteilungsmechanik wird für uns alles noch teurer und noch schlechter.

Die Begründung der Aktion fällt vage aus: Die Auswirkungen der Schuldenkrise sowie die sich allgemein verändernden Finanzmärkte seien der Grund, erklärte Moody’s in der Nacht zum Donnerstag 

Das reicht als Begründung inzwischen aus – und wird von allen gedeckt. Man könnte auch sagen: der Wind hat ihnen ein Lied geflüstert. Das Lied hören alle – außer den Opfern.

Warum zahlen eigentlich nicht die Kreditausfallversicherungen für Griechenland? Ich denke, diese Frage wird schon längst nicht mehr gestellt, weil alle die, die sie stellen könnten, schon längst in das  System der „höheren Menschen“ integriert wurden, wo man es sich dank luxuriösester Ausstattung sehr gut gehen lassen kann.

Anders sieht es bei den Griechen aus:

Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung vor allem in Deutschland schultert die griechische Bevölkerung diese „Pakete“ bisher allein – die „Rettungsschirme“ sind durch Kredite und Bürgschaften unterlegt, deren Zinsen und Gebühren bisher alle pünktlich bedient wurden (im Moment ist der Saldo so, dass Griechenland einige hundert Millionen Euro an Deutschland bezahlt hat). Gleichzeitig funktioniert dieses Sparpaket nicht: die griechische Staatsverschuldung ist dadurch im Gegenteil so weit gestiegen, dass ein Stand von 120 Prozent im Verhältnis zum griechischen BIP im Jahr 2020 als wünschenswertes aber unrealistisches Ziel gilt – also ziemlich exakt der Schuldenstand, den Griechenland vor dieser Krise hatte. Das Sparpaket wird durchgesetzt von einer Regierung, die so nie vom griechischen Volk gewählt worden ist und das angeleitet wird von Mächten wie der Troika, die erst recht niemand in Griechenland oder im Rest von Europa gewählt hat. Der neueste Vorschlag dieser Mächte ist eben jenes durch „Sonderkonto“ das Haushaltsrecht. Ein griechischer Bürger hat also im Moment de facto keinerlei Einflussmöglichkeit mehr auf die Politik, die in seinem Land gemacht wird. Egal wie man es dreht und wendet, auch unabhängig von jeder Begründung – über die wir gleich noch reden werden – ist das die Abschaffung der Demokratie.

Dieser Auszug stammt aus einem Blog mit der treffenden Bezeichnung „Print würgt„. Der Autor ist Grieche – er weiß, wovon er spricht.  So tief muss man in der deutschen Medienlandschaft graben, um zu erfahren, was wirklich hinter der Griechenland-Misere steckt: eine brutale Bereicherungsaktion der „höheren Menschen“, die sich nicht scheuen, auch Ministerpräsidenten zu kaufen.

Nicht nur in Griechenland ist die Demokratie in Gefahr – das zeigt uns die Affäre Wulff in all ihren Dimensionen deutlich.

Aber:  warum erfahren wir das nicht?

Weil der Journalismus tot ist. Er ist „embedded“ in die Welt der „höheren Menschen“. Und darum glauben wir, das rundum uns herum alles in Ordnung ist, obwohl die US-Regierung internationales Menschenrecht ganz offen mit Füssen tritt, unsere Arbeit immer wertloser wird, unsere Lebenssituation immer prekärer und wir sogar im reichen Deutschland die Chance haben, im nächsten Winter frierend im Dunklen zu sitzen – alles im Dienste der Bereicherung der „höheren Menschen“.

Das man angesichts dieser Entwicklung dazu neigt, Theorien über Verschwörungen zu bilden, die Schuld haben an dieser Entwicklung, verwundert mich nicht. Anders kann man sich nicht plausibel erklären, wie sich denn all diese irrationalen, undemokratischen Elemente in die Alltagswirklichkeit einschleichen konnten.

Andererseits … kann ich auch verstehen, warum man diese Theorien fürchtet.

PS: nicht vergessen – am 4.Juli 2012 ist der erste nationale Kaufnixtag … jener Tag, an dem man den „höheren Menschen“ persönlich zeigen kann, das man auch gut ohne sie auskommt.

 

Das „Neue amerikanische Jahrhundert“ und die Selektionsarbeit der Schufa: Zukunft in Deutschland

Dienstag, 6.12.2011. Eifel. Die Ereignisse überschlagen sich - aber das war vorauszusehen. Momentan wächst die Wahrscheinlichkeit, das die Leute von "Prison Planet" Recht behalten und sich die Erde in ein von finsteren Mächten gesteuertes Riesenarbeitslager verwandelt von Tag zu Tag. Das merken nun auch Merkel und die CDU - jedenfalls manche von ihnen, siehe Welt:

Dienstag, 6.12.2011. Eifel. Die Ereignisse überschlagen sich – aber das war vorauszusehen. Momentan wächst die Wahrscheinlichkeit, das die Leute von „Prison Planet“ Recht behalten und sich die Erde in ein von finsteren Mächten gesteuertes Riesenarbeitslager verwandelt von Tag zu Tag. Das merken nun auch Merkel und die CDU – jedenfalls manche von ihnen, siehe Welt:

CDU-Fraktionsvize Michael Fuchs hat die Drohung der US-Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) heftig kritisiert, Deutschlands Bonitätsnote herabzustufen. „Ich gehe davon aus, dass hinter dieser Entscheidung von S&P ein politisches Kalkül steckt“, sagte Fuchs „Welt Online“. Er habe das Gefühl, die USA wollten vor allem von ihren eigenen Problemen ablenken, die viel größer seien als die europäischen.

Was gestandenen Politikern nicht alles so herausrutscht, wenn sie sich mal aufregen. Merkt man, welche hanebüchenen Unterstellungen der Mann von sich gibt, ohne wegen „Verschwörungstheorien“ an den Pranger gestellt zu werden?

Erstmal unterstellt er, das S&P nicht gerecht, sorgfältig und achtsam mit ihrem Rating umgehen, sondern das dort Willkür und Beliebigkeit herrscht, die sich manchmal in verbrecherischer Absicht (so könnte man „politisches Kalkül“ auch deuten) ausdrücken. Das ist doch schon ungeheuerlich, denn … was ist denn dann mit den Ratings der letzten Jahre? Welches war denn korrekt – und welches nur vorgenommen, um Geschäftspartnern einen kleinen Zuverdienst in Milliardenhöhe zuzuschanzen?

Das allein könnte schon das Grundvertrauen in die Gerechtigkeit unseres gesamten Wirtschaftssystems erschüttern – doch damit nicht genug, denn: im Weiteren unterstellt Herr Fuchs, das die US-Regierung in das Rating von S&P steuernd eingreifen kann, das also „Ratings“ lediglich eine Waffe im Kampf der Nationen um die Herrschaft über die Ressourcen sind – eine Waffe, die die USA gerade gebrauchen, um den europäischen Kontinent wirtschaftlich zu vernichten.

Wie es scheint, ist im „Neuen amerikanischen Jahrhundert“ kein Platz für Europa vorgesehen – es sei denn, als Kolonie und Aufmarschgebiet für kommende Vergeltungsschläge gegen Gegner, die eher im atlantischen denn im pazifischen Raum zu suchen sind. Leider erfahren wir in Europa nur zu selten von diesen Entwicklungen, denn hier wird hauptsächlich mit großer medialer Gewalt ein Amerikabild geprägt, das sich eng an die Vorgaben von Disney anlehnt:

Dass eine dichte Verflechtung von wirtschaftlichen und politischen Einflüssen, auch auf Forschungseinrichtungen und die Medien, wenig mit „Vielfalt, Gewaltenteilung und Transparenz … im strengen Sinne auch nicht mit Demokratie“ zu tun hat, zeigt Bernreuther am Beispiel der Mitglieder des 1997 gegründeten Project for the New American Century (PNAC). Bleibt die Frage, wieso uns auch in deutschen Medien einige Amerikafundamentalisten unaufhörlich und ohne jegliche Relativierung einreden wollen, die USA seien die Heimat und der unbeirrbare Garant von Demokratie. Nicht zuletzt damit werden ja noch die amerikanischen Bomben und die von ihnen getöteten Zivilisten gerechtfertigt.

So der Freitag vor sechs Jahren.

Heute wissen wir mehr – und sehen, das das wiedervereinigte Deutschland zu einer exakten Kopie des US-Mutterlandes wird, eine Entwicklung, die hierzulande sogar mit sozialen Errungenschaften kollidiert, die wir – witzigerweise – dem Kaiserreich zu verdanken haben. Wenn die schon schlimmer sind als der Kaiser … wie schlimm werden die dann?

Ich denke, das werden wir schon sehen. Erstmal wird die Gesellschaft mit äußerster Gewalt transformiert, damit man die wirtschaftliche Grundlage für eine effektiv funktionierende US-Kolonie schaffen kann – siehe Spiegel:

Das oberste Zehntel der Bevölkerung verdient achtmal so viel wie das unterste: Laut einer OECD-Studie haben die Einkommensunterschiede in Deutschland so stark zugenommen wie in kaum einem anderen Industrieland. Die soziale Kluft nähert sich damit den Verhältnissen in den USA an.

Wir sind nicht die einzige Gesellschaft, der das widerfährt. Türken, Franzosen und – bezeichnenderweise – Griechen hatten erlaubt, sich anders zu entwickeln, aber der Rest der „zivilisierten Welt“ marschiert zurück in den Feudalstaat, wo nicht der Adel sondern der Krämer den Lord stellt.

Die US-Kultur dehnt sich weltweit aus und markiert ihren Besitz – wie man an den überall aufgestellten McDonalds-Leuchtreklamen unschwer erkennen kann.

Sonderlich nützlich für die Stabilisierung der Eurozone war diese Aktion von S&P natürlich nicht – aber wer sollte das im Namen eines „Neuen amerikanischen Jahrhunderts“ eigentlich wirklich noch wollen? Die USA sicherlich nicht – Europa ist lästige Konkurrenz um Öl, seltene Erden und … Wasser.

Ein ganzer Kontinent voller „Kosten auf zwei Beinen“.

Der kann weg, klarer Fall. Zum Wohle der Nation. Die Politiker im Euroraum wissen das, siehe Handelsblatt:

Die Drohung durch die Ratingagentur sei ein K.O.-Schlag für alle Staaten, die sich bemühen, ihre Haushaltsdefizite zu senken, sagte der Luxemburgische Regierungschef am Dienstag in einem Interview mit dem Deutschlandfunk.

Vor allem der Zeitpunkt der Drohung kurz vor einem entscheidenden EU-Gipfel zur Schuldenkrise sein „erstaunlich“.

„Erstaunlich“ ist dies nur für die Wundergläubigen des öffentlich-rechtlichen Wohlfühlrundfunks und der privaten Nutzviehmedien – für die, die die Strömungen in der US-Politik ernst nehmen und nicht romantisch verklären, ist klar was läuft: Europa wird auf Bonsai-Niveau zurechtgestutzt. Michael Moore hatte davor gewarnt – aber leider viel zu spät:

„Die amerikanischen Verhältnisse sind ein Menetekel für den Rest der Welt. Ahmen Sie nur nicht Amerika nach. Sonst werden Sie immer mehr Gewalt und mehr Idioten bekommen“, sagte Moore im Interview mit der „Wirtschaftswoche“. Die republikanischen Regierungen hätten den Bildungsetat zusammengestrichen, „um eine Nation von Idioten zu schaffen, die sich leicht manipulieren lassen“.

Immer mehr Gewalt und immer mehr Idioten haben wir schon – und einen „neuen“ amerikanisierten Guttenberg im Nacken, der beständig Visionen einer neuen deutschen rechten Partei, die die deutsche Parteienlandschaft aufmischen könnte hervorruft – eine erfolgversprechende Vision, wenn sie genug US-Kapital hinter sich vereinen könnte.

Und während wir Deutschen uns noch in Ruhe wiegen (ohne recht wahr haben zu wollen, das wir in Europa ausführendes Organ des „Neuen amerikanischen Jahrhunderts“ werden) baut eine harmlose „Schutzgemeinschaft“ Deutschland in einen Horrorstaat mit gläsernem Bürger um: die Schufa praktiziert, wovon der Verfassungsschutz nur träumen darf – siehe Handelsblatt:

Doch auch Privatpersonen kann es treffen: Hier gibt die Schufa Auskunft. In der Regel geht es um bisherige Kreditabwicklungen, Einkommenssituation (Höhe, Arbeitgeber, Sicherheit des Arbeitsplatzes), Ausgabensituation (Miete, Kreditrückzahlungen), Vermögenssituation (vorhandene Vermögensbestandteile), Schuldensituation (Kredite, übernommene Haftungen); Güterstand.

Das scheinen die zu wissen. Wieviel ich verdiene, wie hoch meine Miete ist, was ich an Wertpapieren und Edelmetallen auf der Bank habe, was meine Briefmarkensammlung wert ist und wie sicher mein Arbeitsplatz ist. Sie sind auch stolz darauf:

Die SCHUFA unterstützt mit Ihren Produkten und Services dabei solche Kreditgeschäfte schnell und sicher abzuschließen. Mit kreditrelevanten Daten zu 66,2 Millionen natürlichen Personen (darunter auch Freiberufler und kleingewerbetreibende) sowie zu etwa 1,5 Millionen im Handelsregister eingetragenen Unternehmen, schaffen wir das erforderliche Vertrauen. Unternehmen können so sichere Kreditentscheidungen auf Basis fundierter Daten treffen und das Risiko von Zahlungsausfällen reduzieren. 

Fast das ganze deutsche Volk hat solch eine „Rating“ über sich ergehen lassen müssen – ohne das wir es sonderlich groß merken. Keine Schulden? Kein Problem – wer Schulden hat, der wird sowieso nicht mehr mit einem finanziellen Verwertungskennzeichen beglückt, siehe Verbraucherzentrale Bremen:

Selbst wenn Sie sich nichts haben zuschulden kommen lassen (haben Sie schon negative Einträge bei der SCHUFA, wird der Score gar nicht erst berechnet), kann Ihre Bonität angezweifelt werden. Grund dafür ist das Prognoseverfahren der SCHUFA. Der Score (sinngemäß: „Punktezahl“, „Punktestand“) ist ein Prozentwert zwischen eins und Hundert, der per Computer ermittelt wird. Je niedriger der Wert, desto schlechter ist die finanzielle Prognose.

Toll, oder? Ein ganzes Volk gescannt, gescort und mit einer Nummer versehen, die Auskunft gibt über die Verwertbarkeit des Einzelnen. Damit hat man wirklich jeden in der Hand … denn das Scoring entscheidet über Alles. Wie das Scoring stattfindet, bleibt geheim, siehe Vergleich.de:

Die SCHUFA ist allerdings nicht bereit, die Berechnung des Scores zu veröffentlichen, da sie hierdurch Risiken für die Aussagekraft des Scores sieht. Denn „kriminelle“ Subjekte könnten dann Ihren SCHUFA Score zu Ihren Gunsten beeinflussen.

Die Qualität der Auskünfte ist dabei … weniger brilliant:

Der aus den Informationen errechnete „Score“ gibt Auskunft über die Kreditwürdigkeit einer Person. Die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung, kurz Schufa, ist die größte Scoring-Firma, deren Datensammlung von Banken, Versicherern, Vermietern und Telefongesellschaften genutzt wird. Wer negative Schufa-Einträge aufweist, kann Schwierigkeiten haben, einen Kredit oder eine Wohnung zu bekommen. 

Die Schufa weise in der Stichprobe eine Fehlerquote von 35 Prozent auf. 

Man bekommt – kein Konto, keine Versicherung, keine Wohnung, kein Telefon … aber ansonsten natürlich alle staatsbürgerlichen Rechte, sofern der Postbote den Wahlschein unter die Brücke liefern kann, unter der man gerade liegt, obwohl man eigentlich genug Geld hätte, sich was anderes zu leisten. Geld reicht aber nicht, wenn das Scoring nicht ok ist.

Die Schufa ist übrigens zu über 50% im Besitz von Kredit- und Privatbanken – wohlgemerkt. Ja, genau jener Banken, die gerade dafür Sorge tragen, das wir alle täglich ärmer werden.

Und so … schreiten wir immer weiter voran in einen Prozess, der bald „biblisch“ genannt werden kann:

„Das Tier hatte alle Menschen in seiner Gewalt: Hohe und Niedrige, Reiche und Arme, Sklaven und Freie. Sie mußten sich ein Zeichen auf ihre rechte Hand oder ihre Stirn machen, so daß niemand kaufen oder verkaufen konnte als nur der, welcher dieses Malzeichen hat: den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens. Hier ist Weisheit vonnöten. Wer Verstand hat, der kann herausfinden, was die Zahl des Tieres bedeutet, denn sie steht für den Namen eines Menschen. Es ist die Zahl 666.“

Wir können das auch modern ausdrücken, wie das der verstorbene SPD-Politiker Hermann Scheer getan hat:

 „Wenn wir so weiter machen, dann kommen neue Selektionsmechanismen zwischen Staaten, zwischen Rassen, zwischen Religionen, zwischen berechtigten Menschen und unberechtigten, zwischen wertvollen und nicht wertvollen Menschen, dann wird der monetäre Wert des Menschen irgendwann in den Vordergrund geschoben und dann beginnt ein neues Zeitalter der Barbarei. Das ist unausweichlich.“

Merkt man jetzt, warum der anfangs zitierte Michael Fuchs so nervös wird?

Schon jetzt wird in Deutschland unter Führung der Banken des ganze Volk wieder einmal selektiert, jedem wird eine Nummer zugewiesen, die seinen „Wert“ ausdrückt, eine Nummer, die bestimmt, ob er wohnen darf, telefonieren, Geld besitzen oder Auto fahren kann … alles jenseits staatlicher Kontrolle und jenseits der Erlaubnis (oder überhaupt des Wissens) des Souveräns.

Wer weiß, wie die den Fuchs „scoren“, wenn die Europa schon so „raten“?

Da ist der Existenzberechtigungsschein ganz schnell futsch.

Beruhigen kann man alle, die jung sind, aus gutem Hause stammen, über Bildung verfügen und gut aussehen: für sie wird es einen Platz im Neuen Deutschland geben. Ariern ging es im Dritten Reich auch nicht schlechter als vorher – wenn sie keine Fehler machten.

Schade nur … das nicht alle auf ewig jung bleiben, oder?

Aber das wird sicher auch bald ein Bereich, über den die Medien nicht mehr berichten: Tod und Sterben ist im „Neuen amerikanischen Jahrhundert“ nur für die „Feinde“ vorgesehen.

PS: und jetzt bitte nicht bei der Schufa nachfragen – das könnte das Scoring schon sehr negativ beeinflussen, auch wenn die Gerichte diese Praxis untersagt haben.

 

 

 

 

 

Stuttgart 21, die Weltherrschaft der Konzerne und die Ohnmacht des Bürgers

Stuttgart 21 wird ja nun weitergebaut. Das verwundert mich nicht weiter. Die Macht der Konzerne, die Vernetzung ihres Personals mit Medien und Politik ist inzwischen so dicht, das nur ein freiwilliger Verzicht der Mächtigen in diesem Land das Projekt aufhalten könnte. Wieder einmal werden die Bürger Zeugen ihrer eigenen Hilf- und Machtlosigkeit, dürfen ihre Ohnmacht im Detail erleben.

Stuttgart 21 wird ja nun weitergebaut. Das verwundert mich nicht weiter. Die Macht der Konzerne, die Vernetzung ihres Personals mit Medien und Politik ist inzwischen so dicht, das nur ein freiwilliger Verzicht der Mächtigen in diesem Land das Projekt aufhalten könnte. Wieder einmal werden die Bürger Zeugen ihrer eigenen Hilf- und Machtlosigkeit, dürfen ihre Ohnmacht im Detail erleben. Spätestens nach dem die „Bekenntnisse eines Oeconomic Hit Man“ erschienen sind sollte man wissen, mit welcher Systematik Wirtschaft Politik in den Griff bekommt und auch vor Mord nicht zurückschreckt. Eher als Legende einzustufen sind wohl die Bekenntnisse eines „Bankinsiders“, der Beobachtungen zur Bezahlung von Auftragsmorden gemacht hat – allerdings sollte man der Legende zugute halten, das sie zwar wenig Greifbares enthält – ausser dem Interview mit irgendeinem Unbekannten – das sie aber andererseits ohne weiteres wahr sein kann. Geheimdienste aller Welt unterhalten Konten bei Banken – und die Kommunikation durch handgeschriebene kleine Zettel, die erst dechriffiert werden müssen, ist für beide Seiten deutlich sicherer als die Auftragsbestätigung per E-Mail. Seit der Existenz von Wikileaks müssen schwarze Konten halt alternativer geführt werden.

Man könnte solche Berichte ins Reich der Legenden verweisen und sie dort belassen, wenn sie alleine für sich stünden. Stehen sie aber nicht. Es gibt nun mal Geheimdienste und ihre Methoden sind nicht zimperlich. Wenn ein deutscher Bundespräsident und ein deutscher Verteidigungsminister in dieser Zeit schon offen darüber schwadronieren können, das die Bundeswehr die Wirtschaftsinteressen des Landes sichern soll, dann ist das ein eindeutiges Indiz dafür, wie derangiert die politische Kultur in diesem Lande ist und lässt nur Übles vermuten über das, was sich mitlerweile in der Welt der Geheimdienste abspielt. In den USA ist die Verflechtung von Wirtschaft und Politik gang und gebe,  die Älteren von uns Deutschen sind mit dem sicheren Wissen großgeworden, das der CIA jederzeit mittels Militärputsch für optimales Renditeklima sorgt – in Argentinien, in Chile … oder auch in Griechenland, ein Land, das aktuell wieder für Schlagzeilen sorgt.

Das Muster der ökonomischen Okkupation ist immer gleich, die Oeconomic Hit Man arbeiten immer nach dem gleichen Prinzip: erst billige Kredite aufschwatzen, dann die Rechnung präsentieren: die „harte Hand“ muss wieder durchgreifen, wie Unionsfraktionschef Kaufer unlängst den Griechen gedroht hat.  Ob er damit die erneute Förderung einer Militärdiktatur in Griechenland meinte, möchte ich erstmal nicht glauben, die Forderung des FDP-Abgeordneten Chatzimarkakis, mit 200 EU-Beamten Griechenland auf Kurs zu bringen hört sich aber schon bedenklich nach Forderungen in diese Richtung an. Wie eine harte Hand aussehen kann, sieht man vielleicht gerade in Saudi-Arabien, deren Säbel gerade neue Hinrichtungsrekorde erzielen während ihre Öldollars den saudischen way of life in Ägypten und Lybien ausbreiten wollen.  Diktaturen im Aufwind?

Es scheint so. Unlängst forderte das Wall Street Journal im Zusammenhang mit dem illegalen Krieg in Lybien die Diktatur des Präsidenten: es schämt sich langsam keiner mehr, die Notwendigkeiten, die sich aus der Korporatokratie, der Herrschaft der Konzerne, ergeben, offen anzusprechen, zumal die ihre Macht offen ausspielen: wer zahlt befiehlt, wer empfängt, hat zu gehorchen. Nach England und den USA droht man jetzt auch Frankreich offen mit einem miesen „rating„. Nun – die Chinesen halten die USA sowieso schon für zahlungsunfähig, auf Bundes- und Gemeindeebene drohen Zahlungsausfälle in Höhe von hunderten von Milliarden Dollar.

Den Konzernen geht es mitlerweile prächtig, sie und ihre Kassen sind dank Dollarflut prall gefüllt, was zu vermehrten Aufkäufen und höherer Machtkonzentration führt – finanziert durch das billige Geld des Steuerzahlers … und die EZB setzt alles daran, das das so bleibt.

Die Macht der Konzernwirtschaft wächst in diesen Tagen ins nahezu Unermessliche, sie haben die demokratischen Systeme infiltriert und instrumentalisiert, so das Politik alternativlos geworden ist – und damit der Berufsstand des Politikers auch vom Militär gut und effizient ausgefüllt werden kann. Wo es nur noch darum geht, Befehle auszuführen, sind Soldaten nützlicher als schwerfällige Parteischergen, die alles immer erst in Arbeitsgruppen ausdiskutieren wollen.

Dabei haben wir noch Glück. Deutschland ist der neue Hauptstützpunkt der US-Wirtschaft in Europa,  hier geniert man sich noch etwas. Wir waren ja auch fleissig, unsere Politiker, die wie Cem Özdemir oder „KaTe“ zu Guttenberg „erfolgreiche“ US-Aufenthalte mit nützlichen Kontakten hinter sich gebracht haben, haben dafür gesorgt, das dieses Land den Kurs der Agenda 2010 beibehält. Das beschützt uns etwas vor der „harten Hand“, die ansonsten gerne auch aus Kindern Arbeitssklaven macht: schätzungsweise 200 Millionen erarbeiten den Grundstock für die Gewinnmarge der Großkonzerne.

Und da regen wir uns über einen Bahnhof auf.

Wir sollten mit diesem Protest vorsichtig sein. Ganz schnell könnte auch unser Rating wackeln, ganz schnell  könnte man uns andere Rechnungen präsentieren, ganz schnell könnten auch wir Opfer der „harten Hand“ werden, die wir für die Griechen jetzt herbeibeschwören wollen, um uns vor weiteren Kosten zu schützen.

Die Kosten jedoch … sind unser Lebenssinn. Wir sind zum Zahlsklaven geboren worden und werden den Job bis ans Ende unserer Tage zu machen haben. Wir werden solange bezahlen, bis nichts mehr da ist und sich die Konzerne gnädig von uns abwenden, uns ohne Wasser, Energie und Lebensmittel in den Ruinen unserer einst blühenden Städte verkommen lassen, während sie sich in Asien neue Wirte suchen, die sie aussaugen können.

Vielleicht dürfen wir dann noch dankbar für die Chinesen Hemden nähen und unsere Kinder für sie in den Minen Afrikas arbeiten.

Unvorstellbar? Die USA warnen doch schon ganz offiziell davor, das sie sich die europäischen Hampeleien nicht ewig anschauen werden … womit nebenbei die nächsten Schritte zur Verschlechterung unseres Ratings angemahnt werden, denn eine Erhöhung der Rüstungsausgaben würde angesichts leerer Kassen über noch mehr Staatsschulden laufen müssen.

Merkt man jetzt, wie perfide und dicht gewoben das Netz ist, in dem wir stecken, wie alternativlos unsere Zukunft geworden ist, seitdem wir zu Kriegen „ja“ gesagt haben? Die Kriege werden unsere Kosten erhöhen, die Kosten verschlechtern das Rating, was unsere Kosten erhöhen wird, was wiederum das Rating verschlechtert und zu höheren Kosten führt. Und wenn wir uns den Kriegen entziehen? Dann kriegt man uns eben über die gestiegenen Kosten für das Gesundheitswesen, für EU-stimulierte Modernisierungsaktionen unserer Badezimmeramaturen oder über den Zwang zum neuen Elektroauto, das selbst dann wiederum den Gebrauch von Atomkraftwerken unverzichtbar werden lässt.

Stuttgart 21 ist alternativlos, weil die Bedienung des Renditewahns alternativlos geworden ist. Wir zahlen oder wir zahlen. Wir dürfen aber noch wählen, ob uns ein roter, schwarzer oder grüner Oberkellner die Rechnung serviert.

Das sich Spitzen von Wirtschaft, Bankenwelt und Medien jetzt mit dem nagelneuen Kanzlerkandidaten Steinbrück im Rahmen der Bilderbergertreffen beschnuppern dürfen, ist vor dem Hintergrund der sich ausbreitenden Herrschaft der Konzerne alles andere als unbedenklich. Selbst wenn man der Argumentation der Bilderberger folgt und die Treffen nur der zwang- und sinnlosen Plauderei dienen und man einfach mal glaubt, das Menschen, die ihre Terminkalender ansonsten minutiös verwalten lassen einfach mal eine Woche ihrer kostbaren Arbeitszeit sinnlos verplaudern können, gäbe es gute Gründe, diese Treffen vom Verfassungsschutz durchleuchten zu lassen – allein, weil ihre Inhalte und Ergebnisse geheim und ihre Teilnehmer ziemlich mächtig sind.

Mehr und mehr driftet die Welt in eine Richtung, in der Konzerne ihre Interessen widerstandslos durchsetzen können – und da sollen wir es einfach so hinnehmen, das es seit sechzig Jahren ein Gremium gibt, das wirtschaflicher Macht die Möglichkeit gibt, mit Politik und Medien unter Ausschluss der Öffentlichkeit jedes Jahr eine Woche „einfach nur reden“ zu können?

Wir müssen es einfach hinnehmen – genau wie diesen Bahnhof und den zukünftigen Kanzler Steinbrück, der sich vielleicht jetzt gerade bei den Bilderbergern das Ok für seine Kanzlerschaft holt und sich für die Verzögerungen beim Bahnhofsbau entschuldigt.

 

Die letzten 100 Artikel