Psychologie

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DE „Das ist die größte Krise der westlichen Medizin“ – Prof. Dr. Dr. Christian Schubert im Gespräch

Prof. Dr. Dr. Christian Schubert denkt dialektisch. Der Gründer des Labors für Psychoneuroimmunologie und Professor an der Universitätsklinik für medizinische Psychologie in Innsbruck weigert sich hartnäckig, simplifizierte, dualistische und reduktionistische Denkmuster zu akzeptieren oder gar zu übernehmen.

Im Gespräch mit mir betont er vor allem die komplexen, interdisziplinären Verschränkungen von Psychologie, Immunbiologie und sozial-gesellschaftlichen Dynamiken. Themenbereiche und Disziplinen, die laut Schuberts Einschätzung weder getrennt betrachtet werden können, noch überhaupt isoliert voneinander existieren. Denn zum biologischen und individuellen Immunsystem kommen noch kulturelle und gesellschaftliche Immunstrukturen, so dass eine Änderung im Immunsystem letztlich Ausdruck eines gesamtgesellschaftlichen Wandel ist.

Schubert spricht über fundamentale erkenntnistheoretische Irrtümer der Schulmedizin, Sickness Behavior, die Chancen einer selbstwirksamen Gegenkultur und darüber warum die psychischen Kollateralschäden der Coronamaßnahmen uns noch die nächsten Jahrzehnte begleiten werden.

Corona: Eine Bestandsaufnahme – Psychologiestudent Sebastian bei SteinZeit

Als junger Psychologiestudent gegen den Strom zu schwimmen ist sicherlich nicht leicht, aber Sebastian aus Ulm hat sich genau für diesen Weg entschieden. Sein erstes Video von 2020 mit dem Titel „Die Zerstörung des Corona-Hypes“ hat für viel Zustimmung aber auch Kritik gesorgt, genauso wie sein zweites Video „Haben wir Corona unterschätzt“. Dabei hat Sebastian genau das gemacht, was von einem zukünftigen Wissenschaftler erwartet wird, er hat sich die Zahlen ganz genau angeschaut und kommt dabei wie viele andere auch zu einem ganz anderen Ergebnis.

Im Gespräch mit Robert Stein bespricht Sebastian die Verwerfungen in unserer Gesellschaft und wie es möglich wäre, diese großen Gräben wieder zu überwinden. Als angehender Psychologe ist er für ihn auch von großem Interesse, wieso sich so viele Menschen mit dieser Politik solidarisieren und nach außen gegen jede Kritik abschirmen. Wer sich einmal auf dieses Angstszenario eingelassen hat wird mit großer Wahrscheinlichkeit dieses Weltbild mit aller Vehemenz verteidigen, denn die eigene Identität hängt auch von dieser Solidarität mit der vermeintlichen Mehrheit ab. Der Schutz der eigenen Einstellung steht dabei über der Suche nach Wahrheit und Erkenntnis. Menschen die sich mit dem Kollektiv identifiziert haben dulden keinen Widerspruch, da eine Abkehr dieses Denkens auch die eigene emotionale Stabilität in Frage stellen würde. Und je länger diese Maßnahmen andauern, desto größer wird auch der Zuspruch zu vermeintlichen Wahrheit. Dieses Dilemma zu durchbrechen ist wohl die große Herausforderung unserer Zeit.

REINER FUELLMICH – CORONA AUSSCHUSS SITZUNG #53 – ZUSAMMENFASSUNG

ÜBER DIE PSYCHOLOGIE DES VERSCHWÖRUNGSLEUGNERS oder GIBT ES VERSCHWÖRUNGEN?

Ein genauerer Blick auf jene Leute, die für Verschwörungstheorien nur Spott übrig haben.
Warum sträuben sich ansonsten vollkommen intelligente, nachdenkliche und rational denkende Menschen gegen die Behauptung, Soziopathen würden sich verschwören, um sie zu manipulieren und zu täuschen? Und warum verteidigen sie diese unbegründete Position mit solcher Vehemenz?

Die Geschichte der Menschheit ist voller Machenschaften von Lügnern, Dieben, Tyrannen und Narzissten sowie voll von den sich daraus ergebenden verheerenden Auswirkungen. Auch in der heutigen Zeit gibt es viele Beweise für Korruption und außergewöhnliche Täuschungen. Wir wissen ohne Zweifel, dass viele Politiker lügen und ihre Verbindungen verbergen und dass zahlreiche Unternehmen routinemäßig eine völlige Verachtung für moralische Normen an den Tag legen – wir wissen, dass Korruption uns umgibt.

Wir wissen, dass die Drehtüren zwischen Unternehmen und Politik, das Lobbysystem, korrupte Aufsichtsbehörden, die Verhasstheit von Medien und der Justiz nur sehr selten dazu führen, dass Fehlverhalten gesühnt werden muss. Wir wissen, dass die Presse gelegentlich Lärm um diese Dinge macht, sie aber nie mit echtem Nachdruck verfolgt. Wir wissen, dass in den Geheimdiensten und bei den Strafverfolgungsbehörden Fehlverhalten in atemberaubendem Ausmaß an der Tagesordnung ist und dass auch hier nie Gerechtigkeit geübt wird. Wir wissen, dass immer wieder Regierungen die Rechte des Volkes ignorieren oder mit Füßen treten, dass sie das eigene Volk aktiv missbrauchen und misshandeln. Nichts davon ist wirklich umstritten.

Was genau ist es also, das die Verschwörungsleugner mit solcher Inbrunst, Rechtschaffenheit und Herablassung nicht anerkennen wollen? Warum verteidigen sie gegen alle Beweise geradezu höhnisch und verächtlich die bröckelnde Illusion, dass „die Großen und Guten” irgendwo da oben sitzen und alles im Griff haben, dass sie nur unser Bestes im Sinn haben, Skrupel besitzen sowie weise und aufrichtig sind? Warum verteidigen sie die bröckelnde Illusion, dass die Presse dem Volk und der Wahrheit dient und nicht den Gaunern? Dass eine Ungerechtigkeit nach der anderen aus Fehlern und Versehen resultiert, aber niemals aus Verschwörung?

Fahrplan zum (Über-)Leben – Dr. Hans-Joachim Maaz

Vor uns liegen schwierige Zeiten die nach Aussage von Dr. Hans-Joachim Maaz vor allem globaler, digitaler und auch totalitärer werden können. Als Psychiater und Therapeut blickt er auf 15.000 Patienten in seiner langen Laufbahn zurück und fühlt sich als „gelernter DDR-Mensch“ an längst vergangen geglaubte Zeiten zurück erinnert.
Wie können wir uns mit der drohenden Zukunft arrangieren?
Wie können oder müssen wir vom reinen Lebens-Modus in den Über-Lebens-Modus wechseln?

Anhand von fünf Beispielen gibt er eine Hilfestellung, mit der der mündige und aufgewachte Bürger sich auf die kommende Zeit vorbereiten kann.

1. Anpassung: sich anpassen und unterordnen, soweit es geht, ohne dabei aber zu vergessen
2. Widerstand zu leisten. In dem Maße eben, wie es für jeden vertretbar ist.
3. Subversivität: heimlich etwas tun was verboten ist, damit man sich seine Würde bewahren kann.
4. Innere Immigration: Besinnung auf das eigene Ich, auf den Wesenskern durch Yoga, Meditation, Sport, Naturerlebnisse, um dadurch dem äußeren Stress zu entkommen.
5. Gemeinschaftsbildung/ Beziehungskultur: Gleichgesinnte finden, mit denen man im engen Kreis sich an das wirkliche echte Leben erinnert. Aufbau seiner Herzensfamilie

Die Rückkehr in eine uns allen bekannte Normalität scheint jeden Tag noch unwahrscheinlicher zu werden und wir müssen uns mit der Realität auseinander setzen, ob wir es wollen oder nicht. Es wird darauf ankommen, wie wir damit umgehen und in wie weit wir unsere Ressilienz aufbauen können, also unsere Fähigkeit schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beinträchtigungen zu überstehen.

Dr. Daniele Ganser im Gespräch mit Gunnar Kaiser

Mit Liebe, Mut & Wahrheit gegen Angstpropaganda (25.01.21)

Der Schweizer Historiker & Friedensforscher Dr. Daniele Ganser hat am 25. Januar 2021 in seinem Büro in der Nähe von Basel den Schriftsteller und Philosophen Gunnar Kaiser empfangen und mit ihm über die Werte Liebe, Mut und Wahrheit gesprochen, welche helfen Angstpropaganda zu überwinden.

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Die Pandemiemüdigkeit

Wenn wir Verantwortung für die Zukunft übernehmen wollen, müssen wir aufhören, unsere Vergangenheit zu reinszenieren.

Ein Standpunkt von Anna Coignard

Es ist aussichtslos — lasst uns also weiterkämpfen! Mit Durchhalteparolen hat die Regierung am Ende des Zweiten Weltkriegs versucht, die längst kriegsmüde Bevölkerung zu motivieren. Etwas Ähnliches geschieht jetzt in der Coronakrise:

Obwohl Lockdowns das Elend erkennbar nicht beenden, sollen die Menschen immer noch ein weiteres Mal durchhalten. Wir müssen uns bei all dem bewusst machen, dass es generationsübergreifende Traumata gibt. Das jetzige Verhalten der Mehrheit könnte insofern auf eine Prägung von „damals“ zurückgehen, obwohl es für die Situation heute gar nicht mehr zielführend ist. Entscheidend ist hierbei, dass es sich um eine akut lebensbedrohliche und mit Angst besetzte Situation handelt, bei der der Verstand teilweise ausgeschaltet ist. Das Ergebnis ist, dass die Menschen zwar nicht mehr können, jedoch glauben, immer noch weiter kämpfen und leiden zu müssen. Gibt es einen Ausweg aus dieser destruktiven Psychodynamik, und wie könnte dieser aussehen?

Neulich sagte mir ein Freund, die Menschen seien pandemiemüde; treffender kann ich es nicht beschreiben und will auch diesen Text nicht der immer wiederkehrenden Thematik unseres allgegenwärtigen Alltags widmen. Dennoch wird es kaum möglich sein, dieses Thema gänzlich zu umgehen, daher bitte ich auch all die Pandemiemüden vorab um ein wenig mehr Durchhaltevermögen, da der Gedankengang ein anderer ist.…

DIE 10 STRATEGIEN DER MANIPULATION

Eine VIDEOPRODUKTION von Tobias Jansen

Im Gespräch: Hans-Joachim Maaz (“Das gespaltene Land”)

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Menschen sehnen sich nach Zusammenhalt, Gemeinschaft und nach sozialen Kontakten – das macht uns zu dem, was wir natürlicherweise sind: selbstbewusst, innovativ, frei.

Was im Moment in Deutschland und auch weltweit unter dem Schlagwort „Social Distancing“ praktiziert wird, ist das genaue Gegenteil von dem, was dem Menschen gut tut. Es ist unnatürlich und verstärkt Misstrauen sowie Isolation. Gleichzeitig wird Gehorsam gefördert, da durch die Einschränkung von Gruppenaktivitäten (Schließung von Spiel- und Sportplätzen, Verbot von Großveranstaltungen) und durch das Verbergen der Gesichtszüge (Mundschutz) soziale Interaktion nur noch schwer möglich ist.

Vollständige Kommunikation besteht aus Mimik, Gestik, Körperhaltung. Fehlt davon ein Aspekt, so wird ein Gespräch unecht und führt zu Missverständnissen – Ein Gespräch mit Mundschutz ist so, als würde man durch eine Glasscheibe versuchen, ein Eis zu essen – halbgar, unbefriedigend, Fake.

Ob nun diese so genannten „Schutz-Maßnahmen“ begründet sind oder nicht, steht hier nicht zur Debatte. Fakt ist, die Bewegungs- und Verhaltensfreiheiten, die wir noch im letzten Jahr genießen durften, sind eingeschränkt. Hinzukommen Eingriffe ins Grundgesetz, der politisch gewünschte „aufmerksame“ Bürger sowie eine direkte Ausgrenzung von Skeptikern und Andersdenkenden.

Aktuell existiert eine ganze Liste von Werkzeugen, die das Potenzial für eine massive gesellschaftliche Spaltung haben. Gefährliche Zeiten für Menschen, die die Freiheit lieben und Dinge sagen wie: „Parallelen zur DDR – Überwachungsstaat dank Corona-App – Die Maske muss weg, sie ist ein Symbol der Angst“.

Die Antworten sind immer ähnlich: „Ach, der Vergleich hinkt doch! Quatsch, ist doch alles Open-Source! Krude Verschwörungstheorie!“

Im Gespräch fragen wir Hans-Joachim Maaz nach seiner Meinung zum geistigen Zustandes der Bürger in Zeiten von „C“. In seinem Buch „Das gespaltene Land“ beschreibt der Psychiater und Psychoanalytiker was passiert, wenn eine Gesellschaft die Sehnsucht nach einem/r FührerIn noch nicht überwunden hat.

Hören wir mal, was laut Maaz eine gesunde Gesellschaft ausmacht, wie wir aus den Spaltungsprozessen wieder herauskommen und zu einem aktiven, selbstbestimmten Zusammenleben zurückfinden können.

Elitendemokratie und Meinungsmanagement

Ausgestrahlt am 2. Dezember 2018 im Rahmen der Sendereihe „Teleakademie“ des SWR.
Rainer Mausfeld.

München, Ansbach, Reutlingen – die Wahrheit hinter den Anschlägen

Digital StillCamera

Montag, 25. Juli 2016. Eifel. Ich hoffe, Sie sind noch auf dem Laufenden? So – anschlagstechnisch? 19.7., Würzburg: ein siebzehnjähriger Afghane greift Mitmenschen mit einer Axt an. München, 22.7.: ein 18-jähriger, deutsch-iranischer AfD-Fan erschießt wahllos Passanten, die meisten davon ohne arischer Bioherkunft. Zehn Menschen sterben, die bundesdeutsche Bevölkerung lernt zum wiederholten Male, dass die Sicherheit im öffentlichen Raum nicht mehr gegeben ist. Reutlingen, 24.7. – ein 21-jähriger Syrer tötet eine schwangere Frau (momentan kann eine Beziehungstat nicht ausgeschlossen werden, siehe Zeit, der Täter war zuvor schon als gewalttätig bekannt – siehe Spiegel), ebenfalls 24.7.: ein siebenundzwanzigjähriger Syrer sprengt sich in einer Menschenmenge in die Luft. Bislang keine Toten.  Nur eine einzige Woche hat die Parole der Bundeskanzlerin („Deutschland geht es gut“) als Lüge entlarvt – falls einem das nicht schon zuvor klar war. Die Reaktionen auf diese Taten? Der Hass nimmt zu, überall, bei jedem.

Der Täter in Reutlingen wurde von einem BMW-Fahrer zur Strecke gebracht – er hat ihn einfach mit seinem Auto gerammt. So geht Lynchjustiz – aber diesen Aspekt nehmen wir kaum noch wahr, so selbstgefällig beurteilen wir unsere Taten. Flüchtlingshelfer bekommen ausufernde Hassmails, wer anstatt Flüchtlinge AfD hasst, hat ebenfalls genug Material, um „zurück zu schießen“.

Die Täter sind natürlich immer dieselben, das ist schon lange klar: das „Internet“ (für führende deutsche Spitzenpolitiker völlig unbekanntes Neuland und deshalb „schlecht“ – was mich daran erinnert, dass es einen Spruch gibt, der besagt, dass der Bauer nicht frißt, was er nicht kennt … woraus ich dann schließe, dass wir von dummen Bauern regiert werden…) und die „Ballerspiele“.

„Das Internet“ ist auch Schuld an Kinderpornografie, die nur so auf die Rechner von Bundestagsabgeordneten und Bischöfen kommen kann und diese ehrenwerten Herren so vom rechten Weg abbringt, „das Internet“ liefert außerdem Mordwaffen an Mörder (wie in München) und fördert zudem den Hass – vielleicht sollte man dieses Internet auch mal mit einem BMW rammen.

Außerdem gibt es da noch Ballerspiele – von Ballertypen immer gerne ins Gespräch gebracht. Ballerspiele? Nun – da schießen virtualisierte Menschen auf virtuelle Roboter (ich nenne die computergenerierten Feinde mal so, weil sie dem Urbild des Roboters entsprechen) – oder werden von diesen erschossen. Für manche der Horror schlechthin – jedenfalls für die gutbürgerliche Heuchlerkultur, die immer gerne eine Sau durchs Dorf treibt, gerne auch Juden (wenn deren Besitz interessant ist). Diese Ballerspiele erzeugen Amokläufer, da sind sich die bildungsfernen Schichten in Regierung und Parlament einig – und auch Wissenschaftler, die neue Fördertöpfe riechen. Wenn das Schießen mit virtuellen Waffen auf künstliche unkörperliche menschenähnliche Gestalten zum Amokläufer macht – was richtet dann nur die Bundeswehr an, die tausende junger Männer und Frauen an echten Waffen ausbildet, um damit auf echte Menschen zu schießen? Richtig, das fragen wir uns nie.

Nach jedem Anschlag wird das Netz überflutet von moralischen Sprüchen, die noch nicht mal bis zum Abend jenes Tages überleben, an dem sie ausgesprochen werden. Ich möchte Ihnen deshalb kurz ein wenig über die Gesellschaft erzählen, die von diesen Anschlägen getroffen wird – Sie werden sehen, der kleine Ausflug in unsere Realität lohnt sich.

Nehmen wir unsere Wirtschaft, unser Geld, unsere Arbeit – das, worauf wir im Prinzip zu Recht stolz sind. Ja – man darf auf Arbeit stolz sein, auch auf die Ergebnisse: wenn Sie auf einer einsamen Insel stranden und nach zwei Tagen einen regendichten Unterschlupf gebaut, ein Feuer entfacht, eine Wasserquelle gefunden und Nahrungsmittel gesammelt haben, werden Sie verstehen, was ich meine. Doch diese Art von Arbeit (man nennt sie: „selbstbestimmt“ – ein unbekanntes Fremdwort heutzutage) meine ich nicht. Unsere Art von Arbeit, unsere Art von Wirtschaft ist eine kannibalistische: fressen und gefressen werden. Wir sind stolz darauf: wie viele „Politiker“ haben sich öffentlich über „Sozialromantiker“ echauffiert, die in der Tat behaupteten, dass schwache Menschen so viel Wert sind wie „Leistungsträger“, deren größte Leistung darin besteht, immer höhere Preise für immer schlechtere Waren durchzusetzen – also zum Schaden des Wirtschaftsraumes zu arbeiten.

Am 11.9.1989 schrieb der Spiegel über den Stolz der deutschen Wirtschaft, unseren größten Umsatzfaktor – das Auto (siehe Spiegel):

„Allmählich erst erschließt sich Politikern und Umweltschützern, daß jedes Auto, genaugenommen, ein Stück Sondermüll auf Rädern ist. Zu gut einem Drittel bestehen Kraftfahrzeuge aus Umweltgiften oder anderen schwer zu entsorgenden Materialien.“

Hauptsächlich also verbringt der Deutsche seine Zeit damit, weltweit die Umwelt zu vernichten. Interessiert keinen Grünen, weil man ja im Porsche Cayenne zum Bioladen fährt und sich dort gutes Gewissen kauft, mit dem man dann guten Gewissens Bomben auf Zivilisten werfen kann – man hat ja heiliges Biofleisch im Bauch, wirft also gute Bomben.

Wir kriegen von den Folgen wenig mit – einmal abgesehen vom dramatischen Insektensterben – 70-80 Prozent beträgt der Schwund in den letzten Jahrzehnten (siehe Nabu) aber dafür interessieren sich noch nicht mal „Tierschützer“, die eine willkürliche Grenze im Tierreich ziehen zwischen jenen Tieren, die leicht vermenschlicht werden können (wie Kuh und Dackel, wenn man nur genug Disneyfilme gesehen hat) und jenen, die keine Sau interessieren (Hummel, Biene, Schmetterlinge), weil man mit deren Schutz nicht auf sich aufmerksam machen kann („ich esse keine Insekten“ hört man selten, auch von Veganern – obwohl man damit die Welternährungsorganisation ärgern könnte, die den Verzehr von Insekten empfiehlt (siehe SWR).

Mit Menschenschutz jedoch hat diese schizoide Kultur wenig am Hut, man will einen „Veggie-Day“ anordnen – ohne zu merken, dass man damit massiv in die Freiheitsrechte der Menschen eingreift – ignoriert aber gleichzeitig, wie vergiftet das soziale Gemeinwesen ist (siehe Zeit):

„Mehr Stress, mehr Arbeitsverdichtung: In Deutschland werden immer mehr Überstunden geleistet. Mehr als die Hälfte der 1,8 Milliarden Stunden Mehrarbeit sind unbezahlt.“

Das wären auch eine Menge Arbeitsplätze. Wir arbeiten umsonst an der Vermüllung unsere einzigen Ökosphäre – das ist der Deutsche. Als Dank dafür bekommen wir eine völlig sexualisierte Gesellschaft („sex sells“ – was sein einziger Sinn ist), während Arbeiten im Bereich der Sexualökonomie unterdrückt wenn nicht sogar verboten werden – es könnten ja glückliche, ausgegelichene Menschen entstehen. Die kaufen aber nichts, während dunklere, sinnentfremdetere Formen der Sexualausübung Aggression und Wahn (und eine faschistische Gesellschaft) zur Folge haben – aber trotzdem seit Jahrzehnten gepredigt werden.

Selbstverständlich – das haben inzwischen schon die Dümmsten begriffen – darf man niemals mehr „die Gesellschaft“ anklagen (was heute leichter ginge als je zuvor), „Schuld“ hat immer nur der Verbraucher. Er erfährt zwar immer erst Jahre später von den häßlichen Entartungen im Produktionsbetrieb, darf aber die volle Verantwortung für den gesamten Entscheidungsprozess übernehmen: mit dem Kauf einer billigen Bratwurst bei Aldi trifft in die volle Wucht der Verachtung jener, die diese Wurst produziert und an ihrer Produktion sehr gut verdient haben. Es gibt einen ganzen, schlichtweg völlig irrsinnigen und wahnhaften Kult des „positiven Denkens“, der die Verantwortung für die Terrorakte den Opfern zuschiebt: sie werden schon wissen, warum sie zu jenem Zeitpunkt an jenem Ort waren und warum sie diese Erfahrung machen wollten – dem Täter selbst sollte man dankbar sein (was konsequent ist, aber nur selten ausformuliert wird). Dieser irrationale Kult wird von führenden Unternehmensberatern gelehrt – weil er dem Chef einen großen Nutzen bringt: wer wenig verdient, ist selber Schuld.

„Gerechtigkeit“ ist ein Fremdwort, als verehrungswürdiges Gemeinziel vollkommen dem „Profit“ gewichen, der nur wenigen gegönnt ist, die aber gezielt mit „Statussymbolen“ ausgestattet werden (vor allem Automobile – wir sind ein Autoland) – die Zeiten, in denen jeder Schüler wusste, dass Statussymbole nur von armen Seelchen gebraucht werden und eine unverantwortliche Verschwendung von Ressourcen zur Überdeckung charakerlichen Mangels sind, sind lange vorbei (das hat der Autor selbst auf einer Schule gelernt, die Wirtschaftselite herausbilden wollte).

Eine beispiellose Enteignungswelle durchrollt mal wieder das Land – über sie wird kaum gesprochen, außer in Extremfällen, wo „Jobcenter“ einen erstmalig im Alter von 63 Jahren vorstellig gewordenen Trockenbauer dazu anhalten, seine eigene Mutter auf Herausgabe des Erbpflichtteils zu verklagen – was Zwangsversteigerung und enorme Verluste für die Mutter bedeuten würde – von der Zerrüttung der Familie mal ganz abgesehen (siehe Berlinjournal), Beispiel für eine ausufernde staatliche Asozialität im Dienste der „Besserverdiener“ und zum Schutz von Riesenvermögen, die rational gar nicht mehr begründet werden kann. Im gleichen Journal erfährt man auch, dass – wie selbstverständlich – die Motoren der asozialen Entwicklung mal wieder vom Sozialstaat gerettet werden wollen, weil das ganze Bankensystem mal wieder vor dem Zusammenbruch steht (siehe Berlinjournal): letztlich soll der alte, schwer kranke Trockenbauer deshalb dem Staat bei der Enteignung seiner eigenen Mutter helfen und wird deshalb vom Staat mit dem  Hungertod bedroht. Andere werden vom Jobcenter in die Insolvenz getrieben, was sie für ewig aus den Kreisen der Normalbürger stößt (siehe Süddeutsche).

Häßlich, wenn man das so darstellt, oder? Sind wir guten Menschen doch so stolz auf unser gutes Land, dem es so gut geht – und verachten jeden, dem es nicht gut geht, weil er einfach nicht in dieses Land passt.

Wir aktzeptieren selbst wahnsinnigste Erscheinungen in unseren „westliche Werten“ als völlig normal (siehe der Westen):

„Sie ermittelten jahrelang erfolgreich gegen Steuerhinterzieher und durchsuchten am Finanzplatz Frankfurt Banken, die das Geld ihrer Kunden in großem Stil im Ausland versteckt hatten. Ihre Arbeit brachte dem Staat Millionen an Rückzahlungen und den Finanzinstituten zahlreiche Strafverfahren ein. Doch dann wurden die vier Steuerfahnder Rudolf Schmenger, Marco Wehner sowie das Fahnderehepaar Heiko und Tina Feser mit falschen Gutachten im Auftrag der Finanzverwaltung für geisteskrank erklärt und zwangspensioniert.“

Ich hoffe, Ihnen ist bewusst, was Sie da gerade gelesen haben: die Finanzverwaltung hat per falschem Gutachten vier erfolgreiche Steuerfahnder für geisteskrank erklären lassen – und so hunderte weitere Fahnder „diszipliniert“. Die Finanzverwaltung müsste sofort aufgelöst, alle Verwantwortlichen verhaftet und eingesperrt werden (inklusive der ärztlichen Gutachter), weil sie gemeingefährlich und staatsschädlich sind … doch ich denke, das wird nicht geschehen.

Nun – ich versprach Ihnen die Wahrheit hinter den Anschlägen zu beschreiben – Sie haben jetzt einen Ausblick auf das Umfeld, in dem die Täter leben mussten.

Blicken wir nun mal auf die Täter – und zwar erstmal auf den angeblichen Urvater des Münchener Anschlags, Anders Behren Breivig (siehe N-TV):

„Er ist in eine normale norwegische Familie hineingeboren, er ging in einen gewöhnlichen Kindergarten, eine normale Schule, er wurde Mitglied einer zugelassenen, für alle zugänglichen Partei. Er hatte die Möglichkeit, so zu werden wie alle anderen. Er ist nicht in einem Vakuum aufgewachsen, sondern unter uns. Die Frage könnte also auch lauten: Sind wir schuld an ihm? Haben wir etwas getan, das ihn zum Monster werden ließ?“

So erzählt es eine norwegische Journalistin. Kein Suchen nach Hassobjekten wie „Internet“ und „Ballerspiele“, „Flüchtlinge“ und „Nazis“, sondern eine nüchterne Bestandsaufnahme einer gesunden Kultur mit vorbildlichem Sozialstaat. Die hat aber nicht nur Fragen – die hat auch Antworten:

„Der Schlüssel zu seinen Taten ist Erniedrigung. Was auch immer er in seinem Leben versucht hat – er wurde zurückgewiesen, zurückgewiesen, zurückgewiesen. Überall. Und zu guter Letzt wurde er auch noch von den Rechtsextremen im Internet zurückgewiesen. Sie lasen nicht sein Manifest, sie beantworteten nicht seine E-Mails, sie fanden ihn langweilig. Als er diese Ablehnung erfuhr, begann er, Waffen zu kaufen.“

Damit es nicht zur Erniedrigung kommt, haben wir einen Artikel in unserem Grundgesetz – gleich den ersten: die Würde des Menschen ist unantastbar. Es sei denn, es müssen mal wieder größenwahnsinnige Banken mit Steuergeldern gerettet werden, um die Profite der riskanten Geschäfte zu schützen: dann ist die Würde des „kleinen Mannes“ der Allianz der „großen Statussymbolmänner“ egal, es gilt, die übergroße eigene Haut zu retten.

Schön zu sehen, dass es noch Länder gibt, die Weisheit dem Pauschalurteil vorziehen. Deutschland gehört leider nicht mehr dazu. Wir erklären solche Taten lieber nach Schema F anstatt nach den Ursachen zu fragen (siehe Spiegel):

„Ein sonderbarer Einzelgänger, psychisch auffällig, bestimmt von Wut und Hass – und von Rachegedanken. Und ohne brauchbare soziale Kontakte. „Diese Menschen steuern auf einen schwarzen Tunnel zu“, sagt Bannenberg.“

Dann noch „Ballerspiele“ und „Internet“ als Codeworte: der deutsche Wissenschaftler ist zufrieden – so zufrieden wir nach der Verurteilung kerngesunder Finanzfahnder. Dabei enthält der gleiche Artikel auch eine Antwort – die man jedoch nicht hören will:

„David besucht zunächst die Mittelschule in der Toni-Pfülf-Straße. Schon dort wird er gemobbt, heißt es. Er ist ein Einzelgänger, hat offenbar kaum Freunde. Laut Staatsanwalt kommt es 2012 zu einem Jugendverfahren, weil David auf dem Nachhauseweg von der Schule von drei Jugendlichen angegangen und gehänselt wird.“

Kein Wort über die verrohte Gesellschaft und ihre Opfer, dafür aber ein anklagendes Moment:

„David flüchtet sich mehr und mehr in die Welt der Computerspiele.“ 

„Zu diesem Zeitpunkt ist David längst in psychiatrischer Behandlung. Im Sommer 2015 verbringt er laut Staatsanwaltschaft zwei Monate in einer stationären Einrichtung. Auch danach wird er ambulant weiterbehandelt, bekommt Psychopharmaka verordnet. David leidet offenbar nicht nur unter Depressionen, sondern auch unter einer sozialen Phobie, Begegnungen mit Fremden versetzen ihn in Angstzustände.“

Man könnte auch formulieren: David reagiert ganz natürlich (und somit kerngesund) auf eine feindliche Umgebung (die wir – trotz Artensterben, Ausbeutung, asozialer Sozialpolitik und maximierter Umweltvernichtung „gut“ nennen), er entscheidet sich angesichts einer feindlichen Umwelt für Flucht … und dann für Angriff. Wir beschreiben das aber anders: David ist unwert, ist schwach – dass er erst Opfer war, bevor er Täter wurde, ist egal – wir haben in Deutschland ein ausgeprägtes Täterschutzprogramm laufen, während man die Fluchtwelten massiv angreift (heute: Internet und virtuelle Realitäten, früher: „eskapistische Literatur“).

Und „hart durchgreifen müssen“ ist das Credo der Mehrheit der Deutschen (jedenfalls der Mehrheit jener, die Möglichkeiten haben, sich mit Breitenwirkung artikulieren zu dürfen – weil sie eigene Zeitungen haben), Hartz IV ist das strategische Vorbild jedes Amokläufers … der in seinem eigenen Leben hart gegen „Parasiten und Schmarotzer vorgeht“ … also, was er dafür hält, ganz nach dem Motto: „gleiches Recht für alle“.

Wir sind jetzt nur bei David und München hängengeblieben, dabei gilt es noch andere Dimensionen zu berücksichtigen: sich der Wahrheit zu nähern, ist halt komplizierter als „Ballerspiele“, „Internet“ oder „Scheißausländer“ zu brüllen.

Es gibt nun ein Buch eines Philosophen, der schon angegriffen wird, weil er sich überhaupt mit dem Thema beschäftigt hat. Seine Schlussfolgerungen sind recht einfacht (siehe Süddeutsche):

„In unserer Welt regiert der Neo-Liberalismus, jeder steht mit jedem in Konkurrenz. Sie mit Ihren Kollegen, wir im Westen mit den Menschen im Osten. Dieser ständige Druck kann psychische Krankheiten auslösen. Man muss den Tätern kein Verständnis entgegenbringen, aber man muss einsehen: Das sind Monster, die wir mitgeschaffen haben.“

So weit reicht die Degeneration schon: die Täter zu verstehen wäre der erste Weg, zukünftige Anschläge zu verhindern – das ist der Sinn von „Verständnis“, doch selbst Philosophen, deren Kunst das Verstehen sein sollte, scheuen sich hier, sich zum „Verständnis“ zu bekennen. Wir müssten den Kurs einer zutiefst kranken Gesellschaft ändern, die beständig Monster gebiert (wie jene Aktienschummler, die sich superreich geschwindelt haben und als Krone der Menschheit gelten) – doch gerade an diesem kranken Kurs verdienen die Entscheidungsträger, die den Kurs ändern könnten. Und die gehen über Leichen, denn die Leichen sind seht nützlich, wie uns ein Psychologe erzählt (siehe Deutschlandradio):

„Denn durch Angst lässt das Denken sich fernsteuern. Angst beherrscht die Wahrnehmung und überlagert jede andere Emotion. Sie sucht sich Bestätigung und widersetzt sich besserem Wissen. Sie ignoriert Entwicklung und schleichende Prozesse, die zunehmende Neigung zur Gewalt, den Klimawandel und das Auseinanderbrechen der Gesellschaft. Dafür löst sie Panik aus, wo weitaus geringere Gefahr droht.“

Ja – unser Staatswesen löst sich gerade auf. Das merken wir alle. Staat wird Feind, wo er Diener sein sollte. Unsere Umwelt verabschiedet sich: man braucht keine Insektenentferungsmittel für Autoscheiben mehr, weil die Insekten fort sind – ihnen werden Blumen und Vögel folgen – und der Mensch, aber das interessiert nicht, weil wir wegen all dieser Gefahren ja SUV fahren und uns so für viel Geld die schäbige Illusion von Sicherheit kaufen – so wir wie auch die Illusion von „gut sein“ im Bioladen erwerben. Oder auf der Veganerparty.

Wer es übrigens merkt, sind die Entscheider. Sie denken weiter als man es dem Volk gestattet, sie predigen die Mär vom psychisch kranken Einzeltäter (der real nichts anderes macht als die kerngesunden angesehenen, wehrhaften Bundeswehrsoldaten, nur die Deutungsrahmen sind verschieden), ziehen aber selbst ganz andere Konsequenzen (siehe Zeit vom 9.7.2016):

„Ab sofort will die Bundeswehr für Einsätze in Deutschland üben. Soldaten müssten Polizisten im Falle von Terrorangriffen unterstützen können, betont die Koalition.“

Die Polizei hütet Recht und Ordnung im Inneren des Landes, die Armee schützt das Land vor seinen Feinden. Wird sie im Inneren des Landes eingesetzt, ist das eigene Volk zum Feind geworden. So einfach ist das. Das wird dann der größte Terrorakt und der nachhaltigste Amoklauf. Insofern ist es bezeichnend dass der oben genannte Philosoph trotz scheinbar kritischer Position genau diese Entwicklung stützt, in dem er – zu Recht, wie ich finde – Amoklauf und Terrorakt gleich setzt. „Religion“ kommt erst ganz ganz spät dazu, als Feigenblatt fürs eigene Gewissen.

Wir könnten dem nun eine menschliche, liebenswerte, glücksfördernde Gesellschaft entgegenhalten, in der es keine großen Verlierer mehr gibt und jeder einen Platz zum Leben hat, dass dies komplett kostenlos geschehen kann, ist lange bekannt. Das eine solche Gesellschaft schlecht auszubeuten ist und gar nicht in Kriege ziehen mag, auch.

Darum pflegen wir die Kultur der Angst, die uns unser Leben, unsere Demokratie, unser Glück, unsere Freiheit und unsere Würde raubt und uns auferlegt, dass alles auch noch als „gut“ zu empfinden, weil die Bundeskanzlerin es so angeordnet hat.

Und die Opfer dieser Kultur werden – weltweit – so reagieren wie die Regierungen des Westens: mit rücksichtsloser Härte gegen alles, was anders oder im Weg ist.

„Wie der Herr, so´s Gescherr“.

 

 

 

 

 

 

 

Hartz IV – die größte Vernichtungsaktion seit Auschwitz

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Mittwoch, 11.3.2015, Eifel. „Hartz IV – die größte Vernichtungsaktion seit Auschwitz“ – wer sich einen solchen Titel erlaubt, macht sich in der Regel sehr unbeliebt. Zum einen natürlich in der Politik, die diese „moderne Dienstleistung am Arbeitsmarkt“ als größten Triumph sozialdemokratischer Kreatitivät und Einfallsreichtums wie eine Siegesfahne vor sich herträgt: in jenen Sphären hört man nicht gerne Kritik an der eigenen Schaffenskraft, noch wird man gerne auf die Folgen der eigenen, schier grenzenlosen Dummheit, Faulheit und Ignoranz aufmerksam gemacht.

Dummheit, Faulheit, Ignoranz? Habe ich da den Mund nicht zu voll genommen? Nun – ich denke nicht. Peter Hartz hat eine Strategie vertreten, die man im Management als durchaus fortschrittlich bezeichnen kann – innerhalb eines Unternehmens. Mitarbeiter, die nicht die erforderliche Leistungen bringen, werden gefördert anstatt gefeuert, erhalten Hilfen anstatt Abmahnungen: eine Einstellung, die einem sozialen Staatswesen (und ein solches haben wir laut Gesetz zu sein) durchaus angemessen ist. Das es auch anders geht, zeigen viele Beispiele. Der „Spiegel“ zum Beispiel bietet ja in seinem „Karriere“-Ressort immer mal wieder nassforschen Jungjuristen ein Forum für ihre antisozialen Ausbrüche in punkto Arbeitsrecht. Erkennbar ist, dass im Sinne der Renditemaximierung die Aussortierung von Kranken aktuell neue Höhepunkte erreicht, ja: viele personalverantwortliche Mitarbeiter in Unternehmen scheinen so viel Zeit zuviel zu haben, dass sie Seminare besuchen können, wo ihnen kreative Kündigungsgründe beigebracht werden – heute zum Beispiel in Stuttgart (siehe Schreiner-Praxisseminare: „Die Kündigung „störender“ Arbeitnehmer“).

Das soziale Empfinden (und somit auch die Treue zum Verfassungsgrundsatz der Sozialstaatlichkeit) scheint vielen Anwälten abhanden gekommen zu sein, ohne zu zögern wird aktuell sogar stolz ein schwaches Immunsystem als Grund für die endgültige Aussortierung aus dem Arbeitsleben benannt (siehe Spiegel): vor diesem Hintergrund wirkt die Personalarbeit von VW in der Tat vorbildlich – und die Idee, eine solche gründliche, systematische Förderung auch jenen angedeihen zu lassen, die von weniger sozial eingestellten Anwälten ins soziale Jenseits befördert werden, begrüßenswert.

Dann jedoch kam diese Forderung in die Sphären der Politik – wo ich nicht umhin kann, Dummheit, Faulheit und Ignoranz zu vermuten, um nicht wirklich einfach Boshaftigkeit unterstellen zu müssen. Was geschah dort mit den Ideen? Erstmal wurde gekürzt – und ein vollumfänglicher Zugriff auf das Vermögen von Arbeitslosen möglich gemacht – „Enteignung“, das sozialistische Schreckgespenst, wurde für ausgewählte Personenkreise in Deutschland plötzlich Realität. Wo früher der Grundsatz herrschte, dass man Sozialhilfe zur Sicherung des Lebensstandards gewährt, galt heute: wer einmal von einem cleveren Anwalt aus der Firma geboxt wurde, ist selber Schuld und haftet mit seinem ganzen Vermögen für das Geschehen. In Kreisen, in denen die Verpflichtung zum Sozialstaatscharakter dieses Landes weniger ernst genommen wird und man sich lieber mit der Arroganz von „Macht“ umgibt, ein Vorgang, der keinerlei zweifelnde Gedanken aufkommen ließ.

Das man in Folge eines stark zusammengestrichenen Versorgungssatzes nicht mehr in der Lage war, um sozialen Leben teil zu haben, interessierte niemanden im Ministerium – und schnell meldeten sich auch „Wissenschaftler“, die den Versorgungssatz nochmal um 66% senken wollten: das erste Mal spürte man in Deutschland wieder den Willen zur Vernichtung „unwerten Lebens“ aus Akademiker- und Regierungskreisen, ohne das es jemanden groß störte. Keiner bemerkte, dass Kosten für bewerbungsfördernde Kleidung (inkl. teurer Brillen), Kosmetika, professionelle Fotografien inklusive Frisur mit einem Hungerregelsatz gar nicht mehr zu bewältigen waren, der Gesetzgeber also entweder bewusst und mit Absicht oder aber aus reiner Dummheit heraus den Opfern der Globalisierung ihre ganze Zukunft nahm … bzw. diese Zukunft vernichtete … ihre und die ihrer Kinder gleich mit.

Nun sieh mal einer an: das Wort Vernichtung taucht im Diskurs über moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt überraschend früh auf – und führt in Deutschland natürlich umgehend zu Vergleichen mit Zeiten, in denen schon mal großflächig vernichtet wurde. Hier haben wir die zweite große Tabuzone der bundesdeutschen Gesellschaft (neben der – unerwünschten – Kritik am Regierungshandeln): die deutschen Vernichtungslager der Vergangenheit. Ja: sogar selbsternannte und großspurige Arbeitslosenaktivisten reagieren mit äußerster Empörung und drastischen Maßnahmen auf nur den leistesten Vergleich moderner deutscher „Sozialpolitik“ mit den Vernichtungslagern des Dritten Reiches, sie greifen zum Äußersten: zur „Entfreundung“ der Betreffenden auf ihrem Facebook-Account. Sie reagieren nach dem gleichen Prinzip wie die Führer des Nationalsozialismus: was stört muss weg! Man kann nur hoffen, dass solche Gestalten niemals mehr Macht bekommen, als ihnen Facebook gibt – denn sonst werden die Öfen wieder angeheizt, damit die Störer eleminiert werden können.

Der Umgang mit dem Dritten Reich ist problematisch – weshalb man es gerne ins Reich der Mythen und Märchen verbannt, es als kleinen Ausrutscher darstellt, als winzigen Unfall der Geschichte, der sich selbstverständlich niemals wiederholen kann, weil es so absolut unwahrscheinlich und undenkbar war, dass so etwas überhaupt jemals passiert. Hitler und die Nazis – das ist ein Thema für Hollywood, aber nicht mehr für den modernen gesellschaftlichen Diskurs. Sicher: wir haben ja auch alles unternommen, damit sich 1933 – 1945 nicht wiederholt: Hitler, Goebbels und Himmler sind tot, die NSDAP verboten (und sogar ihre Symbole!!!) und überhaupt schreiben wir das 21. Jahrhundert, weshalb sich 1933 sowieso schon nicht wiederholen kann – also können wir uns doch in Sicherheit wiegen und den peinlichen kleinen Zwischenfall eigentlich vergessen … und all´ jene eleminieren, die als unbequeme Unken unser gemütliches „deutsch sein“ stören und darauf hinweisen, dass Massenvernichtung von Mitmenschen auch 2033 wieder denkbar wird – mit anderen Führern, anderen Parteien, anderen Symbolen.

Das einzige, was man dazu braucht, ist ein entsprechender „Zeitgeist“, Menschen, die durch die Menschenhatz konkrete Vorteile haben und sie sich durch die Verfolgung anderer sichern können.

Ein Beispiel?

Nun – bleiben wir bei den Arbeitslosen in Deutschland. 40 Millionen Menschen in Deutschland arbeiten, 3 Millionen sind nach offizieller Lesart arbeitslos. Das „arbeitslos“ ein unzumutbarer Zustand ist, ist allen klar, weshalb wir reagieren wie alle sozialen Gemeinschaften: wir gründen eine Kasse, die im Notfall (falls die Exekutionsjuristen mal wieder erfolgreich waren) die Folgen der Arbeitslosigkeit abmildert  – und die Folgen sind heutzutage bedrohlicher als vor hundert Jahren, wo selbst einfache Arbeiter noch das Hausschwein und den kleinen Gemüsegarten hatten, um wenigstens eine kleine Sicherheit in der Hinterhand zu haben. 3 Prozent ihres Bruttoarbeitslohnes zahlen die 40 Millionen Menschen, laut deutscher Rentenversicherung liegt das Durschnittseinkommen 2015 bei 2917 Euro monatlich, d.h. jeder der 40 Millionen arbeitenden Menschen zahlt jeden Monat 87 Euro, um im Notfall vor den Folgen der Arbeitslosigkeit geschützt zu werden.

Jetzt stellen Sie sich mal kurz vor, diese 40 Millionen würden den 3 Millionen Arbeitslosen das Geld persönlich auszahlen, ganz im Sinne der ursprünglichen, selbst organisierten Arbeitersozialversicherungen, die man für Witwen und Waisen ohne staatliche Hilfe eingerichtet hatte: jeder Arbeitslose würde 1137 Euro monatlich bekommen, um wieder auf die Beine zu kommen. Schon eine stolze Summe – knapp doppelt soviel, wie er jetzt inklusive Heizung, Miete und Wasser erhält. Da wäre sogar Spielraum für kreative Unternehmensgründungen anstatt für passives Dahinvegetieren bei Wasser, Brot und Kerzenlicht.

Warum stellt eigentlich niemand mal die Frage, wo das ganze Geld bleibt? Nun – man würde schnell viele hunderttausend Menschen identifizieren können, die an der üblen Behandlung von Arbeitslosen ein substanzielles Interesse haben: nämlich jene, die zwischen den Beitragszahlern und den Beitragsempfängern sitzen und es sich dort richtig gut gehen lassen – je höher in der Hierarchie, umso fetter. Natürlich hat man dort ein profundes Interesse daran, substanzielle Fragen zum Umgang mit Versicherungsgeldern zu vermeiden, ja: das ganze System ist darauf angewiesen, dass solche Fragen vermieden werden – sonst käme man noch auf ganz andere Ideen.

Welche?

Nun: die Hälfte des Jahres arbeiten Sie für den Staat. Sogar wenn Sie minimale Renten und Sozialleistungen beziehen, greift er noch 19 Prozent Mehrwertsteuer ab. Und was bekommen Sie dafür? Marode Brücken, sanierungsbedürftige Schulen, ein Gesundheitswesen auf dem Niveau eines EU-Randstaatees, eine Armutsverfolgungsbehörde, die lieber Arme verfolgt als Armut zu bekämpfen … und auch gerne schon mal einen allgemeinen Drogenmissbrauchsverdacht in die Tat umsetzt und massenhaft Drogentests von Versichertengeldern anschafft (siehe Mitteldeutsche Zeitung), Tests, die mit großer Wahrscheinlichkeit im deutschen Bundestag erfolgreicher zum Einsatz kommen würden.  Aktuell verfolgen von Steuergeldern finanzierte „Sozialkommissare“ sogar Behinderte (siehe Ostseezeitung) und kriminalisieren so eine weitere Schicht von Mitbürgern: nach den Arbeitslosen kommen die Kranken als unwerwünschte Personen in den Fokus der Aufmerksamkeit der Beitragsgeldabsahner. Diese Absahner sind in der Tat sehr alarmiert: die Kosten für Sozialhilfe steigen, der größte Batzen davon sind Eingliederungsbehilfen für Behinderte (siehe Spiegel): das Geld, was die Behinderten dort in Folge unseres Sozialstaatsgebotes in Anspruch nehmen, fehlt für die Dientstreisen aller Akteure nach Australien, Brasilien oder in die USA, für ausgedehnte Betriebsfeiern oder großzügige Beförderung vor Pensionseintritt.

Nun – das reicht noch nicht für einen Vergleich mit den Vernichtungslagern des Dritten Reiches, die manche als natürliche Folgen der kapitalistischen Ordnung ansehen  – ja, mal im Ernst gefragt: wo sollen denn die von den Arbeitgebern systematisch aussortierten „Minderleister“ (also „Kranke“) anders hin? Irgendwann bilden die eine große, nicht mehr verwertbare Masse, die Kosten verursacht – und Kosten gehören nach der in unseren Breitengraden angebeteten betriebswirtschaftlichen Logik eleminiert. Da die ganze Maschine schon einmal – aus recht ähnlichen Gründen – in Deutschland funktionierte, warum sollte sie nicht wieder anlaufen können? Nur, weil wir das Hakenkreuzsymbol verboten haben und Adolf Hitler tot ist?

Doch wir reden hier schon von der Zukunft, auf die wir uns logisch geradlinig zubewegen, wenn wir anfangen, Menschen wieder als „unwertes Leben“ zu stigmatisieren, als „Parasiten“ und „Schmarotzer“. In der Tat vergessen wir schnell, dass Auschwitz am Ende einer Entwicklung einer hoch zivilisierten Gesellschaft stand – und nicht plötzlich von dämonischen Aliens ins Reichsgebiet gebeamt wurde … obwohl das eine Vorstellung ist, die vielen Verantwortlichen (gestern wie heute) sehr angenehm wäre, enthebt sie doch jeder Verantwortlichkeit (wie auch die Sichtweise als „einmaliger, nicht wiederholbarer Unfall“).

Mir geht es um die Vernichtungsaktion, die in der Gegenwart läuft. Jetzt und hier. Vor aller Augen.

Während deutsche Wissenschaftler im Zeitgeist der kostengünstigen Massenvernichtung von drastisch niedrigen Regelsätzen träumen (siehe TAZ aus dem Jahre 2008) und so dem Steuerzahler noch mehr Leistungen vorenthalten wollen (um dann für die eigene Universität eine dicke Scheibe Zusatzgeld zu erhalten) sehen Wissenschaftler aus Schottland etwas anderes: endgültige Vernichtung.

Das ist jedenfalls das Ergebnis einer Studie, die am 18.2.2015 von der American Psychological Association veröffentlicht wurde und uns mit etwas Entsetzlichem konfrontiert (siehe Apa): Arbeitslosigkeit verändert den Kern der menschlichen Persönlichkeit, jenen Ort, den man bislang immer für unantastbar gehalten hat, endgültig.

“The results challenge the idea that our personalities are ‘fixed’ and show that the effects of external factors such as unemployment can have large impacts on our basic personality,” said Christopher J. Boyce, PhD, of the University of Stirling in the United Kingdom. “This indicates that unemployment has wider psychological implications than previously thought.”

Arbeitslosigkeit vernichtet … Persönlichkeit.

Das, was uns am meisten ausmacht.

Infolge dessen ist ein Gesetz, dass hauptsächlich zum Ziel hat, Arbeitslose unter Zuhilfenahme massivster Diskriminierung und existenzbedrohender Sanktionen im von der Industrie zur Gewinnmaximierung von Anlegern mangelns sonstiger Leistungsfähigkeit dringend benötigten Niedriglohnsektors zu platzieren und zu halten ein Gesetz zur Massenvernichtung menschlicher Persönlichkeit – und die Vernichtung des Persönlichkeitskerns (nach etwas zwei Jahren) führt zu absoluten Minimierung der Chancen auf dem Jobmarkt.

So erschaffen wir zielgerichtet jene Art von Menschen, vor denen uns Gerhard Schröder eigentlich warnen wollte.

Ob und wie es mit Auschwitz verglichen werden kann, wird die Zukunft zeigen. Darüber brauchen wir auch jetzt nicht zu spekulieren, denn wir haben unsere eigene Vernichtungsorgie: jetzt, hier und heute, ganz ohne Hitler, Hakenkreuze und braune Uniformen.

Es ist die größte Massenvernichtungsaktion auf deutschem Boden seit Ausschwitz – was hauptsächlich der Tatsache geschuldet ist, dass wir eben jahrzehntelang konstruktive Sozialstaatspolitik verfolgt haben, die ohne Vernichtung von künstlich aussortierten Menschen bzw. der Vernichtung ihrer Persönlichkeit auskam.

Sicherlich kann man den Opfern auch entgegnen: seit froh, dass ihr überhaupt noch was kriegt. Sprüche dieser Art bekommen wir oft zu hören – und viel zu selten wird dagegen gehalten, dass wir einen Gesellschaftsvertrag haben, der uns als Sozialstaat definiert. Wer damit nicht leben kann und will, dem steht es frei, in Länder auszuwandern, in denen andere Gesellschaftsordnungen praktiziert werden … und in denen jene Armut grassiert, mit denen man hier den Armen drohen will.

Dort wird aber auch häufig mit der Kalaschnikow eingekauft.

Man kann aber aus andereseits sagen: die Vermögen der Deutschen explodieren geradezu, beständig erreichen uns neue Triumphmeldungen.

Die Geschichten darüber, dass uns das Geld ausgeht, waren also gelogen.

Es war auch nie wahr, dass die Juden in den Osten ausgesiedelt wurden und dort niedliche kleine Höfe bestellen durften.

Es ist auch nicht wahr, dass Arbeitslose gefördert werden.

Wahr ist, dass Arbeitslosigkeit den Kern der Persönlichkeit zerstört – und wir in Deutschland eine Gesetzgebung und einen entsprechenden Zeitgeist haben, die Arbeitslosigkeit für ausgewählte Störer zum gewollten Dauerzustand zwecks Disziplinierung der Niedriglöhner und Zeitarbeiter macht  – und damit zur größten Vernichtungsaktion seit Auschwitz.

Nicht größer. nicht gleich groß – aber die größte seit damals.

Ich finde schon, das sollte mal gesagt werden, bevor andere Professoren auf neue krude Ideen zur Kostensenkung kommen – oder?

 

 

 

 

Gewalt in der Psychiatrie – Gedanken zu einem aktuellen Gesetz

Gewalt in der Psychiatrie - Gedanken zu einem aktuellen Gesetz

Mittwoch, 19.12.2012. Eifel. Na, fühlen Sie sich gut? Noch voll im Job, sich gar unverzichtbar wähnend? Kerngesund an Körper und Geist, Häuschen gut eingerichtet, Pool schön blank geputzt, das kleine Segelboot auf Hochglanz poliert, am Wochenende gar die ersten Flugstunden bezahlt? Urlaub auf den Malediven gebucht, Tauchkurs inklusive … und der neue SUV ist ein Benz oder Porsche und nicht mehr ein asiatisches Billigprodukt? Vielleicht haben Sie sogar Kinder – maximal zwei – die ihr ganzes Glück sind … sofern sie die Feuergefechte in den Grundschulen überleben. Sie fühlen sich superwohl, ein König der Welt (zum Herrscher des Universums braucht es noch eine Zeit) und sind der Meinung, das Ihnen nichts und niemand etwas anhaben kann? Nun … dann kennen Sie wohl die deutsche Psychiatrie noch nicht, eben so wenig die Pläne unseres Gesetzgebers, wie dort wieder Gewalt einziehen soll. Wie bitte? Psychiatrie betrifft Sie nicht? Sie haben doch einen Mann bzw. eine Frau, oder? Vielleicht auch den einen oder anderen Neider? Oder gar Konkurrenz innerhalb der Firma, der Partei, des Verbandes? Bei ihnen gibt es etwas zu holen – natürlich betrifft Sie die Psychiatrie … und wenn sie da erstmal drin sind und sich nicht fügen, dann kommen sie erst Recht nicht mehr heraus.

Als Philosoph hat man einen besonders kritischen Zugang zur Psychiatrie oder Psychologie. Oft wundert man sich, das es diesen Zweig der Wissenschaft überhaupt gibt, denn im Prinzip kann er eigenständig gar nicht bestehen. Wie will man entscheiden, ob Verhalten normal ist oder nicht, wenn man sich keine Gedanken über das System macht, das den Rahmen für die Normen bestimmt? In der Psychiatrie (hier arbeiten Ärzte) hat man dafür noch viel Verständnis, in der Psychologie (hier arbeiten Psychologen) weniger … es geht um Geld, da kennt man keine Gnade. Um abrechnen zu können, brauche ich therapierbare Verhaltensauffälligkeiten … je mehr ich davon erfinde, umso reicher werde ich: das ist die Ausgangslage der Psychologen. Die verabreichen aber nur höchst selten Drogen, davon leben die Psychiater. Dort ist man auch schon kritischer – vor allem in den großen Institutionen. In einem Haus war ich als Philosoph sogar mal hoch willkommen – der Chefarzt war schier am Verzweifeln: „den Deutschen muss ich behandeln, wenn er mit Gott spricht – den Türken muss ich behandeln, wenn er nicht mehr mit Gott sprechen kann: ist doch absurd“. Ein Originalzitat.

Diesen und anderen Kontakten hatte ich dann die einmalige Chance zu verdanken, Krankheitsbilder in geschlossenen Abteilungen der Psychiatrie zu studieren. Ich hatte einen Kittel, einen Schlüssel (man hat mir dringend geraten, das IMMER zu erwähnen, wenn ich – in den Grenzen der Schweigepflicht – über diese Erfahrungen rede … man sieht, es ist in diesem Land schon gefährlich, auch nur in der Nähe der Psychiatrie verortet zu werden) und zuvor viel Literatur verschlungen, um diverse Krankheitsbilder zu erkennen und diese dann in die Schulung eigener Mitarbeiter einfließen lassen zu können.

Ich habe dort interessante Beobachtungen gemacht, mir nebenbei die Frage gestellt, ob da nicht ziemlich Willkür bei der Diagnose herrscht. Sind nicht eigentlich alle Menschen depressiv, die nicht manisch sind? Und alle manisch, die nicht depressiv sind? Da muss ein Produktmanager der Pharmaindustrie die Diagnosen gestrickt haben … so eng, das kein Pillenkonsument mehr entkommen kann. Ich fand viele normal wirkende Menschen, einer saß ein, weil er überall die dreifache Sechs gesehen hat … zum Beispiel auf dem Barcodes jeder Ware. Ich wusste, das das stimmen kann – hatte kurz zuvor ein Buch gelesen, das sich mit dem inflationären Gebrauch dieser Zahlenkombination beschäftigte (sie ist heute noch – aus ungeklärten Gründen – auf JEDEM Apothekenrezept zu lesen), hielt mich aber zurück. Immerhin war ich ja auch kein Arzt.

Ich habe auch mit Ärzten während dieser Praktika gesprochen … wollte wissen, warum sie gerade diesen wenig lukrativen Zweig der ärztlichen Tätigkeit gewählt haben, die Antwort eines Medizinstudenten (in offener Runde) sprach Bände: „die Ausbildung ist nicht so lang, die Abschlüsse hat man schneller„. Man spart sich wohl einiges an schwierigen ärztlichen Prüfungen.  Was ich aber auch fand, waren viele Ärzte, die noch eng am Eid des Hypokrates lebten und die schier verzweifelten ob der Bedrängnisse, in denen der moderne Mensch lebt. Jeder Arbeitslose wäre bei ihnen gut aufgehoben … denn diese Form der verharzten Arbeitslosigkeit macht psychisch extrem krank.

Bevor ich mich an diesen Artikel gemacht habe, habe ich aber auch echte psychiatrieerfahrene Menschen befragt. Eine Antwort möchte ich Ihnen nicht vorenthalten:

Mich wollte mal ein Oberarzt zur medikamentösen Behandlung zwingen, ein richtiges Arschloch. Da ist mir bei der richterlichen Anhörung eine gute Idee gekommen. Ich sagte, er soll doch mal einen Patienten zeigen, bei dem die Psychopharmaka so gut helfen, also von der Station ins Anhörungszimmer holen. Der Richter hat sich darauf eingelassen und den Arzt aufgefordet, mal eine/n reinzurufen. Das konnte er natürlich nicht. 
Damit hatte sich das erledigt .

Eine ganze Station voller psychisch kranker Menschen, die alle Tabletten schlucken, aber nicht EINER davon kann vor Gericht erscheinen um zu zeigen, wie toll es ihm geht?

Nein, natürlich nicht. Immer noch ist Haldol eines der beliebtesten Medikamente in der Psychiatrie … der Kosten wegen. Dieses Medikament verwandelt sie in ein Wesen, das ohne Regungen im Gesicht scheinbar willenlos durch die Gänge schlurft und dabei – eine Nebenwirkung ist extremer Speichelfluss – eine Schleimspur hinter sich lässt. Solche Leute vor Gericht gezerrt … der Richter würde Angst kriegen.

Nun – der oben zitierte Patient hatte noch Glück. Heutzutage kann man die medizinische Behandlung verweigern. Man braucht sich nicht zum Tablettenschluckautomaten degradieren zu lassen, wie es viele Millionen Menschen freiwillig tun. Man kann einfach NEIN sagen – und schon bleibt der Körper sauber und rein.

Nach dem Willen der Regierung aber … soll dies jetzt anders werden.

Ich weiß nicht, warum die Regierung an sabbernden, willenlos dahinschlurfenden Gestalten Interesse hat, ich kann nur sagen, das dieses Gesetz  (von CDU und FDP) mit Hochdruck durch den Bundestag gepeitscht werden sollte. Das ist keine Kleinigkeit, denn das Gesetz soll aktuelle Urteil des Bundesgerichtshofs aushebeln und verstößt gegen die UN-Behindertenrechtskonvention (siehe Spiegel).

Die AWO hält das für bedenklich, der Paritätische Gesamtverband hält das für bedenklich, Chefärzte von großen Kliniken schreiben der Ministerin, das sie das Gesetz gar nicht brauchen, der Betreuungsgerichtstag lehnt es in seiner Abschlusserklärung ab ebenso wie die Bundespsychotherapeutenkammer. Es liegen Gutachten vor (Thomas Saschenbrecker) und eindeutige anwaltliche Stellungnahmen (Kanzlei Lünsman, Tomein, Toldorf), die die Problematik dieser Gesetzgebung durchleuchten, bei letzten finden sich Kommentare, die aufzeigen, welchen Eindruck die neue Gangart der Regierung macht, so meint Lili Lo:

… das erinnert stark an vergangen geglaubte Zeiten und gibt mir gerade ein eher unangenehmes Gefühl, vor allem steht die Frage im Raum:
Sind diese “Volksvertreter” überhaupt ausreichend befugt das im Alleingang entscheiden zu dürfen?
Die Willkür greift um sich – wohl kein Zufall, da wir Zeiten entgegensehen, in denen der Mensch wieder mehr und mehr erwacht, was demzufolge für einige als unbequem empfunden werden wird …

Oder Peter von Rüsten:

Ich gehe da mit meiner Meinung noch weiter.

Das gab es zu Hitlers Zeiten auch schon mal das Menschen Zwangsbehandelt wurden.

Außerdem könnte man mit diesen Gesetz jeden unliebsamen, kritischen Bürger sofort und Legal aus dem Verkehr ziehen .

Auch Reporter und deren Berichterstattung könnte mit Androhung einer Zwangsbehandlung zum Nachteil der realen Berichterstattung angewendet werden.

Wer solche Gesetze entwickelt braucht wahrhaft ein Therapie !

Wir merken: ganz so unpolitisch und unwichtig ist dieses Gesetz nicht … und auch nicht die Art und Weise, wie es zustandekommt, siehe Wolfgang Neskovic von den Linken: 

„Der Deutsche Bundestag erweist sich regelmäßig als bloße „Abnickmaschine“. Selbst Gesetzentwürfe, die schwerste Grundrechtseingriffe enthalten, werden vom Parlament einfach abgenickt, ohne dass die Abgeordneten sich die Gelegenheit einräumen, sich mit der entsprechenden Materie angemessen sorgfältig auseinanderzusetzen“, erklärt Wolfgang Nešković, Justiziar und Vorstandsmitglied der Fraktion DIE LINKE anlässlich der für morgen vorgesehenen ersten Beratung des von den Fraktionen der CDU/CSU und FDP eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Regelung der betreuungsrechtlichen Einwilligung in eine ärztliche Zwangsmaßnahme.

Was will man sich beschwehren: diese Abnickmaschine hat uns Hartz IV beschehrt und mit dem ESM unsere Souveränität verkauft – natürlich nicken die auch andere Menschenrechtsverletzungen ab, erst Recht, wenn eine ganze Industrie dahintersteht: die Pharmaindustrie sieht ihre Absatzmärkte gefährdet. Da sie über das größte Lobbyistenheer der Republik verfügen (15 000 Mann), sollte man sich nicht wundern, das gerade die zentralen Absatzförderer für das Gesetz sind: der Deutsche Richterbund und der Facharztverband DGPPN mahnen schnellste Durchführung an … immerhin verliert die Industrie tagtäglich Geld.

Nebenbei bemerkt: für solche „Notfälle“ hat man als Lobbyist der Pharmaindustrie immer Geheimwaffen parat, meine (nie eingesetzte) war eine Woche Barbados (für hartnäckige Entscheidungsträger) im Privathaus von Paul McCartney. Direkt nebenan wohnt Stephen Spielberg (ja, DER Spielberg), dem einige Teilnehmer einer Notärztetagung (Selbstzahler) dort dann auch begegnen durften. Das Haus hatte eigenes Personal, eine eigene Stretch-Limousine, einen eigenen Strand mit eigenem Katamaran – in einer solchen  Umgebung kann man viel entspannter miteinander reden als im Chefzimmer der Uniklinik. So macht man Gesetze … in allen Branchen – und vielleicht versteht man jetzt, warum ich immer zaudere, wenn als ultimative Lösung der Gang auf die Straße gepredigt wird: auf Barbados hört man euch nicht, nur nebenbei bemerkt. Aber dort fängt man an, zu verstehen, das nette Menschen einem was umsonst geben und die wirklich Unnetten nur etwas von einem nehmen, etwas haben  wollen – wie zum Beispiel Sozialleistungen.

Zurück zu DGPPN, die dem System bei der Gelegenheit ein Eigentor schießt, in dem sie beschreibt, warum sie (unter anderem) dringend die Zwangsbehandlung braucht: um die Nebenwirkungen von Cortison zu behandeln, dem Lieblingsgift der Orthopäden, das neben vielen anderen häßlichen Nebenwirkungen auch psychisch krank macht:

Ein 64 Jahre alter Bauingenieur wird wegen einer rheumatischen Gelenkentzündung einige Wochen mit Cortison behandelt. Darunter entwickelt er einen ausgeprägten Verfolgungswahn, infolge dessen er mit stark überhöhter Geschwindigkeit durch ein Wohngebiet fährt (auf der vermeintlichen Flucht vor Geheimdienstagenten).

Der Patient leidet unter einer Cortison-induzierten Psychose, einer Komplikation einer solchen Behandlung, die etwa 2% der Patienten betrifft.

2 Prozent … das ist viel, wenn man bedenkt, das Orthopäden fast jedem ihrer Patienten Kortison verabreichen. Noch bedenklicher wirkt die Beurteilung des „Verfolgungswahns“ … wie viele von uns Bürgern fühlen sich denn nicht vom Staat verfolgt, zum Beispiel durch solche Gesetze. Ich möchte hier eine kleine Stellungnahme verschiedener Betroffenenverbände zitieren, die einem nahelegen, wie sie die aktuelle Diskussion wahrnehmen, siehe Zwangspsychiatrie.de:

Der Hass war immer schon da, der Hass auf die Unangepassten, die Faulen, Querulanten, Störer, Abhänger und Quertreiber. Ganz besonders groß ist der Hass auf die, denen mit den Mitteln des Strafrechts nicht beizukommen ist, weil sie sich keine strafbare Tat haben zuschulden kommen lassen. “Denen muss das Maul gestopft werden, die müssen weg”, sagen die Angepassten. Dafür haben Ärzte sich einen bösartigen Jargon ausgedacht: “Euren Hass, den können wir bedienen, die definieren wir einfach zu “Geisteskranken”, oder noch schicker, zu “psychisch Kranken”, und dann können alle an diesen verübten Grausamkeiten als “medizinische Behandlung” getarnt werden, dann können alle Menschenrechte und Gesetze, die sonst sogar noch für gefangene Straftäter gelten, einfach ignoriert werden, denn wir behaupten einfach, die Foltermethode der gewaltsamen Verabreichung von Psychodrogen usw. wäre “medizinische Behandlung” zur Heilung dieser erfundenen Krankheiten. Wenn ihr, die Gesellschaft, uns durch die Gesetzgeber die Macht gebt, das mit Gewalt durchzusetzen, dann merkt auch niemand den Schwindel, denn es entspricht ja eurem Wunsch so einen Vorwand zu erfinden.”

Diese Praxis und deren scheinlegalisierender Schutz durch illegale, nie grundgesetzkonforme Gesetze hat in dieser Republik 63 Jahre lang funktioniert. Nach dem Motto “Die sollen doch froh sein, dass wir diese nutzlosen Esser nicht mehr vergasen” wurde weggesperrt und ab 1949 zwar nicht mehr gemordet, aber mit Gewalt das Gehirn zerstückelt (Lobotomie), elektrogeschockt, mit Insulin geschockt und wurden ab Anfang der 60er Jahre hoch potente Drogen gewaltsam verabreicht.

Die Hexenverbrennungen der Neuzeit … nur anders definiert?

Schlimmer noch. Viel schlimmer – und jetzt kommen wir nach einer kleinen Exkursion wieder zu Ihnen zurück, dem reichen, gesunden, nicht zwangspsychiatrisierten Normalbürger. Ihnen hat die Geschichte hier vielleicht bislang gar nicht zugesagt, Sie fragen sich beständig: was habe ich damit zu tun?

Nun – vielleicht haben Sie schon von dem Fall Gustl Mollath gehört? Ein Mann wie sie: ganz normal. Nun – einem Brief von Rudolf Heindl, Richter im Ruhestand an die bayrische Justizministerin Beate Merk (u.a. hier bei Grilleau veröffentlicht) entnehme ich, das es bei dem Fall Mollath ganz neue Dimensionen des deutschen Rechtssystems offenbarten … Dimensionen, die Historiker freilich schon kannten:

Sie Frau Merk haben von Ihrem Vorgänger ein kriminelles Underground-Justiz-System übernommen, das Sie in Ihrer Amtszeit fortgeführt und perfektioniert haben.

Geben Sie gegenüber der Öffentlichkeit und dem Bayerischen Landtag, die Sie belogen haben, zu, dass das Verfahren vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth gegen Herrn Mollath beim Kollegen Brixner ein vom Anfang bis zum Ende manipuliertes Verfahren gewesen ist, so wie in den Räumen dieses Nürnberger Gerichts im Nationalsozialismus die Verfahren gegen Juden manipuliert worden sind, die man unbedingt ins KZ bringen wollte, weil sie politisch unerwünscht waren oder weil lüsterne Parteigenossen gierig nach dem Besitz solcher Opfer schielten.

Es ist dem Laienrichter Westenrieder, der sich auf die Erfahrung von ca. 60 Prozessen stützt, auch aufgefallen, dass der Kollege Brixner als der prozessleitende Vorsitzende herumgeschrien hat wie seinerzeit in der dunkelsten Epoche der deutschen Geschichte Roland Freisler amVolksgerichtshof. Der Laienrichter Westenrieder, der dieses Urteil über Gustl Mollath als Fehlurteil bezeichnet, hat etwas Derartiges in keinem Verfahren vorher und keinem Verfahren nachher erlebt.

Ein kriminelles Underground-Justizsystem? Mit Verbindung zu Steuerhinterziehern, Drogenhändlern, Waffenschmugglern und dem nationalsozialistischem Untergrund, heute kurz NSU genannt?

Das lässt die Forderung der Frau Merk in einem ganz anderen Licht erscheinen, gefunden beim Deutschen Richterbund: 

Auch der baden-württembergische Justizminister Rainer Stickelberger (SPD) und Bayerns
Justizministerin Beate Merk (CSU) haben den Bundesgesetzgeber aufgefordert, schnellstmöglich
eine gesetzliche Grundlage für die medikamentöse Zwangsbehandlung von betreuten psychisch
kranken Menschen vorzulegen.

Klar droht da Eile. Wo kämen wir hin, wenn jetzt die ganzen sorgfältig Weggeschlossenen reden würden?

Und man merkt, wie schnell man selbst ins Visier der Psychiatrie gerät: immerhin zeige ich gerade Anzeichen für einen Verfolgungswahn, in dem ich ein System skizziere, das Deutschland fester im Griff hat als es erlaubt ist, zu denken.

Wenn Sie jetzt denken, Sie haben immer noch nichts mit dem Thema zu tun, dann möchte ich Ihnen die Meinung der ehemaligen Oberstaatsanwältin Gabriele Wolff ans Herz legen. In einer umfangreichen Darstellung zeigt sie, wie heutzutage Frauen ganz bequem ihre Männer entsorgen können, wie ein ganzes System versagt und einen normalen Menschen (ganz jenseits aller politischen „Wahnvorstellungen“ – die dann doch einfach nur böse Realität waren) mit schlampigen Gutachten, unseriösen Ferndiagnosen, gefälschten Attesten und einer im Sinne des Opferschutzes zur (parteilichen) Frauenfreundlichkeit verpflichteten Justiz ins Irrenhaus bringen können … wo Medikamente dafür sorgen, das er hilflos sabbernd durch die Gänge irrt und wirklich niemanden mehr stört.

Die Pharmaindustrie wird das ihre dazu tun, das System lebendig zu halten, Kriminelle im politischen Apparat (und der ganze Apparat selber) ziehen ihren Nutzen daraus und Kriminelle im privaten Bereich ihren persönlichen finanziellen Gewinn.

Immer noch gut drauf?

Dann will ich ihnen mal eins sagen, als ihr Freund, ihr Nachbar, ihr täglicher Beobachter:

die Art, wie sie ihre Kinder anfassen, beunruhigt mich.

Ihre Frau wirkt oft sehr gedrückt, wenn sie wieder nach Hause kommt.

Die Art, wie sie ihren Porsche wienern, hat manchmal etwas Zwanghaftes an sich.

Im Übrigen wirken sie auf mich sehr depressiv, wenn sie das Haus verlassen. Oder eben manisch.

Und wie sie sich abends versichern, das Fenster und Türen verschlossen sind und niemand durch die Fenster schauen kann, erinnert schon an Verfolgungswahn … oder haben Sie etwas zu verbergen?

Gut, ihr Grundstück wollte ich schon immer haben – und ich meine auch, das mein Sohn Ihren Job viel besser machen könnte als Sie, aber das ändert ja nichts an der Tatsache, das immer diese Schreie zu hören sind, wenn Sie mit Frau und Kindern alleine sind.

Die Armen, die sind ja auch schon viel zu verängstigt, um darüber zu reden. Ich habe mal die anderen Nachbarn beim Grillen daraufhin angesprochen … und ehrlich, die machen sich jetzt auch Sorgen. Auch denen ist jetzt klar geworden, wie seltsam Sie sich benehmen, wie kontaktscheu Sie sind – Sie haben uns ja noch nicht mal auf ihr Boot eingeladen!

Wir haben jetzt mal – bitte nicht falsch verstehen – den Sozialpsychiatrischen Dienst informiert. Und die Polizei. Hoffentlich traut sich Ihre Frau noch, die Wahrheit zu sagen – wenn nicht, wird man sie in der Psychiatrie schon gut behandeln. Das ganze Dorf weiß ja jetzt Bescheid – vielleicht findet Ihre Frau ja dort zu sich selbst.

Und Sie … nun ja. Wahrscheinlich werden sie versuchen, Widerstand zu leisten. So ein Querulant waren Sie ja schon immer. „Fehlende Krankheitseinsicht“ ist auch eine Diagnose. Oder Sie machen es sich leicht, und nehmen die Medikamente.

Glauben Sie mir: dann hören auch die Wutanfälle auf, dieses ganze Toben und Lärmen wegen Ihrer angeblichen Unschuld.

So geht es vielen heute  – und nicht alle haben das Privileg, eine Tablette dagegen zu bekommen, die sie in empfindungsloses menschliches Gemüse verwandelt, dessen Schweigen so nützlich für so viele sein kann.

 

 

 

 

 

Bürgerkrieg in Deutschland: wie Hell´s Angels, Banken, Verfassungsschutz und Politiker die freiheitlich-demokratische Grundordnung untergraben

Montag, 30.1.2012. Wenn ich jetzt sage, Montag ist für viele der schlimmste Tag der Woche, so würden mir viele zustimmen. Jedenfalls - erlebe ich dies seit dreissig Jahren. So schön haben wir uns in unserem Alltag eingerichtet, das der Start in eine neue Runde für viele ein Alptraum ist ... jedenfalls für die, die noch arbeiten dürfen. Die anderen merken nicht, das Montag ist. In meiner alten Heimatstadt Westerholt hat man momentan jedoch andere Sorgen als den Montag. Dort begegnet man einem Phänomen, das bald bundesweit zu erwarten ist ... wenn die Experten recht haben. Dort erlebt man gerade die Folgen des Untergangs der westlichen Zivilisation hautnah, Folgen, die an den Untergang des römischen Reiches erinnern - nur sind es hier nicht germanische Horden, die in die Städte einfallen, sondern straff organisierte US-Rockerbanden, die mit Handgranaten um sich schmeißen und auf harmlose Bürger schießen. Die Polizei ... hält sich bedeckt:

Montag, 30.1.2012. Wenn ich jetzt sage, Montag ist für viele der schlimmste Tag der Woche, so würden mir viele zustimmen. Jedenfalls – erlebe ich dies seit dreissig Jahren. So schön haben wir uns in unserem Alltag eingerichtet, das der Start in eine neue Runde für viele ein Alptraum ist … jedenfalls für die, die noch arbeiten dürfen. Die anderen merken nicht, das Montag ist. In meiner alten Heimatstadt Westerholt hat man momentan jedoch andere Sorgen als den Montag. Dort begegnet man einem Phänomen, das bald bundesweit zu erwarten ist … wenn die Experten recht haben. Dort erlebt man gerade die Folgen des Untergangs der westlichen Zivilisation hautnah, Folgen, die an den Untergang des römischen Reiches erinnern – nur sind es hier nicht germanische Horden, die in die Städte einfallen, sondern straff organisierte US-Rockerbanden, die mit Handgranaten um sich schmeißen und auf harmlose Bürger schießen. Die Polizei … hält sich bedeckt:

Was die Tatwaffe betrifft, hält sich die Polizei offiziell bedeckt. Doch wie die Hertener Allgemeine aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr, wurde bei dem Angriff auf das Club-Domizil der Bandidos in Herten-Westerholt definitiv eine Handgranate gezündet.

Handgranaten sind Kriegswaffen. Wo Auseinandersetzungen mit Kriegswaffen geführt werden … oder jederzeit geführt werden könnten … ist Krieg. Die Polizei weiß das … und reagiert entsprechend. Nicht nur mit Verschleierung des Tathergangs, auch mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen:

Die Beamten sollten daher, so heißt es in dem Papier, vor den „Treff- und Sammelpunkten der Rockerszene“ verstärkt Präsenz zeigen, Kontrollen durchführen und Aufklärung betreiben. Dabei hätten die Polizisten jedoch besonders auf die „Eigensicherung“ zu achten.

„Besonders auf Eigensicherung achten“ … ist inzwischen bei der Polizei Motto Nr. 1. Man kann also davon ausgehen, das der Bürger in Zukunft selbst für seinen Schutz sorgen soll – so wie jener, dem Hells-Angels gegenüber des Club-Domizils der Bandidos in die Fensterscheibe geschossen hatte – also Warnung davor, sich nicht einzumischen. Ach ja … dieses Detail wird in den Medien auch „bedeckt“ behandelt, wie sollen die Bürger ja nicht beunruhigen. Martin Schulz,  gibt hier die Parole für die jetzt geplante Machtergreifung in Griechenland heraus:

Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) sagte SPIEGEL ONLINE, er halte zwar grundsätzlich für richtig, dass die Kreditgeber auch schauten, was mit dem Geld passiere. „Wir müssen aber den Eindruck vermeiden, als werde das Land von außen regiert.“

Es geht nur um den öffentlichen Eindruck – niemand scheint etwas dagegen zu haben, das die Souveränität des griechischen Staates untergraben wird … ebensowenig hat niemand etwas dagegen, das die Souveränität des Bürgers untergraben wird. Es darf nur nicht so aussehen, wie es ist – schon sind alle glücklich.

Beide Phänomene haben etwas gemeinsam: man merkt, das sich die Macht im Staate verschiebt – auf den Straßen und in den Parlamenten. Wo Geld Geltung gibt, können germanische Horden ungehindert Rom plündern – so könnte man in Kurzform die Philosophie zum Untergang des römischen Reiches wiedergeben. Das heute wieder Geld Geltung gibt, ist glaube ich unbestritten … und die Horden haben wir auch schon hier.

Hell´s Angels – die Engel der Hölle – haben ihren Ursprung in jenen Bomberpilotenkreisen, die sich im zweiten Weltkrieg gezielt einen Spaß daraus gemacht haben, Krankenhäuser, Kindergärten und Schulen zu bombadieren: Engel der Hölle halt. Und weil man das so toll fand, hatte man nach dem Krieg einen Weg gesucht, das „Feeling“ bei zu behalten – weshalb sie in der Wahl ihrer Geschäfte nicht zimperlig sind. In Deutschland verfügen sie über beste Kontakte zur Maschmeyer-Wulff-Schröder-Gang – sogar Gerichtsvollzieher dürfen mit richterlichem Segen in Rockerbanden aktiv sein … wenn auch hier bei der Konkurrenz.

Aber auch ohne Hell´s Angels nimmt der Krieg auf unseren Straßen konkretere Formen an: Überfälle mit Panzerfäusten sorgen für ein ganz neues innerstädtisches Wohlfühlklima.  Nun, in Gegenden, wo das Geld knapp wird – gleichzeitig aber Geld gleich Essen gilt – muss man sich wohl daran gewöhnen, das man in Zukunft mit der Kalaschnikow einkaufen muss … wenn man denn eine hat.

Aber: wir müssen den Eindruck vermeiden, als herrsche in Deutschland Bürgerkrieg.

Die Ursachen der zunehmenden Verschlechterung der Sicherheitslage in Deutschland und Europa (auch der Arbeitsplatz- und Einkommenssicherheitslage – aktuell sind in NRW 20000 Menschen obdachlos – viele werden den anstehenden Superwinter wohl nicht überleben) sind bekannt: große Geldhaufen geben gewaltige Macht. Wo die Haufen herkommen, erfährt man jetzt nebenbei:

Die amerikanische Börsenaufsicht SEC ermittelt gegen die Deutsche Bank. Bei einem Wertpapiergeschäft hatte die Bank offenbar dem Hedgefonds des Spekulanten John Paulson die Gelegenheit gegeben, schrottige Hypothekenpapiere auszusuchen, gegen die er dann wetten konnte – ohne dass es die anderen Investoren wussten. Das erfuhr der SPIEGEL aus Finanzaufsichtskreisen. Wegen eines ähnlichen Geschäfts hatte Goldman Sachs einen Vergleich mit der SEC geschlossen – und dabei mehr als eine halbe Milliarde Dollar gezahlt.

Da prellen die Banken Kunden um ihr Geld … und der Staat verdient daran. Alle sind froh. Viele werden reich – und die Ursprünge der Verwerfungen sind deutlich zu erkennen, siehe Handelsblatt:

Die Geschichte ist reich an Personen, die Opfer ihrer Machtfülle wurden – egal, ob Manager, die in die eigene Tasche wirtschafteten, oder Politiker, die sich in privaten Affären verstrickten. „Macht korrumpiert, und absolute Macht korrumpiert absolut“, sagte einst der Historiker Lord Acton. Anders gesagt: Macht macht mies. Sie schüchtert Mitmenschen ein, verändert die Selbstwahrnehmung, verleitet zum Lügen und Betrügen.

Das ist das, was Wulff, Schröder, Ackermann, Maschmeyer und die Hell´s Angels vereint: sie haben Macht. Und macht macht wahnsinnig:

Wer es an die Spitze eines Konzerns, einer Partei oder eines Landes schaffen will, ist tendenziell extrovertiert – graue Mäuse fallen zu wenig auf, um sich in Gremien, bei Vorgesetzten, Headhuntern oder Aufsichtsräten für Spitzenjobs zu empfehlen. Wer sich zutraut, Dutzenden, Hunderten oder Tausenden von Mitarbeitern vorzustehen und über millionen- oder gar milliardenschwere Etats zu verfügen, ist in der Regel optimistisch und selbstbewusst.

Doch die Grenze zur Selbstüberschätzung verläuft fließend – und Macht sorgt häufig dafür, dass sie überschritten wird. Dann wird aus Selbstbewusstsein Hybris, aus Einfluss Manipulation, aus visionärem Denken Größenwahn, aus Entscheidungsfreude Gefühlskälte. Es ist ein schmaler Grat zwischen verantwortungsvollem Umgang mit Macht und ihrem Missbrauch.

Selten gab es mal eine Perspektive, die die Ursachen des Zerfalls der westlichen Kultur so deutlich aufgezeigt hat, eine Perspektive, die aufzeigt, warum sich z.B. in Hannover die „Macher“ aller gesellschaftlichen Sphären zu einer unheiligen Allianz zusammengeschlossen haben, die dazu führt, das Verbrecher, Staatsanwälte und Politiker gemeinsam feiern, während die Polizei bemüht ist, auf Eigensicherung zu achten – einerseits vor Rockern, andererseits vor Politikern und Rechtsanwälten.

Die Macht im Staate verschiebt sich zugunsten jener, die nicht fähig sind, sie zu tragen. Darum ist uns doch eine Razzia im Bundespräsidialamt kaum noch eine Zeile wert.

Unter diesem Aspekt wird klar, wo die wahren Feinde der Mächtigen zu suchen sind. Es sind nicht die rechtsradikalen Todesschwadrone und ihre Helfershelfer, die jetzt sogar die große Hoffnung der Piratenpartei durch ihre Hasstiraden aus dem Amt gejagt haben, es sind die Kritiker gegen die Allianz der Mächtigen, die verfolgt werden. Massenverhaftungen gibt es in den USA nur bei Demonstrationen gegen die Finanzverbrecher – nicht bei den Finanzverbrechern selbst. Dazu passen Beobachtungen, die das Handelsblatt in Deutschland macht:

Den Verfassungsschutz eines Rechtsstaats wünscht man sich effizient, unideologisch und ruhig ein wenig demütig. Alle Geigerzähler müssen jedenfalls ausschlagen, sobald er sich dem Parlament nähert – der Legislative –, in dem die Vertreter des Volkes sitzen, dessen Verfassung er zu schützen hat. Die Verfassung, nicht die Mehrheitsmeinung, nicht die Regierung, nicht das Vernünftige. Was bisher über die Beobachtung von 27 Abgeordneten der Bundestagsfraktion der Partei Die Linke bekannt wurde, ist das genaue Gegenteil: Dilettantismus, ideologische Panikmache und Respektlosigkeit, die untergräbt, was sie schützen soll – die freiheitlich-demokratische Grundordnung.

Die freiheitlich-demokratische Grundordnung ist ebenso in Gefahr, wenn die Polizei die Macht auf den Straßen an schwer bewaffnete, paramilitärisch organisierte Privatorganisationen abgibt. Die freiheitliche-demokratische Grundordnung ist in Gefahr, wo Mächtige in Politik und Wirtschaft „Herrschaftswissen“ für sich behalten:

In vertraulichen Treffen mit Bankvorständen und Unternehmenschefs hatten auch Kabinettsmitglieder ihre Zweifel geäußert, dass Griechenland nach einem teilweisen Schuldenerlass die Wende schaffen kann. Die Kanzlerin hatte schon vor zwei Wochen in einer vertraulichen Runde, an der die wichtigsten Vorstandschefs der Dax-Konzerne teilnahmen, vor der außerordentlich schwierigen Lage in Griechenland gewarnt, wie verschiedene Teilnehmer übereinstimmend dem Handelsblatt berichteten. 

Wer warnt da gleich nochmal den Bürger? Die Wahrheit für den Bürger erfahren wir im gleichen Artikel aus anderer Quelle:

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) kennt die Nervosität der Finanzmärkte. In Davos sagt er deshalb nur Sätze, die als Beruhigungspille gedacht sind. „Wir können und wollen eine Staatspleite Griechenlands vermeiden“, sagte er in der Congress Halle in Davos bei einer Veranstaltung zur Zukunft der Eurozone.

Da gibt es zwei Wahrheiten für zwei Arten von Menschen. Im Handelsblatt darf man sogar offen über ihre Geschäftspraktiken reden:

Davos heißt nicht nur Diskussionen und Vorträge. Vielleicht sind die Abendveranstaltungen sogar wichtiger. Hier werden Verbindungen geknüpft, die am Ende des Tages die entscheidenden Deals besiegeln.

Das ist eine jener Plattformen, in der die Allianzen der Mächtigen geschmiedet wurden, jener kranken, degenerierten Charaktere, die tagtäglich auf allen Ebenen daran arbeiten, die freiheitlich-demokratische Grundordnung in Deutschland zu beseitigen, die ihrer hemmungslosen Machtentfaltung noch ein wenig im Wege steht.

Und auf der anderen Seite? Was ist mit jenen Bürgern, die gerade von dieser freiheitlich-demokratischen Grundordnung geschützt werden sollen?

Schauen wir uns doch einfach mal ein paar von ihnen an – ein paar Bürgerkriegsopfer aus Deutschland:

Die Klofrau, mit der Kurfer sich eine Schicht teilte, hingegen hat einen Vollzeitjob, wie er erzählt. Weil das Geld als Erzieherin aber nicht reicht, geht sie nach getaner Arbeit noch Toiletten schrubben. Früher habe Kufer einer Klofrau ab und an keine 50 Cent hingelegt – „wahrscheinlich passiert mir das so schnell nicht wieder.“

Kaum zu glauben, das für Erzieherinnen in Deutschland kein Geld mehr da sein soll, während Funktionäre von Ärzteverbänden fürstliche Gehälter einfahren. Während die einen zusätzlich völlig versaute Toiletten säubern dürfen, pflegen die anderen ihren Burn-Out, den sie beim Golfen bekommen haben.

Die Sendung Panorama stellt uns ebenfalls ein paar dieser Opfer vor – und erlaubt uns einen Einblick in weitere Regierungslügen, hier beim Goldreporter: ein Maurer, der als „Selbstständiger“ ohne Renten- und Unfallversicherung arbeiten muss, weil es keine klassischen Arbeitsverträge mehr gibt, eine hoch-anerkannte Islamwissenschaftlerin, die sich – wie 80% der deutschen Akademiker – von Zeitarbeitsvertrag zu Zeitarbeitsvertrag hangelt, oder den Feinmechanikermeister mit zahlreichen Zusatzqualifikationen, der mit gebrochenen Zehen unter Schmerzmitteln zur Arbeit gehen muss und permanent Angst vor Obdachlosigkeit hat.

Absolut asoziale Zustände in einem hochindustrialisierten Land, in dem man nach Strich und Faden belogen wird, um „den Eindruck zu vermeiden“, es herrsche hier Bürgerkrieg.

8.2 Millionen Menschen in unsicheren Jobs, 2,7 Millionen Arbeitslose (3 Millionen laut Bundesagentur für Arbeit): das macht 11 Millionen Arbeitslose … wenn man als Arbeitslose die definieren würde, die keinen ordentlichen Arbeitsplatz mehr haben.

Jetzt weiß man auch, warum Montag so ein schlechter Tag ist: da erleben dann alle, welche hässlichen Wirklichkeiten sich hinter den fröhlichen Verkündigungen der Mächtigen verstecken. Aber – wie gut, das jetzt Maßnahmen ergriffen wurden, den Bürger vor den hässlichen Wirklichkeiten effektiv zu schützen:

Unter den Mitarbeitern des ZDF ist die Stimmung offenbar getrübt, seit bekannt wurde, dass der Sender in den kommenden vier Jahren 75 Millionen Euro im Personaletat streichen muss. Die Senderführung verfügte einen Stellenstopp, etlichen freien Mitarbeitern wurden die Verträge gekündigt.

Je weniger Journalisten darüber reden, umso weniger merken die Deutschen, das etwas in diesem Land nicht stimmt. Immerhin: 32 Millionen haben ja noch halbwegs ordentliche Jobs.

Aber auch daran wird gearbeitet.

Gut das der Eindruck vermieden wurde, das hier Bürgerkrieg ist – trotz entwürdigender Armut, Panzerfäusten und Handgranaten auf den Straßen. Sonst käme man noch auf die Idee, sich zu ängstigen – wie jeden Montag morgen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rorschachtest

Tintenklecks

 

© Werner Menne

Fördern und fordern oder das Milgram- Experiment

Das Milgram- Experiment findet sich wieder in der Hartz IV-Gesetzgebung. Der Sanktionsparagraph 31 des SGB II sieht bei Regelverstößen die sukzessiven Zerstörung des Existenzminimums vor. Erst 30 % vom Eckregelsatz, bei wiederholtem Verstoß 60 % und ist der Proband immer noch nicht willig, werden ihm die kompletten Leistungen versagt. Um dieses Unrecht gesetzeskonform einzutüten, wird ein zivilrechtlicher Vertrag zwischen Jobcenter und Hilfebedürftigen gestaltet, indem der Proband ausdrücklich dem Sanktionsparagraphen 31 des SGB II zustimmt, nach dem Motto, ich mache dir ein Angebot welches du nicht ablehnen kannst. Casemanger sanktionieren schwangere Frauen und treiben gar  Menschen mit der Sanktionspeitsche in den Tod. Das Milgram- Experiment wird flächendeckend unter dem Deckmantel des  fördern und fordern´s praktiziert. Und alle schauen Sie zu….

Grilleau

Winnenden: Amokläufe, Lebensberechtigungsschein und eine verpasste Chance

Ich würde gerne mal „unter den Tisch“ gucken. Dorthin, wo alles gekehrt wird, was nicht paßt. Ich denke, dort wird man ein kleines Wunder erleben: ganz ganz viele Dinge auf ganz wenig Platz. Zum Beispiel die Tatsache, das es eine ganze Reihe von blutrünstigen Diktatoren in der Welt gibt, denen wir unsere Arbeitsplätze verdanken, das unser Kaffee mit Kinderblut gedüngt wird sowie eigentlich unser ganzer Lebensstil von der Ausbeutung von Frauen und Kindern abhängt, genau wie vor einhunderfünfzig Jahren. Nur wohnen die inzwischen so weit weg, das ihr Elend uns nicht mehr täglich in die parfümierte Nase steigt.

Was ganz neu unter dem Tisch zu finden ist – neben Kunduz, dem Verlust des Afghanistankrieges oder den sinkenden Aufträgen der deutschen Industrie ist … der Amoklauf von Winnenden.

Amokläufe sind neu für uns, Amokläufe in Schulen erst recht. In den USA sind sie schon seit langem fester Bestandteil der Kultur, gehören dazu wie der zerquetschte Industriearbeiter oder das zerfetzte Unfallopfer. Das ist halt der Preis, den man für eine bestimmte Kultur zahlen muß.

Wir kannten so etwas vorher nicht. Dann kamen McDonalds, Privatfernsehen, Hartz IV und … Amokläufe. Alles Erscheinungen, die in einem direkten Zusammenhang stehen, weil sie eine Kultur repräsentieren, die den „Lebensberechtigungsschein“ nur noch gegen Höchstleistung an Menschen unter vierzig vergibt. Wer nicht mithalten kann, kriegt die Bürgerrechte beschnitten.

In dieser Kultur wachsen Kinder auf.

„Ich reiße Dir ein Auge ´raus und zwinge es Dich zu essen, während Du mit dem anderen Auge zuschaust“. Ein Filmzitat von gestern. Zombie 4? Nein, Scooby Doo 2, Altersfreigabe ab 6 Jahren. Über Tom und Jerry möchte ich gar kein Wort mehr verlieren, der brutale Krieg zwischen Katze und Maus (Altersfreigabe: ab 6 Jahren) hat schon genug pädagogische Kommentare bekommen.

Es ist eine gigantische Industrie, die derartige Machwerke mir äußerster psychologischer Raffinesse auf ihr Publikum zuschneidet – so wurde aus Disney ein Weltkonzern, der bestimmt, was Unterhaltung ist – und noch viel mehr, was gesellschaftliche Mindestwohlstandsnorm zu sein hat: ohne eigenes Haus, eigenes Auto und Spitzenjob kommt man kaum als Filmfamilie auf die Leinwand.

Im Inneren ist diese Kultur hohl und leer … doch das wird nicht gezeigt. Auch das findet man nur unter den Tischen, wie heute in der Zeit:

Eine Gallup-Studie aus dem Jahr 2010 belegt, dass nur elf Prozent der deutschen Beschäftigten engagiert arbeiten. Ganze 66 Prozent spüren ihrem Arbeitgeber gegenüber keine Verpflichtung und machen Dienst nach Vorschrift.

89 Prozent der deutschen Beschäftigen machen eine miesen Job – aber sind dabei total gut drauf, weil das eben total „in“ ist und man sich die Beschallung durch den Motivationscoach ersparen möchte, der häufig das Niveau des Nachtmittagsfernsehens nur mit Mühe erreicht.

Und so … macht sich langsam eine Spaltung im deutschen Leben breit: man jubelt die dunkle Wirklichkeit weg, anstatt sie fortzujagen. Dabei wäre es einfach gewesen, nun eine Chance wahrzunehmen, die selten kommt: die Chance zur Umkehr. Die Chance, zu erkennen, das wir gezielt in eine narzistische Gesellschaft hineingetrieben werden, deren Straßen mit Leichen gepflastert sein werden. Narzisitische Gesellschaft? Findet man sogar schon bei Wikipedia:

Auf der kulturellen Ebene werden in einer narzisstischen Gesellschaft Werte des Eigennutzes propagiert unter Vernachlässigung von Werten des Gemeinnutzes. Die in dieser narzisstischen Kultur lebenden Menschen brauchen eine willentliche Entscheidung oder alternative Vorbilder, um nach Werten zu handeln, die nicht im Rahmen gesellschaftlich akzeptierter Verhaltensnormen und Werte liegen. Sie müssen dann oft auf Privilegien verzichten.

Eine komplexe Formulierung, die man auch anders ausdrücken kann: die Helden einer narzistischen Kultur sind arm, müssen arm sein und arm bleiben. Das ist der Preis, den man für Gemeinnutz zahlen muß. Man kann ihn aber auch gut zahlen, wenn man weiß, das Kinderblut an all den bunten Waren klebt.

Wer will, kann auch den kulturellen Selbsttest machen und die Diagnosekriterien mit der Selbstdarstellung unserer Kultur in den Medien vergleichen … Wetten Dass … man fündig wird?

(Anmerkung des Übersetzers: Die folgende Auflistung entspricht im englischen Original (bis auf allergeringste Abweichungen) wörtlich dem entsprechenden Text der DSM-IV.)

  1. hat ein grandioses Verständnis der eigenen Wichtigkeit (übertreibt etwa Leistungen und Talente, erwartet ohne entsprechende Leistungen als überlegen anerkannt zu werden)
  2. ist stark eingenommen von Phantasien grenzenlosen Erfolgs, Macht, Brillanz, Schönheit oder idealer Liebe
  3. glaubt von sich, „besonders“ und einzigartig zu sein und nur von anderen besonderen oder hochgestellten Menschen (oder Institutionen) verstanden zu werden oder mit diesen verkehren zu müssen
  4. benötigt exzessive Bewunderung
  5. legt ein Anspruchsdenken an den Tag, d. h. hat übertriebene Erwartungen auf eine besonders günstige Behandlung oder automatisches Eingehen auf die eigenen Erwartungen
  6. ist in zwischenmenschlichen Beziehungen ausbeuterisch, d. h. zieht Nutzen aus anderen, um eigene Ziele zu erreichen
  7. zeigt einen Mangel an Empathie: ist nicht bereit, die Gefühle oder Bedürfnisse anderer zu erkennen / anzuerkennen oder sich mit ihnen zu identifizieren
  8. ist häufig neidisch auf andere oder glaubt, andere seien neidisch auf ihn / sie
  9. zeigt arrogante, hochmütige Verhaltensweisen oder Ansichten

Die gesamte Agenda 2010, die gesamte Berliner Sozialpolitik findet sich in diesen Vorraussetzungen wieder und unsere ganze Kultur wird in diese Richtung gepreßt, eine Richtung, wo auf einmal wieder – wie schon in der Steinzeit – nur noch der Fitteste überleben kann.

Wo da der Fortschritt sein soll, erschließt sich mir noch nicht so ganz.

Einer der Amokläufe kommt ja gerade nochmal in den Medien hoch. Das hätte eine Chance werden können. 89 % der Deutschen finden das System und seine Entwicklungen mies. Jetzt hat es nochmal Tote gegeben – und die Täter kommen gerade aus dem Kreise jener Menschen, die „alles richtig gemacht haben“, wie die Welt zitiert:

Amoktäter kommen häufig aus Elternhäusern, die unauffällig wirken. „Es sind in keiner Weise ‚broken homes‘, sondern kleinbürgerliche Elternhäuser oder Mittelschichtfamilien, in denen ein gemeinsames Familienleben mit geregelten Mahlzeiten und Sorge um das Wohlergehen des Kindes festzustellen ist“, schreibt die Gießener Strafrechtlerin Britta Bannenberg im Buch „Amok“.

Und man findet auch noch eine gemeinsame Ursache:

Neuere Untersuchungen zeigen, dass es bei jugendlichen Tätern tatsächlich viele Parallelen gibt. Praktisch alle litten unter einer narzisstischen Störung.

Da produzieren angepaßte Eltern in einer narzistischen Kultur Kinder narzistische Störungen bekommen. Wo ist da das Wunder, wo kann man da Staunen?

Eher gibt es etwas zu fürchten, weil man damit rechnen muß, das der Amokläufer ein Standardmodell des Deutschen Alltags wird. Jeder weiß es. Wir laufen offenen Auges ins Messer, produzieren eine selbstzerstörerische asoziale Leistungsgesellschaft … und tun dann so, als kämen die Amokläufer vom Mars. Es geht ja noch weiter:

Auffällig war das Verhältnis zum Vater. In einigen Familien wird er als eher abwesend beschrieben. Die Folge ist laut Psychologen ein gestörtes Männlichkeitsbild.

Der Vater will halt kein Hartz IV und arbeitet die karrierefreundliche 60-Stunden-Woche. Ein wahrer hochgelobter Leistungsträger, der alles richtig macht … bis er merkt, das es zu spät ist.  Dann merkt man, das Adorno recht hatte: Es gibt kein richtiges Leben im falschen.  Manchmal ist Hartz IV der richtige Weg, um seine Kinder vom Amoklauf abzuhalten und ein anderes Leben zu leben. Anstelle von „Ich bin arbeitslos“ könnte man auch sagen: „Ich arbeite im Amokschutzprogramm“ …. oder im Widerstand gegen eine Kultur, die mit Vollgas in die Hölle rauscht.

Warum das Amokschutzprogramm finanziell so gering ausgestattet wird … sollte man die Politik fragen. Die werden immerhin dafür bezahlt, eine Kultur zu erhalten, in der Frieden herrscht und wo man sich als Lehrer nicht vor den Schülern fürchten muß. Aber offensichtlich verrichten die ihre Arbeit wie 89 % der anderen Deutschen: Dienst nach Vorschrift. Pflichtübungen. Die Kür bezahlt dann der Lobbyist für ein gewisses … geringes … Entgegenkommen.

Die Chance ist verpaßt, man hat wieder den bequemen Weg genommen: der Vater wars. Der hatte die Waffe nicht weggeschlossen. Wären als Mordwerkzeuge Molotowcoctails mit Muttis Milchflaschen benutzt worden, wäre es halt Mutti gewesen. Mutti und der Narzissmus … ist für Analytiker ein bequemes Thema.

Das Kinder auch Produkte der Umwelt sind … ist eine Erkenntnis, die schon lange unterm Tisch bei den anderen unbequemen Wahrheiten liegt.

Also wird es weiter knallen. Zwei Tage – so das Gerücht in der Eifel – brauchen Jugendlich mitlerweile, um sich eine Waffe zu besorgen. Der Vertrieb läuft über die normalen Drogenkanäle – jene Kanäle, aus denen auch das Kokain für die Prominenz kommt.

Call of Duty – Black Ops … ein Schutzraum vor der Wirklichkeit

Wenn man nicht Teil der „Gamer“-Szene ist, reagiert man wohl verblüffent auf die Nachricht, das ein Spiel alle Entertainmentrekorde geschlagen hat:

So erfolgreich war kein Spiel, kein Film und kein Buch je zuvor: Das neue „Call of Duty“ hat alle Verkaufsrekorde gebrochen – trotz herber Kritik.

So jedenfalls die „Welt“.

Da fliegen Gewehrkugeln zu Rockmusik in den Kopf eines Vietnamesen, Blut spritzt, Kehlen müssen durchgeschnitten werden. Zudem vertritt das Spiel einen knüppelharten konservativen Militarismus, der Spieler muss etwa Kuba infiltrieren und die geheimsten Methoden der USA zur Zeit des Kalten Krieges bedenkenlos unterstützen.

Kein Wunder, das dieses Spiel sogar politische Folgen hat:

Bei „Black Ops“ (der Name bezeichnet verdeckte Operationen kleiner Spezialeinheiten) geht die Kritik neue, verstörende Wege. So hat Kuba sich bitter über das Spiel beschwert. Dort ist eine lange Szene des Spiels angesiedelt: Der Spieler muss noch vor der Zeit der (echten) gescheiterten Invasion in die Schweinebucht, es ist 1961, man soll den noch jungen Revolutionsführers Fidel Castro umbringen.

Die kubanischen Medien erregten sich ungewöhnlich. Das Spiel sei „doppelt pervers“, indem es Attentate glorifiziere und bei Kindern und Heranwachsenden in Nordamerika „soziopathische Haltungen“ fördere. Was die USA in 50 Jahren nicht geschafft hätten, werde nun virtuell versucht, hieß es auf der staatlichen Website Cubadebate.

Ob solche Spiele soziopathische Haltungen fördern und dazu führen, das man seinen Nachbarn erschießt, ist umstritten. Aber etwas anderes kommt in den Fokus der Öffentlichkeit, obwohl es doch verpönt ist, darüber überhaupt nur nachzudenken:

Der Vorteil der sogenannten Black Operations: Der ausführende Staat hat die Möglichkeit, jedwede Beteiligung an den Missionen zu leugnen.

Das ist natürlich schön für den Staat, der den Auftrag gibt – und schlecht für alle, die bei der Ausführung des Auftrags im Wege steht. „Black Ops“ sind die Mutter aller Verschwörungstheorien, gäbe es sie nicht, so würde auch niemand auf die Idee kommen, das bei nine-eleven was ganz falsch gelaufen ist.  Unter „Black Ops“ laufen jene Killer – auch „Schakale“ genannt – die die Welt laut John Perkins für die Interessen der Konzerne gefügig schießen. Globalisierung heißt letztlich Amerikanisierung – und das heißt wiederum Weltherrschaft der Korporatokratie. Im Kampf gegen das Böse sind alle Mittel recht. Russen, Kubaner, Vietnamesen … alles laufende Zielscheiben. Nun – vorher waren es Deutsche.

„There is a Soldier in all of us“ – so lautet ein Trailer der offiziellen Webseite des Spiels. Brave Bürger ballern dort herum was das Zeug hält – ich persönlich fand die Bilder verstörender als die „echten“ Bilder aus dem Spiel. Sie erinnerten mit an Erfurt oder Winnenden.

Was macht so ein Spiel so erfolgreich? Was fasziniert Spieler? Was ist aus der Debatte geworden, das alle Soldaten Mörder sind – und darf man auch mal die Kollateralschäden nach ihrer Meinung zu dem Satz fragen?

Die Jagd auf Menschen – so ein hartnäckiges Gerücht – soll ja spannend sein, der Jagd- und Sammeltrieb bei Menschen sehr ausgeprägt sein. Das sieht man ja täglich bei Aldi, Lidl und E-Bay, so das man solche Spiele zum Ausleben der Triebe eigentlich nicht braucht – shoppen ist wohl im Prinzip kaum was anderes.

Überraschenderweise fand ich einen Hinweis auf Videospiele in einem Merkblatt zur Traumatherapie – also exakt jener Therapie, die eingesetzt wird, um Soldaten mit Kriegstraumata zu behandeln. Hier wird darauf hingewiesen, das Videospiele „geschützte Räume“ schaffen, Räume, die man anders als Fernsehen komplett steuern und bestimmen kann (falls der Schwierigkeitsgrad nicht zu hoch ist).

Ich weiß nicht, ob „Call of Duty: Black Ops“ für die Traumatherapie geeignet ist – aber die Sicht der Traumatherapie eröffnet eine neue Perspektive auf die Motivation der Spieler. Es gibt nicht nur einen „geschützten Raum“ zwischen Bildschirm und Spieler, innerhalb dieses Raumes ist jeder sehr wehrhaft. Wovor der Raum schützt?

Vor der Wirklichkeit, die über einem hereinbricht, vor dem Zusammenbrechen der sozialen Strukturen der Realität, einem Zusammenbruch, dem man scheinbar hilflos gegenübersteht –  hier eine aktuelle Entwicklung aus  England, von der die „Zeit“ berichtet:

Parallel zu den Einschnitten soll die Höchstgrenze für Studiengebühren steigen, von derzeit 3290 auf bis zu 9000 Pfund im Jahr, über 10.000 Euro. Staatliche Kredite helfen dabei, die Studiengebühren und Lebenshaltungskosten zu finanzieren.

So etwas bedeutet wohl den Tod der Geisteswissenschaften, mit einer Zunahme von Verblödung und Verrohung ist zu rechnen.

Man denkt unwillkürlich an Marx und seinen durch Feuerbach inspirierten Satz: „die Religion ist Opium fürs Volk“, wenn man an die Wirkung der Videospiele in diesem Zusammenhang denkt, könnte man den Satz auch auf diese Spiele ummüntzen. Dabei ist es wohl auch gerade die Erfahrung mit linker Politik, mit dem, was aus der Revolution geworden ist, die die Menschen in geschützte Räume treibt: aus der Leibeigenschaft für den Adeligen ist die Arbeitspflicht fürs Kollektiv geworden – was im Endeffekt für den Menschen auf das Gleiche hinausläuft: er soll umsonst arbeiten, damit andere das Leben genießen können. Mit der Agenda 2010 zeigte die Demokratie, das auch sie einen großen Hunger auf Gratisarbeit ihrer Mitglieder hat – der Praktikumswahn zeigte ein Übriges.

Machtstrukturen sind heute andere als zu Zeiten von Karl Marx. Heute bestimmen „Black Ops“ die Politik – und man erfährt nur von ihnen, wenn sie völlig aus dem Ruder laufen. Aufklärung ist unerwünscht – die Tatsache, das Kennedy nach neuesten ballistischen Untersuchungen von zwei Schützen unter Feuer genommen wurde, zeigt, das die amtliche Einzeltätertheorie falsch ist, was aber wirklich geschehen ist, interessiert keinen mehr … ebenso bei nine-eleven.

Macht man die Nachrichten an, wird man überschüttet mit Lügen und Irrationalitäten. Morgens braucht Irland Geld, mittags braucht es kein Geld um abends dann sehr viel Geld zu brauchen. Millionen Arbeitslose stehen auf der Straße, wir müssen aber alle länger unseren Arbeitsplatz besetzen, damit die für sich ja keine Rentenansprüche erwerben. Arbeitslosigkeit und Zweifel an Regierungsmythen werden fast zu Straftaten, auf jeden Fall wird beides gesamtgesellschaftlich mit Verachtung gestraft – wobei als Nebenwirkung Menschlichkeit und die Tradition der Aufklärung auf der Strecke bleiben.

Und da soll ich junge Menschen verurteilen, die sich in ihren vier Wänden verbarrikadieren und sich einen therapeutisch wirksamen „sicheren Raum“ schaffen, um den alltäglichen Wahnsinn besser ertragen zu können? Wäre mal spannend, zu untersuchen, ob „Gamer“ weniger an Depressionen leiden als TV-Konsumenten. Ich schätze mal … eher nicht.

Politische Bewegungen, die die Mobilisierbarkeit der Massen als Lebensgrundlage brauchen, stehen solchen Entwicklungen wahrscheinlich feindlich gegenüber wie Marx der Religion, denn motivierbar ist da nicht mehr viel. Jedoch sollte man – so meine Meinung – berücksichtigen, warum nicht.  Alle Träume von der proletarischen Revolution im 21. Jahrhundert scheitern letztlich … an der Möglichkeit des nuklearen Holocaust. Die Atombombe bedeutet für Politik, was Hartz IV für den Arbeitsmarkt bedeutet. Weit vorher aber befindet sich der Normalbürger – weit entfernt, sich selbst der Kaste der Proletarier zuzurechnen – in einer nie dagewesenen Abhängigkeit, die gleichzeitig mit einer luxuriösen Vollversorgung einhergeht – gemessen am Weltdurchschnitt. Der duldsame Deutsche bekommt da zwar wie üblich weniger und aber fühlt sich dennoch  wie ein Ackermann.

Unsere ganze Nahrungsmittelversorgung ist in der Hand einiger weniger Menschen. Unsere Medien sind in der Hand einiger weniger Menschen. Unsere Technik läuft nur dank einiger weniger Spezialisten. Der Korporatokratie braucht nicht mehr den Gemeindebüttel als Steuereintreiber durch die Gegend schicken, Geld wird heute viel eleganter per Knopfdruck erbeutet. Somit erübrigen sich auch die Feuergefechte an den Barrikaden mit den Gemeindebütteln, die Infrastruktur hat sich soweit geändert, das unsere Bauern ohne EU-Subventionen verhungern würden.

Die Menschen hängen am Tropf … und das ist eine häßliche Erfahrung. Einen Monat lang die Bankschalter zumachen und der Hunger besorgt den Rest. Diese Abhängigkeit ist vielen Menschen bewußt … und eine Form, die man aus einer gewissen Perspektive auch Luxussklaverei nennen könnte. Woher da nun das Vertrauen auf die Machbarkeit des großen Volksaufstandes kommen sollte, bleibt mir ein Rätsel, zumal das regelmäßige Spiel mit den nuklearen Muskeln des Mutterlandes der Korporatokratie, des Konzernterrors, in den Medien immer dann zu beobachten ist, wenn die realen „Black Ops“ mal wieder versagt haben.

Da scheint es mir sinnvoller zu sein, sich in einen sicheren Raum zurückzuziehen, der auch vor den Auswirkungen der Konzernpropaganda schützt, bis der Sturm vorüber ist und man sieht, was übrig geblieben ist.  War es nicht Mao, der meinte, das der Revolutionär aus China sich zurückzieht, wenn der Sturm kommt, wie das Gras das vom Wind gebeugt wird – anders als die deutsche Eiche, die sich ihm in den Weg stellt und gebrochen wird?

Worin der Sturm besteht?

Im fortschreitenden Umbau der Gesellschaft zur Anpassung an Konzernansprüche – zum Beispiel zur Finanzierung der Spekulationsverluste der Finanzspielereien und zur gezielten Züchtung einer Millionärs-Herrenmenschenkaste. Was da letztlich für eine Gesellschaft auf uns wartet, kann ich nicht sagen, die Prognosen sind da uneinheitlich. Womit man jedoch sicher rechnen kann ist viel mehr Arbeit für viel weniger Geld, soviel Prophezeiung wage ich mal. Und Spieleverbot für Arbeitslose … die laut Spiegel den Strom schon jetzt schon nicht bezahlen können:

Hunderte Stromanbieter erhöhen die Preise – jetzt zeigt eine neue Statistik: Für Arbeitslose wird das besonders teuer. Sie müssen viel mehr für Energie zahlen, als im Hartz-IV-Regelsatz vorgesehen ist.

Dabei könnten die den sicheren Schutzraum sicher gut gebrauchen.

Und das das Versenken in Videospiele eine Form des Widerstandes sein kann, eines Widerstandes gegen ein reales Leben, das seine Reize, seinen Sinn, seine optimistischen Zukunftsperspektiven und Utopien verloren hat und dem Individuum nur noch einen Platz als Nutzvieh bereithält (bei allerdings angemessener Pflege), ist eine Perspektive, die sich wohl ebenso durchsetzen muß wie jene, das Videospiele auch Kunst sein können.

Weltflucht – kann auch Widerstand sein … und ärgert in erster Linie jene, die als selbsternannte oder staatliche bezahlte (Gefängnis)Wärter darauf achten, das niemand aus der Reihe tanzt und alle Mitglied der Partei sein – welcher auch immer ist fast schon egal. Hauptsache, man bleibt unter Aufsicht.

Fanatismus auf dem Vormarsch – Merkel weg!

Fanatismus auf dem Vormarsch … so schreibt „Spiegel-online“ . Der Hintergrund: eine neue Studie.

Jeder Zehnte wünscht sich einen „Führer“, jeder Dritte will Ausländer zurückschicken: Rechtsextreme Ansichten sind einer neuen Studie zufolge tief in der Gesellschaft verwurzelt – in der Wirtschaftskrise bekamen sie noch einmal Auftrieb. Die Intoleranz gegenüber dem Islam ist sogar mehrheitsfähig.

Man könnte fast meinen: es ist wieder soweit. Wir hatten soviele Sicherungen eingebaut, soviele Seminare, Fortbildungen, Unterrichtsstunden abgehalten, damit es NIE WIEDER passiert … und trotzdem scheint es wieder soweit zu sein. Na ja, mit der Weltwirtschaftskrise war es ja genauso, auch da hatten wir ziemlich viele Sicherungen eingebaut, damit dies NIE WIEDER  geschieht, ebensoviele Sicherungen hatten wir eingebaut, damit deutsche Bomben NIE WIEDER ins Ausland geworfen werden und deutsche Soldaten NIE WIEDER im Ausland Zivilisten erschießen.

All das sind aber nur noch Erinnerungen an ein goldenes bundesrepublikanisches Zeitalter, die Berliner Republik ist anders. Ganz anders – das haben jetzt auch die Demonstranten in Stuttgart gemerkt.

„Wir müssen 2010 einen Anstieg von dezidiert antidemokratischen und rassistischen Einstellungen feststellen“, bewerten die Forscher das Ergebnis der Befragung von rund 2500 zufällig ausgewählten Personen.

Schaut man genauer hin, dann weiß man auch, was hier schief läuft:

Die Antworten zeichnen ein düsteres Bild: Mehr als 90 Prozent der Befragten halten es demnach für sinnlos, sich politisch zu engagieren. 39,1 Prozent fühlen sich in ihrer unmittelbaren Umgebung nicht wohl und sicher. Immerhin liegt die Zustimmung zur Idee der Demokratie in Ost und West bei über 90 Prozent.

Gefragt nach der Demokratie, wie sie im Grundgesetz der Bundesrepublik festgeschrieben ist, sinkt die Zustimmung aber auf 73,6 Prozent – und mehr als die Hälfte der Bürger zweifelt an der tatsächlichen demokratischen Praxis: Die Zustimmung zur Demokratie, wie sie in Deutschland funktioniert, beträgt nur 46,1 Prozent.

Man kann doch nicht ernsthaft dem deutschen Volk und dem deutschen Bundestag John Perkins Bekenntnisse eines Economic Hit Man vorlegen und dann noch von ihnen verlangen, das sie an die Sinnhaftigkeit ihres politischen Engagements glauben? Und von diesen Büchern gibt es viele. Auch unabhängig von den Büchern merken normale Durchschnittsmenschen ohne Hotel, das ihre realen Chancen politisch wahrgenommen zu werden gleich Null sind. Sie merken, wie Arbeitgeber und Behörden sie behandeln – wie Abschaum, nicht wie einen Souverän.

Das alle ist bekannt – wie leisten uns einen riesengroßen wissenschaftlichen Apparat, der das untersucht und uns Ratschläge geben könnte, die funktionabler sind als die Ratschläge der Wirtschaftsweisen, aber „Geisteswissenschaft“ ist eine aussterbende Wissenschaft. Geschaffen, um den Krieg aus der Welt zu schaffen dient sie momentan nur noch in jenen Bereichen, wo mehr Gratisleistung aus Mitarbeitern herausgeholt werden kann. Alles andere interessiert nicht mehr, dabei könnten die Ergebnisse sehr hilfreich sein, den aufsteigenden Hass zu besiegen, so steht in der Welt folgender spannender Gedanke:

So lehrt die soziologische Identitätstheorie, dass die wachsende Verbreitung von Kopftüchern, die man bei muslimischen Frauen, auch bei gut ausgebildeten, beobachten kann, ein Zeichen von zunehmender Integration und nicht von zunehmender Desintegration ist. Weil nämlich diese Frauen den Anspruch erheben, trotz Differenzmarkierung teilhabeberechtigt zu sein und gewissermaßen auszutesten, wie man sich anders macht, um gleich werden zu können.

Wie sollte auch gleichförmige Uniformität gelungene Integration beweisen? Sie bewiese … Anpassung, Unterordnung, schlimmstenfalls: Furcht, alles Erscheinungen, die nicht zu einer Demokratie passen. Ebensowenig wie der Ungeist des „Vorurteils“, dessen Renaissance wir gerade wieder erleben, obwohl er doch eigentlich in den siebziger Jahren ausgemerzt sein sollte. Wir erleben wissenschaftliche Rückschritte, die wir hinnehmen, als würden wir dafür bezahlt werden. Deshalb hört sich das hier schon an wie ein Traum aus einem ehedem goldenen Zeitalter:

Es gibt zum Beispiel Kritik aus dem Geist der Inspiration. Dann lautet der kritische Kommentar: Die Welt ist deshalb so schlecht und verdorben, weil die Menschen die spirituelle Dimension verloren haben. Diese Kritik kann man als reaktionär bezeichnen, aber damit hat man ein schnelles Werturteil gefällt, aber nicht gehört, was gesagt wird. Andere kritisieren den Gang der Dinge aus dem Geist der Effizienz: Nichts funktioniert, alles läuft leer. Solche Kritiken sind vermutlich nicht unter einen Hut zu bringen. Aber so ist moderne Gesellschaft. Die Soziologie muss sich dann mit diesen unterschiedlichen Formen der Kritik befassen und darf sie nicht in einem Modell vereinheitlichen, wo vorne der Markt und hinten die Religion ist. Man muss die Leute mit ihren Wahrnehmungen und Kritiken ernst nehmen.

Was könnten wir nicht alles gewinnen – oder hätten alles gewinnen können – wenn wir das Potential der Geisteswissenschaften genutzt hätten. Stattdessen haben wir den Platz den Schreihälsen und Krakeelern überlassen.  Und was haben wir nun davon? Fünfundsechzig Jahre nach Ausschwitz wieder Antisemitismus. Alles Elend dieser Welt wird verschwinden, wenn Israel nur zu existieren aufhört – so könnte man anhand der Intensität, mit der auf diesem Thema herumgeritten wird, meinen. Nicht, das Israels Verhalten das eines Heiligen ist … aber Teufel handeln nun mal wirklich anders. Würden dort keine Juden wohnen, die Kritik wäre … kaum vernehmbar. Schulterzuckend würde man sich wichtigeren Dingen zuneigen, zumal man ja selbst weiß, wie gefährlich „der Moslem“ ist.

Ein weiteres Beispiel für den verblödeten Fanatismus auch sogenannter „aufgeklärter“ Kreise ist das neue Geschrei „Merkel muß weg“. Ich frage mich, auf welchem Planeten man die letzten Jahre verbracht hat, um noch hoffnungsvoll in dieses Horn stoßen zu können? Was genau geschieht denn, wenn Merkel weg ist, was ja laut Spiegel bald sein kann:

Die Lage der schwarz-gelben Koalition wird immer dramatischer: In einer neuen Forsa-Umfrage rutschen Union und FDP auf 33 Prozent – die FDP würde demnach gar nicht mehr in den Bundestag kommen. Ihren Höhenflug fortsetzen können die Grünen, sie sind der Union auf den Fersen.

Aber was genau wird denn geschehen, wenn Merkel weg ist? Können dann SPD und Grüne endlich ungehemmt den Sozialabbau vollenden, den sie 2005 begonnen haben? Dürfen wir dann auch noch mehr Länder bombadieren, marschieren mit in den Iran ein? Streichen wir die AKW´s grün an und umgeben sie mit Froschschutzzäunen, damit die Frösche keinen Krebs bekommen?

Merkel muß weg“ – nur ein weiteres Beispiel für den idiotischen Fanatismus, der sich immer weiter ausbreitet, ein weiteres Zeichen für die geistige Hilflosigkeit, die fehlende gedankliche Disziplin und Struktur in der Gesellschaft, aber klar, ja, wir brauchen vor allen Dingen mehr Naturwissenschaften an den Schulen. Wie Politik funktioniert, braucht keiner mehr zu wissen und wie Menschen funktionieren ist sowieso uninteressant … jedenfalls solange, bis es wieder knallt, bis die Unmenschlichkeit nach Ausschwitz und Kigali wieder neue Rekorde an Bestialität und Brutalität aufstellt und alle wieder sagen: Das konnten wir ja nicht wissen!

Geisteswissenschaften hätten einem sagen können, was diese Meldung von Yahoo für das Volksgemüt bedeutet:

Die Lebkuchen im Supermarkt sprechen eine eindeutige Sprache: In weniger als drei Monaten ist Weihnachten. Das Designteam von Porsche hat sich für die Vorweihnachtszeit etwas ganz Besonderes überlegt: Einen Adventskalender, der mit Überraschungen im Wert von einer Million US-Dollar gefüllt ist.

Soziologisch, historisch und psychologisch geschulte Berater hätten Porsche erzählen können, warum kam gerade zu diesen Zeiten, an denen einer von sieben US-Amerikanern Lebensmittelgutscheine bezieht, nicht ratsam ist, die Dekadenz auf die absolute Spitze zu treiben. So etwas nimmt der besitzende Klasse die ethische Legitimation – kurz gesagt. Neidisch macht der Überfluß auch, erst recht, wenn er ungehemmt öffentlich zur Schau gestellt wird – denn dann wirkt er auch noch demütigend und entwürdigend auf jene, die den Überfluß mit ihrem Hunger möglich machen.

Aber da wir auf solche Berater verzichten … müssen wir mit mehr Fanatismus leben. Nochmal was aus der Studie? Bitte schön:

Erstmals gefragt wurde, ob die Religionsausübung für Muslime in Deutschland erheblich eingeschränkt werden sollte. 58,4 Prozent stimmten dieser Aussage zu, mit dem Grundgesetz ist sie freilich nicht vereinbar. Im Westen mit 53,9 Prozent etwas weniger, im Osten mit 75,7 Prozent deutlich mehr – obwohl dort deutlich weniger Muslime leben.

So was ist kennzeichnend für Wahnsinn und Realitätsferne. Man kennt kaum Muslime, aber das deren Religionsausübung verboten werden muß, das weiß man ganz genau.

Ob wir wohl auch die Muslime mit Macheten ausrotten werden, so wie die Hutu die Tutsi in Ruanda ausrotten wollten? Oder werden wir die Reichen mit den Macheten bearbeiten? Für Historiker eine spannende Frage. Für uns, die wir vor den Ereignissen leben, auch.

Wenn wir den Kurs nicht ändern, wird das eine Katastrophe … hatte man schon 1933 gesagt. Man hatte es in jedem Jahr deutlicher gesagt – und es waren jedes Jahr wenige, die das gesagt haben.  Zu Schluß wußte jeder, was geschah … deshalb blieb der Jubel, der noch den Beginn des Ersten Weltkrieges bestimmt hatte, großflächig aus. Auch der Widerstand gegen den „Mainstream“ wurde immer geringer.

Ist heute ähnlich, oder?

Ob man das noch verhindern kann, weiß ich nicht. Wie und wo sich die durch Ängste aufgebauten Spannungen entladen werden, weiß ich auch nicht, bin nur ein kleiner Eifelphilosoph mit ganz engem eingeschränkten Horizont. Was ich nur sagen kann ist: Spannungen entladen sich. War schon immer so.

Und da Analysen der laufenden Verschwörungen gesellschaftlich tabuisiert werden, werden wieder Unschuldige abgeschlachtet. War … fast immer so.

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