Rassismus

This tag is associated with 28 posts

Begriffsverwirrung über das R-Wort | Wehrpflicht für den Frieden

Gibt es Rassismus gegen Weiße? Wie rassistisch ist die Berliner Polizei? Und wie positioniert sich der Mediennachwuchs in der ganzen Debatte? All das erfahrt ihr hier, in einer neuen Folge 451 Grad!
Wer artig seine #Rundfunkgebühren gezahlt hat, der weiß, dass sich seit den Black Lives Matter Protesten in Amiland, auch bei uns alles um Rassismus dreht. Gibt es strukturellen Rassismus in Deutschland? Welche Statue sollte bei uns vom Sockel gestoßen werden? Wie umfangreich ist Rassismus innerhalb der Polizei vertreten? Fragen über Fragen die nach einer Antwort verlangen. So zumindest stimmt die heimische Medienlandschaft den Tenor an. Doch einer muss auch bei dieser Debatte wieder den Bogen überspannen. Dieses Mal ist es die #zett – das Jugendmagazin des Zeitverlags. Die Redakteurin Celia Parbey sagt nämlich, dass Rassismus nicht einfach nur etwas mit der Ablehnung einer gewissen Hautfarbe zu tun hat. #Rassismus muss schon im System verankert sein, damit es Rassismus sein kann – behauptet #Parbey. Und wo bitte sind denn schon Weiße strukturell benachteiligt?! Kann es Rassismus gegen Weiße daher gar nicht geben?
Und mit zugedrückten Augen geht es gleich weiter! Innenminister Horst Seehofer hat erneut eine Untersuchung zum Rassismus innerhalb der Polizei abgelehnt. Racial profiling? Davon will der Horst nichts wissen! Doch hat das CSU-Urgestein dieses Mal vielleicht sogar recht? Eingegangene Beschwerden bei der Berliner Polizei zur fremdenfeindlichen Diskriminierung scheinen nämlich nicht so ergiebig zu sein, wie dies einige gehofft haben. Ist dennoch eine Untersuchung notwendig? Arthur geht den Dingen wieder einmal auf den Grund, in einer brandneuen Folge 451 Grad!

Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr soll weichen

Zu Beginn des Sommerlochs treibt die neu entflammte Rassismusdebatte seltsame Blüten. Selbsternannte Anti-Rassisten haben jetzt ihren gerechten Zorn auf das „M-Wort“ fokussiert. Der Mohr soll weichen – Straßen- und Apothekennamen, Stadtwappen und sogar Kanaldeckel, die teils seit Jahrhunderten den Mohren im Namen tragen oder abbilden, werden nun als rassistisch empfunden und passen offenbar nicht mehr in unsere ach so aufgeklärte Zeit. Die Berliner Verkehrsbetriebe sahen sich bereits genötigt, eine U-Bahn-Station umzubenennen und in Coburg tobt ein erbitterter Streit um den Schutzpatron der Stadt, den „Coburger Mohr“. Die Enkel der Nazis schaffen es womöglich sogar, woran ihre Groß- und Urgroßmütter und -väter gescheitert sind – den Mohren in Wort und Bild aus dem Stadtbild zu vertreiben. Gerade so, als würde unsere Gesellschaft und unsere Geschichte besser, wenn wir alle paar Jahre Straßennamen ändern und Denkmäler entfernen, anstatt aus der Geschichte zu lernen und Dinge, die nicht stromlinienförmig unserer Gesinnung entsprechen, als Stolpersteine zu begreifen, die zum Nachdenken anregen können.

Wer sägt schon am eigenen Ast?

Wenn US-Technologiekonzerne „Rassismus bekämpfen“

Alle sind derzeit ganz laut und öffentlichkeitswirksam gegen Rassismus. Doch scheint die Rassismusdebatte spätestens an der Landesgrenze zu enden. Ab dort beginnt wieder das Geschäft.

Gute Demos, schlechte Demos

Gegen Rassismus haben am Wochenende zahlreiche Menschen demonstriert. Das ist zu begrüßen – es macht aber auch eine massive Ungleichbehandlung deutlich: Die Demos für Grundrechte sollten die gleiche Toleranz erfahren.

„Die Polizei hat eindeutig ein Rassismusproblem“

Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd in den USA ist das Thema Rassismus innerhalb der Polizei in den Mittelpunkt der gesellschaftlichen Debatte gerückt. Auch in Deutschland bemängeln Menschenrechtler unzureichende Schutzmechanismen für Opfer rassistischer Polizeigewalt.

So hat auch die Co-Vorsitzende der SPD, Saskia Esken, die Diskussion über die Zustände in Deutschland angefeuert, indem sie der deutschen Polizei „latenten Rassismus“ vorgeworfen hat.

Biplab Basu arbeitet seit über 30 Jahren als Berater bei der Beratungsstelle ReachOut in Berlin. Täglich betreut er Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt. Im Jahr 2002 gründete er die „Kampagne gegen rassistische Polizeigewalt“ (KOP). Im Interview mit RT Deutsch spricht er unter anderem über die Aussage von Saskia Esken – und warum er diese für untertrieben hält.

K.-o.-Tropfen für die Gesellschaft: Das Problem mit dem Antirassismus

Weisen Ihre äußerlichen Merkmale auf eine „kaukasische“ Herkunft hin? Dann bleiben ihnen zwei Möglichkeiten: Sie können Buße tun, bis Sie sich in einer Schuld-Pfütze aufgelöst haben. Oder aber Sie stellen sich tot und hoffen, dass der Zeitgeist auch wieder vorbei sein wird.

?t=3

USA: Halbherziger Kampf gegen Rassismus im Zeichen der Imagepflege

Keine Regierung, kein Politiker und kein Unternehmen können es sich leisten, nicht öffentlichkeitswirksam gegen Rassismus zu Feld zu ziehen. Auch die großen Technologiegiganten machen mit großen Spenden und noch größeren Worten auf sich aufmerksam.
Doch handelt es sich hierbei nur um Imagepflege? Denn sämtliche Global Player unserer Zeit – multinationale Konzerne, die auf der ganzen Welt produzieren, Handel treiben und Waren kaufen oder verkaufen – leben davon, Arbeitskräfte in Schwellen- oder Entwicklungsländern auszubeuten. Die Rassismusdebatte scheint spätestens an der Landesgrenze zu enden. Ab dort beginnt wieder das Geschäft.

USA verwässern UNO-Resolution gegen Rassismus

Die Signalwirkung des Falles George Floyd hat dazu geführt, dass sich der UN-Menschenrechtsrat mit dem Rassismus in der US-Gesellschaft beschäftigt hat. Im endgültigen Resolutionsentwurf werden die Vereinigten Staaten jedoch nicht mehr ausdrücklich erwähnt. Vielmehr sind die Formulierungen eher vage und allgemein gehalten. Denn trotz ihres Austrittes aus dem UN-Menschenrechtsrat, haben die USA über ihre Verbündeten noch immer eine Menge Gewicht.

Weltpolizist auf der Anklagebank: Afrika wirft USA Rassismus vor

Wegen der Rassenunruhen in den USA haben 54 afrikanische Staaten den UN-Menschenrechtsrat angerufen und eine Untersuchung gefordert. Auch die Familie des getöteten Afroamerikaners George Floyd hat sich für eine Beteiligung der Vereinten Nationen ausgesprochen.

Alles Rassisten?

Der Kampf um das kulturelle Erbe des Empire in Großbritannien

Im Rahmen der Proteste der Black Lives Matter-Bewegung in Großbritannien wird der Umgang mit dem kolonialen Erbe des einstigen Empire zunehmend in Frage gestellt. Ob das Königshaus oder Winston Churchill – der Vorwurf des Rassismus macht auch vor ihnen nicht halt.

Der Mord an George Floyd: kein Einzelfall, …

…sondern Teil des Krieges gegen Schwarze in den USA

STANDPUNKTE

Hermann Ploppa

Hat die deutsche Polizei ein Rassismus-Problem?

SPD-Chefin Esken sieht bei deutschen Sicherheitskräften einen latenten Rassismus und fordert, dass entsprechende Beschwerden über Polizisten von einer unabhängigen Stelle geprüft werden. Gibt es bei der deutschen Polizei also tatsächlich ein strukturelles Problem mit Hang zum Rechtsextremismus? Die Vorwürfe sind nicht neu. Während der vergangenen zwanzig Jahre sind eine ganze Reihe von Menschen nichtweißer Hautfarbe durch Polizisten oder in Polizeigewahrsam in Deutschland ums Leben gekommen. Der bekannteste Fall war der Tod von Oury Jalloh. Die verkohlte Leiche des Asylbewerbers aus Sierra Leone wurde 2005 in einer Gewahrsamszelle einer Polizeiwache in Dessau gefunden. Ein neues forensisches Gutachten kam im Oktober 2019 zu dem Ergebnis, dass Oury Jalloh vor seinem Tod schwer misshandelt wurde. Doch worum handelt es sich dabei? Einzelfälle oder Struktur?

Fawlty Towers S1E6 The Germans

Comedy-Kultfolge wegen „rassistischer Beleidigungen“ entfernt – Kritik von John Cleese
Der Schauspieler John Cleese (“Monty Python’s Flying Circus”) hat einen britischen Streaming-Dienst kritisiert, der eine Episode der Serie „Fawlty Towers“ aus dem Programm genommen hat.
Die Folge „The Germans“ war zuvor kritsiert worden, weil sie rassistische Beleidigungen enthalte. Cleese, der in der Kultserie aus den 1970-er Jahren die Hauptrolle spielt, sagte dazu, die Episode sei falsch verstanden worden. Sie sei eine Kritik an rassistischen Einstellungen, keine Billigung derselben. Der Sender UKTV teilte mit, „The Germans“ solle demnächst zusammen mit zusätzlichen Hinweisen wieder online gestellt werden. Ältere Beiträge würden regelmäßig geprüft, um zu garantieren, dass Zuschauererwartungen erfüllt werden. Dabei werde besonders auf veraltete Sprache geachtet.
Die Folge, die im Oktober 1975 erstmals ausgestrahlt wurde, dreht sich um den Hotelbesitzer Basil Fawlty, der eine Gruppe deutscher Touristen beleidigt. Fawlty sagt wiederholt „Fangen Sie nicht vom Krieg an“ und gibt schließlich eine Hitler-Imitation zum Besten.
Quelle: Deutschlandfunk
Anmerkung Jens Berger: Es ist erschreckend, wie falsch verstandene politische Korrektheit die kulturelle Vielfalt vor allem auf dem Gebiet der Satire bedroht. Es liegt in der Natur der Satire, dass sie oft von genau denjenigen nicht verstanden wird, die sie eigentlich aufs Korn nimmt. John Cleese hatte die fehlgeleitete Debatte um diese Perle der Satire mal mit den Worten kommentiert:
“Everybody thinks that was a joke about the Germans but they missed it. It was a joke about British attitudes to the war and the fact that some people were still hanging on to that rubbish”.

Riots und Rassismus in den USA und die darüber stehende soziale Frage

Gespannt blicken wir Europäer auf die jüngsten Ereignisse in den USA. Polizeigewalt, Riots und Proteste erschüttern das zutiefst gespaltene Land. In diesem Video wollen wir jenseits des aktuellen Hypes um Trump und Rassismus versuchen, das Geschehen in ein größeres Bild einzufügen.

Ein Blick auf die Geschichte zeigt, dass es viele und schwere Riots und Aufstände in den USA gab, die mit Gewalt niedergeschlagen wurden. Dabei ging es nicht immer um Unterdrückung der Schwarzen, sondern viel mehr um die Unterdrückung der unteren Schichten. Der gegenwärtige Fokus auf Rassismus, ein sehr junger Begriff, lenkt ab vom wirklichen Thema, der sozialen Frage. Wie Warren Buffet einmal sagte, „Es läuft ein Kampf reich gegen arm und meine Klasse gewinnt.“

Tatsächlich zahlt den Preis immer das einfache Volk. Nach den Detroit Riots von 1967 wurden Zentren afroamerikanischer Kultur, wie die Hastings Street, gentrifiziert. Im 19. Jahrhundert wurde die Arbeiterbewegung niederkartätscht, um den Weg freizumachen für die Oligarchen, die ihre Macht wiederum nutzten, die USA Schritt für Schritt zu einer Art Mafiastaat zu verwandeln, von Jekyll Island bis zu den aktuellen Billionen-Bailouts.

Die USA sind ein gescheitertes Sozialexperiment, sagte kürzlich Cornel West. Durch die Amerikanisierung und Globalisierung wird versucht, dieses fragliche Gesellschaftsmodell in vielen Ländern zu etablieren. Was können wir in Europa und Deutschland tun, um ein friedliches Miteinander in unseren Städten zu sichern? Gibt es Alternativen? Schliesslich haben wir in Mitteleuropa eine lange Geschichte urbaner Kultur, die ein selbstbewusstes, souveränes Bürgertum hervorbrachte. Dort sollten wir nach Lösungen suchen, bei unseren Erfahrungen und Stärken.

Kleine Denunziation

Martin Sonneborn

Jetzt neu! Kurzer Film! Nur 3 Minuten 25 lang! 3 Minuten 25 Gerede zu Polizeigewalt etc., die Ihnen vorkommen werden wie 3 Minuten 18, ehrlich! Probieren Sie es aus! Sie werden es (vermutlich) nicht bereuen! Achtung: Film kann Spuren von Gewalt enthalten.

Rass

Black Lives Matter

Warum die Systemfrage für die Bekämpfung des Rassismus relevant ist

CITATION OF MARTIN LUTHER KING JR. IMAGE IN VIDEO:
Author: New York World-Telegram and the Sun staff photographer: DeMarsico, Dick, photographer.
Source: New York World-Telegram and the Sun Newspaper Photograph Collection.
Credit Line: Library of Congress, Prints and Photographs Division, NYWT&S Collection, [reproduction number, e.g., LC-USZ62-90145]

US-Unruhen: Hysterie und Heuchelei

Tobias Riegel

Die SPD: ihre Fachkraft für Sozialrassismus

Digital StillCamera
Freitag, 23.9.2016. Eifel. War ja eine sensationelle Nachricht die Tage: Müntefering, der alte Knochen aus dem Sauerland, verzichtet auf knapp 7000 Euro Rente. Wollte die Jubelmeldung selber bringen: wäre ja ein schönes Signal an die vielen „Parasiten und Schmarotzer“ (Originalton Sozialdemokrat), die von unseren Steuergeldern leben – vor allem die in Parlamenten – das man das Mandat auch als Ehrenamt begreifen kann, für das man gar kein Geld bekommen braucht. Was würden wir sparen, wenn sich all die Leute an den Geldtöpfen mit 600 Euro im Monat bescheiden würden? Deutschlands Schulden wären ruckzuck weg – aber wie ernähren lieber einen gigantischen, unersättlichen Wasserkopf, anstatt rational zu wirtschaften und nur das auszugeben, was da ist. Nur: leider meinte der Müntefering das so nicht. Der große Aufreger, der durch Deutschland ging, war mal wieder nur eine schnatternde Ente. Das, was Münte („wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“) gesagt  hat, war viel schlimmer, glauben Sie mir.

Zitieren wie ihn mal vollständig – solange wir das noch dürfen, wenn das neue EU-Recht wirkt, darf der Graswurzeljournalismus das nicht mehr – bzw. es wird sehr sehr teuer (siehe Süddeutsche):

„Nur weil jemand auf nur 600 Euro Altersrente kommt, muss er ja nicht arm sein. Meine Mutter hatte keine Rentenansprüche, mein Vater ja. Meine Mutter hatte nicht das Gefühl, arm zu sein. Es war klar, dass das Haushaltseinkommen zählte. Ich denke, das gilt weiter“

Mir geht es nicht darum, dass die Definition von Armut nun ab heute von den Gefühlen von Müntes Mutter abhängig ist, sondern um das Denken dahinter, das man zurecht als frauenfeindlich deuten darf: sollen sich die Frauen doch einen Versorger suchen! Müntes vierzig Jahre jüngere Frau ist auch nicht arm – sie hat ja Münte. Die Empfehlung ist klar: Frauen – verkauft euch an einen reichen Mann, dann reichen auch 600 Euro Rente! Und wer sich nun nicht rechtzeitig um einen privaten „Versorger“ gekümmert hat – nun, der fällt aus dem Bewusstsein des Münte heraus.

Wir wollten ja aber über die SPD reden – bzw über deren Sozialrassismus. Was ist da eigentlich, „Rassismus“? Ich frage da mal die Bundeszentrale für politische Bildung (die BpB):

Der (politische, soziale) R. unterstellt eine Homogenität biologischer Rassen aufgrund äußerlicher Unterschiede von Menschen (wie z. B. der Hautfarbe). Den so konstruierten Gruppen werden fälschlicherweise bestimmte Wesenszüge und Charaktereigenschaften zugeschrieben. Diese werden in Bezug auf die eigene Gruppe überhöht und in Bezug auf andere Personen oder Gruppen abgewertet. Der R. fördert damit das eigene Überlegenheitsgefühl und erzeugt Vorurteile, Ablehnung und Feindseligkeit gegenüber anderen Menschen und führt zu sozialer Ausgrenzung.

Die BpB trägt hier noch einen primitiven Begriff von „Rassismus“ in die Welt, die Uni Düsseldorf ist da schon moderner – mit konkretem Blick auf realen Rechtsradikalismus (siehe Forena):

„Viele Opfer offener rassistischer Gewalt waren und sind Obdachlose, Behinderte oder Homosexuelle. Wenn sie auf offener Straße angepöbelt, angegriffen oder sogar erschlagen wurden und werden, richtet sich der Blick mit Abscheu vor allem auf die rassistischen, meist jugendlichen Täter. Dabei gibt es sowohl bei der Auswahl der Opfer als auch dem Versuch, sie aus dem öffentlichen Leben verschwinden zu lassen, Überschneidungen mit Denkweisen und Praktiken der Ausgrenzung, die in der Mitte der Gesellschaft fest verankert sind.“

Wissenschaftler wie sie sind formulieren sie auch die neuen Ansprüche der ultrarechten Szene an den „neuen Menschen“:

„Vor diesem Hintergrund wurde in diesem Projekt untersucht und dokumentiert, wie heute mit Menschen umgegangen wird, die keinen Platz (mehr) in der leistungsorientierten Arbeitsgesellschaft haben, die leistungsgemindert, behindert, schwerstkrank sind.“

Schon diese Menschen sind in Gefahr – durch rechtsradikale Skinheads. Und durch die SPD, die in ihren Köpfen nur noch Platz hat für den kerngesunden , bescheidenen und demütigen deutschen Arbeiter, der auch mit 75 noch auf dem Bau arbeitet, selbstverständlich genug Geld heranschafft, um sich eine Frau halten zu können, die wirtschaftlich absolut von ihm abhängig ist. Ich möchte die liebe Frau Adelheid Schmitz, die diesen aufschlussreichen Aufsatz formulierte, noch ein einziges mal zitieren, damit Sie begreifen, wie tief er faschistische Geist schon längst in die Mitte der Gesellschaft – also: in der SPD – eingedrungen ist:

„So wird z.B. nicht oder selten wahrgenommen, dass die humangenetische Zielsetzung „Kommendes Leid verhindern“ und die von rechten Skinheads zu hörende platte Parole „Unnützen Fressern das Maul stopfen“ viel miteinander zu tun haben: immer geht es darum, dass Menschen, die den Kriterien der leistungsorientierten Arbeitsgesellschaft nicht entsprechen, die schwerstkrank oder behindert sind, möglichst aus der Welt verschwinden oder gar nicht erst geboren werden sollen.“

Ja – der faschistische Geist teilt sich mit Münte den Leistungseros, die Verliebtheit in Lohn- und Zwangsarbeit, geboren aus tief verwurzelten masochistischen Störungen, die – wenn ich Wilhelm Reich trauen darf – alle auf schlechten Sex zurück zu führen sind: kein Wunder, wenn man denkt, welche Rollenvorstellungen über Frauen noch in alten Männerhirnen toben.

Haben Sie nun eine Vorstellung von dem Begriff „Sozialrassismus“? Frau Schmitz hat die Überschrift ihres Artikels so genannt – eines Artikels, den ich vollständig zur Lektüre empfehlen möchte, da er zeigt, wie nahe wir schon wieder an die „Aktion T 4“ herangerückt sind: der Selektion und Vernichtung von Leistungsgeminderten.

Ich möchte mich übrigens gegen den Kurz- und Umkehrschluss wehren, das Münte nur wegen seines Geldes eine jüngere Frau geheiratet hat – ich zweifle nicht daran, dass hier große Liebe herrscht. Darum geht es hier auch gar nicht. Es geht um Beschreibungen des neofaschistischen Geistes in der Gegenwart – und ein weiteres Beispiel dafür finden wir in Südwestfalen, wo der Sprecher des paritätischen Wohlfahrtsverbandes brandneue Erkenntnisse verbreitet (siehe WDR):

Wer länger als ein Jahr arbeitslos war, hat sich an ein anderes Leben gewöhnt. Dann ist es ein schwieriger Schritt, wieder in einen Alltag zu kommen. Darum brauchen wir mehr begleitende Hilfen, als das bisher üblich war.

Nun – die „Wohlfahrt“ … seit Ewigkeiten Kamerad der SPD … lebt von Steuergeldern. Das meinen Sie mit „begleitende Hilfe“. Mehr Hilfsbedürftige bedeutet: mehr Steuergelder für arbeitslose Sozialarbeiter, die man mit Zeitverträgen auf die Arbeitslosen loslassen kann. Zwar können die so selbst in elender Not lebenden Helfer selbst nicht sonderlich viel Hilfe leisten – dafür ist ihre Psyche durch wirtschaftliche Ängste viel zu zerrüttet, müssen sie doch beständig um den Folgeauftrag fürchten – aber die Träger der Maßnahmen können wieder fürstliche Gehälter zahlen. Da können schon mal 134000 Euro im Jahr abfallen (siehe Caritas), während die Arbeiter an der Front für Mindestlohn schuften. Und deshalb werden solche Mumpitzsätze verbreitet, als seien sie das Wort Gottes. Der Autor dieser Zeilen macht nun aktuell wieder Personalarbeit, diesmal nicht mehr mit Fach- und Führungskräften sondern mit den letzten im Schulwesen, den Haupt- und Sonderschülern … nach 13 Jahren Pause in dem Bereich. Und was stelle ich fest: es ist mit der Arbeit wie mit dem Fahrrad fahren oder dem Schwimmen: man verlernt es nie. Aber man kann den Mangel einfach behaupten, um Vorstandsbezüge zu sichern, die letztlich alle aus Steuertöpfen stammen.

Nehmen wir die neue Hartz-IV-Verschärfung aus dem Hause der Andrea Nahles (SPD). Während Münte wenigstens noch 21 Jahre als angestellter Kaufmann gearbeitet hatte (das Partei- und Regierungsgedöns kann ich als Arbeiterkind beim besten Willen nicht als Arbeit bezeichnen – was die Arbeit nennen fand bei meinem Opa Sonntags zum Nachmittagskaffee statt), suchte ich bei Andrea Nahles vergeblich nach praktischen Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt. Nur so kann man erklären, wie absolute Irrsinnsgedanken in die Gesetzte einfließen wie bei der aktuellen Verschärfung der Hartz IV-Gesetze geschehen (siehe hierzu Telepolis bei Heise). Ja- die schon völlig enteigneten Hartz IV-Empfänger sollen nun künstlich in eine absolute Verschuldung getrieben werden, die ihnen endgültig das Genick bricht. Schon der normale Hartz IV-Satz bringt Mangelernährung und in Einzelfällen den Hungertod mit sich: das neue Experiment an lebenden Menschen unterschreitet das von Regierungsexperten definierte Existenzminimum dann im Falles des Falles um 30 Prozent. Vernichtung durch Hunger wurde von der NSDAP als Normmaßnahme an Millionen Polen und Russen vollzogen (ja – über die spricht man gar nicht mehr, weil die Einschränkung des Holocaust auf die Bevölkerung jüdischen Glaubens so bequem ist und die vielen Facetten des Faschismus verschleiern hilft) – und an fünf Millionen Ukrainern durch Stalin … übrigens einfach nur aus Gründen der betriebswirtschaftlichen Effektivierung des Leistungsvermögens des Volkes durch Eliminierung von „unnützen Essern“, einer Effektivierung, von der die gesamte Führungsschicht bis hin zum kleinen Beamten vor Ort profitierte.

Wenn in Zukunft also der Arbeitnehmer gesundheitsgefährdende Arbeit von sich aus beendet, wird er vom Staat durch künstliche Schulden, die er nie gemacht hat, bestraft.

Gut – Frauen hatten wir jetzt. Arbeitslose auch. Aber damit nicht genug: die SPD sucht sich noch ganz andere Opfer. Auf der Jagd ganz vorne mit dabei: Iris Gleicke (SPD). Auch bei ihr suche ich vergeblich nach realer Arbeitserfahrung – Beschäftigung in der steuerfinanzierten Stadtverwaltung kann ich da leider nicht als echte Arbeit gelten lassen. Lieb wäre mir was im Straßenbau, im Versicherungswesen, an der Kasse, im Lager oder in der Produktion, Auto- oder PC-Reperatur – also echte, Mehrwert schaffende Arbeit – und nicht nur steuerfressende Beschäftigung auf Kosten der Allgemeinheit – aber ich bin ja auch Arbeiterkind, wir haben da an der Front andere Vorstellungen von Arbeit … unsere Arbeit für die Familie und deren Verwaltung wird ja auch nicht als „Arbeit“ definiert, obwohl sie sich qualitativ in Nichts von der Arbeit in der Stadtverwaltung unterscheidet. Die haben nur mehr „Kinder“, die sie betreuen.

Iris Gleicke – Beauftragte für die neuen Bundesländer – hat den neuen Feind ausgemacht: den Ostdeutschen. Den kennt sie gut, sie ist selber eine (siehe Pressemitteilung der Beauftragten neue Länder):

„Der Rechtsextremismus in all seinen Spielarten stellt eine sehr ernste Bedrohung für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung der neuen Länder dar. Ein entschlossenes Handeln der Bundesregierung, der Länder, der Kommunen und der Zivilgesellschaft ist notwendig, um den gesellschaftlichen Frieden in Ostdeutschland zu sichern. Die große Mehrheit der Ostdeutschen ist nicht fremdenfeindlich oder rechtsextrem. Aber ich würde mir schon wünschen, dass diese Mehrheit noch lauter und deutlicher Stellung bezieht. Wir Ostdeutschen haben es selbst in der Hand, ob wir unsere Gesellschaft, unsere Städte und unsere Dörfer beschützen oder ob wir sie dem braunen Spuk überlassen. Die Gesellschaft darf nicht wegschauen, wenn Menschen angegriffen oder Flüchtlingsunterkünfte angezündet werden. Es steht für Ostdeutschland viel auf dem Spiel.“ 

Schon die Formulierung „neue Länder“ erzeugt dem gebildeten Menschen Zahnschmerzen: die Länder sind genau so alt wie die BRD-Länder. Aber sie erinnert an den „Lebensraum Ost“, den sich Vorgängerregierungen bis zum Ural sichern wollten (die Nato ist ja heute auch wieder dabei, diese Räume für sich zu erschließen – bis zur Ukraine sind sie schon vorgedrungen).

Hören Sie den Vorwurf von Frau Gleicke? Während die Bundesregierung beim Kampf gegen Rechts völlig versagt (siehe den Gesamtkomplex NSU-Morde), während ihre Geheimdienste, ihre Polizei, ihre „Sozialarbeit“ völlig ergebnislos herumhantieren – trotz aller Macht und der immensen Summen an Steuergeldern, die sie verprassen – soll nun der kleine Mann vor Ort die Verantwortung für den Kampf gegen Rechts allein übernehmen. Sonst … „steht viel auf dem Spiel“.

Was für eine Drohung. Irgendwie denke ich … es geht wieder um die Hungerwaffe. Aber vielleicht wird da nur an neue Zäune gedacht. No-go-Areas für Ostdeutsche. Reiseverbot für alle Ossis – nicht nur für Arbeislose.

Lesen Sie den Bericht noch weiter. Ich verspreche, es lohnt sich: auch wenn Ihnen schlecht dabei werden wird:

„Nach wie vor liegt die Wirtschaftskraft Ostdeutschlands deutlich hinter der Westdeutschlands. Im Jahr 2015 lag das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner in Ostdeutschland 27, 5 Prozent hinter den Werten Westdeutschlands. Viel schlimmer ist jedoch, dass angesichts der neuesten Zahlen zur wirtschaftlichen Entwicklung nichts darauf hindeutet, dass sich diese Lücke mittel- oder auch nur langfristig schließen könnte. Der Aufholprozess, verläuft schon seit einigen Jahren äußerst verhalten. Wir brauchen in Ostdeutschland ein deutlich stärkeres Wachstum, um wirtschaftlich zu den westdeutschen Ländern aufzuschließen. Die aktuellen Zahlen zum realen Wachstum geben Anlass zur Sorge. Das reale Wachstum lag 2015 in den ostdeutschen Flächenländern mit 1,5 Prozent unter dem der westdeutschen Länder mit 1,7 Prozent. Der Bevölkerungsrückgang führt dazu, dass Ostdeutschland bei der Entwicklung seiner realen Wirtschaftskraft weiter an Boden verliert.“ 

Darf ich mal den Gesamtgedanken übersetzen? „Ossis, ihr seid nicht nur FEIGE, sondern auch FAUL“. Gefährlich für Menschen, die im real existierenden Sozialrassimus überleben müssen. Kommt aber noch besser, keine Sorge:

„Als wichtiges Hemmnis für ein stärkeres wirtschaftliches Wachstum identifiziert der Bericht die Kleinteiligkeit der Wirtschaftsstruktur in Ostdeutschland. Das Fehlen von großen Unternehmen und Konzernzentralen und einer daraus resultierenden vergleichsweise geringen Innovationskraft sind wesentliche Ursachen für den stockenden Aufholprozess.“

Denen fehlen Konzernzentralen. Und große Unternehmen. Soll ich jetzt mal nachfragen, wo die großen Unternehmen der ehemaligen DDR geblieben sind? Die Leuna-Werke zum Beispiel, der größte Chemiekonzern der DDR? Gut – die wurden an einen französischen Konzern verkauft, da dafür auch noch 14 Milliarden EU-Hilfe bekam (und dessen Manger für Schmiergeldzahlungen verurteilt wurden, ich weiß nur die Namen der Empfänger nicht)  … aber eben deshalb sind sie jetzt weg. Wie das Gesamtvermögen der DDR, das die Treuhand zu Schleuderpreisen verramscht hat … was mich daran erinnert, dass es auch eine „Treuhand“ gab, die während der NS-Zeit jüdisches Vermögen günstig verteilte. Wir haben da – als Rechtsnachfolger des Dritten Reiches -Erfahrung in der Organisation von Enteignungsprozessen.

Frauen. Arbeistlose. Ossis. Die SPD bastelt sich ein Feindbild, das vor allem durch völlig überzogenes Anspruchsdenken gekennzeichnet ist.

Frauen – sollen sich gefälligst einen Versorger suchen, dann reicht die Rente auch.

Arbeitslose sollen gefälligst im Alleingang die durch Globalisierung, Automatisierung, Spezialisierung und irrationale Konzernentscheidungen völlig chaotisch gewordene Arbeitswelt neu ordnen.

Und Ossis sollen gefälligst selbst dafür sorgen, dass sie mehr Wirtschaftsleistung aus ihrem Land holen, mehr Merkelkonform sind und überhaupt mal weg kommen von jenen Untugenden, die man auch einst den Juden zugeschrieben hatte: Feigheit und Faulheit.

Nun – was können die so Gescholtenen tun, um ihrem Schicksal zu entrinnen … jenem Schicksal, das mit den Worten „es steht viel auf dem Spiel“ bedrohlich an die Wand gemalt wird?

Sie könnten ihre Frauen doch den Konzernmanagern anbieten, die Arbeitslosen könnten für den Konzern umsonst arbeiten und man könnte ihm doch auch Gemeindeland im Osten schenken … oder liege ich da mit meinen Lösungsvorschlägen so völlig falsch?

„Dient dem neuen Fürsten“ – so tönt die SPD hintenrum. Er hat Arbeit, die frei macht von der Not, jener Not, die nur die Agenda 2010 (SPD) ins Volk gebracht hat. Ergebt ihm euch völlig, mit Körper, Geist und Seele, vielleicht erhört er dann euer Flehen und errichtet eine Konzernzentrale in Bautzen, die Zivilisation nach „Dunkeldeutschland“ bringt – wie die Bundespräsident mal jene neu besetzten Gebiete beschrieben hatte.

Konzerne – so weiß man aus der Wirtschaft – haben überhaupt keine Innovationskraft. Sie haben eine gigantische Finanzmacht – und enorm viel Platz für Nichtstuer, die von einer Keksplattentagung nur nächsten eilen und das stolz „Arbeit“ nennen. Konzerne (hier: Banken) haben in der Krise die Vernichtung von 50000 kleinen und mittelständischen Unternehmen zu verantworten gehabt, sie sind Meister im Steuersparen (siehe Tagesschau) und Großmeister im Lobbyismus (siehe Welt).

Vielleicht sollte die SPD mal Wiwo lesen – die haben erst Anfang des Jahres Bilanz gezogen (siehe Wiwo):

„In Deutschland heißt Innovation nicht, etwas Neues zu erfinden, sondern etwas Bestehendes zu verbessern. Die Dax-Konzerne sind keine Vordenker, sondern Nachmacher. Hoffnung gibt der Mittelstand, bestätigt eine Studie.“

Volkswirtschaftlich gesehen, sind Konzerne marktfeindliche Sozialschmarotzer, die auf Kosten der gesamten Volkswirtschaft gedeihen. Warum die für den „Aufbau Ost“ – sozusagen als Kolonialmacht – besonders geeignet sein sollen, versteht man wohl nur, wenn man mitten im Geldsegen des Lobbyismus steht. Aber das erleben wir ja oft genug: Konzerne haben für Politiker coole „Pöstchen“. Der inhabergeführte Betrieb kann da halt nicht mithalten.

Wie müssen wir nun die Definition von Rassismus der BpB ergänzen, um den um sich greifenden Neofaschismus besser beschreiben zu können?

Ganz einfach: der neue Jude ist der „Arme“, das neue Judentum das „Prekariat“ – auch wenn da christliche Biodeutsche leben. Darum – ihr lieben Ossis – solltet ihr die Warnung ernst nehmen.

Die Regierung droht euch schon ganz offen: „es steht viel auf dem Spiel“.

Was – das bleibt erstmal eurer Phantasie überlassen.

Wer neugieriger ist – darf ins Geschichtsbuch schauen. Empfehle da Götz Aly: die Vordenker der Vernichtung.

 

 

Die Anschläge von Brüssel: Ursachen, Hintergründe und Aussichten

Digital StillCamera

Mittwoch, 23.3.2016. Eifel. Wer gestern aufmerksam das Programm der ARD von 19.45 bis 20.10 verfolgt hat, wurde innerhalb kurzer Zeit über Ursachen, Hintergründe und Aussichten bezüglich der Anschläge in Brüssel informiert. Wie gesagt: man musste aufmerksam zuhören und das normale Berieselungsgefühl für einen Moment aussetzen. Über die Ursachen erfuhr man vom ARD-Börsenmann, der sinngemäß formulierte, dass wir uns unsere Werte durch den Terror nicht zerstören lassen werden, sie seien stärker als der Terror. Das ist schon ziemlicher Unfug, denn mit Bomben kann man natürlich wesentlich mehr zerstören als mit Werten, ja, Bomben können sogar Werte zerstören – wie die unseren. Sie sind schon nach den Anschlägen von Paris zerstört worden, noch immer herrscht der Ausnahmezustand in ganz Frankreich – noch bis Ende Mai (siehe Tagesschau). 66 Millionen Franzosen wurden ihrer Werte beraubt (der Bürgerrechte in einem freiheitlich demokratischen Rechtsstaat). Der Kommentator wies jedoch darauf hin, was uns unsere Freiheit wirklich bedeutet: jederzeit überall hinfliegen zu können, wo wir wollen.

Ja: da war er wieder, der alte imperialistische Geist der Kolonialzeit, den wir jederzeit hinzunehmen bereit sind, so sehr, dass wir gar nicht merken, wenn er wieder deutlich auftritt. Unsere „Werte“, jederzeit überall hinfliegen zu können wo wir wollen, beinhaltet die Forderung, dass wir jederzeit in jedes Land der Welt wie die Heuschrecken einfallen können, wenn uns gerade danach ist. 55 Millionen Deutsche breiten sich so jedes Jahr über die Welt aus, 76 % Prozent davon ins Ausland (siehe Statista): das sind 41,8 Millionen. Vergleichen Sie hierzu mal die Zahlen der Flüchtlinge, die nach Deutschland strömen: Sie werden sehen – das ist ein Witz.

Natürlich werden Sie jetzt einwenden, dass der Tourist kein Eroberer ist. Er tritt ja dort nur kurz auf und zieht weiter, außerdem bezahlt er ja dafür. Hier muss ich energisch wiedersprechen: er tritt eben nicht nur kurz auf. Er hinterläßt Hotelburgen, die weiter Teile einer ursprünglich reizvollen Naturlandschaft für immer verwüsten und greift somit in den Alltag, die Lebensqualität der Eingeborenen massiv ein. Natürlich passt er sich auch nicht der einheimischen Kultur an, die gelegentlich ja mal „züchtige Kleidung“ für ganz normal hält, ebenso wie maßvolles Essen oder den sparsamen Genuss von Alkohol. Die Unmengen an Nahrung, die in Hotels regelmäßig im Rahmen eines „Buffets“ weggeschmissen werden, sind ein Schlag ins Gesicht eines jeden normal arbeitenden Menschen, der mit karger Ernte zur Sparsamkeit gezwungen ist – in manchen auserwählten Urlaubsgebieten könnte man mit diesen Resten sogar effektiv Hungersnot bekämpfen – wenn es denn gewollt sein würde.

Strenggläubige Muslime sehen in den Touristen sogar Träger (Botschafter) der westlichen „sozialen Dekadenz“ (siehe Schattenblick zu einer Konferenz über Kulturimperialismus): empfinden dies also wirklich als Invasion. Solche Invasionen sind in der Geschichte bekannt: erst kamen die Missionare, dann die Soldaten um die Missionare zu schützen: so wurden Kolonien gebildet – von Gutmenschen, die nur das Beste im Auge hatten … jedenfalls offiziell.

Zurück zur Tagesschau, Deutschlands beliebtestem Nachrichtenmagazin. Großformatig wurde dann über die Anschläge in Brüssel berichtet, der erste Fahnungserfolg gezeigt (ein Mann mit Hut und Weste) … und zehn Minuten lang wurde der Zuschauer mit absolut inhaltsleeren Sätzen konfrontiert. „Die belgische Hauptstadt wurde Opfer eines Terrorangriffes“ – so wird formuliert. Stellen Sie sich mal vor, wir würden das anders formulieren: „Im Rahmen der Kriegshandlungen unserer Wertegemeinschaft gegen die arabischen Länder und den Islam kam es zu Bombenangriffen auf die belgische Hauptstadt“. Ja: Bombenangriffe finden statt, wenn der Reiche mit Flugzeugen den Armen zerfetzt. Da der Arme mangels Flugzeugen die Bombe persönlich vorbeibringen muss, wird daraus auf einmal „Terror“, obwohl die Ziele militärische Ziele sind. Ja – Flughäfen und Infrastruktur sind die ersten Ziele in Bombenkriegen, dass ist nichts Ungewöhnliches, das kennt man seit dem Zweiten Weltkrieg. So formuliert könnten wir aber auf die Idee kommen, dass Krieg ist – und der Feind nicht so wehrlos wie erhofft. Wir würden Fragen stellen – und den dringend notwendigen Wunsch nach Frieden äußern. Vielleicht sogar die entscheidende Frage formulieren: warum hassen die uns so? Diese Frage formulierte ein amerikanischer Philosoph direkt nach den Anschlägen vom 11.9.2001 – und bezeichnete dies als die wichtigste Frage, die nun zu stellen sei.

Nun – wir haben uns andere Fragen gestellt: wir, die tolle, heilige Kultur des Westens. Die Frage, wen wir jetzt dafür ausrotten. Die Frage, wie sehr wir jetzt unsere Freiheit beschneiden lassen wollen – ein seltsam masochistischer Akt, der sich seitdem dauernd wiederholt: mutmaßliche Terroristen bomben zurück – und wir kastrieren uns millionenfach selbst dafür. Dieser Triumphzug des Terrors wird sich wohl so schnell nicht aufhalten lassen, bis eine Hand voll Bombenleger die eigentlichen westlichen Werte (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) ins Gegenheil verdrehte (Diktatur, Ungleichheit, Egomanie). Die Frage übrigens, warum sie uns hassen, kann ich ihnen gleich beantworten. Beenden wir zuerst die Betrachtung der „Tagesschau“: zehn Minuten inhaltsleeres Gewäsch, Phrasen, die man so schon hundert Mal gehört hat. Meinungen, Vermutungen, lang eingeprobte, unemotional vorgetragene Pauschalsätze, die man so auch bei der Beerdigung von Nachbars Oma präsentieren könnte.

Ich möchte Sie aber nicht im Regen stehen lassen. Versprochen waren Hintergründe, Ursachen und Aussichten, die dieser neue Anschlag nach sich zieht und dem noch weitere folgen werden: immerhin informiert uns die Tagesschau, dass noch weitere 470 „Gefährder“ in unserem Land sind, die jederzeit zuschlagen können. Doch doch, lauschen Sie einfach mal dem Terrorismusexperten der Tagesschau, da wird klar, warum heute in Deutschland wieder viele Maschinenpistolen den Alltag der Bürger begleiten (siehe Tagesschau).

Kommen wir zur ersten, entscheidende Frage: den Ursachen. Der Frage: „warum hassen die uns“. Kommen Sie einfach mal mit. Folgen sie mir nach Ghana. Sie kennen Ghana? Lauschen wir mal der Tourismusindustrie (hier bei dem Portal billiger-fliegen.de):

„Ghana ist ein Land im Westen des afrikanischen Kontinents. Im Süden besitzt Ghana eine lange Küste am Golf von Guinea. Die Kommunikation auf Englisch ist in Ghana kein Problem. Auf Grund des heißen Klimas in Ghana reicht für eine Urlaubsreise leichte Sommerbekleidung. Unerlässlich sind Sonnencreme und Sonnenbrille. Die Sonne Afrikas ist sehr intensiv. In Ghana finden Sie bei einem Billigurlaub sowohl tropischen Regenwald mit Mahagonibäumen und Ölpalmen auch Feuchtsavanne mit den bekannten Affenbrotbäumen. Hier finden Sie auch Großwild wie Elefanten, Büffel und Antilopen. Interessant sind auch die im und am Wasser lebenden Tiere wie Krokodile und Flusspferde.“

Ein Paradies, oder? Habe mir auch gleich die Zimmerpreise angeschaut: 141 Euro pro Person pro Tag kostet ein Aufenthalt in den luxuriösen Botschaften westlicher Werte (siehe Holidaycheck.de). Schauen Sie hin: absolut gehobener Wohnkomfort, phantastischer, hoteleigener Sandstrand und ein auserwähltes Buffet, dass keine Wünsche offen läßt. Ein Ghanaer kann sich mit seinem Monatseinkommen dort noch nicht mal einen Tag Urlaub gönnen, er lebt von 117 Dollar im Monat (siehe Durchschnittseinkommen.net). Weil die dort so billig kochen und servieren, können wir uns dort preiswerten Urlaub leisten und deren Traumstrände für immer und ewig besetzen.

Was bringen unsere Botschafter westlicher Kultur den dortigen Völkern eigentlich sonst noch für eine Botschaft vorbei – außer der, dass wir uns jederzeit luxuriöse Residenzen an ihren schönsten Plätzen bauen können? Das ist kein Geheimnis, schon seit Jahren bekannt (siehe DiePresse):

„Weiblicher Sextourismus nach Afrika ist ein relativ neuer Boom in der Reisebranche. Beliebte Ziele dort für (meist reifere und gutbetuchte) Damen aus dem Westen sind neben Gambia auch Ghana, Südafrika und Kenia. Dort gibt es massenweise junge Männer, die auf weiße Frauen warten, um sie verwöhnen und abkassieren zu können. Was also viele westliche Männer bei jungen Frauen vor allem in Asien, etwa in Thailand, suchen, suchen immer mehr West-Frauen bei Männern in Afrika.“

Wir machen dort aus jungen Menschen Prostituierte. Systematisch. Beuten ihre Not aus, um wieder „begehrt“ zu werden. Was sagen wohl die Mütter dieser jungen Männer dazu, deren Verhältnis zur Sexualität lebenslänglich gestört sein dürfte? Was ihre Väter und Brüder?

Ich erzähle Ihnen noch mehr aus Ghana. Etwas aus der Hauptstadt, die auch beliebtes Reiseziel ist. Folgen Sie mir ins Möwenpickhotel Ambassador (englisch für: Botschafter) Acra, wo wir für nur 171 Dollar am Tag fürstlich residieren können (siehe Holidaycheck). Möwenpick ist ein milliardenschwerer Konzern, der seine fürstlichen Residenzen weltweit installiert hat. Ja, genau: das ist der Konzern, wegen dem die FDP aufgrund einer großzügigen Millonenspenden die „Möwenpickpartei“ genannt wurde – googeln Sie selbst, der Skandal war damals weithin bekannt.

Wir bleiben aber nicht im Hotel – wir wagen uns ein wenig nach draußen, wollen den Menschen nicht nur als Parasiten ihrer Natur begegnen, sondern sehen, wie der Alltag in Ghana ist (siehe Planet-Wissen):

Täglich kommen in Ghanas Tiefseehafen Tema Container voller Elektrogeräte an. Sie sind gefüllt mit Laptops, Handys, Kühlschränken und Fernsehern. Es ist der Wohlstandsschrott der Industrienationen. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen fallen weltweit jedes Jahr zwischen 20 und 50 Millionen Tonnen Elektromüll an: Rechnerleistungen verdoppeln sich alle paar Jahre, Flachbildschirme verdrängen Röhrenmonitore, Smartphones lassen Handys alt aussehen – und all diese Altgeräte müssen irgendwie, irgendwo entsorgt werden.

Ein Großteil des Elektroschrotts aus aller Welt landet in Agbogbloshie, einem Slum am Rande der Hauptstadt Accra in Ghana. Glaubt man den Alten, war die Gegend hier früher eine Lagune. Jetzt ist es eine giftige Müllhalde.

Ja – unser Müll. Der landet nicht nur in den Meeren, die inzwischen mehr Plastik als Plankton enthalten, die landen auch in Afrika – wie auch unser ganzer Autoschrott. Autos – das sind ökologisch betrachtet nur „Sondermüll auf Rädern“. Wir produzieren 5,6 Millionen davon im Jahr – die Basis unseres Wohlstandes. Ein Fluch für die, die das entsorgen müssen. Bleiben wir jedoch in Ghana, ich möchte, dass Sie informiert sind:

„Messungen haben damals ergeben, dass die Schadstoffbelastung in Luft und Boden auf der Müllkippe um das 50-fache über den als gesundheitlich unbedenklich geltenden Werten liegt. Über Agbogbloshie wabert den ganzen Tag ein toxischer Qualm. Die Pfützen schimmern in Regenbogenfarben und das Wasser mit Schwermetallen und Quecksilber fließt direkt ins Meer. In dem Fluss zum Atlantik befinden sich schon lange keine Fische mehr. Stattdessen treiben in der schwarzen Brühe alte Fernseher und Kühlschränke. Die Chemikalien aus den ausrangierten Geräten vergiften also nicht nur die Menschen, die Umweltkatastrophe hat auch zu einem Fischsterben vor der Küste Accras geführt.

Nach der Tagesarbeit verkaufen die Kinder und Jugendlichen das wertvolle Metall an die Schrotthändler in der Umgebung, was ihnen ein paar Euro bringt. Mit dem wenigen Geld für die gewonnenen Rohstoffe versorgen sie ihre Familien: ein halber Beutel Eisen bringt knapp einen Euro, Aluminium ist oft nur ein paar Cent wert, für Kupfer gibt es rund 80 Cent. Die Metalle sind begehrte Industrierohstoffe auf dem Weltmarkt, die Nachfrage steigt. Am Ende landen die recycelten Rohstoffe also wieder über Großhändler in den Industriestaaten.“

Natürlich haben die Kinder keine lange Lebenserwartung, erfahren aber in ihrer kurzen Lebenszeit etwas über ihren Wert in der Welt – deren Werte ja jetzt so sehr angegriffen worden sind: sie sind Abfallmenschen, Sklaven unserer Wohlstandsindustrie, die häßlichen alten Weibern für Sexdienstleistungen zur Verfügung stehen müssen, um der Chemiekloake ihres Slums zu entkommen.

Verlassen wir Ghana. Es ist sowieso nur ein Land von vielen, in denen man ähnliche Erfahrungen machen kann: der Herrenmensch ist wieder zurück. Droht Widerstand, fliegen Bomben. Jedes arabisch-afrikanische Land, dass sich mit den „Werten“ anlegt, geht ein enormes Risiko ein, dass ihm Bomben um die Ohren fliegen – oder Räuberbanden mit Sturmgewehren und schnellen Transportern nach dem Vorbild leichter US-Infantriedivisionen ausgestattet werden, mit denen große Geländegewinne gegen schwach bewaffnete Gegner möglich sind – vorausgesetzt, „der Russe“ greift diese Kolonnen nicht an – wie jetzt in Syrien geschehen.

Bleiben wir in der rassistischen Gegenwart, die für uns so alltäglich ist, dass wir sie gar nicht bemerken – es sei denn, es kritisiert jemand Merkels undurchdachte Flüchtlingspolitik: dann wird laut „Rassismus“ gebrüllt. Wissen Sie eigentlich, wie viele Menschen in Syrien ums Leben gekommen sind? In fünf Jahren Bürgerkrieg, der durch unsere „Werte“ (also: Waffen) so richtig hochkochen konnte? 257 Menschen. PRO TAG! Wussten Sie gar nicht, nicht wahr? Nun – das sind ja auch Untermenschen, Abfallmenschen, Müllmenschen. 470000 Tote hat der Bürgerkrieg in Syrien gekostet (siehe Süddeutsche). Hätten wir täglich solche Zahlen in der Tagesschau – mit entsprechenden Kommentaren von Merkel und Gauck – wir wüßten, warum die uns hassen. Und wir wüßten, dass jetzt FRIEDEN wichtig wäre, nicht „hartes, entschlossenes Durchgreifen“ – wie es Regierungsvertreter fordern. Und erst Recht nicht die Bestrafung von Millionen von Europäern durch Entzug ihrer Freiheitsrechte.

31 Tote hat der gestrige Tag gekostet. 31 Tote in Folge des „Krieges gegen den Terror“, den der Westen vor 15 Jahren in Afghanistan, im Jemen und im Irak begonnen hatte – und der jetzt Europa erreicht. Seltsamerweise nur Europa – und nicht mehr die USA. Acht mal soviele Syrer starben an dem Tag. Tausend mal so viele verhungern täglich – in Sichtweise unsere Luxusressorts. Doch – der wahre Terror überhaupt: ein Deutscher wurde leicht verletzt (siehe Spiegel). Das ist immer eine Meldung wert: der weiße Herrenmensch hat einen Kratzer abbekommen.

Denken Sie einmal wie eine Mutter aus Ghana. Nur für fünf Minuten. Der jüngste Sohn vergiftet sich für das Handy des weißen Mannes, der ältere dient als „Lover“ für das „Gammelfleisch“ (aktueller Jugendslang für alte Menschen – nicht meine Wortwahl) des Westens. Der weiße Mann selbst (oder die weiße Frau) dinieren währenddessen fürstlich im Möwenpick. Merken Sie, wie sich ihre Gefühle verändern – in Zorn, Wut, Ohnmacht – und großer Trauer über die eigenen Kinder?

Ja – wir sind hier bei den Ursachen der Anschläge in Brüssel. Die Jahrzehnte lang gesäte Saat geht auf. Millionen Deutsche säen jedes Jahr – in Verehrung des Götzen „Urlaub“ – mit daran.
Und die Aussichten?

Sind seit 1977 bekannt, als Robert Jungk seine Kritik über den Atomstaat formuliert hatte (siehe FAZ):

„Er hat sein Buch, wie er selber sagt, „in Angst und Zorn geschrieben. In Angst um den drohenden Verlust der Freiheit und Menschlichkeit, in Zorn gegen jene, die bereit sind, diese höchsten Güter für Gewinn und Konsum aufzugeben““<

Es ist nun nicht der Atomterrorismus, der uns unsere Freiheit und Menschlichkeit nimmt, sondern ganz „normaler“ Terrorismus, der in Zukunft noch sehr viele Menschenleben kosten wird. Unsere Gesellschaft braucht Frieden, um zu funktionieren. Sie ist – wie man bei Jungk nachlesen kann – gegen Terrorismus schlichtweg nicht zu verteidigen und fordert direkt den totalitären Staat, der seine Bürger bis ins kleinste Detail überwacht. Und Atomterrorismus ist hier jederzeit möglich – oder ein Unfall. In Folge des gestrigen Terroraktes hatte Belgien die Belegschaft der Atomkraftwerke sofort auf ein Minimum reduziert – diese Meldung existiert heute aber nur noch als Rest in der Suchmaske, im Originalartikel finde ich sie aktuell nicht

Ist ja auch besonders peinlich – denn: die Terroristen waren schon im Reaktor. Das jedenfalls meldete der Deutschlandfunk am 18.3.2016 (siehe Deutschlandfunk):

„Belgische Kernkraftwerke werden immer mehr zum Sicherheitsrisiko – nicht nur aufgrund der veralteten Anlagen. Ein aktives Mitglied einer Terrororganisation arbeitete über Jahre hinweg als Techniker im AKW Doel“

Gut, dass die Kraftwerke die Räumung des Personals so gut tolerierten und nicht wieder ein Störfall auftrat, der die Notmannschaft überfordert hätte. Wir hätten heute ganz andere Probleme … die in Zukunft aber auf uns zukommen werden, wenn es uns nicht gelingt, Frieden zu schließen.

Aber wir sollen wir das tun, wenn wir noch nicht mal verstehen, dass wir im Krieg leben?

Wir anderen, die die gestrigen Angriffe überlebt haben? Einige hundert Europäer haben jetzt wieder erleben müssen, dass ihr Alltag Schlachtfeld geworden ist – und Bomben ihr Leben jederzeit beenden können, so, als wären sie afghanische Ziegenhirten.

Die richtige Antwort wäre jetzt – spätestens jetzt – „Krieg dem Kriege“.

Aber ich denke, wir wissen alle, was uns wirklich erwarten wird. Unser Innenminister klärt uns gleich heute darüber auf (siehe Tagesschau):

„Datenschutz ist schön, aber in Krisenzeiten hat Sicherheit Vorrang“

Die letzten 100 Artikel