Ralf Boes

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Von Missverständnissen und dem Konkurrenzkampf um den „richtigen Weg“ gegen den „Tanz ums goldene Kalb“

Von Missverständnissen und dem Konkurrenzkampf um den „richtigen Weg“ gegen den „Tanz ums goldene Kalb“

Ein verspätetes Wort zum Sonntag vom Einsiedler, einem Wald- und Wiesenphilosophen ohne Examen
Meine Wilderei im Territorium eines ausgewiesenen Platzhirschen wird der Leser hoffentlich verzeihen- schliesslich gebietet die Emanzipation auch die Befreiung aus der Vorherrschaft von „ausgewiesenen Experten“.

Es soll hier niemand persönlich angegriffen werden, doch der Konflikt um die causa Boes hat mal wieder gezeigt, warum es leider (bisher) kein breites Bündnis für artgerechte Menschhaltung gibt. Unsere nur zu menschlichen Schwächen führen ein gefährliches Eigenleben, das man nur durch bessere Beobachtung und den Mut zur kreativen Pause entschärfen kann. Das heisst: sich immer mal wieder zu fragen, ob nicht vielleicht auch genau das Gegenteil dessen wahr sein könnte, was man gerade spontan denkt. Bei dieser Übung kann man sehr viel über sich und andere lernen.

Falsche Wahrnehmung/ unzureichende Differenzierung ist am Anfang ein Irrtum, in der Mitte ein Unrecht und am Ende ein Verbrechen. So möchte ich hier frei nach einem fernöstlichen Sprichwort warnen (das ich leider nicht wiederfinde). Unser eingefleischtes Freund- Feind- Denken mag entwicklungsgeschichtlich nützlich gewesen sein, als eine schnelle Entscheidung nötig war, gegen wen man gerade sein Leben verteidigen musste. In unserer komplexen sozialen Wirklichkeit führt es uns leider allzu häufig auf Irrwege. Über Stigmatisierung und Ausgrenzung bis hin zur Vernichtung (auch unschuldiger) Verdächtiger reichen die Folgen, die letztlich auch uns selbst schaden.

Besonders bei der dringend notwendigen Formierung eines breiten Bündnisses gegen eine immer offensichtlicher desaströse Politik und Kultur können wir uns zuviel „friendly fire“ nicht erlauben. Daher sollten wir unsere Aufmerksamkeit auf das Erkennen und Verstehen solcher Prozesse lenken, denn gescheiterte Kommunikation ist letztlich die Ursache der meisten Krisen.  (Womit keineswegs bestritten werden soll, dass es Personen und Institutionen gibt,  die von Vornherein gesellschaftsfeindliche Ziele verfolgen.)

Wenn wir jemanden missverstehen, liegt das häufig an mangelnder Kenntnis der betreffenden Person und deren Umständen oder an unserer momentanen Unaufmerksamkeit. Aus einem solchen Missverständnis aber entstehen schnell Diskrepanzen und Verletzungen, Zerwürfnisse, manchmal sogar Krieg, im Extremfall gar Scheiterhaufen und Konzentrationslager.

Zu einer menschenwürdigen Gesellschaft kommen wir nur, wenn wir u.a. selbst lernen, menschlicher miteinander umzugehen, das heisst auch: andere nicht zu verurteilen. Dafür gibt es vier gute Gründe: Zum einen gebietet es die Vernunft, wenn wir wissen, dass keiner von uns in der Lage ist, alle Umstände zu erkennen, die für die Beurteilung einer Situation relevant sind. Zweitens der Pragmatismus: jeder weiss, dass sich ein Verurteilter zum Gegenangriff genötigt fühlt und der Konflikt dadurch eskaliert, die Rollenverteilung damit zementiert wird. Drittens fordert dies die Nächstenliebe oder für religiös Unbedarfte der kategorische Imperativ nach Kant. Und nicht zuletzt verurteilen wir automatisch stets mit dem Anderen auch einen Teil von uns selbst mit, denn unser Unterbewusstsein unterscheidet nicht zwischen uns und dem anderen.  Verurteilen wir uns aber selbst, dann sabotieren wir uns selbst in unserer (Selbst-) Liebesfähigkeit, verlieren unsere Gelassenheit und reagieren auf die nächste Situation vorbelastet, kriegen etwas „in den falschen Hals“ und damit beginnt das Spiel von vorn.

Am Ende eines solchen Prozesses führen wir Krieg gegen Jeden ausserhalb unseres engsten Umfeldes und lieben wir nur noch die Waren, die uns von der allgegenwärtigen Werbung mit dem Etikett der  Makellosigkeit präsentiert und damit zum Fetisch stilisiert werden. Unser angeborenes höchstes Streben nach Wahrheit, Schönheit und Liebe wird so pervertiert und vor den Karren der skrupellosen Profitmaximierung gespannt.

Lassen wir das nicht zu! Kämpfen wir GEMEINSAM gegen den inszenierten Tanz ums goldene Kalb, das uns die unwissenden und korrumpierten Politiker und ihre Steigbügelhalter als Ersatz für eine angeblich nicht realisierbare menschenwürdige Gemeinschaft vorsetzen!

 

Mit Dank an den Einsiedler

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