Prostitution

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Die vernichtende politische Wirkung von „Prostitution“ für Gesellschaft, Mensch und Seele

Montag, 29.1.2018. Eifel. Bin ja gewarnt worden: bloß nicht dieses Thema. Die machen dich fertig, lass das sein. Gemeint war: Prostitution. Ganz heilige Kuh der modernen, aufgeklärten Gesellschaft, die Fähigkeit dazu ganz wichtiger Bestandteil weiblichen Empowerements (wir sagen auf Deutsch: Ermächtigung, gemeint ist wohl Selbstermächtigung), ja – eine große Kultur der Liebe, des Friedens und der Harmonie zeichnet sich am Horizont ab, wenn wir nur mit der Prostitution richtig umgehen. Wer würde da schon wiedersprechen wollen?

Nun – ich.

Ich habe schon mal über Prostitution geschrieben – und kam zu dem Entschluss, dass ihr Verbot alternativlos ist. Daraufhin bekam ich einen Proteststurm – und Kontaktanfragen von Prostituierten – um die Ohren gehauen, der mich nicht im Mindesten von dem Ergebnis meiner Überlegung abbrachte, weil die Argumente … nun ja … etwas wackelig waren und sich nur zum Niederschreien eigneten, nicht zum nüchternen, sachlichen Dialog. Ja – natürlich kann man Prostitution nicht durch Gesetze verhindern: aber wir verbieten auch Mord – obwohl wir ihn durch das Verbot nicht verhindern können. Und natürlich ist es fein, wenn die Frauen es freiwillig machen, es gibt ja immer wieder welche – die dann breit durch alle Medienformate getragen werden, um ihre lustvollen und hoch empathischen Lehrstunden im Bordell öffentlich darstellen zu können – die sich offen dazu bekennen und der Milliardenbranche Menschenhandel gut zureden (siehe Zeit):

„Keiner sagt etwas, solange sie Sex gegen Aufmerksamkeit tauschen oder gegen einen Ehering. Aber sobald eine Frau einen konkreten Preis für Sex nennt, wird sie geächtet. Ihr wirft man vor, käuflich und schwach zu sein und alle anderen Frauen zu verraten.“

Ehe als Sonderform der Prostitution – ja, da kenne ich genügend Frauen, die das so sehen. Manche haben Bücher darüber geschrieben, wie man sich gezielt Millionäre angelt – oder einen Mann, der anschaffen geht, damit man selbst gemütlich zu Hause Seifenopern genießen kann. Stellen wir das Thema mal kurz beiseite.

Wir verbieten übrigens auch Drogen – obwohl die Menschen sie freiwillig nehmen und es ihnen einen Riesenspaß macht. Warum eigentlich? Nun … es macht Menschen kaputt und die Gesellschaft muss für die Folgekosten aufkommen. Kann sein, dass manche eine so hohe Resistenzrate haben, dass ihnen Drogen nichts ausmachen – aber die Mehrheit kommt als Wrack aus der Drogenszene – oder als Leiche. Darum haben wir uns als Gesellschaft dafür entschieden, den ganzen Bereich zu verbieten – weil er eher schadet als nutzt.

Es mag sein, dass es solche Menschen gibt: die sich lustvoll mit jedem paaren, der nur an der Tür klingelt, es gibt auch Menschen, die eine ausgesprochen masochistische Leidenschaft haben und sich gerne quälen: trotzdem verbieten wir Folter, leiten also aus einem Einzelfall nicht die Regel ab. Und neben unserer von der „Zeit“ hervorgebrachten Dame, die zwei Jahre unter seltenen Ausnahmebedingungen in einem von Frauen geführten Nobelbordell gearbeitet hat, gibt es auch andere, die Netzwerke von Prostituierten schaffen, die ein ganz konkretes Ziel haben (siehe Netzwerk-Ella):

„Wir sind eine Gruppe von Frauen, die in der Prostitution waren oder sind, und die sich dafür einsetzen, dass Prostitution als Gewalt, speziell als sexuelle Gewalt, anerkannt wird.“

Ja. Auch unsere Eliteprostituierte wurde vergewaltigt (siehe Süddeutsche). Aber soweit muss man ja gar nicht gehen. Sexualität ist etwas schönes, ein Gewinn – die meisten Menschen braucht man dafür nicht bezahlen. Schon mal so ´rum gedacht? Den Freiern wird ein Theaterstück aufgeführt (siehe hierzu den offenen Brief der dänischen Prostituierten Tanja Rahm in der Welt), das auch den Freier erniedrigt.

Habe ich da gerade Prostituion mit Mord in einem Atemzug genannt? Ja – und das war noch nicht mal ein Versehen. Da gibt es jetzt Schnappatmung auf der Gegenseite – aber ich habe diesen Vergleich von einer Mutter, deren minderjährige Tochter in der Prostitution gelandet ist: sie klagt den Tod der Seele ihrer Tochter an. Die Tochter wird nie wieder ein normales Leben führen können. Klar – es gibt auch Selbstmörder … aber auch das ist aus gutem Grund verboten.

Wir verbieten übrigens auch Kannibalismus – obwohl es Menschen gibt, die gerne Menschen essen – und andere, die sich gerne töten und essen lassen: wir wollen solche Kulturen einfach nicht gerne in unsere Nachbarschaft … weil wir unsere Kinder, Frauen und Mütter vor „Freiern“ schützen wollen.

Aber Prostitution ist doch Sex und Sex ist schön, höre ich da von der Gegenseite? Wenn´s schön ist – warum soll man dann noch dafür bezahlen, frage ich zurück. Die meisten Frauen können Sex ohne Geld. Lust – hat in dem Geschäft nicht den minimalsten Platz. Ja – einfach mal ´reinhören, was Frauen so brauchen, um einen Ganzkörperorgasmus zu bekommen (siehe: Claudia Elisabeth Huber) … da spielen Liebe, Vertrauen und Zeit eine ganz wichtige Rolle. Geht Freiern ja aber nicht um Sex, denke ich mir mal: wer zahlt schon gerne echtes Geld für falschen Sex?

88 Prozent aller deutschen Männer sollen ja zu diesen Männern gehören, die regelmäßig in den Puff gehen. Unsere Eliteprostituierte (was ich jetzt nicht abwertend verstanden haben möchte) hat ihre Kundschaft da mal beschrieben (siehe rp-online):

„Der Puff, in dem ich tätig war, hat Männer angezogen, die häufiger in Beziehungen waren, von denen wiederum waren fast alle verheiratet. Unsere Klientel war typisch männlich, weiß und hetero, nicht super reich, hat Geld für einen Anzug, muss nicht ständig auf die Ausgaben achten. Männer, die ihr Leben im Griff haben wollen, die sich von ihrem Leben in der Großstadt auch mal eine Auszeit gönnen: Dazu gehört der Sauna-Besuch, eine Massage und eben auch der Puff.“

Sie kommt auch recht nahe an ein Problemfeld heran, das seit den dreissiger Jahren von Wilhelm Reich erforscht wurde – und Ursache für die Vernichtungsorgie der NS-Zeit sein soll: die männliche Befriedigung:

„Männer sind durch das Abspritzen sediert. Viele wissen nicht, was wirkliche Befriedigung ist. Wer das nicht weiß, hält ein künstliches Beruhigen für Befriedigung. Deswegen fallen Männer auch immer wieder auf die Glücksversprechen der Prostitution herein.“

Ja – das meinte Wilhelm Reich sinngemäß auch: schlechter Sex führt auch beim Mann zu steigender Aggression (und letztlich zu den Gräueln der NS-Zeit) – warum sollten wir also einen Industriezweig aufblühen lassen, der gezielt schlechten Sex von der übelsten Sorte produziert – in steigenden Massen? Jetzt auch für ganz Europa (siehe ZDF)!

Geht ja auch nicht um Sex – geht um eine Auszeit aus dem Leben in der Großstadt … von Männern, die ihr Leben im Griff haben. Reichere Männer, die sich einen besonderen Luxus erlauben: für eine Vergewaltigung zu bezahlen – und dafür auch noch vorgespielt bekommen, dass sie so supermännlich sind, dass die vergewaltigte Frau in Lust vergeht (jedenfalls: solange die Scheine flattern). Darf ich fragen, welche Gesellschaft so etwas wirklich braucht? Hierzu … nochmal unsere Dame aus dem Millieu (siehe Süddeutsche):

„Wir sollten endlich anfangen uns zu fragen: Wollen wir gerade wirklich Sex haben oder nur unser Selbstwertgefühl steigern? Anders gesagt: Wir sollten viel weniger Sex haben und dafür besseren, befreit von Normen und Erwartungen.“

Wir sollten deshalb das üble Spiel verbieten, der Geschäftszweig, der sich aus Not, Ausbeutung und Menschenhandel nährt. Hier jedoch … bekommt man dann Ärger mit den Betreibern (der Markt wirft jährlich 14 Milliarden ab), den Freiern (wo soll man sich sonst schon so richtig austoben, wo kann man noch seinen Frauenhass, seine Frauenverachtung so richtig ausleben und sich selbst beweisen, was man doch für ein Mann ist – und wo kann man schon so richtig lustvoll auf Frauen uriniren und ungehemmt seinen Kot draufsetzen … ja, gehört auch zu der „Sexarbeit“) und den Linken. Auch hierzu hat sich eine ehemalige Prostituierte geäußert (siehe Kritische Perspektive)

„Selten war sich die Linke so einig wie bei der Bewertung der Prostitution. Diese sei „Sexarbeit“, eine Dienstleistung wie jede andere auch, und jede staatliche Regulierung abzulehnen. Dass alle Statistiken, Untersuchungen und Berichte dagegen sprechen, hat hier keinen Einfluss.“

„Praktisch alles vorhandene Material, die Berichte von AussteigerInnen, SozialarbeiterInnen und PolizistInnen, verweisen auf die ungeheuerlichen Missstände der (in Deutschland legalisierten) Prostitution; auf die Schädigungen, die diese selbst bei den sich freiwillig prostituierenden Frauen hinterlässt; auf die immer tiefere Verstrickung der Frauen in Schulden, soziale Abhängigkeit, Drogen und Armut; schlussendlich aber auch auf die zerstörerische Wirkung, die der barrierelose, käufliche Zugriff auf Frauenkörper auch für die Käufer, die Männer, hat: wie dies ihre Fähigkeit, „normale“ Beziehungen mit Frauen zu führen, ruiniert und sie nicht selten selbst in eine Abhängigkeit vom gekauften Sex treibt. In Schweden und anderen Ländern führte die breite Untersuchung, Darstellung und Diskussion dieser Tatsachen schlussendlich zum Verbot der Prostitution, mit Bestrafung nicht der Prostituierten, sondern der Freier und Zuhälter, während für die Prostituierten Ausstiegsprogramme und Hilfsangebote eingerichtet wurden.“

Eigentlich genug Argumente, um die Gemeinschaft fürsorglich eingreifen zu lassen, um den Schwachen jenen Schutz zu geben, den sie brauchen. Die Abhandlung dieser Prostituierten geht sehr tief – an die Wurzel des Phänomens Prostitution, die mit Sexualität gar nichts mehr zu tun hat, sondern ein Prinzip verteidigt:

Das absolute Anrecht des „Marktes“ darauf, alles und jeden überall zum Markt machen, zum Verkauf anbieten zu können und dürfen. War ja auch schon mal für menschliche Organe angedacht … mit der gleichen Begründung: warum nicht, wenn die Menschen das freiwillig machen und das Geld brauchen?

Nun – die pseudolinken Befürworter der Prostitution treffen sich hier gemeinsam mit den patriarchialischen Verfechtern dieses Fleischmarktes … und niemand fällt was auf?

Nun – vielleicht ist es einfach mal Zeit für ein Gedankenspiel – eins für Männer. Nehmen wir mal an, es gäbe eine größere Gemeinschaft von Homosexuellen, die Sie besuchen. Dort bieten man Ihnen an, Sex für Geld zu haben – da wären gerade drei Männer daran interessiert, die einen Geschäftsabschluss feiern wollen. Sie sagen: „Ich bin aber gar nicht schwul“ und denken: damit hat es sich. Fortan werden Sie jedoch mit wissenschaftlichen Arbeiten bombadiert, die belegen, dass alle Männer auch homosexuell sind, die Menschen in der Gemeinschaft fangen schon an, komisch zu gucken: es droht, dass Sie als homophob definiert werden und in der örtlichen Postille offen als Nazi gebrandmarkt – als Nazi mit psychischen Problemen, der sich weigert, seiner Natur zu folgen und seine Freiheit auszuleben. Können Sie sich in die Situation hineinfühlen? Merken Sie, wie Ihre freie Willensentscheidung – ja, sogar ihre Natur – langsam Schritt für Schritt beiseite geräumt wird? Und nun … scheuen Sie sich doch nicht so, dass härteste Argument des Kapitalismus wartet gerade auf Sie: Sie werden ja BEZAHLT, sogar GUT BEZAHLT (ja – als ob Geld eine moralische Kategorie hätte, die von seiner Menge abhängt – aber „gutes“ Geld hat ja unseren Alltagsgebrauch schon so sehr infiziert, dass Widerstand gegen diese idiotische Begriffskombination zwecklos scheint) … nur ein degeneriertes, völlig abartiges Wesen kann sich diesem wunderbaren Angebot entziehen. Vielleicht hilft man Ihnen auch mit sanfter Gewalt, den ersten Schritt in Ihre Freiheit zu tun: manche Prostituierte muss man erst „einreiten“, damit die funktionieren, am Besten mit mehreren, damit die für ihren „Job“ richtig gut aufgestellt ist. Und fühlen Sie sich da mal nicht zu sicher: Amnesty International war kurz davor, „Sexkauf als Menschenrecht“ zu fordern – wobei eingeschleuste Sexindustrieprofiteure aus der Homoszene mit eigenem Escortservice eine zentrale Rolle spielten (siehe kritische Perspektive). Wenn es erst mal ein Recht auf Sexkauf gibt … dann muss der Markt auch liefern, alles und jeden. Methoden dazu – gibt es genug.

Wir kommen hier in Sphären, die wieder hochpolitisch sind – und gar nichts mit der freien, einsamen Entscheidung der freien Powerfrau zu tun haben, aus ihrem Körper eine lustvolle Einnahmequelle zu machen, wobei die Kosten, die dieser Job bzw. der lädierte Körper später der Gesellschaft verursacht, wie selbstverständlich der Allgemeinheit aufgedrückt werden. Die Folgen davon … können sehr heftig und nachhaltig sein, hierzu gibt es einen spannenden Vortrag von Dr. Ingeborg Kraus: „Prostitution ist Gewalt gegen Frauen“ (siehe Trauma- und Prostitution.eu). Wieder treffen wir jene Mächte, jene Philosophien, jene Gruppierungen die G.C.Preparata in seiner Ideologie der Tyrannei beschrieben hat – wieder ein Schachzug zur Vernichtung der freien, offenen Gesellschaft – im Gewande größter Liberalität.

So kann selbst Kindesmissbrauch sprachlich als durchaus positives Ergebnis dargestellt werden (nochmal: Kritische Perspektiven):

„Einige Männer nahmen ihn mit nach Hause ins Bett, gaben ihm ein gutes Abendbrot und Frühstück und ein warmes Bett für die Nacht. Sex war involviert, aber am morgen gaben sie ihm 50 $. Peter fand es unglaublich – ein warmes Bett, viel „Zuneigung“, Essen und mehr Taschengeld, als er jemals in seinem Leben hatte.“

Der Junge – Peter – war neun Jahre alt und obdachlos. Sprache – hat schon eine enorme Macht, mit ihrer Hilfe kann man – wenn man will – ein Verbrechen als Segnung darstellen. Wie schön kann doch auch Mord sein, wenn man dem Opfer erstmal klar gemacht hat, dass es für seine Umwelt nur eine belastende Existenz ist, nur Kosten verursacht, Leid für seine Eltern bedeutet – und Schande – man kann sehr lange so argumentieren, bis das Opfer dem Mord zustimmt … und ich wäre trotzdem dafür, Mord weiterhin zu verbieten. Auch Seelenmord.

Ja – was machen wir eigentlich mit den anderen … jenen, die Lust auf Töten haben, echte Kerle, Krieger, Jäger, Wesen, die für Kampf und Tod leben, Menschen, deren Tatkraft und Einsatzbereitschaft wir in Krisenfällen gerne abrufen … haben die nicht auch ein Bedürfnis, auf das die Gesellschaft reagieren muss? Ist es wirklich nötig, ihrer freien Willensausübung Grenzen zu setzen … selbst wenn ihre Opfer einwilligen? Was spricht schon dagegen, Menschen in der Arena gegen Löwen kämpfen zu lassen, wenn die das freiwillig machen und dafür bezahlt werden? Gut – es bleiben ein paar liegen … aber doch nur die Schwachen. Die anderen … könnten reich werden!

Nach acht Jahren Prositituion hat Huschke Mau (Pseudonym) einen Brief an die Prostitutionsbefürworter geschrieben … jene, die sich ach so sehr um die „Bedürfnisse“ anderer sorgen, ohne je zu hinterfragen, ob denn Bedürfnisse wirklich eine urmenschliche Naturgewalt sind – oder nicht nur anerzogenes Fehlverhalten; es wäre ja bei der Genderei ja ein leichtes, auch mal auf diesen Gedanken zu kommen und sich Rat bei jenen zu suchen, die – sehr zum Zorne der Bedürfnisvermarktungsgesellschaft – ihre Bedürfnisse einfach im Griff haben (oder ganz eliminieren – um frei zu sein) … anstatt sich ihnen hemmungslos auszuliefern. Hier mal ein Auszug (siehe Emma):

„Lies Dir die Sprache in den Freierforen doch mal durch, lies Dir durch, wie ihnen dabei einer abgeht, wie sie es genießen zu wissen, dass die Frau das nicht mag, sondern nur für Geld macht, es aber tun muss, weil sie die verdammte Kohle braucht, oder weil im Nebenzimmer ein Typ sitzt. Wie sie ganz bewusst die Grenzen testen und übertreten und sich ihrer sadistischen Seite dabei, wenn nicht ganz hingeben, so doch zumindest deutlich bewusst werden. Es geht in der Prostitution nicht um Sex, es geht um Macht. Und nur um Macht. Tu nicht so, als könnten Frauen sich dort ausleben in ihrer Sexualität, der einzige, der sich auslebt, ist der Freier, dessen Wünsche Du erfüllst. Und zwar auf Deine Kosten.“

Es geht um Macht. Um Sadismus. Um eine Kultur, die Standard werden soll – Standard geworden ist (das jegliche humanistische Selbstverständlichkeiten im Einklang mit der Erklärung der allgemeinen Menschenrechte „Sozialromantik“ genannt werden – ganz offen, von führenden Politikern – zeigt, wie sehr die dunkle Kultur schon die Herrschaft angetreten hat – und gerade sie braucht die käufliche Frau). Eine Kultur die unser menschliches Miteinander auf breiter Front umschreiben möchte – und viele Bereiche schon längst umgeschrieben hat. Damit … könnte man die Erörterung des Problems beenden, wenn nicht … immer auch die Frage nach dem Gegenmodell im Raum stehen würde.

Wir kreisen ja sehr um Sexualität – die ganze industrielle westliche Gesellschaft hat dies zum zentralen Punkt erhoben, neben dem anderen Themen (Krieg, Hunger, Sklaverei, Ausbeutung, Folter – um nur einige zu nennen) sehr verblassen. Stellen wir die Frage nach dem Warum, so kann man sich die Antwort einfach machen wie der Mönch Anselm Grün: wir haben Gott verloren und suchen ihn im Partner – und der Sexualität. Finden wir Gott wieder … sind die irre geleiteten Bedürfnisse fort. Jetzt habe ich aber das böse Wort (Gott) gebraucht, doch keine Sorge – man kann auch anders argumentieren. Folge ich Wilhelm Reich, so ist der ganze Sadismus Folge von schlechtem Sex … geboren aus der immensen Frustration, die sich ergibt, wenn man äußerlich den Akt vollzogen hat, innerlich habe … kein Echo folgt. Es gibt Kulturen (Achtung, nächste Überforderung), die betreiben professionell Sexarbeit, d.h. sie haben eine hohe Schule der sexuellen Vereinigung, die durch gezielte Arbeit größtmögliche Orgasmen – und Befriedigung – erreichen … es ist eine der ältesten Kulturen der Menschheit … allerdings finde ich im Netz da auf Anhieb nichts zitierwürdiges: im Westen wird die Kunst des Tantra ja auch nicht umsonst seit Juni 2017 mit Prostitution gleichgesetzt – ist vielleicht auch in vielen Fällen nichts anderes, denn wo findet man in deutschen Tantravereinen schon den Hinweis darauf, dass ein Mann sämtliche Energien von den Männern in sein Feld aufnimmt, die zuvor intim mit seiner Partnerin waren – mit ganz üblen Folgen für ihn? Wer wäre schon daran interessiert, dass Menschen, die dort ihre Erfahrungen mit Sexualität gemacht haben, angewidert gerne auf das verzichten, was hier im Westen so im Angebot ist … angefangen von Pornofilmen bis hin zu willigen Weibchen auf Reifenkalendern (was übrigens zum gesamten Bereich Prostitution zuzuordnen wäre – aber das würde jetzt hier zu weit führen) bis hin zu der tristen, langweiligen und generell frustrierenden Gymnastik, die wir so als „Sex“ beschreiben … weil wir nichts anderes kennen.

Sicher – wir haben eine allgemeine Prostitutionskultur: das ist die Wahrheit hinter dem Getöse, darum muss die offene Prostitution vehement als Norm verteidigt werden. Prostituierte haben Recht, wenn sie sagen: wir verkaufen uns doch alle – die meisten nur für viel zu wenig Geld. Schon das erzwungene Lächeln an der Discounterkasse muss als Prostitution beschrieben werden, ebenso wie das Anfertigen marktfreundlicher Bewerbungsfotos – die Auseinandersetzung zur Rettung der Menschenwürde muss viel früher beginnen, der Anspruch darauf, Frauen kaufen zu dürfen, weil man Bedürfnisse hat, ist eine der letzten Fronten – und eine entscheidende.

Andere Kulturen – leben anders. Wie die Mosuo in China, eins der letzten Matriarchate in der Welt, in denen der Besitz den Frauen gehört – aller Besitz. „Das Paradies ist weiblich“ nennt der Autor und Arzt Ricardo Coler sein Werk über seinen Besuch bei diesem Volk, dass auch den Kommunisten ein Dorn um Auge war und wo Frauen über 50 resigniert über ihr Alter klagen, dass sie nur noch drei mal wöchentlich Sex haben (siehe Berliner Zeitung). Männer bei den Mosuo … haben ganz viel freie Zeit für Spiel, Spaß und Entspannung. Welch´ grausames Schicksal – wie gut geht es uns doch dagegen!

Es ging auch anders. Ganz anders. Wer sich jedoch aufmacht – wie Wilhelm Reich – die Wurzel unseres Übels aufzudecken, dessen Bücher werden verbrannt, dessen Labore werden zerstört, dessen Arbeit wird verächtlich gemacht.

Der partiarchiale Staat braucht die Prostiuierte als Symbol seine Triumphes über die Frau an sich – so wie er auch die Ehefrau als Besitzstand braucht, die ihm seine Söhne gebärt, durch die er fortleben kann. Und er braucht die Frustration, um Soldaten zu generieren. Wenig schmeichelhaftes gibt es über seine Leistungsträger zu berichten:

„Der weiße Mann benimmt sich zur Zeit als die abscheulichste, arroganteste, obszönste, mörderischste, heuchlerischste und wildeste Kreatur, die diese Erde je betreten hat, sein Konto an Schmach, das von Tag zu Tag wächst, ist einfach unbeschreiblich und wird von keinem anderen übertroffen. Feministinnen sagen uns da nichts Neues. Was sie allerdings vergessen – und das ist eine unverzeihliche Unterlassung – ist, dass der weiße Mann den größten Anteil an Gewalt gegen Weiße wie er selbst richtet.“ (Preparata, Ideologie der Tyrannei, Dunker & Humblot, Berlin 2015, Seite 170).

Und den Durchmarsch dieser Kreatur durch die Gesellschaft zu stoppen, gebietet … das Verbot der Prostitution … wobei – denke, das ist selbstverständlich – die Täter ins Auge der Polizei fallen sollten … und nicht die Opfer …. also der Freier und Zuhälter, nicht … die Prostituierte; ich denke da auch an jene Männer, die den Frauen Zimmer für 150 Euro die Nacht für ihre Sexarbeit vermieten … und sie so erstmal in die absolute Abhängigkeit treiben, in einen Zustand, wo widerpruchslose Massenabfertigung überhaupt erstmal die Grundlage jeder wirtschaftlichen Existenz ist.

Und was ist nun mit der Frau, die mit keinem normalen Job klar kommt – wie Ramona, die den Job gerne macht, obwohl er ihre Seele auffrisst (siehe Süddeutsche)? Jener Frau, die gerne ihre heiße „Lillith“-Seite ausleben will (siehe utebennecke.de) … und das Geld braucht? Nun – warum soll die nicht weiter leben wie zuvor? Was interessiert es die Gesellschaft, was in ihrem Schlafzimmer geschieht – und welche Geschenke ihr ihre Verehrer machen? Das – kann man auch ohne Industriezweig leben. Ganz freiwillig. Selbstbestimmt. Und: würdevoll. Und – man braucht es nicht an die große Glocke zu hängen … wenn da wieder ein Mann seine Ehe und damit auch das Nest seiner Kinder in Gefahr bringt … über jene Opfer müssen wir aber mal wirklich ein andermal reden.

PS: diese Erörterung war – ein Wunschartikel eines Mannes, der 20 Jahre im „Millieu“ lebte, das Elend mitbekam (und auch jene 2-3 Prozent, die das gerne machen – und jetzt als Standard gepriesen werden) und voller Entsetzen ist, wie diese Kultur der Vernichtung jetzt offensiv angepriesen und zur Normalität erklärt wird – auch und gerade von Salonlinken, die … keinerlei eigene Erfahrungen in dem Bereich haben – aber enorm viel Meinung dazu.

PS 2.: ja – ich bin voreingenommen, bin offizielles Mitglied von Zeromacho … jenen Männern, die ganz gut ohne Prostituierte auskommen. Ehrlich gesagt war der Entschluss leicht: Frauen kaufen hat doch wirklich so überhaupt nichts mit Erotik zu tun.

Unsere Leitmedien und das älteste Gewerbe der Welt


Foto: Public Domain/Wikimedia

Auf der Plattform Swiss Propaganda Research ist gerade ein anonymer Bericht eines Top Level Journalisten erschienen. Mit trockenen Worten schildert er, welcher Arbeitsethos heute in den Redaktionen unserer vielgepriesenen  Qualitätsmedien herrscht:

Ich bin selbst schuldig, Teil des Systems zu sein oder zumindest das Spiel mitzumachen …

Die meisten seilen sich bevor sie 50 werden in die PR ab. Das Angebot von gutbezahlten PR-Jobs ist für erfahrene Journalisten gross. Der Spruch: «jetzt gehe ich dann in die PR, weil das was ich hier mache ist nicht viel anders, einfach schlechter bezahlt», ist nicht unüblich. Wer die Überzeugung hat, mit Journalismus etwas bewirken zu können, ist sehr jung, oder wird ausgelacht von der Mehrheit.

… Vordergründig herrscht in den Mainstreammedien kompletter Meinungspluralismus – abgesehen von Einzelfällen tun sich Journalisten kaum mit festen Überzeugungen hervor: Man ist für alles offen, suspekt ist, wer eine Haltung hat und konsequent aus dieser Haltung berichtet. Die Journalisten mit einer konsequenten Weltanschauung sind rar.

… Es ist nicht so, dass es vor 20 bis 30 Jahren auf den Redaktionsstuben keine Selbstzensur, Gleichschaltung, vorauseilenden Gehorsam und Tunnelblick gegeben hätte. Doch die Rahmenbedingungen in den heutigen „Redaktionsfabriken“ der Mainstream-Medien fördern geradezu den ideologielosen, opportunistischen, Klick-orientierten Journalismus, dem die wichtigen Fragen entgleiten.“

(Quelle: https://swprs.org/bericht-eines-journalisten/ )

Diese als „Geständnis“ betitelte Schilderung eines Leitmedien-Journalisten folgt geraume Zeit auf die legendäre Rede des New York Times-Chefredakteurs John Swinton. Bereits zu Zeiten, in denen die regierungsnahen Leitmedien noch über allen Verdacht erhaben waren und die von ihnen ausgegebenen Texte von fast jedermann/jederfrau täglich konsumiert und weitgehend unreflektiert internalisiert wurden, meinte Swinton:

 „Wenn ich mir erlaubte, meine ehrliche Meinung in einer der Papierausgaben erscheinen zu lassen, dann würde ich binnen 24 Stunden meine Beschäftigung verlieren. Das Geschäft der Journalisten ist, die Wahrheit zu zerstören, schlankweg zu lügen, die Wahrheit zu pervertieren, sie zu morden, zu Füßen des Mammons zu legen und sein Land und die menschliche Rasse zu verkaufen zum Zweck des täglichen Broterwerbs. … Wir sind Werkzeuge und Vasallen von reichen Männern hinter der Szene. Wir sind Marionetten. Sie ziehen die Strippen, und wir tanzen an den Strippen. Unsere Talente, unsere Möglichkeiten und unsere Leben stehen allesamt im Eigentum anderer Männer. Wir sind intellektuelle Prostituierte.“ (Quelle: Wikipedia)

Der Vergleich mit dem Gewerbe der Prostitution wird vielen Journalisten, die mit ihrer Berufswahl an sich angetreten sind, um der Wahrheit, Aufklärung und Humanität zu dienen (so denke ich naiver Mensch mir das zumindest), wohl sauer aufstoßen. Man mag darüber streiten, inwiefern zwischen den beiden Gewerben moralische Parallelen bestehen, auf rein monetär-existenzieller Ebene betrachtet, befinden sich Journalisten heute allerdings in der Tat in derselben Zwickmühle des Prekariats wie die Gewerbetreibenden in der Prostitution: Konnte man in guten alten Zeiten noch schnelles Geld machen, wenn man bereit war, seine menschliche Würde aufzugeben und sich unter den Hund zu bringen, so bekommt man fürs Beinebreitmachen heute mitunter gerade mal 15 Euro (Quelle: ZDF Reportage „Bordell Deutschland“), wovon mehr als die Hälfte an den Zuhälter und ans Etablissement gehen. Unterm Schnitt bleibt der Prostituierten also ein mieserer Stundensatz als einer Reinigungskraft, obwohl erstere laut Statistik ein größeres Gesundheits- und Todesrisiko eingeht als ein Soldat, der in den Krieg zieht. Etwas bessere Bezahlung gibt es allenfalls noch im Nobelescort-Service, allerdings ist die Ausschlachtungszeit dort sehr gering, ständig drängt billiges Frischfleisch aus dem Osten heran, während abgehangenes Fleisch von den Metzgern schnell ausrangiert wird.

Gleichermaßen konnte man in guten alten Zeiten als Bezahlschreiber bei den deutschen Leitmedien eine Menge Geld verdienen, wenn man bereit war, sein Herz gegenüber der herrschenden (transatlantisch-neoliberalen) Meinung breitzumachen und seinen Ethos an den Nagel zu hängen (siehe dazu Interview mit dem ehemaligen Welt-Journalisten Dirk C. Fleck bei KenFM«Wir leben in einem globalen Schweinesystem … Es gibt in Amerika 1.500 Zeitungen, 1.100 Magazine, 9.000 Radio­stationen und 1.500 TV-Anstalten. Die sind in sechs Händen konzentriert. Davon sind vier Rüstungs­unter­nehmen und zwei Energie­unter­nehmen. Jetzt wissen Sie Bescheid über „die freie Presse“.» Nun ist aber auch unter denen, die bisher den vollen Rückenwind des Mainstreams genossen haben, Saure-Gurken-Zeit angebrochen. Obwohl sie das mühsame Schwimmen gegen den Strom tunlichst vermeiden wollten, müssen sie nun in unwirscher Strömung um ihr Überleben paddeln. Denn nicht nur billiges Frischfleisch und junge Prekariats-Volontäre drängen in die Schreibstuben der ehemaligen Gutverdiener nach, auch die zunehmende Digitalisierung gräbt dem Nachrichtengewerbe das Wasser ab: Info-News werden von einer der drei Pressekonzerne AP, Reuters und AFP  wie vorgebackene Brötchen angeliefert und können per copy & paste übernommen werden (wie lediglich drei globale Nachrichtenagenturen als Zapfsäulen für die nationalen Massenmedien dienen, ist im SWPRP-Medienreport „Der Propaganda-Multiplikator“ nachzulesen).

Um die Tiefkühlbrötchen der Presseagenturen aufzubacken, braucht es allenfalls einen Kosmetiker, aber keinen Journalisten mehr, der wirklich in die Tiefe recherchiert und das macht, wozu er als Journalist eigentlich ausgebildet wurde. Demnächst braucht es sogar nicht einmal mehr den Kosmetiker – smarte Algorithmen übernehmen mitunter bereits das Schreiben kompletter Artikel. So ist es in mehreren US-Zeitungen bereits gang und gäbe, dass man dem Computer nur noch ein Sportergebnis füttert und der Blechkollege dichtet eine Story drumrum, die dann unredigiert abgedruckt wird. Auch auf Wikipedia werden schon seit längerem automatisierte Bots eingesetzt, die im Netz verfügbares Informationsmaterial durchforsten und daraus pro Tag bis zu 100.000 Artikel verfassen, die sogar für das skeptische Auge von Gwup-Nerds und der Sheldon Cooper-Community alle Anforderungen an Wissenschaftlichkeit und Sachzwänglichkeit erfüllen (siehe Spiegel).

Doch nicht nur dem niederschwelligen Boulevardjournalismus stehen wenig rosige Zukunftsaussichten ins Haus. Auch im Nobelescort-Bereich des Journalismus ist die Luft dünn geworden, allerortens wird gnadenlos rationalisiert. Wie aus der Redaktion ausgestiegene Journalisten berichten, sind die Zeiten, in denen man als gewöhnlicher Spiegel-Redakteur wirklich gut verdient hat, längst vorbei und hat auch die Porsche-Dichte in der Tiefgarage deutlich abgenommen. Allenfalls als Chef der Etablissements hat man noch leicht lachen und kann bei abendlichen Gala-Diners von Atlantikbrücke-Verein & Co. entspannt Champagner schlürfen und Schokotrüffeln schlemmen – und das Schulterklopfen der ganz Mächtigen genießen. Dass Putin und Russland in der deutschen Medienwelt die alternativlos Bösen bleiben, lässt man sich in der oberen Liga schon noch etwas kosten.

Für kleine Schreiberlinge und Nachwuchstalente sieht es jedoch traurig aus, denn sie sind in der postfaktischen Medienwelt jederzeit ersetzbar geworden. Niemandem wird es auffallen, wenn sie nicht mehr auf ihrem Arbeitsplatz Dienst verrichten, geschweige denn, ihnen eine Träne nachweinen. Wie der eingangs erwähnte Journalist im SWPRS-Bericht erzählt, herrscht in den Massenmedien mittlerweile Existenzangst und Endzeitstimmung:  „Nirgends war das Klima der Angst grösser und expliziter als beim grössten privaten Medienhaus der Schweiz. Die Angst vor der nächsten Sparrunde, Umstrukturierung, vor dem unerwarteten Seitenhieb in der Blattkritik.“ Die Existenzangst führe dazu, dass die Journalisten ihre eigenen Denkmuster nicht mehr hinterfragen und insbesondere einer „US-EU dominierten Sicht- und Erklärweise der Weltereignisse“ unterliegen.

Nichts ist in den Schreibstuben also mehr wie früher. Sogar wenn sich bedingungslos auf Blattlinie schreibende Journalistinnen wie die junge Leonie Feuerbach um Kopf und Kragen schreiben, indem sie mit allem ihnen zur Verfügung stehendem Krallen- und Beißwerkzeugeinsatz politisch nicht korrekte Friedensfestivals an den Pranger stellen (siehe heise) und mit aller gebotenen Härte gegen „Querfrontler“ wie Ken Jebsen, Xavier Naidoo oder Werner Altnickel vorgehen, ist nicht gewiss, ob die eifrigen GedankenpolizistInnen nicht schon übermorgen selbst wegrationalisiert werden. In Zeiten, in denen morgen nichts mehr so ist wie gestern, kann es schnell mal sein, dass sich Leonie Feuerbach als Kühlregalschlichterin beim Lidl widerfindet, obwohl sie doch gerade erst nach stolzer Gutsherren(frauen-)art das Horn zur Jagd geblasen hat und mit einem stattlichen Rudel an Labradoren im Gefolge über die urbanen Äcker des neoliberalen Fürstentums geritten ist.

Wer weiß, vielleicht wird die jagdlustige Dame, die unzähligen Hasen den kalten Angstschweiß aus dem Fell getrieben und ihnen dieses dann über die Ohren gezogen hat, unvermittelt von einem Burnout gestreift … oder die grüne Galle, die sie im Kampf gegen unbotmäßige Friedensaktivisten entwickelt hat, schießt ihr in die Nieren … – und schon kann Schluss sein mit der spitzen Schreibtischtäterschaft und dem Sold am Monatsersten. Wenn man heute nur für kurze Zeit einmal nicht mehr leistungsfähig ist, dann darf man erleben, wie das leistungsorientierte System, für das man zuvor mit aller Verve gekämpft hat, mit einem selbst umgeht. Auch wenn sie jetzt noch im ledergepolsterten Vorzimmer zum Chef sitzt und aus der erhöhten Sitzposition des SUV nach unten blickt, selbst ambitionierte Nachwuchskräfte wie Leonie Feuerbach, die alles gegeben haben, sind heute nicht davor gefeit, schon morgen ausrangiert und auf Hartz 4 gesetzt zu werden. Statt SUVs in der Tiefgarage dürfen sie dann versprengte Einkaufswägen an der Lidl-Kassa parken.

Dabei war der Traum vom kleinen Glück bereits so greifbar nahe: Nachdem die junge Leonie laut ihrer FAZ-Vita dem ehrwürdigen Leitmedium von 2014 bis 2016 als Volontärin gedient und nach dieser zweijährigen Bewährungsprobe schließlich am 1. April 2016 dasjenige Privileg erhalten hat, das für eine Studentin der Politikwissenschaften in heutiger Zeit seltener ist als ein vierblättriges Kleeblatt in einer Sandkiste: eine Festanstellung als Redakteurin. Nach dem Platzen der schillernden Seifenblase, auf die Oma besonders stolz war, wird die junge Leonie dann womöglich auch verdutzt feststellen dürfen, dass die nadelgestreiften Feudalherren, in deren Sold sie früher stand, an der Kassa keinen einzigen Cent Trinkgeld springen lassen, während Friedensaktivisten, denen sie in ihrem früheren Leben den medialen Garaus bereitet hat, sich als unerwartet großzügig erweisen, obwohl diese selbst ein karges Auskommen haben und in zerschlissener Kleidung unterwegs sind. Angesichts der herablassenden Art der nadelgestreifen Herren, mit denen sie früher auf Augenhöhe scherzte und die nun bei ihr einkaufen, wird die geharzte Leonie womöglich sogar an die leibhaftige Existenz von Reptiloiden zu glauben beginnen, obwohl sie solchen Verschwörungstheorien bisher immer sehr abhold war.

Wie sie in ihren FAZ-Artikeln unter Beweis gestellt hat, verstand es Leonie, Verschwörungstheorien mit fachmännischer Journalistenhand zu einem toxischen braunen Cocktail zu mixen, in den als Zutaten neben Chemtrails, den 9/11-Anschlägen, Reichsbürger-, Tiefenstaat- und Überwachungsphantasien, Aluhüten und sonstigem „kruden“ Kraut dann auch noch beiläufig die Namen derjenigen Personen eingestreut wurden, vor denen man als aufgeklärter fernsehender Spiegelbildbürger unbedingt auf der Hut sein sollte (siehe FAZ).

Wären da nicht diese verflixte Digitalisierung und der gnadenlose Ökonomisierungsdruck, die Chefetage hätte Leonie Feuerbach diese Cocktails bis zu ihrer Rente jede Woche aufs Neue weitermixen lassen, um sie dann wie Schrotladungen ins weite Feld des „manufacturing consent“ zu schleudern (siehe Rezension zu Noam Chomsky auf Nachdenkseiten: „Die Wachhunde der Machtelite“), obwohl die Leser solcher Ergüsse bereits überdrüssig sind und sich angewidert abwenden. Jedenfalls wird die neue Smart-App „Leonie 4.0“ das Mixen dieser Cocktails genauso gut beherrschen – und zwar im Bruchteil einer Sekunde und zu einem Bruchteil der betriebswirtschaftlichen Kosten, die momentan noch für Humanressourcen auflaufen. – Humanressourcen, die sich gerade selbst in die Obsoleszenz schreiben.

 

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Zum Thema Journalismus siehe auch:

Prof. Reiner Mausfeld: „Der leise Tod der öffentlichen Debatte“

Jens Wernicke bei KenFM: „Lügen die Medien?“

Nachrichtenspiegel: „Der Mensch am Schlachtfeld zwischen Lüge und Wahrheit – Teil 1: Im Griff der Würgeschlange“

Nachrichtenspiegel: „Der Mensch am Schlachtfeld zwischen Lüge und Wahrheit – Teil 2: Die Götterdämmerung der Lügenpresse“

Brief an Deutschlands Linke: geht doch einfach nach Hause.

Digital StillCamera

Montag, 1.8.2016. Eifel. Liebe Linke! Ich dachte mir: ich schreibe Euch heute einfach mal. Ihr schreibt mir ja auch dauernd. Gemeint sind natürlich nicht nur „Linke“ in der Partei „die Linke“ – nach dem Umgang mit Frau Wagenknecht (einer Linken, die sich noch erinnert, was linke Politik einmal war: Politik des Kleinen Mannes) konnten alle nachlesen, dass „Solidarität“ in dieser Partei ein Fremdwort ist und wir wohl nur einen weiteren Diätenjagdverein hinnehmen müssen. Außerdem müssten wir uns noch darüber unterhalten, ob die SED-Reste in dieser Partei nicht „rechts“ zu nennen sind, Stechschritt der Armee und umfassende Bespitzelung der eigenen Bevölkerung war ja für uns im Westen 1945 zu Ende.

Wir haben ja einige Probleme momentan. Gute Zeiten für linke Politiker, Lösungen anzubieten. Krieg, zum Beispiel. Eventuell: richtig dicker Weltkrieg. Mit echtem Blut und Millionen Toten. Russland gegen Europa ist im Angebot  oder Japan gegen China, beides mit den USA im Rücken. Ja, die stehen bei allem immer gerne hinter einem, da wird man weniger getroffen. Glaubt ihr nicht, das mit dem Krieg? Klar, Aufrüstung und Truppenverlegung in den Osten (in ehemalige Länder des Warschauer Paktes) geschieht nur zum Spaß.

Oder Wirtschaft: der Kapitalismus ist am Ende seiner Finanzierbarkeit angekommen, der Zinsdurst der Oberschicht ist so gewaltig, dass er die Wirtschaftskraft aller Länder aufsaugt, eine Bankenkrise jagt die nächste (auch die können Traumrenditen von 10 Prozent nur noch mit Tricks und Täuschungen – also Betrug – hinbekommen), die Staatsverschuldung erreicht schwindelnde Höhen – vor allem, weil der Kapitalismus nicht liefert – Arbeitsplätze zum Beispiel, Teilhabe an den Gewinnen oder auch nur Steuern. Wunderbare Zeiten für linke Politik, die das Volk dringend braucht. Und das Volk: steht hinter Euch, zu sechzig Prozent: es gab sogar eine linke Mehrheit bei der letzten Bundestagswahl – aber die linken Parteien (also: zwei davon) waren leider rechte Parteien, eine davon verrät ihre Wähler konsequent bei jeder Wahl und wird nur noch von Masochisten gewählt, die Lust darauf haben, verarscht zu werden.

Oder die Gesellschaft: Atom ist wieder Thema. Gott sein dank, denn: wir wissen seit 50 Jahren nicht, wohin mit dem Müll. Die Kosten für den Müll tragen die Bürger (also: wir alle), den Gewinn des AKW´s (den es ohne Kostenübernahme gar nicht gäbe) fahren nur ein paar wenige ein – dafür aber doppelt und dreifach. Direkt bei mir um die Ecke zerbröselt gerade so ein Altmeiler, es werden schon Jodtabletten verteilt (siehe Aachener Nachrichten). In Köln haben gestern 30-40000 Türken für den Herrn Erdogan demonstriert: für eine Politik der staatlichen Willkür, des Demokratieabbaus, des Bildungsverbotes und der Militarisierung – als „Gegendemonstranten“ hatten wir 250 „Rechte“ (siehe Spiegel): was deutlich zeigt, wie groß die echte, rechte Gefahr ist. Wir haben mit den Jobcentern einen Datenkraken der Ultraklasse, die schon mehr als jeden zweiten lebenden Deutschen erfasst haben (und damit mehr als zwei Drittel der arbeitenden Bevölkerng): da ist viel Arbeit für Linke, zumal der ganze Komplex „Arbeitslosigkeit“ wie ein Mühlstein am Halse der Gesellschaft hängt und offensiv fortgetragen wird – zum Beispiel durch „union busting“, dem professionellen Vernichten gewerkschaftlicher Strukturen.

Nun ja: Umwelt – war noch nie so ein richtig linkes Thema. Man war ja für den „Arbeiter“, also für die „Fabrik“, ohne die der Arbeiter gar keine Anteile am Gewinn fordern konnte. Die ganze SPD lebt noch von dieser Sicht, für die wir am Ende aller Tage 1,5 Planeten brauchen, um alle dementsprechend zu versorgen – und der Verbrauch wächst täglich. Übel, oder? Und eine ganze Armee von Ausbeutern will, dass es noch schlimmer wird. Dazu habe ich eine lustige Quelle gefunden, die uns erklärt, warum alle wollen, dass man sich ein Haus kauft (und baut – siehe Zen-Depot): Banken, Arbeitgeber, Staat, Bauindustrie, Anwälte, Notare, Energieberater (und andere) profitieren ganz gut von dem deutschen Eigenheimwahn – völlig abgesehen davon, dass so ein freistehendes Haus den „ökologischen Fußabdruck“ so sehr vergrößert, dass wir wegen ihm bald zwei Planeten brauchen.

Arbeit für Linke wäre genug da – aber: es hadert ja schon an der Definition was das eigentlich ist, „links“. Ältere Semester kommen da gleich mit „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ – nur können die jungen Menschen von heute damit nichts anfangen. Darum hat sich die Rosa-Luxemburg-Stiftung mal damit auseinandergesetzt (sogar mir Tips für die Gruppenarbeit, siehe Rosa-Luxemburg-Stiftung):

Davon ausgehend, können drei Dimensionen des Linken im Unterschied zum Rechten ausgemacht werden: (1) Unterstützung für den Sozialstaat vs. Forderung von mehr Marktfreiheit, (2) Forderungen nach weiterer Demokratisierung vs. Erwartungen an eine »starke Hand« und (3) Offenheit für abweichende Lebensentwürfe (Verhältnis zu Schwulen, Lesben als ein Indikator) und gegenüber Fremden (Juden, Moslems usw.).

Ein schöner theoretischer Ansatz – und der trifft nun auf eine echte, lebendige Welt, wo „Fremde“ (ist der Begriff nicht selbst schon rassistisch?) „abweichende Lebensentwürfe“ angreifen – was den deutschen Normlinken völlig aus der Bahn wirft und zum Schweigen bringt, weil seine Theoriemodelle versagen … so zum Beispiel wenn Muslime aus der Fremde Nudisten aus Deutschland „bedrohen. beleidigen und bespucken“ und ihnen die Ausrottung versprechen (siehe: Der Westen). Wie wollte ihr Eure Nudisten vor Euren Fremden schützen – mal ganz von dem grassierenden Antisemitismus im arabischen Raum abgesehen? Kompliziert, oder?

Doch damit nicht genug: als „abweichende Lebensentwürfe“ werden von jenen, die „abweichende Lebensentwürfe“ leben, inzwischen alle Lebensentwürfe außer den ihren angesehen: ein Absolutheitsanspruch, den man von ultrarechten Gruppierungen gewöhnt ist, weshalb ja alle „Abweichler“ gestraft (und letztlich vergast) werden. Doch doch: ich habe da was gefunden, bei der einflussreichen Heinrich-Böll-Stiftung (siehe gwi.boell.de):

Heterosexuelle sind homophob. Heterosexualität wird nicht von irgendeinem Gen an- und ausgeschaltet. Es ist ein kulturelles Konzept, das erst durch die Abwertung gleichgeschlechtlicher Liebe, Sex und Zuneigung entstanden ist. Ein feministischer Zwischenruf.

Der feministische Zwischenruf kommt von einem Mann, nebenbei bemerkt. Warum auch nicht. Er …. formuliert eine recht eigentümliche Theorie:

„Wann die Idee von einer „heterosexuellen“ Normalität in die Welt kam, ist schwer zu sagen. In Europa begann die katholische Kirche im 13. Jahrhundert massiv ihre Vorstellung von einer gottgewollten Sexualmoral zu propagieren. Diese orientierte sich damals zwar noch eher an den Praktiken (anal=schlecht, vaginal=gut), aber die Idee von einer „natürlichen“ und „widernatürlichen“ Sexualität war geboren. Sich neben der Ehefrau noch einen Liebhaber gönnen? Das endete im mittelalterlichen Europa oft mit dem Scheiterhaufen.“

Ein bischen Geschichtswissen außerhalb haltloser feministischer Theorien wäre hier vielleicht angebracht, etwas über die Lustknaben des alten Griechenland oder des alten Rom (oder die lustvollen Kelten), noch lieber wären mir einfachste Kenntnisse im Bereich Biologie, aus denen wir ableiten könnten, dass „hetereosexuelle Normalität“ vor 3500 Millionen Jahren als Konzept in die Tierwelt gebracht wurde, um Nachwuchs zu zeugen – und das geht mit Homosexuellen nicht. Die „Kirche“ kam erst 3499,999 Millionen Jahre später. Ja und wir sind – trotz alle Theoriefreude – auch so ein klein wenig Tiere, also … etwas abhängig von den Richtlinien der Mitwelt, die auf Reproduktion ausgerichtet sind. Man braucht hier auch gar nicht Minderheiten wie die katholische Kirche mit ihren Meinungen zu „natürlicher“ oder „widernatürlicher“ Sexualität als „Täter“ herbei zu ziehen, es reicht, wenn wir über im Sinne der Natur zwischen „effektiven“ und „uneffektiven“ – also das Leben forttragenden oder nur der persönlichen Lust dienenden –  Lebensentwürfen unterscheiden. Platt gesagt: würde sich unsere Mitwelt entlang feministischen Wunschdenkens und halbgarer Theorienbildung entwickeln, wäre die Erde eine Wüste.

Aber unsere Stadtbewohner sind halt nicht nur was Nahrung angeht weit weg von der Realität, sie basteln sich auch sonst gerne ihre eigene, kleine Selbstlobwelt, in der sie selbst die Krone der Schöpfung, die Waffen-SS der Homosexualität sind. Undenkbar? „Schwul sein“ (ich hoffe, ich verstoße damit nicht wieder gegen eins der modernen Sprechverbote) ist keine politische Qualität – es gibt genug Nazis, die schwul sind. Schwule können KZ´s genauso betreiben wie „Heteros“, Lesben drehen nicht weniger geschickt den Hebel in der Gaskammer um – und aus der Annahme heraus, dass man sich selbst für etwas ganz besonderes, etwas besseres, weit über dem normalen Volk stehendem betrachtet – eine Art Superarier der verklemmten und total falsch entwickelten Männermenschheit – kann man auch schließen, dass die Lager zur Umerziehung der abnormen Heteros nur deshalb noch nicht stehen, weil die Elite der Schwulen noch nicht genug militärische Macht hat.

Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden, sagte Rosa Luxemburg, weil sie die ungeheure positive, belebende Dynamik sah, die sich aus dem Wettstreit der Gedanken ergeben konnte. Aber eine „starke Hand“ wie Rosa Luxemburg ist ja jetzt nicht mehr gewünscht, ihr wird „die Demokratie“ als Alternative entgegengesetzt, eine Demokratie, in der es normal ist, das Minderheiten Mehrheiten ihren Willen aufzwingen wollen … zudem ein ganz merkwürdiger Gegensatz, auch wenn sich die Begriffe im ersten Moment schön anhören enthalten sie doch gleichzeitig die Absage an alle linken Führungspersönlichkeiten.

Ach, liebe Linke: was rede ich da wieder. Sicher habe ich alles wieder falsch verstanden, sicher sind Kriege, Zusammenbruch der Wirtschaft, die anstehende Vernichtung von 18 Millionen Arbeitsplätzen, der laufende – rechtslastige – Aufstand der Abgehängten (siehe Welt), der nächste heftige Bankencrash (siehe Süddeutsche), die Abschaffung der Rente (ja, darauf läuft die Verlängerung der Lebensarbeitszeit für viele hinaus – zum Beispiel für meinen Vater, der nur 69 geworden ist, zu den Plänen siehe Süddeutsche), das komplette Versagen der deutschen Politik im Kampf gegen die Armut – was sogar zu einer fast vergessenen Rüge der Vereinten Nationen führte (siehe Süddeutsche), die systematische Fremdbestimmung politischer Parteien (siehe Nachdenkseiten zum Falle Sarah Wagenknecht, die das Potenzial hatte, eine gesellschaftliche Integrationsfigur und Kanzlerkandidatin zu werden … aber nun von Diätenjägern der eigenen Partei zum Teufel gejagt wird), natürlich weniger wichtig als die ständige Neuausrichtung einer feministischen Theorie, die auf weiter Flur versagt hat … wenn ich mir die soziale Stellung der Frau 48 Jahre nach der „sexuellen Revolution“ anschaue, ist man wohl beim eigenen Geschlecht nicht so überzeugend ´rübergekommen.

Ihr hättet ein reiches Betätigungsfeld – ich denke da nur an die Arbeiten zur Sexualökonomie von Wilhem Reich, die erschöpfend belegen, warum wir ganz viel von Sex reden – aber gar nicht mehr wissen, was das – außerhalb der Mechanik, die wir sportlich gut beherrschen – eigentlich mal war … und was mit uns geschieht (auch politisch), wenn die sexuelle Ökonomie ins Wanken gerät (worauf gerade mal wieder einiges hindeutet).

Aber was macht ihr? Ergötzt Euch daran, jede Woche neue Geschlechtsidentitäten zu erfinden, mit denen ihr eure zumeist wohlhabenden Eltern schockieren könnt – Arme haben da andere Probleme. Zum Beispiel … die Prostitution, die für die „Linksjugend-solid“ ja ein normaler Beruf ist – wozu sie sich einen beeindruckenden Kommentar eingefangen haben … von Prostituierten (siehe kritische Perspektive)

„Und ich kann mich nur wundern darüber, dass ihr den prostitutiven Akt als „Beruf“ und als „Dienstleistung“ bezeichnet. Sexualität ist der intimste Bereich eines Menschen, dürfen wir wenigstens den bitte behalten, oder müssen wir ALLES an uns verwerten und verkapitalisieren lassen, restlos? Seit wann tritt die Linke eigentlich als Verteidigerin des Verkaufs sämtlicher menschlicher Bereiche auf? Ihr bezeichnet Sex als Dienstleistung, als ließe er sich abtrennen vom Ich, vom Selbst, vom Körper, von der Persönlichkeit, als könne man ihn ablösen, hübsch verpacken, auf die Ladentheke stellen und dann kommt da so ein Typ, gibt mir 50 Euro und nimmt den Sex mit. Stellt ihr euch das so vor, ja? Ihr sprecht sogar von „miserablen Arbeitsbedingungen“, ja, meint ihr denn der Missbrauch, den wir erlebt haben und den so viele von uns immer noch erleben wird schöner wenn wir einen hübschen „Arbeitsplatz“, wie ihr es nennt, kriegen? „Arbeitsbedingungen“, was soll das? Unter welchen „Bedingungen“ wäre der Missbrauch, den die Freier uns antun, für euch denn okay? Oder seht ihr das gar nicht als Missbrauch und ignoriert das, was aus der Prostitution ausgestiegene Personen und auch die Traumaforschung so sagen? 68% aller Prostituierten haben eine PTBS, da haben wir noch nicht mal von Depressionen, Süchten, Borderline, Psychosen gesprochen. Meint ihr die kommen von den „miserablen Arbeitsbedingungen“, diese Sachen, oder wie? Jede Aussteigerin, die ich kenne, bezeichnet das, was sie erlebt hat in der Prostitution, als sexuellen Missbrauch. Dass wir diesen sexuellen Missbrauch geduldet haben oder dulden mussten, macht noch lange keinen Beruf daraus!“

Da steht noch viel mehr – und viele „Sexarbeiterinnen“ haben sich dem Brief angeschlossen – also jene, die kein eigenes Bordell haben, an dem sie gut verdienen. Ein engagiertes Schreiben, dass man ganz zitieren könnte – würde es hier nicht den Rahmen sprengen. Aber wie man sieht, ist es für „Linke“ kein Problem, wenn Geschlecht A Geschlecht B kaufen kann wie auf einem Sklavenmarkt – kein Wunder, wenn man sich eher darauf konzentriert, noch ein Dutzend andere Geschlechter zu erfinden.

Seltsam leise hingegen der Protest gegen Verschärfungen im sozialen Bereich – selbst wenn die dazu führen, dass „Ausländer“ schneller abgeschoben werden (siehe Taz). Nun – mit den echten Mächten und Gewalten dieses Landes legt man sich nicht gerne an. Dafür hat man andere Spielwiesen – wie die Amadeu-Antonio-Stiftung. Die haben jetzt einen äußerst bequemen Feind ausgemacht: „Hate Speech“. Dafür gab es mal wieder Geld vom Staat – und ein Vorwort von Heiko Maas (SPD). Gemeint ist die Amadeu-Antonio-Stiftung, die eine neue Broschüre herausgebracht hat (siehe Amadeu-Antonio-Stiftung).

Ja – „ungehobeltes Benehmen“ reicht nicht mehr aus, um die Zustände der Verrohung der deutschen Mittelschicht zu beschreiben, wir brauchen einen erstaunlich inhaltsleeren Kampfbegriff aus den USA, mit dem man nachher wild um sich schmeißen kann – je inhaltsleerer der Begriff, um so mehr Opfer kann er haben. Mit ihm kann man schön einen kleinen Seitenhieb auf „das Netz“ ausüben (kommt aber nicht auf die Idee, Straßen zu verbieten, weil dort auch Idioten unterwegs sind) und eine Broschüre füllen (siehe PDF):

„Hate Speech konkret zu definieren oder zu katalogisieren, ist kaum möglich, denn was Hate Speech ist, ist immer vom Kontext abhängig.“

Womit man die Arbeit an der Broschüre hätte einstellen können – wenn es nicht Staatsgeld dafür gegeben hätte. Ich hatte mich sehr gefreut auf diese Broschüre, doch … die größte Gruppe von Menschen, die Hassreden über sich ergehen lassen müssen, kommt darin nur in einem kleinen Nebensatz vor, nirgendwo liest man von den „Parasiten“ und „Schmarotzern“, vom „sozialverträglichen Frühableben“ … oder von den versuchten Hinrichtungen durch Streichung des Lebensunterhaltes der Arbeitslosen, auch werden ihre Enteignungen nicht thematisiert: immerhin – von den Geld, dass dieser Krieg gegen die Armen bringt, lebt auch die Stiftung. Deshalb hat man andere Feinde ausgemacht: Männerrechtsbewegungen. Der schlimmste Feind der Menschheit. Schlimmer als Krieg, Wirtschaftszusammenbruch und Verrohung des Mittelstandes. Die Opfer? „Feministische Aktivistinnen“ – einsame, missverstandene Heldinnen der Gesellschaft, die sogar mit „Stalking“ rechnen müssen … während nebenan der Arbeitlose wegen  nachdrücklicher Verweigerung der im Prinzip verbotenen aber de facto existierenden Zwangsarbeit dem Tode durch Kälte und Nahrungsentzug entgegenhungert.

Ach ja – die Interviews zu dieser Broschüre wurden alle von Julia Schramm geführt. Julia Schramm? „Politikerin“ – so wird sie von den Medien genannt. Bekannt geworden ist sie durch ein äußerst peinliches Video (nein, verlinke ich hier nicht, es wirkt so, als ob große Mengen Alkohol oder ähnliches sich sehr negativ auf Aussehen und Sprache ausgewirkt haben), in dem sie versucht zu erklären, warum sie gerne Bomben auf Dresden werfen würde. Ja – ich habe das gerade noch gefunden (siehe Link bei Taz):

„Sauerkraut, Kartoffelbrei – Bomber Harris, Feuer frei!“

Kartoffel? Na: da habe ich doch in der Broschüre was gelesen?

„Entsprechend fallen abwertende Aussagen über Weiße (z.B. »Kartoffel«) nicht unter Hate Speech, da ihnen schlicht die gesellschaftlichen Konsequenzen fehlen.“

Nun – die Konsequenzen fordert die Interviewerin: man solle doch mit Bomben Brei machen aus Deutschen in Dresden. Was nur, wenn professionelle Psychopathen ihrem Aufruf folgen? Noch hat diese Form von Rassismus keine Konsequenzen – aber genau deshalb gibt es ja „hate speech“: um sie einzufordern.

Liebe Linke: „links“ – das war mal Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. „Freiheit“ heißt, dass Menschen sich ihre Geschlechtspartner selbst aussuchen dürfen, ohne als „homophob“ beschimpft zu werden, „Gleichheit“ bedeutet, dass auch „Rechte“ (also: CDU/CSU, FDP, SPD und der deutsche Arbeitgeberverband oder die Kirchen) ein Existenzrecht haben, „Brüderlichkeit“ heißt, dass man niemals aus Mitmenschen mit Bomben Brei machen möchte – mögen Sie nun eine andere Hautfarbe, ein anderes Geschlecht, eine andere Religion oder eine andere politische Meinung haben.

Darum meine Bitte: geht doch einfach nach Hause. Eure Eltern haben sicher ein Zimmer mit Gartenbenutzung für Euch, wo ihr den ganzen Tag neue Geschlechter erfinden könnt. Geht nach Hause, bevor ihr Menschen zerfetzt, die Euch nicht passen, Umerziehungslager für Heterosexuelle errichtet und mit neu erfundenen, inhaltsleeren Kampfbegriffen auf Menschen Jagd  macht, die Euch kritisieren. Geht nach Hause, bevor Euer Wahn eine Größe erreicht, dass er wieder nach einer schwarzen Uniform giert, mit der ihr Euren Hass auf die Welt nach Außen tragen könnt – wie wir schon mal erleben durften.

Und wenn ihr gegen „hate-speech“ etwas unternehmen wollt, kenne ich einen einfachen Weg: hört auf, ihn zu benutzen.

Auch weiße, kinderliebende Männer haben ein Recht auf Existenz: selbst dann, wenn Euch das gewaltig gegen den Strich geht. Denkt einfach an die Worte des Heiko Maas, der die Broschüre bezahlt und ein schönes Vorwort geschrieben hat:

„Angriffe auf die Würde eines Menschen beginnen im Kopf, beginnen mit Worten. Wer in seinen Reden oder Tweets, in Kommentaren oder Blogs andere Menschen attackiert, wer ganze Bevölkerungsgruppen pauschal abwertet, etwa wegen ihrer Herkunft oder Hautfarbe, ihres Glaubens oder ihrer sexueller Identität, der greift ihre Würde und damit auch den Grundkonsens unserer Gesellschaft an.“

 

Wozu Philosophie? Vom Sinn des Lebens.

Wozu Philosophie? Vom Sinn des Lebens.

Donnerstag, 12.12.2013. Eifel. Es gibt Fragen, denen man sich im Leben immer wieder stellen muss – jedenfalls wenn man die Wissenschaft der Philosophie erfolgreich studiert hat. Niemand fragt einen Lehrer, warum er Lehrer werden wollte (Ferien) oder einen Arzt, warum er Arzt werden wollte (Geld), niemand fragt einen Rechtsanwalt (Geld) oder einen Betriebswirt (Geld). Bei Philosophie jedoch – der brotlosesten aller brotlosen Künste – steht man schnell am Pranger … jedenfalls heute, wo die Anhäufung von Geld in endlos großen Massen einziger akzeptierter Lebensinhalt geworden ist, obwohl man Geld noch nicht mal essen kann. Die Antwort ist einfach: besserer Sex. Ich sehe, ich habe jetzt ihre Aufmerksamkeit – und genau diejenige ist es, die automatisch wächst, je mehr Sie sich mit der Kunst des Denkens beschäftigen.

Aufmerksamkeit ist das allerwichtigste Element in unserem Leben, wenn es um Genuss des Lebens geht. Ein grober Klotz braucht Weltreisen, bis sein auf Minimallevel arbeitendes Gehirn auch nur Ansätze von Eindrücken empfängt, notfalls muss er sich mit glühenden Schürhaken peinigen lassen, um überhaupt noch etwas zu empfinden: ich denke hier liegt die Hauptursache des boomenden Sado-Maso-Kultes in Berlin – jedenfalls haben mir Eingeweihte nach dem Umzug der Regierung von diesem Boom erzählt. Mit der Regierung kamen auch die Sado-Maso-Buden, so geht die Rede – und schaue ich mir die Politik so generell an, kann ich eine gewisse Lust an der Qual nicht fortreden.

Ein geschulter Geist jedoch vermag allein im Blumentopf auf seiner eigenen Fensterbank noch völlig unerforschte, wunderbare Welten zu entdecken, deren Erlebnisvielfalt jeden Asientrip in den Schatten stellt. Wie schult man diesen Geist?

Durch Denken, durch den Aufbau immer komplexer werdender Denkstrukturen und umfassender werdenden Denkoperationen. Je größer und umfassender diese Strukturen, je komplexer ihre Muster, umso größer wird auch die Erlebnistiefe in allen Lebensbereichen. Nein – ein grober Klotz kann das nicht beurteilen, dazu muss man den Weg erstmal zu Ende gegangen sein. Ein grober Klotz braucht immer härtere, stärkere Reize, um überhaupt noch zu merken, dass er lebendig ist, schnell werden Sexualität und Gewalt vermischt, schnell verwischen sich die Grenzen von Kinderliebe und Sexualität, von Ernährung und Menschenfleisch; war es anfangs noch ein Softerotikfilm, der Freude machte, mußte später schon die Frau vor laufender Kamera zerstückelt werden, nachdem sie es mit Tieren getrieben hat, damit das sterbende Gehirn des Täters noch am Leben teilnehmen kann.

Dankenswerterweise sind wir Menschen alle von Geburt an Philosophen – erst später wird uns das Denken mit Gewalt abtrainiert, wenn „Schule“ auf lebendige Fragen tote, vorgefertigte Antworten gib, wenn Denken bestraft anstatt befördert wird – es sei denn, es bewegt sich in Bahnen, die der Maximierung von Kapitalrendite dienen. Wer erlebt, wie Kinder auf wundersame Weise überglücklich werden, wenn sie ihre eigenen kleinen Welten kreiren (und sich so auf dem Weg machen, ganz automatisch souveräne Lebenskünstler zu werden), wird erinnert an jene Beobachtungen, die der Wissenschaftler Emanuel Swedenborg über Engel gemacht hat: sie sind in der Lage, um sich herum ein kleines Feld von Eigenrealität aufzubauen, einen kleinen Raum, in dem sie selbst die Naturgesetze bestimmen.

Hier stoßen wir auf eine der zentralen Fragen der Philosophie: die Frage nach der eigenen Herkunft.

Die Kapitalrendite- und Militärwissenschaft (den edlen Titel „Naturwissenschaft“ verdient die aktuell so bezeichnete Zunft schon lange nicht mehr) hat hierzu eigene, vorgefertigte Antworten, die der Verbesserung der Leidenschaft beim Wehrmittelverbrauch (auch „Krieg“ genannt) und der Steigerung der Eigenkapitalrendite dienen sollen: wir existieren gar nicht, sind nur eine Illusion.

Noch vor zweihundert Jahren hätte man über diese Anmaßung noch herzhaft gelacht, weiß man doch, dass das phantasierende Subjekt sich niemals als phantasierendes Objekt beobachten kann – auch wenn es das noch so entschieden behauptet.

Im Zeitalter der groben Klötze jedoch werden solche Überlegungen anstandslos bei festlichem Akte der gesellschaftlichen Lumpenelite vorgestellt, um jede weiteren Regungen des Gewissens auszuschließen.

Wo kommen wir nun wirklich her?

Das ist eine Frage nach einer Wahrheit. In der Kunst des Denkens merkt man schnell, wie begrenzt die Sinne des menschlichen Körpers sind, wie mangelhaft seine Ausstattung – noch nicht mal fliegen kann er. Wir können mit diesem Instrument keine Wahrheiten schaffen – wir haben das ja auch aufgegeben zugunsten beständig verschrobener werdender Theorien, mit denen man Philosophen zu Arbeitstieren (und groben Klötzen) umformen kann. Darum sucht die Philosophie keine Wahrheit, sondern Weisheit, einer Weisheit, zu der sie ein sehr liebevolles Verhältnis hat – und kein vernünftiges, obschon doch Vernunft eines der Werkzeuge ist, derer sie sich gerne bedient.

Weisheit nun hat sich über Jahrtausende hinweg Bahn gebrochen und die Frage beantwortet: ein Jenseits ist es, aus dem wir stammen. Je nach geformter Eigenrealität des denkenden Menschen unterscheiden sich die Bilder des Jenseits, doch das Prinzip bleibt gleich.

Haben wir diese Entscheidung getroffen, ist der Rest ziemlich einfach. Entscheidung? Ja, zu der Erkenntnis von Weisheit gehört die Erkenntnis, dass man sich Wahrheiten aussuchen kann, man kann (und MUSS) sich für sie ENTSCHEIDEN. Das macht im tieferen Sinne die Bedeutung des religiösen Wortes „Glauben“ aus: durch aktive, kräftige, bewusste Entscheidung Wahrheiten schaffen. Das gehört zu den Erkenntnissen, die der philosophische Geist in seiner Jugend in sich trägt – und die „Schule“ mit brutaler Gewalt austreibt, wer sich nicht biegen und brechen läßt, findet gerade mal in der Kunst noch einen akzeptierten Lebensbereich.

Haben wir die Frage geklärt, wo wir herkommen (geklärt in dem Sinne, dass es NUR UNS SELBST klar sein muss und niemand anderem), sind wir uns sicher, den Ursprung unseres Selbst erkannt zu haben, haben wir auch die Frage beantwortet, wo wir hingehen, wenn wir die Zusammensetzung der Materieballungen verändern oder von der Teilchenexistenz wieder auf Wellenexistenz umschalten (auf deutsch: „sterben“): wir gehen nach Hause.

Ist das Leben gut gelungen, bringen wir einen großen Schatz an Erfahrungen mit Heim, eine wertvolle Beute an Eindrücken, Gefühlen, Erkenntnissen, Erfahrungen und Erlebnissen, die uns niemand nehmen kann. Ist das Leben schief gegangen, tragen wir zu diesem Zeitpunkt nur noch das Potential in uns, funktionierendes Rädchen in einem Großraumbüro zu sein. Der Moment, wo wir erkennen, das wir trotz sechs- siebenstelligem Jahresgehalt bitter arm geblieben sind, wird von jenen, die ihn erleben, als sehr grausam beschrieben, andere berichten sogar, dass einem so unterentwickeltem Denkapparat noch nicht mal der Übergang ins Jenseits gelingt und man mit seinem Wesen, seiner Seele im Bereich der Teilchen hängen bleibt und untergeht, weil man nie gelernt hat, in den Wellen der Realitäten zu schwimmen.

Natürlich kann man sich auch entscheiden, ein Materialist zu werden und das Leben als solcher zu verbringen – JEDES Leben ist gut, jede Erfahrung wertvoll, sofern es aus bewusster, konsequent durchdachter Entscheidung besteht. Lebt man es, um dem Priester aus der Klosterschule bis zum Lebensende eins auszuwischen, hat gerade der Priester Macht über mich, den ich doch für immer aus meinen Anschauungen verbannen sollte … wenn ich weise wäre.

Hier stoßen wir direkt zum Nutzen der Philosophie: das geschulte Denken hilft uns sehr, jene Momente zu erkennen, wo andere Menschen Macht über uns ausüben wollen – und es auch tun. Der moderne Mensch liefert sich seinen Machthabern täglich für viele Stunden aus und läßt täglich vielen Stunden Werbung ungefiltert in sein Hirn – dabei geböte es die Weisheit, das Gerät ganz auszuschalten, weil der Schaden, der durch fremde und verfremdete Wirklichkeitsabbildungen in den Werbebildern angerichtet wird, um einiges größer ist, als der Nutzen, der durch Information und Aufklärung gewonnen werden könnte. Nur wenige Menschen sind so gefestigt, dass sie den sublim ausgestalteten Werbebotschaften widerstehen geschweige denn sie erkennen können, es ist ein endloser Spiegel des Mangels, der einem vorgehalten wird – und eine endlose Predigt der Wertlosigkeit der eigenen Existenz, weil man das falsche Automodell fährt und deshalb vor Gott selbst in Ungnade gefallen ist.

Beherrschen Sie die Kunst der Philosophie – die auch die Kunst ist, jederzeit in unsere „Software“ bewusst eingreifen und sie beliebig steuern zu können – haben sie den Gipfelpunkt menschlichen Reichtums erreicht, eine Form der Ruhe, Zufriedenheit und des Glücks, die ihnen niemand mehr nehmen kann. Beherrschen sie sie nicht, werden sie von anderen durchs Leben getrieben – was oft sehr unerquicklich ist.

Natürlich muss man Nebenwirkungen erwähnen, die sich automatisch einstellen, je gewandter der Umgang mit Gedanken wird.

Sie verlieren jede Lust an Gewaltausübung gegen Frauen, Vergewaltigung wird ihnen fremd wie Stacheldraht auf Toastbrot, eine urmännliche Überzeugung, dass Frauen bestraft gehören und dies durch Sexualität zu geschehen hat, erlischt folgenlos – weil sie zu den Botschaften der Außenwelt gehört, die einen steuern sollten. (Einschub: diese Überzeugung habe ich bei vielen – ja, den meisten – Führungskräften der Pharmaindustrie bemerkt, es war ihre Motivation, ins Bordell zu gehen und dort ihre Strafphantasien gegen Bezahlung straffrei ausleben zu können – mit Handlungen, die sie normalerweise direkt ins Gefängnis gebracht hätten). Ebenso verlieren sie die Lust am Konsum – vollständig. Zwar steigert sich die Freude an Dingen ungemein – aber hierzu reicht schon ein besonderer Stein, eine außergewöhnliche Wolkenformation oder ein seltener Duft. Sie brauchen gar nicht erst den Versuch starten, mangels hinreichender Erlebnistiefe immer gröbere Keile in die Welt zu schlagen – sie besitzen diese Erlebnistiefe.

Und bald auch die sichere Überzeugung, das diese Gedankenwelten groß und stabil genug geworden sind, um die Reise sicher fort zu setzen – in andere Welten oder einfach nach Hause. Keine Sorge: das merken sie einfach wie Regen auf der Haut, Sand unter den Füßen oder Wind im Haar: so genau wie diese Erlebnisse wird dann ihr Wissen davon sein, dass sie stabil und sicher jenseits der Materie existieren werden, weil sie kraftvoller als diese geworden sind, den Sprung vom Teichen zur stabilen Welle erfolgreich hinter sich gebracht haben.

Diese Überzeugung muss nicht bewusst geschehen – das Denken kann andere, perfekte Kreise bilden, fast in jeder Zusammensetzung – sie kann sich einfach in einer völligen Ignoranz der eigenen Sterblichkeit manifestieren … immerhin ist sie ein Produkt der Erfahrung und des Erlebens und nicht ein Produkt gedanklicher Akrobatik (wie leider viele neuere esoterische Leben).

Folgen Sie dem Denken der alten Griechen, wird es noch dramatischer: dann haben Sie sich sogar genau dieses Leben, in dem sie jetzt stecken, ausgesucht um genau jene Erfahrung zu machen. Das ist denkbar – aber oft schlecht erträglich. Zwar mag man aus einer Laune heraus die Erfahrung professionellen Stumpfsinns machen wollen – doch zeigt sich oft, dass man inmitten der Erfahrung gerne mal den Kurs ändern möchte. Außerdem lehrt uns die Weisheit nach den schrecklichen Erfahrungen des 21. Jahrhunderts, das die bösartigen menschenfressenden Dämonen nicht aus unserem Leben verschwunden sind: anstatt Menschen auf dem Dorfplatz zu verbrennen, organisieren sie ihre Vernichtung mit den Mitteln der industriellen Produktion – oder bauen Bomben, die gleich mit einem Schlag ganze Großstädte ausradieren … das erspart einem den mühevollen Prozess der Selektion. Diese Erfahrungen zeigen, dass wir gut beraten sind, nicht jede Form von Erfahrung heilig zu sprechen, wir wären sonst kaum in der Lage, unserem Gewissen gemäß zu handeln.

Man kann diese Aspekte im Übrigen gut mit Prostituierten besprechen – auch wenn man für ihre „Dienstleistung“ keinerlei Bedarf mehr ins ich spürt, weil man orgiastische Zustände nach Belieben durch Veränderung der Software hervorrufen kann. Sie sind es gewöhnt, Körper und Geist zu trennen (auch wenn sie dafür bezahlt werden, so zu tun, als täten sie es nicht) – sie könnten ihren Job nicht lange durchhalten, täten sie das nicht. Gleiches gilt im Übrigen auch für Ärzte und Manager – soweit ich das beobachten konnte, schaue ich mir die aktuelle Politik an, so sehe ich auch Anzeichen dafür, dass Politiker ebenfalls ihre Seele schlafen schicken, um im Sinne der Maximierung von Kapitalrendite folgerichtig entscheiden zu können.

Eine weitere Nebenwirkung ist eine ausgesprochene Menschenliebe, die weit jenseits jeglicher Sexualität steht. Damit muss man erstmal klar kommen: Menschen ohne Nutzen einfach zu mögen.

Die bloße Masse der Gedanken erreicht irgendwann einen kritischen Punkt, ab dem man neue Qualitäten bemerken kann – die Vorstellung, das eine Existenz, die nur einen einzigen Zeitzustand erleben kann („jetzt“ – alles andere ist künstliche Interpretation und wilde Theorie … so schön man einen Zeitstrahl auch graphisch darstellen kann), irgendwann aus diesem Zustand herausfallen soll, weil die nieder schwingende organische Struktur umorganisiert wird, hat schon etwas außerordentlich Absurdes an sich. Kein Wunder, dass solche Menschen sich auch vorstellen können, in einem Nährlösungstank zu liegen und sich den Rest der Welt nur zu träumen.

Leider merkt man auch, wie das Leben sein könnte, wenn die Kunst der Philosophie gefördert würde – wir hätten eine Vielzahl unendlich reicher Menschen, die sehr angenehme Zeitgenossen sein können (auch wenn die Lust an groben Vergnügungsersatzstoffen wie Alkohol, Nikotin und Karneval schnell vergeht), die ihre natürliche Umwelt hegen und pflegen – anstatt Tresore hinter Stahl, Glas und Beton die leb- und lieblose Geldhaufen vor den Augen der Welt verbergen.

Eine gewisse Trauer ob der realen Entwicklung der Welt wird sich nicht verhindern lassen, eine gewisse Veranlagung, eine boshafte Intelligenz hinter der unnatürlichen Entwicklung der doch so reizvoll angelegten Menschheit zu vermuten, kann ebenfalls auftreten, gleichfalls eine konsistente Neigung, liebgewonnene Wahrheiten der selbstverliebten politischen Elite regelmäßig in Frage zu stellen – erst Recht, wenn diese Wahrheiten dazu geeignet sind, das natürliche Lebensglück zu verdunkeln.

Wie man den Weg geht?

Falls man Fragen hat: einfach Kindern zuschauen. Die sind noch nahe dran an „drüben“, aber nicht so gezeichnet vom Leben sie. Stellen Sie Fragen – und vor allem: trauen Sie sich zu, die Antworten selbst zu finden.

Wenn Sie es gerne religiös haben wollen – bitte schön: Christus sprach in Gleichnissen, die so komplex aber auch ansprechend waren, dass Denker seit zweitausend Jahren nach ihrem Sinn suchen … Gott will Denker, keine Schafe, auch wenn er seinen Sohn als Lamm geopfert hat, um diese Botschaft unter die Menschheit zu bringen, als sich der Geist des dunklen Imperiums über die Menschheit ausbreteite … so, wie er es auch heute wieder tut, diemal mit der ganzen Welt im Blick.

Das Internet verlangt nun Kürze, weshalb ich die Ausführungen hier schließen muss – in der Hoffnung, wenigstens grob umrissen zu haben, dass die Kunst des Denkens mehr Gewinn bringt, als alles Geld der Welt zu vermitteln mag.

Kürzer könnte ich nur mit Schopenhauer reden: Philosophie bringt nichts, erspart einem aber Vieles. Das allein – wäre auch schon sehr viel wert.

Andererseits kann sie jeden Tag in Weihnachten verwandeln, wo unter golden glitzernden Lichtern im grünen Lebensmeer erfreuhliche Wunder auf einen warten … jeden Tag ein wenig mehr.

Und nun – viel Spaß beim Denken und der Beantwortung jener Fragen, die uns Menschen ausmachen: vom komme ich her? Wo gehe ich hin? Was will ich hier?

Vielleicht fangen Sie einfach mit der Arbeit an der Frage an, warum wir eigentlich alle einen Strahl als Darstellung von „Zeit“ kritiklos aktzeptieren, obwohl jeder bis heute lebende Mensch die Dimension „Zeit“ (sofern es überhaut eine ist) nur als Punkt erlebt: als ewig sich veränderndes JETZT. Aber Vorsicht: die Antworten auf diese Fragen werden politisch schnell hoch brisant … ein endloses Jetzt hat nämlich kein Ende, mit dem man ihm drohen kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

Prostitution verbieten? Ist alternativlos.

Prostitution verbieten? Ist alternativlos.

Dienstag, 19.11.2013. Eifel. Kürzlich erfuhr ich, dass die Wohungen aller Männer gleich aussehen.  Meine nicht – ich war verwundert. War ich etwa kein Mann? Nun – mit sieben Kindern scheine ich einen gewissen männlichen Aspekt zu besitzen. 30 Jahre durchgehend in Beziehungen zu sein, spricht wohl auch dafür. Nun – ich sei halt Philosoph wurde mir entgegnet, das würde man eben merken. Gut – mit solchen Komplimenten kann man meine ausgeprägte Staubtoleranz geschickt überspielen, ebenso meinen langsam gewachsenen Hang, eine Gruppe Weberspinnen den Aufenthalt in der Wohnung zu gestatten – sie halten die Insektenpopulation klein … auf dem Land ein wichtiges Argument. Ich schicke diese Worte meinen Überlegungen voraus, weil ich versprochen hatte, mich einem Thema zu widmen, dass mir äußerst fremd ist: der Prostitution. Dabei hatte ich schon mal Kontakt zu einer Prostituierten. Während des Zivildienstes (damals noch nur nach bestandener Gewissensprüfung möglich) war ich Wachpersonal in einem Männerwohnheim, wo ich gelegentlich käufliche Frauen aus Schränken holen musste – ich hatte ein robustes Mandat, wie man so schön sagt. Mit einer habe ich mich mal länger unterhalten – und sie dann ohne Anzeige gehen lassen, trotz Beischlafdiebstahl. Da war so viel Notlage, so wenig Sexarbeiterinnenprofessionalität – da musste man ein Auge zudrücken: das junge Mädchen wollte eigentlich nur das Geld und konnte auf den Sex mit den beiden übel riechenden Herren gut verzichten.

Ansonsten reichten mir vertrauenswürdige Schilderungen über die Qualität der „Erotik“, die einen dort erwartet, um den Bereich weiträumig zu meiden – sogar als Ärzte mir anboten, 100 teuerste Packungen eines beworbenen Medikamentes zu verordnen, wenn man mich auf einer Reeperbahnbühne sehen würde. Ich glaube – das war dann meine zweite Begegnung mit Prostitution – die eher alltägliche Form käuflichen Verhaltens. Nein – ich habe das Angebot eher unfreundlich abgelehnt … konnte es mir auch leisten, hatte sowieso schon den meisten Umsatz in Deutschland. Was dieser Arzt sonst noch so treibt – mit Menschen, die weniger gut im Sattel sitzen – will ich gar nicht genau wissen.

Nun habe ich über das Bordell Deutschland geschrieben. Prostitution wird Industrie. Wie immer, wenn Industrie im Spiel ist – Nahrungsmittelindustrie, Pflegeindustrie, Bildungsindustrie, Behandlungsindustrie – wird es dort schnell unmenschlich, gefühllos und entartet … da macht die Sexindustrie keine Ausnahme.

Natürlich bin auch ich in den neunziger Jahren auf den Legalisierungstripp hereingefallen: das Fernsehen war auf einmal voller glücklicher Prostituierter, die mit unglaublichen Zahlen um sich schmissen (2000 – 3000 Euro die Nacht) und man fragte sich: wenn diese Frauen das gerne machen: warum eigentlich nicht? Ist es nicht so, dass „Ehe“ im Prinzip ein ähnlicher Tausch – Sex gegen lebenslängliche Rundumversorgung – ist? Nun – heute vielleicht. Als bekennender Sozialromantiker hatte ich andere Vorstellungen von Beziehung und Ehe – aber was soll´s: bin ja auch geschieden … und das Geld spielte trotz Spitzeneinkommen dabei eine wichtige Rolle – es war halt immer zu wenig.

Im Prinzip ginge mich das Thema also nichts an – wenn nicht die Legalisierung dieses Berufes Nebenwirkungen hätte wie alle anderen Industrien auch: wo die Nachfrage nicht künstlich gebremst wird, wird ein Druck (oder Sog) erzeugt, der kriminelle Machenschaften blühen lässt. Diese Prosititution findet halt nicht nüchtern im luftleeren Raum statt: „Sex sells“ gilt überall – und von jungen Männern, die aus anderen Kulturen zum Studium zu uns kommen, habe ich schon den Kommentar vernommen, dass sie deutsche Frauen alle für Prostituierte halten. Man gehe mal offenen Auges durch eine Großstadt. Was einen dort alles paarungsbereit auf großen Plakatwänden, Auslagen, Fernsehmagazinen und Hochglanzbroschüren anstrahlt, ist schon überwältigend: Kopulation als Lebenssinn, als Erfüllung allen Seins.

Die Nachfrage – so halten wir fest – wird in großem Umfang mit viel Aufwand produziert. Das Männer da überhaupt noch zum arbeiten kommen, scheint unmöglich. Oder die Theorie ihres übergroßen Triebes ist einfach … falsch.

Im Rahmen der Industrialisierung von Sexarbeit kehrt sich ein ehedem vielleicht freiwilliges Arbeitsverhältnis um. Zahle ich 175 Euro die Nacht für ein Zimmer (5250 Euro im Monat), dann muss ich das erwirtschaften. Da muss man als Frau schon eine halbe Hundertschaft über sich ergehen lassen – und hat noch keinen Euro Gewinn. Andererseits …. ist die Verlockung natürlich groß, diese Zimmer – wenn erst mal vorhanden – mit hilflosen Menschen aus aller Welt zu füllen. Ist erstmal ein Kostendruck da, fallen schnell alle Hemmungen.

Prostitution verbieten – schon jetzt kann man sagen: na klar. Doch da kam in einer Facebook-Diskussion gleich eine Frage auf:

Und was machen hässliche, alte Männer, die niemand zum Sex will? Sollen die ohne die Möglichkeit des käuflich Sexs vergewaltigen?? Frage n La M.

Tja – wenn Männer wirklich so drauf sind (ich bin es eher nicht, kann das also nicht beurteilen) dann muss man diese unberechenbaren Gestalten als zivile Gesellschaft zum Schutz der Schwächeren (Kinder zum Beispiel) einfach einsperren: man weiß ja nie, wie die gerade drauf sind. Eventuell brauchen die auch zwecks Ausgang eine Begattungsbescheinigung, die belegt, dass von ihnen die  nächsten 8 Stunden keine Gefahr ausgeht?

Gerne hätte ich auch eine Gegenfrage. Was ist den mit den ganzen hässlichen alten Schwulen, die keinen Mann abkriegen? Sollten da nicht alle Männer mal mithelfen, dass die nicht so unbegattet in der Landschaft herumstehen? Ich kenne alternde Schwule – die haben echte Not, weil sie aus dem Attraktivitätsrahmen ihrer Spielkameraden herausgefallen sind. Gedenke ich der ausgeprägten Homophobie des deutschen Mannes, kommen mir gleich unzählige ulkige Situationen in den Sinn – doch lassen wir das, wir sind nicht zum Spaß hier.

Ein weiteres Zitat?

Ohne spießige, langweilige, unerotische Ehen kein Prostitutionsbedarf..frag die Nutten..die wissen´s!

Ja – das ist der Anspruch, der sich inzwischen in Deutschland erhebt: gebärden sich die Frauen nicht wie Nutten, sind sie selbst Schuld, wenn ihre Männer ins Bordell gehen. Nutten als Normstandard.

Was diese Aussagen gemein haben: das absolute Recht des Mannes auf Sex – und die nicht hinterfragbare Pflicht der Frau, diesen zu liefern, gern auch ganz unkompliziert und gegen Geld. Da blickt man auch über die Zwangsprostituion gerne hinweg.

Man darf sich gerne mal das Buch von Mandy Koop anschauen, wie glücklich Kinder durch Zwangsprostitution werden. Die können ihr Leben lang kaum eine normale Beziehung mehr führen. Wieviel Geld ist so eine zerstörte Seele wert? Auch stolze, selbstbewußte, freie Prostituierte berichten über solche Probleme (siehe: Mein Job ist Sex, ZDF-Produktion aus dem Jahre 2012).

Und was ist mit dem Heroenbild der freien, selbstbestimmten Sexarbeiterin? Nun – eine Erfindung der Medien. Hören wir dazu die Stimme der Wissenschaft, zitiert bei Cicero im Jahre 2013, die sich dieses Themas umfangreich angenommen haben:

Ähnlich dünn sieht es bei der Medienforschung aus. „Unzureichend“, befand Tina Knaut, die für ihre Diplomarbeit zur Berichterstattung über Sexualität 87 wissenschaftliche Werke zwischen 1985 und 2010 durchforstete. Ihre Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass die Verharmlosung der Prostitution schon in den 90er Jahren einsetzte.

Knaut kommt am Ende ihrer Arbeit zu der ernüchternden Erkenntnis: „Es überwiegt eine patriarchale Sichtweise, die Sex lediglich als risikofreien Spaß versteht. Eine ernsthafte Berichterstattung mit einer politischen Komponente findet kaum statt.“

2007 berichtete der Spiegel über die Erfahrungen, die man in Schweden mit dem Thema gemacht hat:

Jetzt ist auch die Krankenschwester im Prinzip für das Sex-Kaufverbot. Für sie gehört Prostitution abgeschafft. „Es stimmt: Glückliche Huren gibt es nicht. Die meisten, die ich im Laufe der Jahre hier kennengelernt habe, wurden schon in ihrer Jugend durch Verwandte sexuell missbraucht und haben große psychische Probleme“, sagt sie. „Da ist wenig Freiwilligkeit.“ Wer länger dabei ist, nehme Drogen oder Beruhigungsmittel. „Das ist kein normaler Beruf. Ich wünsche allen, dass sie da wieder rauskommen.“

Nun – nach dem letzten Artikel haben sich hier auch Eskortdamen gemeldet, die uns (oder mich) davon überzeugen wollten, dass das doch alles gar nicht so schlimm sein. Liebe Damen: ich zweifle nicht an der Tatsache, dass es Frauen gibt, die sich gerne verkaufen. Es gibt auch Frauen, die sich gerne schlagen lassen, sich gerne mit Urin übergießen lassen (man nennt dies vornehm „Natursekt“, gehört in einem Nachtclub zu den handelsüblichen Dienstleistungen, die man als Frau gelegentlich – neben anderen, ebenso unappetitlichen Verrichtungen – gegen Geld über sich ergehen lassen muss). Es gibt auch Männer, die lassen sich gerne aufessen. Andere bringen gerne Leute um, wälzen sich in Kot oder foltern kleine Kinder – all´ solche Gestalten tauchen vor meinem inneren Auge auf, wenn ich an „Einzelfälle“ denke. Die Aufgabe der Philosophie ist aber nicht die Frage, ob Menschen seltsame Hobbys haben dürfen, sondern ob man das als gesellschaftlichen Normzustand akzeptieren sollte … oder eben nicht.

Was für mich hier eher zählt als der Einzelfall sind die Studien – vor allem die über die seelischen Folgen, siehe Wikipedia:

Prostituierte und Stricher sind nach einer kanadischen Studie eine Hochrisikogruppe für psychische Störungen. Häufig findet man bei ihnen erhebliche Störungen. Viele Prostituierte leiden an psychischen Traumata, die in ihrer Vergangenheit und durch ihre Tätigkeit bedingt sind. In der Studie kam sexueller Missbrauch von Kindern bei 26–73 % vor. An körperlicher Kindesmisshandlung litt etwa die Hälfte der untersuchten Prostituierten. Auch sonstige potentiell Trauma auslösende Situationen sind häufiger bei Prostituierten zu finden als bei anderen Menschen.

In Hamburg wurde bei 98 % der untersuchten Prostituierten mindestens ein traumatisches Ereignis in der Vergangenheit festgestellt. Bei 83 % fand sich bereits ein Trauma in der Kindheit (familiäre Gewalt 70 %, körperliche Misshandlung 65 %, sexueller Missbrauch 48 %). Während der Prostitution erfahrene Traumata fanden sich ebenfalls bei 83 % (körperlicher Angriff 61 %, Vergewaltigung 61 %, Bedrohung mit einer Waffe 52 %). 53 % erreichten einen Krankheitswert im Sinne einer posttraumatischen Belastungsstörung. Missbrauch und Abhängigkeit von illegalen Drogen fanden sich bei 74 %. Internationale Vergleichsstudien ergaben ähnliche Befunde.

Prostitution macht krank – oder: nur Kranke lassen sich für Natursektduschen bezahlen.

Das geht übrigens noch weiter. Aus der Pornofilmindustrie weiß ich, dass die Verwertbarkeit der Damen im Alter nachlässt. Wo landen sie dann? Bei Sex mit Tieren. Ja – es gibt einen nie ausgesprochenen aber unter Männern ewig gültigen Satz, dass Frauen eben so sind: kriegen die keinen Kerl mehr ab, nehmen die auch einen Esel. Hat man ja oft genug im Film gesehen.

Nun werden wahrscheinlich 40 Millionen Freier und 400 000 Dienerinnen des Eros vor meiner Tür demonstrieren, um mich davon zu überzeugen, dass mein Urteil zu diesem Thema falsch ist. Es gibt vielleicht auch die eine, glückliche Prostituierte. Viele davon traten ja im Fernsehen auf – aber welchen Wert haben Aussagen, die gewünscht sind und gegen Bezahlung gemacht werden? Wie ernst darf ich die Aussagen von Frauen nehmen, die sich sogar für Sex bezahlen lassen?

Nun – eher interessiert mich, welche Absicht die Medien mit ihrer Dauerkampagne haben – das ist die viel brisantere Frage, der wir heute aber nicht nachgehen wollen. Ein Ergebnis ist klar: Deutschland ist Billig-Bordell geworden, aus den Traumhonoraren von 3000 Euro sind – für den edlen Escortservice – 300 Euro geworden … für die Firma, die diese Dientsleistung organisiert. Für die Dame vor Ort bleibt weniger übrig (Angaben eines Escortservices in Aachen).

Heute geht es nur im Prostitution – und die gehört leider wegen Risiken und Nebenwirkungen strikt verboten. Ich weiß – das ist schade, weil käuflicher Sex für viele das Höchste der Genüsse ist. Es geht aber nicht anders.

Ich weiß auch, dass es Menschen gibt, die das gerne machen. Andere ritzen sich gerne mit spitzen Dingen – und wir halten sie auch davon ab.

Die offensten und bekennensten Sexarbeiterinnen haben mich davon überzeugt. Warum? Quer durch alle Interviews wollen sie gewisse Intimitäten für sich behalten: der Kuss auf den Mund wird oft genannt. Wieso eigentlich? Wenn das alles so harmlos ist … warum ist das so wichtig?

Ganz einfach: weil es eben nicht harmlos ist. Es wird nur mit großem Aufwand als harmlos dargestellt.

Das man Menschen findet, die für Geld vor laufender Kamera von ihrem großen Glück als Hure reden, bezweifle ich nicht. Das manche das auch ernst meinem, ebenfalls nicht – immerhin weiß ich, dass ich in einem Land lebe, in dem Angela Merkel als Superstar gilt – das erklärt vieles. Das Urteil über Prostution ändert das nicht: sie gehört streng verboten – und die Freier zu bestrafen, scheint mir die eleganteste Lösung zu sein. Sie zu verbieten, dürfte auch im Interesse der Prostituierten liegen: ihre Freigabe hat nur die Preise versaut.

Und man komme mir jetzt nicht mit dem Satz, dass es Prostitution schon immer und ewig gab. Erstmal gilt das auch für Sklaverei – obwohl es Menschen gibt, die sich gerne versklaven lassen, verbieten wir sie … jedenfalls offiziell.

Und Indiander kannten sie so gut wir gar nicht – bis Kolumbus kam.

 

 

 

Deutschland – das Billigbordell der Welt. Oder Kriegsziel?

Montag, 28.10.2013. Eifel. Vor zwanzig Jahren habe ich das erste Mal meine Karriere fast selbst beendet. Es gab mal wieder Prämie für Führungskräfte, diesmal etwas ganz Besonderes: zwei Wochen China all inclusive. Was natürlich nicht fehlen durfte, was ein Zwischenstopp in Bangkok. Ich war noch recht neu in der rein männlichen Truppe, hatte aber schon zuvor gehört, wie die Brasilienreise abgelaufen war: Sextourismus vom Feinsten. In einer Gruppe von Führungskräften Bordellbesuche aus ethischen Gründen abzulehnen, war undenkbar: gerade der Mangel an Ethik qualifizierte die meisten der Herren dazu, ihre zumeist schmutzigen Geschäfte zu machen: Pharmaaußendienst war eine Drückerkolonne, wie jeder Verkauf heutzutage. Nun - ich fand einen anderen Grund, der mir ebenso wichtig war wie die Abscheu, für Sex Geld zu bezahlen: wir sollten alle - als "kleines Entgegenkommen" - Urlaub nehmen. Für mich undenkbar - im Urlaub gehört der Papi der Familie, basta. Falls es interessiert, wie es geendet ist: der große Boss verließ empört den Raum, ließ den Herren aber wissen, dass er in zwei Stunden eine einstimmige Entscheidung wolle. Das hat mir gereicht, die Entscheidung bekam er prompt: nachdem ich meine Argumente vorgetragen hatte, wollte keiner mehr mit. Alle bekamen 10 000 DM Prämie, ich bekam nichts - aber das war es mir wert.

Montag, 28.10.2013. Eifel. Vor zwanzig Jahren habe ich das erste Mal meine Karriere fast selbst beendet. Es gab mal wieder Prämie für Führungskräfte, diesmal etwas ganz Besonderes: zwei Wochen China all inclusive. Was natürlich nicht fehlen durfte, was ein Zwischenstopp in Bangkok. Ich war noch recht neu in der rein männlichen Truppe, hatte aber schon zuvor gehört, wie die Brasilienreise abgelaufen war: Sextourismus vom Feinsten. In einer Gruppe von Führungskräften Bordellbesuche aus ethischen Gründen abzulehnen, war undenkbar: gerade der Mangel an Ethik qualifizierte die meisten der Herren dazu, ihre zumeist schmutzigen Geschäfte zu machen: Pharmaaußendienst war eine Drückerkolonne, wie jeder Verkauf heutzutage. Nun – ich fand einen anderen Grund, der mir ebenso wichtig war wie die Abscheu, für Sex Geld zu bezahlen: wir sollten alle – als „kleines Entgegenkommen“ – Urlaub nehmen. Für mich undenkbar – im Urlaub gehört der Papi der Familie, basta. Falls es interessiert, wie es geendet ist: der große Boss verließ empört den Raum, ließ den Herren aber wissen, dass er in zwei Stunden eine einstimmige Entscheidung wolle. Das hat mir gereicht, die Entscheidung bekam er prompt: nachdem ich meine Argumente vorgetragen hatte, wollte keiner mehr mit. Alle bekamen 10 000 DM Prämie, ich bekam nichts – aber das war es mir wert.

Ich hatte mir damals Gedanken über das Thema Prostitution machen müssen. Zuvor – in meinem akademischen Elfenbeinturm – gab es dazu keine Berührungspunkte. Ich nahm einige Informationen über Bangkok und Thailand war, die mich daran gemahnten, dass das eine Form von Kolonialismus war – eine verdeckte Form, aber nicht weniger geeignet, ein Volk seiner Kraft zu berauben.

1,2 Millionen Männer gehen täglich in Deutschland ins Bordell: das sind 438 Millionen im Jahr – bei 40 Millionen Männern, die in diesem Land leben, Zahlen, auf die ich ungläubig schaue.

Sex mit Prostituierten zu haben mag vielleicht für manche Menschen von Interesse sein, aber wer will schon eine „Hure“,  „Nutte“ oder ein „Samenklo“ (so reden die Herren ja, wenn keine Frau zuhört) als Mutter, Schwester, Ehefrau oder … Tochter? Bei dem Gedanken bekommen sogar Bordellbetreiber Panik, siehe TAZ:

Die Mitte hat einer der Protagonisten längst hinter sich gelassen: Jürgen Rudloff, Bordellbesitzer aus Stuttgart, empfängt das ARD-Team in seinem Haus. Dort sitzen gerade seine vier Kinder am Tisch, die eine Waldorf-Schule und ein englisches Elite-Internat besuchen. Ob eine seiner Töchter einmal den Beruf der Prostituierten ergreifen könnte? „Undenkbar. Das wäre ein Schlag ins Gesicht.“

Eigentlich das Urbild des deutschen Gutmenschen: die Kinder gehen in die Waldorfschule, das Geld dafür stammt aus dunklen Quellen, die man gerne verdrängt.

Schlimm für Thailand, dachte ich mir damals. Auch so kann man ein Land in die Knie zwingen: man vernichtet seine Weiblichkeit, macht sie zur beliebig besteigbaren Ware, bis die traditionellen Sozialstrukturen vernichtet sind. Darum wird neuerdings im Krieg die Massenvergewaltigung als Waffe eingesetzt – und zwar so oft, regelmäßig und systematisch, dass die UN sich genötigt war, eine Resolution dagegen zu verfassen (siehe Süddeutsche).

Natürlich sehen die Freier das anders: sie pflegen den Mythos der glücklichen Hure, die ihrem Beruf gern und mit Leidenschaft nachgeht, die es so gerne macht, dass sie fast auf die Bezahlung verzichtet. Es gibt auch dicke Bücher zu diesem Mythos (siehe Ikonen über das Buch von Tamara Domentat aus dem Jahre 2003).  Da man bei 438 Millionen Bordellbesuchen im Jahr von einer recht großen Zahl von Männern (und von ihnen finanziell abhängigen Frauen) ausgehen kann, die in Deutschland keine Grenzen mehr kennen, wundert es nicht, dass dieser Mythos weitflächig weitererzählt wird.

Die Prostituierte in Deutschland ist auch bald soweit, dass sie auf Bezahlung verzichtet, siehe Spiegel:

„Die Mädchen betreiben Prostitution aus Spaß“, behauptet dagegen ein rumänischer Zuhälter. Das scheint wenig glaubhaft, wenn man Geschichten wie die von Siam kennt. Sie muss 1500 Euro monatlich zahlen – für eine Kammer, in der sie lebt und gleichzeitig Freier empfängt. Hilfsorganisationen berichten, den Prostituierten vom Straßenstrich blieben nur 15 Euro am Tag. Und dann stelle sich die Frage: zur Familie nach Hause schicken oder behalten?

15 Euro am Tag – das sind 450 Euro im Monat. Gut – das ist mehr als Hartz IV. Aber ist es das wert?

Ich gestehe – als Nicht-Bordell-Gänger habe ich das Thema fast völlig aus den Augen verloren – und jetzt gehen mir die Augen über, wenn ich sehe, welche Dimensionen das Geschäft inzwischen erreicht hat. Es geht nicht nur um den Umsatz – der bei den Preisen kaum aussagekräftig ist – sondern auch um die Degeneration, die inzwischen erreicht wurde. Wie auch bei Hartz IV, dem Einsatz der Bundeswehr im Ausland, der Deregulierung der Finanzmärkte (alles Milliardenkosten für uns Bürger) war auch dies ein Produkt von rot-grün, siehe Süddeutsche:

Ziel des Gesetzes von 2002 war es, Prostituierte aus dem Zustand der faktischen Rechtlosigkeit zu holen, aus der Abhängigkeit von kriminellen Banden. Es war ein rot-grünes Reformprojekt, das dieses Vorhaben auch teilweise erreichte. Prostitution sollte nicht mehr sittenwidrig sein, sondern von nun an behandelt (und besteuert) werden wie ein ganz normaler Beruf. Aber das ist es nun einmal nicht, auch wenn die Schöpfer sprachlicher Parallelwelten törichte Begriffe wie „Sexarbeiterinnen“ erfanden. Die Journalistinnen Sonia Kennebeck und Tina Soliman haben die Folgen der Legalisierung untersucht, und ihr Fazit ist verheerend: „Die gute Absicht, Prostituierte per Gesetz zu stärken, hat sich ins Gegenteil verkehrt. Die Frau wird zur Ressource, die so effizient wie möglich genutzt wird. Außerhalb dieses Tauschgeschäftes aber verliert sie jeden Wert.“

In Deutschland gibt es inzwischen Sex für 1,50 Euro – pro Person. Auch ohne Kondom mit Schwangeren.

 Der Geschäftsführer einer Internet-Sexbörse sagt: „Wir sehen uns als Lifestyle-Marktplatz.“ Der Kunde, auch die Kundin, darf das Gebotene mit Sternen bewerten wie ein Leser ein Buch bei Amazon. Es gibt Börsen, wo der Meistbietende Sex mit Jungfrauen, Schwangeren, ohne Kondom ersteigern kann. Wenn die Prostituierte Pech hat, und die Versteigerung mangels Nachfrage mal nicht gut läuft, darf sie eine Nacht mit zwei Kerlen verbringen, die ihr dann drei Euro zahlen. All dies wäre vor 2001 mehr oder weniger illegal gewesen.

Wo soll das noch enden? Und was geschieht eigentlich in den dunklen Bereichen der nicht-öffentlichen Sexindustrie, die ja keine Grenzen kennt, wenn es um das Ausleben von Perversionen geht?

Aber nicht nur die „Qualität“ hat neue Dimensionen erreicht, auch die Quantität ist überraschend, siehe N-TV:

Nirgendwo in Europa ist es heute so einfach, ein Bordell zu betreiben wie hierzulande. Über 3000 Puffs und Sexclubs sind in Deutschland angemeldet. Mittlerweile gibt es sogar organisierten  Sextourismus mit Kunden aus Asien und den USA, die für einen spottbilligen Sechs-Tage-Puffurlaub nach Deutschland reisen. 

Die Folgen der – schon wieder – menschenfeindlichen Politik von rot-grün (wann werden die eigentlich mal für das ganze Desaster weggesperrt?) beunruhigen ganz Europa:

Eine EU-Studie kam 2011 zu dem Ergebnis, dass das deutsche Prostitutionsgesetz den Menschenhandel fördert. Demnach ist der Markt 60 Mal größer als in Schweden. Dort ist Prostitution verboten. Das Gesetz führe hierzulande mit einer steigenden Nachfrage zu einer Vergrößerung des Marktes, und damit steige auch die Nachfrage nach illegal eingeschleusten Prostituierten, so Christian Zahel. „Neun von zehn Huren werden zur Prostitution gezwungen“, sagt der Leiter Organisierte Kriminalität im Landeskriminalamt Niedersachsen. 

Ja – der Menschenhandel. Neben Zwangsarbeit und Bombenkrieg ein weiteres Geschenk von Rotgrün, das Deutschland eine einsame Sonderstellung innerhalb Europas einräumt:

Ein Blick auf unsere europäischen Nachbarn zeigt, dass Deutschland inzwischen allein auf weiter Flur steht. Die Niederlande, das einzige Land, das den deutschen Sonderweg mitgegangen ist und Prostitution ebenfalls vollständig legalisierte, rudert gerade zurück. Die Legalisierung sei „ein nationaler Irrtum“ gewesen, heißt es in Amsterdam. In Frankreich beschloss die Nationalversammlung, den Frauenkauf verbieten zu wollen, nachdem eine parlamentarische Kommission festgestellt hatte: „Wo Prostitution legalisiert wurde, ist der Menschenhandel explodiert.“

In Deutschland kümmert man sich nicht so darum, wie es mit dem Menschenhandel ausgeht. Wieso auch: wir sind das Bordell Europas geworden, zieht man die Freierströme aus USA, Japan und Arabien hinzu, wahrscheinlich sogar das Bordell der Welt.

Traut man der Bundesregierung, so ist dieser „Beruf“ nicht ganz ohne Risiken:

Prostitution ist kein Beruf wie jeder andere. Empirische Befunde zeigen, dass die in diesem Bereich Tätigen erheblichen psychischen und physischen Gefährdungen ausgesetzt sind. Es ist darüber hinaus bekannt, dass viele Prostituierte sich in einer sozialen und psychischen Situation befinden, in der es fraglich ist, ob sie sich wirklich frei und autonom für oder gegen diese Tätigkeit entscheiden können.

Man kann also sagen: die wissen Bescheid. Wie auch der Bordellbetreiber, der es nicht ertragen könnte, wenn seine Tochter diesen tollen Job machen würde.

Gehen wir aber mal fort von der individuellen Ebene, die schwierig wird: der Mythos der glücklichen Hure mag einen realen Kern haben – bei einem Durchschnittsverdienst von 2000 Euro im Monat bei einer Arbeitszeit von 21 Stunden täglich und 40 Freiern am Tag kann ich mir auch kaum vorstellen, dass das so prickelnd ist, wie in den Werbetexten der Industrie versprochen. Es ist auch schwierig, den Büchern zu folgen, die vom großen Glück der selbstbestimmten Sexarbeiterinnen schwärmen, wenn man sich gleichzeitig vergegenwärtigt, dass hier Menschen zu Wort kommen, die für Geld alles machen – also möglicherweise auch Reklame für ihren „Job“.

Leichter ist es vielleicht, wenn man es anders formuliert: das Deutschland das Thailand Europas geworden ist, vielleicht sogar das neue Thailand der Welt – siehe Spiegel:

Mit käuflichem Sex werden in Deutschland Milliarden umgesetzt. Freier schwärmen von Flatrate-Bordellen, Touristen buchen Puff-Touren durch die Republik. Das Geschäft funktioniert nur, weil die Prostituierten oft ausgebeutet werden. SPIEGEL TV hat in „Europas Hurenhaus“ recherchiert.

Deutschland – „Europas Hurenhaus“. Im Ausland warnt man schon die Frauen davor.

In Moldawien versuchen die Behörden jetzt, junge Frauen vor dem vermeintlich besseren Leben in Deutschland zu warnen. Polizisten sind in Dorfschulen unterwegs, um aufzuklären.

Ja – es wird in Schulen aufgeklärt. Es geht nicht immer um die tolle, selbstbestimmte, voll bewusste erwachsene Frau, die kein Problem damit hat, jedem Mann zur Verfügung zu stehen, solange nur das Geld stimmt.

Man sollte auch in Deutschland an Schulen informieren – die „Branche“ ist gut organisiert und arbeitet systematisch … auch mit Kindern. Die Deutsche Welle beschreibt die organisierte Anwerbung von Kindern, bei denen man in der Tat auch eine gewisse „Einstiegseuphorie“ feststellen kann, die man wieder gut für Studien. Bücher und Festreden verwerten kann, um dem Bordell Deutschland die Zukunft zu sichern.

Immerhin: der Staat verdient ganz gut daran – selbst dann, wenn die jungen Damen noch überhaupt keine Einnahmen haben. Eine NDR-Filmdokumentation hat dies nebenbei erwähnt – und darüber hinaus eine sehr ernüchternde Bilanz über Deutschlands „befreite Sexualität“ geliefert, siehe Das Erste:

Selbst auf dem Straßenstrich kontrollieren Außendienstmitarbeiter die Frauen und kassieren manchmal ihr gesamtes Geld als Sicherheit. Da wird auch schon mal die Polizei um Amtshilfe gebeten, wenn es um Frauen ohne festen Wohnort geht, deren Identität erst mal festgestellt werden muss, berichtet Norbert Dahmen vom Finanzamt Köln.

Der Staat als Zuhälter – das gefällt dem Finanzminister, da rollt der Rubel, der Rest ist egal.

Erinnere ich mich an meine Gedanken über Thailand, wird mir mulmig zumute. Deutschland als Sexkolonie der Welt? Sex als ein Mittel zur Vernichtung eines Landes?

Es sind viele Fragen, die sich mir auf einmal aufdrängen. Wer hat diese Entwicklung initiiert, welche Ziele wurden verfolgt, welche Absichten steckten noch dahinter? Alles nur edle und gute Menschen, die der Freiheit und den Menschenrechten dienen wollten, denen die sexuell befreite Frau am Herzen liegt?

Denke ich an Dieter Duhm und sein Werk „Der unerlöste Eros“, so finde ich dort genug Material, das nahelegt, dass Frauen gerne vergewaltigt werden. Ich könnte – bei entsprechender Einschränkung der Zielgruppe – so eine Geschichte erzählen, die Vergewaltigung als großen Gefallen darstellt, den Mann der Frau tut.

Ich denke auch an Menschen, die sich in der jüngeren deutschen Geschichte gerne als Gericht für Kannibalen angepriesen haben und verspeist wurden – auch hier hätte ich die Möglichkeit, ein Buch zu schreiben, das Kannibalismus als den letzten Schrei preist.

Ich bin also gehalten, den Mythos der glücklichen Hure etwas strenger zu beurteilen – obwohl ich anerkennen kann, dass es Frauen gibt, die den Beruf gerne und mit Leidenschaft ausführen. Es gibt auch auch Frauen, die werden gerne vergewaltigt – und Männer, die sich gerne essen lassen.

Eher passt dieser Mythos in das Marketing einer inzwischen gigantischen Industrie, die sich der statistischen Verifizierung entzieht.

Ich denke an Massenvergewaltigung als Waffe – und welche Folgen dies für eine Kultur hat.

Vielleicht Gedanken, die nur für Thailand zulässig sind. Wir leben immerhin in Deutschland, hier passt die Bundesregierung auf, dass keine Arbeitslosen in die Prostitution vermittelt werden – obwohl der Beruf ja eigentlich nicht mehr als „unsittlich“ gilt:

Prostitution ist kein Beruf wie jeder andere und darf rechtlich nicht als zumutbare Option zur Sicherung des Lebensunterhalts gelten.

Entgegen anders lautender Veröffentlichungen vermittelt die Bundesagentur für Arbeit daher keine Stellenangebote in der Prostitution. 

Nun – wir kennen die Einzelfälle, in denen es anders lief.

Das Ministerium stellt andernorts allerdings die nackte Rechtslage kurz und prägnant dar – und das liest sich ganz anders:

An sich kann das Verbot der Vermittlung in sittenwidrige Tätigkeit nach § 36 I SGB III mit Inkrafttreten des ProstG für Tätigkeiten in der Prostitution nicht mehr zur Anwendung kommen, mit der Konsequenz, dass die Arbeitsvermittlung in Beschäftigungsverhältnisse in der Prostitution nicht mehr abgelehnt werden kann. Dementsprechend könnten Prostituierte und Stellenanbieter die Vermittlungsdienste der Agenturen für Arbeit bezüglich eines derartigen Beschäftigungsverhältnisses in Anspruch nehmen.

Auch wenn die Praxis bislang anders aussieht – nur ein wenig mehr wirtschaftlicher Druck, gepaart mit ein wenig Propaganda der Medien und schon kann sich das Bordell Deutschland ganz andere Nachschubquellen erschließen – ganz legal.

Nun – den aktuellen Zahlen entnehme ich, dass ich wohl der letzte Mann in Deutschland bin, der auf diese Dienstleistungen freiwillig verzichtet, bin also wenig geeignet, über diese Geschäfte zu urteilen.

Die Möglichkeit – oder die Tatsache – dass Deutschland Sexkolonie der Welt wird – oder schon geworden ist – gibt mir aber trotzdem sehr zu denken … erst recht, wenn die Verwertungsmaschinerie anfängt, sich mit Volldampf durch die Gesellschaft zu fräsen, massiv unterstützt von staatlicher Gewalt und 40 Millionen Kunden.

Mir kommt eine Filmkritik vom Spiegel in den Sinn, die ich vor Monaten las (und gerade nicht wiederfinde), es ging um die Verwertung von C-Promis in Afrika und den kühlen Kommentar, dass man dort die Prostitiuierten von Morgen sehen kann.

Da gibt es – so kommt es mir vor – schon längst ein Rekrutierungssystem. Ganz offiziell. Man redet nur nicht drüber, weil Mann davon enorm profitiert. Sex für 1,50 Euro … so billig gibt es das weltweit nicht, sogar in Afrika ist es teurer. Und alle verdienen super daran.

Denke ich dann daran, dass ich 10 000 DM dadurch verloren hatte, mir die Erfahrung „Sex in Bangkok“ zu ersparen, dann merke ich langsam, dass ich wohl in einer verkehrten Welt lebe. Ich fühle mich aber immer besser dabei, dass ich hier nicht hineinpasse.


 

Arbeitslose Frauen? Ins Bordell – per Gesetz. Das Vierte Reich als Korruptionskultur.

Wenn die ARGE - Pardon, das Jobcenter - ihre Tochter, ihre Enkelin oder Ihre Ehefrau zum Anschaffen ins Bordell schickt ... glauben Sie dann, das in diesem Land etwas nicht stimmt? Sie meinen, das ginge nicht? Oh, tut mir leid - da irren Sie. Das geht in diesem Land. Prinzipiell kennen wir keine Untergrenze bei der Zumutbarkeit von Beschäftigung, nur die Tragweite dieses Gesetzes ist noch nicht allen bewußt. Marcel Raschke, Leiter des Jobcenters Aachen, macht so etwas - und scheint das gut zu finden. Interessant, das die englischsprachige Presse das erstmal ausgeschlachtet hat: die sind halt sensibler, was das Dritte Reich angeht.

Wenn die ARGE – Pardon, das Jobcenter – ihre Tochter, ihre Enkelin oder Ihre Ehefrau zum Anschaffen ins Bordell schickt … glauben Sie dann, das in diesem Land etwas nicht stimmt? Sie meinen, das ginge nicht? Oh, tut mir leid – da irren Sie. Das geht in diesem Land. Prinzipiell kennen wir keine Untergrenze bei der Zumutbarkeit von Beschäftigung, nur die Tragweite dieses Gesetzes ist noch nicht allen bewußt. Marcel Raschke, Leiter des Jobcenters Aachen, macht so etwas – und scheint das gut zu finden. Interessant, das die englischsprachige Presse das erstmal ausgeschlachtet hat: die sind halt sensibler, was das Dritte Reich angeht.

Nun wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Obwohl Prostitution inzwischen ein achtbarer Beruf ist, gilt per richterlichen Beschluss, das man Frauen eigentlich nicht dorthin vermitteln sollte. Aber was sagt uns das in erster Linie? Das der Gesetzgeber sich nicht scheut, so etwas erstmal möglich zu machen. Es zeigt, von welcher moralisch verwahrlosten und verkommenen Art die Menschen sind, die dieses Gesetz erdacht und verwirklicht haben: steuerfinanzierte Bordellgänger und machtmissbrauchende Zuhälter. In Griechenland wird so etwas jetzt wenigstens öffentlich angespuckt, in Deutschland jedoch versuchen wir noch zu verstehen, was eigentlich gerade aus unserer guten alten Bonner Republik gemacht wird.

Eigentlich (ein Wort, das man eigentlich gar nicht gebrauchen soll) sollte ich über diesen Vorfall gar nicht schreiben. Er macht Angst – zumindest all jenen Frauen, die in die Abhängigkeit der Männer des Jobcenters rutschen können. Angst zu bekommen ist aber manchmal wichtig. Gehe ich in der Nacht durch den Wald und der Löwe brüllt, dann macht es viel Sinn,  in einen handlungsbereiten, aktiven Zustand der gesteigerten Aufmerksamkeit versetzt zu werden. Das eigene Leben könnte davon abhängen. Ich weiß, wovon ich spreche: ich habe so etwas persönlich erleben dürfen.

Nun bekommen wir ja gerade eine Beruhigungspille nach der anderen verabreicht – nur leider sind diese Pillen nur Plazebos. Das Märchen von der gesunkenen Arbeitslosigkeit in Deutschland ist genauso falsch wie das Märchen von der Eurokrise, doch sie tun kurzfristig ihre Wirkung. Das Märchen von der sinkenden Arbeitslosigkeit gibt der verharzten Frau die Hoffnung, das sie nicht ins Bordell muss, das Märchen von der Eurokrise erlaubt den Asozialen, 25 % Zinsen von Griechenland  zu kassieren. Ja – wie glauben Sie haben wir sonst in der Krise finanzielle Zuwächse für Kapitalanleger erzeugt? Wir plündern mit Lügen nicht nur die Arbeitskraft des eigenen Volkes aus, sondern auch die Nachbarvölker.

Wir sind schlicht und einfach KRIMINELL geworden. Das ist der Unterschied zwischen der Bonner Republik und dem Vierten Reich, das sich aus der Asche von BRD und DDR erhoben hat. Wir wohnen in einem ganz neuen Land in dem ein ganz anderer Wind weht. Kriminelle Banden haben im Zuge der Wiedervereinigung die Schaltzentralen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft erobert – es ist fast wie in einem Krimi. Nur ist dieser Krimi nicht nach 90 Minuten zu Ende und hat auch kein Happy End. Wolfgang Hetzer, Leiter der europäischen Korruptionsbekämpfung, beschreibt dieses System in der Welt wie folgt:

Die Finanzwelt folgt der Logik der Mafia, nämlich der Orientierung am höchstmöglichen Gewinn bei minimiertem Risiko. Dazu werden alle Mittel eingesetzt, die Wirksamkeit versprechen, etwa in Kontakten mit Wirtschaft, Verwaltung und Politik. Die Vorstellung, dass die wirklich gefährliche Mafia sich durch Gewaltbereitschaft auszeichnet, ist naiv. Ihre große Gefahr ist ihr Einfluss, ihre Macht, indem sie Verbindungen aufbaut, korrumpiert, wirtschaftliche Gesetzmäßigkeiten zum eigenen, ungehemmten Vorteil umfunktioniert oder außer Kraft setzt. Das ist die Logik der Mafia.

Und wer denkt wie die Mafie, handelt wie die Mafia und aussieht wie die Mafia, der … ist halt auch eine kriminelle Vereinigung. Wolfgang Hetzer formuliert die Folgen deutlich:

Der Souverän nimmt die Dinge jetzt selbst in die Hand. Man glaubt den Politikern kaum noch. Die Menschen erkennen eine kleptokratische Kultur unter den Eliten.

Ausser natürlich in Deutschland, dem Heimatland der industriellen Massenvernichtung. Unsere Eltern und Großeltern haben den Horror noch live miterlebt – auf der Straße, nicht im Fernsehen. Hetzer zitiert auch bekannte Größen aus der Bonner Politik:

Norbert Blüm sagt, der Staat sei zum Schmierensteher von Zockern geworden. Jetzt muss der Zuhälter für das Treiben der Zocker einstehen. Er ist der Bürge der Milliardenverluste. Er bekommt die Rechnungen präsentiert. Und deutsche und französische Banken fürchten nichts mehr als den Staatsbankrott der Griechen, weil sie nämlich dann das viele Geld abschreiben und schwerste Verluste hinnehmen müssten. Also wird das noch vorhandene deutsche Steueraufkommen dafür eingesetzt, Leute rauszuhauen, die für die Lage, in der sie stecken, selbst verantwortlich sind.

Man sieht: erst verdienen die Gangster – Pardon, Bankster – an den Gerüchten über die Krise, dann verdienen sie an der Rettung des Landes, das sie in die Krise geredet haben. Hilfestellung leistet dabei ein langjährig gewachsenes Netzwerk von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, das dafür sorgt, das Promis jeder Art ihren Teil vom Kuchen abbekommen. 400 000 deutsche Millionäre fallen halt nicht einfach so vom Himmel, die wenigsten sind vom Typus des intelligenten tüchtigen Erfinders, der am Markt Glück gehabt hat. Die meisten bekommen einfach Riesenhonorare, können sich gegen den Reichtum gar nicht wehren, den sie aus eigener Kraft nie erwirtschaftet hätten.

In diesem Millieu darf es nicht verwundern, das mittlerweile Immobilienmakler Killer anheuern, um widerspenstigen Juristen einen Denkzettel zu verpassen, siehe Sachsensumpf. Das sind Dinge, mit denen man in Deutschland 2011 rechnen muss.

Das einzige, was uns noch zum Vierten Reich fehlt, ist jenes Ereignis, das die Lumpenelite braucht, um ihre Beute sicher ins Ausland schaffen zu können: wir brauchen einen Krieg.

Undenkbar?

Nach 66 Jahren Frieden in Europa ist ein neuer Krieg nicht vorstellbar? Das dachte man nach vierzig Jahren Frieden kurz vor dem Ersten Weltkrieg auch. War absolut unvorstellbar, das sie in dem kultivierten, zivilisierten reichen Europa nochmal ein Krieg etablieren konnte, niemand, der klaren Verstandes ist, hätte davon einen Nutzen haben können.

Trotzdem ist es passiert, es war der scheußlichste Krieg, den die Menschheit bis dahin erlebt hatte.

Wir sind aber schon in einem Krieg. Schon jetzt. 10000 Tote im Großraum Tripolis sprechen für sich, die Berliner Umschau benutzt das Wort Libyenkrieg ganz ungeniert. Ob das jetzt unser Sarajevo wird, das alternativlos zum Weltenbrand führt, kann man im Moment noch nicht sagen. Vielleicht greifen auch amerikanische Drohnen chinesische Hacker an … so ein Szenario wird ja gerade aktuell.

So hält man das Volk bei Laune. Die Frauen dürfen sich dann auf ihren Einsatz bei der „Truppenbetreuung“ freuen, die Männer dürfen an die Front. Deutsche Beamte machen das im Dienste des Konzerns EADS gerade vor.  Einsatzort: Saudi-Arabien. Kostenträger? Steuerzahler. Ein Zitat?

Mit dem Wissen der deutschen Beamten könnten die saudischen Sicherheitskräfte noch effizienter gegen die eigene Opposition vorgehen. Seit Monaten werden Demonstrationen in Saudi-Arabien gewaltsam unterbunden.

Und da glauben Sie wirklich, wer so denkt und handelt, würde Ihre Tochter nicht ins Bordell schicken? Schauen Sie sich die Gesichter der Täter in Politik und Wirtschaft einfach mal an: diese Knallchargen würden Ihre Tochter sogar freiwillig „einreiten“, wetten?

 

Deutsche Idioten, Steuerhinterzieher, Prostituierte und Rente mit 80

Würde man den Bürgermeister von Londen fragen, so hielte er Deutsche wohl für Idioten, jedenfalls laut Handelsblatt:

Der Bürgermeister von London bezeichnete Fahrer schwerer Geländewagen in der City schon mal als Idioten. An deutschen Neuwagenkäufern perlt solche Häme ab, wie Regentropfen am frisch polierten Range Rover. Sie investieren in sportliche Offroader wie nie zuvor.

Dafür ist Geld da. Nun gibt es SUV schon für relativ wenig Geld, der gute alte Lada kostet knapp 10000 Euro. Was aber allen diesen Monstren gemein sein dürfte: im Verbrauch sind sie sicher nicht billig. Dafür muß also auch Geld da sein, Geld, das man am bequemsten immer noch durch Steuerhinterziehung einsacken kann.  Allerdings – wie das Manager-Magazin in Bezugnahme auf einen Artikel im Spiegel berichtet – geht das Geld jetzt nicht mehr in die Schweiz:

Deutsche verschieben ihr Schwarzgeld von der Schweiz einem Bericht des „Spiegel“ zufolge in größerem Stil in die asiatischen Steueroasen Singapur und Hongkong. Spitzenbeamte des Bundesfinanzministeriums halten es für möglich, dass sie dabei die Hilfe Schweizer Banken bekommen, wie der „Spiegel“ am Samstag vorab berichtete. Grund dafür ist das geplante Steuerabkommen zwischen Berlin und Bern, in dem die Besteuerung von Altvermögen sowie eine Abgeltungsteuer für künftige Erträge festgelegt werden sollen.

Nach Angaben des Bankenexperten der Schweizerischen Volkspartei, Hans Kaufmann, wurden allein in den ersten acht Monaten dieses Jahres 62 Milliarden Schweizer Franken verschoben. Die Schwarzgelder sind in Singapur und Hongkong weitgehend sicher.

Es muß schon ein enormes Maß an krimineller Energie und Verachtung für das eigenen Land, die eigenen Nachbarn und deren Kinder vorhanden sein, das man sein Geld lieber nach Asien schafft als sich hier an dem Erhalt der Gemeinschaft zu beteiligen, dabei ist es erst unsere Infrastruktur, unsere Gesellschaftsordnung und unsere demokratische Kultur, die diese Gewinne überhaupt erst möglich macht. „Nehmen? JA! Geben? NEIN! – so der Slogan der deutschen Leistungselite, der Freiberufler und Unternehmer – also all jener Menschen, die über ihre Steuerzahlungen mehr Souveränität haben als das Millionenheer der durchschnittlichen Angestellten.

Und weil man gerne nimmt, nimmt man auch die Lebensarbeitszeit seiner Mitmenschen gerne mit, weil das das Konto in Hongkong so richtig satt macht, leut FAZ:

In Deutschland haben so viele Ältere eine Arbeit wie in wenigen anderen europäischen Ländern. Die Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen ist seit 2007 um fast 8 Prozentpunkte auf 57,4 Prozent (im zweiten Quartal 2010) gestiegen. Damit nimmt Deutschland hinter einigen skandinavischen Ländern und Zypern eine Spitzenposition in Europa ein.

Ja, welch Wunder! Wir haben gar keine Arbeitslosen mehr. Jeder bekommt in Deutschland Arbeit, auch die, die früher jenseits der Vierzig als völlig chancenlos dastanden.  Und wie immer setzt sich das Prinzip der Leistungselite durch: Rentenbeiträge nehmen? Klar. Rente auszahlen? Lieber nicht.

Die Lebenserwartung und damit die Rentenbezugszeit stiegen außerdem beständig. Bis 2030 werde die Lebenserwartung der 65-Jährigen um 2,8 Jahre zunehmen. „Die Rentenbezugsdauer sinkt also nicht um zwei Jahre, sondern steigt trotz der Anhebung der Altersgrenzen voraussichtlich um 0,8 Jahre“, sagte Gaßner. Die Rentenreformen müssten daher kontinuierlich fortgesetzt werden. Er schlägt vor, die Rentenformel so zu ergänzen, dass die Altersgrenze automatisch parallel zur demografischen Entwicklung steigt. Zudem müssten die starren Grenzen zwischen Erwerbsleben und Ruhestand aufgehoben werden. Der Rentenbeginn müsse, ausgehend von der Rente mit 67, flexibler werden.

So denkt der Präsident des Bundesversicherungsamtes … ein Mann, der Hartz IV auf XXL – Niveau bezieht, sozusagen den 100-Euro-Job statt des ein Euro Jobs.

Wenn die Rentenreformen „kontinuierlich fortgesetzt“ werden müssen, beginnend mit der Rente ab 64, dann ist die Rente ab 80 fest im Blick – und wenn der Mann das schon öffentlich fordert, dann dürfte der genug Rückendeckung im politischen Bereich haben.

Ja, die Leute werden älter. Eine Schande, wenn die nicht nur für die Rente einzahlen, sondern sie auch noch beziehen wollen.

Apropo „Ein-Euro-Jobs“ … wie erwartet profitiert der Bund der Steuerhinterzieher auch hiervon, so heute in der Zeit:

Die Praxis sieht vielfach anders aus: So beseitigten die staatlich finanzierten Ein-Euro-Jobber illegalen Müll, sie halfen beim Umzug eines städtischen Bauhofs oder sie putzten Nasszellen in einem Altenheim. Dies stellt der Bundesrechnungshof fest, der die Arbeit mehrerer Jobcenter untersuchte.

Damit geben die Aufseher in ihrem Bericht Unternehmen Recht, die die Jobs als Konkurrenz im eigenen Geschäftsfeld sehen. Die Kontrolleure bemängeln, dass in mehr als der Hälfte der geprüften Fälle von Ein-Euro-Jobs der Staat hätte kein Geld geben dürfen. Entweder habe es sich bei den Arbeiten nicht wie vorgeschrieben um eine zusätzliche Tätigkeit im Interesse der Allgemeinheit gehandelt oder aber sei durch die Ein-Euro-Jobs nicht geförderten Unternehmen Konkurrenz gemacht worden, hieß es in dem Report, aus dem die Süddeutsche Zeitung zitiert.

Sicher, das ist schlecht für die Unternehmen, die durch die ARGE eine unschlagbare Konkurrenz bekommen – aber es ist gut für all jene, die die Arbeitsleistung der Arbeitslosen fast umsonst bekommen. Da bleibt mehr übrig für Hongkong.  Und die Unternehmer, die nun Aufträge verlieren … können ja ihre Leute einfach entlassen und so die Kosten reduzieren, um selbst auch wieder was für Hongkong zu haben. Das hat für die Auftraggeber den Vorteil, das sie mit demselben Personal weitermachen können – jetzt halt nur für einen Euro.

17 Milliarden gibt die Agentur für diese Arbeitsplatzvernichtungsjobs aus, das sind 17000 Millionen – viel Geld für Nichts, denn wie wir dem Manager-Magazin entnehmen, haben Langzeitarbeitslose ja eigentlich keine Probleme, auch im Alter einen Job zu bekommen.

Bei Frauen ist es sowieso ganz anders, die haben ja noch ganz andere Möglichkeiten Geld zu verdienen – oder Politik zu machen, wie ich heute im Spiegel las:

Charlotte Roche ist eine Meisterin der Provokation und erklärte Atomkraftgegnerin – nun macht sie Christian Wulff im SPIEGEL ein unmoralisches Angebot: Sex dafür, dass der Bundespräsident den Atomvertrag nicht unterzeichnet.

Ich weiß nun nicht, wer Charlotte Roche ist, aber die Methoden der Anti-Atom-Bewegung haben sich seit meiner Zeit sehr verändert. Wir haben früher … andere Angebote gemacht. „Atomkraft nein Danke“ wirkt auch irgendwie souveräner als Prostitution für den Ausstieg. Wenn allerdings dieses Geschäftsmodell durch Medienvorbilder gesellschaftsfähig ist, wird die ARGE in Zukunft ganz andere Möglichkeiten für Ein-Euro-Jobs haben – und die Industrie würde in Folge auch ganz andere Möglichkeiten haben, mit dem Scheckbuch Politik zu machen … also, eigentlich wie jetzt nur dann ganz offen.

Das von Peter Sloterdijk beschriebene Programm der Bürgerausschaltung scheint sehr gut zu funktionieren, vor allem im Großhirnbereich.

Kaum auszuhalten, was auf uns zukommt (und später dann wieder peinlicherweise  in allen Geschichtsbüchern stehen wird) wenn diese Entwicklung so weitergeht.

Aber ich denke, wenn es soweit kommt, dann muß man dem Londoner Bürgermeister recht geben und der Entwicklung am SUV-Markt Rechnung tragen … hier wird ein Volk von Idioten gezüchtet, die mit Geländewagen Hochgeschwindigkeitsrennen fahren wollen – und bald vielleicht auch mit hochgezüchteten Treckern an der Formel Eins teilnehmen möchten.

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