Rasmussen

This tag is associated with 2 posts

Natolügen über russische Truppen und die offene Kriegserklärung des Nato-Generalsekretärs

Natolügen über russische Truppen und die offene Kriegserklärung des Nato-Generalsekretärs

Montag, 14.4.2014. Was könnte man triumphieren – so als kleines eifelphilosophisches Webprojekt – darüber, dass man wichtige Themen viel früher und umfangreicher aufgegriffen hat als das große, bedeutende Magazin „Monitor“. Leider bewegen wir uns in Zeiten, in denen solche kleinen Eitelkeiten der Aufmerksamkeit nur im Wege stehen – es bleibt keine Sekunde Zeit, am Wegesrand zu verschnaufen, da die Kriegstreiber die Eskalation weiterhin vorantreiben. Ja, es geht mal wieder um die Schüsse auf dem Maidanplatz, um die undurchsichtige Eskalation in der Ukraine, in der sich jetzt ein von der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung betreuter Boxer auf die Seiten der Oligarchen gestellt hat – wahrscheinlich, weil man merkte, dass er die Landessprache nicht so gut konnte … für einen Präsidenten schon unangenehm. In Deutschland sind wir das allerdings gewohnt: den Gauck versteht auch kaum noch einer.

Wer es noch nicht gesehen hat: hier ein wichtiger Auszug aus der Sendung Monitor:

Die Scharfschützen also alles Janukowitsch-Leute? Es gibt noch weitere Beweise, die diese These in Frage stellen. Wir treffen uns mit einem Radio-Amateur, der an diesem Tag aufgezeichnet hat, wie sich Janukowitsch-Scharfschützen untereinander unterhalten. Ihr Funkverkehr beweist: Da schießt jemand auf Unbewaffnete, jemand den sie nicht kennen.

Da zeigen sich die angeklagten Mörder überrascht, dass jemand ganz anderes geschossen hatte. Aber nicht nur das: die „Mörder“ distanzieren sich im selben Moment von derartigen Taten – ohne zu wissen, dass sie gerade abgehört werden:

2. Scharfschütze (Übersetzung MONITOR): „Wer hat da geschossen? Unsere Leute schießen nicht auf Unbewaffnete.“

Das erinnert sehr an die Berichte des Spiegel-Korrepondenten aus Kiew, der auch real nur schießende Protestler wahrgenommen hat … aber andersartige Berichte schrieb (wir berichteten). Ein sehr interessanter Moment, der zeigt, wie wichtig „Aufmerksamkeit“ bei der „Deutung“ von „Wahrnehmung“ ist – ein klassisches, philosophisches Thema.

Es geht aber nicht mehr um Wahrnehmung, Aufklärung und Deutung des Geschehens, es geht darum, dass die ganze bundesdeutsche Bevölkerung in Kriegsstimmung versetzt werden soll. Absichtlich, Skrupellos. ohne Rücksicht auf demokratische oder zivilisierte Gepflogenheiten – anders kann ich mir die mangelnde Sorgfalt und auffallende Parteilichkeit in der Berichterstattung nicht vorstellen. Dafür braucht man einen bösen Hitler, der auf unbewaffnete Zivilisten schießt. Macht das die Sondereinheit des Präsidenten nicht … dann findet man eben andere, die das an deren Stelle erledigen. Wer schießt, ist egal, Hauptsache, der Kriegsgrund ist da.

Da wird von „Invasion“ und „Besetzung“ gesprochen und ganz übersehen, dass es Verträge gibt, die Russland Truppenbewegungen auf der Krim erlauben (siehe z.B. L.A.Times vom 3.3.2014, zitiert wird CIA-Direktor John Brennan). Es handelt sich bei der Wahl der Bezeichnung für die Anwesenheit russischer Truppen auf der Krim also um eine bösartige Unterstellung … die aber Kriegsstimmung verbreitet.

Der Druck aus Washington (oder von der Atlantikbrücke, der deutsch-amerikanischen Gesellschaft, den Freunden der Transatlantiker, den Helden der Münchener Sicherheitskonferenz) ist so stark, dass man sich nicht scheut, selbst dämlichste Propagandastückchen aufzuführen – wie Spiegel-online am 10.4.2014. Dort wurde über Satellitenfotos eines Privatunternehmens berichtet, die den russischen Aufmarsch an der ukrainischen Grenze zeigen sollen, im Text wird die Stadt Belgorod erwähnt. Fünf Satellitenfotos werden als Beleg dafür aufgeführt.

Hat sich die mal jemand angeschaut?

Gehen wir sie mal durch.

Foto 1 zeigt 8 Kampfflugzeuge, vermutlich SU 27/30 (stammen noch aus der Zeit des kalten Krieges … sind also etwas älter) … so der Text. Sie stehen aber nicht in Belgorod, sondern – wie das Inlay-Foto zeigt – an der Küstenregion des asowschen Meeres (70-mal so groß wie der Bodensee, grenzt es im Westen an die Krim,  im Norden an die Ukraine und im Osten an Russland) – weit weg von der Ukraine. Nun – Flugzeuge sind schnell und fliegen weit … aber trotzdem ist das nicht die Grenzregion von Belgorod, sondern acht kleine Flieger, die knapp 500 Kilometer weiter südlich stehen. Für die sechs Hubschrauber, die dort noch zu sehen sind, wäre das schon eine unangenehme Strecke.

Foto 2 zeigt angeblich „Kampfjets, Hubschrauber und Panzer“. Zu erkennen sind ein paar Gebäude oder Zelte und vier Dutzend Lastwagen, offensichtlich auf nicht asphaltiertem Gelände OHNE jede Start- und Landemöglichkeit für die angeblichen Flugzeuge. Ortsangabe? Wieder nicht BELGOROD an der ukrainischen Grenze, sondern eher weit östlich von Rostow am Don – welches gut 100 km von der Grenze zur Ukraine entfernt ist.

Foto 3 zeigt 21 Hubschrauber (angeblich MI 8 und MI 24 … Exemplare, die auch schon im Afghanistankrieg im Einsatz waren) und einen Anatow 2-Doppeldecker aus dem Jahre 1947. Auffällig ist: es gibt keine erkennbaren Versorgungseinrichtungen für die Maschinen: keine Treibstofflager, keine Munitionslager, keine Unterkünfte für die Piloten oder die Truppen (Mi 8 ist ein auch zivil genutzter Transporthubschrauber), sprich: es wirkt eher wie ein Lagerplatz für Altmaschienen denn wie eine kriegsbereiter Feldflughafen. Der Ort ist dank unscharfer Karte überhaupt nicht zu identifizieren.

Foto 4 führt uns wieder zurück an die Küste des Asowschen Meeres – ca. 500 Km südlich von Belgorod. Zu erkennen: 10 – 13 Kampfpanzer, 6 Panzerhaubitzen, 30 Schützenpanzer (vermutlich BMP 1, entworfen in den sechziger Jahren). Solche „Kampfgruppen“ (aus verschiedenen Waffengattungen – Panzer, Infantrie, Artillerie –  gebildete, gemischte Truppenverbände für örtlich und zeitlich begrenzte Kampfaufträge) bilden Natotruppen ebenfalls – im Manöver. Schaut man sie die Spuren in der Umgebung an, so wirkt es auch wie Manöver – ein wildes Durcheinander von Fahrspuren. Aber wieder: keine Menschen … also: keine Orte zum Schlafen. Oben rechts könnte ein Zelt sein, dass eine Küche enthält – oder das Kommandozelt fürs Manöver. Könnte also auch mal wieder ein Lagerplatz für Altgerät sein.

Foto 5 gönnt uns das erste mal Farbe. Wieder befinden wir uns – laut Karte – am Asowschen Meer, weit jenseits der ukrainischen Grenze. Zu sehen sind: viele LKW´s, eine Handvoll Schützenpanzer, eventull luftransportfähige Jagdpanzer (die aus den sechziger Jahren stammen). „Möglicherweise“  eine „Luftlandebrigade“ heißt es … obwohl die am linken Rand zu erkennenden kunterbunten Militärzelte eher Platz für ein Bataillon bieten würden. Aber: es ist ja auch nur möglicherweise eine Spetznazbrigade. Möglicherweise ist es auch einfach ein Militariahändler – oder eine Speditionsfirma. Vermutet wird hier eine „Spezialeinheit des russischen Nachrichtendienstes“ … die noch nichtmal eine einheitliche Ausstattung mit Tarnzelten hat? Deren Zelte schon so lange dastehen, dass Büsche drumherum gewachsen sind?

Ich weiß, ich werde jetzt spitzfindig. Was weiß ich auch schon, als einfacher Bürger.

Nun … eigentlich weiß ich schon manches. Ich weiß zum Beispiel, was die Nato fordert, hat der Spiegel ja zitiert:

Den Abzug eben dieser Truppen hat Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen nun zur Bedingung für Gespräche mit der Regierung in Moskau gemacht. Nach Einschätzung des Militärbündnisses hielten sich etwa 40.000 russische Soldaten in der Nähe der früheren Sowjetrepublik auf, sagte Rasmussen bei einem Besuch in Prag. Sie beteiligten sich nicht an Manövern, sondern seien gefechtsbereit.

Schauen Sie sich die Fotos an: sind die Truppen „kampfbereit“? Bis auf den nicht lokalisierbaren Doppeldecker stehen die weit im Süden Russlands – und weit weg von den Zentren das Aufruhrs in der Ost-Ukraine, weit weg von Belgorod: das war schon die erste Lüge.

Man könnte die Fotos auch anders beschreiben: sie zeigen „veraltetes Kriegsmaterial“, das „ohne Personal“ im Süden Russlands geparkt wird. Jedenfalls ist es das, was wir WAHRNEHMEN können. Gedeutet werden die Aufnahmen anders – mit erstaunlich unverschämten Forderungen an Russland: die sollen nämlich ihre eigenen Truppen aus ihrem eigenen Land abziehen – weit weg von der ukrainischen Grenze.

So etwas ist eine diplomatische Unverschämtheit erster Klasse, damit beansprucht der Nato-Generalsekretär unverblümt HOHEITSRECHTE über russisches Territorium! Und da bin ich noch nicht mal so kleinlich, darauf hinzuweisen, dass diese Aufnahmen den Tatbestand der Spionage erfüllen und man sich erstmal dafür entschuldigen müßte, dass man Russland von einem Privatunternehmen detalliert von oben abfotografiert – aber als jemand, der als Verbündeter der USA noch viel genauer durchleuchtet wird, will ich das Thema gar nicht mehr vertiefen.

Achten Sie bitte auch auf die Details der Sprache des Herrn Rasmussen. Sie sind sehr aufschlussreich.

„Wenn es Russland mit einem Dialog ernst meint, muss der erste Schritt ein Truppenabzug sein“, sagte Rasmussen. Eine weitere militärische Aktion hätte ernste Folgen und würde zu harten Wirtschaftssanktionen führen. Er warf dem Land zudem vor, in der Ukraine Unruhen zu schüren. Etwa, um die Aufmerksamkeit von der Annexion der Krim wegzulenken. „Die Nato betrachtet diese Aggression als illegal und illegitim.“ Militärisch will das Bündnis aber nicht in der Ukraine eingreifen.

Oder – anders herum formuliert: wir wollten ja keinen Krieg … aber bei den illegalen und illegitimen Agressionen Russlands blieb uns keine andere Wahl, als als Weltpolizist aufzutreten und für Recht und Ordnung zu sorgen.

Hat Russland überhaupt noch eine Möglichkeit, angesichts dieser erdrückenden Beweislast Frieden zu bewahren?

Nein. Immerhin haben wir alle die Fotos gesehen!

Das dürfte Putin auch klar sein.

Die Anwesenheit von russischen Truppen auf russischem Boden stellt für die Nato eine nicht akzeptable Aggression dar, die ernste Folgen haben könnte.

Die Aussagen des Generalsekretärs der Nato stellen ein Ultimatum dar, die zu früheren Zeiten einer Kriegserklärung gleich kam … wie zum Beispiel nach dem deutschen Überfall auf Polen. Und – mal Hand aufs Herz: fühlen sie sich bei dem ganzen Gerede über die „Invasion der Krim“ nicht auch langsam an Hitlers Überfall auf Polen erinnert? Wurde Putin nicht auch schon mit Hitler verglichen – sogar von bundesdeutschen Spitzenpolitikern?

Und wir wissen doch, was mir mit „Hitlern“ machen, oder? Haben wir doch im Irak gesehen, jenen Krieg, in den man uns mit gefälschten fotografischen Beweisen über Massenvernichtungswaffen hineinziehen wollte. Ach ja – Irakkrieg: die Ukraine gehörte zur „Koalition der Willigen“, nebenbei bemerkt. 1700 ihrer 420000 Soldaten machten da mit. Ja – die haben 420 000 Soldaten. Die behaupteten 40000 Russen an ihrer Grenze stellen also – selbst wenn sie da wären, wofür jetzt jeder Beweis fehlt – keine große Bedrohung da.

Was aber eine große Bedrohung darstellt, ist der Kriegswillen der Nato. Das merkt auch der Schweizer Armeechef, der der Bevölkerung jetzt angeraten hat, Notvorräte anzuschaffen (siehe Spiegel):

Er erklärt, warum die Schweizer Armee dem Land Sicherheit bietet und warum er angesichts neuer Bedrohungen und mit Blick auf die Ukraine keine Garantie mehr dafür sieht, dass der Schweiz nichts geschehen könnte.

„Erstens weiß niemand, was die Zukunft bringt – es waren alle überrascht“, sagt Blattmann. „Und zweitens: Wer sich nicht selber wehren kann, dem diktiert die Geschichte, was er zu tun hat.“

Ja – alle waren überrascht, dass nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion auf einmal wieder die „russische Gefahr“ auf den Tisch kommt. Vielleicht hat der Schweizer Armeechef auch nachdenkliches bei Antikrieg gelesen:

Wenn Putin Washington die russischen Provinzen der östlichen Ukraine behalten lässt, dann zeigt er damit eine Schwäche, die Washington ausnutzen wird. Washington wird die Schwäche bis zu dem Punkt ausnutzen, wo Washington Putin zum Krieg zwingt. 

Und das wird ein Atomkrieg sein.

Die Nato will Lebensraum im Osten. Das ist kein Geheimnis – siehe FAZ vom 30.3.2014:

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hat sich dafür ausgesprochen, die Erweiterung des Militärbündnisses fortzusetzen. Der Beitritt osteuropäischer Staaten zur Nato sei eine der großen Erfolgsgeschichten dieser Zeit, schrieb Rasmussen in einem Beitrag für die „Welt am Sonntag“. „Die Aufgabe ist jedoch noch nicht erfüllt.“

Gegen wen verteidigt sich dieses „Verteidigungsbündnis“ da eigentlich noch? Welch´ großer Feind verlangt die Vereinigung aller europäischen Länder zum Zwecke des Selbstschutzes?

Ich kenne da keinen mehr. Die Nato schon. Und – wie man in Kiew gesehen hat, reichen ein paar Scharfschützen aus, um fünfhundert Millionen Europäer gegen einhundertvierzig Millionen Russen in Stellung zu bringen, die man jetzt nötigen will, ihre eigenen Truppen von ihrere eigenen Grenze abzuziehen.

Also – ich kann mir schon vorstellen, das Vorratshaltung sehr nützlich wird. Es geht nämlich nicht um die Ukraine. Es geht darum, mit Hilfe europäischer Soldaten (gerne auch Osteuropäer) aus der riesigen russischen Landmasse ein Natoprotektorat zu machen: da winken enorme Profite, Billionen von Dollar für jeden Glücksritter aus dem Westen, der es schafft, sich nach der Zerschlagung der russischen Selbstverwaltung dort ein Stück vom Kuchen abzuschneiden: also … Motivation für Millionen von Landräubern ist hinreichend vorhanden. Immerhin wurden die USA so, was sie geworden sind: durch Landraub an den Ureinwohnern.

Das hat bei denen Tradition.

 

Massaker in Norwegen: Hintergründe und Schreckensmeldungen

Wieder einmal hat der Terror zugeschlagen - diesmal in einem Land, das als ausserordentlich friedlich gilt: Norwegen. Jahrzehntelang hat man uns vor dem islamistischen Terror gewarnt. Spätestens seit dem 11.9.2001 hätte doch die ganze westliche Welt wissen sollen, das die Zeiten der friedlichen Koexistenz vorbei sind, das ein brutaler Krieg tobt, der auch und gerade vor Unschuldigen nicht halt macht, der sich nichts dabei denkt, auch Kinder in Gefahr zu bringen und nun demonstriert, das er auch vor der Regierungsgewalt nicht halt macht und nicht zögert, selbst den gewählten Ministerpräsidenten eines friedlichen europäischen  Landes in Gefahr zu bringen.  Wie üblich bei allen Terroranschlägen der letzten Jahre ist der Täter ... reich, gebildet und weiß. Darauf jedoch ... werden wir eigentlich nie hingewiesen.

Wieder einmal hat der Terror zugeschlagen – diesmal in einem Land, das als ausserordentlich friedlich gilt: Norwegen. Jahrzehntelang hat man uns vor dem islamistischen Terror gewarnt. Spätestens seit dem 11.9.2001 hätte doch die ganze westliche Welt wissen sollen, das die Zeiten der friedlichen Koexistenz vorbei sind, das ein brutaler Krieg tobt, der auch und gerade vor Unschuldigen nicht halt macht, der sich nichts dabei denkt, auch Kinder in Gefahr zu bringen und nun demonstriert, das er auch vor der Regierungsgewalt nicht halt macht und nicht zögert, selbst den gewählten Ministerpräsidenten eines friedlichen europäischen  Landes in Gefahr zu bringen.  Wie üblich bei allen Terroranschlägen der letzten Jahre ist der Täter … reich, gebildet und weiß. Darauf jedoch … werden wir eigentlich nie hingewiesen.

Wir wissen ja, wo die Gefahr herkommt: wenn da so ein Ölauge mit Bart und Turban die Straße entlanggeht, dann wollen wir doch am liebsten schon im Schützengraben Stellung beziehen.  Oder die klassische Hartz-IV-Familie: Papa, Mama und drei Kinder, die als Takko-Lords die Straßen unsicher machen: da möchten wir doch gleich schießen. Wie wohler ist es uns, wenn da ein blonder, blauäugiger Unternehmer in feiner Kutte entlangschreitet, der klassische Musik liebt, Body Building betreibt, dem adeligen Sport des Jagens frönt und als Lieblingslektüre Kants Kritik der reinen Vernunft angibt, wie die Welt berichtet: da wird uns gleich warm uns Herz, wir eilen, um unsere Töchter vorzuzeigen und unsere Söhne zum Vorstellungsgespräch zu treiben.

Doch genau solch ein edler Mensch hat jetzt gerade mindestens 91 Menschen in den Tod befördert – eine Tat, die umso bedrohlicher ist, als wir noch einige Millionen Menschen mit dem handelsüblichen Täterprofil in unserer nächsten Umgebung herumlaufen haben. Kein Wunder also, das sich die Medien nach Kräften bemühen, den Täter klein zu reden.

„Der Täter ist offenbar ein Rechtsextremist!“ – so urteilt heute erstmal die Welt.  Das soll uns beruhigen. „Der ist nicht wie wir, der ist irgendwie anders“ … das soll die Angst davor nehmen, das ortsansässige Unternehmer ebenfalls zur Waffe greifen und sich der „viel-zu-vielen“ Mitmenschen entledigen, die diese Erde mit ihren schmutzigen Füssen treten, die zu dick sind, zu krank, zu arm, zu schwach, zu links, zu dumm,  zu ausländisch oder zu unchristlicht, als das man sie in unserer Mitte dulden könnte.

Die norwegische Polizei ist sich laut „Focus“ über den rechtsextremistischen Hintergrund noch nicht so ganz sicher – aber offensichtlich reicht es, wenn man ein christlicher, konservativer Biobauer ist, der keinen ausgesprochen islamfreundlichen Hintergrund hat, um als rechtsradikal zu gelten. Warum uns das Handelsblatt unbedingt darüber informieren muss, das islamistische Terroristen den Anschlag feiern, erschließt sich einem nur dann, wenn man sich vergegenwärtigt, das Präsident Obama sich laut Berliner Zeitung schon recht schnell zu dem Anschlag geäußert hat:

US-Präsident Obama rief zu einer stärkeren Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terror auf. „Es ist eine Mahnung, dass die gesamte internationale Gemeinschaft dazu beitragen muss, dass solch ein Terrorakt nicht passiert“, sagte Obama in Washington.

Auch aus Russland sind laut Welt Töne zu vernehmen, die ebenfalls  irgendwie den Eindruck hinterlassen, das man etwas sagen möchte, obwohl man eigentlich nicht weiß, was los ist:

Kremlchef Dmitri Medwedjew verurteilt den Doppelanschlag als ungeheures Verbrechen. „Die Organisatoren dieser sinnlosen Tat müssen zur Verantwortung gezogen werden“, schreibt er in einem Telegramm an die Regierung in Oslo. Für die Ermordung friedlicher Bürger gebe es keine Rechtfertigung.

„Organisatoren der Tat“ … weiß der mehr als wir? Oder hat der zuvor „Deutsche Welle“ gehört, die über einen US-Geheimdienstskandal in Norwegen berichtet hat:

Leiter der im Jahr 2000 gegründeten Organisation SDU (Surveillance Detection Unit) sei ein pensionierter Ex-Chef der Antiterror-Einheit der norwegischen Polizei, hieß es in den Berichten. Neben dem früheren Antiterrorchef sollen mehrere ranghohe ehemalige Beamte der Kriminalpolizei, des Militärs und der Zivilbereitschaft als SUD-Mitarbeiter tätig gewesen sein und sich so ein Zubrot zu ihren Pensionen verdient haben. Sie sollen von einem Gebäude in der Nähe der US-Botschaft in Oslo die Überwachung mehrerer hundert Einheimischer organisieren.

Nun … solche Verwicklungen könnten erklären, warum der Täter für die norwegische Polizei nach Angaben des „Spiegel“ „aus dem Nichts“ kam, obwohl man gleichzeitig mutmaßt, das er seine Anschlag schon seit 2009 geplant hatte … und extra deshalb eine „Farm“, einen „Biobauernhof“, eine „Gemüsezucht“ oder einen „Betrieb“ gründete, der es ihm erlaubte, an Düngemittel zur Bombenproduktion heran zu kommen.

Woher er das Geld hatte, werden wir vielleicht nie erfahren, brauchen wir auch nicht, weil wir ja schon ausreichend informiert sind: im Hintergrund der Tat lauern – nur für den Fall, das die rechtsradikalen Ansichten nicht ausreichen, auch noch die gemeingefährlichen „Videospiele“ und der auch in Deutschland schon mehrfach in Verdacht geratene „Schützenverein“.

Wir werden wahrscheinlich auch nie erfahren, was einen Menschen, der Kant liest (eine Arbeit, die laut meines ersten Philosophiedozenten mit einer Seite pro Tag im Studium anzusetzen ist – wegen der Komplexität der Materie), klassische Musik hört und sich als christlich definiert dazu in die Lage versetzt, kaltblütig ohne Erfahrung mindestens 84 junge Menschen zu erschiessen – und zum Teil gezielt mit Kofpschüssen hinzurichten. „Kalt wie Eis“ soll er sein … was in meinen Augen dem Profil jener Menschen entspricht, die den Sozialstaat zum Minimalstaat ausbauen wollen wie der Nato-Generalsekretär Rasmussen, der als vorheriger dänischer Regierungschef einen Kurs fuhr, der den Massenmörder aus Norwegen wohl gefreut hätte:

Im Golfkrieg 2003 unterstützte die Regierung Fogh Rasmussen die USA und entsandte ein dänisches Kontingent in den Irak. Wie in anderen europäischen Staaten war dieser Krieg auch in Dänemark sehr umstritten.

Die Regierung nahm restriktive Änderungen in der Ausländerpolitik vor. Das dänische Ausländerrecht gilt seitdem als das schärfste Europas und wurde 2004 vomMenschenrechtskommissar des Europarats gerügt. 

Natürlich distanziert sich Rasmussen jetzt von den Taten, laut Spiegel rügt es sie als „abscheulichen Akt der Gewalt“, ähnliches dürfte Gaddafi über die von der Nato geworfenen Bomben denken. Natürlich dürfen wir den Nato-Generalsekretär jetzt nicht als „rechtsradikal“ beschimpfen, er dürfte sich gegen solche Vorwürfe wohl auch erfolgreich wehren können.

„Reich, gebildet, weiß“ scheint ein ziemliches Sicherheitsrisiko zu sein, eine Terrorgefahr nicht nur für linke Jugendliche in Norwegen. Wenn ich jetzt noch bedenke, das der gute Mann sich auch für die Freimaurerei interessierte, habe ich keinerlei Zweifel mehr, das er guten Stoff für viele Verschwörungstheorien abgeben wird.

Es gibt nur einen, der sich über die Tat nicht wundern wird, der keine weiteren Fragen dazu haben wird noch umfangreiche Theorien zu ihrer Erklärung braucht: Pater Pedro Barrajón, der laut Welt in Rom Kurse für angehende Exorzisten gibt:

Der Teufel ist überall gegenwärtig, wo Böses innerhalb der normalen Naturgesetze geschieht. In jedem, der sagt, ich akzeptiere die Liebe nicht, die Liebe zu meinen Brüdern und Schwestern, die Liebe zu Gott. Also an sehr vielen Orten, in allen Massakern, in jedem Mord, in physischen Katastrophen, in jedem Konzentrationslager, in jedem Bösen. Manchmal manifestiert er sich merkwürdigerweise aber auch in Fällen von Besessenheit. Sehr viel gefährlicher ist er aber, wo er sich nicht zu erkennen gibt und nicht mit einem Exorzismus vertreiben läßt. Keine Frage.

Man spottet gerne über sie, gerade im Kreise der Atheisten mokiert man sich über die Vielzahl neuer Exorzisten, die der Vatikan gerade ausbildet, über ihre Erwartung einer Zunahme der Fälle von Besessenheit, die ganz normale Bürger in … Mörder … verwandeln.

Ich denke da auch gerade an Jakob Lorber, der innerhalb der christlichen Kirchen ja den Status einer „Neuoffenbarung“ hat und uns eine Beschreibung teuflischen Wirkens hinterlassen hat:

Tanz, Hurerei, Groll, Schelten, Fluchen, Rauben, Stehlen, Lügen, Stolz, Hochmut, Prahlerei, Ehrabschneidung, Neid, Geiz, Hoffahrt, Fraß, Völlerei, Spott und Hohn gegen Jesus, Pracht, Mode, Luxus u.ä als vollkommene, untrügliche Zeichen des allerintensivsten Besessenseins 

Wie gut, das wir wissen, das das alles Unfug ist … denn schaue ich mal in das Programm des Privatfernsehen – oder einfach in die alltägliche Welt der reichen, gebildeten weißen Menschen dann könnte ich mir vorstellen, das ein Herr Lorber Panik bekommt … und ich würde verstehen, warum die Kirche die Zahl ihrer Exorzisten aufstockt.

Wie es scheint, erwarten die noch mehr.

„Allerintensivstes Besessensein“ … könnte man vergleichen mit einer ansteckenden Geisteskrankheit. Wie gut, das es so etwas  nicht gibt, außer … in einem Spiegelartikel aus dem Jahre 1979, dessen Link leider nicht funktioniert:

…sondern wahrscheinlich „Rassismus die einzig ansteckende Geisteskrankheit“ sei, mithin „Rassismus das öffentliche Gesundheitsproblem …

Und da sind wir wieder mitten in Norwegen.

Das Abwenden von der natürlichen Welt der Schöpfung und das Aufgehen in der künstlichen Zivilisation treibt uns in Wahnsinn und Dekadenz

So urteilen Esoteriker, beziehen sich auf die „Wetiko-Seuche“, die der „Weiße Mann“ über die Welt gebracht hat. Noch eine Perspektive, aus der man sich nicht wundert – Indianer sind vielleicht auch leichter zu tolerieren als Exorzisten, obwohl beide zu einem ähnlichen Ergebnis kommen: es läuft gerade etwas gewaltig schief in unserer Welt … in der Massaker schrecklich normal geworden sind – ebenso wie Rassismus, Tanz, Hurerei, Groll, Schelten, Fluchen, Rauben, Stehlen, Lügen, Stolz, Hochmut, Prahlerei, Ehrabschneidung, Neid, Geiz, Hoffahrt, Fraß, Völlerei, Spott und Hohn gegen Jesus, Pracht, Mode, Luxus.

Ob es da Zusammenhänge geben könnte … mit den Werten, die Medien tagtäglich vermitteln? Mit der Tatsache, das es in Ordnung ist, Menschen zu verachten, weil man ihnen ihr Geld stehlen konnte und sie ihre Arbeitskraft nicht mehr gewinnbringend verkaufen können, das es in Ordnung ist, mit Bomben um sich zu schmeißen, weil einem der Nachbar nicht gefällt oder in andere Länder einzumarschieren, weil man einen „Verdacht“ hat?

Ich denke … darüber wird man in den westlichen Medien seltener nachdenken: über die schlichte Tatsache, das die norwegischen Massaker keine Ausnahme in einer Kultur sind, sondern eine direkte Folge ihrer Werte und ihres Lebensstils.

 

 

 

 

 

 

Die letzten 100 Artikel